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Nerd. In. Love.

Usagi Jigokumimi

Nerd. In. Love.

Oder: Wenn Klischees sich verlieben...


Für meine kleinen Klischees!


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Wie Mickey Maus auf Viagra…

Er ist mein bester Freund!

    Verzweifelt, und zugegebenermaßen auch ziemlich vergebens, versuchte ich mir das seit mindestens einer halben Stunde vor zu beten.

Magnus saß, natürlich, oberkörperfrei in meinem recht engen Dachgeschoßzimmer und zockte fröhlich, aber konzentriert „Final Fantasy XIII- 2“. Ich wiederum nicht minder konzentriert - Dafür aber überhaupt nicht fröhlich!- war damit beschäftigt ihn nicht schmachtend oder sabbernd oder sonst wie notgeil anzugaffen.

                                     

       Verdammte Dreckskacke aber auch!

 

Seitdem ich denken kann, sind Magnus und ich beste Freunde. Ja wirklich, selbst im Kindergarten waren wir unzertrennlich!

Im Kindergarten war das auch noch nicht so wirklich ein Problem. Nun in der Grundschule auch nicht sonderlich, obwohl ich mich schon damals ärgerte, wenn eins der anderen Kinder- egal ob Junge oder Mädchen- ihm zu nah kam.

   Ab der siebten Klasse, ab dem Zeitpunkt, wo mein Körper in der Lage war feuchte Träume als Weckinstanz für mich einzusetzen (Und Magnus Körper, unter uns gesagt, eindeutig sehr viel schneller männlicher wurde als meiner in seinem Erscheinungsbild!), war es auf einmal ein sehr großes und auch sehr feuchtes Problem- In meiner Schlafanzughose!

 Ich träumte nämlich ausnahmslos und ziemlich versaut von eben jenem besten Freund!

            Jaaa… Es ist genauso erniedrigend, wie es sich anhört…

 

Am Anfang versuchte ich mir noch einzureden, das wäre nichts weiter als eine komische Phase, die Jugendliche nun mal durchleben im Selbstfindungsprozess oder so…

 Ich weiß, selten dämlicher Scheiß, denn diese Phase geht nun schon seit fast fünf Jahren und langsam, wirklich nur langsam, bin ich über dem Punkt hinweg, indem ich leugne geil auf meinen besten Freund zu sein…

 

 Obwohl ich auch das manchmal noch gerne versuche mir einzureden. Wie sagt man immer, die Hoffnung stirbt zuletzt… Vielleicht kann ich sie ja mit meiner Morgenlatte erschlagen…

  

   Aber einer dieser wundervollen Momente des Leugnens war gerade jetzt. Mein viel zu gut gebauter, bester Freund saß nur in kurzer Hose in meinem viel zu kleinen und im Augenblick viel zu warmen Zimmer.

Es war Ende Juli und der Sommer hatte sich in Rekordtemperaturen gesteigert, sodass es in meiner Dachkammer wahrscheinlich saunaähnlich zuging. Man bräuchte vielleicht nur noch einen Pinien-Aufguss. Um dieser unerträglichen Hitze während einer unserer üblichen Lieblingsbeschäftigungen in den Sommerferien wenigstens ein bisschen entgegen zu wirken, hatte sich Magnus entkleidet - Wie so oft!

     Und wie so oft, saß ich völlig verklemmt daneben, in meinem immer etwas zu groß wirkenden Klamotten und versuchte nicht wie der letzte Vollidiot zu wirken. Was wirklich - Oh Wunder! – schwer war mit so wenig Blut im Kopf und mit zu viel davon in der Lendengegend.

 

Seufzend sah ich, obwohl ich nicht wirklich sah, starr zum Fernseher und versuchte interessiert zu tun. Ich versuchte dem eigentlich ziemlich krassen Spiel zu folgen und nicht an Magnus dunkelblondes, leicht zerwühltes und feuchtes Haar zu denken, welches ihm schon fast unwiderstehlich im Nacken klebte. Genauso wollte ich auch nicht an die Schweißtropfen denken, die sich an seiner Schläfe fallenließen und einen unverschämten langen und unanständigen Weg an seinem markanten Kinn entlang nahmen.

 

 Schweißtropfen, die den starken Hals hinabliefen und auf seiner durchtrainierten Brust abperlten.

   Schweißtropfen, die immer weiter über seinen ebenso perfekten Bauch rannen und dann schließlich in den Saum seiner Shorts versanken...

 

War es noch im Bereich der geistigen Gesundheit sich zu wünschen ein Schweißtropfen zu sein?

Unmerklich schüttelte ich den Kopf.

 

  Nein, schallte ich mich selbst.

Nein, daran wollte ich wirklich nicht denken! Oder sollte… Oder… Nein!

   Aber… Ich… Was auch immer! Nein!

    Nein, das wäre echt schlecht…

       Besonders wenn ich mir dann auch noch vorstellen würde, wie die Schweißtropfen weiter über seinen Körper laufen würden, wenn er auch keine Shorts mehr an hätte… Nein, das wäre wirklich…

 Ich schluckte schwer, zwang mich, nicht zur Seite zu schielen.

        Oh Gott, ich krepier…

 

      Verflucht!

 

Ich seufzte schwer, sogar einen Tick manisch-depressiv geschwängert!

       Schließlich gab ich nach -  Ja, ich bin notgeil und sogar ein bisschen oder auch etwas mehr pervers!-  und sah rüber zu dem für mich am meist geliebten, sowie aber auch am meisten verwünschten Menschen auf diesem gottverdammten Planeten!

   Ich betrachtete- Mit mehr als stark erhöhtem Speichelfluss!- das mir so gut vertraute Profil Magnus‘: Seine markante Kinnlinie, die gerade Nase und die prägnanten Augenbrauen, die im perfekten Bogen über seine dunkelblauen, mandelförmigen Augen schwangen, welche von einer Nuance dunkleren, wie seine Haare farbigen Wimpernkranz umringt wurden.

    

   Zu schön, um wahr zu sein!

            Zu schön, um mein zu sein…

 

Sei nicht albern Niklas, schimpfte ich wie so oft mit mir selbst, du und Magnus werdet niemals mehr als Freunde sein. Darüber sollte ich mich schon glücklich schätzen, wenn man‘s genau nahm, denn wir beide spielten schon lange nicht mehr in einer Liga. Falls wir es überhaupt jemals getan hatten!

  

 Er war der gutaussehende und sportliche Mädchenschwarm und ich war der abgefuckte und etwas creepige Nerd, den Mädchen immer ignorierten!

   Dieser Fakt störte mich nun nicht sonderlich, denn ich stand nun mal eh auf keins…

Aber trotzdem, obwohl ich wusste, wie aussichtslos das alles war, konnte ich nicht umhin es mir doch zu wünschen. Ich wünschte mir, dass ich und Magnus…

       Wir waren einfach zwei unvereinbare Klischees! Das konnte man nun drehen und wenden, wie man wollte. Klischee blieb Klischee!

 

   Manchmal bin ich aber auch bekloppt!

 

Während ich so in meinem Pervers-Modus so vor mich hin sabberte und ihn dabei natürlich immer noch anstierte wie ein Gehirnamputierter, oder noch schlimmer, wie ein Typ, der geil auf seinen besten Freund war, sah Magnus zurück.

„Ist was?“, fragte er mit seiner mir so vertrauten, unbekümmerten und leicht rauen Stimme, die mir einen Schauder nach dem anderen durch den Körper jagte. „Äh…“, gab ich geistreich als Antwort, „Was?“

   Super, ich klang wie Mickey Maus auf Viagra: Piepsig und spitz!

 

 Schnell räusperte ich mich und wiederholte mit halbwegs überzeugendem Ton, „Was?“ „Ich hab dich gefragt, ob was ist?“, wiederholte er grinsend und nahm ‘nen Schluck Eistee, „Oder hab ich irgendwas an mir, dass du so starrst?“ „Was? Oh, äh… Nein…“, ich räusperte mich noch einmal, „Nein! Quatsch! Ich…“ Mein Gehirn ratterte um eine glaubhafte Ausrede zusammen zu stottern. „… war nur in Gedanken!“

  Gut gemacht Gehirn!

„Das ist alles… Bei der Dämse hier drin werde ich irgendwie matschig in der Birne.“, lachte ich gequält auf. Er nickte.

  Ich konnte ihm ja wirklich nicht sagen, dass ich schon ‘ne ganze Weile eine Matschbirne hatte, weil ich gern mit ihm…

   Ahhh… So was sollte ich eindeutig lassen!

 

„Ja… Ist echt abartig warm.“, er wischte sich unwirsch die schweißnassen Haare aus dem Gesicht, dann warf er mir einen prüfenden Blick zu, „Warum hast du eigentlich noch deine Klamotten an…?“

 

         Wie bitte????

 

Ich sah ihn an wie ein Auto. „Ich mein, wenn wir bei mir wären, hätte ich mir schon längst allen Stoff vom Leib gerissen.“, er lächelte, wie immer: ganz hinreißend, gutmütig und verderbenbringend!

   „Jaaa… Nein… Ach, so warm ist es ja dann auch nicht…“

        Danke Gehirn! An der Steilvorlage war ich selber Schuld!

   Ich wusste doch ganz genau wie schnell es gehen konnte, dass Magnus sich entkleidete.

In dieser Hinsicht besaß er einfach kein Schamgefühl. Aber mal ehrlich, wer konnte es ihm bei dem Körper verübeln?

   

Ich würde mich wahrscheinlich auch gerne nackt präsentieren, wenn ich nicht nur so ein Schluckwasser wäre - Aber genug von meinen Komplexen!

„Ach, nun hab dich nicht so…“, runzelte Magnus ganz untypisch die Stirn, „Du siehst aus, wie kurz vorm Hitzekoller…“ „Mir geht’s gut…“, das würde wahrscheinlich überzeugender wirken, wenn meine Stimme zum Schluss nicht wegbrechen würde.

    Fick dich Körper!

 

  „Wirklich!“, wehrte ich entschieden ab und versuchte mich männlich klingen zu lassen. Ich würde es nicht ertragen seinen vollkommen gleichgültigen, vielleicht auch etwas abschätzenden oder mitleidenden Blick, angesichts meiner Hühnerbrust, auf mir zu spüren!

   „Also wirklich“, ohne Widerrede zu dulden, kam Magnus näher zu mir, „Zwing mich nicht erst nachzuhelfen. Jetzt zieh schon dein blödes Shirt aus.“

 

         Himmel. Arsch. Und. Zwirn.

 

Ich krallte die Finger in mein schwarzes Riesenshirt, als ob ich es so an mir festkleben könnte. „I… ich… Mir ist wirklich nicht so warm…“, stotternd wich ich ein Stück zurück, doch meine Couch, die elendige Verräterin, stand da im Weg und so hatte Magnus leichtes Spiel. Das hatte er aber ehrlich gesagt auch so - Körperlich war ich ihm nicht nur eingeschränkt durch meine Geilheit unterlegen!

  

„Jetzt stell dich nicht so an…“ Gut gelaunt packte er mein Shirt und zerrte es mir mit Leichtigkeit vom Körper. Mein erstickter Protestruf wurde lächelnd von ihm ignoriert und so knieten wir beide halbnackt sehr eng bei einander.  „Siehst du“, sein warmer Atem kitzelte mein Gesicht, „Gleich viel angenehmer, nich`?“

Ich konnte nichts sagen!

Ich traute meinen Lippen, der Zunge eingeschlossen, nicht über den Weg. Steif nickte ich. Steif war gerade das falsche Wort… oder viel zu sehr das richtige…

 

  Wenn ich jetzt gleich in meiner Shorts kam, hatte ich tatsächlich den Tiefpunkt meiner Existenz erreicht!

 

 Fröhlich und völlig ahnungslos, kroch Magnus zurück zum Kontroller und hielt sich mein Shirt vor seine eigene Marmorbrust. Es sah vor ihm aus, wie für eine Puppe.

  „Krass, wie klein du eigentlich bist!“, lachte er und betrachtete das Shirt, „An dir sieht es immer so riesig aus.“ „Für mich ist es auch riesig…“, gab ich dumpf zurück und verschränkte unauffällig die Arme vor der Brust.

   Ich kann ja schließlich nichts dafür, dass ich in der achten Klasse aufgehört hab zu wachsen. Mich nervt das ja wohl am meisten, dass ich immer noch in der Kinderabteilung shoppen gehen darf.

„Ich für dich auch?“, sein Lachen wurde wieder so herrlich spitzbübisch und er warf das Shirt nach mir. Ein Teil des im Schritt gesammelten Blutes schoss nun super toller Weise in meine Wangen.

        

Ernsthaft Körper, kannst du mich noch pubertärer wirken lassen?

 

  „Angeber!“, murrte ich nur schlagfertig, um meine Verlegenheit und die Wahrheit in seinen Worten zu überspielen.

Ja, er war zu groß für mich! In jeglicher Hinsicht war ich ihm einfach nicht gewachsen.

          So war es nun mal.

 

 Erbärmlich, anders kann man das - Mich!- nicht beschreiben.

 

   Einige Minuten geschah nichts und Magnus spielte weiter, zuerst merkte ich gar nichts, doch dann änderte sich sein Gesichtsausdruck und er lehnte sich nach vorn. Zum ersten Mal folgte ich dem Spielverlauf ernsthaft und stellte fest, dass es miserabel für ihn lief. Bei allem Körperlichen bin ich ihm wirklich ziemlich unterlegen, doch das Zocken von Games aller Art war so etwas wie meine Passion oder mein einziges verschobenes Talent, also lehnte ich mich auch vor.

 

„Du musst deine Kampfeinstellungen verändern, sonst wird das nichts!“, meinte ich ruhig, „Blitzschlag mit Verheerer, Verheerer, Brecher ist besser, um die Schockleiste schneller zu füllen.“ „Okay“, meinte er abwesend und malträtierte die Tasten, um nicht völlig ab zu kacken. „Die haben ‘nen Heiler, hack zuerst auf den ein!“, half ich ihm weiter. „Welcher?“, seine Stimme klang überfordert. „Das pinke, katzenähnliche Dinge…“, unwirsch zeigte ich auf meinen Flat-Screen. „Ohhhh…“, es sah schlecht für ihn aus. „Hau drauf!“, ich raufte mir die Haare, zu spät. Er war gestorben.

 

  „Verdammt…“, nuschelte er und trank ‘nen Schluck, „Ich krepier hier schon zum dritten Mal.“ „Jaaa… die Stelle ist knifflig.“, pflichtete ich ihm bei, um ihn zu beschwichtigen, Magnus war zwar ein Sportler und Sieger, aber nie ein Verlierer ...

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