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Perfect Passion - Sündig

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. 1
  6. 2
  7. 3
  8. 4
  9. 5
  10. 6
  11. 7
  12. 8
  13. 9
  14. 10
  15. 11
  16. 12
  17. Epilog
  18. Unsere Empfehlungen

Über die Autorin

Jessica Clare lebt mit ihrem Mann in Texas. Ihre freie Zeit verbringt sie mit Schreiben, Lesen, Schreiben, Videospielen und noch mehr Schreiben. Sie veröffentlicht Bücher in den unterschiedlichsten Genres unter drei verschiedenen Namen. Als Jessica Clare schreibt sie erotische Liebesgeschichten. Ihre Serie PERFECT PASSION erschien auf den Bestsellerlisten der NEW YORK TIMES und der USA TODAY. Mehr Informationen unter: www.jillmyles.com

1

Die drei Teenager saßen am Ende des wackligen Holzstegs, der in den Teich hineinragte.

»Heute ist mein dreizehnter Geburtstag«, sagte Daphne Petty zu dem Jungen neben sich, warf ihm einen koketten Blick zu und wickelte sich eine hellrote Locke um einen Finger. »Du weißt doch, was das bedeutet, oder?«

»Dass es auch Audreys Geburtstag ist?« Cade sah um Daphnes Schulter herum zu ihrer ruhigeren Zwillingsschwester und lächelte sie an.

Audrey erwiderte sein Lächeln schüchtern und freute sich über seine Bemerkung. Sie saß hinter ihrer lebhaften, zum Flirten aufgelegten Schwester und sagte nichts. So war es eigentlich immer. Daphne bekam die ganze Aufmerksamkeit, und Audrey stand immer daneben. Das machte ihr im Grunde genommen nichts aus, vor allem, da Daphne im Allgemeinen die böse Zwillingsschwester war und Audrey gern die Rolle der guten übernahm. Man bekam deutlich weniger Ärger, wenn man die Gute war, und wenn Audrey eines hasste, dann war das, Ärger zu bekommen.

»Das habe ich nicht gemeint«, erwiderte Daphne schmollend und stieß ihn an. »Schau mich gefälligst an.«

Sofort glitt Cades amüsierter Blick zurück zu Daphne. »Mach ich doch.«

»Nein, du guckst Audrey an. Gefalle ich dir nicht, Cade?« Sie zwirbelte weiterhin die Haarlocke um ihren Finger, wie es ihre große Schwester Gretchen oft tat, die damit immer eine beachtliche Wirkung zu erzielen schien. Für Gretchen interessierten sich die Jungs immer, und Daphne wollte von ihr alles lernen, was sie ihr beibringen konnte.

»Ihr gefallt mir beide«, entgegnete Cade fröhlich und zerzauste Daphnes Haare, als wäre sie noch ein Kind. »Ihr seid beide meine Freunde.«

»Wir sind beste Freunde«, fügte Audrey leise hinzu und ließ die Beine baumeln.

Daphne verdrehte bei den Worten ihrer Zwillingsschwester die Augen. »Man kann keinen Jungen als besten Freund haben. Jungs können nur dein Freund sein.«

Cade hätte beinahe laut losgelacht. »Ihr seid beide zu jung für mich. Ich bin jetzt fünfzehn, und ihr seid gerade erst dreizehn geworden.«

»Aber es ist mein …«, Daphne sah ihre Zwillingsschwester an, »unser Geburtstag, und du musst uns was schenken.«

Cade zupfte an seinem ausgefransten Kragen. Sein T-Shirt war ausgeblichen und verschlissen, wie fast alles andere, was er besaß. Niemand sprach darüber, aber die Archers waren die ärmste Familie dieses ohnehin schon recht armen Blocks und sogar noch ärmer als Audreys und Daphnes Eltern, die für sehr wenig Geld sehr viel arbeiten mussten. »Ich habe kein Geld, Daphne. Du weißt doch, dass ich erst im nächsten Jahr arbeiten gehen kann.«

»Das macht nichts«, erklärte Audrey. »Du kannst uns ja etwas schenken, das nichts kostet.«

»Und das wäre?«

Ein Kuss, dachte Audrey verträumt und musterte Cades schöne blaue Augen und sein blondes Haar.

»Du könntest uns zeigen, wie man mit einem Jungen rummacht«, erklärte Daphne verschmitzt. »Ich muss das üben, damit ich mich bei meinem ersten Freund nicht blöd anstelle.«

Cade war entsetzt. »Was? Das könnt ihr vergessen. Ihr beide seid für mich wie meine kleinen Schwestern.«

Das war nicht das erste Mal, dass er sie als seine Schwestern bezeichnete. Audrey brach dann immer beinahe das Herz, aber sie sah, dass ihre Zwillingsschwester weiterhin zu allem entschlossen war. Normalerweise akzeptierte Daphne kein Nein als Antwort.

»Nimmst du uns wenigstens in den Arm?«, fragte Daphne zuckersüß.

»Aber klar«, erwiderte Cade, beugte sich vor und legte einen Arm um Daphne.

Sie warf ihm sofort die Arme um den Hals und drückte ihren Mund auf seinen, um ihn mit diesem Kuss zu überrumpeln. Audrey stand vor Schreck der Mund offen, als ihre Zwillingsschwester den Jungen, in den Audrey verknallt war – was Daphne ganz genau wusste –, küsste und regelrecht überfiel.

Cade stieß ein überraschtes Geräusch aus und versuchte, sich ihr zu entziehen, aber Daphne klammerte sich wie ein Äffchen an ihn.

»Lass das, Daph!«, zischte Audrey, die immer wütender wurde. Wie konnte Daphne es wagen, so etwas mit Cade zu machen? Es war schon schlimm genug, dass sie ihn ständig mit Beschlag belegte. »Hör auf damit!«

Aber Daphne hörte nicht auf. Sie stieß sogar noch ein kehliges »Hmmmm« aus, um Audrey noch mehr zu ärgern.

Da schubste Audrey ihre Zwillingsschwester in den Teich.

Daphne fiel schreiend ins Wasser, und Cade gelang es gerade noch eben, auf dem Steg nach hinten zu taumeln. Er starrte Audrey erstaunt an.

Was völlig verständlich war, da Audrey selbst über das verblüfft war, was sie gerade getan hatte.

Verdammt! Sie war einfach zu impulsiv. Audrey versuchte immer, ihr Temperament im Zaum zu halten, wirklich!, aber manchmal gelang es ihr einfach nicht.

So wie eben.

Daphne tauchte aus dem schmutzigen Teich auf, kreischte laut und schlug auf das Wasser ein. »Audrey, du blöde Kuh!«, schrie sie. »Hilf mir hier raus, Cade!«

»Das war nicht cool, Audrey«, sagte Cade, der sich vom Steg herunterbeugte und Daphne eine Hand reichte. Als sie weiterhin im Wasser zappelte, seufzte er und sah zu Audrey hinüber, die noch immer wie erstarrt dastand.

Sie hatte sich doch so sehr bemüht, der gute Zwilling zu sein.

»Hier, halt das mal«, sagte Cade, zog sein T-Shirt aus und reichte es ihr. Dann sprang er ins Wasser, packte Daphne, die sofort weinend in seine Arme sank, und schwamm mit ihr ans nächste Ufer.

Einen Augenblick später hockten sie beide tropfnass am Rand des Teiches. Audrey stand noch immer auf dem Steg, drückte sich Cades T-Shirt an die Brust und war schockiert über das, was sie getan hatte. Sie hatte ihre Zwillingsschwester reingeschubst, nur weil Daphne den Jungen geküsst hatte, in den Audrey verknallt war.

Aber er war nicht irgendein Junge. Er war Cade. Audrey himmelte ihn schon seit Ewigkeiten an, und Daphne begehrte ihn nur, weil Audrey es tat. Aber so war es immer.

»Du hast mich gerettet«, schluchzte Daphne und klammerte sich an Cade.

»Aber natürlich«, beruhigte er sie. »Ich würde dich immer retten, Daphne, und das weißt du auch.«

Damit hatte er recht. Auch wenn sie zwei Jahre jünger waren, so durchstreiften sie doch schon seit Jahren mit Cade ihr Viertel, fischten nach Flusskrebsen, spielten im Teich oder waren gemeinsam mit den Rädern unterwegs. Immer wieder geriet Daphne in Schwierigkeiten, wie das eine Mal, als sie in einen Gully geklettert war und Cade ihr zu Hilfe eilen musste.

Daphne geriet in Not, und Cade musste sie retten. Audrey stand immer daneben, da sie schließlich der gute Zwilling war.

Doch heute war es anders abgelaufen, weil Audreys Temperament mit ihr durchgegangen war und sie sich in einem Sekundenbruchteil in den bösen Zwilling verwandelt hatte.

Daphne schob sich das nasse Haar aus der Stirn und funkelte Audrey wütend an. »Ich gehe nach Hause und sage es Mom. Das wird dir noch leidtun, Audrey.« Sie drehte sich um und stapfte zurück zu den Häusern.

Audrey sog die Luft ein. Sie würde bestimmt Hausarrest bekommen.

»Anscheinend ist eure Geburtstagsfeier früher zu Ende als geplant«, stellte Cade fest, der zu ihr auf den Steg kam und nach seinem T-Shirt griff. Er zog es sich über den Kopf und strich sich dann mit den Fingern durch das nasse Haar.

»Das ist schon okay«, antwortete Audrey. »Sie wird mir verzeihen. Wir sind Zwillinge und können einander nie lange böse sein.«

Cade grinste und zerzauste Audreys Haar. »Aber da ihr Zwillinge seid, kann ich wohl kaum einer was schenken und der anderen nicht.«

Bei diesen Worten beugte er sich vor und küsste sie auf die mit Sommersprossen übersäte Wange.

Audrey wurde puterrot und riss staunend den Mund auf.

Cade fuhr ihr noch einmal durchs Haar und grinste. »Alles Gute zum Geburtstag, Audrey.« Als sie weiterhin nur wie erstarrt dastand, fügte er hinzu: »Du solltest lieber mal nach Daph sehen.«

Sie nickte und rannte Daphne hinterher. Ihre Wange kribbelte an der überaus perfekten Stelle, an der er sie geküsst hatte.

Natürlich bekam Audrey für den Rest des Tages Hausarrest. Daphne hatte ihre Geschichte weinend ihren Eltern vorgetragen, die dementsprechend entrüstet waren. Audrey wurde früh ins Bett geschickt und durfte weder fernsehen noch am Computer spielen, während Daphne lang aufbleiben und Geburtstagskuchen essen durfte. Daphne war wütend auf Audrey, und das war für sie fast genauso schlimm, wie Ärger zu bekommen.

Aber an diesem Tag hatte sie auch zwei Dinge gelernt.

Erstens: Sie würde nie wieder die Kontrolle verlieren und zum bösen Zwilling werden.

Und zweitens, dass sie zweifellos und bis über beide Ohren in Cade Archer verliebt war.

***

Zwölf Jahre später

Audrey sah in den Badezimmerspiegel, glättete eine Locke, die aus ihrem eng gesteckten Dutt entwichen war, und richtete dann zum achten Mal an diesem Morgen ihren Blazer.

Es war Zeit, mit dem Boss zu reden.

Sie verließ das Bad und musste sich zusammenreißen, da sie vor Unruhe und Furcht ganz zittrig war. Allerdings sah man ihr das nicht an. Sie war sehr gut darin, auch unter Stress ruhig und kontrolliert zu wirken, und dies war definitiv eine dieser Situationen. Ihre flachen Absätze klapperten über die Marmorböden des Hauptquartiers des Hawkings-Konglomerats, als sie die Post aus dem Eingangskorb fischte und zurück zu ihrem Schreibtisch ging. Sobald sie die Umschläge durchgesehen und die, die an Logan persönlich gerichtet waren, aussortiert hatte, wickelte sie ein Gummiband um den Rest und legte sie in ihren Postkasten, um sich später damit zu befassen.

Ihre Hand schwebte über der Boulevardzeitschrift, die auf ihrem Schreibtisch lag. Nach kurzem Überlegen faltete sie das Heft einmal und klemmte es sich unter den Arm. Dann ging sie mit der Post in der Hand zu der geschlossenen Tür, die zu Logan Hawkings’ Büro führte, und klopfte zweimal an.

»Herein«, rief er.

Sie trat ein, und ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen.

Er blickte nicht auf, als sie näher kam, sondern tippte weiterhin auf seinem Laptop herum. Das war ihre übliche Routine: Audrey ging zu seinem Postausgangskasten und nahm alle Memos und Faxe, um die sie sich kümmern sollte, heraus. Dann legte sie seine Privatpost in den Posteingangskasten und sah ihn an. Aber sie konnte sich nicht dazu durchringen, die Bitte auszusprechen.

Also spielte sie auf Zeit. »Möchten Sie einen Kaffee, Mr Hawkings?«

»Ja, gerne.«

Sie trat zu der Keurig-Maschine, die in ihrem angrenzenden Büro stand, brühte ihm eine Tasse auf und wartete ungeduldig, bis die Maschine fertig war. Dann gab sie Zucker und Milch hinzu, rührte um und verfluchte sich innerlich dafür, dass sie das Thema noch immer nicht angeschnitten hatte. Mit der Tasse in der Hand kehrte sie in sein Büro zurück und stellte sie auf den Schreibtisch.

Wieder sah er nicht auf.

»Haben Sie heute irgendwas für die Reinigung, Mr Hawkings?«

»Nein.« Er griff nach der Tasse und warf Audrey einen misstrauischen Blick zu. »Stimmt irgendwas nicht?«

Und sie hatte geglaubt, es gut verbergen zu können. Audrey umklammerte die zusammengefaltete Zeitschrift mit einer Hand und stand unschlüssig vor dem Schreibtisch. »Ich … muss ein paar Tage freinehmen.«

Logan sah sie über den Tassenrand hinweg an und runzelte die Stirn. »Sie wollen Urlaub?«

Natürlich kam das nicht gut bei ihm an, das hatte sie sich schon gedacht. In den dreieinhalb Jahren, die sie jetzt für Logan Hawkings arbeitete, hatte sie nicht einen Tag bei der Arbeit gefehlt. Sie war schon hier, wenn er morgens kam, ging erst nach ihm nach Hause und plante ihren Urlaub so, dass er sich mit seinem überschnitt, um seinen Zeitplan nicht zu gefährden.

Sie war eine mustergültige Angestellte. Sie sorgte dafür, dass alles ruhig und so glatt wie möglich seinen Gang ging. Wenn er sie um etwas bat, dann kümmerte sie sich darum.

Bis heute hatte sie nicht ein einziges Mal darum gebeten, sich einen freien Tag nehmen zu können.

Audrey schluckte schwer. »Leider ja.«

»Wie lange?«

»Ich … Ich weiß es nicht. Es geht um eine persönliche Angelegenheit.« Sehr, sehr langsam klappte sie die Zeitschrift auf und reichte sie ihm.

Logan warf das Heft auf seinen Schreibtisch und beäugte das Titelblatt. Die Schlagzeile war knallgelb und sprang einem von dem grobkörnigen Foto förmlich ins Gesicht. POPPRINZESSIN BEI KOKAINORGIE ERWISCHT! FOTOS AUF SEITE 17! Auf dem Bild war eindeutig das Gesicht ihrer Zwillingsschwester zu erkennen, die spindeldürr aussah, das verfilzte Haar schwarz gefärbt hatte und mit einem dümmlichen Grinsen auf den Lippen eine Line auf der Toilette eines Klubs zog, wobei sie sich an zwei Männer mit ebenso dämlichem Gesichtsausdruck lehnte. Audrey wusste nicht, wer die beiden waren. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, mit wem sich Daphne so alles abgab. Daphnes Manager kümmerte sich um alles … zumindest theoretisch. Sie vermutete allerdings, dass er vor allem an seine eigenen Interessen und erst an zweiter Stelle an Daphnes dachte.

Logan musterte die Zeitschrift und sah dann erneut Audrey an. »Ihre Schwester?«

Sie nickte kurz. »Mir ist bewusst, dass das sehr ungelegen kommt, aber ich habe schon einiges vorbereitet, damit Ihr Zeitplan nicht durcheinandergerät. Cathy von der Personalabteilung hat mir versichert, dass sie mir eine Praktikantin hochschickt, damit ich sie einarbeiten kann und sie solange meine täglichen Pflichten übernimmt.«

»In Ordnung.«

»Ich werde sicherstellen, dass sie gut eingearbeitet ist, bevor ich gehe. Und ich werde mein Handy immer bei mir tragen, damit Sie mich erreichen können – oder auch die Aushilfe –, falls Sie irgendetwas brauchen. Außerdem habe ich Ihr Adressbuch und Ihren Kalender auf den neuesten Stand gebracht. Das Meeting nächste Woche …«

»Das geht schon in Ordnung, Audrey. Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie brauchen.« Er rollte das Heft zusammen und gab es ihr zurück. »Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie medizinische Hilfe für sie besorgen werden?«

Sie nahm ihm die Zeitschrift mit zitternden Fingern ab, da sie ungemein erleichtert war. »Sie weigert sich, in eine Klinik zu gehen, hat aber zugestimmt, eine Weile mit mir zu verreisen und auf Partys und Drogen zu verzichten. Ich werde im Grunde genommen die Anstandsdame spielen und dafür sorgen, dass sie davon wegkommt.« Sie zögerte. »Das könnte ein paar Wochen dauern, vielleicht sogar länger. Falls das ein Problem darstellt …«

»Machen Sie sich keine Sorgen.«

»Wenn Sie persönliche Erledigungen machen müssen …«

»Ich komme schon klar, Audrey.« Sie sah an seinen Augenbrauen, dass er anfing, sich über sie zu ärgern. »Falls es persönliche Erledigungen gibt, dann bitte ich Brontë, sich darum zu kümmern. Das ist überhaupt kein Problem. Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie brauchen. Ihre Familie geht vor.«

Sie hätte nie geglaubt, dass sie diese Worte mal aus dem Mund des Milliardärs Logan Hawkings hören würde. Seine Verlobte schien einen enormen Einfluss auf ihn zu haben. Audrey nickte. »Danke, Mr Hawkings. Ich werde alles Weitere mit Cathy besprechen.«

»Schließen Sie bitte die Tür, wenn Sie rausgehen.« Er wandte sich wieder seinem Computer zu und tippte weiter.

Sie verließ leise sein Büro und schloss die Tür hinter sich. Erst danach lehnte sie sich an die Wand und atmete erleichtert auf.

Das war viel besser gelaufen, als sie erwartet hatte. Er war in der Tat umgänglicher geworden. Vor zwei Jahren, nein, eigentlich noch vor sechs Monaten hätte Logan ihr mit kaum verschleierten Worten zu verstehen gegeben, dass sie für einen adäquaten Ersatz zu sorgen hatte, wenn ihr der Job lieb war. Er bezahlte sie schließlich auch sehr gut, und wenn es ihr nicht gelang, ihre Arbeit zu seiner Zufriedenheit auszuführen, dann würde er sich eben jemand anderen suchen, der das konnte.

Aber das war natürlich VDO gewesen – vor dem Orkan. Und vor Brontë. Dennoch hatte ihn Audrey nur ungern um diesen Gefallen gebeten. Logan wusste, dass Daphne ihre Zwillingsschwester war, und er war ihr einmal auf einer ziemlich unsäglichen Dinnerparty begegnet. Die meisten Menschen hatten nicht die geringste Ahnung, dass Audrey eine Zwillingsschwester hatte, und sie erwähnte diese auch nie. Sie hatte auf die harte Tour lernen müssen, dass solche Unterhaltungen immer eine von drei Richtungen einschlugen:

Szenario eins: Großer Gott! Du bist mit Daphne Petty verwandt? Der Daphne Petty? Der Sängerin? Kannst du mir ein Autogramm besorgen? Gratistickets? Dafür sorgen, dass sie zur Geburtstagsparty meines Kindes kommt?

Szenario zwei: Daphne Petty? Wirklich? Ihr seht euch gar nicht ähnlich. Sie ist so dünn und glamourös, und du … bist das nicht.

Szenario drei: Daphne Petty? Du armes Ding. Ist sie wirklich so, wie es die Zeitungen schreiben?

Szenario eins war einfach nur lästig, aber sie hatte schon vor langer Zeit gelernt, damit umzugehen. Nein, sie konnte nicht dafür sorgen, dass man kostenlos Merchandise-Artikel, Tickets oder Daphnes neueste CD bekam. Nein, sie konnte Daphne auch nicht dazu bewegen, auf irgendeiner Geburtstagsparty zu singen. Aber sie hatte immer eine Visitenkarte des Managers von Daphnes Fanklub in der Tasche, die sie bei Bedarf weitergab.

Szenario zwei war nervig, aber auch damit wurde sie schon seit einer Ewigkeit fertig. Auf der Bühne trug Daphne wilde, farbenfrohe Outfits und sehr viel Make-up. Sie trug immer Schuhe mit fünfzehn Zentimeter hohen Absätzen, dicke falsche Wimpern und in einer schicken Farbe gefärbte Haare, wenn sie irgendwo in der Öffentlichkeit erschien. Auf Anordnung ihrer Plattenfirma hatte sie schon vor Jahren so viel abgenommen, dass sie dem Hollywood-Ideal entsprach (auch wenn Audrey insgeheim vermutete, dass das eher an den Drogen als an einer gesunden Diät lag), außerdem hatte Audrey ihrer Zwillingsschwester nie besonders ähnlich gesehen.

Audreys Haare waren glatt, weich und noch genauso kupferrot wie in ihrer Kindheit. Ihre Haut war übersät von hellen Sommersprossen, die man jedoch nur sah, wenn sie kein Make-up trug. Sie schminkte sich nur dezent, was auch sehr gut zu ihren konservativen Businesskostümen passte. Außerdem hatte sie einige Kleidergrößen mehr aufzuweisen als ihre Zwillingsschwester. Während Daphne Kleider in XS trug, war Audrey viel weicher, kurviger und fast schon drall. Auch falsche Wimpern oder hochhackige Schuhe sah man nie bei ihr. Sie sah Daphne nur ähnlich, wenn man die Augen zusammenkniff und Fotos von ihnen verglich.

Sie war daran gewöhnt, wegen ihres Aussehens beleidigt zu werden und dass man sie um Gefallen bat. Aber das Schlimmste an Szenario drei war das Mitleid. Die Blicke, die sie in den letzten beiden Jahren nur zu gut zu erkennen gelernt hatte. Der Gesichtsausdruck des Gegenübers, wenn er sich an die letzten Berichte in den Boulevardzeitungen erinnerte, die sich über Daphnes Eskapaden ausließen, ihre Verhaftungen, ihre öffentlichen Entgleisungen und die Gerüchte über Drogen, Alkohol, Männer und Exzesse. Über das Wrack, zu dem die strahlende, wilde Daphne Petty geworden war.

Und Audrey hatte nichts dagegen tun können. Sie hatte hilflos danebengestanden, während sich ihre willensstarke Zwillingsschwester immer weiter von ihr entfernte und alles genoss, was ihr dieser rasante Lebensstil bieten konnte.

Das brachte Audrey beinahe um. Aus diesem Grund hasste sie das Mitleid noch viel mehr als alles andere. Schließlich versuchte sie ja verzweifelt, etwas zu unternehmen, und jetzt hatte sie endlich die Gelegenheit dazu. Letzte Nacht um drei Uhr hatte Daphne sie weinend vom Rücksitz eines Streifenwagens aus angerufen. Sie hatte sich an Audrey und nicht etwa an ihre eigenen Leute gewandt, und obwohl sie sich in Los Angeles aufhielt und Audrey ihr nicht wirklich helfen konnte, hatte ihr das Leid ihrer Schwester das Herz gebrochen.

Daphne hatte sie angerufen. Sie wollte Hilfe. Zwar nicht in einer Entzugsklinik, wie sie gesagt hatte, da das nur wieder in den Medien breitgetreten würde und sie schon zweimal erfolglos einen Entzug gemacht hatte. Sie wollte nur die Chance, irgendwo unterzutauchen und mit Audreys Hilfe an ihr altes Leben anzuknüpfen. Daphne hatte ihr geschworen, dass dieses Mal alles anders laufen würde. Sie würde die Finger von den Drogen und dem Alkohol lassen, wenn Audrey ihr nur dabei half. Sie hatte sonst niemanden, dem sie vertrauen konnte.

Also hatte Audrey versprochen, ihr zu helfen. Sie würde mit ihrer Zwillingsschwester verreisen. Ihr eigenes Leben aufs Abstellgleis schieben und wieder einmal Daphne zu Hilfe kommen. Sie hatte ihre schluchzende Schwester am Telefon beruhigt und danach sofort Daphnes Management wegen ihrer Verhaftung angerufen. Wie schon so oft hatte man auch dieses Mal dafür sorgen können, dass nichts darüber bekannt wurde. Daphne wurde freigelassen und würde am nächsten Morgen nach New York fliegen.

Dann würde Audrey mit dem schwierigen Unterfangen beginnen, unter all den Drogen und Abstürzen nach der echten Daphne zu suchen. Sie konnte nur hoffen, dass sie sie auch finden würde.

***

Audrey knabberte an einer Brezel und blätterte in dem Liebesroman, den sie sich im Supermarkt gekauft hatte. Sie sah auf die Uhr, seufzte und griff noch einmal in die Brezelpackung. Es war schon spät, und sie trug bereits ihren Schlafanzug. Daphnes Flieger hätte schon vor Stunden landen sollen, und sie hatte versprochen – versprochen! –, vom Flughafen sofort zu Audreys Wohnung zu kommen. Audrey hatte ihrer Schwester angeboten, sie abzuholen, aber Daphne hatte dem widersprochen und lachend gesagt, dass sie sich gut genug in New York auskannte.

Doch je später es wurde, desto mehr war Audrey davon überzeugt, dass Daphne unterwegs noch ein paar Zwischenstopps eingelegt hatte, und das machte sie wütend.

Um kurz nach eins klopfte es an der Tür, und irgendjemand kicherte. Audrey verdrängte ihren Zorn, ging zur Tür und sah durch den Spion. Natürlich stand Daphne vor der Tür, zusammen mit einem Fremden. Audrey löste die Kette, schloss auf und öffnete die Tür, um Daphne und ihren Begleiter wütend anzustarren.

Daphne stützte sich schwer auf den großen, dünnen Mann, der ganz in Schwarz gekleidet war und riesige Plugs in den Ohren hatte. Außerdem waren auch seine Augenbrauen mehrfach gepierct, er hatte einen tätowierten Hals, und seine hellgrünen Haare waren zu einer Irokesenfrisur hochgegelt. Daphne war wie immer völlig hinüber. Ihre Jeans und ihr T-Shirt waren voller Flecken, ihr Haar hing ihr als zotteliger Zopf über die Schulter, und der Inhalt ihres Koffers hatte sich im gesamten Hausflur verteilt. Die beiden schwankten und konnten nicht aufhören zu kichern, obwohl Audrey sie wütend anstarrte.

Sie waren betrunken. Eigentlich sogar sturzbesoffen.

»Du hättest schon vor Stunden hier sein sollen, Daphne«, sagte Audrey. »Wo bist du gewesen? Ich habe mir große Sorgen gemacht.«

Daphne zuckte mit den Achseln und drängelte sich an Audrey vorbei in die Wohnung. »Der Flug war schrecklich, und danach war ich ganz verspannt, sodass ich mit Stan noch was trinken gegangen bin.«

Audrey beäugte Stan, als ihre Schwester an ihr vorbeitaumelte. Als er ihr folgen wollte, hielt sie ihn davon ab und lächelte ihn höflich an. »Danke, dass du sie nach Hause gebracht hast.«

Er grinste und entblößte dabei einen Goldzahn. »Darf ich nicht reinkommen?«

»Nein, das darfst du nicht.«

Erst sah es so aus, als wollte er sich mit ihr streiten, doch dann ging er zurück zum Fahrstuhl und war viel zu betrunken, um überhaupt zu begreifen, dass er gerade seine berühmte neue Freundin aufgegeben hatte. Audrey schloss schnell die Tür und verriegelte sie. Dann starrte sie Daphne erbost an.

Aber ihre Schwester lag schon ausgestreckt auf der Couch.

»Ich fasse es nicht, Daph«, sagte Audrey. »Du hast getrunken? Wolltest du nicht herkommen, um endlich dein Leben in den Griff zu bekommen?«

»Morgen«, erwiderte Daphne, die zwischen den Kissen versunken war und keine Anstalten machte, wieder aufzustehen. »Ich fange morgen damit an. Hör auf, hier rumzuschreien.«

»Ich schreie nicht!«, brüllte Audrey und zuckte dann zusammen, als ihr Nachbar an die Wand hämmerte. Frustriert ging Audrey in den Flur, um Daphnes zerstreute Habseligkeiten einzusammeln, und schleppte ihren Koffer dann ins Schlafzimmer. Na gut. So sah Daphnes Leben aus? Audrey würde ihr einfach keine Wahl lassen. Sie würde wieder einmal die Kontrolle übernehmen und Daphne vor sich selbst retten.

Sie warf den Koffer aufs Bett, kehrte ins Wohnzimmer zurück und hob Daphnes Handtasche auf. Ihre Schwester schnarchte schon auf der Couch und bekam nicht mehr mit, was Audrey so trieb. Audrey ging zurück ins Schlafzimmer und kippte den Inhalt der Handtasche aufs Bett.

Der übliche Krempel fiel auf die Tagesdecke: ein halber Proteinriegel, drei Lippenstifte, ein paar Kugelschreiber, Haarklemmen und Kreditkarten. Außerdem waren da noch mehrere Döschen mit rezeptpflichtigen Medikamenten, und Audrey biss sich auf die Lippe und runzelte die Stirn, als sie sich die Etiketten durchlas. Zwei davon waren nicht einmal für Daphne bestimmt.

Sie spülte die Medikamente und das kleine Tütchen mit weißem Pulver, das sie ebenfalls entdeckt hatte, in der Toilette herunter. Daphne würde stinksauer sein, aber das war Audrey egal. Danach durchsuchte sie den Koffer und fand noch weitere kleine Pillendöschen, auf denen andere Namen standen, noch mehr Drogen und ein dickes Päckchen, das im Futter des Koffers versteckt war. Sie warf alles in den Müll und wurde bei jedem Gegenstand, den sie wegwarf, entschlossener.

Daphne wollte Audreys Hilfe, um clean zu werden? Sie war durchaus bereit, ihrer Schwester zu helfen, aber sie zweifelte daran, dass diese es auch wirklich ernst meinte. Aber da hatte ihre Schwester Pech gehabt, denn Audrey hatte vor, die Sache bis zum Ende durchzustehen.

Sie kehrte ins Wohnzimmer zurück und musterte Daphne, die immer noch schnarchend auf dem Sofa lag. Daphnes Make-up war über ihre zarten Gesichtszüge verschmiert, und ihr Mund stand offen.

Audrey würde ihre Zwillingsschwester zurückbekommen, dafür würde sie schon sorgen. Ohne Wenn und Aber. Daphne würde wütend sein und sie bedrohen, aber das war ihr egal.

Denn Audrey musste das ein für alle Mal beenden. Sie hatte schon jetzt das Gefühl, Daphne verloren zu haben.

2

Daphne war auch vierundzwanzig Stunden später, nachdem sie aufgewacht war und festgestellt hatte, dass Audrey ihre Sachen durchgesehen und sämtliche Drogen entsorgt hatte, stinksauer.

Das war Audrey nur recht. Es war ihr völlig egal, ob Daphne wütend war. Sie vermutete, dass Daphne sogar noch viel wütender werden würde, bevor sie aus ihrem Kurzurlaub zurückkehrten. Ein ganzer Monat im Ferienhaus ihrer Familie am See? Nur sie beide? Keine Drogen und kein Alkohol? Sie würden sich die Köpfe einschlagen, aber damit hatte Audrey kein Problem. Sie rechnete vielmehr damit, dass so etwas passieren würde.

Was sie jedoch nicht erwartet hatte, war, dass Daphne auf einen ihr unbekannten Highway abbog, als sie bereits mehrere Stunden unterwegs waren.

Audrey runzelte die Stirn und griff nach der Straßenkarte im Handschuhfach von Daphnes kleinem Roadster. »Ich glaube, du hast die Abfahrt verpasst.«

»Nein«, erwiderte Daphne und starrte entschlossen nach vorn.

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht der richtige Weg zur Hütte ist.«

»Da fahren wir ja auch nicht hin.«

Audreys Magen zog sich zusammen. Gab ihre Schwester jetzt schon auf? Das lief ja genauso wie jedes Mal. »Aber du hast es mir versprochen, Daphne!«

»Falsch. Ich habe dir versprochen, dass ich einen Monat mit dir wegfahre und noch mal neu anfange«, entgegnete Daphne, die eine riesige Sonnenbrille aufgesetzt hatte. Audrey konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten. »Aber mein Manager rechnet damit, dass ich in unserem Haus am See sein werde, und die Plattenfirma wird ihn unter Druck setzen. Dir ist doch klar, was das bedeutet? Es heißt, dass irgendwann die Paparazzi da auftauchen werden, wenn ich so richtig fertig aussehe, und sie werden versuchen, die Bilder an die Klatschzeitungen zu verkaufen, um Publicity zu kriegen. Und das will ich nicht.«

Audrey konnte es ihrer Schwester nicht verdenken, doch die Planänderung ärgerte sie trotzdem. Es war immens wichtig, dass Daphne sich in einer kontrollierten Umgebung aufhielt. »Wo fahren wir dann hin?«

Daphne warf Audrey einen Blick zu und schenkte ihr ein durchtriebenes Grinsen, das diese nur zu gut kannte.

»Oh nein«, seufzte Audrey. »Was hast du vor?«

»Etwas, das dich sehr glücklich machen sollte, falls du noch immer etwas für jemand ganz Bestimmten empfindest.«

Audrey hätte sich am liebsten übergeben und Daphne gleichzeitig erdrosselt. »Bitte sag mir jetzt nicht, dass wir zu Cade Archers Haus fahren.«

»Nein, das tun wir nicht«, beruhigte sie Daphne.

Audrey war erleichtert.

»Wir fahren in seine Berghütte.«

Schon war es mit der Erleichterung wieder vorbei. »Im Ernst? Du hast Cade angerufen und das Ganze arrangiert?«

»Ja, das habe ich. Er hat gesagt, er wäre immer für mich da«, erklärte Daphne dickköpfig. »Darauf habe ich mich verlassen. Ich dachte, es wird bestimmt lustig, wenn wir beide und Cade ein paar Wochen lang zusammen sind. Er ist immer so beschäftigt und kann auch mal ein bisschen Urlaub gebrauchen. Außerdem dachte ich, dass du dich vielleicht besser entspannen kannst, wenn er ebenfalls da ist.«

Audrey legte den Kopf in die Hände und unterdrückte ein Stöhnen. »Daphne, wir machen das nicht, damit du mich mit einem Freund aus Kindertagen verkuppeln kannst. Wir tun das, damit du clean wirst und dein Leben wieder auf die Reihe kriegst.«

»Das weiß ich doch«, beharrte Daphne gereizt und griff nach der Zigarettenschachtel. Aber sie hatte sie längst geleert, daher warf sie die leere Schachtel seufzend aus dem Fenster. »Da ist noch eine Schachtel in der Handtasche. Könntest du mir die bitte geben?«

»Du solltest nicht rauchen.«

»Ach, du hast recht«, sagte Daphne übertrieben sarkastisch. »Lass uns an der nächsten Tankstelle halten, vielleicht verkauft mir ja jemand ein bisschen Crack. Lass mir doch wenigstens irgendwas, Audrey. Okay? Du kannst mir wegen all der anderen Sachen in den Ohren liegen, aber moser nicht auch noch, weil ich rauche.«

Ohne etwas zu sagen, reichte Audrey ihrer Schwester die Zigaretten. »Versprich mir einfach, dass es in diesem Urlaub vor allem um dich geht und darum, dass du dein Leben wieder in den Griff bekommst.«

»Das verspreche ich dir.« Daphne steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen und drückte den Zigarettenanzünder rein. »Weißt du, was dieses Mal anders ist? Ich will es wirklich. Dieses Mal meine ich es ernst.«

Das sagst du jedes Mal, dachte Audrey geknickt. Aber sie war wider Erwarten auch ein bisschen aufgeregt. Cade Archer würde die nächsten Wochen mit ihnen verbringen. Der süße, fürsorgliche Cade Archer. Er war vom rücksichtsvollen, nachdenklichen, gut aussehenden Teenager, in den sie verliebt gewesen war, zu einem attraktiven und nahezu perfekten Milliardär mit einem großen Herzen herangewachsen. Und sie musste sich eingestehen, dass sie ihn noch immer liebte.

Nervös klappte sie den Spiegel auf der Beifahrerseite herunter und überprüfte den Sitz ihrer Frisur. Auf einmal ärgerte sie sich, dass sie nichts Exotischeres als einen schlichten schwarzen Pullover über einem lilafarbenen Tanktop und einer Jeans angezogen hatte. Da sie freihatte, trug sie kein Make-up und hatte ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie sah viel zu lässig aus. Dabei wollte sie Cade doch gefallen. Nachdem sie ihrer Schwester noch einen finsteren Blick zugeworfen hatte, da Daphne offenbar kettenrauchend weiterfahren wollte, entspannte sich Audrey und überlegte, was sie Cade sagen sollte, damit er glaubte, es wäre eine wundervolle Überraschung für sie, ihn zu sehen.

Wenn sie es oft genug probte, würde sie ihm vielleicht nicht sofort ihre Liebe gestehen, sobald sie ihn erblickte.

***

Während ihre Familie eine bescheidene Hütte am See hatte, die sie sich mit anderen teilte, war Cades Jagdhütte doch deutlich besser geeignet, wenn man mehr Privatsphäre haben wollte, wie Audrey zugeben musste. Sie bezweifelte zwar, dass er tatsächlich auf die Jagd ging, aber der Name war dennoch geblieben. Die Hütte lag in einem abgelegenen Teil der Adirondack Mountains und war nur über einen Waldweg zu erreichen. Das Gelände grenzte an einen See, aber im Gegensatz zur Hütte ihrer Eltern musste man diesen See nicht mit Dutzenden anderer Menschen teilen. Cade hatte den See und das angrenzende Gebiet gekauft, sodass es dort ruhig und beschaulich zuging.

Es war wirklich perfekt, dachte Audrey. Sie war schon einmal in der Jagdhütte gewesen, aber nur kurz. Damals war nicht sie, sondern ihr Boss Logan Hawkings dort eingeladen gewesen. Er war mit seinen Freunden über das Wochenende auf die Hütte gefahren, und sie hatte ihm wichtige Dokumente bringen müssen. Damals hatte sie die Hütte nur von außen gesehen, die Umgebung bewundert und war sofort wieder zurück in die Stadt gefahren.

Doch es war offensichtlich, dass Daphne schon einmal hier gewesen war. Audrey musterte ihre Zwillingsschwester misstrauisch. Sie brauchte die Straßenkarte nicht und hatte offenbar schon vor einiger Zeit Kontakt zu Cade aufgenommen. Wie oft war Daphne schon in der Hütte gewesen, ohne dass Audrey davon erfahren hatte? Sie war verletzt, dass ihre Schwester das vor ihr geheim gehalten hatte. Früher hatten sie einander alles erzählt. Es verstärkte Audreys Gefühl, dass sich Daphne in einen Menschen verwandelt hatte, den sie nicht mehr kannte.

»Hm«, murmelte Daphne, als sie auf die lange gekieste Auffahrt abbogen und die Jagdhütte in Sicht kam.

Audrey blickte auf und vergaß, worüber sie gerade nachgedacht hatte. »Was ist?«

Daphne deutete mit dem Kinn nach vorn. »Das. Ist er etwa schon da?«

Ein schnittiges, glänzendes Cabrio stand vor ihnen, knallrot, mit dicken Felgen und personalisiertem Nummernschild. Ein ziemlich protziger Wagen für Cade, dachte Audrey und rümpfte die Nase. Vielleicht stand er ja auf solche Autos? Das war durchaus möglich. Er war ein großzügiger und bescheidener Mann, aber möglicherweise hatte er ja eine Schwäche für getunte, teure Autos. Das ging schließlich vielen Männern so.

Die Jagdhütte war ebenso spektakulär. Sie war in A-Form gebaut worden, ruhte auf Stelzen zwischen den Bäumen und war von einer geschwungenen Holzterrasse umgeben. Die Vorderseite des Gebäudes schien vollkommen verglast zu sein, um das Licht hereinzulassen, und aus dem Schornstein stieg Rauch auf.

»Irgendjemand ist auf jeden Fall hier«, stellte Audrey fest und ging zum Kofferraum des Wagens, um ihr Gepäck herauszuholen. Als sie Daphne ihre Tasche reichen wollte, stellte sie fest, dass ihre Schwester ein paar Schritte zur Seite gegangen war und ihr Handy in die Luft hielt. Offenbar hatte sie keinen Empfang.

»Daph?«

Daphne drehte sich zu Audrey um, winkte ihr zu und drückte das Handy an ihr Ohr. »Geh schon mal rein. Ich muss noch jemanden anrufen.«

Audrey sah sie entgeistert an. »Bitte erzähl mir nicht, dass du jetzt schon jemanden anrufst, der dir Drogen herbringen kann.«

Daphne schnitt eine Grimasse. »Ich habe dir doch gesagt, dass es mir gut geht. Und das ist auch nicht der Grund, warum ich telefonieren muss. Ich muss nur jemanden anrufen, okay? Und jetzt nerv mich nicht.« Sie scheuchte sie mit einer Hand weg. »Warum gehst du nicht schon mal rein und sagst Cade Hallo? Ich bin in einer Minute bei euch.«

Audrey zögerte, aber als ihre Schwester sie weiterhin ignorierte, hob sie die Taschen hoch und erklomm die Stufen. Sie konnte Daphne während ihres Urlaubs nicht jede Sekunde im Auge behalten. Wenn ihre Schwester Drogen bestellte, dann war sie eben nicht mehr zu retten. Aber sie musste lernen, ihr zumindest ein wenig zu vertrauen.

Und sie wollte Cade sehen.

Die Tür war nicht verschlossen, und Audrey klopfte an, bevor sie hineinging. »Hallo?«

Schweigen.

Audrey betrat die Hütte und bewunderte die Einrichtung. Ein dicker Teppich lag auf dem Holzboden, und drei rustikale Sofas umrahmten einen gewaltigen steinernen Kamin, in dem ein kleines Feuer brannte. Die Wände waren nicht etwa mit Tierköpfen verziert, sondern mit verschnörkelten Kunstwerken aus Draht, die trotzdem perfekt zu der rustikalen Einrichtung passten. Die Uhr über dem Kamin sah aus wie ein verrostetes Wagenrad. Hübsch, dachte Audrey. Die Küche lag am anderen Ende des Hauses, und in der Nähe führte eine Treppe nach oben. Was befand sich dort? Ein Dachboden? Ein Spielzimmer? Interessant …

Noch immer war Cade nirgendwo zu sehen. Audrey stellte die Taschen in der Nähe der Tür auf den Boden und ging weiter in das Haus hinein, wobei sie mit einer Hand über die Rückenlehne eines Sofas strich.

Das Kichern einer Frau drang an ihre Ohren.

Mit gerunzelter Stirn sah Audrey wieder nach draußen, aber Daphne stand in einiger Entfernung und telefonierte. Sie hatte also nicht ihre Schwester gehört. Hatte Cade jemanden mitgebracht? Ihr wurde das Herz schwer, und leise ging sie weiter. Als sie das Kichern erneut hörte, folgte sie ihm und wischte sich die schweißnassen Hände an ihrer Jeans ab. Auf der Fahrt hierher hatte sie sich das Wiedersehen mit Cade ausgemalt, das ganz gelassen ausfallen sollte. Sie wollte ihn in ein Gespräch verwickeln, ihn daran erinnern, wie eng sie früher befreundet gewesen waren, und ihm demonstrieren, wie sehr sie sich von ihrer gebeutelten Zwillingsschwester unterschied. Und vielleicht, nur vielleicht, entwickelte sich mit der Zeit ja irgendetwas daraus.

Doch bei keinem ihrer Pläne hatte eine andere Frau eine Rolle gespielt.

Mit geballten Fäusten ging Audrey zur Hintertür, wo das Kichern herzukommen schien. Sie hörte auch ein tiefes, ständiges Brummen, das anscheinend von einem Generator stammte. Ärgerlicherweise hatte die Hintertür kein Fenster, sodass sie nicht nach draußen sehen konnte. Was war, wenn sie in eine peinliche Situation hineinplatzte? Sollte sie lieber gehen? Aber wenn sie das tat, würde Daphne hereinstürmen und ihm verraten, dass Audrey spioniert hatte. Das würde die Sache noch schlimmer machen. Da war es doch besser, die Tür zu öffnen und es hinter sich zu bringen. Audrey holte tief Luft, riss die Tür auf und machte einen Schritt nach draußen.

Drei Dinge sah sie sofort.

Das Geräusch, das sie gehört hatte, stammte von einem gigantischen Whirlpool.

In dem sich momentan zwei nackte Menschen aufhielten: ein Mann und eine Frau.

Keiner der beiden war Cade Archer.

Das Paar küsste sich leidenschaftlich. Sie konnte den langen, schmalen, gebräunten Rücken der Frau sehen, die sich an die Brust des Mannes presste, der wiederum die Arme um sie gelegt hatte. Sie hatten beide einen nackten Oberkörper, und obwohl Audrey nicht mehr als das sehen konnte, war doch ziemlich offensichtlich, was sie vorhatten.

Audrey räusperte sich.

Die Frau wirbelte herum, entdeckte Audrey und gab dem Mann dann eine Ohrfeige. »Du hast gesagt, du würdest dich mit keiner anderen treffen!«

Er zuckte zusammen und rieb sich die Wange. »Das tue ich auch nicht. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer das ist.« Er sah Audrey verärgert an. »Wer sind Sie?«

Die beiden starrten sie an, als wäre sie der Eindringling. Nein, schlimmer noch, als wäre sie eine Wanze. Eine sehr unattraktive Wanze. Audrey war entrüstet. »Das sollte ich viel eher Sie fragen, oder? Dies ist Cade Archers private Jagdhütte.«

»Das stimmt«, erwiderte der Mann lässig. Er kam ihr bekannt vor, aber ihr fiel nicht ein, wo sie ihn schon mal gesehen hatte. »Daher wüsste ich auch zu gern, was Sie hier zu suchen haben.«

»Ich habe jedes Recht, hier zu sein«, erwiderte Audrey brüskiert. »Meiner Schwester wurde zugesichert, dass wir die Hütte einen Monat lang für uns haben würden.«

Der Mann zwinkerte Audrey zu und zog die Frau wieder an sich. »Wir sind in ein paar Stunden fertig.«

Argh! Audrey konnte ihren Abscheu nicht verbergen. »Ich hoffe, Sie lassen hinterher das Wasser ab. Wir haben nicht das geringste Bedürfnis, in Ihrer DNS zu schwimmen.«

Er kicherte.

Die Frau sah ihn wütend an und rückte von ihm ab. »Du hast das hier doch nicht als Dreier geplant, oder?«

»Natürlich nicht, Camilla.«

Audrey verdrehte die Augen. »Ich kann Ihnen versichern, dass ich ganz bestimmt nicht zu Ihnen reinkommen werde.«

»Reese.« Die Frau schmollte und ließ sich in das blubbernde Wasser sinken. »Ich dachte, wir würden das Wochenende für uns sein.«

»Das dachte ich auch«, erwiderte er, ließ Audrey aber nicht aus den Augen. Sie ärgerte sich darüber, dass er noch immer grinste, als würde er sich köstlich amüsieren. Dieser Eindruck wurde von dem liederlichen Ziegenbart, der seinen Mund umrahmte, noch verstärkt.

»Tut mir leid«, sagte Audrey brüsk, »aber die Hütte ist bereits reserviert. Sie beide können sich bestimmt ein anderes schönes Plätzchen suchen, an dem Sie wie Teenager übereinander herfallen können.«

»Reese«, beschwerte sich Camilla erneut.

Audrey zermarterte sich das Gehirn und starrte den Mann mit zusammengekniffenen Augen an. Sein Haar lag nass an seinem Kopf, und er hatte diesen Ziegenbart, aber … Sie hob eine Hand, verdeckte seine untere Gesichtshälfte und keuchte auf. »Reese Durham.«

»Du hast gesagt, du würdest sie nicht kennen«, maulte Camilla und bespritzte ihn mit Wasser.

»Das tue ich auch nicht«, erwiderte er und schirmte seine Augen ab. »Lass das.«

»Ich bin Logan Hawkings’ Assistentin«, erklärte Audrey mit geschäftsmäßiger Stimme. Da hatte sie ihn auch schon einmal gesehen. Allerdings trug er sonst immer einen Anzug, war glatt rasiert und hatte einen perfekten Scheitel. Er war einer von Logans Freunden, einer der sechs Männer, die sie insgeheim das »dreckige halbe Dutzend« nannte, da sie ständig zusammenhockten. Sie hatte ihn schon sehr oft in Logans Büro oder bei Geschäftsterminen gesehen, aber sie war ihm offenbar noch nie aufgefallen.

Aber sie hatte ihn auch noch nie mit nacktem, nassem Oberkörper vor sich gehabt.

»Wer ist denn da draußen?«, zischte Daphne, die hinter der Tür stand.

Audrey drehte sich zu ihr um und bemerkte, dass ihre Zwillingsschwester blass und gestresst aussah. »Einer von Cades Freunden ist mit seiner Freundin hier.«

»Scheiße.« Auch wenn sie es nicht für möglich gehalten hätte, wurde Daphne sogar noch blasser. »Kannst du sie loswerden? Wenn die Paparazzi rausfinden, dass ich hier bin, dann werden sie mir die ganze Zeit auf die Nerven gehen.«

Die Sorge in der Stimme ihrer Schwester spornte Audrey an. »Geh nach oben«, flüsterte sie. »Ich werde sie rauswerfen.« Dann drehte sie sich wieder zum Whirlpool um und zog ihr Handy aus der Tasche.

»Was machen Sie da?«, fragte Reese mit warnendem Unterton.

»Ich filme Ihr Rendezvous«, antwortete Audrey unverblümt und begann zu filmen. »Irgendjemand wird sich bestimmt für das Privatleben des Milliardärs und Playboys Reese Durham und seiner Freundin interessieren …«

»Wagen Sie es nicht«, kreischte Camilla und ging zur selben Zeit wie Reese auf sie los.

Audrey ignorierte sie und filmte weiter. »Wenn Sie nicht verschwinden, muss ich wohl oder übel …« Sie unterbrach sich, als der nasse Mann nach ihrem Arm griff und versuchte, ihr das Handy zu entreißen. »Fassen Sie mich nicht an!«

»Geben Sie mir das verdammte Handy!«

»Nein!« Sie hielt es vor ihren Körper, während sich Camilla ein Handtuch umwickelte und an ihr vorbeihuschte. Als Reese erneut nach ihr griff, verlagerte Audrey das Gewicht und hielt das Handy so, dass er nicht rankommen konnte, während sie sich ihm entwand. Es war kindisch und lächerlich …

Aber sie war fest entschlossen, dieses Spiel zu gewinnen.

Er hatte sehr lange Arme, daher wandte sie ihm den Rücken zu und beugte sich über ihr Handy, um es zu schützen. Doch dann erschrak sie zutiefst, als er seine starken Arme um ihren Oberkörper legte und sie gegen seinen nassen, nackten Körper drückte. Seine Hände ruhten gefährlich dicht an ihren Brüsten.

»Geben Sie mir das Handy, kleine Assistentin«, murmelte er und klang dabei eher amüsiert als wütend.

Sie zappelte herum und versuchte, ihre Arme zu befreien, die er festhielt. Doch die Situation war aussichtslos. Er drückte ihre Arme an ihre Seite, wodurch er zwar nicht an das Handy gelangen konnte, aber auch verhinderte, dass sie weiterhin filmte. »Lassen Sie mich los.«

»Nein. Ich könnte das den ganzen Tag lang machen.«

Audrey startete einen weiteren Befreiungsversuch und bemerkte dann erschrocken, dass sich etwas Hartes an ihre Hüfte drückte. Sie sog schockiert die Luft ein. »Ich will doch hoffen, dass das nicht Ihr Schwanz ist, den ich da an meinem Bein spüre.«

Er kicherte. »Ich kann es nicht ändern. Dann zappeln Sie halt nicht so herum.«

»Sie sind wirklich ekelhaft!«

»Hey, wenn Sie meine Verabredung verjagen, dann tausche ich gern und gebe Ihnen eine Chance …«

Das reichte jetzt aber. Sie ließ das Handy fallen. »So. Sie haben gewonnen. Sind Sie jetzt zufrieden? Mein Handy ist weg. Lassen Sie mich endlich los.«

Ebenso schnell, wie er sie festgehalten hatte, ließ er sie auch wieder los und griff nach ihrem Handy. Bevor sie protestieren konnte, warf er es in den Whirlpool, und Audrey stöhnte entsetzt. »Das war mein Handy!«

»Mit dem Sie meinen Knackarsch fotografiert haben!«, erwiderte er und nahm sich ein Handtuch vom Halter. Erleichtert bemerkte sie, dass er eine Badehose trug. Und dass er einen sehr ansehnlichen Hintern und einen muskulösen Rücken hatte. Verdammt. Er hat ja wirklich einen Knackarsch! »Camilla würde nicht wollen, dass ihr Vater Fotos von uns beiden zu sehen bekommt, und mir wäre das auch nicht recht. Er würde glauben, dass ich seiner Tochter nur wegen eines Geschäftsabschlusses nachstelle.«

»Wegen eines Geschäfts?«, wiederholte Audrey, die jetzt völlig verwirrt war. »Wer ist sie denn?«

»Das war Camilla Sellers, die Tochter und einzige Erbin des Sellers-Imperiums. Und ich bin wirklich nur wegen eines Geschäftsabschlusses hinter ihr her«, sagte Reese mit verschmitztem Grinsen, während er sich das Handtuch um die Hüften wickelte. »Aber ich möchte nicht, dass ihr Vater das ebenfalls denkt.«

»Sie sind ein Schwein!«, erklärte Audrey und zupfte an ihrem jetzt durchnässten Pullover herum. Er klebte wie eine zweite Haut an ihren Brüsten, und ihr war der anerkennende Blick dieses Lüstlings nicht entgangen. »Ich gehe jetzt rein. Und Sie werden mir ein neues Handy kaufen.«

»Alles, was Sie wollen, kleine Assistentin.«

»Mein Name ist Audrey«, stieß sie hervor. »Nicht ›kleine Assistentin‹.«

»Sie sind ganz schön wütend«, stellte er amüsiert fest.

»Sie haben mich angegriffen und mein Handy in den Whirlpool geworfen. Wie sollte ich da nicht wütend sein?«

»Sie waren auch ziemlich gemein zu uns«, erwiderte er lässig, lehnte sich mit dem Rücken an den Whirlpool und musterte sie.

»Das war ich nicht«, konterte Audrey.

»Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Logans Assistentin so fies sein kann. Oder daran, dass sie so rote Haare hat.« Er nahm sie von oben bis unten in Augenschein und starrte dann ihre Brüste an. »Oder so einen Vorbau.«

»Argh«, schnaubte sie. Dieser Mann war so widerlich! Sie riss die Tür auf, stürmte in die Hütte und machte sich auf die Suche nach ihrer Schwester.

Daphne war nirgendwo zu sehen. Das war gut. Dann war sie Camilla zumindest aus dem Weg gegangen und hatte nicht mitansehen müssen, wie ihre tatkräftige, verklemmte Zwillingsschwester mit einem nassen Idioten gerungen hatte.

Plötzlich hörte sie das quietschende Geräusch durchdrehender Reifen, und Audrey rannte mit klopfendem Herzen zum Fenster. Oh nein! Daphne konnte doch nicht schon abgehauen sein!

Aber der Wagen, der gerade zwischen den Bäumen verschwand, war das rote Cabrio, und Audrey konnte gerade noch sehen, wie Camillas blondes Haar im Wind wehte.

»Tja«, sagte eine Männerstimme hinter ihr. »Dann haben Sie mich wohl vorerst am Hals, denn das war meine Mitfahrgelegenheit.«

3

Audrey drehte sich um und starrte den Mann hinter sich an. Dabei bemühte sie sich, ihr Temperament im Zaum zu halten. Er lehnte am Türrahmen, hatte das Handtuch tief auf den Hüften hängen und die Arme vor der Brust verschränkt. Dabei sah er auf diese freche Art gut aus und so, als wüsste er ganz genau, dass alle Frauen auf ihn flogen. Ein struppiger Ziegenbart zierte sein gebräuntes Gesicht, und er war nicht auf diese klassische Weise attraktiv, wie es die Davidstatue oder ein Model waren. Dafür sah er viel zu sehr nach einem Arbeiter aus, aber was ihm an Attraktivität fehlte, machte er durch Charisma wett. Obwohl sie wütend auf ihn war, bekam sie doch jedes Mal weiche Knie, wenn er sie so durchtrieben angrinste.

Woraufhin sie noch wütender auf sich selbst wurde.

Daher zwang sie sich, ruhig zu bleiben. Cool. Gefasst.

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