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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli

Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

 

Übersetzt und eingeleitet von Friedrich von
Oppeln-Bronikowski

 

(Vollständige Ausgabe)

Einleitung

Von Friedrich von Oppeln-Bronikowski

»I tre libri de' Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio, di Niccolò Machiavelli, cittadino e segretario fiorentino« (Die drei Bücher der Erörterungen über die erste Dekade des Titus Livius, von Niccolò Machiavelli, Bürger und Staatssekretär von Florenz), so lautet der wenig einladende Titel eines der gehaltreichsten Bücher der politischen Literatur. Obwohl ein Eckstein in der Geschichte des politischen Denkens, wird dies Werk heute nur noch von Fachgelehrten und einzelnen Staatsmännern gewürdigt. Und doch hat die geschichtliche Entwicklung ihm vielfach recht gegeben, ja, sein Inhalt ist gerade heute in einer Zeit politischer Umwälzungen und Problemstellungen so zeitgemäß, daß es die Beachtung jedes Politikers und überhaupt aller verdient, die über die politische Tagesweisheit hinaus nach allgemeinen politischen Grundsätzen, nach Erkenntnis geschichtlicher Zusammenhänge streben. Das sechzehnte und siebzehnte Jahrhundert hat dies Buch zwar eifrig studiert, wie die zahlreichen Ausgaben und Übersetzungen ins Lateinische, Französische, Deutsche und Englische beweisen. Mehr und mehr aber wandte sich das Interesse der kleinen, erfolgreichen Gelegenheitsschrift des großen Florentiners, dem »Principe« zu, die nur einen Einzelfall aus dem Lehrgebäude der »Diskurse« methodisch entwickelte. Ja, Machiavellis Name ist nur durch diese Schrift unsterblich geworden und mit ihr im allgemeinen Bewußtsein derart zusammengewachsen, daß die darin entwickelten Gedanken über den fürstlichen Absolutismus mehr und mehr als Machiavellis Lehre überhaupt aufgefaßt wurden und den Gegenstand leidenschaftlicher Erörterung bildeten. So schrieb Friedrich der Große als Kronprinz seinen einseitigen »Antimachiavelli«[1], und ebenso nahm Fichte in seiner kleinen, aber kraftvollen Verteidigungsschrift[2] fast nur Bezug auf den »Fürsten«. Selbst Leopold von Ranke geht in seiner »Geschichte der romanischen und germanischen Völker von 1494 bis 1515« ausführlich nur auf den »Fürsten« ein. Ergänzung und Berichtigung ist daher geboten; ja, das volle Verständnis Machiavellis und seines Denkens ist nur möglich, wenn sein Hauptwerk, die »Diskurse über die erste Dekade des Titus Livius«, wieder zu Ehren gebracht wird. Wir haben es richtiger » Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte« betitelt; denn Machiavelli bezieht sich ja nicht nur auf die ersten zehn Bücher der »Römischen Geschichte« des Livius, sondern auf alle, die uns erhalten sind, und auf eine Fülle anderer lateinischer und griechischer Autoren[3] und geschichtlicher Ereignisse in Hellas und Rom, und dazu tritt eine Menge italienischer Geschichtsbeispiele, die meist die düstere Folie politischer Verkehrtheiten zu den leuchtenden Vorbildern des Altertums bilden. Beide Bestandteile verraten deutlich den Zweck des Werkes: nicht gelehrte Studien zu treiben, sondern durch Entwicklung politischer Grundsätze aus einzelnen Ereignissen, durch anfeuernde und abschreckende Beispiele praktisch zu wirken.

Aus ihrer Zeit hervorgewachsen und durch sie bedingt, vielfach in schroffem Gegensatz zu ihr und bestimmt, bessernd und wegweisend auf sie einzuwirken, setzen diese »Betrachtungen« zum vollen Verständnis nicht nur die allgemeine Kenntnis der politischen, religiösen und sittlichen Zeitverhältnisse voraus, wie sie Rankes Geschichte veranschaulicht[4], sondern auch viele, den Zeitgenossen Machiavellis geläufige Einzelheiten, die heute nur noch den Fachgelehrten bekannt sind. Ebenso unerläßlich für das Verständnis von Werk und Autor ist auch die Kenntnis seiner Lebensschicksale. Ich habe deshalb beide vereint als » Lebenslauf Machiavellis und wichtigste Zeitereignisse« am Schluß des Bandes zusammengefaßt und dadurch zugleich die Verknüpfung seiner Lebensumstände mit den Zeitläuften veranschaulicht. Diese Angaben waren um so nötiger, als die älteren Verdeutschungen[5] sowie die italienischen Ausgaben ganz ohne Fußnoten und Erklärungen sind, mit einziger Ausnahme der Schulausgabe von Giuseppe Piergili (Florenz 1892), deren Anmerkungen aber teils lückenhaft und falsch sind, teils durch philologische Exkurse und Randbemerkungen aller Art viel zu weit gehen.

Für die antike Geschichte habe ich mich mit den notwendigsten Anmerkungen und Quellennachweisen begnügt, zumal die angeführten Beispiele meist für sich selbst sprechen. Viele werden dem Leser noch aus der Schulzeit geläufig sein. Wer sie bei Livius nachlesen will, dem sind die deutschen Liviusausgaben zugänglich, ebenso für die römische und griechische Geschichte die Werke von Mommsen, Curtius u. a. m.

Allerdings ist gerade Mommsen für die älteste römische Geschichte sehr kurz gefaßt und kritisch, wogegen Machiavelli ganz der Darstellung des Livius folgt und ihr kritiklos glaubt. Vieles, was er als wahr annahm, wie die Urgeschichte Roms, ist von der neueren Wissenschaft ins Fabelbuch geschrieben worden, und für viele geschichtliche Vorgänge (wie die Fälle des Spurius Maelius und Manlius Capitolinus) ist uns die gefärbte Darstellung des Livius nicht mehr maßgebend. Somit scheinen die Schlüsse, die Machiavelli daraus zieht, selbst hinfällig zu werden. Aber diese Annahme ist falsch, denn es sind nicht sowohl die Voraussetzungen, von denen Machiavelli ausgeht, als vielmehr die Schlußfolgerungen, die er zieht, was den unvergänglichen Wert seines Buches bildet. Was er für geschichtliche Wahrheit nahm, wird für uns also vielfach zum Idealfall, von dem er ausgeht, und seine Schlußfolgerungen verlieren dadurch nichts von ihrem Wert.

Auch im Stil eifert er – in bewußtem Gegensatz zur Schönrednerei vieler italienischer Renaissanceschriftsteller – der schlichten Größe des antiken Schrifttums nach. »Kraftvoll, schmucklos und gerade zum Ziel treffend, wie Cäsar, ist er dabei tief und gedankenreich wie Tacitus, aber klarer und deutlicher als dieser. Nicht irgendeiner ist sein Vorbild gewesen, sondern vom Geist des Altertums überhaupt durchdrungen, ist ihm ohne alle Nachkünstelung zur anderen Natur geworden, stark, lebendig und angemessen zu schreiben wie die Alten. Die Kunst der Darstellung findet sich bei ihm nur wie von selbst, sein stetes Ziel ist der Gedanke.« Soweit Friedrich Schlegel[6] in seiner geistreichen Kritik. Auch für die »Diskurse« gilt vollauf, was Machiavelli selbst in der »Zueignung« seines »Fürsten« sagt: »Dies Werk habe ich nicht ausgeschmückt, noch mit schönen Phrasen und prunkhaften Worten oder mit anderen Reizen und äußeren Stilmitteln aufgeputzt, wie so viele Schriftsteller. Ich wollte, daß die Sache sich selber ehrt und daß allein die Mannigfaltigkeit des Stoffes und der Ernst des Gegenstandes dies Buch auszeichnen.« Klarheit und Ehrlichkeit, Schlichtheit und gedrängte Kürze sind die Vorzüge dieses rein sachlichen Stils. »Wenn es überhaupt wahr ist«, sagt R. von Mohl, »daß der Stil den Menschen zeigt, so beweist der seine die ausgeprägteste und klarste Männlichkeit.« Sein besonderer Reiz ist, daß sich in ihm der analysierende Gelehrte mit dem Dramatiker und dem erfahrenen Staatsmann die Hand reicht.

Freilich darf man nicht vergessen, daß diese Sprache vierhundert Jahre alt ist und daß die Stilgewohnheiten der Römer und Romanen den heutigen deutschen nicht immer entsprechen. Auch Machiavelli türmt bisweilen ciceronianische Periodenbauten, die in deutscher Sprache unmöglich sind[7], und es fehlt bei ihm auch nicht an altertümlichen Schwerfälligkeiten, Unklarheiten und Wiederholungen, denen man das Ringen des abstrakten Denkens mit einer Sprache anmerkt, die noch ohne wissenschaftliche Tradition und feste Denkformen war und sich den Ausdruck bisweilen erst mühsam prägen mußte. Trotz dieser kleinen Einschränkungen zählt Machiavelli in Italien noch heute zu den ersten klassischen Autoren und »Testi di lingua«.[8]

Machiavelli gehört zu den großen problematischen Naturen der Weltgeschichte. »Kaum«, sagt Mohl, »dürfte sich in der Geschichte, der menschlichen Geistesentwicklung ein zweiter finden, dessen Lebensschicksale so unzweifelhaft vorliegen, der sich so unumwunden selbst ausgesprochen hat, der so viel schrieb und über den doch die Urteile so weit auseinandergehen.« Der Grund liegt erstens, wie schon gesagt, darin, daß die Mehrzahl seiner Beurteiler sich einseitig an den »Fürsten« hielt, statt ihn im Zusammenhang mit den anderen Werken zu würdigen. Zweitens in dem teilweisen Gegensatz zwischen seinen beiden gleichzeitigen Hauptschriften, dem »Fürsten« und den »Diskursen«, sowie in seinem eigenen Verhalten, denn der überzeugte Republikaner buhlte um die Gunst der Medici, die seinem Vaterlande die Freiheit geraubt hatten, und diente ihnen mit Rat und Tat. Drittens liegt er in der Umstrittenheit der von ihm aufgeworfenen politischen Probleme und der von ihm empfohlenen Maßregeln.

1.

Vom »Fürsten« ausgehend, sagt ein Staatsmann wie Bacon als Wortführer vieler: »Wir danken es Machiavelli und ähnlichen Schriftstellern, daß sie offen und ungeschminkt sagen, was die Menschen tun, nicht was sie tun sollen.« Und doch hat gerade Machiavelli in seinen »Politischen Betrachtungen« vielmehr gezeigt, was die Menschen tun sollen, ja, er hat ihr Tun aufs schärfste gegeißelt. Durch gleich einseitiges Ausgehen vom »Fürsten« und durch Mißverstehen seiner Grundsätze hat Friedrich der Große in seinem »Antimachiavelli« ein Zerrbild des Florentiners geschaffen. Ihm ist er ein Ungeheuer an Unmoral, ein Lehrer des Verbrechens, ein Teufel in Menschengestalt. Und doch war gerade Friedrich später als Staatsmann oft genug gezwungen, die Wege Machiavellis zu beschreiten, und ebenso hat er ihm in späteren Jahren an Menschenverachtung nichts nachgegeben. In der gleichen Optik befangen war auch der Anreger dieser Jugendschrift, Voltaire, obwohl er selbst in seinen Geschäftspraktiken eine oft recht machiavellitische Skrupellosigkeit bewiesen hat. Ja, unter Machiavellis ärgsten Feinden waren die Jesuiten, die Meister des »Machiavellismus« und der durch den Zweck geheiligten Mittel! Überhaupt ist es recht wunderlich, welche buntgemischte Gesellschaft die Verehrer und Feinde des Florentiners bilden. Neben leidenschaftlichen Patrioten wie Alfieri und Fichte finden sich Theoretiker des Immoralismus wie Beyle-Stendhal und Nietzsche, und während in Deutschland die Auffassung Friedrichs des Großen noch lange nachwirkte, wurde Machiavelli von dem Geschlecht Cavours und des Risorgimento als Vorkämpfer für die Einheit Italiens geradezu zum Nationalheiligen gemacht. Nur ganz allmählich hat sich mit der Entfernung von den Zeitverhältnissen, dem sich erweiternden Gesichtskreis und der sich mehrenden Kenntnis aller Umstände eine Auffassung durchgesetzt, die vom Hosianna wie vom Crucifige gleich weit entfernt ist. Ja, das Fortschreiten von oberflächlichen und einseitigen Ansichten zu gründlicherer Prüfung und sachlichen Urteilen ist »sehr auffallend« (Mohl). Wir können also heute das Problem Machiavelli zu lösen versuchen.

2.

Die Gegensätze zwischen seinen beiden wichtigsten Schriften zwingen uns, auf Machiavellis Leben kurz einzugehen. Wie der »Lebenslauf« zeigt, kam der Jüngling noch unter der kunstfrohen und glänzenden Herrschaft Lorenzos des Prächtigen in die Lehre eines Staatsmannes und Altertumsfreundes, Marcello Adriani. Mit neunundzwanzig Jahren wurde er Staatssekretär des Florentiner Kriegs- und Außenministeriums, nachdem die Medici vertrieben waren und Florenz sich unter dem Einfluß des Reformators Savonarola in einen rauhen, religiös gerichteten Freistaat verwandelt hatte. Fünfzehn Jahre lang sehen wir Machiavelli nun, wenn auch nicht in den höchsten Würden, so doch in wichtigen Staatsgeschäften rastlos tätig, als Kommissar bei der Belagerung Pisas und als Hauptleiter bei seiner Eroberung, dem großen Ziel der damaligen Republik, als Schöpfer des ersten modernen Volksheeres, als Gesandten in über zwanzig Sendungen, teils einem Vornehmeren beigesellt, meist aber allein und mit folgenschweren Verhandlungen betraut, viermal in Frankreich, zweimal in Deutschland und mehrfach in Rom, also bei den Lenkern der großen Politik seiner Zeit, und – entscheidend für seine Anschauung, aber auch für seinen Nachruf – bei dem furchtbaren Papstsohn Cäsar Borgia, insbesondere während der berüchtigten Mordtat von Sinigaglia, über die wir von ihm einen eiskalten Bericht besitzen. Dieser langjährigen, praktischen Erfahrung des Staatsmannes dankt unser Buch die Fülle zeitgenössischer Geschichtsbeispiele, die in seine Geschichte eingeflochten sind; ja, es dankt ihr überhaupt den politischen Weitblick.

Der Sturz der Republik und die Rückkehr der Medici schleudert ihn mitten in den rüstigsten Mannesjahren ins Nichts. Umsonst bietet er den neuen Machthabern seine Dienste an; sie mißtrauen dem Staatssekretär der Republik. Als eine Verschwörung ausbricht, wird er verdächtigt, eingekerkert, gefoltert, aber als unschuldig freigelassen und zieht sich nun in drückendster Armut auf sein vom Vater ererbtes Landgütchen zurück. In dem bekannten Brief an Vettori vom 10. Dezember 1513 schildert er selbst sein Dasein.

»Mit der Sonne erhebe ich mich und gehe nach einem Gehölz, das ich umschlagen lasse.[9] Hier bleibe ich zwei Stunden, um die Arbeit des vorigen Tages in Augenschein zu nehmen und die Zeit mit den Holzhackern hinzubringen. Dann gehe ich nach einer Quelle und von da nach einer Vogelhütte, die mir gehört, mit einem Buch unterm Arm, Dante, Petrarca, oder auch einem kleineren Dichter, Tibull oder Ovid oder dergleichen. Da lese ich von ihren verliebten Leidenschaften, erinnere mich der meinen und ergötze mich eine Weile an solchem Sinnen. Dann gehe ich nach einer Schenke an der Landstraße, rede mit den Vorbeigehenden, frage nach ihren Neuigkeiten, erfahre mancherlei und beobachte die mannigfachen Neigungen und Grillen der Menschen. Indes kommt die Essensstunde heran, wo ich mit den Meinigen solche Speisen genieße, wie sie mein armes Landgut und geringes Erbe mit sich bringt. Nach Tisch gehe ich wieder in die Schenke; da treffe ich in der Regel den Wirt, einen Fleischer, einen Müller und zwei Ziegelbrenner. Mit diesen verspiele ich dann den ganzen Tag mit Cricca oder Tricktrack, wobei es tausend Händel gibt und tausend Schimpfereien, meist um einen Quattrino, und schreien hört man uns bis nach San Casciano. In dies gemeine Leben versenkt, schleppe ich mein schimmelndes Gehirn hin und lasse meinem widrigen Schicksal freien Lauf. Ich füge mich darein, so von ihm mit Füßen getreten zu werden. Ich will doch sehen, ob es sich nicht endlich darüber schämt. Des Abends kehre ich heim, werfe auf der Schwelle meinen schmutzigen Bauernkittel ab und lege königliche Gewänder an, wie sie sich bei Hofe ziemen. So würdig angetan, besuche ich die Hofhaltungen der Alten, werde freundlich von ihnen empfangen und nähre mich von solcher Speise, die mir allein gehört und für die ich geboren ward ... Vier Stunden lang empfinde ich nicht den geringsten Verdruß, vergesse allen Kummer, alle Furcht vor Mangel; ja selbst der Tod schreckt mich nicht. Ich versenke mich ganz in sie, und was ich in ihrer Unterhaltung gewonnen habe, habe ich in ein Werkchen de principatibus[10] hineingearbeitet ... Einem Fürsten, besonders einem neuen, dürfte es sehr willkommen sein, deshalb will ich es Seiner Erlaucht, Herrn Giuliano, widmen ...[11] Hernach hätte ich den Wunsch, daß die Herren Medici mir zu tun geben, sollte ich anfangs auch Steine wälzen, denn ich müßte mir selbst leid tun, wenn ich sie nicht mit der Zeit gewinnen sollte. Wenn man's läse, würde sich zeigen, daß ich die fünfzehn Jahre meines Staatsdienstes nicht verschlafen noch verspielt habe ... An meiner Treue braucht niemand zu zweifeln; denn wer 43 Jahre treu und redlich war, wie ich, von dem könnte man doch annehmen, daß er seine Natur nicht ändert.«

Diese und andere Notschreie an den Florentiner Gesandten am Hofe des Mediceerpapstes bleiben zunächst ungehört. Aber Machiavelli läßt nicht nach. Spätestens nach Giulianos Tode (1516) widmet er den »Fürsten« dem Lorenzo, der sich damals einen Staat in Norditalien schaffen will. Wenn dieser »von seiner Höhe herabblicken« wolle, heißt es in der ›Zueignung›, so werde er erkennen, »wie sehr zu Unrecht ich ein großes und andauerndes Mißgeschick ertragen muß«. Das ist deutlich gesprochen, aber es ist auch wahr. Er steht in vollster Manneskraft, ist unbeschäftigt, verarmt und im Vollgefühl seiner Fähigkeit. Sein Traktat ist ehrlich gemeint, denn seit Leo X. auf dem Papstthron sitzt, scheint ihm das Schicksal von Florenz und ganz Italien mit dessen Hause verknüpft, und nur von einem aufgeklärten Despoten erhofft er, selbst um den Verlust der heimischen Freiheit, für die er bis zuletzt gekämpft hat, die Rettung Italiens aus dem Elend politischer Zersplitterung, Fremdherrschaft und Sittenverderbnis. An Stelle des Kleinstaatideals der Stadtrepublik tritt das Großstaatideal des einigen Italien. Aber es ist nicht groß von ihm, daß er von seinen Ratschlägen selbst den entsprechenden Vorteil haben will. Er hat sie nur aus Not erteilt, aus der Not Italiens und aus der eigenen. Er wird zwar nie schmutzige Geldgeschäfte machen, wie sein Kritiker Voltaire; seine Armut ist, wie er in jenem Brief selbst betont, »der beste Beweis für seine Redlichkeit«. Aber er ist trotz aller idealen Absichten doch keineswegs ein selbstloser Patriot. Er erniedrigt sich zwar nie zu platten Schmeicheleien vor den neuen Machthabern, aber er buhlt doch um ihre Gunst und findet zu seiner Beschämung trotz jahrelangen Liebeswerbens taube Ohren. Erst allmählich erhält er einige kümmerliche Aufträge, die im Vergleich zu seiner Begabung und früheren Stellung lächerlich sind, wie die Besorgung eines Predigers für die Wollweberzunft oder die Sendung an die Franziskaner in Carpi. Er, der von sich bekennt, »daß er nicht von Seiden- und Wollweberei, noch von Gewinn und Verlust zu reden wisse, sondern allein vom Staate«, muß sich mit ein paar Sendungen in Handelssachen begnügen. Der spätere literarische Auftrag des Kardinals von Medici, die Geschichte von Florenz zu schreiben, war gewiß ehrenvoll und seiner würdig, sicherte ihm auch einen bescheidenen Jahressold, brachte ihn aber seinem Ehrgeiz nicht näher und war auch wieder mit einem Gesinnungsopfer verbunden, denn er konnte diese Geschichte, die seit fast hundert Jahren im Zeichen der Medici stand, unmöglich so unbefangen schreiben, wie er es nach seiner Gesinnung hätte tun müssen. Auch die zwei Gutachten über die Verfassung von Florenz, worin er ein Kompromiß zwischen demokratischen und monarchischen Einrichtungen suchte, hatten weder für den Staat noch für ihn eine unmittelbare praktische Wirkung. Erst an seinem Lebensabend kommt sein Name wieder in den Wahlbeutel für öffentliche Ämter, und nun spielt er unter dem neuen Mediceerpapst Clemens VII., seinem alten Gönner, noch ein kurzes Intermezzo als Staats- und Kriegsmann, bis des Papstes schwache und tückische Greisenpolitik Italien aufs neue in den Abgrund fremder Invasionen stürzt. Noch einmal flammt in Florenz die alte Freiheitsliebe auf; die Medici werden ein letztes Mal verjagt, und Machiavellis Laufbahn findet wiederum ein jähes Ende. Den Verräter an der Volkssache will die neue Regierung nicht beschäftigen, so wenig wie früher die Medici den Republikaner, und so stirbt er, aus allen Himmeln seines Ehrgeizes und seiner politischen Träume gestürzt, mitten im drohenden Untergang seiner Vaterstadt und Italiens, gehaßt und verbittert, in tiefster Armut.

Und doch: gerade sein Unglück, der jähe Sturz von 1512, kam dem politischen Schriftsteller und damit der ganzen gebildeten Welt zugute. Schon früh hatte sich Machiavelli mit Schriftstellern im Kleinen befaßt, mit Berichten, Denkschriften und geschichtlichen Abrissen, ja, er hatte zu seiner Zerstreuung zwei Lustspiele geschrieben. Aber das alles wäre im Drang der Staatsgeschäfte doch nicht über die ersten Ansätze hinaus gediehen, hätte ihn sein hartes Schicksal nicht zum freien Schriftsteller gemacht und den Staatslehrer in ihm entwickelt.

»Versagt ist's ihm, auf anderen Gebieten
Die ihm verlieh'nen Gaben zu erproben,
Weil seinem Streben Anerkennung fehlt,«

heißt es im »Prolog« zur »Mandragola«. In dem Bedürfnis, wenigstens theoretisch in Staatssachen weiterzuarbeiten und dadurch zu wirken, daneben auch, sich bei den Medici beliebt zu machen, schrieb er nun seinen »Fürsten« und später als biographisches Gegenstück dazu das »Leben des Castruccio Castracani«, sowie seine »Kriegskunst«, in der er fast als einziger seiner Zeit mit zwingender Logik die Notwendigkeit von Volksheeren anstatt der damals üblichen Söldnerhorden nachwies. Zugleich entstanden seine »Florentiner Geschichte«, seine Lustspiele »Mandragola« und »Clizia«, bis auf die Mönchsgestalt des Bruders Timoteo Anlehnungen an die antike Komödie, ein komisches Gedicht, der »Goldene Esel«, zwei Lehrgedichte vom Undank und Ehrgeiz, eine komische Erzählung »Belfagor« u. a. m., vor allem aber sein umfassendstes Werk, die Politischen Betrachtungen«. Diese und die »Kriegskunst« gingen aus den Vorträgen und Diskussionen hervor, die der gewiegte Staatsmann im Kreise der vornehmen jungen Gäste der Orti Oricellarii veranstaltete, einer Art Akademie im ursprünglichen Sinne, wie die Lehrstätte Platos in Athen; und gleichzeitig waren diese Vorträge wohl Anlaß und Vorwand zur Unterstützung des Verarmten durch seine Zuhörer, deren zweien er diese »Betrachtungen« widmete.

Hier brauchte er keine Rücksicht auf einen Gewalthaber zu nehmen, seine Optik nicht auf einen Spezialfall einzustellen. Hier konnte er seine republikanischen Grundsätze frei aussprechen und alle Staatsformen und politischen Ereignisse, die in seinem Gesichtskreise lagen, erörtern. War im »Fürsten« der furchtbare Borgia sein Vorbild und Lorenzo der Mann seines Hoffens gewesen, so war hier der römische Freistaat, oder doch wenigstens der etruskische Städtebund das Ziel. Aber das Jahrhundert war für das Ziel nicht reif, wogegen der fürstliche Absolutismus, anfangs aus dem Ehrgeiz einiger Machthaber entsprungen, durch Machiavellis Schrift einen höheren politischen Sinn bekam. Er ist sich der Tragweite dieser Schrift wohl selbst nicht bewußt gewesen, aber die Richtung der Gesamtentwicklung Europas, die auf eine Abrechnung mit dem Mittelalter hindrängte, ist doch in ihr zum ersten Male deutlich ins Bewußtsein getreten und in Worte gefaßt worden. Blieb auch ihre Wirkung auf Italien, für das sie berechnet war, aus, so war sie doch der Ausspruch einer Übergangszeit über sich selbst und über die Verhältnisse, die sich unmittelbar aus dem Untergang des mittelalterlichen Staatswesens entwickeln mußten. So wurde sie zum Katechismus für die kommenden Geschlechter, zum Brevier des Absolutismus und damit bestimmend für den Gang der Entwicklung selbst. Karl V. kannte den »Fürsten« fast auswendig; der gewaltige Papst Sixtus V. machte sich einen eigenhändigen Auszug davon; Katharina von Medici, die Tochter des Mannes, dem er gewidmet war, beherzigte ihn in Frankreich als Gattin Heinrichs II.; in Heinrichs II. Tasche wurde er gefunden, als er ermordet ward; das gleiche wird von Heinrich IV. behauptet, als ihn die Kugel Franz Ravaillacs traf. Der fürstliche Absolutismus führte Frankreich schließlich aus den Wirren der Religionskriege und der Fronde zum machtvollen Einheitsstaat, und ebenso hob der Absolutismus des großen Kurfürsten und der ersten preußischen Könige Brandenburg-Preußen aus dem Jammer des Dreißigjährigen Krieges zu neuer innerer Erstarkung und äußerer Machtstellung empor. Noch Napoleon I. hat einen eigenhändigen Kommentar zum »Fürsten« verfaßt. Das Buch hat also eine welthistorische Mission erfüllt, trotz aller Anfeindungen, trotzdem es sogar auf den Index der verbotenen Bücher kam.[12] In diesem Sinne gehört also Machiavelli zu den ersten Zerstörern der mittelalterlichen Staatsform.

Seiner weit vorausschauenden »Kriegskunst« war ein gleiches Los nicht beschieden. Die Aufstellung straff disziplinierter Volksheere, wie er sie selbst betrieben hatte, gedieh damals über die ersten Ansätze nicht hinaus. Er sagt zwar: »Welcher Staat das zuerst tut, wird so viel erreichen wie Philipp von Mazedonien, als er die Manneszucht bei Epaminondas gelernt. Dieser Staat wird Herr der anderen sein und ganz Italien beherrschen.« Aber seine Mahnungen fanden nur taube Ohren. Erst Frankreich und Brandenburg-Preußen traten in seine Fußstapfen, und zwar völlig ohne Kenntnis seiner Lehren, rein aus politischer Notwendigkeit. Friedrich Wilhelm I. von Preußen sah in der Gottesfurcht einen Kitt der Heere, genau wie Machiavelli, und wie dieser gelehrt hatte, war Friedrich der Große sein eigener Feldherr; aber Friedrich Wilhelm verschmähte alle Lehren der Schriftsteller, und sein Sohn haßte besonders die des Florentiners. Selbst die Französische Revolution, die das Volksheer erst vollkommen durchführte, nahm sich ihr Vorbild nicht an ihm, sondern an seinem eigenen Vorbild, der altrömischen Republik.

Vollends die »Politischen Betrachtungen«, in die das Thema der »Kriegskunst« vielfach hineinklingt, blieben eine akademische Lehre für junge Florentiner, denen sie höchstens die Köpfe zu einer mißglückten Revolution erhitzten, und für lateinisch schreibende Universitätsprofessoren, die daran ihre gelehrte Dialektik erprobten. Sie waren ja auch ihrer ganzen Anlage nach mehr ein Kompendium der Staatswissenschaft, als eine Lehre für einen bestimmten Fall. Denen, die dem Verfasser vorwarfen, er habe die Fürsten gelehrt, Tyrannen zu sein, entgegnete er ingrimmig, er habe auch die Völker gelehrt, wie sie die Tyrannen ausrotten sollten. Wie wahr dies ist, zeigt das Beispiel des Dezemvirs Appius (I, 40), wo Machiavelli dem Volk seine Fehler bei der Verteidigung der Freiheit, dem Appius die seinen beim Streben nach der Alleinherrschaft vorrechnet. Ebenso rät er den Fürsten, wie sie sich vor Verschwörungen zu hüten haben, aber er zeigt auch, wann und wie Verschwörungen gelingen können. Mit kalter Sachlichkeit erörtert er die verschiedensten politischen Lagen und Vorgänge, teils im geschichtlichen Rückblick, teils in ihrer allgemeinen Möglichkeit; denn wie er sagt: »Es ist gut, alles zu erörtern.« Wie der Arzt mit dem Messer und mit Giften an Leichen und kranken Körpern, arbeitet hier der Politiker in seinem Laboratorium mit allen politischen Mitteln, völlig jenseits von Gut und Böse, zunächst der Wissenschaft halber, dann aber auch, um mit Hilfe der erworbenen Kenntnisse praktisch zu wirken. Soweit besteht also kein problematischer Gegensatz zwischen den »Betrachtungen« und einem herausgelösten Einzelfall wie der »Fürst«. Hatte doch Machiavelli in seinem Hauptwerk selbst betont, daß die Einrichtung oder Neuordnung eines Staatswesens, einerlei ob die Republik oder Monarchie, nur durch einen einzigen möglich ist, der sich diktatorische Gewalt zulegt und dem jedes Mittel zu seinem Zwecke, auch der politische Mord, erlaubt ist. Außerordentliche Verhältnisse, sagt er (I, 55), verlangen außerordentliche Mittel. Angesichts des verzweifelten Zustandes seines Vaterlandes war er nach Rankes Wort »kühn genug, ihm Gift zu verschreiben«. In der Praxis freilich kommt dieser wohlmeinende Despotismus der von Machiavelli gebrandmarkten Tyrannis sehr nahe, und damit beginnen die schwer entwirrbaren Widersprüche seiner politischen Lehre, nicht nur zwischen seinen beiden Werken, sondern in den »Diskursen« selbst. Schließlich ist es nur die gute Absicht, die seinen »idealen« Alleinherrscher von dem schlimmen Tyrannen unterscheidet (I, 19). Da sich eines Machthabers Herz jedoch schwer ergründen läßt und die Taten des einen wie des anderen jenseits von Gut und Böse stehen, wird der Herrscher sich in Wirklichkeit von einem Borgia wenig unterscheiden, und Machiavelli gesteht dann auch selbst[13], daß er als neuer Herrscher, »dessen Taten überall nachahmen würde«. Daß Güte und Menschlichkeit zur Lenkung der Menge besser seien als Grausamkeit, außer wenn das Volk den Herrscher mit Füßen tritt (III, 19), bleibt daher ebenso eine ideale »Forderung«, wie die, daß er sich Liebe erwerben solle (III, 22). Die schlimme Zeit verlangt eben schlimme Mittel, und die Hauptsache bleibt, daß überhaupt ein Monarch sich aufwirft und behauptet.

Ist darum aber das florentinische Freiheitsideal begraben? Keineswegs! Das ganze Buch handelt von nichts als von dem konstitutionellen Freistaat nach römischem Muster. Hier liegt ein neuer Widerspruch, anscheinend der tiefste, sowohl in der allgemeinen Richtung von Machiavellis Denken wie in den praktischen Zwecken. Er verfolgt gleichzeitig zwei entgegengesetzte Methoden, die sich in ihrer Wirkung praktisch aufheben. Die Lösung dieses Widerspruchs ist darin zu suchen, daß er sich die Verwirklichung seiner beiden Theorien in der Zeitfolge nacheinander dachte. Der »Fürst« ist das Werk der Gegenwart, die »Betrachtungen« über den Volksstaat im wesentlichen das der Zukunft. Für die Gegenwart ein diktatorisches Genie, das Italien aus seinem inneren und äußeren Verderben reißt, wie später Napoleon Frankreich aus dem Abgrund der Revolution emporriß; für die Zukunft die freie Verfassung, die die Errungenschaften dieses einzelnen festhält und ausbaut, wie die römische Republik das Werk des Romulus und der Königszeit fortsetzte, wie Lykurg und Moses ihre Verfassungen gaben und sie dann der Obhut vieler anvertrauten. Das Ideal wäre, daß solche Staatengründer oder Neuordner nach Vollendung ihres Werkes freiwillig abträten, wie wir es von Sulla wissen; da dies aber fast nie geschieht, bleibt nur der gefährliche Weg gewaltsamer Befreiung, wie in Rom durch den Sturz der Tarquinier. Die Kritik dieser Theorie wollen wir im dritten Abschnitt vornehmen; hier gilt es nur, die Einheit von Machiavellis Denken trotz des Gegensatzes seiner Theorien aufzuzeigen.

Sein persönliches Verhalten freilich kommt dabei schlechter weg. Seine Zeitgenossen haben ihm seinen Opportunismus vielfach grimmig verübelt. Er wurde nicht nur 1521 vom eifrigen Republikaner zum willfährigen Fürstendiener und suchte 1527, als Fürstendiener gekennzeichnet, umsonst wieder Anschluß an die Republikaner; er blieb auch in der ganzen Zwischenzeit ein Zwitterwesen von Fürstendiener und Republikaner und übte die von ihm empfohlene Kunst, sich den Zeitverhältnissen anzupassen, gleichgültig gegen Spott und Verachtung, die der spottsüchtige Menschenverächter zehnfach heimzahlte, aber auch unangefochten in seinem Gewissen. Darin war er vollkommen das Kind seiner skrupellosen Zeit und ein rechter Italiener. Aber wie alle Abgefeimtheit des sacro egoismo das damalige Italien nicht vom Verderben rettete, wie alle Virtuosität politischen Verbrechens das eine, was nottat, nicht herbeiführte, so hat auch er von seinem »Machiavellismus« wenig Segen, aber viele Enttäuschungen und Demütigungen gehabt, und all seine politische Weisheit konnte doch die rettende Tat nicht herbeiführen. Diese Gegensätze in seinem Verhalten spiegeln deutlich die heillose Verworrenheit der politischen Lage seines Landes. Auch Italien hatte umschichtig die beiden Wege eingeschlagen, die er selbst einschlug, und doch nicht die Kraft gehabt, einen bis zu Ende zu gehen. Es war seine und Italiens Tragödie.

Ein Kind und ein Spiegelbild seiner Zeit war Machiavelli schließlich auch in seinem leichtfertigen Wandel. Mitten zwischen den geistesscharfen Erörterungen seiner Briefe an Vettori stoßen wir auf schamlose Bekenntnisse eines zügellosen Trieblebens. Der fünffache Familienvater schämt sich nicht, »täglich zu einem anderen schönen Kinde zu gehen« und, bald fünfzig Jahre alt, »sich weder vom Dunkel der Nacht noch von unwegsamen Pfaden schrecken zu lassen, wenn es Amors Spuren zu folgen gilt«. Ein Mann, der solche Zerstreuungen liebte, konnte freilich auch eine gepfefferte Ehebruchskomödie wie die »Mandragola« schreiben, deren ärgste Anstößigkeiten er allerdings in lateinische Worte kleidete. Sie gilt zwar noch heute für das beste Lustspiel des Cinquecento (Voltaire stellte sie über Aristophanes und dicht hinter Moliere), aber welche Sittenverderbnis spricht daraus, daß ein Geist wie Machiavelli ein solches Werk schrieb, daß er damit den Beifall der geistigen Auslese fand und daß sie sich mit ihm in den Schrecknissen der damaligen politischen Umwälzungen die Sorgen verscheuchte! Die sittlichen Mängel dürfen uns freilich das Gesamturteil über Machiavelli nicht trüben: nicht mit Unrecht nennt Mohl ihn »das mächtige, wenn auch verstümmelte Bruchstück eines großen Mannes«.

3.

Der dritte Grund für die Problematik von Machiavellis Natur liegt, wie wir sahen, in der Umstrittenheit seiner politischen Probleme. Ein Blick auf die Zeitgeschichte erklärt die Art seiner Problemstellung und die Grenzen und Lücken seiner Lehren. Im zweiten Kapitel des ersten Buches der »Diskurse« hat er selbst im Anschluß an Polybios den trostlosen Kreislauf beschrieben, zu dem nach seiner Meinung die meisten Staaten verurteilt sind. Er zeigt dort, wie die Fürstenherrschaft zur Tyrannei ausartet, wie Adel und Volk sich dagegen auflehnen, der Adel die Macht an sich reißt, sie mißbraucht, wie das Volk die Adelsherrschaft stürzt und an ihre Stelle eine Volksherrschaft setzt, die alsbald zur Zügellosigkeit und zum Kampf aller gegen alle ausartet, aus dem allein die Fürstenherrschaft den Staat retten kann. Dieser circulus vitiosus, gesteht Machiavelli, würde immer wiederkehren, wenn nicht äußere Umstände, die Eingriffe fremder Mächte, zur völligen Versklavung dieser aufrührerischen Freistaaten führten. In solchen Verhältnissen befanden sich jedenfalls die italienischen Staaten des ausgehenden Mittelalters. Die Wiege der Künste und Wissenschaften, der Mittelpunkt einer Kultur, vor der Europa staunte und von der es jahrhundertelang die wertvollsten Anregungen empfing, bot zugleich das Bild politischer Anarchie, sittlicher Verwilderung und Irreligiosität. Ein Staat fiel über den anderen, ein Mensch über den anderen her, um ihn zu vergewaltigen. Alle Mittel waren in diesem Kampf aller gegen alle recht, Dolch und Gift und das selbstmörderischste von allen: das Hereinrufen fremder Mächte, zu deren Zankapfel und Schlachtfeld das reiche und blühende Land wurde. So wurde der alte Schlachtruf Petrarcas, Italien von den Barbaren zu befreien, zum Losungswort der besten Patrioten; das Gelingen war aber nur möglich, wenn Italien ein starker, monarchisch geleiteter Einheitsstaat wurde, wie es Machiavelli in dem begeisterten Schlußwort seines »Fürsten« verlangt. Zu diesem Zweck ist ihm jedes Mittel recht, erlaubt die Staatsräson seinem Herrscher jedes zweckmäßige Verbrechen. Er brüstet sich nicht etwa mit Immoralismus, wie Nietzsche oder Beyle-Stendhal, noch sucht er seine Mittel jesuitisch zu rechtfertigen, aber er hegt auch nicht das geringste moralische oder rechtliche Bedenken. Treulosigkeit, Scheinheiligkeit, ja, die Ausrottung ganzer Bevölkerungen rät er nicht nur im »Fürsten« an, sondern auch in den »Betrachtungen«; ja selbst in der harmlosen »Kriegskunst« erörtert er die Frage, ob man dem Feind nicht vergiftete Lebensmittel senden solle. Es scheint uns heute schwer begreiflich, daß ein geistig so hochstehender Mann, der in vielen Lebensverhältnissen ehrlich gehandelt und sich nie mit schmutzigem Gewinn befleckt hat, die Greuel eines Borgia so ganz ohne jede Regung des Abscheues darstellen, ja sein Benehmen anderen Machthabern als Vorbild hinstellen konnte. Daß in ihm nicht jedes politische Rechts- und Moralgefühl ausgestorben war, zeigt seine Verurteilung Philipps von Mazedonien, sein Exkurs über die römischen Kaiser, seine bewundernde Anerkennung deutscher Frömmigkeit und Rechtschaffenheit, die er so geflissentlich gegen die Sittenverwilderung in den drei romanischen Ländern Italien, Spanien und Frankreich, dieser »Verderbnis der Welt« kontrastiert. Ja, er schreibt der Kirche mit kühnem Freimut die Hauptschuld an dieser Verderbnis wie an dem politischen Elend Italiens zu, ganz im Geist Savonarolas und am Vorabend der deutschen Reformation. Aber sosehr er selbst die tiefe Verderbnis seiner Zeit geißelt, er weiß den Teufel doch nur mit Beelzebub auszutreiben. »Einem neuen Herrscher hilft Grausamkeit, Treulosigkeit und Gottlosigkeit da, wo Menschlichkeit, Treue und Gottesfurcht längst verschwunden sind, und aus keinem anderen Grunde hilft Menschlichkeit, Treue und Gottesfurcht da, wo Grausamkeit, Treulosigkeit und Gottlosigkeit nur kurze Zeit geherrscht haben,« heißt es in einem Brief an den gestürzten Gonfalonier Soderini. Manche haben ihm diese Unbedenklichkeit hoch angerechnet, so Bacon in den bereits zitierten Worten. Greift ihn umgekehrt Friedrich der Große in seinem »Antimachiavelli« so schonungslos an, so liegt allen Mißverständnissen doch ein psychologischer Kern seines Hasses zugrunde: der verächtliche Widerwille des Erben einer gefestigten Monarchie gegen die blutigen Emporkömmlinge der Renaissance, die sich nur mit Verbrechen durchsetzen können. »Es ist schrecklich zu denken«, sagt Ranke, »daß die Grundsätze, die Machiavelli für die Erwerbung und Behauptung einer usurpatorischen Macht für notwendig erachtet, auch auf ein ruhiges und gesetzmäßiges Fürstentum Anwendung finden könnten ... Ein solcher Fürst kann wohl daran denken, die Ideen zu handhaben, auf welchen die allgemeine Weltordnung beruht; er besitzt die Gewalt; niemand macht sie ihm streitig.« So hat denn auch Friedrich in seiner Jugendschrift die Menschheitsideale der Aufklärung gepredigt, bevor er sie als Herrscher verwirklichte.

Machiavelli dagegen geht lediglich von realpolitischen Erwägungen aus. In bewußtem Gegensatz zum sterbenden Mittelalter, dessen Staatslehre auf abstrakten Gedanken über Recht, Sittlichkeit und Bestimmung des Menschen beruhte, spottet er[14] der Ideologen, die sich utopische Staaten erträumen. An Stelle solcher Wolkengebilde setzt er scharfe, vom Verstand herausgebildete, aus dem Geist der Antike geborene Umrisse. Alles Metaphysische liegt ihm fern. Die harte, altrömische Staatsauffassung, die den Menschen lediglich als Objekt des Staatszweckes betrachtet, ist für ihn entscheidend, die Weltgeschichte nur eine richtige oder falsche Anwendung der römischen Grundsätze. Sitte, Recht und Religion gelten ihm nur so viel als sie dem Staatszweck dienen; sie sind nur Kräfte im politischen Kalkül, keine selbständigen Mächte der Menschenseele. So wird seine Staatskunst zu einem verstandesmäßigen Spiel der Kräfte, einer Schachpartie, in der Klugheit und Konsequenz den Zufall bändigen und das Glück zu zwingen, einem gewaltigen Glücksspiel. Irgendein sittliches Streben außer gesundem oder ungesundem Ehrgeiz sucht man in seiner Staatslehre vergebens. Sein gesunder, moralischer Pessimismus steht zwar in wohltuendem Gegensatz zu der wahnwitzigen und verhängnisvollen Lehre Rousseaus von der »natürlichen Güte« des Menschen ..., aber er hat ihn doch weit über das Ziel zu einer Menschenverachtung fortgerissen, die gerade dem edleren Streben der Besten in seinem Staat bitter wenig Raum läßt. Diese rein verstandesmäßige Rechnung war falsch. »Wie wird verlorene Freiheit wiedergewonnen?« läßt C. F. Meyer, der rückschauende Dichter der italienischen Renaissance, seinen todkranken Pescara fragen. »Durch einen aus der Tiefe des Volkes kommenden Stoß und Sturm der sittlichen Kräfte. Ungefähr wie sie jetzt in Germanien den Glauben erobern, mit den Flammen des Hasses und der Liebe. Was vermögt Ihr Italiener? Verführung, Verrat und Meuchelmord. Worauf zählt Ihr? Auf die Gunst der Umstände, die Würfel des Zufalls, auf das Spiel der Politik. So gründet, so erneuert sich keine Nation. Da kann niemand helfen, weder ein Mensch noch ein Gott.«

Die Geschichte hat es bewiesen, und Machiavelli selbst mag bisweilen gefühlt haben, daß seine Mittel dem Lande nichts helfen würden; zu ähnlich diesem Dichterwort lauten seine eigenen Klagen über die politischmilitärische Ohnmacht und die Sittenverwilderung Italiens. Trotzdem konnte er dem Kreis seiner Ideen nicht entrinnen. Bezeichnend für seine amoralische Anschauung ist, daß er schon 1503, in seiner Denkschrift, wie die Rebellen des Chianatal zu behandeln seien, die Notwendigkeit der Zerstörung Arezzos auf das römische Beispiel von der Bestrafung der Latiner nach dem Sieg bei Sentinum begründet, fast mit denselben Worten wie in unserem Buch (II, 23). Daher auch seine eigenartige Auffassung von der Unveränderlichkeit aller menschlichen Verhältnisse, die gewiß einen Kern von Wahrheit enthält, in dieser Einseitigkeit aber jede geschichtliche Entwicklung leugnet. Erleichtert wurde ihm diese Schematisierung zweifellos durch die naheliegende Parallele zwischen den antiken Stadtstaaten und denen des italienischen Mittelalters, die sich in beiden Fällen aus kleineren Stadtrepubliken zu größeren Herrschaftsgebieten entwickelten. So glaubte er, aus der Vergangenheit mit zwingender Logik auf Gegenwart und Zukunft schließen zu können, und übersah dabei ganz den grundsätzlichen Unterschied zwischen dem antiken Staatsbegriff mit seiner Allmacht über das Individuum und der damals entstehenden neueren Weltanschauung, die für das Individuum einen freieren Spielraum verlangte. Insofern ist seine Lehre ein vollkommener Anachronismus, um so erstaunlicher in einer Zeit wie die italienische Renaissance mit ihrem ausgeprägten Ichgefühl und ihren völlig neuen Horizonten; ja, sie ist nur aus dem bewußten Gegensatz zu seiner Zeit zu erklären. Während diese von der Antike nur den schönheitstrunkenen Sinnenkult, die Fessellosigkeit des Geistes und das Ornament erborgte, im übrigen aber ganz sie selbst blieb, hat Machiavelli die Rückkehr zur Antike bis zu ihren letzten Folgerungen durchdacht und erstrebt.

Die innere Logik dieses Gedankenganges ist klar. Er und alle klassisch Gebildeten empfanden die Ohnmacht und Unterdrückung Italiens um so lebhafter, weil Schule, Studium und Altertumsverehrung das Gedächtnis an die Größe Roms täglich erneuerten und der Italiener der Renaissance sich als unmittelbaren Erben der Römer empfand. Aus dem strahlenden Vorbild des Altertums schöpften, wie Machiavelli am Anfang dieses Buches betont, die Künstler, die Ärzte, die Juristen ihre tiefsten Anregungen; warum sollten es die Staatsmänner nicht tun? Der klaffende Gegensatz zwischen Ideal und Wirklichkeit der Renaissance prägt sich wohl nirgends so stark aus wie hier! ... So endigt Machiavelli, der Realist und Verächter der Utopisten, letzten Endes selbst in der Utopie.

Widmung

 

Widmung an Zanobi Buondelmonti
und Cosimo
Rucellai

 

[15]

Ich sende Euch ein Geschenk, das zwar meinen Dank gegen Euch nicht abtragen kann, aber sicherlich das größte ist, das Niccolò Machiavelli Euch senden konnte. Denn ich habe darin alles zusammengetragen, was ich von den Weltereignissen weiß und was ich mir durch lange Erfahrung und anhaltendes Lesen erworben habe. Da weder Ihr noch andere mehr von mir verlangen könnt, dürft Ihr Euch nicht beschweren, wenn ich Euch nicht mehr gebe. Wohl könnt Ihr die Armut meines Geistes beklagen, wenn meine Darstellung trocken und mein Urteil schief ist, wenn ich mich in meinen Erörterungen häufig irre. In diesem Fall aber weiß ich nicht, wer dem andern mehr schuldig bleibt: ich Euch, die Ihr mich zur Niederschrift von etwas zwanget, was ich aus freien Stücken nie geschrieben hätte, oder Ihr mir, wenn ich Euch durch meine Schrift nicht befriedigt habe.

So nehmt sie denn hin, wie es unter Freunden Brauch ist, wo man stets mehr auf die gute Absicht des Senders als auf den Wert seiner Gabe sieht. Seid versichert, mir gewährt der Gedanke Befriedigung, daß ich mich zwar in manchem geirrt haben kann, aber in einem nicht: daß ich Euch und keinem andern diese Betrachtungen gewidmet habe. Damit habe ich wohl einige Dankbarkeit für empfangene Wohltaten bewiesen und bin auch von dem gewöhnlichen Brauche der Schriftsteller abgewichen, die ihre Werke stets einem Fürsten widmen und, von Ehrgeiz und Habsucht verblendet, alle möglichen Vorzüge an ihm preisen, statt ihn wegen aller möglichen Laster zu tadeln.

Um nicht in diesen Fehler zu verfallen, habe ich mir keine Fürsten ausgesucht, sondern Männer, die wegen ihrer zahllosen Vorzüge Fürsten zu sein verdienten, keine, die mich mit Ämtern, Ehren und Reichtum überhäufen könnten, sondern solche, die es täten, wenn es in ihrer Macht stünde. Deshalb muß ein Mensch mit richtigem Urteil die schätzen, die freigebig sind, und nicht die, welche es sein könnten, die, welche einen Staat zu regieren verstehen, nicht die, welche regieren, ohne es zu verstehen. Die Schriftsteller loben den Hiero von Syrakus[16], als er Privatmann war, mehr als den Perseus von Mazedonien[17], als er König war, denn dem Hiero fehlte zum Fürsten nichts als der Titel, Perseus aber hatte von einem König nichts als den Namen.

So nehmt denn fürlieb mit dem Guten oder Schlechten, das Ihr selbst gewollt habt, und wenn Ihr bei Eurem günstigen Vorurteil über diese meine Ansichten verharrt, so bin ich bereit, mit dem Rest der Geschichte[18] in der versprochenen Weise fortzufahren. Lebt wohl!

Erstes Buch
Innere Politik

 

Das Auffinden neuer Einrichtungen und Staatsordnungen war bei der neidischen Menschennatur stets ebenso gefährlich wie das Entdecken unbekannter Meere und Länder, denn die Menschen neigen mehr zum Tadeln als zum Loben. Da es mir aber angeboren ist, stets ohne Rücksicht alles zu tun, was nach meiner Ansicht dem Gemeinwohl nutzt, habe ich einen Weg einzuschlagen beschlossen, der noch unbegangen ist und der mir gewiß Mühe und Beschwerden kosten wird, aber auch Lohn eintragen kann, falls man meine Bestrebungen mit Nachsicht beurteilt. Sollte dies Unterfangen durch die Armut des Geistes, die geringe Erfahrung in der Gegenwart, die schwache Kenntnis der Vergangenheit auch mangelhaft und wenig nutzbringend sein, so bahne ich damit doch einem andern den Weg, der mit mehr Talent, Beredsamkeit und Scharfsinn meine Absicht verwirklichen kann. Dies sollte mir, wo keinen Lohn, so doch auch keinen Tadel eintragen.[19]

Ich sehe, wieviel Ehre man dem Altertum erweist, wie oft man, um nur dies Beispiel zu erwähnen, das Bruchstück einer alten Bildsäule zu hohem Preise kauft, um es zu besitzen, wie man sein Haus damit schmückt, es von den Künstlern nachahmen läßt, und wie diese dann eifrig bestrebt sind, es in allen ihren Werken anzubringen. Andrerseits sehe ich die kraftvollsten Unternehmungen der Geschichte, die Taten der alten Reiche und Republiken, der Könige, Feldherren, Bürger, Gesetzgeber und aller, die für ihr Vaterland gearbeitet haben, viel mehr bewundert als nachgeahmt. Ja man weicht überall derart von ihnen ab, daß uns von jener alten Tugend kein Hauch mehr geblieben ist. So muß ich mich denn zugleich wundern und betrüben, zumal ich sehe, wie man im bürgerlichen Rechtsstreit und bei Krankheiten immerfort auf die Urteile oder Heilmittel zurückgreift, die von den Alten gefällt oder verordnet wurden. Denn was sind die bürgerlichen Gesetze anderes als Urteilssprüche der alten Rechtsgelehrten, die, in ein System gebracht, das Muster unsrer jetzigen Rechtsprechung bilden? Ebenso ist die Heilwissenschaft nichts andres als die von den alten Ärzten gemachte Erfahrung, auf die die jetzigen ihre Wissenschaft gründen. Nichtsdestoweniger greift bei der Einrichtung der Republiken, der Erhaltung der Staaten, der Regierung der Reiche, der Einrichtung des Heerwesens und der Kriegführung, bei der Rechtsprechung über die Untertanen und der Erweiterung der Herrschaft kein Fürst oder Freistaat, kein Feldherr oder Bürger auf die Beispiele der Alten zurück.

Das kommt nach meiner Ansicht nicht sowohl von unsrer schwächlichen Erziehung noch von dem Schaden, den ehrgeiziger Müßiggang vielen Ländern und Städten der Christenheit zugefügt hat, als vielmehr von dem Fehlen jeder wahren Geschichtskenntnis, da man beim Lesen der Geschichte weder ihren Sinn begreift, noch den Geist der Zeiten erfaßt. Zahllose Leser finden nur Vergnügen daran, die bunte Mannigfaltigkeit der Ereignisse an sich vorüberziehen zu lassen, ohne daß es ihnen einfällt, sie nachzuahmen. Sie halten die Nachahmung nicht nur für schwierig, sondern für unmöglich, als ob Himmel, Sonne, Elemente und Menschen in Bewegung, Gestalt und Kräften anders wären als ehedem.

Von diesem Irrtum möchte ich die Menschen befreien, und darum habe ich es für nötig gehalten, über alle Bücher des Titus Livius, die uns die mißgünstige Zeit nicht geraubt hat, das niederzuschreiben, was ich auf Grund alter und neuer Begebnisse zu ihrem besseren Verständnis beizutragen vermag, damit die Leser dieser Betrachtungen den Nutzen daraus ziehen können, dessentwegen man Geschichtskenntnis erwerben soll.[20] Das Unternehmen ist schwierig, aber mit Hilfe derer, die mich ermutigt haben, diese Last auf mich zu nehmen, glaube ich es doch so weit zu bringen, daß einem andern nur noch ein kurzer Weg bis zum Ziele bleibt.

Erstes Kapitel
Vom Ursprung der Städte im allgemeinen und der Entstehung Roms.

Liest man die Urgeschichte Roms, wie es gegründet wurde und welches seine Gesetzgeber waren, so wundert man sich nicht, daß sich jahrhundertelang so hohe Tugend in dieser Stadt erhielt und daß aus ihr allmählich ein Weltreich entstand. Um zunächst von ihrem Ursprung zu reden, schicke ich voraus, daß alle Städte entweder von Eingeborenen der Gegend oder von Fremden erbaut werden.

Das erste tritt ein, wenn die Bewohner sich infolge ihrer zerstreuten Siedlungsweise nicht sicher fühlen. Wegen der Lage der Wohnorte oder der geringen Kopfzahl kann nicht jeder für sich dem Angriff eines Feindes standhalten; auch können sie sich im Fall eines feindlichen Angriffs nicht rasch genug zur Verteidigung sammeln. Geschähe es aber auch rechtzeitig, so müßten viele ihre Wohnsitze verlassen, und diese fielen dann rasch ihren Feinden zur Beute. Um diesen Gefahren zu entgehen, ziehen sie von selbst oder auf Veranlassung eines, der bei ihnen in besonderem Ansehen steht, an einem ausgesuchten Ort zusammen, wo sie bequemer leben und sich leichter verteidigen können. Derart entstanden unter vielen andern Städten Athen und Venedig. Ersteres wurde unter der Führung des Theseus von den zerstreuten Bewohnern aus ähnlichen Gründen erbaut. Venedig entstand, als sich viele Leute auf einige Inseln an der Spitze des Adriatischen Meeres geflüchtet hatten, um den ewigen Kriegen zu entgehen, die in Italien nach dem Untergang des römischen Reiches durch die fortwährenden Barbareneinfälle ausbrachen. Diese Flüchtlinge begannen miteinander ohne einen besonderen Fürsten zu leben, der ihnen Einrichtungen gab; sie schufen sich selbst die Gesetze, die ihnen zu ihrer Selbsterhaltung geeignet erschienen. Das gelang aufs beste, dank der langen Ruhe, die ihnen ihre Lage gab; denn das Meer verwehrte den Zugang, und die Völker, die Italien verheerten, hatten keine Schiffe, um sie anzugreifen. So konnte sich Venedig aus ganz kleinen Anfängen zu seiner jetzigen Größe erheben.

Im zweiten Falle wird eine Stadt von Fremden erbaut, und zwar entweder von freien Männern oder von abhängigen. Dahin gehören die Kolonien, die von einer Republik oder von einem Fürsten angelegt werden, um sich der überschüssigen Menschen zu entledigen, oder um ein neu erobertes Gebiet ohne Kosten zu sichern. Viele solcher Städte hat das römische Volk in allen Teilen seines Reiches erbaut. Oder sie werden von einem Fürsten gegründet, nicht zum Wohnsitz, sondern zu seinem Ruhme, wie die Stadt Alexandria von Alexander dem Großen. Da aber diese Städte nicht freien Ursprungs sind, so machen sie selten so große Fortschritte, daß sie zu Hauptstädten eines Reiches emporsteigen. In ähnlicher Weise wurde auch Florenz erbaut, sei es durch die Soldaten des Sulla, sei es von den Bewohnern der Berge von Fiesole, die sich im Vertrauen auf den langen Frieden, der mit Oktavian in die Welt kam, in der Arnoniederung ansiedelten. Da es aber unter römischer Herrschaft entstand, konnte es sich in den ersten Zeiten nur so weit ausdehnen, als es ihm die Gefälligkeit der Kaiser erlaubte.

Frei sind die Städtegründer, wenn ein Volk unter einem Herrscher oder selbständig neue Wohnsitze aufsucht, weil es durch Krankheit, Hunger oder Krieg zum Verlassen der Heimat gezwungen ist. Solche Völker lassen sich entweder in den Städten nieder, die sie in den eroberten Ländern finden, wie die Juden unter Moses, oder sie erbauen neue, wie die Römer unter Aeneas. In diesem Falle zeigt sich die Leistung des Erbauers und das Glück seiner Schöpfung. Je größer der Mann, um so wunderbarer erscheint das Gelingen. Seine Größe erkennt man an zweierlei: an der Wahl des Ortes und an seiner Gesetzgebung.

Die Menschen arbeiten entweder aus Not oder aus eignem Antrieb, und zwar zeigt sich da die größere Arbeitsamkeit, wo die Arbeit am wenigsten von unserm Belieben abhängt. Es fragt sich also, ob es nicht besser wäre[21], zur Städtegründung unfruchtbare Gegenden zu wählen, wo die Menschen mehr zur Arbeit gezwungen sind und sich weniger dem Müßiggang ergeben können, somit desto einträchtiger leben, da sie bei der Armut der Gegend weniger Anlaß zu Zwistigkeiten haben. So war es bei Ragusa[22] und bei vielen andern, an ähnlichen Orten erbauten Städten. Nun wäre eine solche Wahl ohne Zweifel die klügste und nützlichste, wenn die Menschen sich mit dem Ihrigen begnügten und nicht andern gebieten wollten. Da sie sich aber nur durch Macht sichern können, so muß man durchaus die unfruchtbaren Gegenden meiden und sich an den fruchtbarsten Orten niederlassen, wo man sich dank der Ergiebigkeit des Bodens ausbreiten und nicht nur jeden Angreifer abwehren, sondern auch jeden niederwerfen kann, der der eignen Ausbreitung entgegentritt. Was aber den Müßiggang betrifft, zu dem eine günstige Lage verleiten kann, so müssen die Einwohner durch Gesetze zu den Pflichten gezwungen werden, zu denen sie die Lage nicht zwingt. Hier muß man die weisen Gesetzgeber nachahmen, die in den lieblichsten und fruchtbarsten Ländern gewohnt haben, wo die Menschen leicht träge und zu jeder männlichen Anstrengung untauglich werden: um der Gefahr des Müßigganges infolge des milden Himmelsstrichs vorzubeugen, nötigten sie die zum Kriegsdienst bestimmten Männer zu soldatischen Übungen. So sind hier bessere Soldaten entstanden als in von Natur rauhen und unfruchtbaren Ländern. Zum Beispiel hat Ägypten, obwohl von der Natur gesegnet, durch diesen Zwang der Gesetze die tüchtigsten Männer hervorgebracht. Wären ihre Namen nicht durch ihr hohes Alter verschollen, so würde man sehen, daß sie mehr Ruhm verdienten als Alexander der Große und viele andre, die noch in frischem Andenken stehen. Auch zeigt das Reich des Sultans[23] sowie die Staatsordnung und das Heerwesen der Mamelucken[24], bevor sie von dem Großtürken Selim zerstört wurden, welch hohen Wert man dort auf kriegerische Übungen legte und wie sehr man sich vor dem Müßiggang scheute, zu dem die milde Natur des Landes verleiten konnte, wäre ihm nicht durch die strengsten Gesetze vorgebeugt worden.

Ich sage also, daß es klüger ist, sich in einer fruchtbaren Gegend niederzulassen, wenn die Wirkung der Fruchtbarkeit durch Gesetze in gebührenden Schranken gehalten wird. Als Alexander der Große zu seinem Ruhm eine Stadt erbauen wollte, kam zu ihm der Baumeister Deinokrates und riet ihm, sie auf dem Berg Athos anzulegen, da dieser, abgesehen von seiner festen Lage, sich derart bearbeiten lasse, daß er menschliche Gestalt bekäme. Das wäre etwas Wunderbares und Seltenes und seiner Größe würdig. Auf Alexanders Frage, wovon die Einwohner denn leben sollten, antwortete er, daran hätte er nicht gedacht. Alexander lachte, ließ den Berg liegen und gründete Alexandria, wo die Fruchtbarkeit des Landes und die günstige Lage am Meer und am Nil den Einwohnern alle Annehmlichkeiten gewährte.

Geht man also der Erbauung Roms nach, so gehört es, wenn Aeneas sein Gründer war, zu den von Fremden erbauten Städten, oder wenn es Romulus war, zu den von den Eingeborenen erbauten. In jedem Falle war es ursprünglich frei und unabhängig. Wir werden weiterhin sehen, zu welchen Pflichten die Gesetze des Romulus, Numa und der andern es zwangen, so daß die Fruchtbarkeit der Gegend, die günstige Lage am Meer, die häufigen Siege und die Größe des Reiches die Sitten jahrhundertelang nicht verderben konnten, ja, daß es sich so reich an Tugenden erhielt, wie kein andrer Freistaat. Da nun seine Taten, die Titus Livius verherrlicht, entweder durch öffentlichen Beschluß oder durch die Entschließung einzelner, innerhalb oder außerhalb der Stadt vollbracht wurden, so beginne ich mit der Erörterung dessen, was im Innern und durch öffentlichen Beschluß geschah, soweit es mir besonderer Aufmerksamkeit wert scheint. Ich werde jedesmal hinzufügen, was daraus hervorging. Diese Erörterungen sollen das erste Buch oder vielmehr diesen ersten Teil ausmachen.

Zweites Kapitel
Über die verschiedenen Staatsformen und die des römischen Staates

Ich sehe von den Staaten ab, die ursprünglich in Abhängigkeit standen, und rede nur von denen, die von Anfang an frei von jedem fremden Joch waren und sich nach eigenem Gutdünken als Republiken oder Monarchien regierten. So verschieden ihr Ursprung war, so verschieden waren auch ihre Gesetze und Einrichtungen. Einige erhielten ihre Gesetze bei ihrer Gründung oder nicht lange nachher von einem einzigen und auf einmal, wie Sparta von Lykurg. Andre empfingen sie bei Gelegenheit und nach und nach, je nach den Ereignissen, wie Rom. Glücklich der Staat, der einen Weisen hervorbringt, der ihm bleibende Gesetze gibt, unter denen er lange Zeit sicher leben kann! Über achthundert Jahre hat Sparta die Gesetze Lykurgs befolgt, ohne sie anzutasten und ohne daß eine gefährliche Umwälzung stattfand. Weit schlechter daran ist ein Staat, dem kein weiser Gesetzgeber beschieden ward, und der sich selbst eine neue Ordnung geben muß. Am unglücklichsten aber ist der Staat, wo am wenigsten Ordnung herrscht, und das ist der Fall, wenn seine Einrichtungen ganz vom geraden Wege abweichen, der ihn zum wahren Ziel der Vollkommenheit führen kann. Denn befindet er sich auf dieser Bahn, so ist es fast unmöglich, daß er durch irgendein Ereignis wieder ins Geleise kommt. Ist die Einrichtung der andern auch nicht vollkommen, so haben sie doch einen guten Anfang gemacht, der einen Fortschritt erlaubt, ja sie können durch günstige Umstände zur Vollkommenheit gelangen, allerdings nicht ohne Gefahren. Denn die Mehrzahl der Menschen stimmt einem neuen Gesetz, das eine Neuordnung im Staatswesen bezweckt, nur dann zu, wenn sie dessen Notwendigkeit einsehen, und da diese Notwendigkeit nur bei Gefahr eintreten kann, so geht der Staat leicht zugrunde, bevor er seine Vollkommenheit erlangt. Einen schlagenden Beweis dafür bietet die Republik Florenz. Sie wurde durch die Vorfälle in Arezzo im Jahre 1502 neu befestigt und durch die Ereignisse in Prato im Jahre 1512 umgestürzt.[25]

Untersuchen wir nun die Staatsordnung Roms und die Umstände, durch die es zur Vollkommenheit gelangte. Einige politische Schriftsteller[26] nehmen drei Regierungsformen an, nämlich die Monarchie, Aristokratie und Demokratie, für deren eine sich der Begründer eines Staates je nach der Zweckmäßigkeit entscheiden müsse. Andre dagegen, und nach der Ansicht vieler die Klügeren, sind der Ansicht, daß es sechs Regierungsformen gibt, von denen drei abscheulich, die drei andern an sich zwar gut seien, aber so leicht ausarteten, daß sie gleichfalls verderblich würden. Die guten sind die drei oben genannten, die schlechten sind drei andere, die aus ihnen entstehen. Jede von ihnen ist der, aus der sie entsprungen ist, so ähnlich, daß der Übergang von der einen zur andern sehr leicht ist. Denn die Monarchie artet leicht zur Tyrannei, die Aristokratie zur Oligarchie und die Demokratie zur Zügellosigkeit aus. Führt also der Begründer eines Staates eine der drei ersten Formen ein, so ist es nur für kurze Zeit. Es läßt sich durch nichts verhindern, daß sie in ihr Gegenteil umschlägt, denn Tugend und Laster wohnen hier dicht beieinander.

Diese verschiedenen Regierungsformen sind durch Zufall entstanden. Im Anfang der Welt, als die Menschen noch spärlich waren, lebten sie zerstreut wie die Tiere. Später, als ihr Geschlecht sich vermehrte, schlossen sie sich zusammen und begannen, um sich besser verteidigen zu können, den Stärksten und Tapfersten unter ihnen zu achten, machten ihn zu ihrem Oberhaupt und gehorchten ihm. Daraus entsprang der Begriff des Edlen und Guten im Gegensatz zum Schädlichen und Bösen. Denn man sah, daß aus dem Unrecht, das einer seinem Wohltäter zufügte, Haß und Mitleid entsprang, daß die Undankbaren getadelt, die Dankbaren aber geehrt wurden; auch sagte sich jeder, daß ihm die gleiche Unbill selbst widerfahren könnte. Um ähnlichen Übeln vorzubeugen, entschloß man sich, Gesetze zu schaffen und ihre Übertretung zu strafen. Hieraus entstand der Begriff der Gerechtigkeit.[27] Infolgedessen sah man fortan bei der Wahl eines Oberhauptes nicht mehr auf den Tapfersten, sondern auf den Klügsten und Gerechtesten. Als man aber später den Fürsten durch Erbfolge und nicht durch Wahl bestimmte, begannen die Erben sofort auszuarten, vergaßen die Tugend ihrer Vorfahren und wähnten, die Fürsten hätten nichts weiter zu tun, als die andern in Pracht, Schwelgerei und jeder Art von Üppigkeit zu übertreffen. So wurde der Fürst verhaßt und begann sich wegen dieses Hasses zu fürchten. Von der Furcht ging er bald zu Gewalttaten über, und so entstand bald Tyrannei.[28]

Das war der Anfang der Umstürze, der Meutereien und Verschwörungen gegen die Fürsten. Deren Anstifter aber waren nicht die Furchtsamen und Schwachen, sondern die Edelmütigsten, Hochherzigsten, Reichsten und Vornehmsten, die das schimpfliche Leben des Fürsten nicht ertragen wollten. Die Menge folgte dem Ansehen dieser Mächtigen, erhob die Waffen gegen den Fürsten, vertrieb ihn und gehorchte ihren Befreiern. Da diesen der Fürstenname verhaßt war, bildeten sie aus ihrer Mitte eine Regierung und hielten sich, der früheren Tyrannei eingedenk, anfangs im Rahmen der von ihnen gegebenen Gesetze, ordneten ihren eignen Vorteil dem Gemeinwohl unter und verwalteten und erhielten die öffentlichen und Privatangelegenheiten mit größter Sorgfalt. Dann aber ging die Regierung auf ihre Söhne über, die den Wechsel des Glücks nicht kannten und nie das Unglück erfahren hatten. Sie wollten sich mit der bürgerlichen Gleichheit nicht begnügen, sondern ergaben sich der Habsucht, dem Ehrgeiz, den Gelüsten nach Frauen und machten die Herrschaft der Vornehmen zur Herrschaft Weniger, ohne irgendwelche Rücksicht auf die bürgerlichen Rechte. So erging es ihnen in kurzem wie dem Tyrannen. Die Menge ward ihrer Herrschaft überdrüssig und schloß sich jedem an, der Miene machte, die Herrschenden zu stürzen; und so erhob sich bald einer, der sie mit Hilfe der Menge vertrieb.

Nun war die Erinnerung an den Fürsten und an seine Bedrückung noch frisch; man hatte die Herrschaft der Wenigen gestürzt und wollte die des Fürsten nicht wieder aufrichten: so ging man zur Volksherrschaft über, in der weder einige Machthaber noch ein Fürst irgendwelche Gewalt erhielten. Da nun jede Regierungsform zu Anfang einige Ehrfurcht einflößt, erhielt sich die Volksherrschaft eine Weile, aber meist nicht lange, besonders wenn das Geschlecht, das sie eingeführt hatte, ausgestorben war. Bald kam es zur Zügellosigkeit, die weder vor Privat- noch vor Amtspersonen haltmachte, und da jeder auf seine Art lebte, fügte man sich täglich tausendfaches Unrecht zu. So kehrte man denn notgedrungen, sei es unter dem Einfluß eines redlichen Mannes, oder um der Anarchie zu entgehen, von neuem zur Fürstenherrschaft zurück, und aus dieser von Stufe zu Stufe, in der nämlichen Art und aus denselben Gründen, wieder zur Zügellosigkeit.

In diesem Kreislauf hat sich die Regierung aller Staaten bewegt und bewegt sich noch, und doch kehren sie selten zu den gleichen Regierungsformen zurück; denn kaum ein Staat besitzt so viel Lebenskraft, daß er solche Umwälzungen mehrmals durchmachen kann, ohne zugrunde zu gehen. Wohl aber geschieht es, daß ein Staat in seinen Wirren, wenn es ihm dauernd an Kraft und gutem Rat fehlt, in die Gewalt eines Nachbarstaates kommt, in dem bessere Ordnung herrscht. Aber geschähe das nicht, so könnte sich jeder Staat ohne Ende im Kreis dieser Regierungsformen drehen.

Nach meiner Meinung sind alle diese Staatsformen verderblich, die drei guten wegen ihrer Kurzlebigkeit und die drei andern wegen ihrer Schlechtigkeit. In Erkenntnis dieser Mängel haben weise Gesetzgeber jede von ihnen an sich gemieden und eine aus allen dreien zusammengesetzte gewählt.[29] Diese hielten sie für fester und dauerhafter, da sich Fürsten-, Adels- und Volksherrschaft, in ein und demselben Staat vereinigt, gegenseitig überwachen.

Unter den Verfassungen, die in dieser Hinsicht das meiste Lob verdienen, steht die des Lykurg; denn er gab in Sparta dem König, dem Adel und dem Volk sein Recht und schuf damit einen Staat, der zu seinem höchsten Ruhm über achthundert Jahre in völliger Ruhe bestanden hat.[30] Das Gegenteil erfuhr Solon, Athens Gesetzgeber; denn die von ihm eingeführte Demokratie war von so kurzer Dauer[31], daß er selbst noch die Tyrannei des Pisistratus erlebte. Nach vierzig Jahren wurden zwar dessen Erben[32] verjagt und Athen kehrte zur Freiheit zurück, da es die Demokratie nach Solons Gesetzen wieder annahm; es erhielt sie sich aber nicht länger als hundert Jahre, obwohl zu ihrer Stützung viele Einrichtungen getroffen wurden, um den Übermut der Großen und die Zügellosigkeit der Menge niederzuhalten, zwei Übel, die Solon nicht bedacht hatte. Jedenfalls bestand Athen im Vergleich zu Sparta nur sehr kurze Zeit, weil es der Demokratie nicht die Macht eines Fürsten und die des Adels beigesellt hatte.

Doch kommen wir zu Rom![33] Diese Stadt hatte zwar keinen Lykurg, der sie von Anfang an derart ordnete, daß sie lange Zeit frei leben konnte, doch führte die Uneinigkeit zwischen Volk und Senat so viele günstige Umstände herbei, daß der Zufall das tat, was der Gesetzgeber versäumt hatte. Wenn also Rom nicht das erste Glückslos zog, so doch das zweite, und wenn seine ersten Einrichtungen mangelhaft waren, so führten sie doch nicht von dem geraden Weg zur Vollkommenheit ab. Denn Romulus und alle übrigen Könige gaben viele gute, auch der Freiheit gemäße Gesetze; da aber ihr Zweck die Gründung eines Königreiches und nicht eines Freistaates war, so fehlten in Rom, als es frei wurde, viele für die Freiheit nötige Einrichtungen, die von den Königen nicht getroffen waren. Als nun die Könige aus den oben genannten Gründen die Herrschaft verloren, setzten ihre Vertreiber an Stelle der Könige sofort zwei Konsuln ein und verdrängten damit nur den Königsnamen, nicht die Königsgewalt aus Rom. Infolgedessen bestand der Staat nun aus Konsuln und Senat, also nur aus zweien der oben genannten drei Formen, der Fürsten- und Adelsherrschaft, und es blieb noch der Volksherrschaft Raum zu geben. Als daher der römische Adel aus den unten anzuführenden Gründen übermütig wurde, erhob sich das Volk gegen ihn, und um nicht alles zu verlieren, mußte er dem Volk seinen Anteil an der Regierung abtreten. Andrerseits behielten die Konsuln und der Senat so viel Ansehen, daß sie ihren Rang im Staate behaupten konnten. So entstand die Einrichtung der Volkstribunen, durch die der Staat vollends befestigt wurde, denn nun waren alle drei Regierungsformen vertreten. So günstig war Rom das Geschick, daß es in derselben Stufenfolge und aus den gleichen Ursachen, die wir oben erwähnten, von der Königsherrschaft über die Herrschaft der Vornehmen zur Volksherrschaft überging, ohne die ganze Königsgewalt dem Adel auszuliefern und ohne die Gewalt des Adels ganz dem Volke zu geben. Die Mischung aller drei Regierungsformen führte zu einem vollkommenen Staat, und diese Vollkommenheit entsprang aus der Uneinigkeit zwischen Volk und Senat, wie in den zwei folgenden Kapiteln ausführlich gezeigt werden soll.

Drittes Kapitel
Welche Ereignisse in Rom zur Einsetzung der Volkstribunen führten, durch die die Republik vervollkommnet wurde.

Wie alle politischen Schriftsteller beweisen und zahlreiche geschichtliche Beispiele bezeugen, muß der Ordner eines Staatswesens und der Gesetzgeber davon ausgehen, daß alle Menschen böse sind und stets ihrer bösen Gemütsart folgen, sobald sie Gelegenheit dazu haben. Bleibt diese Bosheit eine Weile verborgen, so rührt das von einer verborgenen Ursache her, die erst erkannt wird, wenn die Bosheit zum Ausbruch kommt. Dann enthüllt sie die Zeit, die man die Mutter der Wahrheit nennt.

So schien in Rom vor der Vertreibung der Tarquinier die größte Eintracht zwischen Volk und Senat zu herrschen. Die Adligen schienen ihren Hochmut abgelegt zu haben und volksfreundlicher und verträglicher auch gegen den Geringsten geworden zu sein. Es war aber bloß Verstellung, deren Grund man bei Lebzeiten der Tarquinier nicht merkte. Denn nur aus Furcht vor diesen und aus Besorgnis, das Volk möchte sich ihnen bei schlechter Behandlung anschließen, benahm der Adel sich leutselig gegen das Volk. Als aber die Tarquinier tot waren und der Adel nichts mehr zu fürchten hatte, begann er das Gift, das er in seiner Brust verborgen hatte, gegen das Volk auszuspeien und es auf alle mögliche Weise zu kränken. Das ist ein Beweis für meine obige Behauptung, daß die Menschen nur aus Not etwas Gutes tun. Sobald ihnen aber freie Wahl bleibt und sie tun können, was sie wollen, gerät alles drunter und drüber. Darum sagt man, Hunger und Armut machen die Menschen arbeitsam und Gesetze machen sie gut. Wo etwas von selbst gut geht, sind Gesetze unnötig, hört aber die gute Gewohnheit auf, so werden sie gleich notwendig. Nach dem Tod der Tarquinier, die den Adel durch Furcht im Zaum hielten, mußte man also an eine neue Einrichtung denken, die das gleiche wie bei Lebzeiten der Tarquinier bewirkte. So kam es nach vielen Unruhen, Aufständen und gefährlichen Kämpfen zwischen Volk und Adel zur Einsetzung der Volkstribunen, die für die Sicherheit des Volkes zu sorgen hatten, und diese schalteten mit so großen Vorrechten und solchem Ansehen, daß sie fortan stets die Mittler zwischen Volk und Senat sein und dem Übermut des Adels entgegentreten konnten.

Viertes Kapitel
Die Kämpfe zwischen Volk und Senat führten zur Freiheit und Macht der Republik.

Ich will nicht unterlassen, über die Kämpfe zu sprechen, die Rom vom Tode der Tarquinier bis zur Einführung des Tribunats durchzumachen hatte. Auch will ich einiges gegen die verbreitete Meinung anführen, Rom sei eine aufrührerische Republik und so voller Wirren gewesen, daß es jedem andern Freistaat nachgestanden hätte, wären diese Mängel nicht durch sein Glück und seine kriegerische Tüchtigkeit ausgeglichen worden. Daß das Glück und das Kriegswesen Roms Ursachen seiner Weltmacht waren, leugne ich nicht, aber man scheint zu übersehen, daß da, wo ein gutes Kriegswesen ist, auch gute Ordnung sein muß, und daß es da auch selten an Glück fehlt. Doch kommen wir zu den besonderen Eigentümlichkeiten Roms!

Mir scheint, wer die Kämpfe zwischen Adel und Volk verdammt, der verdammt auch die erste Ursache für die Erhaltung der römischen Freiheit. Wer mehr auf den Lärm und das Geschrei solcher Kämpfe sieht als auf ihre gute Wirkung, der bedenkt nicht, daß in jedem Gemeinwesen die Gesinnung des Volkes und der Großen verschieden ist und daß aus ihrem Widerstreit alle zugunsten der Freiheit erlassenen Gesetze entstehen. Auch bei Rom läßt sich das leicht erkennen. Denn von den Tarquiniern bis zu den Gracchen, in einem Zeitraum von über dreihundert Jahren, hatten diese Kämpfe in Rom selten Verbannungen zur Folge und noch seltener Blutvergießen. Man kann sie also weder für schädlich noch einen Staat für innerlich zerklüftet halten, wenn durch diese Zwistigkeiten in einem so langen Zeitraum nur acht bis zehn Bürger verbannt, noch weniger hingerichtet und nicht viele zu Geldstrafen verurteilt wurden. Ebensowenig kann man eine Republik schlecht eingerichtet nennen, die so viele Beispiele an Tugend aufzuweisen hat. Denn gute Beispiele entstehen aus guter Erziehung, diese aus guten Gesetzen und die guten Gesetze aus jenen Kämpfen, die viele unüberlegt verdammen. Wer ihr Ergebnis genau prüft, wird finden, daß sie keine Verbannung oder Gewalttat zum Schaden des öffentlichen Wohles, wohl aber Gesetze und Einrichtungen zum Besten der Freiheit hervorriefen.

Man könnte zwar einwenden, das sei eine ungewöhnliche, fast wilde Art, wie das ganze Volk gegen den Senat und der Senat gegen das Volk schrie, wie es durch die Straßen tobte, die Kaufläden geschlossen wurden, das ganze Volk aus Rom auszog[34], lauter Dinge, die beim Lesen freilich erschrecklich klingen. Aber jeder Staat muß seine Mittel und Wege haben, dem Ehrgeiz des Volkes Luft zu machen, besonders die Staaten, die sich bei wichtigen Dingen des Volkes bedienen wollen. So war es in Rom Sitte, daß das Volk, wenn es ein Gesetz durchsetzen wollte, entweder eins von den genannten Dingen tat oder den Kriegsdienst verweigerte, so daß man es durch Zugeständnisse beschwichtigen mußte. Auch sind die Forderungen freier Völker selten der Freiheit schädlich, denn sie entstehen entweder aus der Unterdrückung selbst oder aus der Furcht, unterdrückt zu werden. Und ist diese Furcht falsch, so gibt es ein Mittel dagegen in den Volksversammlungen, wo ein wohlgesinnter Mann aufsteht und dem Volk in einer Rede seinen Irrtum zeigt. Die Völker sind zwar unwissend, wie Cicero sagt, aber für die Wahrheit empfänglich und geben leicht nach, wenn ein vertrauenswürdiger Mann ihnen die Wahrheit sagt. Man sollte also mit dem Tadel der römischen Regierungsform sparsamer sein und bedenken, daß die vielen guten Wirkungen, die von diesem Staat ausgingen, nur aus guten Ursachen entspringen konnten. Waren jene Kämpfe die Ursache zur Einsetzung der Volkstribunen, so verdienen sie höchstes Lob. Das Volk erhielt dadurch nicht nur seinen Anteil an der Regierung, sondern die Tribunen waren auch zu Hütern der römischen Freiheit eingesetzt, wie im nächsten Kapitel gezeigt werden soll.

Fünftes Kapitel
Ob die Freiheit sicherer vom Volk oder von den Großen geschützt wird, und wer größere Ursache zu Aufständen hat, derjenige, der etwas erwerben oder der Erworbenes behalten will.

Von weisen Gesetzgebern wurde der Schutz der Freiheit stets zu den notwendigsten Einrichtungen einer Republik gezählt. Je nachdem, wie diese Einrichtung getroffen wurde, ist die bürgerliche Freiheit von kürzerer oder längerer Dauer. Da es nun in jedem Staatswesen Große und Volk gibt, ist man im Zweifel gewesen, wem man diesen Schutz anvertrauen solle. In Sparta und zu unsrer Zeit in Venedig wurde er dem Adel überlassen, bei den Römern aber dem Volke. Man muß also untersuchen, welche von diesen Republiken die bessere Wahl getroffen hat. Hält man sich an Vernunftschlüsse, so läßt sich beides rechtfertigen. Betrachtet man aber den Erfolg, so wird man sich für den Adel entscheiden, denn die Freiheit von Sparta und Venedig hat längere Zeit gewährt als die von Rom.

Beginnen wir mit den Vernunftschlüssen. Ergreift man zunächst die Partei der Römer, so kann man sagen, der Schutz einer Sache muß denen anvertraut werden, die am wenigsten Lust haben, sie zu mißbrauchen. Betrachtet man das Streben des Adels und des Volkes, so findet man bei jenem ohne Zweifel ein großes Verlangen zu herrschen, bei diesem aber nur das Verlangen, nicht beherrscht zu werden, somit einen stärkeren Willen, in Freiheit zu leben, da es von ihrem unrechtmäßigen Besitz weniger hoffen kann als die Großen. Werden daher Leute aus dem Volke zu Hütern der Freiheit bestellt, so werden sie vernünftigerweise mehr dafür sorgen, und da sie selbst sie nicht vergewaltigen können, auch andre daran hindern.

Andrerseits sagen die Verteidiger der Verfassungen Spartas und Venedigs, man tue in doppelter Hinsicht gut, den Schutz der Freiheit den Großen anzuvertrauen. Einmal befriedige man dadurch deren Ehrgeiz, da sie bei größerem Einfluß im Staate allen Grund hätten, zufrieden zu sein, und zweitens nähme man dadurch den unruhigen Köpfen im Volke eine Gewalt, die in einer Republik zu zahllosen Zwistigkeiten und Unruhen führen und den Adel zur Verzweiflung bringen könne, was mit der Zeit schlimme Folgen haben müsse. Als Beleg führen sie gerade Rom an, wo die Volkstribunen jene Gewalt in Händen hatten und sich trotzdem nicht mit einem plebejischen Konsul begnügten, sondern alle beide haben wollten, ja die Zensur, die Prätur und alle anderen Staatsämter. Auch das genügte ihnen noch nicht, sondern sie begannen in der gleichen Raserei die Männer zu vergöttern, die ihnen zur Demütigung des Adels fähig erschienen. Daraus entsprang die Macht des Marius und der Untergang Roms.

In der Tat, wer das Für und Wider erwägt, könnte in Zweifel kommen, wen er zum Hüter der Freiheit wählen soll, zumal man nicht weiß, welche Menschenklasse in einem Staate schädlicher ist: die, welche etwas erwerben will, was sie nicht hat, oder die, welche erworbene Vorrechte zu erhalten strebt. Bei tieferer Prüfung wird man jedoch zu folgendem Schluß kommen. Entweder man spricht von einer Republik, die ein mächtiges Reich werden will, oder von einer, der es genügt, sich zu behaupten. Im ersten Falle muß sie alles so machen wie Rom, im zweiten kann sie Sparta und Venedig nachahmen, wie und weshalb, wird im nächsten Kapitel gezeigt werden. Kehren wir jedoch zu der Frage zurück, welche Menschen in einem Staate schädlicher sind, die, welche etwas erwerben wollen, oder die, welche das Erworbene zu verlieren fürchten.

Marcus Menenius und Marcus Fulvius, beide Plebejer, wurden der eine zum Diktator, der andre zum Reiterobersten ernannt, um eine Verschwörung in Capua gegen Rom aufzudecken.[35] Zugleich erhielten sie vom Volke die Vollmacht, zu untersuchen, wer in Rom durch Bestechung und andre ungesetzliche Mittel nach dem Konsulat und andern öffentlichen Ämtern strebte. Der Adel, der diese Vollmacht des Diktators gegen sich gerichtet glaubte, sprengte in Rom aus, nicht die Adligen suchten die Ämter durch Bestechung und ungesetzliche Mittel zu erlangen, sondern die Plebejer, die sich nicht auf Geburt und Verdienste stützen könnten. Insbesondere klagte er den Diktator an. Die Wucht dieser Anklage war so groß, daß Menenius eine Volksversammlung berief, sich über die Verleumdungen des Adels beklagte, die Diktatur niederlegte und sich dem Urteil des Volkes unterwarf.

Bei diesem Prozeß, der mit Freisprechung endete, wurde viel darüber gestritten, wer ehrgeiziger sei, der, welcher etwas erwerben oder welcher Erworbenes behalten wolle; denn beides kann leicht die größten Erschütterungen hervorrufen. Meistenteils jedoch werden solche Umwälzungen durch die Besitzenden hervorgerufen, denn die Furcht zu verlieren erweckt bei ihnen das gleiche Verlangen wie bei denen, die etwas erwerben wollen. Glauben die Menschen doch das, was sie haben, nur dann sicher zu besitzen, wenn sie von andern etwas hinzuerwerben. Dazu kommt, daß die, welche viel besitzen, eine Umwälzung mit mehr Kraft und Nachdruck herbeiführen können. Außerdem entzündet ihr mutwilliges und ehrgeiziges Betragen in der Brust der Nichtbesitzenden das gleiche Verlangen; sie wollen sich entweder durch Beraubung der Besitzenden rächen oder ihrerseits zu den Reichtümern und Ämtern gelangen, die sie von jenen mißbraucht sehen.

Sechstes Kapitel
Ob man Rom eine Verfassung geben konnte, die die Feindschaft zwischen Volk und Senat aufhob.

Wir haben oben die Folgen der Kämpfe zwischen Volk und Senat untersucht. Wenn man sie bis zur Zeit der Gracchen verfolgt, wo sie den Untergang der bürgerlichen Freiheit herbeiführten, drängt sich einem der Wunsch auf, Rom möchte seine großen Erfolge ohne solchen Zwiespalt im Innern erlangt haben. Es scheint mir daher der Betrachtung wert, ob man Rom eine Verfassung geben konnte, die diese Zwistigkeiten aufhob. Um das zu entscheiden, muß man einen Vergleich mit den Freistaaten ziehen, die ohne so große Zwietracht und Unruhen lange bestanden haben. Man muß ihre Verfassung prüfen und erwägen, ob sie sich in Rom hätte einführen lassen.

Beispiele bieten, wie schon gesagt, für das Altertum Sparta, für die Gegenwart Venedig. In Sparta herrschte ein König mit einem kleinen Senat; in Venedig hat die Regierung keine verschiedenen Bezeichnungen, sondern alle, die an ihr teilnehmen können, heißen Edelleute. Der Zufall schuf diese Staatsform mehr als die Weisheit der Gesetzgeber, denn es hatten sich aus den oben genannten Gründen zahlreiche Einwohner auf die Inseln zurückgezogen, auf denen heute Venedig steht, und als die Volkszahl so zunahm, daß sie Gesetze brauchten, um in Gesellschaft zu leben, richteten sie eine Regierung ein und versammelten sich oft, um über die Angelegenheiten der Stadt zu beraten. Als sie ihre Zahl für ein Gemeinwesen hinreichend hielten, schlossen sie alle Neuhinzugekommenen von der Regierung aus. Mit der Zeit, als durch die Zunahme der ausgeschlossenen Einwohner das Ansehen der an der Regierung teilnehmenden stieg, nannte man diese Edelleute und die anderen Volk. Dieser Zustand konnte ohne Unruhen entstehen und sich erhalten, denn bei seiner Entstehung gehörten alle Einwohner Venedigs zur Regierung, es konnte sich also keiner beklagen, und die später hinzugekommenen fanden ein fest geschlossenes Staatswesen vor und hatten weder Ursache noch Gelegenheit, Unruhen zu erregen. Eine Ursache hatten sie nicht, denn es wurde ihnen ja nichts genommen, und Gelegenheit auch nicht, denn die Regierung hielt sie im Zaum und verwandte sie zu nichts, wodurch sie Ansehen gewinnen konnten. Überdies war der spätere Zuzug nicht so häufig und so stark, daß ein Mißverhältnis zwischen Regierenden und Regierten entstanden wäre, denn die Anzahl der Edelleute ist ebenso groß oder noch größer als die des Volkes. So konnte Venedig sich seine Verfassung geben und in Eintracht fortbestehen.

Sparta, das, wie gesagt, von einem König und einem kleinen Senat regiert wurde, konnte sich so lange erhalten, weil die Einwohnerzahl klein war, Fremde nicht aufgenommen und Lykurgs Gesetze in Ehren gehalten wurden.

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