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Nur bei dir bin ich zu Hause

1. KAPITEL

Hunter Cabot, Navy Seal, hatte eine frische Schussverletzung, dreißig Tage Urlaub und eine Ehefrau, die er nicht kannte. Auf dem Nachhauseweg in seine Heimatstadt Springville, Kalifornien, machte er Halt an Charlie Evans Tankstelle. Und dort begann der ganze Ärger.

„Hunter! Schön, dich zu sehen, Mann! Margie hat uns gar nicht erzählt, dass du nach Hause kommst.“

„Margie?“ Hunter lehnte sich an seinen schwarzen Pick-up und stöhnte kurz auf, weil seine Wunde bei der Bewegung schmerzte. Dann betrachtete er schweigend den Mann, den er seit der Highschool noch nie anders als in seiner Tankwartuniform gesehen hatte.

Kopfschüttelnd grinste Charlie und füllte den Tank auf. „Schätze, deine Frau wollte die kleine Auszeit allein mit dir genießen, was?“

„Meine …“ Hunter war sprachlos. „Frau?“ Er war nicht verheiratet. „Hör mal, Charlie …“

„Schon gut, mach ihr deswegen keinen Stress“, versuchte sein Freund ihn zu beruhigen, während er den Zapfhahn wieder zur Tanksäule zurückführte. „Ist ja auch nicht einfach, als Elitesoldat ein ordentliches Liebesleben zu führen.“

Bis jetzt habe ich eigentlich keinen Grund zur Klage gehabt, dachte Hunter, während er Charlie entgeistert anstarrte. „Wie kommst du darauf …“

„Ich wette, Margie ist schon ganz schön aufgeregt, dich wiederzusehen. Sie hat uns alles über eure Hochzeitsreise nach Bali erzählt.“ Charlie zwinkerte ihm anerkennend zu.

„Charlie …“

„Hey, schon in Ordnung, du musst nichts sagen, Mann.“

Was, zum Teufel, hätte er auch sagen sollen? Hunter schüttelte den Kopf, zahlte und kam zu dem Schluss, dass Charlie langsam den Verstand verlor. Musste wohl an den ständigen Benzinausdünstungen liegen.

Doch Charlie war offenbar nicht der einzige Verrückte. Als Hunter vor der roten Ampel an der Hauptstraße wartete, winkte ihm plötzlich Mrs. Harker, seine alte Lehrerin, lächelnd zu. Mittlerweile musste sie an die hundert Jahre alt sein. Die alte Dame blieb mitten auf der Kreuzung stehen und rief freudig: „Hunter Cabot, du hast eine wundervolle Frau. Ich hoffe, du weißt das zu schätzen.“

Missmutig nickte er ihr zu – schon damals war sie der einzige Mensch auf der Welt gewesen, der es geschafft hatte, ihm Angst einzujagen. Was war hier los? Waren denn alle außer ihm verrückt geworden?

Allmählich bekam er schlechte Laune. Bevor er endlich weiterfahren konnte, musste er noch ein paar Bemerkungen zu „seiner Frau“ über sich ergehen lassen. Dann erreichte er endlich die Auffahrt, die zum Anwesen der Cabots führte. Hunter hatte nicht die leiseste Ahnung, was hier vor sich ging, aber er würde es herausfinden. Und zwar so schnell wie möglich.

Nachdem er ausgestiegen war, schnappte er sich seinen Seesack und marschierte in das schlossartige alte Gebäude an der Haushälterin vorbei, die aufgeregt hinter ihm herrannte. „Mister Hunter!“

„Entschuldige, Sophie“, rief er ihr zu, während er zwei Stufen auf einmal nahm. „Erst brauch ich eine Dusche. Dann reden wir.“

Entschlossen ging er den langen Flur entlang, der mit dicken Teppichen ausgelegt war und zu seinen Wohnräumen führte. Nachdem er einige Türen hinter sich gelassen hatte, betrat er schließlich sein Schlafzimmer. Hunter schmiss den Seesack auf den Boden und hielt abrupt inne. Im Badezimmer lief die Dusche. Seine Frau?

Mit einer Mischung aus Ärger und Neugier ging er schnurstracks auf die Badezimmertür zu.

Als er sie aufstieß, wurde er sogleich von Wasserdampf eingehüllt, und eine Frau sang unmelodisch vor sich hin. Es handelte sich zweifellos um Margie.

Hunter ging durch den Raum, riss die Tür der Duschkabine auf und starrte auf den nassen Körper einer verführerisch schönen Frau.

Erschrocken drehte sie sich um und stieß einen verängstigten Schrei aus. Gleichzeitig versuchte sie, mit den Händen ihre Blöße zu bedecken.

Hunter grinste. „Tag, Schatz. Ich bin wieder da.“

„Wer … was … wie …“, stammelte sie.

„Aber Schatz“, antwortete er langsam und genoss dabei ihre Reaktion, „begrüßt man so seinen Ehemann?“

„Ich … ich … „

Er hatte sie aus der Fassung gebracht, so viel war klar. Nervös sah sie sich um, als suche sie nach einem Fluchtweg.

Aber da war keiner. Er würde sie so lange zappeln lassen, bis er eine Antwort von ihr bekäme. Egal, wie unangenehm das für sie war. Das war die Mindeststrafe für jemanden, der schamlos behauptete, seine Frau zu sein.

Während sie hilflos in der Duschkabine stand, sah Hunter sich um. Er erkannte sein Bad kaum wieder. Überall standen Cremedosen und Parfumflakons. Ohne die war eine Frau offenbar nicht lebensfähig. Außerdem vermisste er seine geliebten schwarzen Handtücher, die durch marineblaue ersetzt worden waren. Die Krönung aber war eine Blumenvase, die auf seinem Waschtisch aus Marmor stand.

Es sah ganz danach aus, als hätte sie sein Haus mit ihrem ganzen Kram in Beschlag genommen. Was wiederum hieß, dass sie seinen Großvater angelogen haben musste. Verdammt.

Diese nackte, wohlgeformte Frau, die so reizvoll vor ihm stand, hatte tatsächlich die Dreistigkeit besessen, einen alten Mann zu belügen. Wahrscheinlich hatte sie mit aller Raffinesse sein Vertrauen erschlichen. Wie auch immer. Ihr Spiel war aus. Ihr gutes Aussehen würde ihr nicht weiterhelfen, denn er war vollkommen immun dagegen. Na ja, vielleicht nicht vollkommen, aber immer noch genug, um nicht Gefahr zu laufen, sich den Kopf verdrehen zu lassen.

Als er einen Schritt näher trat, nahm er ihren provozierend verführerischen Duft wahr. Jasmin, tippte er. Es war schon eine Weile her, dass er eine Frau gehabt hatte. Er hatte sich auf seine militärischen Einsätze konzentrieren müssen. Doch hier war dieser warme, nackte Körper einer atemberaubenden Frau, nur eine Armlänge von ihm entfernt. Ihr Anblick erregte ihn.

Sie sah ihn an wie das sprichwörtliche Kaninchen die Schlage.

„Was denn, kein Kuss?“, fragte er und trat langsam noch einen Schritt näher an sie heran. Wenn sie jetzt einen Arm sinken ließ, würde sein Blick direkt auf ihre üppigen Brüste fallen. „Hast du mich denn gar nicht vermisst, Schatz?“

Verzweifelt schaute sie sich um, aber nachdem ihr klar wurde, wie aussichtslos das war, sah sie ihn direkt an. Durch ihre Bewegung spritzten winzige Tropfen aus ihrem roten, lockigen Haar in Hunters Gesicht.

„Sie bleiben, wo Sie sind, Sie … Wüstling.“

„Wüstling?“ Er unterdrückte ein Lachen und wischte sich mit einer Hand die Wassertropfen aus dem Gesicht. „Ich bin doch nur ein Ehemann, der seine Frau begrüßen will.“

„Vergessen Sie’s.“ Schnell langte sie an ihm vorbei und schnappte sich eines der Handtücher, das sie sich in Sekunden-schnelle um den Körper wickelte.

Zu schade. Hunter hatte der Anblick durchaus gefallen. Zumindest hatte „seine Frau“ einen Körper, dessen wohlproportionierte Rundungen bestimmt jeder Mann gern erforscht hätte.

Sie versuchte tapfer, ihm direkt in die Augen zu sehen, was etwas schwierig war, da sie einen ganzen Kopf kleiner war als er. Die Kälte, die in ihren smaragdgrünen Augen lag, hätte einen schwachen Mann sofort zu Eis erstarren lassen. Doch Hunter war alles andere als beeindruckt. Ebenso eisig erwiderte er ihren Blick. „Wer, zum Teufel, sind Sie?“

„Wer ich bin?“ Empört drehte sie ihren Kopf zur Seite, und wieder landeten einige Tropfen auf Hunters Gesicht. Aufgebracht verknotete sie die Enden des Handtuchs über ihren Brüsten. Doch sie atmete so heftig, dass ihr Schutzschild aus Stoff nicht lange zu halten versprach. „Ich war in meinem Badezimmer, um eine Dusche zu nehmen und meinen Gedanken nachzugehen, bis … oh Gott.“ Mit großen Augen sah sie ihn an. „Sie … Sie haben mich zu Tode erschreckt und …“

Er warf einen weiteren Blick auf ihren spärlich bekleideten Körper. „Süße, wenn Sie sich erschrocken haben, dann ist das nicht meine Schuld. Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie es ist, wenn Ihnen, verdammt noch mal, an jeder Ecke in der Stadt gesagt wird, dass zu Hause Ihre Ehefrau wartet?“

„Du meine Güte …“

„Das trifft’s ganz gut“, erwiderte Hunter und ging einen Schritt auf sie zu. Seine Stimme war erstaunlich ruhig. „Hören Sie, ich habe einen Monat Urlaub. Ich wollte nach Hause fahren und mich ein bisschen erholen, etwas Zeit mit meinem Großvater verbringen.“ Er ging langsam um sie herum und genoss ihren forschenden Blick, mit dem sie seine Bewegungen verfolgte.

„Können Sie sich vorstellen, wie überrascht ich war, als mir jeder hier versicherte, wie aufgeregt meine Frau sei, mich wiederzusehen?“

„Ehrlich gesagt, nein. Also, ich meine, ich bin nicht aufgeregt“, fügte sie hinzu. „Eher verwirrt. Oder nein, wütend.“

„Das darf ja wohl nicht wahr sein.“ Hunter blieb direkt vor ihr stehen und versuchte sich vor ihr aufzubauen, was nicht besonders schwer war. Da er größer als „seine Frau“ war, musste sie ihren Kopf heben, um ihn anzusehen.

„Sie glauben also, Sie haben ein Recht darauf, wütend zu sein?“

„Würden Sie das etwa nicht, wenn ein Fremder wie in Psycho in Ihr Badezimmer geschlichen kommt?“

Dafür, dass sie angeblich so ängstlich war, scheint sie jetzt wieder erstaunlich gefasst, dachte Hunter. „Sie sind hier der Eindringling, Süße, nicht ich.“

„Tatsächlich?“ Sie rümpfte die Nase und stemmte beide Hände in die Hüfte.

„Tatsächlich. Sie wissen ganz genau, dass wir beide nicht verheiratet sind. Warum geben Sie nicht einfach zu, dass Sie eine Betrügerin sind? Und sagen mir, wie Sie es, verdammt noch mal, geschafft haben, dass mein Großvater sie ins Haus gelassen hat?“ Je mehr er darüber nachdachte, desto wütender wurde er. „Simon würde sich niemals um den Finger wickeln lassen. Bestimmt sind Sie eine gerissene Heiratsschwindlerin.“

Heiratsschwindlerin?“ Energisch stieß sie ihm mit beiden Händen vor die Brust. Hunter ließ das kalt, er bewegte sich keinen Zentimeter von der Stelle. Dass bei ihrer Bewegung allerdings das Handtuch etwas herunterrutschte, ließ ihn hoffen, noch mehr zu sehen zu bekommen.

„Wenn Sie glauben, durch ihr albernes Verhalten mein Mitleid zu erregen“, antwortete Hunter und blickte auf das Handtuch, das langsam weiter nach unten rutschte, „haben Sie sich geirrt.“

Sie kochte vor Wut. Hunter konnte förmlich sehen, wie ihre kleinen grauen Zellen auf Hochtouren arbeiteten.

„Simon wusste nichts von Ihrem Besuch.“ Sie blitzte ihn an. „Und hören Sie auf, mich ‚Süße‘ zu nennen.“

„Ich nenne Sie, wie ich will. Und Sie können froh sein, dass ich nicht die Polizei rufe.“

Sie war sprachlos.

„Und so wie ich das sehe, war es gut, dass Simon nichts davon wusste“, fügte er mit eiskaltem Blick hinzu. „Denn eine Betrügerin auf frischer Tat zu ertappen ist wohl kaum möglich, wenn sie weiß, dass du schon unterwegs bist.“

„Ich bin keine … Sie verwirren mich, wissen Sie das?“ Während sie ihren Kopf nach hinten neigte, fielen ihre feuchten Haare wie ein dichter Vorhang über ihren Rücken. „Jemand hätte mich warnen sollen, dass Sie so unverschämt sind. Aber wahrscheinlich haben es alle hier schon wieder vergessen, so selten, wie Sie herkommen.“

„Ich bin doch hier“, rechtfertigte er sich und versuchte dabei, das schlechte Gewissen, das ihn überkam, zu ignorieren. Nein, wirklich oft kam er nicht nach Springville. Die meist Zeit war er auf dem Stützpunkt oder auf geheimen Einsätzen. Musste er die wenige Zeit, die ihm am Wochenende blieb, auch noch damit verbringen, sich ins Auto zu setzen, um hierherzukommen und gleich wieder zurückzufahren? Wohl kaum. Außerdem ging es diese Frau nichts an, wo er sein Leben verbrachte.

„Hier geht es nicht um mich, Süße.“ Er ließ sich das Wort buchstäblich auf der Zunge zergehen, als er sah, wie sie ihr Gesicht verzog, während er es aussprach. „Jetzt reden wir mal Klartext. Was fällt Ihnen eigentlich ein? Warum sind Sie hier? In meinem Bad? Warum erzählen Sie jedem, dass wir verheiratet sind?“

„Ihr Bad“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, und wieder rutschte ihr Handtuch ein paar Zentimeter weiter nach unten und gab den Blick auf ihre Brüste frei.

Fasziniert betrachtete Hunter die zarten Spitzen, als das Handtuch zu Boden fiel. Augenblicklich spürte er die Erregung, die der Anblick in ihm weckte, während sie, leise vor sich hin fluchend, nach dem Handtuch griff und sich wieder darin einhüllte.

„Ihr Bad. Das ist wirklich gut. Bereits seit einem Jahr lebe ich hier, stellen Sie sich vor“, fügte sie sarkastisch hinzu, „und ich habe Sie hier noch nie gesehen.“

Ein Jahr? Seit einem Jahr machen Sie sich in meinem Haus breit und tun so, als seien Sie meine Frau?“

War es wirklich schon wieder so lange her? Aber er hatte doch alle paar Wochen mit Simon telefoniert. Mit keiner Silbe hatte der alte Mann diese Frau erwähnt.

Erpresste sie seinen Großvater? Schwer vorstellbar. Simon Cabot war unbestechlich und zäh wie Leder. Allerdings war er auch älter geworden. Vielleicht …

Außer sich vor Zorn ging er noch einen Schritt auf sie zu. Zumindest bewies sie Mut, das musste er ihr lassen. Obwohl sie kleiner war als er, außerdem nackt und verletzbar. Sie fixierte ihn mit einem Blick, der sagte, dass er besser die Finger von ihr lassen sollte. Es war fast so, als würde man einem Pudel dabei zusehen, wie er sich in einen Pitbull verwandelte.

Aber jetzt reichte es. „Der Spaß ist vorbei, Süße. Was immer Sie vorhatten, Sie sind geliefert. Und sollte ich herausfinden, dass Sie meinem Großvater auch nur zwanzig Cent gestohlen haben, dann wird Ihr kleiner netter Hintern im Gefängnis landen.“

Während der Wasserdampf sich langsam verzog, war deutlich zu sehen, dass sie eine Gänsehaut hatte. Trotzdem sah sie ihn erhobenen Hauptes an: „Ich werde dieses Gespräch nicht weiterführen, solange ich nackt bin.“

„Meinetwegen. Aber Sie werden diesen Raum auch nicht eher verlassen, bis ich eine Erklärung habe.“

„Sie sind also doch ein Unmensch.“

„Wie bitte?“ Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

„Ist das so ein Militär-Ding? Sie stoßen Ihr Befehlsgebrüll aus, und wir armen Zivilisten müssen bedingungslos gehorchen? Mir können Sie gar nichts befehlen. Sie sollten sich wirklich schämen.“

„Schämen? Und Sie sollten sich zurückhalten, Süße“, erwiderte er gereizt.

„Jetzt reicht’s! Ich muss mich nicht länger von Ihnen beleidigen lassen.“ Während sie sich an Hunter vorbeidrängte, gab sie ihm einen gezielten Schubs, der ihn zur Seite treten ließ.

Die Bewegung löste einen unerwarteten Schmerz in seiner Seite aus, und er legte automatisch seine Hand auf die verwundete Stelle. Bevor sie an ihm vorbei aus dem Badezimmer rauschte, schaffte sie es mit erstaunlicher Grazie, sich blitzschnell wieder in das Handtuch zu hüllen. Zielstrebig steuerte sie auf seine Kommode zu.

„Bestimmt bedienen Sie sich auch bei meinen alten T-Shirts und Boxershorts, oder?“, fragte er trocken.

Über die Schulter hinweg sah sie ihn an. „Ich habe Ihre schmuddeligen alten Sachen schon längst in die unterste Schublade verbannt.“

„Schmuddelig?“

„Wie würden Sie denn T-Shirts bezeichnen, die nur noch aus Löchern bestehen?“

„Als meine.“

Sie ignorierte ihn einfach und wühlte in einer offenen Schublade. Mit einem blassblauen BH und dem passenden Slip verschwand sie schließlich in das Umkleidezimmer, das sie hinter sich abschloss.

Also würde er ihr nicht dabei zusehen können, wie sie sich umzog. Schade. Gegen einen weiteren Blick auf ihren kurvigen Körper hätte er nichts gehabt. Schließlich war er auch nur ein Mensch, oder? Und ein Mann mit einer Vorliebe für perfekte weibliche Rundungen. Wer immer sie sein mochte, ihr Körper war verdammt noch mal perfekt.

Instinktiv rief er sich das letzte Bild von ihr vor Augen. Er dachte an die helle Haut, die zarten Brustknospen und ihren Po, der zum Anfassen geradezu einlud.

Er versuchte, die erregenden Gedanken, die sein Hirn umnebelten, zu verscheuchen. Disziplin war schließlich das oberste Gebot eines Navy Seals.

„Was machen Sie eigentlich hier?“, hörte er ihre Stimme aus den Tiefen des Ankleidezimmers.

„Das ist mein Zuhause, Süße.“

Sie stieß einen verächtlichen Laut aus. Dann hörte er, wie sie Kleidung vom Bügel nahm, dann einen dumpfen Aufschlag und einen unterdrückten Schmerzensschrei.

„Und was machen Sie da?“, fragte er.

„Mir meine Zehen brechen“, kam es genervt zurück.

Hunter blickte zur Tür des begehbaren Kleiderschranks. Während er mit halbem Ohr auf die Geräusche darin achtete, musterte er das Zimmer, in dem er aufgewachsen war. Er war so beschäftigt gewesen mit dem ganzen „Ehefrau“-Ärger, dass er noch gar nicht dazu gekommen war, sich dem Raum zu widmen, der ganz anders aussah als früher.

Die Wände waren jetzt grün, nicht mehr beige. Auch der Teppich war grün und nicht mehr braun. Eine Spitzendecke war über das Kingsize Bett ausgebreitet, das er sich mit siebzehn Jahren selbst ausgesucht hatte. Das Kopfteil wurde von einem ganzen Bataillon Kissen verdeckt. Weiße, hauchzarte Vorhänge flatterten vor den Fenstern, von denen aus man den Garten auf der Rückseite des Anwesens überblicken konnte.

Wie hatte er das nur übersehen können? Er, dessen Überleben oft von seiner genauen Beobachtungsgabe abhing? „Was, um Himmels willen, haben Sie diesem Zimmer angetan?“

Als sie aus dem Umkleidezimmer trat, drehte er sich um, um sie zu begutachten. Sie trug ein gelbes T-Shirt, ausgewaschene Jeans, die die Form ihrer Beine betonten, und ein Paar Sandaletten, durch die sie einige Zentimeter größer war. Ihre grünen Augen hatte sie zusammengekniffen, die vollen Lippen aufeinandergepresst, und irgendwie schien sie es geschafft zu haben, das feuchte Durcheinander ihrer Lockenmähne zu bändigen. Als sie ihre Arme vor der Brust verschränkte, fiel sein Blick auf ein breites goldenes Schmuckstück an ihrem Ringfinger.

Zum Teufel.

Margie ließ ihn ebenfalls nicht aus den Augen. Der beunruhigenden Hitze, die plötzlich in ihr aufstieg, während sie ihn ansah, versuchte sie keine Beachtung zu schenken. Misstrauisch sah er sie an, sein Blick starr auf sie gerichtet. Sie spürte, wie angespannt er war. Hunter Cabot war um einiges größer, als sie gedacht hatte. Nicht nur schlank und durchtrainiert. Seine Schultern waren breit, und seine Brust und Arme sahen aus, als würde er die meiste Zeit mit nichts anderem als mit Hanteltraining verbringen. Seine Jeans verrieten, dass selbst seine langen Beine muskulös waren.

Beeindruckend. Und auch ein wenig – nein, ganz schön – Respekt einflößend. Natürlich würde sie sich nicht anmerken lassen, wie nervös er sie machte. Schließlich hatte sie sich nichts zuschulden kommen lassen.

„Und?“ Er sah sie direkt an. Darin war er wirklich gut. „Wer hat Ihnen erlaubt, mein Zimmer mit dem ganzen Mädchen-kram zu verunstalten?“

Für Margie war Angriff schon immer die beste Verteidigung. Gelernt hatte sie das von einem Anwalt, für den sie mal gearbeitet hatte, und bisher hatte es immer ganz gut geklappt.

„Das war Ihr Großvater“, antwortete sie hitzig. „Können Sie sich erinnern? Der einsame ältere Herr, den Sie nie besuchen?“

„Was erlauben Sie sich? Sie haben kein Recht, mir Vorwürfe zu machen.“

„Tatsächlich?“ Sie marschierte direkt auf ihn zu, und jeder ihrer Schritte verriet ihre Wut, die sie sich für Hunter aufgespart hatte, seit sie für seinen Großvater arbeitete. „Hören Sie gut zu, Captain Hunter Cabot. Ich habe sehr wohl das Recht, Ihren Großvater in Schutz zu nehmen, weil ich die Einzige war, die an seinem Bett saß, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte, an dem er fast gestorben wäre.“

Er errötete. Vor Zorn oder Scham?

„Und warum waren ausgerechnet Sie die Einzige?“

Margie seufzte ungeduldig. Eigentlich war es nicht ihre Aufgabe, ihm das zu erklären. Simon hatte ihr versprochen, mit seinem Enkel zu sprechen, bevor er zurückkehren würde. Doch Hunters überraschende Ankunft hatte alles auf den Kopf gestellt.

„Ich bin Simons persönliche Assistentin.“

„Seine Sekretärin?“

„Assistentin“, korrigierte sie ihn. „Ich war hier bei ihm, als er den Infarkt erlitten hat. Wir haben versucht, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen, aber – welch Überraschung – wir konnten Sie nirgends finden.“

„Moment mal …“

„Nein“, fiel sie ihm ins Wort, „Ihre Redezeit ist zu Ende, jetzt bin ich an der Reihe. Sie sind so gut wie nie hier. Sie rufen kaum an. Ihr Großvater vermisst Sie. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, warum …“

„Das geht Sie überhaupt nichts …“

„Ich bin noch nicht fertig“, unterbrach sie ihn. „Sie sind ja so sehr damit beschäftigt, die Welt zu retten, aber wenn Ihr Großvater Ihre Hilfe braucht, weil er fast stirbt, sind Sie nicht da. Sie sollten sich schämen.“

2. KAPITEL

Das hat gesessen! triumphierte Margie insgeheim, als sie sah, wie Hunter sprachlos vor ihr stand. Er mochte die Oberhand gehabt haben, als er sie nackt im Badezimmer überraschte. Aber nun war sie am Zug: Er schuldete ihr eine Erklärung.

Im Zimmer war es plötzlich so still, dass man eine Stecknadel hätten fallen hören können. Sonnenlicht drang durch die offenen Fenstertüren und warf helle Strahlen auf den frühlingsgrünen Teppich. Ein leichter Windhauch strich durch die Vorhänge und trug den Duft von Rosen und Akelei aus dem Garten durchs Fenster. Eigentlich liebte sie dieses Zimmer. Sonst war es hier ruhig und friedlich. Heute war es das allerdings nicht.

„Es gibt nichts, wofür ich mich schämen müsste“, sagte er ruhig. „Ich erledige meinen Job und diene dem Land. Ich bin nicht derjenige, der einen alten Mann ausbeutet.“

„Sie wissen doch gar nicht, was Sie da reden.“ Ihre Stimme verriet deutlich ihre Anspannung

„Sicher“, entgegnete er. „Für mich ist die Sache ziemlich klar. Sie waren seine Sekretärin und haben ihm irgendwie weisgemacht, dass wir verheiratet wären. Wie, das weiß ich nicht. Aber ich werde es herausfinden.“

„Ach so, ich verstehe. Ich stecke mir also einen Ehering an den Finger und sage: ‚Übrigens, ich bin mit Ihrem Enkel verheiratet‘, was Simon mir natürlich aufs Wort glaubt. Halten Sie Ihren Großvater wirklich für so dumm? Scheinbar schon, denn logisches Denken scheint Ihnen nicht zu liegen.“

„Logik?“

„Machen Sie sich nichts draus. Das ist Ihnen wahrscheinlich einfach fremd.“

Eine kleine Ewigkeit verstrich, in der sich beide schweigend ansahen. Margie dachte gar nicht daran, diejenige zu sein, die als Erste wieder sprach. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich schließlich aus.

Er presste die Lippen aufeinander, bis er widerwillig das Schweigen brach. „Wegen Simons Herzinfarkt. … Ich schätze, ich sollte Ihnen … danken, dass Sie in dieser Nacht für ihn da waren.“

„So, schätzen Sie?“

„Ich war auf einem Einsatz, als es passierte“, sprach er weiter, als hätte er ihre Bemerkung überhört. „Vor meiner Rückkehr habe ich nicht gewusst, dass es so dramatisch war. Er hatte das Schlimmste doch schon überstanden. Übrigens habe ich ihn danach sofort angerufen.“

„Wie mitfühlend“, warf sie sarkastisch ein und dachte daran, wie glücklich Simon gewesen war, nachdem er endlich einen Anruf von seinem Enkel bekommen hatte. „So ein Anruf zeugt natürlich von großem Verantwortungsbewusstsein. Selbst danach haben Sie es nicht für nötig befunden herzukommen.“

„Es ging ihm doch wieder gut“, versuchte Hunter sich zu rechtfertigen. „Außerdem musste mein Team sofort ausrücken, und …“

„Oh, mir müssen Sie das nicht erklären. Sie sollten besser mit Simon reden. Übrigens bin ich nicht Ihretwegen bei Simon geblieben, während er krank war.“

„Gut.“

„Gut.“ Es fühlte sich irgendwie … merkwürdig an, endlich mit dem Mann zu reden, mit dem sie seit einem Jahr ganz legal verheiratet war. Hunter Cabot beschäftigte sie schon so lange, dass es ihr ganz unwirklich vorkam, ihm nun gegenüberzustehen.

In der ganzen Zeit, in der sie sich vorgestellt hatte, wie das erste Treffen mit Hunter Cabot wohl werden würde, hätte sie nie damit gerechnet, dass sie beide wie zwei streitende Kampfhähne aufeinander losgehen würden. Aber er hatte schließlich angefangen, als er sie eine Betrügerin nannte. Nein, sie bereute nichts von dem, was sie ihm vorgeworfen hatte.

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