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Inhalt

Einleitung

1      Erkrankte und belastete Eltern

1.1   Bei mir zuhause ist was anders

1.2   Warum ist Mama traurig?

1.3   Mamas Monster

1.4   Mama, Mia und das Schleuderprogramm

1.5   Ein Mann, der weint

1.6   Papas Seele hat Schnupfen

1.7   Papas Unfall

1.8   Papa ist wieder da

2      Verhaltensauffällige und belastete Kinder

2.1   Irgendwie Anders

2.2   Robbi regt sich auf

2.3   Anna und die Wut

2.4   Klein

2.5   Eltern richtig erziehen

2.6   Tomatenrot

2.7   Ich bin Loris

2.8   Wie Pippa wieder lachen lernte

3      Geschwisterkinder und ihr Erleben

3.1   Mein großer Bruder Matti

3.2   Schattenschwester

3.3   Davids Welt

3.4   Eine Tütü-Torte für Elise

4      Emotionen als Thema

4.1   Heute bin ich

4.2   Gefühle sind wie Farben

4.3   Ein Dino zeigt Gefühle

4.4   Der Seelenvogel

4.5   Die Brücke

4.6   Ab heute sind wir cool

4.7   Dunkel

4.8   Der Bus mit den eckigen Rädern

4.9   Wie der Elefant die Freiheit fand

4.10   Wie der König seinen Feind verlor

5      Flucht und ihre Folgen

5.1   Akim rennt

5.2   Zuhause kann überall sein

5.3   Wasims Weste

5.4   Bestimmt wird alles gut

6      Übersicht aller vorgestellten Bilderbücher (nach Alter)

Einleitung

Auffälligkeiten im emotionalen Erleben und Verhalten von Kindern werden vor allem in pädagogischen Einrichtungen mehr und mehr zum Thema. Die Anzahl der Kinder, die Schwierigkeiten aufweisen, ihre Gefühle zu regulieren, Bedürfnisse aufzuschieben oder Frustrationen auszuhalten, scheint zu wachsen, auch wenn Studien eher auf gleichbleibende Zahlen hinweisen. Dabei geraten Aspekte gelingender und scheiternder Erziehungsprozesse ebenso in den Fokus wie psychische Erkrankungen von Kindern.

Mit den Herausforderungen, welche die Realisierung eines inklusiven Bildungssystems mit sich bringt, steigt die Notwendigkeit, sich in pädagogischen Regelinstitutionen wie Kindertagesstätten, Kindergärten, schulvorbereitenden Einrichtungen und Grundschulen mit Kindern zu befassen, die psychisch erkrankt sind, sich als erziehungsschwierig erweisen oder seelisch stark verwundet sind. Die Herausforderungen, mit diesen Kindern zurechtzukommen, lie-gen nicht nur bei den pädagogischen Fachkräften, sondern auch bei nicht betroffenen Kindern. Sie müssen ggfs. deutlich mehr emotionalen und sozialen Stress aushalten, Andersartigkeiten im Verhalten und Erleben akzeptieren, und hinnehmen, dass ihnen nicht die Aufmerksamkeit zuteilwerden kann, wie sie anderen Kindern gewidmet werden muss.

Auch in der Kinder- und Jugendliteratur wächst die Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen, Erziehungsschwierigkeiten und Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben. Insbesondere die Zahl der Bilderbücher zu diesem Themenkreis steigt erheblich. Studierende der Pädagogik bei Verhaltensstörungen an der Universität Würzburg haben sich daher in den vergangenen Jahren intensiv in mehreren Seminaren mit einer Vielzahl an Publikationen auseinandergesetzt. Entstanden sind vertiefte Analysen von Bilderbüchern aus der fachlichen Perspektive der Pädagogik bei Verhaltensstörungen.

Das vorliegende Buch stellt eine verdichtete Essenz dieser Analysen dar. Es versteht sich daher zum einen indirekt als Hilfe und Unterstützung für Kinder mit und ohne Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben. Durch die Auswahl der hier zusammengetragenen Bilderbücher möchte das Buch ihnen eine Auseinandersetzung mit der eigenen Betroffenheit, mit der Betroffenheit von Kindern in ihrem engsten Umfeld sowie emotional-sozialen Themen im Allgemeinen anbieten. Zum anderen richtet sich das Buch direkt an pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten, Kindergärten, schulvorbereitenden Einrichtungen, Grund- und Mittelschulen sowie Förderschulen. Es will eine Orientierungshilfe bei der Auswahl von Medien und Materialien darstellen, mit denen Kinder ihre Eltern und andere Kinder sowie ihre eigenen und deren Emotionen besser verstehen können. Weniger liegt der Fokus auf der psychiatrischen Aufklärung, als vielmehr auf der sonderpädagogischen Perspektive und darauf, mögliche Zugänge zu Verstehen, Mitfühlen, Akzeptanz und Gemeinschaft zu eröffnen.

Darüber hinaus will das Buch dazu beitragen, über das Medium Bilderbuch nicht nur herausfordernde Lebensthemen, Erkrankungen, Krisen und Emotionen kindgemäß zu thematisieren, sondern aus sonderpädagogischer Sicht eine Möglichkeit des Lernens im Zusammenhang mit Bildern und Symbolen aufzeigen. Menschen sind wesentlich darauf angewiesen, Bilder und Symbole zu kennen, zu verstehen und zu entwerfen, um mit dem, was sie erleben und erfahren, zurechtzukommen. Diese Fähigkeiten bedürfen einer Einübung, die für Kinder und Jugendliche nicht einfach ist und zusätzlich erschwert wird, wenn ihr Lernen beeinträchtigt ist oder ihr Symbolverstehen durch einen anderen Kulturraum geprägt ist. Bilder und Symbole weisen stets einen starken Orientierungscharakter auf und werden darüber auch „missbraucht“. Kindern so früh wie möglich eine differenzierte Sichtweise auf Bilder und Symbole zu ermöglichen und Formen der Reflexivität einzuüben, stellt daher eine wichtige pädagogische Aufgabe dar, die bisweilen auch auf sonderpädagogische Kompetenz angewiesen ist: Wie viele Bilder kann ein Kind in welcher Zeit aufnehmen und verarbeiten? Wo beginnt Überforderung einerseits, Langeweile andererseits? Wie stellen sich die Bilder eines Buches vor dem Hintergrund von Lernbeeinträchtigungen dar? Sind sie klar und deutlich oder chaotisch und verwirrend – und aus welcher Wahrnehmungsperspektive? Welche Raum-Lage-Fähig-keiten benötigen Kinder, um sich dem Geschehen eines Bilderbuches nähern zu können, und wie schließt man die semantische Lücke, so dass sich aus einzelnen Bildern das Bild einer Geschichte oder einer Situation ergibt? Wie weit oder eng ist das Wahrnehmungsfeld der Kinder, mit denen das Bilderbuch betrachtet wird? Wie beeinflusst das emotionale Erleben eines Kindes die Deutung eines Bildes oder einer Geschichte?

Von diesen und vielen ähnlichen Fragen ist abhängig, wie mit dem Medium Bilderbuch umgegangen werden kann. So lässt sich beispielsweise das ganze Buch anschauen oder nur einzelne Bilder. Diese können ggfs. wiederum „nur“ in Ausschnitten gezeigt und thematisiert werden, so dass für Kinder eine Struktur in Bildsituationen entsteht. Es ließe sich aber auch einer bestimmten Figur, einer Person oder einem Tier im Buch folgen, unabhängig davon, ob es sich dabei um den Protagonisten handelt oder nicht. Andererseits kann auch der Sinnzusammenhang einer Geschichte im Mittelpunkt ste-hen und Einzelheiten können bewusst vernachlässigt werden. Aus der Perspektive der Pädagogik bei Verhaltensstörungen ist es zudem wichtig, dass es beim Bilderbuch nicht nur um die Geschichte gehen muss, die erzählt und dargestellt wird. Für Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten kann es eine wichtige Übung sein, das Buch längere Zeit zu halten und ein Bild längere Zeit zu betrachten. Auch für Kinder, die über wenig Bedürfnisaufschub und eine eher geringe Frustrationstoleranz verfügen, kann dies eine wichtige Aufgabe sein. Andere Kinder sind durch ihre Lebenssituation derart orientierungslos, dass es bedeutsam für sie ist zu lernen, ein Buch von vorne nach hinten durchzublättern, ohne dabei eine Seite auszulassen. Kinder können ebenso lernen, ihre Emotionen zu regulieren, indem sie das Blättern im Buch üben: Wie und wo fasst man eine Seite an, wie heftig wird umgeblättert, wie vermeidet man Risse in den Seiten und wie lernt man, immer nur eine Seite umzublättern? Die hier angestellten Überlegungen und Fragen sollen verdeutlichen, dass der In-halt eines Buches ebenso wie seine Form und der konkrete Umgang mit diesem Lernanlässe bieten, die gerade für Kinder mit Förderbedarf in der emotional-sozialen Entwicklung bedeutsam sind.

Die hier getroffene Auswahl an Bilderbüchern erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da gerade der Bilderbuchmarkt ständig wächst und sich rasch verändert. Alle besprochenen Bilderbücher waren zum Zeitpunkt der Erstellung lieferbar. Verzichtet wurde bewusst auf Bilderbücher, die sich dem Themenkreis zwar annehmen, letztlich aber für Erwachsene geschrieben wurden. Die Bücher einzelnen Überschriften zuzuordnen, ist nicht einfach; manche sind aus einer stark psychiatrischen, psychologischen oder pädagogischen Fachperspektive heraus verfasst, andere wiederum gar nicht. Die Qualität vieler der ausgewählten Bücher besteht gerade darin, dass sich in ihnen mehrere Perspektiven finden und einnehmen lassen. Dennoch möchte das Buch zur groben Orientierung eine Gliederung vornehmen. Daher werden im ersten Teil Bücher vorgestellt, in denen es um psychisch erkrankte oder belastete Elternteile geht. Im zweiten geht es um verhaltensauffällige und belastete Kinder und der dritte Teil widmet sich der selten betrachteten Perspektive der Geschwisterkinder. Um Gefühle und emotionale Themen im Allgemeinen geht es im vierten Kapitel des Buches und schließlich werden Bilderbücher zur Thematik Flucht und ihren Folgen vorgestellt, deren Wirkungen auf Kinder emotional massiv sind. Außerdem befindet sich eine Übersicht aller Bilderbücher am Ende des Buches, diese wurde nach den genannten Altersempfehlungen sortiert.

Jedes Kapitel folgt der gleichen Struktur: Die Thematik des Buches sowie seine Altersempfehlung werden benannt und einige allgemeinere, aber auch spezielle Voraussetzungen zum Erschließen des Bilderbuchs aufgeführt. Daraufhin wird sein Inhalt kurz beschrieben, gefolgt von einer pädagogischen Einordnung, Interpretation und Empfehlung aus der Perspektive der Pädagogik bei Verhaltensstörungen. Am Ende finden sich jeweils Anregungen und Ideen für eine pädagogische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Bilderbuch.

Dieses Buch wäre nicht ohne die intensive Vorarbeit vieler Studierender der Pädagogik bei Verhaltensstörungen an der Universität Würzburg zustande gekommen. Ein besonderer Dank gilt daher Isabell Adlassnig, Marina Aicher, Analena Arana, Lea Assmann, Jessica Banert, Aline Cieslar, Daniela Dietrich, Jutta Geiger, Anja Grieser, Raimund Guist, Annika Haselmeier, Desiree Högn, Pascal Hofmann, André Jänke, Helen Jaggy, Susanne Jencio, Tobias Joebges, Vera Kindermann, Katharina Konerding, Luisa Laewen, Marie Langhammer, Philipp Laurer, Stefanie Müller, Lydia Navrátil, Kristin Ritter, Philipp Schweser, Franziska Silbermann, Kathrin Vorwallner, Johanna Weiß, Ronja Wildermann, Elena Wirth und vielen anderen Studierenden, deren Arbeit in diesem Buch nicht berücksichtigt werden konnte. Durch ihr persönliches Engagement haben sie aber die Gruppe in der Auseinandersetzung mit der Thematik weitergebracht.

Thomas Müller und Anette Temper, Würzburg 2017

1      Erkrankte und belastete Eltern

1.1    Bei mir zuhause ist was anders

ZUSAMMENFASSUNG

 ein Bilderbuch über die Erlebenswelt von Kindern psychisch erkrankter Eltern

 für Kinder ab 4 Jahren

Hinweise zum Erschließen

 kann mit und ohne Lesevermögen erschlossen werden

 sensible Auswahl der Bilder und Themen, um Trigger zu vermeiden

Inhalt

Der vorliegende Bildband thematisiert familiäre, soziale und emotionale Belastungen von Kindern psychisch erkrankter Eltern. Bilder und Zeichnungen, die in der Augsburger Kindersprechstunde am Bezirkskrankenhaus entstanden sind, wurden gesammelt, ausgewählt und werden mit Aussagen betroffener Kinder zu spezifischen The-men und Belastungen dargestellt. Die Thematisierung von Ängsten, Schuld- und Schamgefühlen, Ohnmachts- und Hilflosigkeitserleben, Unsicherheiten und Einsamkeit zeigt auf, mit welchen Belastungen Kinder psychisch erkrankter Eltern konfrontiert sind. Jede Doppelseite steht unter einem spezifischen Thema bzw. einer spezifischen Belastung und enthält ein Zitat eines betroffenen Kindes sowie ein Bild oder eine Zeichnung zu dieser Thematik. Zum Thema Depression zeigt das Bild eine Mutter, die isoliert in ihrem Bett liegt. Das Bild ist in dunklen Tönen gehalten und der Kommentar des Kindes verdeutlicht seine Verunsicherung: „... das ist meine Mama, wie sie im Bett liegt, das tut sie immer, wenn es ihr schlecht geht, darum liegt sie im Bett, viele Tage lang.“

Die bildnerischen Darstellungen reichen von abstrakt über phantastisch bis hin zu figürlich-realistisch und werden durch die Zitate konkretisiert oder erläutert.

Pädagogische Empfehlung

Kinder psychisch erkrankter Eltern weisen ein erhöhtes Risiko auf, selbst zu erkranken. Sie sind in vielfältiger Weise durch die Erkrankung des Elternteils betroffen und mit zahlreichen Belastungen konfrontiert, die mit der Erkrankung einhergehen und sich nicht nur auf das innerfamiliäre Miteinander auswirken.

Die Thematisierung der spezifischen Belastungen, der Ängste und des Erlebens dieser Kinder im vorliegenden Bildband kann Gesprächsanlässe schaffen und betroffenen Kindern vermitteln, dass sie mit ihrem Erleben nicht allein sind.

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