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Only One Night Stand?

Only One Night Stand?

Only One Night Stand?



Wer kennt das nicht? Einmal gefickt und dann abserviert. Hier kämpfen die Liegengelassen bzw. deren Gegenstücke darum, dass es nicht so endet. Achtung! Mann mit Mann.

Dieses Buch erzählt in 3 Storys von ungeplanten Outings, unbequemen Sofas und einer unangenehmen Mutter.

Ole und Cornelius müssen sich eine Alternative zu einem ins Wasser gefallenen Grillabend suchen.

Frank und Timo setzen sich mit einer hässlichen Sexpuppe auseinander.

Wolfgang und Wladimir erkennen die Vorzüge einer Männer WG.



Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig.

Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

Ebooks sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie. Danke!

Text: Sissi Kaipurgay

Foto von shutterstock

Covergestaltung: Lars Rogmann



Ole und Cornelius

Cornelius ist mit der Clique verabredet. Es soll auf irgendeine Party in der Walachei gehen. Obwohl er überhaupt keine Lust hat, lässt er sich breitschlagen hinzufahren und sogar jemanden mitzunehmen: Ole. Einen Kerl, den er überhaupt nicht einschätzen kann.

~ * ~



Cornelius

Es nieselte schon den ganzen Tag. Cornelius hatte keine Ahnung, ob die Fete im Freien stattfinden sollte und richtige Lust dazu war von vornherein nicht vorhanden. Viel lieber würde er den Abend auf der Couch verbringen und später kurz im Goldenen Hirsch reinschauen. Sein letzter Sex war schon eine Weile her. Ein guter Blowjob erschien ihm weitaus reizvoller, als ein geselliger Abend unter Heteros.

Es war Timos Überredungskunst zu verdanken, dass er letztendlich doch in seinem altersschwachen Golf saß und nach Tonndorf fuhr. Laut seinem Kumpel verkroch er sich viel zu oft daheim, außerdem wäre er der Einzige, der Ole mitnehmen könnte, da alle anderen Fahrgelegenheiten bereits ausgelastet waren. Cornelius hatte widerwillig zugesagt und ärgerte sich nun darüber.

Vielleicht sollte er sich allmählich outen. Danach würden die anderen ihn bestimmt in Ruhe lassen, ein Gedanke, der ihm allerdings auch nicht so recht gefallen wollte. Obwohl er ein Eigenbrötler war, brauchte er soziale Kontakte. Die Clique bestand immerhin schon ewig, hatte sich ursprünglich aus dem Fußballverein gebildet und ab und an kam jemand Neues hinzu.

Ole gehörte zu denen, war erst kürzlich von Gunther mitgebracht worden. Es handelte sich um einen Kumpel oder Arbeitskollegen, so genau wusste Cornelius das nicht mehr. Bisher hatten sie sich erst ein paar Mal gesehen, wobei Ole nur durch die schwarzgefärbten Haare einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hatte. Ansonsten war der Typ mundfaul und hielt sich meist im Hintergrund.

Cornelius hielt vor einem modernen Gebäude, stellte den Motor ab und starrte einen Moment düster durch die Frontscheibe. Seine Laune war auf dem absoluten Nullpunkt angekommen, wozu das miese Wetter noch beitrug. Falls die Feier wirklich draußen stattfand, würde er sich so früh wie möglich wieder verpissen. Er schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch, kletterte aus dem Wagen und ging aufs Haus zu.

„Mittermaier“, murmelte er vor sich hin, während er die Klingelschilder nach diesem Namen absuchte.

Rechts unten wurde er fündig. Nachdem er geläutet hatte, dauerte es einen Moment, bis der Türöffner summte. Erwartete Ole ihn nicht? Sie waren doch um sechs verabredet, oder? Als er die Stufen ins Hochparterre hinaufstieg, ging dort eine Tür auf. Ole sah ihm mit verwirrter Miene entgegen.

„War nicht sieben ausgemacht?“ Der Mann wischte sich ein paar Haare aus der Stirn und bat Cornelius mit einem Handwink herein. „Ich bin noch gar nicht fertig. Außerdem beginnt die Party doch erst um acht.“

„Echt? Das ist wohl irgendwie schiefgelaufen. Timo hat mir was von sieben erzählt.“ Cornelius guckte sich neugierig in dem winzigen Flur um. „Mir ist’s egal. Dann warte ich eben, bis du fertig bist.“

Sollte ihm nur recht sein, wenn es später losging. Vielleicht hatte sich bis dahin das Wetter gebessert. Zumindest durfte der Regen langsam mal aufhören.

„Ich hab nicht aufgeräumt“, nuschelte Ole mit sichtbarem Unbehagen. „Warte kurz.“

Er verschwand geradeaus durch eine Tür. Cornelius konnte hören, wie er hektisch herumräumte und musste grinsen. Wahrscheinlich versteckte der arme Tropf gerade seine Pornosammlung. Ihm machte es nichts aus, wenn er bei einem Kumpel Farbmagazine herumliegen sah, seine eigenen hielt er jedoch lieber unter Verschluss. Darauf, zu erklären, warum er sich lieber nackte Männer als Frauen ansah, hatte er null Bock.

„Kannst reinkommen“, rief Ole.

Cornelius ließ seine Jacke und Schuhe im Flur. Für ihn gehörte sich das so, außerdem waren sie eh nass. Auf Strümpfen betrat er das Zimmer und erfasste mit einem Blick, dass es sich um einen kombinierten Wohn-Schlafraum handelte. Rechts an der Wand stand ein breites Bett, daneben ein Kleiderschrank. Gegenüber, unter dem Fenster, befand sich ein Schreibtisch. Ein gemütlich wirkender Sessel und ein Stuhl waren die einzigen Sitzgelegenheiten, wenn man vom Schlafmöbel absah.

„Möchtest du was trinken?“, erkundigte sich Ole, ein Bündel Wäsche im Arm, auf dem Weg zur Tür.

„Hast du Cola? Sonst nehme ich Wasser.“ Cornelius entschied sich für den Sessel und streckte seine langen Beine aus.

Sein Blick wanderte durchs Zimmer. Ein riesiger Flachbildfernseher hing an der Wand gegenüber dem Bett. Offenbar guckte der Bewohner gern von der Matratze aus fern. Na ja, so viel andere Möglichkeiten boten sich in diesem Raum auch nicht, dabei wäre durchaus Platz für eine Couch.

„Die Fernbedienung liegt auf dem Schreibtisch, falls du ferngucken möchtest. Es dauert nämlich einen Moment. Muss noch duschen und so.“ Ole stellte eine Flasche Cola, zusammen mit einem Glas, neben dem Sessel auf den Boden. „Kann mir gar nicht vorstellen, dass bei dem Wetter wirklich eine Grillparty stattfinden soll.“

Cornelius taxierte seinen Gastgeber. „Vielleicht gibt es bei Frank eine überdachte Terrasse. Ich war noch nie bei ihm.“

Die schwarzen Haare wirkten fettig. Jeans und T-Shirt sahen aus, als hätte Ole damit den Boden aufgewischt und es roch ziemlich intensiv nach Schweiß. Er meinte sich zu erinnern, dass der Mann sonst einen sehr gepflegten Eindruck gemacht hatte.

„Ich war gerade beim Sport. Mag die Duschen da nicht“, verriet Ole, der seine Musterung wohl bemerkt hatte.

„‘Tschuldige. Du musst nichts erklären. Geht mich gar nix an.“ Cornelius griff nach dem Glas, klemmte es zwischen seine Beine und goss Cola hinein.

Als er die Flasche zurück auf den Boden stellte, fiel sein Blick unter den Schreibtisch. Ganz hinten, nahe der Wand, lag eine Zeitschrift. Deutlich prangte auf dem Titelblatt ein halbnackter Männerkörper. Vielleicht handelte es sich um ein Bodybuilding-Magazin oder irgendeine andere Fachzeitschrift.

Er angelte nach der Fernbedienung, setzte das Glas an seine Lippen, richtete die Augen auf den Fernseher und erstarrte zu Stein. Ole schob sich gerade die Pants über den Hintern, stieg heraus, ließ den Kleiderhaufen vorm Bett liegen und marschierte pudelnackt zur Tür hinaus. Warum zog sich der Kerl nicht im Bad aus? Andererseits waren sie unter sich. Also: Unter Männern. Da war es normal, kein Schamgefühl an den Tag zu legen. Oder?

Cornelius trank einen Schluck, wobei Oles kleiner Hintern vor seinem inneren Auge herumgeisterte. Der Mann entsprach genau seinem Typ: Schmal, keine Körperbehaarung, schöne Haut. Moment! Hatte er richtig gesehen, dass Oles Schambereich blank war? Welcher Hetero rasierte sich dort? Ach, bestimmt viele. Es war ein Klischee, dass hauptsächlich schwule Männer der Intimrasur frönten. Zumindest nahm Cornelius das an.

Im Bad begann Wasser zu rauschen. Als hätte er nur darauf gewartet, stellte Cornelius das Glas weg, krabbelte unter den Schreibtisch und zog die Zeitschrift zu sich heran. Ha! Ein Schwulenmagazin. Damit war zwar nichts bewiesen, doch erste Zweifel geweckt.

Er kroch wieder hervor und setzte sich in den Sessel. Die Beine weit von sich gestreckt, legte er den Kopf in den Nacken und fixierte die Decke. War Ole schwul? Er besaß kein gutes Gespür dafür. Wenn ein Mann ihn offensichtlich lüstern ansah, dann verstand er das schon, doch wenn jemand sein Interesse verbarg, hatte er keine Chance. Ach, was machte er sich Gedanken? Ihm war es doch egal, wie Ole tickte.

Er schaltete die Glotze an und zappte so lange herum, bis er irgendeine Soap gefunden hatte. Während er an der Cola nippte, verfolgte er die Sendung, bekam aber kaum etwas von der Handlung mit. In Gedanken war er wieder bei Ole und dessen geilem Körper. Durfte Cornelius ihn anbaggern? Nein! Ole gehörte schließlich zur Clique, also käme das einem Outing gleich.

Der Ton des Fernsehers war auf ganz leise gestellt, weshalb er es hörte, als die Brause ausgestellt wurde. Bestimmt perlten Wassertropfen über Oles nackte Haut. Von dem verdammten Kopfkino wurde sein Hals ganz trocken. Er schenkte sich Cola nach und trank das Glas in einem Zug leer. Hoffentlich kam Ole nicht gleich nackt hereinspaziert, hoffentlich tat er es doch. Cornelius‘ Blick hing wie gebannt an der halboffen stehenden Tür und wurde erhört: Ole marschierte herein, nur ein Handtuch um den Nacken.

Das war doch reine Provokation! Kein Hetero tat so etwas! Krampfhaft guckte er zum Fenster, wobei er Oles Anwesenheit überdeutlich spürte. Inzwischen goss es draußen in Strömen. Eine Windböe peitschte das Wasser gegen die Fensterscheibe und es war ganz schön dunkel geworden. In der Scheibe spiegelten sich die Glotze sowie Oles Gestalt.

Sein Smartphone vibrierte. Dankbar für die Ablenkung, fischte er es aus der Hosentasche. „Ja?“

„Grillen fällt ins Wasser. Das ist doch ein bisschen viel des Guten“, ertönte Timos Stimme.

„Okay. Schade. Grüß Frank von mir. Bye.“ Er steckte das Gerät zurück und stand auf. „Die Party fällt aus“, informierte er Ole, der gerade versuchte, in eine enge Jeans zu steigen. „Für das Ding brauchst du einen Schuhanzieher“, bemerkte er grinsend.

Ole stellte die Bemühungen ein, sackte auf die Bettkante und starrte auf seine nackten Zehen. „Hat sich dann ja eh erledigt.“



Ole

Der Abend war also gelaufen. Er hatte sich so sehr darauf gefreut, Cornelius zu sehen und nun das. Wann würde sich wieder eine Gelegenheit ergeben, den Mann unter vier Augen zu treffen? Sicher erst in einigen Wochen. Vor Enttäuschung wurde ihm übel.

Mann! Da draußen wird’s immer schlimmer. Kannst du mir vielleicht einen Schirm leihen?“ Cornelius sah aus dem Fenster, ihm den Rücken zugekehrt.

„Hättest du Lust …“, setzte Ole an, räusperte sich und begann neu: „Ich hab Pizza im Tiefkühlfach und im Kühlschrank ist Bier. Hättest du vielleicht Lust, mit mir einen Film anzuschauen?“

„Einen Film?“ Cornelius drehte sich um und guckte so verdattert, als hätte er einen unsittlichen Antrag gemacht.

Ole fühlte sich dumm, klein und unzulänglich, im Vergleich zu seinem attraktiven Gast. Gleich auf den ersten Blick hatte er sich heillos in Cornelius verschossen. Seine Aktion, nackt herumzulaufen, war ein Versuch gewesen herauszufinden, auf welcher Seite Cornelius stand. Wenn der wüsste, wie viel Mut es dazu benötigt hatte. Ihm war der Arsch auf Grundeis gegangen. Die erhoffte Reaktion – wobei er keine genaue Vorstellung hatte, wie die hätte aussehen sollen - war ausgeblieben und warum er jetzt noch darum bettelte, dass Cornelius blieb, wusste er ebenfalls nicht genau. Na gut: Er wollte den Abend lieber in Gesellschaft, als allein verbringen.

„Es wäre schön, wenn ich nicht allein vor der Glotze hängen müsste“, gab er zu, kickte die enge Jeans beiseite und stellte sich vor den Kleiderschrank, um nach einer Jogginghose zu suchen.

„Warum gehst du nicht aus? Musst doch nicht hier abhängen.“

„Allein weggehen ist nicht mein Ding. Wüsste eh nicht, wohin.“ Er stieg in eine bequeme Hose, schloss die Schranktüren und wandte sich mit hängenden Armen zu Cornelius. „Machst du das? Allein weggehen?“

„Selten. Fast nie.“

Diese Antwort klang merkwürdig. Hatte Cornelius etwas zu verbergen? Seine Miene war verschlossen, die Hände in die Gesäßtaschen der Jeans gestopft. Das sah verdammt lässig aus.

„Der Regen lässt nach.“ Ole wies mit dem Kinn zum Fenster. „Also dann: Schönen Abend noch.“

„Du hast wohl nicht viele Freunde?“

Er blickte zu Boden und schüttelte den Kopf. Peinlich das zuzugeben, aber Tatsache war nun mal, dass er außer der Clique kaum Kontakte besaß. Während seiner Schulzeit hatte er, wegen seiner schmächtige Gestalt und Scheu, den Spott der lieben Klassenkameraden ertragen. Freundschaften waren in der Zeit nicht entstanden. Später, als er rausfand auf Männer zu stehen, hatte er erst recht niemanden an sich rangelassen, aus Angst, erneut zum Ziel zu werden. Erst Gunther, sein Arbeitskollege, überzeugte ihn mit Engelszungen, doch mal zu einem der Cliquentreffen mitzukommen.

„Nein“, nuschelte er beschämt.

„Ich bin ganz gern mal allein.“ Cornelius zog die Hände aus den Taschen und guckte sich suchend um. „Wo sind denn deine Filme?“

„Im Container, unter dem Schreibtisch.“ Als Ole dort hinguckte, entdeckte er das Farbmagazin. Hoffentlich hatte Cornelius das nicht gesehen. „Kommst du mit in die Küche? Ich hab verschiedene Pizzasorten im Eisfach.“

Sein Plan, Cornelius vom Schreibtisch wegzulocken, ging auf. Zusammen begaben sie sich in die Küche und suchten eine Salamipizza sowie eine mit Peperoni aus.

„Darf ich dein Klo benutzen?“, fragte Cornelius anschließend.

„Klar.“ Er atmete auf. Das war die Gelegenheit, das verflixte Heftchen zu verstecken. Vorhin hatte er es in der Aufregung wohl übersehen. Da er nie Besuch bekam, war er etwas nachlässig mit seinen Wichsvorlagen.

Er zeigte Cornelius das Bad, eilte ins Wohnzimmer, kroch unter den Tisch und schnappte sich das Magazin. Die Zeitschrift landete in der untersten Schublade des Containers, bei den anderen, außerdem drapierte er ein paar weiße Blätter über die Sammlung. Anschließend schlich er zurück in die Küche, was natürlich dämlich war. Cornelius konnte es eh nicht hören, da er barfuß durch die Wohnung lief. Irgendwie hatte er eine ganz schöne Macke.

Ole schob die Pizza in den Ofen, deponierte zwei Bier auf dem Schreibtisch und schloss die Vorhänge. Der Regen hatte inzwischen wieder zugenommen und Dunkelheit brach herein. Er fand es schon immer sehr gemütlich, dem Pfeifen des Windes und Prasseln der Tropfen zu lauschen. Jedenfalls dann, wenn er im Trockenen weilte. Dass er diesmal dabei Gesellschaft hatte, erfüllte ihn mit Vorfreude. Blieb Cornelius nur aus Mitleid? Wahrscheinlich. Ach, egal. Spitzfindigkeiten konnte sich Ole nicht leisten. Er war auch schon mit Kleinigkeiten zufrieden.

Apropos: Seine sexuelle Erfahrung beschränkte sich auf wenige Besuche einer Cruising Area an einem nahegelegenen Badesee, wo er ziemlich grob seine Jungfräulichkeit losgeworden war. Ansonsten besaß er ein paar Sexspielzeuge und guckte im Internet Pornos. Noch nie hatte er mit einem Mann Zärtlichkeiten ausgetauscht. Wie sich das wohl anfühlte? Die rauschende Klospülung riss ihn aus seinen Gedanken.

Die DVD-Sammlung befand sich in der Schublade über dem verräterischen Material. Damit Cornelius nicht aus Versehen doch noch darüber stolperte, stapelte er die Hüllen auf der Tischplatte.

„Wie lange braucht die Pizza? Ich hab ein Loch im Bauch“, verkündete Cornelius beim Hereinkommen, trat neben ihn und musterte die Sammlung. „Die Hard?“, murmelte er, nahm eine DVD hoch und studierte die Rückseite. „Ich mag Bruce Willis. Lass uns den Quatsch gucken. Ist lang her, dass ich den gesehen habe.“

„Du magst Bruce Willis?“

Cornelius wirkte einen Augenblick verwirrt, fing sich dann und grinste. „Klar. Ich liebe auch Batman und Spiderman. Schwärmst du nicht für Superhelden?“

„Natürlich. Wer tut das nicht.“ Der würzige Duft von geschmolzenem Käse drang aus der Küche. „Die Pizza!“, riefen sie gleichzeitig und rannten los.

Nacheinander zog Ole die Bleche aus dem Ofen. Der Teig war an den Rändern schon sehr dunkel.

„Ganz schön knusprig“, stellte Cornelius, bewaffnet mit Messer und Gabel, fest und begann, die Pizza in Viertel zu schneiden.

„Tut mir leid. Soll ich sie wegwerfen und zwei neue in den Ofen packen?“

„Quatsch! Leg schon mal den Film ein.“

„Okay.“ Ole huschte davon.



Cornelius

Ein kulinarisches Erlebnis stand ihnen wahrlich nicht bevor. Cornelius hatte jedoch schon ganz andere Sachen gegessen und war diesbezüglich absolut pragmatisch: Hunger trieb alles rein. Mit den Pizzastücken, verteilt auf zwei Tellern, ging er ins Wohnzimmer.

„Essen wir auf dem Boden oder …?“ Fragend sah er sich um.

„Auf dem Bett ist’s gemütlicher, wenn dir das nichts ausmacht.“ Ole hatte eine bunte Wolldecke darauf ausgebreitet und zupfte daran herum.

So konnte das Bett glatt als überdimensionierte Couch durchgehen. Trotzdem eine Scheißidee, die nächsten Stunden dort mit Ole zuzubringen, doch für einen Rückzieher war es zu spät. Er setzte sich auf die Bettkante, stellte die Teller auf den Nachtschrank und machte es sich auf der rechten Seite bequem.

Der DVD-Player befand sich in einem niedrigen Regal unter dem Fernseher. Ole kniete davor auf dem Boden, fummelte an dem Gerät herum und bot dabei einen fantastischen Ausblick. Er starrte das knackige Hinterteil an und da Ole das nicht sehen konnte, war es für ihn okay. Glotzen durfte man ja wohl noch.

„So. Jetzt müsste es gehen“, murmelte Ole, stand auf und krabbelte übers Fußende auf die freie Bettseite.

Während Bruce Willis die Welt rettete, hockten sie mit Tellern auf dem Schoß da und verspeisten die Pizza. Cornelius begann, sich wohl zu fühlen. Noch nie hatte er mit einem Mann auf dem Bett gesessen, um etwas derart harmloses zu tun.

Nachdem der letzte Krümel vertilgt war, brachte er die leeren Teller zum Schreibtisch und kehrte mit den zwei Flaschen Pils zurück. Ole dankte mit einem stummen Nicken, als er ihm eines reichte. Maschinengewehrsalven dröhnten aus den Boxen, die links und rechts neben dem Bildschirm angebracht waren. Anscheinend fesselte der Film Ole total, denn er sah wie gebannt auf die Mattscheibe.

„Bruce mit Haaren ist schon sehr sexy.“ Die Worte hatte Ole nur gemurmelt, dennoch kamen sie bei ihm an.

Damit war alles klar: Ole fischte tatsächlich am gleichen Ufer. Sie tauschten einen kurzen Blick, wobei Oles Wangen rötlich schimmerten.

„Bitte, sag’s niemanden“, flüsterte er.

„Keine Sorge. Von mir erfährt niemand etwas“, erwiderte Cornelius, setzte die Flasche an seine Lippen und trank.

„Danke.“

Neben einem potentiellen Sexpartner zu sitzen war anders, als nur neben einem Kumpel. Heimlich studierte Cornelius seinen Gastgeber. Oles Gesicht war eigentlich ganz hübsch. Mit natürlicher Haarfarbe würde er bestimmt noch attraktiver aussehen. Das Schwarz wirkte zu hart gegen die blasse Haut. Unter dem engen T-Shirt zeichneten sich deutlich zwei harte Knöpfchen ab. War Ole steif? Cornelius hatte jedenfalls einen Ständer.

Oles bezaubernder Duft, den er zuvor nicht bewusst wahrgenommen hatte, übte eine verheerende Wirkung auf seine Sinne aus. Seit wann stand er auf Zitrone, vermischt mit einem Hauch Mann? Bruce‘ Aktivitäten gerieten in den Hintergrund. Vor Cornelius‘ innerem Auge lief der Film: Sex mit Ole.

„Ich besorg uns neues Bier.“ Sein Bettnachbar rutschte zum Fußende, eilte davon und kam mit zwei vollen Flaschen zurück.



Ole

Es war ihm klar, dass Cornelius seine Erregung sehen konnte. Der weiche Stoff der Pants und Jogginghose vermochte seine Latte nicht zu verbergen. Nachdem er über seinen Schatten gesprungen und sich geoutet hatte, war der Rest auch egal.

Er reichte Cornelius das Bier, krabbelte diesmal über dessen Beine auf seine Seite und machte es sich wieder gemütlich. Spürte nur er diese Anziehungskraft oder merkte Cornelius sie auch? Unauffällig warf er einen Blick auf dessen Mitte und meinte, eine Ausbuchtung zu erkennen.

Der tapfere Bruce killte einen fiesen Verbrecher nach dem anderen, doch das war inzwischen völlig uninteressant. Er kannte den Film ohnehin schon, hatte ihm mehrfach gesehen. Am Ende gewann der Gute, das war alles, was zählte. So wie im Leben, nur das dort kein Happy End auf ihn wartete. Seine dusselige Verliebtheit war einseitig, sonst hätte sich Cornelius doch schon auf ihn gestürzt.

Als der Abspann lief, war auch die zweite Flasche leer. In Oles Gehirn trieb seine Fantasie, vom ungewohnten Alkohol ziemlich benebelt, wilde Blüten. Sollte er den Anfang machen? Vielleicht wartete Cornelius nur darauf.

Unter halb geschlossenen Lidern sah Cornelius zu ihm rüber. „Wollen wir uns Teil zwei auch noch reinziehen?“

Ein eindeutiger Schlafzimmerblick, oder? Es konnte aber auch sein, dass sein Bettnachbar bloß müde war. Ole nickte, rutschte zum Bettende und wechselte die DVD. Als er sich zurück zu seinem Platz begab, rückte er wenige Millimeter näher zu Cornelius. Für ihn, der sonst nie etwas wagte, ein großer Schritt.

Während Bruce erneut auf Ganovenjagd ging, wagte er kaum zu atmen.

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