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Naturjuwel

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© 2016 Monika Maria Schäfer

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback: 978-3-7345-4818-5
Hardcover978-3-7345-4819-2
e-book978-3-7345-4820-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich ge-schützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elekt-ronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbrei-tung und öffentliche Zugänglichmachung.

Naturjuwel

„So, das war‘s dann wohl“, sagte sich Katharina laut und deutlich mit Tränen in den Augen. Traurig legte sie ihr Handy zur Seite und schüttelte resigniert den Kopf. Sie konnte einfach nicht verstehen, warum die wirklich lange Freundschaft so enden musste. Sie hatte vor einigen Wochen von ihrer Freundin einen Brief bekommen, in dem diese ihr einen großen Fehler vorwarf. Katharina war sich ihrer Schuld nicht bewusst und suchte immer wieder das Gespräch. Doch ihre ehemalige Freundin blockte alles ab. Katharina verstand die Enttäuschung ihrer Freundin, aber nicht die Tatsache, dass sie ihren Fehler nur schriftlich mitgeteilt bekam.

Nach dieser letzten SMS, auf die sie wieder keine Antwort bekommen hatte, versuchte sie sich nun auch von der Freundschaft zu verabschieden. „Alles hat seine Zeit, und was kommt, muss so sein!“ sagte sie sich und versuchte sich mit diesen Worten zu trösten. „Das Leben geht weiter, Katharina“, munterte sie sich selber auf. Katharina war alleine zu Hause, ihr Ehemann war arbeiten und die Kinder waren schon vor langer Zeit aus dem Elternhaus ausgezogen. Sie hatte in diesem Lebensabschnitt viel Zeit zum Nachdenken, da sie sich von einer Krankheit erholen durfte und noch nicht gesund war.

Etwas gedankenlos öffnete sie eine Zeitschrift, die ihr eine Nachbarin geschenkt hatte. Sie las verschiedene Artikel, jedoch wanderten ihre Gedanken immer wieder zu der Trennung von ihrer langjährigen Freundin. Doch dann las sie die Anzeige, die klein am Rand der Zeitschrift stand.

Schreibseminar im kleinen Künstlerhaus 'Naturjuwel'.

Schreiben Sie sich glücklich und finden Sie Ihre Mitte.

Katharina las die Annonce wieder und wieder. Längst wusste sie, dass dieses Künstlerhaus nur ca. 50 km von ihrem Wohnort entfernt lag, und dass selbst sie, die nicht gern Auto fährt, dorthin finden würde. Sie wollte gern an diesem Seminar teilnehmen, erstens, weil sie gerne schrieb, und zweitens, weil sie etwas Abwechslung nach dem Krankenhausaufenthalt und der anschließenden Genesungszeit brauchte. Aber sofort meldete sich diese, ihr sehr bekannte, aber blöde innere Stimme, die sie immer zum Zweifeln brachte, und flüsterte ihr zu: „Katharina, was willst du denn dort? Sooo gut kannst du ja nicht schreiben! Wovon willst du denn die Kursgebühr bezahlen? Wer kocht denn dann für deinen Mann? Und wer verwöhnt die Kinder, wenn sie vielleicht mal heimkommen?“

Katharina schlug mit der Faust auf den Tisch. Sie sagte nun zu sich selber: „Und ob ich das kann, und wenn nicht, dann lerne ich einfach etwas Neues und meiner Seele tut das mit Sicherheit auch gut!“

Sie hatte noch etwas Geld gespart, das für die Kursgebühr reichte.

Also meldete sie sich zu diesem Seminar an und plötzlich fühlte sie sich zufrieden und ein kleines bisschen gesünder.

Zur gleichen Zeit wachte Josefine an diesem Morgen auf. Draußen regnete es und es war kalt. Josefine zog sich die Decke über den Kopf und ihr kleiner Hund Ernesto kam schnuppernd zu ihr. Ernesto liebte es, morgens ein bisschen zu Josefine ins Bett zu klettern. Josefine ließ das gerne zu, sie mochte es sehr gern, das kleine Hundeherz und Ernestos Wärme zu spüren. Ihr Mann war schon zur Arbeit und ihr Sohn zur Schule. Josefine kümmerte sich um den Haushalt und die Pferde und Hühner. Da war immer genug zu tun. Nach der kleinen Kuschelrunde begann nun auch für sie dieser Tag.

Nachdem sie Ernesto ausgeführt und die Küche aufgeräumt hatte, gönnte sie sich mit einer Tasse frischem Kaffee die Lektüre ihrer Onlinezeitung. Josefine liebte das Internet mit all seinen Möglichkeiten. Sie kaufte über das Internet ein und erarbeitete sich mit Hilfe des Internets viele Fähigkeiten, die ihr in ihrer Arbeit im Haus und auf dem Hof nützlich waren, und ja, sie las diese Onlinezeitung, in der auch sie das Inserat „Schreibseminar im kleinen Künstlerhaus“ fand.

Zuerst las sie darüber weg, doch dann wurde ihr der Name 'Naturjuwel' bewusst. Sie war eine Frau, die die Natur sehr schätzte und die mit der Natur im Einklang lebte. Sie sah es als natürlich an, dass die Haare mit den Jahren ergrauten und sich in einem Gesicht, das schon lange in die Welt blickte, Falten bildeten. Sie legte keinen Wert auf dekorative Kosmetik oder schicke Kleidung. Einfach und zweckmäßig waren ihre Lebensansprüche. Aber sie hatte auch ihre Freude an schönen Steinen, gern auch als Schmuckstücke. Daher eröffnete der Name 'Naturjuwel' eine spannende Welt für sie. Sie gab diesen Namen in die Suchmaschine ein und auf dem Bildschirm ihres Laptops erschienen Bilder, die ihr Herz höher schlagen ließen. Das kleine Künstlerhaus 'Naturjuwel' lag inmitten grüner Wiesen an einem Waldrand. In direkter Nähe war ein Wasserfall, der einen kleinen Bach nährte. Und auf der Wiese vor dem kleinen Künstlerhaus standen verschiedene Bänke oder dicke Steine, die zum Ausruhen oder zum Ausüben verschiedener Künste wie Schreiben oder Malen einluden. Auf dem Foto lag die Wiese sonnenüberflutet unter strahlend blauem Himmel, aber Josefine konnte sich den Ort auch bei Schnee oder Regen vorstellen. Dieser Ort hatte sie sofort verzaubert und sie wollte ihn kennenlernen. Deshalb telefonierte sie gleich mit ihrer Freundin und fragte, ob diese sich für die Zeit des Seminars um die Tiere kümmern könne. Als ihre Freundin ihr zugesagt hatte, meldete sie sich direkt zum Seminar an. Sie konnte den Termin fast nicht mehr erwarten.

Giselle saß am Empfang der neuen Praxis, die ihr Mann vor kurzer Zeit eröffnet hatte. Sie koordinierte alle Termine, nahm die Patienten in Empfang und unterstützte ihren Mann bei seiner Arbeit. Giselle war das, was man eine tolle Frau nennen konnte. Sie sah toll aus mit ihrer schlanken, jedoch weiblichen Figur. Sie trug ihr schwarzes, glänzendes Haar an diesem Morgen offen. Das sah zu ihrem roten Strickkleid, das ihre schöne Figur betonte, sehr schön aus. Giselle hatte für alle Menschen ein offenes Ohr und half jedem, der sie um Hilfe bat. Sie war eine sehr geschickte Näherin und hatte, bevor ihr Mann seine Praxis eröffnet hatte, einen kleinen Hutladen besessen. Sie nähte sehr individuelle Hüte und versorgte kranke Menschen, deren Haare ausgefallen waren, mit schönen Mützen. Giselle liebte Menschen und die Menschen liebten Giselle.

An diesem Morgen kamen viele Menschen in die Praxis. Inmitten des Betriebs kam Giselles Mann plötzlich zu ihr, umarmte sie und überreichte ihr einem roten Umschlag. Er sagte zu ihr: „Du bist das Beste, was das Leben mir geschenkt hat. Nun möchte ich dir mal etwas schenken.“ Giselle freute sich total, und weil ihr Mann so liebevoll lächelte, öffnete sie den Umschlag sofort.

Sofort fiel ihr das idyllische Foto des kleinen Künstlerhaus 'Naturjuwel' in die Hände. In der von ihr geliebten Schrift ihres Mannes standen auf einem Herz aus rotem Papier folgende Worte: „Zeit für dich. Lass deine Seele zu dir finden, in Schrift, im Atmen und im Sein!“

Giselle war sehr gerührt, als ihr ihr Mann dann den genauen Text des Angebots vorlas: „Das kleine Künstlerhaus 'Naturjuwel' lädt Sie dazu ein, im Schreiben, in der Meditation, bei einer Massage zu sich und zu einen kleinen Abstand zum Alltag zu finden.“

Giselle strahlte ihn an, als er dann sagte: „Mein Schatz, das hier ist dein Ticket zu einer wirklich wertvollen Auszeit, die ich für dich gebucht habe. Ich möchte dir damit eine Freude machen und Danke sagen für alles, was du für mich machst. Du bist für diese Zeit von allem, was mit Arbeit in Verbindung steht, befreit.“ Dann nahm er noch ein Päckchen hervor, das er die ganze Zeit hinter seinem Rücken versteckt gehalten hatte.

Giselle bedankte sich bei ihm mit einem liebevollen Kuss. Dann durfte sie das Päckchen öffnen. Es enthielt ein wunderschönes Notizbuch, ein traumhaft weiches Badetuch und die Körperlotion, die sie sehr liebte. Giselle freute sich sehr auf diese, ihr geschenkte Auszeit.

Renate spülte gerade ihr Frühstücksgeschirr, als sie im Radio von diesem Gewinnspiel hörte. Ein ihr noch unbekannter Autor veranstaltete ein Schreibseminar in einem kleinen Künstlerhaus. Wer es jetzt während eines bestimmten Liedes schaffte, im Sender anzurufen, konnte diese ganz besondere Auszeit gewinnen. Renate steckte zurzeit in einer schwierigen Lebensphase, denn ihr Mann hatte sie vor einiger Zeit wegen eines jüngeren Manns verlassen. Diese Tatsache schmerzte sie immer noch sehr, wenn sie daran dachte. Ihr ehemaliger Ehemann war schon immer ein ganz besonderer Mensch gewesen. Er war sensibel für alle Belange, die sie hatte. Er versuchte sie auf Händen zu tragen. Er hatte zwar immer einen vollen Terminkalender, schaffte es aber immer wieder, schöne Momente für sie und die gemeinsamen Kinder zu schaffen. Bis zu dem Tag, als er ihr sagte, dass er einen anderen Mann liebte. Allein beim Gedanken daran erschauderte sie. Diesem Tag folgten tränenreiche Tage und Nächte. Die Zeit hatte sie sehr viel Kraft gekostet, aber nun waren Renate und ihre Kinder daran gereift und sie konnte mit der aktuellen Lebenssituation umgehen. Ihr Mann hatte ihr das Haus überlassen und die Kinder hatten ihre Ausbildungen fast abgeschlossen und somit spürte sie jetzt etwas mehr Gelassenheit als in der Vergangenheit.

Renate hatte immer wieder Phasen, in denen sie glaubte, alles im Griff zu haben. Dann folgten Tage des Zweifelns. Der Gedanke „Pech in der Liebe, Glück im Spiel!“ kam ihr gerade in den Sinn, als das gesuchte Lied im Radio erklang. Schnell wählte sie die Telefonnummer zum Gewinnspiel. Sie hörte im Telefon das Zeichen, das ihr klar machte, dass die Leitung frei war. Renates Herz klopfte in großer Vorfreude, als der Moderator ans Telefon kam und ihr sagte: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die wundervolle Auszeit im 'Naturjuwel' gewonnen!“

Renate plauderte noch etwas mit dem sympathischen Moderator, der ihr dann die Reiseunterlagen so bald wie möglich zusenden wollte. Zum Abschluss des Gespräches verabredete sich Renate noch mit dem Moderator, um ihm nach dem Seminar zu berichten, wie es gewesen war. Für Renate war dieser Tag nun gerettet und sie hatte etwas, worauf sie sich freuen durfte.

An diesem Morgen lag Anastasia noch im Bett. Sie wollte die Augen öffnen, doch das klappte nicht so wie sie es wollte. Ihr Kopf war schwer und ihr Mund völlig ausgetrocknet. Langsam kam die Erinnerung der letzten Nacht zurück. Ja, sie war in dieser angesagten Tanzbar. Ja, da war dieser gutaussehende Herr, der sie immer wieder zum Tanzen aufgefordert hatte. Ja, und dann fielen ihr die vielen Cocktails ein, die sie mit diesem Mann geschlürft hatte. Plötzlich war sie hellwach! Was war in der Nacht geschehen, nachdem sie die Tanzbar verlassen hatte? War sie alleine nach Hause gegangen? War er mitgekommen? Mit geschlossenen Augen tastete sie neben sich im Bett. Nein! Gott sei Dank, sie war allein! Aber was war das? Auf dem Kopfkissen neben ihr lag ein Zettel, der aus ihrem Notizbuch rausgerissen war. Darauf stand: „Guten Morgen, du Wildkatze! Ich hoffe, dein Kater heute Morgen ist zahmer als du es letzte Nacht warst! Ruf mich an, ich warte auf dich und will wieder so eine heiße Nacht erleben.“ Anastasia wurde noch übler als ihr vorher schon gewesen war. Vorsichtig und ängstlich vor dem, was sie zu sehen befürchtete, schaute sie unter die Bettdecke. Nein, das durfte alles nicht wahr sein, sie war nackt. Im Zeitlupentempo kam ihr die vergangene Nacht wieder in den Sinn. Wie konnte sie es immer wieder zulassen, sich von fremden Männern so verführen zu lassen? Die Erinnerung an seine Hände und an seine Küsse gaben ihr aber schnell eine Antwort auf diese Frage. Sie liebte es einfach, von Männern verwöhnt zu werden, aber sie hatte sich doch vorgenommen, in Zukunft etwas sorgfältiger auszuwählen, wer das durfte. Nun war nichts mehr daran zu ändern und sie legte den Zettel mit der Telefonnummer auf ihren Schreibtisch. Sie wollte sich erstmal duschen und sich wieder hübsch machen, denn ihr Motto war: „Wenn man selber schön ist, ist die Welt es auch!“Anastasia legte großen Wert auf ihr Aussehen. Nach der Dusche und nachdem sie sich schön eingecremt hatte, zog sie ihren schicken kurzen Rock und eine kleine Bluse an. Dieses Outfit brachte ihre schlanke Figur am besten zur Geltung. Dann föhnte sie sich ihre lockigen Haare, die in einem tiefen, warmen Rotton schimmerten. Anastasia kochte sich einen Kaffee und nahm die Tageszeitung. Die Berichte über Politik und andere Katastrophen mochte sie nicht. Sie interessierte sich nur für Schönheit und Schönheiten. Auf einer dieser Seiten sah sie dann das Inserat: „Wollen Sie sich einmal etwas Gutes tun, einmal etwas anderes erleben? Dann kommen Sie zu unserem Seminar, lernen Sie schreiben, entspannen Sie in dieser herrlichen Umgebung. Kommen Sie zum kleinen Künstlerhaus 'Naturjuwel!'“ Anastasia hatte zwar nicht viel Interesse am Schreiben, aber die Aussicht auf einige interessante Tage, vielleicht mit spannenden Männern, ließ sie über eine Teilnahme an dieser Auszeit nachdenken. Zuerst überprüfte sie ihren Kontostand, ob sie sich die Kursgebühr leisten konnte. Es ging, denn ihr letzter Freund hatte ihr nicht ganz freiwillig eine größere Spende zukommen lassen, weil sie seiner Frau nichts von der Affäre gesagt hatte.

Da Anastasia ihr Leben ohne Arbeit lebte, konnte sie das Seminar sofort buchen und überlegte auch gleich, welche Garderobe sie einpacken sollte. Aber es dauerte ja noch etwas bis zu dem Termin. Bis dahin konnte sie noch einiges erleben.

Dominikus bereitete sich auf das kommende Schreibseminar vor. Er freute sich sehr darauf. Er liebte das kleine Künstlerhaus und erwartete gespannt, welche Teilnehmer am kommenden Wochenende kommen würden.

Dominikus traf Absprachen mit Alena, die die Meditationen übernehmen sollte, und mit Frank, der für die Exkursion und die Massagen zuständig war, und mit beiden gemeinsam, was die vorzubereitenden Mahlzeiten betraf. Ihm war es wichtig, dass alles möglichst gut geplant war.

Alena war eine sympathische junge Frau, die eine wertvolle Ruhe ausstrahlt. Auf sie konnte er sich absolut verlassen. Mit Frank hingegen hatte er immer wieder das eine oder andere Problem, was den Umgang mit den weiblichen Kursteilnehmern betraf.

Dominikus war ein schlanker Mann, der mit seinem halblangen, lockigen Haar und seinen blauen Augen manchmal engelsgleich wirkte. Dominikus liebte es zu schreiben und auch andere Menschen in die Kunst der Literatur einzuweihen.

Natürlich war es für ihn immer wieder eine Herausforderung, den Kurs so zu gestalten, dass alle Teilnehmer Spaß daran hatten. Er hatte ein Programm festgelegt, das verschiedene Stilrichtungen für die neuen Literaten bereithielt. Er wollte vielleicht auch einige Zeilen aus seinem neuen, noch titellosen Roman vorlesen, aber das sollte nur ein Randakt werden. Dominikus wollte sein Wissen und sein Können über die Kunst des Schreibens so gern weiter geben, denn er war der Ansicht, dass diese ihm von Gott gegebene Gabe zu wertvoll war, um sie nur für sich selbst zu nutzen.

Dominikus gab sich jetzt gerade einem Tagtraum hin. Er sah einige Menschen vor sich, die mit Blöcken auf der Wiese saßen und Geschichten, Briefe und Gedichte schrieben. Auf diese Weise konnte die Kunst des Schreibens diesen Menschen genauso viel Glück schenken wie er es täglich erleben durfte.

Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er sich nun beeilen musste, denn in zwei Stunden würden die Teilnehmer anreisen, um Buchstaben zu Worten, Worte zu Sätzen und Sätze zu Texten zu formen und somit würde dann für die Zeit des Seminars das Glück für alle Teilnehmer im kleinen Künstlerhaus einziehen. Genau dieser Gedanke motivierte ihn, alles sehr schön vorzubereiten.

Das Seminar begann an einem wunderschönen Frühsommertag. Das kleine Künstlerhaus lag in diesen Mittagsstunden im Sonnenschein. Dominikus ging durch das kleine Künstlerhaus und als er im Schreibzimmer war, polierte er noch einmal den großen Tisch, an dem er bald mit Menschen, die schreiben wollten, schöne Stunden erleben würde. Er verteilte weiße Blätter und Bleistifte.

Dominikus nutzte normalerweise moderne Technik wie Laptop oder sein Tablet zum Schreiben, aber er war überzeugt davon, dass die Gedanken, die im Kopf entstehen, am besten über den Bleistift auf das Papier flossen und so zu Geschichten wurden. Daher wollte er, dass seine Schreibschüler auf die moderne Technik verzichteten.

Alena schaute zu ihm ins Schreibzimmer und fragte: „Na, Dominikus, mein Lieber, wie geht es dir? Hast du alles gut vorbereitet?“ Dominikus antwortete: „Ja, meine liebe Alena, ich bin bereit, aber darf ich mir dein Reich einmal anschauen?“

Alena nahm ihn freundschaftlich an die Hand und führte ihn die Treppe hinauf in den ersten Stock. Das Zimmer über dem Schreibzimmer war als Wellnesszimmer eingerichtet. Der Fußboden war mit einem hellblauen, weichen Teppich ausgelegt. Die großen Fenster erfüllten den Raum mit dem hellen Licht des Nachmittages. Alena hatte sieben bunte Matten mit je einem Kissen kreisförmig auf dem Boden verteilt. Dominikus schaute sich fragend um: „Warum liegen denn da sieben Matten? Ich habe nur fünf Anmeldungen.“ Alena antwortete: „Es haben sich noch zwei Männer angemeldet. Ich habe ihre Zimmer gerichtet und auch sonst alles vorbereitet.“ Dominikus freute sich und nahm sich vor, sein Schreibzimmer gleich auch dem Zuwachs anzupassen. In der Mitte des Mattenkreises stand eine dicke Kerze und mehrere Heilkristalle waren um sie verteilt. Im Raum roch es ganz zart nach Orange und Limette. Als Dominikus den Duft genüsslich einatmete, erklärte ihm Alena: „Das sind wertvolle Öle, die den Teilnehmern helfen sollen, den Geist wachzurütteln.“

Da wusste Dominikus, dass das Seminar gut werden würde. Alena ging zur Küche und Dominikus guckte noch einmal in die Gästezimmer, die sich im Anbau des kleinen Künstlerhauses befanden. Alle Zimmer waren ganz bunt eingerichtet und jeweils einem Thema zugeordnet. Für ihn war es immer spannend zu erleben, wer von den Teilnehmern welches Zimmer bekam. Er hatte da so seine eigene Art, die Zimmer zuzuteilen. Auf dem Weg zum Gästehaus ging er über die Wiese, wo er Frank traf. Plötzlich veränderte sich seine Stimmung, wovon Frank aber nichts spürte. Dominikus begrüßte ihn sehr freundlich: „Hallo Frank, alles gut bei dir? Hast du alles geplant? Brauchst du noch Tipps?“ Frank verzog sein Gesicht zu einem etwas arroganten Lächeln und meinte: „Es gibt nichts, bei dem du mir helfen könntest, außer dass du mir eine hübsche Braut vorbeischickst, die ich dann "massieren" darf. Und ich hoffe nur, dass da heute Mittag nicht nur langweilige, glücklich verheiratete Herren dabei sind.“ Dominikus schüttelte leicht verächtlich den Kopf und beruhigte sich mit dem Gedanken, dass Franks Anteil an diesem Naturjuwel-Seminar relativ gering war. Ja, er bot Massagen an und seine Exkursion zum Wasserfall war ein Programmpunkt, aber das machte Gott sei Dank nicht den Flair des Seminars aus. Aber Franks Verhalten hielt oft auch positive Überraschungen für Dominikus bereit. Frank brauchte es einfach, sich von Frauen umschwärmt zu fühlen und ein bisschen anzugeben. So antwortete ihm Dominikus nur: „Ach Frank, dann wünsche ich dir ganz viel Glück! Und komm dann bitte um 17.00 Uhr zur Kennenlernstunde ins Schreibzimmer.“ Frank lächelte ihn noch einmal an und winkte ihm zu. Seine Geste gab Dominikus zu verstehen, dass er ihn verstanden hatte.

Alena erwartete Dominikus bereits in dem kleinen Empfangsraum in der Diele des kleinen Künstlerhauses. Sie hatte Tee gekocht, frische Kekse mitgebracht und die Schlüssel zu den Zimmern herausgelegt. Sie waren bereit, ihre Gäste zu empfangen, und da kam auch schon der erste Gast.

Dominikus liebte es, unbekannte Menschen kennenzulernen und er machte sich immer wieder eine Freude daraus, diese Menschen einzuschätzen. „Okay“, dachte er als er die Dame erblickte, „diese Frau hat etwas Trauriges hinter sich und ist noch etwas unsicher, was sie hier erwartet.“ Dominikus ging auf Renate zu und begrüßte sie ganz herzlich. Alena bot ihr einen Tee an. Renate freute sich sehr darüber, denn die Anfahrt war anstrengend gewesen und der freundliche Empfang tat ihr gut. Nachdem sie ein bisschen geplaudert hatten, nahm Dominikus das Körbchen mit den Schlüsseln und sagte: „Liebe Renate, nimm dir einen Schlüssel. Er wird dir die Tür zu deinem Reich für die nächsten Tage öffnen. Alle Zimmer haben ein unterschiedliches Motiv. Nun greif zu!“ Renate nahm einen Schlüssel und Alena erklärte ihr den Weg zum Gästehaus. Renate war angenehm überrascht, wie schön es hier war. Nun konnte sie kaum erwarten zu sehen, wie ihr Zimmer aussah. Sie steckte den Schlüssel in das Schloss des Zimmers mit der Nummer Vier, drehte ihn um und öffnete die Tür. Das Zimmer war in verschiedenen Rot- und Rosatönen gestrichen. An der Wand hing ein Bild mit einem wunderschönen Rosenstrauß. Das Bett war mit Rosenbettwäsche bezogen und im Bad duftete es nach Rosen. Renate setzte sich auf den Stuhl, der zu dem kleinen Tisch am Fenster gehörte, und schaute aus dem Fenster. Ihr Blick fiel als erstes auf einen großen Rosenbusch, der leider noch nicht blühte. Vor Glück traten ihr die Tränen in die Augen. Auf dem kleinen Tisch standen ein kleines, rosafarbenes Törtchen und eine kleine Kanne mit rotem Tee.

Währenddessen sagte Dominikus zu Alena: „Es ist immer wieder toll, dass die Menschen sich die Zimmer nehmen, die ihnen gut tun. Renate braucht Rosen und die hat sie nun.“

Kurz darauf reiste Katharina an. Nachdem auch sie sehr liebevoll in Empfang genommen worden war und sich ihren Schlüssel genommen hatte, machte sie sich auf die Suche nach ihrem Zimmer. Sie hatte Nummer Sechs. Ein bisschen aufgeregt sperrte Katharina die Tür auf. Ihr leuchtete direkt die Farbe Orange entgegen. Diese frische Farbe tat ihr gut. Ihr Bett war mit einer flauschigen, orangen Decke abgedeckt. An der Wand hing das Bild eines Orangenbaums mit saftigen, reifen Früchten und auf dem kleinen Tisch am Fenster stand eine Schale mit Orangen. Sie schaute aus dem Fenster und erblickte ein Beet, in dem Ringelblumen gerade zur Blüte erwachten. Ihr Bad war sehr schön mit orangen Handtüchern und Seife mit Orangenduft ausgestattet. Katharina setzte sich auf den Stuhl und wusste, dass sie hier bestimmt eine wunderschöne Zeit erleben würde.

Dominikus und Alena begrüßten in der Diele Giselle und Josefine, die gleichzeitig ankamen. Giselle hatte Zimmer Drei und Josefine Zimmer Zwei. Die beiden mochten sich direkt und plauderten munter drauf los. Dominikus hatte ihnen erklärt, dass alle Zimmer unterschiedlich sind, aber dass jeder sich das passende Zimmer aussuchte. Deshalb waren beide gespannt, wie ihre Zimmer wohl gestaltet waren. Giselle öffnete die Tür zu einem Zimmer, das auf den ersten Blick einfach hell erschien, doch schon beim Eintreten sah sie, dass es ein Zimmer war, das mit Engeln verziert war. Ein wunderschönes Bild eines Engels, gemalt in sanften Farben, hing an der Wand, die in zartem Beige und Weiß gestrichen war. Ihr Bett war mit champagnerfarbener Wäsche bezogen. Auf dem kleinen Tisch stand eine weiße Lilie und daneben lag ein Stückchen Schokolade mit einem kleinen Engelsbild. Giselle liebte Schokolade und lutschte die kleine Köstlichkeit während sie aus dem Fenster schaute. Sie blickte direkt auf eine wunderschöne Engelsskulptur aus ganz hellem Stein. Giselle spürte, dass sie wohl das größte Glück auf dieser Erde erleben durfte. Wer in einem solchen Zimmer sein durfte, dem konnte nichts Schlimmes passieren, und hier schon gar nicht, an diesem Stückchen Paradies.

Dasselbe dachte Josefine, als sie ihr Zimmer in Augenschein nahm. Sie war umgeben von einem zarten Grün, dessen Schattierungen das Zimmer erleuchten ließen. Das Bild an ihrer Wand zeigte einen großen Baum mit einer sattgrünen Krone. Josefine fiel dazu nur das Wort Fülle ein. Auf ihrem Tisch stand ein Topf mit verschiedenen Kräutern und ein Krug mit kühlem Pfefferminztee. Ihr Bad war mit grünen Handtüchern bestückt und der Duft von Fichtennadeln ließ sie genüsslich einatmen. Als sie aus ihrem Fenster blickte, sah sie einen wunderschönen Ahornbaum.

Dominikus sagte gerade zu Alena: „Ich glaube, wir haben hier eine tolle Gruppe“, als ihn ein lautes „Hallo! Hallo!“ aus der wohltuenden Ruhe aufschreckte.

Vor ihnen stand ein Mann. Groß, schlank, Mitte 40, in einem sportlichen Outfit. Sein von vielen Sonnenstrahlen gebräuntes Gesicht war ein einziges Lächeln.

Er streckte Dominikus die Hand zur Begrüßung entgegen und drückte diese mit einer besonderen Kraft. „Ich bin Antony und freue mich hier zu sein. Aber ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin. Ich habe dieses 'Naturjuwel' ja fast nicht gefunden. So weit wie dieses Teil hier von der Zivilisation entfernt liegt. Ich bin mal gespannt, was und wer mich hier erwartet. Achso, gibt’s hier Internet? Ein gutes Handynetz? Oder trommelt ihr hier noch? Haha…“

Antony redete ohne Punkt und Komma. Als er kurz eine Atempause machte, sagte Dominikus ganz sanft und vor allem leise zu ihm: „Antony, ich begrüße Sie ganz herzlich hier in unserem kleinen Künstlerhaus. Ich freue mich sehr, dass Sie hergefunden haben, und ja, es gibt hier eine Verbindung zur Außenwelt, aber gönnen Sie sich doch mal diese Tage der Ruhe und des ...

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