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Nur diese eine Nacht!

1. KAPITEL

Clara Davis blickte auf die unangetastete Hochzeitstorte, pink schimmernd und wie geschaffen für die kleine Brautfigur, die lächelnd auf ihrer Halterung auf der Spitze der Torte balancierte. Eine überaus filigrane Halterung übrigens, deren fachkundiges Arrangement ziemlich mühsam gewesen war. Gar nicht zu reden vom Transport des fragilen Kunstwerks aus der Küche ihres Apartments in San Francisco zum zwanzig Meilen entfernten, an der Küste gelegenen Hotel.

Alles wäre so perfekt gewesen. Die Torte, die Dekoration, der Bräutigam, nun ja, der Bräutigam sah – wie immer – besser als perfekt aus. Und alle geladenen Hochzeitsgäste waren erschienen.

Eine wirklich wichtige Person allerdings fehlte. Die Braut hatte beschlossen, dem freudigen Anlass fern zu bleiben. Und ihre Abwesenheit hatte es ein wenig schwierig gemacht, die Feierlichkeiten fortzusetzen.

Clara betrachtete die Torte eingehender und erwägte, sich ein Stück herauszuschneiden. Reine Verschwendung, dieses Meisterwerk der Konditorenkunst in den Müll zu werfen.

Sie seufzte. Ein Stück Kuchen würde ihr das unangenehme Gefühl im Magen auch nicht nehmen. Es würde die Traurigkeit, die sie in sich spürte, nicht lindern können. Nichts hatte ihr dieses Gefühl nehmen können, seit Zack, der nun als offiziell sitzen gelassen galt, seine Verlobung verkündet hatte.

Ironischerweise hatte sie sein Anblick, allein vor dem Altar stehend, auch nicht trösten können. Aber warum auch? Sie wünschte ihm nichts Schlechtes. Er war ihr Chef – mehr als das, er war ihr bester Freund. Und, zugegeben, auch der Mann, mit dem sie sich in so mancher Nacht in ihren Fantasien auf eine Art und Weise beschäftigte, die im Lichte des Tages betrachtet, völlig peinlich waren.

Clara atmete tief durch und trat aus der Hotelküche hinaus in die große leere Empfangshalle. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Zack Parsons, Kaffeemagnat, erstklassiger Geschäftsmann und verschmähter Bräutigam, stand an der Fensterfront der Halle und blickte gedankenverloren auf den Strand hinaus. Die tief stehende Sonne tauchte sein Gesicht und das weiße Smokinghemd in ein warmes orangefarbenes Licht.

Er stand gegen eines der hohen Fenster gelehnt, die Stirn auf den angewinkelten Arm gestützt. Er sah verändert aus. Ernster. Angespannter als sonst. Er hatte den Knoten seiner Smokingfliege gelöst und sich das lose Band lässig um den Nacken geschlungen, seine Jacke lag auf dem Boden, einer dunklen Pfütze gleich.

„Hey“, sprach sie ihn an, und ihre Stimme klang viel zu laut in dem leeren Raum.

Zack blickte sich nach ihr um und sah sie mit seinen grauen Augen durchdringend an. Für einen Augenblick stockte ihr der Atem. Er war schlichtweg der attraktivste Mann, den sie kannte.

„Wie sieht meine Hochzeitstorte denn aus, Clara?“, er stieß sich von der Fensterscheibe ab und schlenderte auf sie zu, eine Hand lässig in die Hosentasche geschoben.

Clara zwang sich, ruhig zu atmen. „Die unterste Tortenschicht besteht aus Biskuitteig mit einer Himbeerfüllung, nach Hannahs Anweisung. Aber der Biskuitteig der mittleren Schicht ist getränkt mit einer Mischung aus Whiskey und Honig. Als Glasur habe ich Kuvertüre in Pink gewählt. Übrigens von mir selbst handbemalt. Und in der ganzen Torte nicht ein einziger Krümel Walnuss, schließlich weiß ich ja, was dir schmeckt.“

„Gut. Lass die mittlere Kuchenschicht einpacken und zu mir nach Hause bringen. Und Hannahs Stück können sie ihr auch schicken.“

„Das musst du nicht tun. Wirf die Torte weg.“

„Warum sollte ich das tun? Schließlich kann man sie noch essen.“

„Na … weil es deine Hochzeitstorte war. So etwas sollte an einem Hochzeitstag einfach nicht passieren. Für die meisten Menschen wäre das alles nur noch … na ja, bittere Erinnerung.“

Zack zog die Schultern hoch. „Torte ist Torte.“

Sie stützte eine Hand in die Hüfte, nahm eine stolze Pose ein und hoffte dabei, ein einigermaßen überzeugendes Lächeln zustande zu bringen. „Meine Torte ist sehr viel mehr als irgendeine Torte!“

„Da wir ein Vermögen mit deinen Kuchenkreationen gemacht haben, bin ich mir im Klaren darüber, dass sie etwas Besonderes sind.“

„Schon gut. Aber ich könnte dir auch eine neue Torte backen. Eine mit der Aufschrift ‚Unser Beileid zur geplatzten Hochzeit‘. Und oben drauf könnten wir eine kleine Männerfigur platzieren, die in einem großen Sessel sitzt und auf einem Flachbildschirm-Fernseher Fußball schaut, und keine Braut weit und breit.“

Um Zacks Mund zuckte es, und Clara spürte ein kleines Kribbeln im Bauch.

„Das wird nicht nötig sein.“

„Aber vielleicht ist genau das eine riesige Marktlücke. Meinst du nicht, Zack?“ Über Geschäftliches zu reden ging ihm über alles, das wusste sie, abgesagte Hochzeit hin oder her. „Sozusagen Torten für traurige Anlässe.“

„Ich bin nicht traurig.“

„Bist du nicht?“ Clara zog skeptisch die Augenbrauen zusammen.

„Der heutige Tag wird sicher nicht als einer meiner besten in die Geschichte eingehen, zugegeben.“ Er schluckte. „Aber auch nicht als einer der schlimmsten. Ich hätte es einfach vorgezogen, wenn Hannah vorher einen Schlussstrich gezogen hätte, ich meine, bevor ich da vor dem Altar stand, mit dem Priester, im Smoking, vor circa eintausend Gästen, aber ich werde deshalb nicht in eine Depression verfallen.“

„Das … das ist gut.“ Abgesehen davon, dass es fast schon ein wenig unheimlich war, zu beobachten, wie er auf diese peinliche Weise sitzen gelassen worden war und er dann so abgeklärt darauf reagieren konnte.

Auf der anderen Seite war Zack von Anfang an eher ein besonnener Typ gewesen. Als sie sich zum ersten Mal getroffen hatten, war sie von seiner ruhigen selbstsicheren Art gleich eingenommen gewesen. Davon und von seinen umwerfend schönen Augen.

Sie hatte damals bei einer kleinen Bäckerei gearbeitet, im Mission District in San Francisco, und Zack war gerade auf der Suche nach einem geeigneten Ort für eine neue Filiale seiner Coffeeshop-Kette gewesen. Er hatte einen ihrer Erdnuss-Buttercreme-Bananen-Cupcakes gekauft. Seine damalige Reaktion, so typisch für ihn, konnte nicht gerade als überschwänglich bezeichnet werden. Aber da war ein Blitzen in seinen Augen gewesen, ein Zeichen, dass unter dieser gelassenen Oberfläche eine knallharte Entschlossenheit lag.

Und so kam er am nächsten Tag wieder und am übernächsten Tag auch.

Schließlich hatte er ihr angeboten, das Doppelte ihres vorherigen Gehalts zu zahlen und sie in seinem Flagship-Store arbeiten zu lassen, in einer der modernsten und komfortabelsten Küchen, die sie je gesehen hatte, damit sie dort nach Lust und Laune ihre süßen Leckereien herstellte. Das war der Beginn der Verwirklichung ihrer beruflichen Träume gewesen, und sie war endlich in der Lage gewesen, aus ihrem Elternhaus auszuziehen.

Seitdem hatte sich viel getan. Die zehntausendste Filiale des Unternehmens, das den prägnanten Namen Roasted trug, war gerade in Japan eröffnet worden, und auch dieser Vorstoß stellte sich schnell als großer Erfolg heraus.

Zack war das Rückgrat des Konzerns, der Mann, der das Schiff auf Kurs hielt, der seine Coffeeshops zu dem gemacht hatte, was sie heute waren, zu einem weltweit bekannten Phänomen.

Er hatte sein Privatleben geopfert, um dies zu verwirklichen. Hannah war eines der wenigen Zugeständnisse an ein Leben außerhalb des Unternehmens gewesen, und nun hatte ihre Beziehung nicht einmal ein Jahr überdauert.

„Ich habe Hannah nicht geliebt“, unterbrach Zack ihre Überlegungen.

Clara blinzelte ungläubig. „Du hast sie … nicht geliebt?“

„Ich mochte sie sehr. Sie wäre eine fabelhafte Ehefrau für mich gewesen. Aber ich war nicht Hals über Kopf in sie verliebt oder so was.“

„Warum … warum wolltest du sie dann heiraten?“

„Es wurde einfach Zeit, dass ich heirate. Ich bin dreißig. Mit Roasted habe ich erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Für mich war eine Heirat der nächste logische Schritt, und Hannah sah das genauso.“

„Anscheinend nicht.“

Zack sah sie stirnrunzelnd an. „Anscheinend.“

„Weißt du, weshalb sie nicht zur Zeremonie erschienen ist? Hast du mit ihr gesprochen?“

„Sie kann jederzeit zu mir kommen und es mir erklären, wenn sie dazu bereit ist.“

Normalerweise hätte Zack über Claras verblüfften Gesichtsausdruck gelacht, wenn an dieser Situation auch nur im Entferntesten etwas zum Lachen gewesen wäre. Die Schlagzeilen in den Zeitungen würden erbarmungslos sein, und so mancher geladene Hochzeitsgast würde sich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen nur zu gern stellen und den Journalisten die eigene Version der Ereignisse haarklein berichten.

Clara war viel zu emotional. Ihre braunen Augen schimmerten feucht, als wäre sie kurz davor, aus lauter Mitgefühl für ihn in Tränen auszubrechen, ihre zarten Hände hielt sie vor sich verschränkt, die Schultern hingen kraftlos herab.

Sie war eleganter gekleidet, als er es von ihr gewohnt war. Ihre üppigen Kurven wurden, wenn auch nicht gerade vorteilhaft unterstrichen, so doch zumindest etwas hervorgehoben. Das Kleid war ganz nett, aber eigentlich ein wenig zu matronenhaft für sie. Ihr langes kastanienbraunes Haar trug sie immer in einem tiefen Knoten. Da sie bei ihrer Arbeit das Haar zurücknehmen musste, hatte sie daraus eine Gewohnheit entwickelt. Doch er wünschte sich manchmal, sie würde ihr Haar einfach offen tragen. Und manchmal wünschte er sich auch, sie würde sich nicht so viel Mühe damit geben, ihre hübschen Kurven vor der ganzen Welt zu verstecken.

Auf der anderen Seite kam ihm ihre Art sich zu kleiden auch entgegen. Sie arbeiteten eng zusammen, Tag für Tag, und es wäre unprofessionell gewesen, ließe er sich durch die Attraktivität seiner Mitarbeiterin von seinen geschäftlichen Überlegungen ablenken.

Zack setzte sich auf einen der mit weißem Leinen bezogenen Stühle und legte die Hände auf den Tisch vor sich. „Wie läuft es mit der Planung für unsere Designer-Cupcakes?“

„Ach … na ja, ich war bisher ziemlich mit der Hochzeitstorte beschäftigt.“ Clara schwirrte der Kopf von dem plötzlichen Themenwechsel.

Zack war bereits wieder ganz in seinem Element. In selbstbewusster Haltung saß er an der langen dekorierten Hochzeitstafel, als säße er an dem wuchtigen Schreibtisch in seinem Chefbüro von Roasteds Hauptniederlassung.

„Ich habe einen persönlichen Gesprächstermin vereinbart mit jemandem, der großes Farmland in Thailand besitzt. Darunter auch ein paar kleinere Kaffee- und Teeplantagen. Seine Pflanzen sind von ausgezeichneter Qualität, ein Garant für hervorragende Röstungen und qualitativ hochwertige Aufgüsse. Ich möchte ihm vorschlagen, seine nächste Ernte zu einem fairen Preis aufzukaufen.“

Clara dachte kurz über Zacks Worte nach und fragte dann leicht irritiert: „Wolltest du nicht deine Flitterwochen in Thailand verbringen?“

„Das war der Plan.“

Clara konnte ihre Überraschung nicht verbergen. „Du wolltest während deiner Flitterwochen arbeiten und Geschäfte machen? Kein Wunder, dass Hannah dich vor dem Altar hat stehen lassen.“ Sie bereute ihre Worte noch im selben Moment. „Tut mir leid, das war nicht so gemeint.“

„Doch, du hast das genauso gemeint. Im Gegensatz zu dir gibt sich Hannah aber keinen romantischen Illusionen hin, da kannst du sicher sein. Der Grund, weshalb sie heute nicht hier erschienen ist, wird höchstwahrscheinlich damit zusammenhängen, dass es an der Wall Street eine saftige Krise gegeben hat. Ich sehe sie vor mir, wie sie in ihrem Hochzeitskleid in ihrem Apartment sitzt und sich mit derben Flüchen und Verwünschungen Luft macht, während sie auf ihrem Laptop fallende Aktienkurse verfolgt.“

Dieses Szenario erschien durchaus glaubwürdig. Hannah verkörperte durch und durch das Bild der coolen abgeklärten Karrierefrau, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ, es sei denn, jemand wollte sich ihr beruflich in den Weg stellen.

Clara bewunderte Hannah dafür. Für ihre entschlossene Art, die Dinge in Angriff zu nehmen.

„Clara, meine Frage nach den Designer-Cupcakes hatte einen Grund. Ich wollte wissen, ob du vielleicht überlastet bist mit der ganzen Arbeit, die du zurzeit zu erledigen hast“, unterbrach Zack ihre Überlegungen und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Tischplatte.

„Überhaupt nicht. Ich habe sogar schon einige der neuen Back­ideen im Team ausprobieren können, und ich denke, ein paar meiner Cupcakes werden unter den gegebenen Anforderungen relativ leicht herzustellen sein, während ich bei anderen noch ein wenig herum probieren muss.“

„Das heißt also, dass du im Moment nicht unter allzu großem Stress stehst?“

Clara sah ihn aus zusammengekniffenen Augen zornig an. Sitzen gelassen oder nicht, deshalb musste er sich nicht die ganze Zeit wie ein Idiot benehmen. „Nein, ich stehe nicht unter allzu großem Stress.“

„Gut, denn für die Reise nach Chiang Mai heute Abend ist schon alles vorbereitet.“

„Willst du mich fragen, ob ich mich während deiner Abwesenheit darum kümmern kann, dass hier alles glattläuft?“ Sie wunderte sich, denn für den Job der Unternehmensleitung war sie normalerweise nicht vorgesehen.

„Nein. Ich möchte, dass du deine Koffer packst. Du kommst mit mir.“

Ihr zog sich der Magen zusammen. „Du machst Scherze. Du willst mich nicht allen Ernstes fragen, ob ich dich in deine Flitterwochen begleite?“

„Die Reise ist gebucht. Ich habe Termine vereinbart. Ich werde die Flitterwochen nicht absagen, nur weil meine Braut nicht aufgetaucht ist.“ Er sah sie an, so wie er sie schon tausend Mal angesehen hatte, aber dieses Mal … Er betrachtete sie aufmerksamer als sonst, seine grauen Augen blickten eindringlicher, taxierender. Clara schluckte trocken und bemühte sich zu ignorieren, dass ihr Herz ein paar beängstigend wilde Sprünge machte.

„Ich denke, du wirst mehr als nur ein passender Ersatz für Hannah sein.“

2. KAPITEL

Hätte er sie geschlagen, es hätte sie kaum tiefer verletzen können. Der Trostpreis! Sie sollte die Lückenbüßerin sein für die große schlanke und anmutige Hannah mit ihren beneidenswert ausgeprägten Wangenknochen.

Clara spürte Übelkeit in sich aufsteigen. „Ich werde ganz sicher nicht als Ersatz für eine andere Frau herhalten, Zack. Und wenn du meinst, ich wäre zu so etwas bereit, dann denke ich, dass du da etwas grundsätzlich missverstanden hast.“

Mit diesen Worten drehte sie sich um und lief aus der Empfangshalle hinaus. Sie interessierte sich nicht mehr für die Torte. Sollte sich doch jemand anders darum kümmern!

Clara rannte quasi durch die Halle und flüchtete zu den großen Eingangstüren hinaus an die frische Luft, die feucht und salzig schmeckte. Es war ein kühler Tag gewesen, aber nun, da die Sonne schon fast hinter dem Horizont verschwunden war, wehte ein kalter Wind von der Bucht herein.

Eigentlich hatte sie gar nicht so emotional reagieren wollen, denn es war ihr durchaus bewusst, dass Zack sie nicht absichtlich hatte verletzen wollen.

Da Claras Gefühle für Zack aber einer anhaltend turbulenten Achterbahnfahrt glichen, war es nicht verwunderlich, dass sein Verhalten sie zu unbeherrschten Reaktionen verleitete. Meistens konnte sie ihre heftigen Emotionen jedoch recht gut vor ihm verbergen. Und oft genug sogar vor sich selbst.

„Clara.“

Sie wandte sich um und sah ihn direkt hinter sich stehen. Sie sagte nichts, stand nur mit vor der Brust verschränkten Armen da und funkelte ihn an.

„Du bist heute schon die zweite Frau, die mich sitzen lässt.“

Clara errötete. „Dieser Vergleich ist nicht sehr schmeichelhaft, vor allem nicht, wenn ich bedenke, dass du mich erst vorhin als ‚Ersatz‘ bezeichnet hast.“

„So habe ich das doch nicht gemeint.“

„Ach, und wie hast du es gemeint?“

„Dass ich jemanden brauche, der mich begleitet, und dass du unter den gegebenen Umständen eine weitaus bessere Wahl für mich bist als meine Exverlobte.“

Unwillkommene Bilder tauchten jäh vor Claras geistigem Auge auf, wie übergroße Momentaufnahmen. Gebräunte Hände auf nackter weißer Haut. Lippen, die den Hals einer Frau verlangend küssten. Das Blut schoss Clara heiß durch den Körper, ihre Wangen brannten. Sie war sich sicher, dass ihr Gesicht die Farbe von reifen Erdbeeren angenommen hatte und dass jeder, der sie ansah, ihre Gedanken sofort erraten musste.

„Wie bitte?“

„Hannah ist sehr klug, versteh mich bitte nicht falsch, aber sie kennt sich in diesem Markt nicht so gut aus wie du. Mit den entsprechenden Aktienkursen vielleicht, aber was das Marketing angeht oder die Beurteilung des Aromas, da bist du die Spezialistin.“

Das Geschäft. Er sprach über das Geschäft. War es für Zack tatsächlich wichtiger, an geschäftliche Angelegenheiten zu denken, anstatt auch nur einen romantischen Gedanken an seine Flitterwochen zu verschwenden?

Zumindest gab er das vor. Doch da war etwas in seinem Ausdruck … Seine grauen Augen schienen zu leuchten; sein Blick war jetzt intensiver, aufmerksamer.

Zack hatte sie noch nie auf diese bestimmte Weise angesehen, und eigentlich war ihr das bisher auch ganz recht gewesen. Anfangs war sie in ihn verschossen gewesen, aber auch da hatte sie nicht im Geringsten erwartet, dass sich etwas zwischen ihnen hätte ergeben können.

Aber dann war Hannah aufgetaucht und hatte viel Zeit allein mit Zack verbracht, und Clara hatte angenommen, dass er Hannah lieben würde. Und Zack mit einer anderen teilen zu müssen, fühlte sich … es fühlte sich einfach furchtbar an. Sie war eifersüchtig gewesen, was aber überhaupt keinen Sinn ergeben hatte, weil sie niemals auch nur erwogen hatte, die Grenzen ihrer Freundschaft zu überschreiten. Es war also nicht einmal so, dass Hannah sich in ihr Territorium eingeschlichen hätte. Trotzdem hatte es ihr unglaublich wehgetan, die beiden zusammen zu sehen …

Was absolut kindisch und verrückt gewesen war. Ungefähr so verrückt, wie mit einem Mann, der nicht ihr Ehemann war, gemeinsame Flitterwochen zu verbringen.

Wo war ihr gesunder Menschenverstand geblieben? Vielleicht hatte Zack inzwischen auch zu viel Platz in ihrem Leben eingenommen. Vielleicht musste sie das ändern.

Aber allein der Gedanke daran, ihn aus ihrem Leben zu verbannen …

„Gut. Ich komme mit. Denn ich möchte lieber einen bezahlten Urlaub genießen, als hier im Büro meine Zeit damit verbringen zu müssen, alle deine Hochzeitsgeschenke zurückzusenden.“

„Ich werde meine Hochzeitsgeschenke nicht zurückgeben.“

„Du kannst sie doch unmöglich behalten, Zack.“

„Und ob ich das kann. Eines Tages werde ich vielleicht dringend eine Universal-Küchenmaschine brauchen. Was macht man eigentlich mit so einem Ding?“

„Das kann ich dir demnächst zeigen. Also, wie gesagt, ich bin einverstanden, mit dir nach Thailand zu fliegen.“

Seine Lippen verzogen sich zu einem unverschämten Grinsen, das ihr ein nicht ganz und gar unangenehmes Gefühl im Magen bereitete.

„Großartig. Sieht so aus, als müsste ich meine Hochzeitsnacht also doch nicht allein verbringen.“

Zack fuhr sich mit der Hand über die Augen. Es war sicherlich kein besonders feiner Zug von ihm gewesen, Clara so aufzuziehen. Und es hatte ganz sicher nicht in seiner Absicht gelegen, sie zu verletzen. Auf dem Weg vom Hotel zu ihrem Apartment hatte Clara die ganze Zeit geschwiegen, und, dort angekommen, war sie sofort in ihrem Schlafzimmer verschwunden, um „ganz schnell“ ein paar Sachen zu packen, was seiner Erfahrung mit anderen Frauen nach bedeutete, dass er sich auf eine lange Wartezeit einstellen musste.

Er setzte sich in einen der weißen Ledersessel, ihrem kleinen Fernsehgerät gegenüber. Kein Hightech-Modell, ein totaler Gegensatz zur Ausstattung in seinem eigenen Haus. Ein Heimkino war das Erste gewesen, das er sich geleistet hatte, als er mit Roasted die ersten Gewinne einfahren konnte. Clara hatte sich damals eine Hochleistungs-Küchen-Universalmaschine zugelegt. In ihrem Fall war die Küche der Ort, an dem man eine Unmenge von Hightech-Geräten finden konnte. Allein ihr Backofen verfügte über mehr Einstellparameter als seine eigene hochmoderne Stereoanlage.

„Fertig!“ Überrascht sah Zack auf, und er spürte ein angenehmes Kribbeln in der Magengegend.

Clara stand in der Tür, eine große pinkfarbene Lederreisetasche lässig über eine Schulter geschwungen. Dunkelblaue, perfekt sitzende Jeans betonten ihre Hüften, und der Ausschnitt ihres schwarzen Häkeltops hob ihre Brüste vorteilhaft hervor. Er hatte heute nicht geheiratet, also erlaubte er sich einen etwas längeren Blick auf diese Frau, als er es sich jemals zuvor erlaubt hätte. Er hatte schon vorher gewusst, dass Clara eine attraktive Frau war, aber er hatte sich immer verboten, ihren Körper auf eine Weise zu betrachten, wie ein Mann den Körper einer schönen Frau eben betrachtete.

Clara war eine Angestellte. Eine gute Freundin. Mit ihr war kein Liebesabenteuer möglich, und das bedeutete normalerweise für ihn, dass er sie nicht wie eine potenzielle Geliebte ansehen würde.

Aber heute Nacht schien nichts normal zu sein.

„Gut.“ Er stand auf und versuchte, sein Interesse an ihrem Körper auf ein Minimum zu reduzieren.

„Nehmen wir den Firmenjet?“, fragte sie lächelnd, wobei sie eine ihrer perfekt geformten Augenbrauen hochzog.

Der Anblick ihrer entspannten regelmäßigen Gesichtszüge bereitete ihm Freude, vor allem, da er wusste, dass er sie gleich sehr, sehr ärgerlich machen würde.

„Es gibt da etwas, das ich dir noch nicht gesagt habe.“

Vielleicht hätte er erst damit rausrücken sollen, wenn sie sicher im Flugzeug saß. Nach ein oder zwei Gläsern Champagner.

„Was denn?“, fragte sie skeptisch.

„Eigentlich hätte ich heute zusammen mit meiner Ehefrau in die Flitterwochen fahren sollen. Aber … nun ja, jetzt gibt es keine Ehefrau.“

Ungeduldig zog Clara eine Augenbraue hoch, um ihren Mund herum zeigten sich feine Linien der Anspannung.

„Was willst du mir damit sagen, Zack?“

„Dass du mich aus ganz bestimmten Gründen begleiten sollst. Und zwar nicht nur in deiner Eigenschaft als Freundin. In Wahrheit natürlich nur als die gute Freundin, die du für mich bist, aber was Mr Amudee betrifft, so müssten wir so tun, als ob du meine neue Verlobte …“

Clara schüttelte den Kopf und ließ ihre Tasche auf den glänzenden Holzfußboden fallen.

„Das … geht doch nicht! Wer würde denn glauben, dass du so schnell mit einer anderen Frau anbändelst?“

„Jeder würde das glauben, Clara. Alle wissen, dass wir beide Geschäftspartner, dass wir Freunde sind. Ist es denn wirklich so abwegig, dass ich, ein scheinbar verzweifelter Mann, mich in einer solchen Situation meiner guten Freundin zuwende und bemerke, dass sie mir im Grunde sehr viel mehr bedeutet?“

Das war der pure Wahnsinn. Seine Worte erinnerten sie stark an ihre Fantasien, an die Bilder, wenn sie von ihm träumte, und es bereitete ihr fast schon körperliche Schmerzen, ihn auf diese Weise reden zu hören.

„Nein, auf keinen Fall. Ich spiele da nicht mit. Das ist lächerlich, Zack. Fahr allein.“

„Das wird nicht gehen.“

„Warum nicht?“

„Wenn ich in Thailand ohne Frau auftauche, dann stehe ich als Verlierer da. Als jemand, dem die Braut weggelaufen ist, der es nicht geschafft hat, eine Frau an sich zu binden … nun, wer möchte schon mit so einem Mann Geschäfte machen?“

„Nein, Zack. Das ist …“

„Dieses Projekt ist von großer Bedeutung, sowohl für mich als auch für Mr Amudee“, unterbrach Zack sie. „Amudee hat sein gesamtes Vermögen in die Plantagen und das Farmland gesteckt. Er vertritt hohe ethische Prinzipien, und er setzt sich für seine Landsleute ein; dafür, dass sich ausländische Investoren am wirtschaftlichen Aufbau Nordthailands beteiligen. Aber er wird sich auf kein Geschäft mit einem Investor einlassen, wenn er nicht hundertprozentig von diesem Menschen überzeugt ist. Ich möchte das nicht alles aufs Spiel setzen. Und wenn du mir helfen möchtest, dann musst du mich begleiten.“

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