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Morgen heiratet mein Mann

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder

auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

1. KAPITEL

Die Tür zu Fionas Büro wurde aufgerissen, und Owen spazierte herein. Sein rundes Gesicht war vor Aufregung gerötet. „Du ahnst ja nicht, wer gerade angerufen hat und uns für eine Hochzeit buchen will.“

Fiona verdrehte die Augen. Sie fühlte sich hin- und hergerissen zwischen Ärger und Zuneigung. Ihr Geschäftspartner war ein lieber Mensch und guter Freund. Er arbeitete viel, war absolut ehrlich und mit seinen fünfunddreißig Jahren immer noch Junggeselle. Obwohl er am liebsten pastellfarbene Hemden und grell gemusterte Krawatten trug, war er nicht homosexuell, wie manche Leute vermuteten. Fiona schätzte ihn sehr.

Er hatte jedoch die störende Angewohnheit, Arbeit für sie anzunehmen. Erst danach besprach er die Einzelheiten mit ihr und erwartete, dass sie in Begeisterung geriet.

Begeistert darüber war sie jedoch nie, denn sie unterhielt sich lieber selbst mit den Leuten, ehe sie einen Auftrag annahm.

„Du hast recht, Owen“, erwiderte sie leicht spöttisch, „ich habe keine Ahnung. Wie denn auch? Ich hatte nicht das Vergnügen, persönlich mit dem Interessenten zu reden.“

Owen fühlte sich offenbar überhaupt nicht schuldig. „Das konntest du auch nicht, meine Liebe. Du hattest gerade ein anderes Gespräch, deshalb hat Janey die Dame zu mir durchgestellt.“

„Janey hätte die Dame bitten können zu warten, bis ich fertig war“, entgegnete Fiona betont liebenswürdig.

Entsetzt schlug Owen die Hände über dem Kopf zusammen. „Aber doch nicht Charlotte Forsythe, Fiona! Sie hätte wahrscheinlich aufgelegt.“

„Charlotte Forsythe?“, wiederholte Fiona und bekam Herzklopfen.

Owen strahlte. „Jetzt bist du beeindruckt. Weißt du, was es für unseren Ruf bedeutet, wenn wir die Hochzeit von Charlotte Forsythes Sohn ausrichten? Man wird sich zukünftig in Sydney darum reißen, Hochzeiten von Five-Star Weddings organisieren zu lassen. Wenn alles so perfekt klappt wie immer, wird Charlotte Forsythe dich überall überschwänglich loben. Und dann werden alle Damen der vornehmen Gesellschaft bei uns vor der Tür stehen und uns für die Hochzeit ihrer Töchter und Söhne buchen wollen.“

Fiona beruhigte sich allmählich wieder. „Gut, gut“, sagte sie in Gedanken versunken und lehnte sich auf dem schwarzen Drehsessel zurück, während sie mit den rot lackierten Fingernägeln auf die Lehne klopfte. „Dann heiratet Philip offenbar wieder.“

Es wird auch Zeit, denn er ist immerhin schon dreißig, fügte sie insgeheim hinzu. Er war im richtigen Alter, sich eine passende Frau zu nehmen und einen dem riesigen Forsythe-Vermögen angemessenen Erben zu zeugen.

„Kennst du Philip Forsythe etwa?“, fragte Owen verblüfft.

Fiona lachte freudlos auf. „Ob ich ihn kenne? Ich war mit ihm verheiratet.“

Owen ließ sich in einen der Besuchersessel sinken. „Du liebe Zeit.“ Seine Begeisterung war schlagartig verschwunden. „Dann wird wohl nichts aus unserer Society-Hochzeit.“

„Das ist doch Unsinn. Den Auftrag kannst du übernehmen. Du brauchst nur zu behaupten, ich hätte keinen Termin frei.“

„Nein, das geht nicht. Mrs Forsythe wünscht ausdrücklich die Frau, die die Hochzeit von Craig Bateman arrangiert hat.“

„Wirklich? Aber der Kricketspieler, der seine Jugendliebe geheiratet hat, gehört nicht unbedingt zur besten Gesellschaft.“

„Ja, ich weiß. Doch über seine Hochzeit wurde ausführlich in einem der Hochglanzmagazine berichtet, erinnerst du dich? Mrs Forsythe hat beim Friseur zufällig darin geblättert und war von den Fotos beeindruckt. Sie hat bei Bill Babstock, dem Fotografen, dessen Name darunter vermerkt war, angerufen und ihn für die Hochzeit ihres Sohns gebucht. Und Bill hat ihr wärmstens empfohlen, sich an dich wegen der Koordination zu wenden. Ich habe ihr schon gesagt, du seist sehr beschäftigt. Aber sie hat prompt geantwortet, sie habe gehört, du seist die Beste, und für ihren Sohn wolle sie nur das Beste. Deshalb habe ich ihr natürlich versprochen, du würdest dich der Sache annehmen.“

„Natürlich“, wiederholte Fiona wehmütig.

Owen gestikulierte mit den Händen. „Woher sollte ich wissen, dass du mit ihrem verdammten Sohn mal verheiratet warst? Ich hatte den Eindruck, dein Name sagte der Frau gar nichts.“

„Damals nannten alle mich Noni, und mein Familienname war Stillman. Fiona Kirby ist für sie kein Begriff.“

Er runzelte die Stirn. „Ist Kirby nicht dein Mädchenname?“

„Nein, so hieß mein zweiter Mann.“

„Dein zweiter Mann?“ Owen blickte sie groß an. „Du liebe Zeit, Mädchen, ich kenne dich seit sechs Jahren. Du hast mehr Verehrer als ich Krawatten, und nicht einer davon hat es geschafft, dich zum Traualtar zu zerren. Du bist doch erst achtundzwanzig! Und jetzt erfahre ich, dass du zwei Ehemänner hattest, von denen einer zu den reichsten Familien Australiens gehört. Was war denn der andere? Ein berühmter Chirurg oder ein internationaler Popstar?“

„Nein, ein Trucker.“

„Ein Lastwagenfahrer?“, wiederholte er fassungslos.

„Ja, mit Vornamen hieß er Kevin. Er wohnte in Leppington und war ein netter Mann. Glaub mir, ich habe ihm einen Gefallen damit getan, dass ich mich scheiden ließ.“

„War Philip Forsythe auch nett?“

„Sehr sogar.“ Fiona empfand ihm und seinem Vater gegenüber, der ein sanfter und liebenswürdiger Mensch gewesen war, keine Bitterkeit. Nur Philips Mutter hatte Noni von oben herab behandelt und der kurzen Ehe keine Chance gegeben.

„Wahrscheinlich hast du Philip Forsythe auch einen Gefallen getan, als du dich von ihm hast scheiden lassen, oder?“, fragte ihr Geschäftspartner spöttisch.

„Seien wir doch ehrlich, Owen, ich eigne mich nicht zur Ehefrau. Dazu bin ich viel zu unabhängig und selbstständig. Aber diesen guten Auftrag möchte ich nicht gern verlieren. Meinst du nicht, man könnte Mrs Forsythe überzeugen, dass du die Hochzeit organisierst, indem wir einfach behaupten, ich sei krank?“

Owen seufzte. „Ich möchte die Frau nicht belügen, Fiona. So etwas geht meist schief. Außerdem hat sie sich sehr entschlossen angehört. Sie will nur dich, sonst niemanden.“

Fiona blickte auf. „Die Hochzeit ist für uns sehr wichtig, wie du schon sagtest, sowohl finanziell als auch für unser Ansehen, unseren Ruf.“ Sie runzelte die Stirn und biss sich auf die Lippe. „Ich überlege …“

Während sie die braunen Augen zusammenkniff, versuchte Owen, nicht in Panik zu geraten. Er kannte diesen strengen, eigensinnigen Blick. Wenn Fiona sich in eine Idee verrannte, konnte niemand sie aufhalten. Meist störte ihn das nicht, sie war sogar gut fürs Geschäft, weil sie damit viel Erfolg hatte.

Doch dieses Mal befürchtete er, es würde ihnen eher schaden als nützen. „Nein, tu es nicht“, forderte er sie deshalb auf und stand auf. „Und denk erst gar nicht darüber nach.“

„Worüber?“

„Charlotte Forsythe hereinzulegen. Ich kann mir vorstellen, dass du mit einer Brille und einer blonden Perücke bei ihr erscheinst und mit einem seltsamen Akzent sprichst, damit deine ehemalige Schwiegermutter dich nicht erkennt.“

„Das wird sie sowieso nicht, Owen“, erklärte Fiona zuversichtlich. „Ich brauche mein Aussehen überhaupt nicht zu verändern. Vor zehn Jahren hatte ich eine gelockte hellblonde Mähne und so viel Make-up im Gesicht, dass ich wie ein Clown wirkte. Außerdem wog ich zwanzig Pfund mehr und kleidete mich, als wäre ich in einem Massagesalon angestellt. Kein Top konnte eng genug sein, kein Rock kurz genug.“

Owen betrachtete ihr schulterlanges schwarzes Haar, das wie ein weicher glänzender Vorhang ihr Gesicht mit dem dezenten Make-up umrahmte. Dann ließ er den Blick über ihre schlanke Gestalt gleiten. Er kannte sie nur in dezent eleganten Outfits.

Fiona hatte Klasse, das konnte man nicht anders sagen. Die Frau, die sie offenbar während der Ehe mit Philip Forsythe gewesen war, war sie jetzt jedenfalls nicht mehr. Owen konnte sie sich beim besten Willen nicht als blonde Sexbombe vorstellen.

Aber warum hatte Philip Forsythe sie damals geheiratet? Owen kannte ihn nicht persönlich, wusste jedoch, dass Söhne reicher Eltern nur irgendwelche Berühmtheiten oder die Töchter ähnlich reicher Eltern heirateten.

Oder war es Philip Forsythe nur um Sex gegangen?

Owen gestand sich ein, dass Fiona eine sinnliche Ausstrahlung hatte, die sogar er manchmal spürte. Sie war jedoch nicht sein Typ. Er bevorzugte ältere und molligere Frauen, die viel lachten, gut Scrabble spielten und ihm seine Lieblingsgerichte kochten. Eine Frau unter vierzig interessierte ihn nicht.

Doch die meisten Männer fanden Fiona attraktiv. Sie verliebten sich in sie, schliefen mit ihr. Später, sobald sie ihrer überdrüssig war, hatte sie dann Mühe, sie wieder loszuwerden. Sie hielt es nie lange bei einem aus.

Oft hatte Owen den Eindruck, dass sie Männer ziemlich grausam behandelte, obwohl sie behauptete, sie verspreche ihnen nichts und wisse selbst nicht, warum alle mehr von ihr erwarteten, als sie zu geben bereit war. Vielleicht lag es ja an den beiden Ehen mit den angeblich so netten Männern, dass sie zu keiner Partnerschaft oder Bindung mehr bereit war.

„Und einen anderen Akzent brauche ich mir auch nicht zuzulegen“, fuhr Fiona fort, „denn ich spreche jetzt wesentlich anders als damals. Ich habe mich schrecklich unkultiviert angehört, das kannst du mir glauben. Nein, Owen, Mrs Forsythe würde mich nicht wieder erkennen. Mr Forsythe auch nicht, denn er ist vor zwei Jahren gestorben.“

„Ach ja? Das wusste ich nicht.“

„Er hatte Krebs“, erklärte sie. „Es stand nicht viel über ihn in den Zeitungen. Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt.“

Fiona erinnerte sich, dass nur ein einziges Foto veröffentlicht worden war. Man hatte gesehen, wie Charlotte nach der Beerdigung in eine schwarze Limousine gestiegen war. Philip war nicht dabei gewesen.

Er war nicht wie seine Mutter und die anderen Familienmitglieder, sondern scheute die Öffentlichkeit. Nicht ein einziges Mal hatte Fiona ihn in den vergangenen zehn Jahren im Fernsehen oder sein Foto in irgendwelchen Zeitungen oder Magazinen entdeckt.

„Wie war er denn?“, fragte Owen.

„Wer?“ Fiona blickte ihn verständnislos an.

„Der Vater des Bräutigams.“

„Ach so. Er war sehr nett.“

„Du liebe Zeit, Fiona, in deiner Vergangenheit hat es offenbar nur nette Männer gegeben. Weshalb hasst du dann die Männer?“

Fiona war überrascht. „Das ist mir etwas zu hart ausgedrückt, Owen, und es stimmt auch nicht. Dich habe ich beispielsweise sehr gern, und du bist ein Mann“, wehrte sie sich.

„Ich rede nicht von mir, sondern von den Männern, mit denen du eine Zeit lang zusammen bist. Früher oder später wirfst du sie einfach weg. Sie glauben, du würdest sie mögen, doch in Wirklichkeit benutzt du sie nur. Und das finde ich nicht besonders nett.“

Sekundenlang versteifte sie sich. Dann zuckte sie die Schultern. „Es tut mir leid, dass du so denkst, Owen, aber sie kennen die Spielregeln. Und ich bezweifle, dass sie tiefere Gefühle für mich haben. Nachdem sie ihren verletzten Stolz überwunden haben, trösten sie sich rasch mit anderen Frauen. Aber bleiben wir beim Thema. Charlotte Forsythe wird mich nicht erkennen, höchstens Philip. Doch mit ihm habe ich ja nichts zu tun, sondern nur mit seiner Mutter. Glaub mir, sie wird keinen Verdacht schöpfen.“

Owen blickte seine Geschäftspartnerin an. Er hatte Mitleid mit ihr, denn sie war wirklich nett. Obwohl sie illusionslos und verbittert wirkte, war sie sehr herzlich, anständig und großzügig, und sie arbeitete hart und viel. Sie interessierte sich für ihre Kunden und deren Sorgen, vergaß nie die Geburtstage ihrer Mitarbeiter und war immer bereit, anderen zu helfen und für Bedürftige zu spenden.

Wer wusste schon, was in ihren Ehen passiert war, dass sie Männern gegenüber so hart und unnachgiebig geworden war. Es entsprach gar nicht ihrem Wesen und Charakter. Dass sie im Berufsleben entschlossen und ehrgeizig war, war etwas anderes.

„Wir können uns nicht darauf verlassen, dass Mrs Forsythe dich nicht erkennt, Fiona“, erklärte Owen. Er wollte nicht zulassen, dass sie dem kleinen Unternehmen schadete, das sie über die Jahre hinweg aufgebaut hatten. „Wenn du ihr nicht von Anfang sagst, wer du bist, und sie es später herausfindet, wird sie sich ärgern und deinen und unseren guten Ruf zerstören. Meiner Meinung nach solltest du den Termin wahrnehmen, den ich mit ihr vereinbart habe, und deine Identität taktvoll und diplomatisch preisgeben. Danach kann sie selbst entscheiden, ob sie lieber mit mir oder weiterhin mit dir kooperieren will. Selbst wenn sie sich gegen die Zusammenarbeit mit Five-Star Weddings entscheidet, wird sie wenigstens nicht unseren Ruf ruinieren.“

Fiona dachte über den Vorschlag nach, der sich gut und vernünftig anhörte. Und sie hätte trotzdem die Gelegenheit, Charlotte Forsythes Überraschung zu erleben, wenn die Frau begreifen musste, wen sie vor sich hatte.

In gewisser Weise war der Vorschlag sogar besser. So konnte sie Philips Mutter beweisen, dass ihre ehemalige Schwiegertochter, die sie so sehr verabscheut hatte, keine ungebildete und gewöhnliche Frau mehr war. Philips verhöhnte und verspottete erste Frau verkehrte jetzt in den so genannten besten Kreisen.

Sie trug jetzt nur noch Designeroutfits. Sie hatte perfekte Umgangsformen und war eine glänzende Gesellschafterin. Sie war Mitinhaberin des florierenden Dienstleistungsunternehmens, besaß ein wunderschönes Apartment mit Blick auf die Lavender Bay und kannte sich aus mit Delikatessen und den besten Weinen. Sie konnte sogar Ski laufen und verstand viel von Kunst und Musik.

Doch damit nicht genug, sie konnte beinah jeden Mann haben, der ihr gefiel. Sekundenlang überlegte sie wehmütig, was geschehen würde, wenn sie Philip begegnete. Würde er sie wieder erkennen? Und wie würde ihm die neue Fiona gefallen? Besser als die Noni von damals?

Das waren irritierende Gedanken. Wie sah er jetzt wohl aus? Und wer war die Frau, die er heiraten wollte?

„Okay, Owen“, stimmte sie schließlich zu und richtete sich im Sessel auf. „Ich werde hingehen und mich Mrs Forsythe stellen. Doch sag mir eins, warum will Charlotte die Hochzeit ihres Sohns organisieren? Hat die glückliche Braut keine Mutter?“

Owen zuckte die Schultern. „Offenbar nicht.“

„Wer ist die zweifellos schöne und gut erzogene Frau, die den Forsythes willkommen ist?“

„Keine Ahnung. Darüber haben wir nicht geredet.“

„Wann ist der Termin?“

„Morgen Vormittag um zehn.“

„An einem Samstag? Du weißt doch, ich mache an Samstagen keine Kundenbesuche. Du liebe Zeit, Owen, morgen Nachmittag habe ich eine Hochzeit.“

„Darum kann sich Rebecca kümmern.“

„Nein, das schafft sie noch nicht“, entgegnete Fiona scharf.

„Doch. Du hast sie gut eingeführt, Fiona. Dein Problem ist, du delegierst nicht gern. Auch wenn deine perfekte Arbeitsweise und deine Zuverlässigkeit bewundernswert sind, musst du lernen, Rebecca Verantwortung zu übertragen.“

„Wahrscheinlich“, gab sie zu. „Aber nicht dieses Mal. Die Mutter der Braut rechnet fest mit mir. Und ich werde sie an so einem wichtigen Tag nicht enttäuschen.“

„Vielleicht schaffst du beide Termine“, schlug Owen vor.

„Das wird schwierig, wenn Mrs Forsythe noch in Kenthurst wohnt. Deine Miene sagt mir, dass es so ist. Bei dem starken Verkehr in der Stadt brauche ich eine gute Stunde, bis ich bei ihr bin. Und dann schaffe ich es unmöglich, pünktlich zu der Hochzeit in Cronulla zu sein. Du musst sie anrufen und den Termin auf Sonntag verschieben, am besten auf elf Uhr, weil ich gern länger schlafen möchte.“

„Aber …“

„Tu es bitte, Owen. Erklär ihr, warum ich morgen keine Zeit habe. Wahrscheinlich wird sie sogar meine Zuverlässigkeit, wie du es ausgedrückt hast, bewundern.“

Owen stöhnte. „Du bist schrecklich hart.“

„Unsinn. Ich bin sehr sanft. Vertrau mir, Owen, ich weiß, was ich tue. Die Forsythes dieser Welt haben mehr Respekt vor Leuten, die nicht hinter ihnen herlaufen und nicht vor ihnen kriechen. Sei höflich, aber entschlossen. Ich wette, sie hat nichts dagegen.“

Zu Owens Überraschung hatte Fiona recht. „Sie war sehr zuvorkommend“, berichtete er zehn Minuten später. „Und sie hat dich sogar zum Lunch eingeladen. Glücklicherweise haben ihr Sohn und seine Verlobte an dem Tag keine Zeit. Darüber bin ich wirklich froh. Außerdem wohnt der Bräutigam nicht mehr zu Hause.“

Das wusste Fiona schon. Sie hatte all die Jahre immer wieder im Telefonbuch seine Adresse gesucht. Es gab nicht zu viele P. Z. Forsythes und in Sydney nur einen einzigen. Fünfzehn Monate nach der Trennung war er offenbar nach Paddington gezogen, nur einen Steinwurf weit von der City entfernt. Zu der Zeit hatte er wahrscheinlich gerade sein Jurastudium abgeschlossen.

Im Jahr darauf wohnte er in Bondi und seit Neuestem in Balmoral Beach, einer exklusiven Wohngegend, nicht weit von der Stadt entfernt.

Als er noch in Paddington lebte, hatte Fiona ihn immer wieder angerufen, nur um seine Stimme zu hören. Sobald er sich meldete, legte sie auf. Kurz, nachdem er nach Bondi gezogen war, rief sie ihn nachts an und behauptete, einen Nigel sprechen zu wollen, nur um etwas länger mit Philip zu reden. Zu ihrem Entsetzen rief er dann nach einem Nigel.

„Er kommt gleich, Süße“, sagte Philip und legte den Hörer hin. Fiona konnte im Hintergrund Gelächter und Musik hören, offenbar wurde eine Party gefeiert.

Sie hatte rasch aufgelegt und sich geschworen, ihn nie wieder zu belästigen. Und das hatte sie auch getan.

Doch seine Adresse hatte sie weiterhin in jeder neuen Ausgabe des Telefonbuchs nachgeschlagen. Deshalb wusste sie auch, dass er jetzt in Balmoral wohnte.

Fiona blickte auf und sah, dass ihr Geschäftspartner sie stirnrunzelnd beobachtete. Sie lächelte ihn irgendwie spöttisch an. „Sei doch nicht so beunruhigt, Owen.“

„Ich würde zu gern wissen, wie du Mrs Forsythe über deine Identität aufklären willst.“

„Ganz behutsam, das verspreche ich dir. Ich kann taktvoll und diplomatisch sein, auch ganz bezaubernd und charmant, wenn ich will. Sind nicht immer die Mütter der Bräute völlig begeistert von mir?“

„Ja, sicher. Aber Mrs Forsythe ist die Mutter des Bräutigams, und du warst seine erste Frau.“

2. KAPITEL

Fiona hielt am Straßenrand an und studierte noch einmal den Stadtplan, um ganz sicher zu sein, dass sie den Weg nach Kenthurst fand. Sie war nur zwei Mal dort gewesen, und das war auch schon zehn Jahre her.

Kenthurst war ein exklusiver Vorort nördlich von Sydney. Mit den vielen Bäumen, den zahlreichen Hügeln und der frischen Luft herrschte dort eher eine etwas ländliche Atmosphäre. Es war die perfekte Umgebung für die Reichen und Privilegierten, die Ruhe und Abgeschiedenheit liebten.

Vermögende Geschäftsleute aus Sydney hatten sich früher in den Blue Mountains oder im Hochland weiter südlich ihre Sommerhäuser gebaut, um der Hitze und dem Trubel in der City zu entfliehen. Jetzt ließ man sich palastähnliche Gebäude mit Klimaanlagen auf Grundstücken, die oft zwischen zwanzigtausend und hunderttausend Quadratmeter groß waren, in Kenthurst oder Dural hinstellen.

Auch Philips Vater hatte es getan. Außerdem hatte er noch ein Apartment an der Double Bay besessen, wo er übernachtet hatte, wenn er geschäftlich länger in der Stadt hatte bleiben müssen oder wenn er mit seiner Frau ins Theater oder in die Oper gegangen war. Es war eine außergewöhnlich große Wohnung gewesen, die luxuriös eingerichtet war. Fiona wusste sogar, dass das Bett in dem größten Schlafzimmer überdimensional breit war, denn sie hatte darin geschlafen.

Nein, nicht wirklich geschlafen. Sie überlegte, ob Philip seine zukünftige Frau in demselben Bett so ungestüm und leidenschaftlich geliebt hatte wie sie damals.

Du liebe Zeit, das geht zu weit, ich darf nicht verbittert werden, mahnte sie sich streng. Sie musste sich darauf konzentrieren, pünktlich um elf bei Charlotte Forsythe zu sein, denn die Frau sollte keinen Grund haben, wieder verächtlich auf sie herabzusehen.

Nachdem Fiona sich die Richtung und die Straßennamen gut eingeprägt hatte, reihte sie sich mit dem frisch gewaschenen Wagen auf dem Highway wieder in den Verkehr ein.

Während sie weiterfuhr, umspielte ein kleines Lächeln ihre Lippen. Sie hatte nicht nur ihr Auto gewaschen und poliert. Trotz ihrer Bemerkung, an einem Sonntag länger schlafen zu wollen, war sie schon um sechs Uhr aufgestanden. Um neun war sie mit sich zufrieden. Vom Kopf bis zu den Zehennägeln wirkte sie perfekt. Sogar ihre exklusiven Dessous waren sorgsam auf ihren Hosenanzug abgestimmt.

Seltsamerweise war es ihr schwergefallen, sich zu entscheiden, was sie anziehen wollte, obwohl ihr ganzer Kleiderschrank voll war, mit den teuersten und elegantesten Designeroutfits. Außerdem war es Winter, und man hatte sowieso nicht so eine große Auswahl an Farben. Doch Braun und Beige waren im letzten Jahr modern gewesen, Schwarz wirkte zu traurig, und Grau machte sie zu blass. Deshalb blieben nur Taupe und Ecru übrig. Leuchtende oder schrille Farben und Weiß trug Fiona sowieso nicht.

Nach längerem Überlegen hatte sie den Hosenanzug aus cremefarbener Wolle aus dem Schrank genommen. Er hatte einen modernen Schnitt, und es gehörte eine Weste mit hübschen goldumrandeten Knöpfen dazu. Dann legte sie noch die goldenen Ohrringe an und band sich die goldene Uhr um, die ihr ein ehemaliger Verehrer geschenkt hatte. Make-up trug sie sparsam auf, und der rostbraune Lippenstift passte perfekt zum Nagellack. Das Parfüm war auch ein Geschenk eines Verehrers, der erklärt hatte, es passe wegen des exotischen und sinnlichen Dufts ausgesprochen gut zu ihr.

Schließlich war Fiona mit ihrem Aussehen zufrieden. Kurz vor zehn ging sie aus dem Haus, bereit, der Frau zu begegnen, die sie beinah zerstört hätte.

„Aber ich bin wieder da, ich bin wie ein Phoenix aus der Asche gestiegen, Charlotte“, sagte Fiona laut vor sich hin, während sie auf dem Highway Richtung Kenthurst fuhr.

Sie lachte, weil ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie damals als Noni keine Ahnung gehabt hatte, wer oder was ein Phoenix überhaupt war. „Ich habe einen langen Weg hinter mir“, lobte sie sich selbst. „Einen sehr langen sogar. Es lohnt sich, Philips geliebter Mutter zu beweisen, wie viel ich erreicht habe.“

Als die Sonne durch die Wolken auf die silberfarbene Motorhaube schien, wurde Fiona geblendet. Rasch zog sie die Designersonnenbrille aus dem Türfach neben sich und setzte sie lächelnd auf.

Fünfzehn Minuten später fuhr sie langsam an dem Anwesen der Forsythes vorbei und runzelte verblüfft die Stirn. In den zehn Jahren hatte sich einiges verändert. Es war jetzt von einer hohen Mauer umgeben und wirkte kleiner und viel weniger einschüchternd, als Fiona es in Erinnerung hatte. Das große, repräsentative Haus mit der Fassade im georgianischen Stil stand auf einem Hügel, der so hoch war, dass man einen weiten Ausblick auf die Landschaft ringsumher hatte.

Fiona hielt an und betrachtete das Gebäude. Dann nickte sie. Natürlich, wie dumm von mir, nicht das Haus hat sich verändert, sondern ich nehme es jetzt völlig anders wahr, überlegte sie. Luxus und Reichtum beeindruckten sie nicht mehr. Sie war daran gewöhnt.

Sie lächelte selbstsicher und fuhr durch das offene Tor, das mit Überwachungskamera und Gegensprechanlage gesichert war, die Einfahrt hinauf. Es war genau zwei Minuten vor elf. Mit einem Blick in den Rückspiegel stellte Fiona fest, dass man das Tor nicht hinter ihr schloss, was sie ziemlich leichtsinnig fand.

Aber wenn Charlotte Forsythe die Sicherheitsvorkehrungen nicht nutzen will, die sie für viel Geld hat installieren lassen, ist das nicht mein Problem, sagte Fiona sich. In die abgelegenen Häuser reicher Leute wurde immer wieder eingebrochen, man konnte eigentlich heutzutage nicht vorsichtig genug sein.

Andererseits war Philips Linie der Familie Forsythe nicht ganz so bekannt und berühmt wie die seiner Verwandten. Sein Onkel Harold war Inhaber verschiedener Industrie- und Lebensmittelbetriebe und besaß mehrere Rennpferde, während sein Onkel Arnold ein bekannter Medienmogul war, dem einige Hotelketten gehörten. Außerdem war er Polospieler und Weinkenner.

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