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Osterode und Hannover waren mir nie so nah!

Rolf Ohlendorf

Osterode und Hannover waren mir nie so nah!

Eine Lebensgeschichte von 1953 - 2019

Stationen

Hildesheim

Osterode am Harz

Hannover

Institutionen

Theater Südstädter Komöd’chen e. V.

www.suedstaedterkomoedchen.de

Hannoversches Show Ensemble e. V.

www.hannoverschesshowensemble.de

Inhalt | Teil: 1

Lebensgeschichte | 1 - 12

Geburtsstätte und Kindheitserlebnisse

Meine ältere Schwester Erika

Notdurft am Bankplatz von Hildesheim

Freundschaft und nachbarschaftliche Begegnungen

Besuche in Osterode | Ein Plumpsklo

Die Schulzeit mit Konfrontationen | Jugendweihe

Erinnerungen an meinen Bruder

Bundeswehrsoldat ein toller Typ

Mein erstes Auto | Wahrsagerin an der Küste

Meine Mutter und Ihre sehr große Verwandtschaft

Mein Vater | Der 1. und 2. Weltkrieg | Weitere Anekdoten

Papas Garten, Schützenfest, Weihnachten u. v. m.

Der Silberschatz in Hildesheim

Mein schönstes Weihnachtserlebnis

Bonanza unterm Baum

Mein geliebter Heimatort Hildesheim

Revue passieren lassen | 1953 - 2019

Lebensgeschichte | Anekdoten

Pleiten, Pech und Pannen der letzten sechs Jahrzehnte!

Berufsleben ( 1 - 5 )

Vom Lehrling zum Gesellen als „Waagenbau-Mechaniker“

Neuer Job im „SB-Jedermann-Markt GmbH & Co. KG“

Berufliche Veränderungen 1981

Ein neuer Anfang „Dost Automobile Hildesheim“

Fatale gesundheitliche und private Ereignisse

Endlich Rentier

Resümee des schweren Berufslebens und der Gesundheit

Inhalt | Teil: 2

Gay Episoden { I - V }

Wie alles Anfing und ein historisches Ereignis

Bezugnahme zu meinem Vater und meiner Mutter

Der Mann fürs Leben | Osterode am Harz | Ein uriger Vogel

Zwischenmenschliche Begegnungen in Hamburg

Bar „Barkarole“ in Hannover | Historisches

Menschliche Begegnungen | 1953 - 2019

Ein spezielles Resümee

Theater Historie | 1 - 5

Ein prägendes Kapitel seit 1997

Im Wandel | 1997 - 2019 |

Leinestern 2017 | Ehrung in „Kategorie 2: Kunst & Kultur“

Ehrenmitglieder | 1997 - 2019 |

Verstorbene Wegbegleiter | 1997 - 2019 |

Theater & Show | Resümee

1997 - 2019 | 22 Jahre |

Theater & Show | Anekdoten

Pleiten, Pech und Pannen der letzten 25 Jahre

Seemann, lass das Träumen

Erlebnisse Privat und Kulturell verschmelzen

Kneipen Erlebnisse von 1988 bis 2019

Privates und Vereinsaktivitäten ergeben oft eine Parallelität

Epilog

Besuch Hildesheimer Schützenfest und kuriose Ereignisse

Fotos

Die schönsten fotografischen Lebenserinnerungen

Fotografische Erinnerungen an treue Wegbegleiter

Nachweis der Bilder & Quellen

Lebensgeschichte | 1

Geburtsstätte und Kindheitserlebnisse

Ich kam als viertes Kind und Nachkömmling des Waffelbäckers Willi Ohlendorf und seiner Ehefrau Anna (geb. Weber), in der Orleansstraße 37 (in der Hildesheimer Oststadt) durch eine Hausgeburt am 11.03.1953 auf die Welt. (Diese Straße wurde zur Erinnerung an die Schlacht bei Orleans am 3. und 4. Dezember 1870 benannt). Im Januar 1899 verlängerte man die Straße über die Einumer Straße hinaus bis zum Bismarckplatz. Das Haus wurde 1913 erbaut. Von meiner Hauswirtin Frau Bauer, am 13.03.1923 geboren, erfuhr ich, dass ihr Großvater, mütterlicherseits, ein Herr Breier dann das Haus 1919 gekauft hat. Unser Altersunterschied beträgt nur 30 Jahre.

Meinen Eltern, 1945 „ausgebombt”, wies man eine Wohnung von 138 m², mit sechs Zimmern zu. Diese wurde zugleich von zwei Mietparteien bewohnt. Familie Degenhardt bewohnte die zwei großen Stuben und die Küche. Das eigentliche Schlafzimmer der Wohnung unserer Familie wurde als Lebensraum umfunktioniert und das Badezimmer zur Küche. Das heißt: Statt eines Waschbeckens stand dort der Gasherd, daneben die Badewanne, auf die mein Vater ein Holzbrett bastelte, das als Küchentisch und Ablage für meine Mutter beim Kochen diente. Warmes Wasser gab es nur über den Gasherd aus einem Flötenkessel. Folglich konnte nicht gebadet werden, wir mussten uns von oben bis unten abwaschen. Um die Badewanne zu füllen, hätte es zig Wasserkessel benötigt. Von dieser Bad-Küche ging es direkt ins Wohnzimmer und durch eine Tür an der Stirnseite ins elterliche Schlafzimmer, in dem ich zur Welt kam. Zu diesem Komplex gehörte auch noch ein kleiner Balkon, auf dem Mutter ihre Wäsche auf der Leine trocknete.

Geheizt wurde die „Wohnstube” durch einen Kohleofen, auf dem man zur Not auch noch Wasser erwärmen konnte. Unser Wohnungsteil hatte noch zwei Zimmer, ein größeres für meine ältere Schwester Erika und ein sehr kleines für meinen großen Bruder Günter und daneben die Toilette, die leider von beiden Familien genutzt werden musste. Beide Wohneinheiten waren durch einen 12 Meter langen Flur verbunden, auf dem man herrlich toben konnte! Für mich als Kind war es immer ein Problem, wenn ich ein Bedürfnis hatte und der Nachbar auf dem Klo war. Der las dort immer seine Bild-Zeitung und das nie unter 15 Minuten.

Bis zu meinem 4. Lebensjahr spielte sich der größte Teil meines Lebens in einem Laufstall ab. Meine Mutter hatte zeit ihres Lebens „Offene Beine“ und „Krampfadern“. Daher kümmerte sich meine zwanzig Jahre ältere Schwester rührend um mich und prägte meine Kindheit sehr. Ansonsten bin ich mit Blechspielzeug aufgewachsen, das ich zu Weihnachten u. a. von meiner geliebten Schwester Erika 1957 geschenkt bekommen hatte. Es gab einen Baukran, einen Trecker (batteriebetrieben mit Anhänger) und natürlich Lego, aber sehr viel einfacher als heutzutage.

Wir wohnten also in direkter Nähe zum Bismarckplatz. (Dieser Name erschien zuerst im Hildesheimer Adressbuch von 1900. Als Straßenname ist er seit 1913 nachweisbar. Benannt ist er natürlich nach Otto Fürst von Bismarck). Als Kinder spielten wir in der Orleansstraße immer gegenüber unserem Haus, auf einem kleinen Berg, sprich Anhöhe. Dieser war in den Nachkriegsjahren durch Schutt und sogar mit den ehemaligen Fliesen von alten Kachelöfen aus unseren Wohnungen entstanden. Die Müllhalde bedeckte man später dann mit Erde. Dort konnten wir hervorragend „Cowboy und Indianer“ spielen und uns sogar eine kleine Felsenhöhle bauen. In den strengen Wintern diente dieser kleine Berg als Rodelbahn. Nachts kam immer der böse, kinderfeindliche Hausmeister aus dem gegenüberliegenden Hochhaus Nr. 37 A u. B und streute Salz. Darüber regte sich die Schwiegermutter unserer Hauswirtin riesig auf. Einmal platzte ihr der Kragen und sie rannte mit der Bratpfanne hinter ihm her. Das werde ich nie vergessen!

Bei uns herrschte auf dem Bismarckplatz noch Zucht und Ordnung. Im Haus vor unserer großen Wiese lebte Frau Prüsse. Sie beobachtete die Gegend aus ihrem Fenster ganz genau. Wehe, die spielenden Kinder machten dort Dummheiten. Deshalb hieß sie bei uns nur der „Bismarck Polizist”. Außerdem gab es dort damals noch einen „Pender”, einen Stadtbeauftragten für die Grünanlagen. Übrigens der kleine Berg vor unserem Haus ist heute Geschichte, denn dort steht das Haus Nr.37 c!

Meine Eltern Anni und Willi Ohlendorf

Was sagt der Volksmund damals und mitunter auch heute noch? „Zu unserer Zeit war die Welt noch in Ordnung.“

Da gab es das kleine Lebensmittelgeschäft Diederich, nur ca. 200 m von unserer Wohnung entfernt. Herr und Frau Diederich verkauften ihre Produkte, wie z. B. Mehl, Zucker, Kaffee und Ähnliches noch lose oder in Papiertüten. Auf dem Tresen standen große, durchsichtige Gläser, mit vielen verschiedenen Süßigkeiten. Ich mochte besonders die Gummibärchen und die leckeren Schokolinsen mit bunter Zuckerkügelchen-Verzierung! Wenn man mal gerade nicht genug Geld dabei hatte, durfte man auch mal anschreiben. Natürlich roch es in dem kleinen Laden sehr vielseitig. Um die Ecke, am Bismarckplatz - Ecke Moltkestraße, befand sich der Milchladen von Herrn und Frau Meier. Die Milch kam noch grundsätzlich aus der Zapfanlage. Dazu brachte man seine Milchkanne aus Blech mit. Diese Milchkanne besitze ich heute noch. Mein Mann erzählte mal, dass er als Kind mit seiner Milchkanne stolperte und die Milch komplett auf dem Bürgersteig landete.

Milch, Käse und Quark wurden täglich frisch von der städtischen Molkerei angeliefert. Der Bolzumer Sahnequark war der Renner in dem Laden und immer sehr schnell ausverkauft! Wenn ich so darüber nachdenke, lebten wir damals doch noch gesünder, ohne Chemie und Plastik. Diese Art des Lebensmitteleinkaufes ist heute wieder sehr im Kommen!

Hildesheim besaß zu meiner Kindheit noch Elektrobusse mit Oberleitungen, insbesondere auf der „Linie 3“ zum „Hildesheimer Wald“ und zu den „Bosch-Blaupunkt-Werken“. Mein Vater erzählte oft, dass er früh morgens auf dem Weg zur Arbeit, im damals noch sehr strengen Winter und bei Glatteis mit anderen Fahrgästen aussteigen musste, um den Bus auf der steilen Straße mit anzuschieben. Aus diesen Gründen wurde der Elektrobetrieb der Hildesheimer Busse auch nach einigen Jahren wieder eingestellt. Ich entsinne mich, der Schaffner saß immer hinten rechts auf einer kleinen Anhöhe, verkaufte die Fahrkarten und entwertete sie dann gleich, indem er ein Loch hinein stanzte. Ich benutzte die Linie sehr oft auf dem Weg von und zu unserem Garten in der Straße "Vor der Lademühle".

Und ein Erlebnis werde ich nie vergessen. Im Ortsteil Drispenstedt gibt es die Tonkuhle, ein kleiner See. Dort sammelte ich als etwa Siebenjähriger in einem Wasserglas Kaulquappen und wollte sie mit nach Hause nehmen. Es war ein sehr heißer Sommertag und ich stolperte auf dem Rückweg dorthin. Die armen Kaulquappen verendeten auf den heißen Bürgersteigplatten, das tut mir noch heute leid!

Als ich später aus der Tonkuhle Molche gefangen hatte und zu Hause in einem offenen Terrarium hielt, kletterten diese im Sonnenschein aus dem Behälter und vertrockneten auf dem kleinen Balkon meiner Eltern ebenfalls! Danach hielt ich nur noch kleine Fische, wie Guppys etc. in einem Glasbassin.

Weihnachten war doch zu Kinderzeiten immer wieder ein besonderes Erlebnis. Insbesondere die Erinnerung daran, dieses mit meiner Schwester verbracht zu haben. Darüber im nächsten Kapitel „Meine ältere Schwester Erika“.

Weihnachten 1957 - Mein erstes Blechspielzeug

Lebensgeschichte | 2

Meine ältere Schwester Erika

Wie zuvor berichtet, hatte leidgeplagt, meine Mutter mit offenen Beinen zu kämpfen. Deshalb verbrachte ich als Hosenmatz den größten Anteil meiner Kindheit mit meiner Schwester und war die meiste Zeit mit ihr unterwegs. Einer unserer gemeinsamen Leidenschaften war z. B. das Spazieren gehen. Hierbei passierte es oft, dass sie auf der Straße für meine Mutter gehalten wurde, worüber sie sich erboste! Wir gingen auch zum Baden, in die sogenannte „Jo Wiese“ oder ins Kino. Hier sahen wir bspw. Filme wie „Dick und Doof“ und besondere Vorstellungen mit Märchen.

Herrlich, als kleiner Junge auf dem Hildesheimer Schützenfest, mit leckerer Bratwurst frisch vom Grill. Volksfeste mit den verschiedenen, neuartigen Fahrgeschäften sind auch heute noch meine leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung.

Ein Erlebnis von Weihnachten 1957 ist mir noch sehr gut im Gedächtnis. Meine Eltern bereiteten Heiligabend am Nachmittag die Bescherung in Erikas Zimmer vor, während meine Schwester und ich zum Gottesdienst um 17 Uhr in die „St. Jakobi Hildesheim“, in der City gingen. Die evangelischlutherische Bürgerkirche „St. Andreas“ war damals noch nicht wieder instandgesetzt, da sie beim Bombenangriff schwer beschädigt wurde.

Jedenfalls kamen wir beide aus der Kirche nach Haus. Neugierig wie ich war, der Weihnachtsmann war bestimmt zwischenzeitlich schon längst da gewesen, flutschte ich zwischen ihren Beinen durch, in ihre Stube. Meine Schwester war danach so beleidigt, weil nun die Überraschung hin war, dass sie den restlichen Heiligabend kein Wort mehr mit der Familie redete! Hier bekam ich also bei dieser Bescherung den Metallkran und einen batteriebetriebenen Trecker mit Anhänger geschenkt. Im Laufe des Abends verletzte ich mich mit meinem linken Daumen an den Metallstreben des Krans. Die kleine Narbe ist bis heute noch zu sehen.

Bei einem der winterlichen Spaziergänge rutschte Erika auf dem nicht gestreuten Fußweg, nähe Stadttheater aus und brach sich den linken Arm. Leider wurde der Arm bei der OP von einem Chirurgen verpfuscht. Sie hatte damit noch Jahre danach Probleme! Als ich viele Jahre später im Betrieb „Jedermann Markt“ einen Arbeitsunfall hatte, besuchte sie mit mir ca. fünf Wochen später das überfüllte Hildesheimer Schützenfest. In der Menge latschte mir ein Besucher auf die kranken Zehen. Wie man im Volksmund sagt: „Ich hätte ihn umbringen können!“ So etwas vergisst man nie.

Erika lernte ihren Mann Hans Stempner auf dem damals typischen „Tanzvergnügen“ im „Sternhaus“ Ortsteil Neuhof kennen und heiratete ihn 1966 im Alter von 33 Jahren. Die kirchliche Trauung fand in der Jakobikirche statt. Er brachte einen schulpflichtigen Sohn mit in die Ehe.

Schwester Erika und Mutter Anni Weihnachten 1957

1972 wurde bei Erika Brustkrebs festgestellt. Es begann eine siebenjährige Leidensgeschichte. Sie trug am Ende eine Perücke und starb 1979 unter grausamen Schmerzen im „Städtischen Krankenhaus“ von Hildesheim, zwei Jahre nach dem Krebstod von Papa. Das war für mich das schlimmste Erlebnis meines Lebens, die geliebte Schwester im Alter von nur 46 Jahren so zu verlieren. Sie hinterließ zwei Töchter, einen Sohn und Stiefsohn im Kindesalter. Mein Schwager Hans holte danach seine Schwester aus Leipzig als Hilfe zu sich, nach Hildesheim Sorsum. Vier Wochen vor ihrer Ausreise aus der DDR kam sie bei einem Arbeitseinsatz mit der linken Hand in eine Kreissäge und sägte sich sämtliche Fingerkuppen ab. Dadurch konnte sie später die Familie von Hans nur teilweise unterstützen. Ich zitiere aus den Erinnerungen: Die erste Frau von Hans beging nach der Geburt des Sohnes Burghard Selbstmord. Er selbst versuchte sich nach dem Krebstod meiner Schwester zu erhängen, wurde aber noch rechtzeitig gefunden und gerettet. Schicksalhaft ist hier noch zu berichten, dass mich leider die Kinder von Erika nach dem Tod ihrer Oma, also meiner Mutter, kaltstellten. Meinen Schwager Hans habe ich bis zu seinem Tod am 05.12.2017 immer wieder in seinem Haus in Sorsum besucht und mit ihm geklönt. Er wurde 90 Jahre alt. Ich habe nie wieder etwas von der Familie gehört.

Erika Stempner geb. Ohlendorf mit ihrer Tochter u. Ehemann Hans

Lebensgeschichte | 3

Notdurft am Bankplatz von Hildesheim

Rückblickend auf meine geliebte Schwester, hatte ich als ca. Fünfjähriger ein sehr negatives Erlebnis, das ich nie vergessen werde!

Mit meiner erwachsenen Schwester ging ich durch die Hildesheimer Innenstadt und musste plötzlich mal für kleine Jungs. Da meine Schwester als Frau nicht mitdurfte, ging ich allein in die Bedürfnisanstalt. Dort stand ein Mann mittleren Alters, ziemlich hässlich für meine Begriffe und wollte mir während des Urinierens an die Hose. Ich lief schreiend raus und bin danach als Kind nie wieder auf eine öffentliche Toilette in dieser Stadt gegangen.

Vielleicht war dieses Erlebnis in späteren Jahren prägend für mich? Gespielt hatte ich natürlich auch mit Jungs. Aber Mädchen waren nun mal in diesem Alter mein stärkerer Bezugspunkt. Ohne zu diesem Zeitpunkt über eine spätere sexuelle Orientierung nachzudenken. Manche Jungs tun das in diesem Alter eben vielleicht mehr!

Blick auf den Bankplatz dem heutigen Angoulêmeplatz – Hildesheim

Lebensgeschichte | 4

Freundschaft und nachbarschaftliche Begegnungen

Wenn ich so über meine Kindheit in der Orleansstraße der Hildesheimer Oststadt nachdenke, bin ich, typisch für diese Zeitepoche, mit einer intakten Hausgemeinschaft aufgewachsen! Man kümmerte sich umeinander. Auch wenn das kleine Fenster der Wohnung unserer neugierigen Hauswirtin Frau Gertrud Bauer aufging, wenn man daran zur obersten Etage vorbeikam.

Ich wuchs also auch mit Hauswirtssohn Uwe Bauer auf. Als Junge stark durch sein Hüftleiden gebeutelt, lag er nachts im Gipsbett. Ein fataler ärztlicher Irrtum zu dieser Zeit! Durch seine Behinderung wurde er sehr verwöhnt, wovon auch ich meine Vorteile hatte! Er bekam immer die neuesten Spielzeuge: „Märklin-Eisenbahn“ sowie „Carrera-Rennbahn“ und Unmengen an Spielzeug Autos „Gorki-Toys“. Wir teilten unser gemeinsames Interesse, vorwiegend englische Musik. Legten Platten der 60er Jahre von seinem Bruder Jürgen auf und spielten mit der Modelleisenbahn. Daraus entwickelte sich später eine Jugendfreundschaft. Bei ihm durfte ich Fernsehen schauen, denn mein Vater kaufte erst 1968 den ersten Fernseher, als ich die Schulzeit beendete. Dieser sendete damals noch in Schwarzweiß! So bekam ich als Schulkind, in der Hauswirtsfamilie, Sendungen wie „James Bond”, „Bonanza”, aber auch sämtliche Kindersendungen der „Augsburger Puppenkiste” „Fliewatüüt” usw. mit.

Der ältere, größere Bruder Jürgen Bauer, war viel mit meinem etwa gleichaltrigen Bruder Günter auf Achse. Jürgen studierte Tiefbauingenieur und half mir später oft bei den Berufsschularbeiten. Herb sollte es Uwe, Frau Bauer und mich dann Jahrzehnte später treffen. Jürgen verstarb bereits, als er gerade sein Rentenalter genießen sollte.

Ebenfalls bin ich mit der Nachbarstochter Annegret Rodemann aufgewachsen. Unsere Nachbarsfamilie, ihre Eltern Helga und Wilhelm Rodemann und deren Eltern, Ehepaar Knackstedt, lebten in der großen Altbauwohnung über uns. Helga Rodemanns Vater, Gustav Knackstedt, brachte mir in seinem Bastelkeller viel bei. Beispielsweise, wie man Holz bearbeitet. Er half mir, für den Werkunterricht in der Grundschule Holzschiff und Leichtflugzeuge aus Balsaholz zu bauen. Er war Maler von Beruf tapezierte in den Nachkriegszeiten auch unsere Wohnung. Als Hobbymaler aus Überzeugung fertigte er in liebevoller Kleinarbeit Kopien von Postkarten und Bildern (Zeichnungen). Ich bin besonders stolz, so ein handsigniertes DIN A4 Bild mit dem Titel „Der kleine Poet“ noch heute zu besitzen.

Zu dieser Familie hatten wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Den Zusammenhalt zur Tochter bezeichnet man ja in der Kindheit auch als „Sandkastenfreundschaft“. Übrigens war Annegret die erste „Frau“ mit drei Jahren, die ich im Alter von ca. fünf Jahren küsste!

Wir, das „Nachbar-Trio“, waren eine wirklich tolle Clique. „Sandkastenfreundin“ Annegret, „Hauswirtssohn“ Uwe und ich spielten in jeglicher Form gern zusammen. Auf deren oder unserem kleinen Balkon oft „Monopoly", „Mensch ärgere Dich nicht" u.v.m. Ebenso auf dem kleinen Hof neben dem Haus „Kasperletheater“. Vielleicht fragte man sich damals schon, wer was spielte und den berühmten Knüppel aus dem Sack abbekommen hatte? Schon hier begann mein Interesse am Theaterspielen. Ich hatte auch bei Märchenaufführungen in der Schulaula sehr großen Spaß. Auf der Bühne mimte ich eines von den „Sieben Geißlein“. Erst viel, viel später wurde dieses Talent von meinem heutigen Ehemann neu entdeckt und ausgebaut!

Durch die Heirat mit ihrem Mann Gerd Pröve entfremdete sich zu Annegret ein wenig unsere Freundschaft. Seine Schwiegermutter Helga Rodemann, sowie natürlich unsere Hauswirtin Gertrud Bauer, formten mich sicherlich von Kindesbeinen an. Sie waren auch immer sehr starke Frauen. Mir war dies als kleiner Junge gar nicht so bewusst. Erst später, als erwachsener Mann, nahm ich gern ihre Hilfe an. Noch heute wird ab und zu miteinander telefoniert.

Mädels und Frauen, gewiss auch meine geliebte Schwester und meine Mutter, egal ob in meiner Kindheit, in der Schulzeit und im späteren Berufsleben, sollten mir immer hilfsbereit bei Sorgen und Nöten zur Seite stehen!

Mit meiner Sandkastenfreundin Annegret Pröve geb. Rodemann

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Mutter Anni - Schwester Erika sowie Annegret