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Ohne Wert

Ohne Wert

Sämtliche Personen und Ereignisse sind frei erfunden. Ähnlichkeiten wären rein zufällig.

 

Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung der Covermodels aus.

Alle Rechte vorbehalten.

 

 Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, sind ohne Rücksprache mit der Autorin nicht erlaubt.

 

 Ebooks drüfen nicht übertragen oder weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie.

 

 Danke!

 

 

Inhalt

Seit Theos Exfreund wegen Hugos Entführung im Gefängnis sitzt, lebt er bei Kaito und Finn in Düsseldorf. Theo fühlt sich sehr wohl bei ihnen und alles wäre gut, wenn er nicht plötzlich der Mittäterschaft an der Entführung beschuldigt werden würde. Ein Anwalt muss her, der Theos Verteidigung übernimmt.

Warum ihm das Schicksal allerdings ausgerechnet Sami von Ahn schickt, den reichen Schnösel, der ihm schon in der Schulzeit das Leben zur Hölle gemacht hat, weiß der Himmel.

Auch bringt diese Begegnung seine schlimmste Erinnerung wieder ans Tageslicht, an der er beinahe zerbrochen wäre.

** Sidestory zu ‚Wo ist Hugo?“. Kann aber separat davon gelesen werden. **

Sami

Gerade habe ich eine Parklücke entdeckt, in die ich mit meinem alten Passat Kombi auch vorwärts einparken kann. Zufrieden löse ich den Gurt, als mein Telefon klingelt.

Ich melde mich mit „von Ahn“ und werde überschwänglich von meiner Mutter begrüßt. Alle paar Monate ruft sie mich an, natürlich immer in den ungünstigsten Momenten und raubt mir den letzten Nerv. Bei jedem Telefonat - so auch heute - ignoriert sie die Tatsache, dass ich mit ihr, meinem Vater und der restlichen Bagage, die sich Verwandtschaft schimpft, nichts mehr zu tun haben will.

 

Vor sechsundzwanzig Jahren wurde ich in einen goldenen Käfig hineingeboren, in dem man mir früh die wichtigsten Regeln für mein späteres Leben einbläute.

 

Regel Nummer 1 - Verkehre nur mit deinesgleichen!

Regel Nummer 2 - Mitleid ist Schwäche!

Regel Nummer 3 - Wissen ist Macht!

 

Fast achtzehn Jahre habe ich nach diesen Regeln gelebt und mich mit elitären Speichelleckern umgeben. Auf die meisten meiner Mitschüler und Lehrer habe ich herabgesehen und mich ihnen grenzenlos überlegen gefühlt. Wissen sammelte ich wie Trophäen, was wohl auch das einzig Sinnvolle in meinem seichten Dasein gewesen ist.

 

Und dann ist etwas geschehen, was alles verändert und mein Leben, wie ich es bisher kannte, aus den Angeln gehoben hat, sodass es nie mehr an die gleiche Stelle hineingepasst hätte.

Ich trage die Mitschuld am Tod eines Menschen und mit dieser Schuld lebe ich seither jeden gottverdammten Tag.

 

„Mutter“, unterbreche ich ihren Redeschwall genervt. „Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass du mich auch dieses Mal nicht verstehen wirst, sage ich es dir trotzdem erneut. Lass mich in Ruhe und ruf mich nie wieder an. Vergiss, dass du einen Sohn hattest, denn er existiert nicht mehr.“

Wie gewohnt, geht sie gar nicht auf das ein, was ich sage. Darum bleibt mir nur der übliche Ausweg - ich lege auf.

 

Um weitere Störungen zu vermeiden, schalte ich das Handy auf lautlos, steige aus und laufe um den Wagen herum bis zum Gehweg. Es sind nur einige Schritte, bis ich mein Ziel erreicht habe.

Kaito, der Sohn meines Tätowierers Hiroto Paku rief mich gestern an und bat mich um Hilfe. Ein Bekannter von ihm stecke in Schwierigkeiten und könne sich keinen Anwalt leisten, aber es wäre schon eine große Hilfe, wenn ich ihm einen Rat geben könnte. Da ich Kaito bereits seit vielen Jahren kenne, genaugenommen seit ich mich von seinem Vater tätowieren lasse, bin ich seiner Bitte gerne nachgekommen.

 

Mein Körper ist nicht von bunten Motiven überzogen, nein, das wäre nichts für mich. Meine erste Tätowierung, die ich kurz nach der Loslösung von meinen Eltern stechen ließ, war ein lateinischer Spruch: ‚Fas est et ab hoste doceri’ - Auch vom Feind lernen ist Recht. Später kam noch ‚Temous edax rerum’ - Zeit nagt an Dingen - hinzu und unterhalb meines Halses steht senkrecht auf dem Rücken: ‚Dum spiro spero’ - Solange ich atme, hoffe ich.

 

Vor genau drei Monaten habe ich mein Jurastudium abgeschlossen und bin seither Teilhaber einer kleinen Kanzlei, die ich gemeinsam mit zwei Studienkollegen gründete. Für mich war es wichtig, dass meine Partner Idealisten sind, die diesen Beruf aus Leidenschaft, eben weil sie anderen Menschen helfen wollen, gewählt haben. Mit Ingo Kathen und Werner Tannberg habe ich die passenden Kandidaten gefunden, weil sie nicht nur meine Kollegen, sondern auch meine besten Freunde sind. Genaugenommen sind die beiden meine einzigen Freunde und gehören damit zu den wenigen Personen, die alles über meine Vergangenheit wissen. Während ich mich auf Strafrecht spezialisiert habe, ist Ingo topfit in Sozial- und Familienrecht und Werner kümmert sich um das Arbeitsrecht.

 

Hirotos Sohn empfängt mich mit einem erfreuten Lächeln, als ich den Laden betrete.

„Danke, dass du es so kurzfristig einrichten konntest und vor allem für deine Hilfe.“

„Da ich nachher sowieso eine Sitzung bei deinem Vater habe, bin ich nur etwas früher aus der Kanzlei abgehauen und noch habe ich ja gar nichts getan“, wiegle ich freundlich die Vorschusslorbeeren ab.

„Also, wobei braucht dein Bekannter meine Hilfe?“, springe ich in den Juristenmodus um.

Kaito führt mich in einen kleinen Aufenthaltsraum, der genauso ungewöhnlich für ein Tattoo-Studio eingerichtet ist, wie die restlichen Räume. Das ist auch einer der Gründe - von Hirotos Fähigkeiten abgesehen - warum ich schon seit so vielen Jahren immer wieder hierherkomme.

 

Es gibt drei Zimmer bzw. Kabinen, in denen tätowiert wird, und jede verkörpert eine andere Stilrichtung.

In Kabine eins sind die Wände hellblau mit schwarzen ‚Südsee-Motiven“ bemalt. Im Raum stehen Palmen in großen Kübeln und der Boden wurde mit Bambusparkett verlegt.  

Kabine zwei ist den ‚Old School Tattoos’ gewidmet. Dunkelrote Wände, grobes Holz und der Boden erweckt den Eindruck, als würde man sich an Deck eines Piratenschiffes befinden und auf groben Holzplanken stehen. Die Wände sind mit kitschigen Rosen, Schiffen, bunten Ankern und, und, und verziert.

Und Kabine drei ist ein japanisches Tatami-Zimmer, mit Matten aus Reisstroh, lindgrünen Wänden, bemalt mit den typisch asiatischen Motiven wie Fischen, Drachen, Schriftzeichen oder Gottheiten. In diesem Raum liegt man knapp über dem Boden auf einem Futonbett während die Motive gestochen werden.

 

Jetzt nehmen wir auf breiten Einzelbänken Platz, die geschwungene Füße und ein dickes, weiches Sitzkissen haben. Die Fensterfront ist komplett mit denen für Japan so typisch vergitterten Schiebetüren verdeckt. Durch das japanische Papier fällt in weichen Strahlen das Tageslicht in den Raum.

Präzise und genau schildert mir Kaito, was einem guten Freund von ihm vor einigen Wochen zugestoßen ist.

Als er seinen Bericht kurz unterbricht, um einen Schluck Wasser zu trinken, kann ich meine Frage nicht mehr zurückhalten. „Und was genau, soll ich nun tun? Der Fall scheint doch ziemlich klar zu sein. Dein Freund Hugo wurde entführt, der Täter - dieser Leon Kemper - auf frischer Tat ertappt und wird nun zur Verantwortung gezogen. Dein Freund braucht keine Sorge zu haben, dass der Entführer mit einem blauen Auge davonkommen könnte. Unsere Rechtssprechung kommt einem vielleicht manchmal etwas lasch vor, aber in so einem Fall gibt es gar kein vertun und der Kerl wandert auf jeden Fall in den Bau.“

 

Schweigend werde ich von fast schwarzen Augen gemustert und ich muss zugeben, dass Kaito äußerst aufregend aussieht. Mit den asiatischen Zügen, dem männlichen Gesicht und seinen nicht zu verachtenden Muskeln, gehört er ganz eindeutig in die Kategorie ‚feuchter Traum’.

„Ein kleines Detail fehlt natürlich noch an der Geschichte und das ist es, wofür ich deine Hilfe benötige.“

Aha, interessiert lehne ich mich etwas vor und warte darauf, welche fehlenden Informationen ich nun erhalten werde.

 

„Leon hatte Hugo im Keller seines Freundes Theodor festgehalten. Theodor ist ein lieber Kerl, der sich von Leon hat einwickeln lassen, was diesem Drecksack sehr leicht gefallen ist, weil der Kleine schon einige schlimme Dinge in der Vergangenheit erlebt hat und sich dringend nach Nähe und Fürsorge sehnte. Ohne seine uneigennützige Hilfe hätte das Ganze ein böses Ende nehmen können, darum hat Hugo die Polizisten belogen und behauptet, dass Theo nichts von seiner Gefangenschaft gewusst hätte und ihm sofort zu Hilfe geeilt wäre, als er es bemerkte.

Und obwohl es für Leons Strafmaß keinen Unterschied macht, widerlegt er nun Hugos Aussage und will unbedingt Theo eine Teilschuld anhängen. Das möchten wir natürlich verhindern und dafür brauchen wir deine fachkundige Hilfe.“

 

Da ich ein Stockholm-Syndrom in weniger als vierundzwanzig Stunden - denn länger dauerte Hugos Gefangenschaft nicht - ausschließe, muss ich vor so viel Mitgefühl und spontaner Entschlusskraft meinen Hut ziehen. Aber die deutsche Rechtssprechung interessiert eine schlimme Vergangenheit und Mitgefühl eher wenig. Theodor hat sich an einer Straftat beteiligt und wird dafür auch zur Rechenschaft gezogen. Seine spätere Hilfe wirkt sich sicher strafmildernd aus, doch ob er so ganz ohne Strafe aus der Sache herauskommt, kann ich nicht garantieren und das erkläre ich Kaito auch.

 

Bevor wir weitersprechen können, hören wir: „Pu, ich bin da.“

Und Kaito antwortet grinsend: „Im Aufenthaltsraum, Amai.&

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