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Nachtschicht

Inhalt

Vorwort

Briefe aus Jerusalem

Spätschicht

Nächtliche Brandung

Ich bin das Tor

Der Wäschemangler

Das Schreckgespenst

Graue Masse

Schlachtfeld

Lastwagen

Manchmal kommen sie wieder

Erdbeerfrühling

Der Mauervorsprung

Der Rasenmähermann

Quitters, Inc.

Ich weiß, was du brauchst

Kinder des Mais

Die letzte Sprosse

Der Mann, der Blumen liebte

Einen auf den Weg

Die Frau im Zimmer

Quellennachweise

Vorwort

Unterhalten wir uns, Sie und ich. Unterhalten wir uns über Angst.

Das Haus ist leer, während ich diese Zeilen schreibe. Draußen fällt ein kalter Februar-Regen. Wenn der Wind aus der Richtung weht, aus der er gerade weht, haben wir manchmal Stromausfall. Aber im Augenblick brennt das Licht noch, also reden wir ganz aufrichtig über Angst. Reden wir darüber, wie man an den Rand des Wahnsinns kommt … und vielleicht auch noch ein Stück darüber hinaus.

Ich heiße Stephen King. Ich bin ein erwachsener Mann mit einer Frau und drei Kindern. Ich liebe sie, und ich glaube, dass dieses Gefühl erwidert wird. Mein Job ist das Bücherschreiben, und dieser Job gefällt mir sehr gut. Zur Zeit bin ich körperlich in einigermaßen gesunder Verfassung. Während des letzten Jahres habe ich geschafft, mir statt des filterlosen Krauts, das ich seit meinem achtzehnten Geburtstag geraucht habe, leichte Filterzigaretten mit niedrigem Nikotin- und Teergehalt anzugewöhnen. Ich hoffe immer noch, dass ich es mir eines Tages ganz abgewöhne. Meine Familie und ich leben in einem hübschen Haus neben einem relativ sauberen See in Maine. Im letzten Herbst wachte ich eines Morgens auf und sah einen Hirsch auf dem Rasen hinter unserem Haus neben dem Gartentisch. Wir führen ein gutes Leben.

Trotzdem … reden wir über Angst. Wir wollen die Stimme dabei nicht heben, und wir werden nicht schreien. Wir unterhalten uns auf einer völlig rationalen Ebene, Sie und ich. Wir reden über die Art, auf die sich das schöne Gefüge der Dinge unserer Welt manchmal mit schockierender Plötzlichkeit auflöst.

Wenn ich abends ins Bett gehe, achte ich noch immer sorgfältig darauf, dass meine Beine schön unter der Decke liegen, sobald ich das Licht ausknipse. Ich bin kein kleiner Junge mehr, aber … ich schlafe nicht gerne mit einem aufgedeckten Bein. Denn wenn eine kalte Hand von unter dem Bett nach meinem Fußgelenk greift, dann würde ich laut kreischen. Ja, ich würde schreien, dass die Toten aufwachen. Natürlich passiert so etwas nicht, und wir alle wissen das. In den folgenden Geschichten werden Ihnen alle möglichen Arten von Nachtgeschöpfen begegnen: Vampire, Wiedergänger, das Ding, das im Kleiderschrank haust, jede Art von Horror. Nichts davon ist real. Das Ding, das unter dem Bett darauf lauert, meinen Fuß zu packen, ist nicht real. Ich weiß das, aber ich weiß auch, dass es mich nie erwischen wird, solange ich meinen Fuß gut unter der Decke halte.

Manchmal spreche ich vor Menschen, die an der Schriftstellerei oder an Literatur interessiert sind, und bevor das »Bitte stellen Sie jetzt dem Autor Ihre Frage« vorbei ist, steht immer jemand auf und stellt die Frage: »Warum haben Sie sich entschieden, über solche grauenvollen Dinge zu schreiben?«

Normalerweise antworte ich darauf mit der Gegenfrage: »Warum nehmen Sie an, ich hätte mir das frei aussuchen können?«

Das Schreiben ist eine Art »Catch-as-catch-can«. Wir alle scheinen bestimmte Sorten Filter im Kopf zu haben, und diese Filter haben ihre unterschiedlichen Größen und Dichten. Was in meinem hängen bleibt, kann bei Ihnen durchrutschen, und umgekehrt. Wir alle scheinen auch ein Bedürfnis eingebaut zu haben, uns das Zeug regelmäßig genauer anzusehen, das sich in unseren Wahrnehmungsfiltern ansammelt. In der Regel beschäftigen wir uns nebenher damit. Der Kassierer ist Hobbyphotograph. Der Astronom mag Münzen sammeln. Der Lehrer zeichnet in seiner Freizeit Grabsteine nach. Der Müll aus dem Filter im Kopf, was einem dort hängen bleibt, wird meist unsere private Leidenschaft – unser »Hobby«, wie wir uns in einer zivilisierten Gesellschaft geeinigt haben, die Sache zu nennen.

Manchmal kann dieses Hobby auch zu einer Vollzeitbeschäftigung werden. Der Kassierer stellt vielleicht fest, dass er mit seinen Photos genug Geld verdienen kann, um die Familie durchzubekommen. Und es gibt einige Beschäftigungen, die als Hobby beginnen und Hobbys bleiben, selbst wenn der Hobbyfreund damit längst seinen Lebensunterhalt verdient. Aber weil Hobby so ein gewöhnlich und alltäglich klingendes Wort ist, haben wir uns auch wortlos darauf geeinigt, dass wir unsere professionellen Hobbys »Kunst« nennen.

Malerei, Bildhauerei, Komposition, Gesang, Schauspielerei. Das Spielen eines Musikinstrumentes. Allein über diese sechs Beschäftigungen sind genug Bücher geschrieben worden, um damit eine ganze Flotte von Luxusdampfern zu versenken. Doch die einzige Sache, in der all diese Werke übereinstimmen, ist: Wer immer Kunst praktiziert und es ernst damit meint, wird mit seiner Kunst auch fortfahren, selbst wenn er für seine Anstrengungen von niemandem einen Pfennig bekommt, selbst wenn seine Anstrengungen kritisiert oder abgelehnt werden, ja selbst wenn man ihm seine Kunst bei Todesstrafe verbieten würde. Für mich scheint dies eine recht passende Beschreibung von etwas zu sein, das man obsessives Verhalten nennt. Es gilt genauso für die schlichteren Hobbys. Waffensammler in den Staaten haben Autoaufkleber mit der Aufschrift: Meine Pistole bekommt nur, wer sie mir aus den toten Fingern windet! Falls morgen das Münzensammeln verboten wird, würde unser Astronom mit Sicherheit seine Sammlung nicht abliefern, sondern sie, in Plastik gewickelt, im Wassertank der Toilette versenken, um nach Mitternacht heimlich seine Kupferpfennige auf dem Klo zu genießen.

Wir scheinen uns von unserem Thema Angst entfernt zu haben, aber wir sind nicht weit vom Weg abgekommen. Das Zeug, das sich in meinem Filter ansammelt, ist oft der Stoff, aus dem unsere Ängste gemacht sind. Meine Obsession gilt dem Makabren. Keine der folgenden Geschichten habe ich wegen des Geldes geschrieben, auch wenn ein paar davon vorher an Zeitschriften verkauft wurden, auch wenn ich nie einen Scheck zurückgeschickt habe. Ich mag eine Obsession haben, aber verrückt bin ich nicht. Doch ich wiederhole: keine Geschichte wurde wegen des Honorars geschrieben. Ich schrieb sie alle, weil mir danach war, solche Geschichten zu schreiben. Meine Obsession lässt sich vermarkten. Es gibt Verrückte in den Gummizellen überall auf der Welt, die solches Glück nicht haben.

Ich bin kein großer Künstler, aber ich habe immer einen Drang zum Schreiben gespürt. Also schütte ich jeden Tag meinen Filter aus, sehe mir die Erinnerungsfetzen und Beobachtungsstücke an und versuche, etwas aus dem Zeug zu machen, was nicht direkt durch den Filter hindurch in mein Unterbewusstsein sinken kann.

Louis L’Amour, der Westernautor, und ich könnten zusammen am Rand eines kleinen Teiches in Colorado stehen und wir könnten beide gleichzeitig die Idee zu einer Geschichte haben. Seine Story würde vom Krieg um Wasserrechte in der Trockenzeit handeln, meine wahrscheinlich von einem furchtbaren, lauernden Etwas, das aus dem stillen Wasser kriecht, um Schafe fortzuschleppen … und Pferde … und schließlich Menschen. Louis L’Amours Obsession ist die Zeit des »Wilden« Westens. Ich tendiere mehr zu den Dingen, die in mondlosen Nächten herumkriechen. Er schreibt Western, ich schreibe Gruselgeschichten. Beide haben wir nicht alle Tassen im Schrank.

Die Künste sind Leidenschaften, und Leidenschaften sind gefährlich. Sie sind wie ein Messer im Kopf. In einigen Fällen – Dylan Thomas fällt mir ein, oder Hart Crane und Sylvia Plath – kann das Messer den treffen, der es selbst führt. Kunst ist eine lokalisierte Krankheit, gewöhnlich gutartig-kreative Menschen werden oft sehr alt –, manchmal aber auch bösartig. Man benutzt das Messer vorsichtig, denn man weiß, es ist ihm gleich, wen es schneidet. Und wenn man klug ist, leert man auch seinen Filter im Kopf vorsichtig aus … denn von dem Zeug darin könnte einiges noch nicht ganz tot sein.

Die andere Frage, mit der ich bei Lesungen oder Signierstunden häufig konfrontiert werde, lautet: Warum lesen Leute so was? Warum verkaufen sich Ihre Geschichten?

Diese Frage impliziert eine unausgesprochene Vermutung – die Vermutung, dass die Lektüre einer Story der Angst und des Horrors irgendwie von einem ungesunden Geschmack zeugt. In Briefen von Lesern stoße ich oft auf Sätze wie: »Vielleicht bin ich ein wenig morbid, aber ich habe ›Shining‹ von der ersten bis zur letzten Seite genossen …«

Ich glaube, der Schlüssel zu dieser Einstellung lässt sich in einem Satz finden, den ich in einer Filmkritik in »Newsweek« zu einem nicht besonders guten Horrorfilm fand. Er lautete ungefähr: »… ein wunderschöner Film für Leute, die Spaß daran finden, wenn sie einen Autounfall bemerken, langsam daran vorbeizufahren und ihn sich genau anzusehen.« Das ist eine gute, treffende Bemerkung, aber wenn man genauer darüber nachdenkt, trifft sie auf alle Horrorfilme und -geschichten zu. George Romeros »Die Nacht der lebenden Toten« mit seinen grausamen Szenen von Kannibalismus und Muttermord war sicher ebenso ein Film für Leute, die sich gerne die Autounfälle genau ansehen; und wie war das wohl mit diesem kleinen Mädchen, das einen Priester mit Erbsensuppe bespuckte, in »Der Exorzist«? In Bram Stokers »Dracula«, den man oft als Muster des modernen Horrorromans heranzieht (zu Recht, denn es ist der erste Roman seiner Art mit offenkundigen Freudschen Obertönen), kommt ein Verrückter namens Renfeld vor, der Fliegen herunterschlingt, Spinnen und schließlich einen ganzen Vogel. Er würgt den Vogel wieder aus, nachdem er ihn mit Federn und allem geschluckt hat. Zum Roman gehört auch die Pfählung – die rituelle Penetration, kann man sagen – eines jungen und schönen weiblichen Vampirs und der Mord an einem Baby und seiner Mutter.

Auch die große Literatur des Übernatürlichen weist oft dasselbe »Lass uns den Unfall genauer ansehen«-Syndrom auf: Beowulf erschlägt Grendels Mutter; der Erzähler in »Das verräterische Herz«, der seinen kranken Wohltäter umbringt und zerstückelt unter den Dielen versteckt; der grimmige Kampf von Sam, dem Hobbit, mit der Spinne Kankra in Tolkiens »Ring-Trilogie«.

Einige werden hier gegen diese Gedankenführung sehr entschieden einwenden, dass es auch subtilere Geschichten gibt, dass Henry James uns in »Die Tortur« keinen Autounfall zeigt, oder dass Nathaniel Hawthornes makabre Geschichten von wesentlich besserem Geschmack zeugen als »Dracula«. Doch dies ist ein unsinniger Einwand. Auch sie zeigen uns den Autounfall; die Leichen sind bei ihnen fortgeschafft, aber man kann noch immer die zerquetschten Autowracks mit dem Blut auf den Polstern sehen. In mancher Hinsicht ist sogar die klare Eindringlichkeit von Hawthorne, sein bewusstes Weglassen des Melodramatischen und sein gelehrter, vorsichtiger Tonfall der Rationalität noch viel schrecklicher als Lovecrafts Monstrositäten oder Poes Foltern in »Die Grube und das Pendel«.

Tatsache ist einfach – und im Grunde unseres Herzens wissen wir das fast alle –, dass nur sehr wenige an dem Unfall vorbeifahren können, ohne nicht einen schnellen, neugierigen und unbehaglichen Blick auf die Autowracks zu werfen, die da vom flackernden Blaulicht eingerahmt werden. Rentner schlagen die Zeitung erst einmal auf der Seite mit den Todesanzeigen auf, um zu sehen, wen sie überlebt haben. Wir alle sind für einen Augenblick unbehaglich gebannt, wenn wir erfahren, dass eine Janis Joplin gestorben ist, ein John Lennon oder sonst jemand, dessen Tod unerwartet eingetreten ist. Wir verspüren Entsetzen, vermischt mit einer eigenartigen Faszination, wenn wir in der Boulevard-Presse lesen, dass eine Frau auf einem kleinen Landflughafen während eines dichten Regenschauers in einen laufenden Propeller gestolpert ist, oder dass ein Mann von einer Stahlpresse erfasst und zerquetscht wurde. Es ist nicht notwendig, weiter für diese offenkundige Tatsache zu argumentieren: Das Leben steckt voller großer und kleiner Schrecken, aber weil die kleinen Katastrophen diejenigen sind, die unsere Vorstellungskraft nicht überschreiten, sind sie es, die uns am deutlichsten mit unserer Sterblichkeit konfrontieren.

Unser Interesse an solchen Westentaschen-Schrecken lässt sich nicht leugnen, aber ebenso wenig lässt sich unser angeekeltes Schaudern bestreiten. Beides mischt sich auf beunruhigende Weise, und ein Nebenergebnis dieser Mixtur scheinen Schuldgefühle zu sein … Schuldgefühle, nicht unähnlich denjenigen, die wir beim Erwachen unserer Sexualität erleben.

Es ist nicht meine Sache, jemandem zu erzählen, hier seien Schuldgefühle angebracht, genauso wenig wie ich meine Romane und Kurzgeschichten rechtfertigen will. Aber zwischen Sex und Furcht lässt sich eine interessante Parallele beobachten. Während wir zur körperlichen Fähigkeit zu sexuellen Beziehungen reifen, erwacht unser Interesse an solchen Beziehungen; dieses Interesse wendet sich, soweit es nicht pervertiert wird, auf natürliche Weise der Kopulation und damit der Erhaltung unserer Art zu. Während uns unser eigenes unvermeidliches Ende bewusst wird, erwacht in uns das Gefühl für Furcht. Und ich bin der Ansicht, dass, wie alle Kopulation letztlich der Selbsterhaltung dient, alle Furcht letztlich dem Begreifen unseres unabwendbaren Todes dient.

Es gibt die alte Geschichte über die sieben Blinden, die sieben verschiedene Teile eines Elefanten zu fassen bekommen. Einer von ihnen meinte, er hätte eine Schlange, ein anderer, er hätte ein riesiges Palmenblatt, ein dritter, er würde eine steinerne Säule berühren. Als sie ihre Beobachtungen dann zusammentrugen, stellten sie fest, dass es ein Elefant war.

Furcht ist die Emotion, die uns blind macht. Vor wie vielen Dingen fürchten wir uns? Wir fürchten uns, das Licht anzuknipsen, wenn wir nasse Hände haben. Wir fürchten uns, mit einem Messer im Toaster herumzustochern, um den angeschmorten Toast herauszubekommen, solange der Stecker noch nicht abgezogen ist. Wir fürchten uns vor dem, was der Arzt uns nach der Röntgenuntersuchung sagt; und genauso, wenn das Flugzeug plötzlich in ein Luftloch sackt. Wir fürchten uns davor, dass es mit dem Öl zu Ende geht, mit dem Trinkwasser, mit dem guten Leben. Wenn die Tochter versprochen hat, um elf Uhr zu Hause zu sein, und jetzt ist es Viertel nach zwölf und der Regen hämmert gegen die Fensterscheiben, sitzen wir vor dem Fernseher und tun so, als wollten wir uns unbedingt den Spätfilm ansehen, während wir immer wieder nach dem stummen Telefon schielen; und wir fühlen jene Emotion, die uns blind macht, die Emotion, die jeden vernünftigen Gedankengang ruiniert.

Der Säugling ist ein angstfreies Wesen, bis die Mutter ihm zum ersten Mal nichts zum Saugen in den Mund schieben kann, wenn er schreit. Das Kleinkind entdeckt schnell die erschreckenden und schmerzhaften Wahrheiten einer zuschlagenden Türe, des heißen Ofens, des Fiebers, das mit den Masern und dem Keuchhusten kommt. Kinder lernen Furcht schnell; sie lernen sie aus dem Gesicht des Vaters oder der Mutter, wenn die Eltern ins Badezimmer kommen und ihre Kleinen mit Rasierklingen oder Tablettenrollen spielen sehen.

Furcht macht uns blind, und wir nähern uns unseren Ängsten mit all der typischen Neugier des Selbstinteresses, indem wir versuchen, aus den Hunderten verschiedenen Ängsten auf das Ganze, die eine große Angst, zu schließen, genau wie die Blinden mit ihrem Elefanten.

Wir bekommen so langsam einen Eindruck von der Gestalt der Sache. Kinder erfassen sie leicht, vergessen sie wieder, um sie als Erwachsene erneut zu lernen. Die Sache ist da, und die meisten von uns kommen früher oder später zu der Erkenntnis, womit wir es bei ihr zu tun haben: Es ist die Gestalt eines Körpers unter einem Tuch. All unsere Ängste zusammen ergeben zusammen die eine große Furcht, all unsere Ängste sind Teil dieser einen Furcht – ein Arm, ein Bein, ein Finger, ein Ohr. Wir haben Angst vor dem Körper unter dem Tuch, dieser stummen reglosen Gestalt. Es ist unser Körper. Und die große Anziehungskraft der unheimlichen Phantastik war zu allen Zeiten, dass sie uns als Probeaufführung unseres eigenen Todes dient.

Das Genre hat sich selten besonderer literarischer Wertschätzung erfreut. Lange Zeit waren die Franzosen die einzigen Freunde von Poe und Lovecraft. Die Franzosen haben offenbar zu einem Arrangement mit dem Sex und dem Tod gefunden, zu dem sich Poes und Lovecrafts amerikanische Mitbürger nie durchringen konnten. Die Amerikaner waren zu eifrig damit beschäftigt Eisenbahnen und Flugplätze zu bauen, und Poe und Lovecraft starben gebrochen. Tolkiens Fantasy-Trilogie von Mittelerde verstaubte zwanzig Jahre in den Buchhandlungen, bis sie von einem Geheimtipp zum Bucherfolg wurde. Und Kurt Vonnegut, dessen Bücher sich so oft mit dem Gedanken der Generalprobe des Todes beschäftigen, haben immer gegen eine wütende Kritik anzukämpfen gehabt, die sich teilweise bis zur Hysterie steigerte.

Das mag daran liegen, dass der Horror-Autor immer schlechte Nachrichten zu melden hat: du musst sterben, sagt er; er erzählt Ihnen, dass Sie sich nichts aus all der aufbauenden Alltagspsychologie in der Art von »es wird Ihnen immer wieder etwas Gutes widerfahren« machen sollen, denn es wird Ihnen auch immer etwas Schlechtes passieren, und das könnte ein Schlaganfall sein, Krebs, ein Autounfall, aber es kommt bestimmt. Und er nimmt Sie bei der Hand, öffnet Ihnen Ihre Hand, führt Sie in das Zimmer und legt Ihre Hand auf die Form unter dem Tuch … und sagt Ihnen, dass Sie diese Gestalt unter dem Tuch berühren sollen … hier … und hier … und da …

Natürlich ist das Thema der Angst und des Todes nicht exklusiv für den Horror-Autor reserviert. Eine ganze Reihe von Schriftstellern der sogenannten »Hochliteratur« haben sich mit diesen Fragen beschäftigt und auf die verschiedenste Art – von Dostojewski »Schuld und Sühne« über Edward Albees »Wer hat Angst vor Virginia Woolf« zu Ross MacDonalds Lew-Archer-Geschichten. Die Angst ist immer ein großes Thema gewesen. Der Tod ist immer eines gewesen. Sie sind zwei der menschlichen Konstanten. Aber nur der Autor von unheimlichen und phantastischen Geschichten gibt dem Leser die Möglichkeit zu einer totalen Identifikation und Katharsis. Wer in diesem Genre schreibt und auch nur die blasseste Ahnung hat von dem, was er da tut, weiß, dass es sich bei dem ganzen Gebiet der unheimlichen Phantastik um einen Filter zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein handelt. Horrorgeschichten sind wie ein U-Bahn-Hauptbahnhof in der menschlichen Psyche, wo sich die blaue Linie dessen, was wir uns unbesorgt aneignen, mit der roten Linie dessen kreuzt, was wir auf die eine oder andere Art wieder loswerden müssen.

Wenn man unheimliche Geschichten liest, glaubt man nicht wirklich, was der Autor da geschrieben hat. Wir glauben nicht an Vampire, Werwölfe oder Lastwagen, die plötzlich von selbst fahren. Die Schrecken, an deren Realität wir alle glauben, sind die, über die Dostojewski, Albee oder MacDonald schreiben: Hass, Entfremdung, ungeliebt alt werden zu müssen, auf unsicheren Teenagerbeinen in eine feindliche Erwachsenenwelt zu stolpern. In unserer realen Alltagswelt sind wir oft wie Theatermasken von Tragödie und Komödie, auf der Außenseite grinsend, nach innen Grimassen schneidend. Und irgendwo in uns gibt es eine Art zentrale Umschaltstelle, einen Transformator, wo die Drähte von den beiden Masken miteinander verbunden sind. Diese Stelle ist es, an der uns die Horrorgeschichte zu packen bekommt.

Der Horror-Autor unterscheidet sich nicht sehr vom walisischen Sündenesser, der die Sünden des teuren Verblichenen auf sich nimmt, indem er das Brot des teuren Verblichenen isst. Die Geschichte der Monstrositäten und des Grauens ist ein Korb, vollgepackt mit Problemen; wenn der Schriftsteller vorbei kommt, nimmt man einen von seinen imaginären Schrecken aus dem Korb und legt einen eigenen wirklichen dafür hinein – für eine Zeit lang jedenfalls …

Die Werke von Edward Albee, von Steinbeck, Camus, Faulkner – sie handeln von Angst und Tod, manchmal auch von Horror, aber für gewöhnlich befassen sich die Autoren der Hochliteratur auf eine realere, alltäglichere Weise damit. Ihre Werke gehören in den Rahmen der rationalen Welt; es sind Geschichten, die »passieren könnten«. Sie gehören zu der U-Bahn-Linie, die draußen durch die äußere Welt führt. Es gibt andere Autoren – James Joyce, Faulkner beherrscht beides, Lyriker wie T. S. Eliot oder Sylvia Plath und Anne Sexton –, deren Werk im Land des symbolischen Unterbewusstseins angesiedelt ist. Sie fahren mit der Linie, die durch die Landschaften der Innenwelt führt. Aber der Horror-Schreiber befindet sich fast immer an jenem zentralen Umsteigebahnhof, an dem sich alle Linien treffen. Wenn er sein Bestes gibt, haben wir oft jenes unheimliche Gefühl, nicht zu wachen und nicht zu schlafen, wenn die Zeit sich zur Endlosigkeit zerdehnt, wenn wir Stimmen hören, aber ihre Worte nicht verstehen, wenn der Traum uns real erscheint und die Realität wie ein Traum.

Ein seltsamer und wunderbarer Umsteigebahnhof ist das. Hill House befindet sich dort, wo die Züge in beide Richtungen abfahren, mit seinen geisterhaft verschlossenen Türen; die Ringgeister, die Frodo und Sam verfolgen, sind dort; und Pickmans Modell; der Wendigo; Norman Bates und seine furchtbare Mutter. Kein Wachen oder Träumen gibt es auf jenem Bahnhof, nur die Stimme des Autors ist da, gedämpft und rational, und sie erzählt davon, wie die solide Struktur der Wirklichkeit mit schockierender Plötzlichkeit einen Riss bekommen kann. Er erzählt dir, dass du den Autounfall sehen willst, und ja, er hat Recht – du willst. Da ist eine tote Stimme am anderen Ende der Leitung mitten in der Nacht … hinter den Wänden des alten Hauses bewegt sich etwas, das sich größer als eine Ratte anhört … eine Bewegung im Dunkeln am Ende der Kellertreppe. Er will, dass du all diese Dinge siehst und noch mehr; er will, dass du deine Hand auf die Gestalt unter dem Tuch legst. Und du willst auch mit deinen Händen nach ihr fühlen. Ja, das willst du.

Dies sind einige von den Dingen, die eine Horrorgeschichte meinem Gefühl nach bewirkt, aber ich bin felsenfest überzeugt, dass sie außerdem noch etwas bewirken muss, und das vor allem anderen: Sie muss eine Geschichte erzählen, die den Leser oder Zuhörer für eine Weile in ihrem Bann hält, verloren in einer Welt, die niemals war und niemals sein kann. Mein ganzes Leben als Schriftsteller bin ich immer von einem überzeugt gewesen: In der Fiktion muss die Geschichte selbst so gut sein, dass sie alle anderen Qualitäten des Autors in den Schatten stellt; Charakterisierung, Stil, Thema, Stimmung, das alles bedeutet nichts, wenn die Geschichte langweilig ist. Und wenn die Geschichte fesselt, kann der Leser alles andere verzeihen. Meine Lieblingszeile in dieser Hinsicht stammt aus der Feder von Edgar Rice Burroughs, kein Kandidat für den Ruhm eines großen Dichters der Weltliteratur, aber jemand, der den Wert einer guten Geschichte völlig verstanden hat. Auf der ersten Seite von »The Land That Time Forgot« findet der Erzähler ein Manuskript in einer Flasche. Das restliche Buch besteht aus der Wiedergabe dieses Manuskriptes. Der Erzähler sagt: »Lesen Sie eine Seite, und ich bin vergessen.« Das ist ein Versprechen, das Burroughs hält – vielen Schriftstellern mit größerem Talent, als er es besaß, ist das nicht gelungen.

Stephen King

Briefe aus Jerusalem

2. Oktober 1850

Liebes Bones,

wie wohl es tat, in die kalte, zugige Halle hier von Chapelwaite zu treten, jeder Knochen von dieser grässlichen Kutsche schmerzend und mit dem dringenden Bedürfnis, meine drückende Blase zu erleichtern – und den Brief, adressiert in Deinem unnachahmlichen Gekritzel zu sehen, der auf dem hässlichen kleinen Kirschholztisch neben der Tür lehnte! Sei versichert, dass ich mich an seine Entzifferung gemacht habe, sobald ich die Bedürfnisse des Körpers erledigt hatte (in einem kühl ausgestatteten Badezimmer im unteren Stock, wo ich den Atem vor meinen Augen aufsteigen sehen konnte).

Es freut mich zu hören, dass Du von dem Miasma genesen bist, das so lange Deine Lunge befallen hatte, obwohl ich Dir versichern kann, dass ich vollstes Verständnis für das moralische Dilemma habe, in das Dich die Heilung gestürzt hat. Ein kränkelnder Abolitionist, der vom sonnigen Klima des Sklavenstaates Florida geheilt wird! Trotz und alledem, Bones, bitte ich Dich als Freund, der ebenfalls im finsteren Tal gewandelt ist, gut auf Dich aufzupassen und erst dann nach Massachusetts zurückzukehren, wenn es Dein Körper erlaubt. Was helfen uns Dein scharfer Geist und Deine spitze Feder, wenn Du Asche bist, und wenn der Süden eine heilsame Region ist, liegt in dieser Tatsache nicht poetische Gerechtigkeit?

Wirklich, das Haus ist genauso prachtvoll, wie ich es nach den Aussagen der Testamentsvollstrecker meines Cousins annehmen durfte, allerdings sehr düster. Es liegt auf einer gewaltigen, vorragenden Landspitze vielleicht drei Meilen nördlich von Falmouth und neun Meilen nördlich von Portland. Dahinter schließen sich etwa vier Morgen Land an, das auf unglaubliche Art und Weise verwildert ist – Wacholder, Gestrüpp, Gebüsch und verschiedene Arten von Kletterpflanzen ranken wild über die pittoresken Steinmauern, die den Besitz vom Stadtgebiet trennen. Abscheuliche Imitationen griechischer Statuen starren von kleinen Hügeln blind durch die Wildnis – meist scheint es, als warteten sie darauf, sich auf den Vorübergehenden zu stürzen. Der Geschmack meines Cousins hat anscheinend die ganze Stufenleiter von untragbar bis regelrecht schreckenerregend umfasst. Inmitten eines offensichtlich ehemaligen Gartens habe ich eine seltsame kleine Laube entdeckt, die fast gänzlich von scharlachrotem Sumach überwuchert ist, und eine groteske Sonnenuhr. Dies vervollständigt den Eindruck des Wahnsinns.

Doch die Aussicht vom Salon entschädigt dafür mehr als genug; von hier habe ich einen schwindelerregenden Ausblick auf die Felsen am Fuß von Chapelwaite Head und auf den Atlantik, auf den ein großes, bauchiges Erkerfenster hinausgeht, neben dem ein mächtiger Sekretär steht. Er passt ausgezeichnet, um mit jenem Roman zu beginnen, über den ich so lange (und zweifellos bis zum Überdruss) geredet habe.

Der heutige Tag war grau mit gelegentlichen Regengüssen. Wenn ich hinausblicke, gleicht alles einer Studie in Schiefer: die Felsen, alt und ausgelaugt wie die Zeit selbst, der Himmel und natürlich die See, die mit einem Geräusch gegen die zerklüfteten Granitfelsen unter mir kracht, das eigentlich kein Geräusch, sondern Vibration ist; ich kann die Wellen sogar jetzt, während ich schreibe, durch meine Füße spüren. Ein Gefühl, das nicht unbedingt unangenehm ist.

Ich weiß, dass Du meine Vorliebe für die Einsamkeit missbilligst, lieber Bones, aber sei versichert, dass es mir gut geht und ich glücklich und zufrieden bin. Calvin ist bei mir, praktisch, schweigsam und zuverlässig wie immer, und ich bin sicher, dass wir beide bis Mitte der Woche alle wichtigen Dinge geregelt und die nötigen Lieferungen aus der Stadt arrangiert haben – und dass dann eine Kompanie Reinigungsfrauen anfängt, den Staub aus diesem Haus zu vertreiben!

Ich werde jetzt schließen; es gibt so vieles, das ich noch nicht gesehen habe, Räume, die noch erforscht werden müssen, und zweifellos tausend scheußliche Möbelstücke, die diese sensiblen Augen noch begutachten müssen. Noch einmal meinen Dank für das Gefühl von Vertrautheit, das Dein Brief mitgebracht hat und für Deine beständige Freundschaft.

Alles Liebe für Deine Frau und für Dich,

CHARLES.

6. Oktober 1850

Liebes Bones,

welch ein Ort!

Er erstaunt mich immer wieder von neuem – genau wie die Reaktionen der Bewohner des nächstgelegenen Dorfes. Es handelt sich um einen seltsamen kleinen Ort mit dem pittoresken Namen Preacher’s Corners. Hier hat Calvin unsere wöchentlichen Vorräte bestellt und gleichzeitig auch den zweiten Auftrag erledigt, sich um einen ausreichenden Vorrat an Klafterholz für den Winter zu kümmern. Cal kehrte jedoch mit düsterer Miene zurück, und als ich ihn fragte, was es denn gäbe, erwiderte er grimmig:

»Man hält Sie für verrückt, Mr. Boone!«

Ich lachte und antwortete, dass die Leute möglicherweise von der Gehirnentzündung gehört hätten, an der ich nach dem Tod meiner Sarah gelitten habe – damals habe ich sicher wild genug phantasiert, wie du bezeugen könntest.

Doch Cal beteuerte, dass niemand etwas von mir wisse, außer über meinen Cousin Stephen, der dort die gleichen Dienste in Auftrag gegeben hatte, wie ich es jetzt getan habe. »Was sie gesagt haben, Sir, war, dass jeder, der in Chapelwaite lebt, entweder verrückt sein muss oder Gefahr läuft, es zu werden.«

Ich war völlig perplex, wie Du Dir vielleicht vorstellen kannst, und fragte ihn, woher er diese erstaunliche Aussage habe, worauf er mir erklärte, dass sie von einem mürrischen und törichten Holzfäller namens Thompson stamme, der vierhundert Morgen Kiefern-, Birken-und Fichtenbestand besitzt und der zusammen mit seinen fünf Söhnen Holz fällt, um es an die Sägewerke in Portland und die Haushalte in der unmittelbaren Umgebung zu verkaufen.

Als ihm Cal, der von seinem seltsamen Vorurteil nichts wusste, die Adresse nannte, zu der das Holz gebracht werden sollte, starrte ihn dieser Thompson mit weit offenem Mund an und sagte, dass er seine Söhne mit dem Holz schicken würde, bei hellem Tageslicht und über die Küstenstraße.

Calvin, der meine Belustigung offensichtlich als Besorgnis auslegte, beeilte sich hinzuzufügen, dass der Mann nach billigem Whisky gerochen habe und dass er danach in irgendwelchen Unsinn über ein verlassenes Dorf und Cousin Stephens Bindungen – und über Würmer verfallen sei! Calvin schloss das Geschäft dann mit einem von Thompsons Söhnen ab, der, wie ich verstanden habe, ziemlich unfreundlich war und dem Geruch nach selbst nicht ganz nüchtern zu sein schien. Offensichtlich ist Cal in Preacher’s Corners selbst auf eine ähnliche Reaktion gestoßen, und zwar in der dortigen Gemischtwarenhandlung, wo er mit dem Ladenbesitzer gesprochen hat, obwohl es sich dabei wohl mehr um Klatsch handelt, wie man ihn sich hinter vorgehaltener Hand erzählt.

Ich mache mir weiter keine Gedanken darüber; wir wissen ja, wie gern die Landbevölkerung ihr Leben mit dem Geruch nach Skandal und Schauermärchen bereichert, und ich nehme an, dass der arme Stephen und seine Seite der Familie da ein dankbares Opfer waren. Wie ich Cal sagte, wenn ein Mann praktisch von seiner eigenen Veranda zu Tode stürzt, bleibt es natürlich nicht aus, dass die Leute reden.

Das Haus selbst ist eine ständige Quelle von Überraschungen. Dreiundzwanzig Zimmer, Bones! Die Holztäfelung in den oberen Etagen und die Gemäldegalerie sind zwar vom Schimmel befallen, aber im Übrigen stabil. Als ich im Schlafzimmer meines verstorbenen Cousins im oberen Stock stand, konnte ich dahinter die Ratten rumoren hören. Den Geräuschen nach zu schließen, die sie verursachen, müssen es ziemlich große Tiere sein – es hört sich fast so an, als ob dort Menschen gingen. Ich möchte keiner im Dunkeln begegnen; übrigens auch nicht im Hellen. Seltsam ist allerdings, dass ich weder Löcher noch Kot bemerkt habe. Wirklich merkwürdig.

In der oberen Galerie hängen eine Reihe schlechter Porträts in Rahmen, die ein Vermögen wert sein müssen. Einige weisen eine gewisse Ähnlichkeit mit Stephen auf, wie ich mich seiner entsinne. Ich glaube, dass ich meinen Onkel Henry Boone und seine Frau Judith erkannt habe; die übrigen sind mir fremd. Ich nehme an, dass eins der Porträts mein eigener wohlbekannter Großvater Robert sein könnte. Stephens Seite der Familie ist mir aber gänzlich unbekannt, was ich aus ganzem Herzen bedauere. Das gleiche frohe Gemüt, das Stephens Briefe an Sarah und mich zeigten, der gleiche Ausdruck hoher Intelligenz, spiegeln sich in diesen Porträts wider, so schlecht sie auch sein mögen. Aus welch törichten Gründen sich doch Familien entzweien! Ein durchstöbertes Schreibpult, harte Worte zwischen Brüdern, die mittlerweile schon drei Generationen tot sind, und schuldlose Nachkommen werden unnötigerweise entfremdet. Ich muss immer wieder daran denken, was für ein Glück es doch war, dass es Dir und John Petty gelang, Kontakt zu Stephen aufzunehmen, als es schien, dass ich meiner Sarah aus dieser Welt folgen würde – und wie unglückselig es war, dass uns das Schicksal die Gelegenheit nahm, uns persönlich kennen zu lernen. Wie gerne hätte ich Stephen die Statuen und Möbelstücke der Ahnen verteidigen hören!

Aber lass mich dieses Haus nicht allzu sehr verunglimpfen. Sicher, Stephens Geschmack war bestimmt nicht der meine, aber unter dem äußeren Anstrich der Dinge, die er hinzugefügt hat, gibt es Stücke (eine Reihe davon, in den oberen Zimmern, sind unter Schutztüchern verborgen), die wahre Meisterwerke sind. Da finden sich Betten, Tische und massive, dunkle Ornamente in Teak und Mahagoni, und viele der Schlaf- und Empfangszimmer sowie das obere Arbeitszimmer und der kleine Salon besitzen einen melancholischen Charme. Die Fußböden bestehen aus kostbarem Kiefernholz und schimmern in einem inneren und geheimen Licht. Hier findest Du Würde; Würde und das Gewicht von Jahren. Ich kann noch nicht sagen, dass es mir gefällt, aber ich respektiere es. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, wie es sich verändert, wenn wir uns im Kreislauf dieses nördlichen Klimas drehen.

Himmel, ich finde wieder einmal kein Ende! Schreibe bald, Bones. Berichte mir, welche Fortschritte Du machst und was Du Neues von Petty und den anderen weißt. Und bitte, begehe nicht den Fehler, neue Bekannte aus dem Süden unbedingt von Deinen Ansichten überzeugen zu wollen – ich habe mir sagen lassen, dass sich nicht alle damit begnügen, nur mit ihrem Mund zu antworten, wie zum Beispiel unser ermüdender Freund, Mr. Calhoun.

Herzlichst

Dein Freund CHARLES.

16. Oktober 1850

Lieber Richard,

Hallo, wie geht es Dir? Ich habe oft an Dich gedacht, seit ich hier in Chapelwaite meinen Wohnsitz aufgeschlagen habe, und hatte halb damit gerechnet, etwas von Dir zu hören – und jetzt bekomme ich einen Brief von Bones, in dem er mir schreibt, dass ich vergessen habe, im Club meine Adresse zu hinterlassen! Du kannst sicher sein, dass ich so oder so irgendwann geschrieben hätte, denn manchmal scheint es, dass meine echten und loyalen Freunde das einzig Sichere und völlig Normale sind, das mir in dieser Welt geblieben ist. Aber, mein Gott, wie weit verstreut wir nun sind! Du in Boston, wo Du immer noch getreu für den Liberator schreibst (dem ich übrigens auch meine Adresse geschickt habe), Hanson in England, auf einer seiner verwünschten Vergnügungsexkursionen, und der arme alte Bones mitten in der Höhle des Löwen, wo er seine Lunge kuriert.

Hier läuft alles so gut, wie man erwarten kann, Dick; sei versichert, dass ich Dir noch ausführlich Bericht erstatte, wenn meine Zeit nicht mehr ganz so sehr von gewissen Ereignissen in Anspruch genommen wird, die sich hier abspielen – ich glaube, gewisse Vorfälle in Chapelwaite und der näheren Umgebung könnten durchaus dazu angetan sein, das Interesse deines Juristengeistes zu wecken.

Aber in der Zwischenzeit möchte ich Dich um einen Gefallen bitten, wenn Du Dich darum kümmern willst. Erinnerst Du Dich noch an diesen Historiker, den Du mir damals beim Dinner bei Mr. Clary vorgestellt hast? Ich glaube, sein Name war Bigelow. Wie dem auch sei, er erwähnte, dass er es sich zum Hobby gemacht habe, alles zu sammeln, was er an sonderbaren historischen Überlieferungen bekommen könne, die sich genau auf die Gegend beziehen, in der ich jetzt wohne. Meine Bitte ist nun die: Würdest Du Dich mit ihm in Verbindung setzen und ihn fragen, welche Fakten, Überlieferungen oder allgemeine Gerüchte – wenn überhaupt – ihm über ein kleines, verlassenes Dorf namens Jerusalem’s Lot bekannt sind, das am Royal River in der Nähe einer Gemeinde namens Preacher’s Corners liegt? Der Fluss ist ein Nebenfluss des Androscoggin und fließt etwa elf Meilen vor der Mündung dieses Stroms in der Nähe von Chapelwaite in den Androscoggin. Du würdest mir damit einen großen Gefallen erweisen, und, was noch wichtiger ist, es könnte von einiger Bedeutung sein.

Beim Durchgehen dieses Briefes merke ich, dass ich ein bisschen kurz mit Dir war, Dick, was ich aufrichtig bedauere. Aber sei gewiss, dass ich Dir schon bald alles erklären werde. Bis dahin liebe Grüße an Deine Frau, Deine beiden prächtigen Söhne und natürlich an Dich

Herzlichst

Dein Freund CHARLES.

16. Oktober 1850

Liebes Bones,

ich habe Dir etwas zu berichten, das sowohl Cal wie auch mir etwas sonderbar (um nicht zu sagen beunruhigend) erscheint – sieh selbst, was Du davon hältst. Sonst mag es einfach dazu dienen, Dich zu unterhalten, während Du Dich mit den Moskitos herumschlägst!

Zwei Tage nachdem ich meinen letzten Brief an Dich aufgegeben habe, traf eine Gruppe von vier jungen Frauen aus Preacher’s Corners unter der Aufsicht einer ältlichen Dame mit furchteinflößend kompetenter Miene namens Mrs. Cloris hier ein, um das Haus in Ordnung zu bringen und einen Teil des Staubs zu entfernen, der meine Nase bei jedem zweiten Schritt zum Niesen gereizt hatte. Sie machten allesamt einen etwas nervösen Eindruck, als sie sich an die Arbeit machten; eine törichte junge Dame stieß sogar einen leisen Schrei aus, als ich den Salon betrat, während sie dort Staub wischte.

Als ich Mrs. Cloris deswegen fragte (sie war gerade dabei, die Halle unten mit einer grimmigen Entschlossenheit abzustauben, die Dich wirklich überrascht hätte; das Haar hatte sie mit einem alten, verblichenen Tuch hochgebunden), drehte sie sich zu mir herum und antwortete mit entschlossener Miene: »Sie mögen das Haus nicht, und ich mag es auch nicht, Sir, denn es ist immer schon ein schlechtes Haus gewesen.«

Das Kinn fiel mir bei dieser unerwarteten Feststellung herunter, und sie fuhr in einem etwas freundlicheren Ton fort: »Ich will damit nicht sagen, dass Stephen Boone nicht ein anständiger Mann war, denn das war er. Solange er hier wohnte, habe ich für ihn jeden zweiten Donnerstag saubergemacht, genau wie ich für seinen Vater, Mr. Randolph Boone, saubergemacht habe, bis er und seine Frau achtzehnhundertsechzehn verschwanden. Mr. Stephen war ein guter und freundlicher Mann, und das scheinen Sie auch zu sein (Sie mögen mir meine Direktheit verzeihen, aber ich kann mich nicht anders ausdrücken), doch dieses Haus ist schlecht, und das ist es immer gewesen, und kein Boone ist hier glücklich gewesen, seit sich Ihr Großvater Robert und sein Bruder Philip wegen gestohlener (und hier zögerte sie, fast schuldbewusst) Dinge siebzehnhundertneunundachtzig entzweiten.«

Was für ein Gedächtnis diese Leute doch haben, Bones!

»Das Haus wurde im Unglück gebaut, die, die hier lebten, waren unglücklich, Blut ist auf seinem Boden vergossen worden (ich weiß nicht, ob Dir bekannt ist, Bones, dass mein Onkel Randolph in einen Unfall auf der Kellertreppe verwickelt war, bei dem seine Tochter Marcella den Tod fand; er nahm sich anschließend in einem Anfall von Reue selbst das Leben. Stephen hat den Zwischenfall in einem seiner Briefe an mich erwähnt, den er anlässlich des traurigen Ereignisses des Geburtstags seiner verstorbenen Schwester schrieb), Menschen sind verschwunden und Unfälle sind passiert.

Ich arbeite schon lange hier, Mr. Boone, und ich bin weder blind noch taub. Ich habe schreckliche Geräusche in den Wänden gehört, Sir, schreckliche Geräusche – dumpfe Schläge und Poltern, und einmal ein sonderbares Heulen, das halb wie Gelächter klang. Das Blut ist mir regelrecht in den Adern erstarrt. Es ist ein böses Haus, Sir.« Hier brach sie ab, vielleicht aus Angst, dass sie zuviel gesagt hatte.

Was mich selbst betraf, so wusste ich kaum zu sagen, ob ich beleidigt oder amüsiert, neugierig oder einfach ganz sachlich sein sollte. Ich glaube, dass ich an diesem Tag wohl in erster Linie amüsiert war. »Und was vermuten Sie, Mrs. Cloris? Geister, die mit ihren Ketten rasseln?«

Doch sie sah mich nur merkwürdig an. »Es mag schon sein, dass es hier Geister gibt. Aber das in den Wänden sind keine Geister. Es sind keine Geister, die wie die Verdammten heulen und klagen und die in der Dunkelheit poltern und herumtappen. Es sind …«

»Kommen Sie, Mrs. Cloris«, half ich nach. »Sie haben schon so viel gesagt, nun bringen Sie endlich zu Ende, was Sie begonnen haben.«

Ein sonderbarer Ausdruck aus Entsetzen, Gekränktheit und – ich könnte darauf schwören – religiöser Ehrfurcht huschte über ihr Gesicht. »Manche sterben nicht«, flüsterte sie. »Manche leben im Zwielicht dazwischen, um – Ihm zu dienen!«

Und das war das Ende. Ich versuchte noch ein paar Minuten lang, mehr aus ihr herauszuholen, doch sie wurde nur immer verstockter und wollte nichts mehr sagen. Schließlich gab ich es auf, da ich fürchtete, sie möge sich sonst aufraffen und das Haus verlassen.

Dies ist das Ende der einen Episode, doch es sollte eine weitere am nächsten Abend folgen. Calvin hatte unten ein Feuer angefacht, während ich im Wohnzimmer saß, eine Ausgabe des Intelligencer vor mir, und dem Geräusch des windgepeitschten Regens lauschte, der gegen das große Erkerfenster prasselte. Es war so gemütlich, wie es nur sein kann an einem solchen Abend, wenn draußen alles trostlos und drinnen alles warm und behaglich ist, doch dann erschien einen Augenblick später Cal in der Tür. Er sah aufgeregt und ein bisschen nervös aus.

»Sind Sie wach, Sir?«, fragte er.

»Kaum noch. Was gibt’s?«

»Ich habe oben etwas gefunden, das Sie sehen sollten, wie ich meine«, antwortete er mit dem gleichen Ausdruck unterdrückter Erregung.

Ich erhob mich und folgte ihm. Als wir die breite Treppe hinaufstiegen, meinte Calvin: »Ich war im oberen Studierzimmer und las gerade in einem Buch – ein recht merkwürdiges Buch –, als ich ein Geräusch in der Wand hörte.«

»Ratten«, gab ich zurück. »Und das ist alles?«

Calvin blieb am Ende der Treppe stehen und sah mich ernst an. Die Lampe, die er in der Hand hielt, warf unheimliche, bedrohliche Schatten auf die dunklen Vorhänge und die schattenhaften Porträts, die jetzt nicht mehr zu lächeln, sondern eher boshaft zu grinsen schienen. Draußen erhob sich der Wind zu einem flüchtigen Schrei und verstummte dann widerwillig.

»Keine Ratten«, widersprach Cal. »Es war ein dumpfes Poltern und Tappen, das von irgendwo hinter den Bücherregalen kam, und dann folgte ein grässliches Gurgeln – wirklich grässlich, Sir. Und ein Kratzen, als ob irgendetwas versuchte, herauszukommen und … und sich auf mich zu stürzen!«

Du kannst Dir mein Erstaunen vorstellen, Bones, denn Calvin ist ganz sicher nicht der Typ, der zu hysterischen Phantastereien neigt. Langsam gewann ich den Eindruck, dass es hier doch irgendein Geheimnis gab – ein Geheimnis, das vielleicht tatsächlich garstig war.

»Und dann?«, wollte ich wissen. Wir gingen den Gang hinunter, und ich konnte sehen, dass aus dem Studierzimmer Licht auf den Boden der Galerie fiel. Ich registrierte es mit einem Gefühl der Beklemmung; der Abend schien keineswegs mehr gemütlich.

»Das Kratzen hörte auf. Einen Augenblick später fingen wieder diese dumpfen, schlurfenden Geräusche an, doch diesmal bewegten sie sich von mir weg. Einmal brach es ab, und ich kann beschwören, dass ich ein seltsames, fast unhörbares Lachen vernahm! Ich ging zum Bücherregal und fing an zu drücken und zu ziehen, weil ich dachte, dass es dort vielleicht ein Geheimfach oder eine Geheimtür geben könnte.«

»Und – hast du eine gefunden?«

Cal blieb vor der Tür zum Studierzimmer stehen. »Nein – aber ich habe dies hier gefunden!«

Als wir eintraten, sah ich ein quadratisches schwarzes Loch im linken Regal. Die Bücher an dieser Stelle waren nichts weiter als Attrappen, und was Cal entdeckt hatte, war ein kleines Versteck. Ich leuchtete mit meiner Lampe hinein, sah aber nichts außer einer dicken Staubschicht, Staub, der Jahrzehnte alt sein musste.

»Da drinnen war nur das«, erklärte Cal ruhig und reichte mir ein verblichenes Stück Papier. Es handelte sich um eine Karte, die in hauchdünnen schwarzen Tintenstrichen gezeichnet war – die Karte einer Stadt oder eines Dorfes. Es umfasste etwa sieben Gebäude, und unter einem, das deutlich mit einem Turm gekennzeichnet war, standen die Worte: Der Wurm Der Verderben Bringt.

In der oberen linken Ecke war ein Pfeil, der in die Richtung zeigte, die der Nordwesten dieses kleinen Dorfes gewesen sein muss, und unter ihm stand: Chapelwaite.

»Im Ort, Sir«, fuhr Calvin fort, »erwähnte jemand abergläubisch ein verlassenes Dorf namens Jerusalem’s Lot, von dem sich alle fernhalten.«

»Aber was soll das hier?«, fragte ich und deutete auf die sonderbaren Worte unter dem Turm. »Ich weiß es nicht.«

Plötzlich musste ich an das denken, was Mrs. Cloris gesagt hatte. »Der Wurm …«, murmelte ich.

»Wissen Sie irgendetwas, Mr. Boone?«

»Vielleicht … es könnte ganz interessant sein, wenn wir uns dieses Dorf morgen einmal ansehen, was meinst du, Cal?«

Er nickte, und seine Augen strahlten. Anschließend verbrachten wir noch fast eine Stunde damit, nach irgendeiner Spalte in der Wand hinter dem kleinen Versteck zu suchen, das Cal gefunden hatte, aber ohne Erfolg. Auch die Geräusche, die Cal beschrieben hatte, traten nicht wieder auf.

Schließlich begaben wir uns zur Ruhe, ohne dass an jenem Abend noch etwas passiert wäre.

Am folgenden Morgen machten sich Calvin und ich auf unseren Marsch durch den Wald. Es regnete nicht mehr, aber der Himmel war düster und von tief hängenden Wolken überzogen. Ich konnte sehen, dass Cal mich zweifelnd betrachtete, und ich beeilte mich, ihm zu versichern, dass ich nicht zögern würde, das Unternehmen abzubrechen, wenn ich müde werden oder der Weg sich als zu lang herausstellen sollte. Wir hatten uns mit einem Lunchpaket, einem guten Kompass und natürlich der seltsamen alten Karte von Jerusalem’s Lot ausgerüstet.

Es war ein eigenartiger, brütender Tag; kein Vogel sang, und wir hörten auch keine anderen Tiere, als wir uns durch den großen, finsteren Kiefernbestand in südöstlicher Richtung vorwärtsbewegten. Das einzige Geräusch war das unserer Schritte und das monotone Donnern des Atlantiks, der gegen die Küste schlug. Der Geruch der See, der fast unnatürlich schwer war, war unser ständiger Begleiter.

Wir hatten höchstens zwei Meilen zurückgelegt, als wir auf eine überwachsene Straße jener Bauart stießen, die man, so glaube ich, früher als Knüppeldamm bezeichnete. Da sie in unserer ungefähren Richtung lief, gingen wir auf ihr weiter und kamen gut voran. Wir sprachen nur wenig, denn der Tag mit seiner stillen und unheilvollen Atmosphäre lastete schwer auf unseren Gemütern.

Gegen elf Uhr vernahmen wir das Geräusch von fließendem Wasser. Die ehemalige Straße beschrieb eine scharfe Linkskurve, und dann tauchte auf der anderen Seite eines schäumenden, schmutzigen kleinen Flusses wie eine Erscheinung Jerusalem’s Lot auf!

Der Fluss war vielleicht acht Fuß breit, und über ihn führte ein moosbewachsener Steg. Auf der anderen Seite, Bones, stand das perfekteste kleine Dorf, das Du Dir vorstellen kannst, verständlicherweise verwittert, aber im übrigen erstaunlich gut erhalten. Dicht bei dem schroff abfallenden Ufer befand sich eine Ansammlung von mehreren Häusern, die in jener schmucklosen, aber eindrucksvollen Form gebaut waren, für die die Puritaner zu Recht bekannt waren. Ein Stück dahinter, entlang einer verwilderten Straße, standen drei oder vier Gebäude, die primitive Geschäfte gewesen sein könnten, und dahinter erhob sich der Turm der Kirche, der auf der Karte eingezeichnet war, in den grauen Himmel. Mit seiner abgeblätterten Farbe und dem angelaufenen, schiefen Kreuz sah er unbeschreiblich finster und unheilvoll aus.

»Jerusalem’s Lot – Jerusalems Los … die Stadt trägt ihren Namen zu Recht«, bemerkte Cal neben mir leise.

Wir überquerten den Fluss und begannen, das Dorf zu erforschen – und von hier ab wird meine Geschichte etwas unglaublich, also sei gerüstet!

Die Luft schien bleischwer, als wir zwischen den Häusern dahergingen; unheilschwanger, wenn du so willst. Die Gebäude befanden sich in einem Zustand des Verfalls – abgerissene Läden, Dächer, die unter dem Gewicht schwerer Schneemassen im Winter eingestürzt waren, trübe, starrende Fenster. Schatten von unheimlichen Ecken und krummen Winkeln schienen in finsteren Tümpeln zu lauern.

Wir betraten zuerst ein altes, verfallenes Wirtshaus – irgendwie schien es unrecht, in diese Häuser einzudringen, in die sich Menschen zurückgezogen hatten, wenn sie ungestört sein wollten. Ein altes, verwittertes Schild über der gesplitterten Tür verkündete, dass dies das Wirts- und Gasthaus zum Eberkopf gewesen war. Die Tür kreischte ohrenbetäubend in der einzigen noch verbliebenen Angel, und dann traten wir in das dämmrige Innere. Der Geruch nach Fäulnis und Moder, der in der Luft lag, war fast überwältigend. Doch dazwischen schien ein noch intensiverer Geruch zu liegen, ein ekelerregender, abscheulicher Geruch, ein Geruch von Jahrhunderten und der jahrhundertealten Verwesung. Ein Geruch, wie er vielleicht von vermoderten Särgen oder geschändeten Gräbern ausgeht. Ich hielt mir mein Taschentuch vor die Nase. Cal folgte meinem Beispiel, und dann nahmen wir den Ort in Augenschein.

»Mein Gott, Sir …«, sagte Calvin leise.

»Es ist nie angerührt worden«, beendete ich den Satz für ihn.

Und so war es tatsächlich. Tische und Stühle standen da wie geisterhafte Wächter, verstaubt und verzogen von den extremen Temperaturunterschieden, für die das Klima Neuenglands bekannt ist, aber im übrigen unversehrt – als ob sie durch schweigende, widerhallende Jahrzehnte hindurch darauf gewartet hätten, dass jene schon lange Verstorbenen wieder hereinkommen, nach einem Krug Bier rufen, Karten austeilen und ihre Tonpfeifen anzünden. Neben den Wirtshausvorschriften hing ein kleiner, viereckiger Spiegel, der nicht zerbrochen war. Begreifst Du, was das bedeutet, Bones? Kinder sind für ihre Neugier und ihre Zerstörungswut bekannt; es gibt nicht ein »Geister«haus, dessen Fenster noch heil wären, ganz gleich, welche Schauermärchen man sich über seine unheimlichen Bewohner erzählt; nicht einen verlassenen Friedhof, auf dem nicht wenigstens ein Grabstein von jugendlichen Unruhestiftern umgestürzt worden ist. Sicher gibt es in Preacher’s Corners, das keine zwei Meilen von Jerusalem’s Lot entfernt liegt, eine ganze Reihe solcher Jugendlicher. Und doch war der Spiegel des Gastwirts (der ihn eine hübsche Summe gekostet haben muss) unversehrt – genau wie die übrigen zerbrechlichen Gegenstände, die wir bei unserem Stöbern fanden. Der einzige Schaden in Jerusalem’s Lot ist durch die unpersönlichen Kräfte der Natur angerichtet worden. Die Implikation ist offenkundig: Jerusalem’s Lot ist ein gemiedener Ort. Aber warum? Ich habe da eine Ahnung, aber bevor ich auch nur wage, eine Andeutung in dieser Beziehung zu machen, muss ich vom beunruhigenden Ende unseres Besuchs berichten.

Wir begaben uns nach oben in die Schlafquartiere, wo wir gemachte Betten fanden, neben denen zinnerne Wasserkrüge standen. Die Küche war ebenfalls unberührt, abgesehen vom Staub der Jahre und jenem entsetzlichen, intensiven Geruch nach Verwesung. Das Wirtshaus wäre ein Paradies für jeden Antiquar gewesen; allein der ungewöhnliche Küchenofen hätte auf einer Bostoner Auktion einen hübschen Preis erzielt.

»Was meinst du, Cal?«, fragte ich, als wir wieder hinaus in das diffuse Tageslicht getreten waren.

»Ich glaube, dass es mit etwas Bösem zu tun hat, Mr. Boone«, erwiderte er in seiner düsteren Art, »und dass wir mehr sehen müssen, um mehr zu erfahren.«

Wir untersuchten die übrigen Geschäfte nur flüchtig – unter ihnen ein Krämerladen, ein Lagerhaus, in dem Eichen- und Kiefernholz gestapelt war, sowie eine Schmiede.

Auf unserem Weg zur Kirche, die im Zentrum des Ortes lag, gingen wir in zwei Häuser hinein. Beide waren sie ganz nach puritanischer Mode eingerichtet und voll von Gegenständen, für die ein Sammler seinen Arm gegeben hätte, beide waren verlassen und erfüllt von dem gleichen fauligen Geruch.

Außer uns schien hier nichts zu leben oder sich zu bewegen. Wir sahen weder Insekten noch Vögel oder auch nur Spinnweben in irgendeiner Fensterecke. Nur Staub.

Endlich erreichten wir die Kirche. Sie ragte hoch über uns in den Himmel, düster, kalt und wenig einladend. Hinter den Fenstern gähnten schwarze Schatten aus dem Innern, und jede Gottheit oder Heiligkeit hatte diesen Ort schon vor langer Zeit verlassen, dessen bin ich gewiss. Wir stiegen die Stufen hinauf, und ich legte die Hand auf den großen, eisernen Türgriff. Ich warf einen finsteren, entschlossenen Blick auf Calvin und sah dann wieder vor mich. Wann mochte diese Tür wohl zum letzten Mal geöffnet worden sein? Ich bin sicher, dass meine Hand die erste seit bestimmt fünfzig Jahren – wenn nicht länger – war, die sie berührte. Rostige Angeln kreischten, als ich sie aufzog. Der Geruch nach Fäulnis und Verwesung, der uns entgegenschlug, war fast greifbar. Cal stieß einen würgenden Laut aus und drehte sich unwillkürlich nach frischer Luft herum.

»Sir«, fragte er, »sind Sie wirklich …?«

»Ich bin schon in Ordnung«, erwiderte ich ruhig, doch so ruhig fühlte ich mich ganz und gar nicht, Bones, genauso wenig wie jetzt. Ich glaube mit Moses, mit Jerobeam und mit unserem guten Hanson (wenn er in Philosophierlaune ist), dass es geistig ungesunde Orte oder Gebäude gibt, wo die Milch des Kosmos sauer und ranzig geworden ist. Diese Kirche ist ein solcher Ort, darauf könnte ich schwören.

Wir traten in ein langes Vestibül, das mit einem staubigen Kleiderständer und Regalen mit Gesangbüchern ausgestattet war. Es war fensterlos; hier und da standen Öllampen in Nischen. Ein ganz gewöhnlicher Raum, dachte ich, bis ich hörte, wie Cal scharf die Luft einsog und ich sah, was er bereits entdeckt hatte.

Es war eine Obszönität.

Ich wage das kunstvoll gerahmte Bild nicht näher zu beschreiben als wie folgt: dass es im fleischigen Stil von Rubens gemalt war; dass es eine groteske Karikatur einer Madonna mit dem Kind darstellte und dass im Hintergrund seltsame, schemenhafte Kreaturen krochen und krabbelten.

»Mein Gott«, flüsterte ich.

»Hier gibt es keinen Gott«, sagte Calvin, und seine Worte schienen in der Luft zu hängen. Als ich die Tür öffnete, die in die eigentliche Kirche führte, wurde der Geruch zum Miasma und nahezu überwältigend.

Im schwachen Dämmerlicht des Nachmittags erstreckten sich die Kirchenstühle geisterhaft bis hin zum Altar. Über ihnen befand sich eine hohe Kanzel aus Eichenholz und ein Narthex, aus dem Gold schimmerte.

Mit einem Laut, der fast wie ein Schluchzen klang, bekreuzigte sich der fromme Protestant Calvin, und ich folgte seinem Beispiel. Das, was da so golden schimmerte, war nämlich ein großes, prachtvoll geschmiedetes Kreuz – aber es war verkehrt herum aufgehängt, das Symbol der Satansmesse.

»Wir müssen ruhig bleiben«, hörte ich mich sagen. »Wir müssen ruhig bleiben, Calvin. Ganz ruhig.«

Aber ein Schatten hatte mein Herz getroffen, und ich fürchtete mich so sehr, wie ich mich noch nie in meinem Leben gefürchtet hatte.

Ich bin unter dem Schirm des Todes gegangen und habe gedacht, dass es nichts Dunkleres gibt. Aber ich habe mich geirrt. Es gibt etwas, das noch dunkler ist.

Wir gingen den Gang hinunter, und unsere Schritte hallten über uns und um uns herum. Wir hinterließen Spuren im Staub. Am Altar entdeckten wir andere kleinere Kunstgegenstände, aber ich will – und kann – meine Gedanken nicht auf ihnen verweilen lassen.

Ich machte mich daran, die Kanzel hinaufzusteigen.

»Tun Sie es nicht, Mr. Boone!«, rief Cal plötzlich. »Ich habe Angst …«

Aber ich war bereits oben. Auf dem Pult lag ein großes Buch, das in Latein und in unleserlichen Runen geschrieben war, die für mein laienhaftes Auge nach druidisch oder vorkeltisch aussahen. Ich lege dem Brief eine Karte mit ein paar der Symbole bei, die ich aus dem Gedächtnis nachgezeichnet habe.

Ich schloss das Buch und betrachtete die Worte, die in das Leder geprägt waren: De Vermis Mysteriis. Meine Lateinkenntnisse sind zwar schon etwas angestaubt, reichten aber immer noch zur Übersetzung aus: Die Geheimnisse des Wurmes.

Als ich es berührte, schienen sich diese verfluchte Kirche und Calvins weißes, zu mir aufblickendes Gesicht vor mir zu drehen. Ich glaubte, leise, singende Stimmen zu hören, Stimmen, erfüllt von grässlicher und heftiger Furcht. Ich zweifle nicht daran, dass es sich um eine Halluzination gehandelt hat – aber im selben Augenblick erfüllte ein sehr reales Geräusch die Kirche, das ich nicht anders als ein gewaltiges und grausiges Winden unter meinen Füßen beschreiben kann. Das Lesepult erzitterte unter meinen Fingern, und das entweihte Kreuz bebte an der Wand.

Wir gingen gemeinsam hinaus, Cal und ich, und überließen den Ort seiner eigenen Finsternis, und keiner von uns wagte zurückzuschauen, bis wir die groben Planken überquert hatten, die über den Fluss führten. Ich will nicht sagen, dass wir die neunzehnhundert Jahre, die der Mensch gebraucht hat, um sich von einem gebückt gehenden und abergläubischen Wilden fortzuentwickeln, mit Füßen getreten haben, indem wir gerannt sind; aber ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten wollte, wir seien gemächlich davongeschlendert.

Dies ist meine Geschichte. Es ist überflüssig, dass Deine Genesung von der Angst überschattet wird, das Fieber habe mich wieder befallen; Cal kann all das, was ich Dir hier auf diesen Seiten berichtet habe, bestätigen, einschließlich des grässlichen Geräusches.

Ich schließe nun und möchte nur noch sagen, dass ich mir wünsche, mit Dir sprechen zu können (weil ich weiß, dass ein Großteil meiner Verwirrung sofort von mir abfallen würde) und verbleibe als Dein Freund und Bewunderer

CHARLES

17. Oktober 1850

Sehr geehrte Herren,

in der jüngsten Ausgabe Ihres Katalogs für Haushaltartikel (d. i. Sommer 1850) habe ich einen Artikel mit der Bezeichnung Rattengift gefunden. Ich möchte eine (1) 5-Pfund-Dose dieses Präparats zu dem angegebenen Preis von dreißig Cent ($ 0,30) erwerben. Rückporto füge ich bei. Bitte schicken Sie das Gewünschte an: Calvin McCann, Chapelwaite, Preacher’s Corners, Cumberland County, Maine.

Ich bedanke mich im Voraus und verbleibe hochachtungsvoll

Ihr Calvin McCann.

19. Oktober 1850

Liebes Bones,

Entwicklungen von beunruhigender Natur!

Die Geräusche im Haus sind lauter geworden, und ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass es keine Ratten sind, die innerhalb unserer Mauern hin und her huschen. Calvin und ich haben uns erneut auf die Suche nach verborgenen Schlupfwinkeln oder Gängen gemacht, aber nichts gefunden. Welch jämmerliche Figuren wir in einem von Mrs. Radcliffs Abenteuerromanen abgeben würden! Cal ist der Meinung, dass die Geräusche zum großen Teil aus dem Keller kommen, den wir aus diesem Grund morgen erforschen wollen. Das Wissen um die Tatsache, dass Cousin Stephens Schwester dort ihr unglückliches Ende fand, macht das Unternehmen nicht gerade angenehmer.

Ihr Porträt hängt übrigens in der oberen Galerie. Marcella Boone war nicht gerade eine Schönheit, wenn der Künstler sie richtig getroffen hat, und mir ist bekannt, dass sie nie geheiratet hat. Manchmal glaube ich, dass Mrs. Cloris Recht hatte und dies wirklich ein schlechtes Haus ist. Gewiss hat es seinen früheren Einwohnern nichts Gutes gebracht.

Aber ich habe Dir noch mehr von unserer Mrs. Cloris zu berichten, denn ich habe heute ein zweites Mal mit ihr gesprochen. Da sie die vernünftigste Person ist, der ich bisher in Preacher’s Corners begegnet bin, habe ich sie heute Nachmittag, nach einer unerfreulichen Begegnung, auf die ich gleich kommen werde, aufgesucht.

Das Holz sollte heute Morgen geliefert werden, und als der Mittag kam und ging und es immer noch nicht da war, beschloss ich, meinen täglichen Spaziergang diesmal in den Ort zu machen. Mein Ziel war Thompson, der Mann, mit dem Cal das Geschäft abgeschlossen hatte.

Der heutige Tag war sonnig, die Luft erfüllt von der Frische eines strahlenden Herbsttages, und als ich Thompsons Gehöft erreichte (Cal, der zu Hause geblieben war, um weiter in Cousin Stephens Bibliothek herumzustöbern, hatte mir erklärt, wie ich dorthin kam), befand ich mich in der besten Laune, die die letzten Tage erlebt haben und war durchaus gewillt, Thompsons Unpünktlichkeit mit der Lieferung des Holzes zu verzeihen.

Das Gehöft war ein wildes Durcheinander aus Unkraut und halb verfallenen Gebäuden, die dringend eines neuen Anstrichs bedurft hätten: links von der Scheune grunzte ein enormes Schwein, das auf das Novemberschlachten wartete, und wälzte sich in einem schlammigen Pfuhl, und in dem schmutzigen Hof zwischen dem Wohnhaus und den Außengebäuden fütterte eine Frau in einem zerlumpten Gingankleid aus ihrer Schürze die Hühner. Als ich sie grüßte, drehte sie ihr blasses und ausdrucksloses Gesicht zu mir herum.

Die plötzliche Veränderung, die in ihrem Gesicht vorging, war erstaunlich; ihr Ausdruck wechselte von völliger, dummer Leere zu wildem Entsetzen. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie mich für Stephen gehalten hat, denn sie hob die Hand, die Finger im Zeichen des bösen Blicks gespreizt, und stieß einen Schrei aus. Das Hühnerfutter fiel zu Boden, und die Hennen suchten gackernd das Weite.

Bevor ich auch nur einen Ton von mir geben konnte, kam ein Bär von einem Mann, der nichts weiter als Unterkleider am Leibe trug, mit einem Kleinkalibergewehr in der einen und einem Krug in der anderen Hand aus dem Haus gepoltert. Dem roten Licht in seinen Augen und seinem schwankenden Gang nach zu urteilen, hatte ich hier Thompson den Holzfäller in eigener Person vor mir.

»Ein Boone«, brüllte er. »Gott verfluche deine Augen!« Er ließ den Krug fallen, der davonrollte, und machte das Zeichen.

»Ich bin gekommen«, begann ich mit soviel Gleichmut, wie ich unter den gegebenen Umständen aufbringen konnte, »weil das Holz ausgeblieben ist. Laut der Abmachung, die Sie mit meinem Mann getroffen haben …«

»Gott verfluche auch deinen Mann, sage ich!« Erst jetzt bemerkte ich, dass er sich unter seinem lauten, polternden Gehabe zu Tode fürchtete. Ich begann mich ernsthaft zu fragen, ob er in seiner Aufregung nicht vielleicht tatsächlich auf mich schießen würde.

»Könnten Sie nicht, als Geste der Höflichkeit …«, fing ich vorsichtig an.

»Gott verfluche deine Höflichkeit!«

»Nun gut«, antwortete ich mit soviel Artigkeit, wie ich aufbringen konnte. »Dann möchte ich mich verabschieden, bis Sie sich wieder etwas mehr in der Gewalt haben.« Mit diesen Worten wandte ich mich ab und machte mich auf den Weg, der zum Dorf führte.

»Komm ja nicht zurück!«, kreischte er hinter mir her. »Bleib oben bei deinem Bösen! Verflucht! Verflucht! Verflucht!« Er warf mir einen Stein nach, der mich an der Schulter traf, weil ich ihm nicht die Genugtuung geben wollte, zur Seite zu springen.

Anschließend suchte ich Mrs. Cloris auf, fest entschlossen, wenigstens das Geheimnis um Thompsons feindselige Haltung zu lösen. Sie ist Witwe (Deine verflixten Kuppeleiversuche kannst Du Dir in diesem Fall sparen; die Dame ist leicht fünfzehn Jahre älter als ich, und ich habe die Vierzig bereits hinter mir) und lebt allein in einem reizenden kleinen Haus direkt an der Schwelle des Ozeans. Sie war gerade dabei, ihre Wäsche aufzuhängen, als ich eintraf, und schien sich wirklich zu freuen, mich zu sehen, was ich mit großer Erleichterung zur Kenntnis nahm, denn es ist unglaublich quälend, ohne verständlichen Grund als Paria behandelt zu werden.

»Mr. Boone«, begann sie nicht unfreundlich, »wenn Sie gekommen sind, um mich zu fragen, ob ich für Sie waschen kann, muss ich Ihnen sagen, dass ich nach September nichts annehme. Mein Rheumatismus plagt mich so schlimm, dass ich schon Mühe genug habe, meine eigene zu erledigen.«

»Ich wünschte, Wäsche wäre der Grund meines Besuchs. Ich bin hier, weil ich Ihre Hilfe brauche, Mrs. Cloris. Ich muss alles wissen, was Sie mir über Chapelwaite und Jerusalem’s Lot sagen können, und warum mir die Menschen hier mit solcher Angst und solchem Misstrauen begegnen!«

»Jerusalem’s Lot! Sie wissen also davon.«

»Ja, und ich habe dem Ort zusammen mit meinem Begleiter vor einer Woche einen Besuch abgestattet.«

»Gütiger Gott!« Sie wurde kreidebleich und begann zu schwanken, und ich streckte die Hand aus, um sie zu stützen. Ihre Augen rollten wild, und einen Augenblick lang war ich überzeugt, sie würde in Ohnmacht fallen.

»Es tut mir Leid, Mrs. Cloris, wenn ich irgendetwas gesagt haben sollte …«

»Kommen Sie mit ins Haus«, unterbrach sie mich. »Sie müssen es erfahren. Herr im Himmel, die Tage des Bösen sind wieder angebrochen!«

Danach sagte sie nichts mehr, bis sie in ihrer sonnigen Küche einen starken Tee aufgebrüht hatte. Als er vor uns stand, blickte sie eine Weile nachdenklich auf den Ozean hinaus. Unwillkürlich wurde ihr Blick und der meine von der ins Meer vorragenden Landzunge von Chapelwaite Head angezogen, auf dem das Haus über dem Wasser aufragte. Das große Erkerfenster glitzerte in den Strahlen der im Westen stehenden Sonne wie ein Diamant. Der Anblick war herrlich, aber seltsam beunruhigend. Plötzlich drehte sie sich zu mir herum und verkündete heftig:

»Mr. Boone, Sie müssen Chapelwaite sofort verlassen!«

Ich war sprachlos vor Erstaunen.

»Es liegt ein böser Hauch in der Luft, seit Sie in Chapelwaite eingezogen sind. In der letzten Woche – seit Sie den verfluchten Ort betreten haben – hat es Omen und böse Vorzeichen gegeben. Eine Glückshaube über dem Gesicht des Mondes, Ziegenmelker, die auf den Friedhöfen schlafen, ein missgeborenes Kind. Sie müssen abreisen!«

Als ich endlich die Sprache wiedergefunden hatte, erwiderte ich so behutsam wie möglich: »Solche Dinge sind doch nur Phantasie, Mrs. Cloris. Das müssen Sie doch wissen.«

»Ist es etwa Phantasie, dass Barbara Brown ein Kind ohne Augen zur Welt gebracht hat? Oder dass Clifton Brockett im Wald hinter Chapelwaite, wo alles verdorrt und welk geworden ist, eine flache, eingedrückte Spur von fünf Fuß Breite entdeckt hat? Und können Sie, der Sie Jerusalem’s Lot besucht haben, mit Sicherheit sagen, dass dort nichts mehr lebt?«

Ich war nicht fähig, ihr zu antworten; vor meinen Augen tauchte wieder die Szene in jener grässlichen Kirche auf.

Sie verschränkte fest ihre knorrigen Finger, bemüht, sich zu beruhigen. »Ich weiß von diesen Dingen nur durch meine Mutter und deren Mutter. Kennen Sie die Geschichte Ihrer Familie, soweit sie sich auf Chapelwaite bezieht?«

»Vage. Das Haus ist seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Zuhause von Philip Boones Linie; sein Bruder Robert, mein Großvater, ließ sich nach einem Streit, bei dem es um gestohlene Papiere ging, in Massachusetts nieder. Über Philips Seite weiß ich nur wenig, außer dass der Schatten des Unglücks auf diesen Zweig der Familie gefallen ist, der sich vom Vater auf den Sohn und die Enkel erstreckt – Marcella starb in einem tragischen Unfall, und Stephen stürzte zu Tode. Es war sein Wunsch, dass Chapelwaite das Zuhause von mir und den meinen und der Riss in der Familie auf diese Weise wieder zusammengefügt werden sollte.«

»Es lässt sich nicht zusammenfügen«, flüsterte sie. »Sie wissen nichts über die ursprüngliche Auseinandersetzung?«

»Robert Boone wurde dabei überrascht, wie er etwas aus dem Schreibtisch seines Bruders stehlen wollte.«

»Philip Boone war verrückt«, erklärte sie. »Ein Mann, der mit dem Bösen Geschäfte machte. Das, was Robert Boone versuchte, wegzunehmen, war eine gottlose Bibel, die in den alten Sprachen geschrieben war – Latein, Druidisch und anderen. Ein Höllenbuch.«

»De Vermis Mysteriis.«

Sie zuckte zusammen, als ob sie einen Schlag ins Gesicht bekommen hätte. »Sie kennen es?«

»Ich habe es gesehen … es berührt.« Wieder sah es so aus, als ob sie in Ohnmacht fallen würde. Sie hob eine Hand an den Mund, als wolle sie einen Aufschrei unterdrücken. »Ja, in Jerusalem’s Lot. Auf der Kanzel einer verderbten und entweihten Kirche.«

»Es ist also noch da; es ist immer noch da.« Sie schaukelte in ihrem Stuhl. »Ich hatte gehofft, Gott hätte es in Seiner Weisheit in den dunkelsten Schlund der Hölle geschleudert.«

»Welche Verbindung hatte Philip Boone zu Jerusalem’s Lot?«

»Eine der Blutsverwandtschaft«, antwortete sie düster. »Das Mal des Tieres lag schon auf ihm, auch wenn er noch in den Kleidern des Lammes umherging. Und in der Nacht des 31. Oktober 1789 verschwand Philip Boone dann … und die gesamte Bevölkerung jenes verfluchten kleinen Dorfs mit ihm.«

Sie wollte nicht viel mehr sagen, und ich hatte den Eindruck, dass sie auch nicht viel mehr wusste. Mrs. Cloris wiederholte nur ihre inständige Bitte, ich möge abreisen, und gab als Grund irgendetwas von »Blut, das Blut ruft« an und murmelte etwas über »jene, die wachen und jene, die hüten«. Je weiter die Dämmerung fortschritt, desto erregter schien sie zu werden, und um sie zu beruhigen, versprach ich ihr, dass ich mir ihren Wunsch gründlich durch den Kopf gehen lassen würde.

Ich ging nach Hause durch länger werdende, düstere Schatten. Meine heitere Laune war gänzlich verflogen, und mein Kopf schwirrte vor Fragen, die mich auch jetzt noch quälen. Cal begrüßte mich mit der Neuigkeit, dass unsere Geräusche in den Wänden noch schlimmer geworden seien – wie ich selbst in diesem Moment bestätigen kann. Ich versuche mir einzureden, dass ich nur Ratten höre, aber dann taucht vor meinen Augen das verängstigte, ernste Gesicht von Mrs. Cloris auf.

Der Mond ist über dem Meer aufgegangen, prall und aufgebläht, die Farbe wie Blut, besudelt er den Ozean mit einem verderblichen Schatten. Meine Gedanken kehren wieder zu jener Kirche zurück, und

(hier ist eine Zeile durchgestrichen)

Nein, das sollst Du nicht lesen, Bones. Es ist zu verrückt. Ich glaube, es ist Zeit, dass ich zu Bett gehe. Meine Gedanken gehen hinaus zu Dir.

Es grüßt Dich

Dein CHARLES.

(Das folgende stammt aus dem Tagebuch von Calvin McCann.)

20. Oktober ’50

Nahm mir heute Morgen die Freiheit, den Verschluss, der das Buch zusammenhält, aufzubrechen; habe es getan, bevor Mr. Boone aufstand. Keinen Sinn; es ist alles verschlüsselt. Ich glaube, es ist ein einfacher Code. Vielleicht kann ich ihn genauso leicht brechen wie den Verschluss. Ich bin überzeugt, dass es ein Tagebuch ist; die Handschrift ist der von Mr. Boone merkwürdig ähnlich. Von wem mag dieses Buch sein, das in der hintersten Ecke dieser Bibliothek versteckt stand und verschlossen war? Es sieht alt aus, aber wie kann man das genau sagen? Die zersetzende Luft ist größtenteils von den Seiten ferngehalten worden. Mehr später, wenn ich Zeit habe; Mr. Boone drängt darauf, den Keller zu untersuchen. Habe Angst, dass diese schrecklichen Vorgänge zu viel für seine noch labile Gesundheit sind. Ich muss versuchen, ihn zu überzeugen –

Aber er kommt.

20. Oktober 1850

Bones,

ich kann nicht schreiben ich kann noch nicht darüber schreiben ich ich ich

(Aus dem Tagebuch von Calvin McCann)

20. Oktober ’50

Wie ich befürchtet habe, hat sich sein Gesundheitszustand wieder stark verschlechtert –

Gütiger Gott, unser Vater, der Du bist im Himmel!

Kann einfach nicht darüber nachdenken; und doch hat es sich unauslöschlich in mein Gehirn eingebrannt; jenes Grauen im Keller …!

Bin jetzt allein; halb neun; das Haus ist still, aber …

Fand ihn ohnmächtig über seinem Schreibtisch; er schläft noch immer; und doch, wie vortrefflich hat er sich während jener wenigen Augenblicke gehalten, als ich selbst wie gelähmt und betäubt dastand!

Seine Haut ist wächsern und kalt. Gott sei Dank, dass es nicht wieder das Fieber ist. Ich wage nicht, ihn zu bewegen oder ihn allein zu lassen, um ins Dorf zu gehen. Und wenn ich ginge, wer würde schon mit mir zurückkommen, um ihm zu helfen? Wer würde dieses verfluchte Haus betreten?

Der Keller, mein Gott! Diese Kreaturen im Keller, die dieses Haus beherbergt!

22. Oktober 1850

Liebes Bones,

wenn auch schwach, so bin ich endlich, nach sechsunddreißig Stunden Bewusstlosigkeit, wieder ich selbst. Wieder ich selbst … welch ein grausamer und bitterer Scherz! Ich werde nie wieder ich selbst sein, nie wieder. Ich bin dem Wahnsinn und dem Grauen begegnet, wie es sich kein Mensch vorstellen kann. Und es ist noch nicht zu Ende.

Ich glaube, wenn Cal nicht wäre, würde ich meinem Leben in dieser Minute ein Ende machen. Er ist die einzige Insel der geistigen Normalität inmitten all dieses Wahnsinns.

Du sollst alles wissen.

Wir hatten uns für unsere Erkundung des Kellers mit Kerzen versorgt, die einen starken Schein warfen, der hell genug war – und wie hell genug! Cal versuchte, mir das Unternehmen auszureden, indem er meine kürzliche Krankheit anführte und meinte, dass wir wahrscheinlich allerhöchstens ein paar fette Ratten finden würden, für die wir Gift auslegen konnten.

Ich blieb jedoch bei meinem Entschluss, worauf Calvin seufzte und antwortete: »Dann tun Sie, was Sie nicht lassen können, Mr. Boone.«

Man erreicht den Keller mittels einer Falltür in der Küche (die Calvin seitdem, wie er mir versichert, fest verbarrikadiert hat), und es gelang uns nur unter großer Mühe und Anstrengung, sie hochzuheben.

Ein überwältigender Gestank stieg aus der Dunkelheit zu uns herauf, nicht unähnlich dem, der das verlassene Dorf jenseits des Royal River durchzogen hatte. Die Kerze in meiner Hand warf ihr Licht auf eine steile Treppe, die hinunter in tiefe Schwärze führte. Die Stufen befanden sich in einem entsetzlichen Zustand – an einer Stelle fehlte eine ganz, und dort gähnte ein schwarzes Loch. Es war unschwer zu erkennen, wie die unglückliche Marcella hier möglicherweise ihr Ende gefunden hatte.

»Seien Sie vorsichtig, Mr. Boone!«, warnte mich Cal, und ich versicherte ihm, dass ich seinen Rat ganz bestimmt beherzigen würde, worauf wir uns an den Abstieg machten.

Der Boden bestand aus Erde, die Wände waren aus hartem Granit. Es war kaum feucht hier unten, und der Keller sah ganz und gar nicht nach einem Paradies für Ratten aus, denn es gab nichts von der Art von Dingen, in denen Ratten gern ihre Nester bauen, wie alte Schachteln, ausrangierte Möbelstücke, Stapel von Papier und dererlei. Wir hoben unsere Kerzen höher und gewannen so einen kleinen Lichtkreis, konnten aber immer noch recht wenig sehen. Der Boden fiel allmählich ab und schien unter dem großen Wohnzimmer und dem Esszimmer herzulaufen – das heißt, nach Westen. Dies war die Richtung, in die wir gingen. Alles war totenstill. Der Gestank in der Luft wurde zusehends intensiver, und die Dunkelheit um uns herum schien dicht wie Watte, als sei sie neidisch auf das Licht, das ihr nun nach so vielen Jahren unbestrittener Herrschaft vorübergehend die Macht nahm.

Auf der anderen Seite wurden die Granitwände von poliertem Holz abgelöst, das absolut schwarz und ohne jede reflektierende Eigenschaft zu sein schien. Hier endete der Keller in einer Art Alkoven, der sich an den Hauptraum anschloss. Er war in einem Winkel angelegt, der es einem unmöglich machte, in ihn hineinzusehen, ohne um die Ecke zu treten.

Das taten Calvin und ich nun.

Es war, als ob sich ein böses Gespenst dieser bedrückenden und finsteren Vergangenheit vor uns erhoben hätte. In diesem Alkoven stand ein einzelner Stuhl, und über ihm hing von einer Öse in einem der starken Deckenbalken eine vermoderte Schlinge herab.

»Hier also hat er sich erhängt«, murmelte Cal. »Mein Gott!«

»Ja … und die Leiche seiner Tochter lag hinter ihm, am Fuß der Treppe.«

Cal setzte zu einer Bemerkung an; dann sah ich, wie sein Blick auf einen Punkt hinter mir herumfuhr, und seine Worte verwandelten sich in einem Schrei.

Wie kann ich den Anblick beschreiben, Bones, der sich unseren Augen bot? Wie kann ich Dir die grässlichen Bewohner schildern, die unsere Mauern beherbergen?

Die andere Wand schwang zurück, und aus der Dunkelheit dahinter tauchte ein Gesicht auf – ein Gesicht mit Augen, die so schwarz waren wie der Styx. Der Mund war zu einem zahnlosen, qualvollen Grinsen aufgerissen, und eine gelbe, verweste Hand streckte sich uns entgegen. Es stieß einen grässlichen, quäkenden Laut aus und machte einen schlurfenden Schritt in unsere Richtung. Das Licht meiner Kerze fiel auf –

Und jetzt sah ich den bläulichen Abdruck eines Stricks um seinen Hals!

Dahinter rührte sich plötzlich noch etwas, eine Kreatur, von der ich bis zu jenem Tag träumen werde, an dem alle Träume aufhören: ein Mädchen mit einem bleichen, vermoderten Gesicht, das zu einem Totengrinsen verzogen war und dessen Kopf in einem wahnwitzigen Winkel auf ihren Schultern saß.

Sie wollten uns; ich weiß es. Und ich weiß, dass sie uns in die Dunkelheit gezerrt und zu den ihren gemacht hätten, wenn ich nicht meine Kerze genau auf das Wesen in der Öffnung geschleudert hätte, und den Stuhl unter der Schlinge hinterher.

Was dann folgte, ist ein dunkles Wirrwarr. Mein Geist hat sich davor verschlossen. Ich erwachte, wie ich schon sagte, in meinem Zimmer, mit Cal an meiner Seite.

Wenn ich könnte, würde ich im Nachthemd, mit fliegenden Schößen, aus diesem Haus des Schreckens fliehen. Aber ich kann nicht. Ich bin eine Figur in einem tieferen, noch finsteren Drama geworden. Frage mich nicht, woher ich es weiß; ich weiß es einfach. Mrs. Cloris hatte Recht, als sie davon sprach, dass Blut Blut ruft; und wie furchtbar Recht hatte sie auch, als sie von jenen sprach, die wachen und jenen, die hüten. Ich fürchte, dass ich eine Macht geweckt habe, die ein halbes Jahrhundert in dem finsteren Dorf Salem’s Lot geschlafen hat, eine Macht, die meine Vorfahren getötet und sie wie Nosferatu, der Untote, zu ihren unseligen Sklaven gemacht hat. Aber ich hege noch viel schlimmere Befürchtungen, Bones, doch noch kenne ich erst einen Teil. Wenn ich nur wüsste … wenn ich nur alles wüsste.

CHARLES.

Postskriptum – Ich schreibe dies nur für mich auf, denn wir sind von Preacher’s Corners isoliert. Ich wage mit einem Mal nicht, dorthin zu gehen, und Calvin will mich nicht allein lassen. Vielleicht, wenn Gott gnädig ist, erreicht Dich dieser Brief irgendwie.

C.

(Aus dem Tagebuch von Calvin McCann)

23. Oktober ’50

Er ist heute kräftiger; wir haben kurz über die Erscheinungen im Keller gesprochen und sind beide einer Meinung, dass sie weder Halluzinationen noch übersinnliche Erscheinungen, sondern real gewesen sind. Ob Mr. Boone, wie ich, glaubt, dass sie verschwunden sind? Vielleicht; die Geräusche sind jedenfalls verstummt. Doch noch ist alles finster und bedrohlich, in einen dunklen Mantel gehüllt. Es scheint, als warteten wir in der trügerischen Ruhe vor dem Sturm …

Habe in einem der oberen Schlafzimmer einen Stapel Papiere gefunden, die in der untersten Schublade eines alten Rollpults lagen. Einige Briefe und quittierte Rechnungen bringen mich zu dem Schluss, dass dies das Zimmer von Robert Boone gewesen sein muss. Der interessanteste Fund aber sind ein paar Notizen auf der Rückseite einer Anzeige für Biberpelzmützen für Herren. Zuoberst steht:

Selig die Demütigen.

Darunter steht Folgendes, das augenscheinlich keinen Sinn ergibt:

s k l d g h i e d m m h t s g a n
e e m i o d r e r e s ü a i d e d

Ich glaube, dass dies der Schlüssel für das verschlossene und chiffrierte Buch in der Bibliothek ist. Der Code ist tatsächlich einfach und wurde im Unabhängigkeitskrieg benutzt. Wenn man die »Nullen« aus der zweiten Notiz streicht, erhält man dies hier:

s l g i d m t g n
e i d e e ü i e

Liest man die beiden Zeilen nach unten und oben statt waagerecht, kommt man auf das ursprüngliche Zitat aus den Seligpreisungen.

Bevor ich dies Mr. Boone zeigen kann, muss ich erst wissen, was in dem Buch steht …

24. Oktober 1850

Lieber Bones,

etwas Überraschendes ist passiert: Cal, der ja immer so lange schweigt, bis er seiner absolut sicher ist (ein seltener und bewundernswerter Charakterzug!), hat das Tagebuch meines Großvaters Robert gefunden. Die Aufzeichnungen waren in einem Code geschrieben, den Cal selbst entschlüsselt hat. Er behauptet in seiner Bescheidenheit, dass er die Entdeckung nur einem Zufall zu verdanken habe, aber ich vermute eher, dass die Lösung mehr auf Ausdauer und harte Arbeit zurückzuführen ist.

Wie auch immer, welch ein düsteres Licht wirft es auf unsere Geheimnisse hier!

Der erste Eintrag stammt vom 1. Juni 1789, der letzte vom 27. Oktober 1789 – vier Tage vor der Katastrophe in Jerusalem’s Lot, von der Mrs. Cloris gesprochen hat. Das Buch erzählt die Geschichte einer wachsenden Besessenheit – nein, Wahnsinn – und macht in schrecklicher Weise die Verbindung zwischen Großonkel Philip, Jerusalem’s Lot und dem Buch deutlich, das in jener entweihten Kirche ruht.

Das Dorf ist laut Robert Boone älter als Chapelwaite (das 1782 erbaut wurde) und Preacher’s Corners (das damals den Namen Preacher’s Rest trug und 1741 gegründet wurde); es wurde 1710 von einer Splittergruppe des puritanischen Glaubens gegründet, eine Sekte, deren Oberhaupt ein streng religiöser Fanatiker namens James Boon war.

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