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Nur Sex im Sinn?

1. KAPITEL

“Verdammt, Conan! Es reicht!”

Zack Grange fuhr in seinem Bett hoch. Sein Puls raste und er war erregt. Er hatte gerade geträumt. Es war ein sehr heißer Traum mit einer heißen Lady gewesen. Die Dame hatte kein Gesicht, aber einen fantastischen Körper gehabt. Doch nun hatte ihn das Geschrei einer Frau aufgeweckt. Schlaftrunken schaute er sich um.

Sein Schlafzimmer war abgedunkelt und sah so aus wie immer. Niemand versteckte sich in den Ecken, schon gar nicht die Lady, von der er geträumt hatte. Dabei schien ihre Stimme ganz nah zu sein. Er lauschte und hörte das Lachen eines Mannes, das durch das geöffnete Fenster drang.

Unsicher blickte Zack auf seinen Wecker und stellte fest, dass es gerade erst halb acht war. Viel Schlaf hatte er nicht bekommen, jedenfalls zu wenig, um sich von der anstrengenden Nacht erholen zu können. Es hatte nicht einmal dazu gereicht, seinen erotischen Traum zu Ende zu träumen.

Da ertönte wieder die durchdringende Frauenstimme.

“Das ist nicht lustig, du Trottel! Und das weißt du auch.” Die Frau schien sich keine Gedanken darüber zu machen, dass es Menschen gab, die noch schlafen wollten. “Das machst du nicht noch mal mit mir.”

“Besser, es passiert dir als mir, meine Liebe. Aua! Hey, das tut weh!”

Zack schlug die Decke zurück. Nur mit seinen Boxershorts bekleidet ging er zum Fenster, um nachzuschauen, und bekam in der Morgenluft eine Gänsehaut. Mitte September war es nachts schon recht frisch, aber er hatte es gern kühl beim Schlafen. Er streckte seine verspannten Muskeln, die von dem schweren Heben in der letzten Nacht noch schmerzten, zog die Vorhänge zur Seite und schaute hinaus.

Der Hinterhof, den er sich mit einem anderen Haus teilte, war recht groß und hatte eine Zufahrt zur Straße, sodass er ihn als Parkplatz nutzte.

Neue Nachbarn, dachte Zack genervt, als er bemerkte, dass das Schild “Zu verkaufen” flach auf dem Rasen lag. Überall standen Kartons herum. Im grellen Licht der niedrig stehenden Sonne suchte er nach der Quelle des Lärms.

Als er sie endlich gefunden hatte, konnte er sie nur ungläubig anstarren.

Eine wirre Lockenmähne honigblonden Haars war nachlässig zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Der Oberkörper der Frau wurde von einem riesigen, unförmigen Sweatshirt verhüllt, aber ihre Shorts offenbarten endlose, durchtrainierte Beine. An den Füßen trug sie schmutzige weiße Tennisschuhe. Zack betrachtete die Frau ausgiebig, und so groß wie sie war, brauchte er eine ganze Minute dazu.

Als Mann, der für Frauen viel übrig hatte, fühlte er sich von diesen langen Beinen sehr angezogen, und den erotischen Traum noch im Hinterkopf stellte er sich vor, wie sie sich um ihn schlangen. Er überlegte, wie fest diese Beine ihn wohl halten würden.

Da er aber auch ein kritischer Mann war, fragte er sich, warum ihre Frisur so unordentlich war und warum sie dieses scheußliche Sweatshirt trug.

Als Nachbar war es ihm eine schreckliche Vorstellung, dass sie so rücksichtslos laut war, und das in einer Stimmlage, die fast zu tief für eine Frau war. Das konnte ja noch heiter werden, wenn sie dauerhaft neben ihm wohnte.

“Daddy?”

Zack drehte sich lächelnd um, aber gleichzeitig war er auch zornig. Anscheinend hatte der Lärm seine Tochter ebenfalls aufgeweckt, was bedeutete, dass er jede Hoffnung, wieder ins Bett zurückzukehren, aufgeben konnte. Doch so erschöpft er sich auch fühlte, hielt er ihr dennoch auffordernd eine Hand hin. “Komm her, Liebling. So wie es aussieht, haben wir neue Nachbarn.”

Dani rieb sich verschlafen die Augen und kam zu ihm, wobei sie ihre gelbe Lieblingsdecke hinter sich herzog. Ihre winzigen nackten Füße schauten unter dem Nachthemd hervor. Ihre strubbeligen Haare standen wie ein kleiner Heiligenschein um den Kopf herum. Sie boxte mit ihrer winzigen Faust gegen sein Bein und streckte ihm die Ärmchen entgegen. “Ich will sie auch sehen”, forderte sie mit heller Kinderstimme.

Zack hob sie vorsichtig hoch. Seine Tochter war für ihre vier Jahre noch sehr klein. Zierlich, so wie es auch ihre Mutter war, dachte er, als er sie an seine Brust drückte. Er rieb seine unrasierte Wange an ihrem Haar und gab ihr einen Kuss.

Sie liebte es, so von ihrem Vater gehalten zu werden, und er liebte es, sie so zu halten.

Wie gewöhnlich drückte Dani ihm einen feuchten Gutenmorgenkuss auf die Wange. Huckepack, die Arme um seinen Hals geschlungen, schaute sie dann aus dem Fenster.

Zack wartete gespannt auf ihren Kommentar, denn Dani brachte ihn meistens zum Lachen. Für eine Vierjährige war sie sehr aufgeweckt, gnadenlos ehrlich, und er liebte sie mehr als sein Leben.

Die meisten Kinder ihres Alters stellten unausgesetzt Fragen, aber nicht Dani. Sie gab Kommentare ab. Sie war lediglich an zwei Tagen die Woche in der Vorschule und verbrachte die restliche Zeit fast ausschließlich mit ihm und seinen Freunden. Zack vermutete, dass von dort ihre schon recht erwachsene Ausdrucksweise herrührte.

“Ich kann ihren Po sehen”, bemerkte sie ernst.

Überrascht schaute nun auch Zack wieder aus dem Fenster, und tatsächlich beugte sich die Frau gerade über einen der Kartons, wobei sich ihre kurzen Shorts um den festen Po spannten.

Nett, dachte er und zog interessiert eine Augenbraue hoch. Dani gab ihm einen Schubs, und er erinnerte sich wieder daran, dass diese Frau ihn gerade erst um seinen wohlverdienten Schlaf gebracht hatte. “Warte, bis sie aufrecht steht, Dani.”

Die Frau hob einen großen Karton hoch, doch der Boden gab nach und im nächsten Augenblick fand sie sich auf dem Po wieder.

Auf der Veranda brach jemand in Gelächter aus. “Brauchst du Hilfe?”

Noch ein paar Locken mehr standen ihr wild vom Kopf ab, und als sie antwortete, klang es wie das Fauchen einer Katze. “Hau ab, Conan!”

“Ich dachte, du wolltest, dass ich dir helfe?”

Die Frau kam halb hoch und klopfte sich so heftig den Staub ab, dass eine zierlichere Person bestimmt blaue Flecken davongetragen hätte. “Du hast schon genug getan.”

Zack bemühte sich, einen Blick auf den mysteriösen Conan zu erhaschen, aber dieser ließ sich nicht blicken. War er ihr Mann oder ihr Freund? Und was war Conan überhaupt für ein Name?

Als die Frau sich nun wieder zu ihrer vollen Größe aufrichtete, platzte Dani heraus: “Sie ist ja eine Riesin!”

Zack musste lachen. “Sie ist bestimmt so groß wie ich, nicht wahr, Kleines?”

Seine Tochter nickte, während die Frau mit hastigen Bewegungen den Karton leer räumte. Dani lehnte ihren Kopf an seine Brust und er fragte sich, was seine Tochter wohl als Nächstes von sich geben würde.

Was folgte, traf ihn jedoch so unvorbereitet, dass er sprachlos vor Schreck erstarrte.

Dani beugte sich vor, bildete mit den Händen einen Trichter und rief: “Hallo!”

Ihre Augen mit der Hand gegen die Sonne abschirmend, schaute die Frau sich suchend um. Als sie die beiden entdeckte, verwandelte sich ihre Wut in ein breites Lächeln. Mit heftigen Armbewegungen winkte sie zu ihnen hinüber. “Hallo!”

Zack, der nur in Boxershorts dastand, versteckte sich schnell hinter dem Vorhang. “Dani! Was machst du da?”

Sie rieb ihre winzige Nase an seinem Gesicht. “Ich will nur eine freundliche Nachbarin sein. Wie du es mir immer gesagt hast.”

“Damit meinte ich unsere alten Nachbarn. Wir kennen diese Leute doch noch gar nicht.”

Dani ließ sich auf den Boden absetzen. “Dann lernen wir sie eben jetzt kennen.” Doch bevor sie aus dem Zimmer laufen konnte, hatte Zack sie am Nachthemd festgehalten.

“Nicht so schnell, junge Dame. Erst einmal kommt das Frühstück, dann das Aufräumen und danach das Abwaschen.”

“Später, Dad.”

Er musste bei ihrem Versuch, ihn mit ihrer zuckersüßen Stimme um den Finger zu wickeln, unwillkürlich grinsen. “Jetzt.”

Murrend lief sie zum Fenster zurück. “Ich komme später!”

Die Frau lachte. Es war ein nettes, volles Lachen, das ihm weitaus besser gefiel als ihr Geschrei. “Ich bin bestimmt noch hier.”

Zack fühlte sich ziemlich unbehaglich. Nun, da ihre Nachbarin wusste, dass sie beobachtet wurde, konnte er ihr nicht länger aus dem Weg gehen.

Jetzt kam auch der dazugehörige Mann von der Veranda in den Hof. Seine Erscheinung war eine weitere Überraschung. Das einzige Wort, das ihn angemessen beschreiben konnte, war “massig”. Er war ein wenig kleiner als die Frau und erinnerte an eine Bulldogge – extrem breit gebaut und ein einziger Muskelberg. Er hob einen Arm, der dick wie ein Baumstamm war, und winkte.

“Ich bin Conan Lane, und dieses zeternde Weib heißt Wynnona.”

Zu Zacks Erstaunen versetzte die Frau ihm einen harten Stoß mit dem Ellbogen, sodass er sich vor Schmerz zusammenkrümmte.

“Nennen Sie mich Wynn”, verbesserte sie in einem freundlichen Tonfall.

Dani genoss das Schauspiel sehr.

Zack wusste, dass er seine Zurückhaltung aufgeben musste. “Zack Grange. Und das ist meine Tochter Dani.”

“Schön, euch kennenzulernen”, rief Wynn. “Da wir ja nun alle an diesem herrlichen Morgen wach sind, komme ich gleich mit etwas Kaffee zu Ihnen herüber, damit wir uns etwas besser sehen können”, fügte sie zu Zacks Entsetzen hinzu.

Er wollte dieses Vorhaben gerade diplomatisch abwehren, aber da war sie mit dem gewaltigen Conan auch schon im Haus verschwunden. Also schaute er seine Tochter an, überlegte und meinte dann lächelnd: “Da sollten wir uns besser etwas anziehen.”

Und schon raste sie, ihre gelbe Decke im Schlepptau, aus dem Zimmer.

Zack hockte sich aufs Bett und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Er hatte eine Rasur so dringend nötig wie eine Dusche, und wahrscheinlich waren seine Augen im Moment eher rot als blau. In der Nachtschicht hatte er ohne Pause durchgearbeitet und war bei zwei besonders schweren Unfällen eingesetzt worden, sodass er nun entsprechend hungrig und müde war.

Glücklicherweise hatte er diesen Tag frei, um mit Dani einkaufen gehen zu können. Seine Tochter war ein wilder Racker, was man an dem Zustand ihren Hemden und Hosen unschwer erkennen konnte. Daher brauchte sie dringlich neue Sachen für den Herbst.

Diese aufdringlichen Nachbarn, die ihn aus dem Schlaf gerissen hatten und so laut wie groß waren, kamen ihm äußerst ungelegen.

Trotzdem nahm er sich vor, sich bei ihrem Eintreffen so höflich und zuvorkommend wie möglich zu verhalten, und stand langsam auf.

Keine drei Minuten später klingelte es an der Haustür, und er kam gerade noch dazu, sich Jeans und ein Sweatshirt anzuziehen. Auf dem Flur warf er einen kurzen Blick in Danis Zimmer. Sie war nur mit T-Shirt und Höschen bekleidet.

“Zieh dich bloß warm an, Schätzchen.”

Dani nickte und betrachtete unentschlossen ihre Sachen.

Zack unterdrückte ein Grinsen. “Eine schwierige Wahl, was?”

Seine Tochter dachte so angestrengt nach, dass sie ihm nicht antwortete. An Jeans führte kein Weg vorbei, aber er wollte vermeiden, dass sie ein zerrissenes Sweatshirt anzog. “Wie wär’s mit einem Pullover?”, schlug er deshalb vor.

Dani ließ sich Zeit zu überlegen, denn es war ihr wichtig, ihre Entscheidungen selbst zu treffen. Schließlich nickte sie zustimmend. “Okay. Welchen?”

Zack schaute in der Kommode nach und holte einen weichen, roten Pullover mit bunten Knöpfen heraus. “Der ist doch hübsch.”

Während sie noch überlegte, klingelte es erneut. Sie riss ihm den Pullover aus der Hand. “Dad, schnell! Mach die Tür auf!”

Lachend machte Zack sich auf. Normalerweise interessierte es Dani überhaupt nicht, wie sie angezogen war. Wenn er die Sachen nicht in die Wäsche geben würde, würde sie jeden Tag dasselbe tragen. Aber sobald sie “in Gesellschaft” waren, wie sie das nannte, wurde ihr Kleidung doch wichtig. Nicht, dass sie etwa ein Kleidchen angezogen hätte. Bewahre! Und Sneakers und Stiefel waren die einzigen Schuhe, die sie akzeptierte.

Aber Farben, die waren ihr wichtig. Je mehr, desto besser. Manchmal war ihre Kombination so schrill, dass man davon fast blind wurde.

Zack eilte die Treppe zur Haustür hinab, und obwohl es ihm widerstrebte, schloss er auf. Eigentlich hatte er sich aufs Ausschlafen, ein heißes Bad und ein ausgiebiges Frühstück mit seiner Tochter gefreut.

Jetzt musste er den netten Nachbarn mimen.

Als die Frau ihn sah, gefror ihr Lächeln. “Oh nein! Wir haben Sie aufgeweckt, nicht wahr?”

Er starrte sie nur an. Aus der Nähe wirkte sie noch größer. Sie konnte ihm problemlos in die Augen sehen. Das passierte ihm bei seinen einsdreiundachtzig nicht allzu häufig. Zwar waren seine zwei besten Freunde, Mick und Josh, noch größer als er, Mick sogar einsneunzig, aber das waren schließlich Männer.

Ein Windstoß fuhr durch ihre wilde Lockenmähne, die von einem dunklen Honigblond war und zu den Spitzen hin eine Spur heller wurde – und sich wahrscheinlich jeder erkennbaren Frisur widersetzte. Ihr Gesicht war ein wenig gerötet, entweder vom Kistenschleppen oder von der Sonne. Zack tippte auf Letzteres.

Auf ihrem Gesicht erschien vorsichtig wieder ein Lächeln, während sie ihn mit den ungewöhnlichsten Augen anschaute, die er jemals gesehen hatte. Sie waren von einem sanften Haselnussbraun und wurden von langen dichten Wimpern umrahmt. Für einen kurzen Moment sagte niemand ein Wort, dann grinste sie ihn breit an.

Zack riss sich zusammen. Er hatte sie angestarrt, als ob er noch nie eine Frau gesehen hätte – man hätte fast meinen können, er fände sie anziehend. Was er ganz bestimmt nicht tat.

“Was hat mich verraten?”, brummte er.

“Bitte?” Nun schien sie verwirrt.

“Woher wussten Sie, dass Sie mich aufgeweckt haben?”

“Ach so. Moment … War es vielleicht Ihr zerzaustes Haar? Oder Ihr zerknautschtes Gesicht? Könnte es an den rot geränderten Augen gelegen haben? Haben Sie denn überhaupt geschlafen?”

Mit einer Hand fuhr er durch sein Haar. “Ich habe gestern ziemlich lange arbeiten müssen.” Mehr wollte er von der vergangenen Nacht nicht preisgeben. Dafür trat er einen Schritt beiseite. “Kommen Sie rein.”

Sie schaute sich kurz um. “Conan kommt gleich. Er hat noch ein paar Muffins im Backofen, er ist ein wirklich toller Koch.”

Der gewaltige Conan kochte?

Die Frau hob eine Thermoskanne hoch. “Frischer Kaffee mit Vanillegeschmack. Hoffentlich ist das okay?”

Zack hasste aromatisierten Kaffee. “Das ist mir recht”, sagte er. “Aber es wäre nicht nötig gewesen.”

“Das ist doch das Mindeste, nachdem ich Sie aus dem Bett geschmissen habe.” Sie blieb zögernd in der Tür stehen. “Es tut mir wirklich leid. Aber Sie müssen wissen, dies ist mein erstes Haus ganz für mich allein. Darum bin ich auch so aufgedreht und laut.”

Er hatte diese Ehrlichkeit nicht erwartet, aber sie gefiel ihm. Also rang er sich ein Lächeln ab. “Verstehe.”

Sie machte noch immer keine Anstalten, einzutreten. “Ich will wirklich nicht einfach hereinplatzen. Wenn Sie ein paar Tassen haben, können wir uns ja alle auf die Veranda setzen. Dort können wir uns ein wenig unterhalten, während wir den Kaffee trinken. Es ist so ein schöner Morgen.”

Ausgezeichnet. Draußen würde er sie und ihren Mann auch schneller wieder loswerden. “Gute Idee. Setzen Sie sich doch. Ich hole ein paar Tassen.”

In diesem Moment kam wie ein Wirbelwind Dani angerannt.

“Schön langsam”, wies Zack sie ruhig, aber bestimmt an.

Dani hielt auf der Stelle inne und entschuldigte sich knapp. Dann schaute sie die Frau an. “Hi.”

Ein Lächeln ging über Wynns Gesicht und ihre Augen leuchteten. “Na du.” Sie ließ sich vor dem Mädchen auf die Knie nieder. “Schön, dich richtig kennenzulernen.” Sie reichte Dani ihre Hand, die diese würdevoll ergriff.

Zack betrachtete die beiden voller Interesse.

“Ich wusste gar nicht, dass noch eine Frau in der Nachbarschaft wohnt. Der Makler sagte nur etwas von einem alleinstehenden Mann.”

“Ich heiße Dani. Meine Mutter ist gestorben, darum wohne ich mit Dad allein.”

Normalerweise machte es Zack nichts aus, dass seine Tochter alles aussprach, was ihr in den Sinn kam, aber diesmal fühlte er sich unwohl dabei.

Er blickte auf die Köpfe der beiden weiblichen Wesen vor ihm. Bisher war er immer davon ausgegangen, dass Dani schwieriges Haar hatte, weil sich die babyweichen Strähnen einfach in keine Form bringen ließ. Jetzt musste er sich korrigieren.

“Ich bin sehr froh, dass du meine Nachbarin bist, Dani”, sagte Wynn mit erstaunlich sanfter Stimme. Offenbar war sie so sensibel, zu bemerken, dass seine Tochter ein sehr persönliches Thema angesprochen hatte. Nach einem kurzen Blick zu ihm hoch fügte sie hinzu: “Und über deinen Vater natürlich auch.”

Zack nahm Dani bei der Hand. “Wynn, machen Sie es sich doch bequem, und wir gehen die Becher holen.”

Sie hatte sich wieder aufgerichtet, und automatisch wanderte sein Blick wieder zu ihren langen Beinen. Doch als er merkte, wie ihm heiß wurde, sah er schnell woandershin. Sie war verheiratet, und außerdem wollte er bestimmt nichts mit einer Nachbarin anfangen.

Obwohl sie seinen interessierten Blick bemerkt hatte, lächelte Wynn freundlich und murmelte: “Klingt gut.” Ihre Augen leuchteten warm. Sie setzte sich und gab Zack damit erneut Gelegenheit, ihre wohlgeformten Beine zu bewundern.

Zurück im Haus, musste Zack erst einmal seine Gedanken ordnen. Er ging mit Dani in die Küche und zog sich erst mal Schuhe an. Danach wandte er sich an seine Tochter.

“Was für einen Saft möchtest du?”

“Apfelsaft.” Den Kopf schief gelegt, sah Dani ihn an. “Sie ist aber nicht größer als du.”

“Nein, sie ist ein bisschen kleiner.” Er stellte drei Kaffeebecher auf ein Tablett, dazu ein Glas Apfelsaft und eine Schale Cornflakes mit Milch für Dani. “Sie konnte mir direkt in die Augen sehen, aber da hatte sie Schuhe mit Absätzen an, und ich war barfuß.”

“Ich möchte auch so einen Pferdeschwanz haben wie sie.”

Er musste lächeln. Vielleicht war eine Frau, die gleich nebenan wohnte, nicht das Schlechteste, selbst wenn sie so groß war und eine furchtbare Frisur hatte. Eloise, Danis Babysitter, war zwar eine nette, umsichtige Dame, aber alt genug, um sogar seine Großmutter zu sein. Ganz bestimmt war sie keine Anregung für ein kleines Mädchen.

Zack verbrachte seine Freizeit meistens mit Mick und Josh. Josh wusste zwar alles über erwachsene Frauen, aber so gut wie nichts über vierjährige Mädchen. Nachdem Mick geheiratet hatte, besuchte Dani gelegentlich Delilah, mit der sie viel Spaß hatte, was ihn nur darin bestärkte, dass seine Tochter mehr weibliche Gesellschaft brauchte.

Für Dani wäre es überhaupt das Beste, wenn er wieder heiraten würde. Aber die Suche nach einer neuen Lebensgefährtin gestaltete sich unerwartet schwierig, da er so wenig Zeit hatte, sich nach einer geeigneten Partnerin umzusehen.

Und wenn er einmal Zeit hatte, begegneten ihm keine passenden Frauen. Eine Ehefrau musste häuslich, ordentlich und liebenswert sein, und sie musste sich natürlich mit seiner Tochter verstehen. Das war das Allerwichtigste.

“Ja, das ist wirklich ein toller Pferdeschwanz”, antwortete er auf die Bemerkung seiner Tochter und strich ihr über den Kopf. “Warum bürstest du nicht rasch deine Haare und machst ein Band darum, bevor du wieder zu uns auf die Veranda kommst?”

“Okay.” Dani sprang von ihrem Stuhl und lief aus der Küche. Sie ging nie, wenn sie rennen konnte. Überhaupt ließ sie keine Gelegenheit aus, zu rennen, zu reden und zu lachen. Und sie weigerte sich so lange, ihr Mittagsschläfchen zu machen, bis sie vor Müdigkeit fast umfiel. Ihre Energie und Fantasie verblüfften ihn immer wieder.

Dani war sein Leben.

2. KAPITEL

Als Zack auf die Veranda zurückkehrte, waren Wynn und Conan schon wieder dabei, sich zu streiten. Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte, als Wynn dem Koloss hart gegen die Brust schlug und böse Drohungen ausstieß.

Conan schien nicht darauf zu achten, sondern schnippte unter Triumphgeheul heftig gegen ihr Ohrläppchen.

Zack, der dies alles beobachtete, war sprachlos.

Doch ehe er überhaupt etwas hätte sagen können, fuhr Wynn wie elektrisiert hoch und hielt sich ihr Ohr. “Das hat wehgetan!”

“Das haben deine bösen kleinen Fäuste auch.”

“Du Bulle!” Sie stach ihn mit dem Finger in die Brust. “Du kannst unter diesen steinharten Muskeln unmöglich etwas fühlen.”

Conan rieb über seine Brust und wollte gerade antworten, als er Zack bemerkte. “Du machst dich vor der ganzen Nachbarschaft zum Narren, Wynnona.”

Zack stand da wie angewurzelt und brachte immer noch kein Wort heraus. War das ein Ehekrach? Wenn, dann wollte er keinesfalls hineingezogen werden.

Wynn nahm ihm das Tablett ab. “Achten Sie gar nicht auf Conan. Er ist nur ein Schläger.”

Conan fuhr sich aufgebracht mit einer Hand durch sein glattes, blondes Haar. “Wynnona, ich schwöre, ich werde dich …”

Er griff nach ihr, und, ohne nachzudenken, trat Zack zwischen die beiden. Das Tablett wackelte, aber Wynn hielt es fest.

Zack war sich nicht sicher, ob diese Frau überhaupt seiner Hilfe bedurfte. “Hören Sie, es geht mich ja nichts an, aber …”

Wynn trat hinter ihm hervor und sah Conan herausfordernd an. “Was willst du machen? Das würde ich ja zu gern mal wissen!”

Wieder griff Conan nach ihr, und diesmal hielt Zack ihn fest. “Es reicht!” Er hatte nicht genug geschlafen, die lange Nacht hatte ihn mitgenommen und er hatte keinerlei Lust auf kleinliches Gezänk. Aber er würde es nicht hinnehmen, wenn ein Mann eine Frau angriff, auch wenn es sich dabei um eine Frau handelte, die so groß war und sich wahrscheinlich recht gut selbst verteidigen konnte.

Es wurde plötzlich still. Conan blickte verwundert auf Zacks Hand, mit der er ihn festhielt. Zack hatte große Hände, aber Conans Handgelenk war so kräftig, dass er es kaum umfassen konnte.

Conan sah wieder zu Wynn und meinte halb ungläubig, halb belustigt: “Da haben wir einen Kavalier der alten Schule.”

Wynn setzte das Tablett ab und zwängte sich zwischen die beiden Männer. Sie blickte Zack an, legte ihre Hände auf seine Brust und drückte ihn zurück. Natürlich hätte er sie jederzeit problemlos wegschieben können, aber nun stand sie so nah vor ihm, dass er ihren Atem spüren und die Wärme ihres Körpers fühlen konnte.

In ihrem Blick lag Verwunderung, als könnte sie seine Reaktion ebenso wenig glauben wie Conan, aber ihre Stimme war ruhig. “Danke, aber Conan würde mir niemals etwas antun. Es macht ihm nur Spaß, mich zu ärgern.”

Conan, noch immer in Zacks festem Griff, meinte dazu: “Da hat sie leider recht. Ich möchte sie zwar gelegentlich an die Wand klatschen, aber ich würde sie niemals verletzen.”

Sie an die Wand klatschen? Zack blickte in ihre wunderschönen haselnussbraunen Augen und überlegte, welche seltsamen sexuellen Fantasien sich zwischen ihr und diesem Mann abspielten.

“Wynn ist nicht so radikal. Aber dafür verprügelt sie mich, seit wir in den Windeln lagen”, fuhr Conan in aller Ruhe fort.

“Das stimmt”, unterstützte Wynn ihn. “Conan ist so ein großer Klotz, dass er mir immer erlaubt hat, meine Kräfte an ihm zu erproben.”

Zack, der sich auf einmal sehr dumm vorkam, ließ Conan erst los, als dieser dezent an seine Hand klopfte.

Die zwei waren Geschwister?

“Weil sie so groß ist”, sprach Conan weiter, “sah sie schon immer älter aus, als sie ist. Als sie in der neunten Klasse war, ist sie von Kerlen aus dem College belästigt worden. Sie wusste nicht, wie sie mit diesen Idioten fertig werden sollte, also habe ich mich als ihr persönlicher Punchingball zur Verfügung gestellt. Und das bin ich immer noch.”

Wynn, die mit einer Hand noch immer gegen Zacks Brust drückte, drehte sich lächelnd zu ihrem Bruder um. “Nicht dass er es spüren würde, egal, was er dazu sagt.” Sie sah wieder Zack an. “Er hat so dicke Muskeln, dass er es nicht einmal bemerken würde, wenn ihn eine Dampfwalze überrollen würde.”

Zack atmete tief ein. Er konnte den aromatisierten Kaffee riechen, die Blaubeermuffins, den Geruch des noch taunassen Grases und Wynn. Sie roch anders, nicht süß oder würzig. Von ihr ging eher ein frischer Duft aus, wie eine kühle Brise. Sein Körper reagierte prompt in unmissverständlicher Weise.

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