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Porta Inferna – Auserwählte des Schicksals

Zu diesem Buch

Regel Nummer 1: Ich sage meinen Namen grundsätzlich nur einmal.

Regel Nummer 2: Jeder hat Anspruch auf sein vom Gesetz gegebenes Recht – vorausgesetzt man hat nicht mit mir zu tun.

Und Regel Nummer 3, die wahrscheinlich wichtigste von allen: Glaubt niemals nur das, was ihr seht!

Als erfolgreiche Kopfgeldjägerin der Bail Enforcement Agency jagt Sheeva Mathews Nacht für Nacht übernatürliche Straftäter. Nur ein Einziger hat es bisher geschafft, ihr immer wieder zu entwischen: Duncan McClary, der smarte Dämon, der ihr einst von der Existenz unmenschlicher Kreaturen erzählte und Sheeva um ein normales Leben brachte. Als Duncan ihr eines Tages ein sonderbares Angebot unterbreitet, muss Sheeva sich entscheiden: Sie könnte ihn auf der Stelle festnehmen oder ihm in seine dunkle Welt folgen und die Wahrheit über ihre eigene mystische Vergangenheit erfahren …

~ In stillem Gedenken an all die lieben Menschen, die unser Herz berührten und viel zu früh von uns gehen mussten. Wir sind auf ewig in unseren Erinnerungen vereint. ~

Prolog

Einst war ich ein normales junges Mädchen, das wohlbehütet in seinem Elternhaus aufwuchs. Meine Mutter war die liebevolle Hausfrau von nebenan, während mein Vater als Cop böse Buben zur Strecke brachte und mir insgeheim als Vorbild diente. Mir mangelte es weder an Liebe oder Geborgenheit, noch stammten wir aus ärmlichen Verhältnissen. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich eine schöne Kindheit verlebt. Dennoch geschah es an meinem sechzehnten Geburtstag, dass sich plötzlich alles veränderte und nichts mehr der Normalität entsprach.

Es war Winter, die Bäume sowie Dächer schneebehangen und ich wieder einmal auf dem Weg zur Schule. Als überaus nachdenkliches Kind blickte ich auch an jenem Tag verträumt in der Gegend umher. Was ich hierbei jedoch auf einer der Bedachungen erspähte, wäre für gewöhnlich nicht sonderlich aufregend gewesen, hätte es sich nicht in waghalsiger Höhe befunden – Fußspuren. Man konnte sie dank ihrer Regelmäßigkeit und des prägnanten Profils genau erkennen. Zunächst hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht und mir eingeredet, dass sie einem Arbeiter gehörten, der eine kurze Pause einlegte. Obgleich ebendies bei minus zehn Grad eher unwahrscheinlich war.

Mit jeder Minute, jedem Tag und schließlich auch jeder Woche, die verging, verdichteten sich meine Gedanken jedoch zu klarem Wissen: Wir waren nicht allein auf dieser Welt.

Beinahe täglich entdeckte ich verschiedenartige Kuriositäten in meiner Umgebung. Seltsam verschnörkelte Symbole an verlassenen Gebäuden, die regelrecht zu glühen schienen, für mein Umfeld allerdings unsichtbar blieben. Menschen, die mich mit einem Mal kritisch beobachteten, ja sogar absichtlich die Straßenseite wechselten, sobald ich ihnen zu nahe kam. Tiere, die meine Anwesenheit schlagartig nicht mehr ertrugen und mir fortan feindselig gegenübertraten. Das markanteste Zeichen, dass etwas nicht stimmte, war jedoch das Mal, das von heute auf morgen mein linkes Handgelenk zierte.

Der Eiskristall nebst Mondsichel und Abendstern war durchaus ansehnlich, obgleich meine Eltern diesbezüglich andere Ansichten zu haben schienen. Sie waren überraschenderweise der Auffassung, dass ich nicht mit meinem Leben zurechtkam und zur Selbstverstümmelung griff. Gewiss hatte ich versucht, sie davon zu überzeugen, dass in dieser Welt merkwürdige Dinge vonstattengingen. Ebenso wie ich mich nach allen Kräften bemüht hatte, ihnen zu verdeutlichen, dass ich mir unter keinen Umständen etwas antun würde. Doch je mehr ich unternahm, um mein skurriles Verhalten zu rechtfertigen, umso verrückter erschien ich ihnen.

So kam es schließlich, dass ich vor genau fünfzehn Jahren zu Hause auszog, um mein Schicksal selbst zu bestimmen. Harte Zeiten der Einsamkeit folgten, in denen allein der Gedanke an meine Eltern mich bis tief ins Mark traf. Irgendwann jedoch kehrte die geliebte Ruhe zurück in mein Leben, und ich lernte, mit der Situation umzugehen. Ganz gleich also, wie viel Schmerz ich in der damaligen Zeit bewältigen musste: Es hat mich zu der starken Frau gemacht, die ich heute bin.

KAPITEL 1

Sheeva

»Hey, Arschloch«, schrie ich in die Dunkelheit der Nacht, während meine Finger griffbereit am Schaft der silbernen Beretta lagen, die ich stets bei mir führte. »Nimm deine beschissenen kleinen Gnomfinger hinter den Kopf, sodass ich sie sehen kann. Und versuch gar nicht erst Mätzchen zu machen, sonst hast du eine nette kleine Silberkugel in deinem Miniaturschädel.« Vorsichtig öffnete ich das Halfter, um meine Waffe sofort ziehen zu können, sollte der kleine Wicht Anstalten machen, sich zu wehren.

Langsam drehte sich mein Gegenüber in meine Richtung. Anstatt jedoch zu tun, was ich ihm befohlen hatte, erntete ich nur ein hämisches Grinsen. »Wer bist du, dass du glaubst, so mit mir reden zu können? Hast du überhaupt eine Ahnung, wer hier vor dir steht?« Selbstbewusst trat der Winzling mit dem langen roten Bart zwei Schritte auf mich zu, und sofort machte mein Herz einen kräftigen Sprung. Das hier war für mich zwar nicht die erste Konfrontation mit einem Kleinwüchsigen, wie der Rest der Bevölkerung ihn nennen würde, doch ich wusste, zu was er fähig war. Es konnte nicht schaden, auf der Hut zu sein.

»Sheeva Mathews, Kopfgeldjägerin der BEA. Fizzle Clopper, erster Sohn des Bingus, Gemahl von Aada, Blanka, Cendrine, Dania und Erianthe Clopper. Ich bin hier, um dich zu verhaften, da du zum wiederholten Male straffällig geworden bist. Nebenbei gesagt: Dein Vater, der wohl einer der wenigen angesehenen Gnome war, würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, was du so treibst. Und auch ich kann Typen wie dich nicht ausstehen. Deshalb rate ich dir von vornherein, sämtliche Tricks zu unterlassen. Andernfalls könnte das hier ziemlich unschön für dich enden. Ich kann es nämlich überhaupt nicht leiden, wenn man mich verarscht, verstanden?«, antwortete ich mit gespielter Überheblichkeit und wagte mich ebenso zwei Schritte nach vorn.

Kaum hatte ich meinen Standardtext heruntergerattert, verzog sich auch schon die Miene des Gnoms zu einer hässlichen Fratze. Wie immer, wenn sie bemerkten, dass man nahezu alles von ihnen wusste und dennoch die Frechheit besaß, sie zu provozieren.

Unerwartet stürmte der Wicht auf mich zu, rammte unter lautem Geschrei seine Schulter in meinen Bauch und bohrte seine dürren, knochigen Finger in meinen Rücken. Sofort taumelte ich ein paar Meter zurück, prallte hart gegen einen Baum und keuchte gequält auf. »Du Hexe wagst es, mich verhaften zu wollen? Wagst es, den Namen meines toten Vaters in den Mund zu nehmen und mir zu drohen?«, schrie Fizzle hysterisch und krallte sich umso fester in mein Kreuz, ehe er mit seinen spitzen Schuhen wild gegen meine Schienbeine trat.

»Du kleiner Drecksack, das hast du nicht umsonst getan«, wetterte ich und ging schmerzerfüllt in die Knie. Wütende, grün funkelnde Augen sahen mich überheblich an. Allem Anschein nach wiegte Fizzle sich bereits in Sicherheit. Ich wäre jedoch nicht beim BEA, wenn man mich spielend leicht ausschalten könnte. Obgleich meine Arme in der festen Umklammerung des überraschend starken Männleins gefangen gehalten wurden, war mir mehr als nur eine Methode geläufig, mich aus solch einer Lage zu befreien.

Zornig riss ich den Kopf nach hinten, um ihn gleich darauf vorschnellen zu lassen und lautstark gegen den Schädel meines Angreifers zu schmettern. Sofort hallte ein Schmerzensschrei durch die Dunkelheit, und der Gnom ließ von mir ab. Trotz brummender Kopfschmerzen stürzte ich, ohne viel Zeit zu verlieren, auf ihn und nagelte ihn mit meinem Unterleib am Boden fest.

»Ich hatte gesagt, keine Tricks, du mieser kleiner Wurm«, knurrte ich, zog kurzerhand meine geladene Waffe und hielt sie dem Zwerg an die blutende Stirn. Entsetzt starrte er mich an und wirkte plötzlich lammfromm. Sei vorsichtig, Sheeva, du weißt, dass Gnome wandelbare Geschöpfe sind und der Schein trügen kann.

»Wirst du kleiner Scheißer jetzt endlich gehorchen, oder muss ich erst richtig böse werden?«, fragte ich genervt und fummelte bereits an meinem Halfter herum, um die Handschellen zu lösen. Ohne Fizzles Antwort abzuwarten, und ihm eine Chance zur Reaktion zu geben, packte ich ihn an der Schulter. Ruckartig zerrte ich ihn herum und drehte ihm die Arme auf den Rücken, um sie zu fixieren. Sein faltiges, hakennasiges Gesicht presste ich dabei demonstrativ auf den Asphalt. Das darauf folgende Klicken des runden Metalls in meiner Hand gab mir sogleich eine innere Befriedigung. Ich hatte alles richtig gemacht.

»Bail Enforcement Agency, Sie sprechen mit Judy, was kann ich für Sie tun?«

»Hey, hier ist Sheeva. Ich habe Fizzle Clopper an Bord und bin auf dem Weg zu dir. Kannst du mir einen Gefallen tun und schon mal die Zelle vorbereiten? Kaffee wäre auch nicht schlecht«, plapperte ich, zufrieden lächelnd bei dem Gedanken, dass Judy mit Sicherheit wieder mächtig stolz war, weil sie mich unterstützen durfte. Ich wollte einfach, dass sie sich nicht nur als Empfangsdame sah, sondern als eigenständiger, wichtiger Teil der Firma.

»Fizzle Clopper? Der Gnom? Wo hast du ihn aufgespürt? Und ja, natürlich bereite ich alles vor. Das mit dem Kaffee könnte allerdings zum Problem werden. Wir haben Hinweise bekommen, denen du gewiss nachgehen willst«, drang es durch das Handy an mein Ohr, und sofort war mein ganzer Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Judy wusste, dass ich mir nach getaner Arbeit stets einen guten Schluck schwarzen Goldes gönnte. Wenn sie jedoch der Ansicht war, dass ich diese Belohnung nach hinten verschieben musste, war die Kacke meist richtig am Dampfen.

»Was ist los, Judy?«, erkundigte ich mich und bog mit meinem 70er Ford Mustang in die Dudley Street ein, die knapp zwei Meilen von der Agentur entfernt lag.

»Darüber sprechen wir besser, wenn du hier bist, Sheeva. Wann wirst du eintreffen?«

»Acht Minuten«, schoss es angespannt aus mir heraus, ehe ich auflegte und umso mehr aufs Gaspedal trat. Sofort brüllte der Motor los, presste mich gnadenlos in den Sitz. Ein wahnsinniges Gefühl kann ich euch sagen.

Keine fünf Minuten später stand ich vor dem roten Backsteingebäude, in dem die BEA ihren Hauptsitz hat. Im ersten Stock brannte Licht, ebenso im Keller, wo sich die Zellen befanden. Judy war vermutlich dabei, ihren Spezialauftrag zu erledigen. Lächelnd stieg ich aus, klappte den Fahrersitz nach vorn und zog den Gnom heraus. Er hatte seinen vorherigen Gesichtsausdruck wiedergefunden und starrte mich abermals grimmig und mit verletztem Stolz an. »Das wirst du mir büßen, Schlampe. Wir werden dich jagen und quälen, dass du dir wünschst, uns nie getroffen zu haben«, drohte er großkotzig. Ich hingegen lachte in mich hinein und schob Fizzle weiter Richtung Hauseingang. Dummer kleiner Wicht. Wenn er wüsste, dass er morgen nach Salem transportiert wird und dort die nächsten sechs Jahre verbringt.

Kaum hatten wir einen Fuß ins Innere des Gebäudes gesetzt, wand Fizzle sich nach allen Seiten und setzte zur Flucht an. Doch damit hatte ich natürlich gerechnet, und so packte ich ihn an seinem zerzausten kupferfarbenen Haar und zwang ihn schmerzlich, den richtigen Weg einzuschlagen. »Muss ich es dir erst vortanzen? Was ist an ›Keine Tricks‹ bitte schwer zu verstehen?«, fragte ich mürrisch und schlug ihm als Zeichen meiner Verärgerung kräftig gegen den Schädel. Entgegen meiner Erwartung verbiss er sich dieses Mal jegliche Reaktion und lief von nun an brav vor mir her, hinunter ins Kellergeschoss. Gnome können lernwillig sein? Erstaunlich.

»Judy, ich bin da. Wo steckst du?«, rief ich und stiefelte den lichtdurchfluteten Gang entlang, geradewegs ins Untergeschoss. Keine Antwort. Den Gnom weiterhin fest im Griff, stolzierte ich voran und fand sie kurz darauf in Zelle dreizehn.

»Da bist du ja. Ist alles in Ordnung?« Überrascht sah Judy zuerst mich und anschließend Fizzle an, der seine zornig funkelnden Augen direkt auf sie geheftet hatte. Judy schluckte schwer und war bemüht, ihre Furcht vor dem Gnom zu verbergen. Dafür, dass sie erst ein halbes Jahr bei uns arbeitet, erledigt sie ihren Job wirklich gut.

»Mach dir seinetwegen keine Sorgen«, versuchte ich sie zu beruhigen und schüttelte demonstrativ die auf dem Rücken befindlichen Handschellen des Wichts.

»Au verdammt, du brichst mir die Arme. Ich werde dich verklagen, Miststück!«

»Kannst du bitte einmal deine stinkende Klappe halten?«, erwiderte ich genervt, zwängte mich gekonnt an Judy vorbei und stieß den Zwerg unsanft ins Loch, wie ich es nannte.

Prompt fiel Fizzle, mit dem Gesicht voran, der Länge nach auf den Boden und stöhnte schmerzerfüllt auf. Ohne seine Klagelaute und Beschimpfungen zu beachten, schloss ich die Zellentür und widmete mich wieder Judy.

»Na, geht es dir jetzt besser?«, fragte ich mit wissendem Lächeln, indes ich freundlich meinen Arm um ihre Schultern legte und sie sanft, aber bestimmt Richtung Treppe führte.

»Hey ihr beiden Turteltauben. Ihr wollt mich doch hier nicht alleine lassen, oder? Was ist, wenn ich pinkeln muss oder Hunger bekomme? Wobei mir einfällt, ich könnte wirklich einen Happen brauchen und muss aufs Klo. Außerdem will ich eine andere Zelle. Dreizehn ist meine Unglückszahl. Hey, seid ihr noch da? Kommt sofort zurück, ihr Schnepfen! Macht mir wenigstens diese verdammten Handschellen ab«, wetterte der Gnom lauthals hinter uns her und brachte mich umso mehr zum Schmunzeln.

»Gute Nacht, Fizzle«, war alles, was ich noch zu sagen hatte, ehe ich das Notlicht einschaltete und mit Judy nach oben verschwand.

Im Büro angekommen, stiefelte ich sofort zur Kaffeemaschine, um mir eine große Tasse flüssigen braunen Goldes zu genehmigen. »Du hattest doch nicht wirklich Angst vor dem Zwerg, oder?«, fragte ich Judy ruhig, während das heiße Getränk sachte in meine Tasse floss. »Möchtest du auch einen?«, setzte ich freundlich nach und schnappte mir bereits einen zweiten Pott.

»Ja, gern. Und, ähm … wenn ich ehrlich sein soll, war er wirklich sehr furchterregend. Ich habe mir Gnome irgendwie anders vorgestellt. Eher wie einen kleinen Druiden oder winzigen Zauberer. Nicht so grimmig«, antwortete Judy und nahm kurz darauf dankend ihren Kaffee entgegen.

»Nun ja, diese Kreaturen sind zwar keine Zauberer, aber doch sehr wandelbare Wesen. Sie scheuen normalerweise keine Tricks, um dich um den Finger zu wickeln und ihren Willen durchzusetzen. Sie sind sehr hinterlistig, weißt du? Traue also niemals einem Gnom!«, klärte ich sie auf, ehe ich einen großen Schluck trank.

»So, nun verrate mir mal, was es so Wichtiges gibt, dass du der Meinung bist, dass ich das hier«, ich schwenkte übertrieben meine Tasse, »nicht mehr austrinken kann.«

Judy, die ebenfalls einen Schluck getrunken hatte, wirkte plötzlich sehr nachdenklich. »John hat heute Nachmittag eine interessante Entdeckung gemacht, Sheeva. Er war unten beim Industriegelände, bei den alten Fabriken.«

Judy nahm noch einen Schluck und wirkte zunehmend unsicherer. »Am Nachmittag, sagst du? Hatte John nicht längst Feierabend? Was hat er dort außerhalb seines Gebietes zu suchen gehabt?«, fragte ich verwundert und wartete gespannt auf ihre Antwort. Doch Judy reagierte nicht, sondern sah mich weiterhin mit wehleidigem Gesicht an. »Erzähl schon. So schlimm wird es nicht sein.«

»Also schön. John war unten bei den Fabrikgebäuden in der Nähe des Piers. Er ist gegen Mittag einfach abgehauen und sagte etwas von ›Einen Tipp bekommen‹ und ›Keine Zeit, es zu erklären‹. Ich war total irritiert, aber es blieb keine Möglichkeit mehr nachzuhaken. Er war zu schnell verschwunden. Gegen siebzehn Uhr ist er dann wieder hier aufgeschlagen und war vollkommen fertig.«

Gespannt wartete ich auf die wichtigen Fakten dieser Unterhaltung und begann nervös zu werden. Es war nicht gut, wenn einer von uns auf eigene Faust Sherlock Holmes spielte. Das konnte nicht nur für denjenigen selbst, sondern auch für den Rest der Agency gefährlich werden. John war das bewusst.

Judy schien meine innere Anspannung ebenfalls zu bemerken und fuhr fort. »John hat ihn gesehen, Sheeva. Er hatte sich in einem der Gebäude versteckt. Er ist wieder in der Stadt!« Perplex starrte ich sie an.

»Wer, Judy?«, fragte ich ratloser als zuvor. Allmählich brachte sie mich mit ihrem Rätselraten auf die Palme – eine Eigenart, die ich noch nie an ihr gemocht hatte.

»ER, Sheeva. McClary!«, krächzte sie plötzlich mit einem Anflug von Panik in der Stimme, weshalb ich mich sofort an dem Schluck Kaffee verschluckte, den ich gerade zu mir genommen hatte.

»Hast du McClary gesagt?«, vergewisserte ich mich noch einmal und erntete ein kaum sichtbares Nicken. Hastig stellte ich meine Tasse hinter mir auf dem Küchentresen ab und lief nervös durch den Raum. McClary. Himmelherrgott! Wenn das wahr sein sollte, was sie da sagte, dann war das alles andere als gut. Eigentlich konnte man es nur als eine Katastrophe bezeichnen, wenngleich es für mich auch eine Chance war.

»John meinte, dass er geschwächt aussah. Wobei ich nicht wirklich glauben kann, dass John sich nah genug an ihn herangewagt hat. Immerhin eilt McClarys Ruf ihm voraus, wenn du verstehst, was ich meine.«

Natürlich verstand ich. Duncan McClary war eine der meistgesuchten Personen in den USA. Viele Jahre, in denen er allein durch seine Anwesenheit Angst und Schrecken unter den Menschen verbreitet hatte, in denen er auf der Jagd war und Unzähligen das Fürchten gelehrt hatte, lagen hinter ihm. Die Unwissenden hatten ihn als Erzengel, Höllenhund oder gar als Bestie beschimpft und waren nicht selten dafür in die Psychiatrie gewandert. Einige hatten sogar den Mut gefasst, ihm den Garaus machen zu wollen, doch bisher war genau dies niemandem gelungen. Ich selbst hatte es viele Male versucht, doch immer wieder war es nur ein Funken Glück, der mir zum Sieg gefehlt hatte.

Angespannt sah ich auf meine Uhr – zwanzig Minuten vor zwölf. Eine denkbar ungünstige Zeit, um Rotkäppchen und der Wolf zu spielen, und dennoch perfekt genug, um einen Überraschungsangriff zu starten. »Ich muss los«, sagte ich entschlossen, machte auf dem Absatz kehrt und stiefelte zur Tür.

»Sheeva, warte! Es gibt da noch etwas, das ich dir sagen muss.« Der flehende, fast weinerliche Ausdruck in ihrer Stimme ließ mich aufhorchen. Fragend sah ich sie über meine Schulter hinweg an und bemerkte sofort den feuchten Glanz in ihren Augen. »Dein Vater … er hatte einen Herzinfarkt.« Ruckartig drehte ich mich um und starrte sie mit erschüttertem Blick an. Ich hatte mit so vielem gerechnet, aber nicht mit meinem Vater.

»Was? Woher weißt du das?«, schoss es aus mir heraus, ehe ich ungeduldig ihre Schultern packte und sie leicht zu schütteln begann. »Sag mir, von wem du das hast, Judy«, verlangte ich erneut und fühlte, wie sich mein Brustkorb immer mehr zuschnürte.

»John! John hat es mir gesagt. Dein Vater war wohl eine Art Informant, Sheeva. Er hat John den Tipp mit den Fabrikhallen gegeben. Ich habe keine Ahnung, woher er von den Dunklen weiß, aber wie es scheint, weiß er es. Könntest du mich jetzt bitte loslassen?«, bat Judy hektisch und versuchte bereits ihre dünnen Ärmchen aus meinem viel zu festen Griff zu bringen. Als ich realisierte, was ich gerade tat, ließ ich sie sofort los. »Es tut mir leid. Ich wollte nicht …« Ein Blick in ihre verständnisvollen Augen reichte aus, um mir ihrer Vergebung sicher zu sein.

»Ich hab mir erlaubt, beim Krankenhaus anzurufen. Der Chefarzt wollte mir zunächst keine Auskunft geben, aber letztendlich konnte ich ihm ein paar Informationen entlocken. Er sprach davon, dass dein Vater nicht in Lebensgefahr schwebe und einzig ein wenig Ruhe benötige. Besuch darf er jedoch frühestens morgen Mittag empfangen. Tut mir leid.«

Erleichterung machte sich in mir breit, und sofort löste sich der feste Knoten in meiner Brust. Wenngleich ich meine Mutter seit Jahren nicht getroffen hatte, da sie mich bisher wie eine Verrückte behandelt hatte, so war ich doch meinem Vater hin und wieder bei einer Polizeikontrolle begegnet. Rückblickend muss ich sagen, dass sich diese Treffen in den vergangenen Monaten gehäuft hatten, was mir das Gefühl vermittelte, dass er vermehrt Kontakt zu mir suchte. Einerseits war das natürlich schön, andererseits aber auch ein wenig verwunderlich. Immerhin war es mein sonderbares Verhalten gewesen, weshalb sich meine Eltern getrennt hatten. Doch darüber wollte ich mir jetzt keine Gedanken machen. Meinem Vater ging es den Umständen entsprechend gut, und das war alles, was im Moment zählte.

»Danke, Judy! Das war sehr aufmerksam von dir«, sagte ich und zwang meinen Verstand, neue Bahnen einzuschlagen.

»Keine Ursache. Was wirst du jetzt tun?«

Tausende von Geistesblitzen prasselten auf mich ein, doch nur einer war stark genug, um sich zu verankern und mir mein nächstes Ziel klar vor Augen zu führen.

»Ich werde Duncan McClary einen Besuch abstatten!«

KAPITEL 2

Dämon

»Orcus. O Meister, ich bringe Nachrichten für euch«, krächzte es aufgebracht durch das alte Gemäuer meiner Kammer und ließ mich sofort aufhorchen. Wütend darüber, dass jemand ungebeten meine privaten Gemächer betrat, spähte ich mit wildem Blick in die Dunkelheit und bohrte meine Klauen fest in den antiken Fürstenstuhl, auf dem ich saß. »Wer wagt es, hier hereinzuplatzen und mich zu stören?«, brüllte ich entrüstet ins bisher so angenehm ruhige Schwarz und ahnte bereits, wem ich gleich eine Lektion erteilen musste.

Ein schwacher Lichtkegel näherte sich. Kurz darauf humpelte ein buckliger, geflügelter kleiner Dämon namens Ahriman in mein Sichtfeld und ließ mich zornig die Zähne fletschen. »O Meister, ich muss euch Neuigkeiten zutragen. Ihr werdet nicht glauben, was ich in Erfahrung bringen konnte«, begann der Schwachkopf wieder, ohne darüber nachzudenken wer vor ihm saß, und brachte so das Fass zum Überlaufen. Rasend vor Wut stürzte ich mit lautstarkem Gebrüll vor und packte den Dämon an seiner schuppigen Kehle. Mit einem Ruck drückte ich ihn gegen das kalte Gestein der Wand zu meiner Linken. Die kleine Laterne, die er eben noch in seinen verkümmerten Fingern gehalten hatte, schnellte zu Boden, und die Kerze erlosch. Es herrschte wieder angenehme Finsternis. Einzig das glühende Rot meiner funkelnden Pupillen spiegelte sich in Ahrimans verschreckten Augen. Ich konnte seine Angst deutlich riechen.

»Wunderbar! Ich hatte schon fast vergessen, wie bittersüß der Duft der Furcht sein kann«, knurrte ich vor mich hin und lächelte finster.

Der Dämon hingegen krächzte unter meinem festen Griff und strampelte panisch mit den in der Luft hängenden Beinen, doch ich ließ nicht locker. Zu sehr ergötzte ich mich an seiner Todesangst und an der ungezügelten Macht, die ich über seinen wertlosen, zappelnden Körper hatte. Als einer der Herrscher der Unterwelt war mir natürlich bewusst, dass Ahriman nicht an einem Mangel an Sauerstoff sterben würde. Dazu gehörte selbst bei einem Schwachsinnigen wie ihm deutlich mehr.

»Wer hat dich zu mir geschickt?«, knurrte ich düster und löste einen Finger, um dem Dämon das Sprechen zu ermöglichen.

»Niemand, Herr«, stammelte er, indes er meinem Blick immer wieder auszuweichen versuchte.

»Wer gibt dir dann das Recht, mich unaufgefordert in meinem Privatgemach aufzusuchen und mich mit deinen Nichtigkeiten zu stören?«, schnaubte ich und bohrte meine Krallen tiefer in seinen bereits blutenden Hals.

»Acheron, Herr«, winselte Ahriman, »Acheron schrumpft. Er scheint zu sterben!«

Verblüfft riss ich die Augen auf und drückte unmerklich fester zu. Es war unmöglich, dass der Fluss der Seelen und des Leidens auszutrocknen vermochte. Immerhin war es der einzige Weg, wie die Seelen der Verstorbenen in die Hölle gelangten. Noch nie war er auch nur ansatzweise zum Stillstand gekommen, geschweige denn versiegt oder gestorben. Wie sollte ein Fluss auch sterben können?

»Was zur Hölle redest du für einen Unsinn? Du erdreistest dich, dir Zutritt zu meinen Gemächern zu verschaffen, wagst es, mich um meine Ruhe zu bringen, brüllst durchs Jenseits, dass Luzifer selbst es noch gehört haben muss, und erlaubst es dir zudem, mich mit deinen Lügen zu belästigen? Nenn mir einen Grund, Ahriman, warum ich dich am Leben lassen sollte. Weshalb ich dir nicht auf der Stelle deinen hirnlosen Schädel abreißen und mir zum Dessert gönnen sollte?«, drang es gefährlich grollend aus meinem Inneren, während ich meinen Zeigefinger tief in die Schulter des Winzlings bohrte. Ahriman schrie schmerzerfüllt auf. In dem irrsinnigen Versuch, sich zu befreien, wand er hektisch seinen Körper hin und her, blieb jedoch kurz darauf erschöpft an meinem ausgestreckten Arm hängen. Er keuchte atemlos, indes das Blut in kleinen Rinnsalen an seiner Kehle und mittlerweile auch an seinem Arm entlanglief.

»Ich habe nicht gelogen. Acheron geht zugrunde, wenn nicht bald etwas geschieht. Bitte, o Herr, schenkt mir euer Vertrauen und lasst mich euch zu ihm führen, damit ihr euch selbst davon überzeugen könnt.«

KAPITEL 3

Sheeva

In rasantem Tempo lenkte ich meinen Mustang durch die engen Straßen Bostons. Ich musste mich unbedingt ein wenig ablenken. Die Nachricht über den ungewissen Gesundheitszustand meines Vaters, machte mir doch mehr zu schaffen, als ich mir eingestehen wollte. Was hatte er unten am Pier zu suchen? Weshalb sollte er Johns Informant sein? Fragen, die mich innerlich quälten und geklärt werden mussten.

Zwei Kreuzungen später hielt ich in der Nähe des Piers an, stieg aus dem Wagen und knallte die Autotür extra schwungvoll zu. Mir war bewusst, dass ich mich vor Duncan McClary nicht verstecken konnte und er darüber informiert war, dass ich mich in der Nähe befand. Es lag demzufolge in meiner vollen Absicht, ihm zu zeigen, dass ich bereit war, ihn mir zu holen.

Selbstbewusst schritt ich mit klappernden Absätzen in Richtung Fabrikgelände. Ein letztes Mal kontrollierte ich die Ausrüstung an meinem Körper. Die Beretta steckte wie üblich samt extra Munition sicher im Halfter, dicht gefolgt vom kühlen Metall der Handschellen. An den mit Schnallen verzierten Lederstiefeln glänzte jeweils ein silbernes Jagdmesser, was sich bei Nahkämpfen schon des Öfteren bewährt hatte. Und zu guter Letzt trug ich mein K.-o.-Spray bei mir, das kaum sichtbar am Bund meiner eng anliegenden Jeans befestigt war und von meiner schwarzen Lederjacke verdeckt wurde.

Gewiss würde der eine oder andere sagen, dass dies nicht der beste Aufbewahrungsort für diese Art von Waffe war. Da sie bei mir jedoch äußerst selten zum Einsatz kam, weil man sich schnell selbst außer Gefecht setzen konnte, hielt ich diesen Platz für sehr geeignet.

Die alten Fabriken, die John bei seiner Ein-Mann-Mission besucht hatte, wurden schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr benutzt. Man konnte förmlich zusehen, wie der Zahn der Zeit an den alten Gemäuern nagte. Pflanzenteile wucherten aus zerbrochenen Fensterscheiben empor, hässliches Unkraut zierte die heruntergekommenen Zufahrtswege, und alles in allem war es nicht zu übersehen, dass sich für dieses Gebiet keiner mehr zuständig fühlte. Die Gegend rund um den Pier war beinahe ausgestorben. Es verirrte sich kaum noch ein Mensch an diesen Ort. Einzig ein paar Spaziergänger mit ihren Hunden waren in diesem Teil Bostons anzutreffen, jedoch bevorzugten diese eine gnädigere Uhrzeit. Ich brauchte also keinesfalls zu befürchten, bei meinem unerlaubten Eindringen in die alten Hallen, entdeckt zu werden.

Vorsichtig kroch ich durch den beschädigten Zaun an der Westseite des Geländes und marschierte zielstrebig auf eine der leer stehenden Werkhallen zu. Was genau mich geradewegs zu diesem Gebäude zog, wusste ich nicht, doch ich hatte das dringende Bedürfnis, zuerst dort nachzusehen.

Unter lautem Quietschen schob ich das große, verrostete Tor beiseite und trat ein. Es war erwartungsgemäß sehr dunkel im Inneren der Halle und einzig der volle Mond, der durch die teils zerborstenen Fenster schien, begleitete mich auf meinem Weg. Das ist ein so verdammt ungünstiger Zeitpunkt, Sheeva.

Mit klopfendem Herzen tastete ich mich voran und drang relativ schnell in den nächsten Bereich des Gebäudes vor. Intuitiv öffnete ich die Jacke, griff hinein und schloss meine Finger um das angenehm kühle Metall der Beretta. Ich hatte schon Hunderte dieser Jobs erledigt und wusste in den meisten Fällen, womit ich es zu tun hatte. Dennoch stand ich stets unter Druck und kämpfte gegen die wachsende Anspannung an. Ich zwang mich, ruhig zu bleiben, atmete einmal tief durch, zog langsam meine Waffe aus dem Halfter, hielt sie in sicherem Griff vor die Brust und stiefelte hoch konzentriert weiter. In diesem Teil der Halle waren die Sichtverhältnisse nur unwesentlich besser, doch das war deutlich mehr, als ich erwartet hatte. Prüfend sah ich mich in dem leeren Raum um. Nichts. Keine Spur von McClary.

»Komm raus, komm raus, wo immer du steckst«, murmelte ich vor mich hin und versuchte meinen viel zu schnellen Herzschlag unter Kontrolle zu bringen. Doch meine Nervosität stieg. Plötzlich knackte es leise über mir, und instinktiv zielte ich mit meiner Waffe Richtung Decke. Zwei gelb leuchtende Punkte stachen mir ins Auge, und so visierte ich sie unverzüglich an. »McClary, komm raus! Ich weiß, dass du da oben bist!« Meine Stimme war fest, doch innerlich bebte ich vor Aufregung, wenngleich mir bewusst war, dass ich mir dies unter keinen Umständen anmerken lassen durfte. Es konnte mein Verderben sein.

Der verschwommene Schatten, der über mir auf den quer verlaufenden Stahlträgern zu sehen war, rührte sich nicht, und auch das gelbliche Leuchten zeigte keine Reaktion auf die geladene Waffe. Vielleicht habe ich ja zu viel auf mein Bauchgefühl gegeben, und er ist doch nicht dort oben. Abermals knackte es, dieses Mal jedoch unweit hinter mir. Ruckartig wirbelte ich herum und sah nichts als tiefes Schwarz. Ein Kontrollblick über meine Schulter, hinauf zur Decke, zeigte mir schnell, dass sowohl der Schatten als auch das Funkeln verschwunden waren. Mist! Ich hätte schießen sollen, solange die Chance dazu bestand.

Erneut machte ich mich auf den Weg, die Halle zu durchqueren. Zaghaften Schrittes suchte ich nach Anhaltspunkten, die zu meiner Zielperson führen würden, und ich sollte auch nicht lange danach suchen müssen.

»Guten Abend, Sheeva«, raunte es mit einem Mal düster durch das alte Gebäude und ließ mir sogleich einen eisigen Schauer über den Rücken gleiten.

»McClary«, keuchte ich atemlos zurück, während mein Magen sich krampfhaft zusammenzog. Wie immer, wenn ich mich in seiner Nähe befand, richteten sich meine Nackenhärchen abrupt auf. Jedes Mal aufs Neue schien es, als wäre die Raumtemperatur um gut zehn Grad gefallen, nur um wenige Augenblicke später um gefühlte zwanzig Grad zu steigen. »Es ist lange her«, versuchte ich etwas gefestigter nachzusetzen und klammerte mich an meiner Schusswaffe fest. Wo steckt der Kerl? Hektisch suchte ich den Raum nach ihm ab, konnte jedoch nicht erkennen, wo er sich aufhielt.

»Viel zu lange, wenn du mich fragst«, konterte er charmant, während er in Windeseile hinter mir entlanghuschte. Vom viel zu nahen Lufthauch in Alarmbereitschaft gesetzt, wirbelte ich herum, um McClary festzunageln. Nichts. Verdammt noch mal, du musst deine Taktik ändern, Sheeva!

»Meinen Informationen zufolge sollst du nicht in bester Verfassung sein, McClary«, sagte ich mit provozierendem Lächeln, und sofort zog ein kehliges Knurren durch die Dunkelheit, das meine Nackenhaare vibrieren ließ. Erneut war es nur ein Lufthauch, der an mir vorbeihuschte, doch dieses Mal erkannte ich einen wolfsähnlichen Schatten, der knapp drei Meter neben mir in der Finsternis verschwand. Verdammt ist der schnell. Wie soll ich ihn zur Strecke bringen, wenn er nicht endlich stehen bleibt?

Entgegen meiner inneren Alarmglocke entschloss ich mich kurzerhand, auf meine verbliebenen Sinne zu hören. Die Beretta weiterhin umklammernd, schloss ich die Lider und lauschte in die Stille. Keinerlei Geräusche. Okay, nächster Versuch.

»Da wir uns einander nicht mehr vorstellen müssen, weißt du, weshalb ich hier bin, nicht wahr?«, fragte ich und erhoffte mir eine Antwort, die mir seinen Standort verraten würde, doch es blieb ruhig. Die Augen noch immer fest verschlossen, setzte ich augenblicklich nach. »Duncan McClary, ich bin hier, um dich festzunehmen. Es wäre für uns alle am einfachsten, wenn du freiwillig aufgibst. Andernfalls bin ich leider gezwungen, dich zu jagen und notfalls von meiner Schusswaffe Gebrauch zu machen.«

Da war es. Ein Rascheln zu meiner Linken, das mich prompt die Lider öffnen und herumgleiten ließ, um McClary ins Visier zu nehmen. Kaum war ich jedoch zum Stehen gekommen und hatte die Waffe angelegt, griff er bereits danach und drückte sie zur Seite. Ein Schuss löste sich. Erschrocken riss ich die Augen auf, und ehe ich einen weiteren Schuss hätte abfeuern können, hatte er mir meinen Arm auf den Rücken gedreht. Reflexartig und von Angst getrieben, versuchte ich ihn mit der anderen Hand zu schlagen. Ich hegte etwas Hoffnung, er würde von mir ablassen. Doch auch dieses Mal wusste er meine Taten zu verhindern. Scheinbar mühelos wehrte er meinen Hieb ab, griff fest nach meinem Handgelenk und lächelte mich süffisant an.

»Na, na, wer wird denn hier handgreiflich werden?«, säuselte er mit rauer Stimme und bog meinen Arm noch ein wenig mehr nach hinten, sodass ich unter Schmerzen meine Waffe fallen ließ.

»Lass sofort los, du Mistkerl! Hast du eine Ahnung, was du dir gerade für Schwierigkeiten einbrockst?«

Ohne Vorwarnung schleuderte McClary mich herum, drehte mir auch den zweiten Arm auf den Rücken und drückte mich in Windeseile an die gegenüberliegende Wand. Kühl presste sich das Gestein gegen meinen spärlich bedeckten Busen, und sogleich bereute ich meine heutige Auswahl an Arbeitskleidung. Memo: Keine weit ausgeschnittenen Oberteile im Einsatz!

»Was denkst du eigentlich, was du hier mit mir machst, McClary? Willst du unbedingt ein paar Punkte mehr auf deiner Straftatenliste? Wenn du mich auf der Stelle loslässt, verspreche ich dir, dass ich diesen kleinen Vorfall vergesse und dir nicht sofort den Schädel einschlage für dein unsittliches Benehmen.«

»Sheeva, Sheeva. Ich habe dich keinesfalls unsittlich behandelt und es auch nicht vor. Du solltest mich besser kennen«, antwortete der Mann düster raunend hinter mir, wobei sein heißer Atem sanft mit den Härchen an meinem Hals spielte. Wütend über den Verlauf der Mission, versuchte ich mich aus seinem Griff zu winden, doch es nützte nichts. Weder die Beretta, die auf dem Boden lag, noch das K.-o.-Spray an meinem Hosenbund oder die beiden Messer an meinem Stiefelschaft nützten mir etwas. Stiefel, das ist es!

Zornig riss ich einen Fuß nach hinten. In Windeseile schnellte mein Absatz zwischen McClarys Beinen nach oben. Ich wollte ihm gehörige Schmerzen verpassen und endlich die Oberhand gewinnen. Doch alles, was ich mit meiner übereifrigen Aktion erreichte, war, dass ich McClary am Hinterteil traf und ihn dichter an mich presste. Verdammt! Ist denn alles, was ich in Bezug auf diesen Typen anfange, zum Scheitern verurteilt?

Fest drückte sich McClarys Rumpf gegen den meinen, und ehe ich hätte reagieren können, packte er mich an der Schulter und wirbelte mich zu sich herum. Leuchtend gelbe Augen funkelten mir gefährlich entgegen und ließen jeden Kommentar bedingungslos in meinem Hals ersticken.

»Wer von uns beiden wird denn hier unsittlich?«, schnurrte es raubtierhaft nur ein paar Zentimeter vor mir, ehe sich Duncans muskulöse Brust gegen meinen Oberkörper drückte. Ich schluckte schwer und hielt abrupt den Atem an. Sein vom Mond beschienenes Gesicht war dem meinen schlagartig viel zu nah.

Okay, ich gebe es ja zu. In einer anderen Situation und in einem anderen Leben hätte ich ihn vielleicht noch näher an mir gewünscht. Immerhin gehörte Duncan McClary zu der Sorte Mann, die allein durch ihr Äußeres eine Menge Frauenherzen zum Schmelzen brachte. Warum nicht auch das einsame Herz einer Kopfgeldjägerin? Andererseits gehörte er zu den Bösen und ich zu den Guten. Ganz gleich also, ob mich sein rabenschwarzes Haar hin und wieder streichelte oder der betörende Duft nach Wald und leichtem Rauch mich umgarnte. Und mal abgesehen von dem markanten unrasierten Gesicht, das sich bestimmt wundervoll auf meiner Haut anfühlen würde. Das konnte nicht funktionieren!

Beinahe zärtlich fixierte McClary meine Handgelenke an der Wand, indes er mich mit sanften Augen von oben bis unten musterte. »Hm«, war alles, was er von sich gab, ehe sein prüfender Blick auf meinem Gesicht zum Ruhen kam. Ohne ein Wort zu verlieren, löste er seine rechte Hand von meinem Arm und griff nach meinem Hosenbund.

»He, was soll das?«, murrte ich und war im Begriff, mit meiner freien Hand nach seinen Fingern zu schlagen, als diese zurückschnellten und mein Handgelenk hinter dem Rücken fixierten. Scheinbar mühelos hielt er nun mit einer Hand meine beiden Arme gefangen und presste zudem noch ein Bein zwischen meine Schenkel, sodass ich ihm vollkommen ausgeliefert war. Verdammt noch mal, Sheeva, setz dich endlich zur Wehr!, ermahnte ich mich selbst, doch ich konnte mich kaum noch rühren. Wahrscheinlich hätte ich ihm eine Kopfnuss verpassen können, doch würden mich anschließend höllische Kopfschmerzen plagen. Und da die Nebenwirkungen meiner Auseinandersetzung mit Fizzle noch nicht vollständig abgeklungen waren, schien das keine angenehme Aussicht. Es musste einen anderen Weg geben, McClary Einhalt zu gebieten.

Vorsichtig glitt seine Hand zum Reißverschluss meiner Lederjacke, um sie gänzlich zu öffnen. Achtsam schob er sie etwas zur Seite, ehe seine Finger sich vorantasteten und erneut am Bund meiner Hose stoppten. Entsetzt riss ich die Augen auf und presste wütend meine Kiefer zusammen. McClarys Blick war indessen weiterhin ruhig auf mein Gesicht gerichtet.

»Was soll das, Duncan? Hör sofort auf damit!«, verlangte ich grollend, doch er reagierte nicht, sondern löste mit einem gezielten Griff das K.-o.-Spray von meiner Jeans. Oh! Kaum war die kleine Dose hörbar auf dem Boden aufgeschlagen, machte Duncan sich bereits an die Arbeit, mich weiter zu entwaffnen. Meinem erbosten Blick standhaltend, glitt sein Körper an mir herab, wobei sein stoppeliges Kinn für einen kurzen Moment über meinen freigelegten Bauch kratzte. Sofort schoss mir ein Schauer durch den Körper.

»Mach das noch mal, und ich breche dir deinen verdammten Kiefer«, knurrte ich angespannt. Duncan lächelte amüsiert. Sanft tastete er meinen Oberschenkel ab und glitt hinab zu meinen Waden, wo er vorsichtig beide Messer aus der Lederscheide zog, um sie ebenfalls auf den Boden zu legen. »Bist du dann fertig und kannst dich von meinem Unterleib lösen?«, zickte ich ihn an, denn es gefiel mir überhaupt nicht, dass sein Kopf sich in so tiefen Regionen befand. »Eine Sache wäre da noch«, konterte er, begab sich wieder zu mir auf Augenhöhe und ließ mich überrascht aufblicken. Ich überlegte, was er noch von mir wollen könnte, jetzt, wo alle meine Waffen auf der Erde lagen, und schnell erkannte ich, was fehlte. Um nicht auch meine Handschellen einzubüßen, versuchte ich Duncan abzulenken.

»Was willst du überhaupt von mir? Kein normaler Mensch, mit einer Vorgeschichte wie deiner, handelt sich freiwillig noch mehr Ärger ein. Was stimmt nicht mit dir?«

»Ich bin kein Mensch«, erwiderte Duncan knapp und legte seine warmen Finger auf meinen Bauchansatz. Angespannt zuckte ich unter der viel zu zärtlichen Berührung zusammen.

»Und das gibt dir das Recht, mich zu befummeln?«, platzte es wütend aus mir heraus, doch Duncan schien sich keiner Schuld bewusst zu sein und ließ seine Hand weiter Richtung Hüfte gleiten. »Normalerweise wiederhole ich mich nicht«, fuhr ich fort und zwang mich, dem inneren Drang, seine sanften Berührungen zu genießen, nicht nachzugeben. Verflucht, Sheeva, du solltest dich mehr ins nächtliche Getümmel stürzen und deine Sehnsüchte nicht bei eiskalten Dämonen zu befriedigen versuchen.

Die selbst erteilte Ohrfeige saß, und so setzte ich zum Endspurt meines Vortrages an. »Und ich lese schon gar keine Rechte vor, aber bei dir mache ich gern eine Ausnahme!«

Verdutzt sah Duncan mich an, und für einen kurzen Moment stoppten seine kräftigen Finger auf meiner spärlich bedeckten Haut, ehe er nachdenklich und überaus langsam an meiner Taille entlangfuhr. Ich keuchte erstickt, als meine Atmung sich zunehmend beschleunigte und meinen Unmut umso mehr steigerte. Verdammte Libido. Geh zurück in deine verstaubte Zelle. Du machst nur Ärger!

»Ich bin hier, um dich, Duncan McClary, festzunehmen und mit in die Agency zu nehmen, von wo aus du am Morgen nach Salem transportiert wirst. Jede Zuwiderhandlung kann und wird gegen dich verwendet werden. Um deine Rechte zu wahren, solltest du dir einen Anwalt besorgen. Kannst du dir keinen leisten, so wird dir einer gestellt. Und wenn du nicht noch tiefer in diese Scheiße geraten willst, dann lass mich, verdammt noch mal, endlich los!«

Prüfend sah er mir in die Augen, als seine Finger sachte an meiner Seite nach oben fuhren und sich beinahe spielerisch zu meinem Schulterhalfter vorarbeiteten. Meine Atmung stockte. Angespannt sog ich zischend den so dringend benötigten Sauerstoff zwischen meine Lippen, ehe ich ihn langsam wieder ausstieß, indes Duncan sich geschmeidig meiner Handschellen bediente.

Als wäre meine komplette Entwaffnung nicht schon genug Schmach für mich gewesen, wischte Duncan zu guter Letzt gekonnt meine Waffen mit dem Fuß aus meiner Reichweite. Zufrieden trat er im Anschluss einen Schritt zurück, um mir etwas Freiraum zu geben. Die Handschellen hielt er dabei fest in seiner Hand.

Ich hätte sofort losstürmen, ihn überrumpeln und schlagen sollen, doch genau das hatte er womöglich von mir erwartet. Diese Genugtuung konnte ich ihm nicht auch noch geben. Unser kleines Vorspiel hatte mir gereicht.

»Was hast du jetzt vor, McClary?«, fragte ich mürrisch und rieb mir das leicht schmerzende Handgelenk.

»Werden wir jetzt wieder förmlich?«, säuselte er daraufhin und grinste schelmisch.

»Sag mir, was du willst!«, verlangte ich knurriger und war nicht gewillt, mich weiter auf seine Spielchen einzulassen.

»Reden«, war alles, was er mir entgegnete.

Skeptisch sah ich ihn an. »Reden? Warum dann dieses Theater?«, schoss ich zurück und deutete vorwurfsvoll auf meine Ausrüstung.

»Weil du mir nicht zugehört hättest, Sheeva. Das hast du damals nicht getan, und du würdest es auch heute nicht tun.« Ich schluckte schwer, denn die Erinnerung an damals löste tief in mir noch immer Unbehagen aus.

Ja, ich weiß, ich hätte euch von Duncan und mir erzählen sollen, aber das liegt schon über sieben Jahre zurück. Und es ist definitiv nicht das, was ihr glaubt!

»Fang nicht mit alten Geschichten an, Duncan. Seitdem sind viele Jahre vergangen. Wir befinden uns im Hier und Jetzt. Mein Leben hat sich seither grundlegend geändert und deines offenbar ebenso. Obgleich mir bis heute nicht klar ist, weshalb du dich für die Seite des Bösen entschieden hast«, fuhr ich ihn an und rümpfte verächtlich die Nase. »Heute bekommst du jedoch die Möglichkeit, dein Schicksal zu ändern, McClary, denn ich bin gekommen, um dich mit mir zu nehmen und dir die Chance auf einen Neuanfang zu geben!«, setzte ich nach und hoffte, das Ruder herumreißen zu können.

Gedankenvoll sah er mich an, und ohne dass ich wirklich daran geglaubt hätte, streckte mir Duncan plötzlich seine Hand entgegen, an der das glänzende Metall der Handschellen baumelte. Überrascht und zugleich auch zufrieden, griff ich danach, konnte sie ihm jedoch nicht sofort entreißen.

»Ich werde mit dir gehen, mich widerstandslos nach Salem geleiten lassen und für meine Taten büßen, sobald du mich angehört hast. Versprich mir, dass du mich erklären lässt, und ich schwöre dir bei meinen Vorfahren, dass ich tun werde, worum du mich bittest.«

Das Flehen in seinen Augen und die Tatsache, dass er gewillt war, einen Schwur abzulegen, ließen mich aufhorchen.

»Du hast mir einmal erzählt, dass deine Art nicht auf ihre Ahnen schwört, weil es Unheil mit sich bringt. Warum setzt du dich also diesem vermeintlichen Risiko aus?«, fragte ich ernsthaft interessiert und nahm langsam meine Handschellen entgegen.

»Weil es Dinge gibt, Sheeva, die es wert sind, dafür zu sterben«, erwiderte Duncan leise und wandte sich kurzerhand von mir ab. Beinahe geräuschlos lief er zu der einzigen Wand, die ein halbhohes Fenster besaß.

Wie er nun unweit vor mir stand und in die klare Nacht hinausstarrte, wirkte er plötzlich sehr gedankenverloren. Die Tatsache, dass er offenbar nicht vorhatte zu fliehen, irritierte mich ein wenig. Doch ich ließ ihn gewähren, sammelte rasch meine Utensilien ein und gönnte mir anschließend einen Augenblick, um ihn eindringlich zu mustern.

Rabenschwarzes Haar fiel weich auf das glänzend weiche Leder, das seine breiten Schultern umspielte und wie die Nacht selbst als sein Mantel an ihm herabfloss. Muskulöse und ebenfalls in schwarzes Leder gehüllte Beine ragten darunter hervor, gefolgt von dicken Boots, deren silberne Schnallen in Form eines Dolches drohend im Mondlicht aufblitzten. Ich erkannte Messer, die gefährlich aus mehreren Beinhalftern ragten, eine kurze Winchester, die bedrohlich unter seinem Mantel hervorblitzte, und ein silbernes Schwert, das wie eine Trophäe seinen starken Rücken zierte. Ich schluckte schwer über diese wirklich imponierende Ausrüstung. Genauso imponierend wie er selbst, flüsterte eine leise Stimme in mir, doch ich schüttelte diesen Gedanken sofort wieder ab und konzentrierte mich auf unsere zuvor geführte Unterhaltung.

»Was für Dinge meinst du?«, fragte ich neugierig. »Was könnte es geben, dass es sich dafür zu sterben lohnt?« Duncan atmete einmal tief durch, ehe er sich langsam umdrehte, mir tief in die Augen schaute und kaum hörbar sagte: »Dich, Sheeva. Dich und den Rest der Menschheit!«

KAPITEL 4

Duncan

Wunderschöne blaue Augen, die sanft im Mondlicht schimmerten, starrten mich verblüfft an. Es waren die Augen, die mich seit unserer ersten Begegnung in meinen Träumen verfolgten, und es machte mich innerlich fast verrückt, dass ich beinahe abhängig von ihnen zu sein schien.

Langsam ließ ich meinen Blick über den schlanken Körper der Frau streifen. Sie ist wahrlich eine Augenweide, wenn sie nicht gerade versucht, einem die Augen auszukratzen, dachte ich und hing für einen Wimpernschlag meinen Gedanken nach.

»Was meinst du mit ›Ich und der Rest der Welt‹? Was soll das bedeuten, Duncan?«, drang kurz darauf ihre liebliche Stimme entsetzt in meine Ohren, während sie ungläubig ihr goldbraunes Haar schüttelte. Vorsichtig machte ich einen Schritt in ihre Richtung. Ich musste ihr unbedingt erklären, was vor sich ging. Was sie zu erwarten hatte, wenn ich sie in meine Welt mitnahm. Doch zunächst würde ich ihre Orientierung nicht weiter strapazieren und uns mehr Sicht verschaffen. Ich war es ihr in gewisser Weise schuldig, nachdem ich sie durch die Entwaffnung offensichtlich gedemütigt hatte.

Es war nur ein kurzes Fingerschnippen, und drei Dutzend Kerzen erhellten den Raum mit sanftem Licht. Neben vielerlei anderen Fähigkeiten, die ich besaß, war diese eine der einfachsten und nützlich zugleich. Ich lächelte zufrieden, als Sheeva mit Erstaunen die leere Halle musterte. Hör auf, dich ablenken zu lassen, Duncan, und erfülle deine Pflicht, hörte ich eine leise Stimme in meinem Ohr und löste hastig meinen Blick von ihrem zarten Gesicht.

»Der Welt steht eine große Bedrohung bevor, und ich brauche deine Hilfe. Ich muss dich bitten, mit mir zu kommen!«, brachte ich es kurz und bündig auf den Punkt und hoffte, die richtigen Worte gefunden zu haben. Für gewöhnlich musste ich mich nicht so förmlich benehmen und bekam oder nahm mir, was ich brauchte. Bei dieser Frau schien das jedoch nicht so einfach zu sein. Ein Blick in ihr wütendes Gesicht zeigte mir schnell, dass ich auf dem Gebiet der vornehmen Konversation noch an mir und meiner Ausdrucksweise arbeiten musste.

»Geht es dir gut? Versuchst du mich gerade in deine Machenschaften hineinzuziehen? Ich gehe mit dir nirgendwohin«, erwiderte sie erschüttert und sah mich verächtlich an.

»Es ist nicht so, wie du glaubst«, versuchte ich sie zu besänftigen, doch ihr Blick wurde umso ernster. »Sheeva, immer mehr Kreaturen der Unterwelt gelangen an die Oberfläche und richten Chaos an. All die Anschläge und Kriege auf dieser Welt, all die Naturkatastrophen. Wir kommen kaum noch hinterher, sie zu bändigen, sich uns ihrer zu entledigen, wenn nötig. Niemand scheint einen Grund, geschweige denn eine Lösung für dieses Problem zu finden.«

Verständnislos sah sie mich an. Sie versteht es nicht. Frau, denk doch einfach mal nach, was um dich herum geschieht!

»Duncan McClary, ich habe keine Ahnung, was du vorhast, aber ich lasse nicht zu, dass du mir weiterhin Geschichten auftischst. Spar dir weitere Versuche, deine Taten zu rechtfertigen und mich hinhalten zu wollen. Du hast gemordet, und das nicht nur einmal. Du hast die Bevölkerung Bostons in Angst und Schrecken versetzt, als alle dachten, dass ein Wolf seine Runden durch die Stadt zöge und auf brutale Weise Menschen zerfleischen würde. Und du hast dich deiner Festnahme durch mich widersetzt. Mehrfach! Ergibst du dich nun freiwillig, wie du es geschworen hast, oder muss ich dich erst dazu zwingen?«, fragte Sheeva leicht gereizt und stemmte provozierend ihre Hände in die Hüften. Wenn du nicht verstehen willst, muss ich es dir eben zeigen.

Selbstsicher streckte ich meine Hand nach ihr aus und ging einen Schritt auf sie zu. Ohne jegliche Vorwarnung zückte sie plötzlich ihre Schusswaffe, um sie mir vor den Kopf zu halten. Ich stoppte kurz und musterte sie abschätzend.

»Keinen Schritt weiter, oder das Obduktionsteam kann dich von den Wänden kratzen«, blaffte sie, wobei man ihre Anspannung förmlich riechen konnte. Der Wolf in mir rebellierte sofort und hätte sie am liebsten in ihre Schranken gewiesen. Doch ich drängte ihn bestimmt zurück und sah unbeeindruckt zwischen ihr und der Beretta hin und her. Ich war mir sicher, dass sich neben den Silberkugeln nicht auch noch die Goldvariante im Magazin befand, denn nur das wäre wirklich zur Gefahr für mich geworden.

Beherzt griff ich nach dem Lauf ihrer Waffe. Zielstrebig setzte ich ihn auf meine Brust und hielt ihn dort fest verankert. »Tu uns beiden den Gefallen, Sheeva, und drück ab. Dann muss ich eure kleinen Menschenärsche nicht weiter vor wilden Kreaturen schützen, und du bekommst endlich das, was du schon seit Jahren ersehnst. Ich bin es leid, gejagt zu werden, bin es leid, mich für meine Taten zu rechtfertigen, und bin es leid, dem Untergang weiter zusehen zu müssen. Also bitte, hör nur einmal auf das, was ich dir sage, und beschere mir endlich Erlösung!«, knurrte ich, indes ich sie mit finsterem Blick ansah. Wenn ich eines hasste, dann war es, dass man eine Waffe auf mich richtete.

Angespannt umklammerten Sheevas Finger das kühle Metall der Pistole. Ihr schockierter Blick bohrte sich tief in meine entschlossene Miene. Meine Worte schienen sie auf gewisse Weise erschüttert, ja vielleicht sogar innerlich getroffen zu haben, obgleich ich nicht sagen konnte, warum das so sein sollte. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte Sheeva, mir ihre Beretta zu entziehen. Das Risiko, dass sie sich eine erneute Niederlage eingestehen musste, schien ihr dabei egal zu sein. Doch ich dachte nicht daran, sie loszulassen. Dies war vermutlich die einzige Chance, die ich hatte, um sie zum Zuhören zu bewegen. Stures Weib!

Flink umklammerte ich Sheevas Hände und kam dabei dem Abzug bedrohlich nahe, als mein Daumen an ihrem schussbereiten Zeigefinger stoppte. Schlagartig setzte ihre Atmung aus und ließ mich das sanfte Pulsieren ihres Herzens deutlich hören. Unkontrolliert trommelte es hinter ihrer Brust, indes sich meine Entschlossenheit, abzudrücken, mehr und mehr auf meinem Gesicht widerspiegeln musste.

»Du wirst nicht durch meine Hand sterben, Duncan, also lass verdammt noch mal die Waffe los!«, forderte sie mich auf, doch ich blieb reglos vor ihr stehen. »Ich sagte, lass die Waffe los!«, wiederholte sie noch energischer, und dem anklagenden Ausdruck auf ihrem Gesicht nach zu urteilen, schien sie intuitiv zu wissen, dass ich mein Leben beenden würde, sollte ich es wahrhaftig vorhaben. Doch wie hätte sie damit umgehen sollen? Sheeva wirkte auf mich nicht wie jemand, der schon einmal wild um sich geschossen, geschweige denn jemanden getötet hatte. Es erschien eher so, als hätte die Pistole bisher nur als Mittel zum Zweck gedient.

Ihre mittlerweile eiskalten Hände in meinem festen Griff haltend, sah ich sie durchdringend an. »Hast du dich jemals gefragt, weshalb du so bist, wie du bist? Weshalb du dieses Mal an deinem Handgelenk trägst, von dem du nicht weißt, was es bedeutet? Oder weshalb dein Vater vor Kurzem in dieser Gegend verunglückte?«

Kaum hatte ich die letzten Worte ausgesprochen, durchzog eine erdrückende Stille die Halle, gefolgt vom zornigen Grollen aus Sheevas Kehle. Wie von einer Tarantel gestochen, stürmte sie plötzlich mit vollem Körpereinsatz voran, offenbar gewillt, mich zur Strecke zu bringen. Rasend vor Wut versuchte sie nach mir zu treten, mich zu schlagen, ja sogar zu beißen, doch ich blieb standhaft, wie der Fels in der Brandung. Gekonnt wehrte ich jeden ihrer Versuche ab. Energisch griff ich nach ihren Handgelenken, um sie zu fixieren, denn allmählich ging mir ihr Theater doch zu weit. Sie musste lernen, sich unter Kontrolle zu bringen, sonst würde das Raubtier in mir irgendwann die Oberhand gewinnen und sie gefügig machen.

»Was hast du mit ihm gemacht, du Schwein? Was hast du getan?«, fluchte Sheeva hasserfüllt und konnte nur schwer verbergen, dass sie verzweifelt gegen ihre aufsteigenden Tränen ankämpfte. Dass in dieser Nacht so rein gar nichts nach ihren Plänen lief, setzte ihr offenbar ziemlich zu.

»Gut, ich denke, der Punkt ist gekommen, an dem du mich anhören wirst«, flüsterte ich mehr zu mir selbst, ehe ich unverzüglich etwas lauter fortfuhr: »Lass dir versichern, dass ich deinem Vater kein Haar gekrümmt habe. Ich war nicht einmal in seiner Nähe. Allerdings hatte sich ein Ork über die Grenze ins Diesseits geschlichen, um Unheil in eure Welt zu bringen. Verdammt, ich weiß einfach nicht, wie sie es immer wieder schaffen, sich an uns vorbeizuschleichen. Niemand weiß, wie sie es machen. So etwas darf einfach nicht mehr passieren!«, fluchte ich vor mich hin, ehe ich mich wieder unserem Gespräch widmete. »Ich habe es zu spät bemerkt, Sheeva. Als ich jedoch Kenntnis davon erlangte, hatte ich sofort seine Spur aufgenommen, die mich schlussendlich hierher führte. Dein Vater war bereits anwesend und befand sich lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich kann dir nicht sagen, was er hier zu suchen hatte, doch ich weiß, dass man seinem Begleiter nicht trauen kann. Er sollte sich von ihm fernhalten. Mit ihm stimmt irgendetwas nicht, das spüre ich.«

Mit tränenunterlaufenen Augen sah Sheeva mich verdutzt an, offenbar unfähig, noch eine weitere Silbe zu bilden. Immer wieder blickte sie sich hektisch in der Umgebung um und schien innerlich einen nervenaufreibenden Konflikt auszufechten. Sachte löste ich meinen Griff von ihren Händen, schob dabei die Waffe aus meiner Reichweite und legte kurz darauf ihr linkes Handgelenk frei. Sheeva wirkte unterdessen abwesend, fast so, als wäre sie vollkommen in Gedanken versunken.

Sachte drehte ich ihre Handfläche nach oben, um ehrfürchtig mit dem Daumen darüberzustreichen. Mondsichel, Abendstern und Eiskristall. Ihr Zeichen ist sehr ausgeprägt. Sie muss eine der Ersten gewesen sein, der es geschenkt wurde. Es wird höchste Zeit, dass sie die Wahrheit über sich erfährt.

»Sheeva, auch wenn ich nicht befugt bin, dir alle Informationen zu geben, die du verdienst, so will ich dennoch versuchen, dir behilflich zu sein und dir zu verstehen helfen. Ich weiß, dass dein Leben nicht gerade leicht verlaufen ist und du eine große Last auf deinen schmalen Schultern trägst. Ebenso wie ich weiß, dass du es dir seit unserem ersten Treffen zur Aufgabe gemacht hast, Wesen zu jagen, von denen sonst keiner Notiz nimmt. Darüber hinaus ist mir bekannt, dass du das Mal an deinem Handgelenk seit deinem sechzehnten Geburtstag trägst und dich immer wieder gefragt hast, was es zu bedeuten hat. Und auch, dass ich dich damals mit meiner Anwesenheit überrumpelt, ja, sogar überfordert habe, ist mir bewusst. Hierfür möchte ich mich entschuldigen!«, sagte ich ruhig, ehe ich für einen kurzen Moment alten Erinnerungen nachhing.

Viele Jahre hatte ich versucht, die Vergangenheit zu verdrängen, sie ungeschehen zu machen oder Ausreden für meine Naivität und Dummheit zu finden. Doch es änderte weder etwas an der Tatsache, dass ich mich des Nachts heimlich in Sheevas Haus geschlichen hatte, um ihr als Wolf gegenüberzutreten, noch hatten meine Bemühungen, ihr ihre Berufung aufzuzeigen, etwas gebracht. Es war unnütz gewesen, ihr zu sagen, dass sie zu Großem bestimmt ist und die Welt nicht nur aus normalen Menschen und Tieren bestand. Ebenso wie es nichts geholfen hatte, ihr auch die kommenden Nächte aufzulauern. Ich war ein verdammter Idiot!

Aber niemand hatte mich damals gelehrt, wie ich mit den Sterblichen umgehen musste. Es war Bestandteil meiner Ausbildung gewesen, meine eigenen Erfahrungen zu sammeln, ganz gleich, ob die Individuen des Diesseits irgendwelche Schäden davontrugen. Es gehörte einfach zu meinen Aufgaben, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und durch meine Taten zu reifen.

Angestaute Tränen lösten sich plötzlich aus Sheevas Augen und liefen wie Sturzbäche über ihre erstarrten Wangen. Vermutlich wurde auch sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. »Wenn du alles so genau weißt, Duncan, hast du dann auch eine Ahnung davon, was du mir damals angetan hast? Weißt du, dass ich dank dir einem Trauma ausgeliefert war, das mir über Jahre das Leben schwer machte? Weißt du, dass ich seit deinen Schauermärchen über finstere Gestalten und geteilte Welten des Nachts von Monstern verfolgt wurde? Ist dir bewusst, dass es ganze drei Jahre dauerte, bis ich mich meiner Angst stellen konnte? Du magst recht haben, wenn du sagst, dass ich es mir durch deinen Besuch zur Berufung gemacht habe, mich nie wieder vor irgendeiner Kreatur zu fürchten. Und ja, ich habe mir geschworen, jeden Einzelnen von ihnen zurück in die Verdammnis zu schicken. Doch behaupte niemals wieder, dass du weißt, wie ich mich fühle!«, maulte Sheeva mich an, während sie sich mit ihrem Ärmel das verweinte Gesicht trocknete.

»Wie bereits erwähnt, es tut mir leid, was geschehen ist. Ich hatte zu wenig Erfahrungen mit euch Menschen«, versuchte ich sie zu besänftigen, doch Sheeva sah mich weiterhin grimmig an.

»Und wie ich schon sagte, leben wir im Hier und Jetzt. Wenn du also wirklich nichts mit dem Herzinfarkt meines Vaters zu tun hast, woher wusste er dann, dass du dich am Pier aufhältst?«, fragte Sheeva gefasster, drückte entschlossen ihren Rücken durch und musterte mich prüfend.

»Dieser Kerl, dein sogenannter Kollege, hatte mich zufällig dort entdeckt, als er den Notarzt rief. Er ist beinahe in Ohnmacht gefallen. Dein Vater hatte zu diesem Zeitpunkt schon längst das Bewusstsein verloren. Wahrscheinlich ist er dem Ork begegnet«, antwortete ich knapp, presste nachdenklich meine Lippen aufeinander und fuhr fort: »Hör zu, Sheeva, ich versichere dir, wenn du mit mir kommst, werden alle deine Fragen vom Hohen Rat beantwortet. Du bist eines der wenigen menschlichen Geschöpfe, dem Zugang zu meiner Welt gewährt wird. Als Träger dieses Mals«, erklärte ich und strich erneut über ihr Handgelenk, »ist es dir gestattet, in die Unterwelt einzutreten. Du kannst dort verweilen, solange du es für nötig erachtest. Meine Aufgabe ist hingegen, das Porta Inferna – das Tor zu unseren Welten – zu bewachen und jeglichem unerlaubten Ein- oder Austreten Einhalt zu gebieten. Sollte sich folglich eine Kreatur auf Abwegen befinden, so ist es meine Pflicht, sie wieder ins Jenseits zu befördern. Tot oder lebendig spielt dabei weniger eine Rolle. Wenn deine Anklage also weiterhin auf Mord lautet, so wird der Prozess wegen Ermordung von Untoten, Monstern und Seelenlosen wohl oder übel in meinem Reich stattfinden müssen, denn ich habe nie einem Menschen nach dem Leben getrachtet. In deiner Welt bin ich demnach unschuldig!«

Überrascht funkelten mich Sheevas blaue Augen an. Allmählich geriet sie ins Zweifeln. Ich sah es ihr problemlos an und konnte ihre zunehmende Unsicherheit deutlich spüren. Einer der Vorteile, die mir das Leben als Wächter der Unterwelt bot.

»Willst du mir damit sagen, dass all die Menschen, die du auf dem Gewissen hast, eigentlich gar keine Menschen, sondern Kreaturen der Unterwelt waren?«

Ein sanftes Lächeln huschte über mein Gesicht. Endlich begann sie mir zuzuhören. »Viele von ihnen möchten ihr Leben im Reich der Sterblichen verleben. Es ist ruhiger und angenehmer für sie. Etliche von ihnen wünschen sich insgeheim, im Diesseits zu sterben und als Mensch begraben zu werden. Es gibt ihnen den Hauch einer Chance, den ersehnten Seelenfrieden zu bekommen. Weißt du, nicht jeder von uns ist glücklich darüber, zu den, wie ihr uns nennt, Dunklen zu gehören. Ebenso wie viele von euch ihre Seele an den Teufel verkaufen, um ihr Leben ein Stück weit zu verbessern. Diese Tölpel wissen ja gar nicht, was ihnen in der Hölle blüht.« Ich schnaubte verächtlich und war insgeheim glücklich darüber, dass mich das Schicksal jener Dummköpfe nie ereilen würde. Als Wächter des Porta Inferna war einem ein Platz im Abyssum sicher, der letzten Ruhestätte der Krieger. Dort warteten Frieden und Ehrfurcht statt Folter, Pein und Sklavenarbeit auf einen.

»Was ist mit denen, die hier nicht ruhig leben und der Bevölkerung schaden? Erst heute nahm ich einen Gnom namens Fizzle Clopper in Gewahrsam. Er wird morgen nach Salem überstellt, obwohl er in eure Welt gehört. Warum müssen wir uns mit diesem Schund abgeben?«, fragte Sheeva vorwurfsvoll und verschränkte störrisch die Arme vor der Brust. Zickiges Weibsbild!

»Was bitte, denkst du, was Salem ist und was dort vorgeht?«, entgegnete ich, ohne eine ihrer Fragen beantwortet zu haben.

»Es ist eine Insel, okay? Eine Insel, auf der ein geheimes Gefängnis gebaut wurde. Es ist die Area 51 von Boston. Nach außen hin ein normales Gefängnis, damit keiner Verdacht schöpft. Innen ein Hochsicherheitstrakt für andersartige Wesen«, schoss Sheeva pampig zurück und schien sich ihrer Sache sehr sicher zu sein.

»Hm«, antwortete ich nickend und sah sie schmunzelnd an.

»Was gibt es da so blöd zu grinsen, McClary?«, blaffte sie zornig, indes sich ihre Wut in zartem Rot auf dem Gesicht abzeichnete.

Ohne zu antworten, drehte ich mich um und ging zum Fenster. Sternenklarer Himmel. Scheinbar gibt es keine besonderen Vorkommnisse in Astaroth. Hoffentlich haben die anderen Wächter es bei ihrer Mission einfacher. Diese Frau kann einen wahrlich den letzten Nerv rauben mit ihrer Launenhaftigkeit.

Ich atmete einmal tief durch, um meine Gedanken zu ordnen. Bring es zu Ende, Duncan. Es wird Zeit zu gehen!

»Salem ist in der Tat eine Insel, die ein geheimes Gefängnis beherbergt. Die meisten Kreaturen halten sich dort jedoch nicht lange auf. Je nach Schwere der Schuld und abhängig davon, ob auch in unserer Welt nach diesen Wesen gefahndet wird, werden sie sehr wohl wieder zurückgebracht. Ihr seid also nicht allein für diesen, wie sagtest du so schön, Schund zuständig. Fizzle Clopper zum Beispiel, der Gnom, den du festgenommen hast, wird in Astaroth wegen Betruges gesucht und zurück ins Jenseits gebracht. Melchom, unser Zahlmeister, wird erfreut sein, wenn ich ihm mitteile, dass ich seinen Pleitegeier gefunden habe. Er wird sich gewiss eine gerechte Strafe für ihn ausdenken.«

»Du hast ihn gefunden? Findest du es nicht etwas dreist, dich mit den Lorbeeren anderer zu schmücken? Ich hätte nicht gedacht, dass ein Mann wie du das nötig hat«, schimpfte Sheeva und kochte erneut vor Wut.

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