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Nichts als Ärger mit der Liebe

EMMA CHASE

Nichts als Ärger mit der Liebe

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Heide Franck

Zu diesem Buch

Eigentlich war Kate Brooks schon immer der festen Überzeugung, dass Happy Ends nur etwas für verträumte Weicheier sind. Gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten und bis ans Ende aller Tage glücklich miteinander sein? Das gibt es doch nur im Märchen! Doch inzwischen sind zwei Jahre vergangen, seit Drew Evans in ihr Leben platzte und mit einer Charme-Offensive ihr Herz eroberte. Obwohl Kates Verstand damals schrill und laut Alarm schlug (man sollte sich einfach nicht in einen Mann verlieben, der die Frauen häufiger wechselt als seine Zahnbürste!), war sie vom ersten Moment an machtlos gegen die Gefühle, die Drew in ihr weckte. Und auch heute sind die beiden noch so glücklich wie am ersten Tag. Drew treibt Kate regelmäßig zur Weißglut – daran hat sich nichts geändert. Aber er trägt sie auch auf Händen (wenn sie ihn lässt) und gibt ihr das Gefühl, endlich einmal abenteuerlustig und unverfroren sein zu dürfen. Doch dann erhält Kate eine Nachricht, die alles verändert. Sie muss sich die Frage stellen, ob Drew für den nächsten Schritt in ihrer Beziehung wirklich bereit ist. Und sie muss einsehen, dass die Antwort ihr Herz in Stücke reißen könnte …

Sein Herz zu verlieren ist leicht;
viel schwerer ist es, sich die Liebe zu bewahre
n.

Gewidmet all jenen, die sich ihre Liebe
bewahrt haben.

Prolog

Frauen wandern auf einem schmalen Grat.

Prüde.

Nuttig.

Zickig.

Unterwürfig.

Sich der Außenwelt gegenüber zu definieren ist ein ständiger Balanceakt. Es kostet Kraft. Aber für manche Frauen gibt es eine gelegentliche Auszeit, einen Vorwand, um mal ganz ehrlich ihre Meinung sagen zu können, um großzügig vergeben zu dürfen – selbst wider besseres Wissen – und um all ihre kleinen versauten Fantasien auszuleben – ohne gesellschaftlich geächtet zu werden:

Alkohol.

Er gibt einem den Mut zu Verbalerotik und die Erlaubnis, mit dem Barkeeper nach Hause zu gehen.

Er ist das Alibi, der Deckmantel.

Eigentlich waren das nämlich gar nicht Sie – Sie waren schließlich von Captain Morgan und den Zombies besessen.

Leider vertrage ich sehr viel Alkohol.

Das ist ein schweres Schicksal.

In all unseren gemeinsamen Jahren hat Billy es nie geschafft, mich unter den Tisch zu trinken. Nicht ein einziges Mal. Vielleicht weil ich ziemlich jung anfing mit dem Alkohol. Vielleicht kam ich auch einfach so auf die Welt.

So oder so, es dauert ziemlich lange, bis ich einen Schwips habe, und noch länger, bis ich besoffen bin.

Deswegen bin ich irgendwann auf Gras umgestiegen. Das ist viel effizienter.

Jep, Sie haben richtig verstanden: Kate Brooks – eine Harzerin vor dem Herrn. Ich und Grateful Dead, wir hätten allerbeste Freunde sein können. Auf einem Haschtrip kam mir auch die Traute zu dem Tattoo.

Doch diese Zeiten sind leider vorbei. Als ich mit dem Wirtschaftsstudium anfing, wurde mir klar, dass das Risiko, mit einer genehmigungspflichtigen Substanz in der Tasche erwischt zu werden, einfach nicht tragbar ist.

Daher konsumiere ich inzwischen ausschließlich legale Drogen, in erster Linie Wein.

Drew und ich trinken jeden Abend ein Gläschen, einfach zum Abschalten. Und einmal die Woche haben wir eine Art Date – einen besonderen Abend zu zweit, an dem wir gemeinsam kochen. Drew steht total auf Fajitas. Wir trinken etwas, reden und trinken weiter.

Heute Abend haben wir ein bisschen mehr gepichelt als üblich. Sturzbesoffen bin ich zwar nicht, aber schon etwas wackelig auf den Beinen. Gelöst. Genau wie meine Hemmungen.

Habe ich Ihre Aufmerksamkeit? Hervorragend.

Machen Sie lieber ein Fenster auf, meine Damen und Herren – hier drin wird’s gleich heiß.

Wir sind im Bett.

Ich liege auf dem Rücken, und Drew befindet sich zwischen meinen Beinen.

Na ja – zumindest mit dem Gesicht.

»Ich liebe deine Muschi.«

Ich stöhne, und er unterstreicht seine Worte mit Taten. Er ist ein großer Verfechter von Taten, feuchten, hingebungsvollen Taten.

»Hier unten könnte ich glatt einziehen.«

Er legt an Tempo zu, und schneller, als mir »Gib’s mir mit der Peitsche« über die Lippen kommt, kralle ich mich in seinem Haar fest und schreie seinen Namen.

Wenige Augenblicke später erscheint Drew stolz grinsend neben mir. Meine Glieder sind träge vom Wein – und vom Orgasmus natürlich. Ein angenehmer Nebel umgibt mich, ein Dunst von Benommenheit, durch den alles wirkt wie im Traum.

Und dann küssen wir uns. Hitze jagt durch meinen Körper wie ein elektrischer Strom und holt mich wieder auf die Erde zurück, lässt mich spüren, wie real das hier ist.

Ich reiße den Mund von seinem und flüstere, vom Alkohol beflügelt: »Drew … Drew, ich will was ausprobieren.«

Das lässt ihn aufhorchen. »Was willst du denn ausprobieren?« Seine Zunge gleitet über meine Brustwarzen.

Lächelnd beiße ich mir auf die Lippen. »Was Neues.«

Er hebt den Kopf und schaut mich mit hinreißend schweren Lidern an. »Neu ist immer gut.«

Kichernd schubse ich ihn von mir, stehe auf, mache mich auf den Weg zur Kommode – und stoße unterwegs gegen den Nachttisch.

»Hoppla.«

Ich ziehe die oberste Schublade auf und hole zwei Handschellen hervor. Die hat Delores zu ihrem nachträglichen Junggesellinnenabschied bekommen, aber sie hatte schon welche.

Fragen Sie bloß nicht nach.

Ich lasse eine Handschelle um meinen Finger kreisen. Mein aufreizender Gang zurück zum Bett nimmt beinahe ein peinliches Ende, als ich auf meinen Zehn-Zentimeter-Absätzen stolpere, und ich muss kichern.

Drew kniet sich auf. Er sieht gierig aus, wie ein hungriger Löwe vor einem saftigen Steak, das gerade so außerhalb seiner Reichweite liegt.

Er will mir die Handschellen wegnehmen, aber ich schiebe ihn beiseite.

»Auf den Rücken mit dir, Großer.«

Ich weiß, was er jetzt denkt. Können Sie es nicht auch fast hören?

Hmm … Kate will die Zügel in die Hand nehmen? Interessant.

Er lehnt sich zurück und hält gehorsam die Arme an die Streben der Kopfstütze, und ich lege ihm je einen Halbmond um die Handgelenke und lasse die Handschellen dann einrasten.

Klick.

Klick.

Zur Probe ruckt er kurz an jedem Arm, dann hocke ich mich neben ihn und lasse den Blick über das durchtrainierte, nackte Prachtexemplar von einem Mann gleiten.

Wunderschön.

»Willst du noch irgendwann in Aktion treten? Oder starrst du mich einfach die ganze Nacht lang an?«

Ich schaue zu ihm auf, und mit begierigen Blicken fordert er mich heraus, endlich loszulegen.

Oh, keine Sorge. Ich lege schon noch los.

Stolz hebe ich das Kinn, lege die Hände zwischen seine Schenkel und streiche ihm langsam über den Hoden. Dann lasse ich die Hand an seinem jetzt schon harten Glied entlanggleiten und packe fest zu – so wie er es mag –, bevor ich ein paar Mal hoch- und runterstreife.

Drews Brust hebt sich allmählich rascher.

Tatsächlich, höchst interessant.

Und bevor Sie nachfragen, nein, ich war nicht immer so … so abenteuerlustig. So unverfroren.

Meine gesamte sexuelle Beziehung mit Billy kannte nur zwei Zustände: schüchtern oder stumpfsinnig. Zögerlich oder einstudiert. Und weiter sind wir nicht gekommen. Erst nach Drew habe ich begriffen, wie sehr Billy und ich einander gebremst haben.

Beim Sex – und im Leben.

In den Augen des jeweils anderen werden wir immer Katie und Billy bleiben, wie wir uns kennen: unreif, unselbstständig und ewig jung geblieben – wie in diesem Film mit den unsterblichen Tucks und dem Jungbrunnen, Tuck Everlasting – Bis in alle Ewigkeit.

Dann kam Drew Evans in mein Leben, und die freimütige, anspruchsvolle und, ja, wuschige Frau, die seit einem Jahrzehnt in mir heranwuchs, wurde entfesselt. Zumindest im Bett. In seinem Bett.

Ich beuge mich hinunter, strecke den Hintern in die Höhe und nehme Drews Glied in seiner ganzen Länge in den Mund. Bei der Berührung zuckt er zusammen. Der Alkohol betäubt anscheinend meinen Würgereflex, denn ich kann ihn mir bis in die Kehle stecken.

Und genau das tue ich auch.

Vier, fünf, sechs Mal. Dann schaue ich ihm in die Augen. Männer lieben Blickkontakt bei einem Blowjob. Fragen Sie mich nicht, warum – ich habe keine Ahnung.

»Gefällt es dir, wenn ich dir den Schwanz lutsche, Drew?«

Dirty Talk gefällt ihm auch. Eigentlich gibt es kaum etwas, das Drew nicht gefällt.

Er schließt genüsslich die Augen. »Verdammt, ja.«

Ich mache mich wieder an die Arbeit und setze meine Zunge mit ein.

Seine Stimme klingt belegt, er keucht. »Himmel, Süße – du bist die Meisterin des Blowjobs. Du solltest Kurse geben.«

Ha – witzige Idee! Schwanzlutschen für Anfänger.

Nach fast zwei gemeinsamen Jahren bin ich eine Expertin für Drews Körpersprache. Wenn er die Hüften hebt und die Fäuste ballt wie jetzt gerade, weiß ich, gleich ist er so weit. Sein genüssliches Stöhnen und Keuchen bringt mich fast von meinem Plan ab.

Aber nur fast.

Im letzten Moment bevor er kommt, lasse ich ihn los und setze mich auf. Drew hat die Augen geschlossen und wartet auf die Explosion … die ausbleibt.

Er schlägt die Augen auf. Fassungslosigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Ich lächle; jetzt habe ich die Dinge in der Hand.

Unartiges Mädchen, ich.

Ich gähne demonstrativ. »Weißt du was? Der Wein hat es echt in sich. Ich bin irgendwie müde.«

»W…was?«, keucht er.

»Ich glaube, ich brauche ein Päuschen. Macht dir doch nichts aus, oder?«

»Kate …«, knurrt Drew.

Ich setze mich rittlings auf ihn, sodass sein beeindruckender Ständer zwischen meinen Schenkeln aufragt, ohne dass ich ihn in mich gleiten lasse.

»Und einen Durst hab ich! Ich hole mir ein Glas Wasser. Möchtest du auch was?«

»Das ist verdammt noch mal nicht witzig, Kate.«

Oooh, jetzt wird er sauer.

Da krieg ich aber Angst.

Ich fahre ihm mit dem Finger über die Brust. »Lacht hier denn irgendwer?«

Er zerrt an den Handschellen – diesmal fester. Als die Schlösser halten, kichere ich wieder. Wer hätte gedacht, dass es so viel Spaß macht, mit dem Feuer zu spielen?

»Entspann dich, Drew. Sei einfach ein guter Junge und bleib hier, bis ich wiederkomme …« Ich zucke mit den Schultern. »Irgendwann.«

Ich gebe ihm einen flüchtigen Kuss auf die Nase, hüpfe vom Bett und haste aus dem Zimmer, während er nach mir ruft.

Gucken Sie mich nicht so an! Ich ärgere ihn doch nur ein bisschen. Sie wissen, dass er das verdient hat. Tut doch keinem weh, oder?

Ich tänzele den Flur entlang in die Küche, voller Stolz auf mich selbst. Sobald ich die kalten Fliesen betrete, krabbelt mir eine Gänsehaut von den Beinen bis über die Arme. Ich habe wirklich Durst, also hole ich ein Glas aus dem Schrank und gieße mir kaltes Wasser ein.

An die Spüle gelehnt, nehme ich einen großen Schluck und schließe die Augen, während die kühle Flüssigkeit meine trockene Kehle benetzt. Ein Tropfen rinnt mir das Kinn hinab, übers Schlüsselbein bis zu den Brüsten.

Ohne Vorwarnung drückt sich ein harter Oberkörper von hinten gegen meinen Rücken. Mit einem Aufschrei lasse ich das Glas fallen, das in der Spüle zerspringt.

Ich habe keine Ahnung, wie er sich befreit hat, aber die Schellen baumeln von seinen Handgelenken. Raue Hände zerren mich nach hinten und halten mich fest.

Ein Schauer überläuft mich, als verführerisch warmer Atem mein Ohr streift.

»Das war gemein, Kate. Ich kann auch gemein sein.«

Seine Stimme ist leise – nicht wütend, aber entschieden und unglaublich erregend.

Eine Hand packt mein Haar im Nacken und zieht, sodass ich den Rücken durchbiegen muss und mein Becken gegen den Spülenrand gedrückt wird. Er reißt meinen Kopf zur Seite, und dann küsst er mich – taucht einfach die Zunge in meinen Mund, während ich mit meinem Gleichgewicht kämpfe.

Besitzergreifend und herrisch fühlt sein Kuss sich an.

Einen Augenblick später dringt Drew mühelos in mich ein und beginnt einen unbarmherzigen Rhythmus; bei jedem Stoß klatscht mir sein Unterleib gegen den Po.

Es ist aufregend.

Ich höre mein eigenes Stöhnen. Die Arbeitsplatte schneidet mir in den Bauch, aber das ist mir egal. Jetzt spüre ich nur noch Drew.

Drew, der mich lenkt, der mich vorantreibt, der mich in der Gewalt hat.

Mit der freien Hand packt er meine Finger, führt sie zu meinem Kitzler und zwingt mich, es mir selbst zu machen.

Männer stehen auf Selbstbefriedigung. Es bringt sie einfach unglaublich auf Touren, habe ich gemerkt – wie wenn man ein Streichholz in einen Benzinkanister wirft.

Er lässt meine Hand los, aber meine Finger machen gehorsam weiter. Als wäre ich eine Marionette und Drew der Puppenspieler. Und dann lehnt er sich zurück und nimmt die Hitze seiner Brust mit sich fort.

Seine Stöße werden langsamer, und ich spüre, wie seine Hand an meinem Rücken hinabgleitet, zwischen uns. Zu meinem Hintern.

Er knetet und reibt mir die Backen, dann gleiten seine Finger zwischen die beiden Hügel. Vor und zurück, immer wieder, über die höchst empfindliche Vertiefung in der Mitte.

Und ich erstarre.

Das ist Neuland für uns. Na ja – für mich. Drew hat garantiert irgendwann schon mal jede zugängliche Öffnung des weiblichen Körpers erkundet.

Aber für mich ist das unbekanntes Terrain und macht mich ganz schön nervös.

Seine Finger drehen ein paar harmlose Runden, bis sich meine Starre löst und die Anspannung aus meinen Schultern schwindet, und die intensive Lust, die der Rhythmus seiner Hüften in mir auslöst, lenkt meine Gedanken wieder in eine andere Richtung.

Und dann lässt er einen Finger in mich hineingleiten.

Ich spüre keinen Schmerz, kein Unbehagen. Mit Doppelpenetration ist es so ähnlich wie mit dem Fallschirmspringen. Man weiß erst, wie genial es wirklich ist, wenn man es selbst erlebt hat. Worte reichen da nicht aus.

Aber ich versuch’s mal: Es ist wundervoll. Auf eine verbotene, verruchte Art.

Langsam schiebt Drew den Finger rein und raus, im Gleichtakt mit seinem Glied.

Und ich stöhne leise, tief und hemmungslos. Meine eigenen Finger reiben vorn noch schneller – und fester.

Dann schnappe ich nach Luft, als er mich weitet und Platz für den zweiten Finger macht, den er gerade in mich geschoben hat.

Er bewegt sich ohne Eile, quälend langsam.

Und ich würde am liebsten um mehr flehen – um mehr Reibung, mehr Hitze.

Schneller. Mehr. Bitte.

Sanft drückt Drew mich an den Schultern vornüber, sodass meine Haare über das Spülbecken streifen. Und dann ist er weg – aus meinem Körper.

Das Gefühl eines schmerzlichen Verlustes überkommt mich.

Bis ich die Spitze seines Glieds spüre, feucht von meinen Säften, wie sie vor und zurück über die Öffnung streicht, die seine Finger eben noch ausgefüllt haben.

»Drew …«

Es ist ein klagendes Stöhnen, halb Lust, halb Leid, ein richtiges Betteln.

»Sag Ja, Kate! Komm schon … bitte sag Ja!« Seine Stimme ist kratzig und rau, voller Verlangen.

Nach mir.

Und plötzlich spüre ich meine Macht.

Seltsam, angesichts unserer derzeitigen Stellung, aber dennoch – ich bin diejenige, die alles in der Hand hat. Genauso gut könnte er mir zu Füßen liegen, bettelnd zu mir aufschauen und hoffnungsvoll auf mein Kommando warten.

Ab jetzt denke ich nicht mehr nach, wäge keine Optionen gegeneinander ab, bedenke keine Konsequenzen. Ich fühle einfach nur noch, eingetaucht in glückselige Empfindungen.

Ich lasse los.

Und ich vertraue.

»Ja …«

Langsam, ganz langsam schiebt sich Drew in mich. Einen Moment lang flammt Schmerz auf – ein brennendes Dehnen –, und ich atme scharf ein. Er hält inne, bis ich wieder ausatme. Dann dringt er vorsichtig weiter ein, bis sein zartestes Fleisch völlig in meinem verborgen ist, bleibt reglos stehen und erlaubt meinem Körper, sich an seine Gegenwart zu gewöhnen.

Seine Hand gleitet über meine Hüfte und meinen Schenkel hinab, nach vorn in meinen Schoß, greift unter meine Hand, und seine Finger ziehen lustvolle Kreise auf mir, bevor sie wieder und wieder und immer wieder in mich eintauchen.

Ich habe Analsex immer für den ultimativen Ausdruck von Dominanz angesehen; für mich hatte das etwas Gebieterisches, vielleicht sogar Erniedrigendes.

Doch das hier fühlt sich ganz anders an.

Es hat etwas Ursprüngliches … Unerforschtes … aber auch etwas Wunderschönes. Heiliges.

Als hätte ich ihm gerade meine Jungfräulichkeit geschenkt. Und in gewissem Sinne habe ich das wohl auch.

Ich bewege mich als Erste, drücke mich nach hinten und ihm entgegen, gebe Drew meine Zustimmung – denn ich will es wissen, will diese neuen Empfindungen auskosten, will die Ziellinie erreichen. Mit ihm.

Es ist mehr als erotisch und übersteigt jede Vorstellung von Intimität.

Drew küsst mich auf den Rücken, flucht, flüstert meinen Namen. Und dann ist er derjenige, der sich in Bewegung setzt, der wieder die Führung übernimmt. Rein und raus gleitet er – zärtlich, aber stetig.

Einfach göttlich.

Meine Hand krallt sich in seine auf meinem Kitzler. Mir zittern die Beine, und ich weiß, gleich bin ich so weit. Gleich. Als würde ich einen Berg erklimmen und den Gipfel nur noch wenige Meter entfernt vor mir sehen.

Bei jedem Stoß von Drews Hüften atmen wir tief und keuchend aus.

»Ja … ja … ja …«

Bei Männern sind Orgasmen zu neunzig Prozent physischer Natur. Es fällt ihnen leicht zu kommen, egal wo sie in Gedanken gerade sind. Frauen haben es schwerer. Unsere Orgasmen hängen oft von unserer Gemütslage ab. Was bedeutet, wenn ihr Jungs uns zum Höhepunkt bringen wollt, sollten wir nicht gerade an die Wäsche denken, die sich nebenan türmt, oder an die Papierstapel auf unserem Schreibtisch.

Das erklärt auch, warum es nicht Drews Hand oder sein Penis sind, die mir schließlich den Rest geben.

Es ist seine Stimme.

Die Stirn an meine Schulter gelehnt, ruft er rhythmisch: »Oh Gott, oh Gott, oh Gott …«

Das ist so untypisch für ihn.

Er klingt ungehemmt, schutzlos.

So verletzlich.

Dieser herrische Mann, der mich zur Weißglut treibt, der immer den Hut aufhaben muss. Der nicht einen Schritt unternimmt, ohne ihn aus jedem Winkel zu beleuchten, ohne ihn mit seinem beeindruckenden Verstand auseinanderzunehmen – die Vorteile, die Nebeneffekte, die Folgen.

Dieser Mann verliert da hinter mir gerade die Beherrschung.

Und während er einen ganzen Katalog von Flüchen und Gebeten ausstößt – falle ich über den äußersten Rand, hinein in die Ekstase.

Ich reiße den Kopf in den Nacken und schließe die Augen, und hinter meinen geschlossenen Lidern explodiert ein Sternenregen. Schreiend erstarre ich, und eine schwindelerregende Lustwelle nach der anderen schwappt über meinen Körper hinweg.

Drews Bewegungen werden ungleichmäßiger und ruckartiger, heftiger und unkontrollierter.

Und kurz darauf zieht er mich an der Hüfte an sich und hält mich fest, als ein letztes, langes, kehliges Stöhnen von seinen Lippen kommt.

Hinterher schnappen wir beide nach Luft. Immer noch vereint, erzittern wir unter den Nachbeben. Er streicht mir über die Arme, während er aus mir herausgleitet.

Dann dreht er mich zu sich um, streichelt mir die Wangen und küsst mich.

Und das macht er so sanft und liebevoll – ein harter Kontrast zu unserem unerbittlichen Tanz wenige Augenblicke zuvor.

Ich weiß nicht, warum, aber mir treten Tränen in die Augen.

Sofort wird Drews Blick besorgt. »Geht’s dir gut? Hab ich … Hab ich dir wehgetan?«

Ich lächle unter den Tränen, denn es sind Glückstränen, weil ich mich ihm auf eigenartige, unerklärliche Weise noch nie so nah gefühlt habe wie jetzt.

»Nein, mir geht’s bestens. Du darfst jederzeit wieder gemein zu mir sein.«

Da lächelt er auch, erleichtert und zufrieden. »Ist notiert.«

Drew hebt mich hoch und trägt mich zur Dusche, wo wir uns unter den warmen Wasserguss stellen und einander hingebungsvoll einseifen. Dann wickelt Drew uns in dicke, vorgewärmte Handtücher und legt mich ins Bett.

Sorgfältig deckt er uns zu und drückt mich fest an sich.

Und das gibt mir das Gefühl, wertvoll zu sein.

Er gibt mir dieses Gefühl, und zwar immer.

Wertgeschätzt zu sein.

Auf Händen getragen zu werden.

War ich am Tag darauf wund? Ein bisschen. Aber nicht schlimm.

Zu viele Details?

Tut mir leid, ich wollte nur helfen.

Was mich betrifft, waren es die Schmerzen am folgenden Morgen jedenfalls mehr als wert.

Worauf ich mit dem Ganzen hinauswill, fragen Sie? Warum ich Ihnen das alles anvertraue?

Weil für guten Sex – richtig, richtig guten Sex – kein Alkohol nötig ist. Und guter Sex ist auch keine Frage von Zusammenpassen oder von Übung, nicht mal von Liebe.

Es ist eine Frage des Vertrauens.

Ob man seine Schutzmauern einreißt, sich in die Hände eines anderen begibt und sich von ihm an Orte führen lässt, an denen man vorher nie gewesen ist.

Und ich habe Drew vertraut, mit dem Verstand, dem Herzen, dem Körper. Bedingungslos.

Zumindest damals.

1

In der Highschool war mein Lieblingsfach Biologie. Am meisten haben mich die Tierarten fasziniert, die sich in ein völlig neues Wesen verwandeln konnten, wie Kaulquappen oder Schmetterlinge. Erst sind sie ein bestimmtes Tier, und am Ende sind sie ein ganz anderes, nicht wiederzuerkennen.

Beim Anblick von Schmetterlingen sagen immer alle: »Ach, wie hübsch.« Aber niemand bedenkt, was sie durchmachen mussten, um so hübsch zu werden. Wenn eine Raupe sich ihren Kokon baut, weiß sie nicht, was vor sich geht. Sie versteht nicht, dass sie sich verändert.

Sie glaubt, dass sie stirbt. Dass ihre Welt zu Ende geht.

Die Metamorphose ist schmerzhaft, schrecklich und fremdartig. Erst hinterher begreift die Raupe, dass all das sich gelohnt hat.

Weil sie jetzt nämlich fliegen kann.

Und genauso geht es mir gerade: Ich bin über mich hinausgewachsen, bin stärker als früher.

Hatten Sie mich vorher schon für zäh gehalten?

Reingelegt! Das war zum Großteil bloß aufgesetzt, wie eine Fassade.

Eine Bekanntschaft mit Drew Evans fühlt sich an, als würde man in eine krachende Welle am Strand hineinschwimmen. Er überwältigt einen. Und entweder paddelt man wie wild, um den Kopf oben zu behalten, oder er rollt über einen hinweg und lässt einen mit dem Gesicht im Sand hinter sich liegen.

Also musste ich den harten Hund markieren.

Jetzt brauche ich nicht mehr so zu tun als ob, denn jetzt bin ich hart wie Granit – undurchdringlich bis in den tiefsten Kern.

Fragen Sie jeden, der ein Erdbeben um Mitternacht oder einen Häuserbrand überlebt hat, bei dem alles vernichtet wurde, woran er hing. So ein unerwartetes Desaster macht einen zu einem anderen Menschen.

Und ich trauere um mein altes Ich und um mein altes Leben, das ich eigentlich bis in alle Ewigkeit mit Drew verbringen wollte.

Sie wirken verwirrt. Tut mir leid – fangen wir noch mal von vorne an.

Sehen Sie die Frau da vorn? Auf der Schaukel, mitten auf dem leeren Spielplatz?

Das bin ich – Kate Brooks.

Aber nicht so richtig. Jedenfalls ist es nicht die Kate, wie Sie sie kennen. Wie gesagt, ich bin jetzt eine andere.

Wahrscheinlich wundern Sie sich, was ich hier mache, zu Hause in Greenville, Ohio, und noch dazu ganz allein.

Technisch gesehen bin ich gar nicht allein.

Aber dazu kommen wir später.

Warum ich hier in Greenville bin, ist schnell erklärt. In New York habe ich es nicht mehr ausgehalten, nicht einen Tag länger. Nicht nach all dem, was gewesen ist.

Drew?

Der ist noch New York. Wahrscheinlich pflegt er einen handfesten Kater. Oder er ist noch immer betrunken. Wer weiß? Halten wir uns nicht zu lange mit ihm auf. Er hat eine hübsche Stripperin, die sich um ihn kümmert.

Jep – eine Stripperin. Jedenfalls hoffe ich, dass es eine Stripperin war. Könnte auch eine Hure gewesen sein.

Dachten Sie, Drew und ich würden gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten? Würden glücklich bis ans Ende unserer Tage zusammenleben? Willkommen im Club. Offensichtlich war das Ende unserer Tage nach zwei Jahren gekommen.

Schauen Sie nicht nach dem Buchtitel, Sie sind schon richtig. Das hier ist immer noch die Geschichte von Drew und Kate. Sie ist nur völlig verdreht und verkorkst. Willkommen in Oz, Toto. Es ist ein beschissener Ort.

Wie war das? Sie finden, ich klinge wie Drew? Das sagt Delores auch ständig – dass er mich mit seiner Gossensprache angesteckt hätte. Sie nennt es Drewspeak. Nach zwei Jahren färbt das wohl einfach irgendwie ab.

Sie fragen sich bestimmt, was denn eigentlich passiert ist. Ihr wart doch so verliebt. Ihr wart doch wie geschaffen füreinander. Wem sagen Sie das!

Am besten vielleicht der Stripperin.

Wie auch immer, ob Sie’s glauben oder nicht – das eigentliche Problem war nicht eine andere Frau. Jedenfalls nicht am Anfang. Drew hat nicht gelogen, als er sagte, er würde mich immer wollen. Er wollte mich. Er will mich immer noch.

Er will bloß uns nicht.

Immer noch nicht kapiert? Das liegt daran, dass ich es falsch erzähle. Ich sollte da anfangen, wo es losging. Wissen Sie, letzte Woche habe ich herausgefunden …

Nein, warten Sie, so klappt das auch nicht. Wenn Sie das verstehen sollen, muss ich noch weiter zurückgehen.

Unser Ende begann vor ungefähr einem Monat. Da fange ich an.

Fünf Wochen zuvor

»Mein lieber Herr Kanalarbeiter, sieht aus, als hätten wir einen Deal!«

Der Typ mit dem Cowboyhut, der mir gegenüber am Konferenztisch sitzt und gerade den Stapel Dokumente unterschreibt – das ist Jackson Howard senior. Und die jüngere Version mit dem schwarzen Hut neben ihm, das ist sein Sohn, Jack junior.

Sie sind Viehzüchter. Ihnen gehört die größte Rinderfarm in Nordamerika, und sie haben soeben den innovativsten Entwickler von GPS-Tracking-Software auf dem Markt gekauft. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum zwei ohnehin schon steinreiche Geschäftsmänner quer durchs Land fahren sollten, um ihr Imperium zu vergrößern?

Weil sie das Beste vom Besten wollen. Und das bin ich.

Oder, besser gesagt, wir.

Drew nimmt ihm das letzte Dokument ab. »Allerdings, Jack. An Ihrer Stelle würde ich mich schon mal nach einer Jacht für Ihre zukünftigen Geschäftsreisen umsehen. Sobald die Gewinnberichte reinschneien, wird Ihr Steuerberater was Großes abschreiben wollen.«

Kate und Drew. Das Dream-Team von Evans, Reinhart and Fisher.

John Evans, Drews Vater, wusste ganz offensichtlich, was er tat, als er uns beide zusammenbrachte. Ein Umstand, auf den er uns voller Stolz immer wieder hinweist.

Angeblich wusste er von vornherein, dass Drew und ich ein unschlagbares Team abgeben würden – sofern wir uns nicht gegenseitig abmurksten. Das Risiko wollte John offensichtlich eingehen. Natürlich ahnte er nicht, dass wir am Ende so richtig zusammenkommen würden, aber … das rechnet er sich ebenfalls als Verdienst an. So langsam wird klar, woher Drew das hat, stimmt’s?

Jetzt kommt Erin mit den Mänteln unserer Kunden herein, nimmt Blickkontakt zu Drew auf und tippt auf ihre Armbanduhr. Er nickt diskret.

»Ich schlage vor, wir ziehen los und feiern – lassen ordentlich die Sau raus! Mal sehen, ob ihr Städter mit unsereinem mithalten könnt«, sagt Jackson Howard.

Obwohl er stramm auf die siebzig zugeht, hat er den Elan eines Zwanzigjährigen und garantiert die ein oder andere Rodeo-Anekdote auf Lager.

Ich setze gerade an, um die Einladung anzunehmen, da kommt Drew mir zuvor.

»Liebend gern, Jack, aber leider haben Kate und ich schon einen anderen Termin. Draußen wartet ein Wagen auf Sie und bringt Sie ins beste Etablissement der Stadt. Genießen Sie den Abend. Und die Rechnung geht natürlich auf uns.«

Sie stehen auf, und Jack tippt sich an den Hut. »Hochanständig von Ihnen, mein Sohn.«

»Ist uns ein Vergnügen.«

Auf dem Weg zur Tür dreht sich Jack junior zu mir um und hält mir seine Visitenkarte hin. »Es war mir eine Freude, mit Ihnen Geschäfte zu machen, Miss Brooks. Wenn Sie mal bei uns in der Ecke sind, wäre es mir eine Ehre, Ihnen die Gegend zu zeigen. Ich hab so den Verdacht, dass Texas Ihnen gefallen könnte. Wer weiß, vielleicht bleiben Sie sogar und schlagen Wurzeln.«

Jep, der baggert mich an. Vielleicht finden Sie das widerlich. Hätte ich jedenfalls, vor zwei Jahren. Aber wie Drew es mir damals schon gesagt hat, das passiert ständig. Geschäftsmänner sind aalglatt und rotzfrech. Müssen sie irgendwie auch sein.

Das ist einer der Gründe, warum diese Branche in puncto Untreue an dritter Stelle steht – gleich nach Fernfahrern und Polizisten. Die langen Arbeitstage, das ständige Reisen, da landet man unweigerlich früher oder später mit irgendwem in der Kiste. Kann man fest von ausgehen.

Genauso hat es bei Drew und mir auch angefangen, wissen Sie noch?

Aber Jack junior ist keiner der üblichen Idioten, die mich angraben. Er wirkt aufrichtig, irgendwie lieb. Also lächle ich und greife einfach der Höflichkeit halber nach seiner Karte.

Doch wieder schnappt Drew schneller zu. »Das klingt toll. Im Süden haben wir nicht oft zu tun, aber beim nächsten Mal kommen wir mit Sicherheit auf das Angebot zurück.«

Er versucht, professionell und sachlich zu bleiben, doch sein Kiefer ist verkrampft. Klar, er lächelt, aber haben Sie Herr der Ringe gesehen? Gollum hat auch gelächelt. Kurz bevor er dem Typen die Hand abgebissen hat, die seinen »Schatz« festhielt.

Drew ist besitzergreifend und vereinnahmend, das gehört nun mal zu seinem Wesen.

Matthew hat mir mal folgende Geschichte erzählt: Für Drews allerersten Tag im Kindergarten hatte seine Mutter ihm eine Brotbox gekauft, mit Meister Yoda darauf. Auf dem Spielplatz wollte Drew die Box nicht weglegen, weil sie ihm gehörte und er Angst hatte, jemand würde sie kaputt machen oder klauen. Matthew brauchte eine ganze Woche, um ihn zu überzeugen, dass niemand das tun würde – und wenn, dann würden sie ihn zusammen grün und blau schlagen.

In Momenten wie diesem kann ich nachvollziehen, wie sich die Brotbox gefühlt haben muss.

Ich lächle Jack junior freundlich zu, er tippt sich ein letztes Mal an den Hut, und dann sind sie weg.

Sobald die Tür hinter ihnen zugefallen ist, reißt Drew die Visitenkarte entzwei. »Penner.«

Ich knuffe ihm gegen die Schulter. »Lass das. Er war nett.«

Drews Blick fliegt zu mir. »Du fandest diesen Hinterwäldler, der höchstwahrscheinlich der Vater seiner eigenen Geschwister ist, auch noch nett? Ernsthaft?« Er macht einen Schritt auf mich zu.

»Ja, ernsthaft.«

Im breitesten Südstaatensingsang leiert er herunter: »Vielleicht sollte ich mir ja ’ne Lederhose zulegen. Und ’nen Cowboyhut.« Dann legt er den Akzent wieder ab. »Oooh – noch besser, wir besorgen dir einen. Ich kann dein wilder Hengst sein, und du bist das schamlose Cowgirl, das auf mir reitet.«

Und das Witzige daran ist – er meint das ernst.

Lächelnd schüttele ich den Kopf. »Und was für eine geheimnisvolle Besprechung haben wir jetzt? In meinem Kalender steht nichts.«

Er grinst breit. »Wir haben einen Termin am Flughafen.« Mit einer eleganten Handbewegung zieht er zwei Flugtickets aus der Anzugtasche.

Erste Klasse – nach Cabo San Lucas.

Ich schnappe nach Luft. »Cabo?«

Seine Augen funkeln. »Überraschung.«

In den letzten beiden Jahren bin ich mehr gereist als in meinem gesamten bisherigen Leben – zu den blühenden Kirschbäumen in Japan, dem kristallklaren Wasser in Portugal … Alles Dinge, die Drew schon gesehen hatte, Orte, an denen er bereits gewesen war.

Orte, die er teilen wollte – mit mir.

Ich sehe mir die Tickets genauer an und runzele die Stirn. »Drew, der Flug geht in drei Stunden. Bis dahin schaffe ich es niemals zu packen.«

Er holt zwei Koffer aus dem Wandschrank. »Bloß gut, dass ich schon gepackt habe.«

Ich schlinge ihm die Arme um den Hals und drücke fest zu. »Du bist der beste Freund der Welt.«

Bei seinem verschmitzten Grinsen würde ich ihn am liebsten küssen und ohrfeigen zugleich.

»Ja, ich weiß.«

Das Hotel ist atemberaubend. So eine Aussicht kannte ich bisher nur von Postkarten. Unser Zimmer liegt in der obersten Etage – das Penthaus. Genau wie Richard Gere in Pretty Woman gönnt sich Drew grundsätzlich nur das Allerbeste.

Bei unserer Ankunft ist es schon spät, aber nach einem Nickerchen im Flugzeug sind wir beide aufgedreht und voller Tatendrang.

Und hungrig.

Heutzutage wird bei allen Fluglinien gespart, sogar in der ersten Klasse. Die Sandwiches mögen ja umsonst sein, aber das heißt noch lange nicht, dass sie essbar sind.

Während Drew unter der Dusche steht, fange ich an auszupacken. Warum wir nicht zusammen duschen? Die Frage muss ich jetzt nicht beantworten, oder?

Ich hieve die Koffer auf das Bett und klappe sie auf. Die meisten Männer gucken eine leere Reisetasche an, als wäre sie irgendeine physikalische Formel – stundenlang können sie draufstarren, ohne den leisesten Schimmer zu haben, was sie damit anfangen sollen.

Nicht so Drew. Er ist der reinste Denkedran-Jost.

Er hat den ganzen Kleinkram eingepackt, den die meisten Männer vergessen würden. Alles, was ich brauche, um einen angenehmen, schönen Urlaub zu verbringen.

Außer Unterwäsche. Im gesamten Koffer liegt nicht ein einziger Slip.

Und das ist kein Versehen.

Mein Freund pflegt zufällig eine ausgereifte Abneigung gegen Unterwäsche. Wenn es nach ihm ginge, würden wir nur noch wie Adam und Eva rumrennen – natürlich ohne die Feigenblätter.

Aber all die anderen wichtigen Dinge hat er mitgenommen. Deo, Rasierschaum, einen Rasierer, Make-up, meine Pille, Feuchtigkeitscreme, die restlichen Antibiotikum-Tabletten von meiner Mittelohrentzündung vergangene Woche, Augencreme – und so weiter.

Und an dieser Stelle sollten wir für eine kurze öffentliche Durchsage innehalten.

Ein paar meiner Kunden kommen aus der Pharmabranche. Und diese Unternehmen haben ganze Abteilungen, deren einzige Aufgabe darin besteht zu schreiben.

Was zu schreiben, fragen Sie? Kennen Sie diese kleinen Beipackzettel, die bei Ihren Medikamenten mit drinstecken, auf denen alle möglichen Nebenwirkungen und ihre entsprechenden Gegenmaßnahmen aufgelistet sind? Kann Schwindel verursachen. Unterlassen Sie die Bedienung großer Maschinen. Suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Bla, bla, bla.

Die meisten Leute öffnen einfach die kleine Pappschachtel, nehmen die Tabletten raus und werfen die Packungsbeilage weg. Machen wir fast alle … sollten wir aber nicht. Ich will Sie nicht mit einer Moralpredigt langweilen. Für den Augenblick sage ich nur eins: Lesen Sie die Packungsbeilage. Sie werden es sich danken.

Und jetzt – zurück nach Mexiko.

Drew kommt mit einem Handtuch um die Hüften aus dem Bad, und ich verschwende keinen einzigen Gedanken mehr an den Koffer. Sie wissen ja, dass viele Männer entweder auf Brüste oder auf Hintern stehen, stimmt’s? Das Gleiche gibt es bei Frauen auch. Ich für meinen Teil stehe auf Unterarme. Männerunterarme sind einfach irgendwie … heiß. Männlicher wird’s nicht mehr.

Drew hat die schönsten Unterarme, die ich je gesehen habe. Fest und straff – nicht zu massig, nicht zu dünn – und genau richtig behaart.

Er zieht sich das Handtuch von den Hüften und reibt sich damit über die Schultern. Und mir tropft gleich der Geifer von der Zunge.

Vielleicht stehe ich doch auf Hintern.

»Du weißt doch, Leute anzustarren ist unhöflich.«

Ich wandere mit dem Blick hoch zu seinen Augen. Er lächelt, und ich mache einen Schritt auf ihn zu – wie eine Löwin, die sich ihrer Beute nähert.

»Ist das so?«

Drew leckt sich die Lippen. »Aber sicher.« Ein Wassertropfen rinnt ihm über die Brust.

Noch jemand durstig?

»Tja, unhöflich will ich nicht sein.«

»Gott bewahre.«

Gerade als ich mich vorbeugen und ihm den Tropfen von der Brust lecken will, knurrt mein Magen, und zwar richtig laut.

Grrrrrr.

Drew lacht. »Vielleicht sollte ich dich zuallererst füttern. Für meine Pläne brauchst du ein bisschen Energie.«

Ich beiße mir erwartungsfroh auf die Unterlippe. »Du hast Pläne?«

»Mit dir? Immer.«

Er wirbelt mich herum und gibt mir einen Klaps auf den Po. »Jetzt schwing deinen appetitlichen Hintern in die Dusche, damit wir loskommen. Je früher wir essen, desto schneller sind wir wieder hier und können vögeln, bis die Sonne aufgeht.«

Das meint er nicht so plump, wie es gerade klang.

Ja, Sie haben recht – wahrscheinlich doch.

Eine Stunde später sind wir auf dem Weg zum Abendessen. Drew hat mich mit einem neuen Kleid überrascht – weiße Lochstickerei, ohne Träger, aber dafür mit einem ausgestellten Saum bis kurz übers Knie. Das Haar trage ich leicht wellig und offen, so, wie er es am liebsten mag.

Und was meinen Freund angeht – ich kann mich von seinem Anblick kaum losreißen. Kakihose und ein frisches weißes Hemd, die obersten Knöpfe offen, die Ärmel hochgekrempelt.

Umwerfend.

Wir betreten das Restaurant.

Die lateinamerikanische Kultur hat mich schon immer fasziniert: die Musik, die Menschen, ihre Lebensfreude, ihr Temperament.

Ihre Leidenschaft.

All diese Worte beschreiben treffend den Ort, an dem wir heute Abend essen. Es ist schummrig – die einzige Beleuchtung stammt von den Kerzen und den glitzernden Lampen an der Decke. Ein pulsierender Rhythmus geht von einer kleinen Gruppe Musiker in der Ecke aus.

Auf Spanisch fragt Drew nach einem Tisch für zwei Personen.

Ja, Drew spricht Spanisch, und Französisch auch. An seinem Japanisch arbeitet er noch. Stellen Sie sich seine Stimme sexy vor? Glauben Sie mir – bevor Sie nicht gehört haben, wie er Sie in einer fremden Sprache zum Erröten bringt, kennen Sie die Bedeutung des Wortes sexy nicht.

Wir folgen der drallen, dunkelhaarigen Wirtin zu einem Tisch in der Ecke.

Nehmen Sie sich jetzt mal einen Augenblick Zeit und schauen Sie sich um. Sehen Sie, wie viel Aufmerksamkeit Drew von der Damenwelt bekommt, während er einfach nur den Raum durchquert? Die wohlwollenden Blicke, die einladenden Augenaufschläge?

Mir fällt es auf – wie immer.

Aber hier kommt’s: Drew bemerkt es überhaupt nicht. Weil er nicht hinguckt, zu keiner von ihnen.

An alle Männer da draußen, die glauben, Hingucken täte niemandem weh: Sie irren sich. Weil wir Frauen nämlich nicht glauben, dass Sie einfach nur die Aussicht genießen. Wir glauben, dass Sie Vergleiche anstellen, uns eine schlechte Bewertung geben. Und das schmerzt wie ein Dolchstoß in den Rücken.

Mir ist vollkommen bewusst, dass Drew jede Frau haben kann, die er will – das Model in Beverly Hills oder die reiche Erbin von der Park Avenue. Aber er hat sich für mich entschieden. Er hat um mich gekämpft. Wenn wir also zusammen ausgehen, gibt das meinem Selbstbewusstsein einen enormen Schub.

Weil ich die Einzige bin, der er Beachtung schenkt.

Wir sitzen an unserem Tisch und überfliegen die Speisekarte. »Erklär mir noch mal, wie du es durchs College und die Wirtschaftsuni geschafft hast, ohne auch nur einen einzigen Tequila pur zu trinken?«

Bei der Frage muss ich lachen und krame in meiner Erinnerung. »Na ja, früher in der Highschool haben wir immer Lagerfeuer gemacht und draußen gezeltet.«

Haben Sie jemals mit einer leeren Zwei-Liter-Limoflasche unterm Kopf geschlafen? Nicht so lustig.

»Und eines Abends haben Billy und die anderen Jungs Mezcal getrunken – und Billy hat die Raupe geschluckt. Und dann fing er an zu halluzinieren. In Bio war damals gerade die Anatomie von Amphibien dran, und besoffen wie er war, dachte Billy, er wäre ein Frosch – und Delores wolle ihn sezieren. Er ist ganz allein in den Wald gehüpft, und wir haben drei Stunden gebraucht, um ihn zu finden – mit der Zunge in der Erde. Seitdem bin ich bei Tequila sehr zurückhaltend.«

Drew schüttelt den Kopf. »Das bestätigt mal wieder, was mir schon die ganze Zeit klar war. Billy Warren ist ein Volltrottel, schon immer gewesen.«

An Drews Sticheleien gegen Billy habe ich mich inzwischen gewöhnt. Und in diesem Fall hat er nicht mal unrecht.

Also antworte ich: »Solange du mich nicht zwingst, die Raupe mitzutrinken, probiere ich’s mal.«

Seine Augen leuchten auf, wie bei einem Kind im Fahrradladen. »Weißt du, was das bedeutet?«

Er zuckt anzüglich mit den Augenbrauen. »Ich darf dich in die hohe Kunst der Body Shots einführen.«

Auch wenn ich nicht glaube, dass man für guten Sex betrunken sein muss, kann ein kleiner Schwips keinesfalls schaden.

Drew und ich fahren mit dem Aufzug hoch zu unserem Zimmer, beide ganz gut angeschickert vom Tequila. Ich schmecke ihn auf Drews Zunge – bitter mit einem Hauch von Zitrone. Drew drückt mich gerade gegen die Wand, mein Kleid ist bis zur Hüfte hochgeschoben, und wir drängen uns ungestüm aneinander.

Bloß gut, dass wir allein im Fahrstuhl sind – wobei Zuschauer mich mittlerweile auch nicht mehr von irgendetwas abgehalten hätten.

Wir stolpern in unser Zimmer, ohne die Knutscherei zu unterbrechen.

Drew knallt die Tür zu, wirbelt mich herum und reißt mir mit einem Ruck das Kleid vom Leib, sodass ich splitternackt vor ihm stehe. Bis auf meine High Heels.

Ich beuge mich über den Tisch und stütze die Ellbogen auf. Ein Reißverschluss ratscht – und dann spüre ich, wie er seinen Penis zwischen meine Schamlippen schiebt und erst mal vorfühlt, ob ich bereit bin.

Für ihn bin ich immer bereit.

»Lass mich nicht so zappeln«, quengele ich.

Nach dem ganzen Tequila und der Fahrt im Aufzug bin ich echt wuschig und kann es kaum noch abwarten. Langsam schiebt er sich bis zum Anschlag in mich rein; ein Seufzer entfährt mir.

Wir kennen ja alle den alten Spruch: »Je größer, desto besser.« Und Drew ist groß. Besonders viele Vergleichsmöglichkeiten habe ich zwar nicht, aber er ist bestimmt doppelt so groß wie Billy.

Das ist euch Jungs da draußen jetzt doch nicht unangenehm, oder? Blitzmeldung: Über solche Dinge reden Frauen eben. Zumindest wenn ihr gerade nicht zuhört.

Jedenfalls liegt das Geheimnis eigentlich nicht darin, wie »Mann« bestückt ist, sondern im Rhythmus, in der Geschwindigkeit, der Berührung an den richtigen Stellen mit genau richtig viel Druck. Wenn Sie also das nächste Mal eine Dauerwerbesendung für MaxiSchwanz oder Pimp My Pimmel sehen …

… sparen Sie sich das Geld. Besorgen Sie sich lieber das Kamasutra.

An meinen Haaren zieht Drew mir den Kopf nach hinten und beschleunigt das Tempo. Hart und schnell stößt er zu. Ich muss mich an der Tischkante festhalten, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Er küsst mich auf die Schulter. »Gefällt dir das, Süße?«, flüstert er mir ins Ohr.

Ich stöhne. »Ja … ja … und wie!«

Seine Stöße werden heftiger, der Tisch fängt an zu wackeln.

Und von einem Augenblick zum nächsten komme ich wie ein Güterzug auf der Schnellstrecke.

Ich schwebe.

So muss sich Schwerelosigkeit anfühlen – grandios.

Drew verlangsamt seine Hüftbewegungen, während ich wieder runterkomme, und kostet den Moment aus, solange es geht. Dann zieht er mich an sich, wandert mit den Fingern über meinen Bauch und höher, umfängt mit beiden Händen meine Brüste und knetet sie zärtlich.

Ich lege ihm die Arme um den Hals, wende den Kopf und küsse ihn.

Ich liebe seinen Mund, seine Lippen, seine Zunge. Wenn Küssen eine Kunst ist, dann ist Drew Evans Michelangelo.

Er zieht sich aus mir zurück, und ich drehe mich zu ihm um und dränge ihn rückwärts in Richtung Bett. Sobald Drew auf der Bettkante sitzt, klettere ich auf ihn und lege ihm die Beine um die Hüfte.

Gott, ja.

So mag ich’s am liebsten – Brust an Brust, Mund an Mund, nicht ein Zentimeter Platz zwischen uns. Mit der Hand umfasse ich Drews Glied und gleite auf ihn runter. Mein Inneres weitet sich um seine Fülle, und er stöhnt. Langsam erhebe ich mich und lasse mich mit Wucht wieder fallen, teste die Bettfedern.

Quietsch.

Quietsch.

Meine Bewegungen werden schneller, tiefer. Die mexikanische Hitze überzieht unsere Körper mit einem feuchten Film.

Und dann legt Drew die Hände um mein Gesicht und streicht mir mit den Daumen über die Wangen, mit einem Mal ganz zart und hingebungsvoll.

Stirn an Stirn sitzen wir da, und im schwachen Licht sehe ich, dass er dabei zuguckt, wie er in mich rein- und rausgleitet.

Und dann senke ich auch den Blick.

Ein erotisches, sinnliches Bild bieten wir.

Ich streiche ihm das Haar aus der Stirn. »Sag mir, dass du mich liebst!«, flehe ich.

Das sagt er nicht häufig, er zeigt es mir lieber. Aber ich kann es gar nicht oft genug hören. Denn bei diesen Worten erfüllt mich immer wieder dasselbe Staunen wie beim allerersten Mal.

»Ich liebe dich, Kate.«

Seine Hände umfassen immer noch mein Gesicht. Wir beide keuchen, werden schneller, nähern uns dem kritischen Punkt. Es fühlt sich fast spirituell an.

Drews Stimme klingt atemlos und gedämpft. »Sag mir, dass du mich nie verlassen wirst.«

Sein Blick ist jetzt weicher, seine Augen flüssiges Silber. Sie flehen nach Bestätigung.

Bei all seiner Unverfrorenheit, all seinem übermäßigen Selbstvertrauen quält ihn wohl doch irgendwo noch die eine Woche, in der er glaubte, ich hätte mich für Billy statt für ihn entschieden. Wahrscheinlich gibt er sich deswegen so viel Mühe, mir zu beweisen, wie sehr er mich begehrt.

Um mir zu zeigen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Mit einem sanften Lächeln sehe ich ihm in die Augen.

»Niemals. Ich werde dich nie verlassen, Drew.«

Die Worte fühlen sich an wie ein Schwur.

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