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Nur ein sinnliches Vergnügen?

Kristi Gold

Nur ein sinnliches Vergnügen?

1. KAPITEL

„Wie wär’s mit einem Baby, Whit?“

Die meisten Männer hätte dieses unerwartete Ansinnen zutiefst geschockt, doch Whitfield Manning IV. war kein gewöhnlicher Mann. In seiner Position und bei seinem Vermögen war er an alle möglichen Offerten von Frauen gewöhnt, auch wenn ihm dieses spezielle Angebot zum ersten Mal gemacht wurde. Die meisten Frauen waren an einer Affäre interessiert, jedoch sollten sich daraus keine Konsequenzen ergeben.

Mallory O’Brien war nicht wie die meisten Frauen. Sie war die Schwester seines besten Freundes, von Beruf Anwältin und seit vier Monaten seine Mitbewohnerin. Sie war nicht hinter ihm her und hatte kein Interesse an seinem Bankkonto. Doch sie liebte es, ihn zu necken. Offenbar war das wieder einer ihrer Scherze, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Whit blieb in die Sportberichte seiner Zeitung vertieft und murmelte: „Ein Bagel klingt großartig, O’Brien. Streich etwas von dem cremigen Frischkäse drauf, ja?“

„Ich habe nicht Bagel gesagt, sondern Baby. B-a-b-y.“

„Kein Problem, nur ist mein Terminkalender im Moment ziemlich voll“, murmelte Whit, ohne den Blick von den aktuellen Baseballresultaten zu nehmen. Er tat, als denke er nach. „Ich könnte mich dir am Dienstag zur Lunchzeit widmen. Am besten, wir erledigen es gleich auf dem Konferenztisch, nachdem ich die Zustimmung für den Entwurf der neuen Barclay-Zentrale bekommen habe. Ich werde meine Sekretärin bitten, es im Kalender zu vermerken.“

Trotz der frivolen Bilder, die ihm durch den Kopf schossen, vertiefte sich Whit wieder in die Zeitung, doch Mallory entriss sie ihm und warf sie auf den Boden. „Whit Manning, lass das und hör mir eine Minute zu!“

Er sah auf. Sie stand direkt vor ihm, zu ihrer vollen Größe von eins fünfundsiebzig aufgerichtet. Ihr schulterlanges kastanienbraunes Haar glänzte, und der Blick ihrer grünen Augen war fest auf ihn gerichtet. Die Pyjamahose mit den roten und weißen Herzchen saß tief auf ihren Hüften und gab den Blick auf ihren Nabel frei, weil das knappe Oberteil nicht bis zum Hosenbund reichte.

Whit ging auf, dass es klüger gewesen wäre, er hätte ihr diesen Schlafanzug nicht im vergangenen Monat zum Geburtstag geschenkt. Und noch klüger wäre es gewesen, nicht in ihr Zimmer zu gehen, ohne vorher anzuklopfen, so, wie er es vor einer Woche getan hatte. Aber woher hätte er wissen sollen, dass sie nackt auf dem Bett saß und sich mit Lotion einrieb?

Sein Überraschungsbesuch war ein Riesenfehler, besonders für einen Mann, der seit Monaten mit keiner Frau zusammen gewesen war. Seltsam, er hatte gar nicht den Wunsch verspürt, sich mit einer Frau zu treffen, seit Mallory bei ihm eingezogen war. Er schrieb das seinem Bestreben zu, ein gutes Verhältnis zu seiner Mitbewohnerin aufzubauen, nicht seinem Wunsch nach Enthaltsamkeit. Oder dem Wunsch, ihre Beziehung auch auf einer anderen Ebene zu vertiefen. Zumindest dachte er das, wenn er überhaupt daran dachte. Jedenfalls nicht öfter als zweimal am Tag.

Er musste diesen Mangel an weiblicher Gesellschaft schnell beheben, ehe er etwas wirklich Dummes tat, beispielsweise Mallory zu verführen und damit ihre Freundschaft zu ruinieren.

Whit sah Mallory finster an. Er ärgerte sich, dass er wie gebannt auf den herzförmigen Ausschnitt ihres Tops starrte und dann den Blick über ihre Brüste wandern ließ. Zu ihrem nächsten Geburtstag würde er ihr diesen verdammten Mixer kaufen, den sie schon immer haben wollte. Ein Geschenk, das ihn bestimmt nicht aus dem Gleichgewicht bringen würde.

Entschlossen setzte Whit sein freches Grinsen auf, mit dem er schon so manche Frau versöhnlich gestimmt hatte. „Okay, O’Brien, ich bin ganz Ohr. Hab ich vergessen, mein Bierglas abzuwaschen? Ich weiß genau, dass ich den Toilettendeckel nicht hochgeklappt gelassen habe, weil ich gar nicht in deinem Bad war.“ Aber er hatte schon ein paar Mal daran gedacht, gemeinsam mit ihr zu duschen.

Mallory ließ sich neben ihn aufs Sofa fallen. „Du hast nichts falsch gemacht. Zumindest heute nicht. Es ist mein voller Ernst. Ich möchte ein Baby. Mit dir.“

Nun war Whit doch geschockt. „Bist du übergeschnappt?“

„Nein, fest entschlossen.“

Ihre düstere Miene machte ihm Sorgen. Die Sache wurde immer verwirrender. „Warum zum Teufel willst du ausgerechnet von mir ein Baby?“

„Weil ich dir vertraue, Whit. Weil du mein Freund bist. Und weil ich weiß, dass sich daraus keine Probleme ergeben.“

„Vielleicht bin ich ja etwas langsam von Begriff, Mallory, aber ich verstehe deine verrückte Idee immer noch nicht genau.“

Sie griff nach einem Kissen und drückte es sich an die Brust. „Ich bin jetzt dreißig. Es wird Zeit. Meine biologische Uhr tickt immer lauter.“

„Lass sie doch. Ich bin dreiunddreißig, und an ein Kind hab ich noch nicht einmal im Traum gedacht.“

Mallory verdrehte einen Zipfel des Kissens derart heftig, dass Whit schon befürchtete, sie würde es aufreißen.

„Bei Männern ist das anders. Ihr könnt noch mit achtzig ein Kind zeugen. Bei Frauen ist der Fähigkeit zur Fortpflanzung eine Grenze gesetzt.“

Diese biologischen Begriffe aus Mallorys hübschem Mund zu hören, war seltsam. Aber sich die Kooperation ihrer Fortpflanzungsorgane vorzustellen, hatte etwas Verlockendes. Doch er musste ablehnen. Das Ganze war Wahnsinn. Und er musste schleunigst weg, ehe seine Libido seinen gesunden Menschenverstand überrollte.

Ohne zu antworten, stand er auf und zog seine Laufschuhe an. Normalerweise tauschte er Jeans und T-Shirt gegen Joggingsachen, bevor er seine Runden drehte, doch er hatte keine Minute Zeit zu verlieren.

„Wohin willst du, Whit?“

Er sah zu Mallory hinüber, die das Kissen noch heftiger strangulierte. „Ich gehe joggen. Und während ich weg bin, tu mir einen Gefallen. Kehr auf dein Mutterschiff zurück und schick die richtige Mallory nach Hause.“

Sie verdrehte die Augen und ließ das Kissen auf ihren Schoß fallen. „Das ist typisch für dich.“

„Typisch? Nichts an dieser ganzen Unterhaltung ist typisch.“

Mallory sprang auf und war mit zwei Schritten bei ihm. „Ich meine nicht die Sache mit dem Baby, sondern dass du wegläufst. Das ist typisch.“

Das wiederum war typisch Mallory. Sie war sehr treffsicher, auch wenn sie nicht immer recht hatte. „Ich will laufen, nicht weglaufen“, erklärte er, obwohl er ihr im Stillen zustimmen musste.

„Doch, das tust du. Genau wie du vor der Entscheidung wegläufst, eine eigene Firma zu gründen, weil du dich nicht gegen deinen Vater durchsetzen kannst. Tust du je etwas ohne seine Genehmigung? Vielleicht ist das ja der Grund, warum du über meinen Vorschlag nicht einmal nachdenken willst. Du weißt, dass er ihn nicht billigen würde.“

Zum Teufel mit ihrem scharfen Blick. Und zum Teufel mit ihm, weil er offener zu ihr war als je zu einer anderen Frau. „Ich entwerfe exklusive Gebäude und werde damit von Minute zu Minute reicher. Daran ist nichts auszusetzen.“

„Aber du bist nicht glücklich dabei, weil du Wohnhäuser lieber bauen würdest. Das hast du selbst gesagt.“

Wieder hatte sie recht. „Und du glaubst, ein Baby mit einem Mann wie mir zu haben, würde dich glücklich machen? Mit einem Mann, der allergisch gegen feste Bindungen ist? Das hast du selbst gesagt.“

Mallory sah so frustriert aus, wie er sich fühlte.

„Du liebe Güte! Ich bitte dich nicht, mich zu heiraten. Ich möchte nur ein Baby. Dann kannst du deiner Wege gehen, und ich gehe meiner Wege. Kein Problem.“

„Keinerlei Verpflichtung, hm? Ich soll einfach meinem Kind den Rücken kehren und dich die alleinerziehende Mutter spielen lassen?“ Das könnte er nicht, niemals.

„Nein, das will ich nicht. Du sollst teilhaben. Und wenn ich bedenke, dass ich tagein, tagaus erbitterte Sorgerechtskämpfe erlebe und wie Kinder bei Scheidungen als Bauernopfer benutzt werden, dann bin ich froh, dass wir uns das alles ersparen können, weil wir gute Freunde sind. Keiner von uns würde unser Kind unter Scheidungsregelungen leiden lassen.“

War sie jetzt total durchgedreht? Whit fürchtete, er würde auch gleich ausrasten. „Vergiss es. Es wird nicht passieren.“

Mallory sah ihn flehend an. „Denk bitte darüber nach, Whit. Du könntest meine einzige Hoffnung sein.“

Ehe er etwas tat, was er womöglich bedauerte, wie etwa diesem unglaublichen Plan zuzustimmen, eilte Whit zur Tür hinaus und schlug sie zu. Statt den Lift zu nehmen, legte er die neun Stockwerke zum Erdgeschoss über die Treppe zurück und joggte dann in den nahe gelegenen Park. Dort wählte er seine Lieblingsstrecke, die am Kanal entlangführte. Während des Laufens stellte er sich vor, wie es wäre, mit Mallory ein Baby zu haben. Vielmehr, wie es wäre, mit Mallory ein Baby zu zeugen.

Abrupt blieb er stehen und strich sich über die Stirn. Die Nachmittagssonne brachte ihn noch stärker ins Schwitzen. Er war nicht bereit, Vater zu werden. Bei seinen Beziehungen – und das waren nicht wenige gewesen –, war er immer extrem vorsichtig, um genau das zu vermeiden. Obwohl sein Vater ihm unzählige Male vorgehalten hatte, er würde in seinem Privatleben keine Verantwortung übernehmen, würde er sein eigenes Kind niemals im Stich lassen, auch wenn Mallory mit Sicherheit eine großartige Mutter wäre. Whit verzog abfällig den Mund. Ausgerechnet Whitfield der Dritte, der inzwischen bei seiner dritten Ehen angekommen war, musste ihm Vorhaltungen machen.

Aber würde sein Vater nicht seine Meinung ändern müssen, wenn er, Whit, Mallorys Plan zustimmte? Er würde zu gern sein Gesicht sehen, wenn er diese Bombe platzen ließe.

Whit schüttelte den Kopf, doch dadurch wurde er seine Fantasien, wie er den Liebesakt mit seiner Mitbewohnerin vollzog, nicht los. Der ganze Plan war unmöglich, denn Mallorys Bruder würde ihn erst foltern und anschließend erwürgen.

Whit beschloss, einige Meilen zu joggen. Vielleicht wäre er danach zu erschöpft, um etwas Unüberlegtes zu tun. Vielleicht würde Mallory ihm bei seiner Rückkehr eröffnen, alles sei nur ein schlechter Scherz gewesen. Und vielleicht erfahre ich morgen früh im Büro, dass Dad in Rente geht, dachte er. Dann hätte er die ersehnte Freiheit.

Da das alles eher unwahrscheinlich war, machte Whit kehrt, um die Sache wie ein Erwachsener mit seiner Mitbewohnerin zu klären.

„Du könntest meine einzige Hoffnung sein“, hatte Mallory gesagt.

Er musste ergründen, warum das so sein sollte.

Sie hätte nicht so damit herausplatzen sollen, überlegte Mallory, aber es war der einzige Weg für sie gewesen, das Thema anzusprechen. Direkt und ohne Umschweife.

Wenn sie sich etwas sehr wünschte, dann tat sie alles, um es zu bekommen. So war sie auch Partnerin in der renommierten Anwaltskanzlei geworden, und das viel schneller als üblich. Aufgewachsen mit fünf älteren Brüdern, hatte sie gelernt, für ihre Wünsche zu kämpfen.

Jetzt wollte sie Whit Manning, den perfekten Kandidaten, als Vater für ihr Kind. Er war eins neunzig groß, hatte eine tolle Figur, Humor, dunkle Augen wie ihre Mutter und großes Einfühlungsvermögen, das er gern hinter einem Macho-Image verbarg. Vor allem aber war er intelligent und ein außerordentlich begabter Architekt.

Als Whit während der Highschool-Zeit bei ihnen zu Hause ein- und ausging, hatte ihr Bruder Logan immer behauptet, Whit sei ein Spieler und komme gut bei den Mädchen an. Doch als sie, Mallory, beschloss, in die Nähe ihrer Kanzlei zu ziehen, hatte Logan seinem Freund genug vertraut, um ihr vorzuschlagen, bei Whit zu wohnen, bis sie eine eigene Wohnung fand. Das war vor vier Monaten gewesen, und sie lebte immer noch mit ihm in dem teuren Loft eines restaurierten Stadthauses, das sein Vater ihm zum erfolgreichen Abschluss seines Studiums geschenkt hatte. Die exklusive Wohnung erstreckte sich über zwei Etagen. Auf dem Dach gab es einen Swimmingpool, und von den großen Fenstern des Wohnzimmers aus hatte man einen unvergleichlichen Blick über Houston.

Bisher hatte ihre Wohngemeinschaft erstaunlich gut funktioniert, besser als Mallory erwartet hatte. Whit drängte sie nicht wegen der Wohnungssuche, und sie hatte sie inzwischen aufgegeben, weil sie nichts Passendes in Büronähe finden konnte. Zumindest nichts, was sie sich hätte leisten können. Letztendlich würde sie etwas finden müssen, vielleicht ein nettes kleines Haus in einem Vorort, geeignet für ein Kind. Und sie würde dieses Kind bekommen – falls Whit Manning mithalf.

Als Whit vom Joggen zurückkam, saß Mallory auf dem Sofa und war dabei, ihre Fußnägel zu lackieren. Sie fand, er sah viel zu sexy aus für einen Mann, der dringend duschen musste. Sein dunkles Haar und seine Stirn waren schweißfeucht. Sein durchgeschwitztes T-Shirt klebte ihm an der breiten Brust. Sein Anblick ließ keinen Zweifel daran, dass er sich oft sportlich betätigte.

Als Whit sich in den Sessel neben dem Sofa fallen ließ, durchrieselte Mallory ein heißer Schauer. Sie schraubte das Lackfläschchen zu und stellte es auf den Couchtisch aus Chrom und Glas. „Und?“

Whit ließ den Blick über ihren Körper gleiten und verweilte bei ihren Zehen. „Das knallige Pink steht dir gut. Dadurch sehen deine Füße richtig sexy aus.“

Mallory hätte fast schallend losgelacht, denn sie fand ihre Füße viel zu groß. „Ich wollte nicht wissen, ob dir mein Nagellack gefällt, sondern ob du über meinen Vorschlag nachgedacht hast.“

„Ich habe an nichts anderes gedacht. Und ich bin der Meinung, du hast mir etwas verschwiegen. Also spuck es aus.“

Mallory tat unschuldig. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“

„Doch, das tust du. Ich sehe es dir an den Augen an.“

Verflixt, er war ein guter Beobachter. Sie nahm an, dass er auch in anderer Hinsicht gut war. Das konnten vermutlich eine Menge Frauen bestätigen. Doch es konnte ihr egal sein, ob er gut im Bett war, solange er den Job erledigte und sie schwängerte.

Sie richtete sich auf, bereit, die Gründe für ihre Entscheidung vorzubringen, mit Ausnahme des allerwichtigsten Grundes. „Meine Eltern sind Mitte siebzig, ich bin die Jüngste und ihre einzige Tochter. Ich weiß nicht, wie lange sie noch leben, und ich möchte, dass mein Kind seine Großeltern kennt.“

„Heutzutage werden die Leute ziemlich alt. Deine Eltern können durchaus noch zwanzig oder sogar dreißig Jahre leben.“

„Möglich, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich bis dahin den richtigen Mann gefunden habe. Ich habe gar keine Zeit für Verabredungen.“

Whit sah sie skeptisch an. „Aber Zeit für ein Baby würdest du haben?“

„Ich werde sie mir nehmen.“

„Was ist mit deinem Ziel, Teilhaberin in der Kanzlei zu werden?“

Mallory zog die Watte zwischen ihren fertig lackierten Zehen heraus und knüllte sie zusammen. „Das kann ich immer noch. Wenn ich jetzt ein Kind bekomme, kann ich mich wieder auf meine Karriere konzentrieren, wenn es zur Schule kommt.“

„Was ist mit künstlicher Befruchtung? Das scheint heute doch die Norm zu sein für Frauen, die keinen Partner wollen.“

„Ich habe daran gedacht, aber ich möchte nicht, dass ein Fremder Vater meines Kindes wird. Zudem würde das neben einer Behandlung pro Monat auch eine Hormontherapie bedeuten. Und das kann teuer werden. Ich persönlich glaube, man sollte es am besten der Natur überlassen, es sei denn, es klappt nicht. Dann werde ich andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen.“

„Heißt das, falls ich einverstanden bin, willst du das Ganze auf natürlichem Weg angehen?“

Sie grinste. „Eigentlich schon.“

Whit stand auf und begann, hin- und herzugehen. „Du willst nicht erst heiraten und das berühmte Häuschen im Grünen haben?“

„Das klingt ja ganz nett, aber ich war schon mal verheiratet, falls du das vergessen hast.“

„Nein, hab ich nicht. Gary …“

„Jerry“, verbesserte sie und fügte im Stillen hinzu: der Armleuchter.

Whit sah Mallory an. „Ach ja. Ich mochte diesen Kerl noch nie.“

„Wie sich herausstellte, ich auch nicht. Statt eine glückliche Ehe zu führen, durfte ich ein Jahr lang erleben, wie der unreife Kerl aus dieser Ehe herauszukommen versuchte. Und er schaffte es, als seine Geliebte bei uns zu Hause auftauchte.“

„Ich verstehe immer noch nicht, warum du es so eilig hattest, ihn zu heiraten.“

Die meisten hatten vermutet, sie und Jerry wären mit zwanzig wegen einer ungeplanten Schwangerschaft zum Altar geeilt, doch zu dieser ungeplanten Schwangerschaft war es erst später gekommen. „Wenn du es unbedingt wissen willst: Ich bin so erzogen worden, dass man nicht ins Bett geht, ohne miteinander verheiratet zu sein.“

„Du warst noch Jungfrau?“

„Ja. Meine Mutter war so stolz auf mich.“ Ihre erste sexuelle Erfahrung war alles andere als erfreulich gewesen. Genau wie ihr eheliches Liebesleben überhaupt.

„Apropos, deine Eltern. Ich glaube nicht, dass sie begeistert wären, wenn du eine ledige Mutter wärst.“

„Möglich, aber ich habe nicht vor, es ihnen zu sagen.“

Nun war Whit wirklich perplex. „Willst du die Schwangerschaft verbergen und dann mit einem Baby zu einem Familiendinner erscheinen? Überraschung, Mom und Dad, schaut mal, was ich vor meiner Tür gefunden habe.“

„Natürlich nicht. Ich werde ihnen erst dann etwas sagen, wenn ich wirkich schwanger bin. Falls ich es überhaupt werde. Es könnte eine Weile dauern.“

„Warum glaubst du das? Du bist jung und gesund.“

Jetzt war es an der Zeit, ihm die Wahrheit zu sagen, zumindest größtenteils. Sie hatte nicht die Kraft, ihm von dem Baby zu erzählen, das sie nach fünf Monaten ihrer unglücklichen Ehe verloren hatte. Davon wusste nicht einmal ihre Familie etwas. Und sie konnte erst recht nicht über die schmerzliche Leere reden, die sie seit der Fehlgeburt tief in sich verspürte, obwohl sie damals gar nicht bereit gewesen war, Mutter zu werden.

Mallory klopfte auf das Polster neben sich. „Komm, setz dich zu mir.“

Whit kam ihrer Bitte nach, setzte sich allerdings ans andere Ende des Sofas mit reichlich Abstand zwischen ihnen.

Sie atmete tief durch. „Vor ein paar Wochen war ich zu meiner jährlichen Untersuchung bei unserem Hausarzt, und als ich ihm sagte, dass ich daran denke, ein Kind zu bekommen, schickte er mich zu einem Frauenarzt.“

„Warum?“

„Weil ich in jungen Jahren eine Entzündung hatte, die, wie er glaubt, einen Eileiter und einen Eierstock geschädigt hat. Salopp ausgedrückt heißt das, ich laufe sozusagen nur auf einem Zylinder.“

„Das tut mir leid, Mallory. Ist es schmerzhaft?“

„Nein, aber es könnte die Planung einer Empfängnis ein wenig schwieriger machen. Ich neige zu unregelmäßigen Monatsblutungen.“

„Aha.“

Mallory verdrehte die Augen, weil Whit sich offensichtlich unbehaglich fühlte. „Jetzt komm schon, Manning. Es kann dich doch nicht so verlegen machen, mit mir über die Periode zu reden.“

„Normalerweise kommt dieses Thema nicht in unseren Unterhaltungen vor.“

„Dass ich nicht lache! Früher habt ihr, du und meine Brüder, mich dauernd damit aufgezogen, dass ich wohl meine Tage habe, wenn ich mal schlechte Laune hatte.“

Whit erinnerte sich genau und grinste.

„Aber keine Angst, Whit, abgesehen von dem Problem mit dem Eisprung bin ich okay. Und wenn du die Sache recht bedenkst, ist es doch nur eine einfache Vereinbarung zwischen uns beiden.“

„Einfach?“ Er versuchte nicht, sein Erstaunen zu verbergen. „Du redest hier nicht von der Mitgliedschaft in einem Wellnessklub, sondern davon, ein Baby zu bekommen.“

„Ich weiß. Aber wir müssen das Ganze doch nicht derart komplizieren. Wir versuchen, ein Kind zu zeugen, und wenn es dann nicht klappt, können wir sagen, wir haben unser Bestes getan.“

Er grinste erneut, und Mallory wurde es heiß und kalt zugleich.

„Ich garantiere, es klappt.“

„Das kann ich mir vorstellen.“ Sie stellte es sich deutlich vor. „Heißt das, dass du dabei bist?“

„Ist es derart wichtig für dich?“

„Ja, das ist es.“

„Und wenn ich zustimme, bist du sicher, dass du nichts dagegen haben wirst, dass ich Umgang mit unserem Kind habe, wenn unsere Wege sich wieder trennen?“

„Natürlich nicht. Ein Kind bedeutet eine lebenslange Verpflichtung.“

Whit fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. „Apropos leben – vielleicht sind meine Tage gezählt.“

„Wie meinst du das?“

„Logan wird die Sache nicht gefallen.“

Mallory hatte vorausgesehen, dass die Freundschaft zwischen Whit und ihrem Bruder ein Problem sein könnte. „Lass Logan nur meine Sorge sein, wenn es so weit ist.“

„Ich bin mir immer noch nicht sicher, dass es eine gute Idee ist.“

Mallory rutschte zu Whit hinüber, um ihren letzten Trumpf auszuspielen. „Weißt du, die ganze Prozedur könnte doch Spaß machen. Es sei denn, du findest die Vorstellung, Sex mit mir zu haben, abstoßend.“ Sie legte eine Hand auf seinen Oberarm.

„Versuchst du, mich zu einer Entscheidung zu verführen, O’Brien?“

„Was glaubst du?“

Er schaute ihr tief in die Augen. „Ich glaube, du solltest bedenken, dass du einen Mann herausforderst, der seit einiger Zeit mit keiner Frau mehr zusammen war.“

„Das ist nicht unbedingt schlecht.“

Ehe Mallory wusste, wie ihr geschah, hatte Whit sie gegen die Sofalehne gedrängt. „Bist du immer noch sicher, dass du es willst, Mallory?“

Wie dumm zu glauben, Whit würde die Herausforderung nicht annehmen. Sie schluckte hart, weil sie nun doch nervös war. „Das hängt davon ab, was du vorhast.“

„Ich werde dich küssen.“

Vermutlich wollte er ihr Angst machen, damit sie ihren Plan aufgab, doch das würde sie nicht zulassen. „Keine Küsse, bevor du mir nicht deine Antwort gibst.“

Er strich ihr das Haar aus dem Gesicht. „Was, wenn du meine Art zu küssen schrecklich findest? Würdest du mich immer noch in deinem Bett haben wollen?“

„Deine Kusstechnik spielt keine Rolle. Ob du der Anforderung einer Zeugung gewachsen bist, dagegen schon.“

Er bedachte sie mit einem schiefen Grinsen und senkte kurz den Blick, ehe er ihr wieder in die Augen sah. „Was glaubst du denn?“

Sie glaubte, im Boden versinken zu müssen, als sie seine Erregung nun deutlich fühlen konnte. „Ich glaube, dass du ein normaler Mann bist. Man muss nur das Wort Sex aussprechen, und schon bist du wie elektrisiert.“

Whit kam ihr so nahe, dass sein Mund ihren fast berührte. „Vielleicht sollte ich duschen, ehe ich dir meine Antwort gebe. Ich fühle mich im Moment ziemlich schmutzig.“

Schmutzig trifft es, dachte Mallory, denn ihr schossen gerade ein paar schmutzige Gedanken durch den Kopf. „Das erinnert mich an die Zeit, als du immer mit Logan nach dem Footballtraining zu uns nach Hause gekommen bist. Ein herrlicher Anblick. Deine Sporthose hat deine Reize immer bestens zur Geltung gebracht.“

Er hob ihr Kinn mit einem Finger an. „Heißt das, in Sportsachen hätte ich bessere Chancen bei dir?“

„Hast du mir nicht zugehört? Ich bin dir sicher. Bereit und willig.“

Whit ließ sich aufs Sofa zurückfallen und rückte so weit wie möglich von ihr ab. Minuten verstrichen. Da er schwieg, sagte auch Mallory nichts, um ihm Gelegenheit zu geben, seine Antwort sorgfältig zu überdenken. Das Warten war die reinste Qual.

Schließlich seufzte er. „Okay. Ich werde es machen.“

„Wirklich?“

„Ja, wirklich. Wahrscheinlich bin ich verrückt, aber wenn es dein Herzenswunsch ist, dann will ich versuchen, ihn dir zu erfüllen.“

In einem Anflug überschäumender Freude setzte Mallory sich auf Whits Schoß, nahm sein Gesicht in beide Hände und überschüttete ihn mit kleinen Küssen. Sie hielt inne, um ihm zu sagen, dass er es nicht bereuen würde, doch sein Blick ließ ihr den Atem stocken. Sie war zwar schon lange nicht mehr verabredet gewesen, aber sie konnte immer noch heißes Verlangen in den Augen eines Mannes erkennen, auch wenn Whit sie noch nie so angesehen hatte.

Wortlos umfasste er mit einer Hand ihren Nacken und zog ihren Kopf zu sich herunter. Falls dieser Kuss als Referenz dienen sollte, dann hatte er den Job. Eine zarte Berührung ihrer Zunge mit seiner Zunge, ein sanftes Streicheln, ein beherzter Vorstoß in ihren Mund, und sie reagierte auf eine Art und Weise, wie sie das seit Jahren nicht getan hatte, wenn überhaupt je.

Whit vertiefte den Kuss und gab ihr keine Chance zu protestieren. Wieso sollte sie auch, wo er ihren Mund derart zärtlich eroberte und ihr mit seinem Können den Verstand raubte?

Auch wenn sie den Kuss nicht beenden wollte, wollte Whit das offenbar. „War das zufriedenstellend, O’Brien?“

Zufriedenstellend? Wenn es noch besser gewesen wäre, wäre sie womöglich schon splitternackt und hätte ihr eigentliches Ziel vergessen. „Wie gesagt, es geht hier nicht um deine Finesse, Manning. Unsere Vereinbarung hat den einzigen Sinn und Zweck, ein Kind zu zeugen. Du brauchst dich nicht verpflichtet zu fühlen, mir deine Fähigkeiten als Liebhaber zu beweisen. Und du brauchst mich nicht …“

Wieder küsste er sie auf diese wunderbare Art, als ginge es darum, sie nach allen Regeln der Kunst zu verführen und ihr zu zeigen, was für ein fantastischer Liebhaber er war.

Auch wenn es ihr schwerfiel, brach Mallory den Kuss ab. „Ich kann jetzt schon sagen, dass du Ärger machen wirst.“

Sein Lächeln war frech und unglaublich sexy. „Ich fühle mich irgendwie als Deckhengst in Anspruch genommen.“

„Ganz so schief ist der Vergleich gar nicht.“ Sie stieg von seinem Schoß und merkte, dass ihr die Knie zitterten. „Jetzt geh duschen, mein süßer kleiner Deckhengst.“

„Aber sicher, meine süße kleine Zuchtstute.“ Er gab ihr einen Klaps auf den Po.

Mit verschränkten Armen sah sie ihn an. „Ich mag es nicht, so genannt zu werden.“

„Wenn ich ein Deckhengst bin, dann bist du eine Zuchtstute.“ Grinsend verschränkte er die Hände im Nacken. „Noch eine Frage.“

„Ja, bitte?“ Warum klang ihre Stimme so schrill? Im Gerichtssaal ließ Mallory sich von nichts und niemand aus der Fassung bringen. Aber dort musste sie auch nicht Whit Manning und seiner ganzen männlichen Arroganz gegen-übertreten. Bald würde sie das im Schlafzimmer tun müssen. Sie bezweifelte, dass sie die Kraft hatte, ihm irgendetwas abzuschlagen.

„Fangen wir heute Abend an?“

„Nein. In drei Tagen.“

Sein Lächeln verschwand. „Warum in drei Tagen?“

„Weil ich dann meinen Eisprung haben sollte.“ Wenn sie Glück hatte. Mallory nahm den Nagellack und schickte sich an zu gehen, denn es bestand die Gefahr, dass sie Whit sonst erneut küsste. „Ich werde meine Nägel zu Ende lackieren und dann ein wenig in meinem Zimmer arbeiten.“

Whit sprang auf und hielt sie am Arm fest. „Nachdem mir meine Zustimmung so schwergefallen ist, willst du mich jetzt wirklich warten lassen? Was soll ich in der Zwischenzeit machen?“

„Sperma produzieren.“

„Du machst Witze, oder?“

„Nein. Ich bin sicher, du wirst es überstehen. Nimm es als Vorbereitungszeit, als eine Art Training für den großen Wettkampf.“

„Nur damit du es weißt, ich werde in den nächsten drei Tagen vor freudiger Erwartung komisch laufen müssen.“

Während sie zur Treppe ging, die zu den Schlafzimmern führte, lachte Mallory leise vor sich hin, allerdings eher aus Nervosität als aus Freude. Einen Anflug von Angst wegen der Entscheidung, die sie getroffen hatten, konnte sie auch nicht verdrängen.

Sie würde mit ihrem Mitbewohner ein Baby zeugen. Zumindest würde sie es versuchen. Und die Aussicht auf diesen Versuch berauschte und ängstigte sie gleichermaßen.

Whit Manning war kein Mann, der etwas nur halb tat. Sein Kuss war ein Beweis dafür, und es würde beim Liebesakt nicht anders sein. Eines musste sie sich merken – Liebe durfte nicht ins Spiel kommen. Nur Sex, um ein Kind zu zeugen, nicht länger als drei Tage hintereinander, einmal im Monat. Keine großen Erwartungen. Keine Gefühle, die über Freundschaft hinausgingen. Sie durfte auf keinen Fall mehr wollen als ein Baby.

Noch ein anderer Gedanke ließ Mallory nicht los. Während sie sich über Wochen mit der Entscheidung gequält hatte, hatte Whit in weniger als einer Stunde eingewilligt. Da er bekannt für seine Spontaneität war, machte sie sich Sorgen, er könnte seine Meinung genauso schnell wieder ändern.

2. KAPITEL

Er musste den Verstand verloren haben. Das war doch gar nicht seine Art. Was wusste er schließlich von der Erziehung eines Kindes? Nichts.

Whit versuchte, sich in seine Arbeit als leitender Architekt und Vizepräsident der Manning Development Corporation zu vertiefen. Doch da er sich auf nichts konzentrieren konnte, saß er einfach an seinem Schreibtisch und stützte den Kopf in die Hände. Er hatte heftige Kopfschmerzen und musste sich in zwanzig Minuten zu einer Besprechung mit den Bauzeichnern treffen. Dabei hatte er keinen Tropfen Alkohol getrunken, sondern eine schlaflose Nacht verbracht und sich Sorgen gemacht, dass es ein Riesenfehler gewesen sein könnte, Mallorys Vorschlag zuzustimmen.

Sie hatte recht damit, wenn sie sagte, er reagiere allergisch auf feste Beziehungen. Sein Vater war zweimal geschieden, und seine dritte Ehe sah nicht vielversprechend aus. Whits Mutter hatte ihr einziges Kind verlassen. Ein Jahr nach der Scheidung war Julia Manning von der Bildfläche verschwunden mit der Begründung, sie müsse „sich selbst finden“. Danach hatte er bei seinem Vater gelebt.

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