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Prinzessin Arschloch

1

Gestatten: Anna Müller

Untermoscheln – Was zunächst klingt wie eine ansteckende Krankheit, ist eigentlich ein kleines Achthundert-Einwohner-Kaff am Arsch der Welt. Achthundert Einwohner, aber mindestens tausend Kühe und Schweine. Bei achthundert Einwohnern gibt es logischerweise achthundert Geschichten. In diesem Buch geht es um die Geschichte eines Mädchens mit dem exotischen Namen Anna Müller.

Es ist fünf Uhr morgens. Wie sechs Tage in der Woche klingelt um diese Uhrzeit Annas Wecker. Und genau wie an jedem Morgen versucht Anna, mit ihrer Vorstellungskraft die Uhr eine Stunde zurückzudrehen. Erfolglos!

Noch schlaftrunken starrt sie mit halb geschlossenen Augen an die weiße Zimmerdecke und nimmt immer mehr die Geräuschkulisse war, die sich wie ein Presslufthammer in ihr Bewusstsein meißelt. Langsam dreht sie ihren Kopf nach links, um in das verschwitzte, schlafende Gesicht ihres Freundes Nils zu sehen.

Doch das nervtötende Schnarchen vom Nachbarkissen, das andere Menschen wahnsinnig machen würde, zaubert Anna ein Lächeln ins Gesicht. Dies sind die Momente, in denen ihr wieder klar wird, dass dieser 1,85 Meter große, gut gebaute, attraktive Mann ganz allein ihrer ist (inklusive Schnarchen). Sie dagegen – mit 1,68 Metern eher klein geraten, braune Haare mit langweiligem Pony, von dem sie sich, seit sie vierzehn ist, einfach nicht trennen kann, und wahllos verteilten Sommersprossen (was sich der liebe Gott wohl dabei gedacht hat) – hat es noch nie ganz verstanden, womit sie dieses Glück verdient hat.

Umso mehr stellt sie erneut fest, dass es nur fair ist, für diesen Glücksfang sechs Tage die Woche arbeiten zu gehen. Und ehrlich gesagt hat er sich auch eine Pause verdient, nach seinem fast abgeschlossenen Fernstudium der Betriebswissenschaften. Dass er dieses Studium frühzeitig abgebrochen hat, findet Anna zwar persönlich schade, ändert aber nichts daran, dass sie ihm bei seiner Entscheidung den Rücken stärkt.

Mist! Vor lauter Träumereien hat Anna die Uhrzeit aus den Augen verloren. In einer Stunde muss sie auf der Arbeit sein. Allein die Bergund Talfahrt auf dem Rad kostet sie jedes Mal schweißtreibende fünfundvierzig Minuten. Denn während in so ziemlich allen Nachbardörfern ein Bus das gängigste Verkehrsmittel ist, hat Untermoscheln die öffentlichen Fahrdienste vor acht Uhr morgens eingestellt. Doch jetzt schnell!

Vorsichtig zieht Anna die blaue Baumwollbettdecke von ihrem Körper, um Nils noch mehr damit einzukuscheln. Sie erhebt sich geräuschlos aus dem braunen Altholzbett und tippelt auf Zehenspitzen die vier Meter Richtung Badezimmer. Gar nicht so einfach in einer Vierzig-Quadratmeter-Wohnung, in der der Bodenbelag aus vierzig Jahre alten Holzdielen besteht, die bereits beim Anschauen knarzen. In den letzten zwei Jahren hat sie die Stellen gefunden, welche man gefahrlos betreten kann. Es ist ein wenig wie in einem Indiana-Jones-Film.

An manchen Stellen muss sie ein wenig hüpfen, bei anderen darf sie nur leicht auftreten, um dann direkt weiter zu nächsten rettenden Diele zu gleiten. Jedoch wartet am Ende nicht ein verschollener Inkaschatz, sondern nur das mit türkischen Sechzigerjahre-Fliesen ausgestattete Badezimmer. Nun kommt eines ihrer größten Talente zum Einsatz, auf das sie sehr stolz ist. In den vergangenen Monaten hat Anna nämlich gelernt, das Multitasking der morgendlichen Aufbereitung zu perfektionieren. Wer sonst schafft es, mit nicht geputzten Zähnen und ungemachten Haaren den morgendlichen Toilettengang zu beginnen und ihn mit sauberen Zähnen und gemachten Haaren zu beenden? Ob das für den Hauptgewinn beim Supertalent reicht? Sie weiß es nicht. In Lichtgeschwindigkeit schlüpft sie leise in ihre blauen Jeans und zieht das weiße, ausgewaschene Poloshirt mit der Aufschrift „Tante Isabells Backstube“ über. Nur noch die zwei Meter vom Bad zur Wohnungstür trennen sie vom erfolgreichen Abschluss ihrer „Ich wecke meinen Nils nicht“-Mission. Gut gemacht, Dr. Jones, würde es dann heißen. Sich selbst auf die Schultern klopfend und mit einem breiten Lächeln führt sie gedanklich einen Freudentanz an der offenen Wohnungstür auf – um keine drei Sekunden später mit ihrer kleinen schwarzen Eastpak-Tasche wie der letzte Vollhorst die Vase von Nils bester Freundin Janine Richtung Erdboden zu befördern. Klirr! Ein schneller Blick auf Nils und vorbei ist es mit dem Inkaschatz.

Nicht gut gemacht, Dr. Jones. „Na, was ist es diesmal“, grummelt es Anna aus dem Bett entgegen.

„Die kleine grüne Vase von Janine“, flüstert Anna kleinlaut. „Tut mir total leid.“

„Okay“, entgegnet Nils wortkarg. „Hast es ja immerhin zwei Wochen ohne geschafft.“ Traurig über ihre Tollpatschigkeit (neben den Sommersprossen ein weiteres Laster) verspricht sie Nils, eine neue zu kaufen. „Ach ja, kümmerst du dich heute noch um die Bewerbung für den Ausbildungsplatz?“, fragt Anna zögerlich.

„Ein paar von den Jungs wollten nachher noch vorbeikommen“, gibt Nils zurück. „Aber wenn ich danach noch Zeit habe, kümmere ich mich darum.“

„Alles klar, Schatz.“ Mit diesen Worten und einem verliebten Lächeln verabschiedet sich Anna und macht sich daran, die Wohnung zu verlassen. Plötzlich fällt ihr auf, dass sie beinahe das Wichtigste vergessen hat. Schnell hopst sie die paar Meter auf den knarrenden Dielen Richtung Bett zurück, um sich noch von Mr. Brummbär zu verabschieden.

Mr. Brummbär ist ein verwaschener, etwa achtzig Zentimeter großer Stoffbär, den sie von ihrem Vater bekommen hat. Dieser ist vor sechs Jahren an Krebs gestorben, weswegen das Kuscheltier für Anna eine besondere Bedeutung hat. Das war die schwerste Zeit ihres Lebens, an die sie bis heute ungern zurückdenkt. Ihre Mutter hat sie nie kennengelernt, und so gab es immer nur ihren Vater und sie… und eben Mr. Brummbär, den Annas Papa ihr damals zur Geburt gekauft hat. Seit sie denken kann, verabschiedet sie sich, wenn sie das Haus verlässt, von Mr. Brummbär. Er bekommt jedes Mal einen Kuss auf die Nase und einen weiteren auf die Stirn und ein herzliches „Bis später, Mr. Brummbär“.

Nun aber wirklich los! Tür zu, das Treppenhaus herunter geflitzt, raus aus dem Haus und ab auf ihr rosa Fahrrad, das vor der Tür treu auf sie wartet. Bereits auf den ersten Metern beschleicht Anna das Gefühl, etwas weiteres Wichtiges vergessen zu haben. Doch nun ist es eh zu spät – die zehn Kilometer zur Bäckerei wollen in einer neuen Bestzeit zurückgelegt werden. Bereits auf den ersten Metern wird Annas Kondition auf die Probe gestellt. Völlig verschwitzt wird Anna wie jeden Morgen klar, warum Untermoscheln eben Untermoscheln heißt. „Der Mount Everest ist ein Scheiß dagegen“, versucht Anna sich ihre schlechte Kondition schönzureden.

Während Annas Beine immer langsamer und ihre Flüche immer lauter werden, hört sie neben sich ein freundliches und vollkommen entspanntes „Guten Morgen, liebe Anna.“ Völlig angenervt und rot wie eine Tomate dreht sie ihren Kopf nach links – die Richtung, aus der die Stimme kam. „Morgen, Frau… Lend… kühn“, versucht Anna erfolglos ihre Kurzatmigkeit zu verbergen. Kaum hat sie dies ausgesprochen, muss sie plötzlich an die Dokumentation vom letzten Dienstag denken, in der es um die Kurzatmigkeit von Möpsen ging – diese kleinen, niedlich sabbernden Hunde, die gefühlt nach drei Metern Laufen völlig erschöpft zu Boden gehen. Seltsam.

„Grüße an … Herrn Lendkühn“, japst Anna atemlos. Doch Frau Lendkühn ist bereits außer Hörweite hinter der nächsten Bergkuppe verschwunden. Echt deprimierend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Frau bereits Anfang Siebzig ist und eine Beinprothese hat. Doch bevor Anna den Gedanken weiter verfolgen kann, kommt sie auch schon an ihre Lieblingsstelle: die Kuppe des Berges. Von hier aus kann man das ganze Tal überblicken. Man kann über Untermoscheln ja behaupten, was man will, aber die Aussicht ist atemberaubend. Alles, was das Licht berührt… Ach nee, falsche Story. Aber der Ausblick erinnert in seiner Schönheit tatsächlich an einen bekannten Disneyfilm. Der Beginn der grünen Wälder auf der einen Seite, die weiten gelben Kornfelder, die leicht im Wind hin und her schwanken auf der anderen, und die gefühlt unendlichen Kuhweiden.

„Hallo, ihr Lieben“ winkt Anna fröhlich den Kühen zu. Das ist ein weiteres ihrer Morgenrituale. Anna kann es sich bis heute nicht erklären, aber seitdem sie ein kleines Kind war, hat sie schon immer etwas für Kühe übriggehabt. Dieser Teil der Strecke ruft bei Anna stets glückliche Erinnerungen hervor. Über mehrere Jahre winkte sie den Kühen jeden Tag mit ihren Freundinnen Clara und Alex zu, mit denen sie lachend und kichernd auf dem Weg zur Schule hier vorbeigeradelt kam. Clara und Alex. Von beiden hat sie schon lange nichts mehr gehört. Nils hat ihre Freundschaften aus unerklärlichen Gründen nie für gut befunden. Er sagt immer, dass er Anna ganz für sich alleine haben will. Anna hat sich anfangs schwergetan, das zu akzeptieren, jedoch hat es auch einen gewissen Charme. Wie Bonnie und Clyde. Nur eben ohne wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei und einen grausamen Tod in einem von Schüssen durchsiebten Auto.

Traurig ist sie über die verlorenen Freundschaften trotzdem hin und wieder. Denn ein schlechter Einfluss, wie Nils es behauptet, waren Alex und Clara nun wirklich nicht. Clara, Klassensprecherin, Messdienerin und treuestes Mitglied des Untermoschelner Kirchenchores. Und Alex war seit jeher die unscheinbare graue Maus, die nicht wirklich für Partyexzesse bekannt war. Das Wildeste aus Alex‘ Strafregister war der Versuch, mit dreizehn Jahren ihre ersten Zigaretten zu kaufen. Dafür ist sie extra zwei Dörfer weiter in das Kaff Beuel gefahren, um nicht erkannt zu werden. Alex hat sich nach eigener Aussage zwar fast in die Hose gemacht, war aber in ihrer Mission erfolgreich. Stolz kam sie mit den Zigaretten wedelnd zu ihrem Versteck am Bach geradelt. Keine zwei Minuten später versuchte sie vergeblich, mit zitternder Hand ihre erste Zigarette anzuzünden. Die Zigarette wollte einfach nicht angehen, aber dafür roch es plötzlich irgendwie ziemlich nach Erdbeere. Alex, die dusselige Kuh, hatte in ihrer Aufregung das Rot der Marlboro-Zigaretten mit dem Rosa der Erdbeerkaugummi-Zigaretten verwechselt. Das erklärte dann auch, warum ihr der Kioskverkäufer die Zigaretten so bereitwillig ausgehändigt hatte. Die drei entschieden sich nach diesem Erlebnis, gemeinsam mit dem Rauchen aufzuhören.

Noch in Erinnerungen schwelgend, verpasst Anna beinahe das gewünschte Ziel. Das war knapp! Fast wäre sie vom Schwung des Abbremsens über den Lenker geworfen worden, während ihr treues rosa Fahrrad mit quietschenden Reifen vor Isabells Backstube zum Stehen kommt. „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“

Schnell lehnt sie noch das Fahrrad an die mit grauem, altem Putz verarbeitete Wand der Bäckerei. Völlig stolz und total verschwitzt stellt sie fest, dass sie es doch noch pünktlich geschafft hat. Jetzt nur noch das Schloss an dem roten, vergilbten Sechzigerjahre-Kaugummiautomaten mit dem Alf-Aufkleber anbringen. So kommt keiner mehr an die alten, steinharten Bonbons. Das ist aber vielleicht auch gar nicht so schlimm, denn Anna ist sich ziemlich sicher, dass das immer noch die gleichen Bonbons sind wie zu der Zeit, als Anna hier vor vier Jahren angefangen hat. Dabei hatten die damals schon nicht mehr ihre ursprüngliche Farbe.

Endlich an der Tür angekommen, stürzt Anna in die Bäckerei, um Frau Schiffer freudestrahlend zu begrüßen. „Guten Morgen, Frau Schiffer!“

Frau Schiffer ist eine fünfundsechzigjährige, stets gut gelaunte, leicht untersetzte Dame. Unter der Bäckereischürze trägt sie stets eine bis zur Perfektion gebügelte weiße Rüschenbluse mit Schulterpolstern. Auf dem für ihren Körper recht schlanken Hals sitzt der Kopf mit den weißen, zu einem Zopf gebundenen Haaren und einem liebevollen Gesicht, das… sie ernst und traurig ansieht? Moment mal. Was ist hier los?

„Hallo Anna, bitte schließe mal die Tür hinter dir, ich würde gerne mit dir sprechen“, fordert Frau Schiffer den verschwitzten Neuankömmling auf. Auweia. Selten fängt eine gute Nachricht so an.

Frau Schiffer nimmt an dem schwarzen Tisch, der eigentlich für Gäste gedacht ist, Platz und bittet Anna mit einer Handbewegung, es ihr gleichzutun. Anna wird ganz mulmig. „Du weißt ja, es läuft aktuell nicht so rosig.“

Nicht so rosig ist gut, denkt Anna, gestern waren fünf Kunden da und einer davon wollte einen Döner bestellen.

„Ja“, entgegnet Anna zögerlich. Nach einer kurz en Pause fährt Frau Schiffer traurig blickend fort: „Na ja, und… mir fällt es echt total schwer. Aber ich muss dich leider entlassen. Ich hoffe, du kannst das verstehen.“

Anna schnürt sich plötzlich die Kehle zu und sie hat das Gefühl, als ob ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Noch völlig geschockt und ohne groß nachzudenken sprudelt es aus Anna heraus: „Ehrlich gesagt nicht. Jakob ist ein lieber Kollege, aber er kann bis heute keine Brötchen schmieren, kriegt den Kunden gegenüber höchstens einen geraden Satz heraus und ich bin mir ziemlich sicher, dass er die Kasse auch nicht beherrscht.“

Verwundert legt Frau Schiffer den Kopf zur Seite und schaut Anna stirnrunzelnd an. „Anna, dir ist schon bewusst, dass Jakob mein Sohn ist, oder? Und wenn ich ehrlich bin, hast du dir in den letzten Wochen und Monaten auch das ein oder andere erlaubt. Unter anderem hast du letzte Woche zweimal vergessen abzuschließen. Ich bin froh, dass wir nicht bestohlen wurden.“

Was soll man denn hier bitte stehlen, denkt Anna plötzlich. Die drei Brötchen vom Vortag oder die 5,50 Euro aus der Kasse? „Ja, ich gebe zu, letzte Woche habe ich mal was vergessen, aber das war echt eine Ausnahme. Also, dass ich grundsätzlich vergesslich bin, das stimmt einfach nicht.“ Frau Schiffer schaut bedrückt zu Boden. „Anna. Liebes. Mach es mir doch nicht schwerer, als es eh schon ist. Du kannst ab heute frei machen und bekommst dein Restgehalt natürlich ausgezahlt. Lass mir einfach die Schürze und deinen Kassenschlüssel da.“

Anna realisiert, dass es sinnlos ist, dagegen anzukämpfen und greift traurig in ihre Tasche, um den Schlüssel herauszuholen. Doch wo eigentlich ein kleiner, metallener Schlüssel mit lustigem Giraffenanhänger sein sollte, ist nur ein leerer Platz -und die Erkenntnis, was sie heute Morgen tatsächlich noch vergessen hat. Scheiß-Timing!

2

Ein Scheißtag

Der Weg zur Arbeit hat sich ja richtig gelohnt, denkt Anna, während sie sich auf ihr rosa Rad schwingt. Auf geht es zurück nach Hause. Sie überlegt noch kurz, ob sie Nils anrufen soll, um ihm zu sagen, was gerade eben passiert ist, entscheidet sich aber dagegen. Wieder stellt Anna einen neuen Rekord auf ihrem Rad auf – doch diesmal eher in die andere Richtung. Langsam und schleppend tritt sie in die Pedale. Sie ist wütend. Richtig wütend. Doch nicht etwa auf Frau Schiffer, die Anna seit vielen Jahren schätzt, sondern auf sich selbst. Diese Scheißverpeiltheit hat sie einfach mal ihren Job gekostet. Und dann auch noch ihre Reaktion auf die Kündigung! Wie doof muss man denn sein, um den Sohn der Chefin zu kritisieren? Diese freche Art ist Anna gar nicht ähnlich, aber wohl einfach der Unbeholfenheit geschuldet. Erneut fährt sie bei mittlerweile leichtem Regen an den Kühen vorbei. Auch diesmal winkt sie hinüber. Doch was vor nicht einmal einer Stunde voller Leichtigkeit und Freude war, erinnert nun eher an die Schlussszene des Films Titanic… nur etwas weniger dramatisch. Sie ist todtraurig. Die ganze Zeit hat sie versucht, die Tränen zurückzuhalten und stark zu sein, doch nun platzt es aus ihr heraus. Keine Ahnung, warum es ausgerechnet hier und jetzt passiert, aber nun ist es auch egal. Anna weiß nicht, wann sie das letzte Mal so aufgelöst war. Langsam erwachen ihre Beine aus der Narkose. Sie nimmt nun mehr und mehr Geschwindigkeit auf. In Trauer verfallen möchte Anna nun einfach nur noch zu ihrem Nils und in den Arm genommen und getröstet werden – ist er doch der einzige echte Freund, den sie noch hat. Ihr Clyde. Ihr Fels in der Brandung. Hoffentlich ist er noch allein zu Hause, damit sie ihm beichten kann, was passiert ist. Das ist nun wirklich kein Ereignis, bei dem sie Publikum braucht. Nun fließen die Tränen wie bei einem aufgedrehten Wasserhahn. Wie peinlich. Zum ersten Mal in ihrem Leben freut sich Anna darüber, dass es regnet. So sieht niemand, dass das kleine Mädchen auf ihrem rosa Rad heult. Klein, genauso fühlt sie sich gerade.

In dieser Stimmung erreicht sie endlich ihr Zuhause. Mittlerweile klitschnass und einem begossenen Pudel ähnelnd, stellt sie ihr rosa Fahrrad an der grauen Hauswand ab. Sie atmet noch einmal tief durch und blickt zögerlich auf die Haustür. Tausend Gedanken schießen ihr durch den Kopf. Wie soll sie Nils nur erklären, dass sie jetzt kein Einkommen mehr hat? Immerhin gehört Nils ja die Wohnung. Diese hat er zu seinem achtzehnten Geburtstag von seinen Eltern geschenkt bekommen. Insofern leistet er ja seinen Beitrag. Und was ist mit ihr? Jetzt kann sie nichts mehr beisteuern. Einige Minuten im Regen vergehen, bevor sie sich endlich entschließt, es zu wagen. Augen zu und durch! Schnell noch die Haustür geöffnet und dann nähert sie sich mit kleinen, zaghaften Schritten ihrem Zuhause.

Einem wandelnden Gespenst gleich schleicht sie durch das Treppenhaus und steht dann vor ihrer Wohnungstür. Bitte, bitte, lieber Gott – lass Nils alleine sein. Mit zittriger Hand sucht sie ihren Wohnungsschlüssel und findet diesen in ihrer Tasche. Immerhin ein Schlüssel, den sie heute nicht vergessen hat. Sie öffnet die Tür und betritt ihre Wohnung.

Als sie instinktiv nach rechts schaut, stellt sie erschrocken fest, dass Nils nicht alleine ist. Aber seine Kumpels, von denen Nils vorher gesprochen hat, sind es definitiv nicht. Diese liegen nämlich in der Regel nicht nackt in seinem Bett. Es ist Janine, Nils‘ „platonische“ Freundin. Mit aufgerissenen Augen starren sich Anna und Janine an. Keiner bewegt sich. Totale Stille. So etwas nennt man wohl einen Bilderbuch-Schockzustand.

Bevor Anna auch nur ein Wort sagen kann, wird die Stille von der Klospülung unterbrochen. Die Klotür öffnet sich und Nils betritt das Zimmer und erblickt Anna. Auch sein Gesichtsausdruck spricht Bände. Schockzustand. „Hä? Warum bist du denn schon hier? Bist du nicht sieben Stunden zu früh?“, eröffnet Nils das Gespräch unerwartet vorwurfsvoll.

Mittlerweile kreidebleich, ist Anna total überfordert. „Du hast recht. Tut mir leid“, stammelt sie unsicher vor sich hin. Sowohl Nils als auch Janine, die sich zwischenzeitlich mit Annas grüner Bettdecke die Brüste bedeckt hat, schauen Anna verwirrt an. Diese geht nun langsam zwei Schritte zurück Richtung Wohnungstür und verlässt schweigend die Wohnung. Total skurril. Wie? Kein Rumgeschreie? Kein zerbrochenes Porzellan? Nils und Janine können nicht fassen, was gerade passiert ist.

Anna übrigens auch nicht. Langsam steigt sie die Treppe hinab und hält vor der Haustür kurz inne. Sie starrt mit glasigen Augen ins Nichts. Sie hat immer noch nicht realisiert, was sie gerade gesehen hat. Ihr Körper zittert. Ein Kloß schnürt ihr die Kehle zu. Eine unerklärliche Angst steigt langsam in ihr auf. Panik! Sie muss hier weg. Einfach nur weg. Plötzlich kann es sie nicht mehr halten. Sie fängt an zu rennen. Die alte Hauptstraße von Untermoscheln entlang, vorbei an den vergilbten Vorhängen der Wohnhäuser, die ihr jetzt gar nicht mehr vertraut vorkommen, sondern aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen. Sie läuft und scheint überhaupt nicht müde zu werden. Durch die kleine Gasse, an dem grünen Stahltor vorbei und raus Richtung aus der Stadt. Einfach nur weg von hier. Entlang des Feldwegs, wo die Buslinie Zwölf einmal alle drei Stunden fährt, kommt sie langsam an dem gelben Schild mit der Aufschrift „Sie verlassen Untermoscheln“ zum Stehen.

So weit ist sie noch nie gelaufen. Müde und erschöpft sinkt sie an dem grauen Pfahl des Schildes hinab. Ihr Hintern wird nass von dem noch immer mit Tau bedecktem Gras. Sie kann die Spannung nicht mehr halten. Die Tränen brechen aus ihr heraus. Schon das zweite Mal heute. Womit hat sie das verdient? Als sie heute Morgen aufgestanden ist, war doch noch alles in Ordnung. Und nun sitzt sie mit nasser Hose und völlig verheulten Augen unter dem Stadtschild von Untermoscheln. Was hat sie nur falsch gemacht? Sie dachte immer, sie wäre eine gute Freundin. Plötzlich spielt sich die eben erlebte Szene erneut vor ihrem geistigen Auge ab. Sie muss sich übergeben. Wieder zeigt sich der Vorteil ihrer Ponyfrisur: Niemand muss einem beim Kotzen die Haare halten. Jippie. Aber selbst das kann sie nicht trösten. Was soll sie denn jetzt machen? Sie kann doch jetzt unmöglich wieder nach Hause.

Sie bemerkt in ihrer Hosentasche das Vibrieren ihres Telefons. Immer und immer wieder. Vermutlich ist es Nils, aber in diesem Moment ist er der allerletzte Mensch, mit dem sie sprechen möchte. Aber sprechen muss sie mit jemanden. Nur mit wem? Enge Familie hat Anna nicht. Sie kann ja jetzt schlecht Frau Schiffer anrufen und diese mit ihren Liebesproblemen nerven. Auf einmal hört sie von der rechten Seite ein lautes und kräftiges „Muuuh!“. Die Kühe! Natürlich. Der Weg zur Schule mit ihren Freundinnen, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: Clara und Alex! Hastig zieht sie ihr altes schwarzes Smartphone aus der Tasche und wählt wie von Geisterhand Claras Nummer.

Kann sie das wirklich bringen? Nach so langer Zeit und einfach aus dem Nichts sich wieder melden? Diese und viele andere Fragen gehen ihr durch den Kopf. Doch während die Zweifel immer größer werden, ertönt bereits eine freundliche Stimme aus dem Telefon. Aber es ist nicht Claras Stimme. Eher eine zirka vierzigjährige Dame, die Anna darauf aufmerksam macht, dass die gewählte Nummer nicht vergeben ist.

Enttäuscht, aber auch irgendwie erleichtert, stellt Anna fest, dass sich Clara nach den Jahren der Funkstille wohl eine neue Nummer zugelegt haben muss. „Warum bin ich nur so ein Schisser?“, ärgert sich Anna lautstark und tritt mit ihren roten, leicht abgenutzten Turnschuhen gegen das Stadtschild, unter dem sie noch vor wenigen Minuten zusammengesackt ist.

Allerdings lassen Verzweiflung und Wut manchmal Menschen über sich hinauswachsen. Entschlossen nimmt sie erneut das Handy in die Hand und wählt auch diesmal wie aus der Pistole geschossen Alex‘ Nummer. Ganze fünf Sekunden hält die soeben neu entdeckte Entschlossenheit, bevor Anna wieder daran zweifelt, ob sie sich einfach so aus dem Nichts bei Alex melden kann.

„Anna?“, klingt es plötzlich und völlig überraschend aus dem anderen Ende der Leitung. „Hallo Alex, ja, ich bin es. Ich…“ Doch bevor Anna auch nur den Satz zu Ende sprechen kann, unterbricht sie Alex euphorisch. „Anna, wie geil ist das denn? Dass ich dich noch mal höre… Das hätte ich nie gedacht! Wie geht es dir?“ beendet Alex fast schon kreischend ihren Monolog mit einer Frage.

„Du, um ehrlich zu sein, nicht so gut. Ich habe Nils gerade mit einer anderen erwischt und wusste einfach nicht, wen ich anrufen soll“, antwortet Anna mit leiser und beschämter Stimme.

„Was? Das ist ja das Letzte! Du Arme! Und dann rufst du mich als erstes an?“

Anna zögert kurz einen kleinen Moment und geht gedanklich durch, wie schlau es jetzt ist, Alex zu beichten, dass sie eigentlich Clara zuerst angerufen hat. Doch sie möchte die vielleicht neu aufgewärmte Beziehung zwischen ihr und Alex nicht gleich mit einer Lüge beginnen. „Um ehrlich zu sein, hatte ich zuerst Clara angerufen. Aber nicht, weil ich nicht mit dir zuerst sprechen wollte.“ Bevor Anna ihren Satz zu Ende bringen kann, reagiert Alex schon gelassen: „Hey, ganz egal, ob erste oder zweite. Hauptsache, ich bin in deinen Top Ten.“

In genau diesem Moment erkennt Anna wieder, warum Alex schon immer eine so tolle Freundin gewesen ist. Niemals schlecht gelaunt, nie beleidigt und einfach unkompliziert.

„Sag mal, was willst du denn jetzt machen? Hast du dir das schon überlegt?“, fragt Alex nun neugierig.

„Nein, ich habe keine Ahnung. Ich weiß gerade eigentlich überhaupt nichts mehr.“ Annas Stimme wird immer leiser. „Das ist einfach der zweitschlimmste Tag meines Lebens. Erst werde ich gekündigt und dann erwische ich auch noch Nils mit dieser blöden Janine.“

„Mit Janine?! Seiner alten Schulfreundin?“, regt Alex sich nun tierisch auf. „Die habe ich ehrlich gesagt noch nie gemocht. Ich hoffe, du hast ihr wenigstens richtig die Meinung gesagt und die Hölle heiß gemacht.“

Annas Blick spricht Bände. Nur gut, dass Alex sie nicht durchs Telefon sehen kann. Gedanklich geht Anna noch einmal durch, wie sie in ihrer Wohnung steht und sich, wenn man es genau nimmt, auch noch bei den beiden entschuldigt, dass sie zu früh nach Hause gekommen ist. Wie oberpeinlich.

„Nun, ich habe ihre Vase kaputt gemacht!“, stellt Anna mit einem kleinen Geistesblitz fest.

„Sag mal, wenn du doch gerade eh keinen Job hast und sowieso ein wenig Abstand brauchst, warum kommst du nicht einfach für eine Weile zu mir? Ich bin für längere Zeit im Ausland, aber meine Wohnung ist frei – und ein paar Tage bin ich ja auch noch da“, zeigt sich Alex begeistert von ihrem Einfall.

Diese Idee überrascht Anna sehr und bringt sie ernsthaft ins Grübeln. Es ist ja nicht so, als ob sie viele Optionen hätte. „Hmm, ich weiß nicht. Meinst du das wirklich ernst?“, fragt Anna nun mit leicht skeptischer Stimme.

„Ja klar. Ein Tapetenwechsel wird dir richtig gut tun“, freut sich Alex auf der anderen Seite des Telefons.

„Wohnst du denn immer noch in der Frankenstraße 13, wie früher?“, will es Anna jetzt genauer wissen.

„Hahaha…“, lacht Alex amüsiert ins Telefon. „Nein, du. Ich wohne schon seit fast drei Jahren in Berlin. Ich musste irgendwann einfach mal raus aus dem Dorf und meinen Horizont erweitern.“

Berlin? Da gibt es bestimmt ganz andere Tapeten als in Untermoscheln, denkt sich Anna. Nie hat sie daran gedacht, ihr Heimatdorf zu verlassen. Um genau zu sein, hat sie es auch bis heute kein einziges Mal verlassen. Zwar gibt es in Untermoscheln einen kleinen Bahnhof und somit die Möglichkeit, in die weite Welt zu reisen, aber bisher hat Anna nie einen Grund dazu gesehen.

„Na komm schon. Das wird bestimmt ganz lustig, und wir haben uns ja schon Jahre nicht mehr gesehen. Du bist bestimmt total gewachsen“, witzelt Alex nun ins Telefon.

„Aber ich habe noch nicht mal Klamotten mit und muss dann irgendwie noch in die Wohnung kommen, um die zu holen.“

„Quatsch, du kriegst alles von mir!“, unterbricht Alex Anna, bevor diese noch weitere Gründe nennen kann, weswegen sie nicht kommen möchte.

Annas Herz fängt nun richtig an zu rasen. Soll sie es wirklich wagen? Nach Berlin? Das ist ja nun nicht mal eben um die Ecke. Das ist hunderte von Kilometern entfernt! Und sie kennt ja auch niemanden da. Anna weiß nicht, was sie machen soll.

In Gedanken fragt sie sich, warum ihr niemand diese Entscheidung abnehmen kann. Wenn Anna nur ein bisschen mehr zuhören würde, würde sie feststellen, dass Alex seit gefühlt zehn Minuten versucht, genau dies zu tun.

Kleine Schweißperlen bilden sich auf Annas Stirn. Sie erhebt sich nun vom Boden und zieht sich langsam an der grauen eisernen Stange hoch, auf der das Stadtschild zu sehen ist. Moment mal. Wie hat Anna dies denn die ganze Zeit übersehen können? Das ist kein Stadtschild. „Alex… Ich komme“, kommt es plötzlich völlig überraschend aus Annas Mund.

„Echt jetzt?“, wirkt Alex fast schon entsetzt.

„Ja, ich habe soeben ein Zeichen bekommen, dass ich zu dir kommen soll…“

3

Ein Neustart

Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Während Anna nun im Taxi sitzt und versucht, mit ihrer beschmutzten Jeans die Rückbank nicht dreckig zu machen, erkennt sie den Ernst der Lage. Das Taxi fährt sie wirklich zum Bahnhof Untermoscheln. Und die Verbindung, die sie sich mit Mühe herausgesucht hat, würde auch in weniger als zwanzig Minuten starten. Alles erscheint ihr so surreal. Immer noch spürt sie das harte Pochen in ihrer Brust sowie die Schwere ihrer Tränensäcke. Ihr ist immer noch einfach nur zum Heulen zumute. Aber gefühlt müsste ihr Körper schon komplett ausgetrocknet sein, nach all den Körperflüssigkeiten, die sie in den letzten Stunden verloren hat.

Am Bahnhof angekommen, drückt Anna dem altem Taxifahrer, der sie ein wenig an Horst Schlemmer erinnert, die geforderten zehn Euro in die Hand, um sich freundlich aber zügig von ihm zu verabschieden. Schnell rennt Anna zum Bahngleis, um sich zu vergewissern, dass der vor ihr stehende Zug wirklich nach Berlin fährt. Gott sei Dank hat unser Bahnhof nur zwei Gleise, denkt Anna leicht sarkastisch. So steht die Chance, das richtige Gleis zu erwischen, immerhin bei fünfzig Prozent.

Tatsächlich ist es ein Volltreffer: Anna hat richtig geraten. Nun steht sie vor einem weißgrünen Bummelzug der Marke „Wow, die fährt ja noch mit Dampf“ und atmet noch einmal tief durch. Stark bedrängt von der älteren Dame hinter ihr, wird Anna nun mehr oder weniger unfreiwillig durch die Tür hinein geschubst.

Erst einmal einen Platz finden, sagt sie zu sich selbst und sieht sich um. Alles frei. Erschöpft und müde lässt sie sich in ein leeres Viererabteil fallen und der Zug setzt sich in Bewegung. Es riecht, als wäre hier seit Jahren nicht durchgelüftet worden. Ein bisschen nach Frau Schiffers alter Schürze, denkt Anna leicht lächelnd, während das rhythmische Geräusch des Zuges sie in einen tiefen Schlaf fallen lässt.

Als sie das nächste Mal die Augen öffnet, steht ein in blauer Uniform gekleideter älterer Herr vor ihr. Sein Gesicht schmückt ein Siebzigerjahre-Pornoschnäuzer, so dass Anna grade noch das Lächeln darunter erkennen kann. „Aufwachen, junge Dame. Hier ist Endstation.“ Als sie sich langsam und behäbig aus dem Sessel löst, stellt Anna fest, dass sie sich auf die Schulter gesabbert hat. Und zwar nicht zu knapp ! Das erklärt auch das Grinsen des Schaffners, der ihr abschließend zuzwinkert und sich weiter Richtung Führerhaus begibt. Puh, Glück gehabt. Sie hat nämlich völlig vergessen, ein Ticket zu kaufen. Wofür so ein wenig Sabber doch gut sein kann! Den Trick sollte sie sich merken.

Noch leicht verschlafen und etwas wackelig auf den Beinen steigt Anna aus dem Zug aus, um Ausschau nach Alex zu halten. Ihre alte Freundin wollte sie hier auf dem Gleis abholen. Im Hintergrund tönen Ansagen durch die Lautsprecher und überall sind Menschen mit Koffern und Taschen. Ein bisschen hat sie das Gefühl, in einem Ameisenhaufen gelandet zu ein. Der Berliner Bahnhof ist schon ein wenig größer als der in Untermoscheln. Und hier gibt es auch mehr als zwei Gleise. Gar nicht so einfach, Alex unter all diesen Menschen zu finden. In klassischer Indianerpose hält Anna Ausschau nach langen blonden Haaren mit einem 1,70 Meter großen, schlanken Unterbau. Doch irgendwie scheint Berlin wohl mehrere Ausgaben von Alex zu besitzen.

„ANNA!“, schreit es ihr leicht quietschend aus der Menschenmasse entgegen. Plötzlich steht vor ihr ein voll tätowiertes, schwarzhaariges Mädel mit Sidecut. Eine Verwechslung, denkt sich Anna. Anscheinend gibt es hier wohl auch mehrere Annas mit Ponyfrisur in Berlin. Mit mehr Kraft, als sie von dem schlanken Mädchen erwartet hätte, presst dieses Anna fest an sich. „Schön, dass du endlich da bist.“ Während sie leicht hin und her geschaukelt wird, wird die Luft langsam knapp. Mittlerweile wird Annas Gehirn wieder mit Strom versorgt und sie realisiert, dass es sich bei diesem Gesamtkunstwerk um ihre ehemalige „schüchterne graue Maus“-Freundin Alex handeln muss. Herzlich drückt nun auch Anna zurück und freut sich riesig, ihre Freundin wiederzusehen. Von außen müssen die beiden aussehen wie zwei zu schlank geratene Sumoringer, die sich gegenseitig aus dem Ring heben wollen. Doch das ist ganz egal – diese Umarmung hat Anna dringend gebraucht. Hinter dem neuen Look spürt Anna immer noch dieselbe Wärme wie früher.

„Wow, du hast dich ja total verändert. Ich hät te di ch bei nahe nicht wie dere rkannt“ , strahlt Anna Alex entgegen. „Ja, und schau dich erst mal an, du…. Hast du mehr Sommersprossen bekommen?“, beendet Alex schlagfertig den Satz. Woraufhin beide anfangen, herzlich zu lachen und sich erneut zu drücken.

Auf direktem Wege führt Alex Anna durch den Wust von Menschen zum Hauptausgang des Bahnhofs, um sich hier ein Taxi zu schnappen.

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