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Odyssee im 21. Jahrhundert

Odyssee im 21. Jahrhundert

Über die Liebe als Quelle wahrer Zufriedenheit und Gesundheit im Leben

TRISTAN NOLTING

VERSION 2.0

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Einführung in die Thematik

Wissen

Sind Theorien Wissen?

Das Trivium

Der Dunning-Kruger Effekt

Platons Höhlengleichnis

Quantenphysik & Esoterik

Die Parabel von den Blinden und dem Elefanten

Zusammenfassung

Naturgesetze nach der Hermetik

1. Gesetz: Schöpfung

2. Gesetz: Dualität

3. Gesetz: Schwingung

4. Gesetz: Harmonie

5. Gesetz: Kausalität

6. Gesetz: Resonanz

7. Gesetz: Entsprechung

Was wir wissen können

Zwischen Glück und Zufriedenheit

Anwendungsbeispiel Anthroposophie

Glauben

Die Macht des Glaubens

Das Mem

Verur-teilung

Das kleine Ego

Von der Sinnhaftigkeit

Intuition und Selbsterkenntnis

Glauben heißt Vertrauen

Ignoranz

Gesundheit & Krankheit

Sympathikus & Parasympathikus

Körper & Geist

Epigenetik & Genetik

Studien: Wie hoch ist die Aussagekraft?

Das wúwéi-Prinzip

Schulmedizin: Nur Symptomunterdrückung?

Beispiel 1: Krebsmedikamente

Beispiel 2: Impfstoffe

Wertschätzung & Krankheitszahlen

Die Facette der Wirklichkeit

Wenn die Vergangenheit die Zukunft bestimmt

Liebe - die Königin der Tugenden

Gerechtigkeit

Aufrichtigkeit

Tapferkeit

Lernen: Kein Fortschritt ohne Rückschritt

Lust: Der Atem des Menschen

Mäßigung: Die goldene Mitte des Lebens

Gewissenhaftigkeit: Leben ist Bewusstsein

Bescheidenheit: Das Leben ist Geschenk genug

Drei zentrale Botschaften

Zusammenfassung

Strategien

Erkennen

Behandeln

Optimieren

Resümee

Zahlenverzeichnis

Definitionsverzeichnis

Vorwort

Die Odyssee (griech. Όδύσσεια) ist im Sprachgebrauch zum Sinnbild für die Irrfahrt des Menschen geworden. Der griechische Dichter Homer gehört zu den bedeutendsten Autoren der abendländischen Kultur und hat in seinem zweiten Epos, neben der Illias, die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka beschrieben. Auf seiner Heimreise vom Trojanischen Krieg lauern dem mutigen König zahllose Gefahren, die versuchen, ihn von seinem Ziel, der Rückkehr zu seiner Frau, abzuhalten. Nach einem jahrelangen Krieg wünscht Odysseus sich natürlich nichts mehr, als seine Frau Penelope und seinen Sohn Telemachos wiederzusehen. Das Sinnbild der Irrfahrt ist eindeutig: Durch den Beweis seiner Tugendhaftigkeit muss der König es sich erst noch verdienen, seine Zufriedenheit, die für ihn gleichbedeutend mit der Liebe zu seiner Familie ist, zu erlangen. So muss er sich immer neue Listen ausdenken, um dem Zyklopen Polyphem und der Hexe Kirke zu entkommen, oder auch den Fängen von Skylla und Charybdis. Für den aufmerksamen Leser scheint es, je mehr Listen Odysseus sich ausdenkt, desto länger halten ihn die Götter von seiner Familie fern. Letztlich schafft er es nur durch die Güte der Göttin Athene und des Volkes der Phaiaken, die Heimat Ithaka zu erreichen. Weist die Geschichte Homers etwa auf die Notwendigkeit tugendhafter bzw. liebevoller Handlungen hin?

Auch wenn das Schicksal manchmal an sich wie eine ziemlich große List erscheint, so konnte Odysseus doch zumindest etwas auf seinem Irrweg lernen. Liebe bedeutet nicht, nach etwas zu suchen, wie es zuerst den Anschein hat. Tatsächlich ist die Liebe in Odysseus Herzen jederzeit vorhanden gewesen, nur leider tief verborgen unter seinem Argwohn und seiner List. Für die Liebe muss man nichts tun, denn sie ist und bleibt bedingungslos. Schon Vergil sagte: Amor vincit omnia (Liebe überwindet alles). Sie überwindet deshalb alles, weil nichts für sie getan werden muss. Sie ist einfach da. Odysseus befindet sich in dem Glauben, dass er erst dann Zufriedenheit erlangen würde, wenn er endlich daheim, bei seiner liebenden Frau und seinem Sohn, ist. Verständlich. Wer wäre nicht gerne ständig bei seiner Familie? Aber viel zu häufig erleben wir auch Situationen in unserem Leben, in denen wir von Freunden und Familie fern sind und uns die Trennung von unserem momentanen Glück abhält. Dann fangen wir an, uns gegen unsere Situation zu wehren und erschaffen eine Spirale aus Sorgen und Ängsten in unserem Kopf. Vielleicht wollte uns Homer auch genau das sagen? Liebe ist keine Begierde. Je mehr Erwartungen wir an sie richten, je mehr Widerstand wir im Leben leisten, um sie zu erfahren, desto weiter entfernt scheint sie. Liebe ist eben nicht nur einseitig mit Sorge erfüllt, wie Ovid es beschrieb (Cuncta timemus amantes! Wir Liebenden fürchten alles!), denn die Angst ist ihr fern. Liebe ist ein Zustand, der bis in die heutige Zeit durch den eigenen Irrglauben noch schwerlich verstanden wird. So werden wir uns gemeinsam in diesem Buch dem Wissen und dem Glauben über die Zufriedenheit, welche nach Homer aus der Liebe entspringt, widmen.

Ich selbst bin in einem völlig anderen Feld als der Spiritualität und Philosophie tätig. Meine Lebensausrichtung hat sich immer an der Gesundheit und der Ernährung orientiert, daher auch mein Studium der Oecotrophologie. Jahrelanges Krafttraining haben mich Disziplin und Motivation gelehrt, die es benötigt, um einen klaren Blick über das so wirre Thema der Gesundheit zu erhalten. Literatur, Eigenrecherche und das Erkennen von Zusammenhängen sind dabei für mich zum Standard geworden, um meinen eigenen Glauben durch ausnahmsloses Wissen zu überprüfen. Durch die so wichtige Verbindung von Empirie und Rationalität mit dem allgemein gültigen Naturforschen wird eine Brücke geschlagen, welche in der Moderne immer weiter vernachlässigt wird. Ich möchte dir aufzeigen, warum es einen immer stärkeren geistigen Verfall um wirkliches Wissen gibt und warum wir praktisch in einer Zeit leben, in der wir viel mehr glauben müssen, als es noch vor einigen Hundert Jahren der Fall war. Es ist gerade die Verbindung aus Wissen und Glauben, die mehr mit der Erfahrung wahrer Zufriedenheit und Gesundheit zu tun hat, als wir häufig denken möchten. Nur wer seine eigene Irrfahrt anerkennt, hat in der Welt eine Chance, etwas über sich zu lernen. Wer nicht lernt, steht still und wer rastet, der rostet. Wer nichts über sich selbst weiß, der kann gar nicht anders, als alles zu glauben, was ihm aufgetischt wird. Wo führt der Weg hin, wenn man einem Glauben, einer materiellen Ideologie verfällt? Und ab wann gilt etwas überhaupt als Wissen? Die Grenze zwischen diesen beiden Polaritäten könnte nicht noch verschwommener sein, als es in der Moderne der Fall ist. Diese Fragen möchte ich mit dir untersuchen. Du wirst lernen, dass es in unserer Zeit immer wichtiger wird, wieder ein wenig mehr an die innere, tief verankerte Weisheit zu glauben, als es noch vor Jahrtausenden der Fall war. In welche Richtung uns die Weisheit führt, das wirst du an zahlreichen Beispielen erkennen. So viel sei gesagt: Die liebevolle Antwort, die du nach diesem, mit komplexen Informationen beladenen und einfachen Schlussfolgerungen abgeleiteten Buch erhältst, kann dir auf deinem spirituellen Entwicklungsweg eine Hilfe sein. Bedenke: Der Grat zwischen deinem Genie und dem Wahnsinn in deinem Kopf ist sehr schmal. Ich hoffe also auf wahnsinnige Offenheit und ein wenig geniales Mitdenken. In diesem Sinne wünsche ich viel Vergnügen beim Lesen dieses Buches und Namasté, Tristan.

Einleitung

Ich bitte darum, von Anfang an zu entschuldigen, dass dieses Buch sehr stark gewürzt ist mit Fachwörtern, Zitaten, Studien, Spiritualität, Esoterik und etwas Ironie. Um den Gesamtzusammenhang eines Themengebietes zu verstehen, ist es wichtig, das Puzzle der verschiedenen Wissenschaften wieder zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen. Die Erkenntnisse aus der Physik, Medizin und Psychologie haben einen starken Einfluss darauf, Gesundheit und Zufriedenheit ganzheitlich zu verstehen. Aber auch die fernöstliche Philosophie, Medizin und Religion tragen dazu bei. Jedes Puzzleteil im Rätsel um unser Leben hat eine bestimmte Relevanz – keine Disziplin ist weniger wichtig für uns. Viel zu häufig haften wir an unserer eigenen Meinung, anstatt für Neues offen zu sein – so auch bei der Ernährung. Haben wir beispielsweise eine gute Erfahrung mit einer Diät gemacht, so schließen wir automatisch darauf, dass es allgemeingültig für diese Welt sei. Vielleicht mag man die Schuld den modernen Naturwissenschaften geben, der Exoterik, welche einem eine Brille der vermeintlichen Objektivität aufzwingen. Wenn man kurz überlegt, dann ist es logisch, dass wir Wissen als wahrhaftig und gesichert ansehen. Wir laufen mit unserer Wahrnehmung jeden Tag durch die Welt und sehen zum größten Teil, was wir bereits anerkannt haben gegenüber dem, was wir nicht kennen; wer verspürt denn wohl dabei noch den Drang, etwas herauszufinden? Raubt letztlich nur Energie und Zeit.

Woran liegt diese, von mir zur Veranschaulichung übertriebene, aber doch erkennbare Einstellung? Liegt es am Internet und der bekannten Suchmaschine, die ähnlich funktioniert, wie man sich Kristallkugeln von Hexen und Seherinnen vorstellt? Vermutlich nicht, denn anstatt tatsächliche Antworten zu erhalten, ist die Neuzeit gänzlich zu einem Labyrinth aus Informationen geworden.

Manchmal denken wir, wir hätten genau das gefunden, wonach wir verzweifelt gesucht haben. Fast immer ist es jedoch ein Trugschluss, denn Meinungen gibt es wie Sand am Meer. Studien haben dies erzählt, Studien haben das erzählt. Dabei kommt man bei der Ablösung der vermeintlichen Erkenntnisse durch das Internet gar nicht mehr hinterher. „Und hör mir auf mit den Medien.“ Wie oft ist jemand an einer vermeintlich bewussten Ernährung gescheitert? Etwa der Veganer, der nach jahrelangem Verzicht in einen Fleischrausch verfällt? Nach einem extremen Verzicht folgt häufig das Aufgeben. Die eine Sünde, die man begangen hat, führt bei uns psychologisch direkt zum Schwarz-Weiß-Denken und zerbricht die eigens aufgestellte Moral vollkommen. Ist es anders bei Alkoholabhängigen und Drogenkonsumenten? Vermutlich nur extremer. Aber selbst bei kurzfristigem Alkohol-Konsum – reagieren die meisten Trunkenbolde nicht auf einen Kater durch den Vorsatz, nie wieder Alkohol zu trinken? In dem Moment, in dem wir realisieren, dass der Rausch zu Schamlosigkeit und extremer Emotionalität geführt hat, schaltet sich das andere Extrem ein und die Rationalität (und was nach dem Rausch davon übrig geblieben sind) hält davon ab, diese Erfahrung erneut machen zu wollen. Anstatt aber über einen sinnvollen, gemäßigten Konsum nachzudenken, ist die Mentalität geprägt von Radikalität. Lasst uns am besten einfach die Schuld auf das Internet schieben…

Eine ungeheure, unüberwindliche Vielzahl an Informationen ist nur logisch in unserer technisch-modernisierten Welt. Jeder, der eine Meinung hat, kann diese auch lautstark mit der Posaune und trotzdem anonym im World Wide Web vertreten. Dabei ist es egal, ob es sich um bewusste Falschinformationen handelt oder um sachliche Berichterstattung. Niemand weiß genau, wie realitätsnah der Verfasser schreibt, vermutlich nicht mal der Verfasser selbst. Denn meist hat der Verfasser nicht einmal selbst nachgedacht, sondern schlicht die Meinung von jemand anderem kopiert. Der Spruch, dass der Schüler nur so gut ist, wie sein Lehrer, trifft vollends zu. Daher kann eine unzureichende Aufklärung über ein Themengebiet gravierende Folgen für den Rest der Leserschaft haben. Nun gut, ich gestehe ein, in manchen Fällen übertrumpft der Schüler den Lehrer, jedoch gilt: Der eingeschränkte Blick des Lehrers trifft meist auch die Weitsicht des Schülers. Nicht umsonst haben wir die unterschiedlichsten Meinungen im Internet. Jeder beleuchtet mit seiner Taschenlampe eine Erkenntnis, versteift sich jedoch einfach auf einen anderen Teil desselben Prinzips. Und Gnade Gott, wenn jemand eine andere Metapher benutzt als ich. Wieso haben wir so sehr Angst davor, dass wir unrecht haben könnten? Es geht doch letztlich gar nicht ums Recht. Es geht um die Angst vor der Ablehnung, davor, dass jemand etwas anderes denkt als ich und ich falsch liegen könnte. Denn wir kennen es aus der Schule: Wer nicht mitzieht, der ist ungenügend. Und dann trauen sich die meisten einfach nicht, aus der Taschenlampe der Erkenntnis eine Deckenlampe zu machen. Wie kommen wir also dahin zu vermitteln, es herrscht gar kein Stromausfall und wir brauchen die Taschenlampen nicht? Hier sehe ich die Aufgabe der Naturwissenschaft, denn es ist das unumstößliche Ziel jeder naturwissenschaftlichen Disziplin, Licht ins Dunkel zu bringen und den Menschen von seinen selbstzerstörerischen Überzeugungen zu befreien – nicht von seinem Glauben! Nur von dem, mit dem er sich unwissentlich selbst Schaden zufügt. Wer weiß, dass er sich Schaden zufügt und damit weitermachen will, bitte. Jeder auf eigene Verantwortung. In der Gemeinschaft haben wir jedoch eine Verantwortung: Die der liebevollen und harmonischen Zuneigung, um auch zukünftigen Generationen das Paradies auf Erden zu ermöglichen. Ist dies nicht gerade im Zeitalter des Internets nötiger denn je? Ob es die Ernährungswissenschaft, die Medizin oder die Physik ist. Sie alle sollten jenes Ziel verfolgen, welches den Menschen in Richtung seiner gemeinschaftlichen Glückseligkeit ohne Zwang führt. Die Wahrheit und die Glückseligkeit entstammen derselben Familie, der Familie der Freiheit und dies zu realisieren, bedeutet auch, danach mit Selbstbewusstsein zu handeln.

Wahrheitsfindung bedeutet nicht, Theorien und Konzepte aufzustellen. Wo soll das schließlich hinführen? Theorien und Konzepte erschaffen mehr Verwirrung, als es der Glaube je könnte. Denn der Mensch kann lediglich nach dem leben, was wir als einwandfreies Wissen bezeichnen. Glauben wird in unserer modernen Gesellschaft häufig negativ konnotiert, denn zu viel von ideologischen Glaubenssätzen hat die Menschheit in der Vergangenheit zu unüberlegten, zwanghaften Handlungen geführt. Bedenke aber: Der Glaube wurde auch seither immer für Wissen gehalten. Die Abgrenzung von Wissen und Glauben gestaltet sich also recht schwierig. Wenn man an Kreuzzüge, Missionierungen und heutzutage an die Meinungskriege denkt, die im Internet geführt werden, dann hat sich wohl nicht viel gegenüber unserer Vergangenheit verändert. Wo also liegt die Diskrepanz zwischen Glauben und Wissen?

Gegenüber dem Menschen würde ein Tier niemals nach Glauben handeln. In jedem Lebewesen ist ein fest verankertes Wissen vorhanden, das wir am entsprechenden Bauplan in der Natur erkennen können. Jedes Lebewesen, ob Tier oder Pflanze, weiß, a priori (vorherbestimmt), wie es sich zu entwickeln hat. In der Natur geht es immer um ein ewigliches Spiel von Überleben und Reproduktion, um natürlichen Aufbau und Abbau. Diesem Spiel kann kein Lebewesen entkommen, auch der Mensch nicht. Die Erkenntnis darüber, wie die Natur funktioniert, ist etwas, was wir als gesichertes Wissen bezeichnen können, denn es ist unumstößlich gültig. Der zivilisierte Mensch hingegen identifiziert sich nicht mehr mit der Natur. So geht dann auch die Anbindung an das ursprüngliche, verankerte Wissen immer mehr verloren und der Drift verschiebt sich zu Gunsten unseres Irrglaubens. Wissen heißt nicht nur, bewusst Kenntnis über etwas zu haben, sondern dieses Wissen auch zu verinnerlichen. Menschen unterliegen denselben Naturgesetzen und besitzen dieselben Triebe, wie jedes Tier auch, nur wird viel zu häufig versucht, diese Regeln im Leben auszuhebeln. Wer artgerecht überleben und ein lebenswertes Leben führen möchte, der muss sich auf die Natur zurückbesinnen. So, wie es Jahrtausende in verschiedensten Hochkulturen der Fall war und wie es uns die Tiere stets vormachen. Die Tiere handeln nicht nach Glauben, sondern nach dem verinnerlichten Wissen über die Naturgesetze. Wer sich nicht an die Natur, den physiologisch vorgegebenen Bereich der Gesundheit, hält, der wird zwangsläufig krank. Wirkliche Aufklärung kann immer nur durch das Verständnis um die Einhaltung der Spielregeln des Lebens geschehen.

Gibt es in unserer Gesellschaft eine solche Aufklärung über das nötige Wissen? Der Mensch wird ausgebildet, ihm wird etwas bereits Bekanntes vermittelt, anstatt wirklich aufzuklären (Wortherkunft von Bildung: Imago – künstliches Abbild, also ein Bild von etwas bekommen, genauso wie man schon früher mit Büsten und religiösen Skulpturen den Zahn der Zeit versucht hat festzuhalten). Kant beschrieb es passend: „Aufklärung ist die Maxime jederzeit selbst zu denken.“ (1, 136). Erst, wenn wir selbständig und frei von jeglichen Vorurteilen denken, können wir uns als aufgeklärte Menschen bezeichnen. Dann müssen wir uns jedoch vorrangig uns selber verpflichten und nicht der objektiven Wahrheit. Die objektive Wahrheit konnte nie von den Naturwissenschaften gefunden werden. Tatsächlich rückt das exoterische, naturwissenschaftliche Bild der Welt immer näher an das der Esoterik heran. Sehr passend hierzu ist das Zitat von Prof. Ernst Peter Fischer: „Das 20. Jahrhundert hat eine merkwürdige Entwicklung mit sich gebracht. (…) Erst wurde eine Unstetigkeit in der Natur entdeckt, dann wurde sogar eine Unentscheidbarkeit bei mathematischen Gesetzen entdeckt, dann wurde Ungenauigkeit in der Logik als grundlegend verstanden und dann ist sogar noch – das ist das Stichwort der Chaosforschung – Eine Unvorhersagbarkeit in die ganze Natur mit hineingekommen.“1

Prof. Fischer beschäftigt sich grundlegend mit der Frage, ob der Mensch unbelehrbar ist. Wir werden dieser Frage ebenfalls nachgehen, nur werden wir uns nicht im Detail verlieren, wie es die moderne Wissenschaft gerne tut, sondern das Puzzle zusammenfügen, sodass ein ganzheitliches Bild erkennbar wird. So, wie auch alle Dinge auf dieser Welt in Gegensätze aufgeteilt sind, so handelt auch der Mensch immer nur durch zwei ihm vorgegebene Entscheidungspole. Differenzieren bedeutet in dem Zusammenhang, aus gegebenen Informationen die sinnvolle Entscheidung zu treffen. Allerdings ist dies immer nur eine Perspektivfrage und kann nicht durch eine Bewertung in „Gut“ und „Böse“ gelöst werden.

In genauem Gegensatz zu diesem Ansatz steht der tierische Instinkt, also der subjektiv-akute Handlungsimpuls darüber, was aktuell für Überleben und Fortpflanzung vonnöten ist. Während Touristen noch Cocktail-schlürfend am Strand liegen, spüren die Tiere genaustens, dass sich eine Naturkatastrophe anbahnt und verschwinden vorzeitig. Ist der Instinkt bei uns Menschen nach wie vor vorhanden und können wir ihn genauso nutzen wie Tiere? Dieser Frage werden wir nachgehen müssen. Wenn wir wüssten, wie wir uns in jeder Situation individuell und intuitiv verhalten müssen, um aufrichtig zu handeln, würde dies wohl einige Veränderungen in unserer Gesellschaft nach sich ziehen. Eine davon betrifft den aktuellen Kapitalismus, wie wir im weiteren Verlauf noch sehen werden. Noch einmal: Dazu werden wir ein aufgeklärtes Weltbild brauchen, das frei von Vorurteilen ist, denn wir müssen wieder lernen, uns selbst zu erkennen und auf unsere innere Stimme zu hören. Kein philosophischer Denkansatz kann und sollte die natürlichen Triebe und Ausstattungen eines Lebewesens unterdrücken. Langfristige Entwicklung von Kultur und Tradition kann immer nur unter Bedingung der Naturgesetze und der damit entstehenden natürlichen Ausstattungen von Lebewesen geschehen. In einem System, in dem vorrangig auf Effizienz gepolt wird, ist kein Platz für menschengegebene Kreativität und Selbsterkenntnis. Das Intuitive wird in der Schule definitiv nicht vermittelt. Wie man erkennen kann, vermittelt unser Bildungssystem den Individuen weder Spiritualität noch Offenheit oder Selbstverantwortung. Ansonsten wäre auf der Welt, und speziell im Internet, weniger harsche Meinung und vielmehr ein liebevoller und angemessener Austausch auf ebenbürtiger Ebene vorherrschend.

Wenn ich mich an meine Schulzeit zurückerinnere, dann fällt mir auf, dass im Unterricht zumeist das dem Behaviorismus entstammende Prinzip der Konditionierung vorgeherrscht hat. Konditionierung heißt: Wir können alles aus den Schülern machen, was wir wollen. Dort sind keinerlei Talente, Fähigkeiten oder Gaben vorhanden, daher behandeln wir alle gleich. Ob jemand mit fünf Jahren beim Lesen schon so weit ist wie ein Achtjähriger, das ist doch vollkommen egal. Normierung ist das oberste Ziel. Letztlich wirkt sich dies auch auf unsere Arbeitswelt aus, nicht wahr? Schon mal was davon gehört, dass man in der Schule lernt, wie man Steuererklärungen macht? Nein, ich auch nicht. Möglicherweise, weil das nicht gewollt ist. Und noch wesentlich schlimmer: Selbstentfaltung und Charakterentwicklung werden nicht gefördert. Dafür Gehorsam umso mehr: Wer nicht morgens um acht in der Schule sitzt, sich benimmt und seinen Tatendrang zurückstellt, nur spricht, wenn es erlaubt ist und tut, was der Lehrer ihm sagt, der wird von unserem Schulsystem als unzureichend abgestempelt. Gehorsam ist eine durchaus wichtige zu erlernende Eigenschaft, allerdings kann sie im Übermaße auch die Charakterentwicklung und die Ausübung der eigenen Leidenschaft verhindern. Der Großteil der Schüler ist unzufrieden mit dem Schulsystem, ebenso wie die Eltern. Hauptsächlich auch dadurch, dass alle Schüler eben gleich gebildet und behandelt werden und wenig individueller Spielraum geschaffen wird. Anstatt die Talente und Stärken der Kinder zu fördern, könnte man eher meinen, dass die Schule dazu dient, einen einheitlichen Normalbürger zu erziehen, der tut, was man ihm sagt. Ist das aus der Reihe tanzen in der Gesellschaft unerwünscht? Ein Mensch, der sich bewusst Gedanken um die wichtigen Dinge im Leben machen kann, ist unberechenbar und hört nicht auf Werbeversprechen, nimmt möglicherweise einen extraordinären Beruf an und folgt seinen Bedürfnissen. Vielmehr hört er wahrscheinlich sogar intuitiv auf das, was in dem jetzigen Moment angebracht ist. Er lässt sich nicht von seiner Vergangenheit prägen und ist offen für die Zukunft. Für die Industrie wäre das undenkbar, denn wer nicht auf Versprechen hört, der bringt auch keinen Umsatz. Aber, bevor wir uns zu sehr in der Industrie verlieren, noch einmal zurück zum Bildungssystem.

Wirkliche Lebenskompetenz wird nicht vermittelt, denn die wichtigsten Lebenskompetenzen und Eigenschaften würden den Schüler auf seinen ganz eigenen, individuellen Weg des Lernens schicken. Es fängt bei trivialen Dingen an, die nötig sind, um in unserem System zu überleben, wie zum Beispiel die Steuererklärung. Weitaus wichtiger ist aber die Vermittlung der Tugenden zur Erlangung eines umfassenden, selbsterkennenden Bewusstseins. Wie wir später noch sehen werden, kann Lernen immer nur durch die Entwicklung bestimmter Eigenschaften geschehen, die ich intrasubjektiv (selbstständig) und intersubjektiv (zwischenmenschlich) nenne. So weiß die Wissenschaft heutzutage, dass für den Lernprozess nicht nur Fleiß und Ehrgeiz notwendig sind, sondern auch ein Gruppengefühl und Verbundenheit zu anderen Menschen, insbesondere zum Lehrer (Vgl. S. 119 f.). Darum fällt uns auch das Vokabellernen so schwer. Wie gesagt: Ein Schüler ist nur so gut wie sein Lehrer. Schon die Griechen wussten um die Bedeutung der Tugenden als subjektivem Lernprozess. Nach meinem Verständnis ist Subjektivität die Verbindung aus der erwähnten Intra- und Intersubjektivität. Die Tugend (lat. virtus) an sich bestimmt die Tüchtigkeit, mit der ein Mensch durch das Leben schreitet. Wer zu nichts taugt, dem fehlen die Eigenschaften eines guten Lebens.

Jedes Lebewesen ist in der Lage, seine Probleme eigenständig zu lösen, vom Bakterium bis zur Giraffe. Das Zauberwort lautet Anpassungsfähigkeit. Mit dieser Fähigkeit ist jedes Lebewesen durch das reine Interesse in jeder Lebenslage fähig, dazuzulernen. Wer braucht also das Internet, um sich theoretisches Wissen zu verschaffen? Learning by Doing, Lernen während des Tuns, sollte der Standard sein, so wie es auch jedes Kind praktiziert. Was ist aber der aktuelle Stand der Dinge? Hoffentlich nicht ein immer weiterer geistiger Verfall wirklichen Wissens … Nun ja, erkennbar wird es wohl an allen Institutionen, wie beispielsweise der Schule, aber auch in den modernen Wissenschaften.

Als Normalbürger müsste man sich nun, wenn nicht die nötigen Charaktereigenschaften für ein selbstbestimmtes Leben gelehrt werden, sein Wissen in der Literatur, von Experten oder aus dem Internet holen. Und im Internet gibt es immer häufiger wirklich kontextlosen Schwachsinn. Heutzutage wird einfach mit allem Angstmache betrieben, nur um Probleme zu schaffen und daraufhin die mit Geld kaufbare Lösung anzubieten. Ich hatte bereits vor einiger Zeit die Idee, die ersten Seiten der allseits bekannten Suchmaschine von ausgewählten Fachexperten auf fachliche Richtigkeit hin überprüfen zu lassen und statistisch auszuwerten. Das Ergebnis wäre jenseits von Gut und Böse gewesen. Allerdings gibt es auch wirkliche Perlen im Internet, man muss sie nur erkennen können. Dazu benötigen wir ganz klar einen Filter, welcher nur durch die eigene Tugendhaftigkeit geschaffen werden kann. Dieses verborgene Wissen liegt leider fast immer hinter dem Hauptstrom der Medien, dem Mainstream. Diese medialen, massengerechten Phänomene haben zwar ein Interesse an der Wirtschaftlichkeit, nicht aber an der Wahrheit. Die Klicks, die Aufrufzahlen, stehen im Vordergrund. Daher sieht man auch ein immenses Aufkommen von Halbwahrheiten und der damit einhergehenden unverständlichen Vermittlung, welche sich nur durch Schlagzeilen übertrifft, wie etwa „Rotes Fleisch ist krebserregend“2 oder „Die Vitaminlüge – das Milliardengeschäft mit den überflüssigen Pillen“3. Dabei ist es egal, wenn der Normalverbraucher verwirrt wird, denn schließlich zählt nur die Wirtschaftlichkeit des eigenen Unternehmens. Genau das würde jeder Mensch einwandfrei als untugendhaftes, genauer gesagt, unaufrichtiges Verhalten, deuten.

Aber wie ausgeführt, die Werbung steht im Vordergrund, Marketing kann eben alles verkaufen. Wenn man übermäßig Massenmedien konsumiert, dann sollte man sich auch nicht wundern, wenn man durch den Dauerbeschuss an Angstmache nicht mehr klar denken kann. Natürlich trifft Mitläufer nicht immer direkt die Schuld, denn auch Journalisten und vermeintliche Experten gehen nur ihrem Job nach. Jeder muss sich selbst und seine Familie versorgen. Dennoch heiligt der Zweck nicht das Mittel. Somit möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es nicht Ziel der freien Marktwirtschaft ist, den Menschen aus Gutmütigkeit Zusammenhänge zu vermitteln. Vielmehr wird der Leser, Bürger, Person, wie auch immer man ihn nennen will, dazu gedrillt, die Trends mitzumachen, um Geld zu erwirtschaften – so hart es auch klingt. Egal, ob der Süßstoff Aspartam zum hundertsten Mal giftig ist, um der Zuckerindustrie auszuhelfen, oder ob es die neuen Verkaufsschlager Goji Beeren und Chia Samen sind. Der Wert der Informationen hat keine Priorität, sondern nur das Geld. Es sollte daher auch nicht wundern, dass wir uns selbst heutzutage als eine Informationsgesellschaft bezeichnen. Der hauptsächliche Verdienst wird schon immer durch Propaganda erreicht. Dabei steht völlig wertneutral keine Bewertung für die Propaganda im Raum, sondern lediglich die nüchterne Feststellung über jenes gesellschaftliche Phänomen.

Es sollte nicht verwundern, dass heutzutage auch jede Wissensanstalt der Macht des Geldes unterliegt. Forschungsprojekte, Materialien und Mitarbeiter müssen schließlich bezahlt werden. Auch Studien werden nicht ohne Grund durchgeführt, selbst an Universitäten steht immer ein bestimmter Zweck im Vordergrund. Wer denkt, dass Universitäten automatisch für Innovation stehen, der täuscht sich. Schon Goethe wusste, dass die Universitäten keine wirklichen Mittel der Aufklärung sind. Sie betreiben Forschung, vermitteln allerdings ein Weltbild der Vergangenheit (Hier gemeint ist die von Mephisto erwähnte Engstirnigkeit der Universitätsfakultäten in „Faust. Eine Tragödie“). Bei Studierenden wird, ähnlich wie bei Schülern, kein kreatives Denken gefördert, sondern stupides Auswendig Lernen und, zur Prüfungsphase, Aufsagen des mit Unlust gelernten Stoffes („Lern-Bulimie“). Wie sollen dabei Forscher ausgebildet werden, die innovative Forschungsprojekte leiten? Die Universität ist eher eine Fortsetzung der Schule. Die meisten Menschen wissen heutzutage gar nicht mehr, was sie anderes tun sollen, als zu studieren. Genau aus diesem Grund steigen die Anzahl der Studierenden und die Anzahl der Ausbildungen im Handwerk nimmt stetig weiter ab. Dabei liegt die Anzahl an Studienabbrechern im Schnitt bei etwa 25 bis 30 Prozent. Diese immens hohen Zahlen liegen unter anderem an dem hohen Lernpensum. Leistungsorientierter Druck, mangelnde Motivation, Prüfungsangst und psychische Fehlfunktionen werden durch die Wissensüberflutung zum Alltag für einen Studenten.4 So kann man gut und gerne beobachten, wie bei einem Studenten die Menge an konsumierten, schädlichen Drogen wie Tabak und Alkohol, stark ansteigt.

Alleine wenn man die Vielzahl der Studiengänge sieht, wird einem schon angst und bange. Durch die zunehmende Anzahl Studierender spalten sich auch immer mehr Studiengänge von ihrer eigentlichen Quelle ab. Somit gibt es nicht mehr nur die Biologie, sondern auch Biotechnologie, Biostatistik, Quantenbiologie, Pflanzenphysiologie usw. und so fort. Ein Mensch, der ein umfassendes Interesse an den natürlichen Gesetzmäßigkeiten des Lebens hat, der Natur und den Gründen des Seins, der steht nun vor einer Reihe von Biologiestudiengängen, welche ihm in ihrer Spezialisierung keinerlei Zusammenhänge mehr vermitteln. Professoren vertiefen sich immer mehr in ihr Themengebiet ohne jeglichen Bezug zur Metaphysik und zur Philosophie und verlieren dabei immer weiter das Gesamtbild aus den Augen. Deshalb wird man auch zu einem Thema von 100 Experten 100 verschiedene Meinungen hören. Wer den Zusammenhang nicht versteht, der versucht sich von der Masse abzuheben und will sein ganz eigenes Süppchen kochen. Konzepte und Theorien bilden das Grundgerüst heutiger Wissenschaftler und Professoren, nicht das übergreifende Denken. Und die Konzepte werden nicht einmal auf ganzheitlicher Wissenschaft begründet, sondern nur auf Glauben ohne Bezug zum ursprünglichen Forschungszweck: Dem Ergründen der Naturgesetzmäßigkeiten. Der Mensch glaubt wohl letztlich das, was er glauben will.

Für die Wirtschaft ist das natürlich super. Nehmen wir meinen ersten Studiengang, die Oecotrophologie. Eine Geisteswissenschaft aus ein wenig (Bio-)Chemie, Pflanzenkunde und Marketing/BWL. Dazu etwas Physik, Psychologie und Didaktik, schon hat man einen vermeintlichen „Experten“. Diese Bachelor-Absolventen sind nicht dazu ausgerichtet, Menschen kompetent in ihrer spezifischen Situation zu beraten, sondern vertreten ein im Studium oder durch Erfahrungen gelerntes Konzept der Ernährungsweise: Vegan, vegetarisch, paläo, low carb, high-carb, Ätkins, flexitarisch, frutarisch, Rohkost und wie sie noch alle heißen. Keiner hat ein Verständnis für individuelle Ernährungsbedürfnisse. Trends lassen sich natürlich super vermarkten, ob Gewicht abnehmen oder Krankheit heilen, Oecotrophologen sind die besten Verkäufer im Ernährungsbereich. Und das nur mit oberflächlichem Wissen wohlgemerkt. Jeder Biochemiker, BWLer und Physiker ist dem Oecotrophologen in dem jeweiligen Fachgebiet meilenweit voraus. Der Hauptgrund des Studiengangs liegt darin, kompetente Lebensmittelwirtschaftler heranzuziehen. Somit werden auch nur Fertigkeiten gelehrt, welche der Industrie bei der Vermarktung ihrer fragwürdigen Produkte helfen.

Wir müssen anerkennen, dass wirkliches Wissen nicht mehr vermittelt wird. Vielmehr wird der mündige Bürger durch ein System gebildet, das ein bestimmtes Bild der Wirklichkeit erzeugen soll. Die Sprache weist uns den Weg und wird uns noch häufiger aufzeigen, dass uns manche Wörter ganz konkret informieren, ja sogar die eigene Psyche reflektieren. Ich möchte dazu einladen, die von mir hier geschilderten Definition zu überprüfen und am besten im Wörterbuch nachzuschauen. Ich nutze das Wörterbuch der Gebrüder Grimm5, auch „Der Grimm“ genannt, das umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache, welches etymologisch die Wortbildungen der indogermanischen Sprachgruppen auf ihren Ursprung zurückführt. Auch die Sprachen und Zahlen sind tief miteinander verstrickt und stammen voneinander ab, sie haben sich mit dem Menschen mitentwickelt. Kaum etwas gewährt so viele historische Einblicke wie die Sprache. Sie ist das Mittel, um unserem Denkvermögen Ausdruck zu verleihen und spiegelt somit die innere Persönlichkeit wieder. Linguisten bzw. Sprachforscher gehen sogar von einer Universalgrammatik aus, also der Verbindung aller Sprachen miteinander. Wenn dies der Fall ist, oder Sprache zumindest eine gewisse Richtung aufzeigen kann, wie man an vielen Wörtern erkennen kann, die nicht nur ähnlich klingen, sondern auch eine ähnliche Bedeutung haben, dann sollte es auch möglich sein, genaue Definitionen zu finden, mit denen jeder sich selbst überprüfen kann. Über die freien Künste nach Platon, einem wichtigen Werkzeug zur Ermittlung sprachlicher Ausdrucksfähigkeit, erfahren wir später mehr.

Wir brauchen allerdings nicht nur ein umfangreiches Sprachwissen, um die hier beschriebenen Zusammenhänge besser zu verstehen. Am wichtigsten ist es, offen für Neues zu sein. Wir müssen lernen, auch mal unser eigenes Weltbild anzuzweifeln. Wer hat das Recht, die einzig wahre Wahrheit zu beanspruchen? Gemäß des amerikanischen Autors Bernie Siegel verhält sich jeder wie ein Süchtiger, der versucht, sein eigenes Weltbild zu verteidigen.6 Ein interessanter Gedanke. Denkt nicht jeder irgendwo, er hätte das Wissen, um maximal überlebensfähig zu sein? Unsicherheit schafft immer Angst und lässt uns um unser Überleben fürchten. Daher klammern sich Personen auch so sehr an ihr eigenes Weltbild. Besonders deutlich wird es, wenn man Teil einer Gruppe oder einer Gesellschaft ist, die jenes Weltbild vermittelt. Früher oder später sollte man alles Bekannte anzweifeln, um unbewusst implementierte Kenntnisse zu reflektieren. Wir werden aber auch noch sehr viel mehr über die Anker des eigenen Weltbildes erfahren, die unbewussten Glaubenssätze. So viel sei gesagt: Sich von dem lösen zu können, was einst gelernt wurde, erfordert Mut, schafft jedoch ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Wir brauchen also nicht nur die Aufgeschlossenheit eines Menschen, sondern auch dessen Kritikfähigkeit. Gemäß Karl Popper kann sich nur derjenige kritischer Rationalist nennen, welcher keine Angst vor den Argumenten anderer hat, sondern stets versucht, diese durch Vernunft zu überprüfen und gegebenenfalls sogar daraus zu lernen.7 Nach dem Motto: Jeder Mensch ist dir entweder ein Freund oder ein Lehrer. Wir sollten dabei Rationalisten klar von Materialisten trennen. Der Rationalist schließt aus der Logik und hat ein Interesse an allen Sinnhaftigkeiten (mit den Sinnen erfassbar) des Lebens. Er kann zuhören. Der Materialist hat hingegen kein Interesse an der Subjektion, dem Jenseits und der Spiritualität. Er verschließt sich vor den Meinungen anderer, besitzt somit nur den Bruchteil eines Weltbildes und wehrt sich vehement gegen jede Form des Bewusstseins. Etwas, was in der Quantenphysik, einem Fachbereich der Physik, auf den die Physiker des 20. Jahrhunderts unglaublich stolz waren, schon lange nicht mehr tragfähig ist. Unser eigenes Bewusstsein und unsere Wahrnehmung machen einen immensen Teil an der Erfahrung der Wirklichkeit aus. Wenn selbst eine unserer höchsten wissenschaftlichen Disziplinen den Ball in Richtung des Feindbildes, der Esoterik, spielen kann, dann sollten wir auch in der Lage sein, uns selbst mal hinterfragen zu können, ohne direkt in Panik zu verfallen.

Ich hoffe, einen Einblick in wirkliche Gesundheit und Zufriedenheit geben zu können und auch, welche Rolle die Wissenschaften dabei spielen. Mir ist es von Herzen wichtig, dieses so einfache Thema neu aufzurollen, sodass es wirklich jeder in seiner Ganzheit verstehen kann. Denn das glaubt mir, es ist einfach. Man muss sich nur von seinen bisherigen Erfahrungen und Beurteilungen befreien. Wir haben alle tief in uns die Kenntnisse, welche benötigt werden, um gesund durch das Leben zu schreiten, genau wie jedes andere Lebewesen auf der Welt. Leider reicht diese kurze Einleitung aber nicht aus, die Einfachheit des Themas zu erläutern. Denn je mehr Unsinn erzählt wird, desto tiefer muss man in seinem Weltbild graben, um den ganzen Unsinn relativieren zu können. Man kann Menschen nicht überzeugen, man kann ihnen lediglich Türen öffnen. Wer durch die Tür gehen will und erkennen möchte, der muss dies alleine tun. Die hier angesprochenen Themen sollen nicht als absolut verstanden werden, sondern immer nur im Kontext des hier vermittelten Weltbildes. Kein Mensch besitzt jede Fähigkeit und jede Kenntnis dieser Welt, daher ist es unnötig, darüber zu streiten, wer recht hat oder nicht. So wie Sokrates es sagte: „Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles." Anstatt die hier genannten Themen anzuzweifeln, kann man entweder versuchen, sich über die Sichtweise zu vergewissern oder sie eben einfach ignorieren. Glaubenskriege sind zweifellos unnötig, denn das Fundament, auf dem der eigene Glauben aufgebaut ist, ist schlichtweg einseitig. Wir Menschen wollen nur allzu gern unsere Beweise, also die logische Schlussfolgerung, um an etwas glauben zu können. Dabei vergessen wir nur leider, dass wirkliche Beweise viel seltener sind, als wir häufig glauben – aber glaubt mir bloß nichts. Vera F. Birkenbihl merkte mal so schön an, dass das, was jemand an Wissen anbieten kann, am besten so behandelt werde, wie wenn wir in einen Supermarkt gehen. Das, was wir kaufen wollen, nehmen wir mit. Alles andere lassen wir einfach liegen. Es gibt keinen Grund, sich über Meinungen zu streiten, denn man muss sie ja nicht übernehmen. Achja, außer es ist Blackfriday…

Wir alle müssen unsere Entscheidungen zum Glück eigenmächtig treffen. Es liegt bei keinem anderen als bei dir, Gesundheit und Zufriedenheit verstehen zu wollen. Dafür ist jedoch mehr als meine eigene Meinung notwendig. Vielmehr wirst du dazu aufgefordert, deine eigene Weisheit hervorzurufen, indem du nicht nur lernst schlusszufolgern, sondern, indem du die Sinnhaftigkeit des lebenslangen Lernens erkennt. Denn nur die Bereitschaft aus seiner eigenen Lage heraus dazuzulernen, ist etwas, was wir als Tugendhaftigkeit bezeichnen können. Daher wünsche ich nun viel Erfolg beim Lernen.

Einführung in die Thematik

Gnothi Seauton„Erkenne dich selbst!“

(Inschrift am Apollontempel von Delphi)

Getreu dem besagten Motto, steht die Selbsterkenntnis an erster Stelle, um wirkliche Weisheit zu erlangen. Manche Dinge kann man nur mit ganzheitlichem Bewusstsein erkennen, nicht aber mit dem Verstand. So stehen wir in unserer Moderne vor mehr ungelösten Problemen als jemals zuvor. Darunter auch Ethik (Trolley-Problem), die Physik (Dunkle Materie und Dunkle Energie) und Philosophie (Erkenntnistheorie). Und das in einer Zeit, in der die Personen einer Gesellschaft sich selbst als aufgeklärt betrachten. Die Vielzahl tief verankerter Glaubenssätze sprechen eine andere Sprache, denn das Ergebnis ist eine Zeit in der Menschheitsgeschichte, in der hauptsächlich nach den eigenen grundlegendsten Bedürfnissen aufgrund eigener Unsicherheit gehandelt wird, anstatt aufgrund wirklicher Selbst- und Nächstenliebe. Paradoxerweise finden wir beim Bürger eine grundsätzliche Moral, so zu sein wie Mutter Teresa, jedoch nicht aus eigener Kraft, sondern vielmehr als eine durch die Erziehung verkaufte, aufgeladene Bürde. Wen wundert es? Die Infiltration der kirchlichen Glaubenssätze in den Geist des Menschen seit der Antike sowie anderer weltweiter Institutionen, haben den Menschen absichtlich mit unglaublich vielen und tief greifenden Unwahrheiten geprägt, die das Denken vernebelt haben. Schon Max Weber, ein deutscher Sozialökonom, wusste: „Die Kirche hat mit Hilfe ihrer Buß- und Beichtordnung das mittelalterliche Europa domestiziert.“. Es wäre nur ein Trugschluss zu glauben, dass der Mensch völlig unberührt von gesellschaftlichen Zwängen aufwächst. Auch in anderen Ländern sprechen die Konventionen eine klare Sprache: In Indien ist es nicht die christlichhumanistische Moralvorstellung, die das Denken des Menschen bestimmt, sondern ein in sich abgeschlossenes Kastensystem, die dem Menschen einen direkten Wert innerhalb des Zyklus des Lebens (Stichwort „Bhava-cakra“, das Geburtenrad in der hinduistischen Religion) aufzwingt. Wie kann sich der reduzierte Mensch aus dieser Erziehung lösen? Hierzu müssen wir die Ursprünge unserer heutigen Gesellschaften, also den Staatengemeinschaften des 21. Jahrhunderts, näher erläutern.

Für viele Weisen des griechischen Abendlandes stand die Tugend, nach Aristoteles Nikomanscher Ethik, als höchstes Gut zur Erreichung der Selbsterkenntnis fest. Hingegen werden alle Laster, die der Mensch besitzt (Neid, Zorn, Faulheit), als grundlegend schlecht beurteilt. Einige Hunderte Jahre später machte Paracelsus mit seinem Spruch „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“ klar, dass die Wirklichkeit nicht der objektiven Grausamkeit unterfallen ist, somit gibt es auch keine rein schlechten Eigenschaften, sondern lediglich die Beurteilung des Menschen, dass das Handeln gut oder böse sein müsse. Boshaftigkeit ist eine subjektiv bewertete Handlung, die laut Paracelsus aus dem eigenen Ungleichgewicht folgt. Wer den natürlichen Rahmen des Lebens nicht betrachtet, der fällt aus den natürlichen Lebensbedingungen heraus und erleidet Schaden.

Aber könnte dieser Schaden infolge des natürlichen Wachstums nicht vielleicht sogar eine Notwendigkeit sein? Denn erkenne: Jedes Wachstum ist in der Natur immer mit Rückgang verbunden. Es gibt keine „Einseitigkeit“, die in der Natur vorkommt. Nur der Mensch schafft sie durch seine Bewertung. Dadurch, dass wir anfangen zu differenzieren, verdrängen wir gegenteilige Ansichten. Und damit landen wir auch automatisch in der Getrenntheit und Einsamkeit. Ron Smothermon beschreibt Rechtfertigungen als „Erklärungen über Aspekte der Wirklichkeit, für die wir nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“ Wir werden im Verlauf noch einmal auf dieses Prinzip der Dualität und der Bewertung zurückkommen. Das griechische Abendland stimmt jedenfalls genau wie Paracelsus damit überein, dass Weisheit nur durch die nötige Selbsterkenntnis, also das Bewusstsein über dieses Gleichgewicht der Extreme sowohl im Außen (Umwelt), als auch im Inneren (Mensch), erlangt werden kann.

Es muss also die maßvolle Nutzung sein, die über die Auswirkungen entscheidet. Erst dann fallen auch beim Menschen keine Laster mehr an. Wenn überhaupt etwas boshaft sein kann, dann doch der Mensch, oder? Wenn Boshaftigkeit mit dem eigenen Ungleichgewicht gleichzusetzen ist, wäre Selbsterkenntnis dann nicht gleichbedeutend mit der Rückbesinnung zum eigenen inneren Gleichgewicht? Eine ganzheitliche Betrachtung lässt keine so absolute Beurteilung über Gut und Böse mehr zu, wie wir sie einst noch gesehen haben. Viele antike Weise stimmen überein: Wer in ein Extrem verfällt, der wird früher oder später leiden. Weisheit durch Selbsterkenntnis ist das höchste Gut, um das Gleichgewicht im Organismus wiederzuerlangen (Vgl. S. 150 f.).

Und auch heute suchen die Menschen, nach wie vor, nach der Selbsterkenntnis. Tatsächlich aber vielmehr in der äußeren Welt, als in sich selber. Wird deshalb wirkliche Zufriedenheit immer seltener? Wer mit sich selbst zufrieden wäre, der würde nicht ständig in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Egal ob es der Veganer ist, der nach Jahren des Verzichts ein Stück Fleisch isst und daraufhin seine Moral aufgibt oder der Hungernde, der dem Jo-Jo Effekt unterliegt. Die Änderung des Verhaltens gleicht eher einem abrupten Fieber, das unaufhaltsam kommt und geht. Ziemlich akkurates Beispiel, wenn man dazu bedenkt, wie krankhaft schnell solche Veränderungen dann auch noch Erfolge erzielen sollen. Zeit ist ein Faktor, der in unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr zur Verfügung steht und nicht mehr geschätzt wird. Das Hauptproblem liegt aber nicht in der Zeit, sondern an der Gemeinsamkeit, wie alle Menschen ihre Probleme behandeln: Es wird der Körper und die äußere Welt als Wurzel allen Übels angesehen. Das materialistische Weltbild ist fest verankert in den Köpfen der Menschen und führt so immer weiter weg von den so wichtigen Tugenden und der damit verbundenen eigenen Sinnlichkeit. Vielmehr schreitet die Suche nach der Selbsterkenntnis im Außen dabei so weit voran, dass der innere Frieden in der Neuzeit nach Philosophen wie Kant nur durch absolute Sittlichkeit und altruistisches Handeln erlangt werden kann. Völlig ungeachtet der eigenen Innenwelt und der Bedürfnisse schließt Kant’s Kategorischer Imperativ („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ – Immanuel Kant; AA IV, 421) automatisch darauf, dass der Mensch den Antrieb des natürlichen Egoismus, also der Notwendigkeit, das eigene Überleben zu sichern, ohne Einbußen zurückstellen kann. Kein Lebewesen der Welt würde von sich heraus einem anderen Lebewesen den Vorzug geben. Der Mensch hat die Fähigkeit dazu, keine Frage, jedoch muss der Mensch zuerst einmal immer auch sich selber schützen, um auch Schutz gewährleisten zu können. Diese wechselseitige Bedingung, die gerade beim Schutz der Nachkommen in der freien Natur deutlich wird, lässt der Philosoph völlig außen vor. Mal nachdenken: Kann der Glaube an Moral die äußere Suche nach Glück befriedigen? Und vor allem, ist die Moral eine konstante Größe, welche Auskunft über die äußere Wirklichkeit liefert?

Es geht tatsächlich gar nicht darum, Kant, Aristoteles oder andere Philosophen auf ihre Glaubenssätze hin zu prüfen. Die meisten Philosophen der Geschichte hatten sehr interessante Ansätze. Nur wird es schwer, diese auch umfassend zu überprüfen. Wie Popper schon sagte, können wir Theorien nicht verifizieren, sondern nur falsifizieren. Wir können die absolute, äußerliche Wahrheit nicht erkennen. Gerade die Ethik, als etwas aufgezwungenes, ist auf diese absolute Einteilung von Gut und Böse angewiesen. Lehren wie die Ethik sind darauf angewiesen, Anhänger zu finden, die sie verbreiten. Ansonsten würde jeder seine ganz eigene Ethik finden, welche im Gegensatz zur allgemeinen Lehre die Ansicht verträte, dass das Individuum seine eigene Perspektive hat und sie nicht normiert werden kann, wie es in der Wissenschaft gemacht wird. Was bleibt, ist also ein individuelles Erfahren der äußeren Welt, keine feste Außenwelt. Auch ein Computer ist nur so gut, wie der, der in gebaut hat. Alles, was unbedacht bleibt, wird nicht in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Wir können unsere Situation nie genau als Wahrheit definieren, sondern müssen sie abhängig machen von unserer limitierten Wahrnehmung. Wir können weder die Existenz von Dingen außerhalb unserer Wahrnehmung mit unseren Sinnen beweisen, noch können wir sie widerlegen. Das ist auch eine der fundamentalsten Erkenntnisse der modernen Quantenphysik.

Das Doppelspaltexperiment aus der Quantenphysik lehrt uns: Teilchen verhalten sich anders, wenn wir sie messen bzw. nicht messen. Eine Erkenntnis, welche leider viel zu selten Gehör findet, denn es lässt den materialistischen Menschen an seinem Weltbild zweifeln. Oder zumindest sollte es das. Denn wenn die Masse erst dann eine bestimmte Form annimmt, wenn wir sie messen, wie kann man sich sicher sein, dass es eine objektive und fest-existente Außenwelt gibt und wie lässt sich die Wahrnehmung noch als etwas Starres definieren? Ist die Welt doch nur eine Projektion des Bewusstseins? Bedenke: Wir können auch nie gleichzeitig den Ort und die Zeit eines Teilchens bestimmen. Gibt das einen Hinweis auf die, uns auch durch die Natur bekannte dualistische Spaltung der Realität? Denn wir erinnern uns, Extrema sind auch nur Interpretationen des Dualismus. Wir können Extrema nie gleichzeitig wahrnehmen, genauso wenig wie wir Quanten sowohl als Welle, als auch als Teilchen messen können. In unserem Alltagsbewusstsein heißt das folgendes: Entscheidungen sind immer zwiegespalten, wir können niemals beide Optionen wählen bzw. gleichzeitig wahrnehmen. Es gibt zwei entgegengesetzte Richtungen, links und rechts, sowie oben und unten (wie auf einem Kompass). Wenn wir nach Norden gehen, dann können wir nicht nach Süden gehen. Auch in anderen Bereichen findet sich die Dualität: Es gibt hell und dunkel. Es gibt die Emotion, die Widerspiegelung der irrationalen Gefühlswelt, und die Rationalität, also die Logik. Wir haben zwei Arme, zwei Beine, zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, zwei Gehirnhälften (analytische und kreative Hälfte). Am wichtigsten für uns: Gibt es einen Körper, dann muss es zwingend auch einen Geist geben. Der Geist wiederum spaltet sich weiter in Bewusstes und Unbewusstes. Mit diesem Schema könnte man ewig weitermachen und jedes Ding auf der Welt weiter spalten. Wenn sich die Dualität in der Quantenmechanik, der Wissenschaft über die kleinsten messbaren Teilchen, bestätigt, könnte es doch glaubwürdig sein, dass das materialistische Weltbild nicht länger haltbar ist, oder? Max Planck, der Vater der Quantenphysik, sagte einmal passend: „Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen.“ (Vgl. S. 51 ff.).

Wenn die Wirklichkeit für uns gar nicht absolut erfassbar ist, wie können wir behaupten, dass unser eigenes Weltbild das einzig Existente ist? Der Materialismus erkennt das Bewusstsein einzig durch die selbsterschaffenden (autopoietischen) Fähigkeiten des Gehirns an. Wie Bewusstsein entsteht, bleibt weiterhin ein Rätsel für Neurologen. Genauso wie die Objektivität weiterhin als Wahrheit gilt. Wir können manche Dinge einfach nicht mit dem Verstand erklären und das werden wir auch nie. Auch die Philosophie, aus denen die Wissenschaften entstanden sind, hat ihre Grenzen. Die Sprache ist ein rationales Mittel, um Verknüpfungen der durch die Sinne wahrgenommenen Wirklichkeit zu erfassen. Sie ist aber nicht vollständig, wie uns der Dualismus lehrt. Auch die Tugenden zeigen auf, dass die Extrema nicht zur Zufriedenheit führen, denn das eigene Ungleichgewicht kann nur durch die fehlende Selbsterkenntnis geschehen. Durchweg emotionale Menschen, sowie allzu rationale Menschen haben keine Chance, die wahre Glückseligkeit, die Wirklichkeit, zu erfahren. Beide sind in ihrem eigenen Extrem gefangen. Wir erschaffen uns durch unser eigenes rationales Denken oder Emotionen unsere eigenen wahrnehmbaren Grenzen.

Die Rationalität ist immer zweckgerichtet. Sie verfolgt die Absicht, das Höchste und Logischste absichtlich zu nutzen, um die eigenen Handlungen auszurichten. Sie lässt somit auch theoretisch keine Schwäche zu. Im Falle der rationalen Ethik würde das bedeuten, dass wir in einer lebensgefährlichen Situation versuchen müssen, das Leben von sechs Menschen gegenüber fünf anderen Leben (somit an der Anzahl weniger) zu bevorzugen. Völlig ungeachtet der Beziehung zu diesen Menschen – auf das sogenannte Trolley-Problem kommen wir später noch genauer zu sprechen. Daraus abgeleitet wird ersichtlich, dass die Rationalität keine emotionalen Werte wie Erinnerungen, Zuneigungen, Bedürfnisse oder Lust beachtet. Und auch Demut ist der Rationalität völlig fremd, denn die Logik strebt nur nach Vervollkommnung. Begriffe wie Tugend und Intuition sind nicht durch die Rationalität erklärbar, aber auch nicht durch die Emotionalität. Sie sind vielmehr die Verbindung aus beidem, wie wir sehen werden. Manche Dinge sind auf dieser Welt einfach nicht logisch zu erklären. Eine schwangere Frau weiß, ohne nachzudenken, was ihr Kind gerade für Nahrungsmittel braucht. Das sind dann die berüchtigten Eingebungen während der Schwangerschaft, wenn zum Beispiel auf einmal Gummibärchen mit Fischstäbchen kombiniert werden. Die Eingebung sagt der Mutter, dass das Kind Proteine zum Wachstum braucht und Glukose als Energiequelle benötigt. Auch wissenschaftlich betrachtet sind beide Nährstoffe in gewissem Maße für das Wohl des Kindes unentbehrlich und fördernd. Diese Eingebung, die den natürlichen Anlagen des Menschen entspringt, und Intuition genannt wird, steht uns zu jeder Zeit die Verfügung. Die Intuition gilt für uns als die genau richtige, tugendhafte Handlung, an der wir unser Leben ausrichten sollten. Die Intuition liegt niemals falsch, denn es gibt niemanden, der jemals durch die wahrhaftige Intuition falsch gehandelt hat. Nur muss man, um die Intuition zu nutzen, auch verstehen können, wie Sie funktioniert. Sie gleicht, bildlich gesehen, dem sechsten Sinn des Menschen und verbindet verschiedenste Sinneseindrücke und Einsichten miteinander, um auf das Gesamtbild der Situation zu schließen. Sie verliert sich dabei nicht im Detail, wie die Rationalität, noch ist sie auf die eigenen egoistischen Gedanken und Gefühle bedacht. Sie ist die Verbindung des umfassenden Wissen des Menschen, das er sich sowohl kulturell angesammelt hat, als auch von der Natur geschenkt bekam.

Um die Intuition für uns greifbar zu machen, müssen wir unbedingt unsere innere Weisheit anzapfen können. Die Weisheit (engl. wisdom, in den germanischen Sprachen „wistum“) hat geschichtlich einen schwer verfolgbaren Ursprung und auch eine kaum relevante linguistische Entwicklung. Meines Verständnisses nach, ist es ein Zustand des Erkennens und des Anwendens des Wissens aus dem Inneren. Nach Goethe (25, 1, 30 W.): „Denken und thun, thun und denken, das ist die Summe aller Weisheit, von jeher anerkannt, von jeher geübt, nicht eingesehen von einem Jeden“. Weisheit wird sehr eng mit der Einsicht (lat. sapientia) in Verbindung gesetzt, also der Sicht nach innen. Die Einsicht ist die nicht voneinander getrennte, zwei-gespaltene, sondern ein-fache Sicht auf die Welt. Wir sehen die Natur nicht mehr durch Beurteilungen als gut oder schlecht an, sondern akzeptieren sie, wie sie ist und handeln nach ihrem Ebenbild.

Der Philosoph Sokrates hält es für wichtig, die Tugenden, welche aus meiner Sicht die Reflexionen der Intuition sind, zu klären, bevor man überhaupt auf den Gedanken kommt, die Lehrbarkeit, also was wir an Wissen weitergeben wollen, zu untersuchen (Menon). Anders ausgedrückt: Kenne deinen Feind. Lerne, aufgrund welcher Prinzipien diese Welt aufgebaut ist und inwieweit das Diesseits für uns erkennbar ist. Erst wenn wir die Extrema kennen, kennen wir die Kraft, die hinter der Dualität steht: Die Intuition und somit auch die Tugenden. Das, was viele Non-Dualisten anstreben, ist die Zentrierung auf das Wesentliche (unmittelbar zum verbum lat. esse: sein). Die Erfahrung und Weisheit gehen daher auch Hand in Hand. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die weisesten Menschen auch häufig in einem hohen Alter. Dadurch, dass man in dieser Welt lernt, was praktisch nicht funktioniert, weiß man auch ‚ was theoretisch funktioniert und somit das Wohl für einen selbst ist.

Wir müssen uns also zwangsweise mit dem beschäftigen, was wir wissen können, und was wir glauben sollen, wenn wir Zufriedenheit und Gesundheit verstehen wollen. Wir müssen differenzieren, was Glauben ist, und was Wissen. Denn es hat beides eine Daseinsberechtigung. Ich behaupte sogar, ohne die beiden ist Leben gar nicht möglich. Wir setzen diese beiden Mittel zur Erkenntnis falsch ein. Wie du sicherlich gemerkt hast, benötigen wir Aufklärung über die Herkunft von Wörtern zum besseren Verständnis. Hierzu findest du ein Verzeichnis mit Worterklärungen am Ende des Buches. Definitionen und der Sprachgebrauch werden uns auf unserer Reise helfen, uns selber besser zu verstehen. Wir müssen den Ursprung verstehen, um die daraus abgeleitete Folge des Handelns zu ergründen. Nichts geschieht ohne Grund und hat seine natürliche Ordnung. Manchmal ist es schwerer, zu verstehen, manchmal leichter. Ich kann nur dazu raten, alles, wirklich alles, was ich sage, zu überprüfen. Glaube mir am besten gar nichts, bis du es selber sowohl verstanden, als auch selbst erlebt hast. Man sollte sich immer verschiedene Meinungen über Themengebiete einholen, denn nur so kann man sich eine wirkliche Meinung bilden. Gäbe es nur eine Meinung, würdest du genau diese eine Meinung vertreten, da wir nur wie ein Kind durch Imitationen lernen können. In diesem Fall wäre meine Meinung deine Meinung, also meine Deinung oder deine Meinung. Im Optimalfall liest du dieses Buch zweimal oder jeden Satz besonders langsam, denn jede einzelne Bedeutung ist von hohem Wert und kann nur durch Mitdenken toleriert und abgewogen werden. Anstatt entweder stumpf mein Weltbild zu übernehmen oder einfach alle Aussagen zu negieren, versuche den Kern der Aussagen zu verstehen und die für dich wichtigen Informationen in dein Weltbild zu integrieren. Das Wichtigste ist offenzubleiben und sich nicht direkt allem zu verschließen. Nur, weil man Vorurteile gegenüber bestimmten Themen (Esoterik, Okkultismus, Schamanismus etc.) hat, heißt nicht, dass diese unbedeutend sind. Es kommt eben auf die bewusste Aufnahme von Informationen an. Ignoranz ist der Feind eines jeden toleranten Menschen. Kaspar (zitiert nach Paul Watzlawick) prägte den Satz: „Kühner als unbekanntes zu entdecken, kann es sein, bekanntes zu bezweifeln.“ So hat beispielsweise die Esoterik bereits lange vor der modernen Wissenschaft Erkenntnisse erbracht, welche erst in unserer Neuzeit bestätigt wurden. Passend hat es die bekannte Motivationstrainerin Vera F. Birkenbihl beschrieben:

Die Wissenschaft hat schon bewiesen, dass der Beobachter sich nicht von dem Beobachteten trennen kann [Quantenphysik], trotzdem haben wir noch den Gedanken der Exoterik im Kopf [Die objektive Wirklichkeit könne von jedem Menschen gleich wahrgenommen werden]. Die Esoterik sagt seit Jahrtausenden, dass es Schleier vor unserer Wirklichkeit gibt [Wir sind gezwungen die Gegenwart durch den Filter der Vergangenheit zu sehen] (…) Wir sind weder in der Lage durch unsere Sinne, noch durch unsere Erfahrungen ein objektives Bild der Wirklichkeit zu machen. (…) Durch die Brille der Programme (Erfahrungen) entsteht [dann] ein ganz gefährlicher Mechanismus – die Bewertung in positiv und negativ.8

Hierzu kann man auch auf jenen berühmten Spruch des griechischen Philosophen Epiktet hinweisen: „Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so“. Wenn die Physik sich also tatsächlich immer mehr der Esoterik annähert, sollte es für jeden Menschen ein interessanter Gedanke sein, das bekannte schulmedizinische, wissenschaftliche Denken anzuzweifeln. Das heißt nicht, dass es falsch ist. Genau das ist der Clue – falsch und richtig sind relativ, genau wie gut und böse. Es sind Polarisierungen bzw. Extrema, die wir aufgrund von Ereignissen in unserem Leben gerne annehmen. Brauchen wir Honig, sind Bienen wertvolle Lebewesen. Stören sie uns beim Grillen, wenn sie von Süßspeisen und Getränken angezogen werden, dann neigen wir dazu, die Bienen zu verscheuchen oder sogar zu töten. Es ist aber nur eine bestehende Möglichkeit, also eine Interpretation der Wirklichkeit, weil wir die Bienen genau in dem Moment als Stressor empfinden. Andere Interpretationen sind nicht unbedingt falsch, nur eben eine Betrachtung aus einer anderen Perspektive. Dass die Bienen nur ihrem natürlichen Verlauf folgen, bedenken wir in diesem Moment nicht. Sie existieren nur - anders als wir, die wir eine freie Verfügungsgewalt über diese Lebewesen ausüben können. Personen, die aufgrund ihrer Erfahrungen keine Phobie gegen Bienen haben, reagieren vermutlich gelassener. Es ist die Erfahrung, welche Personen in eine bestimmte Lage versetzt, demnach in eine Alarmbereitschaft oder auch nicht.

Was lernen wir daraus? Das eigene Ungleichgewicht bzw. die fehlende Selbsterkenntnis, ist der Mangel an nötiger Weisheit. Weisheit kann nur durch die Verbindung aus Glauben und Wissen hergestellt werden, denn solange wir eine feste Perspektive einnehmen, die durch den Glauben bestimmt wird, kann unser Glaube auch durch das Wissen enttäuscht werden. Die Tugendhaftigkeit ist die Rückbesinnung zum eigenen Gleichgewicht, verbindet den Glauben und das Wissen durch den eigenen Lernprozess wieder zu einer ganzheitlichen Lebensweise. Um aber die Weisheit nutzen zu können, bedarf es genauer Kenntnisse über die Extrema, die Dualität des Lebens. Das Unverständnis der Religion gegenüber der Wissenschaft, und vice versa, beruht eben auf der Spaltung beider Prinzipien. Beide Ideologien verfolgen das Erfahren der Geheimnisse des Lebens. Eine gegenseitige Negierung führt zu nichts, außer zu emotionalen oder rationalen Streitigkeiten über die verschiedenen Ansichten. Wie aber können wir diese Entwicklung positiv beeinflussen? Wir sollten weniger beurteilen. Beurteilungen führen dazu, nur die eigene Wahrnehmung als objektive Wirklichkeit einzustufen und Recht behalten zu wollen. Wer Recht hat geht keine Kompromisse ein. Und was sind Kompromisse anderes als die Toleranz und Vereinigung zwei verschiedenartiger Positionen? Der Kompromiss ist das Mittel, das die Spaltung der Dualität wieder zu einem einheitlichen Ergebnis führt. Dennoch wäre das Leben ohne die Dualität undenkbar, wie wir auch an den Naturgesetzmäßigkeiten, die es benötigt, um Leben zu schaffen, erkennen können. Anstatt also in das absolute Denken zu verfallen, sollten wir lernen zu relativieren, sodass der eigene Glauben und das Wissen zu einem gemeinsamen Kompromiss finden können.

Viele der hier kurz behandelten Themen werden später ausführlicher behandelt, die Einführung sollte nur einen kleinen Einblick in das Buch geben, sowie Fragen aufwerfen, die in unserer Gesellschaft nach wie vor unbeantwortet sind. Der zunehmende Verlust einer ganzheitlichen Betrachtung des Lebens stellt die Menschheit vor immer neue Probleme. Das Ziel, welches ich mit diesem Buch verfolge, ist die Erkenntnis, dass die Lösung aller Probleme in dem Problem selbst liegt. Wer bereit ist, sich einer neuen Perspektive anzunehmen, der wird viel Freude an diesem Buch haben.

Wissen

Wissenschaft ist das, was Wissen schafft. Aber was genau bedeutet Wissen? Dafür müssen wir uns genauer die Wortherkunft anschauen. Wissen ist ein Wort, dessen Ursprung vermutlich im Mittelhochdeutschen bzw. im Gotischen angesiedelt ist (mhd. Weiz, Got. Wait). In den älteren Sprachgruppen gibt es keinen Nachweis zur Nutzung des Substantivs. Man erkennt aufgrund der beiden Sprachen eine Parallele zum Englischen wait (Warten) und der Farbe Weiß im Deutschen. Wichtig ist auch, dass noch einige ähnliche Wörter im Deutschen den Begriff Weiß enthalten, so etwa der Nachweis oder die Weisheit (mhd. Wisheit). Im Lateinischen wird es auch mit dem Verb vidi (durchblicken, sehen) in Verbindung gebracht. Die Bedeutung des Wortes lässt sich synonym mit der Kenntnis fassen. Daraus lässt sich schon einiges ableiten. Wenn Weisheit und Wissen eng miteinander verwandt sind, dann muss wahres Wissen ein wichtiges Element auf dem Weg zur Weisheit sein. Schon die alten Griechen sahen Wissen als eine der Tugenden des Menschen an. Im Höhlengleichnis von Platon wird es auch als die Abkehr von Täuschungen und Vorurteilen erklärt, mit der Folge des Erkennens der realen Welt (zum Höhlengleichnis später mehr). Aristoteles sieht Weisheit in seinem Werk Metaphysik als das Wissen von Prinzipien und Ursachen an.

Als Gegenspieler des Wissens fungiert der Glaube. Das Wissen hebt sich in dem Sinne vom Glauben ab, dass es ihn entkräften soll. Wer weiß, so denkt man, der unterliegt nicht mehr seinem vorherigen Glauben. Wodurch wissen wir jedoch, dass das neu erlernte Wissen nicht einfach ein neuer Glaube ist? Halten wir nicht das, was die Weisen der Antike als Wahrheit ansahen, nicht heute für Glauben? Und wenn in Tausenden von Jahren jemand auf unser Wissen schauen würde, wüsste er es nicht besser und hielte es für Glauben? Wo die Grenze zwischen Wissen und Glauben liegt, ist nur sehr schwer ersichtlich. Wenn das Wissen mit der Erkenntnis verbunden ist, dann müsste der Glauben demnach eine Verhaftung an der eigenen Erfahrung bedeuten. Kann der Weg zu einem höheren Bewusstsein nur durch das Wissen geschehen? Wie kann man sich sicher sein, dass neuartiges Wissen nicht einfach nur ein neuer Glaube ist? Die Erkenntnis über die Wirklichkeit kann nur durch den Nachweis erfolgen.

Wer sich mit Wissen auseinandersetzt, der braucht immer einen handfesten Beweis, wie die Welt funktioniert, ohne eine einzige Ausnahme. In diesem Fall gilt: Nur eine einzige Ausnahme widerlegt die Regel. Die Schwerkraft ist ein wunderbares Beispiel, denn sie ist zu jeder Zeit und an jedem Ort der Erde gültig (mit minimalen natürlichen physiologischen Schwankungen). Wäre das nicht so, könnten wir nicht von einer Naturgesetzmäßigkeit sprechen, die Leben ermöglicht, so wie wir es kennen. Der Mensch unterliegt zwar seinem Glauben, dieser muss sich aber auch an den Naturgesetzmäßigkeiten orientieren. Alles, was vorstellbar ist, unterliegt der durch die Wahrnehmung geschaffenen Natur der Wirklichkeit. Ein Gott wäre beispielsweise nur dann nicht vorstellbar, wenn auch die Macht, die vorherrschende Kraft der Wirklichkeit, nicht existent wäre. Jede Idee stammt aus dem Geist, kann sich jedoch nur anhand der Beobachtung über die Geschehnisse bewahrheiten. Die Erklärungsansätze der Naturphänomene bezeichnet man dann als Theorie. Als Beispiel können wir die Gravitationstheorie von Sir Isaac Newton nehmen und die darauffolgende allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein: Erklärungsansätze, die der Wahrheit nahekommen, sie aber nicht erreichen. Letztendlich sind Theorien nur Gedankenkonstrukte, eine mögliche Interpretation der eigenen Sichtweise, wie Naturgesetzmäßigkeiten funktionieren und enstanden sind. Sowohl die Naturgesetzmäßigkeiten unterliegen natürlichen Grenzen, als auch die Sprache. Die Idee im Geiste hingegen nicht. Wissen müsste nach der Philosophie unwiderlegbar sein und nicht interpretierbar, es müsste jeder Perspektive und jedem Argument standhalten. Um den Frevel der absoluten Wahrheit des Wissens aufzuheben und zu verstehen, benötigen wir eine einheitliche Definition des Wortes Theorie, auf dem die Suche nach der absoluten Wahrheit aufgebaut ist. Grundsätzlich ist es aber, wie bereits erklärt, schon die Sprache, welche die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft aufzeigt.

Sind Theorien Wissen?

Der Anfang des Wortes erschließt sich aus dem griechischen Wort Theos (griech. θεός) und bedeutet so viel wie Gott. Dagegen ist das lateinische Wort Theoria gleichbedeutend mit der wissenschaftlichen Lehre, dem Gegensatz zur Praxis. Wir haben hier zwei völlig kontrastierende Bedeutungen. Es sind zwar beides Denkansätze, das Wort Theos bekräftigt jedoch die Ausrichtung des Wortes am Glauben. Und auch Goethe schreibt: „Die Theorie an und für sich ist nichts nütze, als insofern sie uns an den Zusammenhang der Erscheinungen glauben macht.“ (Goethe 22, 238). Die Theorie müsste demnach solange an Glauben ausgerichtet sein, bis sie der empirischen Beweislast standhält. Was auch absolut nicht verwerflich ist, denn die meisten Denker der Geschichte haben nur durch Denkexperimente erstaunliche Ideen gehabt, konnten diese jedoch wiederum nicht verifizieren. Dies wird auch als deduktive Methode in der Philosophie bezeichnet. Man versucht aufgrund von Prämissen (Annahmen) auf Konklusionen (Schlussfolgerungen) zu schließen. Ein Beispiel: Die Prämissen sind alle Menschen sind sterblich und alle Deutschen sind Menschen, dann kann man daraus folgern, dass alle Deutschen sterblich sind. Man kann hingegen nicht folgern, dass alle Menschen Deutsche sind. Hieran erkennt man auch die wesentliche Bedeutung der Philosophie: Sie ist ein Mittel zur Verknüpfung verschiedener Sprachelemente, um folgerichtige Informationen zu erhalten. Dabei hat auch die Philosophie ihre Grenzen. Sie ist eben sprachlich begrenzt. Immer dort, wo uns Begriffe fehlen oder sie zu ungenau sind, können wir keinen Zusammenhang herstellen. Die Idee kann sich nie akkurat durch die Sprache ausdrücken. Wir benötigen zusätzlich zur Logik die empirische Überprüfung, die Praxis, um Regeln veranschaulichen und verifizieren zu können. Innerhalb unserer sprachlichen Grenzen ist dies nötig. Das Gefühl von Liebe ist gefühlt ebenfalls existent. Es lässt sich aus der Logik jedoch nicht beweisbar ableiten. Nur die Beobachtung kann diese Kraft durch die Erfahrung identifizieren und sich ein Abbild von ihr machen. Gefühle wie die Liebe sind beispielsweise nicht überprüfbar und dennoch erfahrbar.

Dazu die Sicht von Karl Popper, einem der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts: Er vertrat die eindeutige Meinung, dass alle wissenschaftlichen Erkenntnisse rein deduktiver Natur sind, und, dass die induktive Methode, die Empirie, nicht als Beweisverfahren gilt. Er stand für seine Meinung ein, dass wir nichts wissen, denn nur die Götter haben, wie schon Aristoteles sagte, episteme (sicheres Wissen). Im Klartext würde dies bedeuten, nur die Idee, z.B. Liebe, sei existent und der Mensch kann sie begrenzt erkennen.

„Sicheres Wissen gibt es nicht. Ich kann nicht wissen, ohne dauernd meine Versuche zu machen, ob ich nicht träume. Wir müssen uns der Realität dauernd versichern, durch alle möglichen Stichproben. Alles, was existiert, ist Vermutungswissen. […] Unser aller Aufgabe als denkende Menschen ist die Wahrheitsfindung. Die Wahrheit ist absolut und objektiv, nur haben wir sie nicht in der Tasche. Es ist etwas, was wir dauernd suchen und oft nur schwer finden; und unsere Annäherung an die Wahrheit versuchen wir dauernd zu verbessern.“ —Karl Popper9

Es gibt ein Problem an Poppers Argumentation und das liegt darin, dass wir empirische Beweise haben können und daher nicht auf Theorien angewiesen sind. Denn Theorien sind, wie bereits erklärt, mehr Glauben als Wissen.

Abbildung 1: Vorgehensweise zur Verifizierung naturwissenschaftlicher Theorien. Die deduktive Methode beruht auf theoretischen Konstrukten, welche durch die induktive Methode praktisch nachgewiesen werden können.

Popper unterstützt seine Argumentation dadurch, dass man nichts beweisen könne, ohne sich ständig dessen zu vergewissern. Wir müssen allerdings eine gewisse Grunderwartung einnehmen, dass es Gesetzmäßigkeiten im Leben gibt, die fundamental sind. Auch wenn sie nicht durch die Sprache erfahrbar sind, behaupte ich sogar, dass ohne sie kein Leben möglich wäre. Wir können Gesetze nur eben nicht so mit unseren Sinnen wahrnehmen, dass wir dann auch von einer objektiven Wahrheit sprechen können. Genauso wenig mit der Sprache. Deshalb irren wir uns nun mal ständig. Wir kommen immer näher an die Gesetze der Wirklichkeit heran, die objektive Wahrheit liegt jedoch außerhalb unserer eingeschränkten, subjektiven Wahrnehmung. Aus diesem Grund bauen wir auch Messinstrumente, um unsere Sinne zu erweitern. Die induktive Methode ist damit nicht durch Popper widerlegt, sondern muss nur in die richtige Position gerückt werden. Empirie (Induktion) und Rationalismus (Deduktion) gehören ohne Frage zusammen, sind nicht voneinander getrennt. Erst die Trennung schafft eine als Wissenschaft deklarierte, aber dennoch ignorante Wirklichkeitsbestimmung.

Die Empirie ist der Erfahrungsschatz der Wissenschaft. Wie bereits erläutert, sind unsere Sinne die Basis für praktische Überprüfung. Ob Messinstrument oder nicht, ist völlig egal, denn das Gerät ist auch nur durch unsere eingeschränkten Sinne entstanden. Wir können es so als Erweiterung fassen. Die maßgeblichen Sinne sind Tasten, Schmecken, Riechen, Sehen und Hören. Sie alle sind an unsere Umgebung angepasst und daher auch nur für Überprüfung auf unserer Ebene geeignet. Überprüfung von Atomen durch unsere Sinne ist beispielsweise überhaupt nicht möglich. Das Gedankenexperiment, aufgrund dessen Demokrit die Atomtheorie aufgestellt hat, hingegen schon. Spalte ein Element solange, bis du das kleinste Teilchen erhältst, und nenne es Atom. Soweit völlig logisch, durch unsere Sinne aber nicht zu beweisen. Daher bauen wir Mikroskope, welche die feinstofflichsten Teilchen erkennbar machen können. Wir wissen jedoch nicht, wie nah wir mit unseren eingeschränkten Sinnen an der Wirklichkeit der Atome dran sind, wie genau sie aussehen und wie sie sich verhalten. All das können wir nicht bestätigen, denn wir wissen nicht, wie sehr unsere Sinne uns täuschen. Wir bekommen immer nur ein vages Bild von der Wirklichkeit. Müssen wir uns also doch auf Theorien verlassen?

Ja und Nein. Wir müssen beginnen, Fragen wieder intelligent zu stellen. Wir können viele Erkenntnisse aus den beiden für uns relevanten Größen Mikrokosmos und Makrokosmos gewinnen und müssen daher zwei Dinge beachten: Sind die Erkenntnisse nur interessant oder auch relevant für uns? Wenn sie nur interessant sind, können sie wieder verworfen werden. Es ist vielleicht spannend, über sie nachzudenken, einen wirklichen Nutzen für das Leben haben sie ...

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