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Papilio - Meine Flucht aus der DDR

Und wenn Freiheit und Gerechtigkeit in Ewigkeit nichts als eine schöne Morgenröte wäre, so will ich lieber mit der Morgenröte sterben, als den glühenden, ehernen Himmel der blinden Despotie über meinem Schädel brennen lassen.

Johann Gottfried Seume, Apokryphen

Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.

Ich ahne die Winde, die kommen, und muss sie leben, während die Dinge unten sich noch nicht rühren:

die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille;

die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.

Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.

Und breite mich aus und falle in mich hinein und werfe mich ab und bin ganz allein in dem großen Sturm.

Rainer Maria Rilke, „Vorgefühl“, Das Buch der Bilder

Vorwort des Autors

Unsere Zeit ist geprägt von Machtstreben, religiösem Wahn, Hunger, Korruption, der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Krankheiten wie Ebola oder anderen Seuchen. Menschen fliehen vor dem Krieg oder verlassen ihre Heimat für die winzige Hoffnung auf ein besseres Leben. Meistens geschieht das fern unserer Zivilisation. Doch ist dem wirklich so? Wir fühlen uns sicher, sind behütet durch Sozialsysteme, in einem Land, in dem seit 60 Jahren Frieden und Demokratie unser Leben bestimmen. Welch ein Glück wir doch haben. Glück aber will täglich neu erarbeitet werden. Glück bedarf auch der Erinnerung. Der Erinnerung, dass wir auch einmal auf der anderen Seite standen.

Sorglos aufwachsen und selbst bestimmen können, was aus uns wird. Im wahrsten Sinne des Wortes „seines Glückes Schmied“ sein zu dürfen, war für viele Menschen im geteilten Deutschland ein Herzenswunsch, der sich nicht erfüllen ließ. Das andere Deutschland wurde von einer Diktatur beherrscht, und dort hatte der freie Wille keinen Platz. Für viele kaum vorstellbar. In dieser Zeit wuchs auch ich auf. Als Kind und jugendlicher Teen noch relativ unbeschwert.

Mit zunehmendem Alter habe ich mich gefragt, warum geschieht „Dieses“ und „Jenes“? Je mehr Fragen sich auftürmten, desto weniger befriedigend waren die Antworten, die ich fand.

Immer häufiger hatte ich mit Widersprüchen zu kämpfen, zwischen dem, was offizielle Meinung war und der erlebten Realität. Daraus folgte letztendlich der Entschluss etwas für mich zu ändern. Die einzige Möglichkeit, die ich damals sah, war die der Flucht. Die Flucht vor der Diktatur der DDR. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einließ. Vielleicht war das gut so, denn hätte ich es gewusst …

In diesem Roman werden Sie Kapitel vorfinden, die nichts für schwache Nerven sind. Erlebnisse, die, ins Gedächtnis gerufen, meiner Vergangenheitsbewältigung dienten.

Jürgen Augst, Januar 2015

Prolog

Von der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 bis in den Juni 1990 verließen über 3,8 Millionen Menschen den Staat, davon viele illegal und unter großer Gefahr. Die Freizügigkeit war für Bürger der DDR stark eingeschränkt.

Für viele Ausreisewillige blieb angesichts der fast undurchdringlichen Sperranlagen nur die Möglichkeit, die Flucht über ein Drittland zu wagen. Die Chancen waren aber kaum besser. Wer Pech hatte, der geriet vom Regen in die Traufe. Besonders hart traf es Flüchtlinge, die ihr Glück über Rumänien versuchten. Die dort mit besonderer Brutalität wütende Securitate galt als die schärfste Geheimpolizei nach der Gestapo. Bekannt wurden ihre Gräueltaten erst nach dem Sturz des Diktators Ceausescu.

Die Aufarbeitung der Machenschaften und Verbrechen der Securitate erfolgte in Rumänien bisher recht unbefriedigend für die Opfer, wenngleich intensivere Bemühungen in den letzten Jahren nicht zu verkennen sind. Dies wirkt sich auch auf die Lage und die Handlungsmöglichkeiten der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Opfer der politischen Polizei Rumäniens aus. Ihnen sind ihre Akten, wenn überhaupt, erst in den letzten Jahren zugänglich gemacht geworden. Vor diesem Hintergrund wird der Leser in eine Zeit versetzt, in der 30 Jahre nach Ende der Nazi–Diktatur immer noch menschenverachtende Mechanismen funktionieren. Die Geschichte ist keine Fiktion, sondern hat sich so zugetragen.

1

Ich habe Angst. Gottverdammte Angst, hier zu verrecken. Es stinkt fürchterlich. Fremder und mein eigener Dreck klebt im und über dem Loch in der Ecke. Ich habe das Gefühl, ständig kotzen zu müssen. Mir ist kalt und ich spüre jeden Knochen in mir. Schlafen, ich will endlich schlafen, aber das Durcheinander in meinem Kopf lässt mich nicht. Immer wieder frage ich mich, wie es weitergehen soll und finde keine Antwort. Ich habe Durst. Am Boden neben der Liege steht eine Plastiktasse. Ich hebe sie an und muss feststellen, dass sie leer ist. Kurz bevor das Licht ausgegangen ist, habe ich alles ausgetrunken und jetzt ärgere ich mich darüber. Nun muss ich wieder warten, bis sie mit ihrem entsetzlichen Geschrei das Tagesmahl bringen: einen dunklen und dickflüssigen Brei mit rotbraunen Bohnen, ein faustgroßes Stück Maisbrot und die Plastiktasse mit Tee. Wie oft ich das Zeug schon heruntergewürgt habe, weiß ich nicht mehr.

Sind es Tage oder Wochen, die ich bereits hier bin? Zu lange. Warten, immer nur warten. Das ist ihre Taktik. Was haben die mit mir vor? Die Ungewissheit zerreißt mich. Wann werden die mich endlich holen, damit ich es hinter mir habe?

Gespannt lausche ich auf jedes Geräusch außerhalb meiner Zelle. Die Schreie und das ständige Stöhnen der armen Schweine von Mitgefangenen halte ich kaum noch aus. Immer wieder und in unregelmäßigen Abständen höre ich sie und sie machen mir Angst, denn ich ahne den Grund.

Dann wieder diese lähmende Stille, die mich fast in den Wahnsinn treibt. Ein unheimlicher Wechsel. Ich drehe mich zur Seite und ziehe die Decke über den Kopf. Nichts hören und nichts denken. Ich bin müde, möchte nur noch schlafen, träume wirres Zeug und wache wieder auf.

Schwere Schritte hallen durch den Gang, kommen näher. Ich halte den Atem an und lausche auf die Stimmen, die sie begleiten und jetzt ganz dicht vor meiner Tür sind. Die Stimmen verstummen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Schlüssel rasseln und ein Riegel wird zurückgeschoben. Ich erschrecke und springe von meiner Liege auf. Jetzt wird es ernst, denke ich. Licht flammt auf. Es blendet und ich kneife meine Augen zusammen. An der Tür erkenne ich schemenhaft zwei Gestalten. Eine winkt mir zu.

„Los, mitkommen. Los, schnell, schnell!“

Ich soll ihrem Befehl folgen, aber meine Beine haben etwas dagegen. Als würden Tonnen von Blei daran hängen, ziehen und zerren sie an mir und halten mich zurück. Ich stehe immer noch auf der gleichen Stelle, ängstige mich. Will da nicht raus.

„Was ist? Hast du mich nicht gehört?“

Ich schweige. Der, der mich gerade aufgefordert hat, kommt auf mich zu und zerrt an meinem Hemd. Ich taumle. Kurz darauf stehe ich ihnen gegenüber. Erst jetzt kann ich sie genau erkennen. Es ist verdammt hell auf dem Flur. Ein dürrer großer Typ mit auffallend auseinander stehenden, dunklen Augen und fleischiger Nase lehnt an der Wand, während der andere Kerl, klein und dick, sich breitbeinig vor mir postiert. Grinsend betrachten mich beide von oben bis unten und unterhalten sich wahrscheinlich über mich. Ich verstehe ihre Sprache nicht. Urplötzlich schreit er mich wieder an:

„Was guckst du?“

Wo soll ich denn sonst hinsehen, du Arsch? Am liebsten würde ich ihm in seine von Pickeln übersäte Fresse spucken. Irgendwie scheint der Dicke meine Gedanken zu erraten. Er tritt einen Schritt zurück und greift nach dem Schlagstock an seinem Gürtel.

„Was ist? Hast du Schiss?“

Der Dürre bricht nach dieser Frage in höhnisches Gelächter aus, in das der Dicke mit einstimmt. Gleichzeitig schlägt er mit dem Stock gegen seinen Oberschenkel.

Diese perversen Schweine. Fühlen sich stark. Sie reden wieder in diesem Kauderwelsch und der Dürre nickt und grinst mich an. Ich kann es nicht ertragen. Im nächsten Augenblick zwängt sich der Dürre an dem Dicken vorbei, fasst mich am Oberarm und reißt mich herum.

„Vorwärts!“, schnauft er.

Ich muss den Atem anhalten, denn er stinkt penetrant nach Schweiß. Aus seinem Mund trifft mich ein Schwall aus Knoblauch und faulen Zähnen. Er stößt mich vor sich her. Vor mir liegt ein schier endlos langer Gang, nur einige Schritte breit. Rechts befinden sich die Zellen. Mein Blick fällt auf ein hüfthohes Geländer gegenüber. Dahinter geht es tief abwärts. Mindestens drei oder vier Etagen, schätze ich. Den Boden kann ich von meinem Standort aus nicht erkennen. Man könnte mich hier hinunterstoßen, und kein Hahn würde nach mir krähen.

Die werden doch nicht etwa – nein, das bringen die nicht fertig. Ich muss an die zu Hause denken. Sie tun mir leid. Mutter läuft bestimmt Amok. Das tut sie immer, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellt. Vor allem, wenn sie erfährt, dass ich hier gefangen bin.

Das war nicht immer so. Aber seit Vaters Tod ist sie anders, kein bisschen mehr die ruhige und ausgeglichene Frau, die sie einmal war. Nach seinem Tod vollzog sie eine Wende um nahezu hundertachtzig Grad.

Mich wundert’s nicht. Das Leben hat ihr übel mitgespielt. Warum musste er auch, so mir nichts dir nichts, von der Bühne abtreten? Sie mit allem überfordern? Sie war es nicht gewohnt selbst zu entscheiden. Zuerst kam er, immer er. Danach Schwesterlein, die Göre mit ihren Segelohren, verhätschelt bis zum geht nicht mehr. Sie durfte alles. Sie hat nie eine hinter die „Binde“ bekommen, wenn sie nicht so funktionierte, wie er sich das vorstellte. Nur einmal bekam sie seine Hand zu spüren. Mit ihrem nagelneuen, weißen Rock wollte sie über einen Graben springen. Das ging gehörig daneben, und plumps lag sie im Dreck. Da war nichts mehr zu erkennen vom blütenweißen Stück Stoff. Die Tracht Prügel danach vergesse ich bis heute nicht. Irgendwie tat sie mir aber dann doch leid. Er konnte fest zuschlagen. Ich muss nur dran denken, dann zwirbelt es wieder.

Immer am Wochenende gab es bei uns abwechselnd Butterbrötchen mit Kakao oder Eintopf. An so einem Samstag saßen wir wieder einmal zu dritt vor unserer flüssigen Nahrung. Er musste Arbeiten und sollte erst abends nach Hause kommen. Eine lästige Fliege wollte mir das Mahl einfach nicht gönnen. Ständig schwirrte sie um mich herum. An meinen Ausdünstungen konnte es nicht liegen, denn ich hatte mich zuvor gründlich gewaschen. Ohne groß nachzudenken griff ich nach dem Ledergürtel, der über dem freien Stuhl hing. So bewaffnet wollte ich das Viech beseitigen. Sie hatte sich inzwischen auf die neu gekaufte Küchenlampe gesetzt. Eine ideale Position um ihr den Garaus zu machen. Das Dumme daran – die Lampe war aus Glas. In meinem Jagdfieber vergaß ich das und schlug heftig zu. Es krachte. Die Fliege flog weg und die Lampe hinterher.

Der erste Gedanke danach galt dem Teppichklopfer. Ich war nicht der Mutigste unter der Sonne und die Angst vor der drohenden Strafe führte dazu, dass ich aus dem Küchenfenster sprang. Im Erdgeschoss war das allerdings auch nicht besonders gefährlich. Als wäre der Teufel hinter mir her, rannte ich so schnell mich meine Beine trugen. Ich wollte nur weg. Zwei Tage lang versteckte ich mich im Wald. Dem Teppichklopfer entkam ich trotzdem nicht.

Was würde er wohl jetzt sagen? Dieser Fluchtversuch ist ein ganz anderer. Sein „Großer“ – so nannte mich mein Vater immer, wenn er gut gelaunt war – sein Großer hat sich nun endlich einmal etwas zugetraut. Wann hatte ich auch sonst je die Chance dazu? Seit ich denken kann, hat er mir alles abgenommen. Mit immer der gleichen Bemerkung:

„Komm, lass, ich mache das schon.“

Egal, was ich tat, ihm war nichts recht. Vor vier Jahren sagte er das zum letzten Mal.

Ein Stoß in den Rücken unterbricht meine Gedanken. Nur noch wenige Meter. Der Gang mündet in eine Gabelung. Ich weiß nicht, wohin ich laufen soll und zögere. Was tun? Einfach abwarten? Verdammt, warum geht keiner von denen vor?

Ich habe Angst, dass ich was falsch mache und entscheide mich, stehen zu bleiben. Das war ein Fehler. Aus meinen Augenwinkeln bemerke ich einen Schatten auf mich niedersausen. Ein stechender Schmerz in der Nierengegend folgt. Mir wird übel und ich falle zu Boden. Rühre mich nicht, bleibe einfach liegen. Nur nicht noch mehr provozieren.

Nach einer Weile traue ich mich wieder, die Augen zu öffnen. Ich erkenne die Beine der Wärter. Sie unterhalten sich leise. Eine Tür springt auf. Das Murmeln verstummt. Totenstille. Endlos lang.

Dann ein kurzer und lauter Befehl. Die Wärter nehmen Haltung an. Kräftige Arme packen meine Schulter und schleifen mich weg. Hin zu der Tür, die einen Blick in den Raum freigibt. Das Zimmer ist quadratisch. Geradeaus erkenne ich einen schweren Holztisch und vor ihm einen Stuhl. Hinter dem Tisch sitzt ein Mann in Zivil. Die Fenster sind mit dunklem Stoff verhangen. Eine Art Leselampe, ist die einzige Lichtquelle. Ihr Schein fällt auf den Stuhl. Sie zerren mich dorthin. Der Dicke stellt sich hinter mich, während der andere verschwindet und kurze Zeit später mit einem vollen Wassereimer wiederkommt. Mein Kopf brummt und die linke Seite tut mir weh. Hinter einer Nebelwand registriere ich, wie sich der Dürre mit dem Eimer vor mir aufbaut. Danach trifft ein eiskalter Schlag mein Gesicht.

Ich ringe nach Luft. Mein Hemd klebt unangenehm am Körper. Ich fühle wie mein Puls steigt.

„Wie ist Ihr Name?“, spricht mich der Mann in Zivil hinter dem Tisch an. Ich nehme mir vor, auf alle Fragen rasch zu antworten.

„Augst, Jürgen Augst.“

Der Mann erhebt sich, verweilt einen Augenblick, und kommt dann auf mich zu. Sein Gesicht missfällt mir. Es ist kalt und blass, mit stark hervorstehenden Wangenknochen, und die Augen versteckt er hinter einer schwarzen Brille. Er steht jetzt dicht vor mir und beugt sich leicht vornüber. Uns trennen nur wenige Zentimeter. Ich kann seinen Atem spüren.

„So, so, Sie sind also der Augst …“

Betretenes Schweigen folgt. Seine schmalen Lippen wirken jetzt noch dünner. Ein einziger Strich. Er schnauft und fragt mich kaum hörbar:

„Kennen Sie einen Frank Richter?“

Was soll das Ganze, denke ich. Klar, das weiß er doch.

„Ja, er ist mein Freund. Was ist mit ihm?“

Meine Antwort kommt fest und deutlich. Er zeigt keine Reaktion. Der will mich verunsichern, denke ich.

„Sind Sie sicher, Augst, dass der Richter ein guter Freund ist?“

Auf seinem Gesicht formt sich ein überlegenes Grinsen.

„Wieso?“, frage ich, um Zeit zu gewinnen. Ich brauche sie zum Nachdenken. Wer weiß, was er als Nächstes von mir wissen will. Der Mann richtet sich auf und geht wieder zum Tisch. Ich bin erleichtert. Seine Nähe behagt mir keinesfalls.

„Wieso?“, äfft er mich nach und hebt seine Stimme deutlich an.

Ich beschließe zu schweigen. Dafür antwortet er für mich mit einer unverschämten Behauptung, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.

„Ich werde Ihnen sagen, wieso. Er hat uns verraten, dass Sie ihn angestiftet haben, das Land zu verlassen.“

Ach, daher weht der Wind. Dachte ich mir doch. Der falsche Hund, will mich in eine Falle locken. Ich glaube ihm einfach nicht. Nicht Frank! Nein!

Dennoch werde ich unsicher. Ich beschließe, Unwissenheit vorzugaukeln.

„Ich weiß gar nicht, wovon Sie sprechen. Welches Land meinen Sie?“

„Sie wissen das sehr gut, Augst. Und das Land ist die DDR. Stimmt doch?“

Mir wird heiß und mein Kopf droht zu zerspringen. Zum Glück beachtet er mich in diesem Moment nicht, sonst hätte er meine Unsicherheit bemerkt. Er flüstert dem Offizier etwas ins Ohr. Der beginnt nun in das Verhör einzugreifen:

„Was wollten Sie in Jimbolia?“

Das überrascht mich. So schnell hatte ich die Frage nicht erwartet.

„Wir haben uns verlaufen.“

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Schweiß vermischt sich mit dem Wasser und rinnt mir den Rücken herunter.

„Wofür brauchen Sie diese Sachen hier?“

Er holt einen Rucksack hinter dem Tisch hervor und ich erkenne ihn. Den Inhalt kippt er einfach aus.

„Drei Brote, Konservendosen, Schokolade.“

Laut zählt er unsere Ration auf. Nachdem er jede einzelne Dose begutachtet und sorgfältig vor sich aufgestapelt hat, schüttelt er ungläubig seinen Kopf.

„Fünfzehn Dosen, fünfzehn Dosen“, wiederholt er.

Der Mann in Zivil nimmt eine Siegespose ein.

„Ich glaube nicht, Augst, dass Sie mir hierfür eine vernünftige Erklärung liefern können. Geben Sie endlich zu, dass Sie abhauen wollten.“

So ganz Unrecht hat er nicht, denke ich. Eine plausible Ausrede zu finden fällt mir schwer. Mir fällt die einstudierte Antwort ein:

„Unsere Wanderung hätte mehrere Tage gedauert. Um Kosten zu sparen, haben wir ausreichend vorsorgen müssen.“

Ich finde mich überzeugend.

„Wohin wollten Sie denn wandern?“, fragte er mit anspielendem Unterton.

„Nach Lenauheim.“

„Lenauheim? Kenne ich nicht.“

Der Offizier breitet unsere Landkarte aus und zeigt ihm nach kurzer Suche den erwähnten Ort.

„Lenauheim liegt aber in einer ganz anderen Richtung. Weit entfernt von der Stelle, an der wir Sie aufgegriffen haben. Schon merkwürdig, Augst, sehr merkwürdig.“

Er grinst selbstzufrieden.

„Ja, das stimmt. Wir haben zu spät gemerkt, dass wir verkehrt sind.“

Ich bin angespannt. Wie wird er darauf reagieren? Zunächst geschieht nichts. Nach einer kurzen Pause murmelt er etwas zu dem Offizier. Mein Puls rast vor Aufregung.

Sie unterbrechen ihr Gespräch. Der Mann sieht mich an. Mustert mich und durchbohrt mich mit seinem Blick.

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