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Notärztin Andrea Bergen - Folge 1269

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Als Amors Pfeil sein Ziel verfehlte …
  4. Vorschau

Aus den Aufzeichnungen der Notärztin

Solange ich die junge Lisa Hübner kenne, liebt sie es, einsame Herzen zusammenzubringen. Doch der jüngste Liebestraum, den sie ersonnen hat, ist nun zu ihrem schlimmsten Albtraum geworden! Gerade hat sie dafür gesorgt, dass sich ihre beste Freundin Sonja in den gut aussehenden Staatsanwalt Philipp Jäger verliebt. Aber auf der Party, auf der die beiden endgültig zusammenfinden sollten, ist Lisa selbst Philipps Charme erlegen! Ein einziger zärtlicher Moment in Philipps starken Armen hat die Katastrophe ausgelöst …

Als unser Rettungswagen vor Lisas Wohnhaus hält, hat das Unglück schon seinen Lauf genommen: Zutiefst verletzt vom doppelten Verrat, ist Sonja in blinder Hast davongestürzt – und von einem herbeirasenden Auto erfasst worden! Inzwischen kämpfen meine Kollegen auf der Intensivstation verzweifelt um Sonjas junges Leben – und Lisa, die gescheiterte Liebesbotin, macht sich die allerschlimmsten Vorwürfe …

Aus den Aufzeichnungen der Notärztin

Die Augen der Kinder leuchteten vor Begeisterung. Ihren blassen Gesichtern sah man zwar an, dass sie krank waren – alle vier wirkten sie ein wenig mitgenommen –, aber jetzt gerade hatten sie ihre Krankheit vergessen. Mit offenen Mündern und vor Aufregung geröteten Wangen betrachteten sie den Zauberer, der mit großer Geste ein Plüschkaninchen aus einem Hut gezaubert hatte.

Lisa Hübner lächelte. Auch Lilly, die Tochter ihrer Freundin Anke Meier, war unter den Kindern. Vor einigen Tagen war sie wegen einer Blinddarmentzündung ins Elisabeth-Krankenhaus eingeliefert worden. Nun teilte sie sich mit drei weiteren Kindern ein Zimmer auf der Kinderstation des Krankenhauses.

Anke hatte erzählt, dass Lilly sich entsetzlich langweilte, weil sie so viel im Bett liegen musste. Aber der Zauberer, der heute im Krankenhaus seine Tricks vorführte, hatte es offenbar geschafft, ihr die Langeweile zu vertreiben. Als er eine Münze hinter ihrem Ohr hervorzauberte und sie ihr überreichte, jauchzte sie sogar vor Vergnügen.

»Er macht das wirklich gut«, flüsterte Anke, Lillys Mutter, Lisa zu. »Die Stationsärztin hat mir gesagt, er kommt mindestens einmal wöchentlich hierher und muntert die Kinder mit seinen Zaubereien auf. Wenn die Kleinen lachen und Spaß haben, macht ihnen das nicht nur den Krankenhausaufenthalt erträglicher, es ist sogar der Heilung förderlich.«

Lisa nickte. Sie wusste, dass es manchmal Clowns gab, die auf Kinderstationen in Krankenhäusern für gute Stimmung sorgten. Von einem Zauberer hatte sie aber noch nie gehört.

Anke hatte recht, er machte seine Sache toll. Nun ließ er das Stofftier scheinbar schweben und dann in einem Seidentuch verschwinden. Nicht nur die Kinder waren völlig hin und weg, auch die Erwachsenen, Lisa, Sonja und Anke, klatschten begeistert in die Hände.

»So, und nun brauche ich eine Freiwillige«, sagte der Zauberer mit seiner vollen, wohlklingenden Stimme.

»Hier, die Tante Lisa!«, rief Lilly aufgeregt. »Aber nur, wenn sie nicht auseinandergesägt wird.«

»Wie kommst du denn auf so eine Idee?«, rief Anke aus.

»Aus dem Fernsehen! Da hab ich gesehen, wie ein Zauberer eine Frau zersägt hat«, gestand Lilly.

»So, die Tante Lisa soll es also sein.« Der Zauberer führte eine galante Verbeugung aus und streckte Lisa seine Hand einladend entgegen. Seine blauen Augen funkelten amüsiert unter der Krempe des schwarzen Zylinders hervor. »Keine Sorge, hier wird niemand zersägt.«

Sie erwiderte sein Lächeln keck und strich sich die brünetten Locken aus dem Gesicht.

»Oh, keine Sorge: Ich hab keine Angst«, versicherte sie. Ein wenig mulmig wurde es ihr aber doch zumute, als er fragte: »So, Tante Lisa, haben Sie vielleicht einen Geldschein für mich?

In ihrem Portemonnaie befand sich nur noch ein Hunderter, den sie heute Morgen erst am Geldautomaten geholt hatte. Den wollte sie nur ungern aus der Hand geben, aber sie wollte auch den Zaubertrick nicht verderben – nicht, wenn hoffnungsvolle Kinderaugen voller Vorfreude leuchteten.

Sie bedachte den Zauberer mit einem misstrauischen Blick, als sie ihm den Geldschein reichte. Ihre Skepsis schien ihn zu erheitern, seine Augen blitzten vergnügt.

Mit großer Geste zeigte er den Hunderter herum, sodass alle ihn sehen konnten.

»Wie man sieht, ist dieser Geldschein ganz und gar unversehrt«, sagte er.

»Und ich hoffe, das bleibt so«, murmelte Lisa.

Der Zauberer war der Einzige, der es gehört hatte, und musste sich offenbar ein Grinsen verkneifen.

Er holte etwas aus seinem schwarzen Koffer mit Zauberzubehör und zeigte es ebenfalls herum.

»Außerdem habe ich hier einen ganz normalen Kugelschreiber …«

Jeder durfte den Kugelschreiber kurz in die Hand nehmen, um sich zu vergewissern, dass alles mit ihm stimmte.

»Und nun seht, was ich mit Lisas hübschem und kostbarem Schein mache!«, rief der Zauberer.

In einer Hand hielt er den Hunderter, in der anderen den Kugelschreiber – und plötzlich, mit einer raschen Handbewegung, bohrte er den Kugelschreiber durch den Geldschein!

Lisa fiel die Kinnlade herab. Ihr kostbarer letzter Geldschein hing aufgespießt an dem Kugelschreiber, der Zauberer hatte ihn einfach durchbohrt! Völlig perplex starrte sie den Übeltäter an.

»Aber keine Sorge. Ich wäre ja kein echter Zauberer, wenn ich das nicht wieder heil machen könnte«, sagte er geheimnisvoll.

Er murmelte ein paar mysteriös klingende Sprüche, ließ die Finger um den durchbohrten Hundert-Euro-Schein kreisen und zog dann mit einem lauten »Simsalabim!«, den Kugelschreiber aus dem Geldschein.

Diesen zeigte er in die Runde und überreichte ihn Lisa dann mit einer kleinen Verbeugung.

»Bitte schön, da haben Sie Ihren Schatz zurück, wohlbehalten und makellos.«

Alle applaudierten begeistert, die Kinder jauchzten.

Lisa drehte ihren Geldschein skeptisch hin und her – es befand sich tatsächlich kein Loch darin! Wie auch immer der Zauberer den Kugelschreiber hindurchgebohrt hatte – es war offensichtlich vonstattengegangen, ohne das Geld zu beschädigen. Schnell steckte sie ihren Hunderter wieder ein und versteckte ihn sorgsam im Portemonnaie.

Dann konnte aber auch sie sich ein Lächeln nicht verkneifen und klatschte Beifall. Das war ein toller Trick gewesen, auch wenn ihr einen Moment lang das Herz stehen geblieben war!

»Und weil Lisa so eine bezaubernde, hinreißende Assistentin war, wird sie mir bestimmt noch einmal helfen«, kündigte der Zauberer an.

Sie verzog den Mund.

Diesmal konnte er sich das Lachen nicht verkneifen. Seine Zähne funkelten makellos weiß, aber noch mehr funkelten die blitzblauen Augen unter der Krempe des Zylinders.

»Keine Sorge, diesmal machen wir etwas Nettes, um Ihre Nerven nach diesem Schock wieder zu beruhigen.« Seine tiefe, wohlklingende Stimme hatte etwas Beruhigendes an sich, sodass sie bereitwillig nickte.

Er hielt ihr einen Stapel Spielkarten entgegen.

»Das ist ein handelsübliches Set Spielkarten«, erklärte er. »Würden Sie die für mich mischen, dann abheben und sich die aufgedeckte Karte anschauen, ohne Sie mir zu zeigen?«

Sie tat, worum er sie gebeten hatte, und mischte die Karten. Dann schaute sie eine davon an: die Herzdame, ihre Lieblingskarte! Lisa zeigte sie den Kindern und ihren Freundinnen, aber ohne dass der Zauberer sie sah.

»Merken Sie sich gut, welche Karte es war, und denken Sie ganz fest daran«, bat er. Dann mischte auch er die Karten, bis alle davon überzeugt waren, dass Lisas Karte unauffindbar im Stapel verschwunden war.

Er schaute Lisa tief in die Augen, sein Finger blätterte die Karten durch. Plötzlich hielt er inne.

»Ich kann in Ihren Augen lesen, woran Sie denken. War es etwa … die Herzdame?«

Staunend bestätigte Lisa das.

»Er kann Gedanken lesen!«, rief Lilly begeistert.

Etwas benommen nahm Lisa wieder Platz.

»Deine Wangen glühen ja«, feixte Anke. »Es muss aufregend sein, Zauberer-Gehilfin zu sein. Noch dazu, wenn der Zauberer gut aussieht.«

Lisa schnitt eine Grimasse, dann kicherte sie. »Ja, ich glaube, in meinem nächsten Leben werde ich hauptberuflich Zauberer-Gehilfin.«

Gespannt verfolgten sie den Rest der Vorführung, die leider viel zu schnell vorbeiging. Die Kinder seufzten bedauernd, als der Magier sich schließlich verabschiedete.

Kurz darauf schwang jedoch die Tür wieder auf, und ein Arzt kam herein.

»Herr Dr. Bergen!«, rief Anke erfreut. »Lisa, Sonja, das ist Herr Dr. Bergen – er ist Lillys Kinderarzt. Haben Sie denn heute hier im Krankenhaus Dienst?«

Dr. Werner Bergen schüttelte lächelnd den Kopf. »Nein, ich fahre gleich wieder zurück zu meiner Praxis in der Beethovenstraße. Ich habe nur eine Pause genutzt, um meiner Frau schnell etwas vorbeizubringen. Wissen Sie, sie arbeitet hier als Notärztin. Na ja, und bei der Gelegenheit wollte ich noch nach meiner jungen Patientin sehen. Lilly, wie geht es dir denn heute?«

»Geht. Mein Bauch tut nur noch ein bisschen weh. Aber es ist hier so fad!« Lilly zog eine Schnute. »Ich will wieder nach Hause und mit meinen Freundinnen spielen.«

Dr. Bergen nickte. »Ich bin mir sicher, du musst nicht mehr allzu lange hierbleiben. Der Eingriff wurde mit einem sogenannten minimal invasiven Zugang durchgeführt.«

»Ja-ha! So wurde mein Blinddarm rausgemacht«, sagte Lilly halb stolz, halb fasziniert.

»Genau genommen nicht der Blinddarm, sondern der Wurmfortsatz«, erklärte Dr. Bergen.

»Iiih, Wurm!« Das fand Lilly nun gar nicht schön.

Werner Bergen lachte. »Es ist ja kein wirklicher Wurm, das heißt nur so. Du kannst auch Appendix sagen, wenn dir das besser gefällt.«

»Und wenn der sich entzündet, tut das fies weh«, sagte Lilly.

Dr. Bergen nickte. »Schmerzen im rechten Unterbauch sind oft ein Hinweis auf eine Entzündung des Appendix. Deswegen hab ich dich so schnell hierher ins Krankenhaus bringen lassen, als deine Mama dich wegen deiner Bauchschmerzen zu mir gebracht hat.« Er blickte auf seine Armbanduhr. »So, nun muss ich aber dringend zurück in meine Praxis.«

Er verabschiedete sich von den drei Frauen und den kleinen Patienten, dann verließ er den Raum.

»Ein netter Arzt«, meinte Lisa.

Anke nickte. »Ja, bei ihm weiß ich meine Lilly in guten Händen. Er ist nicht nur nett, sondern auch sehr kompetent. Noch dazu ist seine Praxis ganz in unserer Nähe. Sie ist im Wohnhaus der Bergens untergebracht – einer Jugendstilvilla in der Beethovenstraße. Seine Frau habe ich auch einmal getroffen, Dr. Andrea Bergen. Wirklich ein sehr freundliches und herzliches Ehepaar.«

»So, nun aber genug von Ärzten und Operationsmethoden«, befand Lisa energisch. »Sonja und ich sind doch hier, um dich und Lilly von alldem abzulenken. Sonja, sag doch auch mal was, du bist heute so still.«

Sonja Mellau, eine zierliche junge Frau mit sanften moosgrünen Augen, wickelte sich etwas verlegen eine Strähne ihres schulterlangen honigblonden Haares um den Finger.

»Stimmt, tut mir leid. Ich war wohl etwas geistesabwesend.«

Lisa und Sonja brachten Anke auf den neuesten Stand, was Klatsch und Tratsch im Freundeskreis betraf. Dann blätterten sie gemeinsam ein Modemagazin durch und unterhielten sich über ein Buch, das sie alle drei gelesen hatten. Lilly malte so lange emsig eines der mitgebrachten Ausmalbilder aus.

»So, nun will ich euch aber nicht länger aufhalten«, sagte Anke schließlich. »Vielen Dank, dass ihr uns besucht habt – und vielen Dank für den Lesestoff.« Sie klopfte auf den Stapel mit den Modezeitschriften.

Lilly winkte ihnen, als Lisa und Sonja den Raum verließen.

***

»Schön, dass es Lilly schon so viel besser geht«, meinte Lisa, als sie über den Krankenhausflur schlenderten. »Ich hab mir wirklich schon Sorgen gemacht, als Anke angerufen und gesagt hat, dass sie mit der Kleinen ins Krankenhaus fahren muss.«

»Ja …« Sonja nickte. »Es muss schrecklich sein, wenn das eigene Kind krank ist. Da wird man bestimmt selbst ganz krank vor Sorge. Na ja, wir als ledige, kinderlose Single-Damen sind ja weit entfernt von solchen Problemen.«

Lag da etwa ein bedauernder Unterton in ihrer Stimme? Lisa wurde hellhörig und blickte ihre Freundin prüfend von der Seite an.

»Sag einmal, worüber hast du denn eigentlich vorhin die ganze Zeit nachgegrübelt? Du warst ja richtig geistesabwesend.«

Sonja biss sich auf die Unterlippe.

»Oh. Ach, es war nichts Besonderes«, behauptete sie, doch ihre roten Wangen straften sie lügen.

Lisa seufzte. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, was ihrer Freundin im Kopf herumgeisterte – oder besser gesagt: wer.

»Bitte sag, dass du nicht wieder an Ben gedacht hast.«

Statt einer Antwort biss Sonja die Zähne zusammen und beschleunigte ihre Schritte.

»Sonja!« Lisa beeilte sich, um mit ihr Schritt zu halten. »Jetzt warte doch mal! Du weißt, dass ich nur dein Bestes will. Und das Beste ist in dem Fall, dir deinen Exfreund ein für alle Mal aus dem Kopf zu schlagen.«

Sonja seufzte tief. »Ich weiß, ich weiß. Aber vorhin musste ich wieder an ihn denken. Als ich hierher gekommen bin, saß mir im Bus jemand gegenüber, der in einem Gedichtband von Rilke gelesen hat. Und … Ben und ich haben uns doch an der Uni in einem Seminar über Rilke kennengelernt.« Der Blick ihrer moosgrünen Augen wurde sehnsüchtig.

Lisa schüttelte so energisch den Kopf, dass die brünetten Locken flogen.

»Du wirst noch viele Männer kennenlernen, die den gleichen Lieblingsdichter haben wie du«, prophezeite sie. »Und selbst wenn nicht: In einer Beziehung geht es um mehr als bloß um Lieblingsdichter. Zum Beispiel darum, einen humorvollen, starken und lieben Partner zu haben. Jemanden, der mit beiden Beinen fest im Leben steht.«

Ein wenig ärgerte es Lisa ja schon, dass Sonja ihrem Exfreund Ben Freese immer noch so hinterhertrauerte. Immer wieder versuchte sie, ihrer Freundin klarzumachen, dass sie eigentlich viel zu gut für Ben war.

Ja, Ben war ein netter Kerl, aber Sonja konnte einen viel Besseren haben! Doch egal, wie sehr sie sich den Mund fusselig redete, die Freundin hing immer noch an ihm.

Nun zogen sich Sonjas Augenbrauen leicht zusammen.

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