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Nachtjäger

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. Zitate
  8. Einführung
  9. ERSTER TEIL Der Jäger
  10. 1
  11. 2
  12. 3
  13. 4
  14. 5
  15. 6
  16. 7
  17. 8
  18. 9
  19. 10
  20. 11
  21. 12
  22. 13
  23. 14
  24. ZWEITER TEIL Die Ungeheuer
  25. 15
  26. 16
  27. 17
  28. 18
  29. 19
  30. 20
  31. 21
  32. 22
  33. 23
  34. 24
  35. 25
  36. 26
  37. 27
  38. 28
  39. DRITTER TEIL Das Chaos
  40. 29
  41. 30
  42. 31
  43. 32
  44. 33
  45. 34
  46. 35
  47. 36
  48. 37
  49. 38
  50. 39
  51. 40
  52. 41
  53. 42
  54. 43
  55. VIERTER TEIL Die Ordnung
  56. 44
  57. 45
  58. 46
  59. 47
  60. 48
  61. 49
  62. 50
  63. 51
  64. 52
  65. 53
  66. 54
  67. 55
  68. 56
  69. 57
  70. 58
  71. 59
  72. FÜNFTER TEIL Die Finsternis
  73. 60
  74. 61
  75. 62
  76. 63
  77. 64
  78. 65
  79. 66
  80. 67
  81. 68
  82. 69
  83. 70
  84. 71
  85. Epilog
  86. Anmerkungen des Autors
  87. Danksagung

Über das Buch

Lebensbedrohliche Blessuren, die der römische Profiler-Kommissar Enrico Mancini aus seinem letzten Fall davongetragen hat, zwingen zur Auszeit in seinem Landhaus in Umbrien. Da erreichen ihn Nachrichten aus Rom: Ein Serienkiller, der seine Opfer in Figuren der griechischen Mythologie verwandelt, sorgt für Schrecken. Sein erstes Opfer, ein Vater mit zwei Söhnen, hat er in der Villa Borghese nach Art des Laokoons inszeniert. Dann wird die Leiche einer jungen Frau aufgefunden, deren malträtierter Kopf an die Medusa erinnert. Mit Mancinis Auszeit ist augenblicklich vorbei …

Über den Autor

Mirko Zilahy wurde 1974 in Rom geboren und studierte dort Anglistik und Italianistik. Anschließend promovierte er Dublin, wo er mehrere Jahre als Dozent für italienische Literatur arbeitete. Heute lebt er mit seiner Familie in Rom und ist ein gefragter Übersetzer namhafter englischer Autoren (z.B. Donna Tartt). Schattenkiller ist sein Debüt als Schriftsteller.

 

Die Einbildungskraft ist kein Geisteszustand,
sondern der Inbegriff des menschlichen Lebens.

William Blake

Fantasie ist die einzige Waffe im Krieg
gegen die Wirklichkeit.

Lewis Carroll

Die Nacht ist die Zeit der Verwandlungen.

Giorgio Manganelli

 

In der Mitte des rostigen Tors dreht sich ein Herz auf einer metallenen Achse. Das Ächzen dehnt sich über den Rasen aus, streift die Sitzbänke und drängt sich zwischen den Zweigen der Lärchen und Zypressen hindurch. Nicht weit entfernt leuchtet die Galleria Borghese weiß im Licht der Parklaternen. Vom dunklen Himmelszelt ergießt der elfenbeinfarbene Mond seinen Schein über den Kies und fließt in das Smaragdgrün des Rasens.

Angetrieben vom Wind, setzt sich das Quietschen fort, dringt durch die Mauerritzen in die stillen Räume des Museums. Es erreicht den letzten Saal, streift die Gemälde und bohrt sich in den Kopf des knienden Mannes, dessen Mund sich stoßweise öffnet, um einen Schrei herauszulassen.

Doch er schafft es nicht.

Bruno kann nur brennende Tränen weinen. Erschöpft von der Furcht, sieht er sich um. In seinem Schädel dröhnen Trommeln. Seine Augen sind geflutet mit der salzigen Flüssigkeit, verformen die Wirklichkeit, verzerren den Saal und alles darin zu einem Strudel aberwitziger Konturen. Seine Hände zittern, und das Getöse in seinem Kopf wird immer stärker, drängt den Schrei zurück, bis dieser schließlich die feierliche Stille des Museums zerreißt und auf das letzte Wispern des drehenden Herzens trifft.

ERSTER TEIL

Der Jäger

1

Umbrien, drei Jahre zuvor

Die Glocke läutete getragen, während zaghafte Sonnenstrahlen dem Rosenmosaik am Fenster scharlachrote Reflexe entlockten. Gerade hatte es aufgehört zu regnen, die ausgeblichene Sitzbank aus Holz war nass. Von einem Beet mit weißen Rosen stieg der Duft von Gras auf. Ein Regenrinnsal streifte die Bordsteinkante und riss ein Kastanienblatt mit sich. Das gelbbraune Schiffchen schaukelte auf dem schlammigen Wasser, neigte sich erst nach einer Seite, dann nach der anderen, bis es sich schließlich aufrichtete, bereit, auf die weiteren Fluten zu treffen.

Zwei blaue Augen unter goldblonden Ponyfransen verfolgten das Schaukeln des Blattes bis zu einer Anhäufung von Schottersteinen, wo es hängen blieb. Dann richtete sich der stahlblaue Blick auf die Gestalt des Alten unter dem Vordach.

»Wann kann ich hier raus?«, fragte der Junge gedehnt.

»Ich weiß es nicht.«

»Ist es wegen dem, was ich gemacht habe?«

Der Mann stieß einen tiefen Seufzer aus, antwortete aber nicht.

»Ist es wegen dem, was ich gemacht habe, dass ich nicht rausdarf?«

Der Alte nickte, und der Junge kniff die Lippen zu einem Strich zusammen. Wieder betrachtete er das Blatt, das sich um sich selbst drehte, bevor er den Blick zum Himmel hob, an dem kleine Wattewolken vorbeizogen. Er blickte ihnen einen Moment lang nach, beobachtete, wie sie sich zerteilten und davontrieben.

Zum wiederholten Male sagte er sich, es sei nicht seine Schuld gewesen, dass dieser Mann sich in seiner Zelle aufgehalten hatte, während er sich verwandelte. Doch es half nichts. Er war jetzt verurteilt und würde für immer zwischen diesen Mauern eingesperrt bleiben, abgesehen von gelegentlichen Ausflügen in den Garten, die seine Wut und seinen Freiheitsdrang jedoch nur steigerten.

»Das ist ungerecht«, sagte er frustriert.

»So ist die Regel«, erwiderte der Mönch scharf, während ein dicker Regentropfen an der Rinde des Weidenbaums hinunterrann.

»Es ist ungerecht, Pater.«

Der Mann zwang sich, mit fester Stimme zu antworten. »Wenn du diese schlimmen Sachen machst, bist du … bist du nicht du selbst.«

»Ich …«

»Es tut mir leid, aber das hier ist dein Zuhause«, unterbrach ihn der Superior. »Jetzt und für immer.«

An diesem Freitagnachmittag Anfang Herbst schlug der Schwengel der schweren Turmlocke ein dreitoniges Trauergeläut. Innerhalb der Klostermauern war ein Mann gestorben. Ein Bruder, der seine Seele Gott anbefohlen hatte und dessen sterbliche Überreste in diesem Moment durch das Mittelschiff der Kirche getragen wurden. In einem Sarg, der an diesen heiligen Stätten zum ersten Mal überhaupt versiegelt worden war. Die Mönche folgten ihm mit bleichen Gesichtern auf seinem Weg zum Altar. So mancher dachte an die brutale Gewalt, durch die diese liebe Seele hinfortgerissen worden war, so mancher durchlebte deren letzten Augenblicke wieder: Die vergitterte Tür der Zelle von innen verschlossen, der Bruder allein mit dieser Bestie darin. Sie selbst davor, versteinert vor Furcht, tatenlos zusehend, wie er in Stücke gerissen wurde. Nichts als das entsetzliche Geräusch reißender Haut, der starke, säuerliche Geruch weichen Gewebes, das plötzliche Hervorquellen der Eingeweide, die verdrehten Augen des Untiers. Dann die abflauende Wut. Besessen, hatte jemand geflüstert.

Der junge Mann richtete seinen Blick wieder auf den Rinnstein der kleinen Gasse. Das Blatt hatte sich befreit und war weitergeschwommen, angezogen vom Strudel über dem Gully, in Kürze würde es von ihm verschlungen werden. Dann würde es hinunter in den Abwasserkanal trudeln, wie das Floß eines Schiffbrüchigen, mit dem emporragenden Stiel als Mast. Der Junge stellte sich vor, wie es den unterirdischen Sturmwogen in Miniatur trotzte, von den wilden Fluten hin und her geworfen, bis es schließlich die Unendlichkeit des Meeres erreichte.

Nein, das Meer habe ich noch nie gesehen, dachte er, und musterte die Klostermauern aus verblichenem Kalkstein. Sie waren von Efeuranken überwuchert, die bis hinauf zu den Schwalbenschwanzzinnen reichten. Dort endete seine Welt. Das hier war sein Zuhause, es beschützte ihn vor dem, was draußen war, wie der Pater Superior sagte, und vielleicht auch vor dem, was in ihm lauerte. Als er heranwuchs, hatte sein Zimmer nicht aus einem Universum aus Büchern, Spielen und Träumen bestanden, sondern aus einer Welt, deren Grenzen es zu überwinden, deren Wände es zu durchbrechen galt. Irgendwann hatte er es als das angesehen, was es wirklich war: eine Zelle. Und wenn dich jemand in einer Zelle gefangen hält, ist er kein liebender Vater, sondern ein Kerkermeister.

Die Kindheit lag hinter ihm, und er war endlich bereit hinauszuziehen. Was ihn dort draußen wohl erwartete? Er hatte nie gewagt, über diese Mauern hinwegzuspähen. Kein einziges Mal. Es ist gefährlich, hatten sie ihm immer wieder gesagt. Und er hatte stets gehorcht. Die Außenwelt war voll von schlimmen Dingen. Schmerz. Krankheit. Sünde.

Außerdem waren da noch die Monster. Der Dreh- und Angelpunkt aller Ängste. Das Zentrum der Nacht, die Wurzel des Chaos. Das gestaltlose Dunkel.

Aber seine Zeit würde kommen, die hohen Steinblöcke würden ihn nicht hindern. Niemand würde ihn mehr hier gefangen halten.

In der Kirche strichen die Brüder mit bangem Blick und voller Mitgefühl über das grobe Holz des Sargs. Keiner der Dreißig konnte ahnen, dass diese Tränen nicht die letzten waren, die sie seinetwegen vergießen würden.

Denn die Jagd hatte gerade erst begonnen.

Und der Jäger hatte seine Waffen gewetzt.

2

Polino

Enrico Mancini drang in den Buchenwald ein, zwängte sich zwischen Stechpalmen und Bergahorn hindurch, umgeben von einem intensiven Moschusgeruch und begleitet vom Rascheln des feuchten Laubs unter seinen Schritten. Die Anstrengung zwang ihn, mit offenem Mund zu atmen. Er roch das nasse Holz und nahm das Tröpfeln des Taus von den Blättern und das Rauschen des Windes in den Zweigen wahr, das sich mit dem Brummen der Pferdebremsen mischte. Feine Lichtfäden glitten durch das Blätterdach herab und streiften die knorrigen Stämme. Irgendwo fiel ein Tannenzapfen, und im Dickicht bewegte sich etwas. Er wusste, dass sein Geruch noch stundenlang auf seiner Strecke zurückbleiben und die Tierwelt des Unterholzes warnen würde.

Hier, zwischen Jägern und Beute, war er ein Fremder.

An diesem Februartag stand am Himmel ein Gewölbe aus tief hängenden blaugrauen Wolken. Ein bedrohliches Grollen, das jedoch nicht von oben, sondern aus dem Bauch des Waldes zu kommen schien, kündigte den bevorstehenden Gewitterregen an. Über ihm kreiste ein Falke, der nur darauf wartete, den Schrecken des Donners ausnutzen und selbst den kleinsten Fehler sofort bestrafen zu können, um Schnabel und Klauen in seine Beute zu schlagen. Plötzlich kreuzte ein Steinhuhn Enricos Weg, hob wachsam den Kopf und verschwand schnell wieder im Dornengestrüpp.

Auch er hob den Blick. Was da im Anmarsch war, gefiel ihm nicht. Er hatte das Braunkohlelager und die Förderanlagen, die sich in die Eingeweide der Erde gruben, hinter sich gelassen und folgte nun dem Saumpfad, vorbei an Ginsterbüschen und mächtigen Felssaufschlüssen. Der Schnee der vergangenen Tage war geschmolzen und hatte hier und da schmutzig braune Pfützen hinterlassen, was das Gehen mit dem schweren Jutesack in den Armen noch mühsamer machte. Seine Bergschuhe sanken im Matsch ein, seine Knie zitterten, sein Körper war unter der Arbeitskleidung schweißgebadet. Die feuchte Wärme der Haut traf auf die durchdringende Kälte der Berge. Er blieb stehen und lauschte, atmete tief ein, um sein Blut mit Sauerstoff anzureichern, und langsam wieder aus. Mit jedem Schritt fiel ihm das Gehen schwerer, und Arme und Schultern schmerzten von dem Gewicht, das sie zu tragen hatten.

Endlich erreichte er eine kreisförmige Lichtung mit einem Durchmesser von etwa dreißig Metern. Unwillkürlich kniff er die Augen zusammen, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatten. Er setzte den Sack auf der kahlen Erde ab, zog seine Wollmütze über die Ohren und den Reißverschluss seines gefütterten Anoraks hoch. Er war erschöpft, sein Brustkorb hob und senkte sich im Zuge seines schweren Atems. Auf der anderen Seite der Lichtung bemerkte er eine große Esskastanie, deren schrundige Rinde Bekanntschaft mit der Gewalt eines Blitzes gemacht hatte. Der Baum war mit schwarzen Brandstreifen gemasert und von Rissen gezeichnet, die den Stamm halb entzweispalteten. Der Winter hatte ihm den Rest gegeben und ihn seiner gezahnten Blätter und stacheligen Früchte beraubt.

Ein plötzliches wiederholtes Vibrieren in seiner Jackentasche ließ ihn zusammenfahren, doch es hörte so abrupt auf, wie es begonnen hatte. Er öffnete den Sack und holte eine kleine Schaufel und einen Setzling heraus. Erneut warf er einen Blick auf das aschfarbene Gewölbe über ihm. Der Raubvogel zog jetzt viel tiefer seine Kreise, und die Luft war eisig. Es war genau der richtige Zeitpunkt, um die kleine Eiche aus ihrer Vegetationsruhe zu holen und einzupflanzen. Er grub ein ausreichend breites und tiefes Loch, befreite den erdigen Wurzelballen von seinem schützenden Netz und setzte ihn hinein. Nachdem er die dicken Arbeitshandschuhe ausgezogen hatte, nahm er einen grünen Beutel mit Zugkordel aus seinem Anorak, öffnete ihn und schüttete den Inhalt in die Grube. Er drückte den Setzling mit den Handknöcheln gut in das Pflanzloch hinein und füllte es wieder mit Erde auf, die er mit seinen Bergschuhen festtrat.

Es war ein geschütztes Fleckchen, der Wind würde der kleinen Eiche hier nicht besonders zusetzen. Und die alte Kastanie am anderen Ende der Lichtung würde über sie wachen. Nur ein Blitzschlag, ein gewaltsames Naturereignis, hatte diesen Baum erschüttern und spalten können, ohne ihn jedoch vollends zu besiegen. Er blieb eine Weile schweigend vor dem frisch gepflanzten Schössling stehen und betrachtete ihn. Etwa ein Dutzend Ästchen streckte sich schon von seinem Stamm aus. Er konnte es schaffen.

Mancini nahm den Sack, faltete ihn zusammen, zog die Handschuhe an und machte sich an den Abstieg. Ein paar Hundert Meter unter ihm, in einem kleinen Tal zwischen den spärlich bewachsenen Hügeln, lag das Dörfchen Polino. Von hier oben konnte er gerade noch das eine Fenster seines Hauses ausmachen, das auf die grobe Steinfassade der Burg hinausging. Er musste schleunigst hinunter, ehe der Himmel seinen Zorn entlud. Außerdem brauchte er eine Dusche. Jeder Knochen in seinem Körper schmerzte, aber das waren Qualen, die er zu schätzen gelernt hatte. Sie gaben ihm das Gefühl, lebendig zu sein. Wirklich zu sein.

Hundert Meter weiter unten prägten Gemüsegärten und Olivenhaine sowie die charakteristischen Formen der Kalkfelsen das Gelände. Nachdem er einen ansteigenden Niederwald mit Pappeln erklommen hatte, lag der Blick frei auf die große Felsspitze mit der aufgegebenen Einsiedelei. Entschlossen schritt er voran, schlitterte in den Bergschuhen abwärts, vorbei an einigen Viehunterständen, bis er schließlich den Platz mit dem Brunnen und dem Waschhaus erreichte. Es war fast zehn, und er verspürte einen nagenden Hunger. Mit zitternden Oberschenkelmuskeln stieg er die Stufen hinauf, die sich im Zickzack zwischen Bogengängen und Steinhäusern aufwärtswanden, bis endlich rechts von ihm die Silhouette der Festung aufragte. Die beiden zylindrischen Türme und der polygonale Grundriss verliehen der kleinen Burg entgegen aller Trutzigkeit eine gewisse Leichtigkeit. Er überquerte den Platz, der den in diesen Bergen gefallenen Partisanen gewidmet war, und hielt vor einer Holztür an.

Kaum hatte er den Schlüssel im Schloss gedreht, stieg ihm der Geruch des Kaminfeuers vom Abend zuvor in die Nase. Er betrat den Raum, dessen Wände aus Steinquadern gefertigt waren. Darauf ruhte, von Balken aus Tannenholz gestützt, die Holzdecke. In der Mitte stand auf dem Boden aus Tonfliesen ein Esstisch aus Walnussholz, auf dem ein Stück Schinken und ein Jagdmesser lagen. Links befand sich ein alter Gasherd mit einem angekokelten Espressokocher und dem Rest eines ungesalzenen Stangenbrots darauf, auf der anderen Seite ein Sofa vor dem gemauerten Kamin. Er schloss die Tür, hängte seinen Anorak auf, legte Mütze und Handschuhe ab und kniete sich vor die Feuerstelle, in der noch ein knisternder Rest Glut lag. Die Aussicht auf Wärme belebte ihn, und so nahm er trockenes Holz vom Stapel neben dem Kamin und zündete es an. Der Kaffee war aufgebraucht, aber er hatte keine Lust, zum Lebensmittelladen hinunterzugehen, er wollte lieber für sich sein. Eins nach dem anderen.

Während die Holzscheite zu brennen begannen, stieg er die beiden Treppenstufen zum Schlafzimmer hinauf und betrat das angrenzende Bad. Er drehte den Warmwasserhahn der Dusche auf und war auf dem Weg zum Schlafzimmer, im Begriff sich ausziehen, als es plötzlich zweimal laut an der Haustür klopfte. Ungehalten verharrte er mitten in der Bewegung, in der Hoffnung, der Störenfried würde sich schnell zurückziehen. Das Feuer knisterte und sprühte orangefarbene Funken. Als jedoch ein neuer Schlag die Tür zum Erbeben brachte, durchquerte er resigniert den Raum und öffnete.

»Ein Anruf für Sie«, stieß der Mann an der Tür hervor, ein bulliger Typ, der den dreihundert Bewohnern des umbrischen Dörfchens das Feuerholz lieferte.

Enrico Mancinis Blick wanderte von dem rotschwarz karierten Flanellhemd zu dem stoppelbärtigen Gesicht des Mannes. Er nickte auffordernd, während ein kaltes Lüftchen von draußen ins Haus fuhr und um seinen nackten Oberkörper wirbelte.

»Unten im Restaurant«, fügte der Mann hinzu.

Mancini war hier heraufgekommen, um auszuspannen und die Dinge an ihren Platz fallen zu lassen. Die Luftveränderung tat ihm gut und half ihm, mit sich selbst zurechtzukommen. Jedenfalls mit einem Teil von sich. Das Haus in den Bergen war abgelegen genug, um es mit der angstvollen Unruhe aufzunehmen, die ihn jedes Mal befiel, wenn der Arbeitstag zu Ende war und er nichts mit sich anzufangen wusste.

»Von wem?«, fragte er.

»Weiß ich nicht. Die haben gesagt, es wär dringend. Aus Rom.« Der Holzhacker reichte ihm eine Papierserviette, auf der etwas geschrieben stand, nickte ihm zu und verschwand mit dem nächsten eisigen Windstoß.

Mancini schloss die Tür, drehte sich um und verharrte einen Moment regungslos.

Das Haus war in demselben Zustand, in dem er es ein paar Monate zuvor verlassen hatte, nach der Auszeit, die Polizeipräsident Gugliotti ihm nach dem Abschluss des Falls um den »Schattenkiller« auferlegt hatte. Dieser Serienmörder hatte Tod und Schrecken über die ewige Stadt gebracht, und Enrico Mancinis Auftrag war es gewesen, das Gesicht, die Persönlichkeit, den Charakter des Täters herauszuarbeiten. Er war der Beste seines Fachs oder war es zumindest bis vor einiger Zeit noch gewesen – bis seine Frau Marisa ihn für immer verlassen hatte. »Profiler« hieß dieser Bereich im Fernsehen oder in manchen Kriminalromanen, er selbst würde es einfach »Mörderjäger« nennen. Spezialisiert darauf, hatte er sich in Quantico, dem Trainingszentrum des FBI, wo sein Talent, Täterprofile anhand von Spuren an der Opferleiche oder am Tatort nachzuzeichnen, schnell aufgefallen war. Doch es war mehr als das, er blickte tiefer, hatte die Gabe, den Tatort zu »lesen« und die Gegenwart des Mörders wahrzunehmen, als wäre er noch da. Ihn zu sehen. Zumindest bis vor einiger Zeit.

Der Schattenkiller hatte die Hauptstadt wochenlang terrorisiert und seine grausame Spur zwischen den Ruinen der Industriekultur des Ostiense-Viertels hinterlassen. Dort hatte er die barbarisch verstümmelten Leichen seiner Opfer im alten Schlachthof von Testaccio, beim mächtigen verlassenen Gasometer und nahe der verfallenen Seifenfabrik abgelegt. Der Fall war für Mancini die schwerste Herausforderung seines Lebens gewesen. Nicht allein wegen der atemlosen Jagd auf den Täter, sondern auch wegen der Trauer, die ihn immer wieder überwältigt und gelähmt hatte – der Trauer um seine kurz zuvor verstorbene Frau.

Die zwei Wochen, die er anschließend in Polino verbracht hatte, waren in der Rückblende ein einziger wabernder Nebel, in dem er ziellos umhergeschweift war, verstört von seinen Erinnerungen und betäubt von dem Bösen, dem er beigewohnt hatte, aber auch von der Intensität seines Schmerzes, den er nie zuvor so stark verspürt hatte. Doch am Ende dieses endlos scheinenden Zeitraums, in dem er sich mit Leib und Seele dem Trinken verschrieben hatte, beinahe ohne einen Bissen feste Nahrung zu sich zu nehmen, hatte sein Körper wieder das Kommando übernommen. Seine Physis war es, auf die er setzen musste, um weiterzumachen, das Fleisch, die Nerven, die Muskeln, die angstdurchsetzten Knochen. Jede seiner Fasern befahl ihm, wieder aufzustehen und weiterzuleben, denn das war das Einzige, was blieb. Das Einzige, was wirklich zählte.

Er ging zum Kamin und warf die Serviette hinein, die mit einem glühenden Zucken verbrannte. Mit ihr löste sich sein Hunger in Luft auf. Er umrundete das Sofa, doch ehe er das Weinregal erreichte, fiel sein Blick auf den Spiegel mit dem vergoldeten Rahmen an der unverputzten Steinwand. Der schien ihn schon seit Tagen zu verfolgen, er fühlte sich beobachtet. Bislang hatte er ihm immer aus dem Weg gehen können, doch jetzt verlor sich sein Blick in den Augen des Phantoms, das ihn wie vom Grund eines klaren Brunnens aus anstarrte. Enrico hielt inne, gebannt von seinem Spiegelbild und von einem Gefühl der Leere übermannt. Er sah die zu lang gewachsenen Haare, die über die Ohren fielen, lockig und schwarz mit Ausnahme einer einzelnen grauen Strähne, darunter die breite, von drei Falten gezeichnete Stirn, das Dreieck des Kinns.

Am Kleiderständer neben dem Spiegel brummte in der Tasche seines Anoraks erneut das Handy und holte ihn aus der hypnotischen Betrachtung des Spiegelbilds. Er nahm es heraus und drückte die Annahmetaste, während er seinen Blick zu dem kleinen Fenster in der Tür wandern ließ.

»Hallo?«, ertönt unsicher die Stimme von Ispettore Walter Comello.

»Was gibt’s?«

»Guten Morgen, Dottore.«

»Was gibt’s?«, wiederholte er.

»Es tut mir leid. Sie müssen zurückkommen.«

Die Masse der Wolken wickelte sich förmlich um sich selbst, bis sie plötzlich geballt verharrte. Die Luft draußen schien feuchtigkeitsgesättigt und schwer. Mancini atmete tief aus und wartete.

»Man hat eine … eine Leiche gefunden. In der Galleria Borghese.«

»Wann?«

»Gerade erst. Ein grausamer Mord.«

Der Commissario schnaubte. »Ich komme Montagmorgen zurück und gehe dann gleich in die Gerichtsmedizin, um mir die Leiche anzusehen. Die Tatortbesichtigung kann der Vicecommissario übernehmen. Sag ihm, er soll Caterina mitnehmen.«

»Nein, Sie müssen kommen.«

»Ich bin in den Bergen. Ich komme am Montag.«

»Dottore, Sie müssen kommen und … sich das ansehen.«

Aus diesem »müssen« hörte Mancini eine Beunruhigung heraus, die nicht zum Ispettore passte. Wenn Walter Comello dieses Wort gebrauchte, musste etwas Ungewöhnliches passiert sein, etwas, das selbst einen abgebrühten Straßenbullen wie ihn beeindrucken würde. Etwas Beängstigendes.

Er blickte erneut zu seinem Bild im Spiegel und ertappte sich bei einem völlig überraschenden Gesichtsausdruck.

»Verstehe«, sagte er. Und legte auf.

3

Rom, Galleria Borghese

Mancinis schwarze Lederstiefel hämmerten über den Fußboden der Eingangshalle, während aus dem ersten Stock männliche Stimmen herabdrangen. Draußen hatte die Polizei den gekiesten Vorplatz mit weißrotem Absperrband umzogen und damit das gesamte Gebäude abgeriegelt, um neben den über die Schließung des Museums enttäuschten Touristen auch die Neugierigen fernzuhalten, die vom Anblick der Streifenwagen herbeigelockt worden waren. Die Sonne stand hoch über dem Dach der Galleria, und in den Wipfeln der Bäume zeterten die Amseln.

Er hastete die spiralförmig angelegte Freitreppe aus Marmor empor, eine Hand am schmiedeeisernen Geländer, und betrat die obere Halle. Dort nickte er zwei uniformierten Polizisten in kugelsicheren Westen zu, bevor er sich auf den Weg zum letzten Saal machte.

Der Saal der Psyche.

Obwohl sie ihm den Rücken zukehrten, erkannte Enrico Mancini darin sofort Questore Gugliotti und Ispettore Comello, die sich leise unterhielten. Links von ihnen verteilten zwei Mitarbeiter der Spurensicherung, in Overalls, Handschuhe, weiße Überschuhe und Hauben gekleidet, gelbe Schilder mit schwarzen Nummern darauf auf dem Boden und schossen Fotos. Die vier verdeckten fast vollständig eine Statue auf einem Sockel vor ihnen.

Auf dem Boden bemerkte Mancini die Leiche eines Mannes in Uniform. Er näherte sich ihr bis auf einen Meter und betrachtete sie schweigend. Der Mann lag auf der linken Seite, und um seinen Kopf herum hatte sich in einem Radius von etwa zehn Zentimetern eine Lache aus inzwischen geronnenem Blut gebildet. Das Gesicht war wachsbleich.

In diesem Moment drehte Questore Vincenzo Gugliotti sich um, ebenso wie Ispettore Comello, der den Commissario respektvoll mit einem militärischen Gruß empfing. Die Bewegung führte zu einer Lücke zwischen den beiden, die den Blick auf die Statue hinter ihnen frei gab.

»Mancini, endlich!«, rief der Polizeipräsident herrisch. Seine Worte hallten im Saal wider.

Doch der Commissario konnte nichts als starr geradeaus blicken, und plötzlich erschien ihm die Luft im Raum unerträglich stickig. Denn neben der Statue Porträt eines Knaben zeigte sich eine Szene, die keinem anderen Verbrechen, mit dem er es in seiner Zeit als Profiler zu tun gehabt hatte, auch nur ansatzweise ähnelte.

Dort vor ihm waren drei Leichen zu einer wahnwitzigen skulpturalen Pose angeordnet. In der Mitte befand sich ein nackter Mann von beeindruckender Statur. An seinen Seiten umschlangen zwei ebenfalls unbekleidete Knaben seine mächtigen, muskulösen Beine. Ihre Gesichter wirkten aufgrund der Totenstarre, als wären sie aus kühlem Marmor gehauen. Ein dickes Hanfseil, möglicherweise ein Tau, war in einem Wust von Schlingen um ihre Beine, Knie und Oberkörper geschlungen.

»Er hat gewartet, bis sie starr wurden, und sie dann so zusammengenagelt«, sagte Gugliotti und zeigte selbstzufrieden auf rote Wunden an den Knöcheln, Knien und Armen, aus denen die Köpfe dicker Nägel ragten. Den Rest dieser makabren Inszenierung hielten die Stricke zusammen.

»Wer sind die Opfer?«, fragte der Commissario.

»Der Gärtner und seine Söhne«, antwortete Comello.

Abgesehen von der unnatürlichen Haltung, schockierten an diesem fleischgewordenen Albtraum vor allem die Mienen der drei Leichen, die allesamt zu dem gleichen schmerzvollen Ausdruck verzerrt waren. Es war offensichtlich, dass der Täter das erste Einsetzen der Totenstarre abgewartet hatte, um nicht nur die Körper, sondern auch die Gesichter zu modellieren. Ein Schauder schien durch die Räume zu jagen, wie von einem kalten Luftzug oder dem Eindruck der Schreie dieser Ärmsten, in dem Versuch sich zu befreien. Alles wirkte auf spektakuläre Weise lebendig, die angespannten Gesichter, die gerunzelten Brauen, die geweiteten Nasenlöcher, die offenen Münder.

»Die Spurensicherung ist fleißig bei der Arbeit.« Gugliottis Stimme riss Mancini aus seinen Gedanken. Er wandte den Blick von dem Ensemble aus Muskeln und Stricken und richtete ihn auf seinen Vorgesetzten.

»Sie sind schon bei der Spurenauswertung«, ergänzte Walter.

Gespannt ging Mancini neben ihm in die Hocke. »Tatort oder Fundort?«, fragte er den Ispettore.

Im Fachjargon wurde bei den Schauplätzen eines Tötungsdelikts unterschieden nach dem Tatort, an dem der Mord verübt worden war, und dem Fundort der Leiche. In Fällen, in denen der Täter eine Inszenierung vorgenommen hatte, sprach man auch vom Ablegeort. Zuweilen fielen sie zusammen, doch hier war es nicht so.

»Ablegeort. Er hat sie durch den Park gezerrt, dann durch den Eingang und die Treppe hinauf. Der Tatort ist die Voliere, nur wenige Hundert Meter von der Galleria entfernt. Alle drei Opfer weisen Schädelwunden auf, er muss sie mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen haben.«

»Alle vier«, präzisierte der Questore und zeigte auf die Leiche des Mannes in Uniform auf dem Boden.

»Nur dass er den ersten dreien noch mit einer sehr feinen Klinge die Kehle durchgeschnitten hat. Er hat sie vermutlich irgendwo verbluten lassen und dann hierhergeschleppt, um sie so zu arrangieren«, erklärte Comello.

»Die Suche nach Fingerabdrücken wird die Hölle«, bemerkte Mancini. »In einem Museum mit Tausenden von Besuchern täglich.«

Er erhob sich und betrachtete die Schilder. Die Nummer eins bezeichnete die Stelle, an der ein kastanienbraunes Haarbüschel lag. Nummer zwei wies mit einem schwarzen Pfeil auf eine Reihe von Fußabdrücken, die vom Eingang zu Nummer eins führten. Ein Fotograf der Spurensicherung machte sich gerade Notizen zu Form und Beschaffenheit der Fußspuren. Nummer drei markierte eine Ansammlung von Blutspritzern direkt hinter dem mittleren Opfer der Dreiergruppe.

»Wer koordiniert die Ermittlungen, Dottore? Und warum ist derjenige nicht hier?«, fragte Mancini den Polizeipräsidenten.

»Giulia Foderà. Aber sie war heute Morgen unauffindbar.«

Ausgerechnet. Mancini biss sich kurz auf die Lippen, dann wandte er sich wieder dem Tatort zu. Im Raum bemerkte er eine weitere Fotografin, Caterina De Marchi, leicht zu erkennen an den roten Haaren, die unter der Haube hervorlugten, der zierlichen Gestalt und den Katzenaugen über dem Mundschutz. Und natürlich an ihrer Nikon. Caterina hatte ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, die sie schon als kleines Mädchen begeistert hatte, zum Beruf gemacht. Ungeachtet ihres zurückhaltenden, sensiblen Charakters und ihres tollen Aussehens, war das nun ihre Arbeit: leblose Körper und Spuren an einem Tatort zu verewigen. Doch sie bewältigte das alles auf die ihr eigene Art, in der jedes Klicken des Auslösers die Begegnung mit einem gewaltsamen Tod für sie weniger belastend machte. Mit jedem Knipsen brachte sie in gewissem Sinne wieder Ordnung in die Welt, verbannte die schrecklichen Szenen in ein virtuelles Universum, das sie emotional bewältigen konnte. Ihre Nikon wirkte im Grunde wie ein Filter zwischen ihr und dem Grauen, mit dem ihr Beruf sie tagtäglich konfrontierte. So fotografierte sie nun dicht um die Leichen herum, hielt Einzelheiten der Stricke fest und bückte sich dann, um den Windungen zu folgen, mit denen diese um die Beine der beiden Jungen geschnürt waren. Über die Hände der drei Opfer waren bereits Plastiktüten gezogen worden, um eventuelle Spuren unter den Fingernägeln zu konservieren.

»Und das da ist der Aufseher«, folgerte der Commissario und deutete auf den Toten am Boden.

»Das war er«, korrigierte Gugliotti.

Mancini wandte sich wieder der Skulptur aus Hanf und Leibern zu. »Caterina, hast du auch innen geknipst?«

Mit »innen« meinte er die Ohren, die Nasenlöcher, die Münder und alle anderen Körperöffnungen.

»Ich habe alles aufgenommen, Dottore. Mir ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen.«

»Dann können wir jetzt gehen«, sagte Gugliotti.

»Vorher sollten Sie sich noch das hier anschauen«, mischte sich der andere Fotograf ein, der Aufnahmen hinter dem Mann auf dem Sockel schoss. Sie traten zu ihm, und sofort fiel ihnen etwas unterhalb des Nackens ins Auge, eine Art Zeichen auf der Haut.

»Ein Schnitt, mit etwas sehr Scharfem, Feinem und Gezacktem ausgeführt«, stellte Comello fest.

»Sieht aus wie ein L«, fügte Gugliotti hinzu, der die wenige Millimeter auseinanderklaffenden Wundränder prüfend musterte. Sie waren weiß, und die Haut darum herum erinnerte an weiche Schweineschwarte. Der vertikale Teil des Einschnitts maß etwa zwei Zentimeter, der horizontale einen.

»Wir sollten Rocchi holen«, schlug Walter vor. Der Gerichtsmediziner hatte sicher eine Idee dazu.

Caterina entfernte sich ein paar Schritte und deutete plötzlich auf etwas am Boden auf der anderen Seite der Komposition aus Fleisch. »Oh Gott!«

Die Männer folgten der Richtung ihres ausgestreckten Arms. In der roten Lache, direkt vor dem Mund und der Nase des Aufsehers, hatte sich ein heller Fleck gebildet. Seine Lippen bewegten sich, sein Unterkiefer wischte über den Fußboden. Er schnappte nach Luft wie ein verendender Fisch, die Augen trüb und tief in den Höhlen.

Immer noch aufgerissen im Schrecken ihres letzten Anblicks.

4

Zuerst umschlingen beide Schlangen die kleinen
Körper der beiden Söhne und umwickeln sie und verzehren
die armen Glieder mit ihren Bissen …

Virgil, Äneis

Im Bauch der Galleria Borghese liegt Bruno ausgestreckt auf seinem Bett und versucht vergeblich, ein wenig zu schlafen. Und das schon seit zwei Stunden, doch die Kopfschmerzen sind einfach unerträglich. Er steht auf und geht zum Fenster, öffnet es und atmet tief durch. Draußen ist es kalt. Sein Zimmer ist einfach, mit einem Bett, einem Schrank und einem Regalbord. Die Kochnische und das Bad daneben sind klein, aber mehr als ausreichend für eine Person. Den Beruf des Nachtwächters muss er erst noch lernen, aber er ist willig. Vielleicht ist er ein bisschen langsam, der Direktor tadelt ihn ab und zu, doch das stört ihn nicht. Die Bezahlung ist gut, und er hat keine teuren Laster.

Er setzt sich wieder auf die Matratze, fährt sich mit der Hand über die Stirn, in der Hoffnung, dass das Gequietsche in seinem Kopf endlich aufhört, und vernimmt im selben Moment das Knirschen von Kies auf dem Vorplatz. Das Geräusch setzt sich fort, verstummt, beginnt von Neuem. Bruno überlegt nicht lange, zieht sich an, schlüpft in seine Schuhe und verlässt die kleine Wohnung. Er schließt den Haupteingang der Galleria Borghese auf, tritt hindurch, sperrt dann mit drei Schlüsselumdrehungen wieder hinter sich zu und geht die breite Steintreppe zum Vorplatz hinunter.

Nun ist er draußen.

Obwohl er erst seit Kurzem hier ist, sind ihm die Fassade, die Säulenhalle, die Flügeltürme und die Reliefs schon sehr vertraut. Der Kiesplatz ist beleuchtet, doch niemand ist zu sehen. Er beschließt, zum etwa zweihundert Meter entfernten ehemaligen Tierpark hinunterzugehen. Das Knirschen ist nicht mehr zu hören, seine pochenden Kopfschmerzen hingegen sind geblieben. Er gibt sich einen Ruck und geht durch das Eisentor der Volierenanlage und weiter zu den runden Springbrunnen. Die Vögel, die hier einst ihren Durst stillten, sind weg, übrig sind nur die zierenden Reliefs und Ornamente, wie bunte Schattengeister. Die Kuppel beherbergte früher Hunderte von Arten, und draußen vor den überfüllten Käfigen stolzierten erhabene Pfauen, die ihre eitle Vielfarbigkeit beim Radschlagen zur Schau stellten.

Die einzige brennende Laterne gibt nur ein schwaches orangefarbenes Licht ab, das kaum das dichte Laubwerk durchdringt.

Er holt seine kleine Taschenlampe heraus, knipst sie an und richtet sie auf die Mauer nahe den Käfigen. Der Strahl zuckt über die Fugen. Die Blätter der Hecke rascheln, der Duft von Lorbeer liegt in der Luft. Dann richtet sich im Gebüsch etwas auf, das Bruno aber nicht richtig erkennen kann. Von der Gestalt, die nun vor ihm steht, erahnt er nur die erhobene Hand. Sie ist bewaffnet.

Bruno reißt die Augen auf und macht hastig kehrt, während das Rascheln des Laubs durch die Bewegung der sich nähernden Silhouette lauter wird. Wieder pocht es in seinem Schädel, und seine Halsschlagader schwillt an. Stolpernd läuft er davon, während er hinter sich das Geräusch von aufgeworfenem Schotter vernimmt. Er durchquert den Park und überwindet mit einem Satz das algengeschwärzte Fischbassin. Er muss den Vorplatz erreichen und ins Museum gelangen. Doch das Geräusch kommt immer näher, und seine Panik wächst. Sein Trommelfell ist wie mit Watte verstopft. Er will sich umdrehen, tut es aber nicht, sondern läuft schwankend weiter, scheinbar in Zeitlupe, in der Gewissheit, dass sein Verfolger ihn packen und dieses Ding, das er in der Hand hält, gegen ihn einsetzen wird.

Bruno rennt, als sei der Sensemann persönlich hinter ihm her, und stolpert über die Schnürsenkel seiner blankgewienerten Schuhe. Er strauchelt. Lauf, befiehlt er sich, und auch wenn er dabei stumm bleibt, hallt das Wort wie Donner in seinen Ohren nach. Er schüttelt den Kopf, schnappt nach Luft und rennt weiter. Keuchend springt er die Treppe hinauf. Erreicht das Eingangsportal und fischt die Schlüssel heraus. Jetzt dreht er sich kurz um, aber die Welt hinter ihm ist wirr und verschwommen. Der Schlüssel hakt im Schloss, dann greift er. Bruno drückt den Türflügel auf, schlüpft hinein und schließt genau in dem Moment ab, als sich von außen etwas dagegen wirft.

Er ist drin. In Sicherheit. Mit dem Rücken gegen die Holztür gelehnt, ringt er nach Luft. Draußen ist nichts als Stille.

Ein gedämpftes Licht beleuchtet die Vorhalle der Galleria und den Empfangstresen, hinter dem sich der Eingangssaal mit seiner Freskendecke und dem Mosaikboden öffnet. Seit drei Monaten arbeitet Bruno hier. Tagsüber ist es eine schöne Aufgabe, mitten unter den Leuten. Bei Nacht jedoch verwandeln sich die Räume, die Statuen werden lebendig, und die Fresken flüstern in der Sprache der Toten.

Links ist die kleine Seitentür zu seiner Unterkunft. Er tritt hindurch und schließt ab. Sein Kopf hämmert ohne Unterlass, und das Blut rauscht unaufhörlich in seinen Ohren. Er stellt sich an das vergitterte Fenster und späht hinaus, betet, dass niemand mehr da ist, dass, wer auch immer das war, fort ist. Dann geht er ins Bad und wäscht sich das Gesicht. Er dreht den Wasserstrahl ab und setzt sich aufs Bett. Sein Herz schlägt allmählich ruhiger, die Atmung normalisiert sich. Nur in seinen Ohren dröhnt es weiter. Er greift zu der Wasserflasche neben dem Bett, trinkt einen Schluck und legt sich hin, bettet den Kopf aufs Kissen.

Sein Blick irrt verdutzt durch das dunkle Zimmer. Er muss eingeschlafen sein, ist benommen, aber der Schmerz in seinem Kopf ist verschwunden. Angestrengt lauscht er, fühlt sich seltsam beklommen. Wie lange hat er geschlafen? Vorsichtig geht er zur Tür und öffnet sie. Normalerweise wird das Museum wegen der Überwachungskameras nachts von einzelnen Lampen dezent beleuchtet.

Jetzt jedoch nicht. Es ist dunkel. Nur das Licht der Lampen aus dem Park dringt herein.

Offenbar ist das System lahmgelegt. Nicht zum ersten Mal – erst vor zwei Tagen hat ein Rabe das elektrische Kabel auf dem Dach der Galleria beschädigt. Der Haustechniker hat es erst mal notdürftig geflickt. Bestimmt ist das der Grund, sagt Bruno sich, als er die Eingangshalle betritt. Der Haupteingang ist nach wie vor geschlossen, doch in diesem Augenblick trifft eine Schwingung sein Trommelfell. Ein Knall irgendwo, wie von einer zuschlagenden Tür. Die Panik überrollt ihn in Schüben, und er rennt die Treppe zum Untergeschoss hinunter, wo sich das Restaurant und die Bibliothek befinden.

Und das Telefon.

Er nimmt den Hörer ab und wählt den Notruf. Wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Leitung ist tot. Kein Strom.

Hastig läuft er wieder nach oben. Das Museum ist still, bewohnt nur von den Schatten der zahlreichen Werke. Bruno liebt diese Gemälde, die Statuen, auch wenn sie ihm Angst machen. Bei seinen nächtlichen Runden, wenn er durch die notdürftig beleuchteten Säle geht, klammert er sich an den Hall seiner Absätze, um sich nicht allzu verloren zu fühlen. Jetzt hingegen schleicht er auf Zehenspitzen, als er Saal für Saal kontrolliert, unterstützt vom Licht der Parklampen draußen. Nach Paolina Borghese begegnet er Caravaggios Heiligem Hieronymus mit dem Totenschädel auf dem Schreibpult. Bruno wirft nur einen kurzen Blick darauf und huscht weiter. Er kann sie nicht anschauen, diese leeren Höhlen. Eilig steuert er den Saal mit dem beängstigendsten Kunstwerk an, Apollo und Daphne von Bernini. Die Besucher stehen stundenlang davor und betrachten es, aber er erträgt dieses Schauspiel von Reglosigkeit und zeitgleicher Unbeständigkeit nicht. Die Verwandlung, im Werden begriffen und doch in Marmor erstarrt.

Das Grauen der Metamorphose.

Es dämmert noch nicht, aber außerhalb des verschwiegenen Borghese-Parks, umgeben von drei Meter hohen Mauern, tost schon der Verkehr auf dem Viale Muro Torto. Innen bereiten sich die Springbrunnen auf die Wasserspiele in ihren steinernen Bassins vor. In den kostbaren Sälen der Galleria Borghese herrscht Ruhe.

Bruno erreicht die obere Etage. Er betritt die Vorhalle und folgt, wie die Touristen, gegen den Uhrzeigersinn dem quadratischen Saalplan. Schleicht durch die Loggia von Lanfranco und den Saal der Aurora. Auch hier kein Laut. Die Geräusche kamen vom Dach, wo die Möwen nisten, wie dumm von mir, sagt er sich, als er den letzten Saal betritt. Den der Psyche.

Die Decke ist von Novelli mit Szenen aus dem Goldenen Esel von Apuleius bemalt, rings um den Raum stehen sechs Zierkamine, und an der westlichen Wand prangt das Gemälde Himmlische und irdische Liebe von Tizian. In der Saalmitte steht auf einem Sockel die antike Skulptur Porträt eines Knaben.

Doch dort vor dem Knaben, auf dem glänzenden ockerfarbenen Boden, entdeckt Bruno auf einmal ein neues Werk.

Ungläubig bleibt er stehen und starrt auf die wirre Komposition der Linien, auf die wie Tentakel verschlungenen Gliedmaßen. Ein schauderhaftes Knäuel aus Armen, Beinen und Köpfen blickt ihm entgegen.

Bewegt es sich?

Das kann er sich gerade noch fragen, bevor ein gewaltiger Schlag seinen Schädel zertrümmert.

5

Rom, Polizeipräsidium

Im Viertel Monti, nicht weit von der Via Nazionale und direkt neben der Kirche San Vitale, die auch der zugehörigen Straße ihren Namen gab, liegt das Polizeipräsidium von Rom. Ein schmuckloses Gebäude aus dem Jahr 1910, das vormals ein Dominikanerkloster war.

An diesem Morgen hing eine dicke, runde Wolke über dem weißen Dach. Der Questore betrachtete sie von seinem Büro aus mit einer Mischung aus Staunen und Unbehagen. Er hielt seinen rechten Arm auf die Hüfte gestützt, in der Hand eine Ausgabe des Messaggero. Schließlich hob er die Zeitung höher, faltete sie auseinander und setzte die Brille auf, die an einer Goldkette um seinen Hals baumelte. Mit dem Alter nahm die Sehschärfe deutlich ab.

Er hatte die erste Seite des Lokalteils vor sich. Die obere Hälfte war hauptsächlich einem Bericht über einen Unfall auf der Via Cristoforo Colombo gewidmet, bei dem zwei Familien ums Leben gekommen waren. Ein SUV hatte zu einem gewagten Überholmanöver angesetzt, den Rest hatten die Wurzeln einer Seekiefer erledigt. Das Fahrzeug war ins Schleudern geraten, hatte die mittlere Leitplanke durchbrochen und war auf der Gegenfahrbahn mit einem Kleinwagen zusammengeprallt. Daneben stand noch eine Meldung über das Verschwinden mehrerer Hunde im Nomentano-Viertel. Die Besitzerin von sechs Chihuahuas gab an, sie aus den Augen verloren zu haben, während sie in dem kleinen Park der Gartenstadt von Monte Sacro spielten. Einer Gruppe von Tierschützern zufolge, so vermeldete ein Kommentar, bestand ein Zusammenhang zwischen den zunehmenden Tier-Entführungen und den Experimenten eines multinationalen pharmazeutischen Konzerns, der Labors in der Gegend betrieb. Gugliotti zog eine missbilligende Grimasse.

Der Rest der Seite widmete sich unter dem Titel »Horror im Museum« dem Mehrfachmord in der Galleria Borghese. Zusätzlich zu den wilden, unzusammenhängenden Spekulationen würde wie immer vor allem das verdammte Foto beunruhigend auf die Leserschaft wirken. Der Questore betrachtete das schwarz-weiße Quadrat von zehn Zentimetern Seitenlänge, in dem die drei Leichen im Saal der Psyche zu sehen waren. Es war zum Glück von Weitem aufgenommen, man konnte zwar erahnen, dass es sich um eine Art Figurengruppe handelte, doch die Belichtung war miserabel und die Aufnahme durch ein Fenster gemacht worden, sodass die Reflexe sie vollends verdarben. Dieses Mal ist das Glück auf meiner Seite, dachte der Polizeipräsident.

Ein Hustenanfall riss ihn aus seiner Betrachtung. Er drehte sich um und erblickte einen kleinen Mann mit zerzaustem kastanienbraunem Haar in braunem Sakko, zu dem er eine blassgrüne Krawatte trug. Er hielt ein Blatt Papier in der Hand.

»Man hat Cristina Angelini gefunden«, krächzte Gianni Messina.

Der Blick seines Mitarbeiters ließ keinen Zweifel daran, in welchem Zustand die Frau aufgefunden worden war. Scheiße, dachte Gugliotti, der die Situation sofort erfasste und sich den Ärger ausmalte, den sie mit sich bringen würde. »Wann? Und wo?«, fragte er, während er bereits überlegte, wie er am besten mit der Nachricht umging.

»Gerade erst, im Biopark.«

Die Villa von Cristina Angelini, der Tochter des bekannten Tenors Mario Angelini, lag am Viale Ulisse Aldrovandi, am Rand des Wohnviertels Parioli. Die junge Frau lebte allein in dem großen Haus, dessen Erdgeschoss ihrem Beruf als Opernsängerin vorbehalten war. Dort gab es einen schalldichten Raum mit einem weißen Flügel und Streichinstrumenten sowie hinter einer Glaswand ein Tonstudio. Die eigentliche Wohnung befand sich im ersten Stock und bestand aus einem riesigen Schlafzimmer, einem zwanzig Quadratmeter großen Bad und einem Zimmer voller Bücher, Musikzeitschriften und anderer Literatur rund um das Thema Musik.

Das Haus war von Zedern und römischen Pinien umgeben, und die Vorderfront grenzte an die Nordseite des Bioparks, wie der ehemalige Zoologische Garten jetzt hieß. Bei der Ankunft der Polizeibeamten war im Erdgeschoss nichts Außergewöhnliches zu sehen gewesen, ebenso wenig wie im Schlafzimmer der Sängerin und im Musikzimmer. Doch beim Betreten des Badezimmers waren die Beamten auf einen roten Sumpf getroffen. Der Fußboden war überschwemmt gewesen und der Rand der Badewanne voller Blut, ebenso das Wasser, das sie bis obenhin füllte. Die einzige Fußspur war dieselbe, die auch auf dem Rasen draußen zu sehen gewesen war, der durch Lorbeerhecken vor neugierigen Blicken geschützt war. Die Spurensicherung hatte draußen und drinnen Abdrücke von Schuhen gefunden, deren Größe, Marke und Modell bislang noch nicht hatten ermittelt werden können.

Es waren makabere Einzelheiten, die der Questore bereits kannte, seit sich die Polizei auf einen alarmierenden Anruf des Vaters hin, der von New York aus mehrmals vergeblich versucht hatte, seine Tochter zu erreichen, vor einigen Tagen Zugang zum Garten des Anwesens verschafft und das Eingangstor offen vorgefunden hatte.

»Wer hat sie gefunden?«

»Einer der Wächter«, antwortete der Assistent und suchte in den engen Zeilen der Faxnachricht nach dem Namen des Mannes.

Gugliotti warf den Messaggero auf seinen Schreibtisch. »Ist schon jemand dort?«

Messina führte das Blatt dichter vor seine Augen. »Ja, zwei Ispettori von der Wache in Salario-Parioli, und die Spurensicherung müsste inzwischen auch dort sein.«

Gugliotti wusste, dass er den Vater der jungen Frau persönlich informieren musste, ehe die Nachricht ihn von anderer Seite erreichte, womöglich noch mit einem schönen Foto von der Leiche. »Lassen Sie die Umgebung abriegeln und informieren Sie sofort den Direktor des Parks. Niemand darf das Grundstück betreten.«

Gugliotti fixierte Messina, der mit einem Mal verlegen wirkte. Er riss ihm das Fax aus der Hand, und sofort heftete sich sein Blick auf ein Schwarz-Weiß-Bild. Auf dem grauen, grobkörnigen Hintergrund war eine Erhebung aus Pappmaschee auszumachen – die Eisbergkulisse in dem alten, seit Jahren verlassenen Eisbär-Schwimmbecken. Mitten in dem Becken lag ein Körper. Trotz der schlechten Bildqualität ließen die Statur und die wallenden hellen Haare vermuten, dass es die Leiche von Cristina Angelini war.

»Woher hast du das?«

Die peinlich berührte Miene des Assistenten reichte als Antwort auf die Befürchtungen des Questore.

»Hat das einer von unseren Leuten gemacht?«, brüllte Gugliotti.

Messina reckte seinen Stiernacken vor und tippte mit dem Zeigefinger auf eine Signatur am oberen Rand des Blatts: ansa.it – die große italienische Presseagentur.

»Wie ist das möglich? Noch dazu nach dem Fund in der Galleria Borghese!«

»Ich weiß es nicht, Dottore.«

Die Entschuldigungen des Untergebenen verhallten ungehört, denn Gugliottis Gedanken waren bereits woanders. Zwei Tötungsdelikte, zeitlich so dicht beieinander. Und auch räumlich so nah. Zwischen der Galleria Borghese und dem Biopark, zwischen dem Gärtner und seinen Söhnen und der armen Cristina Angelini lagen nur rund vierhundert Meter. Das konnte kein Zufall sein.

»Schon gut, Messina. Ruf Commissario Mancini an. Es steht eine weitere Tatortbesichtigung an.«

»Sofort, Dottore.«

Gugliotti wusste, dass Mancini der richtige Mann für diese Aufgabe war und hoffte inständig, dass sein Untergebener nach dem Tod seiner Frau und einer längeren Auszeit nun wieder in der Lage sein würde, Außerordentliches zu leisten. Natürlich könnte er die Fälle einem anderen übertragen, es gab genug ehrgeizige Nachwuchskräfte, von denen einer eines nicht allzu fernen Tages Mancinis Platz einnehmen würde. Doch im Moment dachte er nicht daran, jemanden mit einem Fall auf die Probe zu stellen, der vertrackter und überdies medial heikler zu sein schien, als er zunächst vermutet hatte.

»Messina, bring mir die Fotos aus der Galleria Borghese. Ich muss noch jemanden anrufen.«

6

Rom, Polizeiwache Monte Sacro

Sechs Kilometer nordöstlich des Polizeipräsidiums liegt die Polizeiwache des Stadtteils Monte Sacro. In einem Büro, das sich sehr von dem unterschied, in dem Vincenzo Gugliotti seinen Anruf tätigte, saß Enrico Mancini vor dem eingeschalteten PC an seinem Schreibtisch. Er hatte das Fenster geschlossen und die Jalousie hochgezogen. Die vergilbten Wände reflektierten das Neonlicht, und der Bildschirm warf ein bläuliches Licht auf den Commissario. Er hielt das Gesicht mit den Händen und die Ellbogen auf die Tischplatte gestützt und hatte den Kragen seines Hemdes geöffnet. Auf der Couch lag ein neuer Trenchcoat, ähnlich dem, der bei einem Brand vor einigen Monaten vernichtet worden war. Zusammen mit dem alten Mantel, einem Geschenk seines Vaters, waren auch die Handschuhe teilweise verkohlt, die er nach Marisas Tod wie einen Schutzwall ständig getragen hatte. Er war damals nicht rechtzeitig von einer seiner Tagungen in Quantico zurückgekehrt, um seine Frau noch ein letztes Mal zu sehen, um sich wenigstens von ihr verabschieden zu können. Bei seiner Ankunft in Rom war sie schon tot gewesen. Von da an hatte er die Handschuhe getragen, die ihrem Vater gehört hatten, um Abstand zwischen sich und den anderen, sich und der Welt, zu schaffen. Diese Handschuhe waren ein Zeichen seiner Absage an das Leben und zwischenmenschlichen Kontakt. Eine tote Haut, die seine Hände beständig umhüllt hatte.

Enrico Mancini rieb sich mit Zeigefinger und Daumen die geröteten Augen. Er fokussierte seinen Blick und sah den Cursor im Adressfeld seiner Antwortmail blinken. Dann atmete er tief ein und schnaufend wieder aus, um sich zur Entschlossenheit zu mahnen.

Enrico,

seit unserer letzten Begegnung sind drei Tage vergangen. Du weißt, dass ich keinerlei Ansprüche erhebe, mir keine Hoffnungen mache. Ich rechne mir nichts aus. Aber einen Anruf erwarte ich schon.

Also: Ruf mich an.

G.

Sollte er antworten? Die wirren Gefühle in seinem Magen griffen auf seinen Kopf über. Zum ersten Mal seit Langem empfand er lästigen, zermürbenden Zweifel, und der plagte ihn. Nach der allesumfassenden ersten Trauerphase hatte ihn ein heftiges Nachbeben erschüttert, das bisher nicht in einem inneren Gleichgewicht gemündet hatte. Was ihn niederdrückte, waren nicht so sehr die Erinnerungen an seine tote Liebe, sondern die alltäglichen Dinge und Gewohnheiten, selbst die unbedeutendsten, die ihm Marisas Fehlen schmerzlich vor Augen führten, und das war kaum auszuhalten. Seit er auf den Schutz der Handschuhe verzichtete, die ihm während der ersten Phase der Trauer um Marisa Halt gegeben hatten, versuchte er, etwas für sich zu tun, genau wie Dottoressa Antonelli, die Psychologin des Reviers, es ihm geraten hatte. Und das hieß vor allem, jeden Tag etwas loszulassen: eine Erinnerung, einen Gegenstand, eine Angewohnheit aus ihrer gemeinsamen Zeit zu Hause. Er hatte im Bad angefangen in der Annahme, dass es ihm dort am leichtesten fallen würde, aber vielleicht war es dort einfach nur weniger schwer als in der Küche, die randvoll mit glücklichen Erinnerungen war, oder im Schlafzimmer, wo immer noch Marisas Unordnung herrschte.

Also hatte er die grüne Zahnbürste aus dem Glas auf dem rechten Waschbecken entfernt. Dann war das Handtuch an der Reihe gewesen, das er monatelang immer wieder gewaschen und aufgehängt hatte.

Er hatte angefangen, ja, aber irgendwann hatte er diese Entsorgungstherapie unterbrechen müssen, sodass ein Großteil der Sachen noch immer herumlag. Die Bücher auf ihrem Nachttisch, die CDs in der von ihr rot angemalten Gemüsesteige, das Peanuts-Kissen auf dem Sofa im Wohnzimmer, das mit ihm darauf wartete, dass Marisa zurückkam und sich neben ihm in das weiche Plaid kuschelte, den Duft ihres Badeschaums an sich, süß und real.

Dann war da noch diese Schublade, die Enrico nie geöffnet hatte. »Mein Tresor«, hatte Marisa sie genannt, und nur der Himmel wusste, was sie darin aufbewahrte. Er kannte das Schlüsselversteck, aber er hatte sich nie für den Inhalt interessiert. Einen Augenblick lang gab er sich einer Illusion hin, stellte sich vor, etwas von ihr darin zu finden, das ihm eine Verschnaufpause verschaffte. Ein Tagebuch mit Notizen über sie beide, ein Foto von ihnen, irgendetwas, das ihm das Gefühl gab, dass sie noch bei ihm war. Denn die akute Qual der Trauer hatte einer in Wellen kommenden Sehnsucht Platz gemacht, die, wie die Meeresbrandung am Strand, mit jedem Mal ein kleines Stück Erinnerung mit sich riss. Was ihm am meisten Angst machte und ein schreckliches Gefühl der Leere hervorrief, war der Gedanke, sie noch einmal zu verlieren. Sie aus seinen Erinnerungen, seinem taktilen, olfaktorischen, visuellen Gedächtnis zu verlieren. Ihre warme, leicht heisere Stimme zu vergessen. Die Konturen ihres schönen Gesichts lösten sich schon langsam auf. Der frische Geruch ihrer Haut, bevor die Chemotherapie ihn vollkommen umsonst verändert hatte, war aus der Bettwäsche verschwunden. Er hatte ihn überall in der Wohnung gesucht, fast panisch, weil er wusste, dass auch Geister sich ab einem gewissen Zeitpunkt in nichts auflösen. Und weil auch der Tod mit seiner Eiseskälte, die das Leben der Hinterbliebenen erstarren lässt, irgendwann stirbt.

Er schloss die Augen und holte tief Luft, in der Hoffnung, dadurch ein wenig Seelenruhe in sich aufzusaugen. Doch die Bilder, die auf der Leinwand seines Kopfs abliefen, brachten nur Wehmut mit sich. Wäre ich doch in Polino geblieben, dachte er und betrat im Geiste wieder das Haus in den Bergen. Er sah das Dorf vor seinem inneren Auge, wie es sich zwischen Felsen und Überhängen den Hang hinaufschlängelte, mit Giebeldächern und hellen Rauchsäulen aus den Schornsteinen, die gegen den Widerstand des Nebels ausatmeten. In der Ferne, auf dem gegenüberliegenden Bergzug, lagen die Gipfel verhüllt im Nebelschleier, der sich auch das alte Bergwerk einverleibt hatte. Das ausgedehnte Geröllfeld wurde von Buchen-Niederwäldern unterbrochen, und in der Mitte des Hochtals, vergessen vom Geist des Windes, zeichnete sich der Ring der Lichtung ab. So deutlich, als wäre er noch dort, sah er die krüppelige Form der Kastanie vor sich und stellte sich die Narben vor, die den Stamm von oben nach unten durchzogen. Doch aus diesen Rissen, das spürte er, würden bald neue grüne Hoffnungstriebe sprießen.

Er öffnete die Augen wieder.

Ungeachtet dessen, was zwischen ihnen gewesen war, fühlte Mancini sich noch nicht bereit für etwas Neues. Die Trauer ließ langsam nach, ohne jedoch zu vergehen, und es war nur fair, dass Giulia Foderà das wusste.

Ja, er musste ihr antworten.

7

Rom, Poliklinikum Umberto I, Gerichtsmedizin

Antonio Rocchis Augen zuckten fahrig in Richtung der Wanduhr mit Metallgehäuse. Seit vierzehn Stunden hielt er sich nun schon an diesem seelenlosen Ort auf – so lange hatte die Autopsie der drei Leichen gedauert. Der Gärtner des Parks und seine beiden Söhne lagen nebeneinander auf Stahltischen. Als Rocchi festgestellt hatte, dass der Tod sie mit nur wenigen Minuten Abstand ereilt hatte, hatte er beschlossen, die Untersuchungen parallel durchzuführen, damit nicht zu viel Zeit zwischen ihnen verging.

Vermutlich lag es an dem vielen Metall, dass der Gerichtsmediziner sich irgendwie seltsam fühlte, sein Kopf war wie in Watte gepackt. Zwischen zwei Durchgängen hatte er in Anwesenheit der drei Toten ein Tramezzino gegessen, doch die Stärkung hatte nicht lange vorgehalten, also hatte er ein Red Bull nachgelegt und gehofft, dass es ihm danach besser gehen würde. Nach mehreren Arbeitsschritten mit Lanzetten hatte sich jedoch einzig und allein ein gehöriges Herzrasen und ein schweißgebadeter Nacken eingestellt. Da hatte auch das Summen in den Ohren angefangen, und der glänzende graue Fußboden hatte auf einmal Wellen geschlagen, als wäre er flüssig. Rocchi war zu dem Obduktionstisch mit dem bläulichen Leichnam des Gärtners hinübergegangen, hatte sich hingekniet und sich mit dem Abspritzschlauch das Gesicht nass gemacht. Das Wasser hatte sofort, wenn auch nur vorübergehend, erfrischend gewirkt, und er hatte sich kurz hingesetzt. Zum Glück war er fast fertig.

Die Autopsien hatten bestätigt, was für die Spurensicherung und Mancini schon am Tatort offensichtlich gewesen war: Die drei Opfer waren mit einem harten Schlag auf den Hinterkopf betäubt worden, vermutlich, als sie zu fliehen versuchten. Dann hatte der Täter ihnen mit einem Messer mit unebener Klinge die Halsschlagader durchtrennt und sie hinter den Lorbeerhecken verbluten lassen. Schließlich hatte er sie hinauf zum Museum gezerrt und dort zu dieser Komposition arrangiert, bevor ihre Gliedmaßen steif wurden, und die Nägel in die Gelenke geschlagen, um feste Ansatzpunkte zu gewinnen, um die er herum arbeiten konnte. All das ohne Augenzeugen: Die Tore des Borghese-Parks schlossen um neunzehn Uhr, und die Überwachungskameras des Museums waren durch einen Kurzschluss ausgeschaltet worden.

Antonio Rocchi blickte zu dem stählernen Block mit den Kühlzellen, von denen drei in der unteren Reihe leer waren. Er raffte sich auf, die wenigen Meter zurückzulegen, die ihn von den großen Türgriffen trennten, und kontrollierte die Temperaturanzeige: – 20°C, also alles normal. Er schob die am nächsten liegende Leiche, die des kleinen Jungen mit den hellbraunen Haaren, in die Zelle an der Ecke. Die Bahre glitt hinein, blockierte aber kurz, ehe sie schließlich doch mit einem leisen Klacken einrastete, woraufhin die Zelle geschlossen werden konnte. Doch Antonio zog die Bahre noch einmal ein Stück vor und spähte an das Ende der Schiene, um herauszufinden, was das Hineingleiten verhindert hatte. Erkennen konnte er nichts, vermutlich war einfach ein Zeh in die Führungsschiene geraten. Er versuchte es noch einmal, mit dem gleichen Ergebnis. Schnaufend zog er die Bahre ganz heraus, bis der Leichnam wieder vollständig vor ihm lag, im Grünlichweiß eines schmutzigen, unschönen Todes, mit den Spuren der Autopsie und jenen, die der Mensch hinterlassen hatte, der ihn getötet hatte.

Der Gerichtsmediziner hatte schon viele Tote gesehen, Opfer von Unfällen, Krankheiten, Mord und Totschlag, aber dieser Junge hatte etwas, das ihn verstörte. Wie auch die beiden anderen. Es lag an den Augen: Die Blicke der Toten hatten etwas Hypnotisches, Lebendiges. Der Killer musste viel Zeit auf sein schauriges Werk verwendet haben. Normalerweise setzte die Totenstarre zwei oder drei Stunden nach dem Ableben ein. Es könnte sich um einen Fachmann, einen Kollegen handeln, sinnierte Rocchi, der um die Reihenfolge der erstarrenden Körperpartien wusste, wie sie die sogenannten Nysten-Regel beschrieb: Zuerst waren die Augenlider, die Kiefer- und Gesichtsmuskeln betroffen, dann der Nacken, der Rumpf und zum Schluss die oberen und unteren Extremitäten. Herrgott, dachte er, um die Gesichter und Haltungen seiner Figuren so zu formen, muss der Täter innerhalb exakt bemessener Zeitfenster gearbeitet haben, sonst hätte er den Widerstand der Körper gegen die durchgeführten Verrenkungen nicht perfekt für seine Zwecke nutzen können.

Er schob, nun ohne jeden Widerstand, alle drei Leichname in die leer stehenden unteren Kühlzellen und verließ den Obduktionssaal durch die Schwingtür. Die Müdigkeit übermannte ihn förmlich und machte ein Weiterarbeiten sinnlos. In seinem Büro legte er sich ausgestreckt auf die Liege und schob ein Kissen unter seinen Nacken, und schon nach wenigen Augenblicken ging sein Atem tief und regelmäßig.

Als er am nächsten Morgen um kurz nach sechs aufwachte, vibrierte in der Hosentasche sein Handy. Rocchi rieb sich kurz über die Augen, bevor er das Gespräch annahm. Das Display zeigte eine ihm unbekannte Festnetznummer an.

»Ja?«

»Hallo, Antonio«, vernahm er die Stimme von Carlo Biga, dem alten Kriminologen und Universitätsdozenten im Ruhestand.

»Professore … guten Morgen.«

»Habe ich dich geweckt?«, fragte Carlo Biga mit einem Blick auf die Pendeluhr in seinem Wohnzimmer.

Antonio konnte sich gut vorstellen, wie der alte Kriminologe gerade im Licht der Bogenlampe in seinem grünen Samtsessel saß. Er war nahezu achtzig Jahre alt, aufgedunsen vom Whiskey und einer nicht gerade mediterranen Ernährungsweise, klein und mit einer Nickelbrille, die ihm an einer Schnur immer wieder von der Nase rutschte. Sicher warf er jetzt einen Blick auf die imposante Uhr mit dem Walnussgehäuse, die an der tabakbraun tapezierten Wand gegenüber stand und zu jeder vollen Stunde in dumpfem Ton schlug.

»Kein Problem, was gibt es?« Rocchi stand auf und schleppte sich zu der Ecke, in der eine Induktionskochplatte und ein Espressokocher standen.

»Ich wollte nur mal hören, ob du heute zu dieser Vorlesung gehst.«

Die Spezialeinheit für die Analyse von Gewaltverbrechen, kurz UACV, hatte eine Vortragsreihe für die besten Studierenden des Aufbaustudiengangs Angewandte Kriminalpsychologie des Landes organisiert. Die Vortragenden waren sämtlich Fachleute und Spezialisten, deren Arbeit unmittelbar um einen Tatort und die Ermittlungen kreiste, und Antonio Rocchi war einer von ihnen.

»Zwangsläufig, Professore, ich bin mit meiner Vorlesung gleich nach Ihrem Lieblingsschüler dran. Er um elf, ich um zwölf Uhr.«

»Aha, du musst also auch ran.«

Biga war vor langer Zeit von seinem Lehrstuhl für Kriminologie an der Universität in Rom emeritiert und in der akademischen Welt nur noch eine Randfigur. Auch die Auszubildenden der UACV unterrichtete er nicht mehr. Unter ihnen war seinerzeit auch Enrico Mancini gewesen, der Schüler, auf den Antonio anspielte. Er war in Bigas Seminaren der Beste gewesen, mit der schnellsten Auffassungsgabe, der besten Intuition und später der steilsten internationalen Karriere. Bis er sich nach Marisas Tod zurückgezogen hatte.

»Allerdings. Ich muss, aber eigentlich macht es mir Spaß. Heute werde ich über Phänomene bei Leichenverwesungsprozessen sprechen. Ich habe ein paar Folien zur Verseifung von Wasserleichen rausgesucht, bei denen den Studenten ordentlich schlecht werden wird.«

Rocchi hatte das Handy auf Lautsprecher gestellt und während des Redens die Kanne aufgeschraubt und das alte Pulver entsorgt. Jetzt machte er sich daran, frisches einzufüllen.

»Hör mal, verrat mir mal was.«

»Zu Befehl.«

»Wie geht es ihm?«

»Enrico? Gut, würde ich sagen. Es sei denn, er hätte plötzlich schauspielerisches Talent entwickelt. Er geht jetzt zu Dottoressa Antonelli, und wie mir scheint, hilft es.«

»Der Hirnklempnerin vom Revier?«

»Ja. Er lässt die Handschuhe mittlerweile zu Hause.«

»Verstehe. Ich frag nur, weil er sich schon länger nicht gemeldet hat.«

»Ach, Sie kennen Enrico doch, Professore. Besser als wir alle, das sollte Sie also nicht wundern. Außerdem hat Gugliotti ihn auf diesen Fall in der Galleria Borghese angesetzt …«

»Wie bitte?« Davon wusste Biga nichts. Es war das erste Mal, dass Enrico Mancini ihm nichts von einem Fall erzählte.

»Es gibt vier Opfer, Professore.«

»Habt ihr schon eine Spur?«

Biga musste sich eingestehen, dass er sich auf dem Abstellgleis fühlte. Vergessen zuerst von den Kollegen, dann von Gugliotti, der ihm den Lehrauftrag entzogen hatte, und jetzt auch noch von Enrico, der wie ein Sohn für ihn war. Niemand bei der Mordkommission hielt ihn noch auf dem Laufenden. Hinzu kam, dass er selten Zeitung las und meist zu Hause hockte. Seit seiner Pensionierung bewegte er sich kaum noch von seiner heimischen Burg fort. Auch die Seminare, die er bis vor ein paar Monaten noch für einige wenige Leute von der UACV gegeben hatte, hatte er bei sich zu Hause abgehalten. Er begab sich höchstens mal zu dem kleinen Lebensmittelladen oben an der Straße oder zum alten Weinlokal an der Ecke zum Viale Carnaro. Nur Antonio rief ihn hin und wieder an, um zu hören, wie es ihm ging und ihm das Neueste über die aktuellen ...

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