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Mtitos Weg in die Freiheit

NANA GROSSE-WOODLEY

Konzeption und deutsche Bearbeitung

Herbert Ostwald

MTITOS WEG IN DIE FREIHEIT

Die Geschichte einer Freundschaft in Afrika

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BASTEI ENTERTAINMENT

Für meinen Sonnenschein Chloe

und meine Eltern, dafür, dass sie mich als Kind

nach Afrika gebracht haben. Für meine Mutter im

Besonderen, die mir unendlich viel Zeit geschenkt

hat und mir näher nicht sein könnte.

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1

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Schatztruhe der Erinnerungen

Der Leopard lief aufgeregt ums Haus, stellte die Vorderpfoten auf die Fensterbänke und suchte jeden einzelnen Raum nach mir ab.

»Okay«, sagte ich zu Danny, »er hat gewonnen. Ich bring ihn zurück zum Camp.«

Danny grinste und nickte dabei. Er kannte das Ritual schon.

»Ich kann ihm nicht böse sein: Unser Haus ist schließlich seine Heimat und gehört zu seinem Revier. Er kommt ja nur, um mich zu suchen und zu begrüßen, so, wie männliche Leopardenkinder mit ihren Müttern Kontakt halten.«

Allerdings konnte es mit Mtito auf die Dauer so nicht weitergehen. Er sollte sich daran gewöhnen, in der Nähe seines Geheges zu bleiben, um eines Tages wieder ein wild lebender Leopard zu sein. Ich musste ihn vom Haus wegbringen.

»Na dann, bis gleich«, rief mir Danny zu. »Nimm das Auto, lauf nicht durch die Dunkelheit, mit dem Babybauch ist der Weg für dich zu weit.«

Ich nahm die Autoschlüssel und ging vor die Tür. Mtito stolzierte sofort zu mir, schob seinen Kopf gegen meine Beine und drückte sich eng an mich. Dabei gab er die Begrüßungslaute von sich, die Leopardenkinder sonst nur mit ihren Müttern austauschen.

»Ptuff, ptuff …« Es klang wie ein Niesen. Ich fuhr ihm mit der Hand kurz übers Fell, stieg in den Wagen und ließ den Motor an. Mtito wusste genau, was das bedeutete.

»Ab geht’s, heim ins Camp«, rief ich dem Leoparden aus dem heruntergekurbelten Autofenster zu und fuhr los.

Als ich im Dunkeln die Piste ansteuerte, huschte Mtito ins Dickicht und nahm seinen Weg durch den Busch.

Während ich darauf wartete, dass er mich an der Weggabelung zu seinem Gehege wieder einholte, stieg über der Piste ein großer, runder, leuchtend orangefarbener Mond auf. Es war ein so unglaublicher Anblick, dass ich den Motor abstellte und aus dem Auto ausstieg, um diesen besonderen Moment zu genießen. Es ist ein unvergleichliches Erlebnis, inmitten der Savanne, von nichts als Natur umgeben, den Aufgang eines vollen Mondes zu sehen.

Ich setzte mich auf einen Stein am Wegesrand und fühlte mich unendlich klein vor diesem Naturspektakel und zugleich unendlich glücklich. Gerade war es noch stockfinster gewesen, allmählich aber erhellte das Mondlicht die Landschaft um mich herum, sodass ich Konturen und Schatten erkennen konnte.

So sah ich nun deutlich Bäume und Felsen, die sich gegen den Horizont abzeichneten. Der Mond schien buchstäblich zum Greifen nah. Er war so klar, dass ich jeden einzelnen Krater deutlich erkennen konnte. So hell schien das Mondlicht nun, dass selbst die Vögel um mich herum zu singen und zu zwitschern begannen. Der Busch erwachte zu neuem Leben, und ich wusste, dass ich nicht mehr allein in der Dunkelheit war.

Plötzlich, aus dem Nichts und ohne einen Laut von sich zu geben, tauchte Mtito auf, legte sich zu meinen Füßen, rollte seinen Schwanz um meine Beine und berührte sanft meinen Babybauch. Sehr leise gab er wieder seinen Begrüßungsruf von sich: »Ptuff, ptuff.«

Mtito suchte meine Nähe, und er schien vom Zauber des aufgehenden Mondes genauso gefangen wie ich. Vollkommen ruhig und zufrieden drückte er sich an mich. Achtzehn Monate war er alt, ein fast ausgewachsener Leopardenkater. Von kräftiger Statur, mit einem wunderbar samtenen Fell, das herrliche Rosettenmuster trug. Die Ohren hatte er aufgestellt und bewegte sie, um jedes Geräusch zu erfassen. Mtitos langer Schwanz tanzte dabei in der Luft und pendelte unablässig hin und her.

Was für ein Moment: Fernab der Zivilisation saß ich direkt neben einem Raubtier, das enorme Kräfte besaß. Dazu Krallen und Zähne, die mit einem einzigen Zugriff sekundenschnell töten konnten. Und doch vertraute ich Mtito und er mir. Unglaublich, wie nah wir uns in all den Monaten gekommen waren, die wir gemeinsam im Haus und im Busch verbracht hatten.

Dieser Moment voller Glück in der unberührten Wildnis des Tsavo-Nationalparks in Kenia, mit meinem wachsenden Kind im Bauch an der Seite von Mtito, war einer der schönsten Augenblicke meines Lebens. Diese Minuten gehören zu den Schätzen meiner Erinnerungen und gaben mir Kraft für alles, was auf mich zukam.

2

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In einer deutschen Klinik

Mtitos Gesicht verschwamm. Ich wollte ihn streicheln, doch er war unerreichbar. Stattdessen schaute ich auf den Beutel an der Stange neben mir, sah die Tropfen durch den Plastikschlauch rinnen, wie Körner in einer Sanduhr. Anderthalb Jahre nach der herrlichen Mondnacht in der Savanne lag ich fast reglos in der Universitätsklinik von Köln.

Mein Blick wanderte über die Monitore und Maschinen um mich herum, ich sah den zusammengeklappten Rollstuhl, den jemand an die Wand gelehnt hatte. Schließlich schaute ich auf meine Hand, in der eine Kanüle steckte. Sie war angeschwollen von dem Kortison und schien fast zu platzen. In meinem Kopf hämmerte es schmerzhaft gegen die Schädeldecke, als wollten meine Gedanken ausbrechen. Mein Rücken tat weh, und mein rechtes Bein reagierte nicht auf meine Befehle. Ich spürte es nicht einmal mehr.

Ich schaute aus dem Fenster, doch das Einzige, was ich sah, war das graue Nichts. Eine triste Wolkendecke verhüllte die Sonne, die ich in Kenia für so selbstverständlich gehalten hatte. Mein Leben, gerade noch in der Freiheit des afrikanischen Busches, war plötzlich eingesperrt in dieses kleine Krankenzimmer einer deutschen Klinik.

Mir wurde schwindelig, sobald ich an den Stich der Spritze in meine Nervenbahn zwischen den Rückenwirbeln dachte. Sie hatten eine Lumbalpunktion vorgenommen, mir Nervenwasser entnommen, um ihre Diagnosen zu untermauern. Der Verdacht lag bereits auf dem Tisch: Multiple Sklerose. Eine tückische Erkrankung des zentralen Nervensystems, deren Ursachen noch immer nicht eindeutig geklärt sind. Prognosen über den Verlauf sind unmöglich. In meinem Innern zitterte alles vor Angst. Ich war erst vierunddreißig, aber plötzlich völlig unfähig, mein Leben selbst zu bestimmen.

Ich fühlte mich am Ende meiner Kräfte und verlor immer wieder mal die Beherrschung, vor allem dann, wenn ein kleiner Trupp von weißen Kitteln den Raum betrat, und ohne mir in die Augen zu schauen, an meinem Bein herumhantierte. Währenddessen berieten sie vor sich hin murmelnd in ihrem Fachchinesisch, wichen meinen Fragen aber fast schon hinterhältig aus. Die einzige Antwort auf mein Fragen, mein Weinen und Betteln um Erklärungen waren noch mehr Schmerz- und Schlafmittel.

Der einzige Trost, der mir blieb, waren die Gedanken an meine Tochter, meinen Mann, meine Eltern und nicht zuletzt – an Mtito. Es war zum Verrücktwerden – jetzt, wo der kleine Leopard irgendwo da draußen im großen Tsavo Park in Kenia ums Überleben kämpfte, war ich selbst eingeschlossen wie ein Tier im Käfig. Es gab nichts mehr, was ich hätte für ihn tun können, so hilfsbedürftig, wie ich jetzt dalag.

Dennoch: Meine Gedanken konzentrierten sich auf Mtito, der mit unbändiger Kraft selbst schwersten Verletzungen nach Kämpfen mit Artgenossen getrotzt hatte. Mtito, der nie aufgab und sich seine Freiheit willensstark zurückerobert hatte. Wie er, so wollte auch ich wieder durch die Savanne laufen, die warme Luft auf meiner Haut spüren und die Webervögel zwitschern hören. Mein Leben sollte nicht in einem Rollstuhl enden. Auf keinen Fall!

Ich bündelte meine verbliebenen Kräfte, um an ihn zu denken: Was er jetzt wohl gerade tat? Würde ich ihn jemals wiedersehen? Ich schloss die Augen, konzentrierte mich auf den Felsen vor dem Haus, von dem ich mit Mtito bei untergehender Sonne so gern in die endlose Weite unseres gemeinsamen Paradieses blickte. Noch bevor die Beruhigungsmittel wirkten, machten sich meine Gedanken wieder auf die Reise – zurück zum Anfang, als ich Mtito das erste Mal in meinen Händen hielt.

3

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Erste Begegnung

Unruhig schaute ich aus dem Fenster meiner Unterkunft auf dem Wilson Airport am Stadtrand Nairobis und sah den laut brummenden Buschflugzeugen zu, die zum Greifen nah auf der Landebahn direkt vor meinem Zimmer aufsetzten. Hier war ich unzählige Male zuvor mit meinem Mann Danny gelandet und gestartet, wenn wir für Einkäufe aus unserem Paradies in den Moloch der kenianischen Hauptstadt reisen mussten und im Aero Club wohnten.

Heute jedoch, am 10. Februar 2002, wartete ich nicht auf die alte Maschine am Himmel, sondern auf unseren Geländewagen, mit dem Danny Hunderte Kilometer östlich von hier zu mir aufgebrochen war. Während ich noch zu Besuch bei Freunden in Nanuyki am Mount Kenya weilte, hatte er mich an diesem Morgen am Telefon mit der Nachricht überrascht, dass Ranger im entfernten Tsavo Park ein verwahrlostes Tierkind gefunden hatten. Umgehend waren wir uns einig, uns so schnell wie möglich in Nairobi zu treffen, um den Findling von einem Tierarzt in der Metropole untersuchen zu lassen.

Denn bei uns zu Hause, in der Wildnis der Savanne, gab es keinen Veterinär. Möglicherweise hätte das hilflose Tier dort ohne medizinische Betreuung keine Überlebenschance gehabt. Nun endlich, fünf Stunden nach dem Gespräch mit Danny, erkannte ich am unverkennbar lauten Heulen unseres Geländewagens, dass er angekommen war – mit seinem vierbeinigen Passagier im Gepäck.

»Hier ist der Wildfang«, rief mir Danny zu und stellte einen verschlossenen Korb vorsichtig auf den Tisch unseres Zimmers.

»Ich bin ja so gespannt!«, sagte ich und begann gleichzeitig, den zugebundenen Korb zu öffnen. »Das muss ja ein Winzling sein«, meinte ich, und schon schob sich mir ein gefleckter Fellball entgegen, der leise Töne von sich gab, die man durchaus als zaghaftes Fauchen bezeichnen konnte.

»Der ist ja hinreißend!«, rief ich.

»Pass auf, das Kerlchen ist ziemlich kratzbürstig«, warnte mich Danny.

Langsam ertastete ich die scharfen Krallen, und dann zeigte mir der Kleine auch schon leise fauchend seine spitzen Zähnchen. Viele schwarze Punkte auf hellbraunem Fell – sein Fleckenmuster verriet mir gleich: Es war ein Leopardenbaby! Ich blickte in seine blauen, milchigen Augen, die mich wie die Knöpfe im Gesicht eines Stofftieres anschauten: einfach umwerfend. Vorsichtig hob ich die kleine Raubkatze hoch, um sie mir genauer anzusehen.

Bei der Berührung des Tieres erschrak ich jedoch. Das Fell fühlte sich hart und struppig an, ich spürte die Knochen des dünnen Körpers. Unübersehbar zeigten sich nun auch Wunden am Hals und der Schulter und eine Schramme am Unterkiefer. Der kleine Kerl wirkte verwahrlost, schwach und hilfsbedürftig.

»Wo haben die Ranger ihn denn gefunden?«, fragte ich Danny.

»Auf der Höhe der Stadt Mtito, nicht weit von der Grenze des Tsavo-Nationalparks. Sie waren auf Patrouille gegen Wilderer, suchten wie üblich zu Fuß in Büschen und Bäumen nach illegalen Drahtschlingen und Fallen. Auf einem schmalen Pfad sind sie dann fast über den kleinen Wicht gestolpert. Er fauchte, war ganz verschreckt und blutete. Die Männer haben das einzig Richtige gemacht: ihn sofort gepackt, in einen Korb gesteckt und zu mir gebracht.«

»Gut, dass du gleich mit ihm hergekommen bist. Er braucht dringend Hilfe.«

Ich wusste nicht, wie lange das Jungtier nicht mehr gesäugt worden war, und das machte mir am meisten Sorgen. Kleine Raubkatzen können nach mehr als zwei Tagen ohne Muttermilch eine bedrohliche Infektion und Würmer bekommen, was dazu führt, dass sie schnell den Appetit verlieren und letztlich verhungern. Weil ich das zuvor schon bei anderen Pfleglingen miterlebt hatte, wollte ich jetzt keine Zeit mehr verlieren.

Schnell griff ich zum Telefon und wählte die Nummer einer sehr guten Tierärztin, mit der ich befreundet war und der ich zuvor schon ein Löwenbaby namens Jipe erfolgreich anvertraut hatte.

»Diesmal ein Leopardenbaby?«, fragte Dr. Surita Ghalay am anderen Ende der Leitung erstaunt nach, denn solche Waisen werden selten gefunden. »Nun gut, bringen Sie es sofort vorbei, ich bereite alles vor.«

Ich war froh, das zu hören, und packte umgehend den Korb samt dem kleinen Patienten ins Auto. Überfüllte Matatus – Kleinbusse, die als Sammeltaxis genutzt werden – und unzählige Autos verstopften die Straßen. Nur langsam kämpfte ich mich durch den dichten Verkehr der kenianischen Metropole. Bei jedem Halt schaute ich besorgt in das Körbchen auf dem Beifahrersitz. Schwach fauchte der kleine Kerl und wirkte ausgelaugt. Es war höchste Zeit, dass ich die Praxis der erfahrenen Tierärztin erreichte.

»Er sieht nicht gut aus«, sagte sie mit ernstem Gesichtsausdruck beim ersten Blick auf den jungen Leoparden und begann sofort, ihn genauer zu untersuchen. Sie drehte und wendete ihn und tastete ihn ab. Dann hantierte sie mit einem Thermometer, packte den mauzenden Kerl auf eine Waage und schaute ihm in Rachen und Ohren. So vergingen einige Minuten, die sich für mich wie eine Ewigkeit anfühlten.

Dr. Ghalay schwieg zunächst, das Tier fauchte, dann endlich sprach die Ärztin. »Er hat hohe Temperatur, ist unterernährt, anämisch und zu klein für sein Alter. Seine Knochen sind spröde, und er leidet unter Würmern und Entzündungen.«

Und als sei das nicht schon alles schlimm genug, fügte sie noch hinzu: »Ach ja, und es ist ein Männchen.«

Die Ärztin schaute mich dabei an, als hätte das Tier eine unheilbare Krankheit. Denn sie wusste genau wie ich, dass Kater viel schwerer aufzuziehen und auszuwildern sind als Kätzchen, weil sie eine stärkere Beziehung zu ihrer Mutter aufbauen, die viel länger anhält als bei Weibchen, mitunter mehr als zwei Jahre.

»Es gibt ein paar Leute, die haben Leopardenkatzen aufgezogen und freigelassen«, sagte Dr. Ghalay, »aber mir ist niemand bekannt, der es je mit einem Kater versucht hätte. Die gelten als hinterhältig und gefährlich.«

Mit kleinen Löwen kannte ich mich bereits aus, aber einen Leopardekater? Mir wurde heiß und kalt. Wie also sollte es weitergehen, falls der Bursche überleben würde? Die letzte Frage hing unausgesprochen in der Luft.

Zugegeben, ich war sehr entmutigt von Dr. Ghalays Diagnose. Sie aber untersuchte unbeeindruckt von meinem vielsagenden Gesichtsausdruck ihren Patienten vorsichtig und liebevoll weiter, hielt ihn mit einer Hand fest, während die andere sich durchs struppige Fell tastete.

»Die Wunden hat er entweder von einem Greifvogel oder von Drahtschlingen, in denen er sich verfangen haben könnte.«

»In letzter Zeit wird viel gewildert im Park. Sicher hat er seine Mutter verloren. Vielleicht ist sie in einer Schlinge verendet oder erschossen worden«, mutmaßte ich.

Dr. Ghalay ergänzte: »Es kann aber auch sein, dass sie ihn verstoßen hat. Wenn er der Schwächste ihres Wurfs gewesen ist, könnte sie ihn einfach liegen gelassen haben. Möglich ist auch, dass sie zwei Männchen geboren hat. Dann musste sie sich von einem trennen, um spätere Kämpfe zwischen ihnen zu vermeiden, denn nur einer kann das Revier der Mutter übernehmen. Vielleicht hat sie ihn einfach allein zurückgelassen.«

Welches Schicksal auch immer hinter ihm lag – der kleine Kater war in schlechter Verfassung, ein kleines Bündel Elend, das mein Mitleid weckte. Seine Zukunft hing – wenn überhaupt – von mir und meiner Entscheidung ab, ihn erst einmal gesund zu pflegen.

»Ich gebe ihm eine Wurmkur und spritze ihm ein Antibiotikum gegen die Infektionen«, beschloss Dr. Ghalay. Dann zwang sie den Schützling mit kräftigem Griff der einen Hand, die Kiefer zu öffnen, und drückte ihm mit der anderen Hand eine dicke Spritze in das kleine Maul.

»Das ist Milchersatz für Hauskatzen, der sollte wohl auch bei Leoparden helfen«, erklärte sie lächelnd.

»Was glauben Sie, wie alt ist er?«, fragte ich die erfahrene Ärztin.

»Hm, na ja … ich denke, der Bursche ist so etwa einen Monat alt, auch wenn er wegen seines schlechten Zustands jünger aussieht.«

Er wog knapp zwei Kilogramm und maß nur fünfundzwanzig Zentimeter. Vom Kopf bis zum Schwanzansatz passte er locker auf ein Blatt Papier.

»In seinem Alter sollte er ein, zwei Kilo mehr wiegen und fast zehn Zentimeter länger sein«, stellte Dr. Ghalay fest, zog die Augenbrauen hoch, atmete langsam ein und sagte dann mit einem tiefen Seufzer: »Liebste Nana, ich glaube kaum, dass er die erste Nacht überstehen wird. Es tut mir leid.«

Ich schaute sie mit großen Augen an, schluckte einmal, nickte leicht – und schwieg. Sie hatte ja recht, es sah nicht gut für ihn aus.

Noch während die Ärztin ihre Bestecke und Medikamente zusammenpackte, rollte sich das zitternde Leopardenkind im Körbchen zusammen und schlief erschöpft ein. Ob es überhaupt wieder aufwachen würde?

Frustriert bahnte ich mir meinen Weg durch die Blechlawine Nairobis zurück zum kleinen Flughafen. Und jedes Mal, wenn ich im Verkehr feststeckte, schaute ich wieder voll Sorge in das Körbchen auf dem Beifahrersitz. Doch alles schien erst einmal gut. Der kleine Kater lag dort zusammengerollt wie ein Ball, die Augen geschlossen, und atmete ruhig.

So brachte ich ihn im Korb zurück in unser Zimmer im Aero Club und achtete darauf, dass niemand etwas von meinem Begleiter bemerkte. Vor einiger Zeit hatte mein anderer Pflegling, das Löwenbaby Jipe, dort ein ziemliches Chaos angerichtet, daher wären die Manager über eine weitere Raubkatze als Gast sicher nicht besonders erfreut gewesen. Sollten sie den Leoparden entdecken, würde es diesmal vermutlich auch nichts nützen, dass Danny aus der in Kenia wohl bekannten Familie Woodley stammte und ein angesehener und respektierter Wildhüter des Kenya Wildlife Service (KWS) war. Der Aero Club musste schließlich sein gutes Image wahren. Denn das Haus am Wilson Airport war ein traditionsreicher Treffpunkt am ältesten Flughafen Kenias. Hier landete schon die legendäre Pilotin Beryl Markham, und Karen Blixen trank dort ihre Cocktails.

Das Gebäude ähnelte einer Safari-Lodge mit rustikalen Holzmöbeln, besaß einen kleinen Garten samt Schwimmbecken, ein Restaurant und eine Bar. Über Jahrzehnte trafen sich dort einflussreiche Politiker, kehrten Buschpiloten ein und versammelten sich nostalgische Großgrundbesitzer zum beliebten Sundowner: Tonic Water mit einem Schuss Gin. Leoparden als Untermieter waren nicht vorgesehen. Ein kleines Raubtier als Gast hätte sicher Verwirrung gestiftet.

Mitten in der Nacht wachte der Kater – noch immer unentdeckt von den Clubangestellten – in unserem Zimmer auf. Nach sechs Stunden hatte er offenbar fürs Erste ausgeschlafen, denn er gähnte ausgiebig, streckte sich und begann sich sofort mit der Zunge sein Fell zu lecken. Als ich ihn so auf seiner Wolldecke sitzen sah, war ich unglaublich erleichtert. Denn gibt es positivere Signale einer Katze für ihr Wohlbefinden als Recken, Strecken und Lecken?

Rasch holte ich ihm etwas von der Katzenmilch, die mir Dr. Ghalay mitgegeben hatte, und füllte eine Spritze damit bis zum Rand. Erst schnupperte das Kätzchen vorsichtig, doch dann saugte es, ohne weiter zu zögern, die ganze Portion, als hätte es nie etwas anderes getan. Derart ermuntert, griff ich zu dem kleinen Vorrat der Katzennahrung, die ich aus Hackfleisch, Salz, Eigelb, Knochenmehl und einem Schuss warmem Wasser vorbereitet hatte.

»Nachdem der Kater die Milch so gierig getrunken hat, kann ich ihn doch sicher noch zu einer Mahlzeit überreden«, dachte ich.

Ich schnappte mir den kleinen Kerl und schob ihm mit viel gutem Zureden eine kleine Portion des Futters mit den Fingern in sein Mäulchen. Er war offensichtlich nicht allzu begeistert davon, das Futter auf diese Art gereicht zu bekommen, schluckte das Fleisch aber gierig herunter. Nachdem er noch eine zweite Portion gefressen hatte, war er offenbar bereit für ein weiteres Nickerchen und rollte sich wieder zusammen. »Was für ein Fortschritt!«, freute ich mich.

»Das ist ja großartig«, reagierte Dr. Ghalay am folgenden Tag auf die Nachricht von der nächtlichen Heißhungerattacke des Leoparden-Pfleglings. »Das kann ich ja kaum glauben!« In ihrer Praxis holte sie das Kätzchen aus seinem Korb und machte sich ihr eigenes Bild.

»Donnerwetter!«, stieß sie aus. »Der hat aber einen starken Überlebenswillen.«

Die Augen des Patienten schauten klarer als tags zuvor, er patschte mit den Pfoten nach den tastenden Händen der Ärztin. Widerwillig fauchte er, doch sein Fell hatte bereits an Glanz gewonnen.

»Er ist jetzt stark genug für weitere Spritzen«, beschloss Dr. Ghalay und gab ihm noch einmal Antibiotika, dazu ein Mittel gegen Tollwut und eines gegen Katzenstaupe. »Mach dir aber nicht zu viel Hoffnung, Nana. Die Hälfte der Leopardenkinder stirbt in den ersten Monaten. Doch wenn er jetzt die richtige Pflege und entsprechende medizinische Hilfe bekommt, dann hat er vielleicht eine kleine Chance zu überleben.«

»Ich habe das Gefühl, er schafft das. Wir sind auf einem guten Weg«, prophezeite ich und dankte Dr. Ghalay für ihre schnelle Hilfe. Sie verabschiedete mich mit den Worten: »Denk daran, es ist ein Kater …!«

Und ich wusste, sie meinte ihre Warnung bitter ernst. Was, wenn er die Medizin gut vertrug, größer und kräftiger wurde? Noch war er ein hilfloses Katzenkind, sein Kopf kaum größer als meine Faust, ein Haufen Fell mit ein paar spitzen Zähnchen und kleinen Krallen. Ich verdrängte alle Gedanken an das, was auf mich zukommen würde, wenn er wachsen würde. Zunächst ging es mir nur darum, ihn gesund zu pflegen.

Die Medikamente schienen anzuschlagen, und mit der Zeit genoss er meine Zuwendung. Während Danny in den folgenden Tagen im Hauptquartier des Kenya Wildlife Service neue Aktionen gegen Wilderer im Tsavo Park besprach und bei seinen Vorgesetzten für mehr Geld und Personal kämpfte, sorgte ich für das Wohl des Leopardenjungen.

Beim Fressen zeigte er schon in den ersten Tagen eine seltsame Angewohnheit: Er kniete sich auf seine Ellbogen, anders als ich es von dem Löwenjungen Jipe gewöhnt war. So kam er natürlich leichter mit dem Kopf an den Napf. Seine Beine aber waren noch so schwach, dass er ständig stolperte und fiel, wenn er herumlief. Darum packte ich den kleinen Kater alle paar Stunden auf meinen Schoß und fütterte ihn dort aus der Hand.

Zunächst verwendete ich noch die dicke Spritze von Dr. Ghalay, doch schnell akzeptierte er auch die Babyflasche und genoss das Nuckeln. Jeden Tag trank er nun mehr Milch, manchmal sogar einen halben Liter am Tag. Dabei wackelten seine kurzen weißen Schnurrhaare aufgeregt, als wollten sie die Umwelt abtasten. Oberhalb der Stelle, an der sie auf beiden Seiten der Nase aus der Haut kamen, zeigte der kleine Kater zwei auffällige schwarze Flecken auf seiner rechten Kopfseite. Auch auf der rechten Seite des Halses entdeckte ich drei kleine schwarze Flecken, die fast eine Linie vom Ohr herunter bildeten. Außerdem zählte ich sechs deutliche weiße Ringe an seinem Schwanz, die durch dickere schwarze Ringe unterbrochen wurden. Gäbe es einen Leopardenpass, all dies hätte ich in der Rubrik der »unveränderlichen Kennzeichen« aufgeführt.

Dem Leoparden ging es täglich besser und ich konnte ihm immer mehr Hackfleisch geben. Das schnappte er sich dann schnell mit den Zähnen und schüttelte es derart wild, dass die Fleischteilchen durch die Luft flogen. Erst nach diesem individuellen und für mich durchaus gewöhnungsbedürftigen Ritual begann er seine Beute zu kauen und gierig hinunterzuschlingen. Im Umkreis von zwei Metern hinterließ er dabei eine ziemliche Schweinerei. Aber ich hatte den kleinen Kater schon so sehr ins Herz geschlossen, dass es mir ganz egal war, wie er fraß. Hauptsache, er fraß. Er hatte eben seinen eigenen Stil.

Ich war nur froh, dass der Manager des Clubs immer noch nichts von dem heimlichen Gast mitbekommen hatte. Er wäre über die Tischmanieren unseres vierbeinigen Zöglings wohl nicht begeistert gewesen.

Nach seinen Mahlzeiten trottete das kleine Raubtier müde in eine dunkle Ecke des Raumes unter das Bett und fiel in einen tiefen Schlaf. Ich räumte derweil auf, so gut es ging. Um nicht aufzufliegen, ließen wir das Zimmerpersonal den Raum nur dann reinigen, wenn ich mit dem kleinen Patienten aus dem Haus ging und zur Ärztin fuhr.

Die ganze Woche verbrachte ich viel Zeit mit der Pflege des Katers. Wenn Danny abends von der Arbeit in den Aero Club kam, sah er mich mit dem Tier herumtoben oder es mit großer Hingabe füttern. Danny hatte dabei gemischte Gefühle und konfrontierte mich bald mit seinen Zweifeln. »Je älter er wird, umso mehr wirst du ihm die Mutter ersetzen müssen, damit die Pflege einen Sinn macht«, gab er mir zu bedenken. »Wie willst du das machen?«

Zugegeben, einen Plan hatte ich noch nicht. »Ich werde einfach seine Mutter nachahmen«, entgegnete ich spontan.

Danny lachte. »Willst du ihn abschlecken, um ihn zu waschen?«

»Natürlich nicht! Ich werde es mit einem warmen feuchten Handtuch versuchen und ihn jeden Abend sauber rubbeln. So wie eine riesige Zunge halt …«

Danny guckte mich an und schmunzelte. Aber er widersprach nicht. Er sah, wie glücklich mich die Entwicklung des Tausendsassas machte, und auch er als Parkmanager wollte es ermöglichen, dass Leoparden in Kenia weiterhin überleben können, trotz der rasant wachsenden Bevölkerung. Und er wusste, dass ich mit Löwen und anderen Pflegetieren reichlich Erfahrung im Umgang mit Findlingen und Waisen gesammelt hatte.

Damit hatte ich etwas Zeit gewonnen und die Zukunftsfrage erfolgreich vertagt. Dennoch schwirrten mir immer wieder Dr. Ghalays Worte durch den Kopf, dass bis dahin noch niemand einen männlichen Leoparden aufgezogen hatte, weil die Tiere viel zu gefährlich seien. Aber über die Herausforderungen wollte ich jetzt noch nicht nachdenken. Erst einmal müsste das Tier die nächsten Tage überstehen.

Die Idee mit der Ersatzzunge zeigte Wirkung. Das warme Handtuch reinigte den Kater nicht nur, es war in den ersten Tagen auch wichtig für die Entwicklung der Beziehung zwischen dem Tier und mir. Jeden Abend packte ich den Kleinen am Nacken und strich mit dem Handtuch über sein inzwischen flauschiges Fell. Zunächst wehrte er sich gegen meinen festen Griff, doch bald zeigte er mir gegenüber mehr Vertrauen. So wurde die allabendliche Katzenwäsche zu einem geliebten Ritual, bei dem sich der kleine Kater auf meinem Schoß entspannte. Ich konnte richtig spüren, wie der zunächst harte Körper unter meinen Händen immer weicher wurde, weil das Tier seine Muskeln lockerte.

Da er mich inzwischen offenbar mehr und mehr als Ersatzmutter akzeptierte, hielt er mich auch rund um die Uhr auf Trab, ganz wie er es mit seiner Katzenmama getan hätte. Wenn ich schlief, kletterte er mit seinen Krallen das Moskitonetz über dem Bett hinauf und hangelte sich an ihm entlang, bis ich wach wurde und seinem Verlangen nachgab. Egal ob Tag oder Nacht – er wollte alle drei Stunden gefüttert werden, ich hätte die Uhr danach stellen können.

So umsorgt, kam er schnell zu Kräften. Seine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, sich auf dem Rücken unters Bett zu legen, alle viere in die Höhe zu strecken und sich von unten an der Matratze entlangzuhangeln. Dabei trainierte er kräftig seine Muskeln, und so turnte er bald mit wachsender Ausdauer durchs Zimmer. Er inspizierte seine Umgebung und gewöhnte sich an unsere Stimmen.

Mit jedem Tag seines jungen Lebens spielte er wilder, und unsere Hände erhielten immer mehr blutige Kratzer durch seine Krallen und Zähnchen. Vor allem wenn ich ihm die Flasche gab, ritzte er mir dabei die Haut auf. Nach Katzenart wollte er damit den Milchfluss »seiner Mutter« mit tastenden Klauen und Pfoten stimulieren – mit dem Unterschied, dass er eben nicht gegen den felligen Bauch seiner Katzenmama trat, sondern meinen Arm malträtierte. Also beschaffte ich mir Lederhandschuhe, um mich fortan gegen Verletzungen und folgende Entzündungen zu schützen. Außerdem ließ ich mich für alle Fälle vorsorglich gegen Wundstarrkrampf impfen.

Der Spieltrieb des Kleinen wuchs. Alle Versuche, durch den Raum zu sprinten, schlugen aber fehl. Weil die kleinen Pfoten des Babykaters auf dem lackierten Parkettboden des Zimmers keinen Halt fanden, rutschte er ständig durch den Raum und rammte regelmäßig unsanft eine Wand oder einen Schrank. Irgendwann hatte er von den ständigen Zusammenstößen genug und begnügte sich damit, von Betten und Stühlen zu springen.

Bald mussten wir die Vorhänge von den Fenstern abnehmen, denn auch die entdeckte er als Spielobjekt und versuchte mit Hingabe, daran herumzuklettern und die guten Stücke mit seinen scharfen Krallen zu zerfetzen.

»Sein lieb gewonnenes Revier wird zu klein für ihn«, mahnte Danny schließlich. Er hatte die Gespräche mit seinen Vorgesetzten vom Wildlife Service beendet. Und der Leopard schien topfit: Nach nur einer Woche war der angeschlagene Kerl frei von Würmern und ohne Fieber. Das war gut so, denn Danny musste zurück in den Tsavo, wo er die Aktionen gegen Wilderer beginnen sollte.

»Was machen wir denn nun mit dem Kleinen?«, fragte er.

»Hierlassen können wir ihn ja nicht. Und wenn wir ihn ins Tier-Waisenhaus am Nairobi-Nationalpark bringen, dann wird er zum stupiden Zootier. Das können wir nicht zulassen«, untermauerte ich meine Position.

Auch Danny hatte keine Lösung parat, und so seufzte er nur tief und gab sein stummes Einverständnis, den Leoparden mitzunehmen. Wenig später brachen wir vom Aero Club in Nairobi zur langen Fahrt nach Hause auf: in die abgeschiedene Wildnis des Tsavo-Nationalparks.

Ich setzte den Leoparden in eine Reisekiste für Katzen, legte ihm ein paar von den Schnuffeltüchern aus seiner Höhle unterm Bett dazu und hoffte, ihm damit ein Stück Geborgenheit mit auf den Weg zu geben. Tatsächlich beruhigte er sich schnell und schlief die meiste Zeit der Reise, ungerührt vom Gerumpel auf der löchrigen Asphaltpiste.

Rund drei Stunden brauchten wir über den Nairobi-Mombasa-Highway bis zu dem kleinen Dorf Kibwezi. Von dort führte uns unsere Tour noch einmal 150 Kilometer über eine raue Piste voller Risse und Schlaglöcher durch besiedeltes Gebiet der dort lebenden Kamba zur Grenze des nördlichen Teils von Tsavo East.

Nur langsam kamen wir voran. Unser leidgeprüfter Geländewagen schaukelte über die rot leuchtende Erde, vorbei an silbergrauen Büschen und mächtigen Balsambäumen und Akazien, die wie Wegweiser aus der flachen Savanne wuchsen. Hinter uns her zogen wir eine Fahne aus rotem Staub, der durch die dicken Reifen aufgewirbelt wurde. Über der Savanne flirrte die Hitze, und durch die geöffneten Fenster des alten Fahrzeugs wehte der leicht kühlende Fahrtwind.

Als wir die Parkgrenze überquert hatten, stoppten wir immer wieder, wenn Giraffen gemächlich den Fahrweg überquerten oder sich Zebras auf der Piste tummelten. Danny und ich freuten uns jedes Mal, wenn wir Tierherden trafen, denn es ist immer wieder ein erhabenes Gefühl, die wilden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.

Weiter ging es, vorbei an Büschen, die im Sonnenlicht silbern glitzerten und aussahen, als seien sie mit Talern behängt, daneben die blauen Balsambäume. Obwohl es eigentlich ein extrem raues und feindseliges Gebiet zu sein schien, war es für mich die Gegend, in der ich am allerliebsten leben wollte. Mein Herz fing vor Freude auch dieses Mal wieder heftiger an zu schlagen, so hingerissen war ich von der Schönheit dieser Landschaft.

Nach insgesamt fünf Stunden seit der Abfahrt in Nairobi erreichten wir das, was ich »mein Paradies« nannte – das Ithumba-Hauptquartier des nördlichen Teils des Tsavo-East-Nationalparks mit unserem Wohnhaus am Rande.

Doch anders als sonst, hatte ich keine Zeit, die Wiederkehr mit einem kräftigen Atemzug der frischen Luft zu feiern, denn unser gefleckter Pflegling musste schnell versorgt werden. Aus seiner Transportbox guckte er uns bereits mürrisch und mit verschleiertem Blick entgegen. Nach der langen Reise verließ er flink seine Kiste, als ich die Tür öffnete, und warf mir noch einen vorwurfsvollen Blick zu, weil ich ihn wohl zu lange eingesperrt hatte. Um ihn zu besänftigen, gab ich ihm eine Flasche Milch. Es wirkte: ohne zu zögern, leerte er sie.

Es war kurz vor Sonnenuntergang, die Vögel zwitscherten um den Kater herum, und eine warme Brise aus der Savanne wehte ihm auf unserer Veranda leicht durchs Fell. Es war zwar nicht genau der Ort, wo er gefunden wurde, aber ich fragte mich, ob er die Gerüche und Geräusche der Savanne nicht doch wiedererkannte. Der Kater hob den Kopf, hielt die Schnurrhaare in den Wind, spitzte die Ohren und musterte neugierig alles mit seinen großen Augen. Er sah die Bäume, Steine und Büsche, roch die Spuren vieler anderer Tiere und hörte die Rufe spielender Meerkatzenaffen aus der Ferne. Der kleine Leopard war zurück in seiner Heimat, inmitten des Nationalparks!

4

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Rückkehr nach Ithumba

Der kleine Leopard erholte sich schnell von den Reisestrapazen. Noch am Abend seiner Ankunft Mitte Februar begann unser vierbeiniger Gast, seine neue Umgebung in unserem Haus zu erkunden. Es bot ihm zweifellos mehr Ecken, Winkel und Mobiliar als das kleine Zimmer im Aero Club am Wilson Airport, das wir mit ihm in seiner vergangenen Lebenswoche bewohnt hatten. Hier luden unseren Gast offene Türen zur Küche, ins Bad, ins Büro und in unser Schlafzimmer ein. Alle Räume warteten nur darauf, von dem kleinen Raubtier entdeckt zu werden.

Nur kurz schaute sich der gefleckte Kater im Wohnzimmer um, dann ging er wieder zurück ins Schlafzimmer, er wurde immer hektischer und panischer. So viele neue Gerüche und Eindrücke, aber keine sichere Höhle, wo er sich verstecken und in Sicherheit fühlen konnte. Die Suche ging weiter. Wagemutig sprang er auf einen Stuhl, weiter auf die gestapelten Reisetaschen darüber, und schon hockte er auf wackligem Untergrund in meiner Kopfhöhe. Dort verharrte er kurz und starrte mich mit großen Augen an, als wollte er fragen: »Und nun?«

Nicht lange, und er machte einen Satz auf den Rahmen des Spiegels, der bedrohlich zu wackeln begann. Mit einer Pfote ertastete er das Glas. Es schien, als würde der kleine Leopard in der dunklen Reflexion des Spiegels eine Höhle vermuten, in die er sich flüchten wollte. Ein Irrtum! Stattdessen fiel er kopfüber und landete gerade noch auf seinen Pfoten. Eine Höhle, die große wie kleine Leoparden brauchen, war aber immer noch nicht gefunden. Gespannt schaute ich zu, wie die Suche weiterging.

Ich ließ ihn alles in Ruhe erkunden, denn letztlich musste ich ihm die Wahl überlassen, welche Ecke des Hauses er für sein sicheres Versteck aussuchen und seinen Schlafplatz darin einrichten würde. So gut es ging, blieb ich ihm auf den Fersen, auch, um im Notfall noch rechtzeitig Zerbrechliches aus dem Verkehr ziehen zu können. Denn er stieß bereits eine kleine Statue um, dann zog er am Kabel einer Stehlampe.

»Na, das kann ja heiter werden«, rief ich Danny zu, der die Reisetaschen auspackte. »Er wird alles auf den Kopf stellen.«

Vorausschauend band ich die Vorhänge hoch und nahm im Bad sämtliche Handtücher von den Stangen.

Auf seiner Expedition durch sein neues Reich zeigte sich der Kater immer mutiger. Er schlich kurz ins Bad, dann wieder zurück ins Schlafzimmer. Dort weckte das Bett sein besonderes Interesse. Erst warf er einen prüfenden Blick darauf, dann darunter und inspizierte den Raum schließlich weiter. Anschließend traf er seine Wahl. Der Hohlraum unter der Kommode gefiel ihm gut, der sollte seine neue Höhle werden. Der Kater steckte Vorderfüße und Kopf unter das Holzmöbel und schob dann den ganzen Körper nach, bis er nicht mehr zu sehen war. In seinem neuen Versteck blieb er eine Weile sitzen.

Ich stopfte seine gewohnten Handtücher und eine alte Decke unter das gute Stück, um es ihm dort angenehmer und vertrauter zu machen, und gab ihm dann eine Flasche Milch, die er zufrieden leerte. Das Hackfleisch aber, das ich ihm hingestellt hatte, rührte er nicht an. Erschöpft von der Aufregung und seiner Not, in der neuen Umgebung eine Höhle zu finden, dauerte es nicht lange, bis er seinen Kopf auf die Vorderpfoten legte und einschlief.

Danny und ich waren zwar auch von der langen Fahrt geschafft, wir rafften uns aber noch einmal auf, setzten uns auf die Terrasse vorm Haus, tranken ein lauwarmes Bier und genossen den funkelnden Sternenhimmel.

In Ithumba ist es absolut dunkel. Es gibt keine einzige künstliche Lichtquelle in dieser Landschaft. Am Himmel funkelten abertausende Lichtpunkte im schwarzen Nichts. So ein Sternenzelt bekommt man sonst nur selten zu sehen. In bewohnten Gebieten und in Städten ist es viel zu hell, um all die Sternbilder, die Unendlichkeit des Lichtermeeres am Himmel sehen zu können. Hier in der Weite des Tsavo Parks wurde mir mit dem Blick nach oben einmal mehr klar, wie klein wir sind, wie unbedeutend doch unser Planet in einem schier endlosen Raum von Himmelskörpern ist.

In der Nähe kicherten Hyänen. Fledermäuse schwirrten um unsere Köpfe und gaben helle Piepsgeräusche von sich. Und ein Buschbock bellte laut in die Nacht und übertönte damit das Konzert der abertausend Grillen, unsere gewohnte »kleine Nachtmusik«. Die Nacht – das ist die beste Zeit auch für Leoparden, ging es mir durch den Kopf. Im Dunkeln haben diese kraftvollen, auf Lauer liegenden Jäger die besten Chancen, eine Antilope zu überraschen oder wenigstens einen Hasen zu erwischen.

Schon seit einigen Jahren wurden die großen Raubkatzen seltener im Land. In Ithumba aber hatten wir das Glück, immer gleich mehrere Leoparden in der Umgebung zu haben. Sie zeigten häufig ihr Revier an, indem ihre Stimmbänder raue Geräusche von sich gaben, die so klangen, als sägte jemand einen Baum. Doch in dieser Nacht hörten wir keinen Ruf einer jagenden oder patrouillierenden Raubkatze.

»Vielleicht wird unser kleiner Leopard ja eines Tages da draußen sein, und wir werden von seinen Rufen geweckt?«, träumte ich laut vor mich hin.

Danny reagierte erstaunt. »Bist du dir ganz sicher, dass du versuchen willst, seine Ersatzmutter zu sein?«

»Was haben wir denn für eine Wahl?«, entgegnete ich mit einer weiteren Frage und fügte dann an: »Es gibt doch nur ein Alles oder Nichts!«

»Noch ist er klein und ungefährlich, aber eines Tages wird er ein ausgewachsenes Raubtier sein, ein geschickter Killer, clever und gefährlich – ein Leopard eben«, warnte Danny.

Das war mir natürlich klar. Aber die Option, das Wildtier aufzuziehen, um ihn dann in einen Zoo abzuschieben und ihn für immer hinter Gitter zu sperren, kam für mich nicht in Frage. Ihm die Krallen abzuschneiden, die Reißzähne entfernen zu lassen und ihn so zu einem Haustier zu degradieren? Oder ihn gar zu töten, um ihm das alles zu ersparen? Bei dem Gedanken daran schüttelte es mich.

»Die Zahl der Leoparden nimmt mittlerweile nicht nur in Kenia, sondern in ganz Afrika ab, diese wunderschönen Katzen sind vom Aussterben bedroht!«, argumentierte ich. »Er muss zurück in die Wildnis und für Nachwuchs sorgen können, das muss doch unser Ziel sein!«

Auch Dannys Leidenschaft war der Naturschutz, bei diesem Thema waren wir uns einig. Doch er wusste genau, wie schwierig und riskant das ganze Unternehmen sein würde.

»Das kann gefährlich werden. Für dich und für andere! Einen männlichen Leoparden auszuwildern, das hat meines Wissens bisher noch niemand geschafft.«

»Aber es gibt zumindest gute Erfahrungen mit Leoparden. Denk an die Leopardin Penny von Joy Adamson. Und Tony Fitzjohn hat auch mehrere Leopardinnen aufgezogen und ausgewildert«, hielt ich Danny entgegen.

»Das waren eben alles Weibchen, und das macht den Unterschied. Ich habe Angst um dich bei dieser Geschichte.« Danny blieb skeptisch, tippte nervös mit einem Zeigefinger an seiner Flasche Bier und schwieg.

Seit ich ihn getroffen hatte und mit ihm verheiratet war, kümmerte ich mich als Ehefrau eines Parkmanagers um Tiere, die verletzt oder verlassen aufgegriffen wurden und Hilfe brauchten. Dabei legte ich immer großen Wert auf das Wissen von Danny, Tierärzten und Freunden, die wie wir in der Natur zu Hause waren. An unterschiedlichen Tieren, an Straußen, Buschböcken, einer Gazelle und einer kleinen Löwin hatte ich Erfahrungen gesammelt, die mir Kompetenz im Umgang mit Tieren gaben. Danny traute mir die Pflege eines Leopardenkaters durchaus zu, doch seine Sorge um mich blieb.

Es war spät geworden, und wie jeden Abend um die gleiche Zeit würde bald der Generator abgeschaltet. So gingen wir ins Bad und suchten unsere Taschenlampen zusammen. Ich holte mir im Wohnzimmer das vergilbte Exemplar von Joy Adamsons Buch The Queen of Shaba über die Leopardin Penny und nahm es mit ins Bett. Nachdem ich ein paar Seiten gelesen hatte, schaute ich noch mal unter die Kommode, wo unser kleiner Leopard zusammengerollt, ruhig und friedlich schlief. Zufrieden und müde machte ich die Taschenlampe aus, schloss die Augen, lauschte noch ein wenig den rufenden Käuzchen in der Savanne und träumte von tanzenden Sternen …

»Nein, stopp!«, schrie ich den Kater an. Er fauchte, zeigte die Zähne und schlich dann wieder mit gesenktem Kopf und starrem Blick auf mich zu. »Aus! Stopp!«, rief ich erneut energisch. Aber der Leopard ließ sich von mir nicht mehr kontrollieren. Mit einem Satz kam er auf mich zu, hielt vor mir an, stellte sich blitzschnell auf die Hinterbeine und legte seine kräftigen Pfoten auf meine Schultern, die Krallen ausgefahren. 60, 70 Kilo geballte Muskelkraft drückten gegen meinen Körper, ich machte einen Ausfallschritt nach hinten, verlor für einen kurzen Moment die Balance und drohte zu fallen, da öffnete der Kater auch schon sein Maul. Seine Zähne stachen heraus, ich roch seinen Atem, mir blieb vor Angst die Stimme weg. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, war zu einer Eissäule erstarrt, unfähig, mich zu wehren …

Dann erwachte ich. Danny lag friedlich neben mir im Bett und schlief tief und fest, und der kleine Leopard ruhte regungslos unter der Kommode. Es war nur ein Albtraum gewesen!

Kalter Schweiß perlte auf meiner Stirn. Unser Gespräch, unsere Sorgen hatten im Unterbewusstsein ein Ventil gefunden. Was machen wir bloß mit einem heranwachsenden Leopardenkater, wie kann ich ihn gleichzeitig großziehen und mich vor ihm schützen? Wie konnte ich ihm alles beibringen, was er wissen musste, um in der Wildnis allein zu überleben?

Noch kannte ich die Antworten auf all diese Fragen nicht. Die Verantwortung, die ich auf mich nehmen würde, schüchterte mich ein und schreckte mich ab. Doch ich musste schnell entscheiden, denn auf halber Strecke würde es keinen Weg zurück geben, das war mir bewusst. »Ich will es versuchen«, beschloss ich. Und diese Entscheidung fühlte sich gut an. Beruhigt legte ich mich wieder hin und schlief diesmal tief und friedlich.

Schon um sechs in der Früh weckten uns wie gewohnt die gurrenden Rufe der Tauben und das grelle Gezeter der vielen Webervögel an den hängenden Nestern in den Bäumen vor unserem Schlafzimmerfenster. Danny packte einen Tagesrucksack zusammen; er wollte früh mit der kleinen Maschine von der nahe gelegenen Startpiste zu einem Rundflug starten. Er hatte schon in Nairobi von Wilderern gehört, die sich aus dem Norden kommend durch den Park bewegten. Und nun wollte er versuchen, sich ein eigenes Bild zu machen, wollte Spuren von ihnen finden, um die bewaffneten Ranger auf ihre Fährte zu setzen.

Während Danny Batterien, Funkgeräte, Munition und sein Gewehr checkte, setzte ich mich mit einem Kaffee auf die Veranda und blickte in die Landschaft. Bis zum Horizont sah ich nur Büsche und kleine Bäume, Hügel und Felsen. Hier erstreckte sich die scheinbar endlose Wildnis des Tsavo. Das Land war weit, dünn besiedelt und mein Mann der Parkmanager. Dazu wachte eine schlagkräftige Truppe bewaffneter Ranger über die Tiere. Es konnte keinen geeigneteren Ort als Ithumba für mein Experiment geben, einen männlichen Leoparden auszuwildern, dachte ich dankbar.

Der Tsavo Park ist einer der größten Nationalparks in Afrika und Kenias weitflächigstes Schutzgebiet, etwa so groß wie das Bundesland Hessen. Das Gebiet ist aus Gründen der Verwaltung in »East« und »West« unterteilt. Der viel befahrene Nairobi-Mombasa-Highway und die Eisenbahngleise des »Lunatic Express«, der von der Küste bis nach Uganda führt, trennen die beiden Teile. Doch die Tiere können Straße und Bahngleise überqueren und von East nach West wandern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es keine Zäune um das Tierschutzgebiet und kaum befahrene Wege. Die Safari-Touristen können beide Parks nur durch eine kleine Zahl kontrollierter Eintrittstore und auch nur in ausgewiesenen Gebieten auf dafür angelegten Pisten befahren. Es ist unter den vielen Schutzgebieten des Landes die letzte wirkliche Wildnis Kenias, in der die Tiere ohne jede Einflussnahme ganz natürlich leben können. Und Tsavo ist auch die letzte Hochburg für Kenias Elefanten. Ein Drittel der gut dreißigtausend grauen Riesen im Lande leben dort.

Ithumba, unser Zuhause, war das Hauptquartier des Kenya Wildlife Service im nördlichen Teil des Tsavo East. Die Region war für Touristen und Siedler gesperrt, es gab weder Camps noch Hotels in Reichweite.

Im Westen trennte uns das 270 Kilometer lange Yatta Plateau aus erkaltetem Lavagestein von der Zivilisation, und im Süden schützte uns der große Galana River vor den vielen Safaribussen aus dem stark besuchten Teil des Tsavo East. Nach Osten erstreckte sich eine unwirtliche und gnadenlose Halbwüste bis hoch nach Somalia, in der schon viele beim Versuch, sie zu bewältigen, ihr Leben gelassen hatten. Uns umgaben keine anderen Geräusche als die der Natur und der in ihr lebenden Tiere. Ein absoluter Frieden, eine perfekte Heimat für mich – und für einen kleinen Leoparden.

Ich nahm einen großen Schluck Kaffee, blickte in den großen Newtonia-Baum vor dem Haus und dachte zurück, wie wir drei Jahre zuvor, im Jahr 1999, unser Haus im Hauptquartier des südlichen Teils vom Tsavo East in der Provinzstadt Voi verlassen und uns in dieses Abenteuer in der Wildnis gestürzt hatten. Bis dahin hatte Danny als Pilot in der Hauptverwaltung für den Tsavo East gearbeitet, während ich freiberuflich für deutsche Zeitschriften fotografierte und Reportagen für Naturmagazine schrieb. In Voi besaß ich auch eine kleine Dunkelkammer, um meinem Beruf als Fotografin nachgehen zu können. Einen Job in einer Werbeagentur hatte ich zuvor aufgegeben, um in der beschaulichen Provinz bei Danny zu leben.

Dann aber bekam er das Angebot, nach Ithumba zu ziehen, um Leiter des Hauptquartiers der sogenannten Northern Area zu werden.

Ithumba war 150 Kilometer von Voi entfernt, nur über eine Piste zu erreichen, die durch nichts als unberührte Wildnis führte.

Auf tiefroter Erde fuhren wir vorbei an Büschen, die im Sonnenlicht silbern glitzerten. Vorbei auch an den blauen Commiphora-Bäumen in dieser Gegend. Es schien mir damals wie die Fahrt ins Paradies. Obwohl eigentlich ein extrem raues und feindseliges Areal, war es für mich das Gebiet, wo ich sein wollte, wo mein Herz vor Freude höherzuschlagen anfing. Ich war einfach hingerissen von der Schönheit der Landschaft.

Schließlich erreichten wir Dannys neuen Arbeitsplatz. Ein völlig zerfallenes Hauptquartier, am Fuße des Ithumba Hills gebaut. Uralte Tamarindenbäume spendeten den Unterkünften der Ranger und dem alten Bürogebäude Schatten, aber alles wirkte verlassen und verwahrlost. Wir fanden nur Ruinen vor, kleine Steinhäuser mit löchrigen Dächern und bröckelnden Mauern, einer Geisterstadt ähnlich, wie ich sie aus Amerika kannte. Die Gebäude waren zu Höhlen für Schlangen und Eidechsen verkommen, Brunnen und Mauern von wurzelnden und kletternden Pflanzen in Besitz genommen und zerbröckelt.

Danny seufzte und machte einen ersten Rundgang übers Gelände. Währenddessen setzte ich mich auf eine geborstene Bank unter einem der knorrigen Tamarindenbäume. Ich spürte den leichten Wind auf meiner Haut und hörte einen Papagei schreien. In diesem Moment wusste ich, dass ich angekommen war. Der Blick von der Sitzbank und das damit einhergehende Glücksgefühl werden für immer in meiner Erinnerung bleiben.

Ich musste darüber schmunzeln, wie viele Bekannte und Freunde mich für verrückt erklärt hatten, weil ich mich auf diesen scheinbar gottverlassenen Ort so sehr gefreut hatte. Ein Ort, der mir weder Einkaufsmöglichkeiten oder Nachbarn, noch eine reguläre Stromversorgung bot, dafür aber akuten und konstanten Wassermangel und drückende Hitze tagaus, tagein. Das sollte nun mein neues Zuhause werden.

Kurz zuvor hatten wir damals im Tsavo West, inmitten des Parks auf den Roaring Rocks, geheiratet. In paradiesischer Kulisse mit einem unglaublichen Ausblick. Wohin wir auch schauten, nur menschenleere Savanne mit Elefanten und Büffelherden im magischen Nachmittagslicht der tief stehenden Sonne. Das »Licht der Belohnung«, wie es die Kenianer nennen, das die Farben am Ende eines arbeitsreichen Tages zum Leuchten bringt. Schöner konnte ich mir meine Hochzeit nicht wünschen. In der klaren Luft blickte ich sogar auf den 200 Kilometer entfernten Gipfel der Ithumba Hills, unter denen wir heute lebten.

Hoch am Himmel stand damals ein Adlerpaar, unbeweglich während der ganzen Zeremonie. Im letzten Sonnenlicht verabschiedete sich auf der einen Seite der Kilimandscharo mit seiner schneebedeckten Kuppe, während uns auf der gegenüberliegenden Seite der aufgehende Vollmond begrüßte. Was für eine Kulisse!

Von Ithumba aus, wohin wir frisch verheiratet umzogen, war der mächtige Kili-Gipfel nicht zu sehen. Die unendliche Weite der unbewohnten Landschaft, in der wir von nun an lebten, war für mich der Garten Eden. Und das Wohl der rund 9000 Quadratkilometer, einer Pufferzone für die Tierwelt, lag jetzt in Dannys Händen.

Als Sohn des kompromisslosen Mitbegründers des Tsavo-Nationalparks, Bill Woodley, schien Danny der Richtige zu sein, den maroden Park gegen die zunehmende Wilderei zu wappnen, Straßen wiederherzustellen und eine funktionierende Rangerstation aufzubauen. Danny war einer, der als nicht korrupt galt. Einer, der kompromisslos für den Schutz der Wildnis kämpfte. Einer, der anpackte. Somalische Banditen, sogenannte Shifta, kamen und gingen damals von Norden her in den Park wie in einen Selbstbedienungsladen. Wann immer sie wollten, töteten sie Elefanten des Elfenbeins wegen. In der abgeschiedenen Region hatten sie nichts zu befürchten.

Ithumba galt bis dahin beim Wildlife Service immer als Strafposten wegen der Abgelegenheit und Feindseligkeit des Gebiets. Die vorherige Parkleitung war deshalb unmotiviert gewesen und über Jahre auch finanziell vernachlässigt worden, sodass es keine Fahrzeuge, Maschinen oder sonstiges Gerät gab, das notwendig war, um einen Park zu leiten. Viele Straßen blieben ungenutzt, die Natur hatte sich ihr Terrain gnadenlos zurückerobert. Die Pisten waren nicht mehr passierbar, zum Teil nicht einmal mehr erkennbar. Nur jemand wie Danny konnte sich erinnern, wo die alten Wege langführten. Durch die Zusammenarbeit mit seinem Vater kannte er diese Gegend wie seine Westentasche und wie kein anderer.

Dannys Vater Bill war einer der Pioniere, einer der ersten Wildhüter in den Nationalparks Kenias gewesen. Als Assistant Warden (Assistent des Parkleiters) hatte er schon im Tsavo gearbeitet, als das Gebiet im Jahr 1948 unter Schutz gestellt wurde. Er musste damals den ganzen Weg von Ithumba bis Voi – das sind rund 150 Kilometer – laufen, um sich sein Gehalt abzuholen. In Kenia galt sein Name lange als Synonym für Naturschutz und für den Erhalt des Wildtierbestandes. Selbst Wilderer zollten Bill Woodley Respekt. Vom hohen Ansehen des Vaters profitierte nun lange nach dessen Tod auch sein Sohn Danny.

Der sollte jetzt nach Maßgabe der Regierung das Hauptquartier und den Norden des Tsavo East wieder auf Vordermann bringen. Da es anfangs kein einziges Parkfahrzeug gab, ging Danny morgens oft zu Fuß mit seinen Rangern auf Patrouille, bevor er sich dann der größten Herausforderung widmete: das verfallene Camp in der »Northern Area« zum Hauptquartier der Parkverwaltung auszubauen.

Strom, fließendes Wasser, Telefonleitungen – all das gab es nicht. Wir lebten ein Jahr lang in Zelten, duschten im Freien unter einem an den Baum gehängten Eimer, nutzten Petroleumlampen zum Lesen und kochten auf offenem Feuer. Zu dieser Zeit waren wir fast vollständig in die Wildnis der rauen Umgebung eingebettet, hörten nachts Leoparden rufen, Affen zetern und wurden morgens vor dem Sonnenaufgang vom Gesang der vielen Vögel geweckt. Neben den alltäglichen Sorgen mit giftigen Schlangen und kaputten Automotoren widmeten wir uns dem Nächstwichtigen: Danny und ich kämpften um Spenden und Gelder für die Sanierung und den Wiederaufbau des Hauptquartiers.

Ein Jahr später hatten wir es geschafft. Jetzt, im Jahr 2002, wohnten die Ranger in funktionstüchtigen Häusern mit Nasszellen und Küchen, daneben gab es ein Haus mit zwei Büros, einem Funkraum, einer Waffenkammer und zwei Gefängniszellen. Weiter entfernt lagen noch eine Werkstatt und ein Haus für den Generator, der uns für begrenzte Zeiten Strom lieferte. Eine kleine Straße führte an den Offiziersunterkünften vorbei zu unserem etwas abgelegenen Haus. Ich lebte als einzige Frau im Hauptquartier, und mit mir lebte hier nun auch ein kleiner Leopard.

Ich hatte meinen Kaffee noch nicht ausgetrunken, da kam das kleine Raubtier auch schon um die Ecke.

Noch unsicher auf den Beinen nach der ersten Nacht im neuen Heim, nahm der Pflegling sofort meine Hosenbeine ins Maul und fuchtelte wild mit den Pfoten in der Luft, die Krallen brav eingezogen.

»Willst du spielen? Geht es dir wieder gut?« Ich kommentierte nun vieles, was ich tat, damit er sich an den Klang meiner Stimme gewöhnte. »Jetzt gibt es etwas zu trinken«, rief ich ihm zu, holte die Milchflasche, nahm den Kater auf den Schoß, und er begann sofort zu saugen. Dabei kräuselte er die ganze Zeit die Nase, und die Ohren bewegten sich wie ein Radarschirm von einer Seite zur anderen. Das vielstimmige Vogelkonzert und die vielen ungewohnten Gerüche verunsicherten ihn ein wenig. In letzter Zeit hatte er ja hauptsächlich Menschen gewittert, Medikamente geschmeckt und unsere Stimmen sowie Fahrgeräusche im Gedächtnis gespeichert.

Als er genug Milch getrunken hatte, lief ich von der Veranda ein paar Schritte hinaus in die Savanne. Geduckt und in schnellen Schritten folgte mir das leicht verängstigte Katzenkind von Busch zu Busch. Immer wieder fauchte es leise, wenn es etwas beunruhigte.

»Komm, Kleiner, komm, alles ist gut«, ermunterte ich den Kater zum ersten kurzen Ausflug vor die Haustür. Zweige, Dornen, Steine – alles schien ihm neu. Seine Pfoten färbten sich beim Laufen rot vom typischen Tsavo-Boden, einem eisenhaltigen Ton- und Lehmgemisch. Manche Kenianer behaupten, der Boden sei blutrot von den Schlachten um Elefanten zwischen Wildhütern und Wilderern. Der Tsavo ist berühmt für seine »roten« Elefanten, die nach einem ausgiebigen Schlammbad das Aussehen wechseln und nicht mehr grau erscheinen.

»Ithumba« bedeutet »Ton« in der Sprache der Kamba, einer Volksgruppe Kenias, die in der Region beheimatet ist. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Erde, die nur hier am Berg gefunden wird und zum Töpfern von Gefäßen benutzt wurde. Die Kamba sind ein handwerklich geschicktes Volk, das bis heute Geld mit geschnitzten Figuren aus Holz verdient. Ihre schlanken Statuen von Massai, Giraffen, Elefanten, Löwen und Masken findet man überall im Land und auf den Märkten.

»Komm, es ist Zeit, dass ich dir jemanden vorstelle«, sagte ich zu dem Leoparden. Der verstand natürlich kein Wort, schien aber froh, dass ich wieder zurück ins sichere Haus gehen wollte, und heftete sich sofort an meine Fersen.

Ich lief in die Küche, wo es zischte und dampfte. Der kleine Kater blieb an der Eingangstür zurück und fauchte. Im Raum stand Philip Kimwele und bügelte Dienstuniformen von Danny. Kimwele, ein Mann vom Volk der Kamba, arbeitete mit uns in Ithumba. Er war meine rechte Hand in den meisten Angelegenheiten, meine Vertrauensperson, und er hatte schon mit uns im Camp gelebt, als wir noch in Zelten gewohnt hatten.

In Kenia haben die meisten Leute einen christlichen und einen traditionellen Vornamen. Wir bevorzugten seinen Kamba-Namen und riefen ihn nur Kimwele. Er war ein freundlicher, weiser Mann, der einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen fand. Wann immer ich vor einem Rätsel stand, das Afrika mir zu bieten hatte – Kimwele brachte die Geduld und das Wissen auf, mir Erklärungen zu liefern. Er wusste viel über das Leben im Busch, erzählte alte Legenden von Wilderern und Tieren. Kimwele lehrte mich viel über das Leben – nicht zuletzt erinnerte er mich immer wieder daran, dankbar, ruhig und friedfertig zu sein. Was auch immer ich plante und in Angriff nahm, Kimwele unterstützte mich und war absolut loyal. Auch wenn es ihm ziemlich verrückt erschien, einen männlichen Leoparden aufzuziehen, freundete er sich schnell auch mit dieser Idee an.

Der kleine Leopard beobachtete ihn skeptisch. Ob der Kater nun ihm drohte oder dem Bügeleisen, war nicht genau auszumachen. Jedenfalls begann er an Hemdsärmeln und Hosenbeinen zu zerren, die vom Bügelbrett hingen, bis er plötzlich vor Kimweles Füßen stand. Er schaute kurz hoch und schien eine Attacke starten zu wollen. Doch er biss nicht oder kratzte, sondern klopfte vorsichtig mit eingezogenen Krallen auf den Fuß.

Kimwele schaute runter auf die kleine Raubkatze, zog aber weder seinen Fuß weg, noch reagierte er in irgendeiner anderen Weise. Das Tier schien vor dem hageren Mann in der Küche Respekt zu haben und hielt Abstand.

»Hier ist ja schon richtig was los«, rief Danny, der kurz in die Küche schaute, seinen leeren Becher abstellte und sich rasch verabschieden wollte.

»Warte, Danny, der kleine Kerl …«, zögerte ich kurz, »… er braucht einen Namen.«

»Gehört er denn schon zur Familie?«, fragte Danny, wohl mehr, um mich zu provozieren.

»Ich muss ihm ja Kommandos geben und ihn rufen können. Er muss doch auf Ansprache reagieren.«

»Ja, ja«, unterbrach mich Danny. Auch ihm war klar, dass der Leopard vorerst bei uns bleiben würde. »Dann machen wir es eben wie immer«, schlug er vor. Alle Pfleglinge, die wir bislang aufgenommen hatten, ob Gazellen, Strauße, Löwen oder Hasen, erhielten ihre Namen nach ihrem Fundort. »Dann benennen wir ihn nach dem Ort, an dem die Ranger über ihn gestolpert sind.«

Ich schaute den Kater an und rief ihn das erste Mal: »Mtito!« Er blickte hoch, aber wohl mehr wegen des Tonfalls. Doch er würde ihn ab jetzt sicher sehr häufig hören, seinen Namen: »Mtito.«

»Na, ich geh dann mal Mtitos Zukunft sichern«, witzelte Danny und verabschiedete sich.

Kurz darauf hörten wir die kleine Propellermaschine mit Danny darin dröhnen, als sie sich ihren Weg über die holprige Landebahn und dann hoch in die Luft bahnte. Mtito lauschte dem Motorengeräusch und schaute aufmerksam Richtung Fenster.

»Und was soll aus dem kleinen Mtito werden? Er wird irgendwann merken, dass er Krallen hat, dann klopft er nicht mehr nur auf Füße. Willst du ihn wirklich hierbehalten?«, fragte Kimwele. Für einen Moment unterbrach er die Arbeit, stellte das Bügeleisen ab und schaute mich mit seinen warmen Augen fragend an.

Ich zögerte kurz. »Ich glaube, ja, wenn er mitmacht …«, hielt ich entgegen und fügte dann hinzu, »… und wenn alle mitmachen.«

Kimwele lächelte so freundlich, wie nur er lächeln konnte, nickte leicht, drehte sich zum Bügelbrett, wendete den Ärmel darauf und sagte in überzeugtem Tonfall: »Wir werden das schon schaffen. Ithumba ist die beste Gegend dafür.«

»Ja, findest du?«

»Ja doch. Hier ist der Kater sicher. Viele Leute machen um Ithumba einen großen Bogen. Mein Volk siedelte niemals um Ithumba herum. Sie glaubten, böse Geister herrschten hier. Tatsächlich hört man sie auch heute noch manchmal rufen.«

»Das ist doch nur der Wind, der oben durch die Felsspalte pfeift, wenn er besonders stark ist«, entgegnete ich.

»Oder es ist ein Drache, der Feuer speit.«

»Na, manchmal hört es sich eher an, als stürzte ein Wolkenkratzer ein.«

»Es ist jedenfalls ein Krach, der durch Mark und Bein geht, wie auch immer er zustande kommt«, bot Kimwele einen Kompromiss an und fuhr fort: »Ithumba ist ein Platz voller Legenden und Mythen. Es ist magisch schön, aber auch täuschend gefährlich. Jede Menge Kreaturen nennen die Gegend ihr Zuhause, die es uns Menschen schwer machen, hier zu überleben: Skorpione, Tsetsefliegen und einige der giftigsten Schlangen, die unser Land zu bieten hat, um nur wenige zu nennen.«

»Da gebe ich dir recht. Dieses Gebiet ist so heiß und trocken, dass eine einfache Autopanne zu einem lebensgefährlichen Abenteuer ausufern kann. Das hab ich schon selbst erlebt«, stimmte ich Kimwele zu, und er resümierte: »Ithumba ist wunderbar für denjenigen, der es kennt und respektiert, aber es ist weder freundlich noch gnädig zu den Respektlosen.«

Kimweles Worte hallten noch in mir nach, als mich etwas ans Bein stieß. Es war Mtito, er hatte einen Handfeger im Maul und war mit dem Griff gegen mich gelaufen. Ich grinste ihn an, blickte wieder zu Kimwele und fügte seinen Worten hinzu: »Genau – Ithumba ist ideal für eine Kreatur, die mit den schärfsten Sinnen und viel Kraft ausgerüstet ist: einen Leoparden. Einen wie Mtito!«

5

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Unser Haus als Leopardenhöhle

Anfang März brannte die Sonne zunehmend stärker über der Savanne des Tsavo Parks; es fühlte sich an, als würde man in einem Backofen leben. Das Thermometer stieg immer weiter und zeigte 35 Grad im Schatten. Durch die Sonnenstrahlen aufgeheizt, flirrte die Luft über dem trockenen Boden und ließ die Bäume in der Ferne aussehen, als würden sie tanzen. Kein Lüftchen wehte, kein Vogel sang mehr. Antilopen suchten hechelnd Schutz unter dem Dach der großen Akazien oder legten sich träge in die Büsche. Das Wasserloch vor unserem Haus, das mit gefiltertem Brauchwasser aus dem Haus gespeist wurde, war tagsüber bei den Pavianen heiß begehrt und wurde nachts von allen möglichen Vierbeinern besucht. An den aufgeheizten Mauersteinen unseres Hauses klebten regungslos Geckos und tankten Wärme an Bauch und Rücken. Auch im Haus war es kaum kühler als draußen. Die einfache Verglasung der Fenster isolierte weder gegen Kälte noch gegen Wärme.

Mtito suchte sich den kühlsten Platz im Haus: unter dem Bett in unserem Schlafzimmer. Dort dämmerte er schon den ganzen Vormittag reglos vor sich hin. Selbst die Geräusche der zankenden Affen am Wasserloch konnten ihn nicht hervorlocken.

Drei Wochen lebte Mtito nun bereits bei uns, schlief entweder in seiner Höhle unter der Kommode oder tollte durch die Räume. Morgens und abends machten wir regelmäßig unsere kleinen Erkundungsspaziergänge rund ums Haus.

An diesem Morgen aber war alles anders als die Tage zuvor. Ich stellte ihm wie üblich sein Futter hin, doch er rührte es nicht an. Stattdessen kaute er pausenlos auf seinem Handtuch herum, wimmerte und wollte auch seine Milch aus der Flasche nicht trinken. Seine Pfoten waren heiß und die Schnauze trocken, er hatte Fieber. Den ganzen Tag über blieb er unter der Kommode und schlief, wollte nichts fressen oder trinken und auch nicht spielen. Hatte er wieder eine Infektion? Gab es nach Wochen des guten Fortschritts nun einen Rückschlag? Ich machte mir Sorgen um ihn und beobachtete sein Verhalten sehr genau.

Die nächsten Tage verliefen genauso. Mtito nahm ab, wirkte apathisch und lag da wie ein Häufchen Elend. Ich stellte ihn auf die Pfoten, doch er schien schwach und lief wackelig. Er wollte auch nicht hinaus ins Gras, lediglich auf meinem Schoß fand er Ruhe, rollte sich zusammen und versteckte seinen Kopf zwischen seinen Vorderbeinen. Als ich ihn kraulte, suchte er sich einen meiner Finger und kaute sofort darauf herum. Ich nutzte diese Gelegenheit und tastete sein Maul von innen ab. Zunächst fiel mir nichts auf, doch dann spürte ich auf seinen Kauleisten einen kleinen Widerstand: Durch die Haut bahnte sich ein Backenzahn seinen Weg.

Das also war der Grund für Mtitos Leid: Er zahnte! Ich erlebte nun mit, was ich bislang nur aus der Fachliteratur kannte, die sehr schmerzhafte und auch gefährliche Phase im Leben eines Leopardenkindes. Ich wusste, dass fast jeder zweite junge Leopard im ersten Jahr starb. Grund dafür waren das Zahnen und die daraus folgenden Komplikationen. Denn während dieser Zeit fressen die Kleinen wenig, werden schwächer und anfälliger für Krankheiten und Feinde. Davor hatte mich bereits Dr. Ghalay in Nairobi gewarnt. Und nun erlebte ich es an Mtito mit.

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