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Pfundskerl

Über dieses Buch

Das erste Diätbuch, das Ihnen wirklich hilft – wenn schon nicht beim Abnehmen, dann zumindest dabei, die Abnehmversuche gutgelaunt zu überleben.

Oliver Beerhenke ist nicht nur auf der Suche nach sich selbst, sondern eher auf der Suche nach Möglichkeiten seinen inneren Schweinehund endlich mal gehörig in den Hintern zu treten. Denn das hat er – wie viele seiner Mitmenschen – bisher nur mit mäßigem Erfolg getan.

Pointiert zeigt er all die vielen kleinen Haken und Ösen im Leben auf, welche einem diätwilligem – aber noch lange nicht diätfähigem – Übergewichtigem im Wege stehen.

Dabei ist er weit davon entfernt über sein Übergewicht zu jammern oder sich gar zu beschweren, und auch ebenso weit davon entfernt zu resignieren oder sich so zu akzeptieren wie er ist. Vielmehr ist er im festen Glauben, das er im Prinzip sein Übergewicht bekämpfen kann und nur noch nicht herausgefunden hat, wie genau das gehen soll.

Locker und unverkrampft beschreibt er den täglichen Kampf mit der Waage, und liefert hochkomische Bilder und Anekdoten. Vom morgendlichen Tai Chi auf der Waage bis zur Schilderung der hundertsten Diät: Beerhenke lässt nichts aus, was einen Menschen mit Gewichtsproblemen durchs Leben begleitet – und findet am Ende vielleicht doch noch eine Möglichkeit, einen Sieg über sich selbst zu feiern.

Über den Autor

Oliver Beerhenke ist Comedian, Schauspieler und TV-Moderator (u. a. »UPPS – die Superpannenshow«, »Die dreisten Drei«). Mit seinen Soloprogrammen und in verschiedenen Mixed Shows war er immer wieder auf Deutschlands Bühnen zu sehen und hat darüber hinaus einen eigenen Stand-Up Comedy Club in Neuss.

Oliver Beerhenke

PFUNDS
KERL

Ein Kilo kommt
selten allein

Inhaltsverzeichnis

1 – Heute

2 – Morgen

3 – Eine neue Ära

4 – Mein innerer Schweinehund

5 – Meine Waage und ich

6 – Die Kunst des Wiegens

7 – Die Diätklassiker

8 – Der »Jo-Jo«-Effekt

9 – Dick aus Tradition

10 – Dick zur falschen Zeit

11 – Meine Fitnessgeräte

12 – Abnehmen, aber Wii?

13 – Mal wieder ’ne Diät: Schlank durch Hypnose

14 – Der »Jo-Jo«-Effekt, Teil II

15 – Die Tücken der Selbstwahrnehmung: Innen bin ich schlank!

16 – Fridolin und Kröti: Schlank durch Haustiere

17 – Bello und Wauzi: Schlank durch das RICHTIGE Haustier

18 – Die Schuldfrage – Warum bin ich eigentlich zu dick?

19 – Dick abgezockt

20 – Eine besonders schwere Rolle?

21 – Der Weg der Leichtigkeit

22 – Die Erleuchtung – Eine spirituelle Reise ins eigene Übergewicht

23 – Alles recht Waage – Welches Modell sollte es sein

24 – Der »Jo-Jo«-Effekt, Teil III

25 – Gewichtige Gründe – Vorteile durch Übergewicht!

26 – Gewichtige Gründe, Teil II – und noch ’nen Vorteil

27 – Schwerwiegende Gründe – Nachteile durch Übergewicht!

28 – Materialermüdung

29 – Gewichtsparanoia

30 – Die Bilderverschwörung, oder: Murphy’s Law der Fotografie

31 – Abnehmen mit Teleshopping

32 – Abnehmen vor dem Fernseher

33 – Abnehmen im Fernsehen – Blick hinter die Kulissen einer Doku-Soap

34 – Wissen wiegt schwer

35 – Das Zigarettenpausenparadoxon

36 – Süße Tagträume

37 – Und noch mal zurück zur Natur

38 – Ernährungsberater und Fitnessgurus

39 – Missverständnisse beim Breitensport

40 – Die Krankenhausdiät

41 – Das letzte Kapitel

42 – Der »Jo-Jo«-Effekt, Teil IV

… und das Dicken-ABC

Kapitel 1

Heute

Heute beginnt mein neues Leben.

Tag eins einer neuen Ära.

The Beginning of a Great New Life.

Ab heute wird einfach ALLES anders.

Heute ist der erste Tag, an dem ich es meinem inneren Schweinehund so richtig zeigen werde.

Ich werde ihn nicht nur einfach besiegen, ich werde ihn quasi zerschmettern, ihn so niederringen, dass er sich nie wieder traut aufzumucken. Ich werde ihn schlichtweg wegputzen mit diesem fulminanten Sieg über mich selbst.

Ich werde dem Kampf mit mir selbst nicht länger ausweichen, werde mir hier und jetzt beweisen, WER der Chef im Ring ist, WER das Ruder in der Hand hält und WER wirklich sagt, wo es langgeht.

Heute ist »Judgement Day«, der Tag der Abrechnung, »Tag X« …

Heute ist der erste Tag meiner erfolgreichen Diät.

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Kapitel 2

Morgen

Oder … vielleicht doch erst morgen? Weil, heute hatte ich ja leider schon Nutella zum Frühstück … Der Tag ist somit also blöderweise schon irgendwie verloren. Denn wenn ich etwas mache, dann will ich es schließlich auch richtig machen. Keine halben Sachen, versprochen.

Also: morgen.

Ab morgen werde ich dem süßen Leben endgültig entsagen, werde mich nicht mehr widerstandslos der Schokolade hingeben, werde mich fortan gesund ernähren, anstatt im Fastfood-Tempel dem vollkommenen Burger zu huldigen.

Morgen … oder noch besser: ab Montag!

Na ja, weil: Heute ist Donnerstag, und damit praktisch mitten in der Woche – das ist ja nun wirklich verdammt unpraktisch, so ganz neu anzufangen, erst recht vorm Wochenende. Ein so großes Projekt wie das, also die grundlegende Veränderung eines ganzen Lebens, das kann man ja unmöglich einfach so mitten in der Woche beginnen. Das würde der Sache doch wirklich nicht gerecht werden.

Ich finde, man sollte da schon konsequent sein und derlei grundlegende, entscheidende Dinge nicht einfach so – irgendwo mittendrin, zwischen Tür und Angel – anfangen. Immerhin geht es hier um den Start in ein völlig neues Leben. Es geht um ein Shoppingerlebnis OHNE die Suche nach dem dritten X vor dem L, es geht um Hosen, die Halt finden in der Region über der Hüfte, von der manch einer behauptet, dort irgendwo versteckt sich eine Körpergegend namens »Taille«. Hosen, die tatsächlich noch über dem Hintern hängen bleiben, weil die Hüfte wirklich schmaler ist als die Beckenknochen. Hosen also, bei denen man sich nicht mehr fragen muss, ob man sie lieber überplauzig mit Gürtel festzurrt (was besser aussieht, aber recht unbequem ist) oder – aus Gründen des Tragekomforts – doch eher unterplauzig. Was dann allerdings bedeutet, dass sich die Wampe äußerst unschön über den Hosenbund wölbt. Und es geht natürlich auch um die totale Fitness. Um das Erlebnis, eine fünfhundert Meter lange Joggingstrecke zu bewältigen, ohne anschließend ernsthaft über die Anschaffung eines Sauerstoffzeltes nachzudenken. Um die Achtung und die Gesundheit meines eigenen Körpers.

Darum geht es schließlich, und diesem Ziel sollte man schon den gebührenden Respekt erweisen und eine derartig einschneidende, ja geradezu lebensverändernde und ALLES beeinflussende Umstellung nicht mal eben so mitten in der Woche starten. So etwas muss gut überlegt und strategisch perfekt geplant sein. Deshalb also:

Montag nächster Woche!

Es wird der perfekte Start in die neue Woche. Ins neue Leben. In eine neue Ära. Der nächste Montag wird echt der Hammer!

Kapitel 3

Eine neue Ära

Ich denke, es ist vollkommen legitim, wenn man sich einen kleinen Moment mal die Zeit nimmt, über so eine einschneidende Veränderung der gesamten Lebensweise nachzudenken, um den wirklich perfekten Termin dafür zu finden. Noch besser wäre also – rein theoretisch natürlich – man könnte damit am 1. Januar eines Jahres anfangen. Wie gesagt: nur rein theoretisch, denn bis dahin ist es ja noch eine ganze Zeit. Aber: Das wäre dann wirklich der perfekte Neuanfang. Einfach weil es psychologisch enorm hilfreich ist, eine solch gravierende Änderung mit einem leicht zu merkenden historischen Datum zu begehen – aber das ist natürlich totaler Nonsens. Denn immerhin sind es noch viele Monate bis Neujahr und somit eindeutig zu lange, um seine Gesundheit weiter aufs Spiel zu setzen.

Das ist also keine wirkliche Option … oder eventuell doch?

Denn andererseits darf man den psychologischen Wert eines solchen »Neujahrstages« in Verbindung mit einem »Neulebensabschnittstag« nicht unterschätzen! Ich will schließlich auf gar keinen Fall den Erfolg meiner Gewichtsabnahme leichtfertig aufs Spiel setzen, indem ich »mal eben so«, aus einer Laune heraus, an irgendeinem nichtssagenden Montag in irgendeinem zufälligen Monat mit dem Abnehmen anfange. Ich will mich schließlich in einigen Jahren in meinem athletischen, perfekten und überaus fitten Körper nach einem für mich höchst erfrischenden Vierstunden-Sportevent entspannt zurücklehnen und sagen können: »Natürlich weiß ich noch genau, wann mein neues Leben begann, wie könnte ich das je vergessen: Es war schließlich der 01.01.XXXX – da habe ich damals beschlossen, mein Leben grundlegend zu ändern. Dieser historische erste Januartag war der Beginn meines neuen Lebens. Ich bin fit und gesund dank dieses legendären Neujahrstages.«

Mal ganz ehrlich: Das klingt doch nun wirklich viel besser als: »Ich weiß nicht mehr genau, wann ich angefangen hatte … aber ich glaube, es war Montag, der 16. September anno … ach irgendwann … warte mal, war das nicht ’n Mittwoch oder so?« Vermutlich ist es dem Erfolg der ganzen Diät absolut abträglich, wenn man keinen wirklichen Wendepunkt mehr identifizieren kann: »Wann genau ich angefangen habe, keine Schokolade mehr zu essen? Keine Ahnung, war das nicht irgendwann Anfang oder Mitte September? Keinen blassen Schimmer, wann genau, ach, was soll’s, ess ich eben noch ein Täfelchen, ich kann ja morgen damit weitermachen … oder doch erst nächsten Montag!«

Entscheidend ist, dass man sich Ziele setzt, die auch psychologisch Sinn machen. Zeitmarken, auf die man sich jederzeit gut und gerne besinnt. Der »01.01.« eines Jahres ist dafür schlicht und ergreifend perfekt geeignet. Wie alle »Ersten« gibt es eben pro Jahr auch wirklich immer nur EINEN Neujahrstag. The one and only. Es ist wie bei der Landung auf dem Mond, wie bei der WM oder einem Autorennen: Wer erinnert sich schon noch, wer der Zweite, Fünfte oder Siebzehnte war – niemand, aber den Ersten, den vergisst man so schnell nicht. Also, ich finde, das sollte ich mir schon wert sein, so einen Ersten, erst recht bei so einem wichtigen Thema.

Das wäre damit dann wohl geklärt. Nach Sylvester purzeln dann die Kilos. YES!!!!!

Na ja, das ist ja auch schon recht bald. Keine drei Monate mehr bis Tag Zero. Knapp zwölf Wochen noch, dann geht’s los! Dann wird abgenommen, dass sich die Balken biegen. Da fallen die Pfunde, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Was für ein wichtiger Schritt. Der Countdown läuft. Jetzt gibt’s kein Zurück mehr. Die Uhr tickt! TSCHAKKA!!!! Nicht mehr lang, und es rockt!!!!!!!!!

Nutze ich also die letzten mir noch verbleibenden Tage, um das Leben wenigstens noch ein klein wenig zu genießen. Das wird ja schließlich hart genug im nächsten Jahr, da muss man sich ja erst mal noch was gönnen dürfen.

Ein bisschen Schlemmerei wird da ja wohl erlaubt sein, bevor ich dann am 01.01. des kommenden Jahres den Verlockungen des Lebens konsequent und endgültig entsage.

Sozusagen noch einmal richtig Schwung holen vor der anstrengenden Berganfahrt der harten Entsagungen, noch einmal kulinarisch richtig zuschlagen, aber mit ganz und gar gutem Gewissen, denn: Das hole ich ja alles ab dem Ersten wieder raus. Pizzaparadies, ich komme …

Praxistipp Nr.1:

Ich habe bezüglich dieser Datumstricksereien und Neujahrsvorsätze quasi den Heiligen Gral entdeckt. Die ultimative Methode, nicht doch wieder wenige Tage nach Ablauf der eigentlichen Deadline als rückgratloses, undiszipliniertes Arschloch dazustehen: Seit dem Millenniumwechsel im Jahr 2000 habe ich beschlossen, nur noch volle Tausender als epochale Lebenswandelstartpunkte gelten zu lassen. Mein nächstes Endziel für den Beginn der ultimativ erfolgreichen Diät lautet konsequenterweise also: 01.01.3000. Bis dahin werde ich jegliche psychologische Effekthascherei mittels »besonderer« Datumskonstellationen einfach komplett ignorieren.

Kapitel 4

Mein innerer Schweinehund

In meinem Leben gab es bislang unendlich viele solcher »Wendepunkte«, unzählig viele »Jetzt« und »Heute« und sicherlich einige hundert dieser speziellen »Montage« – darunter auch wirklich vielversprechende Monatsanfänge. Ja, es gab sogar schon diverse hoffnungsvolle Jahresanfänge mit dieser ach so bedeutenden Lebensveränderung – nur eins haben sie alle gemeinsam: Genutzt haben sie nix. Ich wiege immer noch viel zu viel, genauer gesagt, sogar mehr als jemals zuvor. Dabei ist es nicht so, dass es nicht wirklich Tage gab (und gibt), an denen ich ernsthaft und konsequent weniger esse oder auf Süßes verzichte – nur ganz offenbar nie so ernsthaft und konsequent, dass es sich dauerhaft auf mein reales Bruttogewicht niederschlagen würde.

Ich habe ihn also bis heute nicht im Griff, meinen inneren Schweinehund. Im Gegenteil: Er treibt mich durch die Gassen, und macht mir das Leben – oder besser: jedes Schnitzel – zur Hölle. Dieses Scheißvieh hockt irgendwo in mir (vermutlich hat es sich in meiner Plauze so richtig gemütlich gemacht – Platz ist ja genügend da!) und torpediert bisher beneidenswert erfolgreich jeden Versuch der Gewichtsreduktion.

Ich bin der – zurückhaltend formuliert – »eher rundliche Typ«, seit ich denken kann. Meine Mutter erzählt immer wieder gerne die Geschichte, wie ich mit zwei Jahren aufgrund eines Autounfalls im Krankenhaus gelandet bin. Und weil ich so unfassbar süß gewesen sein soll, haben mich ALLE Schwestern der Station wahnsinnig gerne gemocht, was – so die Legende – dazu geführt hat, dass ich nicht ein- bis zweimal, sondern ungefähr achtzehn bis siebenundzwanzig Mal am Tag gefüttert worden bin. Kein Wunder also, dass ich mit reichlich Kinderspeck nach Hause bin!

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Auch wenn diese Geschichte wirklich herzallerliebst ist und ich nur zu gerne der Vorstellung huldigen würde, dass ich als Kind so dermaßen überdurchschnittlich knuffig gewesen bin, dass die Schwestern des Krankenhauses genau deswegen so unendlich viel Brei in mich reingelöffelt haben und damit für mein Übergewicht verantwortlich sind – ich kann das aus zwei Gründen nicht glauben. Zum Ersten, weil mir sowohl mein prä- als auch das spätere postpubertäre Leben recht schnell und äußerst erfolgreich die Illusion raubte, ich sei ein außergewöhnlich attraktives Männchen der Gattung Mensch. Eher würde ich sogar sagen, dass meine Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht eher durchschnittlich war, wobei ich da explizit auch Krankenschwestern mit einbeziehen kann. Aus Erfahrung kann ich jedenfalls zweifelsfrei versichern: »Don Juan« geht anders, und deshalb habe ich es mir schon lange eingestanden: Die Geschichte meiner Mutter ist eine schöne, mich vollständig entlastende Mär, aber mit Sicherheit nicht der Grund meines Übergewichtes.

Kapitel 5

Meine Waage und ich

Es ist ja nicht so, dass ich nicht abnehme – aber blöderweise ist meine Waage grundsätzlich anderer Meinung. Lange Zeit war ich davon überzeugt, dass meine Waage als emotionsloses technisches Gerät mein Gewicht vorurteilsfrei und physikalisch korrekt misst, aber die mir angezeigten Zahlen lassen mich jeden Tag aufs Neue daran zweifeln. Wenn dieses Mistding von Messgerät tatsächlich völlig ohne Hintergedanken mein Gewicht anzeigen würde, dann müsste es – zum Teufel noch mal – doch zumindest gelegentlich etwas näher an meinem gefühlten Gewicht dran sein. Aber dem ist nicht so.

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Egal, wie leicht ich mich auch fühle, wie hungrig oder ausgemergelt ich auf die Waage steige, dieses verlogene Folterinstrument erfindet Tag für Tag aufs Neue spektakuläre Höchstmarken, die mich – wenn sie denn wirklich stimmen würden – in eine ernste Krise stürzen würden. Aber wie gesagt: Das Ding ist mit Sicherheit alles andere als neutral.

Und wissen Sie was? Ich kann die Waage auch verstehen. Ich wäre auch verdammt schlecht gelaunt, wenn sich irgendein Möchtegernleichtgewicht noch vor dem Duschen auf mich quälen würde. (Nach dem Duschen ist schlecht, weil das Wasser in den Haaren und am Körper das tatsächliche Gewicht geradezu ins Unermessliche nach oben treibt!) Wie kann ich der Waage also ernsthaft böse sein, wenn sie in der Regel zwischen zwei und vier Kilo hinzulügt, einfach nur, um mir eins auszuwischen? Richtig: Ich bin es nicht. Ich bin tolerant, ich bin fair, und: Ich bin ihr nicht böse. Ich weiß eben einfach, dass das so ist, und ziehe den entsprechenden Betrag selbstredend vom angezeigten Gewicht ab, und habe so – tataaaaa: mein tatsächliches Gewicht.

In den letzten Jahren ist mir allerdings aufgefallen, dass meine Waage vermutlich meinen kleinen Trick durchschaut hat und offenbar das eine oder andere Pfund zusätzlich anzeigt, nur weil sie weiß, dass ich weiß, dass sie mich nur ärgern will. Da ich aber weiß, dass sie weiß, dass ich weiß, dass sie das tut, muss ich einfach statt wie bisher zwischen zwei und vier nun um die acht bis zehn Kilo abziehen, und habe: Ta-ta-tataaaaaaa: erneut und ausgesprochen präzise errechnet mein tatsächliches Gewicht. Somit kann ich erhobenen Hauptes verkünden, dass ich mein Gewicht in den letzten Jahren perfekt gehalten habe, eine Leistung, auf die ich selbstverständlich sehr stolz bin.

Trotz dieses hart erkämpften Erfolges ist natürlich sonnenklar: Gewichtsverlust wäre nach wie vor das Maß aller Dinge und würde das Verhältnis zwischen mir und meiner Waage sicherlich in eine neue Dimension unserer Waage-Mensch-Beziehung katapultieren. Allerdings muss ich gestehen, dass das tatsächliche physikalische Eigengewicht immer nur ein Teil der Wahrheit ist – viel wichtiger ist doch gelegentlich, was die verdammte Waage einem anzeigt, und das – so habe ich herausgefunden – kann man sehr wohl beeinflussen. Denn Wiegen ist nicht gleich Wiegen.

Mein Praxistipp Nr.2:

Verzichten Sie auf die Waage zu steigen, wenn Ihnen das Ergebnis den ganzen Tag versauen könnte – es ist es einfach nicht wert. Betreten Sie die Plattform der Wahrheit nur, wenn Sie a) absolut sicher sind, dass das Ergebnis mit Ihren Erwartungen übereinstimmt, oder: b) das Gefühl haben, dass Ihnen nichts, aber wirklich gar nichts die Laune verderben kann.

Kapitel 6

Die Kunst des Wiegens

Im Laufe der Zeit habe ich mit diversen Stellungen auf der Waage experimentiert und festgestellt, dass einige Positionen, die entfernt an das Kamasutra erinnern, mich mit durchaus signifikant geringeren Anzeigewerten belohnen. Natürlich hat jeder Übergewichtige schon einmal versucht, sein Gewicht auf der Waage eher auf die Zehenspitzen oder auf die Fußballen zu verlagern und dabei freudig zur Kenntnis genommen, dass man sich mit derart einfach durchzuführender Akrobatik durchaus den Tag mit einem um einige Pfunde geringeren Anzeigewert versüßen kann. Das einfache, nach vorne oder nach hinten verlagerte Wippen habe ich allerdings im Laufe der Zeit so weit perfektioniert, dass ich mein angezeigtes Gewicht inzwischen weitestgehend frei bestimmen und mir somit allzu frustrierende Morgenerlebnisse ersparen kann.

Natürlich ist es dafür nötig, sich auf der Waage in Stellungen zu positionieren, die jeden Tai-Chi-Profi vor Neid erblassen lassen würden. Die Position »Kleiner Bär im Sonnentau« zum Beispiel ermöglicht eine Anzeigenreduzierung um satte sechs Kilo, wobei sie noch vergleichsweise einfach einzunehmen ist. Anders verhält es sich bei der Figur »Singende Heuschrecke im Kelch der weißen Bambusblüte«: Hier ist schon eine ausgeprägte Konzentrationsphase und eine nahezu perfekte Körperbeherrschung nötig.

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Der Lohn der Akrobatik sind bis zu satte zwanzig Kilo geringere Anzeigewerte, wenngleich in der – nicht gerade komplikationsfreien – Heuschreckenstellung der eigene Hintern die freie Sicht auf das Anzeigefeld deutlich einschränkt oder sogar gänzlich verwehrt. Darüber hinaus ist diese Stellung auch wenig bandscheibenfreundlich, und man muss abwägen, ob die stechenden Rückenschmerzen über den gesamten Tag den kurzen freudigen Moment einer solchen Gewichtsreduzierung wert sind. Selbstverständlich weiß ich, dass ich mit dem Verlagern des Gewichts lediglich die Anzeige foppen kann und nicht wirklich weniger wiege – aber wer den Tag statt mit der horrenden Zahl seines tatsächlichen Gewichtes vor Augen mit einer deutlich wohlwollenderen beginnen kann, der geht eben einfach weniger deprimiert an den Start – und das wollen wir doch alle, ganz gleich in welcher Gewichtsklasse man gerade turnt.

Aber natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, um die Anzeige der Waage gnädig zu stimmen, und es ist geradezu unglaublich, mit welch simplen Mitteln der Gang zur Waage weniger beängstigend sein kann. Ich habe z.B. eine Zeit lang überlegt, ob ich nicht lieber den Bart abrasieren soll, denn Barthaare sind meines Erachtens überdurchschnittlich schwer. Das hört sich jetzt ein wenig übertrieben an, aber die Waage ist ja bei jedem verdammten jemals gegessenen Weihnachtskeks auch ausgesprochen pingelig – warum zum Teufel sollte das also nicht auch andersherum gelten?

Auch eine Ganzkörperenthaarung kam mir schon in den Sinn, nach einer kurzen Testreihe im dichten Dickicht meines Brustbereichs kam ich allerdings schnell zu der Erkenntnis, dass der Schmerz einer wachsbasierten Körperenthaarung in keinem Verhältnis zu der zu erwartenden Gewichtsreduzierung steht. Wie oben schon erwähnt, ist der ideale Wiegezeitpunkt der Moment nach dem Klogang, aber unbedingt vor dem Duschen. Nach dem Klo dürfte selbsterklärend sein, das »vor dem Duschen« resultiert aus der unglaublichen Menge Wasser, die sich auch nach dem Abtrocknen noch am Körper befindet. Dieser leichte Feuchtigkeitsfilm, in Verbindung mit den noch nassen Haaren, kann sich schnell zu einem zweistelligen Kilobetrag summieren, vor allem, wenn man weiß, dass die Waage aufgrund der duschnassen Füße noch einmal besonders garstig einige Kilos draufpackt. Aber wie man sich auch dreht und wendet: Irgendwann ist man bereit für den Anfang vielfältigen Leids: Man zwingt sich zum entscheidenden Schritt und beginnt die erste eigene Diät.

Mein Praxistipp Nr.3:

Eigentlich stand an dieser Stelle ein warnender Praxistipp: Dass auch die akrobatischste Verrenkung auf der Waage natürlich keinen tatsächlichen Gewichtsverlust bedeutet. Mit anderen Worten: Sie wiegen mit der »Kleiner Bär im Morgentau«-Stellung genauso viel wie ohne, aber wissen Sie was? Machen Sie es trotzdem. Turnen Sie auf dem digitalen Brettchen der Frustration notfalls einen kompletten Leichtathletikwettbewerb – denn, verdammt noch mal, es sieht lustig aus und macht auch Spaß. Und auch wenn dadurch nicht die Kilos purzeln, dann wird man so wenigstens die triste Wiegestimmung los, und wenn Sie es dann noch schaffen, ein Selfie von sich zu verbreiten, sind Sie der Held aller waagemutigen Schwergewichte.

Kapitel 7

Die Diätklassiker

Ich habe sie wirklich alle gehabt, die Diäten! Und wer weiß, wie viele dieser total genialen 100-Prozent-Garantie-weiß-der-Sittich-was-Versprechen jede Woche aufs Neue durch Dickifettiland schwappen, der wird nun ehrfurchtsvoll auf die Knie sinken und gemeinsam mit mir bis zum Ende seiner Tage der heiligen Kalorie huldigen. An einige Diäten erinnere ich mich durchaus mit einer gewissen Wehmut, andere hingegen haben tiefe seelische Spuren hinterlassen – oder auch mal einen wunden Hintern, wie die …

Wundersuppendiät

Die so genannte »Wundersuppe« war zum Beispiel so ein Kandidat, der sich tief in meine Seele und noch ein bisschen tiefer in meine Pobacken eingegraben hat. Anfang der Achtziger geisterte diese Diätwunderwaffe zum ersten Mal durch die Society-Blättchen und landete damit unweigerlich auch auf dem Nachttischchen meiner Mutter – mit der Folge, dass auch ich in den fragwürdigen Genuss dieser Zauberbrühe kommen sollte. Der Deal schien eigentlich ganz einfach: Man sollte nur wie ein Bekloppter Kohlsuppe in sich reinlöffeln und würde dann mit – Ihr ahnt es schon – gewaltigen Gewichstverlusten belohnt werden. Der Trick dahinter sei, dass der Körper mehr Energie beim Verwerten der Suppe benötige, als man ihm beim Auslöffeln zuführt.

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Das hörte sich grundsätzlich ganz brauchbar an. Gerade für einen der Logik zugeneigten Realisten wie mich waren derlei mit mathematischer Schärfe formulierte Argumente immer ein guter Weg, um mir eine neue Diät schmackhaft zu machen. Wobei »schmackhaft« hier nur sehr begrenzt zutrifft: Die Vorstellung, sich wochenlang nur eine Suppe reinzulöffeln, die vorwiegend aus Kohl, Wurzeln und Brokkoli besteht, jagt einem ausgewiesenen Genussmenschen wie mir noch heute kalte Schauer über den Rücken, doch wenn sich die Schauer tatsächlich nur auf den Rücken beschränkt hätten, wäre das sogar noch okay gewesen. Aber die Wahrheit ist: Dem ahnungslosen und heillos überforderten Darmtrakt eines durchschnittlichen humanoiden Grillfleischliebhabers jagt eine derartige mehrtägige Kohlsuppenkur nicht nur kalte Schauer über den Rücken, sondern leider auch die Suppe gleich wieder aus dem Hintern hinaus …

Ich will an dieser Stelle gar nicht näher unschön ins Detail gehen, aber Fakt ist, dass die tagelange Beschränkung auf blähfreudiges Suppengrün eine – sagen wir mal – recht irritierende und überaus fatale Wirkung auf meinen Verdauungstrakt hatte. Ich habe gelitten wie ein Hund, obwohl es aus kalorischer Sicht durchaus Sinn machte, denn die hektischen Sprints zur nächstgelegenen Toilette hatten unter Garantie einen enormen Brennwert. Fairerweise muss ich einräumen, dass die Dünnpfiff-Phase nicht allein auf die Suppe zurückzuführen war, möglicherweise hatte ein gut abgehangenes Fischbrötchen am letzten Tag vor der Suppenkur auch einen gewissen Einfluss auf den Ausfluss. Im Zweifel also für den Angeklagten, respektive die Suppe, aber hängen geblieben bei meinen aufreibenden Klositzungen ist – wenn ich das in der Situation mal so formulieren darf –, dass es sich bei dem Rezept um eine wirklich beschissene Suppe handelte – und das meine ich in diesem Falle sogar wörtlich.

Weight Watchers

Zunächst einmal meinen tief empfundenen Respekt für die Namensgebung dieser Diät. Der geistige Vater dieser »ausgefallenen Alliteration« arbeitet heute vermutlich für »Bauer sucht Frau«, wo er lebenslustige Landwirte, fröhlich freche Feldherren mit buschikos barbusigen Blondinen oder renitenten rothaarigen Rentnerinnen verkuppelt. Zur Auswahl standen bei der Namenswahl neben »den Gewichtsbeobachtern« vermutlich noch »Crumpy Calorie Counter«, »Fat Freedom Fighter« oder »Big Busty Bullshit Boomer«. Bei »Fat Freedom Fighter« wäre ich eventuell mal schwach geworden, aber bei Weight Watchers bin ich definitiv raus. Das liegt im Wesentlichen aber auch an meiner grundsätzlichen Aversion gegenüber Punktesystemen aller Art. In Flensburg habe ich bereits einen staatlich verordneten Sammelordner bunter Punkte, und ich kann Ihnen versprechen: Damit ist mein Bedarf an Punkten definitiv vollständig gedeckt.

An jeder Supermarktkasse will man mir aber irgendwelche Treuepunkte aufschwatzen, um mir dann nach etlichen Monaten erfolgter Sammelei ein vollkommen sinnloses und beknacktes Pfannenset mit einem fünfzehnprozentigen Preisnachlass anzudrehen – wenn das der Dank für Einkaufstreue ist, dann frage ich mich, in welcher Form gänzlich untreue Kunden malträtiert werden.

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