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Nur eine turbulente Affäre?

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Cathy Williams

Nur eine turbulente Affäre?

Seit Heather in dem Penthouse des Multimillionärs Theo Miquel lebt und ihm den Haushalt führt, kann sie bequem ihr Studium finanzieren. Doch als ihr attraktiver Chef sie eines Tages mit einer ungewöhnlichen Bitte überrascht, schlittert sie in eine turbulente Affäre. Theos Mutter hat ihren Besuch angekündigt – und erwartet an seiner Seite eine Partnerin. Natürlich übernimmt Heather diese Rolle. Aber nach einer heißen Nacht in Theos Bett wird Ernst aus dem verführerischen Spiel: Sie hat ihr Herz an ihn verloren …

1. KAPITEL

Ohrenbetäubendes Getöse hallte durch den Flur. Theo Miquel schreckte auf. Er war in einen Finanzbericht vertieft gewesen. Es war schon spät, und die Leute von dem Sicherheitsunternehmen waren längst da. Aber selbst mit all den Wachmännern gab es kein einziges Gebäude in London, das völlig sicher war vor Einbrüchen und Überfällen. Theo kannte jedoch keine Angst. Mit ungeduldig gerunzelter Stirn und ärgerlich über die Störung, stand er auf und durchquerte sein luxuriös ausgestattetes Büro.

Wenn jemand so ungeschickt ist und einen solchen Lärm macht, kann er nicht gefährlich sein, sagte er sich. Dann sah er, was passiert war: Ein Rollwagen mit Putzutensilien war auf dem Flur umgekippt, und der ganze Inhalt lag auf dem Marmorfußboden verstreut. Außerdem war der Eimer umgefallen, und das Wasser breitete sich langsam in Richtung der Türen aus, hinter denen sich die mit Teppichen ausgelegten Büroräume befanden.

Plötzlich hörte Theo schnelle, kräftige Schritte auf der Treppe, und dann erschien der Sicherheitsbeamte, atemlos und tausend Entschuldigungen murmelnd. Theo kniete sich neben die junge Frau, die auf dem Flur zusammengebrochen war.

„Es tut mir leid, Sir“, stammelte Sid, der Wachmann, während Theo den Puls der Frau fühlte. „Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte, nachdem ich den Lärm gehört hatte. Ich kümmere mich um die Frau, Sir.“

„Wischen Sie das Wasser auf.“

„Natürlich, Sir. Es tut mir sehr leid … Sie war schon ziemlich blass, als sie heute Abend gekommen ist. Ich hatte jedoch keine Ahnung …“

„Ja, schon gut. Wischen Sie jetzt das Wasser auf“, wiederholte Theo scharf.

Rasch machte sich der Mann an die Arbeit und konnte gerade noch verhindern, dass das Wasser in die Büroräume floss und den Teppichboden ruinierte.

Die junge Frau war wirklich sehr blass, sie war offenbar ohnmächtig geworden. Wahrscheinlich war sie schwanger. Theo unterdrückte seinen Ärger und hob sie hoch, ohne die besorgte Miene des Wachmanns zu bemerken. Ihm war nicht bewusst, wie unterwürfig sich seine Mitarbeiter ihm gegenüber verhielten und dass sie sogar Angst vor ihm hatten. Deshalb war er sehr ungehalten, als er feststellte, dass der Wachmann im wahrsten Sinn des Wortes die Hände rang.

„Ich kümmere mich um die Frau, Sir. Sie brauchen es nicht selbst zu tun. Es ist für mich kein Problem …“

„Sorgen Sie dafür, dass das Chaos hier beseitigt wird“, unterbrach Theo ihn. „Dann gehen Sie zurück an Ihren Platz. Wenn ich Sie brauche, rufe ich Sie.“

Auf die Störung hätte er an diesem Freitagabend gern verzichtet. Es war schon nach neun, und er musste den Bericht noch zu Ende lesen, ehe er die korrigierte Version seinem Mitarbeiter auf der anderen Seite des Ozeans mailen konnte. Dieses Dokument wurde dort zur Vorbereitung der Sitzung am Montag dringend benötigt.

Mit dem Fuß stieß er die Tür zu seinem Büro auf und legte die junge Frau, die sich leicht bewegte, auf das breite Ledersofa auf der einen Seite des großen Raums, der mit der exklusiven Möblierung eher wie ein Wohnzimmer wirkte. Als Theo das Büro übernommen hatte, hatte er nichts verändert, obwohl er selbst wahrscheinlich eine zweckmäßigere und nüchternere Einrichtung gewählt hätte. Doch im Lauf der Jahre hatte er zu seiner Überraschung festgestellt, dass er sich in diesem Raum gut konzentrieren konnte. Die mit Eiche vertäfelten Wände strahlten eine gewisse Wärme aus, und die hohen Regale waren vollgestopft mit Sachbüchern, Geschäftsberichten und anderen Unterlagen seiner großen Schifffahrtsgesellschaft, die der Grundstein für sein Firmenimperium gewesen war. Der riesige, etwas altmodische Schreibtisch war nicht für die moderne Kommunikationstechnik des einundzwanzigsten Jahrhunderts konzipiert, doch er wirkte beeindruckend und erfüllte den Zweck. Die hohen Fenster reichten vom Boden bis zur Decke und waren schön anzusehen. Im Herzen der Großstadt wirkte das große viktorianische Haus wie ein Stück heile Welt aus einer anderen Zeit.

Offenbar kam die junge Frau wieder zu Bewusstsein, denn ihre Augenlider fingen an zu zucken. Unter der Arbeitskleidung, einem blau-weiß gestreiften Overall, trug sie eine bräunliche Strickjacke und ausgefranste Jeans. Ihre zweckmäßigen festen Schuhe hätten eher zu einem Bauarbeiter gepasst. Wie konnte eine Frau sich so unmöglich kleiden?

Mit verschränkten Armen stand er vor dem Sofa, und seine Ungeduld wuchs. Nach seiner abweisenden Miene und seiner Körperhaltung zu urteilen, war er nicht bereit, seine Hilfsbereitschaft noch weiter zu strapazieren. Er betrachtete ihr Gesicht, die gerade Nase, die sinnlichen Lippen und die schön geschwungenen dunklen Augenbrauen, die in seltsamem Kontrast zu dem gelockten blonden Haar der Frau standen.

Als sie schließlich die Augen öffnete, war er überrascht. Sie hatte ungemein schöne tiefblaue Augen. Verwirrt blinzelte sie, und er erinnerte sich wieder daran, dass er ihretwegen die Arbeit unterbrochen hatte, obwohl er sich das eigentlich nicht erlauben konnte.

„Sie sind ohnmächtig geworden“, erklärte er, während sie sich aufsetzte.

Heather sah den Mann an, der auf sie hinabblickte, und plötzlich war ihr die Kehle wie zugeschnürt. Seit sechs Monaten arbeitete sie hier. Sie kam abends um halb sieben, nachdem die meisten Angestellten schon nach Hause gegangen waren. Immer wieder hatte sie Theo Miquel beim Putzen heimlich beobachtet, wenn er an seinem Schreibtisch saß und konzentriert arbeitete. Wie sie gehört hatte, wagte es kaum jemand, sein Büro zu betreten und ihn zu stören.

Er ist der attraktivste Mann, den ich jemals gesehen habe, und seine tiefe Stimme ist ungemein faszinierend, dachte Heather. Er hatte ein markantes, klassisches Profil und strenge, regelmäßige Gesichtszüge, die ihm eine gewisse Arroganz verliehen. Das schwarze Haar hatte er aus der Stirn gebürstet, es kräuselte sich im Nacken. Obwohl sie nie den Mut gehabt hatte, ihn direkt anzusehen, wusste sie, dass seine Augen dunkel und unergründlich waren und dass er lange, dichte Wimpern hatte. Vielleicht würde sie sich genauso vor ihm fürchten wie seine Mitarbeiter, wenn sie bei ihm angestellt wäre. Doch da er nicht ihr Vorgesetzter war, hatte er ihr nichts zu sagen, und sie brauchte keine Angst vor ihm zu haben.

Sie ließ sich sowieso nicht leicht einschüchtern, sondern war ein offener, fröhlicher Mensch mit einem sonnigen Gemüt. Und sie war fest davon überzeugt, sie sei ein genauso wertvoller Mensch wie alle anderen, unabhängig von der sozialen Stellung und dem Einkommen. Wichtig waren nur die inneren Werte.

Während Heather die Gedanken hatte wandern lassen, war Theo zu der Getränkebar gegangen und kam jetzt mit einem kleinen Glas in der Hand zurück.

„Trinken Sie das“, forderte er sie auf.

Sie blinzelte. „Was ist das?“

„Ein Brandy.“

„Den kann ich nicht trinken.“

„Wie bitte?“

„Während der Arbeitszeit dürfen wir keinen Alkohol trinken. Man wird mir kündigen, wenn ich gegen die Regel verstoße, und ich bin auf das Geld angewiesen.“

Für Theos Geschmack redete sie zu viel. Sie sollte nur den Brandy trinken, dann aufstehen und den Raum verlassen. Er wollte endlich weiterarbeiten und fertig werden, denn er hatte eine Verabredung mit seiner neuesten Freundin. Er hatte sie sowieso schon verärgert, weil er einige Termine hatte absagen müssen.

„Trinken Sie das“, wiederholte er und hielt ihr das Glas an die Lippen. Heather errötete und trank nervös einen winzigen Schluck.

„Du liebe Zeit“, rief er aus. „Sie waren ohnmächtig! Mit einem einzigen Brandy laden Sie sich doch nicht gleich den Teufel auf den Hals.“

„Es ist das erste Mal, dass ich ohnmächtig geworden bin“, verteidigte sich Heather. „Meine Mutter hat immer behauptet, ich sei nicht der Typ dafür, so etwas passiere nur superschlanken Frauen. Claire ist als Teenager oft ohnmächtig geworden. Na ja, eigentlich nicht oft, aber einige Male, und das würden normale Menschen schon als oft bezeichnen.“

Er hatte noch nie jemanden kennengelernt, der in einem fort redete, und war sekundenlang sprachlos.

„Vielleicht werde ich krank.“ Hoffentlich nicht, fügte sie insgeheim hinzu. Sie konnte es sich nicht erlauben krankzufeiern. Im Krankheitsfall gab es keine Lohnfortzahlung, das war vertraglich geregelt. Tagsüber arbeitete sie aushilfsweise als Lehrerin, aber diese Stelle wurde schlecht bezahlt.

Theo beobachtete sie fasziniert, während sich alle möglichen Emotionen in ihrem Gesicht spiegelten. Dann hielt er ihr das Glas wieder an die Lippen, um sie in ihrem Redefluss zu bremsen.

„Trinken Sie einen kräftigen Schluck, das weckt die Lebensgeister.“

Heather gehorchte.

„Bleiben Sie hier sitzen, bis es Ihnen besser geht. Doch mich müssen Sie entschuldigen, ich muss arbeiten.“ Plötzlich hatte er eine glänzende Idee. „Wenn Sie möchten, bitte ich diesen Wachmann, Sie hinauszubegleiten.“

„Sid.“

„Wie bitte?“

„Der Mann heißt Sid. Wissen Sie das etwa nicht?“, fragte Heather neugierig. „Er arbeitet schon seit mehr als drei Jahren hier.“ Er nimmt ihn genauso wenig wahr wie mich, dachte sie.

Ihm missfiel ihr vorwurfsvoller Ton. „Wieso sollte ich mir die Namen der Angestellten des Sicherheitsunternehmens merken?“, fragte er, obwohl er genau wusste, wie die Leute hießen.

„Weil sie für Sie arbeiten.“

„Wissen Sie was? Die Unterhaltung ist lächerlich. Ich habe Wichtigeres zu tun …“

„Und ich störe Sie dabei. Es tut mir leid.“ Heather seufzte. Es war Mitte Januar, und die Grippe grassierte. Hoffentlich habe ich mich nicht irgendwo angesteckt, ich will den Job nicht verlieren, überlegte sie und hatte auf einmal Tränen in den Augen.

„Sie fangen doch nicht etwa an zu weinen, oder?“ Während er ein sauberes Taschentuch aus der Hosentasche zog und ihr reichte, verfluchte er seine Gutmütigkeit. Weshalb hatte er der Frau überhaupt geholfen? Sie schien entschlossen zu sein, mit ihm zu plaudern, als hätte er nichts Besseres zu tun.

„Entschuldigung.“ Sie nahm das Taschentuch und putzte sich die Nase. „Vielleicht bin ich nur hungrig und sollte etwas essen“, sprach sie ihre Gedanken laut aus, als ihr schon wieder schwindlig wurde.

Theo fuhr sich durchs Haar und warf einen verzweifelten Blick auf seinen Schreibtisch. „Hungrig?“, wiederholte er ratlos.

„Ja. Ein leerer Magen kann doch der Grund für einen Ohnmachtsanfall sein, oder?“ Sie sah ihn fragend an.

Gut, die Arbeit muss warten, sagte er sich und unterdrückte ein Seufzen.

„Moment mal.“ Er zog das Handy aus der Tasche und reichte es ihr, nachdem er im Display eine Nummer aufgerufen hatte. „Hier, bestellen Sie sich im Savoy etwas zu essen.“

„Oh nein, das kann ich nicht machen.“ Ihr schauderte bei der Vorstellung, wie viel das kosten würde.

„Doch.“ Er blickte sie an. „Wenn Sie hungrig sind, müssen Sie etwas essen, und hier gibt es nichts, was ich Ihnen anbieten könnte. Sie brauchen die Verbindung nur noch herzustellen. Berufen Sie sich auf mich, und man bringt alles, was Sie haben möchten. Die Rechnung bezahlt die Firma, Miss … Wie heißen Sie eigentlich?“

„Heather Ross.“ Sie lächelte ihn scheu an. So viel Geduld und Rücksicht waren bewundernswert. Seltsam, dass sich die meisten seiner Mitarbeiter angeblich vor ihm fürchteten. Der Brandy ließ sie alle Bedenken vergessen. Sie stellte die Verbindung mit dem Savoy her, obwohl sie den ganzen Aufwand für übertrieben hielt, denn sie brauchte nur ein Käsesandwich und eine Flasche Mineralwasser. Während sie die Bestellung aufgab, sprach Theo Miquel hinter ihr leise mit jemandem am Telefon.

Nachdem er das Gespräch beendet hatte, drehte sie sich zu ihm um und blickte ihn schuldbewusst an. „Ich habe Ihre Pläne für heute Abend durchkreuzt, stimmt’s?“

Sogleich war ihr klar, dass ihm diese Frage nicht behagte. Heather hatte die Angewohnheit, mit allem herauszuplatzen, was ihr in den Sinn kam. Doch sie musste sich zusammennehmen. Er hatte dafür gesorgt, dass sie etwas zu essen bekam, mehr wollte Theo Miquel nicht mit ihr zu tun haben.

„Das ist egal.“ Er zuckte die Schultern. „Ich hätte es sowieso nicht geschafft.“ Claudia war es natürlich nicht egal. Sie hatte einfach aufgelegt, was er durchaus verstehen konnte. Sobald eine Frau anfing, Ansprüche zu stellen, beendete er die Beziehung. Claudia war ihm nur zuvorgekommen, das war alles.

„War es wichtig?“, fragte Heather besorgt.

„Das Einzige, was wirklich wichtig ist, ist die Arbeit, die ich noch erledigen muss. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden …“ Zu seiner Erleichterung verwickelte sie ihn nicht schon wieder in ein Gespräch. Doch als er versuchte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, schweifte sein Blick immer wieder zu ihr hinüber.

Und als das Essen gebracht wurde, hatte Theo schon die Hoffnung aufgegeben, sich konzentrieren zu können, solange Heather Ross noch da war.

„Warum haben Sie heute nichts gegessen?“ Ihm fiel auf, wie rasch sie das erste Sandwich aufgegessen hatte. Hatte sie etwa einen Fastentag eingelegt?

„Sie brauchen sich nicht aus lauter Höflichkeit mit mir zu unterhalten“, erwiderte Heather und nahm das zweite Sandwich in Angriff. „Ich weiß, dass Sie viel zu tun haben. Die Sandwiches schmecken übrigens sehr gut.“

„Sobald Sie nach Hause gegangen sind, arbeite ich weiter.“

„Oh, mir geht es wieder gut. Ich arbeite selbstverständlich gleich weiter.“

„Ah ja. Das halte ich für keine gute Idee. Wollen Sie noch einmal ohnmächtig werden?“

„Sie befürchten wahrscheinlich, Sie hätten noch mehr Umstände mit mir, oder?“

Er zögerte mit der Antwort und sah fasziniert zu, wie sie ein Sandwich nach dem anderen aß. Die Frauen, die er kannte, knabberten an Salatblättern und stocherten lustlos im Essen, als führte eine Kalorie zu viel schon zu Übergewicht.

„Aus irgendeinem Grund bin ich heute hungrig“, glaubte Heather sich verteidigen zu müssen. „Normalerweise esse ich nicht so viel und müsste eigentlich spindeldürr sein. Leider habe ich einen sehr trägen Stoffwechsel.“

„Wie heißt die Firma, bei der Sie angestellt sind? Ich rufe dort an und informiere die Leute, dass Sie heute Abend nicht arbeiten können.“ Er griff nach dem Telefon.

„Nein, machen Sie das nicht!“, rief Heather entsetzt aus.

Er hielt inne und kniff die Augen zusammen. „Warum nicht? Sie arbeiten doch nicht etwa schwarz bei dieser Firma?“

„Nein, natürlich nicht“, entgegnete sie hitzig.

„Wo ist dann das Problem?“

„Nachdem ich hier fertig bin, muss ich die Kontrollkarte unten am Empfang abzeichnen lassen. Einfach nach Hause zu gehen, weil es mir vorübergehend nicht gut ging, kann ich mir nicht erlauben.“ Bei dem Gedanken an ihre schwierige Situation schwang sie die Beine vom Sofa. Ihr war nicht mehr schwindlig, und ihr wurde bewusst, was für einen unerfreulichen Anblick sie mit dem zerzausten Haar und in dem unvorteilhaften Overall bot. Sie strich das gelockte Haar glatt und band es wieder zu einem Pferdeschwanz zusammen.

„Geben Sie mir noch eine Minute Zeit, dann verschwinde ich“, sagte sie und atmete einige Male tief durch, ehe sie aufstand. Doch rasch setzte sie sich wieder hin und blickte ihn unglücklich an. „Okay, vielleicht brauche ich noch etwas mehr Zeit. Ich kann mich aber auf dem Flur auf den Boden setzen, bis ich mich erholt habe. Ehrlich, ich weiß nicht, was los ist …“

„Sind Sie schwanger?“, unterbrach er sie.

In ihrem Blick spiegelte sich Entsetzen. „Nein, natürlich nicht! Wie kommen Sie denn darauf? Ach, ich weiß schon, warum Sie das denken. Ich bin jung, ohnmächtig geworden und arbeite als Putzfrau, deshalb halten Sie mich automatisch für ein Dummchen, das nicht auf sich aufpassen kann.“

„Nein, keineswegs.“ Dass sie ihn durchschaut hatte, brachte ihn etwas aus der Fassung.

„Okay, dann …“ Plötzlich glaubte sie zu wissen, weshalb er vermutet hatte, sie sei schwanger, und errötete. „Sie meinen, ich sei schwanger, weil ich nicht gerade superschlank bin, oder?“

Zu diesem Thema wollte er sich nicht äußern. Außerdem befürchtete er allmählich, es könnte sich als schwierig erweisen, die junge Frau loszuwerden. „Ich möchte nicht, dass Sie in meiner Firma oder auf dem Firmengelände zusammenbrechen.“ Er ging auf sie zu und warf einen verstohlenen Blick auf das Logo an ihrem Overall. Sie ist wirklich nicht superschlank, sie hat üppige Brüste und ist gar nicht mein Typ, dachte er. Er zog langbeinige, glamouröse Brünette mit kleinen Brüsten vor. „Hills Cleaning Service“, sagte er mehr zu sich selbst. „Wie lautet die Telefonnummer?“

Widerstrebend nannte Heather sie ihm und wartete mit sinkendem Mut, während er telefonierte und die Situation erklärte.

„Man wird mir kündigen, stimmt’s?“, fragte sie resigniert, nachdem das Gespräch beendet war.

„Offenbar hat es in letzter Zeit noch zwei andere Vorfälle gegeben …“

„Nein, ich bin noch nie zuvor ohnmächtig geworden“, fiel sie ihm ins Wort. Er sollte nicht glauben, sie sei leichtsinnig. „Was genau hat man denn gesagt?“

„Es hätte zwei Vorfälle gegeben, so ungefähr hat man sich ausgedrückt.“ Normalerweise redete er nicht um etwas herum, aber die junge Frau tat ihm in gewisser Weise leid. Sie wirkte ziemlich unsicher und war offenbar auf den Job angewiesen. Jetzt musste sie sich eine andere Stelle suchen, weil er sich eingemischt hatte, wie er sich schuldbewusst eingestand. „Man hält Sie wohl für eine Belastung für die Firma.“

„Das ist doch Unsinn“, erwiderte Heather unglücklich. „Ich bin keine Belastung. Okay, ich gebe ja zu, dass ich zweimal eingeschlafen bin, nachdem ich am späten Nachmittag von der Arbeit nach Hause gekommen bin. Ich wollte mich nur fünf Minuten ausruhen und einen Tee trinken. Sie wissen ja, wie das ist, ich bin eingeschlafen, und als ich wach wurde, war es zu spät, um noch putzen zu gehen.“

„Sie haben zwei Jobs?“, fragte er erstaunt.

„Ja. Es tut mir leid. Sie haben das natürlich nicht beabsichtigt, aber dank Ihrer Intervention habe ich die Stelle verloren.“ Verzweifelt überlegte sie, wie sie finanziell zurechtkommen sollte. Natürlich konnte sie abends in einer Bar oder einem Pub arbeiten. Tom würde sie sofort einstellen. Doch die Arbeit in einer Bar war sehr anstrengend. Beim Reinigen von Büroräumen konnte sie abschalten und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Sie konnte davon träumen, sich ihren größten Wunsch zu erfüllen und ihr Studium zu beenden, um Illustratorin von Kinderbüchern zu werden.

„Wo arbeiten Sie tagsüber?“ Theo blickte sie an. Eigentlich interessierte es ihn nicht, was sie machte, aber es konnte nicht verkehrt sein, einige Minuten lang mit ihr zu plaudern. Dann hatte sie etwas mehr Zeit, sich zu erholen. Sie legte die Hände in den Schoß und sah geistesabwesend vor sich hin. Vermutlich überlegte sie, wie sie von dem niedrigen Gehalt, das sie für ihren Tagesjob erhielt, leben sollte.

Wahrscheinlich werde ich ihn nicht mehr wiedersehen, schoss es ihr plötzlich durch den Kopf, ein Gedanke, der ein seltsam leeres Gefühl hinterließ. „Ich bin Aushilfslehrerin an der Schule in der Nähe meiner Wohnung“, erwiderte sie.

„Sie sind Aushilfslehrerin?“

Sein schockierter Tonfall entlockte ihr ein Lächeln. Sie hätte auch beleidigt sein können, aber in das Weltbild eines erfolgreichen Unternehmers passte es wahrscheinlich nicht, dass eine Reinmachefrau auch etwas anderes machen konnte als putzen.

„Warum reinigen Sie abends Büroräume, wenn Sie eine ausbaufähige Stelle als Aushilfslehrerin haben?“

„Weil ich mit dem Gehalt der ausbaufähigen Stelle, wie Sie es nennen, gerade mal die Miete und die laufenden Rechnungen bezahlen kann. Aber ich will monatlich etwas Geld zurücklegen, um irgendwann mein Studium zu beenden.“ Nach seiner Miene zu urteilen, brachte es ihn aus der Fassung zu erfahren, dass sie studieren wollte. „Als ich mit der Schule fertig war, habe ich schon bald angefangen zu arbeiten und das Studium unterbrochen“, fuhr sie fort und genoss seine plötzliche Aufmerksamkeit. „Ich habe meiner Mutter geholfen, denn Claire konnte es nicht. Sie ist nach London gegangen und wollte Schauspielerin werden.“

„Wer ist eigentlich Claire?“

„Meine schöne, superschlanke Schwester“, antwortete sie voller Stolz. „Sie hat langes blondes Haar und große grüne Augen. Sie brauchte das ganze Geld, das unsere Mutter übrig hatte, um sich eine Karriere aufzubauen. Jetzt ist sie ein erfolgreiches Model und hält sich momentan in den USA auf.“

Diese Frau ist wie ein offenes Buch, dachte Theo. Hatte ihr nie jemand erklärt, wie viel reizvoller Frauen waren, die geheimnisvoll wirkten und die Neugier mit vagen Andeutungen und wie nebenbei gemachten Bemerkungen weckten? Es war unglaublich, wie offen und ehrlich sie war.

Er hob die Hand, um Heather in ihrem Redefluss zu bremsen. „Offenbar geht es Ihnen wirklich wieder gut“, stellte er fest. „Es tut mir sehr leid, dass Sie den Job verloren haben, aber es ist sicher besser so, denn es wurde Ihnen offensichtlich zu viel.“ Er stand auf, entschlossen, die junge Frau wegzuschicken. Ihr Haar löste sich schon wieder aus dem Gummiband, und als sie sich erhob, merkte er, dass sie kleiner war, als er angenommen hatte. Sie war höchstens einsfünfundfünfzig groß. Während sie den unvorteilhaften Overall glatt strich, hätte er ihr am liebsten den guten Rat erteilt, mehr Wert auf ihr Äußeres zu legen. Dann würde sie ganz bestimmt einen besser bezahlten Job bekommen. Er beherrschte sich jedoch und schwieg. Der erste Eindruck, den ein Bewerber oder eine Bewerberin machte, war ungemein wichtig.

„Vielleicht haben Sie recht. Am besten arbeite ich für Tom. Ihm ist es egal, wenn ich zu spät komme. Er mag mich, und solange ich tue, was er erwartet, zahlt er gut.“

Theo hielt ihr die Tür auf, und Heather ging an ihm vorbei, ohne seine schockierte Miene zu bemerken. Da sie ein optimistischer Mensch war, dachte sie an die Vorteile, die ihr die Arbeit in dem Pub bringen würde. Sie konnte zu Fuß hingehen und war nicht mehr auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Außerdem wäre Tom wesentlich nachsichtiger als die Leute der Reinigungsfirma, wenn sie wirklich einmal nicht zur Arbeit kommen konnte. Und wenn sie Theo gegenüber den Namen des Pubs erwähnte, würde er vielleicht einmal hereinschauen.

Als sie sich umdrehte, um etwas zu sagen, wurde ihr bewusst, dass sie ganz allein zum Aufzug gegangen war. Theo stand immer noch an der Tür und sah Heather an, als hätte sie sich in ein Wesen von einem anderen Stern verwandelt.

„Oh.“ Sie war enttäuscht, dass er sie nicht begleitet hatte. Doch warum hätte er das tun sollen? Er hatte sich um sie gekümmert und ihr geholfen und sogar seine Arbeit liegen lassen, mehr konnte sie wirklich nicht erwarten. Sie winkte ihm zu. „Danke für Ihre Hilfe“, rief sie. „Ich bin dann weg.“

Theo wusste selbst nicht, weshalb er sich um sie kümmerte. Doch da er mit dazu beigetragen hatte, dass sie die Stelle verloren hatte, fühlte er sich verpflichtet, ihren Entschluss, ein doch sehr unseriös klingendes Jobangebot anzunehmen, zu hinterfragen. Wahrscheinlich war dieser Tom ein einsamer älterer Mann, der eine naive junge Frau, die verzweifelt Geld brauchte, für gewisse Dienste bezahlte. Naiv war Heather auf jeden Fall. Theo konnte sich nicht erinnern, jemals eine Frau mit einem so kindlichen Gemüt kennengelernt zu haben.

„Warten Sie.“ Er ging zurück ins Büro und schaltete nach kurzem Zögern den Computer aus. Dann nahm er seinen Mantel, den Laptop und die Aktentasche und knipste beim Hinausgehen das Licht aus.

Seltsamerweise wollte er diese Frau nach Hause bringen, obwohl er für Claudia keine Zeit gehabt hatte. Er verstand sich selbst nicht mehr.

„Wollen Sie schon nach Hause gehen?“, fragte sie ihn verblüfft. Sie sah zu ihm auf und wünschte, sie wäre etwas größer. „Normalerweise sitzen Sie länger im Büro.“

Theo blickte sie erstaunt an. „Sie wissen, wann ich abends nach Hause gehe?“ Er drückte auf den Knopf, und sogleich glitt die Tür auf.

Heather errötete. „Na ja, ich weiß nur, dass Sie noch da sind, wenn ich auf der Direktionsetage fertig bin.“ Sie lachte leicht verlegen, während sie den Aufzug betraten und die Tür sich hinter ihnen schloss. Mit ihm allein in der Kabine nach unten zu fahren, hatte etwas seltsam Intimes. „Bei so einer langweiligen Tätigkeit fällt einem vieles auf, was man sonst nicht wahrnehmen würde.

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