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Power Act - Ihr starker Auftritt

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweis zum Urheberrecht
  2. Impressum
  3. Widmung
  4. Prolog
  5. Grundbetrachtungen
  6. Teil I Der Mensch – das unteilbare Ganze
  7. 1   Naturgegeben
  8. 2   Unser Gehirn
    1. 2.1   Stammhirn
    2. 2.2   Zwischenhirn
    3. 2.3   Großhirn
    4. 2.4   Interaktionen der Hirnareale
    5. 2.5   Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis
  9. 3   Unser Verhalten
    1. 3.1   Verhaltensmuster
    2. 3.2   Entscheidungen
    3. 3.3   Glaubenssätze
    4. 3.4   Vermeidungssysteme
    5. 3.5   Erfahrungen
    6. 3.6   Innere Haltungen
    7. 3.7   Die richtige Haltung macht den Zündstoff
  10. 4   Unsere Energie
    1. 4.1   Energie und Emotionale Intelligenz
    2. 4.2   Energie als Beziehungskatalysator
    3. 4.3   Das Energiekonto
    4. 4.4   Plug in
    5. 4.5   Freier Zugang zur Quelle
    6. 4.6   Der unterbrochene Energiefluss
    7. 4.7   Stress
    8. 4.8   Burn-out
  11. 5   Das kognitive und somatische Selbst
    1. 5.1   Kopf und Bauch
    2. 5.2   Mit vereinten Kräften
    3. 5.3   Gefühle und Emotionen
    4. 5.4   Zentrieren
    5. 5.5   Das innere Kind
    6. 5.6   Public Persona
    7. 5.7   Die Persönlichkeit
    8. 5.8   Selbstvertrauen/Souveränität
    9. 5.9   Selbst-Kompetenz
  12. Teil II Der starke Auftritt
  13. 6   Power Act
    1. 6.1   Aufgabe und Thema
    2. 6.2   Die sieben Ws
    3. 6.3   Die öffentlichen Auftritte
    4. 6.4   Zur öffentlichen Rede in konkreten Schritten
    5. 6.5   Der Raum ist Ihre Aktionsfläche
    6. 6.6   Varianten des öffentlichen Sprechens
    7. 6.7   Powerperson statt Powerpoint
    8. 6.8   Lampenfieber
  14. 7   Die Kunst, in der Öffentlichkeit Privat zu sein
    1. 7.1   Der Private Moment
    2. 7.2   Die Pause als kleiner Privater Moment
    3. 7.3   Authentizität
    4. 7.4   Präsenz
    5. 7.5   Ausstrahlung
    6. 7.6   Charisma
    7. 7.7   Der erste Augenblick
  15. Teil III Instrument und Kommunikation
  16. 8   Alles ist Kommunikation und Kommunikation ist alles
    1. 8.1   Kommunikation
    2. 8.2   Unser Instrument
  17. 9   Unsere Wahrnehmung
    1. 9.1   Unsere Aufmerksamkeit
    2. 9.2   Unsere Sinne
    3. 9.3   Das Körpergedächtnis
    4. 9.4   Bewusstsein und Bewusstheit
    5. 9.5   Kommunikationshilfe NLP
  18. 10   Die Atmung
    1. 10.1   Unser Atemverhalten
    2. 10.2   Gezieltes Atmen
    3. 10.3   Atem und Gefühle
  19. 11   Spannungsverhältnisse
    1. 11.1   Entspannung
    2. 11.2   Von der Überspannung in die Wohlspannung
    3. 11.3   Unterspannung
  20. 12   Körpersprache
    1. 12.1   Durchlässigkeit
    2. 12.2   Die nonverbale Kommunikation
    3. 12.3   Mimik-Gestik-Körperhaltung
      1. 12.3.1   Mimik
        1. 12.3.1.1   Die Augen / Blickkontakt
        2. 12.3.1.2   Der Mund
      2. 12.3.2   Gestik
        1. 12.3.2.1   Die Hände
        2. 12.3.2.2   Die Arme
      3. 12.3.3   Körperhaltung
        1. 12.3.3.1   Füße und Beine
        2. 12.3.3.2   Das Sitzen, das Stehen und das Gehen
        3. 12.3.3.3   Unser Schwerpunkt
    4. 12.4   Power Poses/Herrschaftsposen
    5. 12.5   Fehlhaltungen
    6. 12.6   Haltungs- und Bewegungsschulung
      1. 12.6.1   Die Alexandertechnik
      2. 12.6.2   Die Feldenkrais-Methode
      3. 12.6.3   Die Grinberg Methode
  21. 13   Das Sprechen
    1. 13.1   Unsere Stimme verrät unsere Gestimmtheit
    2. 13.2   Die Stimme als Referenz Ihrer Persönlichkeit
    3. 13.3   Stimmbildung
    4. 13.4   Hörbildung
    5. 13.5   Einsatz Stimme
    6. 13.6   Unsere paraverbalen Sprechausdrucksmittel
  22. Schlusswort
  23. Übungsanhang
  24. Anhang Texte und Gedichte
  25. Literaturhinweise
  26. Dank
  27. Die Autorin

[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Abbildung

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Widmung

to Marla, Lisa and Jesus

Prolog

Der authentische Selbstausdruck ist der Dreh- und Angelpunkt meines Buches. Sie erfahren hier, wie sich dieser Ausdruck auf natürliche Weise wieder steigern lässt und für Sie erlebbar wird. Der Inhalt dieses Buches basiert auf meinem Expertenwissen und meiner langjährigen Erfahrung und Begeisterung als Schauspielerin, Dozentin, Coach und Trainerin. Nebst professionellen und erprobten Herangehensweisen (Handwerkszeug und Übungen im Anhang des Buches) möchte ich Ihnen vor allem eines mitgeben: das Wissen um die Tatsache, dass alles in uns liegt – verborgen, aber vorhanden. Ihr natürlicher Selbstausdruck folgt den Gesetzmäßigkeiten dessen, was die Natur und das Leben in seinem Ursprünglichen vorgibt. Der wahrhaftige, starke Ausdruck entspringt dem Lebendigen, dem Wesen des Lebens selbst. Die Natur selbst ist ein PowerAct[2].

Ich möchte mit Ihnen das Wissen um die Bedeutung der eigenen Begeisterungsfähigkeit und der daraus resultierenden Kraft und Energie teilen, die es Ihnen ermöglicht, in eine einladende, konstruktive und lebendige Kommunikation einzusteigen – mit sich selbst und anderen. Einzusteigen in einen kraftvollen und überzeugenden Auftritt, indem Sie in Ihrer persönlichen Freiheit und mit Ihrer Potentialentfaltung sich selbst genießen und andere nachhaltig erreichen: Ihren persönlichen PowerAct.

Denn es ist der Sinn und Zweck jeder Kommunikation, den anderen zu erreichen, ob durch Selbstoffenbarung, Appell oder Überliefern von Sachinformation. Wir wollen Aufmerksamkeit für uns selbst und für unser Thema. Jedem Sprech-Denken und Sprech-Handeln liegt eine Absicht, ein Motiv, ein Stimulus zugrunde. Dieser treibt uns an, uns mitzuteilen.

Vor allem aber nicht nur was, sondern wie wir es sagen, bestimmt in großem Maße, ob und wie es beim Empfänger ankommt. Dieses Wie hat viele rhetorische Facetten, verbale wie nonverbale. Hinter diesen stehen wir als Instrument, als Mensch mit unserer Kraft und Energie, sprich unserer Leidenschaft und Begeisterung. So thematisiert dieses Buch nicht nur die zwischenmenschliche, sondern darüber hinaus auch die innere Kommunikation. Die innere Kommunikation bestimmt nämlich maßgeblich mit, wie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aussehen. Sobald wir anders mit uns selbst umgehen, wirkt sich diese Veränderung auch auf die Kommunikation mit anderen aus. Durch die Art und Weise, wie wir kommunizieren, entscheiden wir, wie sich unsere Beziehungen entwickeln, ob intensiv, tief, eng, interessant, distanziert oder oberflächlich plätschernd. Es geht um das weite Feld zwischen mündlicher und körperlicher Kommunikation, verbal oder nonverbal, es spricht immer der ganze Mensch.[3]

Eine echte Stimmigkeit in Körpersprache, Ton und Verhalten entsteht durch Klarheit über das Was und Warum der Aufgabe sowie in Anbindung an die eigene Begeisterung. Der individuelle, kraftvolle Selbstausdruck, PowerAct, lässt aufgesetzte Gesten und Verhaltensweisen überflüssig werden. Die authentische Präsenz erhöht Glaubwürdigkeit und persönlichen Selbstgenuss.

Meine Inspiration, mein Wissen, meine Begeisterung und mein praxisnahes Know-how sind Bausteine meiner Arbeitstechnik: Building a Character. Mit der psychologischen Herangehensweise der Lee-Strasberg-Methode spanne ich einen Bogen zwischen Theater Acting und Business Acting. Die Devise: Sein statt Schein. Diese Methode liegt im Wesentlichen als Grundverständnis diesem Buch zugrunde: ein ganzheitliches Verständnis, welches die inneren psychischen Prozesse (Emotion, Energie, Gedanke) mit einschließt. In meine Arbeit fließen nebst Schauspieltechniken weitere Elemente wie Erkenntnisse von Samy Molcho, der Alexander-Technik, der Feldenkrais-Methode und der Suzuki-Methode ein. Für Atem und Stimme finden Sie Übungen der Linklater-Methode, der Schlaffhorst-Andersen- und Middendorf-Methode sowie Übungen nach Aderhold.[4]

Seit 20 Jahren unterrichte und coache ich nicht nur fürs Showbusiness Schauspielkollegen in Bezug auf Rollenstudium, Stimme und Persönlichkeitsarbeit, sondern ebenfalls Menschen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern, im Unternehmen sowie Selbstständige (Angestellte, Chefs, Manager, Journalisten, Pfarrer, Lehrer, Trainer etc.). Ich unterstütze alle, die präsentieren und sprechen müssen.

Dieses Buch soll als Anleitung, Wachmacher und Inspiration verstanden werden. Wenn Sie es gelesen haben, hat sich noch nichts wirklich verändert. Vielleicht habe ich Ihr Interesse geweckt, vielleicht stimmen Sie mir in vielen Aspekten zu, und vielleicht, und das wünsche ich mir, gibt es tief innen in Ihnen ein emotionales Verstehen, welches eine Ahnung davon hat, worum es geht. Meine Absicht ist, Ihr Interesse und Ihre Lust auf die eigene Erfahrung in diesem Bereich zu wecken.1

1Ich verwende in meinem Text bewusst die männlichen Endungen. Dies ist für mich kein Indikator der Geringschätzung meines Geschlechts. Das er bezieht sich auf den Menschen allgemein.

Grundbetrachtungen

… es beginnt mit uns selbst
[5]

Sie können nur das zeigen, teilen und geben, was Sie haben und was Sie wirklich sind. Deshalb geht es immer darum, bei sich selbst anzufangen, und zwar ganzheitlich: mental, physisch, psychisch und spirituell. Sie sind Pianist und Piano zur gleichen Zeit. Um persönliches Potential entfesseln und wachsen lassen zu können, bedarf es natürlich auch Technik, einer Technik, die Sie als Mensch in den Mittelpunkt stellt. (In diesem Falle spreche ich von Instrument). Eine Technik, mit der Sie üben und trainieren können, nicht nur um Ihre Fertigkeiten, sprich „skills”, kennenzulernen und zu verbessern, sondern auch, um Ihre ureigene Kraft und Persönlichkeit zu erfahren, um diese zu leben und zu vermitteln.

Voraussetzung ist eine positive und gesunde Einstellung zu sich selbst. Was Sie dazu brauchen, sind Hingabe (Commitment) und Zeit. Von Quick Fixes (Schnellschüssen) und oberflächlichen Tipps halte ich wenig. Diese bedienen nur Ihren Wunsch, beeindrucken zu wollen. Äußerer Lack ist schnell wieder ab, wenn die Grundierung, sprich der Unterbau, fehlt.

Alles, was wir brauchen, haben wir, liegt in uns, ist in unseren Genen, in unserem Körpergedächtnis. Aber unsere restringierte Gesellschaft mit den vielen Reglementierungen sorgt dafür, dass unsere natürlichen Potentiale, unsere Ausdruckskraft und unsere Lust verloren gehen. Und mit der Zeit verschwindet auch unser Selbstvertrauen. Jetzt mit 30, 40 oder 50 Jahren WOLLEN Sie dies wieder lernen, weil es Ihnen beruflich und menschlich weiter hilft – aber wie? Wir haben es verlernt. Verkrustet, starr in Körper und Geist fehlt uns der Mut, der Spaß, die Energie …[6]

Gute und wissenswerte Tipps und Ratschläge dazu findet man zuhauf in vielen Rhetorik- und Kommunikationsbüchern. Vielleicht haben Sie auch schon einen Vortrag oder ein Seminar zu diesem Thema besucht. Lehrreich und interessant …, aber mit der realen Umsetzung hapert´s dann letztendlich doch, denn kognitiver Input lässt Sie noch lange nicht authentisch und zielgerichtet handeln. Grundsätzlich wissen wir so vieles – aber tun es nicht.

Es geht also weniger darum, was in Ihrem Kopf passiert, Ihrem Intellekt, denn der hat ja bekanntlich gute Vorsätze. Was zählt, ist das, was Sie tun, was Sie im Endeffekt ganzkörperlich umsetzen und anwenden können. Denn nur im Tun, im ständigen Üben, lassen sich Veränderungen erzielen, ebenso wie durch Einholen von Feedback durch andere und kritische Selbstreflektion. Neben wissenswerten Basics und einigen Übungsansätzen geht es mir darum, einen freien, kraft- und lustvollen Umgang mit sich selbst zu finden, besser gesagt, wiederzufinden. Denn alles, was Sie brauchen, haben Sie, liegt wie gesagt in Ihnen, vielleicht verdeckt, vergessen, aber vorhanden – nur weil wir es nicht verstehen zu erkennen oder zu suchen, heißt das noch nicht, dass es nicht existiert. Haben Sie erst einmal Geschmack gefunden an Ihrer wiedergefundenen Kraft, an Ihrem Spaß und Ihrer Freiheit im Umgang mit sich selbst, braucht es keine Tipps mehr, dann läuft der Katalysator und Ihre Potentiale stehen Ihnen frei zur Verfügung.[7]

Ob gegenüber Ihrem Chef, Ihrem Team, kleiner oder großer Hörerschaft: Sie können immer nur das repräsentieren, was Sie sind. Fakes fliegen früher oder später auf. Es ist dabei egal, was Sie präsentieren oder verkaufen. Im Grund genommen präsentieren oder – im übertragenen Sinne – verkaufen Sie immer etwas, sei es eine Idee, einen Vorschlag, ein Produkt oder ein Seminar. Ich beispielsweise „verkaufe” mich als Schauspielerin oder biete mich mit meinem Expertenwissen als Trainerin, Coach und Speakerin an. Wir verkaufen, präsentieren und repräsentieren immer, solange wir im Business bleiben und aufsteigen wollen. Und dieser ACT läuft über Kommunikation, verbal wie nonverbal. Sind Sie öffentlich, brauchen Sie nebst Fachkompetenz ein gewisses Licht, Ausstrahlung, Durchsetzungskraft … Sie brauchen einen starken Auftritt!

Dieses Buch basiert auf meiner Praxiserfahrung als Schauspielerin, als langjährige Trainerin und – als Mensch. Vielleicht werden Sie jetzt bei Mensch schmunzeln, aber vieles ist wesentlich einfacher, als wir oft denken. Ich orientiere mich grundlegend am Ursprünglichen, am Natürlichen, also an dem, was uns das Leben, die Natur in seiner reinen Form vorgibt. Sie selbst ist der größte Lehrmeister, sie erschafft sich jeden Tag neu, mit Kraft in Wundern und unglaublicher „Logik”. Sie ist in sich stimmig und vollkommen. Sie erklärt sich aus sich selbst heraus, und wenn wir achtsam in der Beobachtung sind, können wir jeden Tag von ihr lernen. So ist der Mensch in seinem Naturzustand – als Kind – authentisch und mit allem ausgerüstet, was er zu einem gesunden und glücklichen wie erfolgreichen Leben braucht. Sein Körper ist weich, flexibel und frei. Der Geist kreativ, offen und neugierig. In der inneren Haltung vertrauensvoll und begeistert.[8]

Leider hat die restriktive Erziehung seitens Elternhaus und Schule diese natürlichen Anlagen bei vielen Menschen verändert. Durch lieblose und achtlose Behandlung, manchmal auch durch zu frühen und übertriebenen Leistungsanspruch verlieren wir peu à peu all die wunderbaren ursprünglichen Eigenschaften. Wir werden mutlos, uninteressiert, unsicher. Angst und Selbstzweifel und somit Rückzug machen sich breit. Und so gehen wir dann miteinander um, häufig aus der Defensive heraus und agieren auch sprachlich abwehrend. Wir grenzen uns ab und aus. Statt einzuladen und uns einzulassen, vermeiden wir Nähe und Kontakt mit anderen und mit uns selbst.

Wir stecken lieber unsere „Weisheit” in Errungenschaften, die uns letztendlich noch weiter von uns selbst und den anderen entfernen. Wir erfinden Cyberspace, kommunizieren in abgerissenen Sätzen via Facebook oder Sms. Wir erfinden das Internet, vernetzen uns auf höchstem Niveau, aber wir bleiben selbst dabei einsam. Wir sitzen vor Maschinen statt vor Menschen oder in der Natur. Wir sprechen oder fühlen nicht wirklich mit dem Menschen auf der anderen Seite, denn wir haben etwas Lebloses dazwischen geschaltet, eine Maschine.[9]

Natürlich ist Technik nützlich und sie kann Unglaubliches leisten, aber sie ist unbeseelt und deshalb nur als Hilfsmittel und nicht als Hauptmittel zu begreifen. Wir stecken Unsummen an Geld und Zeit in Entwicklungen oben genannter Techniken, rüsten unentwegt Computer und Smartphones auf, für ein Besser, Schneller, Weiter. Aber wir selbst bleiben auf der Strecke (und viele merken es nicht einmal). Es ist leider ein Immer-weiter-von-uns-weg, hinein in eine materielle, technische Welt, in der viele Menschen Trost in Tabletten, Drogen etc. suchen. Anschließend brauchen wir einen Therapeuten oder einen Coach, der die abgespaltenen Anteile wieder geraderückt, zusammenfügt. Der uns hilft, für die entfremdete Außenwelt zu funktionieren … Ein Teufelskreis, ein Desaster.

Wie Sie merken, geht es mir in diesem Buch nicht allein um das öffentliche Sprechen. Es muss darüber hinausgehen. Wir können nur öffentlich und miteinander kommunizieren, wenn es uns gelingt, auf uns selbst zu hören, auf unser Herz. Wenn wir es ermöglichen, dass alle Persönlichkeitsanteile miteinander in Kommunikation gehen. Wenn wir verstehen, dass bei jedem Austausch auch Energie ausgetauscht wird, und dass sich nebst Informationen auf der Sachebene auch emotionale Energie vermittelt. Es geht deshalb hier nicht vordergründig um: Schneller-Besser-Weiter. Dies sind meist Ziele, die außerhalb unserer Person liegen. So ist auch Erfolg in seinem Wesen etwas, das außerhalb von uns liegt, nämlich etwas, das wir erreichen wollen, etwas, das erst einmal durch andere definiert wird. Erfolge zu erzielen macht uns zufrieden, glücklich – auf kurze Zeit. Aber es geht um mehr. Es geht zunächst um das, was in uns liegt. Und nicht, was durch den Er-folg folgt. Es geht um unsere Anbindung, um unser Wachstum und unsere Potentialentfaltung.[10] Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela, Mutter Theresa und Jesus Christus: Ihnen ging es nicht vordergründig um persönlichen Erfolg, sondern um gute Kommunikation. Verbindende Kommunikation. Eine Kommunikation, die aus dem Herzen spricht!! Aus der ein Miteinander in allen Konsequenzen möglich wird. Eine Kommunikation, die das Gegenüber wertschätzt, liebt und respektiert.

Wenn uns das gelingt, sind wir erfolgreich, weil wir wieder bei uns selbst angekommen sind, im Naturzustand. Von hier aus wird alles weitere möglich … Durch unsere eigene Lebenslust und Lebenskraft sind wir stark!! Für uns und andere.

Wenn wir uns innerlich groß und weit begegnen können, wenn es nicht wichtig ist, ob der erste Versuch ein Volltreffer wird, sind wir viel kraftvoller und ausdrucksstärker, weil frei, und somit kausal unabhängig von Erfolg. Wir können mehr im JETZT sein, nicht im was folgt, im ERFOLG. Nur in der Freiheit und in der Selbsterlaubnis können wir uneingeschränkt gestalten, so als seien wir auf einer Probe. Jede Form von Druck, den wir uns selber machen, weil wir glauben, dass andere uns drücken, wirkt kontraproduktiv. Druck komprimiert, nicht nur in der Physik ein Thema, sondern auch für unseren Körper. Wir werden steifer, fester, einfallsloser. Kreativität schwindet, Scheuklappen bilden sich, schlimmstenfalls Blockaden. Und das alles, weil wir denken, wir müssen gut sein. Oder weil wir denken, wir sind nicht gut genug![11]

Die Frage, die wir uns stellen sollten, heißt: Wie wollen wir sein … – unabhängig von: Wie wirke ich? Glücklich und verbunden ist der, der in sich ruht und nicht auf der Jagd ist, Fremdbilder zu erfüllen. Was es zu erfüllen gilt, ist unser eigenes Selbst. Mit Lust und Mut zum Ich. Mit allem Potential, das in uns steckt. Dies zum Ausdruck gebracht hinterlässt – ohne Krampf – eine starke Wirkung.

Ihren PowerAct. Entschieden – Klar – Kreativ

Kopf und Bauch der Dichter und Denker

Nebst zahlreichen Theaterengagements im deutschsprachigen Raum, seit 2012 auch in NY, macht es mir seit vielen Jahren immer wieder sehr viel Spaß, mit einigen der größten Schauspiellehrern und Coaches zusammenzuarbeiten und zu lernen. Sie sind oder waren meine wichtigsten Mentoren: Walter Lott, Larry Moss, Susan Batson und Jack Garfein. Ihnen habe ich so vieles zu verdanken und dies geht weit über die Schauspielarbeit an sich, professionellem Handwerkszeug und Leidenschaft hinaus. Es ist mehr ein Lebensgefühl, eine Inspiration, ein Einblick in mein Selbst, eine Empathie für andere Menschen und Charaktere. Eine Liebe für den Menschen schlechthin, sowie eine noch größere Ehrfurcht und Respekt vor meinem Beruf. Und dem Verständnis, wie alles Denken, Fühlen, Glauben, Mensch und Natur universell zusammenhängen. Geht doch die wahre Kunst über das Unmittelbare hinaus. Sie ist oder wandelt sich in eine Energieform, in der wir uns selbst transformieren, hin zum Kosmischen, Göttlichen. Denn immer dann, wenn wir unsere Emotionen anerkennen und wahrhaftig leben, sind wir nicht nur in Verbindung mit uns selbst, sondern mit allem Lebendigen und Gott.[12]

Von den Amerikanern habe ich neben fachlichem Know-how viel über Leichtigkeit, Aufgeschlossenheit und Spaß gelernt. Aus Genuss, also aus Begeisterung und Freude heraus zu agieren, zu sprechen, aufzutreten, ist ein Bestandteil des American Way of Life, was grundsätzlich vieles leichter macht, da man hier aus einem anderem Blickwinkel und emotionaler Anbindung heraus Menschen und Situationen begegnet. Wir, die Deutschen, stellen die Probleme gerne in den Vordergrund, die Amerikaner die Möglichkeiten.

Die Deutschen, das Volk der Dichter und Denker, begegnen der Welt zunächst einmal mit Skepsis, Zweifel und aus der Distanz heraus. Ernst, kritisch und grüblerisch analysieren, werten und kontrollieren wir. Dadurch fühlen wir uns sicher und wohl. Denn jetzt sind wir im Kopf, da kann uns a) emotional so schnell nichts passieren und b) befinden wir uns auf bekanntem Terrain, jetzt können wir die Dinge bedenken, ermessen, berechnen. Und darin sind wir gut. Mit dem Kopf haben wir ein gutes Problemlösungsinstrument, welches unablässig beschäftigt ist, uns zu beschäftigen. Aber der Kopf löst nicht nur die Probleme, sondern er ist, zur gleichen Zeit, ein guter Arbeitgeber: Er erfindet sie. Haben wir noch keine Probleme, dann erdenken wir sie uns, so einfach ist das. Die Amerikaner, die Südeuropäer, die Afrikaner (natürlich gibt es diesbezüglich noch mehr Völker auf der Erde) agieren mehr aus dem Bauch heraus, aus dem Hier und Jetzt. In ihrer Mentalität genießen sie das Leben in seiner Vielfalt. Wir berechnen es. Aber alles fünfmal zu überdenken, macht uns nicht nur langsamer und kritischer, es macht letztendlich auch unentschlossener. Manchmal wägen wir so lange ab, bis nichts mehr übrig bleibt. Inspiration, Impulse, das reine und wahre Gefühl, jeder leuchtende Moment sind verpasst und kaputt gedacht. Sachlich berechnet, aber es lebt nicht mehr. „Der Kopf is a Drecksau”, wusste schon Josef Bierbichler, ein beeindruckender deutscher Schauspielkollege, zu sagen. Wir Künstler wissen, dass Denken der Feind von Kreativität, Spontaneität und kraftvollem Handeln ist.[13]

Der für meine Überlegungen wichtige Aspekt ist: Aus welchem Teil meines Selbst schöpfe und wirke ich – Kopf oder Bauch? In diesem Buch geht es nicht um entweder – oder, sondern um eine kluge und somit nützliche Balance zwischen beiden. Dies ist machbar, mancher muss jedoch lernen, beides besser zu verkabeln. Das Wesentliche liegt im Einfachen, in der Simplizität. So soll auch dieses Buch immer in Anlehnung an das Leben selbst, an das Ursprüngliche, das Natürliche verstanden werden. Aus diesem Verständnis heraus gehe ich in alle weiteren Bereiche: das psycho-logische Fühlen, Denken und Handeln.[14]

TUN WIR’S! Let’s do it!

Als Schauspielerin komme ich aus der Praxis, aus dem aktiven Bereich. Dem Physischen. Dem Tun. Im Englischen (wie in vielen Sprachen des indogermanischen Sprachstammes) ist der Actor der Handelnde. Welcher nicht nur denkt und fühlt, sondern auch tut und handelt. Sein Denken, seine Absichten, seine Bedürfnisse führen und drücken sich in einer physischen Handlung aus. Sichtbar, hörbar und fühlbar. Das A aus dem Actor und der Action habe ich dem großen A in PowerAct zugedacht. Alles, was der Schauspieler, der Actor, zur Verfügung hat, um in den Ausdruck zu gehen, sind seine Stimme, sein Körper und sein Text. Er kanalisiert sozusagen seine inneren Prozesse, also seine Gedanken, Gefühle, alle Impulse, seine Energie, durch diese drei Kanäle. Durch sie erreicht und bewegt er das Publikum. Das ist alles, was er erst einmal hat (lassen wir den Aspekt des Talentes und der Inspiration hier mal bei Seite). Richtig und professionell eingesetzt ist es viel!

Das also ist der erste Ansporn in diesem Buch: Wir tun´s. Sie lernen Tischtennis spielen, indem Sie üben, indem Sie´s tun. Ihnen einen Vortrag darüber zu halten, wäre wenig hilfreich. Sie müssen mit Ihrem Schläger an den Tisch und spielen. Nur das bringt Sie weiter. Suchen Sie sich einen guten Trainer oder Coach und dann geht´s los … – falls Sie vorhaben, professionell zu werden. Das gilt für Tischtennis wie jeden anderen Profisport genauso wie für das öffentliche Sprechen. Wenn Sie Klavierspielen können wollen, dann nehmen Sie sich ja auch einen Lehrer. Und der bringt Ihnen übrigens keine „schnellen Tricks” bei, denn kein Mensch glaubt, dass er in drei Tagen auf dem Klavier die „Ballade pour Adeline” spielen kann. Aber viele von Ihnen denken, dass sie in wenigen Stunden Präsentieren und öffentlich Sprechen lernen können, denn wir können ja alle sprechen und uns bewegen, nicht???[15]

Präsentieren – ein SCHAU-SPIEL?

Kommen wir erst einmal zum deutschen Wort Schauspiel zurück. „Schau” impliziert zur Schau stellen, also öffentlich zeigen, nach außen stellen, aber auch gleichzeitig etwas vortäuschen, vormachen … also „faken”. Und hier sind wir genau bei dem Aspekt, worum es weder beim guten Schauspiel noch beim Präsentieren geht: dem Täuschen. Wir täuschen nicht vor. Wir sind!! Wir sind authentisch!!

Wenn Klienten mir zu Beginn unserer Arbeit sagen, „ich möchte ja kein Schauspieler werden”, antworte ich ihnen: „Ganz genau, das brauchen Sie auch gar nicht … (denn ich weiß, was darunter allgemein verstanden wird).” Ein guter Schauspieler ist immer bemüht, das wahre Leben seines Charakters zu erschaffen. Dies gelingt ihm nur, wenn er seine eigene Wahrhaftigkeit benutzt. Wenn er den Charakter, den es zu erschaffen gilt, lebt, ihn in sich findet. Es geht stets um das Erschaffen von Authentizität. Nur das bewegt, berührt und begeistert. Künstliches, übertriebenes, aufgesetztes Verhalten, Vorspielen und Demonstrieren schafft Distanz und manchmal sogar Abneigung. Im worst case wendet sich das Publikum ab und somit ist der Sinn und Zweck des ganzen „Theaters” verfehlt. Natürlich fragen Sie sich nun: Wie funktioniert das mit der Begeisterung bei so furztrockenen Themen wie die Auswertung pharmakologischer Daten oder der Erklärung der Finanzbilanz oder bei Vorträgen, wo Sie als Abgesandter des Chefs vor Mitarbeitern sprechen. Würden Sie öffentlich über den neu gekauften Porsche oder voller Stolz über die Promotion Ihres Sohnes sprechen, dann würde das mit der Begeisterung vielleicht noch funktionieren, aber so?[16]

Spielen ist in diesem Zusammenhang ein wunderbares und wichtiges Verb. Denn nirgends lernen wir leichter, tiefer und nachhaltiger als im Spiel. Hier sind wir frei und machen eine ganzkörperliche und geistige Erfahrung. Wenn wir wieder unseren Spieltrieb aktivieren lernen, können wir uns mit Spaß und Selbstgenuss öffnen und ohne Bewertung von Richtig oder Falsch über uns hinauswachsen. Im Spiel haben wir den besten Zugang zu unserer Kraft, unserer Fantasie, unserer Kreativität und unserer Konzentrationsfähigkeit. Und Spielen hat hier nichts zu tun mit Spielerei, Oberflächlichkeit, Unsinn machen oder gar Alberei. Schauen Sie Kindern zu, wenn sie Indianer oder Cowboy spielen. Sie sind absolut ernsthaft, voll konzentriert, voller Energie und Power, voller Lebensfreude und Authentizität. Sie sind in diesem Moment ein Indianer oder Cowboy, sie setzen all ihre Fantasie ein, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Küchengeräte oder andere Objekte werden zu Waffen oder Pfeilen, Stühle zu Pferden.[17]

PROBEN-PROBIEREN-ÜBEN

Im Spielen wie im Probieren sammeln wir Erfahrung – ganzheitlich. Der ganze Mensch ist beteiligt, von Kopf bis Fuß. Es ist ein Zustand des Suchens und Sammelns von Möglichkeiten. Zu Beginn weiß man noch nicht, worauf es hinausläuft. Man hat Raum. Raum für Fehler, für Spaß und Fantasie. Raum für Möglichkeiten und Weiterentwicklung. Meine amerikanischen Kollegen lieben dieses Wort: Probieren, Probe. Das englische Äquivalent to rehearse (rehearsal) impliziert auf der semantischen Ebene diese Begrifflichkeiten und Möglichkeiten des Versuchens nicht. Probieren ist work in progress.

Spielerisches Handeln

Mit Technik, im Sinne von Übungen, dem richtigen Mindset (innere Haltung), bringe ich Ihnen über das Spielen bei, zu handeln – authentisch, stark, genussvoll. Powerful. Das Wort Power meines PowerActs meint kraftvoll und leicht zur gleichen Zeit. Ein spielerisches, wandelbares, sich ewig neu erfindendes konzentriertes Kraftvollsein. Denn es geht nicht darum, besser zu funktionieren, sondern es geht darum, kraftvoll und in Begeisterung zu sein. Wollen Sie in der Öffentlichkeit sprechen und „erscheinen”, so gilt es aus diesem begeisterten, kraftvollen Ort heraus zu handeln. Und das meint PowerActing.

Haben Sie sich entschieden, an die Sache professionell heranzugehen, wird es wichtig, sich Zeit für die Vorbereitung zu nehmen (und hier meine ich nicht nur inhaltlich). Sie müssen probieren und üben. Bitte tun Sie das immer laut. Sprechen Sie laut und probieren Sie so, als würde der Vortrag, die Rede, Ihr Auftritt jetzt stattfinden. Es ist professionell, öffentliches Auftreten zu probieren, zu üben. Suchen Sie sich einen geschützten Raum, wo Sie Fehler machen und nach Herzenslust ausprobieren können. Bitte denken Sie stets daran: Der Profi übt, der Laie nicht.[18]

Nur im Tun, im ständigen Üben lassen sich Veränderungen erzielen. Probieren und Üben bedeutet Sammeln und Bilden von Erfahrung, Erforschen von Wirkung. Und glauben Sie mir, Sie werden kein besserer Redner oder charismatischerer Chef mit fünf schnellen Tricks aus der Trickkiste. Nehmen Sie sich Zeit und üben Sie!!

Zeit und Raum

Hiermit wären wir beim nächsten Thema Zeit – ja, ja, hier beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz, niemand hat mehr Zeit. Deshalb sind ja alle scharf auf schnelle Tricks … Auch hier brauchen wir eine neue Einstellung: nämlich mehr Zeit für Selbstwahrnehmung und Selbstentwicklung.

Ein englisches Sprichwort sagt: „If you don´t have time you waste your time.”

In der Persönlichkeitsentwicklung bilden Sie Ihre Persönlichkeit, Ihr Selbst, ganzheitlich. Aber was heißt hier Selbst, welcher Teil vom Selbst ist hier gemeint? Im Business Coaching gibt es den Begriff Persönlichkeitscoaching und das Coaching für Zeitmanagement und Selbstorganisation, sie umfassen konträre Inhalte, denn das Zeitmanagement beschäftigt sich bei Angestellten vielmehr damit, wie sie ihre Arbeitszeit noch effektiver für ihre Firma zur Verfügung stellen können. Nicht für sich selbst. Als Freiberufler oder Selbstständiger sieht das schon anders aus, da greifen beide Begriffe mehr ineinander. Je effizienter sie beruflich arbeiten, desto mehr Zeit steht ihnen persönlich für ihre Freizeit und ihr Selbst zur Verfügung.[19]

Die Selbstorganisation zielt, nebst Selbstbestimmung, mehr auf Effizienz im Zeit- und Nützlichkeitsrahmen für Beruf und Firma ab, weniger auf Balance oder Auftanken von Energie.

Wenn ich hier von Selbst- oder Persönlichkeitsentwicklung rede, dann meine ich, Sie tun es in erster Linie für sich selbst. Denn nur dann, wenn Sie selbst Ihr gewonnenes Wachstum, Ihre Entfaltung spüren und leben, erst dann nutzt Ihnen und gleichwohl den anderen dieser gewonnene Mehrwert. Und dieser gilt dann für alle Lebensbereiche, privat sowie beruflich. Es geht nicht darum, besser zu funktionieren, sondern es geht in erster Linie darum, kraftvoll und mit Selbstgenuss zu leben. Wir können nur das präsentieren, was wir zur Verfügung haben, was in uns steckt und deshalb fangen wir an: bei uns selbst. Wir können nicht anders präsentieren, als wir leben.

So baut sich das Buch auf drei Grundsäulen auf:

  • Innenleben: die Summe aus Emotionen, Bedürfnissen, innerer Haltung Energie, Blockaden Überzeugungen, physische wie psychische Gesundheit, Befindlichkeit und Balance. (Teil I)

  • Rolle (in welcher Funktion treten Sie auf und agieren Sie) (Teil II)[20]

  • Instrument, dazu gehören alle nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten wie Körpersprache und Stimme, Ihr gesamter physischer Selbstausdruck. (Teil III)

Es geht also in der Essenz um Ihre Potentialentfaltung, Ihre Ausdruckskraft und Ihre Persönlichkeitsentwicklung. Diese brauchen Zeit und Raum und bilden gleichsam das Fundament für authentischen Selbstausdruck, professionelles öffentliches Sprechen sowie kraftvolles, charismatisches Auftreten und Präsentieren.

Während Sie weiterlesen, werden Sie verstehen,

  • wie sich die psychologische Theatermethodik auf das öffentliche Sprechen und Präsentieren übertragen lässt,

  • wie es möglich wird, Erfahrungen und Begeisterungsfähigkeit der Kindheitszeit und die damit einhergehende Ausdruckskraft zu reaktivieren und für den Vortrag nutzbar machen zu können.

  • wie Sie Ihre vitale, mentale und emotionale Energie für Ihre Motivation und Ihre Ausdrucksstärke nutzen können,

  • wie Ausdruck und Wirkung zusammenhängen,

  • wie Sie vorhandene sowie verborgene Potentiale für den Auftritt nutzbar machen,

  • was Auftreten ohne Maske bedeutet,

  • dass Authentizität aus Ihrem wahrhaftigen Selbstausdruck entsteht,

  • dass wir alle alles in uns tragen, dass wir alle Künstler sind und den Mut haben dürfen uns zu zeigen,

  • warum Einzigartigkeit der Weg zu Authentizität und Erfolg ist,

  • wie Sie sich selbst genießen lernen, und das auch öffentlich.

Dieses Buch richten sich an: Führungskräfte, Manager, Angestellte, Berater, Vertriebsleute, Trainer, Kreative, Journalisten, Pfarrer, Sprecher, von Berufseinsteiger hin zu den oberen Etagen. Es richtet sich an alle Menschen, die sich neben beruflichen auch aus privaten Gründen für das Sprechen und Wirken interessieren und denen daran gelegen ist, ihre kommunikativen Kompetenzen zu erweitern.[21]

Teil I Der Mensch – das unteilbare Ganze

Alles manifestiert sich im TUN. Und wir wissen, es zählt nicht nur, was wir tun, sondern wie wir es tun. Im ersten Teil erfahren Sie Näheres über die komplexen Prozesse, die ablaufen, bevor es so weit kommt, dass wir tun.

1   Naturgegeben

Die Natur macht meiner Überzeugung nach alles richtig, deshalb möchte ich hier mit ihrer unverfälschten Form beginnen: beim Tier, beim Kind. Betrachten wir deren Körperlichkeit, Atmung, den Gebrauch von Stimme und Kraft, ihre Vitalität und Lebensenergie, ihre feinen Sinne und Sensibilität, stellen wir fest: Hier stimmt noch alles.

Im frühen Kindheitsstadium sind wir (gesunder Zustand vorausgesetzt) mit allem ausgestattet, was wir fürs Leben brauchen:

  • Wir atmen tief mit unserem Zwerchfell; wir gebrauchen unsere Stimme kraftvoll und funktional; wir reagieren spontan aus dem Bauch heraus, also intuitiv. Wir lassen uns ganz ein, sind also stets in Verbindung mit uns selbst und in Konzentration mit dem, was wir tun. Wir sind im Hier und Jetzt – die meiste Zeit unseren Sinnen folgend.

  • Wir sind authentisch, im Körper frei und beweglich, weil körperlich entspannt; mit lockeren, frei beweglichen Gelenken.

  • Wir sind in unseren inneren Haltungen offen, begeistert und neugierig. Mit einem entspannten Unterkiefer, leicht geöffnetem Mund, der mit einem erstaunten „Oh” die Welt einatmet. Stets in einem inneren Zustand des „wonderings” (engl.: staunend, fragend, verwundert)[22]

  • Wir haben eine Menge Energie und Begeisterung.

Wenn Kinder etwas wollen, setzen sie ihre Körper und ihre Stimmen ein, intuitiv oder willentlich, aber immer kraftvoll und leidenschaftlich. Kinder sind 100 % authentisch in ihrer Freude, ihrer Traurigkeit oder Verzweiflung. Der gesamte kleine Körper spricht und sendet unmissverständlich Signale. Kinder überlegen nicht (lange), analysieren nicht, sie äußern ihre Wünsche, ihr Wollen, klar und direkt.

Das klingt doch gut, oder? Ja, so waren wir … in den ersten ca. 1-5 Jahren. Wie viel ist davon noch übriggeblieben? Wahrscheinlich nur wenig, sonst würden Sie wahrscheinlich jetzt nicht dieses Buch in Ihren Händen halten. Denn wären mehr als 70 % davon vorhanden, könnten Sie mühelos einen begeisterten und begeisternden Vortrag halten. Sie könnten kraftvoll auftreten und eindrucksvoll sprechen. Jetzt brauchen Sie, da vieles verlernt ist, Unterstützung.

Wenn Sie Glück haben, springen Ihre kleinen Lehrmeister zu Hause herum und Sie können sie studieren … Eine weitere Möglichkeit: Sie kaufen ein Buch zum Thema, Sie besuchen ein Seminar oder noch besser, Sie arbeiten mit einem Coach (bestenfalls), mit mir zum Beispiel. Oder Sie fragen nach schnellen Tricks (schlechtestenfalls).

Es gilt, verloren gegangenes Wissen zu reaktivieren. Denn es ist nicht verloren gegangen, es liegt versteckt in unserem Körpergedächtnis, weit weg, zum Teil im Unterbewusstsein. Die gute Nachricht ist: Es ist noch da! Wir müssen nur wieder zurück – zum Anfang. Nun stellt sich die Frage, warum sind uns diese Fähigkeiten im Laufe der Zeit abhandengekommen? Was ist passiert in bzw. nach unserer jungen Kindheit?[23]

Irgendwann im Kindergarten, spätestens in der Schule fing es an … mit dem Druck, dem Leistungsdruck. Man spielte nicht mehr, man bewegte sich kaum mehr (viele Stunden Stillsitzen in der Schule).

Schreien und laute Stimmen wurden verboten: „Halt den Mund”, „Mach dies, mach das”, eine Welt von Anordnungen und Regeln. Wenig Raum für freie Begeisterung, Improvisation und Spontaneität.

Zeit, Gefühle und Handlungen wurden ge- und verplant. Wir wurden abgerichtet fürs Funktionieren. Raum und Lust für Kreativität nahmen allmählich ab, denn das Beherrschen von Gefühlen und Impulsen wurde uns als Tugend verkauft.

Und nun, erwachsen, bewegen wir uns mit dem, was übrig geblieben ist. Mit einem Minimum an Kraft, Leidenschaft und Kreativität. Oh, unsere Stimme trägt nicht mehr, sitzt zu weit hinten. Tja, wir haben zu viel heruntergeschluckt, der Ton ist zu hoch, wir atmen hoch. Was machen wir bitte schön mit unseren Armen oder Händen, wenn wir auftreten, wohin können wir sie (ver)stecken? Oder wollen wir uns selbst gleich ganz und gar verstecken, z. B. hinter dem Rednerpult oder abseits der Powerpoint-Präsentation? Am liebsten würden doch die meisten von Ihnen gar nicht auftreten bzw. öffentlich sprechen, das ist doch nur etwas für Selbstdarsteller und „Rampensäue”: „Schicken wir es doch besser per Hand-out oder per Internet an die Zielgruppe …”[24]

Unser fast ausschließlicher Gebrauch vom Kopf hat unseren Körper stark vernachlässigt. Er ist fremd, wie abgespalten. Im alltäglich privaten Gebrauch fällt uns das gar nicht mehr richtig auf. Erst wenn wir öffentlich sind, erst wenn der Scheinwerfer brennt, dann, upps, haben wir einen Körper, der uns jetzt unangenehm bewusst wird.

Wir werden selbst-bewusst. Aber was für ein Bewusstsein ist das, wenn wir uns nur öffentlich bewusst werden? Was wird uns da bewusst? Welches Selbst bzw. welcher Teil vom Selbst wird denn hier bewusst: Unsere Scham? Unsere Angst? Welcher erlernte Aspekt von Angst oder Unsicherheit tritt hier zum Vorschein? Wir werden unseres verspannten Körpers bewusst, der steif und unkoordiniert in falscher Stimmlage und unsicherer Intonation am liebsten die ganze öffentliche Veranstaltung schon hinter sich gebracht hätte. Inhaltlich haben wir viel zu sagen, aber bitte ohne Körper – ohne Auftritt.

Das öffentliche Auftreten wirkt wie ein Multiplikator unserer eh schon bestehenden Schwäche. Es deckt sie sichtbar für alle und für uns selbst auf.

Natürlich gibt es auch die Begnadeten, die´s einfach tun, ohne sich einen Kopf zu machen. Die haben´s im Bauch, in den Genen. Die sind selbstbewusst und locker. Die werden dieses Buch nicht kaufen. Vielleicht haben die vor ihrem fünften Lebensjahr (danach natürlich auch) so viel Liebe und Vertrauen, so viel Freiheit und Anerkennung mitbekommen, dass es für ein ganzes Leben reicht. Ihre Gehirne und Körper sind „richtig” programmiert: Neugier, Lust und Selbstvertrauen ist in diesem Programm.[25]

Ganzheitlich

Unsere innere Einstellung manifestiert sich nicht nur im Gehirn, sondern auch im Körper. In unserer Körpersprache. Der Körper spricht immer. Er kann nicht nicht sprechen. Gemachte Erfahrungen, Emotionen, innere Einstellungen, Überzeugungen drücken sich genauso körperlich aus wie spontane Reaktionen auf sinnliche Reize. Alles, was auf uns wirkt und uns beeindruckt, drückt sich auch wieder aus, über den Körper, über den Muskeltonus. Wir sind dann unterspannt oder überspannt, im besten Fall wohlgespannt. Die Muskeln und mit ihnen die Körperhaltung reagieren immer. Diese antworten auf jede Form der Begegnung und Erfahrung. Alles, was über physische oder psychische Bahnen hereinkommt, wird in rasanter Spontanreaktion oder durch Konditionierungsschleifen körperlich, muskulär ausgedrückt. Da wir nicht im Vakuum leben, gibt es immer Reize und somit reagieren und „antworten” wir ständig.

Im Weiteren gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Einstellung und Ausstrahlung. Die Lebenshaltung spiegelt sich in unserer Körperhaltung, der ganzkörperlichen Beweglichkeit, im Gang sowie in Mimik und Gestik wieder – unbewusst. Es ist bedeutend und grundlegend, uns immer ganzheitlich zu sehen. Alles hängt zusammen im Individuum, dem Unteilbaren. Um diese Zusammenhänge deutlich zu machen, unternehmen wir zunächst einen kleinen Ausflug in die Wissenschaft der Hirnforschung, der Neurobiologie und des NLPs.[26]

2   Unser Gehirn

Das menschliche Gehirn hat im Laufe der Evolution drei wichtige Areale herausgebildet: Es entwickelte sich vom innersten Areal, dem Stammhirn, zum mittleren Areal, dem Zwischenhirn, hin zum äußeren Areal, dem Großhirn. Die drei Hauptareale steuern unterschiedliche Bereiche unseres Lebens.

2.1   Stammhirn

Unser Stammhirn, auch als Reptiliengehirn bekannt, befindet sich in der Verlängerung des Rückenmarks. Hier ist die Schalt- und Durchgangsstelle aller vom Gehirn zum Rückenmark und umgekehrt ziehenden Nervenbahnen, sowie Sitz der Reflexzentren. Alle Wirbeltiere, Säugetiere sowie der Mensch besitzen ein Stammhirn. Es regelt unsere lebenserhaltenden Primärfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Nahrungsaufnahme, Verdauung, den Fortpflanzungstrieb (Libido) und die Schlaf- und Wachphasen.

Das Stammhirn steuert unsere Instinkte. Es ist verantwortlich für das Erregungsniveau und die Reizübertragung. (Diese beginnt bereits bei der Mutter-Kind-Beziehung und bestimmt die Geschwindigkeit der Gehirnentwicklung des Kindes). Schlaftabletten, Wachmacher, Amphetamine greifen hier an und regulieren, sprich, manipulieren unser Erregungsniveau sowie Schlaf- und Wachzustand. Entspannungstechniken, wie Yoga oder Meditation, wirken auch auf diesen Hirnbereich.

Das Stammhirn produziert spezielle Botenstoffe, Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin, die in andere Gehirnteile steuernd eingreifen. Ist ihr Gleichgewicht gestört, kann dies neuropsychologische Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression, Parkinson oder auch Suchtabhängigkeit auslösen. Das Stammhirn hat eine grundsätzliche Bedeutung für nahezu alle Funktionen des restlichen Gehirns.[27]

2.2   Zwischenhirn

Das Zwischenhirn, Säugetierhirn genannt, besteht aus dem Thalamus, dem Hypothalamus mit der Hypophyse, dem Epithalamus mit der Epiphyse und dem Subthalamus. Im Thalamus werden spezifische Thalamuskerne unterschieden, unter anderem das Limbische System, der Bereich unserer Gefühle mit der Amygdala, dem Angstzentrum.

Eine wichtige Schaltstelle des Limbischen Systems und der Amygdala ist der Hippocampus, er gilt als Zwischenspeicher des Gehirns, hier werden Informationen verfestigt (meist in Ruhephasen wie Schlaf). Er ist somit für das Langzeitgedächtnis verantwortlich. Allgemein lässt sich sagen, dass das Zwischenhirn neben der Steuerung von emotionalen Funktionen (wie Sympathie und Antipathie) für die Sozialbeziehungen und Rangordnung (Alphatier) verantwortlich ist. Es steuert neben den sozialen Hierarchien auch Verhaltensweisen wie Schüchternheit, Unsicherheit, Provokation und Angriff.

Der Hypothalamus ist Schaltstelle zwischen Nervensystem und Hormonsystem und ist zusammen mit der Hypophyse Nervenzentrum und Hormonzentrum in einem. Er steuert vegetative Funktionen wie Stoffwechsel (Kohlehydrat-, Eiweiß-, Fettstoffwechsel), Wärme-und Wasserhaushalt und Schweißbildung.[28]

Das Zwischenhirn steuert große Teile des motorischen Systems und somit also auch den Muskeltonus. Hier wird schon die enge Verknüpfung von Emotionen und Ver- und Entspannung deutlich, auf die ich später im Kapitel Körper (Teil III) ausführlich eingehen möchte.

„Da das Zwischenhirn neben der emotionalen Steuerung maßgeblich bei der Steuerung des autonomen bzw. vegetativen Nervensystems beteiligt ist, hat es einen größeren Einfluss auf unseren Gesamtzustand als das Denken. Im Alltag richten wir unser Aktivierungslevel nach dem ein, was uns das Zwischenhirn vorgibt. Aber gerade auch in Stresssituationen wie Prüfungsängste, Lampenfieber etc. bestimmt es unser Verhalten.”2

Informationen mit emotionalem Gehalt werden hier für das Langzeitgedächtnis abgespeichert. Genau deshalb ist es bei jeder Präsentation und Rede – nebst fachlichen Inhalten – so wichtig, Ihr Gegenüber auch emotional zu erreichen, egal, ob Sie dies durch Geschichten, Anekdoten, Metaphern oder Ihrer charismatischen Ausstrahlung erreichen … Der Hippocampus entscheidet, was im Langzeitgedächtnis gespeichert wird. Denken Sie daran, er befindet sich im Land der Bilder, der Gefühle …, „im Land des Lächelns”.

Relevant für unseren Kontext ist auch, dass Zustände wie Gewöhnung und Sinnsuche den Funktionsbereichen des Zwischenhirns zugeschrieben werden. Was wiederum bedeutet, dass unsere Selbstmotivation hier ihren Ursprung findet. Denn nur, wenn ich einen Sinn sehe oder Begeisterung verspüre, begebe ich mich freiwillig in Bewegung und Handlung. Sind wir stattdessen fremdgesteuert oder unter Druck, ist es um die Selbstmotivation geschehen. Unser Denken übernimmt die Führung und sagt dem Rest des Körpers, was er tun soll. Wir sind dann „kopfgesteuert”.[29]

2.3   Großhirn

Das Großhirn nimmt je nach Organisationshöhe unserer Vorgänger entwicklungsgeschichtlich an Größe zu und ist gerade bei uns Menschen besonders groß und gut entwickelt. Bezüglich der Hierarchie kommt es an letzter Stelle, denn es ist für das reine Überleben am wenigsten wichtig.

Das Großhirn ist der differenzierteste Teil unseres Gehirns. Es ist in eine rechte und eine linke Hirnhemisphäre geteilt mit dem Balken als Verbindungsbrücke. Den beiden Hemisphären werden unterschiedliche Funktionen zugeschrieben. Links befindet sich das Bewusstsein, das Sprachzentrum, Logik und Ratio. Hieraus leiten sich das Denken, die Konzentrationsfähigkeit, die Leistungsfähigkeit und konkretes Handeln ab.

Rechts ist das Unterbewusstsein, bildliche wie räumliche Erinnerung und Wahrnehmung. Benutzen Sie eher diese Gehirnhälfte, dann ist Ihr Denken tendenziell stärker geprägt von Intuition, Spontaneität und Gefühlen (Neigungen zur Poesie und Musikalität).

Es spielt sich oft die Hemisphäre in den Vordergrund, die für einen konkreten Bereich oder eine konkrete Situation benötigt wird. Grundsätzlich arbeiten für alle ganzheitlichen Bereiche beide Gehirnhälften zusammen.[30]

Wenn wir präsent und bewusst sind, dann können wir auch bewusste Entscheidungen treffen, wie wir uns in konkreten Situationen verhalten möchten, d. h., ob wir lieber emotional oder rational, lieber geplant oder spontan sein möchten. Sinnvoll ist auch, bei Bedarf von einer zur anderen Gehirnhälfte springen und sich lenken lassen zu können. Für diese Differenzierung brauchen wir ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit (was durch unsere archaischen Gehirnareale oft eingeschränkt ist). Sind wir aber in Trance (und laut Psychologie sind wir das zu 80 % der Zeit), also in Gedanken verloren oder verträumt, dann entscheidet das Zwischenhirn eher emotional, ohne Beteiligung des Bewusstseins. Womöglich werden wir jetzt von Emotionen, Erinnerungen und Bildern regiert, die mit der aktuellen Situation, mit dem Hier und Jetzt, wenig zu tun haben.

2.4   Interaktionen der Hirnareale

„Die archaischen Gehirnzentren behindern oft den Gebrauch und die Entwicklung des Geistes: Verdrängte Erinnerungen, eingeprägte Erfahrungen, Ängste aus der Kindheit oder auch nicht abgeschlossene Erfahrungen feuern aus dem Hinterhalt und setzen das Zwischenhirn in Anspannung und Erregung. Die Folge ist, man wird nervös und wendet seine Aufmerksamkeit vom aktuellen Geschehen ab. Man denkt nach … im wahrsten Sinne, man denkt nicht vor, oder zur gleichen Zeit, sondern nach, denn der Auslöser liegt schon viel, viel länger zurück ... oder ist schon längst vorbei.”3

Wir verwechseln bzw. übernehmen, da nicht zur rechten Zeit aufgearbeitet, das Verhalten aus der vergangenen Erfahrung, ohne konkrete Referenzpunkte der Gegenwart zu haben. Verhaltensweisen, die zu einer vergangenen Erfahrung gehören, werden auf die neue Situation transferiert. Wir agieren, vielmehr reagieren der Situation gegenüber nicht adäquat. Wir denken nach … Das Großhirn beginnt zu suchen. Im Neocortex gibt es vielleicht Erklärungen, Rechtfertigungen, aber keine Lösungen. Diese liegen woanders und man reagiert mit einem nicht der Gegenwart angepassten Verhalten.[31]

Vernetzungen bzw. Programmierungen des Gehirns, die sich durch Erfahrungswiederholungen gebildet haben, wirken unbewusst. Altlasten sitzen so tief, sie können zu chronischen Verspannungen, Depressionen oder Ängsten führen. So kommt es, dass man im Alltag vielleicht ständig unter Druck steht und schnell gestresst, permanent gereizt, verängstigt chronisch angespannt oder phlegmatisch ist. Man reagiert damit meist jedoch auf Vergangenes, nicht auf Gegenwärtiges. Aus diesen Zuständen heraus hat man allzu oft keine wirkliche Wahlfreiheit mehr, um sich den gegenwärtigen Gegebenheiten angemessen zu verhalten. Jede Programmierung beeinflusst unsere innere Haltung und somit letztendlich unser Verhalten uns selbst gegenüber sowie zwischenmenschlich.

Emotionale Erlebnisse, seelische Befindlichkeiten, Stimmungen und nervöse Dauerbelastungen können über das vegetative System Einfluss auf körperliche Funktionen nehmen. Dauerbelastungen, Stress und Ängste können sogar Organerkrankungen verursachen. Da das vegetative System schon durch bloße Vorstellungen erregt wird, können auch Worte, Texte und Bilder körperliche Funktionen beeinflussen. Auch Wetter (z. B. Fön) und Lichtverhältnisse haben Einfluss auf das vegetative System. Umgekehrt können auch körperliche Störungen psychisches Ungleichgewicht bewirken.[32]

„Das Abspalten oder Leugnen archaischer Kräfte wie Sinnlichkeit, Libido, Emotionen führt zu größerer Disbalance des gesamten Systems. Alles was wir abspalten, verdrängen oder ausschließlich rationalisieren, drückt mit Wucht auf Seele und Körper. Denn alles Verdrängte ist nur weg aus dem Bewusstheitsfeld, aber abgelegt in tiefere Regionen des Körpers.”4

Ignoranz ist hier keine Lösung auf Dauer. Beachte: What you resist persists.

Erlebte Ängste, Kränkungen, Gewalterfahrung sind im Zwischenhirn abgespeichert. Als Erinnerung versuchen sie weiterhin unser Bewusstsein zu erreichen, bis sie aufgelöst sind. Wir verschaffen uns Erleichterung durch Anerkennen und Zulassen dieser Gefühle. Durch gezielte Übungen wie der Emotional Memory Exercise (siehe Übungsanhang) kommt man an verborgene Gefühle und Programmierungen heran. Durch die sinnliche Rekonstruktion des Raumes bzw. Ortes und in emotionaler Erinnerung an eine konkrete Situation können wir vergangene und nun zugelassene Gefühle kanalisieren, ins Bewusstsein heben und ausdrücken. Vielleicht gelingt dies nicht immer gleich und vollständig, aber über die Wiederholung wird uns der emotionale Auslöser bewusst und der angestaute Druck lässt nach. Und genau hier setzt die Arbeit an sich selbst an: im Erkennen von Verhaltensmustern einmal gemachter, vergangener Erfahrungen.[33]

Freiheit, Individualität, das Erleben von Persönlichkeit findet vor allem im Großhirn statt – aber nur, wenn andere Hirnareale dies zulassen. Das Bewusstsein hat keinen direkten Zugriff auf tiefere Gehirnfunktionen.

Wir können nicht einfach willentlich auf vegetative oder primäre Funktionen Einfluss nehmen wie z. B. Verdauung, Herzschlag, emotionale Reaktionen. Wir können jedoch Einfluss nehmen auf indirektem Weg. Über Entspannungs-und Atemtechniken, über Vorstellung und Visualisieren ist es möglich, in diesen Bereich sanft einzugreifen.

„Wenn ein Hirnareal etwas erlebt und wir auf einer anderen Ebene dafür eine Lösung suchen, stoßen wir an Grenzen. Z. B.: Unsere Großhirnrinde erkennt Probleme oder Zustände und sucht nach einer geeigneten Lösung.

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