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Noch einmal – mit viel Liebe!

Nicola Marsh

Noch einmal – mit viel Liebe!

1. KAPITEL

Brittany Lloyd riss das Lenkrad der gemieteten Geländelimousine herum und unterdrückte ein Fluchen. Fast wäre sie von der staubigen Auffahrt der Mancinis abgekommen.

Ihr eher mäßiger Fahrstil hatte weniger mit dem Zustand der Straße und mit den vielen Erinnerungen zu tun, als mit dem halb nackten Mann, der sich gerade über einen Mähdrescher beugte.

Sie ließ den Blick über den breiten Rücken gleiten, dessen bronzefarbene Haut in der sengenden Sonne von Queensland glänzte. Als der Mann sich aufrichtete und die Hände in seine hinteren Taschen seiner ausgeblichenen Jeans schob, betrachtete Brittany wie ausgehungert seinen Po. Wäre ich doch bloß nicht so lange weggeblieben, dachte sie unwillkürlich.

Die zehn Jahre in London waren eine Vernunftentscheidung gewesen. Doch der Anblick dieses heißen Typen am ersten Tag nach ihrer Rückkehr machte ihr klar, dass es nirgends auf der Welt so tolle Männer gab wie in Jacaranda. Das wusste Brittany aus eigener Erfahrung, denn sie hatte einem davon ihr Herz, ihre Jungfräulichkeit und ihre Treue geschenkt. Ganz schön dumm von mir, dachte sie.

Als sie den Wagen langsam weiterlenkte, drehte sich der Mann um. Und diesmal wäre Brittany fast im Graben gelandet. Der Motor ging aus, während sie, die Hände um das Lenkrad verkrampft, von überwältigender Freude erfüllt wurde. Und so konnte sie nur dasitzen und zusehen, wie er näher kam.

Nick Mancinis Gesicht spiegelte nicht den Hauch einer Gefühlsregung wider, als er sich mit seinen sonnengebräunten, muskulösen Armen in das offene Fenster stützte. „Hallo, Britt. Lange nicht gesehen“, sagte er lässig.

Seine Stimme drückte weder Verbitterung noch Groll aus, aber schließlich hatte sie ja auch die Scherben aufsammeln müssen, als er alles beendet hatte.

Sein scheinbar ungerührtes Verhalten wurde dem, was sie miteinander verbunden hatte, nicht gerecht. Doch obwohl Brittanys Herz wie verrückt schlug, war sie entschlossen, sich ebenso lässig und desinteressiert zu geben.

„Ja, so etwa zehn Jahre.“

Sie wollte, dass er zugab, sie vermisst zu haben, dass er sie fragte, wie es ihr ging – und dass er endlich erklärte, warum er sich damals gegen sie entschieden hatte.

Doch stattdessen zuckte er nur die Schultern, während ihr Blick über seinen Oberkörper glitt, der deutlich muskulöser war als noch zehn Jahre zuvor. Brittany zwang sich, den Blick abzuwenden und sein Gesicht anzusehen.

Als Teenager war Nick ein großspuriger, gut aussehender Rebell gewesen. Großspurig wirkte er noch immer, doch jetzt war er ein atemberaubend attraktiver Mann.

Er verzog seinen sinnlichen Mund zu einem zufriedenen Lächeln. „Was führt dich hierher?“

„Ich bin aus geschäftlichen Gründen in Jacaranda.“

Eigentlich hatte Brittany gehofft, sie würde Nick aus dem Weg gehen und stattdessen alles Geschäftliche mit seinem Vater regeln können. Doch Nicks Leben war schon immer eng mit der Plantage verbunden gewesen. Es war eigentlich klar, dass er hier war und härter arbeitete als sämtliche Angestellten.

„So, so, geschäftliche Gründe also.“

Als er die karamellfarbenen Augen zusammenkniff, wünschte Brittany, er würde aufhören, sie mit diesem intensiven Blick anzusehen. Denn Nick hatte schon immer tief in ihr Inneres blicken können, und das brauchte sie jetzt wirklich nicht.

Konzentrier dich, schärfte sie sich ein. Denk an deine Beförderung!

„Ich möchte dir ein Angebot machen.“

Nick straffte seinen schlanken, über einen Meter achtzig großen, durchtrainierten Körper. Dann schenkte er ihr jenes freche Lächeln, an das Brittany sich noch so gut erinnerte und das sie nach ihrer Ankunft in London monatelang verfolgt hatte. Sie hatte um ihre erste Liebe getrauert. Denn Nick hatte sie abgewiesen, als sie ihn gebeten hatte, mit ihr zu kommen.

„Das glaube ich dir gern, Red“, sagte er und öffnete die Wagentür.

Als Brittany ausstieg, errötete sie heftig und ärgerte sich gleichzeitig über sich selbst, weil ihr all das noch so wichtig war.

„So hat mich schon seit Jahren niemand mehr genannt“, sagte sie leise, insgeheim froh darüber, dass ihr Haar nicht mehr leuchtend rot war wie früher, sondern eher kupferfarben mit blonden Strähnen.

„Wie schade.“

Nick wickelte sich eine ihrer Haarsträhnen um den Finger. „Dann kennen sie dich offenbar nicht so gut wie ich.“

Schnell wich Brittany ihm aus. „Du kennst mich überhaupt nicht.“

Ganz bewusst ignorierte sie das Funkeln in seinen Augen. „Ist dein Vater da? Ich muss mit ihm über diese Angelegenheit sprechen.“

Ein Schatten schien Nicks Augen zu verdunkeln, und er presste den Mund zusammen. „Papà ist gestorben. Diese Nachricht hat es wohl nicht bis nach London geschafft.“

„Das tut mir leid.“ Plötzlich schämte Brittany sich, weil sie sich nicht über die Ereignisse zu Hause auf dem Laufenden gehalten hatte.

„Wirklich?“ Nick wirkte verärgert. Die kleine senkrechte Falte zwischen seinen Augenbrauen ließ ihn plötzlich älter wirken als achtundzwanzig Jahre.

Früher hatte er Brittany nie so aufgebracht und durchdringend angesehen. Einen kurzen Moment lang wünschte sie, sie könne die Zeit zurückdrehen.

„Natürlich tut es mir leid. Jeder hier hat Papà doch geliebt!“

„Da hast du recht.“

Nick strich sich übers Gesicht. „Allerdings wundert es mich, dass dein alter Herr dir nichts erzählt hat. Hier passiert ja nichts, ohne dass alle es mitbekommen.“ Als er den Blick über Brittany gleiten ließ, hätte sie sich fast unwillkürlich das Dolce-und-Gabbana-Kostüm glatt gestrichen. Seine Augen drückten Anerkennung aus, doch ihr entging nicht, dass er leicht den Mund zusammenpresste.

„Trotz deines edlen Outfits weißt du ja sicher noch, wie die Dinge hier laufen.“

Wie er es auch früher immer gemacht hatte, versuchte Nick, sie zu ködern. Doch um keinen Preis wollte Brittany ihm zeigen, wie gut sie sich noch erinnerte.

„Ich war in den letzten zehn Jahren ziemlich beschäftigt. Du wirst sicher verstehen, dass das Schwelgen in Erinnerungen da nicht gerade oberste Priorität hatte.“

„So, du warst also beschäftigt“, wiederholte Nick.

Brittany wollte ihm zeigen, wie weit sie es beruflich geschafft – wie weit sie als Paar hätten kommen können, wenn er sie begleitet hätte. Doch statt sie nach ihrer Arbeit zu fragen, stand Nick einfach nur da wie ein halb nackter Gott. Der Staub, den die trockene Luft auf seiner Haut hinterlassen hatte, verstärkte seinen rauen Charme noch.

Unwillkürlich stellte Brittany sich vor, wie sie die Hände über seinen nackten Oberkörper gleiten ließ. Sie räusperte sich. „Mit meiner leitenden Position bei Londons erfolgreichster Werbeagentur bin ich rund um die Uhr beschäftigt.“

„Was, du hast gar keine Zeit für Spaß und Spiel?“

Als jenes vertraute neckende Lächeln auf Nicks Gesicht erschien, stockte Brittany der Atem. Sie „spielte“ nicht. Zumindest nicht mehr. Das war vorbei, seit sie diese Stadt im Eiltempo verlassen und nie zurückgeblickt hatte. Ihr Job half ihr dabei, alles zu vergessen und bewies, wie weit sie gekommen war. Außerdem verlieh die Arbeit ihr jene ersehnte Unabhängigkeit, für die sie sich bis ganz nach oben gekämpft hatte – und dank derer sie nicht zurückblicken musste.

„Was ich in meiner Freizeit tue, geht dich nichts an. Ich bin aus geschäftlichen Gründen hergekommen.“

„Worum es bei deinem Angebot auch gehen mag, du wirst dich mit mir darüber unterhalten.“

Als Nick sie durchdringend ansah, wurde ihr unbehaglich zumute. „Nur damit du es weißt. Ich bin anders als mein Vater und somit auch kein ganz einfacher Verhandlungspartner“, fügte er hinzu.

Brittany, die mit einem unkomplizierten Gespräch mit Papà Mancini gerechnet hatte, war frustriert und durcheinander. Dabei ließ sie sich eigentlich von nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Bei der Arbeit nannten einige Kollegen sie „die Eisprinzessin“, und das gefiel ihr. Gefühle brachten sie nicht weiter, und Brittany hatte während der harten Arbeit in der großen Stadt gelernt, ihr aufbrausendes Temperament besser zu kontrollieren.

Als sie Nick die Mappe reichte, berührten sich ihre Fingerspitzen. Und trotz der langen Jahre, die sie einander nicht gesehen hatten, machte Brittanys Herz einen heftigen Sprung. Eigentlich sollte sie Nick gegenüber nichts empfinden, ganz besonders nicht den Wunsch, ihm über die bloße Haut zu streichen, um festzustellen, ob sich diese noch genauso gut anfühlte wie früher. Sie atmete tief ein, um sich zu beruhigen, und unterdrückte mit aller Macht ihre unerbetenen Gefühle, die dieser Mann in ihr wachrief.

„Es gibt eine Menge zu besprechen. Ich schlage also vor, wir gehen rein, damit du dir etwas überziehen kannst.“

Diese Worte waren ein Fehler, das wurde Brittany sofort bewusst, als jenes sinnliche, vertraute Lächeln auf Nicks Gesicht erschien, das ihr schon früher jedes Mal den Atem verschlagen hatte.

Nein, sie hätte die Tatsache, dass er halb nackt war, nicht erwähnen sollen. Unwillkürlich glitt ihr Blick über den verführerischen, muskulösen Mann, der nur einen halben Meter vor ihr stand. Seine breiten Schultern, die sonnengebräunte Haut … als es ihr endlich gelang, die Augen abzuwenden, zitterten ihr die Knie.

„Möchtest du wirklich, dass ich mich anziehe?“

Verdammt, er hatte sie ertappt. Ein Gentleman wäre einfach über die Sache hinweggegangen, doch Nick war noch nie ein Gentleman gewesen. Wo immer Jacarandas Antwort auf James Dean auftauchte, fielen junge Frauen vor Verzückung in Ohnmacht, und Väter griffen nach der Schrotflinte. Das war schon so gewesen, als Nick ein junger Teenager war.

„Nick, lass das“, sagte sie.

„Was?“, entgegnete er. „Darf ich etwa nicht die wunderschöne Frau bewundern, die du geworden bist?“

Brittany sah das Begehren in seinen Augen aufflammen und war davon so gebannt, dass sie nichts erwidern konnte.

„Oder darf ich nicht so etwas Verrücktes tun wie das hier?“

Bevor sie reagieren konnte, zog Nick sie in seine Arme und küsste sie. Als Teenager hatten sie sich sanft, suchend und fast schmerzlich liebevoll geküsst. Doch als Nick jetzt den Mund auf ihren presste, war das nicht im Entferntesten sanft oder zärtlich.

Mit Lippen und Zungen liebkosten sie einander wie ausgehungert und so leidenschaftlich, dass Brittany schwindelig wurde. Eigentlich hätte sie Nick wegschieben und das Ganze mit einem Lachen abtun sollen. Doch stattdessen stellte sie sich auf die Zehenspitzen, legte ihm die Arme um den Nacken und schmiegte sich noch enger an ihn.

Nick küsste sie nun sanfter und mit einer Erfahrenheit, die er als junger Mann nicht besessen hatte. Damals, vor zehn Jahren, hatte Brittany all den Gefühlen für ihn nachgegeben, die sich in ihrem Innern aufgestaut hatten. All die schier endlosen Jahre, bis sie achtzehn geworden war, hatte sie ihn angehimmelt, während er sie noch nicht einmal eines Blickes gewürdigt hatte. Dann warf sie sich ihm praktisch an den Hals – und war erstaunt, dass der „Bad Boy“ von Jacaranda ebenfalls Interesse an ihr bekundete. Sie gingen genau ein halbes Jahr miteinander. Dann spitzten sich die Dinge bei ihr zu Hause zu, und sie musste weggehen.

Brittany hatte Nick nicht von den demütigenden Erlebnissen erzählt. Denn er hatte ihretwegen mitkommen sollen, nicht aus falsch verstandenem Mitgefühl heraus. Doch sie hatte ihn nicht überreden können. Die Gefühllosigkeit, mit der sie abgewiesen worden war, hatte ihr das Herz gebrochen.

Warum um alles in der Welt küsste sie ihn dann jetzt so leidenschaftlich?

Als sich endlich Brittanys Vernunft wieder zu Wort meldete, löste Nick den Mund von ihrem und nahm ihre Hände von seinem Nacken. Dabei sah er Brittany an, als hätte sie das Ganze angefangen.

„Erwarte bitte nicht, dass es mir leidtut“, sagte er und strich sich durch das dunkle, wellige Haar.

„Ich erwarte schon seit langer Zeit nichts mehr von dir.“ Brittany gab sich gelassen und zuckte betont ungerührt die Schultern. In Wirklichkeit war sie jedoch sehr aufgewühlt.

Nick hatte sie geküsst … und es hatte ihr gefallen! Die „Eisprinzessin“ war in dem Moment dahingeschmolzen, als seine Lippen ihre berührt hatten.

Nick fluchte leise und wandte sich ab, damit er keinen weiteren Fehler begehen würde, indem er Brittany noch einmal an sich zog.

Sie in den Armen zu halten war noch schöner, als er es in Erinnerung hatte. Und Nick erinnerte sich verdammt gut an alles, was diese Frau betraf. Sie war die einzig Richtige gewesen, und er hatte sie abgewiesen.

Er hatte damals keine andere Wahl gehabt, musste jedoch seitdem jeden Tag an jenes rothaarige Temperamentsbündel denken, das sein Herz so mühelos erobert hatte.

Jetzt war sie wieder hier: so atemberaubend, wie er sie in Erinnerung hatte. Und noch immer fühlte Nick sich unwiderstehlich zu ihr hingezogen. Der Zauber, den sie damals auf ihn ausübte, hatte nicht nur mit ihren blauen Augen, dem Porzellanteint oder dem taillenlangen rötlichen Haar zu tun, über das man einfach streichen musste. Und auch nicht mit ihrem geschmeidigen Körper, dessen Kurven wohl jeden Mann verrückt machen mussten.

Nein, Brittany Lloyds Zauber war nur schwer greifbar. Sie hatte Klasse und Stil, und zwar schon von Geburt an. Nick bemühte sich seit Jahren darum, doch so viel er sich auch in den richtigen Kreisen aufhielt und so erfolgreich er im Geschäftlichen auch war, in dieser Hinsicht würde er es nie mit Brittany aufnehmen.

„Was hat es denn mit deinem geschäftlichen Angebot auf sich?“ Nick wandte sich wieder zu ihr um und bemerkte erstaunt den verletzlichen Ausdruck ihrer Augen. Es war doch nur ein Kuss gewesen, keine große Sache.

„Das steht alles hier drin.“

Sie wies auf die Mappe in seiner Hand und betrachtete diese starr, als handele es sich um eine tickende Bombe.

Als Brittany sah, dass Nick die Mappe nur bedächtig in der Hand wog, hielt sie es nicht länger aus. „Sieh es dir doch einfach an!“

Nick lächelte jungenhaft. „Schön, dass du offenbar noch immer so ein hitziges Temperament hast wie früher.“

Trotzdem hatte sich äußerlich verändert, fiel ihm auf. Er bemerkte die goldfarbenen Strähnen in ihrem nun schulterlangen Haar, den schlanken Körper, der noch mehr Kurven aufwies als eine Rennpiste, das elegante Outfit. Als Teenager war Brittany hübsch gewesen. Jetzt, als erwachsene Frau, sah sie atemberaubend aus.

Selbstbewusst warf sie das glänzende Haar zurück und schenkte ihm ein leicht überhebliches Lächeln, das er nicht von ihr kannte.

„Du bist allerdings der Einzige, bei dem dieses Temperament zum Vorschein kommt. Und jetzt würde ich gern wieder über das Geschäftliche sprechen.“

Nick wurde von Neugier erfasst. Dieses „Angebot“ musste Brittany sehr wichtig sein, wenn sie deshalb extra nach Australien gekommen war. Bevor er mit ihr zu verhandeln begann, wollte er die Situation einschätzen können. Also zog er die Augenbrauen hoch und wies auf seinen nackten Oberkörper. „So mache ich normalerweise keine Geschäfte. Wo wohnst du?“

Amüsiert sah er, wie sie errötete und den Blick ein paar Sekunden zu lang auf seiner Brust ruhen ließ. „Im FantaSea in Noosa.“

Das wird ja immer besser, dachte Nick erfreut.

„Aber du musst nicht extra ganz dorthin fahren“, fuhr Brittany fort. „Wir können uns auch hier …“

„Ich wollte sowieso noch in die Stadt, wenn ich hier fertig bin. Wie wäre es, wenn wir uns gegen fünf im Hotel treffen und uns bei einem Drink unterhalten?“

„Das ist wirklich nicht nötig …“

„Oh doch.“

Als er sich näher zu ihr beugte, sah er, wie ihre Pupillen sich weiteten und sie sich mit der Zungenspitze über die Unterlippe strich. Nick wurde von heftigem Verlangen erfüllt und merkte, wie sehr er Brittany noch immer wollte. Vielleicht sollte er es hinter sich bringen und ihr jetzt die Wahrheit sagen. Andererseits – wo blieb da der Spaß?

„Gib mir ein bisschen Zeit, mich frisch zu machen und mir dein Angebot anzusehen. Dann können wir nachher in Ruhe bei einem Shirley Temple darüber sprechen.“

Brittany wirkte nicht sonderlich begeistert angesichts der Tatsache, dass er ihren früheren Lieblingsdrink erwähnte. „Hier geht es um eine geschäftliche Angelegenheit und nicht um die guten alten Zeiten“, erwiderte sie und presste die Lippen zusammen.

Er betrachtete ihren vollen, sinnlichen Mund und ließ dann wieder den Blick zu ihren Augen gleiten – die deutlich ihre Erregung zeigten.

„Um eine geschäftliche Angelegenheit geht es also“, sagte er. „Verstehe …“

Zu seiner Überraschung lachte Brittany. „Du hast dich wirklich überhaupt nicht verändert – immer noch der alte Charmeur!“

Du weißt ja gar nicht, wie sehr du dich täuschst, dachte Nick. Aber spätestens heute Abend würde sie das feststellen.

„Wie lange bist du hier?“

„Bis die Sache abgeschlossen ist.“

Brittany wirkte wieder kühl. Nick ließ den Blick über die Zuckerrohrfelder gleiten, die er so liebte und die so sehr Teil seiner italienischen Abstammung waren. Was Brittany wohl sagen würde, wenn sie herausfand, was für Geschäfte er heute machte? Sicher wäre sie beeindruckt, doch andererseits musste er zugeben, dass weder sein Beruf noch seine Herkunft für sie jemals eine Rolle gespielt hatten.

Sie waren schon lange befreundet gewesen, bevor aus ihnen ein Paar geworden war. Brittany und er waren sogar mit demselben Schulbus gefahren: er zur öffentlichen Highschool und sie zu einer Privatschule.

Zuerst gab Brittany sich Mühe, ihn zu ignorieren. Doch Nick reizte sie ständig, indem er ununterbrochen spöttische Bemerkungen über alles machte – von ihren glänzenden Schuhen bis hin zu ihren langen roten Zöpfen. Und als ihr hitziges Temperament sie schließlich veranlasst hatte, mit ihrem Rad seins zu rammen – da war ihre Freundschaft ein für alle Mal besiegelt gewesen.

Brittany, dem reichsten Mädchen der Gegend, hatte es nichts ausgemacht, sich mit einem italienischen Jungen einzulassen, der auf einer Farm wohnte und aus eher einfachen Verhältnissen stammte. Doch nicht alle Menschen waren so unvoreingenommen gewesen. Nick hatte das Geflüster und die Bemerkungen gehört, die besagten, dass Brittany irgendwann doch einen Mann heiraten würde, der besser zu ihr passte.

Und er hatte zugelassen, dass diese Bemerkungen alles vergifteten. Aus diesem Grund hatte er die Beziehung beendet, bevor alles außer Kontrolle geriet. Doch er hatte das Gefühl nie vergessen, mit Brittany zusammen zu sein. Ihretwegen hatte er ein besserer Mensch werden wollen.

Aber all das war Vergangenheit, und ihm wurde klar, dass es nicht gerade klug gewesen war, Brittany zu küssen. So etwas sah Nick auch gar nicht ähnlich. Er hätte es nicht in seiner Branche an die Spitze geschafft, wenn er impulsiv handeln würde, statt jede Entscheidung sorgsam abzuwägen.

„Du solltest besser losfahren. Wir sehen uns dann später“, sagte er.

„Ist gut.“

Nick hielt Brittany die Tür auf und sah zu, wie sie in den Wagen stieg und sich anschnallte. Von einem unwiderstehlichen Impuls erfasst, beugte er sich durch das offene Fenster. „Red?“

„Ja?“

Jungenhaft lächelnd kniff er ihr sanft in die Nase, wie er es früher immer getan hatte. „Du küsst noch besser, als ich es in Erinnerung habe.“

Bevor Brittany antworten konnte, richtete er sich auf und lachte leise, als ihre wunderschönen Augen aufgebracht funkelten. Dann drehte er sich um und schlenderte zum Haus.

2. KAPITEL

Brittany presste ihre Hände auf die erhitzten Wangen, als Nick davonschlenderte.

Dieser Mann war einfach zu gefährlich. Innerhalb von zehn Minuten hatte er sie völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Und dann hatte sie sich auch noch von ihm küssen lassen …

Fassungslos über sich selbst schlug Brittany mit dem Kopf gegen das Steuerrad. Sicherheitshalber tat sie es sogar noch ein zweites Mal. Denn sie hatte nicht nur zugelassen, dass Nick sie küsste – sie hatte seinen Kuss auch noch erwidert! Und zwar wie eine Frau, die schon seit langer Zeit nicht mehr geküsst worden war.

Und das stimmte ja auch. Denn sie war so auf die frei werdende Stelle als Geschäftsführerin fixiert gewesen, dass sie seit Ewigkeiten keine Verabredung mehr gehabt hatte. Aber das war keine Entschuldigung dafür, wie sie förmlich dahingeschmolzen war, als Nick den Mund auf ihren gepresst hatte.

„Von wegen Eisprinzessin“, sagte Brittany leise, löste die Handbremse und trat so heftig aufs Gaspedal, dass der Schotter auf der Auffahrt in alle Richtungen flog.

Als sie im Rückspiegel sah, wie Nick ihr mit einem äußerst selbstzufriedenen Grinsen nachblickte, unterdrückte sie ein Fluchen und fuhr zum Highway.

Einerseits war sie froh, dass er ein Treffen im Hotel vorgeschlagen hatte, denn in der eleganten Bar des FantaSea würde sie auf ein Zusammentreffen besser vorbereitet sein als in dem gemütlichen Haus auf der Farm, an dem so viele Erinnerungen hingen.

Es waren wunderschöne, innige Erinnerungen. Brittany wusste noch, wie sie und Nick an dem selbst gebauten hölzernen Esstisch gesessen hatten. Sie hatten Stücke von einem dampfend warmen Ciabatta abgebrochen, in Olivenöl und Balsamico getunkt und sich dann gegenseitig die Finger abgeleckt …

Sie erinnerte sich daran, dass sie und Nick auf dem alten mit Chintz bezogenen Sofa gesessen, alte „Dick und Doof“-Filme gesehen und sich kringelig gelacht hatten. Manchmal hatten sie auch im Wohnzimmer die Couchtische und schweren Sessel beiseite geschoben, damit sie eng umschlungen zum sentimentalen Gesang ihres Lieblingscountrysängers tanzen konnten.

Diese Erinnerungen waren noch immer so frisch und so schmerzlich, dass Brittany Tränen in die Augen traten. Doch sie gab sich einen Ruck und blinzelte. Ich darf nur noch nach vorne schauen und nicht zurück, dachte sie.

Denn davon hing ihre Zukunft als Geschäftsführerin von Sell ab.

Und um fünf Uhr würde sie Nick Mancini mit seinem atemberaubenden Lächeln und den unwiderstehlichen Grübchen klar machen, mit was für einer Geschäftsfrau er es zu tun hatte.

Brittany nippte an ihrem Maracujasaft und sah sich in der Bar des FantaSea um.

Sie hatte schon oft in tollen Hotels auf der ganzen Welt gewohnt, aber dieses hier war wirklich etwas Besonderes. Von den Sandsteinfliesen im Eingangsbereich bis zu den blendend weiß gekalkten Außenwänden, von den eleganten Springbrunnen bis zu den schirmförmigen Flammenbäumen mit den tiefroten Blüten lud es den Reisenden zum Verweilen ein. Brittany hätte nichts dagegen gehabt, für immer in ihrem wunderschönen Zimmer mit dem riesigen Bett, der edlen Bettwäsche, der geräumigen Dusche, dem Whirlpool und der in der Umgebung produzierten Lavendelkosmetik zu bleiben.

Aber bei dieser Reise ging es nicht um Vergnügen. Brittany musste eine Vereinbarung mit Nick treffen.

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