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Neue Gedichte

Hertha Koenig

Neue Gedichte

Mit Zeichnungen von
Heinrich Vogeler

Rekonstruktion eines
Buchprojektes von 1913

Herausgegeben und mit einem
Vorwort von Theo Neteler

PENDRAGON

Theo Neteler
Hertha Koenig und Heinrich Vogeler

„Eine bekannte Dame, Frau Hertha König-Wörner [!] (vielleicht ist Ihnen der Name durch einen Roman Emilie Reinbeck bei S. Fischer bekannt) möchte Gedichte verlegt haben“, schrieb der Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler am 16. Juli 1913 an den Insel-Verlag in Leipzig. Und er fuhr fort: „Das Buch sollte mit 7 Zeichnungen von mir geschmückt werden (anliegend drei Proben). Mein Honorar zahlt die Dame selbst. Würden Sie Interesse für den Verlag dieses kleinen Buches haben?“1 Vogeler schwebte wohl ein ähnlich illustrierter Gedichtband vor, wie er ihn in der Vergangenheit häufiger gestaltet hatte, z.B. für die Schriftstellerin Irene Forbes-Mosse, Enkelin Bettina von Arnims.

Bereits am 17. Juli lehnte der Verlag das Angebot ab: „Zu den Gedichten der Frau Hertha König-Wiener [!], die Sie die Freundlichkeit hatten uns mit Ihren Zeichnungen zu senden, haben wir leider kein näheres Verhältnis gewinnen können, und sind daher zu unserem Bedauern ausserstande, den Verlag zu übernehmen.“2 Die Schreibweise des Namens zeigt, dass die Autorin im Insel-Verlag sicher unbekannt war. Eine sorgfältige Prüfung des Manuskriptes fand wohl gar nicht statt, wie die umgehende Rücksendung vermuten lässt. Zu diesem Zeitpunkt war Heinrich Vogeler aus mehreren Gründen als Mittler die falsche Person, was noch zu erläutern ist. Denn ziemlich genau zwei Jahre später gelingt es Rainer Maria Rilke ohne große Mühe, über Katharina Kippenberg, die Frau des Verlegers, einen Gedichtband Hertha Koenigs mit dem Titel Sonette im Insel-Verlag unterzubringen.

Ihre erste Gedichtsammlung Sonnenuhr hatte die 26-jährige Hertha Koenig im Jahre 1910 bei der Beck’schen Verlagsbuchhandlung, München, vorgelegt. Drei Jahre später folgte beim renommierten S. Fischer Verlag, Berlin, der Roman Emilie Reinbeck. Der Wunsch, nun beim bekannten Insel-Verlag, Leipzig, einen Gedichtband zu veröffentlichen, ist verständlich. Den Buchkünstler Heinrich Vogeler um Illustrationen zu bitten und in ihm einen aussichtsreichen Vermittler zu sehen, lag jedoch zu diesem Zeitpunkt eine Fehleinschätzung zugrunde.

Heinrich Vogeler war um 1900 ein gefeierter Jugendstilkünstler und machte seinen Barkenhoff in Worpswede zum Anziehungspunkt zahlreicher Künstler. Schon im 1896 gegründeten Eugen Diederichs Verlag übernahm er etliche Illustrationsaufgaben. Die bedeutendste Rolle als Buchkünstler spielte er im Insel-Verlag3, der 1899 gegründet wurde.

Da um 1895 in Deutschland Reformbestrebungen im Buchdruck und der Buchgestaltung einsetzten und sich diese Bewegung fast zeitgleich mit dem Aufkommen des Jugendstils entwickelte, war einige Jahre das schön illustrierte und in allen Bereichen (Einband, Papier, Vorsatz, Titelseite, Typographie) sorgfältig komponierte und künstlerisch gestaltete Buch als Gesamtkunstwerk das erstrebte Ziel.

Heinrich Vogeler lieferte mit seinem Gedichtband Dir, in dem alles von ihm selbst stammte – die Gedichte, die Schrift, die Illustrationen, die gesamte Konzeption –, dafür 1899 ein klassisches Beispiel. Anfang 1900 erregte seine Gestaltung des zweiten Quartals der für die genannten Reformen bahnbrechenden Zeitschrift Insel Aufsehen. Der im selben Jahr in nur zweihundert Exemplaren durch den Insel-Verlag aufgelegte Luxusdruck Der Kaiser und die Hexe von Hugo von Hofmannsthal mit der berühmten farbigen Doppeltitel-Illustration Vogelers ist eines der kostbarsten Bücher des Jugendstils und ein Höhepunkt der Buchkunst dieser Zeit.

Im November 1904 veranstaltete die Rudhardsche Schriftgießerei, Inhaber Gebr. Klingspor, eine Ausstellung mit Vogeler-Zierat, der gleichzeitig in einem umfangreichen Heft als Buchschmuck angeboten wurde.

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