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Peru Tag & Nacht

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© 2016 Dirk Viessmann

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback: 978-3-7345-8179-3
Hardcover: 978-3-7345-8180-9
e-Book: 978-3-7345-8181-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort

Dieses Buch schreibe ich für all diejenigen Wenigen, die der Meinung sind, es sei eine gute Idee, einmal in meinen verkorksten Schädel zu schauen (…Tachchen Marion…) und für ein paar Andere.

Das Geschilderte klingt vielleicht manchmal etwas übertrieben und unwirklich, … und ja, genau das war es auch!

Peru und Bolivien Sommer 2000.

Kapitel

Die Ankunft

Lima

Die Oase

Nasca

Im Bus nach Arequipa

Arequipa, die Weiße

Altiplano und Chivay

Cruz del Condor

Der Geschmack von Taschenlampe

Schönes kaltes Puno

Titicaca

La Paz / Bolivien

Zurück nach Puno

Zugfahrt nach Cuzco

Ankunft in Cuzco

Der Nabel der Welt

Wir müssen hier raus!

Machu Picchu

Immer noch Cuzco

Auf in den Urwald

Unsere schöne Urwald - Lodge

Warum Regenwald!

Willie

Ausgewiesen?

Da

Alles auf Anfang

Nachwort

Kapitel 1

Die Ankunft

Nach gut 22 Stunden in der Luft, nur unterbrochen durch langweiliges und unbequemes Hämorrhoidenquetschen auf viel zu glatten Flughafenschalensitzen während den Zwischenlandungen, spuckte uns das Leben um cirka halb sieben Ortszeit in die schmutzige und brodelnde ’schön dass sie da sind, wir haben jedoch im Moment leider keine Zeit zauberhaft zu sein’- Stimmung des Jorge Chávez International-Airport von Lima. Hurra!

O.k. kein Problem damit. Willkommen in der Zwischenwelt.

Alle Gänge und Räume waren voll, staubig, laut und alles war natürlich eine endlos ausgedehnte Nichtraucherzone. Ist ja auch viel gesünder. Und doch wird es sich mir wahrscheinlich nie erschließen, warum man zum damaligen Zeitpunkt auf Inlands- und Kurzstreckenflügen wie nach Malle, also Rein-Rauf-Runter-Raus, auf denen man doch bequem verzichten könnte, dem Tabak wie Momos graue Männer frönen durfte, als wenn es kein Morgen gäbe. Auf langen Interkontinentalstrecken, inklusive den Nervenzehrenden Aufenthalten in innenarchitektonisch -böse aufs Auge gehenden-Transiträumen, jedoch nicht. Welch perverses Vergnügen muss es doch all diesen Körner knabbernden, mit Faktor 35 vor der Sonne geschützten, ‚Men’s Health’ lesenden und veganen Hintenanschnallern, ja einfach in jeder Beziehung einzigartig vollkommenen und vorbildlichen Nichtraucher(inne)n bereiten, uns dabei zu beobachten, wie wir langsam, na ja, verrückt werden eben.

Na hallo, schau doch mal einer an, was sich da für eine Aggression anstaut! Ist ja auch kein Wunder, verdingt man sich die Zeit im Flieger doch ausschließlich mit Dingen, die förmlich nach einer Zigarette schreien.

Eine Zeitung lesen, oder ein gutes Buch. - piff paff –

Backgammon spielen oder ein Kreuzworträtsel lösen. - saug hechel lechts –

Nach dem Essen – sabber - oder jedes Mal, wenn die Stewardess vorbei geht und fragt : “jemand noch Kaffee?“…. „Ja ich, bitte, und den Aschenbe… scheiße, äh schade,… ich meine … NEIN DANKE!“

Eine echte Tortur!

Zur Krönung lief so cirka einmal pro Stunde ein völlig Gestörter aus der Business Class mit einem immer kürzer werdenden Kippenstummel unter seinem nikotinverfärbten Schnauzer den Gang auf und ab und hätte mich so schon unter anderen Bedingungen total kirre gemacht. “Noch Kaffee?“ “Ja danke, und äh . . . Hm, ach nee, lass mal!“

Aber jetzt waren wir wenigstens schon einmal angekommen. Ein fahles Licht am Ende des Sucht-Tunnels. Währenddessen wir auf unser Gepäck warteten, was sich mal wieder etwas in die Länge zog, pfiff ich dann auf alle Verbote und schob mir endlich eine Piepe unter die Nase und atmete erst einmal tief durch. Ja..., angekommen.

Ich muss zugeben, das war ein schon fast pubertäres Erlebnis. Die erste Zigarette. Mir wurde leicht schwindlig und ich hatte Probleme, meinen Darm unter Kontrolle zu bekommen.

Die Nächste schmeckte dann aber auch schon wieder und nach zwei Weiteren hatte sich auch meine Peristaltik wieder beruhigt. Soweit, so gut.

Das einzige Problem war jetzt nur, dass meine Nikotinstängel langsam zur Neige gingen, denn nach einer bis jetzt wirklich angemessenen Zeitspanne waren wir nun aber mittlerweile die einzigen aus unserem Flieger, die noch auf ihr Gepäck warteten.

Alle großen und kleinen Schalenkoffer, Rucksäcke, hamsterkäfigähnliche Schminkköfferchen und Taschen, ja selbst dieses große braune Ding, welches irgendwie eher an eine Rinderhälfte als an ein Gepäckstück erinnerte, hatten mittlerweile ihren Besitzer gefunden.

Nur unser Zeug war nicht da! War ja klar. Irgendwie bin es immer ich, dem so etwas passiert, aber ich habe irgendwann einfach aufgehört mich zu fragen warum, nur um mich danach immer wieder schlecht zu fühlen. So ist es eben, und so wird es, wenn es das Schicksal irgend einrichten kann, wohl auch immer sein. Deshalb habe ich es im Übrigen auch nie eilig, aus einem Flugzeug auszusteigen. Dinge nehmen sich einfach ihre Zeit!

Bis jetzt hatte sich die Angst um meine Klamotten sowieso immer als unbegründet erwiesen. So dann glücklicherweise auch dieses Mal. Aus dem selben unerfindlichen Grund, aus dem unser Zeug nicht zusammen mit den anderen ihre Runden auf dem Förderband gedreht hatte, erschiene es nach ungefähr einer Stunde wie von Geisterhand, wurden von der Kofferrosette ausgefurzt und wackelten uns entgegen. Aus Trotz ließen wir sie noch zwei Runden drehen.

Die im Transit eingekehrte Ruhe fand beim Betreten der Haupthalle ein jähes Ende. Hunderte von Peruanern wollten abrupt unsere Amigos werden und unser Gepäck an sich reißen. Ich wusste bloß eins. So hilflos wie wir waren wollte ich deren Hilfe jetzt nicht! Jetzt bloß nicht kopflos handeln. Es taten sich beängstigende Parallelen zu meinem Urlaub in Tansania auf.

Die Erfahrung hatte mich aber auch gelehrt, dass man erst seine Ruhe vor diesen „Geiern“ hatte, wenn man sich in die Fänge von einem von ihnen begibt. Also versuchte ich eine Person in der Menge auszumachen, bei der die Dollarzeichen in den Augen nicht so offensichtlich zu lodern schienen. Mein Blick fiel auf eine Frau mittleren Alters in der 4 - 5 Reihe. Sie stand locker gegen eine Säule gelehnt und erweckte in mir so einen eher desinteressierten oder zumindest entspannteren Eindruck. Ich schaute sie mit fragendem Blick an und sie nickte uns gelassen zu. Treffer! Nach Austauschen der üblichen Freundlichkeiten und des ’Woher - Wohin’ gingen wir gemeinsam zur Straße vor dem Terminal, wo sie für uns einen guten oder auch schlechten Taxipreis aushandelte. Dann gab sie uns ihre Visitenkarte und ein “Hasta luego” mit auf den Weg. Dann war sie verschwunden. Das war einfacher als gedacht.

Im bereits von zuhause gebuchten Hotel Palace angekommen, wunderten wir uns beim ‚Check In’ so ganz nebenbei, dass anscheinend keines der Zimmer mit Fenstern zur Straßenseite ausgestattet war. Wir nahmen dies aber erst einmal achselzuckend hin. Noch einen Snack und Tee zu uns nehmend, schickten wir anschließend die vergangenen 27 Stunden unter Krämpfen per Knopfdruck mit dem Wasserexpress durch die Unterwelt Limas ans Meer und schleppten uns ins Bett. Es dauerte auch nicht lange und schon waren wir beide unterwegs.

Meine Träume waren von extremem trockener Natur, soll heißen, von Hitze, Staub und dem Wunsch zu schwimmen beherrscht. Wahrscheinlich wegen der trockenen Luft im Flieger.

>> Sand,... überall Sand und Flaschen,... leere Flaschen. Süßlich klebrige und sandige Kinderhände, welche mir, warum auch immer, im Mund rumspielen.Und noch mehr leere, staubige Flaschen. Flaschen und Buddelformen. Warum eigentlich Buttelformen? ... hmm,... Außerdem noch ein kaputtes Auto und viele kleine, haarige fretchenähnliche Wesen mit Zigaretten in den Mäulern, die hektisch hin und her wuselten und irgendwie über mich zu lachen schienen. <<

Ich glaube, ich war in dieser Nacht nahe daran, zu verdursten.

Kapitel 2

Lima

Unser erster Morgen in Peru barg die Hoffnung auf einen wunderschönen Tag. Gut gelaunt und frisch geduscht gingen wir ins Restaurant. Das Frühstück im Hotel offenbarte unseren Aufenthalt im Haus der sechseinhalb Köstlichkeiten. Eine Auswahl derer wurde uns nun auf einem ach zu kleinen Teller serviert. Was taten wir uns genüsslich daran. Wir aßen sehr, sehr langsam, um in uns den Anschein eines üppigen Mahls zu erwecken. Als Dessert ereilte uns dann die Erkenntnis, dass ‘Hasta luego’, also ‘bis später‘, nicht nur ‘Tschüß’ im Sinne von “macht’s gut”, “grüß schön” oder “winke winke” heißt, sondern in der Tat wörtlich zu verstehen ist. Da stand sie also, lächelnd an unserem Tisch. “Hola” grins grins! Die gute Fee vom Flughafen.

Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass ich es wirklich honoriere, dass sie uns die Nacht über in Ruhe ließ und wirklich erst am nächsten Morgen bei uns auftauchte, um ihrem Business nachzugehen. Manch anderer dieser Vermittler wäre gestern gleich zu uns ins Taxi gestiegen und hätte uns sicher die ganze Fahrt über belatschert. Aber jetzt in diesem Augenblick fühlte ich mich von ihr trotzdem völlig überrumpelt.

Sofort drangen wieder Parallelen aus Tansania in mein Gedächtnis, wo ich einige Typen erst nach bösen, also wirklich wirklich bösen Beschimpfungen und Titulierungen und sogar Handgreiflichkeiten wieder losgeworden bin. Worte, welche man in Afrika als Weißer nicht benutzen sollte! … Ja, der ansonsten bei allen bekannte ‚Multi-Kulti Dirk’ musste sich danach den Mund mit Seife auswaschen. Ich meine, klar ist, dass wir in den Augen der Bevölkerung vieler ‚Dritter Welt-Länder’ wie Tansania allesamt reich sind, allein nur aus dem Umstand heraus, dass wir dort sind und viele von Denen es wohl niemals aus eigener Kraft nach Europa schaffen werden. Und ja, sicherlich wollen und sollen sie auch an unserer Anwesenheit verdienen und ihrem Business nachgehen können. Trotzdem gibt es auch für mich dabei Grenzen, welche ich damals leider nur durch mein, ich nenne es mal freundlich „Sehr direktes Verhalten“ wahren konnte.

Die gute Frau hier schaffte es jedoch durch ihre ruhige und nette Art, mir den Argwohn gleich wieder zu nehmen. Ihr Interesse galt zunächst unserem Befinden und ob wir die Nacht gut verbracht hätten u.s.w., bevor sie dann langsam zur Sache kam.

Sie bot uns an, sie zum Büro ihrer Reiseagentur, INKA WASI, zu begleiten, wo wir die Möglichkeit hätten, uns eine individuelle Reiseroute zusammenstellen zu lassen. In aller Ruhe und ohne jede Verpflichtung. Auch gab sie uns zu verstehen, dass sie durchaus Verständnis dafür habe, dass wir ihr und einer fremden Agentur ein gewisses Maß an Misstrauen entgegen brächten, legte uns aber glaubhaft dar, dass dieses Vorgehen aufgrund der jetzigen Hauptsaison für uns nur von Vorteil wäre. Wir fühlten uns bei ihr eigentlich in guten Händen und traten somit immer noch hungrig die Fahrt ins Büro an. Sie zahlte das Taxi!!! Bei INKA WASI angekommen, planten wir nun also mit ihrem Kollegen die Route für die nächsten knapp vier Wochen, handelten noch ein wenig um den Preis und buchten dann für 1.200,00 US $ p.P. alle Hotels, Bus- und Bahnfahrten, Touren, Flüge und sämtliche Transfers im Voraus. Das war in etwa die Summe, welche ich auch veranschlagt hatte. Mir war bei dieser Buchungsaktion ziemlich unabenteuerlich zumute, da ich ja eigentlich vorhatte, alles auf eigene Faust zu organisieren. Rein in den Matsch und sehen wie man vorwärts kommt. Das aber wiederum löste bei Mone von Anfang an ein ungutes Gefühl aus. Also, um ihr die Angst zu nehmen, wählten wir eben diese Option. Im Nachhinein muss ich eingestehen, dass es so wohl auch das Beste war, da viele Touren wirklich sehr ausgebucht waren und sich der Urlaub noch als kompliziert genug erweisen sollte.

Nach Abschluss des Deals sprachen wir noch über unseren Wunsch, unseren Rückflug sieben Tage vorzuverlegen, um den regulären, mehrstündigen Zwischenaufenthalt auf Aruba auf eine Woche auszudehnen. Dort sollte dann der Mann aus dem Meer auf seine Kosten kommen. Mit meiner Nixe noch einen ordentlichen Bade - und Schnorchelurlaub verleben, um dann völlig entspannt in die Heimat zurückzukehren. So war der Plan. Leider erfuhren wir von der Zwischenlandung dort erst am Tage unseres Abflugs in Berlin, so dass wir es von dort aus nicht mehr umbuchen konnten.

Unser INKA WASI - Agent erwies sich aber auch hierbei als überaus hilfsbereit und erklärte, dass er das für uns schon regeln würde. Er gab uns noch die Nummer von KLM und meinte, wir müssten nur in zwei Tagen dort, oder bei ihm anrufen, um die neuen Abflugsdaten zu erfragen, dann passt das schon. Na das war ja wirklich mal einfach. Ich liebte das Leben. Frohen Mutes und voller Tatendrang stürzten wir uns ins Abenteuer.

Unsere Tour sollte uns noch am selben Abend nach Ica, in die Oase ‘Huaccachina’ führen. Ein paar Tage in der Sonne relaxen und so. Ein bisschen Sandborden und dabei den Coolen raushängen lassen. Doch zuvor wollten wir uns doch mal die Stadt anschauen, in die ‚UKW’ ihre Tina Anfang der 80er bei Schlechtwetter immer mitnehmen wollte.

- “... haben wir hier schlechtes Klima, fahren wir sofort ...“ und so weiter!

Wir ließen die Rucksäcke im Reisebüro und nahmen ein Taxi ins Zentrum. Das Erste, was uns hier auffiel, waren die Wolken. Jede Menge Wolken. Kleine und große, graue und schwarze, längliche und breite, aber auf jeden Fall fette, feuchtigkeitsschwangere Wolken. Kein Sonnenstrahl erhellte die prachtvollen Bauten der Spanier am Plaza del Armas, dem zentralen Platz der Stadt. Dafür wurde jedes Ding in dieser Stadt von einer Art Nebel, oder feinem Sprühregen eingehüllt. Die Temperaturen lagen um die 12°C und somit weit unter unseren Erwartungen. Mit anderen Worten, es war tierisch ungemütlich. Es herrschten hier in etwa dieselben Lichtverhältnisse wie an der Towerbridge, so Licht von der dunklen Sorte, wegen dem in mir wohl nie der Wunsch geboren werden wird, nach London zu reisen.

Jacques el Ripperos hätte hier garantiert gern seinen Sommerurlaub verlebt und ein bisschen gemeuchelt.

„Nun ja“ dachten wir, „heut Abend sind wir ja weg. Dann wird alles gut“.

Das Zweite auffällige war, dass es hier von Polizei nur so wimmelte und zwar in einer Konzentration, die ich nur aus Ost-Berlin der 80er Jahre kenne. So um die 25 bis zu den Zähnen bewaffneten Typen nur an diesem Platz hier. Mit Tau auf ihren Mützen, schusssicheren Westen und ziemlich grimmigen Gesichtern. Sollten wir uns jetzt eigentlich besonders sicher fühlen oder haben wir dadurch erst recht einen Grund, ein gewisses Unbehagen zu verspüren? Wir wussten es nicht und taten beides. Auf jeden Fall versuchten wir uns unauffällig zu verhalten. Wir setzten uns auf eine Bank, nachdem unser Vorrat an Tempos dabei draufging, diese erst einmal zu trocknen und betrachteten die Situation. Bei Sonnenschein wäre dies ein recht ansehnlicher Ort. Sehr aufgeräumt, großzügig angelegt. Die Pflanzungen erhielten eine gratis Dauerberieselung, somit prahlten sie in einem satten Grün. Sicherlich ein Platz, an dem, so dachten wir jedenfalls, regelmäßige große Festlichkeiten stattfanden.

Dann rief mich plötzlich wer, oder besser etwas. Es waren die langen Finger der Sucht, welche wieder in meinem Gehirn bohrten. Okay, Zigaretten raus und ab in den Mund, Feuerzeug in die Hand und ...halt, warte mal! Nun hat man ja schon so einige Geschichten gehört. Andere Länder, andere Sitten. In China z.B. spuckst du auf die Straße = kostet viel Geld. Im Iran zwinkerst du ´nem hübschen Kopftuch zu = ihre Brüder feiern mit dir Hochzeit oder das „andere“ Opferfest. In Indien killst du die Kobra, die dich im Tempel gebissen hat und die Priester schlagen dir den Schädel ein, noch bevor das Gift die Möglichkeit hat, dir die Sinne zu vernebeln. Den Wahrheitsgehalt dieser Weisheiten zu ergründen war ich in keinem der Fälle bereit, da ich ein mittelloser, speichelarmer und lebensfroher Typ in den besten Jahren war, darüber hinaus auch schon vergeben.

Nun, hier in Peru war es gerade so, dass ich nicht wusste, wie es mit dem Rauchen auf öffentlichen Plätzen ist. Also tat ich das, was ein guter Tourist mit Achtung vor den Bräuchen und Gesetzen des Landes, in dem er sich befindet, eben tut. Ich ging mit freundlichem Blick, aber leicht devoter Haltung, zu einer Zweiergruppe der Ordnungshüter und fragte in dem mir eigenen, stümperhaften Spanisch, ob es wohl erlaubt wäre, hier zu rauchen. Einer der Männer drehte sich zu mir, legte den Kopf leicht auf die Seite. Er sah mich mit einem Blick an, der in mir ernsthafte die Frage weckte, ob es wohl schon jemals vorgekommen sei, dass ein Reisender von einem peruanischen Beamten in den Kopf gebissen wurde. Ich wollte nicht der Erste sein, also lächelte ich leicht verlegen, legte den Kopf ebenfalls leicht zur Seite und, um eventuelle Missverständnisse auszuräumen, wiederholte ich meine Frage. Daraufhin sah er seinen Kollegen an und sagte irgendetwas, das sich in meinen Ohren eindeutig nach einer Beleidigung anhörte. Plötzlich griff dieser in eine seiner Taschen. Eventuell war das der Augenblick für mich, im Nebel zu verschwinden. Verpasst! Vielleicht war das Rauchen ja gar kein Problem, aber hatte ich mir eigentlich Gedanken darüber gemacht wie es darum steht die Miliz anzuquatschen? Eventuell war das ja ein absolutes No-Go. So wie die Jungs bewaffnet waren, hatten sie garantiert auch eine gute Nahkampfausbildung und in Anbetracht ihrer numerischen Übermacht dachte ich nur noch so bei mir: „Hoffentlich tut's nicht so weh“. Mein Lächeln verschob sich langsam in Richtung nervöses Augenzucken. Gleich einem ungeschminkten Joker aus Gotham City, so in etwa muss ich in diesem Augenblick ausgesehen haben, stand ich da und wartete. Ich war jetzt auf so ziemlich alles gefasst, aber wirklich nicht auf das, was er mir dann mit einer ruckhaften Bewegung direkt unter die Nase schob. Ein niedliches kleines buntes Päckchen Streichhölzer. Mit einer Handbewegung wie ’kannst du behalten’ lächelte er mir für eine Sekunde zu, schaute dann durch mich hindurch und widmete sich wieder den wirklich wichtigen Dingen. Der Observierung der tropfenden Kirchen und Kathedralen.

Okay, ich hatte meine Antwort. Sie hieß: Ja!

Siegreich wie Kolumbus schlenderten wir noch einige Zeit durch die Gassen bis uns der Hunger irgendwann in ein KFC- ähnliches Schnellrestaurant trieb. Der richtige Ort, um uns am Fenster sitzend mit appetitlichen kleinen Hühnerbeinen zu vergnügen. Hühnerfleisch kann man überall gut und schmackhaft essen. Lecker! In ca. 3 Meter Entfernung schiss ein kleiner Junge vor unseren Augen mitten auf den Gehweg, wischte sich den Hintern, grinste uns an und zischte ab. Nicht lecker! Niemand außer uns hatte Notiz davon genommen.

Selbstverständlich war das Rauchen auf öffentlichen Plätzen hier erlaubt!!

Kurze Zeit später hatte der leichte Nieselregen die Stadt genügend vorbereitet und es fing richtig an zu plattern. Ich dachte beim Verlassen des Hühnergrills noch kurz an die Kinderwurst und achtete beim Laufen sehr penibel darauf, dass uns nichts Derartiges entgegen schwamm. Irgendwie hatte ich sehr schnell das Interesse an Lima verloren. Hey, ich achte die Sitten, oder auch manchmal das Fehlen Derselben, aber wir waren nicht dementsprechend ausgerüstet. Wir wollten einfach nur noch weg von hier und freuten uns auf die Oase. Und auf Sonne. Und auf Wärme.

Zurück in der Agentur wurden wir sofort zum Busbahnhof gebracht. Dort wurden wir, nachdem wir unsere Rucksäcke eingecheckt und auf ein Förderband gelegt hatten, welches diese über mehrere Weichen direkt in unseren Bus beförderte, in die VIP Lounge gebracht. Brech! Es beschlich mich schon wieder dieses merkwürdige Gefühl. Hightech Förderbänder und VIP Lounge, … doppelbrech! Ich wollte eigentlich nicht wie Graf Koks durch die Anden flanieren. Genau das geschah aber jetzt. Hatte ich erwartet, mit Ziegen und Hühnern im Bus zu reisen, wurde ich jetzt total enttäuscht. Der Bus spottet jeder Beschreibung. Die Sitze in diesem Gefährt sind allemal besser als im Flieger und es wird Kaffee und Kuchen serviert. Oje, …ich habe mich schuldig gemacht, ich bin ein Snob. Ich lasse mir den Arsch durch Südamerika tragen. Wie auf roter Seide! Land und Leute unmittelbar erleben, dass war es, was ich eigentlich wollte. Mittelklasse, das hatte ich bei der Buchung gesagt. Einfache Mittelklasse. Keine Dreckslöcher, aber auch keine Extrawurst. Na ja, vielleicht ist mein Englisch doch nicht so gut, wie ich dachte. Meine Begleitung war auf jeden Fall sehr zufrieden mit der Situation und nach und nach hörte auch ich allmählich auf, mich zu ärgern. Ich musste eingestehen, dass diese Sitze durchaus eine angenehme Abwechslung für meinen strapazierten und eh viel zu dünn geratenen Gesäßmuskel waren. Am Abend trafen wir dann auch wie auf Watte gelagert und wohl behütet in der Oase ein. In der Eis-Oase. Ok, ok, die Temperaturen lagen nicht unter dem Gefrierpunkt, aber wer wird denn hier so kleinlich sein. Es war ARSCHKALT!

Im Hotel angekommen versicherten uns die Angestellten, dass morgen herrlicher Tag werden würde. Mit diesem Gedanken gingen wir in unser Zimmer, welches natürlich keine Heizung hatte, zogen uns AN und gingen zu Bett. Warum ich an Schneewittchen denken musste? Nun ja, eventuell weil das Bett kurz unterhalb meiner Kniekehlen seiner eigenen Existenz überdrüssig wurde und einfach aufhörte zu existieren. Dafür aber bot es in der Breite genügend Platz für 7 Halbwüchsige!

„wer hat in meinem Bettchen geschlafen“ Ich, und ich, und ich ….

Schräg und die Mittelritze im Kreuz spürend fiel ich in einen dunklen, traumlosen Schlaf.

Na wenigstens Das!

Kapitel 3

Die Oase

Der nächste Morgen hatte durchaus seine guten Seiten. In kluger Voraussicht, dass es nun gleich richtig warm werden würde, und diese Plätze mit Sicherheit sehr begehrt sein würden, erklärten wir nach unserer morgendlichen Toilette einen Tisch auf der Terrasse zu unserem Hauptquartier für die nächsten Stunden. Visavis zu den Palmen, welche vor den beige und ockerfarbenen Dünen ein Bild aus ‘Tausend und einer Nacht’ entstehen ließen. Und zum See, der das satte Grün der Palmen und Sträucher auffing und in die diesige und noch sonnenlose Luft der Oase zurückwarf. Ein malerischer Anblick.

Das Frühstück war diesmal wahrhaft üppig und es gab Kaffee und Tee soviel man nur wollte. Wir genossen dies in langen, tiefen Zügen und machten dabei allerlei Pläne für den Tag. Also nach dem Essen wollten wir uns erst einmal am Pool lang machen bis zum Mittag, schauen was die Küche an kulinarischen Leckereien zu bieten hat, dann ein bisschen über die Dünen kraxeln und gegen Abend in die Stadt, mit den Bewohnern auf Tuchfühlung gehen. Mittlerweile war auch ein zweiter Tisch auf der Terrasse besetzt. Schöne alte Tische und Stühle, schweres Material, aus Tropenholz oder so, sehr edel. Das ganze Hotel war in der Art ausgestattet und machte einen sehr gepflegten, kolonialen Eindruck. Mit schönen alten Bildern an der Wand und diversen Accessoires wie alten Werkzeugen und Spielzeugen, die auf eine lange und bewegte Vergangenheit schließen lassen. Der Bau selbst hatte nur eine Etage und war in Hufeisenform angeordnet, wobei sich das Restaurant und die Rezeption in Richtung See am Hacken des Pferdefußes befanden und entlang dem Eisen die Zimmer einreihig ihre Anordnung fanden. Dazwischen lag ein recht üppig angelegter Garten mit einer wahnsinnig glatten, mit roten Steinplatten gepflasterten Fläche in seiner Mitte, über deren Sinn und Zweck wir uns noch des Öfteren den Kopf zerbrachen. Etwa als am Nachmittag, als, wie dann täglich, ein Angestellter des Hotels diese Platten bohnerte und polierte. Wohlgemerkt unter freiem Himmel. Warum, im Namen Jesu Christo ? Warum ??????? Ich sah vor meinem inneren Auge spontan eine kleine Gruppe von Indios, welche mit ihren kleinen Besen und glatten Schuhen eine Art Eiscurling spielten. Nur ohne Eis. Mitten in der Wüste. Ja, das machte wohl Sinn! Natürlich spielte dort niemand, lediglich der Bohnermeister zog hier pflichtbewusst seine Kreise. Wir liefen hin und wieder mal quer hinüber, und ja, es war schön glatt.

Wir stöberten also im Reiseführer um heraus zu bekommen, was Ica so an Interessantem zu bieten hatte. Mone pfiff leise ein Liedchen vor sich hin und jetzt bemerkte auch ich so allmählich, dass hier irgendetwas überhaupt nicht stimmte. Sie pfiff “ I wish you a merry Christmas, wish you...” und in der Tat hatte ich das Gefühl, dass es jetzt eher noch kälter war, als vor einer dreiviertel Stunde. Man, mich durchtuckte ein eisiger Schauer. Na gut, eigentlich durchzuckte er mich, aber jedenfalls bekam ich dieser unmännlichen Bewegung wegen von Simone vorübergehend den Beinamen ’Pancho, die Flattertrine’ verpasst. Pancho zitterte vor Kälte wie einer dieser überzüchteten haarlosen Schoßhunde und fragte sich nun, in Betracht der gestrigen Aussage des Hotelpersonals, was die hier als einen herrlichen Tag bezeichnen. War es doch nun bereits kurz vor 10:00 Uhr immer noch so schweinekalt, dass einem der Atem kondensiert. Meinten sie vielleicht es ist herrlich, dass die Meerschweinchen, welche hier angeblich eine Delikatesse sein sollen, nach einem eventuellen plötzlichen Verkehrstod auf einer staubigen Landstraße aufgrund der Temperaturen nicht gleich verwesen, sondern auch nach 2 Tagen im Dreck gefunden noch einen frischen lecker saftig Braten abgeben würden? Ist das herrlich? Oder dass der Händler unten am See mehr Alpakamützen, Pullover und eine Menge dieser <<Ichweißnichtwieichsnennensoll>> (danke Martha Gellhorn) verkauft? Ist das vielleicht mit herrlich gemeint?

Oder hat man uns einfach nur herrlich verarscht und sich danach schiefgelacht? Ha, … ha, … ha ha ha. Und dann vielleicht noch Wetten abschließen, wie viele der dummen Touris am nächsten Morgen ihre Handtücher am Pool ausbreiten, um Stunden später festzustellen, dass sie festgefroren sind. Welch ein Spaß. Lange Rede kurzer Sinn, hatten wir nach gut zwei Stunden die Schnauze gestrichen voll und gaben unseren Sitzplatz in der ersten Reihe auf. Rückzug ins Zimmer, welches, oh Wunder, immer noch keine Heizung hatte. Wir bliesen den Trübsal hin und her und im ganzen Zimmer herum, bis wir auch davon die Nase voll hatten. Jetzt saßen wir einfach nur noch deprimiert da. In eine warme Decke gehüllt mussten wir entsetzt feststellen, dass wir die absolut falsche Garderobe für diesen Urlaub eingepackt hatten. Davon natürlich reichlich! Wir vertrieben uns also irgendwie die Zeit, spielten Karten, blätterten noch ein bisschen im Reiseführer und machten neue Pläne. Plötzlich war da etwas am Fenster. Ein großer Schatten huschte vorbei. Ein Dieb, der abcheckt, ob jemand im Zimmer ist? Oder nur ein Vogel, oder sonst irgendwas. Ein Schneekamel? Ha! Aber Moment mal, hatte ich da gerade Schatten gesagt? Schatten gibt es doch im Allgemeinen nur dort, wo die Sonne nicht hin scheint und wenn aber gar keine Sonne da wäre, dann gäbe es doch andersherum auch gar keinen Schatten. Oder?

Also, wenn da ein Schatten war, dann muss da ja auch Sonne sein. Da war er schon wieder, ein Schatten, ganz eindeutig! Wir schauten raus. Und wirklich, während der letzten Stunde muss sich der ganze Dunst verzogen haben und jetzt drückte der Planet mit voller Kraft auf uns herab. Raus aus dem Zimmer - brütende Hitze - und zurück zu Plan A.

Das Wasser im Pool war zwar eiskalt, aber sei es drum. Die Sonne weckte wieder all unsere Lebensgeister. Wir machten uns lang und tankten UV. Der Trip durch die Dünen am Nachmittag war dann ein wahres Fest für unsere Augen. Zwar gab es eigentlich nur Sand und Sonne zu sehen, davon jedoch in so unvorstellbaren Mengen, dass sich der Horizont in allen vier Himmelsrichtungen wie eine satte gelbe Vanillesoße unter den wolkenlosen, stahlblauen Himmel ergoss. So verdammt herrlich viel Sand! Nun treiben ja im Allgemeinen raue Mengen von Irgendwas nicht diese wohligen Schauer durch meinen Körper. Nehmen wir zum Beispiel mal eine Meute von schnoddernasigen und knieverschorften Hortkindern. Da sagt man nicht “uiiii schön, sooo viele klebrige Kinder“. Da will man doch einfach nicht umarmt werden. Oder man checkt im Urlaub im Hotel ein und bemerkt, dass man die nächsten zwei Wochen in einer riesigen Gruppe von hektischen Italienern, fußballfanatischen Briten oder noch schlimmer, mit Deutschen verbringen darf. Das ruft im mir kein Hochgefühl hervor.

Also muss dieses prickelnde Gefühl in der Wüste doch wohl eher daran gelegen haben, dass man eine gewisse Einsamkeit verspürte und sich nach und nach ein faszinierender Hauch von Angst, sich zu verirren, einstellte. Es war wie eine Art Schwindel, eine leichte Ohnmacht, die einen langsam und behutsam zu ummanteln beginnt. Schön, doch beängstigend zugleich, denn auf einmal hatten wir zwischen diesen riesigen Sandhügeln wirklich die Orientierung verloren. Einzig unsere Fußspuren wiesen uns jetzt den Weg aus dieser himmlischen, heiß-trockenen Hölle zurück in die Oase. Und den traten wir so auch alsbald an. Zurück am See informierte ich mich über die Preise fürs Sandbordleihen, welches auf einer Anhöhe angeboten wurde. Ging so. Also rauf auf die Düne und mit dem Verantwortlichen gequatscht. Ganz beiläufig berichtete er uns, dass es dieser Sport ganz schön in sich hätte, denn obwohl man die Geschwindigkeit vom Snowborden nicht zu erreichen vermag, hatte sich vor zwei Tagen ein Brite die Schulter ausgerenkt. Nun ja, vielleicht machte er auch durch seine Segelohren etwas mehr Fahrt als üblich, aber auf jeden Fall war das noch eine dieser Erfahrungen, auf die ich in meinem Leben locker verzichten konnte. Zumindest jetzt, am Beginn unseres Round-Trips durch Peru. Ich ließ es also bleiben und wir gingen runter zum malerisch gelegenen See.

Dort bemerkten wir ziemlich schnell, dass seine herrlich grüne Farbe, welche uns auf der Terrasse in ihren Bann zog, weniger von Reflexionen der ihn umgebenen Vegetation herrührte, als von der Beschaffenheit des Wassers. Dieser Anblick lud herzlichst zum Verdursten ein.

Also hieß es für uns zurück zum Pool, wo ich mir bis zum Abend einen gepflegten kleinen Sonnenbrand erbastelte.

Gut geschmiert begaben wir uns dann bei Sonnenuntergang in die Fänge eines verrückten und offensichtlich minderjährigen Taxifahrers und ritten in einer rostigen Warze nach Ica.

Schöne kleine stinkende dreckige Stadt! Sicher nicht überall, jedoch die Gegend, wo wir ankamen, erfüllte genau diese Beschreibung. Mir gefällt’s. Wer einmal von ortsansässigen Mexikanern durch die hinteren Gassen von Tijuana geführt wurde, kann sich in etwa diesen Ort hier vorstellen.

Im, na nennen wir es mal Zentrum, waren die, na nennen wir sie mal Straßen, einfach nur unaufgeräumt und schmutzig. Die Häuser und Geschäfte erinnerten wenigstens noch an Stätten, an denen sich Menschen aufhalten und wohlfühlen können. Die Luft war schwanger vom Geruch, oder eher vom Gestank der zahllosen Garküchen, an denen ‘ich hab nicht wirklich danach gefragt‘ zubereitet und zum Verzehr angeboten wurde.

Hautnah erleben, ja genau das geschah gerade und ich konnte nicht genug davon bekommen. Ich führte uns wie in einem schlechten Film in immer entlegenere Straßen und Gassen, wohin das Licht nur noch widerwillig vordrang, weil es dort eigentlich nichts mehr gab, das zu erhellen sich lohnte und wo die Mienen der Leute unzufriedene und finstere Züge annahmen. Die Behausungen sahen jetzt aus, als hätte jemand versucht, ohne Stein und Mörtel zu bauen.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass man Dreck, so will ich es mal nennen, so hoch aufstapeln kann. Versucht wurde dies hier ganz offensichtlich, doch floss oder bröselte das Zeug treu der Schwerkraft ab der 1. Etage unwillkürlich wieder nach unten und bot hier allen unaussprechlichen Krankheiten Asyl. So sah das einfach mal aus! Mag am Licht gelegen haben, aber so sah es aus. Sicherlich sagt diese Darstellung auch mehr über mich, als über die Menschen aus, die hier wohnen. Die haben sich das ja sicherlich nicht ausgesucht!

Ich will auch gar nicht werten, aber jedem, der an diesem Tag dort stand, wo wir gestanden haben und das sah und roch, was wir gesehen und mit der Nase geschmeckt haben, dem konnte nur diese Assoziation in den Sinn gekommen sein. Ich spreche es aus. Ich male eben manchmal gerne mit kräftigen Farben!

Ja genau, hier bringt euch kein Reisebus hin. Diese Ecken will keiner sehen und wenn ich ehrlich bin, ich eigentlich auch nicht. Der Gestank wurde jetzt unerträglich. Neben dem Qualm und Innereiengeruch der Garküchen, die selbst hier noch fröhlich vor sich hin blubberten, gaben sich nun offensichtlich auch Urin und Kot ein lustig Stelldichein und kämpften erbittert um die Vorherrschaft in unseren Nasen. Wir gingen die Straße bis zum Ende, überquerten noch eine Brücke und was uns dann beim Blick nach unten entgegenlinste, war von einem plätschernden Gebirgsbach weiter entfernt, als Dieter Bohlen von guter Musik. Müll in all seinen Variationen! Von Autoteilen, elektrischen Geräten über kaputte Sitzmöbel, bis hin zu aufgerissenen Säcken voller Hausmüll, Papier, Glas und Essensresten. Das Flussbett war um die 50-60 Meter breit und voll mit entsorgter Zivilisation. Kein Tropfen Wasser. Nur dunkle, fette Rohre, aus denen sich bedrohlich schäumende Fäkalien ergossen. Missgebildete streunende Hunde und Hühner lebten und ernährten sich dort unten. Miteinander … Voneinander. Einige von ihnen liegen inmitten der stinkenden Lache und schlafen, oder vielleicht ..., nein, ich hoffte sie schlafen. In der Jauche ist wahrscheinlich auch der wärmste Platz in der Nacht. Wie mag wohl ein Spiegelei von solch einem Huhn aussehen? Oder gar schmecken? Ekel! In gewissen Abständen stiegen immer wieder feuchtwarme, schwere Wolken aus Unheil verkündender Luft wie der unregelmäßige Herzschlag eines sich windenden, sterbenden Tieres nach oben und lud unsere Mägen dazu ein, sich am Geruchscocktail zu beteiligen. Welch ein widerwärtiges Geschwür der Menschheit. Ekelhaft! Mir stockt der Atem und Mone ist längst am würgen, also machen wir, dass wir hier schleunigst verschwinden. Es gibt wenige Orte auf dieser Welt, an denen ich war und nicht ein Foto gemacht habe. Dieser gehört definitiv dazu. Den Rest des Abends wendeten wir uns wieder der hellen, oder zumindest der besser beleuchteten Seite der Zivilisation zu. Wir kehrten in ein Kasino ein. Ja, auch das gab es hier zu unserer Überraschung. Wir verzockten ein Paar Soles beim Black Jack und hatten `ne Menge Spaß dabei. Als Hauptpreis gab es ein Sofa zu gewinnen, welches, ich hätte schwören können, eben noch auf dem Grund des ’Flusses’ stand.

Die nächsten anderthalb Tage verbrachten wir nach dem gleichen Muster, wobei wir den Gang in die Kloake als ‘da gewesen und abgeharkt’ einstuften und ...

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