Logo weiterlesen.de
Neukirchener Kinderbibel/Erzählbibel

Inhalt

Neukirchener Kinder-Bibel

Inhaltsverzeichnis

Zum Gebrauch der Neukirchener Kinder-Bibel

Das Alte Testament

I. Gott macht den Anfang

II. Gott gibt sein Versprechen

III. Gott führt sein Volk

IV. Gott gibt das Land

V. Gott setzt Könige ein

VI. Gott sendet seine Propheten

VII. Gott ist Herr über die Welt

VIII. Gott bringt heim

Das Neue Testament

I. Jesus, der Retter, ist da!

II. Jesus hilft

III. Jesus erzählt

IV. Jesus geht nach Jerusalem

V. Jesus muss sterben

VI. Jesus lebt

VII. Jesus sendet seine Jünger

VIII. Jesus kommt wieder

Anhang

A. Einführung in die Geschichten der Bibel

B. Die Geschichten des Alten Testaments

C. Die Geschichten des Neuen Testaments

Neukirchener Erzählbibel

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Alte Testament

1. Am Anfang

Das erste Buch Mose (Genesis)

2. Der Auszug

Das zweite und dritte Buch Mose
(Exodus und Leviticus)

3. Durch die Wüste

Das vierte und fünfte Buch Mose
(Numeri und Deuteronomium)

4. Einzug ins Land

Das Buch Josua

5. Im neuen Land

Das Buch der Richter und Rut

6. Ende und Neuanfang

Das erste Buch Samuel

7. König David

Das zweite Buch Samuel

8. Unter den Königen Israels

Das erste und zweite Buch der Könige

9. Unter den Königen Judas

Das erste und zweite Buch der Chronik

10. Unter fremden Herrschern

Die Bücher Esra, Nehemia und Ester

11. Klagen und Loben

Das Buch Hiob

Die Botschaft der Propheten

12. Der Prophet Amos

13. Der Prophet Jesaja

14. Der Prophet Jeremia

15. Der Prophet Hesekiel

16. Das Buch Daniel

17. Der unbekannte Prophet

Das Neue Testament

18. Das Evangelium von Jesus Christus

Das Johannesevangelium

19. Die Ausbreitung des Evangeliums

Die Apostelgeschichte des Lukas (1)

20. In alle Welt

Die Apostelgeschichte des Lukas (2)

21. Die Botschaft der Hoffnung

Die Offenbarung des Johannes

Einführung in die biblischen Bücher

Das Alte Testament

Die Botschaft der Propheten

Das Neue Testament

Titel

Inhalt

Das Alte Testament

I. Gott macht den Anfang

1. Am Anfang

2. Mann und Frau

3. Die Schlange

4. Kain und Abel

5. Noah und die Arche

6. Der Turm von Babel

II. Gott gibt sein Versprechen

7. Abraham und Sara

8. Abraham im neuen Land

9. Abraham muss warten

10. Abraham bekommt Besuch

11. Lot

12. Ismael

13. Isaak

14. Isaak und Rebekka

15. Jakob und Esau

16. Jakob bekommt den Segen

17. Jakob auf der Flucht

18. Jakob im fremden Land

19. Jakob kehrt heim

20. Josef und seine Brüder

21. Josef in Ägypten

22. Josef im Gefängnis

23. Josef vor dem König

24. Josefs Brüder in Ägypten

25. Josef söhnt sich aus

26. Jakob zieht nach Ägypten

III. Gott führt sein Volk

27. In Ägypten

28. Mose

29. Mose muss fliehen

30. Mose im Land Midian

31. Mose bekommt einen Auftrag

32. Mose bei Pharao

33. Die zehn Plagen

34. Der Auszug aus Ägypten

35. Durch das Rote Meer

36. Durch die Wüste

37. Hunger

38. Ein Überfall

39. Am Berg Sinai

40. Das goldene Kalb

41. Fast am Ziel

42. Schlangen

43. Mose sieht das Land

IV. Gott gibt das Land

44. Josua

45. Josua nimmt das Land ein

46. Gideon

47. Gideon und die Midianiter

48. Rut

49. Rut und Boas

50. Samuel

51. Samuel bei Eli

V. Gott setzt Könige ein

52. Saul

53. David

54. David bei König Saul

55. David und Goliat

56. David muss fliehen

57. David in der Höhle

58. David in der Wüste

59. David wird König

60. David in Jerusalem

61. David bekommt ein Versprechen

62. David und Batseba

63. David und Absalom

64. Salomo

65. Salomo baut den Tempel

VI. Gott sendet seine Propheten

66. Elia

67. Elia im fremden Land

68. Elia auf dem Berg Karmel

69. Elia in der Wüste

70. Elisa und Naaman

71. Jona

72. Jona in Ninive

73. Jesaja und König Hiskia

74. Die Schriftrolle

75. Jeremia

76. Jeremia und Baruch

VII. Gott ist Herr über die Welt

77. Daniel

78. Daniel deutet einen Traum

79. Daniels Freunde im Feuerofen

80. Daniel in der Löwengrube

VIII. Gott bringt heim

Das Neue Testament

I. Jesus, der Retter, ist da!

1. Gute Nachricht für Zacharias

2. Gute Nachricht für Maria

3. Jesus wird geboren

4. Ehre sei Gott!

5. Endlich ist er da!

6. Der neue König

7. Auf der Flucht

8. Auf dem Passafest

9. Am Jordan

10. In der Wüste

11. Die ersten Jünger

II. Jesus hilft

12. Am See

13. Auf der Hochzeit

14. Ausgestoßen

15. Gelähmt

16. Sprich nur ein Wort!

17. Zu spät?

18. Weine nicht!

19. Dein Glaube ist groß!

20. Hephata!

21. Eine dunkle Macht

22. Im Sturm

23. Alle werden satt

24. Nachts auf dem See

III. Jesus erzählt

25. Freut euch, ihr Armen!

26. Vom Sämann

27. Vom Beten

28. Vom bittenden Freund

29. Vom barmherzigen Samariter

30. Vom reichen Bauern

31. Vom verlorenen Schaf

32. Von der verlorenen Münze

33. Vom barmherzigen Vater

34. Vom Pharisäer und Zöllner

35. Von der bittenden Witwe

36. Von den beiden Knechten

37. Von den Arbeitern im Weinberg

IV. Jesus geht nach Jerusalem

38. Du bist Christus!

39. Auf dem Berg

40. Der einzige Sohn

41. Die gebeugte Frau

42. Der dankbare Samariter

43. Lasst die Kinder zu mir!

44. Der Reiche

45. Zachäus

46. Bartimäus

47. Marta

48. Lazarus

49. Maria

50. Hosianna!

V. Jesus muss sterben

51. Jesus räumt auf

52. Jesus wäscht den Jüngern die Füße

53. Jesus feiert das Mahl

54. Jesus betet in Gethsemane

55. Jesus wird verhaftet

56. Jesus wird verhört

57. Jesus wird verleugnet

58. Jesus wird verurteilt

59. Jesus wird gekreuzigt

60. Jesus wird begraben

VI. Jesus lebt

61. Jesus erscheint den Frauen

62. Jesus erscheint den Jüngern

63. Jesus erscheint Thomas

64. Jesus erscheint am See

VII. Jesus sendet seine Jünger

65. Jesus geht zum Vater

66. Gott schenkt seinen Geist

67. Petrus und der Bettler

68. Petrus im Gefängnis

69. Ein Minister aus Afrika

70. Paulus wird Christ

71. Paulus geht nach Europa

VIII. Jesus kommt wieder

72. Seid wachsam!

73. Seid bereit!

74. Kommt zum Fest!

Anhang

A. Einführung in die Geschichten der Bibel

I. Die Eigenart biblischer Geschichten

II. Das Thema der biblischen Geschichten

B. Die Geschichten des Alten Testaments

I. Gott macht den Anfang

II. Gott gibt sein Versprechen

III. Gott führt sein Volk

IV. Gott gibt das Land

V. Gott setzt Könige ein

VI. Gott sendet seine Propheten

VII. Gott ist Herr über die Welt

VIII. Gott bringt heim

C. Die Geschichten des Neuen Testaments

I. Jesus, der Retter, ist da!

II. Jesus hilft

III. Jesus erzählt

IV. Jesus geht nach Jerusalem

V. Jesus muss sterben

VI. Jesus lebt

VII. Jesus sendet seine Jünger

VIII. Jesus kommt wieder

Zum Gebrauch der Neukirchener Kinder-Bibel

Diese Bibel richtet sich in erster Linie an Kinder. Sie will Kinder in die Geschichte der Bibel einführen, sie für Gottes Wort öffnen und sie dazu anregen, die Bibel selbst zu entdecken.

Die Kinder-Bibel richtet sich aber auch an interessierte Erwachsene, an Eltern, Lehrende und Erziehende. Sie lädt dazu ein, die Geschichten mit Kindern zu lesen und sie für Kinder neu zu erschließen.

Daraus erklärt sich die Eigenart dieser Kinder-Bibel:

1. Die Erzähltexte

erzählen in einfacher, bildhafter Sprache und sind in Sinnzeilen geordnet. Sie möchten Kinder schon in frühem Alter mit der Bibel vertraut machen.

pfeil.png Sie orientieren sich in Inhalt und Sprachform an den biblischen Texten selbst. Sie möchten Kinder und Erwachsene hellhörig machen für die besondere Botschaft dieser Texte.

pfeil.png Sie bauen thematisch aufeinander auf. Sie zeigen den inneren Zusammenhang biblischer Zeugnisse auf und empfehlen sich zu fortlaufender Lektüre.

pfeil.png Sie erzählen von Gott, der uns in der Geschichte nahekommt. Sie laden Erwachsene und Kinder ein, diese Geschichte neu zu entdecken und selbst weiterzuerzählen.

2. Der Anhang

gibt eine thematische Einführung in die Themen und Texte der Kinder-Bibel und dient als Hinführung zum eigenen Bibelstudium. Er richtet sich an Erwachsene, die an einem biblischen Grundkurs interessiert sind und möchte zugleich als biblisch-theologische Grundlage für die eigene Nacherzählung biblischer Geschichten dienen.

Die Kinder-Bibel ist im neutestamentlichen Teil um 16 Geschichten erweitert worden (seit der 12. Auflage). Der Text der Bibel folgt der neuen Rechtschreibung.

Das Alte Testament

I
Gott macht den Anfang

Dies ist die Geschichte,

die uns die Bibel erzählt.

Sie erzählt von Gott

und seinen Menschen

und von dem Weg,

den er mit ihnen ging.

Es ist eine sehr lange Geschichte,

die längste und größte

und erstaunlichste Geschichte,

die uns Menschen bekannt ist.

Sie begann schon vor langer Zeit,

lange bevor wir geboren wurden,

lange bevor unsere Eltern

und Großeltern lebten.

Vor vielen, vielen Jahren,

als noch kein Mensch

auf der Erde lebte,

als noch keine Blume

und kein Baum auf der Erde wuchs,

noch viel, viel früher,

als es noch nicht einmal die Erde gab,

da war Gott schon da,

ganz am Anfang.

Mit ihm beginnt diese Geschichte.

1. Am Anfang

Am Anfang
schuf Gott Himmel und Erde.

Noch war die Erde öde

und ohne Leben.
Wasser bedeckte das Land.
Und es war überall dunkel.

Da sprach Gott:
„Es werde Licht!“

Und es geschah,
wie Gott gesagt hatte:
Über der Erde wurde es hell.

Und Gott sah,
dass das Licht gut war.
Er trennte das Licht von dem Dunkel.
Und er nannte das Licht „Tag“.
Und das Dunkel nannte er „Nacht“.

Da wurde es Abend.
Die Erde lag wieder im Dunkeln.
Der erste Tag war vorüber.

Und Gott sprach:
„Über der Erde
soll ein Himmel entstehen!“

Und so geschah es:
Gott spannte das Firmament
über die Erde
und nannte es „Himmel“.

Und Gott sah,
dass es gut war,
was er gemacht hatte.

Wieder wurde es Abend.
Der zweite Tag war vorüber.

Und Gott sprach:
„Alles Wasser soll weichen!“

Und so geschah es:
Das Wasser floss zusammen.
Und trockenes Land trat
aus dem Wasser hervor.
Und Gott nannte das Trockene „Land“.
Und das Wasser nannte er „Meer“.

Und Gott sprach:
„Das Land bringe hervor
Gräser und Kräuter
und Bäume aller Art.“

Und Gott sah,
dass es gut war,
was er gemacht hatte.

Wieder wurde es Abend.
Der dritte Tag war vorüber.

Und Gott sprach:
„Lichter sollen am Himmel leuchten
bei Tag und bei Nacht!“

Und so geschah es:
Am Morgen ging die Sonne auf,
strahlend und hell.
Und am Abend leuchtete
der Mond am Himmel.
Und viele Sterne funkelten
in der dunklen Nacht.

Und Gott sah,
dass es gut war,
was er gemacht hatte.

Wieder wurde es Abend.
Der vierte Tag war vorüber.

Und Gott sprach:
„Tiere sollen das Wasser
und die Luft mit Leben erfüllen!“

Und so geschah es:
Im Wasser wimmelte es bald
von allerlei Tieren,
großen und kleinen Fischen.

Und Vögel flogen
in Schwärmen herbei
und erfüllten die Luft
mit ihrem Geschrei.

Und Gott sah,
dass es gut war,
was er gemacht hatte.
Er segnete die Fische und Vögel
und sprach:
„Vermehrt euch!
Legt Eier und brütet sie aus!

Wasser und Luft

sollen von euch erfüllt sein.“

Wieder wurde es Abend.

Der fünfte Tag war vorüber.

Und Gott sprach:

„Auch auf dem trockenen Land

sollen allerlei Tiere leben!“

Und so geschah es:

Gott schuf die Tiere,

die auf dem Land leben,

große und kleine,

flinke und lahme,

wilde und zahme,

alles, was kriecht

und was Beine hat.

Und Gott sah,

dass es gut war,

was er gemacht hatte.

Zuletzt aber schuf Gott

den Menschen.

Gott sprach:

„Ich will Menschen machen,

die mir gleichen.

Über alle Tiere

will ich sie stellen.“

Und Gott schuf den Menschen

nach seinem Bild:

Mann und Frau.

Und Gott segnete sie

und sprach:

„Vermehrt euch!

Breitet euch aus über die Erde!

Alles, was ich gemacht habe,

soll für euch da sein,

die Bäume und die Früchte,

die Fische und die Vögel

und die Tiere auf dem Land.

Alles soll euch gehören,

euch und allen Menschen,

die auf der Erde leben werden.

Aber ihr sollt mir gehören.“

Und Gott sah auf alles,

was er gemacht hatte.

Es war alles sehr gut.

Da wurde es Abend.

Der sechste Tag war vorüber.

Am siebten Tag aber ruhte Gott

und vollendete sein Werk.

Gott segnete den siebten Tag

und sprach:

„Dieser Tag soll mein Tag sein.

Alle Arbeit soll ruhen

an diesem Tag!“

So wurden Himmel und Erde

durch Gott geschaffen.

Alles, was in dieser Welt ist,

kommt von ihm.

1. Mose 1

2. Mann und Frau

So schuf Gott den Menschen:

Er machte ihn aus Erde

und hauchte ihm Leben ein.

Und Gott ließ ihn wohnen

im Land Eden,

in einem Garten mit vielen Bäumen

und köstlichen Früchten.

Der Mensch durfte ihn pflegen

und seine Früchte ernten.

Der ganze Garten war für ihn da.

Da sprach Gott:

„Es ist nicht gut,

dass der Mensch allein bleibt.

Ich will ihm eine Gefährtin geben,

die ihm gleich ist,

die zu ihm gehört

und die ihn versteht.“

Und Gott brachte Tiere zu ihm.

Und der Mensch gab ihnen Namen,

jedem Tier einen besonderen Namen.

Aber unter allen Tieren

fand sich kein Tier,

das dem Menschen gleich war.

Mit keinem konnte er reden.

Und kein Tier konnte

den Menschen verstehen.

Da ließ Gott den Menschen

in einen tiefen Schlaf sinken.

Und als er aufwachte,

da war eine Frau bei ihm.

Gott hatte sie ihm gegeben.

„Endlich!“, rief er froh.

„Das ist sie,

meine Frau,

der Mensch,

der mir fehlte!“

Nun war der Mensch

nicht mehr allein.

Nun gehörten sie

für immer zusammen:

Frau und Mann,

Mann und Frau.

Gott hatte sie

füreinander geschaffen.

1. Mose 2

3. Die Schlange

Adam und Eva hießen die Menschen,

die Gott geschaffen hatte.

Sie lebten miteinander in Frieden.

Sie kannten keine Angst

und auch keine Schmerzen.

Es fehlte ihnen an nichts.

Gott war bei ihnen

und sorgte für sie

wie ein Vater für seine Kinder.

Alles hatte Gott

den Menschen gegeben.

Alles, was im Garten wuchs,

durften sie ernten und essen.

Nur eines hatte Gott verboten:

Mitten im Garten

stand ein besonderer Baum,

der „Baum der Erkenntnis“.

Wer von diesem Baum aß,

wusste, was gut und böse ist.

Dieser Baum gehörte nur Gott.

Gott hatte zu Adam gesagt:

„Alle Früchte dürft ihr essen.

Aber von diesem Baum

sollt ihr keine Frucht essen.

Sonst werdet ihr sterben.“

Aber eines Tages geschah es:

Eva ging mit Adam im Garten umher.

Plötzlich hörte sie eine Stimme.

Sie schaute sich um.

Da entdeckte sie eine Schlange.

Die sah sie listig an

und flüsterte ihr zu: „Wie?

Dürft ihr keine Früchte essen?

Hat Gott das gesagt?“

„Aber nein“, widersprach Eva.

„Alles dürfen wir essen.

Nur von dem Baum in der Mitte

sollen wir nichts essen.

Gott hat gesagt:

,Esst nicht davon!

Rührt seine Früchte nicht an!

Sonst müsst ihr sterben.‘“

Aber die Schlange flüsterte:

„Nein, glaub mir!

Ihr werdet nicht sterben.

Sondern ihr werdet

wie Gott sein,

so klug wie Gott selbst.“

Da sah Eva den Baum an.

Wie seine Früchte lockten!

Eva streckte die Hand aus,

pflückte eine Frucht,

biss hinein

und gab sie ihrem Mann.

Der nahm die Frucht

und aß auch davon.

Auf einmal gingen

den beiden die Augen auf.

Plötzlich erkannten sie,

dass die Schlange sie betrogen hatte.

Sie schauten sich erschrocken an.

Da sahen sie, dass sie nackt waren.

Schnell rissen sie

ein paar Feigenblätter ab

und banden sie sich um.

Schon kam der Abend heran.

Da hörten sie,

wie Gott durch den Garten ging.

Voll Angst liefen sie davon

und versteckten sich

zwischen den Bäumen.

Aber Gott hatte sie längst gesehen.

„Adam“, rief er, „wo bist du?“

Zitternd kam Adam

aus seinem Versteck hervor.

„Adam“, sprach Gott,

„hast du von dem Baum gegessen?“

„Ja“, gab Adam zu,

„ich habe es getan.

Aber Eva war schuld daran.

Sie gab mir die Frucht.“

„Eva“, sprach Gott,

„warum hast du das getan?“

„Ich war nicht schuld“,

wehrte sich Eva.

„Die Schlange war schuld.

Sie hat mir gesagt,

dass ich von dem Baum essen darf.“

Da sprach Gott zur Schlange:

„Verflucht sollst du sein,

weil du das getan hast.

Die Tiere werden dir

aus dem Weg gehen

und die Menschen dir feind sein.“

Und zu Eva sprach Gott:

„Du wirst viel Mühe haben

in deinem Leben.

Kinder wirst du gebären,

aber mit Schmerzen.“

Und zu Adam sprach er:

„Auch du wirst es schwer haben.

Felder wirst du bebauen.

Aber Dornen und Disteln

werden darauf wuchern.

Und deine Arbeit

wird dich viel Schweiß kosten.“

Nun war mit einem Mal

das Leben mit Gott zu Ende.

Adam und Eva mussten

den Garten verlassen.

Gott selbst wies sie hinaus.

Gerne wären die beiden

wieder zurückgekehrt.

Aber Engel mit feurigen Schwertern

bewachten den Zugang zum Garten.

Doch Gott ließ auch jetzt

seine Menschen nicht los.

Er erhielt sie am Leben

und gab ihnen alles,

was sie zum Leben brauchten:

Kleider aus Fellen,

um sie vor Kälte zu schützen,

und Korn und Früchte,

um ihren Hunger zu stillen.

Aber der Tag war noch fern,

an dem Gott selbst

zu den Menschen kommen würde,

um sich mit ihnen zu verbinden

für immer.

1. Mose 3

4. Kain und Abel

Adam und Eva lebten nun

fern von Gott.

Doch eines Tages geschah,

was Gott gesagt hatte:

Eva gebar einen Sohn.

Sie nannte ihn Kain.

Bald darauf gebar sie

noch einen Sohn,

den nannte sie Abel.

Kain wuchs heran

und wurde ein Bauer.

Er arbeitete auf dem Feld,

säte und erntete Korn.

Abel aber wurde ein Hirte.

Er hütete die Schafe

und sorgte für sie.

Kain und Abel

hatten Gott nie gesehen.

Aber sie dachten oft an ihn.

Sie brachten ihm Opfer

und dankten ihm für alles,

was er ihnen zum Leben gab.

Wenn Abel opferte,

wählte er das schönste Schaf aus,

schlachtete es

und legte es auf einen Altar,

den er aus Steinen gebaut hatte.

Dann schob er dürre Zweige

unter das Schaf,

zündete das Opfer an

und betete zu Gott,

sobald Rauch zum Himmel aufstieg.

Und Gott sah auf Abels Opfer

und freute sich daran.

Wenn aber Kain opferte,

dann legte er auf den Altar

Körner und Früchte,

die er geerntet hatte.

Auch er zündete sein Opfer an

und betete zu Gott.

Aber es schien,

als sähe Gott sein Opfer nicht.

Da dachte Kain bei sich:

Jetzt weiß ich es sicher:

Gott liebt nur Abel.

Mich hat er nicht lieb.

Sein Gesicht wurde ganz finster.

Er konnte Abel

gar nicht mehr ansehen,

so wütend war er auf ihn.

Schließlich fasste Kain

einen furchtbaren Plan:

Abel musste sterben!

Tag und Nacht

sann er darüber nach.

Aber Gott sah,

was Kain plante.

Er warnte ihn:

„Kain, was hast du vor?

Warum blickst du so finster?

Gib acht, was du tust!“

Doch Kain hörte nicht auf Gott.

Er lockte Abel aufs Feld,

fiel über ihn her

und schlug auf ihn ein,

bis er tot war.

Nun war es geschehen.

Abel lag am Boden

und rührte sich nicht mehr.

Auf einmal war es

totenstill auf dem Feld.

Schnell verscharrte Kain

seinen Bruder in der Erde.

Aber plötzlich –

rief da nicht jemand?

Erschrocken sah Kain sich um.

Er konnte niemand entdecken.

Gott war es, der ihn rief:

„Kain, wo ist Abel, dein Bruder?“

„Wie soll ich das wissen?“,

gab Kain zurück.
„Soll ich denn meinen Bruder hüten?

Bin ich denn sein Hirte?“

Doch Gott sprach zu Kain:

„Was hast du getan?

Das Blut deines Bruders

schreit zum Himmel

und klagt dich an.

Nun musst du fliehen.

Aber wohin du auch fliehst,

nirgendwo kannst du bleiben.“

Da erst begriff Kain,

was er Furchtbares getan hatte.

Seinen eigenen Bruder

hatte er umgebracht!

Schnell machte er sich auf

und lief davon.

Aber wohin?

Er wusste es selbst nicht.

Er floh von Ort zu Ort,

immer weiter.

Nirgendwo fand er Ruhe.

Überall hatte er

seinen toten Bruder vor Augen.

Sein Leben lang konnte er

Abel nicht mehr vergessen.

Gott aber gab Kain

ein Zeichen an seine Stirn

und schützte ihn,

solange er lebte.

Nun waren Adam und Eva

wieder allein wie am Anfang.

Doch Gott ließ sie

auch jetzt nicht allein.

Er schenkte ihnen

noch einen Sohn: Set.

Der wuchs heran

und hatte selbst Kinder.

Und auch seine Kinder

bekamen wieder Kinder.

So entstand ein großes Volk.

1. Mose 4

5. Noah und die Arche

Bald dachten die Menschen

nicht mehr an Gott.

Sie spielten sich auf,

als seien sie selbst Gott,

und verdarben alles,

was er gemacht hatte.

Sie raubten und mordeten

und machten sich nichts daraus.

Jeder dachte nur an sich selbst

und tat, was ihm allein nützte.

Da tat es Gott leid,

dass er die Menschen gemacht hatte.

Und er sprach zu sich:

„Ich will die Menschen

mitsamt der Erde verderben.

Denn sie sind alle

von Grund auf verdorben.“

Nur einer war anders: Noah.

Er hörte auf Gott

und lebte,

wie Gott es gefiel.

Da sprach Gott zu Noah:

„Bau dir ein Schiff!

Denn bald wird es regnen,

so viel, dass alles Land

im Wasser versinkt.

Auch die Blumen und Bäume,

sogar die Tiere und Menschen,

alles, was lebt, wird ertrinken.

Aber dich will ich am Leben erhalten,

dich und deine Frau

und deine drei Söhne

mit ihren Frauen.“

Da hörte Noah auf Gott.

Und er baute die Arche,

ein riesiges Schiff,

so hoch wie ein Haus,

drei Stockwerke hoch,

mit zahllosen Kammern,

mit Tür und Fenster

und einem richtigen Dach.

Danach sprach Gott:

„Nun wähle von allen Tieren

je ein Paar aus

und bringe sie in die Arche hinein!

Denn auch sie will ich

am Leben erhalten.“

Und schon kamen sie an,

Löwen und Schafe,

auch Vögel und Käfer,

alles, was kriecht

und was Beine hat.

Von allen brachte Noah

je ein Paar in die Arche,

wie Gott gesagt hatte.

Auch schaffte er für die Tiere

gewaltige Mengen an Futter herbei.

Darauf ging Noah selbst

in die Arche hinein,

er, seine Frau

und seine drei Söhne

mit ihren Frauen.

Und Gott selbst

schloss die Tür hinter ihm zu.

Sieben Tage lang

blieb es still auf der Erde.

Dann verschwand die Sonne

hinter den Wolken.

Der Himmel wurde ganz schwarz.

Ein furchtbarer Regen brach los.

Es schüttete.

Es goss in Strömen.

Die Flüsse traten über die Ufer.

Sie überschwemmten das Land.

Menschen und Tiere ertranken.

Bald stand alles Land unter Wasser.

Und immer noch

hörte der Regen nicht auf.

Das Wasser stieg höher und höher,

bis zu den höchsten Bergen empor.

Schließlich war nichts mehr

zu sehen, nur Wasser –

ein unendliches Meer!

Aber die Arche

schwamm auf dem Meer,

ruhig und sicher.

Kein Tropfen Wasser

drang in sie ein.

*

Vierzig Tage lang

dauerte der furchtbare Regen.

Da dachte Gott an Noah

und setzte dem Regen ein Ende.

Der Himmel riss auf.

Die Wolken verschwanden.

Und am blauen Himmel

strahlte wieder die Sonne.

Aber noch war alles Land

von den Fluten bedeckt.

Tage und Wochen vergingen.

Das Wasser sank nur ganz langsam.

Die Arche trieb

immer noch ziellos dahin.

Endlich, nach vielen Wochen,

lief sie auf einen Berg auf.

Der lag noch ganz unter Wasser.

Aber nach und nach

trat die Spitze des Berges

aus dem Wasser hervor.

Nun wusste Noah:

Bald ist es so weit.

Er öffnete das Fenster

und ließ eine Taube hinausfliegen.

Aber am Abend kam die Taube zurück.

Sie hatte kein Futter gefunden.

Da wartete Noah noch eine Woche.

Danach ließ er noch einmal

die Taube hinausfliegen.

Und wieder kam sie zurück.

Aber diesmal hielt sie

ein Ölblatt im Schnabel,

als wollte sie sagen:

„Seht doch, die Bäume

tragen schon wieder Blätter!“

Noch eine Woche verging.

Danach ließ Noah noch einmal

die Taube hinausfliegen.

Aber diesmal kam sie

nicht mehr zurück.

Da deckte Noah das Dach ab

und schaute hinaus.

Und sieh da:

Das Land war überall trocken.

Und Gott sprach zu Noah:

„Nun geh aus der Arche,

du und deine Frau

und deine drei Söhne

mit ihren Frauen,

dazu alle Tiere!“

Da machte Noah die Tür weit auf.

Menschen und Tiere stürmten hinaus.

Wie schön war die Erde wieder!

So schön wie am Anfang!

Aus dem Boden spross grünes Gras.

Und überall blühten Blumen.

Da baute Noah einen Altar

und brachte Gott Opfer.

Gott hatte sein Versprechen gehalten

und alle am Leben erhalten,

Menschen und Tiere.

Wie dankbar war Noah dafür!

Aber was hatte Gott

in Zukunft mit ihnen vor?

Würde er die Erde

noch einmal vernichten?

Doch Gott sprach zu Noah:

„Ich will die Erde

nicht mehr verderben.

Nie mehr soll es

so eine große Flut geben.

Solange die Erde steht,

soll nicht aufhören

Saat und Ernte,

Frost und Hitze,

Sommer und Winter,

Tag und Nacht.

Und wenn noch einmal

ein großes Unwetter kommt,

sodass ihr euch fürchtet,

dann schaut auf zum Himmel!

Dort steht in den Wolken

mein Bogen.

Er ist das Zeichen,

dass ich mein Versprechen halte.“

Und als Noah aufschaute,

da sah er am Himmel

einen großen Regenbogen.

Der spannte sich über die Erde

von einem Ende zum andern

und leuchtete in allen Farben.

Da dankte Noah Gott

für sein großes Versprechen.

Und er fing wieder von vorn an.

Er pflügte die Erde,

legte Äcker und Weinberge an,

säte und pflanzte.

Und Gott ließ wachsen und reifen,

was er gepflanzt hatte.

1. Mose 6–9

6. Der Turm von Babel

Bald gab es wieder

viele Menschen auf der Erde.

Sie sprachen dieselbe Sprache

und wohnten in Zelten.

Wo es ihnen gefiel,

schlugen sie ihre Zelte auf

und ließen sich nieder.

So zogen sie nach Osten

und kamen in die Ebene Schinar,

in ein weites und fruchtbares Land.

Da riefen die Menschen:

„Hier gefällt es uns.

Hier wollen wir bleiben.“

Und sie sagten zueinander:

„Auf, worauf warten wir noch?

Wir wollen Häuser bauen

aus festen Steinen,

richtige Häuser

mit Dächern, Fenstern und Türen.“

Und sogleich fingen sie an.

Sie formten Steine aus Lehm,

brannten sie in der Hitze

und fügten die Steine zusammen.

Aber die Menschen riefen:

„Auf, wir bauen noch mehr!

Eine Stadt wollen wir bauen

mit Häusern, Straßen und Plätzen

und einer Mauer ringsum.

Dann bleiben wir für immer zusammen.“

Und sogleich fingen sie an

und bauten die Stadt Babel,

eine riesige Stadt

mit vielen Häusern, Straßen und Plätzen

und einer dicken Mauer ringsum.

Aber die Menschen riefen:

„Auf, wir können noch mehr!

Einen Turm wollen wir bauen,

so hoch wie der Himmel!

Dann sind wir die Größten,

und alle Welt redet später von uns.“

„Ja, das ist gut“,

riefen alle begeistert.

„Auf, worauf warten wir noch?“

Und sogleich fingen sie an,

schleppten eifrig Steine herbei

und setzten einen Stein

auf den andern.

Der Turm wuchs.

Er wurde höher und höher.

Bald ragte er über die ganze Stadt.

Aber die Menschen riefen:

„Noch höher!

Viel höher!

So hoch wie der Himmel!

Wir geben nicht auf.“

Aber Gott sah herab

auf die Stadt und den Turm.

Er sah, was die Menschen planten.

Da sprach er zu sich:

„So sind die Menschen.

Immer mehr wollen sie haben.

Nie ist es ihnen genug.

Am Ende wollen sie selber

wie Gott sein.“

Und Gott ließ geschehen,

was keiner gedacht hätte:

Die Menschen bekamen

untereinander Streit.

Keiner konnte mehr

den andern verstehen.

Jeder sprach nur noch

seine eigene Sprache.

Schließlich sprach niemand mehr

mit dem andern.

Da warfen die Leute

ihre Arbeit hin

und zogen aus der Stadt,

jeder in eine andere Richtung.

Der Turm aber blieb zurück,

halb fertig und verlassen.

Und alle, die später vorübergingen,

zeigten auf ihn und sagten:

„Seht doch den Turm von Babel!

Seht, was sich die Menschen

damals ausgedacht haben!

Sie wollten zusammenhalten.

Aber sie wurden zerstreut.

Sie wollten groß und stark sein.

Doch was ist von ihnen geblieben?“

1. Mose 11,1–9

II
Gott gibt sein Versprechen

Die Menschen hatten sich von Gott

und voneinander getrennt.

Sie waren eigene Wege gegangen.

Es schien, als blieben sie nun

für immer sich selbst überlassen.

Aber Gott zeigte den Menschen,

was er mit ihnen vorhatte.

Er gab ihnen ein großes Versprechen.

7. Abraham und Sara

Vor langer Zeit lebte ein Mann,

der hieß Abraham.

Er war sehr reich

und hatte viele Schafe,

auch Ziegen, Kühe und Kamele,

dazu viele Knechte und Mägde,

die für die Tiere sorgten.

Abraham wohnte in der Stadt Haran.

Er hatte es gut dort.

Es fehlte ihm an nichts.

Er hatte genug zu essen

und auch genug Gras

für alle seine Tiere.

Nur eines fehlte Abraham:

Er und seine Frau Sara

hatten kein Kind.

Eines Tages aber sprach Gott:

„Geh, Abraham!

Geh weg von hier!

Zieh in ein anderes Land,

das ich dir zeigen werde.

Dort will ich ein großes Volk

aus dir machen.

Ich will dich segnen.

Und durch dich sollen

alle gesegnet werden,

alle Menschen auf dieser Erde.“

Da hörte Abraham auf Gott,

nahm Abschied

von seinen Verwandten

und brach von Haran auf,

wie Gott gesagt hatte.

Sara, seine Frau,

und Lot, der Sohn seines Bruders,

begleiteten ihn,

dazu alle seine Knechte und Mägde

mit allen Kühen, Kamelen,

Ziegen und Schafen.

Es wurde eine lange,

beschwerliche Reise.

Der Weg führte

durch heiße Wüsten

und über kahle Berge.

Abraham kam nur langsam

mit seinen Tieren voran.

Auch wusste er nicht,

wohin ihn der Weg führte.

So zog er immer weiter

und wartete,

bis Gott ihm das Land zeigte,

das er suchte.

Endlich kam er in das Land Kanaan.

Es war ein Land mit sanften Hügeln

und grünen Tälern.

Dort ließ sich Abraham nieder

und schlug sein Zelt

bei einer großen Eiche auf.

Da sprach Gott zu Abraham:

„Schau, Abraham!

Dies ist das Land,

das ich dir versprochen habe.

Dieses Land will ich

deinen Nachkommen schenken.“

Abraham horchte auf.

Was hatte Gott gesagt?

Deinen Nachkommen

will ich dieses Land schenken?

Aber er hatte doch gar keine Kinder!

Sollten er und Sara

etwa noch ein Kind bekommen?

Er war doch schon 75 Jahre alt!

Und seine Frau war auch schon sehr alt.

Aber Abraham sagte nichts.

Er dachte bei sich:

Gott hat es versprochen.

Dann wird es geschehen.

Wie es geschehen wird,

weiß ich zwar nicht.

Aber ich glaube,

dass Gott es tun kann.

Da baute Abraham einen Altar,

brachte Gott Opfer

und dankte ihm

für sein großes Versprechen.

1. Mose 12,1–9

8. Abraham im neuen Land

Abraham und Lot zogen

mit ihren Hirten und Herden

durch das Land Kanaan.

Sie suchten Gras für die Tiere.

Und wo sie einen Brunnen fanden,

hielten sie Rast

und gaben den Tieren zu trinken.

Aber oft reichte das Wasser

für die Tiere nicht aus.

Dann stritten sich die Hirten.

„Weg da vom Brunnen!“,

schrien Abrahams Hirten.

„Wir waren zuerst da.“

„Nein!“, schrien Lots Hirten.

„Wir brauchen auch Wasser.“

So stritten sie sich jeden Tag.

Da sagte Abraham eines Tages zu Lot:

„So geht es nicht weiter.

Wir müssen uns trennen.

Sonst hört der Streit

unter unseren Hirten nie auf.

Sieh doch!

Das Land ist sehr groß.

Es hat genug Platz für uns beide.

Nun sag mir: Wo willst du wohnen?

Rechts oder links?

Hier oder dort?

Du darfst wählen.“

Da zeigte Lot auf das Tal,

das vor ihnen lag, und rief:

„Dort gefällt es mir.

Dort will ich wohnen.“

Es war das Jordantal,

ein üppiges Tal mit grünen Wiesen

und fruchtbaren Feldern.

Auch zwei Städte lagen dort in dem Tal,

Sodom und Gomorra.

Dorthin zog Lot

mit seinen Hirten und Herden.

Abraham aber blieb allein

im Bergland zurück.

Da sprach Gott zu Abraham:

„Schau auf, Abraham!

Sieh dich um!

Dieses ganze Land

will ich dir

und deinen Nachkommen

geben für immer.

Wie Staub auf der Erde,

so viele werden es sein,

die hier wohnen.

Auf, zieh durch das Land

und wohne in ihm!

Ich will es dir geben.“

Da glaubte Abraham Gott

und zog durch das Land

und wohnte in ihm,

wie Gott ihm gesagt hatte.

1. Mose 13

9. Abraham muss warten

Es war Nacht.

Abraham lag wach in seinem Zelt.

Er fand keine Ruhe.

Immerzu musste er an das Kind denken,

das Gott ihnen versprochen hatte.

Wie lange noch mussten sie warten?

Hatte Gott sie etwa vergessen?

Da hörte er eine Stimme:

„Abraham!“

Abraham schreckte auf.

War das nicht Gottes Stimme?

„Abraham“, rief die Stimme.

„Fürchte dich nicht!

Ich meine es gut mit dir.

Ich will dich beschenken.“

„Ach Herr“, fragte Abraham traurig,

„was willst du mir schenken?

Du hast mir noch immer

kein Kind geschenkt.

Und bald werde ich sterben.

Was soll dann werden?“

Da sprach Gott zu Abraham:

„Komm heraus vor dein Zelt

und schau in den Himmel!

Siehst du die Sterne?

Kannst du sie zählen?“

Abraham schüttelte den Kopf.

Die Sterne zählen? Unmöglich!

Es gab viel zu viele

Sterne am Himmel.

Kein Mensch konnte sie zählen.

„Siehst du?“, sprach Gott.

„So viele Kinder will ich dir geben,

wie Sterne am Himmel sind.

Und sie werden alle

in diesem Land wohnen.“

*

Jahre vergingen.

Abraham und Sara warteten

noch immer auf das Kind,

das Gott versprochen hatte.

Da sagte Sara eines Tages zu Abraham:

„Warum warten wir eigentlich noch?

Ich bin schon viel zu alt.

Ich kann kein Kind mehr bekommen.

Und du wirst auch mit jedem Tag älter.

Heirate noch eine andere Frau!

Nimm meine Magd Hagar!

Sie ist viel jünger als ich.

Sie kann dir gewiss ein Kind schenken.“

Das gefiel Abraham gut.

Er überlegte nicht lange

und nahm Hagar neben Sara zur Frau.

Und wirklich:

Bald darauf wurde Hagar schwanger

und gebar ihm einen Sohn,

den nannte er Ismael,

das heißt: „Gott hört“.

Aber Gott sprach zu Abraham:

„Ismael ist nicht der Sohn,

den ich dir versprochen habe.

Nicht Hagars Sohn,

Saras Sohn wird es sein.

Auch Sara soll bald

einen Sohn bekommen.

Den will ich segnen.

Vertraue mir nur und glaube!

Ich werde es tun.“

Da vertraute Abraham Gott

und wartete weiter.

Aber wie lange noch?

1. Mose 15–17

10. Abraham bekommt Besuch

Es war Mittagszeit.

Abraham saß vor seinem Zelt

und schaute ins Land hinaus.

Da sah er drei Männer kommen.

Sogleich stand er auf,

lief ihnen entgegen

und grüßte sie freundlich:

„Willkommen! Seid meine Gäste!

Setzt euch zu mir in den Schatten!

Ruht euch ein wenig aus!

Und stärkt euch,

bevor ihr weiterzieht!“

Dann lief er zu Sara ins Zelt

und bat sie:

„Auf, eil dich! Mach einen Teig

und back einen Kuchen!“

Und seinem Knecht rief er zu:

„Schnell, schlachte ein Kalb

und mach einen zarten Braten!“

Er selbst aber holte

Milch und Butter herbei

und bediente die Gäste.

Aber wer waren die Fremden?

Abraham wagte nicht,

sie zu fragen.

Als die drei gegessen hatten,

fragte der eine von ihnen:

„Wo ist deine Frau Sara?“

„Drinnen im Zelt“,

antwortete Abraham erstaunt.

Woher wusste der Fremde,

wie seine Frau hieß?

Der aber sagte: „Hör zu!

Ich bringe euch gute Nachricht:

Nächstes Jahr wird Sara

einen Sohn haben.“

Abraham war sprachlos.

Was sagte der Fremde?

Woher wusste er das?

Und was würde Sara dazu sagen,

wenn sie es hörte?

Aber Sara hatte es bereits gehört.

Sie hatte heimlich

hinter der Zeltwand gelauscht.

„Was?“, sagte sie zu sich

und lachte leise in sich hinein.

„Ich soll noch ein Kind bekommen?

Ich bin doch viel zu alt.“

„Warum lacht Sara?“,

fragte der Fremde.

„Traut sie es Gott nicht zu?

Sollte Gott etwas unmöglich sein?“

Als Sara das hörte,

kam sie aus dem Zelt

und wehrte erschrocken ab:

„Aber ich habe gar nicht gelacht!“

„Doch“, meinte der Fremde,

„du hast wirklich gelacht.“

Da ahnten Abraham und Sara,

wer zu ihnen gekommen war.

Gott, der Herr, hatte sie besucht,

begleitet von seinen Engeln.

Gott selbst hatte ihnen

die gute Nachricht gebracht.

*

Wenig später brachen die Männer auf.

Abraham begleitete sie.

Da sprach Gott zu Abraham:

„Abraham, du bist mein Freund.

Dir will ich sagen,

wohin ich nun gehe:

nach Sodom und Gomorra.

Denn die Menschen dort

hören nicht mehr auf mich.

Sie tun, was sie wollen,

und fragen nicht mehr nach Gott.“

Erschrocken blieb Abraham stehen.

Wollte Gott etwa diese Städte zerstören?

In Sodom wohnte doch Lot!

Was würde aus ihm?

„Ach Herr“, fragte Abraham,

„willst du denn zulassen,

dass alle Menschen dort umkommen?

Vielleicht wohnen in Sodom

auch Menschen, die auf dich hören.

Vielleicht fünfzig, Herr?“

Da sprach Gott:

„Wenn ich dort fünfzig finde,

die auf mich hören,

will ich die Stadt nicht zerstören.“

Aber fünfzig Menschen waren viel!

Wenn es nun weniger waren?

Abraham versuchte es noch einmal:

„Wenn es aber fünf weniger sind?“

„Dann will ich die Stadt

auch nicht zerstören“, sprach Gott.

„Vielleicht sind es aber nur vierzig?“,

wandte Abraham ein.

„Auch dann will ich

die Stadt nicht zerstören.“

„Und wenn es nur dreißig sind?“

„Auch dann nicht“, sprach Gott.

„Ach Herr“, bat Abraham,

„erlaube mir,

dass ich noch einmal frage:

Wenn es nur zwanzig sind,

die auf dich hören?“

Gott sprach:

„Auch dann will ich

die Stadt nicht zerstören.“

Da wagte Abraham kaum noch

weiterzufragen.

„Wenn es aber nur zehn sind?“

„Auch dann nicht“, sprach Gott.

Da verneigte sich Abraham

und schwieg.

Und als er wieder aufschaute,

war Gott nicht mehr bei ihm.

Doch in der Ferne

sah er die beiden Engel.

Sie eilten auf Sodom zu.

Da ahnte Abraham,

was Gott mit Sodom vorhatte.

Still kehrte er um

und ging zurück in sein Zelt.

1. Mose 18

11. Lot

Es war Abend.

Lot saß am Stadttor von Sodom

und schaute in die Ferne.

Da sah er die zwei Engel kommen.

Lot erkannte sie nicht.

Aber er dachte bei sich:

Die beiden sind sicher

fremd in der Stadt.

Ich will sie in mein Haus aufnehmen.

Wer weiß, was ihnen

sonst in Sodom zustößt?

Sogleich stand er auf,

ging den beiden entgegen,

verneigte sich vor ihnen

und lud sie ein:

„Kommt in mein Haus!

Seid meine Gäste

und bleibt über Nacht bei mir!“

Und er führte sie in sein Haus,

wusch ihnen die Füße

und gab ihnen Brot zu essen.

Doch als die beiden noch aßen,

hörten sie plötzlich draußen

lautes Geschrei.

Vor dem Haus hatten sich

die Männer von Sodom versammelt.

Sie tobten und schrien

und schlugen mit ihren Fäusten

wild an die Tür.

„Lot“, schrien sie wütend,

„mach uns auf!

Gib sofort die Fremden heraus!

Wir wollen unser Spiel

mit ihnen treiben!“

Da ging Lot zu ihnen hinaus.

„Ach, liebe Freunde“, bat er,

„hört bitte auf!

Lasst meine Gäste in Frieden!

Sie haben euch nichts Böses getan.“

Aber die Männer schrien noch lauter:

„Weg mit dir!

Was fällt dir eigentlich ein?

Du bist doch selbst fremd hier!“

Und sie stürzten sich auf Lot

und wollten ihn packen.

Aber die Engel zogen ihn

schnell ins Haus zurück

und verriegelten die Tür.

Endlich wurde es draußen still.

Da erzählten die Engel,

warum sie gekommen waren.

„Auf“, drängten sie Lot,

„nimm deine Frau

und deine beiden Töchter

und flieh mit ihnen aus der Stadt,

bevor es zu spät ist!

Denn Gott wird Sodom zerstören.“

Als Lot das hörte,

wurde er blass vor Schreck.

Hatte er recht gehört?

Er sollte fliehen?

Aber sein Haus?

Und seine Schafe?

Was würde aus ihnen?

Lot zögerte noch.

Schon wurde es draußen hell.

Der Morgen brach an.

„Auf, eil dich!“, drängten die Engel.

„Sonst kommst du auch um.“

Und sie nahmen Lot,

seine Frau und seine Töchter

an ihre Hand

und führten sie schnell

hinaus vor die Stadt.

Dort blieben sie stehen.

„Nun lauft allein weiter!“,

befahlen die Engel.

„Flieht!

Bleibt ja nicht stehen!

Und seht euch nicht

nach der Stadt um!

Sonst ist es um euch geschehen.“

Und schon bebte die Erde.

Es dröhnte und blitzte.

Feuer fiel vom Himmel

und ließ alles in Flammen aufgehen,

die Häuser, die Mauern, die Menschen.

Nichts blieb mehr übrig,

nur Schutt und Asche.

Da packte Lot seine Töchter

und lief um sein Leben.

Er lief immer weiter

und floh in die Berge.

Aber Lots Frau blieb stehen.

Sie wandte sich um

und – erstarrte.

Am selben Morgen

stand Abraham früh auf

und stieg auf einen Hügel,

um nach Sodom zu schauen.

Aber von Sodom

war nichts mehr zu sehen.

Nur eine Rauchwolke

stieg aus dem Tal auf.

Da wusste Abraham:

Nicht einmal zehn Menschen

hatten in Sodom auf Gott gehört.

Aber eines wusste er nicht, noch nicht:

Lot und seine Töchter waren gerettet.

Gott hatte ihr Leben verschont.

1. Mose 19

12. Ismael

Endlich kam der Tag,

auf den Abraham und Sara

viele Jahre gewartet hatten.

Der Sohn wurde geboren,

den Gott ihnen versprochen hatte.

Glücklich nahm ihn Abraham

auf seine Arme

und nannte ihn Isaak.

Isaak wuchs und gedieh.

Er lernte laufen und sprechen.

Bald war er schon so groß,

dass er Fleisch und Brot aß

wie die Großen.

Da machte Abraham für Isaak

ein großes Festessen

und lud dazu

alle Knechte und Mägde ein.

Alle freuten sich

mit Abraham und Sara,

dass Isaak endlich bei ihnen war.

Nur einer freute sich nicht:

Ismael, der Sohn Hagars.

Denn an diesem Festtag

gaben sich alle nur mit Isaak ab.

Um ihn kümmerte sich keiner.

Das ärgerte Ismael sehr.

Er reizte seinen Bruder

und ließ ihm keine Ruhe.

Als Sara das sah,

lief sie zu Abraham und rief:

„Siehst du denn nicht,

was Ismael mit unserem Isaak macht?

Wir können Ismael

nicht länger bei uns behalten.

Auf, schick ihn weg

mitsamt seiner Mutter!“

Doch Abraham wehrte erschrocken ab.

„Was sagst du?

Ich soll Ismael wegschicken?

Nein, niemals!

Vergiss nicht: Auch er ist mein Sohn!“

Aber in der folgenden Nacht

sprach Gott zu Abraham:

„Mach dir um Ismael keine Sorgen!

Tu, was Sara dir sagt!

Und vertrau mir!

Ich werde für Ismael sorgen.“

Da hörte Abraham auf Gott.

Am nächsten Morgen

stand er früh auf,

holte einen Laib Brot

und füllte ein Gefäß mit Wasser.

Das lud er Hagar auf ihre Schultern.

„Du musst gehen“, sagte er traurig,

„du und dein Sohn.

Hier ist kein Platz mehr für euch.“

Da nahm Hagar Ismael an die Hand

und zog mit ihm weg.

Aber wohin?

Hagar wusste es selbst nicht.

Sie irrte mit Ismael durch die Wüste.

Schon wurde es Mittag.

Die Sonne stach ihnen auf den Kopf.

Ihre Füße waren schon wund.

„Ich kann nicht mehr!“, weinte Ismael.

„Gib mir zu trinken!“

Da hielt Hagar an

und gab ihm zu trinken.

Aber bald war das Gefäß leer.

„Wasser!“, schrie Ismael.

„Gib mir doch Wasser!

Ich sterbe vor Durst.“

Hagar sah sich verzweifelt um.

Was sollte sie tun?

Weit und breit

war kein Wasser zu finden,

keine Quelle und auch keine Zisterne,

nur Steine und Sand.

Da nahm sie Ismael auf ihre Arme

und legte ihn unter einen Strauch.

Sie selbst aber lief weg,

bis sie Ismael nicht mehr

hörte und sah.

Und sie warf sich auf die Erde,

weinte und rief:

„Ich kann nicht mit ansehen,

wie mein Sohn stirbt.“

Aber plötzlich – was war das?

Rief da nicht eine Stimme?

Hagar horchte auf.

Erschrocken sah sie sich um.

Aber sie konnte niemand entdecken.

„Hagar“, rief die Stimme,

„warum bist du bekümmert?

Fürchte dich nicht!

Gott hat gehört,

dass dein Sohn weint.

Steh auf!

Geh zu ihm hin!

Nimm ihn an deine Hand

und führe ihn durch die Wüste!

Denn dein Sohn wird nicht sterben.

Ich will auch ihn groß machen.

Zum Vater eines großen Volkes

will ich ihn machen.“

Da merkte Hagar:

Gott hatte zu ihr gesprochen.

Erstaunt sah sie sich um.

Plötzlich entdeckte sie

einen Brunnen.

Wie war das nur möglich?

Vorher hatte sie ihn

gar nicht gesehen.

Schnell stand sie auf,

lief zu dem Brunnen,

füllte ihr Gefäß mit Wasser,

brachte es ihrem Sohn

und gab ihm zu trinken.

Da kam wieder Leben in Ismael.

Er schlug seine Augen auf,

stand auf und wanderte

mit seiner Mutter weiter

durch die endlose Wüste.

Lange Zeit blieben die beiden

in der Wüste.

Doch Gott blieb bei ihnen

und sorgte für sie

wie ein Vater für seine Kinder.

1. Mose 21

13. Isaak

Isaak wuchs heran.

Sein Vater hatte ihn sehr lieb,

lieber als alles auf der Welt.

Eines Nachts aber

wachte Abraham plötzlich auf.

„Abraham!“, rief eine Stimme.

Abraham horchte auf.

War das nicht Gottes Stimme?

„Abraham!“, sprach Gott.

„Nimm Isaak,

deinen einzigen Sohn,

den du so lieb hast!

Nimm ihn an deine Hand

und geh mit ihm

in das Land Morija.

Dort will ich dir einen Berg zeigen.

Auf dem sollst du Isaak opfern.“

Abraham war wie betäubt.

Isaak opfern?

Seinen geliebten Sohn

sollte er hergeben?

Gott hatte ihm doch

dieses Kind geschenkt!

Er hatte doch versprochen:

„Dein Sohn wird leben

und in diesem Land wohnen.“

Abraham konnte es nicht fassen.

Aber er sagte nichts,

kein einziges Wort.

Stumm wartete er,

bis der Morgen anbrach.

Da stand er von seinem Lager auf,

ging hinaus vor sein Zelt,

sammelte Holz für das Opfer,

spaltete es

und lud es auf seinen Esel.

Dann weckte er Isaak, seinen Sohn,

nahm ihn an die Hand

und machte sich mit ihm auf den Weg,

wie Gott gesagt hatte.

Drei Tage lang wanderten sie

durch das Land,

Abraham und sein Sohn Isaak,

dazu zwei Knechte,

die den Esel führten.

Endlich sah Abraham

in der Ferne den Berg,

von dem Gott gesprochen hatte.

Da blieb Abraham stehen,

wandte sich zu seinen Knechten

und sagte:

„Bleibt ihr hier mit dem Esel

und wartet auf uns!

Ich will mit Isaak

auf den Berg gehen

und dort opfern.

Danach kehren wir wieder zurück.“

Und Abraham nahm ein Gefäß

mit glimmender Glut

und ein Messer in seine Hand,

lud seinem Sohn Isaak

das Holz auf den Rücken

und stieg mit ihm auf den Berg.

Lange Zeit wanderten die beiden

nebeneinander her,

Hand in Hand.

Keiner sagte ein Wort.

Da hielt es Isaak nicht länger aus.

„Mein Vater!“, sagte er.

„Ja, hier bin ich.

Was ist, mein Sohn?“

Isaak zeigte auf das Holz

und auf das Gefäß.

„Sieh doch!

Wir haben zwar Holz und Feuer

für unser Opfer.

Aber wo ist das Schaf,

das wir opfern?“

„Mein Sohn“, sagte Abraham,

„Gott wird es uns geben.“

Da fragte Isaak nichts mehr.

Stumm stiegen sie weiter hinauf,

beide miteinander,

Hand in Hand,

bis sie endlich auf dem Berg waren.

Dort baute Abraham einen Altar.

Er trug große Steine zusammen,

schichtete sie auf,

legte das Holz darauf

und auf das Holz legte er –

Isaak, seinen geliebten Sohn!

Doch plötzlich – was war das?

Rief da nicht jemand?

„Abraham! Abraham!“

„Ja, hier bin ich“,

antwortete er erschrocken.

Da hörte er wieder die Stimme,

ganz deutlich: „Abraham!

Rühr Isaak nicht an!

Gott weiß, dass du bereit bist,

ihm alles zu geben,

sogar deinen Sohn.

Aber Gott will

dieses Opfer nicht haben.“

Auf einmal raschelte es.

Abraham wandte sich um.

Da sah er einen Widder,

der hatte sich mit seinen Hörnern

in einem Dornstrauch verfangen.

Schnell griff Abraham zu,

packte den Widder an seinen Hörnern,

legte ihn auf den Altar

und opferte ihn an Isaaks Stelle.

Da wusste Abraham:

Gott hatte alles gesehen.

Und er nannte den Ort: „Gott sieht“.

Und Gott sprach zu Abraham:

„Weil du auf meine Stimme

gehört hast,

verspreche ich dir:

Ich will deinen Sohn segnen.

Auch seine Kinder

will ich segnen.

Und auch ihre Kinder

will ich wieder segnen.

So viele Kinder werden es sein

wie Sterne am Himmel

und wie Sand am Meer.

Durch sie sollen einmal

alle gesegnet werden,

alle Völker der Erde.“

Dankbar kehrte Abraham

mit seinem Sohn Isaak heim.

Gott hatte ihn

über alles Erwarten beschenkt.

1. Mose 22

14. Isaak und Rebekka

Jahre vergingen.

Abraham war noch viel älter geworden.

Seine Frau Sara lebte nicht mehr.

Und in dem großen Zelt

war es oft einsam und leer.

Da sagte sich Abraham:

„Sara ist tot.

Bald werde auch ich

nicht mehr leben.

Dann bleibt Isaak allein zurück.

Ich will dafür sorgen,

dass er eine Frau bekommt,

eine Frau, die ihn liebt

und die er liebt.“

Und er rief seinen obersten Knecht

und bat ihn: „Geh

und suche für Isaak eine Frau aus,

eine Frau, die auf Gott hört,

nicht wie die Frauen,

die hier im Land Kanaan leben.

Darum mach dich auf

und zieh nach Haran

zu meinen Verwandten!

Dort wirst du die rechte Frau

für Isaak finden.“

Da sattelte der Knecht die Kamele,

lud reiche Geschenke auf

und machte sich auf den Weg.

Nach vielen Wochen

kam er endlich nach Haran.

Am Brunnen vor der Stadt

machte er Halt mit seinen Kamelen.

Schon wurde es Abend.

Aus der Stadt kamen

Frauen und Mädchen

mit Krügen zum Brunnen,

um Wasser zu schöpfen.

Als der Knecht sie sah,

klopfte sein Herz.

Ob auch die Frau dabei war,

die er für Isaak suchte?

Aber wie sollte er sie

unter all den Frauen herausfinden?

Gott muss mir helfen,

dachte der Knecht,

sonst kann es mir nicht gelingen.

Und er betete:

„Du Gott Abrahams!

Lass es mir heute gelingen.

Sieh, hier steh ich und warte.

Gleich kommen die Frauen,

um Wasser zu schöpfen.

Bitte, gib mir ein Zeichen

und zeig mir die Frau,

die du für Isaak bestimmt hast!

Und dies soll das Zeichen sein:

Wenn ich eine Frau bitte:

,Gib mir zu trinken!‘,

und wenn sie sagt:

,Gerne! Trink nur!

Ich will deine Kamele auch tränken‘,

dann weiß ich,

dass sie die Frau ist,

die du für Isaak bestimmt hast.“

Und als er noch betete,

kam ein junges Mädchen zum Brunnen,

die füllte ihren Krug mit Wasser.

Da ging der Knecht auf sie zu

und bat sie:

„Gib mir ein wenig zu trinken!“

„Gerne“, sagte das Mädchen, „trink nur!

Ich will deine Kamele auch tränken.“

Schnell nahm sie den Krug vom Kopf

und ließ ihn trinken.

Dann lief sie zum Brunnen zurück,

füllte noch einmal den Krug

und goss das Wasser

in die Tränke für die Kamele.

Und wieder lief sie zum Brunnen,

füllte noch einmal den Krug

und noch einmal, immer wieder,

bis alle Kamele genug hatten.

Der Knecht aber sah ihr staunend zu.

Gewiss war sie die Frau,

die er suchte!

Er holte seine Geschenke hervor,

einen Stirnreif aus Gold,

dazu glänzende Ringe,

schenkte sie dem Mädchen

und fragte freundlich:

„Sag doch, wer bist du?

Und wie heißt dein Vater?

Können wir bei euch übernachten?“

Da antwortete das Mädchen:

„Ich bin Rebekka, Betuels Tochter.

Ich lade dich ein.

Ihr könnt bei uns bleiben.

Wir haben zu Hause auch Stroh

und Futter für deine Kamele.“

Da staunte der Knecht noch viel mehr.

Denn Betuel war mit Abraham verwandt.

„Gott sei gelobt!“, rief er.

„Nun bin ich gewiss:

Gott hat mich zu dir geführt.“

Als aber Rebekka hörte,

was der Knecht sagte,

eilte sie nach Hause

und erzählte dort,

wer ihr begegnet war.

Da stand ihr Bruder Laban auf,

eilte dem Knecht entgegen

und grüßte ihn freundlich:

„Du Gesegneter!

Komm in unser Haus!

Es steht alles bereit.“

Und er führte ihn in das Haus,

holte Wasser herbei,

wusch seine Füße

und setzte ihm Essen vor.

Aber der Knecht wollte nichts essen.

„Hört mich erst an!“, bat er.

„Kennt ihr noch Abraham,

euren Verwandten?

Er wohnte einst hier.

Nun lebt er im Land Kanaan,

weit weg von hier.

Ich bin sein Knecht.

Ich soll für seinen Sohn

eine Frau suchen.

Aber Gott hat sie schon ausgesucht:

eure Rebekka!“

Als sie das hörten,

riefen alle voll Staunen:

„Das kommt von Gott!

So soll es geschehen.

Isaak soll unsere Schwester

Rebekka bekommen.“

Und sie fragten Rebekka:

„Willst du ins Land Kanaan ziehen

und Isaaks Frau werden?“

„Ja“, sagte Rebekka.

„Ich will es.“

Am nächsten Morgen

brach der Knecht früh auf,

sattelte seine Kamele

und nahm Abschied.

Da nahm auch Rebekka

Abschied von ihrer Familie

und machte sich mit ihm

auf den Weg, Isaak entgegen.

Als sie nach Wochen

endlich zu Isaak kamen,

erzählte der Knecht ihm alles,

was er auf der Reise erlebt hatte

und wie Gott

ihn zu Rebekka geführt hatte.

Da glaubte auch Isaak:

Rebekka war die Frau,

die Gott ihm geschenkt hatte.

Voll Freude führte er sie in sein Zelt

und beide gewannen einander sehr lieb.

1. Mose 24

15. Jakob und Esau

Isaak und Rebekka bekamen Zwillinge.

Die nannten sie Esau und Jakob.

Esau, der erstgeborene Sohn,

war rötlich und rau

und hatte eine Haut wie ein Fell.

Als er älter wurde,

streifte er viel auf den Feldern umher

und jagte wilde Tiere.

Oft brachte er seinem Vater

einen fetten Braten nach Hause.

Das gefiel Vater Isaak.

Er mochte Esau gern leiden.

Jakob, der jüngere Sohn,

war dagegen ganz anders.

Er blieb meist

bei seiner Mutter im Zelt.

Rebekka hatte Jakob

viel lieber als Esau.

Sie dachte:

Jakob soll einmal später

das Erbe bekommen, nicht Esau!

So hatte Gott zu ihr gesagt.

Aber Isaak wollte das Erbe

Esau, dem Erstgeborenen, geben.

So war es Sitte im Land.

Eines Tages kam Esau

müde und hungrig

von der Jagd nach Hause.

Da sah er,

wie Jakob vor dem Zelt kochte.

Ein großer Topf

mit rötlicher Linsensuppe

dampfte über dem Feuer.

Esau roch den köstlichen Duft.

Das Wasser lief ihm

im Munde zusammen.

„Los, her mit der Suppe!“, rief Esau.

„Ich bin todmüde

und hab furchtbaren Hunger.“

„Nein“, wehrte sich Jakob.

„Sag erst: Was gibst du dafür?“

Esau überlegte nicht lange.

„Nimm, was du willst!

Aber gib mir die Suppe!

Ich sterbe vor Hunger.“

„Gut“, sagte Jakob listig.

„Gib dein Versprechen:

Von jetzt an will ich der Erste sein,

und du bist der Zweite.“

„Was soll’s!“, rief Esau.

„Ich verspreche dir alles.

Aber gib endlich die Suppe!“

Da reichte ihm Jakob

den Topf mit der Suppe

und dazu noch das Brot.

Esau verschlang alles gierig.

Dann kehrte er Jakob den Rücken

und ging auf und davon.

Er sah nicht mehr,

wie Jakob hinter ihm

schadenfroh lachte.

1. Mose 25,19–34

16. Jakob bekommt den Segen

Jahre vergingen.

Vater Isaak war alt

und gebrechlich geworden.

Und seine Augen waren so schwach,

dass er nichts mehr erkannte.

Da rief Isaak eines Tages

Esau zu sich und sagte:

„Bald muss ich sterben.

Dann sollst du das Erbe bekommen.

So geh nun auf die Jagd

und mach mir einen Braten,

wie ich ihn gern mag!

Dann will ich dich segnen

und dir alles übergeben,

bevor ich sterbe.“

Aber Rebekka hörte,

was Isaak zu Esau sagte.

Sogleich rief sie Jakob

und erzählte ihm alles.

„Auf“, drängte sie ihn,

„hol schnell zwei Böckchen,

damit ich sie schlachte und brate!

Du aber sollst den Braten

zum Vater bringen,

bevor Esau zurückkommt.

Dann wird er sicher glauben,

du seist sein Sohn Esau

und wird dir seinen Segen geben.“

„Nein“, rief Jakob erschrocken.

„Das geht nicht gut aus.

Zwar ist unser Vater fast blind,

doch wird er es merken,

wenn er mich fühlt.

Sieh, meine Hände sind glatt.

Doch Esaus Hände sind rau.“

Aber Rebekka ließ nicht locker.

„Tu, was ich sage!

Überlege nicht lange!

Sonst ist es zu spät.“

Da lief Jakob zur Schafherde,

holte zwei Böckchen

und brachte sie seiner Mutter.

Die schlachtete sie schnell

und briet sie über dem Feuer.

Dann zog sie Jakob

ein Kleid von Esau über,

band Felle um seine Hände

und seinen Hals,

drückte ihm die Schüssel

mit dem Braten

und ein Stück Brot in die Hand

und schickte ihn zu Isaak ins Zelt.

„Mein Vater“, rief Jakob,

„ich bin’s, Esau, dein Sohn!

Ich bin wieder zurück von der Jagd

und hab einen guten Braten für dich.

Komm, setz dich

und lass es dir schmecken!“

„Was? Du, Esau?“,

fragte Isaak erstaunt.

„Du bist schon zurück?

Wie ist das nur möglich?

Wie hast du deine Beute

so rasch gefunden?“

„Ganz einfach!“, log Jakob.

„Gott hat mir’s gegeben.“

Aber Isaak zögerte noch.

„Komm näher, mein Sohn!

Ich will erst wissen,

ob du auch wirklich Esau bist.

Gib mir deine Hände,

damit ich sie fühle!“

Da reichte ihm Jakob die Hände.

„Wie sonderbar!“, sagte Isaak zu sich.

„Die Hände sind rau

wie Esaus Hände.

Aber die Stimme klingt

wie Jakobs Stimme.

Sag, bist du auch wirklich Esau?“

„Ja“, antwortete Jakob.

„Ich bin Esau.“

Da gab sich Isaak endlich zufrieden.

Er aß von dem Braten

und trank den Wein,

den Jakob ihm reichte.

Dann bat er Jakob:

„Komm nun, mein Sohn,

und küsse mich!

Danach will ich dich segnen.“

Da beugte sich Jakob herab

und gab Isaak einen Kuss.

Als aber Isaak Esaus Kleid roch,

rief er froh:

„Ja, jetzt glaube ich wirklich,

dass du Esau bist.“

Und er ließ ihn niederknien,

legte seine Hände auf ihn,

segnete ihn und sprach:

„Gesegnet bist du, mein Sohn!

Gott schenke dir Leben

und mache dich groß!

Gesegnet soll sein,

wer dich segnet.“

Nun war es geschehen.

Leise schlich sich Jakob hinaus.

Nicht lange danach kam Esau

von der Jagd zurück.

„Mein Vater“, rief er fröhlich,

„hier bin ich wieder, Esau, dein Sohn!

Ich habe einen guten Braten für dich.

Komm, setz dich auf

und lass es dir schmecken!“

„Was?“, rief Isaak entsetzt.

„Du bist Esau?

Aber wer war der andere,

der soeben hier war?

Jakob war’s!

Er hat dich betrogen!“

Da schrie Esau auf:

„Aber was wird nun aus mir?

Segne mich, Vater!

Sonst bin ich verloren.“

„Ich kann nicht“,

antwortete Isaak traurig.

„Ich habe schon Jakob

den Segen gegeben.

Er wird den Segen behalten.“

Als Esau das hörte,

ballte er seine Fäuste

und murmelte grimmig:

„Warte nur, Jakob!

Dich mache ich fertig.

Wenn unser Vater tot ist,

dann gibt es Rache,

du gemeiner Betrüger!“

Und er stand auf

und ging wütend davon.

1. Mose 27

17. Jakob auf der Flucht

Endlich hatte Jakob,

was er sich gewünscht hatte!

Aber von nun an war Esau

sein erbitterter Feind.

Als Rebekka das sah,

rief sie heimlich Jakob zu sich.

„Du musst fliehen“, drängte sie Jakob.

„Sonst bringt dich Esau noch um.

Auf, flieh nach Haran

zu meinen Verwandten!

Und bleibe dort,

bis Esaus Zorn sich gelegt hat!“

Da hörte Jakob auf seine Mutter,

machte sich auf den Weg

und floh über die Berge.

Er wanderte ohne Pause,

bis die Nacht hereinbrach.

Aber wo sollte er schlafen?

Er war furchtbar müde.

Doch weit und breit gab es

kein Haus und kein Zelt.

Da legte sich Jakob auf die Erde,

nahm einen Stein als Kissen

und schlief ein.

In dieser Nacht hatte Jakob

einen seltsamen Traum:

Er sah eine Leiter,

die war so hoch wie der Himmel.

Auf der Leiter stiegen Engel

hinauf und hinunter.

Und Gott sah von oben auf ihn herab.

Und Gott sprach zu Jakob im Traum:

„Ich bin der Herr,

der Gott Abrahams

und der Gott Isaaks.

Ich will auch dein Gott sein.

Ich bin bei dir.

Ich behüte dich auf dem Weg.

Ich bringe dich auch wieder zurück.

Sieh her! Dieses Land,

auf dem du jetzt liegst,

will ich dir geben.

Deine Kinder

werden einmal hier wohnen.“

Da wachte Jakob auf.

Er sprang auf von der Erde

und rief erfreut: „Wahrhaftig!

Dies ist ein besonderer Ort.

Bethel will ich ihn nennen,

das heißt: ,Haus Gottes‘.

Denn hier wohnt Gott.“

Jakob wollte Gott

ein Dankopfer bringen.

Aber es gab keinen Altar dort.

Und Jakob hatte kein Opfertier.

Er hatte nur einen kleinen Krug

mit Öl bei sich.

Das goss er über dem Stein aus,

auf dem er gelegen hatte.

Und Jakob versprach:

„So soll es sein,

wie Gott mir gesagt hat.

Wird Gott mich behüten

und wieder heimbringen,

dann will ich ihm hier

ein Dankopfer bringen

und Gott gehören,

solange ich lebe.“

1. Mose 27,41–28,22

18. Jakob im fremden Land

Danach brach Jakob von Bethel auf

und kam in die Gegend von Haran.

Dort traf er Hirten am Brunnen.

Jakob grüßte sie freundlich.

„Seid gegrüßt, Freunde!

Wo kommt ihr her?“

„Aus Haran“, antworteten sie.

„Dann kennt ihr auch meinen Onkel?

Laban heißt er.“

„Aber gewiss! Wir kennen ihn gut.

Sieh, da kommt gerade

seine Tochter Rahel zum Brunnen.“

Als aber Jakob Rahel sah,

lief er ihr entgegen,

umarmte und küsste sie

und weinte vor Freude.

„Ich bin Jakob“, rief er,

„der Sohn von Rebekka.“

Da ließ Rahel ihre Schafe stehen

und holte schnell ihren Vater herbei.

Der fiel Jakob um den Hals und rief:

„Willkommen, mein Freund!

Komm in mein Haus

und bleibe bei uns,

solange du willst!“

Da ging Jakob mit Laban

und blieb bei ihm lange Zeit.

Er half Laban bei der Arbeit,

hütete seine Schafe und sorgte für sie.

Eines Tages aber

sagte Laban zu Jakob:

„Du bist zwar unser Verwandter.

Doch sollst du dennoch Lohn

für deine Arbeit bekommen.

Sag, was soll ich dir geben zum Lohn?“

Jakob antwortete:

„Ich will keinen Lohn von dir haben.

Ich habe nur einen einzigen Wunsch:

Gib mir deine Tochter Rahel zur Frau!

Sieben Jahre will ich

dafür dein Knecht sein.“

Da willigte Laban ein.

Und Jakob wurde sein Knecht.

Sieben Jahre lang diente er Laban.

Aber Jakob wurde die Zeit nicht lang.

Immerzu dachte er an Rahel

und freute sich schon

auf die Hochzeit mit ihr.

Nach sieben Jahren

war es endlich so weit.

Der Hochzeitstag war gekommen.

Laban bereitete ein Festmahl zu.

Am Abend führte er

die verschleierte Braut zu Jakob.

Aber wie erschrak Jakob am Morgen,

als er der Braut ins Gesicht sah!

Nicht Rahel war seine Braut,

sondern Lea, die ältere Schwester!

„Was hast du getan, Laban?“,

rief Jakob empört.

„Du hast mich betrogen!

Du hast mir Lea zur Frau gegeben.

Aber hast du mir nicht

Rahel versprochen?“

Doch Laban antwortete listig:

„Warum regst du dich auf, Jakob?

Halte diese Woche bei Lea aus!

Dann will ich dir auch noch

Rahel zur Frau geben.

Dafür sollst du noch einmal

sieben Jahre mein Knecht sein.“

Da musste Jakob sich fügen.

So blieb er noch weitere

sieben Jahre bei Laban.

Und Laban gab ihm

auch Rahel zur Frau.

*

Mehr als zwanzig Jahre lang

blieb Jakob in Haran.

Oft dachte er an seinen Vater

und an seinen Bruder Esau zurück.

Beide hatte er damals betrogen.

Nun war er selbst von Laban betrogen.

Aber Gott hielt sein Versprechen.

Er segnete Jakob im fremden Land

und machte ihn groß.

Er schenkte ihm viele Kinder,

dazu auch viele Schafe,

Ziegen und Rinder.

So wurde aus dem Knecht Jakob

ein angesehener Mann.

1. Mose 29 und 30

19. Jakob kehrt heim

Viele Jahre lang

lebte Jakob im fremden Land.

Aber mit jedem Jahr sehnte er sich

mehr nach Hause zurück.

Ob ihm sein Bruder Esau

noch böse war?

Ob er es wagen durfte,

ihn wiederzusehen?

Jakob hatte immer noch Angst,

wenn er an Esau dachte.

Eines Nachts sprach Gott

zu Jakob im Traum:

„Auf, Jakob!

Geh wieder in deine Heimat zurück!

Und vertraue mir!

Ich gehe mit dir.“

Da fasste Jakob Mut.

Er rief seine Frauen und Kinder herbei

und brach auf von Haran

mit allem, was er besaß.

Nach Wochen sah Jakob endlich

in der Ferne das Land Kanaan.

Da schickte er Boten zu Esau voraus,

die sollten ihm ansagen:

„Jakob, dein Bruder, ist da!“

Aber bald darauf

kamen die Boten wieder zurück

und meldeten Jakob:

„Wir haben Esau getroffen.

Er kommt dir entgegen.

Doch nimm dich in Acht!

Er ist nicht allein.

400 Männer begleiten ihn.“

Als Jakob das hörte,

erschrak er und verlor allen Mut.

Er überlegte bei sich:

400 Männer?

Das ist ja ein richtiges Heer!

Womöglich will Esau

Krieg mit mir führen?

Was soll ich nur tun?

Und Jakob betete zu Gott:

„Ach Herr!

Du hast mir bisher immer geholfen.

Du hast mich gesegnet

und reich gemacht.

Ich bin es nicht wert,

was du an mir getan hast.

Aber ich bitte dich jetzt:

Rette mich vor meinem Bruder!

Lass nicht zu, dass er uns tötet!“

Danach suchte Jakob

in aller Eile aus seinen Herden

die schönsten Tiere aus:

Ziegen, Schafe, Böcke und Widder,

auch Kamele, Kühe und Esel,

eine riesige Herde.

Die schickte er als Geschenk

mit drei Knechten Esau entgegen.

Wer weiß, dachte Jakob,

vielleicht ist Esau versöhnt,

wenn er sieht, was ich ihm schenke?

Schon brach die Nacht herein.

Da schlug Jakob sein Zelt

am Fluss Jabbok auf.

Aber in dieser Nacht

fand Jakob keine Ruhe.

Er wälzte sich auf seinem Lager

und dachte voll Angst

an den kommenden Morgen.

Schließlich hielt es Jakob

nicht länger auf seinem Lager.

Er stand auf,

weckte seine Frauen und Kinder,

führte sie durch den Fluss,

wo das Wasser nicht tief war,

und brachte alle ans andere Ufer.

Er aber blieb allein am Ufer zurück.

Doch plötzlich zuckte Jakob zusammen.

Ein Mann stand vor ihm.

Wer war es?

Freund oder Feind?

Was wollte er von ihm?

Der Fremde griff ihn an.

Jakob wehrte sich und schlug um sich.

Er hielt den anderen fest

und kämpfte verzweifelt.

Schon wurde es am Horizont hell.

Da sah Jakob auf einmal,

wer mit ihm kämpfte:

ein Engel Gottes!

Oder war es Gott selbst?

„Lass mich gehen!“, sprach der andere.

„Der Morgen bricht an.“

Aber Jakob klammerte sich an ihn.

„Nein“, rief er,

„ich lass dich nicht los.

Segne mich erst!“

Da segnete er Jakob und sprach:

„Jakob heißt du.

Aber von nun an sollst du Israel heißen,

das heißt: ,Gotteskämpfer‘.

Denn du hast nicht nur

mit Menschen gekämpft,

sondern mit Gott.“

Da spürte Jakob:

Gott war ihm ganz nah.

Nun hatte er Mut,

seinem Bruder entgegenzugehen.

Schon ging die Sonne auf.

In der Ferne rückte Esau

mit seinen Männern an.

Jakob lief ihm entgegen

und verneigte sich vor ihm

siebenmal bis auf die Erde.

Aber Esau eilte auf Jakob zu

und fiel ihm um den Hals.

Da war mit einem Mal

alle Angst verflogen.

Die Brüder lagen sich in den Armen

und weinten vor Freude.

Und beide spürten:

Gott hatte sie miteinander versöhnt!

1. Mose 31–32

20. Josef und seine Brüder

Jakob hatte zwölf Söhne.

Einer von ihnen hieß Josef.

Vater Jakob liebte ihn mehr

als alle anderen Söhne.

Er verwöhnte ihn,

wo er nur konnte,

und schenkte ihm

ein prächtiges, buntes Kleid.

Da wurden die anderen Söhne

neidisch auf Josef.

Sie schimpften:

„Immer nur Josef!

Warum bekommen wir kein Geschenk?“

Auch ärgerten sie sich,

weil Josef sie oft

bei ihrem Vater verriet,

wenn sie etwas falsch gemacht hatten.

Einmal hatte Josef

einen seltsamen Traum.

Den erzählte er seinen Brüdern.

„Hört“, rief er,

„was ich geträumt habe!

Ich sah im Traum ein Kornfeld vor mir.

Das Korn war geschnitten

und wir banden es in Garben zusammen.

Jeder von uns band eine Garbe.

Aber meine Garbe war die größte.

Sie stand in der Mitte.

Und alle eure Garben

verneigten sich vor meiner Garbe.“

Als die Brüder den Traum hörten,

wurden sie wütend.

„Ach du!“, fuhren sie Josef an.

„Du willst wohl

etwas Besseres sein als wir?

Willst du etwa unser König werden?“

Und sie ärgerten sich

noch mehr über Josef.

Wenig später hatte Josef

noch einen zweiten Traum.

Auch den erzählte er

seinem Vater und seinen Brüdern.

„Stellt euch vor“, rief er,

„Sonne, Mond und elf Sterne

kamen vom Himmel herab

und verneigten sich vor mir.“

„Was für ein Traum!“,

rief Vater Jakob erschrocken.

„Sollen wir alle zu dir kommen

und vor dir niederfallen,

dein Vater, deine Mutter

und deine elf Brüder?

Was bildest du dir ein?“

Aber im Stillen dachte Jakob:

Ich will mir den Traum merken.

Vielleicht hat Gott wirklich

etwas Großes mit Josef vor?

Eines Tages waren die Brüder

mit ihren Schafen unterwegs.

Plötzlich sahen sie Josef kommen.

Jakob hatte ihn hergeschickt.

Josef winkte ihnen fröhlich zu.

„Seht!“, riefen die Brüder grimmig.

„Da kommt der Träumer.

Endlich haben wir ihn.

Jetzt können wir mit ihm tun,

was wir wollen.

Wisst ihr, was wir machen?

Wir schlagen ihn einfach tot

und werfen ihn in einen Brunnen.

Aber dem Vater sagen wir:

,Ein wildes Tier hat Josef gefressen.‘

Dann wollen wir sehen,

was aus seinen Träumen wird.“

„Nein“, rief Ruben, der älteste Bruder.

„Das dürft ihr nicht tun.

Werft ihn lieber lebendig

in den Brunnen!“

Das war den Brüdern auch recht.

Sie fielen über Josef her

und packten ihn,

rissen ihm sein Kleid vom Leib,

schleppten ihn davon und warfen ihn

in ein leeres Brunnenloch.

Josef weinte und schrie.

Aber die Brüder

hörten nicht auf ihn.

Sie setzten sich an den Brunnen,

fingen an zu essen

und taten so,

als sei nichts geschehen.

Nach einer Weile kam eine Karawane

mit Kaufleuten und Kamelen vorbei.

Da schlug Juda, einer der Brüder, vor:

„Jetzt weiß ich, was wir machen.

Wir verkaufen Josef an die Kaufleute.

Dann müssen wir ihn nicht töten

und sind ihn dennoch für immer los.“

Gesagt, getan!

Sie zogen Josef aus dem Brunnen

und verkauften ihn als Sklaven

an die Kaufleute.

Zwanzig Silberstücke

handelten sie für ihn ein.

Ruben aber war nicht dabei,

als die Brüder Josef verkauften.

Als er am Abend zum Brunnen kam,

hörte er, was geschehen war.

„O weh!“, rief er entsetzt.

„Wenn das unser Vater hört!“

Aber auch dafür wussten die anderen Rat.

Sie holten einen Ziegenbock

von der Herde

und schlachteten ihn.

Dann nahmen sie Josefs Kleid,

tauchten es in das Blut

und übergaben es einem Knecht.

„Lauf schnell zu unserem Vater!“,

befahlen sie dem Knecht.

„Und gib ihm dieses Kleid!

Sag ihm: Wir haben es gefunden.“

Da lief der Knecht zu Jakob,

gab ihm das Kleid

und erzählte ihm alles,

was die Brüder gesagt hatten.

Als aber Jakob das Kleid sah,

zerriss er sein Gewand,

weinte und schrie:

„Josef ist tot! Josef ist tot!

Ein wildes Tier hat ihn gefressen.“

Und niemand konnte ihn trösten.

1. Mose 37

21. Josef in Ägypten

Die Kaufleute brachten Josef

in das ferne Land Ägypten.

Dort verkauften sie ihn

an einen reichen Mann,

der Potifar hieß.

Josef wurde Sklave in Potifars Haus.

Er arbeitete jeden Tag

von morgens bis abends.

Aber was Josef auch anpackte,

machte er richtig,

drinnen im Haus

und draußen im Freien.

Gott war mit ihm

und ließ es ihm gelingen.

Als Potifar das sah,

rief er Josef zu sich und sagte:

„Von nun an sollst du

mein Verwalter sein.

Alles, was in meinem Haus ist,

will ich dir übergeben.

Und alle anderen Sklaven

sollen dir gehorchen.“

Aber die Frau Potifars

hatte anderes mit Josef vor.

„Komm!“, flüsterte sie Josef zu.

„Sei mein Geliebter!“

„Nein!“, rief Josef erschrocken.

„Das kann ich Potifar nicht antun.

Und Gott will es auch nicht.

Sieh, dein Mann hat mir

alles im Haus übergeben.

Aber du gehörst nur ihm allein.“

Doch die Frau ließ Josef keine Ruhe.

Immer wieder versuchte sie,

ihn zu verführen.

Eines Tages waren die beiden

allein zu Hause.

Da hielt die Frau Josef am Gewand fest

und redete auf ihn ein:

„Tu, was ich dir sage!

Leg dich zu mir!“

Aber Josef riss sich von ihr los

und rannte ohne Gewand aus dem Haus.

Als die Frau das sah,

überlegte sie nicht lange.

„Hilfe! Hilfe!“, schrie sie so laut,

dass es durch das ganze Haus hallte.

Sogleich eilten von allen Seiten

die Sklaven herbei.

„Was ist los? Was ist los?“,

fragten sie erschrocken.

„Seht“, rief die Frau empört,

„was Josef mir angetan hat!

Er wollte sich zu mir legen.

Aber ich schrie laut um Hilfe.

Da ließ er sein Gewand fallen

und rannte davon.“

Und sie legte Josefs Gewand

neben sich und wartete,

bis ihr Mann heimkam.

Als aber Potifar hörte,

was seine Frau ihm erzählte,

wurde er furchtbar zornig.

„Josef hat mich betrogen!“,

schrie er wütend.

„Weg mit ihm!

Ab ins Gefängnis!

Ich will ihn nie mehr sehen.“

Da packten sie Josef

und warfen ihn ins Gefängnis.

1. Mose 39

22. Josef im Gefängnis

Nun saß Josef im Gefängnis

bei Dieben und Mördern.

Aber Josef war anders

als die anderen Gefangenen.

Das merkte auch bald der Wärter,

der die Gefangenen versorgte.

Er bat Josef:

„Willst du mir helfen?“

Josef war gerne dazu bereit.

Von nun an sorgte Josef

für die anderen Gefangenen.

Er besuchte sie jeden Tag,

brachte ihnen das Essen

und sprach ihnen Mut zu.

Josef machte seine Arbeit so gut,

dass der Wärter sich bald

um nichts mehr kümmern musste.

Gott war mit Josef

und ließ es ihm gelingen.

Unter den Gefangenen

waren auch zwei Diener

des ägyptischen Königs.

Der eine war Mundschenk.

Er hatte dem König immer

den Wein eingeschenkt.

Der andere war Bäcker.

Er hatte das Brot

für den König gebacken.

Aber beide waren beim König

in Ungnade gefallen.

Als Josef eines Morgens

zu den Gefangenen kam,

ließen beide den Kopf hängen.

„Was fehlt euch?“, fragte sie Josef.

„Warum seht ihr so traurig aus?“

„Ach“, antworteten sie,

„wir hatten beide

einen seltsamen Traum.

Und wir wissen nicht,

was er bedeutet.“

„Sagt mir doch,

was ihr geträumt habt!“, bat Josef.

„Vielleicht zeigt mir Gott,

was eure Träume bedeuten.“

Da erzählte der Mundschenk:

„Ich sah einen Weinstock

mit drei Reben,

die hingen voller Trauben.

Ich hielt den Becher des Königs

in meiner Hand,

nahm die Trauben,

drückte sie aus

und ließ den Saft in den Becher tropfen.

Den reichte ich dem König,

und er trank daraus.“

Als Josef den Traum hörte,

rief er erfreut:

„Das ist ein guter Traum!

Die drei Reben bedeuten drei Tage.

In drei Tagen

wirst du wieder frei sein.

Und der König wird dich

wieder zum Mundschenk machen.“

Und Josef fügte hinzu:

„Wenn du wieder zum König kommst,

dann denk an mich!

Bitte den König,

dass er mich hier herausholt!

Denn ich bin unschuldig hier.“

Da fasste sich der Bäcker ein Herz

und erzählte auch seinen Traum:

„Ich ging auf der Straße

und trug drei Körbe

auf meinem Kopf.

Im obersten Korb

hatte ich köstlichen Kuchen.

Den sollte der König essen.

Aber da kamen Vögel,

die setzten sich auf den Korb

und fraßen alles auf.“

Als Josef diesen Traum hörte,

rief er erschrocken:

„Dein Traum bedeutet nichts Gutes!

In drei Tagen wirst du gehängt.

Und die Vögel werden

dein Fleisch auffressen.“

Und wirklich:

Nach drei Tagen geschah,

was Josef vorausgesagt hatte.

Der Mundschenk wurde

wieder in sein Amt eingesetzt.

Der Bäcker aber wurde gehängt.

Doch der Mundschenk vergaß,

was er Josef versprochen hatte.

1. Mose 40

23. Josef vor dem König

Es war Nacht.

Der König von Ägypten

schlief in seinem Palast.

Er hatte in dieser Nacht

einen seltsamen Traum:

Er stand im Traum am Ufer des Nil.

Da stiegen aus dem Fluss

sieben schöne und fette Kühe,

die grasten am Ufer.

Danach stiegen noch einmal

sieben Kühe aus dem Wasser.

Aber sie waren hässlich und mager.

Sie fraßen die fetten Kühe auf.

Und noch einen Traum

hatte der König in dieser Nacht:

Er sah einen Getreidehalm vor sich.

Aus ihm wuchsen sieben Ähren,

schöne, dicke Kornähren.

Danach sah er einen anderen Halm.

Aus ihm wuchsen auch sieben Ähren.

Aber sie waren dürr und leer.

Die verschlangen die dicken Ähren.

Da wachte der König auf.

Unruhig wartete er,

bis der Morgen anbrach.

Dann rief er sogleich

seine Gelehrten herbei

und erzählte ihnen,

was er geträumt hatte.

„Auf, sagt mir,

was die Träume bedeuten!“,

befahl der König.

Aber die Gelehrten

sahen ihn verlegen an.

Sie konnten die Träume nicht deuten.

Da hörte der Mundschenk,

was der König geträumt hatte.

Plötzlich fiel ihm Josef wieder ein.

Wenn doch nur Josef hier wäre!,

dachte er bei sich.

Josef könnte sicher sagen,

was die Träume bedeuten.

Und er ging zum König,

verneigte sich vor ihm und sagte:

„Mein König!

Ich kenne einen Mann im Gefängnis.

Der kann Träume deuten.

Er hat auch mir vor Jahren

einen Traum gedeutet,

als ich im Gefängnis saß.

Alles traf so ein,

wie er es damals vorausgesagt hatte.“

„Dann holt ihn sofort her!“,

befahl der König.

„Worauf wartet ihr noch?“

Da holten sie Josef

aus dem Gefängnis,

schoren seine Haare,

zogen ihm ein neues Gewand an

und führten ihn vor den König.

Der wartete schon ungeduldig auf ihn.

„Ist es wahr?

Kannst du Träume deuten?“,

fragte der König.

„Nein“, antwortete Josef.

„Ich kann es nicht.

Aber Gott wird mir sagen,

was die Träume bedeuten.“

Da erzählte der König,

was er geträumt hatte.

Josef aber sagte zum König:

„Beide Träume bedeuten dasselbe.

Sieben Jahre lang

wird viel Korn wachsen.

Aber danach kommen

sieben schlechte Jahre.

Kein Korn wird mehr

auf den Feldern reifen.

Alle Menschen werden hungern.

Darum bau dir große Lagerhäuser

und setze einen klugen Verwalter ein,

der das Korn sammelt

und die Lagerhäuser füllt!

Und wenn die Hungersnot kommt,

soll er es an die Leute verkaufen.“

„Das ist gut!“, rief der König.

„Dein Plan gefällt mir.

Du sollst ihn selbst ausführen.

Ab heute bist du in Ägypten

der zweitmächtigste Mann.“

Und er gab Josef

seinen kostbaren Siegelring,

legte ihm einen Mantel um

und hängte eine goldene Kette

um seinen Hals.

Danach schickte er ihn

in seinem Königswagen

durch das ganze Land

und ließ in allen Städten

vor ihm her ausrufen:

„Dies ist der Mann,

dem der König alle Macht übergeben hat.

Ihm sollt ihr gehorchen.“

1. Mose 41

24. Josefs Brüder in Ägypten

Bald darauf traf ein,

was Josef vorhergesagt hatte.

Es gab Korn in Fülle.

Alle konnten essen,

so viel sie wollten.

Und es blieb immer noch

genug Korn übrig,

mehr als genug.

Da ließ Josef große Speicher bauen

und füllte sie mit Korn,

eine riesige Menge,

so viel wie der Sand am Meer.

Aber nach sieben Jahren

kam eine Dürrezeit.

Es regnete nicht mehr.

Die Sonne versengte das Land.

Die Erde trocknete aus.

Auf den Feldern

verdorrte das Korn.

Und in allen Ländern brach

eine große Hungersnot aus.

Da kamen die Menschen

in großen Scharen zu Josef

und baten ihn:

„Verkauf uns etwas von deinem Korn,

damit wir nicht verhungern!“

Und Josef öffnete seine Speicher

und gab ihnen Korn,

so viel sie brauchten.

*

Eines Tages aber kamen zehn Männer

aus einem fernen Land,

um Korn bei Josef zu kaufen.

Als Josef sie sah,

traute er seinen Augen nicht.

Vor ihm standen –

seine eigenen Brüder!

Sie warfen sich vor ihm auf die Erde

wie vor einem König.

Genauso hatte er es einst

in seinem Traum vorhergesehen.

Josef überlegte:

Ob seine Brüder

auch ihn erkannten?

Nein, sie ahnten gewiss nicht,

wer vor ihnen stand!

Da beschloss Josef,

seine Brüder auf die Probe zu stellen.

„Wer seid ihr?“, fragte er streng.

„Und woher kommt ihr?“

„Aus dem Land Kanaan“,

antworteten sie.

„In unserem Land

gibt es kein Korn mehr.

Darum sind wir hierher gekommen,

um Korn zu kaufen.“

„Nein“, unterbrach sie Josef,

„ihr lügt! Ihr seid Spione!

Ihr wollt nur unser Land

ausspionieren.“

„Aber nein!“,

riefen die Brüder erschrocken.

„Wir sind ehrliche Leute

und gehören alle zu einer Familie.

Zwölf Brüder sind wir.

Aber zwei Brüder fehlen.

Der jüngste Bruder

ist bei unserem Vater geblieben.

Und der zweitjüngste

lebt schon lange nicht mehr.“

Doch Josef unterbrach sie wieder:

„Ich glaube euch nicht.

Bringt euren jüngsten Bruder zu mir!

Dann will ich euch glauben.“

Darauf ließ er

alle zehn Brüder einsperren.

Aber nach drei Tagen

ließ er sie wieder frei

und befahl ihnen:

„Nehmt nun euer Korn

und zieht mit ihm nach Hause!

Aber kommt bald wieder zurück

und bringt euren jüngsten Bruder mit!

Dann will ich sehen,

ob ihr ehrliche Leute seid.

Einer von euch soll so lange

als Geisel hierbleiben,

bis ihr zurückkommt.“

Die Brüder sahen sich entsetzt an.

„Seht“, sagten sie zueinander,

„das ist die Strafe für alles,

was wir Josef angetan haben.

Wisst ihr noch, wie er uns anflehte,

als wir ihn in den Brunnen warfen?

Aber wir hörten nicht auf ihn.“

„Ich habe es euch ja gesagt“,

warf ihnen Ruben vor.

„Aber ihr habt nicht auf mich gehört.

Nun müssen wir dafür büßen.“

Als Josef das hörte,

wandte er sich ab

und wischte sich verstohlen

Tränen aus seinen Augen.

Dann nahm er einen Bruder als Geisel,

ließ ihn fesseln und sperrte ihn ein.

Aber die anderen Brüder

ließ er ziehen.

Als aber die Brüder

zu Hause ankamen

und ihre Kornsäcke ausleerten,

fanden sie in jedem Sack

einen Beutel mit Geld.

Die Brüder sahen sich bestürzt an.

„Das ist doch das Geld,

das wir dem Ägypter

für das Korn gezahlt haben“,

riefen sie erschrocken.

„Wie kommt es denn auf einmal

wieder in unseren Kornsack?

Am Ende denkt der Ägypter noch,

wir hätten ihn betrogen.“

Aber niemand kam auf den Gedanken,

dass der Ägypter absichtlich

das Geld in ihren Sack gesteckt hatte.

Und niemand ahnte,

dass dieser Ägypter

in Wahrheit ihr Bruder war.

1. Mose 42

25. Josef söhnt sich aus

Nach einiger Zeit kamen die Brüder

wieder nach Ägypten,

um Korn zu kaufen.

Diesmal empfing sie Josef

in seinem eigenen Haus.

Er begrüßte sie freundlich:

„Sagt, wie geht es eurem alten Vater?

Lebt er noch?“

Aber plötzlich entdeckte Josef

unter ihnen Benjamin,

seinen jüngsten Bruder.

„Ist das euer jüngster Bruder?“,

rief Josef bewegt.

„Gott sei dir gnädig, mein Sohn!“

Die Tränen schossen ihm in die Augen.

Schnell lief er hinaus,

schloss sich in eine Kammer ein

und weinte.

Als er sich wieder gefasst hatte,

ging er zu seinen Brüdern zurück

und aß mit ihnen.

Was hat dies alles zu bedeuten?,

überlegten die Brüder.

Warum ist der Ägypter plötzlich

so freundlich zu uns?

Und warum bekommt Benjamin

fünfmal so viel zu essen wie wir?

Aber Josef ließ sich nichts anmerken.

Nach dem Essen befahl er

heimlich seinem Verwalter:

„Fülle den Männern

die Säcke mit Korn

und leg das Geld wieder hinein,

das sie gezahlt haben!

Aber bei Benjamin leg noch

meinen silbernen Becher hinzu!“

Die Brüder aber ahnten nicht,

was mit ihren Säcken geschah.

Am nächsten Morgen

standen sie früh auf,

luden die Säcke auf ihre Esel

und zogen fröhlich davon.

Aber kaum hatten sie sich

von der Stadt entfernt,

sprengte plötzlich von hinten

ein Reiter heran.

Es war Josefs Verwalter.

„Halt!“, rief er streng.

„Bleibt stehen, ihr Diebe!

Was fällt euch ein?

Ihr habt meinem Herrn

den silbernen Becher gestohlen.“

„Das ist nicht wahr!“,

riefen die Brüder empört.

„Wir sind keine Diebe.

Wir haben den Becher nicht.

Schau selbst in unseren Säcken nach!

Wenn du den Becher dort findest,

wollen wir euch als Sklaven dienen.“

„Recht so!“, rief der Verwalter.

„Mein Herr wird den Dieb

zum Sklaven machen.

Die anderen aber sind frei.“

Da luden die Brüder

ihre Säcke von den Eseln,

banden sie auf

und zeigten sie dem Verwalter.

Der aber durchsuchte alle Säcke,

auch Benjamins Kornsack.

Und tatsächlich!

Aus seinem Sack

zog er den silbernen Becher hervor.

Die Brüder waren sprachlos.

Wie kam der Becher nur

in Benjamins Kornsack?

Was würde nun aus Benjamin?

Schnell luden sie wieder

die Säcke auf ihre Esel

und zogen mit Benjamin

zu Josef zurück,

warfen sich vor ihm auf die Erde

und stammelten:

„Wir alle sind schuldig.

Mach uns alle zu deinen Sklaven!“

„Aber nein!“,

fiel ihnen Josef ins Wort.

„Nur der soll mein Sklave sein,

der den Becher gestohlen hat.“

Da stand Juda auf und bat:

„Ach Herr, erlaube mir eine Bitte!

Mach mich zum Sklaven

an Benjamins Stelle!

Wenn Benjamin nicht mehr heimkommt,

dann stirbt unser Vater vor Kummer.

Er hat schon einen Sohn

auf diese Weise verloren.“

Als Josef das hörte,

hielt er sich nicht länger zurück.

Schnell schickte er

alle seine Diener zur Tür hinaus.

„Seht her!“, rief er.

„Seht, wer vor euch steht!

Ich bin Josef, euer Bruder,

den ihr als Sklaven verkauft habt.

Sagt mir: Wie geht es unserem Vater?

Lebt er wirklich noch?“

Die Brüder aber

starrten Josef entsetzt an.

Sie brachten vor Schreck

kein einziges Wort heraus.

Der mächtige Ägypter,

vor dem alle zitterten,

der war ihr Bruder?

Derselbe Bruder, den sie einst

als Sklaven verkauft hatten!

Nun war es um sie geschehen.

Sie waren in Josefs Hand.

Er konnte mit ihnen machen,

was er wollte.

Aber Josef redete ihnen gut zu:

„Steht auf! Kommt näher!

Seht mich an!

Ich bin wirklich Josef.

Habt keine Angst vor mir!

Ich bin nicht euer Feind.

Ihr habt es zwar

böse mit mir gemeint.

Aber Gott hat es gut

mit uns allen gemeint.

Er hat mich nach Ägypten geschickt,

damit ihr nicht hungern müsst.

Darum geht schnell

zu unserem Vater zurück!

Grüßt ihn von mir

und richtet ihm aus:

,Komm nach Ägypten!

Dort will ich dich

und deine Familie versorgen,

solange die Hungersnot anhält.‘“

Aber die Brüder waren

immer noch starr vor Schreck.

Da ging Josef auf sie zu,

fiel ihnen um den Hals,

küsste sie und weinte vor Freude.

Nun kam auf einmal Leben

in seine Brüder.

Sie lachten.

Sie umarmten sich.

Und sie erzählten Josef

von ihrem Vater Jakob,

der immer noch

um seinen Sohn trauerte.

Als aber der König hörte,

wer zu Josef gekommen war,

ließ er den Brüdern sagen:

„Kommt mit eurem Vater hierher

und wohnt bei uns!

Das ganze Land steht euch offen.“

Da zögerten die Brüder nicht lange.

Sogleich brachen sie auf

und machten sich auf den Heimweg,

um ihrem Vater

die gute Nachricht zu bringen:

„Josef, dein Sohn, lebt!“

1. Mose 43–45

26. Jakob zieht nach Ägypten

Vater Jakob stand vor seinem Zelt

und schaute in die Ferne.

Da sah er seine Söhne kommen:

Ruben, Simeon, Levi, Juda...

Alle kamen, keiner fehlte.

Auch Benjamin war dabei.

Jakob atmete auf.

Aber hörte er recht?

„Gute Nachricht, Vater!“,

riefen ihm seine Söhne entgegen.

„Stell dir vor: Josef lebt noch!

Er ist der zweitmächtigste Mann

in Ägypten.“

Jakob stand da wie erstarrt.

„Unmöglich!“, murmelte er tonlos.

„Ihr täuscht euch! Josef ist tot.“

„Nein, nein!“, riefen die Brüder.

„Glaub uns doch: Josef lebt!“

Und sie zeigten Josefs Geschenke:

Korn und Brot und kostbare Kleider

und viele Wagen und Esel.

„Da, sieh her!

Dies alles lässt Josef dir schicken.

Er lädt uns ein,

nach Ägypten zu ziehen.“

„Was sagt ihr?“, rief Jakob erregt.

„Josef, mein Sohn, lebt?

Worauf warten wir dann noch?

Ich will Josef wiedersehen,

ehe ich sterbe.“

Und er sammelte alle um sich,

Frauen und Kinder,

Knechte und Mägde.

„Habt ihr gehört?“, rief er.

„Josef lebt in Ägypten.

Auf, macht euch fertig!

Packt eure Zelte!

Treibt die Tiere zusammen!

Wir ziehen nach Ägypten.“

Da machten sich alle

auf den Weg nach Ägypten:

Männer, Frauen und Kinder,

dazu alle Tiere.

Jakob aber fuhr ihnen

im Wagen voraus,

Josef entgegen.

Als sie schon nahe bei Ägypten waren,

kam ihnen ein prächtiger Wagen

mit schnellen Pferden entgegen

und hielt vor ihnen an.

Aus dem Wagen sprang Josef.

Er eilte auf Jakob zu,

fiel ihm um den Hals

und weinte vor Freude.

„Mein Sohn, du lebst!“,

rief Jakob bewegt.

„Was will ich noch mehr?

Nun kann ich getrost sterben.“

Aber Josef führte Jakob nach Ägypten

und sorgte für ihn

und für seine ganze Familie,

bis die Hungersnot vorüber war.

Danach lebte Jakob noch viele Jahre.

Er sah, wie seine Enkel

und Urenkel heranwuchsen.

Und er segnete sie alle, bevor er starb.

So wuchs Jakobs Familie immer mehr

und breitete sich aus

wie Sand am Meer.

1. Mose 46–50

III
Gott führt sein Volk

Gott hatte sein Versprechen erfüllt.

Aus Abrahams Familie

war ein großes Volk geworden.

Aber dieses Volk lebte nun

im fremden Land Ägypten.

Wann würde Gott es wieder

nach Kanaan zurückführen,

in das Land,

das er einst Abraham

und seinen Nachkommen versprochen hatte?

27. In Ägypten

Vater Jakob lebte nicht mehr.

Auch Josef und seine Brüder

waren längst tot.

Aber die Kinder Josefs

und seiner Brüder

lebten immer noch in Ägypten.

Sie waren schon alt

und hatten selbst wieder Kinder,

Enkel und Urenkel,

eine riesengroße Familie,

so groß wie ein ganzes Volk.

Israeliten nannten sie sich

nach dem Stammvater Jakob,
der auch Israel hieß.

Zu dieser Zeit kam in Ägypten

ein neuer König auf den Thron,

der mächtige Pharao.

Der wusste nichts mehr

von Jakob und Josef.

Er ärgerte sich über das fremde Volk.

Und er sagte zu den Ägyptern:

„Was wollen die Fremden

in unserem Land?

Es sind schon viel zu viele.

Wer weiß?

Bald gibt es mehr Israeliten

als Ägypter im Land.

Eines Tages werden sie

gegen uns kämpfen.

Aber so weit darf es nicht kommen.

Wir werden sie unterdrücken

und Sklaven aus ihnen machen.

Dann müssen wir uns nicht mehr

vor ihnen fürchten.“

Und er gab den Befehl:

„Alle Israeliten

sollen für mich arbeiten!

Meine Sklaven sollen sie werden!“

Von nun an

mussten die Israeliten

jeden Tag schwer arbeiten,

vom frühen Morgen an

bis zum späten Abend.

Ziegelsteine mussten sie

aus Lehm formen.

Häuser mussten sie bauen.

Ja, ganze Städte mussten sie

für den König errichten.

Und der König setzte

Ägypter als Aufseher ein,

die trieben die Israeliten

mit der Peitsche an.

Und wenn die Israeliten müde wurden,

schlugen die Aufseher

unbarmherzig auf sie ein.

Aber das Volk Israel wuchs trotzdem.

Es wurde immer größer.

Je mehr die Ägypter es plagten,

desto zahlreicher wurde das Volk.

Dem König wurde ganz unheimlich,

wenn er das Volk sah.

Schließlich dachte er sich

einen grausamen Plan aus.

Er befahl allen Ägyptern:

„Geht zu den Israeliten!

Dringt in ihre Häuser ein!

Und seht nach,

wo ein Sohn geboren wurde!

Und wenn ihr einen findet,

packt ihn und werft ihn in den Nil!“

Da gehorchten die Ägypter.

Sie drangen in die Häuser ein.

Sie durchsuchten alle Winkel.

Und wo sie einen Neugeborenen fanden,

rissen sie ihn von seiner Mutter los

und nahmen ihn mit.

Da half kein Betteln und Weinen.

Die Ägypter taten,

was ihr König befohlen hatte.

2. Mose 1

28. Mose

Zu dieser Zeit

brachte eine Israelitin

ein Kind zur Welt.

Als sie sah, dass es ein Sohn war,

erschrak sie sehr.

„Was für ein schönes Kind!“,

sagte sie zu sich.

„Es soll nicht sterben

wie die anderen Kinder.

Ich will, dass es lebt!“

Schnell verbarg sie das Kind.

Aber kein Ägypter kam in das Haus.

Niemand entdeckte das Kind.

Tage und Wochen vergingen.

Drei Monate gingen ins Land.

Das Kind wuchs

und seine Stimme wurde

von Tag zu Tag lauter.

Da konnte es die Mutter nicht

länger im Haus verbergen.

Was sollte sie tun?

Sie überlegte hin und her.

Schließlich fasste sie

einen kühnen Entschluss:

Sie ging zum Ufer des Nil,

holte sich Schilfgras

und flocht daraus ein Kästchen.

Das verschmierte sie außen mit Pech,

sodass kein Wasser eindringen konnte.

Dann legte sie ihr Kind in das Kästchen,

trug es heimlich zum Fluss

und versteckte es am Ufer

zwischen dem Schilfgras.

Danach lief sie schnell

nach Hause zurück.

Niemand durfte merken,

was sie getan hatte.

Da lag nun das Kind

in seinem Kästchen auf dem Nil,

mutterseelenallein.

Nur Mirjam, die ältere Schwester,

hielt heimlich Wache am Ufer.

Aber plötzlich horchte Mirjam auf.

Stimmen wurden laut.

Schritte kamen näher.

Mirjam spähte

zwischen dem Schilfgras hervor.

Da sah sie eine Schar Mädchen

zum Baden kommen.

Doch mitten unter ihnen –

wen entdeckte sie da?

Die Tochter des Pharao!

Die Tochter des gefürchteten Königs!

Sie kam mit ihren Dienerinnen

zum Nil, um zu baden

und ging geradewegs

auf das Wasser zu.

Plötzlich blieb sie stehen.

Sie zeigte auf das Schilf.

„Seht doch!“, rief sie.

„Seht, was dort schwimmt!

Ein geflochtenes Kästchen!

Holt es schnell aus dem Wasser!

Ich will wissen,

was darin versteckt ist.“

Da holte eine Dienerin

das Kästchen aus dem Wasser

und brachte es der Königstochter.

Die nahm das Kästchen,

öffnete es und schaute hinein.

Da sah sie das Kind.

Es weinte und blickte zu ihr hoch.

„Das arme Kind!“,

rief die Königstochter voll Mitleid.

„Sicher gehört es zu den Israeliten.

Es darf aber nicht sterben

wie die anderen Kinder.

Ich will es retten.

Mein Kind soll es werden.

Und Mose will ich es nennen,

das heißt: ,aus dem Wasser gezogen‘.

Denn ich habe es gefunden

und aus dem Wasser geholt.

Und ich will für das Kind

wie eine Mutter sorgen.“

Als Mirjam das hörte,

kam sie schnell

aus ihrem Versteck hervor,

verneigte sich und sagte:

„Ich kenne eine Frau,

die kann das Kind stillen.

Soll ich sie holen?“

„Ja“, bat die Königstochter,

„hol sie schnell her!“

Da lief Mirjam nach Hause

und holte – ihre eigene Mutter!

Aber die Königstochter

wusste nicht, wer sie war.

Sie sagte zu ihr:

„Sieh, dieses Kind habe ich

im Wasser gefunden.

Kannst du es stillen?

Ich will dir’s auch bezahlen.

Nimm es an dich

und sorge gut für das Kind!

Doch wenn das Kind alt genug ist,

will ich es selbst haben.

Dann soll es bei mir wohnen.“

Die Mutter wusste nicht,

wie ihr geschah.

Glücklich trug sie das Kind

nach Hause,

ihr eigenes Kind!

Nun musste sie es nie mehr verstecken,

auch nicht vor den Soldaten des Königs.

2. Mose 2

29. Mose muss fliehen

Drei Jahre lang

blieb Mose bei seiner Mutter.

Danach nahm ihn Pharaos Tochter

zu sich in den Palast.

Dort bekam Mose kostbare Kleider

und eigene Diener und Lehrer.

Mose sah nun aus wie ein Ägypter

und sprach auch wie ein Ägypter.

Aber er blieb dennoch ein Israelit.

Er konnte sein Volk nicht vergessen.

Jahre vergingen.

Inzwischen war Mose erwachsen.

Da verließ er den Königspalast

und suchte die Israeliten auf.

Aber wie erschrak er,

als er sie arbeiten sah!

Sie plagten sich ab.

Sie keuchten und stöhnten.

Auf einmal hörte Mose

einen furchtbaren Schrei.

Ein Aufseher schlug

auf einen Israeliten ein.

Als Mose das sah,

packte ihn der Zorn.

War denn hier keiner,

der dem Ägypter wehrte?

Nein, keiner!

Alle machten sich aus dem Staub,

als sie den Aufseher sahen.

„Dann muss ich es tun“,

sagte sich Mose.

Und schon stürzte er sich

auf den Ägypter

und schlug wild auf ihn ein,

bis er tot war.

Schnell grub er

ein Loch in den Sand

und verscharrte den Toten.

Niemand durfte wissen,

was er getan hatte.

Wenn der König davon erfuhr,

war er verloren.

Am nächsten Tag suchte Mose

noch einmal die Israeliten auf

und sah, wie sie sich plagten.

Plötzlich hörte er wieder Geschrei.

Er horchte auf.

Wer schrie diesmal so laut?

Da entdeckte er zwei Israeliten,

die stritten und schlugen sich.

„Hört auf!“, rief Mose.

„Was soll der Unsinn?

Ihr seid doch beide Israeliten.

Vertragt euch!“

Aber der eine antwortete:

„Misch dich nicht ein!

Das geht dich nichts an.

Oder willst du mich auch töten

wie den Ägypter?“

Als Mose das hörte,

erschrak er furchtbar.

Er überlegte:

Wie ist das nur möglich?

Woher weiß der Mann,

was ich gestern getan habe?

Vielleicht hat er es schon

dem König verraten?

Dann muss ich fliehen,

bevor es zu spät ist.

Und er machte sich auf und davon

und floh aus Ägypten.

2. Mose 2,11–15

30. Mose im Land Midian

Nach vielen Tagen

kam Mose in das Land Midian,

ein einsames, steiniges Land

in der Wüste.

Es war bereits Abend,

als er dort ankam.

Müde setzte er sich

an einen Brunnen

und ruhte sich aus.

Da kamen sieben Mädchen

mit Schafen zum Brunnen.

Sie schöpften Wasser

und gossen es in den Trog

für die Schafe.

Aber plötzlich kamen Hirten daher.

Sie stießen die Mädchen zur Seite

und schrien: „Weg da!

Jetzt wollen wir schöpfen.“

Als Mose das sah, sprang er auf,

stellte sich vor die Mädchen

und rief zornig:

„Lasst sie in Frieden!

Sie waren zuerst da.“

Schnell griff er zu

und half den Mädchen beim Schöpfen,

bis alle Schafe genug hatten.

Da liefen die sieben Mädchen

zu ihrem Vater Reguel,

der auch Jitro hieß,

und erzählten ihm,

was sie am Brunnen erlebt hatten.

„Wie?“, rief der Vater erstaunt.

„Ein Fremder half euch beim Schöpfen?

Wo ist denn der Fremde?

Warum habt ihr ihn

nicht zu mir gebracht?

Lauft noch einmal zum Brunnen

und ladet ihn ein!

Er soll unser Gast sein.“

Da brachten die Mädchen

Mose zu ihrem Vater ins Zelt.

Mose aber blieb bei ihm

und diente ihm

und hütete seine Schafe.

Zum Dank gab ihm Reguel

seine Tochter Zippora zur Frau.

Viele Jahre blieb Mose im Land Midian

bei seiner Frau und dem Sohn,

den sie ihm schenkte.

Er hatte sein Volk in Ägypten

fast schon vergessen.

Aber Gott vergaß sein Volk nicht.

Und er vergaß auch Mose nicht.

2. Mose 2,15–25

31. Mose bekommt einen Auftrag

Eines Tages kam Mose

mit seinen Schafen zum Berg Sinai.

Da sah er einen Dornstrauch,

der lichterloh brannte.

„Wie ist das nur möglich?“,

fragte sich Mose erstaunt.

„Der Strauch brennt

und verbrennt doch nicht.

Ich will hingehen und sehen,

warum er nicht verbrennt.“

Neugierig ging er auf den Strauch zu.

Aber plötzlich hörte Mose

eine Stimme aus dem Feuer:

„Mose! Mose!“

„Hier bin ich“,

antwortete Mose erschrocken.

„Komm nicht näher heran!“,

rief die Stimme.

„Zieh deine Schuhe aus!

Du stehst auf heiligem Land.

Denn ICH bin hier,

der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“

Da schlug Mose

die Hände vor das Gesicht.

Er wagte nicht aufzuschauen.

Aber er hörte,

wie Gott zu ihm sprach:

„Mose! Geh zurück nach Ägypten!

Geh zu Pharao und sage ihm:

,Lass mein Volk Israel frei!‘

Denn ich habe gesehen,

wie sie leiden.

Ich habe ihre Klagen gehört.

Ich will sie retten

und aus Ägypten führen.

Ich will sie nach Hause bringen,

in das Land,

wo Milch und Honig fließt.

So geh nun hin!

Du sollst das Volk

aus Ägypten führen.“

„Ich soll zum König gehen?“,

fragte Mose erschrocken.

„Ich soll die Israeliten

aus Ägypten führen?

Warum gerade ich?“

„Ich werde mit dir sein“,

sprach Gott.

„Aber“, wandte Mose ein,

„sie werden mir nicht glauben,

wenn ich zu ihnen komme.

Sie werden fragen:

Was ist das für ein Gott,

von dem du redest?‘“

Da sprach Gott:

„ICH WERDE SEIN,

DER ICH SEIN WERDE.

Das ist mein Name.

Den sollst du zu ihnen sagen.

So geh nun zurück

und sage den Israeliten,

ICH habe dich gesandt.“

Aber Mose zögerte noch.

„Ach Herr!“, rief er.

„Ich kann es nicht.

Ich konnte noch nie gut reden.

Und jetzt erst recht nicht!“

„Ich werde dir sagen,

was du reden sollst“,

antwortete Gott.

„Nein, nein!“, rief Mose.

„Nimm, wen du willst,

nur mich nicht!“

Aber Gott sprach:

„Aaron, dein Bruder,

wird dir helfen.

Er wird mit dir

zum König gehen

und für dich sprechen.

Er ist schon auf dem Weg zu dir.“

Da wagte Mose nichts mehr zu sagen.

Er brach auf mit seiner Familie

und zog nach Ägypten,

wie Gott ihm befohlen hatte.

2. Mose 3–4

32. Mose bei Pharao

Unterwegs traf Mose

seinen Bruder Aaron.

Ihm erzählte er alles,

was Gott am Berg Sinai

zu ihm gesagt hatte.

Da gingen die beiden

zu den Israeliten,

die sich in Ägypten

immer noch plagten.

„Freut euch!“, riefen sie.

„Gott hat euer Weinen gehört

und eure Not gesehen.

Bald werdet ihr frei sein

und in das Land ziehen,

das Gott euch versprochen hat.“

Als die Israeliten das hörten,

verneigten sie sich

und beteten Gott an.

„Gott sei Dank!“, riefen sie froh.

„Gott hat uns nicht vergessen.

Er hat unser Elend gesehen.“

Danach gingen Mose und Aaron

zu Pharao, dem König von Ägypten.

Der empfing sie

in seinem Palast.

„Warum kommt ihr zu mir?“,

fragte er sie.

„Was wollt ihr von mir?“

Da antworteten Mose und Aaron:

„So spricht der Herr,

der Gott Israels:

,Lass mein Volk gehen!‘“

„Was?“, rief der König empört.

„Wer ist dieser Herr?

Ich kenne euren Gott nicht.

Ich will ihn auch gar nicht kennen

und will ihm auch nicht gehorchen.

Ich bin hier allein der Herr,

der Herr über Ägypten

und der Herr über alle Israeliten.

Darum will ich euch sagen,

was ich tun werde:

Ich werde euch noch viel mehr

schinden und plagen.

Dann kommt ihr auf

keine dummen Gedanken mehr.

Und nun los! An die Arbeit!“

Von diesem Tag an

mussten die Israeliten

noch viel mehr arbeiten.

Sie schufteten.

Sie plagten sich ab.

Sie wurden geschunden

und wurden geschlagen.

Und niemand hatte Mitleid

mit ihnen.

Da liefen die Israeliten

zu Mose und Aaron,

weinten und schrien:

„Ihr seid an allem schuld.

Warum seid ihr zu Pharao gegangen?

Seitdem ist alles

noch viel schlimmer geworden.“

Auch Mose war ratlos.

„Ach Herr“, betete er,

„warum hast du uns das angetan?

Warum hast du mich

nach Ägypten geschickt?

Du hilfst deinem Volk ja doch nicht.“

Aber Gott sprach zu Mose:

„Warte nur ab!

Bald sollst du sehen,

was ich an Pharao tun werde.

Pharao soll erkennen,

dass ich allein der Herr bin.“

2. Mose 4,27–6,1

33. Die zehn Plagen

Bald darauf ließ Gott

zehn schwere Plagen

über Ägypten kommen.

Zuerst wurde alles Wasser zu Blut.

In den Bächen

und in den Seen und Sümpfen

starben die Fische.

Das Wasser stank furchtbar.

Niemand konnte es trinken.

Doch der König

machte sich nichts daraus.

Sein Herz blieb hart wie Stein.

Da schickte Gott

eine zweite Plage über Ägypten.

Aus den Flüssen und Sümpfen

krochen Frösche hervor,

Hunderte, Tausende,

hunderttausend und noch mehr.

Die hüpften überall hin,

in die Häuser und Höfe,

in die Betten und Backtröge,

in die Teller und Töpfe.

Nichts war vor ihnen sicher.

Da packte den König das Grausen.

Er rief Mose und Aaron zu sich

und befahl:

„Lasst die Frösche verschwinden!

Dann lasse ich euch ziehen.

Ich verspreche es euch.“

Da betete Mose zu Gott,

und die Frösche starben

in allen Häusern und Höfen

und auf dem Feld.

Man trug sie

in großen Haufen zusammen,

sodass das ganze Land

von ihrem Gestank erfüllt war.

Aber der König ließ das Volk Israel

dennoch nicht ziehen.

Sein Herz blieb hart.

Da schickte Gott noch eine

dritte und vierte Plage.

Aus dem Staub der Erde

kamen Stechmücken hervor,

Millionen von Mücken.

Die setzten sich

auf alle Menschen und Tiere

und bedeckten die ganze Erde.

Und Stechfliegen kamen

in großen Schwärmen

über das ganze Land.

Die stachen alle,

Große und Kleine, Alte und Junge.

Kein Mensch blieb verschont

außer den Israeliten.

Und wieder rief der König

Mose und Aaron zu sich

und versprach ihnen:

„Ich lasse euch ziehen.

Aber verscheucht mir

erst alle Fliegen!“

Da betete Mose zu Gott,

und die Fliegen verschwanden,

wie sie gekommen waren.

Nicht eine einzige Fliege blieb übrig.

Aber der König ließ das Volk Israel

dennoch nicht ziehen.

Sein Herz blieb hart.

Da traf die fünfte,

sechste und siebte Plage ein.

Alle Tiere wurden krank

und starben in Massen,

Pferde und Esel, Kamele und Kühe,

dazu viele, viele Schafe.

Bald darauf wurden

auch die Menschen schwer krank.

Eine Seuche brach aus.

Die Ägypter bekamen Geschwüre

an Händen und Füßen,

am Kopf und am ganzen Leib.

Schließlich kam ein schweres Unwetter

über das ganze Land.

Riesige Hagelkörner

fielen vom Himmel

und schlugen alles zusammen,

Menschen und Vieh

und das Korn auf den Feldern.

Aber der König ließ das Volk Israel

dennoch nicht ziehen.

Sein Herz blieb hart.

Da schickte Gott

die achte Plage ins Land.

Heuschrecken kamen in Schwärmen

und bedeckten die Erde

und fraßen alles auf,

was vom Hagel verschont war,

Gras und Blüten und Blätter.

Aber der König ließ das Volk Israel

dennoch nicht ziehen.

Sein Herz blieb hart.

Da ließ Gott noch

eine neunte Plage kommen.

Über dem ganzen Land

wurde es stockdunkel.

Drei Tage lang

schien die Sonne nicht mehr.

Die Menschen flohen in ihre Häuser

und zitterten vor Kälte und Angst.

Auch der König saß im Dunkeln

und konnte nichts sehen.

Voll Zorn rief er Mose

zu sich in seinen Palast

und herrschte ihn an:

„Verschwinde endlich!

Und komm mir nie wieder

unter die Augen!

Sonst lasse ich dich töten.“

Aber das Volk Israel

ließ er dennoch nicht ziehen.

Da ging Mose aus dem Palast.

Gott aber sprach zu Mose:

„Noch eine Plage

will ich dem Pharao schicken,

die letzte und schwerste.“

2. Mose 7–11,1

34. Der Auszug aus Ägypten

Es war Nacht.

Die Ägypter schliefen

in ihren Häusern.

Keiner von ihnen ahnte,

was in dieser Nacht geschah.

Aber die Israeliten

waren alle hellwach,

auch die Kinder.

Voller Erwartung standen sie

in Schuhen und Mänteln bereit.

Neben ihnen lag ihr Gepäck,

fertig gepackt.

„Macht euch bereit!“,

hatte Mose zu ihnen gesagt.

„Denn in dieser Nacht

wird es geschehen.

Gott wird euch befreien

und aus Ägypten herausführen.“

So hielten sie nun das letzte Mahl

in ihren Häusern.

Sie aßen das Lamm,

das der Vater geschlachtet hatte.

Und sie aßen das flache Brot,

das die Mutter in aller Eile

gebacken hatte.

Es war wie bei einem Festessen.

Ja, sie feierten wirklich ein Fest,

mitten in der Nacht,

das Fest der Befreiung: das „Passafest“.

Sie feierten das Fest,

obwohl schon alle im Aufbruch waren.

Denn so hatte Gott es Mose befohlen:

„In dieser Nacht

sollt ihr dieses Fest feiern.

Und so sollt ihr es

von nun an jedes Jahr feiern.

Denkt daran, wenn ich euch

aus Ägypten geführt habe!

Und dankt für eure Befreiung!“

Damals, in jener Nacht,

feierten die Israeliten

dieses Fest zum ersten Mal.

Sie aßen und tranken in ihren Häusern

und dankten Gott,

dass er sie endlich

aus Ägypten herausführte.

Aber bevor sie aßen und tranken,

nahm der Vater die Schale

mit dem Blut des Lammes,

ging damit zur Tür

und strich das Blut

außen an die Türpfosten.

Dann schloss er die Tür fest zu.

So machten es alle Israeliten

in dieser Nacht.

Gott hatte es ihnen

durch Mose befohlen.

Denn in dieser Nacht

brach ein großes Unglück

über Ägypten herein.

In allen Häusern

starb der älteste Sohn.

Nur die Häuser der Israeliten,

an deren Türen das Blut war,

blieben verschont.

Als aber die Ägypter sahen,

was geschehen war,

schrien sie laut auf,

weinten und klagten.

Und der König ließ eilig

Mose und Aaron zu sich holen,

mitten in der Nacht.

„Geht!“, rief er.

„Geht so schnell ihr könnt!

Nehmt alles mit, was ihr braucht,

Schafe, Kühe und was ihr wollt!

Aber geht endlich!“

Da brachen die Israeliten

noch in derselben Nacht auf,

mit ihren Frauen und Kindern

und mit all ihren Tieren.

Und sie zogen aus Ägypten,

wie Gott gesagt hatte.

2. Mose 11–12

35. Durch das Rote Meer

Kanaan hieß das Land,

aus dem Jakob und Josef

einst gekommen waren.

Dorthin wollte Gott sein Volk führen.

Aber wie sollten sie das Land finden?

Niemand kannte den Weg,

auch Mose nicht.

Da schickte Gott eine Wolke,

die zog vor ihnen her

und zeigte ihnen den Weg.

Wenn es Mittag wurde

und die Sonne hoch oben

am Himmel stand,

schützte die Wolke sie vor der Hitze.

Wenn es Abend wurde

und alle müde waren vom Wandern,

blieb die Wolke stehen.

Dann schlugen sie ihre Zelte auf

und ruhten sich aus.

Aber in der Nacht,

wenn alles dunkel war,

leuchtete die Wolke wie Feuer

und machte die Nacht hell.

Gott selbst war in der Wolke.

Er führte sein Volk

und gab ihm Schutz.

*

Drei Tage lang

waren die Israeliten unterwegs.

Da kamen sie an das Rote Meer.

Dort setzten sie sich ans Ufer

und hielten Rast.

Doch plötzlich hörten sie

dumpfen Lärm hinter sich.

Erschrocken schauten sie um sich.

Da sahen sie in der Ferne

eine Staubwolke.

Wagen und Pferde stürmten heran.

Sie kamen näher und näher.

„Hilfe!“, schrien die Israeliten.

„Wir sind verloren!

Die Ägypter kommen.

Sie wollen uns zurückholen.“

Was sollten sie tun?

Vor ihnen lag das Meer.

Und hinter ihnen waren die Ägypter.

Da liefen sie zu Mose und schrien:

„Du bist an allem schuld!

Warum hast du uns

aus Ägypten geführt?

Nun sitzen wir in der Falle.“

Aber Mose rief:

„Habt keine Angst!

Gott wird uns helfen.

Wartet nur ab!“

Und er ging an das Meer

und streckte seine Hand

über das Wasser aus.

Da kam ein starker Wind auf.

Ein Weg tat sich vor ihnen auf,

mitten im Meer!

Mose ging hinein in das Meer.

Und alle Israeliten folgten ihm,

Männer, Frauen und Kinder.

Auf trockenem Weg zogen sie

durch das Meer bis ans andere Ufer.

Die Wolke Gottes aber

stand hinter ihnen

und verbarg sie vor den Ägyptern.

Als die Ägypter das Meer erreichten,

war es schon tiefe Nacht.

Die Israeliten waren nicht mehr zu sehen.

„Vorwärts!“, schrie der König.

„Wir holen sie noch ein.“

Da spornten die Ägypter ihre Pferde an

und fuhren mit ihren Wagen ins Meer.

Aber in der Dunkelheit konnten sie

den Weg kaum erkennen.

Ihre schweren Wagen

blieben im Schlamm stecken.

Plötzlich überfiel die Ägypter

schreckliche Angst.

„Zurück! Zurück!“, schrien sie.

„Wir sind sonst verloren.“

Aber sie kamen weder vor noch zurück.

Ihre Wagen saßen im Schlamm fest.

Schon wurde es Morgen.

Die Israeliten hatten längst

das andere Ufer erreicht.

Aber die Ägypter waren noch

mitten im Meer

und mühten sich vergeblich ab

mit ihren Wagen und Pferden.

Da streckte Mose seine Hand

wieder über das Meer aus.

Und sieh da!

Das Wasser kehrte zurück

und bedeckte Wagen und Pferde.

Alle Ägypter ertranken.

Als die Israeliten das sahen,

erkannten sie: Das hat Gott getan!

Und sie glaubten an ihn.

Mirjam aber, Moses Schwester,

nahm ihre Pauke und sang:

„Lasst uns dem Herrn singen!

Denn er hat eine große Tat getan.

Ross und Mann

hat er ins Meer gestürzt.“

Da stimmten alle Frauen

in das Lied ein,

sangen und tanzten

und dankten Gott,

der sie gerettet hatte.

2. Mose 13,17–15,21

36. Durch die Wüste

Schon drei Tage lang

wanderten die Israeliten durch die Wüste.

Der Sand brannte unter ihren Sohlen.

Die Sonne stach auf ihren Kopf.

Und nirgendwo gab es Schatten,

überall nur Steine und Sand.

Da wurden alle müde und matt.

„Wie lange noch?“, jammerten sie.

„Wir haben furchtbaren Durst.“

Aber alle Wasserkrüge waren längst leer.

Und weit und breit

war kein Wasser zu finden.

Doch plötzlich rief jemand:

„Seht die Bäume dort drüben!

Das ist sicher eine Oase.

Dort gibt es Wasser!“

Da rannten alle los

und eilten zu der Oase.

Jeder wollte zuerst trinken.

Schon knieten einige nieder

und tranken gierig das Wasser.

Aber plötzlich verzogen sie

ihr Gesicht, schüttelten sich

und spuckten das Wasser wieder aus.

„Pfui!“, riefen sie.

„Das Wasser schmeckt bitter.

Ihr könnt es nicht trinken.“

„Was?“, riefen die anderen empört.

„Das kann doch nicht wahr sein!

Was sollen wir nun trinken?

Wir sterben vor Durst.“

Und sie drangen auf Mose ein:

„Du bist schuld,

wenn wir alle verdursten.

Du hast uns in diese Wüste geführt.

Nun sag uns: Was sollen wir tun?“

Mose wusste es selbst nicht.

„Ach Herr“, betete er leise,

„sag mir, was soll ich tun?

Ich weiß keinen Rat mehr.“

Da fiel sein Blick auf ein Stück Holz.

Mose hob es auf

und warf es ins Wasser.

Und sieh da!

Auf einmal schmeckte das Wasser.

Alle tranken sich satt,

Kinder, Frauen und Männer

und auch die Tiere.

Gestärkt brachen sie auf

und zogen weiter

durch die endlose Wüste.

2. Mose 15,22–25

37. Hunger

Tage und Wochen vergingen.

Bald waren alle Vorräte verzehrt.

Die Säcke waren leer.

Und es gab kein Fleisch

und kein Brot mehr.

Da wurden die Israeliten

von Tag zu Tag schwächer.

Der Hunger plagte sie sehr.

Sie kamen kaum noch voran.

„Ach“, jammerten sie,

„wären wir doch in Ägypten geblieben!

Dort hatten wir Fleisch und Brot,

so viel wir wollten.

Aber nun müssen wir hier

in der Wüste verhungern.

Mose und Aaron, ihr seid schuld!

Warum habt ihr uns

in diese Wüste geführt?“

Aber Mose antwortete:

„Hört, ihr Israeliten!

Warum klagt ihr uns an?

Gott hat euer Klagen gehört.

Er will euch geben,

was ihr braucht:

Fleisch am Abend

und am Morgen Brot.

Wartet nur ab!

Dann werdet ihr erfahren,

dass der Herr euer Gott ist.“

Die Leute sahen Mose ungläubig an.

Fleisch und Brot in der Wüste?

Wie sollte das zugehen?

Als es aber Abend wurde,

zog eine dunkle Wolke auf.

Sie kam näher und näher.

Ein riesiger Schwarm von Vögeln

flog auf das Lager zu

und ließ sich zwischen den Zelten nieder.

Es waren Wachteln,

große, fette, schwarze Vögel.

Schnell packten die Israeliten zu,

schlachteten die Vögel,

rösteten sie über dem Feuer

und aßen sie auf.

Alle aßen davon und wurden satt.

Und als sie am nächsten Morgen

aus ihren Zelten kamen,

da lagen auf der Erde

kleine, weiße und runde Körner.

„Was ist das?“,

fragten sie einander erstaunt.

„Das ist Manna“, antwortete Mose.

„Es ist das Brot,

das Gott euch geschenkt hat.“

Da hoben sie die Körner auf,

kosteten und staunten.

Die Körner schmeckten süß

wie Honigkuchen.

Schnell holten sie ihre Krüge herbei,

lasen die Körner auf,

füllten die Krüge

und machten Brei und Brot

aus dem Manna.

Alle aßen davon und wurden satt.

Von diesem Tag an

mussten sich die Israeliten

nie mehr um ihr Essen sorgen,

solange sie in der Wüste waren.

Jeden Morgen lag das Manna

auf der Erde

und jeden Morgen sammelten sie auf,

so viel sie brauchten.

Nur am siebten Tag ruhten sie aus.

Gott sorgte für sie

Tag für Tag.

2. Mose 16

38. Ein Überfall

Seit vielen Wochen wanderte

das Volk Israel durch die Wüste.

Immer höher wurden die Berge.

Und immer steiler wurde der Weg.

Er führte an Felsen und Höhlen vorbei,

in denen ein wildes Wüstenvolk hauste.

Amalekiter nannten sie sich.

Eines Tages hielten die Israeliten

nahe bei einem Berg Rast.

Plötzlich schauten sie auf:

Eine Horde von Kriegern jagte heran.

„Hilfe!“, schrien die Israeliten.

„Die Amalekiter kommen.

Wir sind verloren.“

Und schon waren sie da,

fielen über die Israeliten her,

raubten sie aus und jagten davon,

so plötzlich,

wie sie gekommen waren.

Da rief Mose Josua zu sich,

einen mutigen Mann,

und befahl ihm:

„Sammle eine Schar

tapferer Männer um dich

und zieh morgen mit ihnen

zum Kampf gegen die Amalekiter.

Ich aber will für euch beten.“

Am nächsten Morgen

rückten die Amalekiter wieder an.

Da zog ihnen Josua

mit seinen Männern entgegen.

Mose aber stieg auf einen Hügel.

Aaron, sein Bruder

und Hur, ein anderer Israelit,

begleiteten ihn.

Dort oben auf dem Hügel

hob er seinen Stab zum Himmel

und betete zu Gott.

Und siehe da:

Die Amalekiter wichen zurück!

Aber bald wurden Mose

die Arme schwer.

Er ließ seine Hände sinken.

Und schon stürmten

die Amalekiter wieder vor.

Als Aaron und Hur das sahen,

eilten sie Mose zu Hilfe

und stützten seine Arme,

bis es Abend wurde und die Sonne

hinter den Bergen verschwand.

Da war von den Amalekitern

nichts mehr zu sehen.

Dankbar kehrte Mose mit den beiden

zum Lager der Israeliten zurück.

Dort baute er Gott einen Altar.

Nie mehr wollten die Israeliten vergessen,

was Gott an diesem Tag

für sie getan hatte.

2. Mose 17,8–15

39. Am Berg Sinai

Nach vielen Wochen

kamen die Israeliten

an den Berg Sinai.

Dort schlugen sie ihre Zelte auf

und warteten,

was Gott mit ihnen vorhatte.

„Gebt acht!“, hatte Mose gesagt.

„Wenn ihr zum Berg Sinai kommt,

wird Großes geschehen.

Gott wird zu uns kommen

und uns zu seinem Volk machen.“

Da holten die Israeliten

ihre schönsten Kleider hervor,

wuschen sie und bereiteten

alles für den Tag vor,

den Gott bestimmt hatte.

Am dritten Tag aber

donnerte und blitzte es.

Der ganze Berg bebte und rauchte.

Und über dem Berg

schwebte die Wolke Gottes.

Da erschrak das Volk Israel

und wagte sich nicht

an den Berg heran.

Mose aber stieg allein

auf den Berg.

Dort redete er mit Gott.

Und Gott sprach zu Mose:

„Ich bin der Herr, dein Gott.

Ich habe euch aus Ägypten,

aus der Sklaverei, geführt.

Nun gehört ihr zu mir.

Darum sollt ihr meine Gebote halten.

Und dies sind meine Gebote:

  1. Ich bin der Herr, dein Gott.
    Du sollst keine anderen Götter
    neben mir haben.
  2. Du sollst dir
    kein Bild von Gott machen.
  3. Du sollst den Namen des Herrn,
    deines Gottes, nicht missbrauchen.
  4. Du sollst den Feiertag heiligen.
  5. Du sollst deinen Vater
    und deine Mutter ehren.
  6. Du sollst nicht töten.
  7. Du sollst nicht die Ehe brechen.
  8. Du sollst nicht stehlen.
  9. Du sollst nicht falsch
    gegen deinen Nächsten aussagen.
  10. Du sollst nicht nach dem verlangen,
    was anderen gehört.“

Als Mose wieder vom Berg herabkam,

sagte er den Israeliten alles,

was Gott geboten hatte.

Und er fragte sie:

„Wollt ihr Gottes Volk sein?

Wollt ihr seine Gebote halten?“

„Ja!“, riefen die Israeliten

wie aus einem Munde.

„Alles, was Gott gesagt hat,

wollen wir tun.“

Da baute Mose einen Altar

aus zwölf Steinen

und brachte Gott Opfer.

Und Gott schloss

mit den Israeliten einen Bund.

Es war wie bei einer Hochzeit.

Alle freuten sich, dass Gott

sich mit ihnen verbunden hatte

und dass er sie so lieb hatte

wie kein anderes Volk

auf der ganzen Welt.

2. Mose 19–24

40. Das goldene Kalb

Danach stieg Mose noch einmal

auf den Berg Sinai.

Das Volk aber blieb

unten am Berg zurück

und wartete ungeduldig,

bis er zurückkam.

Doch Mose kam nicht zurück.

Tag um Tag verging,

Woche um Woche.

Aber von Mose war nichts zu sehen.

Da wurde das Volk unruhig.

„Wer weiß“, meinten die einen,

„vielleicht ist oben

ein Unglück geschehen?“

„Vielleicht ist Mose sogar tot“,

überlegten die anderen.

Und sie fragten

einander bekümmert:

„Wer wird uns nun

in das Land Kanaan führen?“

Aber wollte Gott nicht selbst

sein Volk dorthin führen?

„Ach was!“, riefen alle.

„Wir können Gott ja nicht sehen.

Wir spüren ihn nicht einmal.

Die anderen Völker haben es

da viel besser als wir.

Die haben Standbilder

von ihren Göttern.

Die können sie immer sehen.

Wir wollen auch

solch ein Standbild haben.

Das wollen wir auf dem Weg

vor uns hertragen.

Dann kann uns

kein Unglück geschehen.“

So gingen sie zu Aaron,

bedrängten ihn und baten:

„Auf, Aaron, mach uns

ein Standbild von Gott!

Das soll vor uns hergehen

und uns nach Kanaan führen.“

Da wagte Aaron nicht

zu widersprechen.

„Gut“, rief er, „ich mache mit.

Gebt eure goldenen Ohrringe her!“

Da rissen sie sich

die Ohrringe von den Ohren

und warfen sie Aaron vor die Füße.

Der aber nahm die Ringe,

schmolz sie im Feuer

und goss daraus ein goldenes Kalb.

Das stellte er vor dem Volk auf.

„Seht“, riefen alle begeistert,

„das ist der Gott,

der uns aus Ägypten geführt hat.“

Und sie feierten zusammen

ein lautes, wildes Fest.

Sie schlachteten Tiere,

aßen und tranken sich voll,

lachten und lärmten

und tanzten wie toll um das Kalb,

sodass der Lärm

zum Berg hinauf schallte.

Da kam Mose vom Berg herab.

In seinen Händen hielt er

zwei steinerne Tafeln.

Auf ihnen standen

Gottes Gebote geschrieben.

Als Mose das goldene Kalb

und die betrunkenen Leute sah,

ergriff ihn heiliger Zorn.

Er nahm die Tafeln,

zerschmetterte sie am Fels

und eilte den Berg hinab.

Er lief durch die johlende Menge

geradewegs auf das Kalb zu,

stieß es um und warf es ins Feuer.

Da wurde es auf einmal

ganz still in der Menge.

Alle standen wie erstarrt.

Plötzlich begriffen sie,

was sie getan hatten.

Am nächsten Morgen aber

stieg Mose noch einmal allein

auf den Berg und sprach mit Gott.

„Ach Herr!“, betete Mose.

„Dieses Volk hat

ein großes Unrecht getan.

Vergib ihm doch diese Sünde!

Denke daran, was du einst

Abraham, Isaak und Jakob

versprochen hast!

Es ist ja dein Volk.

Sei ihm gnädig

und verlasse es nicht!“

Da hörte Gott auf Mose.

Er vergab seinem Volk die Schuld.

Und er befahl Mose:

„Schreib noch einmal alle Gebote

auf steinerne Tafeln

und verwahre sie in einer Truhe!“

Da ließ Mose ein großes Zelt

aus kostbaren Decken errichten

und eine goldene Truhe bauen,

die „Lade Gottes“.

Dort legte er die zwei Tafeln hinein

und verwahrte die Lade im Zelt.

Danach rief Mose

alle Israeliten zusammen,

zeigte auf das Zelt und sprach:

„Das ist Gottes Zelt.

Hier will Gott unter uns wohnen.“

Da feierten alle ein großes Fest,

weil sich Gott mit ihnen versöhnt hatte.

Aaron war ihr Priester.

Er brachte Gott Opfer

auf einem Altar vor dem Zelt.

Danach ging er in das Zelt hinein,

um für das Volk zu beten.

Das Volk aber wartete draußen,

bis Aaron wieder herauskam.

Dann breitete Aaron seine Hände

über dem Volk aus

und sprach diesen Segen:

„Der Herr segne dich

und behüte dich;

der Herr lasse

sein Angesicht leuchten

über dir

und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht

über dich

und gebe dir Frieden.“

Fast ein Jahr lang

blieb das Volk Israel am Berg Sinai.

Danach brach es auf und zog weiter

durch die endlose Wüste.

Aber das Zelt Gottes begleitete sie.

Und der Segen Gottes

blieb über ihnen.

2. Mose 32 ff. (3. Mose 16 / 4. Mose 6,24 ff.)

41. Fast am Ziel

Schon über ein Jahr

waren die Israeliten unterwegs.

Endlich kamen sie

ganz nah an das Land heran,

das Gott ihnen versprochen hatte.

Voll Freude hielten sie an,

schlugen ihre Zelte auf

und schauten sehnsüchtig

zu den Bergen hinüber.

Hinter diesen Bergen

lag das Land Kanaan.

Dorthin wollten sie ziehen.

Aber noch wohnten

andere Völker in diesem Land.

Ob sie sehr stark waren?

Ob das Land wirklich so schön war,

wie alle sagten?

Ob es dort auch genug zu essen gab?

Die Israeliten wollten es

gerne vorher wissen.

Da rief Mose zwölf Männer

zu sich und befahl ihnen:

„Geht über die Berge

und seht euch heimlich

in dem neuen Land um!

Schaut euch die Menschen

und ihre Städte an!

Seht und erkundet,

was dort in dem Land wächst!

Dann kommt zurück und sagt uns,

was ihr gesehen habt!“

Da machten sie sich auf den Weg,

zogen über die Berge

und blieben lange Zeit weg.

Nach vierzig Tagen

kehrten sie endlich zurück.

In ihren Händen hielten sie

grüne Feigen und rote Granatäpfel.

Und auf ihren Schultern

trugen sie eine Stange,

daran hing eine riesige Traube.

„Seht her!“, riefen die Männer.

„Dies alles wächst in dem Land

und noch viel mehr.

Es ist ein herrliches Land.

Aber täuscht euch nicht

und macht euch keine Hoffnung!

Wir können nie in das Land kommen.

Denn die Menschen dort

sind viel stärker als wir.

Und ihre Städte

haben hohe und dicke Mauern.“

Als die anderen das hörten,

schrien sie auf, weinten und klagten:

„Wären wir doch in Ägypten geblieben

oder unterwegs in der Wüste gestorben!“

Aber zwei von den Männern,

Josua und Kaleb, riefen:

„Nein! Habt keine Angst!

Das Land ist sehr gut.

Gott hat es uns versprochen.

Glaubt es! Er wird es uns geben!“

„Nein! Nein!“, schrien die anderen.

„Wir schaffen es nie.

Kommt, wir kehren um!

Wir ziehen zurück nach Ägypten.“

Als aber Mose sah,

was die Israeliten vorhatten,

warf er sich auf die Erde

und schrie zu Gott.

„Ach Herr“, betete er,

„vergib ihnen doch ihre Schuld!“

Da sprach Gott zu Mose:

„Wie lange noch will das Volk

mir nicht glauben?

Sie wollen nicht

in das Land hineingehen.

Dann sollen sie in der Wüste bleiben.

Vierzig Jahre lang

sollen sie umherirren

und nicht in das Land hineinkommen.“

Und so geschah es.

Bald darauf kamen Feinde,

die fielen über die Israeliten her

und trieben sie in die Wüste zurück.

4. Mose 13–14

42. Schlangen

Viele Jahre lang irrte das Volk

durch die Wüste, tagaus und tagein.

Aber die Israeliten

wurden das Wandern leid.

„Immer nur wandern!“,

riefen sie mürrisch.

„Wir haben keine Lust mehr.“

Und sie setzten Mose hart zu.

Tag für Tag redeten sie auf ihn ein,

schimpften und klagten ihn an:

„Mose! Du bist an allem schuld.

Was bildest du dir eigentlich ein?

Meinst du, wir machen alles mit,

was du sagst?

Glaubst du, wir wollen so lange

in der Wüste warten,

bis wir sterben?

Was gibt es hier schon?

Nichts! Nur Steine und Sand!

Nicht einmal Wasser und Brot!

Immer nur dieses eklige Manna!

Davon wird doch niemand satt!

Wir können es nicht mehr riechen.

Es ekelt uns schon,

wenn wir es sehen.“

So schimpften sie alle Tage.

Sie klagten nicht nur Mose an,

sondern auch Gott.

Und sie wurden immer missmutiger.

Da geschah etwas,

was niemand erwartet hatte.

Eines Morgens, als die Israeliten

vor ihre Zelte traten,

um das Manna zu sammeln,

was sahen sie da?

Schlangen! Überall giftige Schlangen!

Aus allen Löchern krochen sie hervor.

Sie zischten und wanden sich

um die Beine und bissen zu.

„Hilfe! Wir sind verloren!“,

schrien die Menschen.

Sie flüchteten sich in ihre Zelte.

Aber auch dort krochen die Schlangen

aus allen Ecken hervor.

Da packte alle furchtbare Angst.

Sie stürzten zu Mose und schrien:

„Mose! Wir sind selbst schuld!

Wir haben Gott und dir Unrecht getan.

Aber hilf uns jetzt bitte!

Bitte Gott, dass er uns

von den Schlangen befreit!“

Da betete Mose für das Volk.

Und Gott hörte auf ihn.

Er befahl Mose:

„Mach dir eine Schlange aus Erz

und befestige sie an einem Stab!

Wer auf diese Schlange schaut,

der wird leben.“

Da gehorchte Mose.

Er machte eine Schlange aus Erz

und richtete sie hoch auf,

sodass alle sie sahen.

Und alle, die zu ihr aufschauten,

blieben am Leben.

4. Mose 21,4–9

43. Mose sieht das Land

Vierzig Jahre lang

waren die Israeliten

durch die Wüste gewandert.

Nun lagerten sie wieder

vor dem Land Kanaan

und warteten darauf,

dass sie einziehen durften.

Da rief Mose noch einmal

alle Israeliten zusammen

und ermahnte sie:

„Vergesst nicht,

was Gott euch Gutes getan hat

vom ersten Tag an,

als ihr aus Ägypten gezogen seid,

bis zum heutigen Tag!

Vergesst auch nicht,

was Gott euch geboten hat,

sondern haltet seine Gebote!

Dann werdet ihr lange

in dem Land leben,

das Gott euch schenkt.“

Mose war inzwischen

schon 120 Jahre alt.

Er wusste,

dass er bald sterben würde.

Gerne hätte er vorher

noch das Land Kanaan gesehen.

Aber Gott hatte zu ihm gesagt:

„Du wirst nicht

in das Land hineinkommen.“

Da rief Mose Josua zu sich

und sprach:

„Ich bin nun alt

und werde bald sterben.

Und du sollst mein Nachfolger sein.

Du sollst das Volk anführen

und in das Land bringen,

das Gott uns versprochen hat.

Hab nur Mut

und sei nicht verzagt!

Gott wird mit dir sein.

Er wird dich nicht verlassen.“

Und Gott sprach zu Mose:

„Geh auf den Berg Nebo!

Von dort aus darfst du

das Land Kanaan schauen,

bevor du stirbst.“

Da nahm Mose Abschied.

Er segnete das Volk

und stieg allein auf den Berg,

wie Gott ihm gesagt hatte.

Als er oben war, ließ Gott ihn

das versprochene Land schauen.

Gott zeigte ihm

Berge und Täler,

Flüsse und Wälder,

das weite Land bis zum Meer.

Und Gott sprach:

„Dies ist das Land,

das ich einst Abraham,

Isaak und Jakob versprochen habe.

Jetzt siehst du es mit eigenen Augen.“

Danach nahm Gott Mose zu sich.

Aber das Volk Israel zog weiter,

dem versprochenen Land entgegen.

5. Mose 31–34

IV
Gott gibt das Land

Mose lebte nicht mehr.

Nun musste Josua

das Volk in das Land führen.

Doch Josua war

nur ein einfacher Mann.

Gott hatte noch nie zu ihm gesprochen.

Würde das Volk auf ihn hören?

Würde es ihm folgen?

Aber Gott sprach zu Josua:

„Hab nur Mut, Josua!

Sei nicht verzagt!

Wie ich mit Mose gewesen bin,

so will ich auch mit dir sein.

Du wirst das Volk Israel

in das Land Kanaan führen.

Ich will euch das Land geben,

das ich einst Abraham versprochen habe.“

44. Josua

Endlich war es so weit!

Das Volk Israel war am Ziel.

Nur noch der Fluss Jordan

trennte es von dem Land,

das Gott versprochen hatte.

Da schlugen die Israeliten

ihre Zelte nahe am Fluss auf

und schauten voller Erwartung

auf das große und weite Land,

das vor ihnen lag.

In der Ferne sahen sie

Mauern und Türme.

Dort lag Jericho,

eine große und mächtige Stadt.

Diese Stadt mussten sie einnehmen.

Dann stand ihnen

das ganze Land offen.

Aber wie sollten sie dorthin kommen?

Über den Jordan führte keine Brücke.

Und die Stadt Jericho

war ringsum von Mauern umgeben.

Kein Fremder durfte sie betreten.

Da rief Josua zwei Männer zu sich

und befahl ihnen:

„Schwimmt durch den Jordan

und schleicht euch heimlich

in die Stadt Jericho ein!

Seht euch dort alles genau an:

die Mauern, wie dick sie sind;

die Türme, wie hoch sie sind;

die Soldaten, wie stark sie sind.

Aber gebt acht!

Niemand darf merken,

dass ihr Israeliten seid.

Danach kommt schnell zurück

und gebt mir Bescheid,

damit wir die Stadt einnehmen!“

Da zogen die beiden Männer los

und kamen nach Jericho.

Heimlich schlichen sie sich

durch das Tor in die Stadt

und streiften durch alle Gassen.

Sie erkundeten alles genau,

die dicken Mauern,

die hohen Türme,

sogar die Soldaten und ihre Waffen.

Als aber die Nacht hereinbrach,

suchten sie ein Gasthaus auf,

das an der Mauer lag.

Es gehörte einer Frau namens Rahab.

Bei ihr wollten sie die Nacht verbringen.

Aber plötzlich klopfte es laut.

Wachsoldaten standen vor der Tür.

Sie schrien wütend:

„Aufmachen! Aufmachen!

Hier haben sich Spione versteckt.

Los, Rahab! Gib sie heraus!“

Aber Rahab machte nicht auf.

Rasch führte sie die Fremden

auf das flache Dach,

wo Flachs zum Trocknen auslag,

und versteckte die beiden

unter dem Flachs.

Dann lief sie zur Tür,

öffnete sie und fragte erstaunt:

„Wen sucht ihr hier? Spione?

Ach, ihr meint die zwei Fremden?

Ja, die waren bei mir.

Aber sie sind längst weg.

Jagt ihnen nach!

Vielleicht holt ihr sie noch ein.“

Da jagten die Soldaten davon,

um die Männer zu suchen.

Rahab aber holte die beiden

aus ihrem Versteck hervor

und sagte zu ihnen:

„Ich weiß genau, wer ihr seid.

Ihr gehört zum Volk Israel.

Wir haben alles gehört,

was euer Gott getan hat.

Euer Gott kann viel mehr

als unsere Götter.

Ich weiß auch,

ihr werdet Jericho einnehmen.

Aber versprecht mir,

dass ihr dann mich

und meine Familie verschont!“

Da versprachen es die beiden.

Rahab aber nahm ein langes rotes Seil,

band es am Fenster fest

und ließ die Männer im Dunkeln

an der Stadtmauer herab.

„Häng dieses Seil ans Fenster,

wenn wir wiederkommen

und die Stadt einnehmen!“,

sagten die beiden beim Abschied.

„Dann bleibt dein Haus verschont.“

Danach kehrten sie zurück

und berichteten Josua alles,

was sie gehört und gesehen hatten.

„Die Stadt ist sehr groß“, sagten sie,

„und hat viele starke Soldaten.

Aber Gott wird sie uns geben.“

Da rief Josua am nächsten Morgen

alle Israeliten zusammen und sprach:

„Macht euch bereit!

Nun ziehen wir in das Land ein,

das Gott uns versprochen hat.“

Und er befahl den Priestern:

„Holt die Lade Gottes aus dem Zelt

und tragt sie vor dem Volk her!

Geht mit ihr in den Jordan!

Dann werdet ihr sehen,

was Gott tun wird.“

Da gehorchten die Priester.

Sie nahmen die Lade auf ihre Schultern,

trugen sie vor dem Volk her

und gingen mit ihr in den Fluss.

Und sieh da!

Das Wasser blieb stehen.

Ein Weg tat sich vor ihnen auf,

mitten im Fluss.

Da folgten ihnen alle,

Männer, Frauen und Kinder,

und zogen voll Freude in das Land ein,

das Gott ihnen versprochen hatte.

Josua 1–4

45. Josua nimmt das Land ein

Auf den Stadtmauern von Jericho

standen Wachsoldaten

und spähten ins Land hinaus.

Plötzlich sahen sie die Israeliten kommen.

„Sie kommen!“, riefen die Soldaten.

„Schnell, schließt die Tore

und macht euch zum Kampf bereit!“

Die Israeliten rückten näher heran.

Wie in einem Festzug,

so feierlich kamen sie an.

An der Spitze marschierten die Männer.

Dann folgten die Priester

in festlichen Kleidern.

Sieben Priester mit sieben Posaunen

gingen vor der Lade Gottes her.

Die anderen Priester trugen

die Lade auf ihren Schultern.

Auch Frauen und Kinder waren dabei.

Sie alle zogen schweigend

einmal um die ganze Stadt.

Nur die Priester

bliesen immerzu in ihre Posaunen.

Dann verschwanden sie,

wie sie gekommen waren.

Am nächsten Tag

rückten sie erneut an,

zogen einmal um die Stadt

und verschwanden wieder.

Auch am nächsten

und übernächsten Tag

rückten die Israeliten an.

Tag für Tag zogen sie um die Stadt

und verschwanden dann wieder.

Den Soldaten auf der Mauer

und den Bewohnern der Stadt

wurde es ganz unheimlich zumute.

„Was für ein seltsames Volk!“,

sagten sie sich.

„Was haben sie vor?

Warum greifen sie nicht an?“

Sie ahnten ja nicht,

dass Gott zu Josua gesagt hatte:

„Zieht mit der Lade Gottes

um die Stadt!

Sieben Tage lang sollt ihr

um die Mauern von Jericho ziehen.

Aber am siebten Tag sollt ihr

siebenmal um die Stadt ziehen

Dann wird Gott euch

die Stadt übergeben.“

Endlich brach der siebte Tag an.

Noch war es dunkel ringsum.

Aber schon rückten

die Israeliten wieder an.

Sie zogen um die Mauern der Stadt,

doch nicht nur einmal,

nein, zweimal, dreimal

und immer wieder, siebenmal.

Da, beim siebten Mal, geschah es.

Die Priester bliesen in ihre Posaunen.

Auf einmal brachen alle Israeliten

in lautes Geschrei aus.

Sie schrien und jubelten,

als hätten sie schon gesiegt.

Und sieh da!

Plötzlich bebte die Erde.

Die Türme schwankten.

Die Mauern zitterten.

Und ehe die Soldaten von Jericho

es recht begriffen,

stürzten die Mauern ein

und begruben alle

unter ihren Trümmern.

Da stiegen die Israeliten

über die Trümmer,

stürmten die Stadt

und nahmen sie ein.

Nur ein Haus blieb verschont.

Dort hing ein rotes Seil

aus dem Fenster.

Es war das Haus,

das Rahab gehörte.

*

Bald darauf nahmen die Israeliten

das ganze Land ein.

Sie zogen über die Berge,

drangen vor in die Täler

und nahmen die Städte ein,

eine nach der anderen.

Danach bauten sie Häuser,

pflanzten Ölbäume und legten

Weinberge, Gärten und Felder an.

Sie säten und ernteten

und füllten ihre Scheunen mit Korn.

Nun wohnten sie endlich

in ihrem eigenen Land.

Gott hatte es ihnen gegeben:

das Land Kanaan,

das später „Israel“ hieß.

*

Nach vielen Jahren rief Josua

noch einmal alle Israeliten

in der Stadt Sichem zusammen

und sprach zu ihnen:

„Nun ist alles in Erfüllung gegangen,

was Gott einst unseren Vorfahren

versprochen hat.

Gott hat uns dieses Land gegeben.

So frage ich euch:

Wollt ihr sein Volk bleiben?

Und wollt ihr ihm allein gehören?“

„Ja!“, riefen alle wie aus einem Munde.

„Wir wollen nur ihm gehören

und keine anderen Götter

neben ihm haben.“

An diesem Tag schlossen die Israeliten

mit Gott einen Bund,

wie ihn einst ihre Vorfahren

am Berg Sinai geschlossen hatten.

Nie mehr wollten sie vergessen,

was Gott für sie getan hatte.

Josua 6 und 24

46. Gideon

Es war Erntezeit.

Das Korn stand reif auf den Feldern.

Im ganzen Land Israel

schnitten die Bauern das Korn

und banden es in Garben zusammen.

Aber die Bauern sahen bedrückt aus.

Immer wieder schauten sie

von ihrer Arbeit auf

und blickten ängstlich in die Ferne.

„Was meint ihr?“,

fragten sie einander besorgt.

„Ob die Feinde wieder kommen

und uns alles wegnehmen werden?“

Ihre Feinde waren die Midianiter,

ein wildes Wüstenvolk.

Jedes Jahr um die Erntezeit

jagten sie auf ihren Kamelen daher

und verwüsteten das Land.

Sie verbrannten das Korn

und nahmen alles mit,

was sie fanden,

auch das Vieh,

Schafe, Kühe und Esel.

Schon seit sieben Jahren

fielen sie in das Land ein.

Seitdem gab es im ganzen Land

kaum noch etwas zu essen.

Unter den Bauern,

die auf den Feldern arbeiteten,

war ein junger Mann namens Gideon.

Er hatte sein Korn schon geschnitten.

Nun war er dabei, es zu dreschen.

Mit einem großen Dreschflegel

schlug er auf die Ähren ein,

bis die Körner heraussprangen.

Gideon hatte es eilig.

Er wollte das Korn verstecken,

bevor die Feinde kamen.

„Ach“, sagte sich Gideon,

„so weit ist es mit uns gekommen!

Nun müssen wir sogar

unser Korn vor den Feinden verstecken.

Aber wir sind selbst schuld,

dass es uns so schlecht geht.

Wir haben Gott vergessen

und uns andere Götter gesucht.

Wir haben ihnen Altäre gebaut

und Götterbilder geschnitzt.

Doch jetzt denken wir auf einmal

wieder an Gott und beten:

,Herr, hilf uns!‘

Aber ob Gott noch auf uns hört?

Vielleicht will er gar nichts mehr

von uns wissen?“

Plötzlich entdeckte Gideon

einen fremden Mann in der Nähe.

Er saß unter einer Eiche

und grüßte ihn freundlich.

„Gott sei mit dir, du tapferer Mann!“,

rief er Gideon zu.

„Wie?“, fragte Gideon.

„Was sagst du?

Gott soll mit uns sein?

Wo ist denn Gott?

Ich sehe ihn nicht.

Früher hat Gott uns geholfen.

Aber wer hilft uns jetzt?“

„Du“, sagte der Fremde.

„Du sollst deinem Volk helfen.

Gott schickt dich.

Du sollst die Feinde vertreiben.“

„Ich?“, rief Gideon ungläubig.

„Wie denn? Ohne Waffen?

Und außerdem:

Auf mich hört doch keiner!“

Aber der Fremde sagte:

„Gott wird mit dir sein.

Er wird dir helfen.“

Da merkte Gideon,

wer zu ihm gesprochen hatte.

Ein Engel war es, ein Bote Gottes.

In der folgenden Nacht

fand Gideon keinen Schlaf.

Es war ihm,

als ob Gott selbst ihn riefe:

„Gideon, steh auf!

Hau den Götteraltar entzwei

und das Götterbild,

das vor eurem Haus steht,

und bau mir einen Altar!“

Da stand Gideon in der Nacht auf,

weckte seine Knechte

und machte sich mit ihnen

heimlich an die Arbeit.

Er riss den Götteraltar ein,

schlug das Götterbild entzwei

und baute für Gott einen Altar

und brachte ihm ein Opfer dar.

Dann schlich er sich schnell

wieder ins Haus.

Am nächsten Morgen kamen

die Leute aus dem Dorf

und sahen die Trümmer.

„Wer hat das getan?“,

schrien sie empört.

„Sicher war es Gideon.

Ja, Gideon hat es getan!“

Und sie drangen auf seinen Vater ein:

„Gib Gideon heraus!

Er hat das Götterbild

und den Götteraltar zerstört.

Er muss sterben.“

„Nein“, rief der Vater,

„ihr sollt sterben,

wenn ihr die Götterbilder

und ihre Altäre verteidigt.

Sollen sich doch die Götter

selbst wehren, wenn sie es können!“

Da schwiegen alle beschämt

und schlichen sich leise nach Hause.

Gideon aber fasste Mut.

Nun war er bereit,

dem Volk Israel zu helfen,

wie Gott ihm aufgetragen hatte.

Richter 6,1–32

47. Gideon und die Midianiter

Wenig später fielen die Midianiter

wieder in das Land ein.

In großen Scharen kamen sie an.

Wie ein Wirbelwind

fegten sie auf ihren Kamelen daher

und schlugen im Tal ihre Zelte auf,

ein riesiges Kriegslager.

Als die Israeliten das sahen,

überfiel sie große Angst.

Sie flohen in die Berge

und versteckten sich in Höhlen.

Aber Gideon ließ laut

in die Posaune blasen,

sodass es über die Berge schallte.

Er schickte Boten ins ganze Land

und ließ allen Israeliten sagen:

„Wer kommt mit?

Wer zieht mit mir

gegen die Midianiter?“

Da krochen sie alle wieder

aus ihren Höhlen hervor,

einer nach dem anderen,

und scharten sich um Gideon.

Bald waren es viele Tausend Krieger.

Aber es waren noch nicht genug.

„Ob Gott uns helfen wird?“,

fragte sich Gideon.

„Ich muss es wissen.

Sonst bin ich verloren.“

Er nahm ein Schaffell,

legte es auf die Wiese und betete:

„Herr, gib mir ein Zeichen,

damit ich erkennen kann,

ob du uns hilfst!

Wenn morgen früh

das Fell nass ist vom Tau,

aber die Wiese trocken,

dann will ich glauben,

dass du uns hilfst.“

Am nächsten Morgen

war das Fell nass,

aber die Wiese war trocken.

Doch Gideon war noch unsicher.

Er betete noch einmal zu Gott.

„Ach Herr! Wenn es nur Zufall war?

Bitte, gib mir noch ein Zeichen!

Wenn morgen früh das Gras nass ist,

aber das Fell trocken,

dann will ich gewiss glauben,

dass du uns hilfst.“

Und wirklich: Am nächsten Morgen

war das Fell ganz trocken,

aber das Gras ringsum war nass.

Da schöpfte Gideon Mut.

Er scharte seine Männer um sich

und zog mit ihnen

den Feinden entgegen.

Aber Gott sprach zu Gideon:

„Du hast zu viele Männer bei dir.

Sag ihnen: Wer Angst hat,

kann nach Hause gehen.“

Da liefen die Männer

in großen Scharen davon.

Doch Gott sprach zu Gideon:

„Es sind noch immer zu viele.

Führe die Männer zu einer Quelle

und lass sie dort trinken!

Du aber gib acht, wie sie trinken!

Wer das Wasser leckt wie ein Hund,

der soll mit dir ziehen.

Aber die anderen

schick alle nach Hause!“

Da führte Gideon die Männer

zu einer Quelle und ließ sie trinken.

Aber nur ganz wenige

leckten das Wasser wie Hunde.

Nur 300 Männer

blieben am Ende zurück.

Gideon klopfte das Herz,

als er die kleine Schar sah.

Was waren schon 300 Männer

gegen so viele Feinde?

Doch Gott sprach zu Gideon:

„Durch diese 300 Männer

will ich Israel retten.

Hab keine Angst!

Geh zum Lager der Midianiter

und horch, was sie dort reden!

Dann wirst du wieder Mut fassen.“

Da schlich sich Gideon

mit seinem Diener bei Nacht

zum Lager der Feinde und lauschte.

Und er hörte, wie sie sagten:

„Gideon ist viel stärker als wir.

Gideon wird über uns siegen.

Denn Gott ist auf seiner Seite.“

Als Gideon das hörte,

kniete er nieder und dankte Gott.

Danach kehrte er schnell zurück,

und sammelte seine 300 Männer

um sich.

„Auf“, rief er,

„macht euch bereit!

Nehmt Posaunen und Tonkrüge

mit Fackeln in die Hand!

Und zieht mit mir

zum Lager der Feinde.

Da werdet ihr sehen,

was Gott für euch tut.“

Da packten die 300 Männer

ihre Posaunen,

nahmen die Krüge und Fackeln

und zogen dem Feind entgegen.

Von drei Seiten schlichen sie sich

an das Lager heran.

Plötzlich blieben sie stehen,

bliesen laut in ihre Posaunen

und zerschmetterten ihre Krüge.

Und sie schrien laut:

„Für Gott und für Gideon!“

„Für Gott und für Gideon!“

So schallte es

von den Bergen zurück.

Es war ein Lärm,

als ob Tausende anrückten.

Da wurde es auf einmal

lebendig im Lager der Midianiter.

„Hilfe! Hilfe!“, schrien sie.

„Wir sind verloren.

Die Israeliten sind da.

Rette sich, wer kann!“

Sie packten ihre Schwerter,

schlugen wild um sich,

hieben aufeinander ein

und sahen im Dunkeln gar nicht,

dass sie nur ihre eigenen Leute trafen.

Sie schrien vor Angst,

ließen alles liegen und stehen

und flohen davon.

*

Als aber Gideon

mit seinen Männern heimkehrte,

kamen die Israeliten zu ihm

und baten ihn:

„Gideon, sei unser König!

Denn du hast uns gerettet.“

Aber Gideon wehrte erschrocken ab.

„Ich will kein König sein.

Begreift doch:

Ich habe euch nicht gerettet.

Gott hat es getan.

Er ist euer König.“

Von diesem Tag an

fielen keine Midianiter mehr

in das Land ein.

Das Volk Israel

hatte endlich Frieden.

Richter 6,33–8,23

48. Rut

Bald brach ein neues Unglück

über das Land herein.

Der Regen blieb aus.

Das Gras wurde welk.

Und auf den Feldern

wuchs kein Korn mehr.

Zu der Zeit lebte in Bethlehem

eine Frau, die hieß Noomi.

Ihr Mann war ein Bauer.

Er hatte sein Feld vor der Stadt.

Aber in diesem Jahr

hatte sein Feld kein Korn getragen.

Und Noomi hatte kein Mehl

und kein Brot mehr im Haus.

Da sagten sich die beiden:

„Was sollen wir machen?

Wir können nicht

in Bethlehem bleiben.

Sonst müssen wir

am Ende verhungern.

Wir wollen ins Ausland gehen,

solange hier Hungersnot ist.“

So packten sie ihre Habe

und zogen ins Nachbarland Moab.

Ihre zwei Söhne begleiteten sie.

Jahre vergingen.

Da starb Noomis Mann.

Die Söhne aber wuchsen heran.

Sie heirateten Frauen

aus dem Land Moab,

Rut und Orpa mit Namen.

Doch nach zehn Jahren

starben auch beide Söhne.

Noomi blieb allein

mit ihren Schwiegertöchtern zurück.

Aber diese gehörten nicht

zum Volk Israel wie Noomi.

Sie gehörten zum Volk der Moabiter.

Da sagte Noomi eines Tages

zu Rut und Orpa:

„Warum soll ich noch länger

im fremden Land bleiben?

Die Hungersnot ist vorüber.

Ich will wieder nach Bethlehem

in meine Heimat zurückkehren.“

„Dann begleiten wir dich“,

sagten Rut und Orpa.

Und sie machten sich mit Noomi

auf den Weg.

Als sie schon ein gutes Stück

miteinander gegangen waren,

blieb Noomi plötzlich stehen

und wandte sich zu den beiden:

„Kehrt nun um!

Geht zurück in euer Land

und werdet glücklich dort!

Gott sei mit euch!“

„Aber nein! Wir gehen mit dir“,

sagten die beiden.

Doch Noomi schüttelte den Kopf.

„Warum wollt ihr denn mit mir

in ein fremdes Land ziehen?

Seht, ich bin alt.

Ich kann euch

keinen Mann mehr geben.

Geht in euer Land zurück!

Heiratet dort wieder

und fangt ein neues Leben an!“

Da nahm Orpa Abschied,

weinte und küsste Noomi

und kehrte um.

Rut aber blieb stehen.

„Nein“, sagte sie fest,

„ich lasse dich nicht allein.

Ich gehe mit dir.

Wo du hingehst,

da will ich auch hingehen.

Dein Volk ist auch mein Volk.

Und dein Gott ist auch mein Gott.“

Und sie ging mit Noomi.

Nach vielen Tagen kamen

die beiden in Bethlehem an.

Im Nu sprach es sich

in der ganzen Stadt herum:

„Habt ihr gehört?

Noomi ist wieder da!“

Von allen Seiten

eilten die Leute herbei,

um Noomi zu begrüßen,

Freunde, Nachbarn und Verwandte.

Aber wie erschraken sie,

als sie Noomi sahen!

„Ist das wirklich Noomi?“,

riefen sie entsetzt.

„Seht doch, wie alt sie geworden ist!

Und wo hat sie ihren Mann

und ihre beiden Söhne gelassen?“

„Ja, ich bin es wirklich“,

sagte Noomi bitter.

„Aber ich bin nicht mehr

dieselbe wie früher.

Alles ist anders geworden.

Reich zog ich damals

aus Bethlehem aus.

Ich hatte meinen Mann

und meine beiden Söhne.

Doch nun kehre ich arm

und ohne Mann und Söhne zurück.

Gott hat mir bitteres Leid zugefügt.“

Rut aber stand bei ihr und schwieg.

Niemand ahnte, wer sie war

und warum sie mit Noomi

nach Bethlehem gekommen war.

Rut 1

49. Rut und Boas

Es war gerade Erntezeit,

als Rut und Noomi

nach Bethlehem kamen.

Überall auf den Feldern

waren die Schnitter am Werk.

Sie schnitten das Korn mit der Sichel

und banden die Ähren

in Garben zusammen.

Aber einige Ähren blieben

am Boden liegen.

Die durften die Armen aufsammeln,

die selbst kein Feld besaßen.

Da sagte Rut zu Noomi:

„Was sollen wir essen?

Wir haben kein Brot im Haus

und auch kein Mehl und kein Korn.

Darum will ich morgen früh

auf die Felder gehen

und Ähren auflesen.“

„Ja, geh nur!“, meinte Noomi.

„Mir ist es recht.“

Am nächsten Morgen

stand Rut früh auf.

Sie ging auf ein Feld,

das nahe bei Bethlehem lag,

und machte sich an die Arbeit.

Sie bückte sich

und las auf, was sie fand:

goldgelbe Ähren, kleine und große,

und sammelte sie in ihr Tuch.

Sie ruhte nicht und schaute nicht auf,

bis das Tuch voll war.

Darüber wurde es Mittag.

Da kam Boas aufs Feld,

der Bauer, dem das Feld gehörte.

Als er Rut sah,

ging er zu seinen Knechten

und fragte sie leise:

„Sagt, wer ist diese Frau,

die dort Ähren aufliest?“

Sie antworteten:

„Es ist die Frau aus Moab,

die mit Noomi hierher kam.

Sie ist schon

vom frühen Morgen an hier

und arbeitet ohne Pause.“

Da ging Boas zu Rut hin,

grüßte sie freundlich und sagte:

„Wenn du willst, kannst du immer

auf meinen Feldern Ähren auflesen.

Meine Knechte und ich sorgen dafür,

dass dir kein Leid geschieht.

Und wenn du Durst hast,

dann geh zu den Knechten

und trink aus ihrem Krug!“

Da verneigte sich Rut so tief,

dass ihr Gesicht

fast die Erde berührte.

„Mein Herr“, fragte sie leise,

„warum bist du so gütig zu mir?

Womit habe ich das verdient?

Ich bin doch für dich

nur eine Fremde.“

„Man hat mir erzählt,

was du für Noomi getan hast“,

antwortete Boas freundlich.

„Gott segne dich dafür!

Komm, steh auf!

Es ist Mittagszeit.

Iss mit uns

und lass es dir schmecken!“

Da setzte sich Rut

zu den Knechten und Mägden.

Und Boas legte ihr Brot

und geröstete Körner vor,

so viel sie wollte.

Danach aber stand Rut

sogleich wieder auf

und sammelte weiter.

Boas sah ihr verwundert zu.

„Sorgt nur immer dafür,

dass sie auch genug Ähren findet!“,

sagte er leise zu seinen Knechten.

„Lasst ab und zu

ein paar Ähren absichtlich fallen,

damit sie mehr findet!

Und seid auch stets freundlich zu ihr!“

Als es Abend wurde,

hatte Rut einen ganzen Sack

voller Ähren gesammelt.

Sie klopfte das Korn aus den Ähren

und brachte es zu Noomi.

„So viel Korn?“, staunte Noomi.

„Wo hast du das alles gefunden?“

„Auf dem Feld von Boas“,

antwortete Rut und erzählte Noomi,

was Boas zu ihr gesagt hatte.

„Gott sei Dank!“, rief Noomi froh.

„Nun sehe ich,

dass Gott uns nicht vergessen hat.

Bleib nur immer in Boas’ Nähe!

Er meint es gut mit uns.

Er ist sogar mit uns verwandt.“

Von da an ging Rut

jeden Tag zu Boas aufs Feld.

Als aber die Erntezeit vorüber war,

holte Boas Rut zu sich ins Haus

und nahm sie zur Frau.

Nicht lange danach gebar Rut einen Sohn.

Da kamen alle Nachbarn

und Freunde zu Noomi

und riefen voll Freude:

„Gott sei gelobt!

Er hat dich wieder getröstet.

Rut hat dir einen Enkelsohn geschenkt.

Der wird dich froh machen.“

Und alle in der Stadt

freuten sich mit Noomi und Rut

und dankten Gott für dieses Kind.

Aber noch ahnte niemand in Bethlehem,

wer einmal der Enkelsohn

dieses Kindes sein würde:

König David, der König,

den Gott für sein Volk bestimmt hatte.

Rut 2–4

50. Samuel

Zur selben Zeit lebte in Israel

ein Mann namens Elkana,

der hatte zwei Frauen.

Die eine hieß Hanna,

die andere Pennina.

Pennina hatte viele Kinder.

Aber Hanna hatte kein Kind.

Seit Jahren betete sie:

„Herr, schenk mir bitte ein Kind!“

Aber es schien,

als hörte Gott ihr Gebet nicht.

Jedes Jahr wanderte Elkana

mit seiner Familie in die Stadt Silo

zum Haus Gottes,

wo die Lade Gottes stand.

Dort opferte er einen Stier

und hielt mit seiner Familie

ein festliches Mahl.

Dabei teilte er Fleisch aus.

Pennina bekam viele Stücke

für sich und alle ihre Kinder.

Aber Hanna bekam nur

ein einziges Stück.

„Ha!“, stichelte Pennina.

„Da siehst du, Hanna!

Du bist eben nichts wert.

Du hast ja keine Kinder.

Sieh mich an!

Mich hat Gott lieber als dich.

Darum hat er mir auch

viele Kinder geschenkt.“

So ging es Jahr für Jahr.

Jedes Mal stichelte

und reizte Pennina so lange,

bis Hanna weinte.

Einmal saß Hanna wieder

mit den anderen beim Opfermahl.

Alle aßen und waren fröhlich,

lachten und ließen sich’s schmecken.

Aber Hanna saß stumm dabei,

aß nichts und trank nichts

und weinte leise vor sich hin.

„Aber Hanna“, fragte Elkana,

„warum isst du nichts?

Warum bist du so traurig?

Bin ich dir nicht mehr wert

als zehn Söhne?“

Aber Pennina machte sich nur

über Hanna lustig.

Da hielt es Hanna nicht mehr aus.

Sie sprang auf,

ging zum Heiligtum,

warf sich dort auf die Erde

und weinte und schluchzte:

„Bitte, Herr“, betete sie leise,

„schenk mir einen Sohn!

Ich will ihn nicht für mich behalten.

Er soll dir gehören

und dir dienen sein Leben lang.

Das verspreche ich dir.“

Während sie so betete,

saß der alte Priester Eli

an der Tür und beobachtete sie.

Wie sonderbar!, dachte er.

Die Frau liegt am Boden

und bewegt ihre Lippen.

Sicher ist sie betrunken.

„Was fällt dir ein?“,

herrschte er Hanna an.

„Du bist ja betrunken

Spuck den Wein aus,

den du getrunken hast!“

„Aber nein“, sagte Hanna traurig,

„ich bin nicht betrunken.

Ich habe nur einen Kummer.

Den habe ich Gott gesagt.“

Als Eli das hörte,

sagte er freundlich zu ihr:

„Steh auf!

Geh in Frieden nach Hause!

Gott hat dein Gebet gehört.“

Hanna horchte auf.

Wollte Gott ihr wirklich

noch ein Kind schenken?

Erleichtert stand sie auf,

wischte ihre Tränen ab,

lief wieder zu den anderen zurück,

lachte mit ihnen

und ließ es sich schmecken.

*

Nach einem Jahr wurde

endlich das Kind geboren,

auf das Hanna

so lange gewartet hatte.

„Da ist er endlich“, rief Hanna,

„der Sohn, den ich

von Gott erbeten habe!“

Samuel nannte sie ihn,

das heißt: „von Gott erbeten“.

Und Hanna dankte Gott

mit diesem Lied:

„Mein Herz ist voll Freude

über den Herrn.

Denn der Herr macht arm

und macht reich.

Er erniedrigt und erhöht.

Die Schwachen hebt er

aus dem Staub

und erhöht die Armen.“

1. Samuel 1–2,1 ff.

51. Samuel bei Eli

Drei Jahre lang blieb Samuel

bei Hanna, seiner Mutter.

Hanna hatte Samuel sehr lieb

und sorgte für ihn von früh bis spät.

Aber eines Tages nahm sie

Samuel bei der Hand

und wanderte mit ihm nach Silo

zum Haus Gottes.

Dort saß der alte Priester Eli

an der Tür und sah ihnen entgegen.

„Da bin ich wieder“, sagte Hanna.

„Gott hat mein Gebet erhört.

Er hat mir diesen Sohn geschenkt.

Aber ich will ihn nicht

für mich behalten.

Er soll ein Priester werden,

ein Diener Gottes wie du.“

Von diesem Tag an durfte

der kleine Samuel bei Eli wohnen.

Eli war wie ein Vater zu ihm.

Er erzählte ihm von Gott

und zeigte ihm alles,

was ein Diener Gottes zu tun hatte.

Und Samuel hörte auf ihn.

Eli hatte auch zwei erwachsene Söhne.

Sie waren auch Priester.

Aber sie hörten nicht auf Eli.

Auch fragten sie nicht nach Gott,

sondern taten nur,

was ihnen Spaß machte.

Sie ärgerten die Leute,

die zum Gottesdienst kamen,

nahmen ihnen das Opferfleisch weg

und aßen es selbst auf.

Und wenn ihr Vater ihnen vorhielt:

„Was macht ihr da?

Das dürft ihr nicht tun!“,

dann lachten sie ihn nur aus

und scherten sich nicht darum.

Samuel aber wuchs heran

und wurde ein Diener Gottes.

Von früh bis spät war er im Heiligtum.

Nachts schlief er sogar

neben der Lade Gottes.

Eines Nachts hörte Samuel

plötzlich eine Stimme:

„Samuel! Samuel!“

Samuel fuhr hoch.

Wer hatte ihn gerufen?

Es war niemand zu sehen.

Schnell stand er auf,

ging zu Eli und sagte:

„Hier bin ich.

Du hast mich gerufen.“

Doch Eli schüttelte den Kopf.

„Nein“, sagte er.

„Ich habe dich nicht gerufen.

Leg dich nur wieder hin und schlaf!“

Da dachte Samuel:

Sicher habe ich nur geträumt.

Er legte sich wieder hin

und schlief ein.

Aber auf einmal hörte er wieder:

„Samuel! Samuel!“

Schnell stand er auf,

lief zu Eli und sagte:

„Hier bin ich wieder.

Du hast mich gerufen.“

Doch Eli antwortete:

„Nein, ich habe dich nicht gerufen.

Leg dich nur wieder hin und schlaf!“

Aber kaum lag Samuel

auf seinem Lager,

da hörte er schon wieder:

„Samuel! Samuel!“

Und wieder lief er zu Eli

und sagte: „Hier bin ich.

Du hast mich gerufen.“

Da begriff Eli auf einmal,

woher die Stimme kam.

Und er sagte zu Samuel:

„Leg dich nur wieder hin!

Aber wenn du noch einmal

die Stimme hörst,

dann antworte darauf:

,Rede, Herr!

Dein Knecht hört.‘“

Nun ahnte auch Samuel,

wer ihn gerufen hatte.

Still ging er zurück,

legte sich hin,

wartete und lauschte.

Da − auf einmal rief es wieder:

„Samuel! Samuel!“

Samuel richtete sich auf.

„Rede, Herr!“,

antwortete er laut.

„Dein Knecht hört.“

Da hörte Samuel,

wie Gott zu ihm sprach:

„Hör zu, Samuel!

Bald wird ein großes Unglück

über dieses Haus kommen.

Eli und seine Söhne

werden alle umkommen.

Und es wird keinen Priester mehr

im Haus Gottes geben.“

Samuel erschrak.

War das wirklich Gott,

der zu ihm gesprochen hatte?

Er konnte nicht mehr einschlafen.

Am nächsten Morgen

stand Samuel früh auf,

öffnete leise die Tür

und wollte sich an Eli vorbeischleichen.

Doch Eli hatte ihn schon gehört.

„Komm her, Samuel!“, rief er.

„Was hat Gott zu dir gesagt?

Erzähl mir alles!

Verschweige mir nichts!“

Da erzählte Samuel alles,

was Gott in der Nacht

zu ihm gesagt hatte.

Eli aber hörte

ihm aufmerksam zu.

„Wie Gott will“,

sagte er ernst.

„Sein Wille geschehe!“

Und wie Gott gesagt hatte,

so geschah es auch:

Bald danach fielen Feinde

in das Land ein.

Sie kämpften gegen das Volk Israel

und töteten beide Söhne Elis

und nahmen die Lade Gottes

als Beutestück mit.

Als aber Eli hörte,

was mit der Lade

geschehen war,

fiel er vor Schreck

von seinem Stuhl,

brach sich das Genick

und starb.

Seit dieser Zeit gab es

im Heiligtum von Silo

keinen Priester mehr,

der Gott diente.

Aber Samuel diente Gott,

solange er lebte.

Und Gott war mit ihm.

Und alle Israeliten

hörten auf ihn.

1. Samuel 1,21–3,21

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Neukirchener Kinderbibel Neukirchener Erzählbibel (ohne Illustrationen)" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen