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Nasty Girl

Inhalt

Zu Eng

Kein Honig mehr im Kopf

Die Angst vor der Angst

Das dunkle Tal

Licht am Horizont

Überzeugungen

Es regt sich was

Cap Corse

The missing Link

Klein und Groß

Tal der Tränen

Ein Rückblick mit Echo

Eine Reise nach Irland

Von Schmetterlingen und Schafen

Von Saiten und Saiten

Von echt heißem Tee und Ankommen

Von Erkenntnissen und Entscheidungen

Von Energie und Zündspulen

Entscheidungen

Ein neues Universum

Greenhorns

Gesprengte Ketten

Deftig und Gut

Hin und wieder zurück – Keine Geschichte von Hobbits

All Inclusive – Inclusive Buddie

Dammbruch

Dissonanz

Coaching-Special

Der Tag der Wahrheit

Ritus

Maskenball

Zwillinge

Ende ohne Schrecken

Alltag mit Unterbrechungen

Seminare und Sex

Neue Freiheit

Seminarjunkie

Hellsehen oder so ähnlich

Déjà-vu

Irische Klänge

Hollywood, oder the Oscar goes to…

Phoenix oder auferstanden von den Toten

Erleuchtung mit Hindernissen

Schläge auf den Hinterkopf…

Nachwort der Autorin

Zu Eng

Atmen. Ich wollte einfach nur atmen. Mich lebendig fühlen. Doch mein Leben ließ mich nicht. Eingefahrene Gleise. Dazu die Trägheit, die sich in meinen Geist geschlichen hatte. Betäubungsmitteln sei Dank. Mit dem Herrn Gemahl ging ich häufig aus. Immer die gleichen Bühnen, immer die gleichen Figuren. Oft träumte ich von Abenteuern. Die erlebte ich im Kino. Ich hatte das Gefühl innerlich vor mich hin zu faulen. Doch wagte ich nur selten zu erwähnen, dass mir der Pepp in unserem ach so schönen Leben fehlte. In mehr als einer Hinsicht. Sprach ich es an, wurde ich nicht verstanden. Meine Worte trafen auf Ohren. Und verpufften. Die Wahrnehmung des Herrn Gemahl war eine andere: »Ist doch alles prima.« Ja, materiell waren wir fein ausgestattet. Alles, was landläufig zum Glücklichsein nötig ist: Haus, Autos, Geld. Ich zählte neununddreißig Jahre. Während andere begannen sich auf die Rente vorzubereiten, beschloss ich, dass sich etwas ändern musste, bevor ich in den Ruhestand gehen würde…

Kein Honig mehr im Kopf

Die erste drastische Veränderung war mit dem Kiffen aufzuhören und keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich war mit dem Herrn Gemahl in Zandvoort / Holland, als ich, um zwanzig Minuten vor Mitternacht, entschied, dass mit meinem vierzigsten Geburtstag das Vernebeln meiner Sinne ein Ende haben sollte. Und so tat ich. Von da an trank ich in der Kneipe Espresso und heiße Zitrone. Was ich nicht bedacht hatte: Mein Umfeld reagierte zum Teil mit argem Gegenwind. Mit mir sei ja nichts mehr los. Ich sei langweilig und eine Spaßbremse, wurde da von vermeintlichen Freunden verlautbart. Das war krass. Auch hatte ich in der Kneipe nicht mehr so viel Sitzfleisch, da mir die Gespräche mit zunehmendem Alkoholkonsum der anderen Besucher einfach zu läppisch wurden. Also zog es mich meist früher nach Hause als den Herrn Gemahl, was wiederum bei diesem für Unmut sorgte. Denkste! Mal einfach so meine Gewohnheiten ändern, war gar nicht so leicht. Egal! Ich blieb dabei. Ich verschrieb mich dem Sport. Und bekam damit ein neues Umfeld. Fünf Tage die Woche, Minimum, trieb es mich zum Spinning in den Sporttempel. Hier fühlte ich mich frei. Und hier fand man meine Entwicklung von der Megakifferin zur Sportskanone richtig gut. Ich badete in der Anerkennung. Meine neue Droge: Sport. Ich fuhr Spinning-Marathons. Erst vier, dann sechs, dann acht Stunden. Ich sportelte mich in Grund und Boden. Zuerst streikte mein Körper. Ich war ständig leicht krank. Meine Ausdauer sank, statt sich zu verbessern. Und dann kamen die Panikattacken.

Die Angst vor der Angst

Ich fuhr mit Fahrgästen auf der Autobahn, unterhielt mich angeregt mit den Menschen, die von mir zum ICE gebracht werden wollten. Die Sonne schien. Auf einmal war es da: Das Gefühl, den Boden unter mir nicht mehr zu fühlen. Enge in der Herzgegend. Ich spürte meinen Puls im Hals flattern. Mein Mund wurde trocken, meine Hände feucht und mein Gesichtsfeld wurde eng. Ich schnappte kurz nach Luft und dachte: Du kannst jetzt hier nicht schlappmachen. Die fahren ja nie wieder mit einem Taxi. Die Unterhaltung stellte ich ein, ohne ein Wort der Erklärung. Ich musste ja atmen. So fuhr ich weiter. Atmete mich runter. Das lief eher instinktiv, als dass ich das bewusst getan hätte. Nachdem ich meine Fahrgäste sicher abgeliefert hatte, fuhr ich zurück. Alles war wieder in Ordnung. Trotzdem fuhr ich erst mal in die City, streifte durch die Geschäfte, um mich abzulenken. In einem großen Kaufhaus der nächste Anfall. Als er nachließ, ging ich zu meinem Taxi und fuhr ins nächste Krankenhaus. Untersuchung auf Herzinfarkt. Der Tod meines Vaters kam mir in den Sinn, doch die Ergebnisse waren negativ. Ob ich viel Stress hätte, fragte mich die junge Ärztin. Ich verneinte. Meine Existenzängste kamen mir hier nicht in den Sinn. Ich fuhr nach Hause und legte mich ins Bett. Von da an häuften sich die Anfälle. Erst, wie zu Beginn, auf der Autobahn. Es kamen Attacken während der Einschlafphase dazu. Dabei saß ich im Bett, als wäre ich gerade vorm Ertrinken gerettet worden. Dann auch beim Sport. Ich hatte ständig Angst davor, dass mich der nächste Anfall überrascht. Bald stand ich morgens nicht mehr auf. Gab immer mehr Schichten ab. Lag im dunklen Schlafzimmer. Jetzt kamen Stimmungsschwankungen dazu. Morgens Hochstimmung und gegen Abend Tränen. Ich verstand mich selbst nicht mehr. Keine Erklärung zu haben, machte die Sache nicht leichter. Trotzdem ging ich weiter zum Sport. Eine Sportkollegin brachte mich auf die Idee, meine Schilddrüse untersuchen zu lassen. Bingo! Hashimoto. Eine Autoimmunerkrankung, bei der die Schilddrüse angegriffen und geschädigt wird. Das ließ sich mit Medikamenten eindämmen. Ich wähnte mich in Sicherheit. Anfangs ging es mir tatsächlich besser. Die Stimmungsschwankungen ließen nach. Doch die Panik, die war hartnäckig. Eines Tages brachte mich der Herr Gemahl auf meinen eigenen Wunsch ins Notfallzentrum der Uni-Klinik, als es wieder so weit war. Sie legten mir einen Zugang, weil man einen Herzkatheter legen wollte. Doch meine Werte sprachen wieder einmal dagegen. Das kannte ich bereits. Aber: Ich wurde an die Kardiologie verwiesen. Die machten einen großen Rundumcheck. Dazu gehörte auch ein Langzeit-EKG. Ich war so wütend! Auf meinen Körper. Auf die Panikattacken. Darauf, dass mir auf diese Weise meine Lebensqualität versaut wurde. Verkabelt wie ich war, zog ich morgens wutschnaubend meine Laufsachen an. Fuhr in den Wald. Ich wollte es wissen. Wenn wirklich etwas am Herzen wäre, würde ich es JETZT herausfinden. Ich absolvierte ein HITT-Training. Die heftigste Trainingsform, die ich zu dieser Zeit kannte. Dabei wird der Körper in absolute Grenzbereiche getrieben. Ich rannte wie eine Irre. Bis ich wirklich keine Luft mehr bekam. Was soll ich sagen? Ich schreibe gerade dieses Buch. Ich bin also nicht gestorben bei der Aktion. Der Kardiologe folgte meinem Bericht, während er das EKG studierte. Er schaute mich an und erklärte mir, mit meinem Herzen sei alles in Ordnung. Alle anderen Untersuchungen hatten ebenfalls nichts Ungewöhnliches ergeben. Ich sei einfach sehr körpersensibel und würde deshalb die Extrasystolen (das sind Herzschläge, die zwischen den normalen Herzschlägen stattfinden) extrem wahrnehmen. Die hätten alle Menschen. Nur würden andere die eben nicht bemerken. So einfach!? Und ich stand Todesängste aus? OK. Ich traf eine Entscheidung. Ich würde diese Extrasystolen jetzt einfach begrüßen, wenn sie auftraten. Und das tat ich auch. „Hallo! Da seid Ihr ja wieder. Geht’s Euch gut?“, fragte ich, wenn sie auftraten. Damit war ich die Angst vor der Angst schon mal los. Doch das wahre Wunder sollte noch kommen und wird in diesem Buch an anderer Stelle erzählt.

Das dunkle Tal

Nachdem ich einen Weg gefunden hatte, mich mit meiner Panik zu arrangieren, ging es eine ganze Weile bergauf. Doch dann senkte sich Schwermut auf mein Herz. Ich war dauernd traurig, hatte keinen Antrieb morgens aufzustehen, geschweige denn, am Abend etwas zu unternehmen. Ich suchte Halt bei meinen Freunden, doch auch für die wurde es langsam anstrengend, sich immer wieder anzuhören, wie es mir ging. Der letzte Rat, den ich bekam, war, mir professionelle Hilfe zu suchen. Ich saß in meinem Büro. Die Haut um meine Augen war schon wund, weil ich seit zwei Wochen fast ununterbrochen geheult hatte. Die letzte Freundin hatte sich gerade aus meinem Leben verabschiedet. Zu intensiv war mein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Trost geworden. Im Wohnzimmer im Erdgeschoss lief der Fernseher und ich hörte den Herrn Gemahl mit dem Kater sprechen. Für ihn war das auch nicht leicht. Waren Depressionen eigentlich ansteckend? Eine Woche noch. Eine Woche, von der ich nicht wusste, wie ich sie rumkriegen würde, bis meine erste Therapiesitzung stattfinden sollte, zu der ich mich endlich(!) durchgerungen hatte. Ich war am Ende meiner mentalen Kraft angelangt. Im Taxi saß ich nur noch mit Sonnenbrille, egal wie düster der Tag draußen war. Die Fahrgäste sollten mein verheultes Gesicht nicht sehen. Depressionen hatten schließlich nur andere. Ich war Mrs. Sunshine. Immer schön lachen. Bloß keine Schwäche zeigen. Die Woche tropfte zäh dahin und endlich kam der Freitagabend. Der Tag der ersten Sitzung.

Licht am Horizont

Die Sitzung ging lange. Dreieinhalb Stunden. Ich erzählte von meiner Vergangenheit, der Schule, den sexuellen Übergriffen, dem Drogenkonsum, meiner Ehe, meiner Fixierung auf Einzelpersonen, meiner Autoimmunerkrankung, den Panikattacken. Alles, was mir relevant erschien, packte ich der Therapeutin auf den Tisch. Frau K, so nenne ich die Therapeutin hier, arbeitete mit verschiedenen Formaten. Nach dieser ersten Sitzung ging es mir schon besser. Ich fühlte mich leichter und schöpfte Hoffnung, dass ich doch noch zu retten sei. Eineinhalb Jahre nahm die lösungsorientierte Kurzzeittherapie ein. Alles selbst bezahlt. Und sie war der Beginn einer Reise. Die Reise hieß leben, lernen, lieben, lehren.

Überzeugungen

Ich hatte viel geschafft und allen Grund mich gut zu fühlen. Den Drogen abgeschworen, die Depression hinter mir gelassen. Mein Leben ging endlich seinen gewohnten Gang. Meine Panikattacken störten mich nicht mehr wirklich. Ich wusste ja inzwischen, dass ich weder ohnmächtig noch daran sterben würde. Körperlich fehlte mir, bis auf den Hashimoto, nichts, also hatte ich sie an- und ihnen damit ihre Macht genommen. So fuhr ich weiter Taxi, ging einmal im Monat zu meiner Psychologin, zum Sport und lebte meinen Alltag. Ab und zu ein Cycling-Marathon. Wochenenden in unserem Bus, auf dem Campingplatz, brachten mir Entspannung. Im Prinzip war alles gut. Ich hatte einen lieben Mann, gemeinsam besaßen wir ein Haus, diverse Fahrzeuge. Man kann sagen, wir waren wohlhabend. Wir fuhren mit Freunden auf Festivals. Wir hatten Spaß. Flogen in den Urlaub. Und trotzdem! In mir war so etwas wie ein schwarzes Loch. Egal womit ich es zu füllen suchte, es blieb. manchmal riesengroß, manchmal war es fast nicht zu bemerken. Ich fuhr zu Auszeit-Wochenenden zum Meditieren, meditierte zu Hause. Das machte mich ruhiger. Aber erfüllt war ich trotzdem nicht. Ich begann zu joggen, um festzustellen: Auch nicht wirklich das, was das Loch zu füllen vermochte. Immer öfter hatte ich das Gefühl, eine Fremde in meinem eigenen Leben zu sein. Die Psychologin half mir auch nicht mehr weiter. Somit entschied ich, sie nicht mehr aufzusuchen. Es kam der Tag, an dem mir auffiel, dass die Panikattacken immer dann auftraten, wenn ich mir Gedanken darüber machte, was wohl passieren würde, wenn dem Herrn Gemahl was zustieße. Wäre ich alleine überhaupt lebensfähig? Ich steigerte mich rein. Eine Spirale, aus der ich nicht herauskam. Existenzangst. Oft saß ich bei meiner Freundin Susanne, erzählte ihr von meiner Sorge. Und von meiner tiefen Überzeugung, dass mir ein wichtiger Entwicklungsschritt fehlte. Schließlich hatte ich noch nie alleine gewohnt und auf eigenen Füßen gestanden. Ich war gleich von meinem Vater zum Herrn Gemahl ins Haus gezogen. Woher sollte ich wissen, wie alles funktioniert? Nach außen gab ich weiter die Fröhliche, Selbstbewusste, doch innen fühlte ich mich klein wie eine Maus.

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