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Pearls of Passion: Eine französische Affäre

Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Adelaide Cole

Pearls of Passion: Eine französische Affäre

Roman

Übersetzung aus dem Amerikanischen von

Tanja Lambert

DIE STRASSEN VON PARIS

“Oh-laaa! Tu me fais chier quoi, Paris de merde! Ville des putain de lumières! Tu m’emmerdes!”, fluchte Valérie, während sie gleichzeitig versuchte, den Hundekot von den Sohlen ihrer Schuhe abzustreifen.

“Dieses gottverdammte Paris! Mit seinen gottverdammten Kötern!”, murmelte sie erbost. Das Kopfsteinpflaster der alten Straßen, nein, alle Straßen der französischen Hauptstadt waren übersät mit stinkenden Tretminen. Diese schrecklichen Straßen, die zugleich Rennstrecken für rücksichtslose Fahrer waren, die die Motoren ihrer Flitzer aufheulen ließen …

Endlich fand sie das Gebäude, das sie gesucht hatte. Sie zog Mathieu hinter sich her, betrat den Innenhof und versuchte sich ihren Schuh unauffällig an der Fußmatte zu säubern. Dann machte sie sich mit ihrem Sohn im Schlepptau auf den Weg in den vierten Stock, wo das Büro des Facharztes lag.

Die Rezeptionistin sah Valérie gelangweilt an. “Es tut mir leid, Madame, aber ich kann nichts für Sie tun. Uns muss dieses Formular über Ihren Sohn vorliegen …” – streng hielt sie ein Blatt Papier hoch, als sei Valérie eine ungehorsame Schülerin und nicht die Mutter eines kleinen Patienten – “… bevor der Doktor ihn untersuchen kann.”

“Aber ich habe doch einen Termin. Heute. Jetzt. Wir sind pünktlich”, antwortete Valérie und zeigte zur Bestätigung auf ihre Armbanduhr. “Warum haben wir denn einen Termin bekommen, wenn wir gar keinen haben durften? Das ergibt doch keinen Sinn.” Jetzt fing auch noch Mathieu neben ihr an zu jammern, genau wie er es während ihrer Besorgungen schon den ganzen Tag über getan hatte. “Maman, Saft! Durst! Saft!”, sagte er wieder und wieder und zerrte an ihrem Hosenbein.

Valérie kramte in ihrer Handtasche und fand eine kleine Wasserflasche, die sie ihm reichte. Durstig trank er. Dass damit sein ständiges Jammern unterbrochen wurde, nahm etwas von dem Druck, den sie heute als besonders stark empfand. Mathieu war das jüngere ihrer zwei Kinder, fast fünf Jahre, und schon längst hätte er in vollständigen Sätzen sprechen sollen. Aber das tat er nicht, und erst die Entscheidung der Vorschule, ihn wegen seiner Sprachverzögerung nicht aufzunehmen, hatte Valéries Selbstlüge zerstört. Unglücklich hatte sie begonnen, nach jemandem zu suchen, der ihrem kleinen, entwicklungsverzögerten Sohn helfen konnte.

Die Rezeptionistin seufzte so schwer, als würde die Last der Welt auf ihren Schultern liegen. “Die Termine werden immer sechs Wochen im Voraus gegeben, Madame. Alle Familien werden davon in Kenntnis gesetzt, dass sie in diesen sechs Wochen die erforderlichen Nachweise bringen und dieses Formular ausfüllen müssen, bevor sie zu ihrem Termin bei dem Doktor erscheinen. Es ist bedauerlich, dass Ihnen das entgangen ist, Madame, im Gegensatz zu unseren anderen Patienten.”

Seit ihrer Rückkehr nach Paris hatte Valérie schon so viele Kämpfe mit der Bürokratie ausgefochten, dass sie wusste, wann eine Schlacht verloren war. Diese hier war es.

“Gut. Danke. Au revoir”, antwortete sie mit so viel Höflichkeit, wie sie aufbringen konnte.

“Au revoir, Madame”, gab die Rezeptionistin knapp zur Antwort.

Valérie nahm ihre Einkaufstasche und stopfte das zusammengefaltete Formular hinein. Dann verließen sie das Büro und gingen die vier Etagen wieder hinunter.

Mathieu klammerte sich an ihrem Mantel fest, während sie durch den Nieselregen liefen, zwischen aufheulenden Automotoren und Hundehaufen. “Pass auf, wo du hintrittst, Mathieu”, wies Valérie ihren Sohn an.

Schließlich erreichten sie den Eingang der nächsten Metro-Station. Als Mathieu durch das Drehkreuz gehen wollte, verhakte sich seine Jacke und riss ihn zurück. Sein lautes Heulen ging in dem ungehaltenen Schimpfen der Menschen hinter ihnen unter, die böse murmelnd weiterliefen, um durch das nächste Drehkreuz zur U-Bahn zu gelangen.

Valérie musste an Mathieus Jacke zerren, bis sie sie endlich frei bekam. Sie kämpften sich ihren ermüdenden Weg durch Menschentrauben und viel zu volle Waggons. Die Luft in der Bahn war unerträglich stickig. Valérie ergatterte zwei leere Plätze und platzierte ihren Sohn, damit er wenigstens die letzten paar Minuten, bis sie ausstiegen, Ruhe gab.

Als sie die Metro verließen und wieder ans Tageslicht kamen, stolperte Valérie über das Bein einer Bettlerin, die auf dem Straßenpflaster saß. Wütend schrie die Frau Valérie an, die in diesem Moment beschloss: Paris war eine Höllenstadt, geschaffen einzig zu dem Zweck, ihre Bewohner unglücklich zu machen.

Plötzlich kostete sie jeder Schritt mehr Energie, als sie hatte, und als sie endlich den letzten Treppenabsatz vor ihrem Apartment erreicht hatte, fühlte sie sich unendlich matt, geschwächt von diesen entsetzlichen Straßen, der Bürokratie, schrecklichen Geschäften, überfüllten Waggons und schließlich dieser nicht enden wollenden Treppe.

Als sie die Wohnung betraten, war Philippe bereits zu Hause und hatte auf dem Weg von der Arbeit ihre Tochter Manon von der Ferienbetreuung abgeholt. Er sah müde und erschöpft aus, aber versuchte freudig zu wirken, als sie das Wohnzimmer betraten.

Verschwitzt und müde schlüpfte Valérie aus ihren Schuhen, die immer noch nach Hundedreck rochen. Wenn die Kinder im Bett waren, würde sie versuchen, sie sauber zu machen.

Mathieu sank auf den Fußboden und begann zu weinen.

Rasch stellte Valérie ihre Einkaufstüten ab und ging ins Badezimmer. Vielleicht würde sie sich ja nach einer Dusche besser fühlen. Sie rief Philippe zu: “Wie wäre es nachher mit einem Glas Wein, Liebling?”, und schloss die Tür hinter sich.

Sie zog sich aus und ließ ihre Kleidung achtlos auf den gefliesten Boden fallen. Als sie das Wasser anstellte, fing es in den veralteten Leitungen sofort an zu klopfen und zu rauschen.

Die Dusche spülte zumindest einen Teil des Stresses fort, den der Tag in Valérie hinterlassen hatte. Als sie, in einen weichen Bademantel gehüllt und sich mit einem Handtuch die Haare trocknend, das dampfende Bad verließ, hatte Mathieu sich beruhigt. Auf dem Fußboden hatte er ein Spielzeug entdeckt, mit dem er jetzt selbstverloren spielte.

Sie setzte sich an den Küchentisch und lächelte Philippe zu. Müde lächelte er zurück und reichte ihr ein Glas Bordeaux. Entgegen ihrer Gewohnheiten stießen sie an und sagten wie aus einem Munde: “Santé”. Auf bessere Tage, dachten sie beide wohl insgeheim.

Valérie nahm einen großen Schluck, während sie mit der anderen Hand fortfuhr, ihr Haar trocken zu rubbeln. Sie seufzte tief, dann fragte sie: “Und, wie war dein Tag?” Sofort wünschte sie, sie hätte nicht gefragt.

Philippe verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. “Politik, Politik”, sagte er müde. Sie fragte nicht nach Details, und er erzählte ihr keine. Wie bei so vielen lang verheirateten Paaren bestanden ihre Unterhaltungen gern aus Wiederholungen.

Schweigend nippten sie an ihrem Wein.

Sie hatten sich an der Universität in Paris kennengelernt. Valérie stammte aus dem Süden, aus der Provence, Philippe kam aus der Bretagne im Norden des Landes.

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