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Nordermoor

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Vorspann
  7. Zitat
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kapitel 6
  14. Kapitel 7
  15. Kapitel 8
  16. Kapitel 9
  17. Kapitel 10
  18. Kapitel 11
  19. Kapitel 12
  20. Kapitel 13
  21. Kapitel 14
  22. Kapitel 15
  23. Kapitel 16
  24. Kapitel 17
  25. Kapitel 18
  26. Kapitel 19
  27. Kapitel 20
  28. Kapitel 21
  29. Kapitel 22
  30. Kapitel 23
  31. Kapitel 24
  32. Kapitel 25
  33. Kapitel 26
  34. Kapitel 27
  35. Kapitel 28
  36. Kapitel 29
  37. Kapitel 30
  38. Kapitel 31
  39. Kapitel 32
  40. Kapitel 33
  41. Kapitel 34
  42. Kapitel 35
  43. Kapitel 36
  44. Kapitel 37
  45. Kapitel 38
  46. Kapitel 39
  47. Kapitel 40
  48. Kapitel 41
  49. Kapitel 42
  50. Kapitel 43
  51. Kapitel 44
  52. Kapitel 45
  53. Nachwort

Über den Autor

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor in Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. NORDERMOOR wurde zum besten Kriminalroman des Nordens 2002 gewählt und mit dem renommierten »Glasnyckel« ausgezeichnet

Arnaldur Indriðason

Nordermoor

Roman

Aus dem Isländischen von
Coletta Bürling

REYKJAVIK 2001

Das Ganze ist ein einziger verdammter Sumpf.

Erlendur Sveinsson, Kriminalbeamter

Kapitel 1

Die Worte waren mit Bleistift auf ein Blatt Papier geschrieben, das auf die Leiche gelegt worden war. Drei Worte, die Erlendur nicht verstand.

Die Leiche war ein Mann, der um die siebzig sein musste. Vor dem Sofa in einem kleinen Wohnzimmer lag er auf der rechten Seite auf dem Boden, bekleidet mit einem blauen Hemd und hellbraunen Cordhosen. Er hatte Pantoffeln an. Das Haar war schütter, fast vollkommen ergraut und rot vom Blut aus einer großen Wunde am Kopf. Auf dem Fußboden neben der Leiche lag ein großer gläserner Aschenbecher mit spitzen Kanten und Ecken. Er war ebenfalls blutbeschmiert. Der Wohnzimmertisch war umgestürzt.

Die Wohnung lag im Souterrain eines zweistöckigen Hauses in Nordermoor. Das Haus war umgeben von einem kleinen Garten, mit einer Steinmauer zu drei Seiten. Die Bäume hatten das Laub abgeworfen, das jetzt so dicht lag, dass man im Garten nirgends ein Fleckchen Erde sah, und sie reckten ihre krüppligen Äste in den dunklen Himmel. Eine Einfahrt mit Schotterbelag führte zu einer Garage. Immer noch fuhren Mitarbeiter der Kriminalpolizei vor. Sie bewegten sich ohne Hast, wirkten in diesem alten Haus geisterhaft. Man wartete auf den Amtsarzt, der den Totenschein ausstellen würde. Der Leichenfund war vor etwa einer Viertelstunde gemeldet worden. Erlendur war einer der Ersten am Tatort, sein Kollege Sigurður Óli musste jeden Moment eintreffen.

Schummriges Oktoberlicht legte sich über die Stadt, und der Herbststurm peitschte den Regen gegen das Haus. Jemand hatte eine Lampe angemacht, die auf einem Tisch im Wohnzimmer stand und eine trübe Helligkeit verbreitete. Ansonsten war am Tatort nichts verändert worden. Die Techniker stellten ein Stativ mit einem starken Neonscheinwerfer auf, um die Wohnung auszuleuchten. Erlendur registrierte einen Bücherschrank und eine zerschlissene Polstergarnitur, einen Esstisch, einen alten Schreibtisch in der Ecke, Teppichboden und auf dem Teppichboden Blut. Aus dem Wohnzimmer gelangte man in die Küche, eine andere Tür führte in den Flur und einen kleinen Korridor, an dem zwei Zimmer und das Badezimmer lagen.

Der Mann aus der oberen Wohnung hatte die Polizei verständigt. Er war an diesem Spätnachmittag nach Hause gekommen, nachdem er seine beiden Söhne aus der Schule abgeholt hatte, und ihm war aufgefallen, dass die Eingangstür zur Wohnung im Souterrain offen stand. Er hatte in die Wohnung des Hausgenossen hineinsehen können und seinen Namen gerufen, er war sich nicht sicher, ob er zu Hause war. Er erhielt keine Antwort. Dann spähte er in die Wohnung hinein, rief wieder den Namen, und wieder kam keine Reaktion. Sie hatten schon einige Jahre in der Wohnung oben gewohnt, kannten aber den alten Mann im Souterrain kaum. Der ältere Sohn, der neun Jahre alt und nicht so zurückhaltend war wie der Vater, lief schnurstracks ins Wohnzimmer. Einen Augenblick später kam der Junge wieder heraus und erklärte, dass da ein Toter in der Wohnung wäre, was er nicht besonders aufregend zu finden schien. – Du guckst dir zu viele Filme an, hatte der Vater gesagt und vorsichtig die Wohnung betreten und den Wohnungsinhaber in einer Blutlache auf dem Boden liegen sehen.

Erlendur kannte den Namen des Toten. Er stand an der Klingel. Um aber ganz sicher zu gehen und sich keine Blöße zu geben, zog er sich dünne Gummihandschuhe an und fischte aus einem Jackett, das im Korridor an einem Haken hing, eine Brieftasche heraus. Auf einer Kreditkarte fand er ein Foto von ihm. Holberg hieß er, neunundsechzig Jahre alt. Gestorben in der eigenen Wohnung. Wahrscheinlich ermordet.

Erlendur ging durch die Wohnung und ging im Kopf die einfachsten Fragen durch. Das war sein Job. Das zu untersuchen, was offenkundig war. Die Leute von der Spurensicherung kümmerten sich um das Verborgene. Er bemerkte keine Anzeichen dafür, dass eingebrochen worden war, weder an den Fenstern noch an der Tür. Auf den ersten Blick hatte es den Anschein, als habe der Mann seinen Angreifer selber in die Wohnung gelassen. Die Mitbewohner des Hauses hatten im Korridor und auf dem Teppichboden im Wohnzimmer Spuren hinterlassen, als sie aus dem Regen hereinkamen, und das hatte der Angreifer vermutlich auch getan. Es sei denn, er hätte sich an der Eingangstür die Schuhe ausgezogen. Erlendur kam es so vor, als habe er es etwas zu eilig gehabt, als dass er es sich hätte erlauben können, die Schuhe auszuziehen. Die Mitarbeiter von der Spurensicherung hatten Staubsauger dabei, um auch die kleinsten Partikelchen und Staubkörnchen aufzusammeln, die möglicherweise irgendwelche Hinweise geben könnten. Sie suchten nach Fingerabdrücken und Dreck von Schuhen, der nicht in dieses Haus gehörte. Sie suchten nach etwas, das von außen kam. Und Vernichtung hinterlassen hatte.

Erlendur konnte nicht sehen, dass der Mann seinen Besucher mit besonderer Gastfreundlichkeit empfangen hätte. Er hatte keinen Kaffee gemacht. Die Kaffeemaschine in der Küche schien in den letzten Stunden nicht benutzt worden zu sein. Es gab auch keine Anzeichen, dass Tee getrunken worden wäre, und im Schrank fehlten keine Tassen. Gläser standen unangerührt an Ort und Stelle. Der Ermordete war ein ordnungsliebender Mensch gewesen. Hier war alles akkurat und aufgeräumt. Vielleicht hatte er den Eindringling nicht gut gekannt. Vielleicht hatte der Besucher ihn ohne Umschweife angegriffen, direkt nachdem ihm die Tür geöffnet wurde. Ohne die Schuhe auszuziehen.

Begeht man auf Socken einen Mord?

Erlendur blickte sich um und dachte bei sich, dass er versuchen sollte, seine Gedanken etwas besser auf die Reihe zu kriegen.

Jedenfalls hatte der Besucher es eilig gehabt. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, die Tür hinter sich zu schließen. Auch der Angriff selbst zeugte von Eile, als sei er urplötzlich und ohne Vorwarnung erfolgt. Es gab keinerlei Anzeichen für einen Kampf. Der Mann schien direkt zu Boden gegangen zu sein, war dabei an den Tisch gestoßen und hatte ihn umgeworfen. Auf den ersten Blick war nichts anderes in der Wohnung angerührt worden. Erlendur konnte nicht feststellen, dass irgendetwas gestohlen worden wäre. Alle Schränke waren sorgfältig verschlossen, die Schubladen ebenso, ein ziemlich neuer Computer und eine alte Stereoanlage waren an ihrem Platz, die Brieftasche des Mannes befand sich in der Jacke am Haken im Flur, mit einem Zweitausendkronenschein und zwei Karten, Scheckkarte und Kreditkarte.

Es hatte den Anschein, als hätte der Angreifer den nächstbesten Gegenstand gepackt und ihn dem Mann an den Kopf geschleudert. Der Aschenbecher war aus dickem, grünlichem Glas und wog nach Einschätzung von Erlendur nicht unter anderthalb Kilo. Eine Mordwaffe für den, der es darauf abgesehen hatte. Der Angreifer hatte ihn wohl kaum mitgebracht, um ihn dann blutbeschmiert auf dem Fußboden liegen zu lassen.

Das waren die offen zu Tage liegenden Indizien: Der Mann hatte die Tür geöffnet und den Besucher hereingebeten oder war zumindest mit ihm ins Wohnzimmer gegangen. Wahrscheinlich hatte er seinen Gast gekannt, aber das musste nicht sein. Er wurde mit dem Aschenbecher attackiert, ein schwerer Hieb, und dann war der Angreifer hinausgeeilt und hatte die Tür hinter sich offen gelassen. Klarer Fall.

Bis auf die Mitteilung.

Sie war auf ein liniertes din-a4-Blatt geschrieben, das aus einem Spiralheft herausgerissen zu sein schien. Der einzige Hinweis darauf, dass das Verbrechen geplant gewesen war; daraus war zu schließen, dass der Besucher eigens zu dem Zweck gekommen war, den Mann zu töten. Der Besucher hatte nicht etwa einen plötzlichen Anfall von Mordlust bekommen, als er im Wohnzimmer stand. Er war mit dem festen Vorsatz, einen Mord zu begehen, in das Haus gekommen. Er hatte eine Nachricht hinterlassen. Drei Worte, auf die sich Erlendur keinen Reim machen konnte. Hatte er diese Worte auf das Blatt geschrieben, bevor er das Haus betrat? Eine weitere relevante Frage, die beantwortet werden wollte. Erlendur ging in die Ecke, wo der Schreibtisch des Mannes stand. Auf dem Schreibtisch lagen ein Haufen Papiere, Rechnungen, Umschläge, Zeitungen. Ganz zuoberst ein Spiralheft. Er suchte nach einem Bleistift, sah aber keinen auf dem Tisch. Er schaute genauer nach und fand einen unter dem Schreibtisch. Er fasste nichts an. Schaute nur und dachte nach.

»Ist das nicht ein typisch isländischer Mord?«, fragte Sigurður Óli, der in die Souterrainwohnung hereingekommen war, ohne dass Erlendur es bemerkt hatte. Er stand neben der Leiche.

»Was?«, fragte Erlendur gedankenverloren.

»Schlampig, sinnlos – und ausgeführt ohne den geringsten Versuch, etwas zu kaschieren, die Tatumstände zu verschleiern oder Beweismaterial zu vernichten.«

»Ja«, sagte Erlendur. »Ein schäbiger isländischer Mord.«

»Es sei denn, er wäre auf den Tisch gefallen und mit dem Kopf auf dem Aschenbecher gelandet«, sagte Sigurður Óli. Elinborg war mit ihm hereingekommen. Erlendur hatte versucht, die Geschäftigkeit der Polizisten, der Spurensicherung und des Krankenwagenpersonals ein wenig zu reduzieren, während er vornübergebeugt mit dem Hut auf dem Kopf durch die Wohnung ging.

»Und hätte im Fallen eine unverständliche Nachricht hinterlassen?«

»Vielleicht hat er sie in der Hand gehabt.«

»Kapierst du diese Nachricht?«

»Vielleicht soll das Gott sein«, sagte Sigurður Óli. »Oder der Mörder, ich weiß es nicht. Die Betonung auf dem letzten Wort ist ganz interessant. ER in Großbuchstaben.«

»Das ist meines Erachtens keine flüchtige Schrift. Das letzte Wort ist in Blockbuchstaben geschrieben, die anderen zwei in Schreibschrift. Der Besucher hat sich offenbar Zeit für seine Schreibarbeiten genommen. Macht aber trotzdem die Tür nicht hinter sich zu. Was bedeutet das? Attackiert den Mann, rennt dann hinaus und hinterlässt unverständlichen Quatsch auf einem Zettel, wobei er das letzte Wort sorgfältig betont.«

»Er muss doch ihn damit gemeint haben«, sagte Sigurður Óli. »Die Leiche, meine ich. Das kann sich auf niemand anderen beziehen.«

»Ich weiß nicht«, sagte Erlendur. »Was hat das für einen Zweck, eine solche Nachricht zu schreiben und bei der Leiche zu hinterlassen? Wer macht so etwas? Was will er damit sagen? Will er uns damit etwas sagen? Spricht der Mörder mit sich selbst? Spricht er mit der Leiche?«

»Ein durchgeknallter Typ«, sagte Elinborg und wollte sich nach dem Blatt bücken. Erlendur hinderte sie daran.

»Vielleicht waren es mehr als einer«, sagte Sigurður Óli. »Die ihn angegriffen haben.«

»Denk an die Handschuhe, meine liebe Elinborg«, sagte Erlendur und redete mit ihr wie mit einem Kind. »Nicht die Beweismaterialien ruinieren. Die Nachricht wurde auf dem Schreibtisch da geschrieben«, fügte er hinzu und deutete in die Ecke. »Das Blatt wurde aus einem Spiralheft herausgerissen, das dem Opfer gehörte.«

»Vielleicht waren es mehr als einer«, wiederholte Sigurður Óli. Er fand, dass er da einen interessanten Punkt berührt hatte.

»Ja, ja«, sagte Erlendur. »Vielleicht.«

»Ziemlich kaltblütig«, sagte Sigurður Óli. »Erst bringst du einen alten Mann um, und dann setzt du dich hin und schreibst einen Zettel. Braucht man dazu nicht Nerven wie Drahtseile? So etwas macht doch nur ein richtiges Scheusal.«

»Oder ein ganz Abgebrühter«, sagte Elinborg.

»Oder einer mit Messiaskomplex«, sagte Erlendur.

Er bückte sich und las die Nachricht auf dem Blatt noch einmal durch.

Ein reichlich ausgeprägter Messiaskomplex, dachte er bei sich.

Kapitel 2

Erlendur kam gegen zehn Uhr abends nach Hause und schob ein Fertiggericht in die Mikrowelle. Er stand vor dem Gerät, schaute zu, wie sich das Gericht hinter der Glasscheibe drehte, und dachte, dass er schon Schlimmeres im Fernsehen gesehen hätte. Draußen heulten Herbststürme voller Nässe und Dunkelheit.

Er dachte an Menschen, die irgendwelche Nachrichten hinterließen und dann von der Bildfläche verschwanden. Was würde er selber auf einen solchen Zettel schreiben? Wem würde er eine Nachricht hinterlassen? Seine Tochter Eva Lind kam ihm in den Sinn. Sie war drogenabhängig und würde wissen wollen, ob er irgendwo Geld hätte. Sie schreckte vor fast nichts mehr zurück. Sein Sohn Sindri Snær hatte gerade seine dritte Entziehungskur hinter sich. Die Nachricht für ihn wäre einfach: nie wieder Hiroshima.

Erlendur lächelte schwach, als die drei Signaltöne der Mikrowelle ertönten.

Nicht dass Erlendur jemals mit dem Gedanken gespielt hätte, sich aus dem Staub zu machen.

Er und Sigurður Óli hatten mit dem Hausbewohner gesprochen, der die Leiche gefunden hatte. Zu dem Zeitpunkt war auch dessen Frau nach Hause gekommen und hatte gesagt, sie würde die Jungen aus dem Haus holen und zu ihrer Mutter bringen. Der Mann hieß Ólafur und erklärte, dass er selbst und seine ganze Familie, seine Frau und die beiden Söhne, jeden Morgen um acht zur Schule beziehungsweise zur Arbeit gingen und frühestens kurz nach vier wieder nach Hause kämen; es war seine Aufgabe, die Jungen von der Schule abzuholen. Sie hatten nichts Ungewöhnliches bemerkt, als sie morgens weggegangen waren. Die Tür zur Wohnung des Mannes war zu gewesen. In der Nacht hatten sie fest geschlafen. Nichts gehört. Sie hatten kaum Verbindung zu dem Mann. Sie kannten ihn eigentlich so gut wie gar nicht, obwohl es schon ein paar Jahre her war, dass sie in die Wohnung über ihm gezogen waren.

Der Gerichtsmediziner würde den Zeitpunkt des Todes ziemlich genau festlegen können, aber Erlendur vermutete, dass der Mord wohl um die Mittagszeit begangen worden war, sozusagen mitten in der Hauptgeschäftszeit. Wer hat heutzutage Zeit für so etwas?, kam es ihm in den Sinn. Die Meldung wurde an die Medien weitergeleitet, die berichteten, dass ein Mann um die siebzig tot in seiner Wohnung in Nordermoor aufgefunden und wahrscheinlich ermordet worden war. Diejenigen, die in den letzten vierundzwanzig Stunden irgendetwas Verdächtiges in oder bei Holbergs Haus bemerkt hatten, wurden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei in Reykjavík in Verbindung zu setzen.

Erlendur war um die fünfzig und seit vielen Jahren geschieden, Vater von zwei Kindern. Er hatte noch nie jemandem verraten, dass er die Namen seiner Kinder nicht ausstehen konnte. Seine ehemalige Frau, mit der er seit mehr als zwei Jahrzehnten kaum gesprochen hatte, hatte die Namen damals so süß gefunden. Die Scheidung war schwierig gewesen, und Erlendur hatte den Kontakt zu seinen Kindern weitgehend verloren, als sie noch klein waren. Sie kamen zu ihm, als sie größer wurden, und er nahm sie liebevoll auf. Er war schockiert darüber, in was sie hineingeraten waren. Ganz besonders das Schicksal von Eva Lind machte ihm zu schaffen. Sindri Snær war etwas besser dran, oder vielleicht auch nicht.

Er nahm das Essen aus der Mikrowelle und setzte sich an den Küchentisch. Seine Zweizimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus war voll gestopft mit Büchern, wo immer sich Platz bot. An den Wänden hingen alte Familienbilder von Verwandten in den Ostfjorden, denn Erlendur stammte von dort. Er besaß keine Fotos von sich selbst oder seinen Kindern. Ein altersschwacher Nordmende-Fernseher stand an der Wand und ein nicht minder altersschwacher Sessel davor. Erlendur hielt die Wohnung mit einem Minimum an Aufwand einigermaßen in Ordnung.

Er wusste nicht ganz genau, was er da aß. Außen auf der buntbedruckten Packung stand etwas von fernöstlichen Delikatessen, aber das Gericht, das sich in einer Art Mehlteig versteckte, schmeckte wie säuerliche Brotsuppe. Erlendur schob das Zeug von sich weg. Er überlegte, ob nicht noch etwas von dem Roggenbrot da war, das er vor einigen Tagen gekauft hatte. Und der Fleischpastete. In dem Moment klingelte es an der Tür. Eva Lind hatte ein »drop-in« beschlossen. Es ging ihm auf die Nerven, wie sie sprach.

»Und alles senkrecht, Alter?«, fragte sie, schlüpfte zur Tür herein und warf sich gleich auf das Sofa im Wohnzimmer.

»Mädchen«, sagte Erlendur und machte die Tür zu. »Red nicht in dieser blöden Sprache mit mir.«

»Ich dachte, du wolltest, dass ich mir Mühe gebe mit der Sprache«, sagte Eva Lind, die nicht wenige Vorträge ihres Vaters über gutes Isländisch über sich hatte ergehen lassen müssen.

»Dann erzähl mir was Vernünftiges.«

Es war schwierig auszumachen, wer sie dieses Mal war. Eva Lind war die beste Schauspielerin, die er kannte, aber das wollte nicht viel besagen, denn er ging nie ins Theater oder ins Kino, und das Fernsehen machte er nur an, wenn ein Dokumentarfilm kam. Eva Linds Theaterstücke waren meistens Familiendramen in ein bis drei Akten, und sie hatten zum Thema, wie man Erlendur am besten Geld abluchsen konnte. Es geschah nicht oft, denn Eva Lind hatte ihre eigenen Methoden, zu Geld zu kommen, über die Erlendur so wenig wie möglich wissen wollte. Aber hin und wieder kam es vor, dass sie keinen »goddamncent« besaß, wie sie sich ausdrückte, und dann kam sie zu ihm.

Manchmal war sie sein kleines Mädchen, kuschelte sich an ihn und schnurrte wie eine Katze. Manchmal war sie am Rande des Abgrunds, hetzte hektisch durch die Wohnung und machte ihm die Hölle heiß mit Vorwürfen, dass er sie und Sindri Snær so jung im Stich gelassen hatte. Außerdem konnte sie obszön und hinterhältig und bösartig sein. Manchmal kam es ihm so vor, als sei sie ganz offen und natürlich, wenn es denn etwas gab, was natürlich genannt werden konnte, und dann schien es Erlendur, als könne er mit ihr wie mit einem normalen Menschen sprechen.

Sie trug schäbige Jeans und eine schwarze Lederjacke, die ihr bis zur Taille reichte, und das Haar war kurz und rabenschwarz. In der rechten Augenbraue klemmten zwei kleine Ringe, und am einen Ohr baumelte ein silbernes Kreuz. Sie hatte schöne weiße Zähne gehabt, die aber jetzt in Mitleidenschaft gezogen waren; im Oberkiefer fehlten zwei. Das sah man, wenn sie ihr breites Lächeln aufsetzte. Sie war spindeldürr und wirkte mit den dunklen Ringen unter den Augen ziemlich mitgenommen. Manchmal glaubte Erlendur, in ihren Zügen seine Mutter wiederzuerkennen. Er verfluchte Eva Linds Schicksal und gab seiner mangelnden Fürsorge die Schuld daran, wie weit es mit ihr gekommen war.

»Ich habe heute mit Mama telefoniert oder sie mit mir. Sie wollte wissen, ob ich mit dir sprechen könnte. Super, wenn die Eltern geschieden sind.«

»Will deine Mutter was von mir?«, fragte Erlendur verblüfft. Seine Ex-Frau hasste ihn auch nach zwanzig Jahren noch. Er war ihr in dieser ganzen Zeit nur ein einziges Mal begegnet, und die Feindseligkeit in ihrem Blick war nicht zu übersehen gewesen. Einmal hatte sie wegen Sindri Snær mit ihm telefoniert, und das war ein Gespräch, das er lieber vergessen wollte.

»Sie ist eine total versnobte Zicke.«

»Red nicht so über deine Mutter.«

»Irgendwelche Bekannten in Garðabær, schweinisch reich, haben am Wochenende ihre Tochter verheiratet, und die ist dann einfach von der Feier verschwunden. Echt peinlich. Das war am Samstag, und seitdem hat sie sich nicht gemeldet. Mama war auf der Hochzeit und ist total schockiert. Ich soll fragen, ob du mal mit den Leuten reden könntest. Sie wollen keine Suchmeldungen in die Zeitungen setzen oder so was, das versnobte Pack, aber sie wissen, dass du bei der Kripo bist und glauben, dass sie so alles unter den Teppich kehren können. Ich, nicht Mama, will, dass du mit den Typen sprichst. Nicht Mama. Verstehst du? Nie!«

»Kennst du die Leute?«

»Auf jeden Fall bin ich nicht zu der Hochzeit eingeladen worden, von der die süße Kleine sich verpisst hat.«

»Und das Mädchen?«

»Ein bisschen.«

»Und wohin ist sie abgehauen?«

»Keine Ahnung.«

Erlendur zuckte die Achseln.

»Ich habe vorhin an dich gedacht«, sagte er.

»Wie rührend«, sagte Eva Lind. »Ich habe gerade überlegt, ob ...«

»Ich habe kein Geld«, sagte Erlendur und setzte sich ihr gegenüber in den Fernsehsessel. »Hast du Hunger?«

Eva Lind wurde kratzbürstig.

»Warum kann ich nie mit dir sprechen, ohne dass du anfängst, von Geld zu reden?«, sagte sie, und Erlendur kam es so vor, als hätte sie ihm einen Satz geklaut.

»Und warum kann ich nie mit dir sprechen, Punkt?«

»Ach, wichs dir doch einen ab.«

»Warum sagst du so was? Was soll das? Wichs dir einen ab. Alles senkrecht, Alter. Was ist denn das für eine Art zu reden?«

»Dschiiises«, stöhnte Eva Lind.

»Wer bist du jetzt? Mit wem rede ich? Und wo bist du selbst in dieser ganzen Drogenscheiße?«

»Fang bloß nicht wieder mit diesem idiotischen Gesülze an. Wer bist du jetzt?«, äffte sie ihn nach. »Wo bist du denn selbst? Ich bin hier. Ich sitze vor dir. Ich bin ich!«

»Eva.«

»Zehntausend!«, sagte sie. »Was ist los? Willst du keine Zehntausend für mich rausrücken? Du hast doch genug von dem Scheißgeld.«

Erlendur schaute seine Tochter an. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr, das hatte er sofort bemerkt, als sie hereinkam. Sie war kurzatmig, und der Schweiß perlte ihr von der Stirn. Sie zappelte auf dem Sitz hin und her, als ginge es ihr nicht gut.

»Fehlt dir was?«

»Mir geht’s prima. Mir fehlt bloß ein bisschen Kleingeld. Pliiis, stell dich nicht so an.«

»Fehlt dir was?«

»Please.«

Erlendur schaute seine Tochter an.

»Versuchst du aufzuhören?«, sagte er.

»Please, zehntausend. Das ist doch überhaupt nichts. Auf jeden Fall nicht für dich. Ich werde auch nie mehr wiederkommen und dich um Geld bitten.«

»Ja, bestimmt. Wie lange ist es her, seit du ...« Erlendur wusste nicht genau, wie er das formulieren sollte. »... dir Stoff reingezogen hast?«

»Spielt doch keine Rolle. Ich habe aufgehört. Habe aufgehört aufzuhören damit aufzuhören aufzuhören damit aufzuhören aufzuhören.« Eva Lind war aufgestanden. »Gib mir die zehntausend. Fünf. Hast du die nicht in der Tasche? Fünf! Das sind doch Peanuts.«

»Warum versuchst du jetzt aufzuhören?«

Eva Lind schaute ihren Vater an.

»Keine idiotischen Fragen. Ich bin nicht dabei aufzuhören. Womit aufhören? Womit soll ich aufhören? Hör du doch endlich mit diesem Blödsinn auf!«

»Was ist eigentlich los? Warum bist du so aggressiv? Bist du krank?«

»Ja, ich bin verdammt krank. Kannst du mir zehntausend leihen? Nur geliehen, ich zahle zurück, oder was? Pfennigfuchser.«

»Pfennigfuchser ist ein schönes Wort«, sagte Erlendur. »Bist du krank, Eva?«

»Warum musst du darauf rumreiten?«, sagte sie und regte sich noch mehr auf.

»Hast du Fieber?«

»Gib mir das Geld. Zweitausend! Das ist doch überhaupt nichts. Warum raffst du das nicht, du Blödmann!«

Er war auch aufgestanden, und sie kam auf ihn zu, als wollte sie ihn attackieren. Diese plötzliche Aggressivität verstand er überhaupt nicht. Er schaute an ihr herunter.

»Was starrst du mich so an?«, schrie sie ihn an. »Du würdest wohl gerne mal? Aha! Der geile alte Papa!«

Erlendur versetzte ihr eine Ohrfeige, aber eine ziemlich schwache.

»Macht’s Spaß?«, fragte sie.

Er ohrfeigte sie wieder, und diesmal fester.

»Steht er dir jetzt?«, sagte sie, und Erlendur zuckte zurück. Noch nie hatte sie so mit ihm geredet. Aus heiterem Himmel hatte sie sich in eine Furie verwandelt. Nie zuvor hatte er sie so erlebt. Er stand ihr ratlos gegenüber, und sein Zorn wich langsam dem Mitleid.

»Warum willst du ausgerechnet jetzt aufhören?«, wiederholte er.

»Ich versuche überhaupt nicht jetzt aufzuhören!«, schrie sie. »Was ist los mit dir, verdammt? Verstehst du nicht, was ich sage? Wer redet von Aufhören?«

»Was ist los, Eva?«

»Hör bloß auf mit diesem ewigen ›Was ist los, Eva‹! Kannst du mir fünftausend Kronen geben oder nicht? Kannst du mir nicht antworten?« Es schien, als hätte sie sich etwas beruhigt. Vielleicht war ihr klar geworden, dass sie zu weit gegangen war. So konnte sie nicht mit ihrem Vater reden.

»Warum ausgerechnet jetzt?«, fragte Erlendur noch einmal.

»Gibst du mir zehntausend, wenn ich’s dir sage?«

»Was ist passiert?«

»Fünftausend.«

Erlendur starrte seine Tochter an.

»Bist du schwanger?«

Eva Lind blickte auf ihren Vater und gab sich mit einem Lächeln geschlagen.

»Bingo.«

»Wieso das denn?«, stöhnte Erlendur.

»Was meinst du damit, wieso das denn. Soll ich dir das vielleicht in allen Einzelheiten beschreiben?«

»Red keinen Unsinn! Du benutzt doch wohl irgendwelche Verhütungsmittel, oder was? Kondome? Die Pille?«

»Keine Ahnung, wie das passiert ist. Ist aber passiert.«

»Und du willst davon weg?«

»Nicht mehr. Das schaffe ich nicht. Jetzt habe ich dir alles gesagt. Alles! Du schuldest mir zehntausend.«

»Damit du dein Kind unter Stoff setzen kannst.«

»Das ist doch kein Kind, du Idiot! Das ist doch eigentlich gar nichts, ein Sandkörnchen. Ich kann nicht auf der Stelle aufhören. Ich höre morgen auf. Versprochen. Nur nicht jetzt. Zweitausend, was ist das schon?«

Erlendur ging wieder auf sie zu.

»Aber du hast es versucht. Du willst davon loskommen. Ich helfe dir.«

»Ich schaffe das nicht!«, schrie Eva Lind. Sie war schweißgebadet und versuchte das Zittern zu verbergen, das ihren ganzen Körper schüttelte.

»Deswegen bist du zu mir gekommen«, sagte Erlendur. »Du hättest zu jemand anderem gehen und dir Geld verschaffen können. Das hast du ja bislang auch so gemacht. Aber zu mir bist du gekommen, weil du willst, dass ...«

»Bloß keine Sentimentalitäten. Ich bin gekommen, weil Mama mich gebeten hat und weil du Geld hast. Aus keinem anderen Grund. Wenn du mir kein Geld gibst, dann komme ich anderweitig ran. Kein Problem. Es gibt genügend Kerle wie dich, die mich dafür auch bezahlen.«

Erlendur ließ sich nicht aus der Fassung bringen.

»Bist du früher schon einmal schwanger gewesen?«

»Nein«, antwortete Eva Lind und wich seinem Blick aus.

»Und wer ist der Vater?«

Eva Lind verschlug es die Sprache, und mit großen Augen schaute sie ihren Vater an.

»Hallo!«, rief sie. »Denkst du vielleicht, dass ich gerade aus der Brautsuite in diesem abgefuckten Hotel Saga komme?«

Und bevor Erlendur überhaupt reagieren konnte, hatte sie ihn zur Seite geschoben und war zur Tür hinausgelaufen, die Treppe hinunter und hinaus auf die Straße, wo sie im kalten Herbstregen verschwand.

Er machte langsam die Tür hinter ihr zu und überlegte, ob er sich richtig verhalten hatte. Anscheinend konnten sie nicht miteinander reden, ohne zu streiten und sich anzubrüllen, und das machte ihn allmählich fertig.

Ihm war der Appetit vergangen, und er setzte sich wieder in den Sessel im Wohnzimmer, starrte nachdenklich vor sich hin und machte sich Sorgen, was Eva Lind jetzt wohl trieb. Nach einiger Zeit griff er dann nach dem offenen Buch auf dem Tisch neben seinem Sessel, in dem er gerade las. Es war ein Buch aus seiner Lieblingsreihe über mörderische Strapazen und Katastrophen in Islands Einöden.

Er fing dort an zu lesen, wo er aufgehört hatte, bei einer Geschichte mit dem Titel »Verhängnis auf Mosfellsheiði«, und bald befand er sich mitten in einem gnadenlosen Schneesturm, wo junge Männer in Eis und Schnee den kalten Tod fanden.

Kapitel 3

Es regnete in Strömen, als Erlendur und Sigurður Óli aus dem Auto sprangen, die Treppen zu einem Mehrfamilienhaus in der Stígahlíð hinaufliefen und auf eine Klingel drückten. Sie hatten überlegt, den Schauer abzuwarten, aber Erlendur hatte keine Lust, im Auto herumzuhängen, und sprintete los, Sigurður Óli hinterher. Im Nu waren sie nass bis auf die Knochen. Der Regen floss Sigurður Óli von den Haaren in den Nacken und den Rücken hinunter, und er schaute Erlendur grimmig an, während sie darauf warteten, dass sich die Tür öffnete.

Die Kriminalbeamten, die mit dem Fall befasst waren, hatten frühmorgens auf einer Besprechung die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert. Eine Theorie bestand darin, dass Holberg ohne jegliches Motiv ermordet worden war und dass der Täter sich zuvor einige Zeit in dem Viertel herumgetrieben hatte, vielleicht sogar einige Tage. Ein Dieb auf der Suche nach Einbruchsmöglichkeiten. Hatte bei Holberg angeklopft, um herauszufinden, ob jemand zu Hause war, und war dann, als der Hausherr zur Tür kam, aus der Fassung geraten. Die Nachricht, die er hinterließ, diente nur dazu, die Polizei in die Irre zu führen, und hatte keine weitere Bedeutung.

Am gleichen Tag, an dem Holberg tot aufgefunden wurde, war eine Meldung über einen jungen Mann in grünem Parka eingegangen, der zwei ältere Frauen überfallen hatte, Zwillingsschwestern. Er war irgendwie in das Treppenhaus gelangt und hatte dann bei ihnen geklopft. Als sie öffneten, drang er in die Wohnung ein, schlug die Tür hinter sich zu und verlangte Geld. Als sie dem nicht nachkamen, schlug er der einen mit der blanken Faust ins Gesicht, die andere stieß er zu Boden und trat nach ihr, bevor er wieder hinausstürzte.

Aus der Gegensprechanlage ertönte eine Stimme, und Sigurður Óli sagte, wer sie waren. Man hörte ein Geräusch in der Tür, dann traten sie in den Hausflur. Er war schlecht beleuchtet und roch, als sei lange nicht geputzt worden. Als sie in den zweiten Stock kamen, stand eine der beiden Damen in der Tür und wartete auf sie.

»Ist er schon geschnappt worden?«, fragte sie.

»Leider nein«, sagte Sigurður Óli und schüttelte den Kopf, »aber wir würden gerne mit euch über ...«

»Haben sie ihn schon geschnappt?«, hörte man eine Stimme aus der Wohnung, und noch ein Exemplar dieser Frau erschien in der Tür. Sie waren um die siebzig, ziemlich korpulent, trugen beide schwarze Röcke und rote Pullover und hatten graue, toupierte Haare. Die runden Gesichter glänzten erwartungsvoll.

»Nein«, sagte Erlendur. »Noch nicht.«

»So ein armer Teufel«, sagte Frau Nummer eins. Sie hieß Fjóla und bat sie hereinzukommen.

»Hab bloß kein Mitleid mit ihm«, sagte Frau Nummer zwei, die Birna hieß und hinter ihnen die Tür zumachte. »Er war ein Ganove, der dir eins übergezogen hat, und er sah widerlich aus. Von wegen armer Teufel.«

Sie nahmen im Wohnzimmer Platz, schauten abwechselnd die Frauen an und dann einander. Die Wohnung war klein. Sigurður Óli bemerkte zwei nebeneinander liegende Schlafzimmer. Aus dem Wohnzimmer blickte man in eine kleine Küche.

»Wir haben eure Aussagen gelesen«, sagte Sigurður Óli, der den Bericht auf dem Weg zu den Schwestern im Auto durchgeblättert hatte. »Es ist die Frage, ob ihr uns weitere Auskünfte über den Mann geben könnt, der euch angegriffen hat.«

»Mann?«, sagte Fjóla. »Das war doch eher ein Junge.«

»Alt genug, um uns anzugreifen«, sagte Birna. »Dazu war er alt genug. Stieß mich zu Boden und trat nach mir.«

»Wir haben kein Geld«, sagte Fjóla.

»Bewahren hier kein Geld auf«, sagte Birna. »Das haben wir ihm gesagt.«

»Aber er hat uns nicht geglaubt.«

»Und hat uns attackiert.«

»Er war sehr erregt.«

»Und ziemlich unflätig. Wie er uns beschimpft hat.«

»In dieser grässlichen grünen Jacke. Richtig militärisch.«

»Und die Stiefel auch, schwarz und schwer, hohe Schnürstiefel bis an die Waden.«

»Er hat aber nichts kaputtgemacht.«

»Nein, ist nur weggerannt.«

»Hat er nichts mitgenommen?«, mischte sich Erlendur ein.

»Er schien irgendwie nicht ganz da zu sein«, sagte Fjóla, die nach Kräften versuchte, ihren Angreifer zu verteidigen. »Er hat nichts kaputtgemacht und nichts mitgenommen. Griff uns nur an, als er erfuhr, dass bei uns kein Geld zu holen war. Der Ärmste.«

»Der stand unter Drogen«, stieß Birna hervor. »Der Ärmste?!« Sie wandte sich ihrer Schwester zu. »Manchmal hast du nicht alle Tassen im Schrank. Er stand unter Drogen. Ich habe ihm das an den Augen angesehen. Starre und glänzende Augen. Und er hat geschwitzt.«

»Geschwitzt?«, fragte Erlendur.

»Es triefte ihm nur so das Gesicht herunter, der Schweiß.«

»Das war der Regen«, sagte Fjóla.

»Nein. Und er hat auch am ganzen Leib gezittert.«

»Der Regen«, wiederholte Fjóla, und Birna sah sie böse an.

»Er hat dir eins über den Kopf gegeben, liebe Fjóla. Das war sicher nett gemeint.«

»Spürst du immer noch, wo er dich getreten hat?«, fragte Fjóla und blickte Erlendur an, und es kam ihm ganz so vor, als tanzten ihre Augen vor Freude.

Es war immer noch früh am Morgen, als Erlendur und Sigurður Óli nach Nordermoor kamen. Holbergs Nachbarn im Parterre und im ersten Stock warteten auf sie. Die Aussagen des Ehepaars mit den zwei Kindern in der Parterrewohnung waren zu Protokoll genommen worden, aber Erlendur wollte lieber noch einmal genauer mit ihnen sprechen. Im ersten Stock wohnte ein Pilot, der erklärte, dass er an dem Tag, als Holberg ermordet wurde, mittags von Boston zurückgekommen sei und sich nachmittags hingelegt habe. Aus diesem Tiefschlaf sei er erst erwacht, als die Polizei bei ihm klopfte.

Sie fingen mit dem Piloten an. Er war um die vierzig, lebte allein, und in der Wohnung sah es aus wie in einem Müllcontainer. Klamotten überall verstreut, zwei Koffer auf einem ziemlich neuen Ledersofa, Plastiktüten aus dem Dutyfree-Laden auf dem Fußboden, Schnapsflaschen auf den Tischen und offene Bierdosen überall, wo man irgendetwas hinstellen konnte. Der Pilot selbst kam unrasiert zur Tür, in kurzen Hosen und Achselhemd. Schaute die beiden an, ging dann ohne ein Wort zu sagen wieder in die Wohnung und warf sich in einen Sessel. Sie blieben vor ihm stehen, denn mehr Sitzplätze gab es nicht. Erlendur schaute sich um und dachte bei sich, dass er sich mit diesem Mann nicht einmal in einen Flugsimulator setzen würde.

Aus irgendwelchen Gründen begann der Pilot über seine Scheidung zu sprechen, die gerade über die Bühne ging und angeblich schon fast kriminell war. Das Weibsstück war fremdgegangen. Er als Pilot immer unterwegs. Kam eines Tages aus Oslo zurück, dieser grässlichen Stadt, fügte er hinzu, und sie wussten nicht, was er grässlicher fand, die Seitensprünge seiner Frau oder die Tatsache, dass er in Oslo übernachten musste. War da mit einem alten Schulkameraden gewesen ...

»Wir sind hier wegen des Mordes, der hier im Souterrain begangen wurde«, unterbrach Erlendur den unartikulierten Bericht des Piloten.

»Seid ihr schon mal in Oslo gewesen?«, fragte der Pilot.

»Nein«, sagte Erlendur. »Wir haben auch nicht vor, über Oslo zu sprechen.«

Der Pilot schaute ihn an und dann Sigurður Óli, und auf einmal schien er sich zu besinnen.

»Ich habe den Mann überhaupt nicht gekannt«, sagte er. »Ich habe diese Bruchbude vor vier Monaten gekauft, und davor hat sie meines Wissens lange Zeit leer gestanden. Habe ihn ein paarmal getroffen, hier direkt vor der Tür. Er schien soweit in Ordnung zu sein.«

»In Ordnung?«, sagte Erlendur.

»Ganz normal, wenn man mit ihm sprach, meine ich.«

»Über was habt ihr gesprochen?«

»Fliegen. Er hat sich sehr fürs Fliegen interessiert.«

»Inwiefern fürs Fliegen interessiert?«

»Die Maschinen«, sagte der Pilot und öffnete eine Bierdose, die er aus der Plastiktüte gefischt hatte. »Die Städte«, sagte er und schlürfte das Bier in sich hinein. »Die Stewardessen«, sagte er und rülpste. »Hat viel nach den Stewardessen gefragt. Ihr wisst schon.«

»Nein«, sagte Erlendur.

»Bei den Stopps. Im Ausland.«

»Ja.«

»Was sich da abspielt, ob sie gut drauf wären. So in der Art. Hatte gehört, dass da richtig was abgeht. Bei internationalen Flügen.«

»Wann hast du ihn zuletzt gesehen?«, fragte Sigurður Óli.

Der Pilot dachte nach. Konnte sich nicht erinnern.

»Es ist schon einige Tage her«, sagte er schließlich.

»Hast du bemerkt, ob er in der letzten Zeit Besuch bekommen hat?«, fragte Erlendur.

»Nein, ich bin nicht viel zu Hause.«

»Hast du vielleicht jemanden hier in der Gegend herumschnüffeln sehen, als würde er nach etwas Ausschau halten oder hier irgendwie ziellos durch die Straßen schleichen?«

»Nein.«

»In einem grünen Militärparka?«

»Nein.«

»Ein junger Mann in Militärstiefeln?«

»Nein. War er es? Wisst ihr, wer es war?«

»Nein«, sagte Erlendur und stieß eine halb volle Bierdose um, als er sich auf dem Weg hinaus umdrehte.

Die Frau wollte mit den Söhnen für einige Tage zu ihrer Mutter und war im Aufbruch. Sie wollte nicht, dass die Jungen in diesem Haus blieben, nach allem, was passiert war. Der Mann nickte zustimmend. Sie waren sichtlich geschockt. Sie hatten die Wohnung vor vier Jahren gekauft, und ihnen gefiel es in Nordermoor. Eine gute Wohngegend. Auch für Kinder. Die Jungen standen an der Seite ihrer Mutter.

»Schrecklich, ihn so aufzufinden«, sagte der Mann, und die Stimme sank zu einem Flüstern hinab. Er blickte auf die Jungen. »Wir haben ihnen gesagt, er hätte geschlafen, fügte er hinzu. Aber ...«

»Wir wissen, dass er tot war«, sagte der ältere Bruder.

»Tot«, sagte der jüngere.

Die Eheleute lächelten verlegen.

»Sie werden schon damit fertig«, sagte die Frau und streichelte dem Älteren die Wange.

»Ich hatte eigentlich nichts gegen Holberg«, sagte der Mann. »Wir haben uns manchmal hier draußen unterhalten. Er hat ja schon lange hier gewohnt, und wir haben über den Garten und die Reparaturen am Haus gesprochen oder sonst was, worüber man halt so unter Nachbarn redet.«

»Aber sonst war da kein Kontakt«, sagte die Frau. »Mir ist das recht so. Ich finde, man sollte sich nicht zu nahe kommen. Es gibt ja schließlich so etwas wie eine Privatsphäre.«

Sie hatten nichts Ungewöhnliches bemerkt und keinen Mann in einem grünen Militärparka sich im Viertel herumtreiben sehen. Die Frau war ungeduldig, sie wollte mit den Jungen endlich weg.

»Kamen viele Leute zu Holberg?«, fragte Sigurður Óli.

»Ich habe nie jemanden bei ihm bemerkt«, antwortete die Frau.

»Er wirkte eher einsam«, sagte ihr Mann.

»Bei ihm drinnen hat es gestunken«, sagte der ältere Sohn.

»Gestunken«, plapperte der jüngere nach.

»Da ist Feuchtigkeit im Keller«, sagte der Mann entschuldigend.

»Sie dringt manchmal bis zu uns nach oben«, sagte die Frau. »Die Feuchtigkeit.«

»Wir haben darüber mit ihm gesprochen«, sagte der Mann.

»Er wollte das abchecken«, sagte sie.

»Das ist zwei Jahre her«, sagte er.

Kapitel 4

Das Ehepaar in Garðabær schaute Erlendur besorgt an. Ihr Töchterlein war verschwunden. Seit drei Tagen hatten sie nichts von ihr gehört. Seit der Hochzeit. Sie erklärten, dass sie von der Hochzeit weggelaufen sei. Das Töchterlein. Erlendur sah im Geiste ein niedliches blond gelocktes Mädchen vor sich, aber dann erfuhr er, dass sie 23 Jahre alt war und an der isländischen Universität Psychologie studierte.

»Von der Hochzeit?«, fragte Erlendur und schaute sich in diesen weitläufigen Gemächern um; das Wohnzimmer war so groß wie eine ganze Etage in seinem Haus.

»Ihrer eigenen Hochzeit!«, sagte der Mann, als verstünde er immer noch nicht, was geschehen war. »Das Mädchen ist von ihrer eigenen Hochzeit weggelaufen!«

Die Frau führte ein zerknittertes Taschentuch zur Nase.

Es war bereits Mittag. Wegen Bauarbeiten an der Ausfallstraße aus Reykjavík hatte Erlendur eine halbe Stunde bis Garðabær gebraucht und die Villa erst nach einigem Suchen gefunden. Sie war von der Straße aus kaum einzusehen, umgeben von einem großen Garten, wo die verschiedensten Bäume sechs Meter hoch in den Himmel ragten. Die Eheleute empfingen ihn offensichtlich in höchster Aufregung.

Erlendur wusste, dass dies Zeitvergeudung war und andere dringendere Dinge auf ihn warteten, aber wo seine Ex-Frau ihn nun schon einmal um einen Gefallen gebeten hatte, wollte er ihn ihr nicht abschlagen, auch wenn sie praktisch zwei Jahrzehnte lang nicht miteinander geredet hatten.

Die Frau trug ein elegantes, blassgrünes Kostüm und er einen schwarzen Anzug. Er erklärte, dass sie sich wegen der Tochter große Sorgen machten, meinte aber, dass sie schon heil wieder nach Hause kommen würde, da sei er ganz sicher. Sie hätten sich aber mit der Polizei kurzschließen wollen. Seiner Meinung nach gab es keinen Grund, gleich Suchtrupps und Rettungsmannschaften einzusetzen oder Suchmeldungen in den Medien durchzugeben.

»Sie ist einfach verschwunden«, sagte die Ehefrau. Die beiden waren im Alter von Erlendur, um die fünfzig, beide Geschäftsleute. Sie importierten Kinderausstattung, und das reichte offensichtlich aus, um auf ziemlich großem Fuß leben zu können. Die Neureichen. Das Alter war sanft mit ihnen umgesprungen. Erlendur hatte zwei nagelneue Autos vor der Doppelgarage bemerkt. Natürlich auf Hochglanz poliert.

Sie holte tief Luft und fing an, die ganze Geschichte bis ins kleinste Detail wiederzugeben. Es war am Samstag gewesen, jetzt war Dienstag, du lieber Himmel, wie schnell die Zeit verging, und es war ein so wunderschöner Tag. Sie wurden von dem Pfarrer getraut, der so beliebt war.

»So was von unmöglich«, sagte der Mann. »Der kam in letzter Sekunde angestürzt, leierte dann irgendwas herunter, und dann war er auch schon wieder weg mit seiner Dokumentenmappe. Begreife nicht, warum er so beliebt ist.«

Die Ehefrau ließ nichts auf die wunderschöne Hochzeit kommen.

»Ein herrlicher Tag! Die Sonne schien, total schönes Herbstwetter, total schön. In der Kirche waren bestimmt hundert Leute. Sie hat so viele Freunde. Ist so beliebt, das Mädchen. Die Feier haben wir hier in Garðabær gehalten. Wie heißt das Lokal noch? Ich vergesse es immer.«

»Garðaholt«, sagte der Ehemann.

»So ein total gemütliches Lokal«, sagte sie. »Voll bis zum Gehtnichtmehr. Das Haus, meine ich. So viele Geschenke. Dann als ... dann als ...«

»Sie sollten gerade den Brauttanz anführen«, fuhr der Mann fort, während die Frau in Tränen ausbrach, »und der junge Spund von einem Bräutigam stand auf der Tanzfläche, und wir riefen nach Dísa Rós, aber sie ließ sich nicht blicken. Wir haben dann nach ihr gesucht, aber sie war wie vom Erdboden verschluckt.«

»Dísa Rós?«, fragte Erlendur.

»Es stellte sich heraus, dass sie den Hochzeitsschlitten genommen hatte ...«

»Den Hochzeitsschlitten?«

»Ja, die Limousine mit den Blumen und Schleifen, in der sie aus der Kirche gekommen waren, die Hochzeitskarosse oder wie man das nennt, und dann war sie sang- und klanglos verschwunden«, sagte der Mann. »Ohne Vorwarnung! Ohne Erklärung!«

»Von der eigenen Hochzeit!«, jammerte die Frau.

»Und ihr wisst nicht, was dahinter steckt?«

»Sie hat es sich ganz bestimmt anders überlegt«, sagte die Frau. »Sie hat das Ganze bereut.«

»Aber warum?«, fragte Erlendur.

»Könnt ihr sie für uns aufspüren?«, fragte der Mann. »Sie hat nichts von sich hören lassen, und wie du siehst, machen wir uns große Sorgen. Das Fest war eine einzige Katastrophe. Die ganze Hochzeit im Eimer. Wir sind völlig ratlos. Und unser kleines Mädchen ist verschwunden.«

»Ähem ... den Hochzeitsschlitten. Hat man den gefunden?«

»In der Garðastræti in Reykjavík«, sagte der Mann.

»Warum dort?«

»Ich weiß es nicht. Sie kennt niemanden dort. Ihre Kleider waren in dem Auto. Ihre richtigen Kleider.«

Erlendur zögerte.

»Ihre richtigen Kleider waren in dem Auto?«, fragte er schließlich und überlegte kurz, auf welchem Niveau dieses Gespräch gelandet war und ob dies vielleicht seine Schuld war.

»Sie hat das Brautkleid ausgezogen und ihre Kleider angezogen, die sie wohl im Auto gehabt hat«, sagte die Frau.

»Glaubst du, dass ihr sie finden werdet?«, fragte der Ehemann. »Wir haben uns mit all ihren Bekannten in Verbindung gesetzt, aber niemand weiß etwas. Wir wissen ganz einfach nicht, was wir noch unternehmen sollen. Ich habe hier ein Bild von ihr.«

Er reichte Erlendur das Abiturbild von einem hübschen jungen Mädchen, das nun also untergetaucht war. Sie lächelte ihn auf dem Foto an.

»Ihr habt keine Ahnung, was geschehen ist?«

»Keine Ahnung«, sagte die Mutter.

»Nicht die geringste«, sagte der Vater.

»Und das sind die Geschenke?« Erlendur schaute auf einen überdimensionalen Esszimmertisch, der mit bunten Päckchen beladen war, hübschen, dekorativen Objekten, Cellophan und Blumen. Er ging zum Tisch hin, und die Eheleute folgten ihm. Er hatte noch nie in seinem Leben eine derartige Anhäufung von Geschenken gesehen und überlegte, was da wohl drin sein würde. Porzellan und noch mehr Porzellan, nahm er an.

Was für ein Leben.

»Und was ist das hier für Grünzeug?«, fragte er und deutete auf ein Arrangement aus Zweigen, das in einer großen Vase am Ende des Tisches stand. An den Zweigen hingen herzförmige rote Zettelchen an einem Band.

»Das nennt sich Message-Tree.«

»Wie bitte?«, fragte Erlendur. Er war nur auf einer einzigen Hochzeit gewesen, und das war lange her. Keine Rede von einem Message-Tree.

»Die Gäste bekommen einen Zettel und können den Brautleuten einen Gruß schreiben, der dann an den Baum gehängt wird. Es hingen schon jede Menge Zettel dran, als Dísa Rós verschwand«, sagte die Frau und führte wieder das Taschentuch zur Nase.

Das Handy von Erlendur klingelte in der Manteltasche. Nachdem er es endlich hervorgekramt hatte, verhedderte es sich in der Taschenöffnung, und statt es vorsichtig herauszuziehen, wie es am einfachsten gewesen wäre, riss Erlendur mit aller Kraft daran, bis die Manteltasche nachgab. Die Hand mit dem Handy schlug gegen den Message-Tree, der prompt zu Boden ging. Erlendur blickte die Eheleute vorwurfsvoll an und drückte auf die Empfangstaste.

»Kommst du mit uns nach Nordermoor?«, fragte Sigurður Óli ohne Umschweife. »Die Wohnung muss genauer inspiziert werden.«

»Bist du im Büro?«, fragte Erlendur. Er war etwas zur Seite getreten.

»Ich warte auf dich«, sagte Sigurður Óli. »Wo zum Kuckuck steckst du eigentlich?«

Erlendur stellte das Handy ab.

»Ich will sehen, was ich tun kann«, sagte er zu den Eheleuten. »Ich glaube nicht, dass irgendeine Gefahr besteht. Das Mädchen hat den Mut verloren und rappelt sich jetzt bei irgendwelchen Freunden wieder hoch. Macht euch nicht zu viele Sorgen. Sie meldet sich früher oder später.«

Die Eheleute beugten sich über die Zettelchen, die auf den Boden gefallen waren, und sammelten sie auf. Er sah, dass sie einige übersehen hatten, die unter einem Stuhl lagen, und bückte sich danach. Sie waren aus rotem Karton. Erlendur las die Botschaften, die darauf standen, und blickte auf die Eheleute

»Habt ihr diesen hier gesehen?«, fragte er und reichte ihnen einen Zettel.

Der Mann las den Zettel und schaute verwundert auf. Er gab seiner Frau den Zettel. Sie las ihn wieder und wieder, schien aber überhaupt nichts zu verstehen. Erlendur streckte seine Hand nach dem Zettel aus und las ihn noch einmal. Die Botschaft war nicht unterzeichnet.

»Ist das die Schrift eurer Tochter?«, fragte er.

»Ich glaube, ja«, sagte die Mutter.

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