Logo weiterlesen.de
Nur eine perfekte Affäre?

Charlene Sands

Nur eine perfekte Affäre?

Sam Beaumont ist auf der Flucht vor der Vergangenheit. Nach dem Verlust seiner Frau und seiner kleinen Tochter zieht er ruhelos von Ort zu Ort. Erst als er in Texas die selbstbewusste Caroline kennenlernt, erwachen zum ersten Mal seit langem Gefühle in ihm. Und gerade darum nimmt er den Job auf ihrer Ranch nur zögernd an – feste Bindungen will er nie mehr eingehen. Doch Caroline scheint genau wie er nur eine Affäre zu suchen. Ein perfektes Arrangement – bis Liebe ins Spiel kommt …

1. KAPITEL

Die „Tie-One-On Bar“ war für zwei Dinge bekannt: die ohrenbetäubende Countrymusic und die schönen weiblichen Gäste. Sam Beaumont genoss beides sehr. Er saß an einem Ecktisch in der Spelunke und hörte sich Toby Keiths letzten Hit an, während er eine hochgewachsene Blondine an der Bar in Augenschein nahm. Schon als sie hereingekommen war, hatte sie seine Aufmerksamkeit erregt. Das texanische Superweib hatte seinen Blick interessiert erwidert und war dann einige Minuten in ein Gespräch mit dem Barkeeper vertieft gewesen, bevor sie sich zwei Flaschen Bier geschnappt hatte und damit an seinen Tisch gekommen war.

„Ich brauche einen Mann.“ Sie stellte die beiden Flaschen auf den Tisch, warf ihre langen blonden Locken zurück und musterte ihn eingehend.

„Ja?“

„Chuck an der Bar sagte, dass Sie Interesse haben könnten.“

Er betrachtete die Blondine mit den langen Beinen gemächlich von oben bis unten. Sie war bildhübsch, aber das war es nicht, was ihn so fesselte. Denn er war in seinen Leben schon einer Menge hübscher Frauen begegnet. Nein, es war etwas in ihren Augen, das ihn ansprach. Etwas, das er nur zu gut von sich selbst kannte. Eine Verwundbarkeit, die sie zu verbergen versuchte. Auch wenn sie hier vor ihm stand und dreist behauptete, einen Mann zu brauchen.

Sam trank langsam sein Bier, ließ sie warten und bemerkte, dass ihm das Blut durch die Adern schoss wie schon seit einem Jahr nicht mehr. Er hätte nie geglaubt, dieses Prickeln, diese gespannte Erwartung erneut zu spüren. Das allein reichte ihm, um die Frau wegzuschicken. Er wollte nichts empfinden. Nie mehr.

„Also, sind Sie interessiert?“, fragte sie.

Er warf ihr einen Blick zu. „Was schwebt Ihnen vor?“

Selbst in dem gedämpften Licht war nicht zu übersehen, dass sie rot wurde. Aber die Frau schien wild entschlossen zu sein. Sie setzte sich zu ihm und schob ihm gleichzeitig die Flasche Bier hin. „Ich habe Arbeit für einen Monat. Der Lohn ist gut. Zimmer und Verpflegung sind inklusive. Chuck hat Sie mir empfohlen. Er meinte, Sie suchen Arbeit.“

Sam nahm einen Schluck Bier und dachte an die Ereignisse, die ihn, den Geschäftsführer eines der größten Bauunternehmen des Landes, hierher verschlagen hatten. Er war auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, in der er Schuld auf sich geladen hatte. Er rannte vor etwas weg, dem er nicht länger ins Gesicht sehen konnte. Er brauchte kein Geld. Aber wenn er bis über beide Ohren in Arbeit steckte, konnte er die quälenden Gedanken im Zaum halten. Und das brauchte er so notwendig wie die Luft zum Atmen.

„Vielleicht“, antwortete er zu seiner eigenen Überraschung. Aber er hätte nichts dagegen, einmal länger als nur eine Woche an einem Ort zu bleiben. Bislang hatte ihn niemand aufspüren können, und das sollte so bleiben. Seitdem er die Position des Geschäftsführers und sein altes Leben hinter sich gelassen hatte, hatte er seinen jüngeren Bruder Grant gelegentlich angerufen, weil der darauf bestand. Aber Sam hatte nie den Ort preisgegeben, an dem er sich gerade aufhielt. So weit ging sein Vertrauen dann doch nicht. Er brauchte seinen Freiraum und harte körperliche Arbeit, um die furchtbaren Erinnerungen zu vertreiben.

„Ich bin Caroline Portman.“ Sie streckte ihm die Hand hin.

Er schüttelte ihr die Hand. Ihr Händedruck war fest, auch wenn ihre Haut sich seidenweich anfühlte.

„Ich suche im Moment verzweifelt nach einen Arbeiter. Das können Sie ausnutzen. Allerdings nur ein bisschen.“ Sie lächelte kurz.

Sam bemerkte die beiden Grübchen neben ihren Mundwinkeln. Sie war wirklich ein Bild von einer Frau, und er bemerkte erneut, wie sein Körper unwillkürlich auf sie reagierte.

„Ich habe einen Monat, um meine Ranch wieder auf Vordermann zu bringen. Es ist harte Arbeit, die viel Zeit kosten wird. Aber ich kann Sie gut bezahlen.“

„Welche Art Arbeit?“ Sam verfluchte sich dafür, dass er sie das gefragt hatte. Er war entschlossen, dass dieses Prickeln, das er vor einem Moment gespürt hatte, etwas war, womit er nicht noch einmal konfrontiert werden wollte. Bislang war er in diesem Jahr gegenüber der Außenwelt wie taub gewesen. Es war lebenswichtig für ihn, es dabei zu belassen. Und dieses Kribbeln machte seine Empfindungslosigkeit zunichte. Er würde der hübschen Miss Caroline Portman eine Abfuhr erteilen müssen.

„Ich muss meine Pferdeställe renovieren, die ziemlich heruntergekommen sind. Ich habe vor, die Ställe wieder in den Zustand zu versetzen, in dem sie waren, bevor …“ Sie hielt inne und blinzelte ein paar Mal. Offensichtlich war sie nicht fähig, die Worte über die Lippen zu bringen.

Das ist nicht gespielt, dachte Sam. Er hatte genug Menschenkenntnis, um zu wissen, wann jemand log. Der Lady versagte die Stimme, und er sah den Kummer und den Schmerz, den sie so tapfer zu verbergen versuchte. Er wollte nichts davon wissen. Er hatte selbst so viel Leid zu bewältigen, dass er wohl sein ganzes Leben lang nicht mehr froh werden würde. Verdammt, er zog seit Monaten von einer Stadt in Texas in die nächste, um zu vergessen, was passiert war.

Er mochte Hope Wells, das ihn an die Kleinstadt erinnerte, in der er seit seinem fünften Lebensjahr gewohnt hatte. Ein kleine freundliche Stadt, in der das Leben einfach und fair war. Wenn er in Caroline Portmans Augen sah, musste er Letzteres allerdings in Abrede stellen. Er wusste, dass das Leben oft sehr unfair und ungerecht sein konnte. Das Angebot, ihre Pferdeställe zu renovieren, reizte ihn. Er liebte Pferde, hatte als junger Mensch viel Zeit auf Ranches verbracht und wusste so einiges über Viehhaltung. Die Arbeit würde ihm Freude machen. Aber dennoch hielt er es für keine gute Idee. „Ich bin nicht interessiert.“

Caroline blinzelte mit ihren großen himmelblauen Augen.

Sam stand auf. „Danke für das Angebot.“

Sprachlos und mit enttäuschtem Gesicht blieb die Blondine sitzen.

Er legte einige Geldscheine auf den Tisch und schlenderte aus der Bar. Die Begegnung mit Caroline Portman hatte dem ansonsten eintönigen Tag zumindest ein bisschen Farbe verliehen. Er ging zu dem Motel in unmittelbarer Nähe der Kneipe. Als er fast vor seinem Zimmer angekommen war, hörte er Schritte hinter sich. Schnell drehte er sich um.

„Warten Sie, Mr. Beaumont!“ Caroline Portman kam flott auf ihn zu. Außer Atem und ein wenig aufgeregt wirkte sie sogar noch sexyer – wie eine Frau, die gerade eine wilde Nacht hinter sich hatte. Sam stellte sich vor, wie er diesen Ausdruck auf ihr Gesicht zaubern würde, und diese heiße Fantasie ließ ihn sofort erschauern.

Sie blieb vor ihm stehen. „Warum? Ich muss es wissen.“

„Warum?“ Sam ging weiter.

Caroline wich nicht von seiner Seite. „Warum haben Sie mein Angebot abgelehnt?“

„Ich erinnere mich nicht, Ihnen meinen Namen genannt zu haben.“ Sams Argwohn meldete sich zurück.

„Hope Wells ist eine kleine Stadt. Ich weiß nur sehr wenig über Sie. Sie sind hier, weil Sie Arbeit suchen, nicht wahr?“

„Ja.“

„Ich biete Ihnen einen Job an.“

„Ja.“ Sam blieb erst stehen, als er sein Motelzimmer erreicht hatte, und lehnte sich dann mit dem Rücken an die Tür, um Caroline anzusehen. Das Mondlicht setzte sie in Szene, und er registrierte, dass sie eine gut sitzende hellblaue Jeans und eine Bluse trug, deren Farbe brachte das Blau ihrer Augen zum Leuchten. Sie war eine Frau mit Stil, die nicht zur Schau stellte, was sie hatte. Aber dennoch erkannte man auf den ersten Blick, dass sie einen wunderbaren Körper hatte. „Sie hören von Männern wohl nicht oft ein Nein?“

Sie sah ihn streng an. „Ich höre von Männern die ganze Zeit über ein Nein, Mr. Beaumont, aber das ist nicht Ihre Angelegenheit. Ich weiß, dass Sie auf der Suche nach Arbeit sind. Der Mann, den ich anheuern wollte, hat sich ein Bein gebrochen, und jetzt wird die Zeit knapp. Es sieht also ganz danach aus, als ob wir irgendein Arrangement finden könnten.“

Er warf einen Blick auf die Zimmertür und zog die Augenbrauen hoch.

„Nicht diese Art Arrangement“, beeilte sie sich zu sagen.

Sam lachte leise.

Caroline verschränkte die Arme vor der Brust und wartete beharrlich.

Sam bewunderte ihre Entschlossenheit. „Zuerst muss ich etwas wissen“, meinte er und verfluchte sich insgeheim für seine Dummheit.

Sie nickte.

Er zog sie in seine Arme. Sie war zu verblüfft, um zu protestieren. Also tat er, was er schon tun wollte, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Er küsste sie. Er nahm ihren frischen Duft wahr, der ihn an einen Sommertag erinnerte, und befahl seinem Körper, nicht zu reagieren. Und sein Körper zeigte keinerlei Reaktion. Erleichtert ließ Sam sie wieder los. Jetzt hatte er alles in Erfahrung gebracht, was er wissen musste. Er sah in ihre blauen Augen, die ihn wütend anfunkelten. „Ich übernehme den Job.“

Caroline lächelte ihn zuckersüß an und trat einen Schritt zurück. „Gut. Denn jetzt kann ich Sie feuern, Mr. Beaumont.“

Der Morgen dämmerte viel zu früh, wie Caroline fand, denn sie hatte die ganze Nacht lang kaum ein Auge zugemacht. Sie stand auf, zog sich schnell an und ging in die Küche, um sich Frühstück zu machen. Sie hatte Kopfschmerzen, und ihre Augen brannten. Aber sie konnte es sich nicht leisten, noch mehr Zeit zu verschwenden. Sie musste an die Arbeit gehen. Das würde sie auch davon abhalten, an ihre süße fünfjährige Tochter Annabelle zu denken, die sie selbstlos mit ihren Großeltern nach Florida hatte reisen lassen. Sie vermisste ihre Tochter so sehr. Sie und Annabelle waren noch nie getrennt gewesen. Aber Carolines Eltern hatten darauf bestanden, Annabelle mitzunehmen. Insbesondere da sie nur wenige Minuten entfernt von Disney World lebten und dem Mädchen somit einen Traum erfüllen konnten.

Ihre Eltern hatten Caroline das Angebot gemacht, als sie von dem Plan ihrer Tochter erfahren hatten, die Pferdeställe instand zu setzen. Sie wussten, wie viel Caroline ihre Pferdepension bedeutet hatte und wie sehr es sie schmerzte, dass die Ranch so heruntergekommen war. Deshalb wollten sie ihre Tochter bei ihrem Vorhaben, noch einmal neu anzufangen, unbedingt unterstützen.

Caroline hatte dem Mann, den sie geheiratet hatte, ihr Herz und ihr vorbehaltloses Vertrauen geschenkt, und er hatte beides missbraucht. Er hatte die Ranch ruiniert und ihr so viele Schulden aufgehalst, dass sie erst jetzt wieder aus den roten Zahlen heraus war.

Gil Portman war ein miserabler Geschäftsmann und hatte einen schlechten Handel nach dem anderen abgeschlossen. Als er dann die Rechnungen nicht mehr hatte bezahlen können, hatte er sich auf zwielichtige Geschäfte verlegt und damit die Ranch vollends heruntergewirtschaftet. Caroline, die damit beschäftigt gewesen war, Annabelle großzuziehen, hatte eine harte Lektion zu lernen gehabt. Nie wieder würde sie ihre Ranch und damit ihren Lebensunterhalt in die Hände eines Mannes geben. Als Gil das Weite gesucht und seine Familie verlassen hatte, hatte sie sich geschworen, nie wieder zuzulassen, dass ein Mann sie dermaßen hinterging. Sie wusste jetzt, dass sie sich nur auf sich selbst und auf ihre Eltern verlassen konnte.

Edie und Mike Swenson wussten, dass ihre Tochter einige Zeit brauchen würde, um ihre Ziele zu erreichen. Sie wollten, dass sie mit ihrer Ranch Erfolg hatte, da das für Caroline Stabilität und Unabhängigkeit bedeuten würde. Deshalb hatten sie Caroline angeboten, ihr Annabelle eine Weile abzunehmen und sie für einen Monat nach Florida mitzunehmen. Außerdem vermissten sie ihre Enkelin und wollten gern etwas Zeit mit ihr verbringen.

Caroline hatte das Angebot ihrer Eltern schließlich angenommen. Sie hatte vor, in dieser Zeit härter als je zuvor in ihrem Leben zu arbeiten, um ihre Pferdeställe wieder in Schuss zu bringen. Auch einen neuen Namen hatte sie sich schon für die Pferdepension ausgedacht, um die geplanten Veränderungen deutlich zu machen. Ihre Tochter Annabelle Star Portman würde bestimmt ganz aufgeregt sein, wenn sie erfahren würde, dass die Portman Stables zukünftig als Belle Star Stables firmieren würde.

Nachdem Caroline ein Stück Brot in den Toaster gesteckt und die Kaffeemaschine in Gang gesetzt hatte, setzte sie sich an den Tisch, um sich ihre Stellenanzeige anzusehen, die gestern im Hope Wells Reporter erschienen war. Doch das Telefon klingelte nicht, und es rannte ihr auch niemand auf der Suche nach Arbeit die Tür ein. Ihre letzte, aber vergebliche Hoffnung war gestern Sam Beaumont gewesen, an den sie erst gar nicht denken wollte. Einen geeigneten Arbeiter für nur einen Monat zu finden war nicht einfach. Aber wenn sie nicht schleunigst jemanden fand, konnte sie ihre Pläne vergessen.

Sie hatte Mühe, die Augen offen zu halten, so müde war sie. Sie sah auf die Zeitung, blinzelte, aber die Schrift verschwamm vor ihren Augen. Wenn sie nur einige Minuten schlafen würde, würde sie sich vielleicht besser fühlen. Wenn sie den Kopf nur einen Augenblick auf den Tisch legen und die Augen zumachen würde …

Die Explosion schreckte Caroline auf. Leicht benommen von dem Nickerchen, das nur wenige Minuten gedauert hatte, brauchte sie einen Moment, um zu begreifen, was passiert war. Der Toaster hatte sich überhitzt und offensichtlich Funken geschlagen. Dadurch entzündete sich die Sprühflasche mit dem Bratfett, die sie in der Nähe des Gerätes hatte stehen lassen. Carolines Kleider waren durch diese unheilvolle Kettenreaktion mit Fettspritzern übersät. Innerhalb von Sekunden griffen die Flammen auf die Hängeschränke über.

„Oh nein!“, schrie sie, rannte zum Feuerlöscher, der neben dem Kühlschrank an der Wand angebracht war, und riss ihn aus der Halterung. Sie hatte vorher noch nie einen Feuerlöscher benutzt und versuchte hektisch, die Sicherung zu lösen. Aber sie schaffte es nicht. Währenddessen breitete sich das Feuer weiter aus, und Rauch erfüllte den Raum. Panisch mühte sie sich wieder mit der Sicherung des Feuerlöschers ab und verfluchte ihren Exmann, der sie in diese Notlage gebracht hatte. Den Exmann, der seine Frau und sein Kind verlassen hatte, als sie eine harte Zeit durchlebten. Den Exmann, der vor Kurzem gestorben war und sie zur Witwe gemacht hatte. „Verdammt seist du, Gil.“

Sie machte sich keine Gedanken darüber, so über einen Toten zu reden. Seitdem Gil seine Familie verlassen hatte, war in ihrem Leben nichts mehr glattgegangen. Sie konnte nicht anders, als ihm die Schuld daran zu geben. Gil zu heiraten war der größte Fehler ihres Lebens gewesen. Doch ohne Gil würde sie Annabelle nicht haben. Aber das war das Einzige, was man ihm zugutehalten konnte. Schließlich entschied Caroline, den Feuerlöscher wegzulegen und stattdessen die Feuerwehr zu alarmieren. Natürlich war ihr klar, dass vielleicht ihre ganze Küche in Flammen stehen würde, bevor die Feuerwehr eintreffen würde. Aber ihr blieb keine andere Wahl.

Doch dann wurde ihr das Geschehen buchstäblich aus der Hand genommen. Jemand entriss ihr den Feuerlöscher. Verblüfft drehte sie sich um und sah, dass der Mann, der ihr eine schlaflose Nacht verursacht hatte, neben ihr stand und die Kontrolle übernahm.

„Gehen Sie zurück!“, befahl Sam Beaumont.

Caroline befolgte seine Anweisung und beobachtete, wie er den Feuerlöscher in Betrieb nahm und sorgsam das Feuer löschte. Er stellte sicher, dass alle Flammen erstickt waren, bevor er sich zu ihr umdrehte. „Sind Sie okay?“

Noch ganz betäubt, nickte sie.

Er ließ kurz den Blick über ihren Körper wandern, als ob er sich selbst vergewissern wollte, dass ihr nichts passiert war. Dann stellte er den Feuerlöscher auf dem Boden ab und begutachtete den Schaden, den die Flammen an den Küchenschränken angerichtet hatten.

Währenddessen sah sich Caroline in ihrer Küche um, in der noch vor wenigen Minuten alles aufgeräumt und blitzblank gewesen war. Jetzt machte die Küche einen katastrophalen Eindruck, aber zumindest stand sie noch. Und ihr, Caroline, war nichts geschehen.

„Was machen Sie hier?“, fragte sie.

Sam drehte ihr das Gesicht zu und verzog den Mund zu einem charmanten Lächeln. „Ich habe das Feuer gelöscht.“

In ihren Augen brannten Tränen. Der beißende Rauch und das Feuer, aber auch ihre Erleichterung waren der Grund dafür. Sie blickte in Sam Beaumonts dunkelbraune Augen. Aber sie sah nicht den unzugänglichen Mann, der sie gestern abgewiesen hatte, sondern einen Mann, der wirklich betroffen zu sein schien. Er war gerade noch rechtzeitig aufgetaucht. Und er hatte etwas gut bei ihr. Aber das erklärte immer noch nicht, weshalb er gekommen war.

„Wollen Sie mir erzählen, was geschehen ist?“

Caroline zuckte die Schultern und dachte daran, was noch alles hätte passieren können. Wenn Sam Beaumont nicht aufgekreuzt wäre, hätte das ganze Haus in Flammen aufgehen können. „Ich vermute, dass der Toaster sich überhitzt hat. Das Gerät ist alt … Als er gestern kurz Funken geschlagen hat … Ich hätte wissen müssen, dass ich …“ Sie hatte plötzlich einen Kloß im Hals und brachte keinen Ton mehr heraus.

Sam nahm sanft ihren Arm und führte sie aus der Küche. „Lassen Sie uns aus diesem Rauch hinausgehen.“ Er machte die Hintertür auf, und sie betraten die hintere Veranda.

Die frische Luft war eine Wohltat für Caroline, und sie atmete tief ein.

„Möchten Sie sich setzen?“ Sam führte sie zur Hollywoodschaukel.

Sie setzte sich, und zu ihrer Überraschung ließ er sich neben ihr nieder. Da sie immer noch unter Schock stand, schwieg sie. Es war so lange her, dass sich jemand um sie gekümmert und ihr Entscheidungen abgenommen hatte. Sie brauchte einen Augenblick lang einfach nur Ruhe und Frieden. Sam Beaumont schien das zu verstehen, denn er saß still neben ihr.

Das melodische Zwitschern der Vögel wirkte beruhigend. Caroline schloss die Augen, atmete tief durch und hörte den Vögeln zu. Doch sie vergaß den Mann, der neben ihr saß, keinen Moment lang. Er war der Grund dafür gewesen, dass sie letzte Nacht nicht geschlafen hatte. Seitdem ihr Exmann sie vor fast zwei Jahren verlassen hatte, hatte Caroline keinen körperlichen Kontakt mehr mit einem Mann gehabt. Sie war nicht mehr geküsst und in den Armen gehalten worden.

Sam Beaumont hatte sie an all das erinnert, was ihr fehlte. Er hatte sie an sich gezogen und ihr mit nur einem einzigen Kuss das Gefühl gegeben, weiblich und lebendig zu sein. Er hatte etwas aufgerührt, das sie lange Zeit tief in sich vergraben hatte. Natürlich war sie kein naives junges Mädchen mehr, das an Dinge wie die große Liebe und ewiges Glück glaubte. Ihre miserable Ehe hatte ihr diese Illusion geraubt. Aber ihr war nicht klar gewesen, dass sie ihre Weiblichkeit nicht lebte und sich in dieser Hinsicht alles versagt hatte. Sein Kuss und der Blick in ihre Augen, kurz bevor sich ihre Lippen berührt hatten, hatten genügt, um sie daran zu erinnern, dass sie nicht nur eine alleinerziehende Mutter war, sondern auch durch und durch eine Frau. Frau genug, um zu bemerken, dass der Mann neben ihr sündhaft sexy war. Es war ihr nicht entgangen, wie breit seine Schultern waren, und wie eng seine Jeans saßen.

„Es ist nett hier draußen“, sagte er.

Caroline nickte zustimmend. Aber dann erwachte ihre Neugierde. „Was machen Sie hier?“, fragte sie noch einmal.

Dieses Mal zögerte er nicht mit der Antwort. „Ich könnte lügen und sagen, dass ich auf dem Weg aus der Stadt hier vorbeigekommen bin. Aber die Wahrheit ist, dass ich Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen habe und absichtlich hergekommen bin.“

„Warum?“, fragte sie, obwohl sie wusste, dass sie sich eigentlich Gedanken darum machen sollte, wie sie ihre beschädigten Küchenschränke wieder in Ordnung bringen sollte, anstatt mit Sam Beaumont zu plaudern. Aber irgendwie konnte sie sich ihm nicht entziehen. Sie hatte Fragen, die sie ihm stellen wollte, und hoffte, ehrliche Antworten zu bekommen.

„Ich bin hier, um mich zu entschuldigen.“

„Oh.“ Das hatte sie am wenigsten erwartet. Caroline war nicht an Männer gewöhnt, die sich entschuldigten. Gil war immer zu arrogant und unhöflich gewesen, um so etwas zu tun. Seine gute Seite hatte er nur gezeigt, wenn er etwas von Caroline gewollt hatte. Und leider hatte sie seine Taktik erst richtig durchschaut, nachdem er sie verlassen hatte. Sie war blind vor Liebe gewesen – oder was sie dafür gehalten hatte. Als sie jetzt in Sam Beaumonts dunkle Augen sah, fragte sie sich, ob sie ihm glauben konnte.

„Ich stand vor der Haustür und wollte gerade anklopfen, als ich die Explosion gehört habe. Dann haben Sie geschrien. Die Tür war offen, und den Rest kennen Sie ja. Übrigens sollten Sie immer die Haustür zuschließen. Besonders wenn Sie ganz allein hier draußen sind.“

Caroline blinzelte im hellen Morgenlicht. „Sie sagten, Sie sind hier, um sich zu entschuldigen?“

„Ich habe mich gestern Abend danebenbenommen. Als ich deshalb kaum geschlafen habe, wusste ich, dass ich das in Ordnung bringen muss.“

Dann bin ich also nicht die Einzige, die in der Nacht kaum ein Auge zugemacht hat, dachte sie und wurde ihm gegenüber nachsichtiger. Doch so leicht würde sie es ihm nicht machen. „Verstehe. Wofür entschuldigen Sie sich also? Für die Abfuhr, den Kuss oder Ihre Arroganz?“

Sam lachte leise, stand auf und lehnte sich an den Pfosten der Veranda. „Ich verdiene es nicht besser.“

„Ich weiß“, meinte Caroline, konnte ein Lächeln jedoch nicht ganz unterdrücken. Dieser Mann war extrem charmant und anziehend. Und gerade deshalb würde sie ihm gegenüber Vorsicht walten lassen. Sie stand auf und stellte sich vor ihn. „Warum haben Sie mich denn geküsst?“

Er ließ den Blick zu ihren Brüsten wandern, auf die jetzt das Sonnenlicht fiel. Sie bemerkte, wie ihr durch seine Musterung ganz heiß wurde. Sam strich sich mit der Hand über das Gesicht und sah ihr schließlich in die Augen. „Sie haben da … Ihre Bluse ist durch irgendetwas nass geworden.“

Caroline sah an sich herunter. Sie hatte heute Morgen zu viel durchgemacht, um in Verlegenheit zu geraten. Aber es war eine Tatsache, dass die Fettflecken, die sie bei der Explosion abbekommen hatte, ihre Bluse fast transparent erscheinen ließen. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Das ist die Gefahr bei durchnässter Baumwolle.“

„Ja. Was für ein Mist“, stimmte Sam ihr zu.

Sie erwischte ihn bei einem Lächeln, aber er hatte den Anstand, ihr weiterhin ins Gesicht zu sehen. „Werden Sie meine Frage beantworten?“

Er seufzte leise. „Warum küsst ein Mann eine schöne Frau?“

Caroline genoss das Kompliment sehr. Es tat so ungeheuer gut, das zu hören. Dennoch würde sie ihn nicht so einfach davonkommen lassen. Sie wollte eine Antwort auf ihre Frage. „Sagen Sie es mir.“

Sam wandte den Blick ab und schaute in die Ferne. Doch sie bezweifelte, dass er die Umgebung betrachtete. Heruntergekommene Pferdeställe und Schuppen sowie ein vernachlässigter Hof mit wucherndem Unkraut waren schließlich nicht allzu interessant. „Okay“, sagte er. „Sie verdienen die Wahrheit. Es war ein Test.“

„Und? Habe ich ihn bestanden, oder bin ich durchgefallen?“

Er schüttelte den Kopf. „Verstehen Sie das nicht falsch, aber der Test hatte nichts mit Ihnen zu tun. Es war mein Test. Ich musste etwas in Erfahrung bringen.“

„Was mussten Sie wissen? Ich habe Ihnen einen Job angeboten, und Sie haben mich geküsst? Welche Art Test war das denn?“, fragte Caroline ebenso verwirrt wie aufgebracht.

Sam stand einfach nur da und machte einen schuldbewussten Eindruck.

Dieser Blick war es, der ihr zu denken gab. Und schließlich ging ihr ein Licht auf. „Sie haben mich geküsst, um herauszufinden, ob ich Sie anturne“, stellte sie fest. „Und dann … Und als Sie das getan hatten, haben Sie den Job angenommen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Nur eine perfekte Äffäre?" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen