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Morning Moon Bear

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© 2017 Sabine Warner

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:978-3-7439-0301-2
Hardcover:978-3-7439-0302-9
e-Book:978-3-7439-0303-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Unter Raben

Die Körperreise

Das Schwitzhütten-Ritual

Der Feuerlauf

Mein wahrer Name

Flicka, das Pferd der Pferde

Meine Zeit in Amerika

Vogge

„Gib mir ein Zeichen!“

Flickas Tod

Dunkle Stunden

Meine Herde, das bin ich

Oma Ama

Geburt zwischen Feuer und Eis

Meine Familie

Mein allerliebster Hubi

Ausbildung bei Dancing Thunder

Michels Begegnung mit Thunder

Wichtige Menschen

Patientenschicksale

Sorry, ich bin Red

Mein Heilzentrum

Danksagung

Für meine Familie

Die Autorin und der Verlag lehnen jede Verantwortung ab für Folgen, die direkt oder indirekt aus der Lektüre des Buches entstehen.

Vorwort

Im August 2014 lud ich meine Ghostwriterin, Andrea Klasen, zu uns nach Sulzfeld ein, um mit ihr die Interviews für dieses Buch zu führen. Eine Woche saßen wir zusammen und ich habe ihr aus meinem Leben erzählt, von meinen Pferden, von meiner Familie, von meinen Patienten und von meinem ganz persönlichen Lebensweg.

Es ist der Weg eines Pferdemädchens, das zur schamanischen Heilerin wurde.

Dieses Buch ist eine Momentaufnahme. Es erzählt davon, wie ich damals, im August 2014, auf mein Leben geblickt habe.

Ich habe mich weiter entwickelt, und sehe manche Dinge heute teils auch anders. Aber so ist das im Leben; wir sammeln Puzzleteile und irgendwann blicken wir auf ein großes Bild.

Als mir Andrea dann das fertige Manuskript vorlegte, beschloss ich deshalb auch, den Inhalt des Buches nicht zu aktualisieren. Dann müsste ich besser einen Blog schreiben, weil sich ständig so vieles tut in meinem Leben.

In meinem Buch werden Rituale und Behandlungen beschrieben. Ich möchte meine Leser bitten, nichts auf eigene Faust davon zu probieren, sondern sich in die Hände eines erfahrenen Heilers zu begeben, der fachmännisch begleiten kann.

Unter Raben

Irgendwann kamen die Raben in mein Leben. Sie waren plötzlich da, - oder immer schon da gewesen, wer weiß das schon. Auf einmal jedoch nahm ich sie wahr. Die beiden schwarzen Vögel kreisten über unserem Haus, ließen sich in den Bäumen nieder und beobachteten mich. Einer der beiden war ein mächtiges Tier mit einem Mordsschnabel. Er musste nicht schreien, um mir zu zeigen, dass er in meiner Nähe war. Wenn er da war, fühlte ich seine starke Präsenz und ich spürte das tiefe Wissen dieses Vogels.

„Da bin ich!“, schien er zu sagen.

Ich genoss die wohltuende Nähe dieses Rabens und seiner Gefährtin, und fühlte mich sehr geborgen bei diesen Vögeln. Ich nannte sie Krabat und Kantorka.

Die beiden begannen damit mich zu füttern. Und sie wussten, was ich brauche: Hagenbutten und Nüsse, vor allem Walnüsse legten sie mir hin. Nahrung fürs Hirn. Ich wiederum gab ihnen Mehlwürmer.

Raben einer Gruppe achten stets darauf, dass alle Mitglieder genügend zu fressen bekommen. In den Nachmittagsstunden treffen sie sich und tauschen Nahrungsmittel aus, damit alle Tiere genug haben. Menschen sind diese dunklen Schwärme oft unheimlich, aber Raben sind sehr soziale Tiere und unglaublich fürsorgliche Eltern.

Ich bekam immer mehr das Gefühl als gehöre ich zur Gruppe von Krabat und Kantorka. Sie sorgten sich um mich. Ich begann mit ihnen zu „fliegen“ und es entstand eine immer engere Verbindung zwischen uns. Sie verdeutlichten mir, wie wichtig Familie ist.

Als die Raben in mein Leben kamen, ging es mir nicht besonders gut. Ich litt unter schrecklichem Kopfweh, mir war furchtbar schwindelig und ich bin oft einfach umgefallen. Wenn ich wieder aufwachte, fehlten mir ein paar Sekunden der Erinnerung. Mein Gleichgewichtssinn funktionierte nicht mehr, und am Schluss habe ich so gezittert, dass ich nicht mehr laufen und nicht mehr reden konnte. In dieser Zeit habe ich manchmal dreißig Stunden am Stück geschlafen. Wenn ich aufwachte, dachte ich nur: „Ich muss weiterschlafen“, - und mir fielen im gleichen Moment die Augen wieder zu.

Meinen Alltag bekam ich damals nicht mehr geregelt. Als Reitlehrerin zu arbeiten war kaum mehr möglich. Die Kopfschmerzen beherrschten mich. Sie waren so unerträglich, dass ich oft gedacht habe, ich hole mir jetzt einen Strick und beende diesen Schmerz. Kein Arzt konnte mir helfen.

„Frau Warner, Sie sind jetzt zweimal geschieden, ist doch klar, dass Sie nervlich angeschlagen sind. Wir beruhigen Sie jetzt mal.“ Das war alles, was sie mir sagten.

In dieser Zeit kamen die Raben und ich fing an, den immer gleichen Traum zu träumen. Den von einer Indianerin.

Flicka, mein geliebtes Pferd, das damals bereits tot war, begleitete mich in diesem Traum. Wir rannten Seite an Seite, über uns ein riesengroßer Vogel, vor dem ich wirklich Angst hatte. Ich sagte zu Flicka: „Du musst mit, Du musst rennen, ich muss flüchten!“ Flicka aber bremste ab, stellte sich vor mich und sagte: „Noi, du rennst ab jetzt nicht mehr. Du bleibst jetzt.“

Und in diesem Moment spürte ich einen großen Schatten über mir, einen erfrischenden Windhauch. Es war der riesengroße Vogel, der hinter mir landete. Es war ein Rabe. Er faltete seine Flügel ein und genau in dem Moment verwandelte er sich in eine Indianerin. Sie hatte geflochtene Zöpfe und ein geflochtenes Lederband, das um die Zöpfe gewickelt war. Ihr Kleid bestand aus einem nachtblauen, fast schwarzen Stoff, und war mit Muscheln bestickt. Die ruhigen Augen dieser Indianerin blickten mich an und in dem Augenblick wusste ich, dass ich wieder gesund werden würde. Sie trat auf uns zu, um Flicka und mich zu umarmen, und als sie ihre Arme ausbreitete, wurden daraus Flügel und sie verwandelte sich zurück in einen Raben und flog davon.

Diesen Traum habe ich unzählige Male geträumt, und er war ein Schlüssel. Ich erzählte ihn meiner Freundin Anne, die als Heilpraktikerin arbeitet, und sie schlug vor, eine Körperreise zu machen.

Die Körperreise

Ich lag auf dem Rücken und war gespannt, was nun passieren würde. Anne würde mich anleiten.

„Wir reisen jetzt in Dein Unterbewusstsein“, sagte sie. „Zehn Stufen führen in dieses Reich, nach jeder Stufe atmest Du und gehst dann tiefer hinab. Am Ende der Treppe wartet dann Dein Geistführer.“

Aufmerksam sah ich mich um, als ich auf der untersten Stufe angekommen war. Und plötzlich gab sich mein Geistführer zu erkennen. Es war Krabat, mein Rabe. Anne bemerkte meine Freude, einen Vertrauten getroffen zu haben.

„Geht nun gemeinsam in das nächste Zimmer. Dort steht Euer Reisegefährt. Das kann ein Schiff sein, ein Flugzeug, vielleicht ein Besen.“

Dieses Zimmer war leer, als wir es betraten, und Krabat gab mir zu verstehen, dass er selber das Reisegefährt war. Er bückte sich, so dass ich auf seinem Rücken Platz nehmen konnte. Dann flog er los. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl so zu fliegen, und als ich die Arme ausbreitete, verwandelte ich mich plötzlich selber in einen Raben. Was war das für ein irres Gefühl: Ich spürte die Flügel an meinen Seiten, wie ich im Stande war, sie zu bewegen und elegant zu fliegen. Ich spürte wie der Wind meine Federn streifte, ich spürte meinen Schnabel, die Federn darauf, wie sie vom Wind gekämmt wurden, ich war ein Vogel, so frei und so stark. Wir flogen durch eine Nebelwand, dann öffnete sich vor uns eine wunderschöne Landschaft.

„Wo bist Du?“, fragte Anne.

Ich konnte es kaum glauben.

„Ich bin in Amerika, ich bin im Adirondack-Park.“

Dort hatte ich mit meinem ersten Mann Jay gewohnt.

„Ich bin daheim, ich bin daheim“, rief ich, weil ich mich so freute, wieder in dieser Gegend zu sein.

„Kannst Du landen?“, fragte Anne.

„Ja, ich kann landen.“

In dem Moment, als meine Krallen festen Boden unter den Füßen hatten, verlor ich die Rabengestalt und war wieder ein Mensch.

„Wer bist Du? Kannst Du das erkennen?“

„Ich bin eine Frau, aber wart mal, da vorne ist Wasser, darin kann ich mich spiegeln.“

Und als ich auf die Oberfläche des Wassers blickte, sah ich, dass ich die Indianerin aus meinem Traum war, den ich so oft geträumt hatte. Ich selber war nun die Indianerin, die Flicka und mich umarmt, und sich dabei in einen Raben verwandelt hatte. Jetzt erfuhr ich auch ihren Namen. Die Frau in dem nachtblauen Muschelkleid hieß Mascha. Und Mascha heißt „Mond“.

Anne bat mich, mich umzusehen. Ich befand mich mitten in einem Indianerdorf. Lauter Zelte überall, Pferde, die beladen wurden.

„Wir brechen auf ins Winterlager“, sagte jemand. Es herrschte eine unangenehme Aufruhr unter meinen Stammesmitgliedern. Diese Aufregung ging auf mich über. Und plötzlich bekam diese Gefahr eine Gestalt. Als ich aufsah, ritt ein kahl rasierter Mann auf einem weißen Pferd wild galoppierend in unser Lager. Nur ein paar Haare hingen von seinem Kopf herunter, unten herum war er rot und er hielt eine Art Totschläger in seiner Hand. Hinter ihm eine Meute anderer Männer, die begannen, ein Massaker in unserem Lager zu veranstalten. Im nächsten Moment hörte man Schreie, Kampfgebrüll, überall waren Blut, Tote. Und dann begannen die Angreifer, die Toten zu essen. Ich war starr vor Entsetzen. Der kahl Rasierte nahm plötzlich Kurs auf mich. Sein Schimmel hatte ein rosa Maul und ich kann Pferde mit rosa Maul (seitdem) nicht ausstehen. Er riss den Arm mit dem Totschläger in die Höhe, holte aus und schlug mir mit unglaublicher Härte auf den Kopf. Ich schmeckte Blut in meinem Mund. Mein Arm war ausserdem gebrochen, ich fiel zu Boden. Völlig verdreht lag ich da.

„Anne, ich will nicht, dass die mich auch fressen!“

„Sag dem Krabat, er soll Dich beschützen.“

Krabat legte seine Flügel über mich.

Dort, unter seinen schützenden Fittichen liegend, sah ich, wie das Gemetzel weiterging, bis auf einmal die Schmerzens- und die Todesschreie verstummten, und ich nur noch das laute Schlagen meines eigenen Herzens hörte. Mit einem Mal war alles vorbei und ich saß als Rabe in einem Baum.

Plötzlich fiel mir auf, dass während des Massakers im Bild unten rechts ein Indianer gesessen hatte. Er war unbeteiligt gewesen, ausserhalb der Szenerie. Nach dem Massaker war er aufgestanden und hatte begonnen, eine kleine Zeremonie abzuhalten. Er räucherte, und mit der Feder eines Rabens fächerte er den Rauch durch die Luft. Dann kam er zu mir, sah mich unvermittelt an und sagte: „Es ist alles gemacht. Deine Seele ist frei, Du kannst nun reisen. Du kannst gehen.“

Nach diesen Worten war alles vorbei und ich bin mit Krabat weggeflogen.

Nach dieser Körperreise war ich völlig benommen und sehr beeindruckt. Mir war klar geworden, dass es tatsächlich mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als ich bisher angenommen hatte. Und endlich wusste ich, dass ich die Indianerin aus meinem Traum war, und ich wusste, was die Ursache meiner schrecklichen Kopfschmerzen war.

Anne hat trotz der Körperreise darauf bestanden, meinen Kopfschmerz im Max-Planck-Institut auch noch einmal schulmedizinisch untersuchen zu lassen. Im Max-Planck-Institut haben sie mir dann Hirnwasser gezogen und mir mitgeteilt, dass ich eine hochgradige Entzündung in meinem Kopf habe. Genaueres könnten sie mir nicht sagen. Per Ultraschall haben sie noch geprüft, ob die Durchblutung in meinem Gehirn funktioniert. Sie funktionierte, aber die Ärztin fragte mich, ob ich einen schweren Unfall gehabt hätte.

„Wieso?“, gab ich als Gegenfrage zurück.

„Na, da oben ist alles zertrümmert, als hätten Sie einen üblen Schlag auf den Kopf bekommen.“

Ich biss mir auf die Zunge. Hätte ich gesagt, dass diese Verletzung aus einem früheren Leben stammt, dann hätten sie mich sehr wahrscheinlich eine Etage höher untergebracht. In der Psychiatrie. Ich schüttelte stattdessen den Kopf und zuckte mit den Schultern.

Die Ärzte hatten keine Erklärung für all das und verschrieben mir Cortison, was ich ablehnte. Daraufhin gab es einen riesigen Streit mit meinem Mann Michel und meiner Mutter. Warum ich mir nicht helfen ließe? Warum würde ich dieses Kinkerlitzchenfuhrwerk da machen? Ich erklärte dann meinem Mann, dass das mein Körper sei und ich diejenige wäre, die fragen müsse, ob jemand mit ihr aufs Klo ginge und ihr beim Duschen helfe. Dass ich es wäre, die darauf angewiesen sei, dass andere mir das Essen klein schneiden und mich füttern, und dass ich diejenige wäre, die ihr Leben nicht mehr auf die Reihe kriegt, ich selber also entscheiden würde, was mit meinem Körper passiert, denn denken könnte ich noch. Es war furchtbar, aber ich war nicht bereit, mich in die Hände der Ärzte zu begeben. Auf der anderen Seite wusste ich nicht, ob Michel diesen Weg mit mir gehen würde. Unsere Beziehung stand auf der Kippe.

Ich rief Anne an, erzählte ihr von den Ergebnissen der Schulmediziner, und fragte sie, ob man denn wirklich Vernarbungen aus einem früheren Leben mitnähme. Anne erklärte mir, dass so etwas durchaus vorkommen könne, vor allem wenn man ermordet worden wäre. Das müsse dann aufgelöst werden.

Ich war wirklich verwundert. Auch schwirrte mir dieser Indianer im Kopf herum, der unten rechts im Bild gesessen hatte. Wer war dieser Mann? Anne löste das Rätsel. Sie zeigte mir auf einer Internetseite Dancing Thunder, den Häuptling der Susquehannocks in Florida. Auf dem Foto erkannte ich, dass genau das der Mann war, der unbeteiligt zugeschaut hatte. Im Nachhinein denke ich, dass Dancing Thunder in dieser Szenerie nur für meine Seele da gewesen war, um mir den Weg zu weisen.

Auf der Internetseite stand, dass Dancing Thunder in Europa lebt, genauer in den Niederlanden, und dass er in Kürze eine Schwitzhütte zum Thema „Rabenmedizin“ abhalten würde. Komisch dachte ich, wieso ausgerechnet Rabenmedizin, wo doch die beiden Raben mit mir wohnten? Ich musste unbedingt daran teilnehmen. Ich wollte mich anmelden. Gleichzeitig erwachten die Zweifel in mir. „Mann, wenn der in meinem Kopf hockt…“

Ich stornierte die Anmeldung wieder. Ich hatte wirklich Bammel. Das war gerade alles zu viel.

Aber dieser Indianer ließ mich nicht los. Ich träumte von ihm folgenden Traum: Während einer Geburtstagsfeier stand er am Büfett, ich erkannte ihn von hinten, als er sich plötzlich umdrehte, mich ansah und sagte: „Schön, dass Du da bist.“

Ich konnte nicht viel mehr erwidern als ein völlig geistloses: „Ah?!“

Dancing Thunder sagte weiter: „Du willst doch gesund werden, oder?“

„Ja!“

„Dann“, sagte er, „musst Du Deinen wahren Namen wissen.“

„Ah“, entfuhr es mir wieder.

„Du musst doch wissen, wer Du bist“, erklärte er mir weiter.

„Ah“, stieß ich wieder aus und ärgerte mich über meine Unfähigkeit, dieser Situation gewachsen zu sein. Ich starrte ihn weiter an.

„Willst Du jetzt gesund werden oder nicht?“

„Ja!“

„Willst Du es wirklich?“

„Ja!!!“

„Dann musst Du Deinen Namen wissen. Dann musst Du zu mir kommen.“

“Ahhhhhh!?“, konnte ich wieder nur sagen. Dann wachte ich auf.

„So, jetzt bin ich völlig durchgedreht“, schoss es mir durch meinen Kopf. Als ich mich wieder etwas gefangen hatte, griff ich zum Telefon und rief wieder bei der Agentur an, die Seminare mit Dancing Thunder veranstaltet: „Sie, das ist jetzt vielleicht ein bisschen blöd, aber ich habe jetzt von dem Indianer geträumt und er hat gesagt, ich muss kommen.“ Völlig gelassen antwortete die Dame am Telefon: „Ja, ja, das macht er immer, wenn er unbedingt jemanden treffen muss.“ Mir stand vor lauter Verwunderung der Mund offen. „Ach so“, war alles, was ich stotternd rausbrachte.

„Ja, das ist dann wichtig, dass Ihr Euch kennenlernt“, erklärte sie das Unerklärliche. „Ahhhh, okay.“

Ich habe dann zwei Plätze gebucht, für meinen Mann Michel und für mich.

„Du, ich fahre da jetzt hin, ich mache das jetzt“, sagte ich zu ihm.

„Gut“, erwiderte Michel. „Ich fahre mit Dir, aber ich nehme nicht teil.“

So unsere Vereinbarung. Eine Freundin von mir wollte seinen Platz im Kurs dann übernehmen.

Der Tag des Kurses kam, und als ich den Kursraum betrat, traute ich meinen Sinnen nicht: Dancing Thunder stand am Büfett, mit dem Rücken zu mir, er drehte sich um und sagte: „Schön, dass Du da bist.“ Und wieder konnte ich nur mit einem schulmädchenhaften „Ahhh!“ zurückgrüßen.

Er lachte.

„Du wärest nicht gekommen, wenn ich Dich nicht gerufen hätte, oder?“ Ich nickte.

„Und wo ist jetzt Dein Problem?“

„Mei Erbs“, erklärte ich ihm. „Es kann Parkinson sein, vielleicht MS, sagen die Ärzte. Ich werde im Rollstuhl enden, und ich möchte wenigstens, dass es aufgehalten wird.“

„Nun, willst Du jetzt gesund werden oder nächste Woche?“

„Moment mal“, entgegnete ich. „Ich soll im Rollstuhl enden, ich habe MS oder Parkinson, und beides ist nicht heilbar!“ Ein wenig wütend blickte ich ihn an.

„Doch!“, sagte Dancing Thunder. „Du hast nämlich Parasiten im Kopf.“

Also jetzt reichte es doch wohl! Was fiel ihm ein! Ich hatte doch keine Würmer im Hirn!

„Also ich weiß jetzt nicht“, drückte ich meine eigentliche Empörung etwas weniger heftig aus.

„Aber ich weiß es“, sagte er. „Willst Du jetzt gesund werden oder wann?“

„Nächste Woche!“, schoss es aus mir heraus. Wieder kniff ich.

Und dann sagte er: „Ist eine Kleinigkeit, ich mache das weg, aber Du musst es wollen. Du musst lernen, wer Du bist, und dann wirst Du gesund.“ Ich blickte ihn schweigend an, und dann machte ich meine erste Schwitzhütte mit ihm.

Das Schwitzhütten-Ritual

Bei dieser ersten Schwitzhütte war ich unglaublich nervös. Dancing Thunder hatte mich neben sich Platz nehmen lassen, damit ich gut behütet war, falls mir schlecht wurde, denn bei großer Hitze, etwa in einer Sauna, wurde mir immer schwindlig. Und in einer Schwitzhütte sollte es noch heißer sein, wurde erzählt, zudem stockfinster.

Dancing Thunder passte auf mich auf, und ich fasste ein wenig mehr Vertrauen in die Dinge, die da kommen sollten. Dancing Thunder jedoch machte eine Hütte der „Bärenmedizin“.

Die Schwitzhütte ist ein über vierzigtausend Jahre altes Ritual, das in verschiedenen Kulturen praktiziert wird. Es soll uns mit der Natur verbinden, uns daran erinnern, dass alles miteinander verwoben ist und uns in unsere eigene Mitte zurückführen. Wie alt dieses Ritual schon ist, das spürt man, wenn man drin sitzt. Man kann manchmal die Stimmen der Vorfahren hören.

Schwitzhütten baut man an Kraftplätzen auf, an Chakrapunkten von Mutter Erde. Die Hütte wird aus Weidenhölzern gebaut. Ist die Hütte gerade nicht in Gebrauch, dann steht dort lediglich eine Art Iglu aus Ästen, die das Gerüst bilden, auf das während des Rituals dicke Baumwolldecken oder Felle gelegt werden, so dass die Hitze in der Hütte gespeichert wird, und es in ihrem Innern vollkommen dunkel ist. Das dunkle warme Innere der Hütte symbolisiert die Gebärmutter. Der niedrige Eingang der Hütte liegt nach Osten.

Ein von Steinen eingefasster, gerade verlaufender Weg führt vom Eingang aus zur Feuerstelle. Die Steine, die erhitzt werden und in der Hütte weiterglühen, können aus Basalt sein, die Azteken haben Lavasteine verwendet. Bevor man das Gerüst der Hütte mit den Fellen verkleidet, entzündet man das Feuer, und wenn die Hölzer glühen, dann legt man die großen Steine hinein. Niemals darf man grob zu den Steinen sein, sie gar werfen oder dagegen treten, denn die Steine sind unsere Großmütter. All das wusste ich damals, als ich meine erste Schwitzhütte mit Thunder machte, noch nicht. Mir kam das alles sehr seltsam vor.

Ein weiterer wichtiger Job neben dem des Schwitzhüttenleiters ist der „Firekeeper“. Er passt auf die Steine im Feuer auf und bringt sie während des Rituals mit einer Forke zur Hütte. Es liegt in der Verantwortung des Firekeepers, dass dabei keine Energie verloren geht.

Bevor die Steine in die Hütte kommen, reinigt der Firekeeper sie mit einem Fichten- oder Tannenwedel. Dieser Wedel muss am Ende des Schwitzhütten-Rituals verbrannt werden, um das Ritual abzuschließen.

Jeder der Teilnehmer legt einige der Steine ins Feuer. Dabei nimmt man den schweren Stein in die Hand, berührt damit den Boden, hebt ihn in Richtung Himmel und legt ihn dann an sein Herz, um einen Wunsch auszusprechen.

Ich selber lege immer einen Stein für Mutter Erde ins Feuer, einen für Vater Sonne, einen für Großmutter Mond, einen für das Universum, einen für Thunder, für meine Familie und einen weiteren für eine gute Hütte. Liegt der Stein im Feuer, streut man etwas Tabak darüber. Diese Opfergabe ist sehr wichtig. Sie ist ein Dankeschön.

Den Tabak füllt man zudem in kleine Stoffbeutel. Bevor man das tut, führt man den Tabak auch an sein Herz, spricht einen wirklich tiefen Herzenswunsch aus, legt den Tabak auf das Stoffstück und formt daraus mehrere Beutel, die so genannten „tabaco ties“, die man in der Hütte sitzend über sich an das Astgestell hängt. Durch die Energie, die während des Schwitzhütten-Rituals entsteht, werden die Wünsche mit ins Universum genommen.

Bevor die Zeremonie in der Hütte selbst ihren Lauf nimmt, rufe ich als Schwitzhütten-Leiterin draußen die sieben Energien, die uns unterstützen mögen: Ich rufe die Energien, die vier Windrichtungen, das Universum, Mutter Erde und unsere Mitte. Dann bitte ich die Teilnehmer, sich in einem Kreis aufzustellen und sich die Hände zu reichen, wobei die linke Hand eines jeden unten ist, die rechte oben: mit der linken empfängt man, mit der rechten gibt man. So lassen die Teilnehmer Energie fließen. Nach diesem Ritual beginne ich auf der Caracol zu spielen.

Danach gehen die Teilnehmer in die Hütte. Leichter bekleidet wegen der Hitze.

Der Eingang der Hütte ist sehr niedrig. Bevor man hineingeht, kniet man sich davor und sagt „Oheyo!“ Das ist indianisch und bedeutet: „Ich grüße Dich, mein Freund.“ In dem Moment des Verbeugens liegt das Herz höher als der Verstand, und den wollen wir ja während eines Schwitzhütten-Rituals ausschalten.

Bei einer Taghütte krabbelt man links herum an seinen Platz. Zuerst der Schwitzhüttenleiter, dann kommen die Mondfrauen, also die, die gerade ihre Regelblutung haben. Sie dürfen sich die besten Plätze aussuchen. Dann dürfen die restlichen Teilnehmer in die Hütte. Verlässt man die Hütte während der Pausen, dann geht man links herum hinaus, um den Kreis zu vollenden. Bei einer Mondhütte ist das Hinein- und Hinausgehen genau andersherum. Sitzen alle an ihren Plätzen, dann bringt der Firekeeper die inzwischen rot glühenden Steine auf dem geraden Weg von der Feuerstelle hinein in die Senke der Hütte.

Liegt der Stein in der Kuhle, dann streue ich Räucheressenzen darüber. Manchmal entstehen so sternförmige Funken, die geradezu auf dem glühenden Stein tanzen.

Sind alle für den Moment erforderlichen Steine in der Senke, dann bittet der Hüttenleiter den Firkeeper darum, die Eingangslücke zu schließen: „Firekeeper, close the door please!“ Danach ist es rappelnacht in der Hütte und es wird schnell sehr sehr heiß.

In der Tradition der Susquehannocks wird dann getrommelt, der Hüttenleiter erzählt etwas über das Wesen des Tieres, in dessen Geist die Schwitzhütte gemacht wird. Thunder erzählte damals vom Heilwissen der Bären. Mit Bären hatte ich es nicht so. Ich ahnte da noch nicht, wie wichtig der Bär für mich sein sollte.

Während des Trommelns werden Lieder gesungen. Lieder für Mutter Erde, für den Wind, für ein Tier. Manchmal erklingen Lieder, die noch nie gesungen worden sind. Dann ruft man die Windrichtungen an. Die Susquehannocks beginnen im Norden. Weiter geht es über den Osten, den Süden und schließlich den Westen. Beim Rufen der Windrichtungen konzentriert man sich auf den Punkt zwischen den Augen, um in diese bestimmte Wahrnehmung zu gelangen. Man lauscht der Trommel, atmet und dehnt sich dann aus, um die Unendlichkeit zu spüren. Mit dem Windhauch verschwindet die übliche Begrenzung, und plötzlich siehst Du, wie der Wind aus der gerufenen Richtung auf Dich zukommt. Mal ist er sehr sanft und streicht an Deinem Körper längs, mal erwischt er Dich mit großer Heftigkeit, und Du merkst dann „Boahhh", wie Dir die Luft wegbleibt. Der Schwitzhüttenleiter lädt nach dem Rufen der Windrichtung zu einer Meditation ein. Vom Wind wird man geführt und in der ersten Runde, in der nördlichen Windrichtung, kommt dann ein Repräsentant des Totems, das man gerufen hat, zum Beispiel ein Fuchs.

In der nächsten Windrichtung, der östlichen, kommt dann der Großvater dieses Totems, zum Beispiel der Großvater-Fuchs. Das ist meistens ein weißes Tier.

Im Süden bläst einem ein heißer, manchmal anstrengender Wind entgegen. Er steht für die Familie, und man spürt richtig das Gewusel des ganzen Fuchs-Rudels.

Im Westen begegnet man dem Spirit, dem Geistwesen, dieses Tieres. Die Tiere laden Dich ein zu reisen, manchmal fressen sie Dich, manchmal verwandelst Du Dich in das Tier. Manchmal bist Du nur Zuschauer oder die Tiere reichen Dir eine Pflanze, die Deine Medizin ist oder sie zeigen Dir ein Symbol.

Ähnlich wie im Medizinrad bekommt man in jeder Windrichtung eine Information, eine ganz persönliche Medizin. Manchmal ist es so, dass man in der Schwitzhütte die Tiere richtig spüren kann, wie sie einen streifen, man fühlt ihren Atem, riecht oder hört sie. Nach jeder Runde bittet man die Tiere und die Windrichtung, weiterhin da zu bleiben. Es ist herrlich, wenn dann wirklich ein Wind aufkommt, und ich habe es oft erlebt, dass wenn ich beispielsweise eine Hütte im Sinne eines Raubvogels leite, dass dann diese Raubvögel zu uns kommen, über der Hütte kreisen oder auf den Bäumen ringsherum sitzen und teilnehmen. Ich rufe auch häufig Thunder, wenn ich eine Schwitzhütte mache und rummmmms, ist er da.

Ich mache die Schwitzhütte mit Freunden und Bekannten, mit Patienten, manchmal auch nur für Michel und mich. Man macht diese Hütte, um Kranke zu heilen, um für sie den Schmerz zu spüren, denn geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Das Ritual der Schwitzhütte soll den Menschen ermöglichen, in diesem geschützten Raum in Mutter Erde hineinzugehen wie in eine Gebärmutter, sich darin zu erneuern, um die Hütte neugeboren wieder verlassen zu können. Ich sage den Teilnehmern immer, sie sollen versuchen, sich wieder zu spüren: „Wie fühlt sich mein Körper an, wie meine Füße, spüre ich das Schlagen meines Herzens, wie atme ich?“

Ich darf inzwischen zwei Arten der Schwitzhütte leiten: die Hütte der Susquehannocks und die aztektische Schwitzhütte in der Tradition des „Pfades des Roten Kriegers“.

Bei der Hütte, die Thunder mich gelehrt hat, wird viel geträumt und geht es darum, in der jeweiligen Windrichtung sein Totem zu sehen.

Bei den Azteken geht es darum, durchzuhalten, der Hitze und der Dunkelheit der Hütte mit Willenskraft zu trotzen, man hält seine Hände über die glühenden Steine, bis es nicht mehr geht. Die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft werden angerufen und die aztekische Hütte ist mehr eine Elemente-Hütte als eine Totem-Hütte. Die Azteken träumen zwischen den Runden und verlassen die Hütte während der Pausen nicht, trotz der enormen Wärme. Beim Träumen bekommt man ein irrsinniges Kopfkino. Die Azteken singen viel mehr, vier, fünf Lieder pro Runde, dann geht die Tür wieder auf, um frische Luft und neue Steine hineinzulassen.

Ich erhielt eine Einweihung, um aztekische Schwitzhütten in der Tradition des „Pfades des Roten Kriegers“ zu leiten. Diesen Weg dorthin werde ich noch beschreiben, zuerst einmal möchte ich aber weiter von meiner ersten Schwitzhütte mit Thunder erzählen.

Da stand ich also und schaute auf die Hütte und wusste wirklich nicht, was auf mich zukommen würde.

„Wenn etwas ist, rufst Du „Oheyo"!“ und dann öffne ich den Eingang, damit Du wieder Luft bekommst.“

„Okay“, sagte ich kleinlaut, und dachte: „Ich vertraue Dir jetzt, ich habe nichts zu verlieren, schlimmer kann alles ja nicht mehr werden. Er hat gesagt, dass er auf mich aufpasst und mehr als einen Schüttelanfall kann ich ja nicht bekommen.“

So weit, so gut. Das erste Problem bekam ich dann, als Thunder sich nackig auszog und draußen herumsprang.

„Oh Gott, das will ich gar nicht sehen“, schoss es mir durch den Kopf. Als er sich ein Handtuch um die Lenden wickelte ging es mir wieder besser. Dann nahmen wir in der Hütte Platz. Thunder begann zu trommeln. In der ersten Runde schaffte ich es nicht, meinen Kopf auszuschalten. Den Repräsentanten, der sich im Norden zeigen soll, habe ich gar nicht gesehen. Ich habe nur immerzu gedacht: „Ich halte das nicht aus, ich ertrage das nicht, ich muss etwas trinken, Jesses, darf ich bald raus, sonst werde ich verrückt!“ Dann endlich war die erste Runde vorbei. „Gott sei Dank, und jetzt noch drei davon? Das schaffe ich nicht!“ Einige der Teilnehmer verließen die Hütte, um sich draußen etwas abzukühlen. Thunder sagte, ich solle drin bleiben, und fragte mich, ob alles gut wäre.

„Ich habe Angst“, sagte ich zu ihm.

„Schalt den Kopf aus, schalt einfach den Kopf aus.“ Ich wusste nicht, ob ich das konnte.

In der zweiten Runde sah ich dann den Großvater in der Gestalt eines Bären. Ich schrie laut auf. Was hatte dieser Bär hier zu suchen? Mit denen hatte ich wirklich nichts am Hut! Mein Herz pochte gegen meine Brust. Thunder berührte meine Hand und ich wusste in dieser heißen Dunkelheit wieder, wer und vor allem wo ich war. Mehr sah ich in der zweiten Runde nicht.

„Wenn so etwas nochmal passiert, scheiß ich mir ins Hemd“, sagte ich zu mir. Und plötzlich kam mir der zündende Gedanke, der all das hier erklärte: „Jesses, hat der vielleicht Drogen auf diese Steine da geschmissen?“ Mir schwirrte der Kopf, von was auch immer.

Aber es waren wirklich nur wunderbar duftende Zedernspitzen, die auf den heißen Steinen verglühten, wie ich später lernte.

„Und, wie war es?“, fragte mich Thunder nach der zweiten Runde.

„Ich habe nichts weiter als diesen Bären gesehen.“

„Entspann Dich weiter und trink.“

Die dritte Runde begann, die Familienrunde, in der man den ganzen Clan sieht. Thunder trommelte, und plötzlich kam ein großer Bär auf mich zugelaufen.

„Jesses, was will der denn jetzt?“, schoss es mir durch den Kopf. Im nächsten Augenblick sah ich in das riesige Maul dieses Tieres. Immer tiefer schaute ich in seinen Rachen hinab - und happs, weg war ich. Der Bär hatte mich gefressen. Und das nächste was ich spürte war, dass ich auf allen Vieren lief, meine Hände waren auf dem Boden und nach innen gedreht. Ich spürte das Gras unter meinen Tatzen. Ich roch alles ganz anders, ich spürte meine Lippen und die mächtigen Zähne, meinen dicken Pelz und meine unbändige Kraft. Jesses! Ich war ein Bär! Ich hatte ja Krallen! Im nächsten Moment fiel ich um. Was war denn das? Als ich mich umdrehte, sah ich einen anderen kleinen Bären, meinen Bruder, der mit mir spielen wollte. Und dann war da noch so eine Riesenbärenmama, die mir zu verstehen gab, dass ich gefälligst mitkommen solle, sie wolle mir etwas zeigen.

Ich wollte es ihr wirklich recht machen und gehorchen, aber dieser kleine Kasper wollte spielen und hat mich ständig umgeschubst. Endlich hielten wir Drei vor einem Zedernbaum an.

„Ich zeige Dir nun etwas, das Du niemals vergessen darfst“, sagte meine Bärenmama zu mir. Mit der Kralle ritzte sie ein Oval in die Rinde, oben, unten und an der Seite fügte sie einen Strich hinzu, sie vollendete das Bild, indem sie auf die Spitze des Ovals zwei Krallenstriche zeichnete.

„Vergiss das nie, das ist Deins, das ist nur für Dich. Das ist Deins. Das ist Deine Verbindung zu uns.“ Als sie das gesagt hatte, trat das Symbol farbig aus der Rinde hervor. Und dann war es vorbei.

„Oheyo!“, rief Thunder und ließ die Tür öffnen. Ich musste mich hinlegen. Das war nun wirklich alles zu viel.

In der vierten Runde zeigte mir der Spirit des Bären die Oregano-Pflanze, meine ganz persönliche Medizin. Dieser Spirit-Bär bestand nur aus Licht.

„Der Oregano ist ganz wichtig für Dich“, erklärte mir der Bär.

Dann war die Schwitzhütte vorbei. Ich hatte es geschafft.

Auf der Heimfahrt erzählte ich Michel was passiert war, und dass dieser Thunder wohl einen Schaden haben müsse, weil er sagte, ich dass ich gesund werden kann. Michel antwortete nur: „So etwas Verrücktes!“

Im Laufe der folgenden Woche wirkte die Schwitzhütte bei mir ziemlich nach. Und irgendwann guckte mein Mann mich an und sagte: „Bine, aber weißt Du was? Ich glaube es ihm.“

„Michel, ich glaub es ihm auch und ich will es ihm glauben.“

„Weischt, Du hast nichts zum Verliere.“ Michel sah mich aus einer verzweifelten Hoffnung heraus an. Durch welche harten Zeiten war er mit mir gegangen. Unsere Ehe wäre an meiner Krankheit beinahe zerbrochen. Ich sagte: „Also, ich probier’s. Ich mach des, was er sagt.“ Wir waren uns einig, und am nächsten Wochenende fuhren wir zu einem Medizinrad-Seminar von Thunder. Dort sollte ich meine Medizin bekommen.

Wie der Bär, legte mir Thunder nahe, Oregano-Öl-Kaspeln einzunehmen, außerdem empfahl er mir den „Zapper" von Hulda Clark. Ein Gerät, das mit elektrischen Schwingungen schädliche Parasiten abtötet. Ich trug den Zapper das gesamte Wochenende. Thunder machte zusätzlich während einer Trommelreise noch eine Heilbehandlung mit mir, in der er Parasiten abtötete und meine Umhüllung erneuerte.

„Ich mache das schnell für Dich, während die anderen im Medizinrad sind“, sagte er.

„Gut, danke.“

Zwei Tage war ich bei Thunder. Samstag und Sonntag. Zweieinhalb Jahre hatte ich Kopfschmerzen gehabt, jeden Tag. Diese Schmerzen haben mich fast in den Wahnsinn getrieben. Ich bin mit ihnen aufgewacht und mit ihnen eingeschlafen, ich bin auf allen Vieren gekrochen und dachte mir platzt der Kopf. Und plötzlich, an dem Mittwochmorgen nach dem Medizinrad-Seminar bei Thunder wache ich auf und denke: „Irgendwas ist heute anders.“ Und nach einem kurzen Moment wusste ich was anders war: Ich hatte keine Kopfschmerzen mehr. Ich zählte an den Fingern ab: Samstag, Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch. Vier Tage nach Thunders Behandlung hatte ich keine Kopfschmerzen mehr. Das konnte nicht sein. Das bildete ich mir ein. Ich hatte doch im Krankenhaus die Aufnahmen von den Entzündungsherden in meinem Kopf gesehen. Die konnten nicht so mir nichts dir nichts weg sein!

Ich nahm weiterhin die Mediaktion, die mir Thunder empfohlen hatte. Ich nahm Selen, Oregano, Vitamin-B-Präparate, und ich zappte regelmäßig. Von Tag zu Tag ging es mir besser. Das Zittern hörte auf, und das Kopfweh war wirklich verschwunden.

Ich ließ noch einmal eine Spezialuntersuchung an der Uniklinik Tübingen durchführen. Das war furchtbar. Sie spritzen mir eine radioaktive Substanz, um ja auch alles zu sehen. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich danach in diesem Raum habe sitzen müssen, habe trinken müssen, um das Zeug wieder auszuleiten. Die Auswertung dieser Untersuchung dauerte ein Vierteljahr. Dann klingelte bei uns das Telefon. Ich solle doch bitte mal persönlich vorbeikommen, hieß es.

„Oh, Kacke“, dachte ich und rechnete mit dem Schlimmsten. Das mit Thunder war wohl alles nur Einbildung gewesen.

Als ich dem Arzt dann gegenüber saß, fragte er: „Frau Warner, ich möchte Sie jetzt mal etwas fragen. Was haben Sie gemacht?“

„Wieso, ist es so schlimm geworden?“, entgegnete ich.

„Nein, ganz im Gegenteil. Es ist nichts mehr da. Was haben Sie gemacht?“

Inzwischen trug ich eine Rabenfeder in meinem Haar. Die nahm ich in die Hand und hielt sie hoch.

„Wie?“, fragte er verdutzt.

„Ich war bei einem Schamanen. Punkt.“

Er wollte wissen, bei wem genau ich war. Ich sagte es ihm, und dann erzählte er, dass an der Uniklinik Tübingen auch ergänzend Trommelreisen angeboten werden. Er bat mich um den Kontakt mit Thunder.

Der Feuerlauf

In dieser Zeit nach der Körperreise mit Anne, als ich wusste, dass ich etwas aufzulösen habe, und Thunder noch nicht kannte, habe ich verschiedene Sachen ausprobiert. Die Zeit meiner Kopfschmerzen war eine wirklich schwierige Zeit für uns alle. Meine drei Kinder dachten ich sterbe. Juli, meine jüngste Tochter, die damals zehn Jahre alt war, ist in der Schule so stark abgesackt, weil sie voller Sorge war. Ich habe dann den Lehrern erklärt, was los ist, und wir haben einen Schulpsychologen eingeschaltet, der Juli sehr geholfen hat.

Und dann haben wir beschlossen, einen Feuerlauf zu machen, an dem fast alle meine Reitschüler teilgenommen haben, meine Familie und Freunde, die im wahrsten Sinne des Wortes für mich durchs Feuer gegangen sind. Ein Bekannter sollte uns durch dieses Ritual führen.

Schon das Vorbereitungsritual war sehr bewegend. Man nimmt einen fingerdicken, etwa zwei Meter langen Metallstab und legt ihn in die Kehlgrube. Der andere, der einem gegenüber steht, tut dasselbe. Dann sieht man sich an und läuft aufeinander zu. Und wie durch ein Wunder durchsticht der Metallstab nicht etwa die dünne Haut am Hals, sondern er biegt sich. Dieses Unglaubliche geschieht allein durch die Liebe, die wir in uns tragen. Man biegt diesen Stab nur durch seine Liebe, der geht zusammen wie Butter, und wenn man dann aufeinander zugelaufen ist, nimmt man sich in den Arm.

Es folgten dann noch weitere Vorbereitungsrituale, die den Gemeinschaftssinn stärken sollen.

Und dann wurde der Glutteppich für den Feuerlauf vorbereitet. Zwischen zwei und fünf Metern ist er lang. Glühend rote Holzkohle liegt vor einem, und der Weg darüber scheint unendlich lang und irgendwie auch unmöglich. Man nimmt all seinen Mut zusammen, aktiviert seine Willenskraft, und bevor man den ersten Fuß auf die Kohlen setzt, sagt man für wen oder warum man durchs Feuer geht. Beinahe alle sind für mich durchs Feuer gegangen, und ich war sehr gerührt und sehr bewegt, denn es ist etwas anderes, ob jemand lediglich sagt, er gehe für Dich durchs Feuer, oder ob er es wirklich tut. Meine Tochter Juli ist, glaube ich, zwanzigmal über die Glut gelaufen, ohne Hilfe, damit es bloß etwas nützt! Meine Schüler haben mich seitlich gestützt, damit ich über die Kohlen laufen konnte. Mein Mann Michel hat gesagt: „Ich hätte Dich auch rüber getragen, wenn Du nicht mehr hättest laufen können!“ Ich war sehr überwältigt.

Ganz unbeschadet kommt man natürlich nicht über die Glut hinüber, aber die Brandblasen zeigen genau an, welche Reflexzone der Hitze nicht trotzen konnte. Bei mir war der große Zeh verbrannt. Dieser Reflexpunkt steht in Resonanz mit dem Gehirn. Sehr passend, fand ich.

Nach dem ersten Feuerlauf habe ich gekotzt wie ein Reiher. Ich hatte entsetzliche Kopfschmerzen, konnte nicht mehr aufstehen, aber gleichzeitig spürte ich, dass sich irgendetwas gelöst hatte.

Wir machten nach einigen Wochen einen zweiten Feuerlauf, einen dritten, und danach spürte ich keine Nachwirkungen mehr. Das fiel auch schon in die Zeit, in der ich bei Thunder viele Kurse machte. Ich hatte mich entschieden, eine Ausbildung bei ihm zu machen, das Langzeitprogramm, und zu meiner großen Freude wollte Michel genau das auch tun, weil er gesehen hatte, dass Thunder mir wirklich helfen konnte. Wir waren endlich wieder auf einem gemeinsamen Weg.

Mein wahrer Name

Die Begegnungen mit Thunder hatten mich tief beeindruckt und unsere vielen sehr persönlichen Gespräche krempelten mein Leben um. Thunder hatte immer zu mir gesagt, dass er mich als Heilerin sieht, als Pferdeheilerin. „Nein, das bin ich nicht, so sehe ich mich nicht“, dachte ich dann jedes Mal. Thunder aber sah meinen Weg wohl schon durchschimmern. Auch Anne hatte damals öfters zu mir gesagt: „Hast Du Dir mal Gedanken gemacht, dass Du vielleicht ein Heiler bist?“ Ich wollte davon nichts wissen. Ich war Reitlehrerin. Aber wer kann schon seinem Schicksal entgehen?

Schon bei den ersten Begegnungen hatte Thunder zu mir gesagt, dass ich meinen wahren Namen kennen müsse, um wirklich gesund und ich selber zu werden. Dazu war ich nun bereit.

„Wie kriege ich meinen wahren Namen?“, fragte ich Thunder.

„Du beantragst eine Adoption bei meinem Stamm“, sagte er. „Außerdem musst Du Dein beeindruckendstes Erlebnis während einer Zeremonie aufschreiben. Dieses Aufgeschriebene gibst Du mir, und irgendwann träume ich dann Deinen Namen. Er wird zu mir kommen, wenn es an der Zeit ist.“

Ich beantragte also die Adoption bei den Susquehannocks und schrieb für Thunder die Begegnung mit der Bärenmutter auf, die mein persönliches Symbol in den Baum geritzt hatte. Von dieser Geschichte bekomme ich noch heute Gänsehaut.

Das Warten auf meinen wahren Namen war sehr spannend und kaum auszuhalten. Die verrücktesten Kreationen geisterten mir durch den Kopf. Bestimmt hieß ich „Galopping Horse“ oder „Power Horse“, denn ich bin durch und durch ein Pferdemädchen, wie man so schön sagt.

Dann endlich, während eines Seminars, als ich mit Thunder allein beim Frühstück saß, sagte er mir, dass er meinen Namen geträumt habe, und er ihn mir nun verkünden wolle. Ich setzte mich feierlich aufrecht vor ihn hin, denn das hier war ja quasi wie eine zweite Taufe. Thunder sah mich an und sagte mir, dass mein wahrer Name „Morning Moon Bear“ sei. Was denn, Morning Moon Bear?! Ehrlich gesagt war ich ein bissle enttäuscht. Thunder merkte das natürlich.

„Du hast einen anderen Namen erwartet, nicht wahr?“

„Ja, schon, irgendetwas mit „Gaul“ oder so.“

Thunder atmete tief ein und begann dann mit der Erklärung meines Namens: „Ja, Du bist schon ein Pferd, Du bist eins mit Deiner Herde, keine Frage, Deine Pferde spiegeln Dich, ihre Kraft nimmst Du zum Heilen, aber Deine Lebensaufgabe ist eine andere.“

Ich schaute ihn ein wenig verwirrt an: „Was habe ich denn mit dem Mond zu schaffen?“

„Beginnen wir mal mit dem Wort „Morning“. Der Morgen steht für den Beginn, für das Wachstum, für etwas, das sich entwickelt.

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