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Paradies gesucht – Liebe gefunden

1. KAPITEL

Leandro Demetrios, milliardenschwerer Banker und Traummann von Millionen Frauen, bugsierte die berühmte Hollywoodschauspielerin in sein exklusives Londoner Stadthaus und schlug den im Regen wartenden Fotografen die Tür vor der Nase zu.

Die Frau lachte und sah ihn bewundernd an. „Hast du die Gesichter gesehen? Du hast die Kerle zu Tode erschreckt. Bei dir fühle ich mich sicherer als bei meinen Leibwächtern. Außerdem bist du viel besser gebaut.“ Anerkennend ließ sie eine Hand über seinen beachtlichen Bizeps gleiten. „Warum haben wir nicht den Hintereingang benutzt?“

„Weil ich mich weigere, mein eigenes Haus wie ein Dieb zu betreten. Außerdem stehst du doch gern im Blitzlichtgewitter.“

„Ja, und zusammen mit dir ist es noch aufregender. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: ‚Milliardär lehrt Paparazzi das Fürchten‘.“

Bei dieser Aussicht verzog Leandro das Gesicht. „Ich lese nur die Wirtschaftsseiten.“

„Die lasse ich grundsätzlich aus. Über Geld weiß ich nur, dass man es ausgeben kann. Aber du – du weißt, wie man es vermehrt. Deshalb bist du genau der Richtige für mich. Nun lach doch mal, Leandro! Die schlechte Laune kannst du dir für später aufheben, wenn ich weg bin. Wir wollen uns amüsieren, schließlich reise ich ja schon morgen wieder ab.“ Sie schenkte ihm einen lasziven Blick. „Endlich allein, mein sexy griechischer Milliardär. Und? Was machen wir heute Abend?“

Leandro zog sein Jackett aus und warf es achtlos auf einen Stuhl. „Falls du die Frage ernst meinst, kannst du gleich wieder gehen.“

Schon wieder lachte seine Begleiterin begeistert. „Außer dir wagt es niemand, so mit mir zu reden. Das liebe ich so an dir. Es ist sehr erfrischend, zur Abwechslung einmal nicht angehimmelt zu werden.“ Sie fuhr sich aufreizend mit der Zunge über die sinnlichen Lippen. „Was würdest du denn tun, wenn ich mich jetzt von dir verabschieden und ins Hotel zurückkehren würde?“

„Ich würde sofort Schluss mit dir machen.“ Leandros Fliege landete auf dem Jackett. „Aber da wir beide dasselbe im Sinn haben, hörst du jetzt besser auf mit deinen Spielchen und machst, dass du die Treppe hinaufkommst. Mein Schlafzimmer ist im ersten Stock. Die letzte Tür auf der linken Seite.“

„Du bist ein richtiger Macho.“ Noch so ein aufgesetztes Lachen. „Und jetzt hat man dich sogar offiziell zum ‚sexiest man alive‘ gewählt.“

Das Gespräch langweilte Leandro. Er wollte endlich zur Sache kommen und dirigierte seine Begleiterin Richtung Treppe.

„Es ist dir völlig egal, was andere Leute von dir halten, oder? Du bist wirklich unglaublich gleichgültig. Das reizt mich.“ Als würde sie vor der Kamera stehen, wiegte sie provozierend die Hüften. „Es knistert zwischen uns, Leandro.“

„Man nennt das auch sexuelle Anziehung“, entgegnete er trocken.

„Hattest du eigentlich noch nie eine feste Beziehung? Angeblich warst du doch mal kurz verheiratet.“

Er blieb stehen. Sehr kurz. „Inzwischen mache ich mir mehr aus Abwechslung.“

„Da bist du bei mir genau richtig.“ Diese rauchige Stimme brachte ihr viele Millionen Dollar pro Film ein. „Und ich kann es kaum erwarten, herauszufinden, ob alles wahr ist, was man sich über dich erzählt. Ich weiß ja, dass du hochintelligent und viel zu schnell mit deinen Luxuswagen unterwegs bist. Aber viel lieber würde ich wissen, ob du ein richtig schlimmer Junge bist, was Frauen betrifft.“

„Das wirst du gleich sehen. Heute ist deine Glücksnacht, Schätzchen.“ Leandro zog den Filmstar die Treppe hoch.

„Dann mal los, mein Schöner.“ Interessiert betrachtete sie die Gemälde im Treppenhaus. „Wie ich sehe, investierst du in Kunst. Das sind doch alles Originale, oder? Ich hasse Fälschungen.“

„Das glaube ich dir aufs Wort.“ Amüsiert betrachtete er ihre Silikonbrüste. Wahrscheinlich waren höchstens zehn Prozent an ihr echt. Ständig schlüpfte sie in neue Rollen, ihr wahres Ich hatte sie vermutlich längst vergessen. Ihm war das egal. Je oberflächlicher, desto leichter wurde er sie wieder los.

„O Leandro! Nur du kommst auf die Idee, dir ein Aktbild ins Treppenhaus zu hängen.“ Sie blieb stehen und musterte das riesige Ölgemälde abfällig. „Für jemanden, der sich mit Schönheit umgibt, ist das aber eine seltsame Wahl. Findest du die Dame nicht viel zu fett?“

Auch Leandro betrachtete das berühmte Meisterwerk aus der Renaissance, das bis vor kurzem als Leihgabe in einer großen Kunstgalerie gehangen hatte. „Zu ihren Lebzeiten waren üppige Kurven angesagt.“

Verständnislos glitt der Blick des Filmstars über die exquisiten Pinselstriche. „Von Diäten haben sie damals wohl noch nie etwas gehört.“

„Kurven standen für Wohlstand“, erklärte Leandro. „Es bedeutete, dass du genug zu essen hattest.“

Sie wollte sich das Bild näher ansehen und streckte eine Hand danach aus.

Im letzten Moment hielt Leandro sie zurück. „Wenn du es berührst, haben wir gleich die Polizei im Haus“, warnte er sie.

„Ist es wirklich so wertvoll?“ Sie befeuchtete sich die glänzenden Lippen und sah ihn begierig an. „Du bist wirklich reich und mächtig. Ich würde zu gern wissen, warum mich das so erregt. Schließlich ist mir dein Geld egal.“

„Natürlich ist es dir gleichgültig“, stimmte er nüchtern zu. Ihm war durchaus bewusst, dass ihre Liebhaber für das Privileg, sie zu begleiten, tief in die Tasche greifen mussten. „Wir wissen beide, dass du dich für mich interessierst, weil ich nett zu alten Damen und Tieren bin.“

„Magst du Tiere?“

Unschuldig sah er in ihre berühmten blauen Augen. „Ich hatte schon immer eine Schwäche für unsere stummen Freunde.“

„Das macht dich noch liebenswerter.“ Sie schlang die Arme um seinen Nacken. „Jetzt hast du mich schon dreimal zum Abendessen ausgeführt und nichts von dir erzählt.“

„Und du hast das Essen nicht einmal angerührt.“ Geschickt lenkte er das Gespräch in andere Bahnen und zog den Reißverschluss des Abendkleids hinunter.

Dem Filmstar stockte der Atem. „Du kommst aber schnell zu Sache.“

„Warum nicht? Der Worte sind genug gewechselt.“ Er schob ihr das Kleid von den Schultern und verzog das Gesicht, als er darunter auf einen knochigen Körper stieß.

„Den Leuten ist es einiges wert, meinen Körper auf der Leinwand zu sehen.“ Spielerisch zog sie mit den Fingernägeln eine Spur auf seinem Arm entlang. „Aber du, Leandro Demetrios, bekommst ihn umsonst.“

Umsonst ist gut, dachte er und betrachtete die Ohrringe, die er ihr vorhin geschenkt hatte. „Schade, dass du dich nicht pro Kilogramm verkaufst“, sagte er lässig. „Dann würdest du mich tatsächlich nichts kosten.“

„Danke.“ Offensichtlich fasste sie die Bemerkung als Kompliment auf. „Du würdest mich allerdings ein Vermögen kosten. Schließlich wiegen Muskeln schwerer als Fett, und du bist der bestgebaute Mann, den ich kenne. Dein Selbstvertrauen spricht auch für sich. Ist das typisch griechisch?“

„Nein, es ist typisch für mich. Ich nehme mir, was mir gefällt.“ Er umfasste ihr Kinn und sah ihr kühl in die Augen. „Und wenn es mich langweilt, lasse ich es wieder fallen.“

Sie erschauerte aufgeregt. „Ohne Entschuldigung – kühl, rücksichtslos, zielstrebig.“

„Sprichst du von mir oder von dir?“ Leandro zog ihr einen Brillantclip aus dem Haar. „Ich bin etwas verwirrt.“

„Du schlimmer Junge! Ich wette, du warst noch nie im Leben verwirrt.“ Lächelnd strich sie mit einem Finger über Leandros sinnliche Unterlippe. „Verrätst du mir, ob es wahr ist, was in den Zeitungen steht? Du bistVater eines Babys?“

„Meinst du die Zeitungen, die behauptet haben, du wärst lesbisch?“ Er verbarg seine plötzliche Anspannung perfekt und holte zum Gegenangriff aus.

„Im Gegensatz zu dir habe ich sofort eine Gegendarstellung gefordert – und bekommen.“

„Ich halte nichts davon, in der Öffentlichkeit über mein Privatleben zu sprechen.“

„Dann ist es also nicht dein Kind? Oder bist du so ein Sex-protz, dass du gar nicht weißt, wie viele Kinder du schon gezeugt hast?“, fügte sie mit lüsternem Augenaufschlag hinzu. „Verrätst du mir denn gar nichts über dich?“

„Doch, eins werde ich dir sagen.“ Leandro zog ihr das Kleid über den mageren Körper und küsste ihren Hals. „Wenn du mir dein Herz schenkst, werde ich es brechen. Vergiss das nicht, agape mou.“

„Du kannst mir keine Angst einjagen.“ Ihre Augen waren dunkel vor Verlangen. „Ich liebe harte Burschen. Besonders, wenn sie auch eine sensible Seite haben.“

„Sensibel bin ich nun wirklich nicht.“ Er sah ihr tief in die Augen. „Andere Menschen sind mir völlig gleichgültig. Wenn du fantastischen Sex willst, dann leg dich in mein Bett. Aber mehr darfst du von mir nicht erwarten. Wenn du nach einem Happy End suchst, bist du bei mir an der falschen Adresse.“

„Happy Ends gibt es nur im Film. Das ist mein täglich Brot. Nachts habe ich es lieber etwas aufregender.“ Sie rieb sich an ihm und strich ihm über die raue Wange. „Eigentlich solltest du dich rasieren, bevor du mit mir schläfst. Aber ich liebe diesen verwegenen Look. Du siehst einfach zu gut aus, Leandro. Mein letzter Filmpartner brauchte ein Navigationsgerät, um sich auf meinem Körper zurechtzufinden. Dieses Problem hast du ganz sicher nicht.“

„Nein, ich hatte schon immer einen guten Orientierungssinn.“ Er schob sie gegen die Tür.

„Ja, Leandro, das gefällt mir.“ Ungeduldig zerrte sie an seinem Hemd. „Du hast einen fantastischen Körper. Ich will, dass du in meinem nächsten Film mitspielst. O Leandro, ich will dich jetzt sofort.“

Endlich hatten sie den interessanten Teil des Abends erreicht. Leandro hob sie hoch und steuerte zielstrebig auf das Bett zu. Dann blieb er abrupt stehen. Sein Bett war bereits belegt!

Die bleiche Frau funkelte ihn wütend mit ihren blauen Augen an. Offensichtlich war sie in einen Regenschauer geraten, denn die dünne Jacke klebte ihr am Körper, und die langen feuerroten Locken hingen ihr feucht über die Schultern.

An ihrem zornigen Blick erkannte Leandro, dass dies kein freudiges Wiedersehen werden würde.

Seltsam, bisher hatte er immer gedacht, sie wäre gar nicht in der Lage, wütend zu werden. Verletzter Stolz, Schmerz, Enttäuschung und Verachtung, die sich gegen ihn richtete, kannte er jedoch zur Genüge von ihr.

Sie hatte es nicht für nötig gehalten, für ihre Liebe zu kämpfen.

Diese Erkenntnis machte nun auch ihn wütend. Überrascht stellte er fest, dass er gerade beinahe die eiserne Selbstbeherrschung verlor, auf die er so stolz war.

Bevor er seinem Ärger Luft machen konnte, quiekte der Filmstar schockiert und verstärkte den Griff um seinen Nacken.

„Wer ist das? Du Mistkerl! Wie kannst du mir so etwas antun! Ich will dich für mich allein haben.Ich habe eine Beziehung mit dir. Es kommt gar nicht infrage, dass ich dich mit jemandem teile. Schon gar nicht mit der da!“

Die Anwesenheit der Besucherin auf seinem Bett hatte Leandro so verdutzt, dass er die Schauspielerin in seinen Armen völlig vergessen hatte. Unsanft stellte er sie auf die Füße. „Ich habe keine Beziehung.“ Nicht mehr.

„Und was ist mit ihr?“ Der Filmstar schwankte auf den schwindelerregend hohen Stilettos und musterte Leandro giftig. „Weiß sie das?“

„Natürlich.“ Er lächelte humorlos. „Sie misstraut mir völlig. Oder etwas nicht, Millie?“

Ihr vorwurfsvoller Blick ging ihm durch und durch. Komm schon, Millie, wehr dich, dachte er. Kratz mir die Augen aus, wenn du mich für einen Schuft hältst. Aber sitz nicht tatenlos da. Und lauf auch nicht wieder weg, so wie du es schon einmal getan hast!

Doch sie rührte sich nicht vom Fleck.

Der Filmstar war außer sich. „Du kennst sie also! Erstaunlich. Sie ist gar nicht dein Typ. Und ihren Stylisten sollte sie sofort an die Luft setzen. Der natürliche Look ist völlig passé. In dieser Saison ist gepflegtes Auftreten angesagt.“ Sie hob ihr Kleid auf und hielt es schützend vor sich. „Wie ist die überhaupt hier hereingekommen? Dein Sicherheitsdienst ist doch sonst so aufmerksam. Offensichtlich hat niemand sie bemerkt.“

Diese Gehässigkeiten gingen ihm langsam auf die Nerven. Er bereute es sowieso schon, die Frau mit zu sich nach Hause genommen zu haben. Sie hatte nicht nur eine spitze Zunge, sondern auch spitze Knochen – abstoßend!

„Worauf wartest du, Leandro? Willst du sie nicht hinauswerfen?“, fragte sie nun schrill.

Leandro musterte das Mädchen auf seinem Bett, bemerkte die rosigen Wangen, den vorwurfsvollen Blick, den er nun seinerseits erwiderte.

Die Atmosphäre zwischen ihnen war so angespannt, dass sie die dritte Person im Raum völlig vergessen hatten, bis diese wütend mit dem Fuß aufstampfte.

„Leandro?“

„Nein“, sagte er barsch. „Ich werde sie nicht hinauswerfen.“ Im Grunde war er froh, sie endlich wiederzusehen, wenn auch das Timing zu wünschen übrig ließ. Erst wollte er sich mit ihr darüber unterhalten, warum sie ihn vor einem Jahr verlassen hatte.

Fassungslos starrte die Diva ihn an. „Du bist lieber mit dieser verwahrlosten Person zusammen als mit mir?“

Er bedachte sie mit einem kalten, vernichtenden Blick. „Ja. Wenigstens besteht für mich keine Verletzungsgefahr, wenn ich mich mit ihr im Bett wälze – keine spitzen Knochen, keine Krallen.“

„Das ist ja wohl die Höhe!“ Die Schauspielerin schnappte nach Luft, stieg in ihr Kleid und warf wütend den Kopf zurück. „Du hast mir versichert, solo zu sein. Wie konnte ich dir nur glauben?“

Aber Leandro beachtete sie gar nicht. Er hatte nur Augen für die junge Frau auf seinem Bett, die er noch immer mit heißer Leidenschaft begehrte. Auch jetzt knisterte es zwischen ihnen. Er war ihr machtlos ausgeliefert. Auch Millie spürte die unwiderstehliche Anziehungskraft, versuchte jedoch, sie zu ignorieren.

So leicht wollte die Hollywoodschönheit ihre Beute jedoch nicht aus den Klauen lassen. Begehrlich ließ sie den Blick über seinen schönen Körper gleiten. „Mir ist klar, dass du nicht mit ihrem Auftauchen gerechnet hast. Die Frauen werfen sich dir ja nur so an den Hals. Schick sie weg, dann fangen wir noch mal von vorn an. Ich verzeihe dir.“

Darauf pfiff Leandro, und er drängte die Schauspielerin zur Tür. „Du musst lernen, nett zu anderen Frauen zu sein. Wenn bei einer Vorstandssitzung mit harten Bandagen gekämpft wird, ist das für mich in Ordnung, aber in meinem Schlafzimmer haben sie nichts zu suchen.“

Zornrot im Gesicht zückte der Filmstar das Handy. „Es stimmt aufs Wort, was man sich über dich erzählt, Leandro Demetrios. Du bist kalt und herzlos und hast gerade verpasst, wovon jeder Mann auf diesem Planeten träumt.“

„Was soll das sein?“ Fragend hob er eine Augenbraue. „Ruhe und Frieden?“

„Mich!“, schleuderte sie ihm entgegen. „Und erspar mir deinen Anblick, wenn du wieder in L. A. bist.“ Außer sich vor Wut, wandte sie sich dem Mädchen auf dem Bett zu. „Und Sie müssen verrückt sein, wenn Sie glauben, dass er treu ist.“

Nachdem sie sich davon überzeugt hatte, dass die Brillantohrringe noch an Ort und Stelle saßen, stürmte sie hinaus. Wenig später knallte unten die Haustür zu.

Leandro sah Millie an. „Falls du jetzt anfängst zu weinen, kannst du gleich wieder verschwinden“, sagte er leise. „Was hast du eigentlich erwartet, wenn du mich in meinem Schlafzimmer empfängst?“

„Ich denke gar nicht daran, deinetwegen auch nur eine Träne zu vergießen. Du kannst mir schon lange nicht mehr wehtun.“

Aber du mir, dachte er mürrisch. „Und was willst du hier?“

„Das kannst du dir doch wohl denken. Ich will das Baby holen.“

Das Baby. Natürlich! Einen Moment hatte er sich eingebildet, sie wäre seinetwegen zurückgekommen.

Wie konnte er nur so dumm sein? „Ich meinte natürlich, was du um Mitternacht in meinem Schlafzimmer machst.“ Vorsichtshalber schloss er die Tür. Sein Personal war zwar durchaus vertrauenswürdig, aber man konnte nie wissen, ob nicht der eine oder andere doch versucht war, die heißeste Story seit Langem meistbietend an die Presse zu verkaufen.

Dass jeder Mensch seinen Preis hatte, hatte Leandro schon als Kind hautnah erfahren.

„Außerdem würde mich interessieren, wie du ins Haus gekommen bist.“

„Wir sind noch immer verheiratet, Leandro. Auch wenn du das vergessen haben solltest.“

„Gar nichts habe ich vergessen! Dein Timing ist übrigens perfekt. Meine heiße Nacht voller Leidenschaft kann ich mir nun abschminken.“

Millie funkelte ihn angriffslustig an. „Wieso? Es ist dir doch noch nie schwergefallen, Ersatz zu beschaffen. Denn in einem hatte die Frau vollkommen recht: Du bist wirklich ein ausgemachter Mistkerl.“

„Seit wann fluchst du, Millie? Das passt nicht zu dir.“ Er durchquerte das Zimmer und griff nach einer Whiskyflasche. Seltsam, äußerlich war er völlig ruhig. „Ich weiß gar nicht, worüber du so wütend bist. Du hast mich verlassen, nicht umgekehrt. Ich hätte durchgehalten.“

„Das klingt ja wie ein Ausdauertest. Du hast seltsame Ansichten von einer Ehe, Leandro. Kein Wunder, dass unsere so schnell gescheitert ist. Du bist so unglaublich unsensibel.“

„Ich lebe nur mein Leben. Was ist daran unsensibel?“ Er schenkte sich ein Glas ein. „Das Bett neben mir war leer. Also habe ich dafür gesorgt, dass sich wieder jemand hineinlegt. Das kannst du mir wohl kaum zumVorwurf machen. Möchtest du auch etwas trinken?“

„Nein danke.“

„Wenigstens beherrscht du noch deine guten Umgangsformen.“ Mit einem finsteren Lachen hob er das Glas. „Erzähl mir jetzt nicht, dass Alkohol dick macht und du auf dein Gewicht achtest.“

„Nein, ich achte höchstens auf meine Zunge. Wenn ich trinke, löst sie sich, und dann erzähle ich dir, was ich von dir halte. Keine gute Idee, oder?“

„Du kannst es mir ruhig sagen. Ich bin ja froh, dass du deine Gefühle überhaupt zum Ausdruck bringst. Konfrontation ist tausendmal besser als Rückzug.“

Verzweifelt schloss sie die Augen. „Aber ich mag keine Konfrontation. Außerdem bin ich nicht hergekommen, um mich mit dir zu streiten.“

„Das glaube ich dir aufs Wort.“ Nachdenklich betrachtete er sein Glas. „Du redest nicht über deine Probleme, oder? Du warst auch nie bereit, unsere Beziehungsprobleme zu lösen. Es ist ja viel einfacher, davonzulaufen, wenn sie auftauchen.“

„Wie kannst du so etwas behaupten? Du warst es doch, der …“ Weil sie es nicht ertragen konnte, es auszusprechen, verstummte sie.

„Der was?“, fragte er lauernd. „Sag mir endlich, was du mir eigentlich vorwirfst, Millie!“

„Das weißt du ganz genau. Aber ich bin nicht hier, um darüber zu reden. Du bist ein … ein …“

Verwundert stellte er fest, dass sie völlig außer Atem war.

„Wann lernst du endlich, einen Satz zu beenden, agape mou?“, erkundigte er sich gelangweilt und ohne eine Spur von Mitleid. Warum sollte er Mitleid mit ihr haben? Er hatte ihr eine einmalige Chance gegeben. Und was tat sie? Sie verließ ihn bei der erstbesten Gelegenheit! „Du hältst mich also für kalt und herzlos? Das wolltest du doch sagen.“

„Ich wünschte, wir wären uns nie begegnet.“

„Das ist kindisch.“ Er gähnte unterdrückt.

„Unsere Beziehung war ein Desaster“, fuhr sie fort.

„Das stimmt nicht. Anfangs warst du eine Offenbarung im Bett. Außerdem fand ich es sehr amüsant, dass du ständig das falsche Wort zur falschen Zeit gesagt hast.“

„Ich habe nur die Wahrheit gesagt.“ Wütend funkelte sie ihn an. „Dazu hat man mich erzogen. Wenn jemand sagt: ‚Freut mich, Sie zu sehen‘, dann meint er das auch so. In deinen Kreisen ist das nur eine Floskel und keineswegs ernst gemeint. Die Leute küssen sich, obwohl sie einander nicht ausstehen können.“

„Das ist eine ganz normale Begrüßung.“

„Und so oberflächlich wie alles in deiner Welt.“ Jetzt sprang sie vom Bett und kam auf ihn zu. „Und genauso oberflächlich wie unsere Beziehung. Du wirfst mir vor, dich verlassen zu haben. Aber was hätte ich deiner Meinung nach denn tun sollen? Hast du gedacht, ich würde einfach wegschauen? Vielleicht tun das die Frauen in deinen Kreisen. Aber mir war unsere Ehe wichtig – bis du mit einer anderen Frau geschlafen hast. Allerdings nicht mit irgendeiner Frau, sondern ausgerechnet mit meiner Schwester.“ Vor Wut und Verzweiflung hatte sich ihr Gesicht gerötet.

„Beruhige dich, Millie.“

„Warum denn? Dir ist doch egal, was mit mir passiert.“ Schützend legte sie die Arme um sich und sah ihm in die Augen.

Sie hat wirklich Mut, dachte Leandro bewundernd. So kannte er sie gar nicht. Er war richtig beeindruckt von seiner Frau.

Geistesabwesend trank er einen Schluck und dann noch einen, bis das Glas leer war.

„Es wundert mich, dass du überhaupt zurückgekommen bist.“

Erschöpft setzte Millie sich auf die Bettkante – müde, durchnässt und ratlos. „Das zeigt nur, dass du mich noch weniger kennst, als ich dachte.“

„Ich kenne dich überhaupt nicht, Millie.“ Ihre ganze Ehe war nur eine Illusion gewesen.

„Woran das wohl liegt? Du hast dir überhaupt keine Mühe gegeben, mich näher kennenzulernen, weil du nur an Sex interessiert bist. Wahrscheinlich hat dich an mir gereizt, dass ich anders bin – ein Mädchen vom Land, das auf dem Bauernhof seiner Eltern arbeitet.

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