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Ohne dich ...

Gabriele Oscuro

Ohne dich ...

Manchmal muss man gehen, um zurückkehren zu können


Von uns zu mir von mir zu dir zurück zu uns


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Einsam

 

Während Lorenz den Wagen einparkte, spürte er Unwillen in sich aufsteigen. Sicher würde Mika gleich wieder über ihn herfallen, fragen, warum er erst jetzt nach Hause käme und warum er nicht Bescheid gesagt habe.

Weil er viel zu tun hatte! Himmel, war das so schwer zu verstehen? Immerhin saß er nicht nur in ihrer Wohnung herum, seine Zeit wurde von Terminen, Meetings und Treffen, wie immer sich diese verdammten Dinger auch nannten, beherrscht! Aber woher sollte Mika das wissen? Er arbeitete ja nur von zu Hause aus. Kontakt nur über Mail … höchstens mal per Telefon. Was hatte der für eine Ahnung, wie sein Tag aussah …

Schon bevor er die Tür aufschloss, befand er sich in Abwehrhaltung. Erstaunlicherweise war der Flur dunkel. In der ganzen Wohnung brannte kein Licht. Irritiert betätigte Lorenz den Schalter, die Deckenstrahler flammten auf. Ungewöhnlich still war es. Keine Musik, kein Nachrichtensprecher, so ruhig, dass er den Ton des Fernsehers ihrer schwerhörigen Nachbarin hörte. Wann war er das letzte Mal nach Hause gekommen und Mika war nicht da?

Während er sich den Mantel auszog, überlegte er, ob er irgendetwas vergessen hatte. Waren sie verabredet gewesen? Nein, ohne ihn wäre Mika nicht gefahren. War Mika mit Jasmin, seiner Schwester, verabredet? Wenn ja, dann hatte er es nicht mitbekommen oder wieder vergessen.

Die Schuhe streifte er von den Füßen, sah sie einen Moment fragend an. Sollte er sie in den Schuhschrank stellen? Mika würde sich ärgern, wenn er es nicht tat. Egal, er hatte keine Lust, sich zu bücken.

Auf Strümpfen ging er in die Küche. Bestimmt hing ein Zettel am Kühlschrank, der ihn aufklärte.

Die Küche war sauber. Nicht, dass das ungewöhnlich war, wirkte sie irgendwie zu … aufgeräumt. Lorenz sah sich um und kratzte sich am Kopf. Kein Zettel am Kühlschrank … Gar kein Zettel und kein Bild … Wo waren die ganzen Nachrichten, die Mika geschrieben und er ignoriert hatte? Die vielen Bilder von ihnen, die Mika mit den ausgefallensten Magneten, die er finden konnte, daran geheftet hatte?

Und wo, bitte schön, war die Teemaschine? Mit einem Mal wurde ihm bewusst, wie still die Wohnung war. Fast widerwillig drehte er sich um und ging in das Wohnzimmer. Penibel aufgeräumt. Keine Zeitung auf dem Tisch, keins von Mikas Büchern auf dem Sessel, keine der fusselnden Kuscheldecken auf dem Sofa. In den Bücherregalen klafften schwarze Löcher, die CD-Sammlung war zusammengeschrumpft, genau wie die Reihe der DVDs. Lorenz sah, aber sein Verstand verarbeitete nicht, was er erblickte. Er ging ins Schlafzimmer. Das Bett war gemacht, es lag nichts herum. Auch hier kein Buch, keine Jeans, keins der farbenfrohen T-Shirts, die Mika so sehr liebte und die eine Art Markenzeichen für ihn waren.

Leere herrschte in seinem Kopf und seinem Bauch, als er die Türen vom Kleiderschrank öffnete. Auch hier waren sie, die schwarzen Löcher. Er ging schnellen Schrittes ins Bad. Nur eine Zahnbürste im Zahnputzbecher, ein Kamm, ein Rasierer …

Das Arbeitszimmer - leer geräumt. Dies war allein Mikas Reich gewesen und hier war das Zentrum der schwarzen Löcher.

Nach einem Moment des Begreifens ging er ins Wohnzimmer und rief Jasmin an.

„Wo ist er?“, brüllte er in den Hörer, nachdem sich Mikas Schwester gemeldet hatte.

Schweigen, dann: „Ich habe keine Ahnung.“

„Du lügst! Er würde nie gehen, ohne dir etwas zu sagen!“ Und mit dem Aussprechen dieser Worte wurde es wahr: Mika hatte ihn verlassen! Plötzlich wurde ihm schwindlig und er musste sich setzen. Sein Blick fiel auf das Regal. Dort hatte immer Mikas Fotogalerie gestanden. Jetzt stand nur noch das Foto von seiner eigenen Rest-Familie, seiner Mutter und seinem Bruder, dort.

„Was meinst du? Mika ist gegangen?“, riss ihn Jasmins Stimme aus den Gedanken.

„Er ist weg“, flüsterte er und hatte das Gefühl, das schwarze Loch würde sich um ihn herum ausbreiten.

„Wie: weg?“

„Was an weg ist nicht zu verstehen? Er hat alles mitgenommen“, antwortete Lorenz und sah sich um. Was lag dort auf dem Couchtisch? Er wusste es, bevor er den silbernen Ring in die Hand nahm. „Er ist weg!“ Ohne auf ihre Reaktion zu warten, legte er auf.

‚Für ewig und einen Tag‘ stand in dem Ring. Das Gegenstück trug er. Nein, das hatte er ja vor ein paar Wochen verlegt. Mika war betroffen gewesen und wollte gleich mit ihm suchen, aber er hatte es genervt heruntergespielt. Der dumme Ring würde sich schon wieder einfinden …

Das Telefon klingelte und automatisch ging er dran. Konnte ja etwas Wichtiges sein … Ein Kunde …

Jasmin!

„Was meinst du, Lorenz? Sprich nicht in Rätseln.“ Auch sie klang ungläubig, verwirrt.

„Mika hat seine Sachen gepackt und ist gegangen. – Hat er dir wirklich nichts gesagt?“ Das konnte nicht sein, Mika liebte seine Schwester.

Sie schwieg.

„Er hat etwas zu dir gesagt! Rede mit mir!“

„Ich weiß nur, dass er sehr unglücklich war. Ich habe ihm gesagt, er soll mit dir darüber sprechen. Darauf hat er geantwortet, dass schon lange niemand mehr da sei, mit dem er reden könnte. – Ich habe nachgefragt, er hat nur abgeblockt.“ Jasmin schluckte vernehmlich. „Wo kann er denn nur hingegangen sein?“

„Ich … ich weiß es nicht.“ Lorenz stützte seinen Kopf auf und schloss die Augen. Mika war ein Einzelgänger, hatte nicht viele Freunde. – Einer würde reichen, meinte eine kleine Stimme in seinem Inneren. Hatte er nicht neulich von einem Typen erzählt? Wann neulich war, konnte er allerdings nicht sagen.

„Ich komm vorbei!“, hörte er Jasmin sagen und bevor er etwas erwidern konnte, unterbrach sie die Verbindung.

Schwerfällig stand er auf und ging in die Küche. Die leere Kühlschranktür sah nackt und fremd aus, starrte ihn vorwurfsvoll an.

 

***

 

„Musst du immer die ganze Tür vollmüllen?“, fragte er genervt, bevor er den Kühlschrank öffnete. Zettel über Zettel, Bilder von ihnen beiden, festgepinnt mit bunten Magneten. Oh, Gott, von wann war bloß dieses alberne Faschingsfoto? Mit Pappnase und eindeutig beschwipst hatte er Mika im Arm und sie beide grinsten Wange an Wange debil in die Kamera. Wieso musste Mika so einen unnützen Mist aufheben? Hier hing noch ein Post-it von … das war ja schon verjährt: Denk an die ‚du weißt schon‘ ILD Lorenz – Wer hob den solch einen Blödsinn auf? ‚Du weißt schon was‘? – Kondome hatte er damals gemeint, aber nicht geschrieben, weil Jasmin zu der Zeit bei ihnen untergeschlüpft war. Sie hatte sich gerade von ihrem Freund getrennt …

„Was daran steht, vergesse ich nicht“, antwortete Mika, der in der Küchentür lehnte. Die kurzen blonden Haare standen vom Duschen feucht wie die Stacheln eines Igels hoch. Um seine schmalen Hüften nur ein Handtuch geschlungen. „Siehst du, da steht auch, dass du und ich morgen Abend einen Tisch im Lotusgarten bestellt haben.“ Er war neben ihn getreten, duftete nach seinem Lieblingsduschgel, und deutete auf den entsprechenden Zettel.

„Morgen? Das kann nicht sein. Da ist das Meeting mit den Rosensteins, Robert und ich gehen hinterher mit den beiden essen. – Schatz, das müssen wir verschieben.“ Wieso machte Mika eigentlich immer Termine, wenn er keine Zeit hatte?

 

***

 

Deutlich erinnerte er sich an Mikas enttäuschtes Gesicht. Wann war ihm klar geworden, dass an diesem Datum ihr Jahrestag war? Und dass Mika ihn schon Wochen vorher gebeten hatte, diesen Tag freizuhalten? Hatte er sich bei ihm entschuldigt? Wahrscheinlich nicht.

Wo waren die ganzen Zettel und Bilder hingekommen? Hatte Mika sie mitgenommen – oder sie einfach weggeschmissen? Der Gedanke tat ihm weh, denn Mika liebte diese Bilder und Zettel. Was würde es bedeuten, wenn er sich von ihnen getrennt hatte? Mit einem unguten Gefühl im Magen öffnete er den Mülleimer, der jedoch völlig leer war. Nicht besonders aussagefähig.

Bevor er sich weitere Gedanken darüber machen konnte, klingelte es an der Tür. Jasmin, oder? Vielleicht … schnell ging er zur Tür und öffnete.

„Was ist passiert?“, fragte Jasmin und drängte sich an ihm vorbei in die Wohnung. „Wo ist er?“ Suchend sah sie sich um und Lorenz überlegte, ob sie glaubte, er habe Mika in der Wohnung übersehen. – Obwohl, hatte er nicht genau das manchmal getan?

 

***

 

Mit dem Telefon am Ohr kam er in die Wohnung, ging, vertieft in das Gespräch mit Roland Friese, direkt in das Wohnzimmer. Dort klappte er den Laptop auf und stellte ihn auf den Tisch.

Oft ging der Arbeitstag für Lorenz zu Hause weiter, das war nichts Besonderes. Sein Geld damit zu verdienen, das Vermögen anderer Leute zu vergrößern, war nun mal ein harter Job.

Während er sprach, streifte er seinen Mantel ab, schmiss ihn über den Sessel und ließ sich auf das Sofa fallen. Wenig später war der Mantel weg und ein Becher Kaffee stand vor seiner Nase.

Kaum hatte er aufgelegt, klingelte es schon wieder. Wieder ein Kunde, dem er schon seit Tagen hinterher telefonierte. Es wurde immer später, irgendwann stand ein Teller mit zwei Sandwiches neben seinem Laptop. Hungrig aß er zwischen zwei Gesprächen, dann endlich, gegen 23:00 Uhr, war der Arbeitstag endlich beendet und er stand gähnend vom Sofa auf. Zeit, ins Bett zu gehen.

 

***

 

 Hatte er an solchen Tagen nicht Mika übersehen? Sicher, er wusste, dass irgendwo in der Wohnung sein Freund war, aber hatte er ihn begrüßt? Wenn er nicht da gewesen wäre, hätte er es auch nicht bemerkt! – Bestenfalls hätten ihm der Kaffee und die Sandwiches gefehlt.

Lorenz wurde schlecht und er ließ sich schwer auf das Sofa fallen.

„Nun erzähl mir genau, was passiert ist“, sagte Jasmin und setzte sich neben ihn.

„Nichts. Ich bin heute Morgen aufgestanden und zur Arbeit gefahren. Mika schlief noch. Und als ich nach Hause kam, war er weg“, fasste Lorenz die traurige Wahrheit zusammen.

„Er muss etwas gesagt haben? Gestern oder in den letzten Tagen? Komm schon, Lorenz, selbst dir müsste etwas aufgefallen sein? War er anders?“ Jasmin sah ihn erwartungsvoll an. „Denk nach!“

War ihm etwas aufgefallen an Mika? Wie war ihr Zusammenleben in den letzten Tagen … Wochen … Monaten gewesen?

Wie immer, oder? Er fuhr ins Büro, hatte Termine, kam spät nach Hause und an manchen – vielen – Abenden brachte er seine Arbeit einfach mit nach Hause.

Und wo kam Mika in diesen Tagen vor? Eigentlich war er immer da: Morgens schlief er oft noch, wenn er aus dem Bett kroch. Manchmal hatte er sich aber auch extra seinen Wecker gestellt und war mit ihm aufgestanden, um Espresso für sie zu kochen und ihn zum Abschied zu küssen.

„Damit ich dich überhaupt noch einmal sehe“, hauchte er dann meistens mit seinem süßen Lächeln, bevor er wieder ins Bett kletterte, da er erst viel später aufstehen musste.

Abends, wenn er nach Hause kam, war das Essen fertig. Früher wartete Mika mit dem Essen auf ihn, in den letzten Wochen – oder waren es schon Monate? – stand das Essen im Kühlschrank, weil er immer später nach Hause kam.

Wenn er zu Hause weiterarbeitete, versorgte Mika ihn mit Essen und Trinken. Wie oft hatte er ihn eigentlich angeschnauzt, weil Mika das Zimmer betrat, während er telefonierte oder sich konzentrierte?

Auch an den Wochenenden war Mika immer für ihn da gewesen. Sonntagsfrühstück im Bett. – Zweimal floh er geradezu aus dem Bett, weil er einen Anruf bekam. Mehrfach hatte er gemeckert, weil er am Sonntag lieber ausschlafen wollte.

Wie oft waren Verabredungen, zu denen sie zusammen gehen wollten, an seiner Arbeit gescheitert. – An seiner Arbeit oder an ihm?

 

„Erde an Lorenz! Wie sollen wir Mika finden?“, fragte ihn Jasmin und holte ihn aus seinen Gedanken zurück in das Wohnzimmer voller schwarzer Löcher.

„Ich weiß nicht. Schwer, wenn er nicht will, dass wir ihn finden“, antwortete Lorenz. „Bei dir wird er sich irgendwann melden. Er liebt dich.“

„Lorenz Wolf, du bist ein solcher Idiot! Keinen Menschen liebt Mika mehr als dich!“ Wütend sah Jasmin ihn an.

„Das war vielleicht einmal so, aber heute?“ Lorenz streckte ihr die Hand hin und öffnete die Faust. Immer noch lag der Ring darin, den er vor fünf Jahren seinem Mann an den Finger gesteckt hatte.

Nicht, dass sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen waren, dazu fanden sie beide dieses Wort schon zu doof, war die Bedeutung dieses Ringetausches für sie eindeutig. Die Ringe sollten jedem zeigen, dass sie zusammengehörten, ein Paar, Partner waren. Dass sie sich liebten. Wie sehr hatte er damals Mika geliebt!

Die Gefühle kamen zusammen mit der Erinnerung an jenen Tag hoch …

 

***

 

Bis dahin hatten sie nie von Heirat gesprochen. Warum auch, es gab keine Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Nur eingetragene Lebenspartnerschaften. Davon hielten sie beide nichts. Auch ohne amtliches Papier wussten sie, dass sie sich liebten.

Der 3. Mai. Mikas Geburtstag und Lorenz hatte die Ringe besorgt, die schwer in ihrem kleinen Kästchen in seiner Hosentasche lagen.

Für ewig und einen Tag. Das hatte Mika zu ihm gesagt, als er versuchte, die Größe und Unendlichkeit seiner Liebe zu Lorenz zu erklären. Seine Liebe reiche für die Unendlichkeit und darüber hinaus.

An diesem Tag nun wollte Lorenz ihm das Gleiche sagen, nur auf seine Art.

Mika stand mit Jasmin zusammen und betrachtete die Leute. Die meisten waren seine, Lorenz‘ Freunde. Mika hatte keine engen Freunde. – Mika hatte gar keine Freunde. Nur ihn und Jasmin. Hier und da ein oberflächlicher Kontakt, aufgrund seiner Arbeit. Mika war als Mediendesigner ziemlich erfolgreich.

In seiner Brust schlug eine Trommel. Sein Mann war einfach unglaublich schön. Sein Vater war Finne und er hatte die hellen blonden Haare und die klaren blauen Augen von ihm geerbt. Fast schon klischeehaft. Mit seiner schlanken Gestalt ließ er ihn immer an eine Fantasy-Gestalt denken, vielleicht einen von Tolkiens Elben.

Schon wenn er ihn nur betrachtete, fühlte er sich glücklich. Wenn Mika ihn ansah und lächelte, dann hatte er das Gefühl, vor Glück platzen zu müssen! Langsam ging er durch das Wohnzimmer stellte sich neben seinen Mann. Ja, das war er, ohne Trauschein, ohne amtliches oder kirchliches Siegel. Sein Mann. Für ewig und einen Tag!

Den Ring gab er ihm erst, als sie alleine waren. Mika wollte aufräumen, er setzte ihn jedoch in den Sessel und kniete sich vor ihn hin, nahm mit zitterigen Fingern seine Hand. Große blaue Seen sahen ihn an. Seine Stimme versagte und er schob ohne ein Wort den Ring auf Mikas schmalen Finger.

„Ich liebe dich“, zwang er die Worte aus seiner viel zu engen Kehle. „Für ewig und einen Tag.“

Mika hatte auf den Ring gesehen, dann auf ihn, noch einmal auf den Ring, als könne er nicht glauben, was passierte. Eine winzige Träne hatte sich aus seinem Augenwinkel gelöst, lief über die zarte Haut und dann war er ihm um den Hals gefallen. Von dem Schwung waren sie auf dem Fußboden gelandet.

„Ich liebe dich auch, Lorenz“, hatte er zwischen ihren Küssen geflüstert.

 

***

 

Jasmin sah den Ring an, dann Lorenz. „Das heißt nicht, dass er dich nicht mehr liebt, sondern, dass er dich von deinem Versprechen entbindet, weil er glaubt, dass du ihn nicht mehr liebst. Idiot!“ Ihre Augen funkelten. „Lorenz, ganz ehrlich kann ich überhaupt nicht verstehen, wie er es die letzten drei Jahre mit dir ausgehalten hat. – Früher, als ihr euch gerade kennengelernt hattet, als du noch nicht Mister Workaholic warst, da war das keine Frage. Mein Gott, wart ihr ein schönes Paar! – und ein heißes!“ Sie lachte leise: „Jeder konnte die Funken sehen, die zwischen euch flogen. Du hast meinen Bruder so glücklich gemacht, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte. Er liebte dich mit jeder Faser seines Körpers, seines Verstandes und seines Herzens! Wenn du in seiner Nähe warst, dann schien er vor Glück zu strahlen. – Nicht dass man es dir nicht auch ansehen konnte. Du schienst den Boden anzubeten, über den er ging, konntest deine Finger keine Sekunde von ihm lassen, hast Händchen mit ihm gehalten, ihn ohne Rücksicht auf andere anwesende Personen geküsst. Du hast ihm gezeigt, dass er sich für seine Gefühle nicht schämen muss.“ Nachdenklich sah sie auf den Ring. „Mit diesem kleinen Stück Metall hast du ihn unendlich glücklich gemacht. In seiner Vorstellung bedeutete Ewigkeit bis zu seinem Tod und darüber hinaus.“ Auf einmal lodernden ihre Augen auf. „Und du hast ihn so unglücklich gemacht, wie nur du es konntest. Hättest du ihn aus deinem Leben hinausgeschmissen, wäre es ein kurzer harter Schmerz gewesen, du aber hast begonnen, ihn daraus zu verdrängen. Jeden Tag hast du ihm gezeigt, dass er keinen Platz mehr darin hat, dass er nicht mehr zu dir gehört. Er hat versucht, dagegen anzukämpfen, dich zurückzubekommen von deinem Job, der dich auffrisst, dir Alles geworden ist. – Aber mal ehrlich, Lorenz, er hatte nie eine Chance gegen deine Arbeit, deinen Erfolg.“ Zu aufgewühlt, um sitzen zu bleiben, sprang sie auf und ging mit großen, harten Schritten durch das Zimmer. „Wir haben telefoniert. Jedes Mal wurde er unglücklicher. Bevor er dich hatte, war er ein Schatten, der nur aus seiner Arbeit, seinen doofen Computerspielen und seinen virtuellen Freunden bestand. Mir selbst war es kaum möglich, zu ihm durchzudringen. Und jetzt passierte genau dasselbe. Je mehr du ihn von dir schobst, desto mehr verkroch er sich. Hast du das denn nie gemerkt? Wann hast du aufgehört, ihn zu lieben?“ Tränen standen in Jasmins Augen.

Liebte er Mika nicht mehr? Die Frage traf ihn unvorbereitet. Was war Liebe? Was bedeutet Mika ihm?

Das führte ihn zu der Frage, wie alles begonnen hatte …

 

***

 

Es war Frühling und was für ein Frühlingstag! Die Sonne stand hoch am Himmel, die Vögel sangen und um ihn herum leuchtete die Welt in allen Farben der Blütenpracht dieser Jahreszeit. Das Leben wäre wunderbar, wenn nicht sein Laptop den Geist aufgegeben hätte. Nicht grundlos, sondern durch irgendeinen dämlichen Virus. Auf Rat von Jens, mit dem er sich eine kleine Studentenbude teilte, wollte er mit Mika Kontakt aufnehmen. Mika sei ein Magier, wenn es um Computer ging. Ein wenig eigen im Umgang mit Menschen, aber ein echter Computer-Versteher …

Den Laptop unter dem Arm, stand er vor der kleinen Wohnung und klingelte. Was immer er erwartet hatte, wer öffnen würde, vielleicht ein Pullunder tragender, bebrillter Streber - den schmalen, jungen Mann mit den leuchtend blauen Augen unter seinen weißblonden Haaren und der hinreißend schüchternen Andeutung eines Lächelns auf jeden Fall nicht. Der erste Blick auf Mika hatte alles andere in seinem Kopf getilgt.

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