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Öffentliche Mülleimer dürfen nicht sexuell belästigt werden

Über den Autor

Justus Richter ist Gerichtsreporter und bereiste auf der Suche nach den kuriosesten Urteilen und Richtersprüchen die Gerichtssäle der ganzen Welt. Heute ist er froh, wieder unter deutschem Recht zu leben.

Justus Richter

Öffentliche Mülleimer
dürfen nicht sexuell
belästigt werden

Die wahnwitzigsten Gesetze aus aller Welt

Inhaltsübersicht

Kapitel 1: »No sex but crime«

Hitliste der absurdesten Gesetze und Verordnungen zum Thema Sex

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 2: »Die Zähmung der Leidenschaft«

Hitliste der absurdesten Gesetze und Verordnungen zum Thema »Männer und Frauen«

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 3: »Blech wiegt schwerer als Wasser«

Hitliste der absurdesten Gesetze zum Straßenverkehr

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 4: »Ein jeder sei seines Nächsten Feind«

Hitliste der absurdesten Gesetze zum Thema »Mitmenschen«, »Ruhe und Ordnung« sowie »Nachbarschaft«

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 5: »Von wegen bester Freund …«

Hitliste der absurdesten Gesetze zur Reglementierung der Tierwelt

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 6: »… sei dem Manne untertan«

Hitliste der absurdesten Gesetze zur fortgesetzten Diskriminierung von Frauen

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 7: »Propaganda und Politik«

Hitliste der absurdesten Gesetze zu politischer Einflussnahme

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 8: »Jeder, der schneller zieht als sein Schatten«

Hitliste der absurdesten Gesetze zum Thema Waffen

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 9: »Gesunder Geist, gesunder Körper – oder umgekehrt …«

Hitliste der absurdesten Gesetze zu den Themen »Hygiene«, »Gesundheit« und »Körperertüchtigung«

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 10: »Arbeit ist das halbe Leben«

Hitliste der absurdesten Gesetze aus der Arbeitswelt

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 11: »Kurioses rund ums Hab und Gut«

Hitliste der absurdesten Gesetze rund um Textilien und andere wichtige Besitztümer

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 12: »Sei brav, sonst kommt der schwarze Mann«

Hitliste der absurdesten Gesetze zum Thema »Betragen in der Öffentlichkeit«

Platz 12

Platz 11

Platz 10

Platz 9

Platz 8

Platz 7

Platz 6

Platz 5

Platz 4

Platz 3

Platz 2

Platz 1

Kapitel 13: »Wirklich wahr oder nur Gerüchte?«

Kapitel 1

»No sex but crime«

Die Hitliste der seltsamsten Gesetze und Verordnungen zum Thema Sex

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Unser christlich-abendländischer Kulturkreis lebt seit Jahrhunderten in einem schwierigen Dilemma: Einerseits ist uns klar – und selbst mit Verweis auf die Möglichkeit der Jungfrauengeburt nachhaltig nicht mehr abstreitbar –, dass der körperliche Part der Liebe zwischen Frau und Mann zur Erhaltung der Art notwendig ist. Andererseits aber lehren die christlichen Kirchen, dass genau dieser körperliche Teil irgendwie schmuddelig ist, wenn er nicht ausschließlich der Erhaltung der Art dient. Im Prinzip wäre das ja gar nicht verkehrt, doch weil der pure Akt so unglaublich doll Spaß machen kann und von Menschen schamloserweise auch ohne das Ziel, Kinder in die Welt zu setzen, betrieben wird, wird das Thema Geschlechtsverkehr in seiner ganzen Vielfalt vor allem in religiös orientierten Gesellschaften gerne auf den Tabu-Index gesetzt. Oder – anders formuliert: Da wird nach Leibeskräften reglementiert und eingeschränkt sowie verordnet und überwacht – zuweilen mit tragischen, zumeist jedoch mit eher komisch anmutenden Versuchen. Dabei ist es vor allem die Unkontrollierbarkeit der spontan entflammbaren Leidenschaft, die die Gralshüter von Sitte und Anstand so viele Nerven kostet. Beispielsweise ist es im schmucken Städtchen Halethorpe im amerikanischen Bundesstaat Maryland – einst von den Puritanern besiedelt – bis zum heutigen Tag gesetzlich untersagt – sich länger als eine Sekunde zu küssen. Eine Sekunde? Da bringt der Normalsterbliche bestenfalls einen Schmatz zustande. Gut so, applaudiert der Sheriff von Halethorpe, der sich jedoch bei einem Blick nach Little Rock in Arkansas beschämt abwenden dürfte: Dort nämlich ist es sogar untersagt, auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen auch nur zu flirten – wird man dabei ertappt, kann dies eine dreißigtägige Haftstrafe zur Folge haben.

Nun mag der geneigte Leser glauben, bei diesen Verordnungen handle es sich um skurrile Ausnahmen, doch die typisch amerikanische Mixtur aus Kleinstaaterei und Bigotterie bringt es mit sich, dass man solche und ähnliche Erlasse in zahlreichen Gesetzessammlungen findet – sei es in den einzelnen Bundesstaaten, in den Counties oder in den städtischen Verordnungstexten. In Daytona Beach, einer Stadt, die berühmt ist für ihre Autorennen, dürfen öffentliche Mülleimer ausdrücklich NICHT sexuell belästigt werden, was wiederum eine Reihe hochinteressanter Fragen aufwirft. Zum Beispiel: Ist Mülltonnenfetischismus heilbar? Gilt das auch für männliche Mülleimer? Und vor allem, wie um Himmels willen kam dieses Gesetz zustande?

Jeder männliche Autofahrer über achtzehn Jahre kann in Indiana wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen festgenommen werden – für eine Anklage genügt es schon, wenn seine Beifahrerin unter siebzehn Jahre ist und während der gemeinsamen Fahrt weder Socken noch Schuhe trägt. Immerhin tröstlich: Die Staatsanwaltschaft kann sich auch bereit erklären, nur eine »versuchte Vergewaltigung« anzuklagen.

Und damit nun zur Liste der zwölf absolut absurdesten Gesetze zum Thema »Sex«, die weltweit (auch außerhalb der Vereinigten Staaten finden sich spannende Formulierungen) bislang erlassen wurden. Natürlich erhebt diese Liste weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Objektivität, doch darauf kommt es in diesem Buch auch ganz sicher nicht an:

Platz 12

Den folgenden Paragraphen, der aus den Arbeitsrichtlinien für die Angestellten und Mitarbeiter einer amerikanischen Fluggesellschaft stammt und in Columbia erlassen wurde, könnte man als Verbot eines besonders exotischen Vorspiels betrachten:

§Grundsätzlich ist es den Flugzeugführern sowie dem gesamten männlichen technischen Personal verboten, weibliche Flugschülerinnen oder Flugbegleiterinnen in Ausbildung oder im Berufsstand mittels eines Staubwedels (…) am oder unterhalb des Kinns zu berühren, auch nicht zum Zweck, die Aufmerksamkeit der Flugschülerin oder Flugbegleiterin zu erregen.

Erklärungen für diesen Passus waren nicht zu erhalten, so dass man davon ausgehen muss, dass eine Stewardess oder eine Flugschülerin sich über diese Form der Anmache beschwert hatte.

Platz 11

Es ist bekanntlich verdammt einsam im australischen Outback. Weites Land, wenig Menschen, extrem wenige Frauen. Da kann der einsame Rindertreiber schon mal auf dumme Gedanken kommen. Zumal Kängurus nach dem vierten Schnaps vielleicht auch schon ästhetischen Ansprüchen genügen können:

§Der Geschlechtsverkehr mit einem Känguru ist Bürgerinnen und Bürgern prinzipiell untersagt. (…) Der Geschlechtsverkehr mit einem Känguru ist nicht unter Strafe gestellt, wenn die Bürgerin oder der Bürger zum Zeitpunkt des geschlechtlichen Aktes nachweislich alkoholisiert war, wobei von einem Blutalkoholgehalt von mindestens 0,8 Promille auszugehen ist.

Australien, Staatliche Strafgesetzordnung, Auflage 26, 1979, gültig bis 1984. Die Känguru-Population nimmt seit den achtziger Jahren wieder zu. Zufall?

Platz 10

Fußballtrainer sind in der Regel der Meinung, dass Beischlaf unmittelbar vor einem Spiel nicht unbedingt ratsam ist. Wie jedoch denken Schachtrainer über den Beischlaf während einer Partie? Möglicherweise ist man dieser Frage in Estland bereits auf den Grund gegangen:

§Es ist den Partnern eines im gegenseitigen Einvernehmen vollzogenen sexuellen Aktes währenddessen nicht gestattet, Schach zu spielen.

Aus dem estnischen Pendant des bürgerlichen Gesetzbuches. Veröffentlichung vom April 1997, geändert und gestrichen mit der ersten Überarbeitung im Mai 1997. Die Theorie besagt, dass die Formulierung dieses Gesetzes ursprünglich lediglich eine Art Fallbeispiel eines mit der Abfassung diverser Paragraphen beauftragten Juristen war und die Abschrift versehentlich in die Endfassung rutschte. Wir meinen: billige Ausrede. Das ist ein Spitzen-Gesetz.

Platz 9

Was tut ein Mann, wenn er sich freut? Er jubelt. Und wenn sich ein amerikanischer Mann des 19. Jahrhunderts ganz besonders freute? Genau – dann schießt er schon mal in die Luft. Schade, dass das schon wieder genau in dem Moment reglementiert wurde, als wirklich Grund zur Freude bestand:

§Während des Vollzugs des ehelichen Beischlafs ist es dem Mann untersagt, einen Schuss aus einer Handfeuerwaffe abzufeuern, um damit kundzutun, dass der weibliche Partner in diesem Moment einen Höhepunkt der sexuellen Lust verspürt.

Ein städtischer Erlass aus Connorsville, Bundesstaat Wisconsin, USA, aufgenommen im Jahr 1857, teilweise eingegangen und textlich überarbeitet in die Novellierung 1998 – allerdings ohne Erwähnung des ehelichen Beischlafs, sondern als reines Antiwaffengesetz »getarnt«. Der Originalwortlaut war leider nur noch in Fragmenten ermittelbar. Doch trotz dieser kärglichen Informationen kommt man nicht umhin, sich vorzustellen, was in Connorsville dereinst vorgefallen sein muss, dass ein solcher Erlass herausgegeben wurde.

Platz 8

Triebgeplagte Taxi- oder Busfahrer haben es in Massachusetts nicht leicht. Da sind sie den ganzen Tag im Einsatz, müssen Stunde um Stunde Passagiere über weite Entfernungen transportieren und haben trotzdem keine Chance, mal ganz fix ein williges Weibchen auf ihren Schoß zu ziehen:

§Es ist jedem Fahrer eines handelsüblichen Kraftfahrzeuges, das mittels außen angebrachter Symbole als ein dem öffentlichen Personentransport vorbehaltenes Fahrzeug kenntlich gemacht ist, (…) verboten, während der Fahrt auf den Vordersitzen des besagten Fahrzeugs mit einer oder mehreren Personen geschlechtlichen Verkehr zu haben.

Bundesstaat Massachusetts, USA, aktuell nach wie vor gültig. Bedeutet das nun im Umkehrschluss, dass es allen Fahrern anderer Fahrzeuge durchaus gestattet ist?

Platz 7

§»Es ist dem oder den rechtmäßigen Besitzern und/oder Bewohnern eines alleinstehenden Wohnanwesens sowie eines Mehrfamilien- oder Appartementhauses untersagt, mehr als zwei sogenannte Penisersatzwerkstücke (»Dildos«, Anmerkung des Verfassers) gleichzeitig pro Wohneinheit in besagtem Haus oder besagter Wohnung für den Gebrauch bereitzuhalten.«

Aus dem Bundesstaatenrecht von Arizona, USA, verabschiedet im Jahr 1978. Über Sanktionen oder Möglichkeiten der Kontrolle ist im gesamten Gesetzestext außer der Passage »im Ermessen des jeweiligen Gerichts« nichts vermerkt, und natürlich bietet auch die Frage, was alles unter die Kategorie Penisersatzwerkstück fällt, einigen Raum für Spekulationen.

Platz 6

Sehr viele Gedanken hat man sich in Cleveland offensichtlich gemacht, als das Zeitalter der Videokabinen in den sogenannten »Geschäften für Erwachsene« begann. Eigentlich laden diese abschließbaren Kabinen mehr oder weniger eindeutig zu unzüchtigen Selbstbefleckungen ein, und es ist wenig sinnvoll, dies zu leugnen. Andererseits, so weiß man in Cleveland, kommen Selbstbeflecker fast automatisch in den Höllenschlund, und deshalb betrachtete es das Stadtparlament mehrheitlich als seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die eigene Bevölkerung vor der ewigen Verdammnis zu bewahren.

§Die Betreiber von Videokabinen, deren Programme explizit dem erwachsenen Publikum sexuelle Handlungen zugänglich machen, sind dazu verpflichtet, jede einzelne der mietbaren Kabinen durch die Installation automatischer Videokameras überwachen zu lassen. Die Kameras müssen betriebsbereit sein und eingeschaltet werden, sobald ein potenzieller Nutzer des Programmangebotes die jeweilige Kabine betritt. (…) Jeder Kabinenkamera muss ein Monitor zugeordnet sein. Diese/r Monitor/e muss/müssen für das Betriebspersonal dergestalt angebracht sein, dass das Personal jederzeit Einsicht in die benutzten Kabinen erhält. (…) Sollte durch das Monitorbild offenkundig werden, dass ein Nutzer aufgrund eines in einer Kabine ausgestrahlten Videoprogramms sexuelle Handlungen an sich selbst vornimmt, ist das Personal dazu verpflichtet, dem Nutzer dies zu untersagen. Sollte er dieser Aufforderung nicht Folge leisten, ist die Polizei zu verständigen.

Cleveland Council, Stadt Cleveland, Bundesstaat Ohio, USA. 1982 in die städtischen Verordnungen aufgenommen, bestätigt 1988, gestrichen 1994.

Platz 5

Cheerleader gehören in den USA seit jeher zu jeder Sportveranstaltung, die etwas auf sich hält. Naturgemäß sind es allerdings die eher knappen Kostüme, die den darob nicht verwöhnten männlichen Besucher zu tagträumerischen Höchstleistungen treiben. Doch nicht überall wird dies gerne gesehen:

§Den jungen Frauen, die im Rahmen von Sportveranstaltungen (…) vom jeweiligen Stadionbetreiber, der jeweiligen Schule, der jeweiligen Universität oder dem jeweiligen Franchiseunternehmen die Aufgabe zugeteilt bekommen haben, während der Pausen (…) sportlich-gesellschaftlicher Publikumsveranstaltungen zu tanzen, das gastgebende Team anzufeuern oder die Zuschauer zu unterhalten, ist es ab sofort strikt untersagt, während ihrer Darbietungen aufreizende oder den geschlechtlichen Trieb in irgendeiner Form stimulierende Bewegungen auszuführen.

Repräsentantenhaus von Austin, Bundesstaat Texas, USA. Diese Verordnung geht auf die Initiative eines erzkonservativen Delegierten der republikanischen Partei zurück, der – wohl auch zu seiner eigenen Überraschung – dafür eine Mehrheit von 60:59 Stimmen fand.

Platz 4

Über Stilfragen im Zusammenhang mit dem ehelichen Verkehr machte man sich dereinst in einer Gemeinde in Iowa Gedanken:

§Es ist dem männlichen Partner nach dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs mit seiner ihm angetrauten Partnerin untersagt, mehr als drei angemessene Schlucke handelsüblichen Bieres zu sich zu nehmen, sofern er sich währenddessen noch mit seiner angetrauten Partnerin im ehelichen Bett befindet oder diese außerhalb desselben noch liebevoll umfasst.

Stadt Ames, Bundesstaat Iowa, USA, Verordnung aus dem Jahr 1860, Datum der Streichung unbekannt.

Platz 3

Harrisburg ist eine bis zum heutigen Tag von den Nachfahren der einstigen Mayflower-Puristen dominierte Metropole. Zum einen ist das Städtchen für sein Kernkraftwerk durch den Katastrophenfilm Three mile island (mit Jane Fonda und Jack Lemmon) berühmt, zum anderen durch den dort ansässigen Ivan Lendl (wer ihn nicht kennt, schlage schleunigst nach). Harris ist nicht nur die Hauptstadt des Bundesstaates Pennsylvania, sondern hat der Welt auch den folgenden Erlass beschert, der in seiner spezifischen Einmaligkeit geradezu spektakulär anmutet:

§Mit Anordnung vom 1. Mai 1968 (…) ist es innerhalb der Stadt- und Countygrenzen von Harrisburg jedem Bürger und jeder Bürgerin untersagt, in den städtischen Zoll- und Mautstationen geschlechtlichen Verkehr gleich welcher Art auszuführen. (…) Zuwiderhandlungen werden mit Freiheits- oder Geldstrafen geahndet.

Unzucht in der Mautstation? Autobahngebühr einmal anders? War es dort vielleicht gang und gäbe, das »Pickerl« mittels Liebesdiensten in jenen engen Kabinen zu erwerben, die in Abständen den Highway spalten? Und wenn dem so war, wie muss man sich das vorstellen? Wurde bei jedem heranfahrenden Auto der »Verkehr« unterbrochen, oder beschränkte sich das diensttuende Personal auf den abendlichen (seufz) Stoßverkehr? Oder tun wir den Nachfolgern der Puritaner bitteres Unrecht und sie wehrten mit dieser Verordnung lediglich die Unzüchtigen aus anderen Bundesstaaten schon an den Grenzen der Kommune ab – frei nach dem Motto: Wenn wir das Ausleben der Triebhaftigkeit schon in unseren kleinsten Hütten unterbinden, dann verlässt die Lüstlinge aus Kalifornien schnell der Mut. Denn, Nachtigall, ick hör dir trapsen, das Jahr 1968, in dem jene Bestimmung erlassen wurde, war doch eines dieser Hippie-Jahre – wir folgern messerscharf: Auf dem Weg von oder nach Woodstock fielen wahrscheinlich Horden marodierender und mit Gitarren bewaffneter Blumenkinder in Harrisburg ein – wild entschlossen, die Stadt in den Sumpf der freien Liebe zu ziehen. Unter dem Eindruck des Treibens dieser barbarischen Un-Amerikaner könnte der Erlass entstanden sein.

Wir werden es leider nicht mehr herausfinden, denn schon mit der Novellierung der gemeinsamen Stadt- und Countyverordnungssammlung von Harrisburg und Dauphin County fand dieser Erlass offenkundig keine Gnade mehr vor seinen gestrengen Richtern: Seit 1972 ist er nicht mehr aufzufinden – nur vier Jahre Lebenszeit waren dieser Perle der Ehrbarkeit vergönnt.

Platz 2

Offenkundig ganz schlechte Erfahrungen hat man in der Stadt Tremonton im Bundesstaat Utah mit Krankenwagenbesatzungen gemacht:

§Es ist jeder verheirateten oder unverheirateten Frau untersagt, in einem Krankenwagen den Geschlechtsverkehr mit einem oder mehreren männlichen Partnern zu vollziehen. Sollte eine Frau diesem Edikt nachweislich zuwiderhandeln, so ist sie vom städtischen Council eines Deliktes wider Sitte und Anstand anzuklagen und muss binnen 50 Tagen verurteilt werden. Das Strafmaß liegt im Ermessen des Gerichts, darf jedoch eine Geldbuße von 50 Dollar nicht unterschreiten. Eine Haftstrafe, die sechs Monate übersteigt, ist nicht statthaft. (…) Es ergeht weiterhin die ausdrückliche Anweisung, Namen und Delikt der betreffenden Frau in der örtlichen Tagespresse im Zuge einer amtlichen Verlautbarung zu veröffentlichen. Die Kosten hierfür hat die Angeklagte zu tragen.

Die Aufregung man mag sich kaum vorstellen: Da pflegen ein Sanitäter und eine stadtbekannte Schönheit Unzucht auf der Rettungsliege, während die übergewichtige Gattin des Bürgermeisters nach dem Verschlucken einer Fliege in Atemnot vergeblich einen Notruf nach dem anderen durch den Äther keucht. Der Chauffeur des Krankenwagens – Achtung: Jetzt wird’s anzüglich – »steckt« gerade fest. Uaaahhaha. Da musste ja wohl eine Verordnung her.

Oder war es vielleicht ganz anders? Hatte etwa ein biederer Verwaltungschef der örtlichen Rettungseinheit den Krankenwagen als Tummelplatz seiner spät-erotischen Lustbarkeiten ausgemacht und mit einer Angehörigen des horizontalen Gewerbes die dort einlagernden Latexhandschuhe für lustige Spiele zweckentfremdet?

Oder war womöglich die Gattin des Chefarztes wegen der überall drohenden Dauerüberwachung durch den eifersüchtigen Ehemann kurzerhand zum strammen Red-Crossler ins rollende Liebesnest gehüpft?

Wir wissen es nicht, vermuten hinter dieser Verordnung, die im Übrigen im Jahr 2004 aus den städtischen Bestimmungen gelöscht wurde, allerdings eine ebenso spannende wie schlüpfrige Geschichte.

Tremonton, angesiedelt im Box Elder County im schönen Utah, knapp sechstausend Einwohner, wurde davon sicher über Wochen hinweg in Atem gehalten. Wer weiß mehr? Postkarten mit der richtigen Lösung bitte an den Verlag.

Bemerkenswert ist übrigens auch der abschließende Passus des Paragraphen, der zur Veröffentlichung der schandbaren Tat und der Delinquentin nötigt. Recht so – der Pranger wurde ohnehin viel zu früh abgeschafft, und wenn in Tremonton schon mal was in Sachen Unzucht abgeht, dann sollen schließlich möglichst alle was davon haben.

Platz 1

Im Bürgerlichen Gesetzbuch des amerikanischen Bundesstaates Florida findet sich – frei übersetzt – der folgende Passus:

§Es ist einem männlichen Einwohner des Staates Florida bei Androhung einer Haftstrafe nicht unter 21 Tagen und/oder einer Geldstrafe nach Ermessen des örtlichen Gerichtes untersagt, den Geschlechtsverkehr mit einem gewöhnlichen Stachelschwein (Hystrix christata) ganz oder teilweise zu vollziehen. Darüber hinaus ist es jedem männlichen Einwohner des Staates Florida untersagt, sexuelle Handlungen gleich welcher Art an oder mit einem gewöhnlichen Stachelschwein zu vollziehen.

Sex mit einem Stachelschwein? Einem Stachelschwein? Ist das schon mal vorgekommen, oder wurde dieser Paragraph prophylaktisch verfasst? Als Vorbeugung gegen das immer weiter überhandnehmende lüsterne Begrabschen von Stachelschweinen ...

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