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Nicht zu fassen

Detlef Schumacher

Nicht zu fassen

Ein Schmunzel-Krimi


Für Dana, Michael und Tim


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Die Ermittler

 Wieder hatte Kriminalinspektor Rasch einen komplizierten Fall aufzuklären. Das am Rand des Stadtwaldes gelegene Modegeschäft der Familie Klunker war ein Raub der Flammen geworden. Es galt, den Brandstifter zu finden. Der hatte nicht nur das Modehaus in Schutt und Asche gelegt, sondern auch das Leben von dreizehn Menschen ausgelöscht. Gelöscht werden konnte der Brand nicht mehr, da die Flammen schneller waren als die Feuerwehr. Als die anrückte, fand sie nur noch rauchende Reste vor. Diese kläglichen Überbleibsel näher ins Auge zu fassen, unterließen die Feuerwehrleute. Es war Nacht und mondlos dunkel. Die Männer verwünschten den Feuerteufel, der sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Einen sogar von der Nachbarin.

Der Feuerwehrhauptmann zog gähnend das Handy aus der Tasche und tippte den Polizeinotruf ein. Sollen die Bullen sich doch die Nacht um die Ohren schlagen, grollte er und zog mit seinen Kameraden ab. Aber den Bullen fehlte jegliche Lust, das kuschelige Bett zu verlassen. Ihr Dienst begann laut Dienstplan erst 7 Uhr Morgens.

Nur einer fühlte sich verpflichtet, seiner Dienstpflicht nachzukommen. Das war Kriminalinspektor Rudolf Rasch, Leiter der städtischen Mordkommission, die sich aus ihm und seinem Foxterrier Foxi zusammensetzte. Foxi war ein pfiffiges Hündchen mit schön geschwungenem Schwanz. Seine besten Jahre hatte er zwar schon hinter sich, doch jagte er mit seinem Bellen unehrlichen Menschen immer noch Angst ein. Die Polizeidirektion wollte ihn in den Ruhestand schicken, weil er aufgrund altersbedingter Sehschwäche dem Polizeipräsidenten in ein Hosenbein gebissen hatte, als der mit einer Schlackwurst den Metzgerladen verließ. Foxis Nase, einst gefürchteter als sein Bellen, hatte den würzigen Duft der Wurst erfasst. Wer Wurst mit sich führte, war ein Drogendealer. Das war Foxi bewusst geworden, als er mit Herrchen eine berüchtigte Drogendealerbande ausfindig und unschädlich gemacht hatte. Die hatte den Stoff in Brat- und anderen Würsten versteckt.

Kriminalkommissar Rasch lehnte die Außerdienststellung seines treuen Weg- und Kampfgefährten ab. Auch dann, als man versprach, seinen Hund wie einen Beamten zu pensionieren. Rasch erklärte, dass Foxi auf eine lange Ahnenreihe zurückblicke. Seine Vorgänger hätten bereits in Polizeidiensten gestanden. Einer von ihnen sei sogar mit einem Hund von Eva Brauns Hunden verwandt gewesen. Der Geliebten Adolf Hitlers. Diese Aussage hätte Foxi beinahe die Freiheit gekostet. Ein Mitglied der Fortschrittspartei forderte, Foxi zu arretieren. Sein brauner Verwandtschaftsvorgänger habe bestimmt faschistische Gene übertragen. Foxis Stelle sollte ein deutscher Schäferhund einnehmen.

Kriminalkommissar Rasch erinnerte daran, dass Hitler einen Schäferhund besaß. Er hieß Blondi. Es könnte also angenommen werden, dass der in Dienst zu stellende Schäferhund ein Ururururenkel Adolfs sei. Seines blonden Hundes. Bei Foxi sei nur die Kacke braun.

Rudolf Rasch hatte wenig Widersacher. Weil er klug und erfahren war, wagte kaum jemand, ihm zu widersprechen. Seine Aufklärungsarbeit hatte bisher fast jeden Täter überführt. Deshalb fürchtete sich niemand vor einer Ermordung oder einem sexuellen Missbrauch. Das beruhigte und verstärkte das Sicherheitsgefühl. Auch machte es den persönlichen Lebenswandel züchtiger. Man wusste, dass Raschs Augen nichts entging. Sein Blick durchbohrte auch die Unbescholtenen, so dass diese das Gefühl hatten, ein bisschen Dreck am Stecken zu haben. Wer von den Honoratioren der Stadt die Absicht hegte, im Freudenhaus ein wenig Ablenkung vom Eheleben zu finden, tat gut daran, Raschs Weg nicht zu kreuzen. Weder vorher noch nachher.

Doch nicht nur Raschs Augenpaar verriet den perfekten Kriminalisten. Auch Weiteres an seinem Kopf kennzeichnete ihn als außergewöhnlichen Polizeibeamten. Hinter seiner hohen Stirn wirkten Gedankengänge, die die Ganoven fürchteten. Nicht selten geschah es, dass junge Frauen ihm den Geliebten vorstellten, um zu erfahren, ob der als künftiger Gemahl treu und unbescholten sein werde. Raschs feinsinnige Vorhersehung lautete: Bleibt er frei von übler Last, landet er auch nicht im Knast.

Schon den Erstklässlern der Städtischen Gesamtschule wurde dieser Spruch zum Geleit. Aber auch junge Männer wollten die Katze nicht im Sack kaufen. Ihnen gab Rasch mit: Findt an andren sie Gefallen, solltest du die Fäuste ballen; doch nicht schelten sie und schlagen, sondern still dein Leid ertragen.

Mit dieser Weisheit beugte Rasch männlicher Rachlust vor. Das hieß aber nicht, dass er den Frauen zugetan war. Von ihnen hielt er ebenso wenig wie von Verbrechern. Gewonnen aus eigener Erfahrung. Als seine Gattin nach Ablauf weniger Ehejahre beklagte, dass er Tote mehr liebe als sie, meinte er, dass sie ihm als Leiche auch lieber wäre. Die Ehe wurde geschieden. Damit die Geschiedene die Trennung nicht allzu schmerzlich empfand, ehelichte sie der Scheidungsrichter.

Fortan hielt Rasch Frauen auf Distanz. Nie ließ er eine mitermitteln, auch wenn das erwünscht war. Weiber seien geschwätzig und könnten Geheimnisse nicht für sich behalten. Foxi, sein kläffender Begleiter, war dem weiblichen Geschlecht nicht ganz so abhold. Nur Hündinnen, die sich lüstern in seine Nähe wagten, biss er in den Schwanz. Er wollte selbst werben.

Hervorstechend war Raschs Nase. Sie war sehr geruchsempfänglich. Wenn er sie in schnüffelnde Bewegung brachte, entging ihm auch der fernste Duft nicht. In der deutschen Kriminalgeschichte war das einmalig. So gelang es ihm einmal, eine fünf Kilometer entfernte Schnapsfabrik zu wittern, die in Flammen stand. Erstaunlich war, dass er die Schnapssorte nennen konnte, die zuerst in Brand geraten war. Obwohl er kein Alkoholiker war.

Freunde hatte Rasch nicht. Wohl wollte manche Frau seine Geliebte sein, wenn auch nur für eine Nacht. Seine lange Nase inspirierte die weibliche Vorstellung von der Größe seines Johannes.

Die Inhaberin des China-Restaurants 'Kau-Gum-Mi' hasste den Kriminalinspektor. Ihre Abneigung verbarg sie hinter grinsender Grimasse. Rasch hatte als Gast ihrer Speisegaststätte einmal geäußert, dass in der Stadt immer weniger Hunde zu sehen seien. Ob auch sein Foxi irgendwann auf einem Teller serviert werde. Die Chinesin verlagerte ihr Restaurant in eine andere Stadt.

Rudolf Raschs Kopf wäre unvollständig erfasst, würde nicht auch sein Mund Erwähnung finden. Als dünner Strich reichte er von einer Gesichtshälfte zur anderen. Wie von einem unsichtbaren Reißverschluss verschlossen öffnete sich dieser Strich nur dann, wenn er etwas sagte. Frauen erkannten, dass dieser Gesichtsquerstrich zum Küssen völlig ungeeignet war. Ihm fehlte die sinnliche Wölbung der Lippen. Wenn Rasch sprach, sah das aus, als habe ein Frosch sein Maul zum Quaken geöffnet.

Er war leidenschaftlicher Angler. Wenn der Angelhaken ins Wasser des Angelsees getaucht war, gab sich Rudolf seinen Gedanken hin. Diese richteten sich stets auf die Lösung eines noch ungelösten Falls. In der abgelegenen Stille führte er auch Selbstgespräche in Form von Dialogen. Die Unterhaltung mit dem fiktiven Täter half ihm, ihn zu entlarven.

Zwei Knaben, die ihn beim Angeln heimlich beobachteten, sahen seinen auf und zu klappenden Mund. Weil sie nicht hören konnten, dass er mit einem unsichtbaren Verbrecher ein Zwiegespräch führte, glaubten sie, er fange Fliegen. Als Köder für die Fische. In die Stadt zurückgekehrt verbreiteten sie das Gerücht, Rasch fange mit dem Maul Mücken und Fliegen.

Diese Verleumdung kam einem Hobbyfilmer zu Ohren. Der legte sich mit seiner Videokamera nahe des Angelsees auf die Lauer. Er zoomte das Gesicht des Kommissars heran und sah erstaunt, dass der tatsächlich mit dem Mund nach Fliegen schnappte. Wie ein Frosch. Nur nicht mit der Zunge. Diesen Vorgang hielt der Hobbyfilmer fest. Um diese Sensation weltweit bekannt zu machen, veröffentlichte er sie auf dem Internetportal 'You Tube'.

Bald schon war dieser Videoclip mehr als 5 Millionen Mal gesehen worden. Rasch, der das Internet nur nach Interpol-Steckbriefen durchsuchte, erfuhr von dem Videoclip durch den Bäcker, bei dem er seine Brötchen kaufte. Dabei lachte der Mehlsack so heftig, dass ihm die Haftschalen von den Pupillen flogen. Rasch fand das gar nicht lustig. Als er sich das Filmchen angesehen hatte, musste er sehr an sich halten. Er fand es unerhört, einen ernsthaften Kriminalinspektor der Lächerlichkeit preis zu geben. Und das weltweit. Um sein Gesicht zu wahren, veröffentlichte er über 'facebook' Folgendes: Ich bin kein Frosch, sondern ein Mensch wie du und ich. Zur Tatzeit meines Angelns öffnete und schloss ich den Mund nur deshalb, um lästige Fliegen und Mücken abzuschrecken. Weil meine Hände die Angelrute hielten, konnte ich sie zur Abwehr der Insekten nicht nutzen. Der Filmer meiner diesbezüglichen Abwehrhaltung verbirgt sich hinter dem Pseudonym 'Schmetterlingsscheiße'. Das macht es mir schwer, ihn zu ergreifen. Schmetterlinge gibt es überall auf der Welt. Nur am Nord- und Südpool nicht. Deshalb fordere ich Schmetterlingsscheiße auf, mir sein genaues Domizil mitzuteilen. Sollte er Bürger der Stadt sein, die auch ich bewohne, werde ich ihn finden und zur Rede stellen. So wahr ich Kriminalinspektor Rudolf Rasch, Leiter der Mordkommission, bin.

Als er den Text noch einmal halblaut las, verlangte Foxi mit energischem Bellen einen Zusatz. Den fügte Herrchen so hinzu: Und Foxi, der Gangsterschreck.

Kriminalinspektor Rasch bediente sich gern altbewährter Methoden bei der Verbrechensbekämpfung. Die blieben jedoch mehr und mehr erfolglos, weil sich die Missetäter auf moderne Formen ihrer Entlarvung eingestellt hatten. Das wurde Rasch bewusst, als ihn ein ehemaliger Bankräuber anrief und mitteilte, dass er nur noch Pin-Nummern von EC-Karten ausspähe. So komme er ohne Strumpfmaske und vorgehaltene Pistole an das Geld der Bankkunden.

Rasch war überrascht, wie rasch und ohne Schusswechsel das Geld den Besitzer wechselte. Er entschloss sich, seine Tätigkeit den modernen Gegebenheiten anzupassen. Weil er sich anfangs unbeholfen zeigte, half ihm sein brötchengebender Bäckermeister auf die Sprünge.

„Um die von Ihnen gesuchte Schmetterlingsscheiße zu finden, sollten Sie ein kontroverses Video ins Netz stellen“, riet der. Er erklärte sich genauer. Rasch war von der Finesse des Teigkneters beeindruckt.

So geschah, dass er nächsten Tags bei der Firma 'Isch machen dein Video, Alter' vorstellig wurde. Dem türkischstämmigen Betreiber des einzigen Videofilmstudios der Stadt unterbreitete er sein Anliegen. Nachdem ein akzeptables Entgeld ausgefeilscht worden war, verließ der Kriminalinspektor mit grimmer Freude das heruntergekommene Gebäude. Erwähnt muss sein, dass der Videoersteller den erstellten Videofilm bei 'You Tube' dann hochladen sollte.

Zwei Tage später sahen zehn Millionen Videogeile den erstellten Film. Ihre Begeisterung war überschwänglich und schlug sich so in deren Kommentaren nieder. Auch Rudolf Rasch gehörte zu den zehn Millionen. Nur war er der Einzige, der nicht begeistert war. Der türkische Filmhersteller hatte aufgrund seiner lückenhaften Deutschkenntnisse ein Video produziert, dass der deutsch-türkischen Freundschaft äußerst abträglich war. Da ihm wegen der verlangten Kürze der Herstellungszeit keine deutschsprachigen Darsteller zur Verfügung standen, agierten seine Familienangehörigen in dem blutrünstigen Kurzstreifen. Aus Gründen des Personenschutzes waren sie nur als Schattengestalten zu sehen. Der Film eröffnete sich mit dem gruseligen Titel Schimmerscheiße wird Döner! Sodann sah man einen voluminösen Frauenschatten (die Gattin des Filmproduzenten) umherschwirrende Kleinschatten (im Küchenfilmstudio beheimatete Schmeißfliegen) mit einem Kochlöffel jagen. Die Kleinschatten wichen den Löffelhieben geschickt aus. Plötzlich öffnete sich eine Tür und herein trat der Schatten eines Mannes, der mit einer abgesägten Flinte (einem Catchupspender) das Feuer auf die Flugschatten eröffnete. Die flogen ungetroffen weiter, nur der voluminöse Frauenschatten plumpste zu Boden. Aus dem Hintergrundschatten des Raumes schälte sich ein kleinerer Schatten (der zehnte Sohn der fünfzehnköpfigen Familie). Der zückte ein Küchenmesser und stach es dem Flintenmann ins Hinterteil. Höher konnte der kleine Schatten wegen seiner geringen Größe nicht stechen. Nun setzte der Filmton ein. Mit einem hörbaren Aufschrei und dem Beisatz „Isch bin in Arsch gesticht!“ sank der Bestochene nieder. Der breite Schatten erhob sich schwerfällig und trat dem am Boden Liegenden mehrfach ins Gesäß, wobei das in diesem steckende Küchenmesser tiefer eindrang. Der Gepeinigte stieß schreckliche Laute aus, die derbreite Schatten mit den Worten bejubelte: „Schimmerscheiße Rutsch wird jetscht Döner! Geschieht disch rescht, Alter!“

Der Gestochene fand das gar nicht recht und brüllte schmerzerfüllt den Schlussatz: „Wär' isch doch in Schüsseldorf geblieben …!“

Rudolf Rasch war vom Filminhalt und dessen Aussageabsicht maßlos enttäuscht. Er stellte den Kümmeltürken, wie er den Produzenten ergrimmt nannte, zur Rede. Nachdem er ihm aufgezeigt hatte, welchen Mist er hergestellt hatte, verlangte er sein Geld zurück. Der missverstandene Türke wandte sich beleidigt an die Ausländerbehörde der Stadt. Die bewilligte ihm Schmerzensgeld. Er war nämlich der getretene und gestochene Schattenmann. Die Kameraführung hatte in den Händen seines Schwiegersohns gelegen. Auch der voluminösen Ehefrau wurde ein Linderungssümmchen zugesprochen, da sie auf den Boden geplumpst war.

Rasch ging leer aus. Als Beamter in Staatsdiensten sei es ihm nicht gestattet, fremdenfeindliche Parolen wie 'Kümmeltürke' auszustoßen, gab man ihm noch mit.

Doch Gottes Mühlen mahlten bereits. Erst langsam, dann immer schneller. Zum Missfallen Allahs. Zunächst so, dass kein Bürger der Stadt mehr an der Dönerbude Döner verlangte. Man glaubte, der beliebt-gefürchtete Rudolf Rasch sei zu Fleischscheiben verarbeitet worden. Dass es zu tätlichen Ausschreitungen gegen die türkische Familie kam, lässt sich denken. Die Anfeindungen nahmen ein jähes Ende, als Kriminalinspektor Rasch leibhaftig an der Dönerbude erschien und die Einstellung der Tätlichkeiten verlangte. Es gehöre auch zu seiner Pflicht, vorhersehbare Mordanschläge zu verhindern.

Der Jubel der Umstehenden war groß und setzte sich in noch größerem Maße in der gesamten Stadt fort. Der Pfarrer der Petrikirche ließ die Glocken läuten und die Gottesgläubigen Gott danken, dass er Bruder Rasch aus einem Döner auferstehen ließ. Die ungeschoren gebliebene Türkenfamilie ließ das Glockengebimmel kalt. Ihr Gott war Allah und das Gebetshaus die Moschee.

Hobbyfilmer Schmetterlingsscheiße, ein gottesfürchtiger Mensch, war von der Auferstehung des Kriminalinspektors ebenfalls beeindruckt. Um Buße zu tun, schritt er Vormittags barfüßig, mit einem Nachthemd als Büßergewand angetan, zur Wohnung Rudolf Raschs und drückte die Türklingel. Als Rasch die Pforte öffnete, sah er einen jungen Mann stehen, der wahrscheinlich ein Nachtwandler war, sich aber in der Tageszeit geirrt hatte.

„Geißeln Sie mich! Wenn Sie es nicht tun, tu ich's“, sprach der Nachthemdige mit entschlossener Stimme.

Weil Rudolf vor Verwunderung untätig blieb, zog der Erschienene eine Fliegenklatsche unter dem Gewand hervor und schlug sich mit der unablässig auf Körperteile, die er erreichen konnte. Auch sein Gesicht bläute er, und zwar so heftig, dass seine Nase schwoll. Als er eine Verschnaufpause einlegte, fragte Rasch, weshalb er sich schlage. Das könne er doch seinem Vater überlassen.

„Ich muss es selbst tun“, jammerte der Selbstverstümmler und hieb wieder heftig auf sich ein.

Rasch hielt dessen Schlaghand fest und wollte nun wissen, welches Vergehens er sich schuldig gemacht habe.

„Ich habe gesündigt“, drang es gequält aus geschwollenem Mund.

Inzwischen hatten sich Neugierige eingefunden, die es toll fanden, dass sich ein Halbstarker selbst züchtigte.

„Wird auch höchste Zeit“, ließ sich eine ältere Frau vernehmen, „dass die verlotterte Jugend selbst Hand an sich legt.“

Beifälliges Gemurmel.

„So bleibt es den Eltern erspart“, erklärte ein Greis.

„Welcher Art war deine Sünde?“ schob Rasch als Frage rasch dazwischen. Ihm oblag es nämlich auch, Suizide zu verhindern.

„Ich habe Sie mit einem Video geschmäht.“

„Auf You Tube?“ fragte Rasch.

„Ja!“

„Mit diesem hast du wahrlich gesündigt. Beinahe wäre es dir auch gelungen, diplomatische Verwicklungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei hervorzurufen.“

Der Geißler, dem das Nachthemd in Streifen hing und seinen Körperwunden Blut enttropfte, verstand diesen Fakt nicht. Die Umstehenden ebenso wenig.

„Das ist jetzt nicht mehr wichtig“, entschied Rudolf Rasch. „Du hast dich selbst gestraft. Das allein ist wichtig. Gehe hin in Frieden und kuriere deine Wunden. Es ist dir verziehen.“

Die umstehenden Frauen schluchzten und schickten dankbare Blicke zum Himmel, obwohl Rasch hier unten war. Die Männer drückten ergriffen das Taschentuch an die Augen. Schmetterlingsscheiße schlurfte benommen davon.

Raschs großherzige Geste zeigte sich als fettgedruckte Schlagzeile des 'Stadtanzeiger'. In den bewegenden Folgetext war das Foto einer blutverschmierten Fliegenklatsche mit dem Hinweis eingefügt, dass sie die Geißel Gottes sei. Am nächsten Tag gab es keine Fliegenklatsche mehr zu kaufen. Drei Schläge mit ihr vor dem Zubettgehen erlösen von begangener Tagessünde, hatte der 'Stadtanzeiger' verkündet.

Der Pfarrer der Petrikirche fühlte sich übergangen. Nach interner Rücksprache mit dem lieben Gott segnete er die Schmetterlingsscheißsche Fliegenklatsche und hängte sie der Jesusfigur am Alter an den ausgestreckten Zeigefinger. Eine fanatische Christin sah Blut aus der Klatsche rinnen.

„Die ist beklatscht“, kommentierte der Pfarrer, weil er das nun wahrlich nicht glauben wollte.

Um den Kopf des Kriminalinspektors abzurunden, müssen noch seine großflächigen und abstehenden Ohren betrachtet werden. Sie waren denen des englischen Kronprinzen Charles sehr ähnlich. Raschs Ohren jedoch feinhöriger. Der hörte nämlich Flöhe husten und das Gras wachsen. Übertrieben war die Behauptung, er vernehme auch das Umfallen eines Reissacks im fernen China. Missgünstige Bürger höhnten, er könne mit seinen Segelfliegerohren fliegen. Diesen Beweis werde er antreten, sagte Rasch. Am Sonntag Mitte August werde er nach dem Mittagsmahl von der städtischen Festwiese abheben.

Das glaubte niemand. Auch die Rasch-Fans zweifelten an dieser Fähigkeit ihres Idols. Zumal er nach dem Mittagsmahl abheben wollte. Dann war er ja noch schwerer. Die Missgünstigen spotteten, er werde emporspringen und dann auf die Schnauze fallen. Oder noch krasser: Er werde vor Angst in die Hose scheißen. Das sagten sie deshalb, weil sie fürchteten, Rasch werde wirklich in die Luft gehen. Dem war schließlich alles zuzutrauen.

Er ging in die Luft, und zwar mit einem Gleitflieger, der ihn über die Festwiese trug. Die Zuschauer waren des Staunens voll. Die Rasch-Fans bejubelten ihren flugfähigen Star. Die Missgünstigen trollten sich davon.

Die noch nicht hinter Gitter befindlichen Verbrecher fürchteten um ihre Nochfreiheit. Wenn Rasch nun auch vom Himmel her käme wie das Christkind, müsste man beispielsweise Handtaschendiebstähle sein lassen. Auch die Vergewaltigung einer Frau im Straßengraben oder auf einer einsehbaren Fläche würde Rasch entdecken und vereiteln. Die zu stillende Wollust wäre verhindert. Noch andere Unmöglichkeiten einer Tatausführung erwägten die Ganoven. Der eine oder andere dachte über den vorzeitigen Abbruch seiner Verbrecherkarriere nach. Die Rückkehr ins normale Leben würde auch vor jahrelanger Inhaftierung bewahren. Es sei ohnehin keine Freude mehr, in den Knast zu kommen. Verfüge man über einen gut geformten Po, eine wabbelige Männerbrust und einen halbschwangeren Bierbauch, sei man in der vergitterten Verwahranstalt vor Angriffen sexueller Lüstlinge nicht sicher. Die schwulen Schweine würden selbst unter den milden Blicken der Wärter ihre Lust austoben. Für die Wärter wäre es Pornografie live.

Die Befürchtungen der Verbrecher waren jedoch unbegründet, denn Rasch hatte nicht die Absicht, den entliehenen Gleitflieger in seinen Besitz zu bringen. Schon deshalb nicht, weil Foxi Flugangst hatte. Die war ihm geboren, als ihn ein heftiger Herbststurm viele Meter durch die Luft gewirbelt hatte und dann gegen einen Baumstamm krachen ließ. Die Heilung seiner gebrochenen Rippen dauerte sehr lange. In dicke Gipsbinden gehüllt glich er einem weißen Mops. Möpse konnte Foxi nicht ausstehen.

Weil Raschs überdimensionale Ohren zu großer Berühmtheit gelangt waren, wünschte sich Foxi ebensolche. Weil er diesen Wunsch durch anhaltendes Jaulen kenntlich machte, auch des Nachts, entfachte er damit den Unmut lärmempfindlicher Nachbarn. Rudolf Rasch sah sich gezwungen, seinen treuen Liebling einem Schönheitschirurgen vorzustellen.

Beim Schönheitschirurgen

Dr. bel. Reginald Hässlich empfing sie freundlich. Foxi gab sogar Pfötchen. Er wusste sich zu benehmen. Rasch interessierte zunächst der Zusatz 'bel' hinter Dr.

„Das heißt 'beliebt', Herr Kriminalinspektor.“

Rasch trug ihm nun sein Anliegen vor. Hässlich gab zu verstehen, dass seine Kunst ausschließlich menschlichen Wesen diene, vorrangig weiblichen. Er habe zwar auch schon abstehende Ohrmuscheln in Kopfnähe gebracht, doch waren es stets menschliche. Er richtete seinen Blick auf Raschs Ohren und meinte grinsend, dass er sich an diesen versuchen könnte. Es würde ihm sogar Freude bereiten, und Herr Rasch bräuchte nur den halben Preis zahlen. Der verbat sich eine operative Veränderung seiner Ohren. Nicht aus Angst, sondern weil das Foto seines Dienstausweises ihn so und nicht anders zeige.

Der Schönheitsdoktor konnte das aus ästhetischer Sicht nicht begreifen. Er hub an, den Kriminalinspektor über die Verfremdung dessen Kopfes durch die Fledermausohren aufzuklären.

„Solche Ohren trägt heutzutage kein moderner Mann mehr“, sagte er. „Abgesehen von der Schwierigkeit, Kopfhörer auf ihnen sicher zu platzieren, sind sie auch anderweitig ein echtes Hindernis. Stellen Sie sich mal vor, Sie würden beim Verlassen eines Personenlifts zwischen dessen schnellschließende Tür geraten. Schwuppdiwupp wäre eines ihrer unförmigen und wahrlich nicht schönen Ohren eingeklemmt. Der sich in Bewegung setzende Lift würde es abreißen und Ihren eingeklemmten Kopf mitziehen. Weil es einem Personenlift an menschlicher Empfindung fehlt, würde er seine Fahrt gefühllos fortsetzen. In welche Richtung auch immer. Da der Elektromotor des Lifts über größere Kräfte verfügt als ihr am Hals befindlicher Kopf, käme es zur schmerzhaften Dehnung der Halswirbel. Die würden sich jedoch nur bis zu einer gewissen Länge strecken lassen, und dann wäre Schluss mit lustig. Ihr Kopf würde ohne Körper nach oben oder unten fahren. Welch ein Schreck für die Personen, die in der nächsten Etage zusteigen wollten. Der Schreck würde sich in pures Erstaunen wandeln, weil sie Kriminalinspektor Raschs Kopf noch nie ohne Körper unterwegs gesehen hatten. Schließlich würde man in schallendes Gelächter ausbrechen, weil dem Kopf ein Ohr fehlte. Dieses unwirkliche Aussehen ...“, der Doktor lachte nun selbst, „... dieses ...“, - Hahahaha! - „...dieses ...“, ihm traten Tränen in die Augen, „... dieses befremdliche ...“, - Hihihihihi! - „... ich kann nicht mehr ...“, brach er die Darstellung des Einohrkopfes ab.

„Ich weiß nicht, was es da zu lachen gibt“, tadelte Rasch, der den Verlust eines Ohrs für eine ernste Angelegenheit hielt.

Der Chirurg ließ sich auf einen Behandlungsstuhl nieder. In dieser Stellung versuchte er, Herr seines Lachkrampfs zu werden. Er druckste, gluckste und schluckte, als stecke ihm eine Kartoffel im Hals.

Rasch fragte, ob er helfen könne. Den Doktor plagten sicherlich heftige Bauchschmerzen. Der schüttelte nur den Kopf, denn würde er den Mund öffnen, schösse ihm das Zwerchfell aus diesem.

Auch Foxi fühlte mit. Weil des Mannes Qualen wohl sehr schlimm waren, biss ihm Foxi lindernd ins linke Bein. Der Doktor schrie auf und hatte somit sein Zwerchfell gerettet. Er bedankte sich bei Foxi und reichte ihm ein Stück Fleisch, das er vor Stunden einer dicken Frau aus der Hüftgegend geschnippelt hatte. Foxi mochte zwar keine Geschenke, denn schließlich war er Polizeihund, doch machte sein Hunger, dass er den Fleischbrocken zwischen die Zähne klemmte.

„Auch bei Ihnen als Besitzer dieser Töle ...“ - Foxi ließ das Fleischstück fallen und knurrte böse, „... als Eigentümer dieses niedlichen …“ - Foxis Knurren hielt an, „... als Herrchen dieses braven Tieres ...“ - Foxi klemmte den Fleischbrocken wieder zwischen die Zähne, „... möchte ich mich herzlich bedanken. Niemals wäre mir der Wunsch gekommen, einem berüchtigten Kriminalinspektor die abstehenden Ohren zu kürzen und an den Kopf zu nähen. Ihr Erscheinen drängt mich jedoch zu dieser interessanten Tätigkeit.“

Rasch verstand nicht recht. „Sie wollen ...“ -

„Ja, ich will! Will Ihrem Kopf ein menschenähnliches Aussehen geben.“

„Menschenähnliches?“, Raschs Frage klang bedrohlich.

„Genau! Um dieses auch dem Aussehen eines normalen Deutschen anzupassen, müsste ich Ihre Nase kürzen und den Mund nach oben und unten hin etwas weiten. Die Lippen bekämen mittels Botox-Spritzung eine geringe Wölbung. Sie hätten wieder Lust, dieselben zum Kuss zu reichen.“

Der Chirurg fasste Raschs Kopf am Kinn und drehte ihn prüfend nach links und rechts. Foxi fraß derweil genüsslich das Fleischstück.

„Ja, ja“, setzte der Chirurg seine Vorstellung fort, „so könnte es gehen. Die entfernte Nasenspitze werde ich an das linke Ohrläppchen heften. Nach der Ohrbehandlung versteht sich. Das sähe nicht nur geil aus, sondern diente auch als Ersatzteil für einen möglichen Nasenbruch.“

Jetzt wurde es Rasch unbehaglich. Er stieß die kinnhaltende Hand des Chirurgen von sich und fragte mit Ermittlerstimme, ob er ihn umbringen wolle. Der Arzt lachte gezwungen und verneinte. Foxi spuckte den verbliebenen Fleischrest aus und beknurrte böse den Mann im weißen Kittel.

„Dann unterlassen Sie weitere Planungen meiner Kopfveränderung. Ich bleibe wie ich bin. Nur so fürchtet mich die Unterwelt.“

„Wie belieben“, dienerte Dr. bel. Hässlich. „Doch lassen Sie mich wiederholt sagen, dass es Ihrem Aussehen nicht abträglich wäre, erführe Ihre Visage eine Veränderung. Meinem Können können Sie vertrauen.“

„Meinen Hund sollen Sie verändern“, murrte Rasch.

Foxi knurrte beipflichtend. Hässlich überhörte diesen Einwurf und führte Rasch zu einer Wand des Behandlungsraumes.

„Sehen Sie“, sprach er und deutete auf eine Reihe eingerahmter Fotos, die Köpfe von zehn Frauen und einem Mann zeigten, „das sind meine Kunstwerke. Sie alle waren vor meinem Zugriff recht unansehnliche Menschen.“

Hässlich, der auch keine nennenswerte Schönheit war, nahm ein Foto von der Wand und reichte es Rasch. Der sollte das Aussehen der Dame begutachten, die ihn gequält anlächelte.

„Lebt sie noch?“, fragte Rasch.

„Warum nicht?“, tat Reginald verwundert.

„Sie trägt deutlich Spuren eines brutalen Überfalls von hinten.“

„Von vorn, bitte, von vorn, Herr Rasch. Aber keinesfalls eines Überfalls, sondern eines operativen Zugriffs durch mich.“

„Dann ist sie von Ihnen schwer misshandelt worden“, schätzte Rasch mit Kennerblick ein.

„Misshandelt?“, Hässlich bekam Atemnot.

„Misshandelt! Sehen Sie nur den scharfen Schnitt an der unteren Kinnhälfte. Sie wollten der Frau sicherlich die Kehle durchschneiden. Aus welchem Grund auch immer. Sie ahnte das und wehrte sich.“

Hässlichs Gesicht verfärbte sich.

„Damit aber nicht genug. Ihr Mund ist geschwollen und die Nase platt. Sicherlich haben Sie ihr mehrere heftige Fausthiebe ins Gesicht versetzt, um sie gefügig zu machen.“

„Gefügig?“

„Gefügig! Es ist nicht selten, dass sich Ärzte an einer Patientin sexuell vergehen wollen. Vor allem, wenn die Patientin hübsch und der Arzt hässlich ist.“

Hässlich zitterte unter dem forschenden Blick Raschs. Foxi näherte sich zubissbereit den Arztfüßen.

„Warum hat die Alte, denn jung ist sie nicht mehr, blauumrandete Augen? Sagen Sie ja nicht, dass sie sich geschminkt hat. So viel Farbe passt gar nicht um den Augenbereich. Seien Sie ehrlich, Hässlich, Sie haben ihr eine verplättet, und zwar gezielt auf die Zwölf. Ihr Gesicht sieht reichlich deformiert aus.“

„De...dem mu...muss i...ich ent...entschie...entschie...“ Hässlich brach ab und in Tränen aus.

„Ja, so ist das“, schlussfolgerte Rasch, „die Reue kommt immer zu spät.“

Er hängte die Frau auf und nahm eine andere vom Haken.

„Was haben Sie mit der gemacht?“

Hässlich war in sich zusammengesunken. Ein Häufchen Elend, des Sprechens unfähig, blickte aus verstörten Augen den Kriminalinspektor an.

„Da es Ihnen die Sprache verschlagen hat, will ich es für Sie tun. Eine typische Reaktion von sprachlos gewordenen Mördern, wenn ihnen das Strafmaß in Aussicht gestellt ist.“

„Wollen Sie damit sagen“, gewann Hässlich die Sprache zurück, „dass ich verurteilt werden soll?“ Er guckte, als würde jeden Moment das Fallbeil auf seinen Hals niedersausen.

Rasch linderte seine Furcht nicht. Er verstärkte sie mit der Aufforderung: „Sagen Sie klar und deutlich, wieviel Menschen Sie auf dem Gewissen haben! Außer den hier Gehängten.“

Hässlich rutschte auf Knien zum Schreibtisch und zog aus diesem eine Schublade. Das fiel ihm schwer, da ihm die Hände zitterten. Als es ihm gelang, einen Schnellhefter der Schublade zu entnehmen, läutete das auf dem Schreibtisch befindliche Telefon. Rasch nahm den Hörer ab und fragte: „Wer da?“ Dann lauschte er der Stimme vom anderen Ende. „Soso! Sie sind die Frau Plumpsack! Was wollen Sie?“

Damit Dr. Hässlich das Gespräch mithören konnte, drückte Rasch den Lautsprecherknopf.

„Was soll die Frage, lieber Doktor? Sie wissen doch, wer ich bin. Die Lilo, die sie so mögen. Ich will Sie nur daran erinnern, dass Sie heute meine Brüste verjüngen wollen.“

„Ich bin nicht Ihr lieber Doktor“, raunzte Rasch.

„Wie bitte?“, schrillte die Frauenstimme.

Hässlich faltete die Hände zum Gebet und schickte es gen Rasch. Der negierte es.

„Hier spricht die Mordkommission, Gnädigste! Wieviel Brüste will Hässlich Ihnen denn kleiner schnitzen?“

Foxi spitzte die Ohren. Er ahnte wieder Menschenfleisch.

„Zwei natürlich“, nahm die Stimme vom anderen Ende einen entschiedenen Ton an. „Ich habe nur zwei. Und geschnitzt sollen sie nicht werden. Verjüngt, verjüngt!“

„Das kommt aufs Gleiche raus“, meinte Rasch. „Wie groß sind die Dinger?“

„Was für Dinger?“

„Die Möpse!“

Foxi knurrte. Er liebte keine Möpse.

„Das geht Sie einen feuchten Dreck an! Wer spricht da eigentlich?“

„Die Mordkommission!“

„Um Gottes Willen!“, kreischte die Plumpsack plötzlich. „Warum haben Sie Dr. Hässlich ermordet?“

Hässlich lag nun ausgestreckt am Boden und gab wimmernd abgehackte Laute von sich. Foxi leckte ihm teilnahmsvoll die Wangen.

Frau Plumpsack rief ihren Mann ans Telefon. „Hubert“, sprach sie äußerst erregt, „hier ist der Mörder Dr. Hässlichs am Apparat!“

Sofort nahm Hubert das Wort und fragte streng: „Wen haben Sie ermordet, Dr. Hässlich? Wagen Sie ja nicht, sich aus der Affäre zu ziehen. Ich vermute seit langem, dass es in Ihrer Praxis nicht mit rechten Dingen zugeht. Von wegen Schönheitsoperation! Hahaha!“

Hubert lachte kurz und grimmig. Gattin Lilo wollte ihm das Wort und den Telefonhörer entziehen, dabei jammernd: „Hubert! Du hast missverstanden!“

„Misstanten! Ja, Misstanten!“ Huberts anklagende Stimme hob sich. „Meine Frau gehörte wohl auch zu den Misstanten, die Sie, Herr Hässlich, zu hässlichen sexuellen Spielen genötigt haben. Damit Ihnen die Frauen auch appetitlich wurden, verschönerten Sie sie vorher.“

Hubert schnaufte wie ein wütender Bulle.

Nun hielt es Rasch an der Zeit, das Missverständnis aufzuklären. „Mäßigen Sie sich, Herr Plumpsack! Das Ganze ...“ -

„Das Ganze ist eine Riesenschweinerei“, schnitt ihm Hubert das Wort ab. „Nun wird Sie die gerechte Strafe ereilen, Sie Kurpfuscher! Endlich haben Sie eine Frau umgebracht. Damit Ihnen nicht noch weitere Morde gelingen, werde ich die Angelegenheit der Mordkommission übergeben. Sie kennen sicherlich Kriminalinspektor Rudolf Rasch! Der wird Sie an den Galgen bringen! Haben Sie noch ein letztes Wort?“

Hässlich war zum Fenster gekrochen und versuchte mit letzter Kraft, die Fensterbank zu erreichen. Er hatte eindeutig die Absicht, aus dem Fenster zu springen.

Rudolf Rasch übernahm für ihn das letzte Wort und sprach ins Telefon: „Hier Kriminalinspektor Rudolf Rasch, Leiter der Mordkommission. Sie wünschen bitte?“

Hubert rang nach einer Antwort. Sodann: „Ist denn das die Möglichkeit! Kaum hat man vom Teufel gesprochen, schon ist er da. Herr Kriminalinspektor, verurteilen Sie sofort den Mann am Telefon. Es ist Hässlich. Er hat gestanden, eine Frau ermordet zu haben.“

„Wird gemacht!“, beendete Rasch das Telefonat und legte den Hörer auf.

Hässlich hatte das Fenster geöffnet und rief nach draußen: „Leb wohl, du schöne Welt!“

Von unten rief es zurück: „Guten Tag, Herr Doktor! Jawohl, heut' ist ein schöner Tag!“

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