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Porthos und der vergiftete Graf

Über das Buch

Der beste Freund des Menschen ist doch immer noch sein Hund – und manchmal riecht diese feine Spürnase doch mehr als man sich vorstellen kann …

PORTHOS UND DER VERGIFTETE GRAF
von Nina Robin

Dresden 1871: Emilia hat einen sehr ungewöhnlichen Beruf: Sie ist Detektivin. Obwohl – oder gerade weil – das kaum jemand für einen geeigneten Frauenberuf hält, ist sie sehr erfolgreich. Denn niemand rechnet mit dem scharfen Verstand der jungen Frau. Doch ihr neuester Fall stellt Emilia und ihren treuen Helfer, die Dogge Porthos, vor eine echte Herausforderung: Der alte Graf von Weydlitz leidet unter einer mysteriösen Krankheit. Er vermutet sogar, man habe ihn vergiftet … Als ob der Fall noch nicht knifflig genug wäre, ist da auch noch Alexander, der charmante Sohn des Grafen, der Emilia völlig in seinen Bann schlägt. Leider gehört er auch zu den Hauptverdächtigen …

Stürzen Sie sich im zweiten Band unserer Reihe »Mit Herz und Hund« in einen kniffligen Fall, der nur mit einem treuen Weggefährten gelöst werden kann.

Über die Autorin

Nina Robin ist das Pseudonym einer erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautorin. Sie liebt es, historische Fakten zu recherchieren, besonders wenn sie dabei auf Kuriositäten stößt, die sie mit Vorliebe in ihre Geschichten einbaut. Sie lebt mit Familie und Hund in Schwaben.

Nina Robin

Porthos und der
vergiftete Graf

Historischer Liebesroman

Ein kühler Lufthauch riss Alexander von Weydlitz aus seinen Gedanken. Er richtete sich auf seinem Stuhl auf und blickte zur Tür des Kaffeehauses, die sich gerade hinter einem neuen Gast schloss und dabei einen Schwall Winterluft in den Salon fächerte.

Doch der Mann, der jetzt an der Garderobe Mantel und Zylinder ablegte, war mit Sicherheit nicht die Person, auf die Alexander wartete. Er wusste zwar nicht, mit wem er in diesem Café verabredet war, aber eines stand für ihn zweifelsfrei fest: Es handelte sich um eine Frau. Das merkwürdige Schreiben, das ihn am Morgen erreicht hatte, war zwar anonym gewesen, doch die zierliche, elegante Schrift des Briefes konnte nur von einer weiblichen Hand stammen. Alexander zog den Umschlag aus der Westentasche, entnahm ihm das Billet aus feinem Papier und starrte auf die Zeilen, als könne er dort etwas entdecken, das ihm bisher entgangen war.

Dresden, 3. Februar 1871

Graf Weydlitz,

finden Sie sich um 10 Uhr im Café Reale an der Brühlschen Terrasse ein. Setzen Sie sich an einen freien Tisch und lesen Sie in einem Buch mit rotem Einband. Dies ist für mich das Erkennungszeichen.

Vernichten Sie dieses Schreiben sofort nach Erhalt.

E. R.

Keine Anrede außer seinem Namen, kein Gruß, keine Absenderadresse. Nur drei Sätze, oder besser drei Befehle. Schon beim ersten Lesen hatte Alexander eine Abneigung gegen die Schreiberin dieser Zeilen empfunden, und je öfter er den Brief las, desto stärker wurde dieses Gefühl. War es richtig gewesen, zu kommen? Und hier brav zu warten, während sich dieses ungehobelte Frauenzimmer verspätete? Sollte er einfach aufstehen und gehen? Doch die Worte seines Anwalts klangen ihm noch allzu deutlich in den Ohren. »Wenn Sie einen Skandal vermeiden wollen, dann ist das die einzige Lösung.«

Seufzend blieb Alexander sitzen. Er schob den Brief unter das Buch, das vor ihm auf dem Tisch lag, zog seine goldene Uhr aus der Tasche und warf einen Blick auf das Ziffernblatt. Es war schon fast elf.

Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf. War die merkwürdige Briefschreiberin vielleicht längst hier und observierte ihn heimlich? Am Nebentisch saß eine hagere Frau, die ihn aus dem Augenwinkel beobachtete. Zu ihrem herben Äußeren würde der Feldwebeltonfall des Briefes passen. Lieber wäre Alexander allerdings mit der schlanken jungen Frau verabredet, die vor einer halben Stunde am Fenster Platz genommen hatte. Sie trug ein vornehmes, leuchtendblaues Seidenkleid und hatte wunderschöne dunkle Haare. Leider konnte er ihr Gesicht nicht sehen, sie wandte sich ab, scheinbar ganz in ein Buch vertieft. Aber in der Bewegung, mit der sie eine Haarsträhne hinters Ohr strich, lag so viel natürliche Anmut, dass er sie gern näher kennengelernt hätte.

Dass eine Frau ihres jugendlichen Alters und ihrer vornehmen Herkunft allein in einem Kaffee saß und las, war ungewöhnlich, ja, es war verdächtig. War sie vielleicht die Briefschreiberin?

Aber nein, er verwarf diesen Gedanken. Noch ungewöhnlicher wäre es gewesen, wenn eine junge Frau wie sie sich per Brief mit einem Mann im Café verabredet hätte. Vermutlich wartete sie auf jemanden, der sich verspätet hatte.

»Noch eine Tasse Kaffee, der Herr?« Der Kellner vor ihm neigte dienstbeflissen den Kopf. Alexander überlegte kurz, dann nickte er. Die behagliche Wärme des Salons, der Duft von Kaffee und Kakao, das Stimmengemurmel und das leise Klappern von Porzellan und Besteck hatten ihn schläfrig gemacht. Eine weitere Tasse des anregenden Getränks würde ihm guttun, selbst wenn er vermutlich vergeblich warten musste, weil die geheimnisvolle Briefschreiberin sich nur einen schlechten Scherz mit ihm erlaubt hatte. Er rieb sich die Schläfen und überlegte, ob er seinem Anwalt auf dem Heimweg einen Besuch abstatten und ihm von dem gescheiterten Treffen berichten sollte. Schließlich hatte er den Kontakt vermittelt.

»Graf Weydlitz?« Alexander erschrak, als er plötzlich angesprochen wurde. Er ließ die Hände sinken und sah auf. Wie aus dem Nichts war an seinem Tisch eine Dame mittleren Alters aufgetaucht. Sie war ganz in Schwarz gekleidet, trug einen geschmackvollen Hut und hatte weder ihren Mantel noch ihren Schirm abgelegt. Wie war sie unbemerkt in das Café gekommen? Vermutlich hatte das Gespräch mit dem Kellner ihn abgelenkt.

»Der bin ich.« Er erhob sich und deutete eine Verbeugung an.

»Folgen Sie mir«, forderte die Frau ihn auf.

Alexander blieb stehen und schüttelte den Kopf. Was für eine Dreistigkeit! Eine Stunde Verspätung, keine Entschuldigung und schon wieder ein Befehl? So ließ er sich nicht behandeln, auch nicht von einer Dame. »Ich ziehe es vor, unser Gespräch hier zu führen. Bitte setzen Sie sich.« Er wies mit der Hand auf den freien Stuhl neben sich.

»Wie Sie wünschen.« Sie nahm Platz, ohne den Mantel zu öffnen oder den Schirm aus der Hand zu legen. Bequem war das sicher nicht, denn die Frau war von überaus üppiger Figur, und der Stoff ihres Mantels wurde von den kleinen, silbernen Knöpfen nur mühsam zusammengehalten. Mit aufmerksamen grauen Augen sah sie ihn prüfend an, ohne zu lächeln. »Ich nahm an, Sie würden unser Gespräch lieber ohne Zuhörer führen. Aber wenn es Sie nicht stört, dass halb Dresden an Ihren Sorgen Anteil nimmt, können wir auch gern hier plaudern.«

Alexander sah sich um und stellte fest, dass es im Raum auf einmal auffallend still geworden war. Die hagere Frau am Nebentisch starrte ihn unverhohlen an, und selbst die hübsche junge Frau am Fenster klappte ihr Buch geräuschvoll zu und blickte neugierig in seine Richtung. Tatsächlich, halb Dresden schien ein reges Interesse an seinen Problemen zu haben.

»Sie haben recht«, gab er widerwillig zu. »Frische Luft würde mir guttun. Machen wir lieber einen Spaziergang.«

Die Dame erhob sich wortlos und schritt zur Tür.

Alexander legte ein paar Münzen auf den Tisch. Er ließ sich vom Kellner, der gerade den dampfenden Kaffee servieren wollte, Hut und Mantel bringen, griff nach seinem Buch und dem Brief, schob beides in die großen Taschen seines weiten Mantels und folgte ihr.

Die Brühlsche Terrasse war fast menschenleer, als Alexander auf den Platz vor dem Café trat. Nur ein paar Passanten eilten mit hochgezogenen Schultern die Promenade am Fluss entlang. Kein Wunder, die Luft war beißend kalt. Wer heute keine dringenden Besorgungen zu machen hatte, blieb lieber zu Hause. Die Dame in Schwarz aber schien die Kälte nicht zu spüren. Sie wartete am Geländer auf ihn und betrachtete mit ruhigem Blick die wintergraue Elbe.

»Sie wissen bereits, worum es geht?«, fragte Alexander, als er sich neben sie stellte. Er nahm an, dass sein Anwalt sie bereits mit den Details seiner Situation vertraut gemacht hatte.

»Schildern Sie mir den Fall«, forderte sie ihn statt einer Antwort auf. Offenbar kannte sie keine andere Gesprächsform als die des Befehls. Sie setzte sich in Bewegung, in der sicheren Gewissheit, dass er ihr folgen würde. Eine äußerst resolute Person.

Alexander überlegte kurz, ob er sie an die üblichen Umgangsformen erinnern und sie nach ihrem Namen fragen sollte, verzichtete dann aber darauf. Er vermutete, dass er auf diese Frage keine Antwort erhalten würde, und ein Konflikt wäre seiner Sache sicher nicht dienlich. Und überhaupt: Wozu das Gespräch unnötig in die Länge ziehen?

Mit drei langen Schritten hatte er sie eingeholt. »Mein Vater liegt im Sterben«, berichtete er knapp. »Er glaubt, dass er vergiftet wird. Von mir.«

Jetzt blieb sie stehen, wandte sich um und sah ihn an. »Und? Entspricht das den Tatsachen?« Ihre Augen, die ihn prüfend musterten, waren so grau wie der Fluss.

»Ja und nein.« Er freute sich über den erstaunten Blick, den die dunkelhaarige Matrone ihm daraufhin zuwarf. Bestimmt hatte sie mit einem entrüsteten Nein gerechnet. »Ich halte es für möglich, dass mein Vater vergiftet wird«, erklärte er nach einer kleinen Kunstpause. »Aber mit Sicherheit bin nicht ich der Täter.«

»Und warum glaubt Ihr Vater das?« Sie hakte sich ungefragt bei ihm unter und setzte ihren Weg fort. Alexander hatte keine andere Wahl, als neben ihr weiterzugehen. Sie war ein gutes Stück kleiner als er, ging aber mit schnellen Schritten, sodass er seine Geschwindigkeit nicht ihr zuliebe drosseln musste. Heimlich betrachtete er ihr Gesicht. Es wirkte freundlich, obwohl sie nicht lächelte, und er fragte sich, warum sie so distanziert blieb.

Jetzt hob sie den Blick, und ertappt sah er zur Seite.

»Ich habe Ihnen eine Frage gestellt!«, mahnte sie ihn.

»Und ich denke gerade über die Antwort nach«, entgegnete er kühl. Sie hatte etwas Gouvernantenhaftes in ihrem Auftreten, das ihn ärgerte. Er atmete tief durch und bezwang seinen Unmut. »Der erste Teil Ihrer Frage ist schnell beantwortet. Mein Vater glaubt an Gift, weil kein Arzt eine Ursache für die Beschwerden finden kann, die ihn seit sieben Jahren zunehmend quälen. Warum er aber mich als Täter verdächtigt, darüber kann ich nur spekulieren.«

»Dann tun Sie es. Spekulieren Sie!«

Sollte er solche persönlichen Angelegenheiten tatsächlich vor einer Fremden ausbreiten, deren Namen er nicht einmal wusste? Aber es musste wohl sein. »Ich nehme an, es wäre ihm einfach am liebsten, wenn ich der Täter wäre. Es würde so schön in sein Weltbild passen.«

Sie legte den Kopf schräg und sah ihn aufmerksam an. »Was für eine ungewöhnliche Annahme. Den meisten Vätern wären im Falle eines Giftmordes vermutlich andere Täter lieber als nahe Angehörige. Was stimmt nicht in Ihrer Familie?«

Seine Antwort war knapp. »Mein Vater ist nicht wie die meisten Väter. Lassen wir es dabei.«

Tatsächlich fragte sie nicht weiter. Schweigend setzten sie ihren Weg fort, beobachtet von einer Möwe, die auf dem schmiedeeisernen Geländer hin und her trippelte.

Erst als das Ende der Terrasse schon fast erreicht war, stellte die schwarzgekleidete Dame die nächste Frage. »Ihr Vater hat seine Gesundheitsbeschwerden seit sieben Jahren?«, hakte sie noch einmal nach. »Das ist ungewöhnlich für einen Giftmord.«

»In der Tat. Es könnte aber auch ungewöhnlich klug und ungewöhnlich perfide sein«, antwortete Alexander.

»Warum schalten Sie nicht die Polizei ein?«, wollte sie wissen.

»Ich halte nichts davon, eine hässliche Beschuldigung durch polizeiliche Ermittlungen zu einem Gerücht und schließlich zu einer angeblichen Wahrheit aufzublähen.«

»Sie fürchten also Klatsch.« Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Alexander zuckte mit den Schultern. »So kann man es auch ausdrücken.«

Sie standen jetzt an der Freitreppe, die von der Terrasse zum Elbufer führte. Die Dame blieb stehen und ließ seinen Arm los.

»Sie hatten recht mit ihrer Vermutung«, sagte sie. »Ich kenne die Details Ihres Falls bereits. Aber ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen. Das habe ich nun getan, und ich kann Ihnen meine Hilfe anbieten.«

Alexander schob die Hände in die Taschen seines Mantels und nickte. Er war sich nicht ganz sicher, ob er darüber froh sein sollte oder nicht.

Sie fuhr in ihrer Erklärung fort. »Unser Plan scheint von außen betrachtet vielleicht kompliziert und verworren. Aber seien Sie gewiss, er ist es nicht. Wir haben so etwas schon oft praktiziert. Es funktioniert.«

Wir? Wen meinte sie damit? Mit wem arbeitete sie zusammen? Er wollte nachfragen, aber sie ließ ihm keine Gelegenheit dazu.

»Sie müssen nur wenig tun. Sie schicken eine Einladung zu einem Wochenendbesuch auf Schloss Weydlitz an diese Adresse.« Sie zog eine Visitenkarte aus dem bestickten Retikül, das sie mit einer Seidenschnur an ihrem Handgelenk befestigt hatte, und drückte sie ihm in die Hand. »Als offizielle Begründung für diese Einladung geben Sie an, dass Sie Ihrer Familie eine Dame vorstellen wollen. Aus demselben Grund laden Sie abends auch Freunde und Verwandte zum Essen ein. Verstehen Sie? Sie erzählen allen, die sie einladen, sie wollten ihnen diese Frau vorstellen.«

Alexander runzelte die Stirn. »Das wird Gerüchte verursachen.«

»Und genau das soll es! Alle sollen tuscheln und munkeln und sich um die Gesellschaft der schönen Fremden reißen, um herauszufinden, in welcher Verbindung Sie zu ihr stehen. Im Schutze dieser Gerüchte kann sie dann unbemerkt ermitteln.«

Schöne Fremde? Selbstbewusstsein in allen Ehren, aber die Frau vor ihm war … nun ja. Alexander fuhr sich unbehaglich mit einem Finger unter seinem plötzlich eng sitzenden Kragen entlang. »Aber ist es nicht, nun, wie soll ich sagen …«

»Ja?«

»Ist es nicht äußerst ungewöhnlich, dass ich meiner Familie eine doch um einiges ältere Dame vorstelle, um Gerüchte in dieser Richtung zu schüren?«

»Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Eine ältere Dame?« Sie sah ihn fragend an.

»Äh …« Alexander schluckte. »Nur geringfügig älter, versteht sich. Und man bemerkt es kaum.« Er spürte, wie er errötete. Das konnte doch nicht ihr Ernst sein. Diese Frau war bestimmt zwanzig Jahre älter als er. Das schien ihm nun doch äußerst unpassend.

Plötzlich lachte die Dame. »Oh, Sie denken, ich meinte mit der schönen Fremden mich selbst?« Sie lachte wieder. »Nein, das ist ein Missverständnis. Verzeihen Sie, wenn ich mich unklar ausgedrückt habe. Die Dame, die Sie einladen werden, passt sowohl im Alter als auch vom Gesellschaftsstand her gut zu der Rolle, die ihr in diesem Spiel zugedacht ist. Sie ist durchaus geeignet, allein durch ihr Aussehen Gerüchte jeglicher Art zu schüren. Und sie verfügt über einen Scharfsinn, der dem Geist durchschnittlicher Menschen bei Weitem überlegen ist. Sie bemerkt Dinge, die anderen entgehen.

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