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Nanosearch

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© 2016 Gerhard Hell

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:978-3-7345-5434-6
Hardcover:978-3-7345-5435-3
e-Book: 978-3-7345-5436-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Prolog

Dr. Helmar Sigurdson hatte seit Tagen irgendwie ein ungutes Gefühl. Ahnte er vielleicht, was ihn erwartete? Als anerkannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Nanotechnologie hatte er am 20. Juni 2033 in Berlin einen Vortrag zum Stand der Forschung gehalten. Statt abends an einem Abendessen teilzunehmen, fuhr er jedoch direkt nach Leipzig. Er hatte für den nächsten Tag eine Einladung der Universität Leipzig zu einem Gastvortrag erhalten. Deshalb wollte er nicht unter Zeitdruck geraten und erst am nächsten Tag nach Leipzig fahren.

Die Veranstaltung fand am darauffolgenden Tag in einem der großen Hörsäle der Universität Leipzig statt. Dr. Sigurdson folgte zunächst einer Einladung des Rektors der Universität zu einem Empfang. Dort lernte er einige führende Wissenschaftler und Lehrkräfte der Universität Leipzig kennen. Nach einem kurzen Smalltalk brachte ihn der Rektor der Universität, Prof. Beck, zum Hörsaal. Dieser war bis auf den letzten Platz besetzt. Sogar auf den Treppenstufen saßen Studenten, die anderweitig keine Sitzmöglichkeit gefunden hatten.

Während seines Vortrages sprach Dr. Sigurdson über die Möglichkeiten und Risiken der Anwendung von Nanotechnologie in der Medizin. Jede neue Technologie eröffnete aus seiner Sicht viele Möglichkeiten, konnte aber auch missbraucht werden.

In den letzten Jahren hatten sich verschiedene Universitäten und Unternehmen intensiv mit der Erforschung von Nanopartikeln für medizinische Zwecke befasst. Eines der Hauptziele der Forschung war die Entwicklung von Nanopartikeln als Transportsysteme für kleine Moleküle im menschlichen Körper. Nach jahrelanger Forschung war es jedoch bisher nicht gelungen, entsprechend zuverlässige Systeme zu entwickeln. Aus sicherer Quelle wusste Dr. Sigurdson, dass zahlreiche Pharma-Unternehmen wegen des Potentials dieser Forschungen Kooperationsprojekte mit Universitäten und Unternehmen vorbereiteten oder vereinbart hatten. Daneben gab es auch Unternehmen, über deren Absichten überhaupt nichts bekannt war. Als Beispiel nannte er das Unternehmen Nanosearch mit Sitz in den USA. Er beklagte zudem, dass die Pharmaunternehmen aus den von ihnen getätigten Investitionen das Recht ableiteten, Neuentwicklungen nur entsprechend zahlungskräftigen Patienten zur Verfügung zu stellen. Diese Herangehensweise erfüllte Dr. Sigurdson regelmäßig mit Zorn. Dass moderne Medikamente und Therapien nicht den Armen dieser Welt zugänglich sein sollten, fand er als ethisch nicht vertretbar.

Gegen 19:00 Uhr war die Veranstaltung zu Ende. Gemeinsam fuhr man zu einem Restaurant auf dem Gelände der Universität, welches sich im Dachgeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes befand. Nach dem Abendessen lockerte sich die Gesellschaft etwas auf. Da Dr. Sigurdson ein höflicher Gast war, versuchte er, mit allen Anwesenden zu sprechen, obwohl er nicht bei bester Laune war. Er wartete seit Tagen auf eine E-Mail zur Bewilligung von Fördermitteln für eines seiner Projekte, die er bis jetzt nicht erhalten hatte. Es nützte auch nichts, dass er in der Hoffnung auf eine Nachricht ständig auf sein Handy schaute. Es war bereits nach 22:00 Uhr, als er beschloss, noch ein Glas Sekt zu trinken und sich danach zu verabschieden. Kaum hatte er sich ein Glas gegriffen, kam der Rektor der Universität auf ihn zu und verwickelte ihn in ein wissenschaftliches Gespräch. „Es war ein recht aufschlussreicher Vortrag Ihrerseits. Mich würde aber interessieren, wie lange es aus Ihrer Sicht noch dauern könnte, bis die Entwicklung von Nanotransportsystemen praxistaugliche Ergebnisse hervorbringen wird.“

Dr. Sigurdson antwortete: „Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, da sich bei einem technologischen Durchbruch die Entwicklung von solchen Transportsystemen stark beschleunigen wird. Man darf aber dabei nicht nur an komplizierte Mini-Transporter denken, sondern auch an sehr einfache Systeme, die es erlaubten, beispielsweise Krebserkrankungen besser behandeln zu können. An unserem Institut in Oslo arbeiten wir derzeit an einfach gestalteten Nanopartikeln, die in kleinste Gefäßabschnitte eines Tumors eindringen und sich an Zellwände anlagern können. Unsere Versuche, solche Partikel mit Antikörpern zu verknüpfen, machen bereits ganz gute Fortschritte. Unsere Arbeit wurde übrigens durch Forschungen inspiriert, die bereits vor etwa 20 Jahren in Südkorea an der Yonsei University mit Metallpartikeln gemacht wurden. Es bedarf jedoch weiterer intensiver Forschungen, um dieses Prinzip praxistauglicher zu machen. Falls wir eine einfache Technik zur Verknüpfung von Antikörpern entwickeln könnten, wäre das sicher ein großer Fortschritt.“

„Das ist sehr interessant“, sagte der Rektor. „Jedoch sind noch zahlreiche Fragen zu klären, beispielsweise, welche Wirkung kleinste Partikel auf die Funktion von Zellen, Enzymen oder Rezeptoren haben können. Da die Partikel wahrscheinlich sehr lange im Körper verbleiben, ist es durchaus vorstellbar, dass negative Auswirkungen auftreten können, über die wir heute noch sehr wenig wissen.“ Dr. Sigurdson konnte dies nur bestätigen: „Deshalb haben wir einen anderen Weg eingeschlagen. Wir experimentieren mit Käfigmolekülen, die hoffentlich Zellen nicht schädigen. Sie sollen den eigentlichen Wirkstoff abschirmen, so dass das Immunsystem diesen nicht angreift. Die Kopplung mit Antikörpern bereitet uns momentan noch ein paar Probleme. Wir sind jedoch überzeugt, diese in absehbarer Zeit zu lösen.“

Er diskutierte noch eine ganze Weile mit Prof. Beck über die Wirkungsweise von Nanopartikeln im menschlichen Körper. Obwohl er beschlossen hatte, in sein Hotel zu fahren, blieb er dennoch, um sich von seinem Ärger abzulenken, dass sein Institut offenbar den Zuschlag für die Fördermittel immer noch nicht erhalten hatte.

Inzwischen war es spät am Abend. Er ging auf die Dachterrasse, um den Ausblick auf die Stadt und die frische Luft zu genießen. Er überlegte, ob er morgen vielleicht die Innenstadt erkunden und noch einen Tag länger in Leipzig bleiben sollte. Das würde ihm außerdem die Möglichkeit eröffnen, sich kurzfristig mit einigen Wissenschaftlern zu treffen, die ihn herzlich eingeladen hatten, über Lösungsansätze zur Herstellung von Nanopartikeln zu diskutieren. Er war noch ganz in Gedanken versunken, als plötzlich sein Handy klingelte. Er sah auf das Display, auf dem der Eingang einer E-Mail angezeigt wurde. Mit einem Schlag war er hellwach und hoch konzentriert. Mit zitternden Fingern öffnete er die E-Mail. Er traute sich zuerst gar nicht, den Inhalt zu lesen, weil er befürchtete, dass sein Antrag auf Fördermittel nicht bewilligt worden war. In der Nachricht stand:

„Sehr geehrter Herr Dr. Sigurdson,

hiermit teilen wir Ihnen mit, dass ihr Fördermittelantrag zur weiteren Erforschung von Nanopartikeln bewilligt worden ist. Im Anhang zu dieser Nachricht finden Sie einen Vertrag mit weiteren Angaben und Einzelheiten, wie Höhe des Zuschusses, Modalitäten zur Auszahlung, etc.

Bitte bestätigen Sie uns umgehend den Erhalt dieser Nachricht und senden Sie uns ein unterschriebenes Exemplar des Vertrages schnellstmöglich zu.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung ihres Forschungsprojektes.

Hochachtungsvoll

Danielle Delacroix

Geschäftsführerin

Stiftung für die Förderung

innovativer Forschung und Entwicklung“

Sein Herz klopfte wie wild. Er konnte es noch gar nicht fassen, dass er nun doch seine Forschung wie geplant fortsetzen durfte. Er tippte auf den Anhang, um ihn zu öffnen. Statt eines Text- Dokumentes sah er aber leider nur ein schwarzes Display, auf dem einige weiße Lichtblitze erschienen. Dazu gab sein Handy ein paar hässliche Kratzgeräusche von sich. Prompt ärgerte er sich, weil aus seiner Sicht die Technik wieder einmal dann versagte, wenn er sie am dringendsten brauchte. Aber letztendlich war es egal, denn er konnte ja im Hotel auf seinem Laptop auf den Institutsserver zugreifen und dort seine Nachrichten nochmals anschauen. Jetzt konnte ihn nichts mehr davon abhalten, sofort ins Hotel zurückzufahren. Er machte sich auf den Weg von der Dachterrasse zurück ins Restaurant, um sich von seinen Gastgebern und den anderen Partygästen zu verabschieden. Als er die Treppe nach unten erreichte, überkam ihn eine leichte Übelkeit, die schnell zunahm. Ihm wurde heiß, sodass er den oberen Knopf seines Hemdes öffnete, um besser Luft bekommen. Er wollte, so schnell wie es ging, die Treppe hinuntergehen. Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen. Er spürte noch, wie er das Gleichgewicht verlor und die Treppe hinabstürzte, dann verlor er das Bewusstsein.

Unterdessen neigte sich die Party im Restaurant ihrem Ende zu. Eine allgemeine Aufbruchsstimmung machte sich breit. Auf dem Weg zum Ausgang fragte einer der Doktoranden Prof. Beck, ob er sich morgen noch einmal mit Dr. Sigurdson treffen würde. Prof. Beck sagte ihm, dass nichts geplant war, da er annahm, dass Dr. Sigurdson zurück nach Norwegen fliegen würde. Er fragte den Doktoranden, ob er Dr. Sigurdson gesehen habe, dann könne man ihn ja gleich fragen. Der Doktorand erinnerte sich, dass er Dr. Sigurdson vor einiger Zeit auf dem Weg zur Dachterrasse gesehen hatte. Prof. Beck fragte noch einige andere, ob Dr. Sigurdson ins Hotel gefahren war. Jedoch hatte niemand gesehen, dass er das Restaurant verlassen hatte. Außerdem hätte er sich mit Sicherheit von den anderen Gästen verabschiedet. „Wo ist er?“, fragte Prof. Beck die Anwesenden. Die naheliegende Erklärung für ihn war, dass er noch auf der Dachterrasse war. Er ging zur Tür ins Treppenhaus, als er einen markerschütternden Schrei von dort vernahm. Er riss die Tür auf und sah am Ende der Treppe einen regungslosen Körper, und darüber gebeugt, die Assistentin des Dekans, die mit weit aufgerissenen Augen auf den vor ihr liegenden Mann starrte. Sein erster Gedanke war: „Das kann nicht sein, das darf nicht sein.“ Dann versuchte er, den Norweger auf den Rücken zu drehen, was ihm im zweiten Versuch gelang. Er konnte weder Atmung noch einen Puls fühlen. Irgendjemand hatte inzwischen den Notarzt gerufen, der nach etwa 10 Minuten eintraf. Zwischenzeitliche Rettungsversuche eines anwesenden Medizinstudenten waren erfolglos geblieben. Der Notarzt versuchte, Dr. Sigurdson wiederzubeleben. Der Einsatz des Defibrillators hatte nicht den gewünschten Erfolg, ebenso wenig die Herzdruckmassage oder die Beatmung mit Sauerstoff, sodass man den Patienten auf schnellstem Wege in den Krankenwagen und mit Blaulicht in die nahe gelegene Uniklinik brachte.

Die Partygäste standen allesamt unter Schock und wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Prof. Beck rief die Polizei und bat alle Anwesenden, sich nach der Befragung durch die Polizei sofort nach Hause zu begeben. Nach weiteren 5 Minuten traf ein Streifenwagen ein, aus dem zwei Polizisten ausstiegen und Prof. Beck zu dem Unglück befragten. Anschließend sperrten sie das Restaurant und die Dachterrasse, um der Kriminalpolizei die Arbeit am Unglücksort zu ermöglichen. Prof. Beck fuhr nach seiner Aussage direkt in die Universitätsklinik, um sich beim Notarzt zum Zustand von Dr. Sigurdson zu erkundigen. Er musste vor der Notaufnahme eine ganze Weile warten, bis jemand vor die Tür kam, den er fragen konnte. Es war nicht der Notarzt, der Dr. Sigurdson zuerst versorgt hatte; es kam die diensthabende Notärztin zu ihm. Sie fragte ihn, ob er ein Verwandter von Dr. Sigurdson war, was er natürlich verneinte. Dann dürfe sie keine Auskunft geben, sagte sie. Prof. Beck erläuterte ihr, dass Dr. Sigurdson ein Gastreferent aus Norwegen war, der heute an der Universität einen Vortrag gehalten hatte und er als Gastgeber die Verantwortung für die Veranstaltung innehatte. Die Notärztin blieb jedoch hart, und so musste Prof. Beck unverrichteter Dinge nach Hause fahren. Auf der Heimfahrt wurde ihm bewusst, dass er keine Ahnung hatte, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Er wusste nur, dass spätestens morgen Mittag die Vertreter der Presse ihm die Tür einrennen würden....

Kapitel 1

Überraschende Wendungen

 

Der 21. Juni versprach, ein sonniger Tag zu werden. In der Redaktion der regionalen Zeitung „Leipzig News“ begannen sich ab 8:00 Uhr die Büros langsam zu füllen. Gegenüber vergangener Jahre hatte sich eigentlich nicht viel verändert, wenn man davon absah, dass das Arbeitspensum für die Mitarbeiter ständig gestiegen war. Darunter litt natürlich die journalistische Sorgfalt, aber das war den Eignern der „Leipzig News“ völlig egal. Der Erfolg eines Journalisten wurde hier nach der Anzahl seiner Beiträge gemessen und nicht nach deren Qualität. Dies hatte natürlich zur Folge, dass im Prinzip jeder Journalist ungeprüft Beiträge anderer Kollegen teilweise oder ganz übernahm, um seine Vorgaben im vorgegebenen Zeitrahmen zu erfüllen. Auch wurde von den Redakteuren verlangt, möglichst jeden Tag eine große Schlagzeile beizusteuern. Unter diesem Druck wurden vermehrt völlig banale Stories von B- oder C-Promis aufgebläht und veröffentlicht, nur um eine möglichst große Leserschaft zum Kauf der Zeitung zu bewegen.

In der für Wissenschaft und Technik zuständigen Abteilung war wegen des Personalmangels nur ein Redakteur und ein Praktikant mit den Berichten über neuartige Technik oder neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft betraut. Glücklicherweise lag die Universität Leipzig ganz in der Nähe, so dass man im Prinzip zu Fuß jede Fakultät erreichen konnte. Der Praktikant mit dem Namen Thomas Bauer war, um es vorsichtig zu formulieren, eine verkrachte Existenz. Er hatte kein einziges Semester in den drei Studiengängen, in denen er angefangen hatte, zu Ende gebracht. Somit war er eine ungelernte Kraft. Die Bezahlung war entsprechend schlecht. Deshalb konnte er sich nicht einmal eine eigene Wohnung leisten und lebte zeitweise bei seinen Eltern, wenn er nicht gerade eine neue Freundin hatte. Wegen seiner Oberflächlichkeit und seines wenig ausgeprägten Hangs, Verantwortung zu übernehmen, fand er nirgendwo eine Festanstellung. Er nahm deswegen auch seinen derzeitigen Job nicht allzu ernst, sehr zum Leidwesen seines Vorgesetzten Bernd Reinelt. Dieser wiederum hatte jegliche Hoffnung auf eine verantwortungsvolle journalistische Tätigkeit von Thomas Bauer aufgegeben. Aber auch er machte seinen Job mehr oder weniger engagiert. Mit den modernen Medien war es ihm dennoch möglich, einigermaßen vollwertige Artikel abzuliefern. Für heute hatte er zunächst eine Besprechung mit Thomas Bauer. Den hielt er nicht einmal für fachkompetent. Aus diesem Grund musste dieser auch alle Aufgaben übernehmen, zu denen er keine Lust hatte. So war es auch gestern, als er ihn zu einem Vortrag über Nanotechnologie an der Universität Leipzig geschickt hatte. Da die Veranstaltung am frühen Nachmittag stattfand, hatte er Thomas dahingehend instruiert, dass er nach der Veranstaltung nach Hause gehen könnte. Obwohl er es eigentlich hasste, sich mit seinen Kollegen zu duzen, war es üblich, sich mit dem Vornamen anzusprechen. Selbstverständlich hatte er Thomas untersagt, zu der anschließenden Party zu gehen, aber nur, weil er selber nicht konnte und andererseits nicht wollte, dass dieser Faulpelz sich auf Kosten der Redaktion amüsieren konnte.

Pünktlich um 10:00 Uhr klopfte es an seine Tür, und Thomas trat mit einem missgelaunten Ausdruck im Gesicht ein. Jeder der beiden wollte die Besprechung schnell hinter sich bringen, und so ergriff Bernd das Wort: „Wie war's denn gestern?“. „Eigentlich so, wie ich es erwartet hatte. Ein Haufen Fachchinesisch und eine anschließende Diskussion, der ich teilweise nicht folgen konnte. Aus diesem Grund habe ich das Heft mit den Reviews mitgebracht, so dass ich im Artikel die wichtigsten Aussagen wiedergeben kann. Der einzig interessante Vortrag war der von Dr. Sigurdson, welcher ein paar Ausführungen zu den Risiken der Anwendung von diesem Nanozeugs machte.“

„Lieber Thomas“, sagte Bernd in süffisantem Ton, „ich hoffe inständig, dass du diesmal einen Artikel zu Stande bringst, den man lesen kann. Ich habe nämlich inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass du jemals einen interessanten und auch noch verständlichen Artikel hinbekommst. Und falls es dir nichts ausmacht, sei so nett und bring mir dein Machwerk bis spätestens um drei, damit ich wenigstens die gröbsten Ungereimtheiten und Logikfehler korrigieren kann. Du weißt ja, dass ich heute Abend etwas vorhabe und schon um fünf zu Hause sein muss.“ Das war zwar glatt gelogen, aber warum sollte er sich länger damit beschäftigen?

Thomas schaute ihn ein wenig beleidigt an: „Kann ich jetzt gehen und mein unlogisches Machwerk zu Papier bringen?“

Bernd grinste: „Aber klar, ich will selbstverständlich deinem journalistischen Fleiß nicht im Wege stehen.“

Thomas sah seinen Chef fragend an: „Meinst du das jetzt sarkastisch?“

„Natürlich nicht, ich kenne deine Einstellung zu dieser Arbeit. Deine gründlichen Recherchen und deine Zuverlässigkeit sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. Wie lange bist du eigentlich dabei?“

Thomas sagte einigermaßen sauer: „Sechs Monate.“ Er drehte sich um, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, und knallte die Tür hörbar hinter sich zu.

Thomas ging zu seinem Schreibtisch und hatte eigentlich nur einen Gedanken: 'Bloß weg hier.'

Er griff sich das Heft mit der Übersicht zu den gestrigen Vorträgen und schrieb zunächst Stichwörter auf, die seiner Meinung nach in seinen Artikel unbedingt hineinmussten. Nach einer halben Stunde war er einigermaßen damit zufrieden und überzeugt davon, alle wesentlichen Punkte erfasst zu haben. Er war gerade dabei, seinen geistigen Erguss in eine Textform zu überführen, als seine Tür aufgerissen wurde und Bernd sein Büro (es war eigentlich nicht mehr als eine Abstellkammer) betrat. Bernd sagte in seinem wie üblich leicht sarkastischen Ton: „Wir haben soeben einen Anruf bekommen, dass dieser Dr. Sigurdson, zu dessen Vortrag du gestern warst, tot ist. Da der offenbar ein hohes Tier in der Wissenschaft war, hat die Universität eine kurzfristige Pressekonferenz für halb zwölf anberaumt. Sollte es dir dein straff gefüllter Terminplan erlauben, würde ich dich bitten, bei dieser Pressekonferenz zu erscheinen. Selbstverständlich verbiete ich dir, irgendwelche Fragen zu stellen, wir wollen ja unsere Zeitung nicht blamieren. Schneide alles Gesprochene mit, dann kommst du damit zurück in die Redaktion und gibst mir die Aufnahme.“

Thomas dachte wütend: 'Ach ja, jetzt wo abzusehen ist, dass sich vielleicht eine breite Leserschaft für einen Artikel interessieren würde (es gab ja wenigstens einen Toten in der Geschichte), darf ich nicht nur die ganze Arbeit machen, sondern dieser Idiot heimst die ganzen Lorbeeren ein.' Für Thomas war der Tag gelaufen. Er überlegte, wie lange er sich das noch gefallen lassen sollte. Gleichzeitig war ihm bewusst, dass er bei der derzeitigen Wirtschaftslage und seiner Ausbildung nirgendwo anders eine Arbeit finden würde. Aufs äußerste motiviert schlich er sich aus seinem sogenannten Büro und packte das Aufnahmegerät, seinen Laptop, einen ...

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