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Notärztin Andrea Bergen - Folge 1313

Aus den Aufzeichnungen der Notärztin

Eine ganz üble Verleumdungskampagne droht Werners jungen Cousin Jan Simonis zu vernichten! Eine seiner Schülerinnen, die siebzehnjährige Julia Puch, wirft ihm vor, sie während einer mehrtägigen Klassenfahrt vergewaltigt zu haben! Obwohl er diesen Vorwurf aufs Heftigste bestreitet, hat Julias Vater, ein erfolgreicher Anwalt, nun Anzeige gegen Jan erstattet – und Jans Chancen, seine Unschuld zu beweisen, stehen denkbar schlecht! Denn nun haben sich zwei weitere Schülerinnen gemeldet, die Julias Aussage bestätigen! Ich weiß mit hundertprozentiger Sicherheit, dass Jan Opfer eines gemeinen Komplotts geworden ist – doch ich kann es nicht beweisen! Julia Puch hat sich auf übelste Weise an Jan gerächt, als sie erfahren hat, dass er kurz vor der Hochzeit mit seiner geliebten Verlobten Susan steht. Diese Beziehung hat Julia schon zerstört, aber mehr wird ihr nicht gelingen. Denn ich habe einen Plan, auch wenn er gefährlich ist …

Aus den Aufzeichnungen der Notärztin

»Wir haben eine Einladung bekommen«, sagte Hilde Bergen beim Mittagessen. Ausnahmsweise hatte sich die ganze Familie um den Mittagstisch versammelt.

Andrea Bergen hatte diese Woche Spätschicht, ihr Mann Werner hatte in seiner eigenen Kinderarztpraxis pünktlich Mittagspause machen können, und Adoptivtochter Franzi hatte wegen einer Lehrerkonferenz bereits nach der zweiten Stunde freigehabt.

Werner interessierte sich mehr für die dampfende Auflaufform als für die Einladung.

»Was ist das?«, wollte er wissen.

»Ich habe heute ein vegetarisches Rezept ausprobiert.« Hilde grinste.

»Vegetarisch?« Werner war offensichtlich nicht begeistert.

Franzi hingegen schien mit Hildes Kochexperiment voll und ganz einverstanden zu sein.

»Ich finde es eigentlich gut, wenn wir keine Tiere essen.«

»Nie wieder grillen?« Werner schaute seine Adoptivtochter entsetzt an.

»Natürlich werden wir noch grillen«, mischte Hilde sich ein. »Ich habe ja auch nicht vor, euch nur noch vegetarische Gerichte vorzusetzen. Aber so ein bisschen weniger Fleisch kann nicht schaden.«

Andrea interessierte sich inzwischen mehr für die Einladungskarte, die Hilde neben ihren Teller gelegt hatte. Sie griff danach und schlug sie auf.

»Jan heiratet seine Susan!« Sie schaute in die Runde. »Das war ja zu erwarten. Und er lädt uns alle zu seiner Hochzeit ein.«

Werner zeigte eine unzufriedene Miene. »Vegetarisches Essen und jetzt auch noch eine Hochzeit. Müssen wir da hin?«

»Natürlich nehmen wir die Einladung an«, erwiderte Hilde. Jans Mutter war Hildes Cousine gewesen, mit der sie sich bis zu deren Tod immer gut verstanden hatte. »Jan gehört zur Familie!«

»Jan ist ja auch okay.« Während er sprach, nahm Werner sich eine kleine Portion des vegetarischen Auflaufs. »Aber ich kann Susan nicht leiden.«

Hilde seufzte.

»Ich finde die auch doof«, stimmte Franzi ihrem Vater zu.

Werner, der damit beschäftigt war, die Miniportion auf seinem Teller misstrauisch zu beäugen, hob den Kopf und grinste triumphierend, bis Franzi ergänzte: »Aber ich freue mich trotzdem über die Einladung. Ich war schon ewig nicht mehr bei einer Hochzeit dabei.«

Werners Grinsen erlosch. »Warum wartest du nicht einfach bis zu deiner eigenen Hochzeit«, schlug er vor.

»Heiraten? Ich?« Franzi machte ein so komisch entsetztes Gesicht, dass die Erwachsenen lachen mussten. Selbst Dolly, die nicht verstand, worum es ging, bellte begeistert. »Jungs sind doof.« Franzi schüttelte sich leicht.

»Das wird sich ändern.« Werners Stimme klang dumpf bei dieser düsteren Prophezeiung. »In spätestens sechs oder sieben Jahren.«

Andrea lachte auf. »Eigentlich solltest du es besser wissen. Du hast doch ständig mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Das dauert keine zwei Jahre, bis unsere Franzi feststellt, dass es auch ganz nette Jungs gibt.«

Mit zusammengezogenen Augenbrauen, die Stirn in besorgte Falten gelegt, schaute Werner auf seine Adoptivtochter. »Das tust du mir doch nicht an.«

Franzi schüttelte spontan den Kopf, dann begann sie zu lächeln und zuckte mit den Schultern.

»Es gibt da doch einen Jungen, den ich ganz süß finde.«

Werners lautes Aufstöhnen ging in Hildes und Andreas Lachen unter.

***

Jan schaute zum wiederholten Mal auf seine Uhr. Er hatte das Gefühl, dass die Kellner ihm inzwischen mitleidige Blicke zuwarfen. Sie glaubten bestimmt, dass er versetzt worden war. Es wäre nicht das erste Mal …

Er hatte den Satz noch nicht zu Ende gedacht, da meldete sein Handy den Eingang einer SMS.

»Tut mir leid, Schatz, mir ist etwas dazwischengekommen.«

»Wieso wundert mich das gerade nicht?«, schrieb er verärgert zurück. Danach schaltete er sein Handy aus, weil er keine Lust hatte, sich mit Susan per SMS zu unterhalten.

Sie hatte ihm fest versprochen, sich heute Mittag freizunehmen. Dabei musste sie nicht einen Vorgesetzten um Erlaubnis bitten. Sie war ihre eigene Chefin und betrieb eine erfolgreiche Immobilienfirma.

Er brauchte keine Bestätigung per SMS, er wusste auch so, was ihr dazwischengekommen war: ein potenzieller Kunde, der sich für eine der Luxusimmobilien interessierte!

Susan gab sich schon lange nicht mehr mit Wohnungsvermietungen ab. Sie verkaufte gehobene Immobilien und hatte sich einen guten Ruf erworben.

Eigentlich bewunderte Jan seine Freundin, aber im Moment überwog der Ärger.

»Hallo, Herr Simonis!«

Jan wandte den Kopf. Er hatte so intensiv an Susan gedacht, dass er seine beiden Schülerinnen nicht bemerkt hatte. Julia Puch und Valentina Mertens standen neben ihm.

»Hallo«, erwiderte Jan und versuchte, nicht allzu unfreundlich zu klingen.

»So ein Zufall.« Julias Stimme verriet, dass die Begegnung für sie keineswegs überraschend war.

Normalerweise amüsierte ihn die offensichtliche Schwärmerei des Mädchens, aber jetzt ging sie ihm gehörig auf die Nerven.

»Ja, es gibt schon komische Zufälle«, erwiderte er sarkastisch und stand auf. »Das Essen hier ist übrigens ausgezeichnet, und ihr könnt den Tisch gern haben.«

»Gehen Sie schon?« Julias Stimme klang enttäuscht. »Sie haben doch noch nichts gegessen.«

Bildete sie sich wirklich ein, dass er zusammen mit ihr und ihrer Freundin zu Mittag essen würde? Jan lag eine heftige Bemerkung auf der Zunge, aber er sprach sie nicht aus. Die Mädchen konnten nichts für seine schlechte Laune, und Julias sichtliche Betroffenheit rührte ihn doch ein wenig.

»Guten Appetit«, sagte er freundlich und ging zum Tresen, um das Mineralwasser zu bezahlen, das er während des Wartens auf Susan getrunken hatte.

Jan drehte sich nicht mehr nach den beiden Mädchen um, als er das Restaurant verließ. Er dachte nicht einmal mehr an sie, sondern schaltete sein Handy wieder ein.

Susan hatte ihm drei Nachrichten hinterlassen.

»Es tut mir leid, sei bitte nicht sauer!«

Fünf Minuten später war die nächste Nachricht gekommen: »Okay, du bist sauer. Tut mir wirklich leid. Wir holen das Essen nach. Ganz bestimmt!«

Das versprach sie jedes Mal, und eigentlich hätte sie ihn damit auch besänftigt, wenn da nicht die letzte SMS gewesen wäre.

»Ich finde dein Schweigen ziemlich kindisch!«

»Und ich habe keine Lust, mich mit dir ausschließlich per SMS auszutauschen«, schrieb er aufgebracht zurück. Dann schaltete er das Handy erneut aus.

***

»Mist!«, schimpfte Julia leise. Sehnsüchtig schaute sie ihrem Lehrer nach und wünschte sich, dass er sich nur einmal umdrehen und sie ansehen würde. Das wäre die Bestätigung für das, was sie sich schon so lange erhoffte.

Er drehte sich nicht mehr um.

»Vergiss ihn!« Valentina schüttelte den Kopf. »Den kriegst du nie rum.«

Julia warf den Kopf in den Nacken und lachte spöttisch. Sie ließ sich ihre Verunsicherung nicht anmerken. »Ich hab ihn doch längst, und wenn ich alleine gewesen wäre …« Sie brach ab, lächelte vielsagend.

Valentina verzog das Gesicht. »Du wolltest doch unbedingt, dass ich mitkomme.«

»Ja, klar«, beschwichtigte Julia ihre Freundin. »Das sollte ja auch kein Vorwurf sein. Ich wollte damit nur sagen, dass er sich ganz anders verhält, wenn wir alleine sind.« Julia lächelte vielsagend. »Aber in der Öffentlichkeit darf er sich natürlich nichts anmerken lassen.«

Valentinas Miene verriet, dass sie ihrer Freundin kein Wort glaubte.

»Wann bist du denn allein mit ihm?«

Julia machte ein geheimnisvolles Gesicht. »Ich kann dir nicht alles verraten.«

»Ich bin deine Freundin. Du weißt, dass du mir vertrauen kannst.«

Julia betrachtete sie abschätzend. »Irgendwann wirst du das vielleicht beweisen müssen.«

»Das werde ich, darauf kannst du dich verlassen. Aber jetzt sag schon, wann warst du mit ihm allein?«

»Letzte Woche nach dem Sportunterricht. Da habe ich geholfen, ihm die Medizinbälle zurück ins Gerätelager zu bringen, und da waren wir einen Moment allein.« Sie lächelte und schaute mit gespielter Verlegenheit zu Boden.

»Und?«, drängte Valentina. »Was ist passiert?«

»Wir waren uns ganz nahe«, flüsterte Julia. »Ich habe so getan, als würde ich stolpern, und er hat mich aufgefangen.«

»Hat er dich geküsst?«

»Er wollte es!« Julia seufzte tief auf. »Aber ausgerechnet in dem Moment kam die blöde Langhagen. Da hat er mich ganz schnell wieder losgelassen.« Julia kicherte. »Aber ich glaube, die hat trotzdem was gemerkt, so wie die uns angeguckt hat.«

Jedes Wort war gelogen, aber diesmal schien Valentina ihr zu glauben.

»Die hat bestimmt nichts gemerkt.« Valentina schüttelte den Kopf. »Die Langhagen ist Lehrerin. Die würde das sofort melden, wenn sie glaubt, dass der Simonis was mit dir hat.«

Julia nickte mit zusammengezogenen Brauen.

»Wie blöd, dass ausgerechnet die Langhagen mit auf Klassenfahrt geht«, sagte Valentina. »Die passt bestimmt auf wie ein Luchs.«

Julia dachte sekundenlang nach, bevor sie ihr langes, dunkles Haar mit einer Kopfbewegung nach hinten warf.

»Und wenn schon!«, verkündete sie. »Ich werde dafür sorgen, dass ich mit Jan alleine Zeit verbringen kann.«

»Du traust dich was.« Valentinas Stimme klang widerwillig bewundernd und ein kleines bisschen neidisch.

»Möchten die Damen etwas essen?« Der Keller, der sie schon die ganze Zeit von der Theke aus beobachtet hatte, kam näher. »Dann nehmen Sie doch bitte an einem der freien Tische Platz.«

»Mir ist gerade der Appetit vergangen«, sagte Julia frech und verließ mit ihrer Freundin das Restaurant.

***

»Ich liebe dich!«

Jasmin Peters lächelte, als sie den Zettel sah, den Daniel auf den Badezimmerspiegel geklebt hatte. Gleichzeitig spürte sie das heftige Strampeln.

»Schon gut, mein Kleines!« Sie streichelte liebevoll über ihren Bauch, glaubte, eine winzige Faust zu spüren. »Dein Papa ist der netteste Mensch der Welt, aber das wirst du ja auch bald feststellen.«

Noch zwei Monate bis zur Geburt. Jasmin legte jetzt beide Hände auf ihren Bauch. »Ich kann es kaum noch abwarten, dich endlich zu sehen und dich in meinen Armen zu halten. Dein Papa und ich, wir haben uns dich so sehr gewünscht.«

Drei Jahre lang hatte Jasmin versucht, schwanger zu werden. Sie und auch Daniel waren von Arzt zu Arzt gerannt, und hatten immer wieder die gleiche Diagnose erhalten: Es gab keinen medizinischen Grund, der dagegensprach, dass sie schwanger wurde.

Erst als sie alle Hoffnungen aufgegeben und sich gegenseitig immer wieder versichert hatten, dass sie sich über alles liebten und auch ohne Kind glücklich sein würden, da wurde sie plötzlich schwanger.

Trotz aller gegenseitiger Versicherungen vorher – dieses Kind machte ihr Glück erst perfekt.

Jasmin betrachtete ihr Spiegelbild. Sie hatte gehörig zugelegt und gestand sich selbst ein, dass das nicht nur an der Schwangerschaft lag. Ständig hatte sie Appetit auf die merkwürdigsten Kombinationen. Schokolade mit Fleischsalat. Schokoeis mit asiatischer Erdnusssoße. Gummibärchen mit Matjes. Saure Gurken ohne Ende, und jetzt quälte sie der Heißhunger auf ein Schinkenbrot mit Marmelade.

Jasmin ging in die Küche. Schinken hatte sie im Kühlschrank, Orangenmarmelade stand noch auf dem Frühstückstisch.

»Dein Papa würde mich für verrückt erklären«, hielt Jasmin weiter Zwiesprache mit ihrem ungeborenen Baby. »Aber zu Schinken passt nur Erdbeermarmelade.«

Weil der Appetit auf genau diese Kombination unerträglich wurde und sie sowieso noch etwas einkaufen musste, machte Jasmin sich auf den Weg zum nahe gelegenen Supermarkt.

»Ein Spaziergang tut uns beiden gut«, sagte sie zu ihrem Baby.

Wieder spürte sie die Bewegung ihres Kindes. Sie tätschelte ihren Bauch.

»Du hast wohl auch Hunger, mein Schatz. Ein paar Minuten musst du dich noch gedulden. Sobald wir wieder zu Hause sind, bekommst du etwas richtig Gutes.«

***

»Danke, dass sie so schnell da waren«, sagte der Supermarktleiter.

»Das ist unser Job«, erwiderte Daniel Peters. Er und sein Kollege Klaus Wiemers hatten eine Anzeige wegen Ladendiebstahls aufgenommen und konnten jetzt wieder zurück zu ihrem Streifenwagen gehen.

Die beiden Polizisten verabschiedeten sich von dem Marktleiter. Draußen schaute Daniel Peters auf seine Armbanduhr.

»Eigentlich könnte ich jetzt einen Kaffee vertragen.«

»Und dazu ein belegtes Brötchen.« Klaus Wiemers nickte. »Fahren wir zu Kurt?«

Beide waren sich einig, dass Kurt den besten Kaffee der Stadt verkaufte. Die belegten Brötchen waren ebenfalls sehr lecker, und deshalb war die Bäckerei bei den meisten Polizisten beliebt. Zumal sie auch nur wenige Meter vom Präsidium entfernt war.

»Ist das nicht Jasmin da drüben?« Klaus Wiemers wies mit ausgestreckter Hand in Richtung Straße.

Daniel drehte sich um, sah über den Parkplatz ebenfalls zur Straße.

In diesem Augenblick bemerkte Jasmin ihn auch. Sie hob die Hand und winkte …

Daniel sah ihr lachendes Gesicht, die blonden Haare, die immer ein wenig verstrubbelt wirkten. Die andere Hand, mit der sie nicht winkte, lag auf ihrem Babybauch.

Irgendwo auf der Straße röhrte ein Automotor, Reifen quietschen.

Jasmin winkte immer noch, als das Geschoss auf sie zuraste.

Daniel hörte einen lauten Schrei, begriff, dass er es war, der da schrie.

Und dann war es still. So unheimlich still …

***

Sie spürte ihren harten, nervösen Herzschlag, als sie das Elisabeth-Krankenhaus betrat. Ihre erste feste Anstellung als Ärztin.

Vielleicht hätte sie doch die Stelle in München annehmen sollen. Hier war alles so neu und fremd.

Marie Stein atmete tief durch, straffte die Schultern. Genau das habe ich doch gewollt, sagte sie sich selbst. Mich aus dem Schoß der Familie zu befreien und endlich auf eigenen Beinen zu stehen.

Es war nicht so, als hätte Marie bisher nichts in ihrem Leben erreicht. Einser-Abitur, an das sie sofort ihr Medizinstudium anschließen und als Beste abschließen konnte. Danach hatte sie ihr praktisches Jahr absolviert, ebenfalls in der Münchner Uniklinik.

Seit ihrer Studienzeit hatte sie in einer Wohngemeinschaft mit drei Kommilitoninnen gelebt.

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