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Mordsgifte

Über die Autoren

Prof. Dr. rer. nat. Frank Mußhoff ist im In- und Ausland als Sachverständiger vornehmlich für Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte tätig. Er studierte Biologie in Düsseldorf, wo er 1990 in das dortige Institut für Rechtsmedizin eintrat und promovierte. 1996 übernahm er die Leitung der Forensischen Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin in Bonn. Seit Januar 2013 ist er einer der beiden Leiter des Forensisch Toxikologischen Centrums München. Er ist Mitglied nationaler wie internationaler Fachgesellschaften und Autor von mehr als 170 Fachaufsätzen, zahlreicher Buchbeiträge sowie Mithe­rausgeber von Fachbüchern rund um die Forensische Toxikologie.

Dr. rer. nat. Cornelius Heß ist seit 2013 Leiter der Abteilung Forensische Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn. Nach dem Studium der Pharmazie in Bonn arbeitete er im Rahmen seiner Diplomarbeit am Institut für Biochemie und Dopinganalytik der Deutschen Sporthochschule Köln. Während seiner Promotion beschäftigte er sich mit dem Nachweis von Insulin – als Gift eingesetzt gilt dieses noch immer als schwer aufspürbar.

Frank Mußhoff
Cornelius Heß

Mordsgifte

Ein Toxikologe berichtet

Inhalt

Über die Autoren

Was macht ein forensischer Toxikologe? Eine persönliche Einleitung

Tödliche Chemie – Einige frühe Klassiker

Pflanzliche Gifte

Synthetische Gifte

Alkohol und giftige Gase

Medizinisches Personal – Sterbehilfe und Mord

K.-o.-Mittel und ihre Folgen

Politisch motivierte Giftanschläge

Epilog – Toxikologen im Wettlauf mit der Zeit

Literaturhinweise und Quellen

Was macht ein forensischer Toxikologe? Eine persönliche Einleitung

»Suff, Sex, Gewalt und Drogen, damit verdienen wir unser Geld«, meinte einmal ein befreundeter Kollege und hat damit gar nicht so unrecht. Denn wir forensische Toxikologen haben es tagtäglich mit den eher unschönen Auswirkungen des Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsums, mit K.-o.-Mittel-Gaben bei Vergewaltigungen sowie selbstverständlich mit Giftmorden, Selbstmorden mit Gift oder unglücklichen Unfällen mit Gifteinwirkung zu tun.

Wie bin ich da hineingeraten? Im Frühjahr 1990 betrat ich zum ersten Mal ein Institut für Rechtsmedizin. Ich stand an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gerade kurz vor der Fertigstellung meiner Diplomarbeit am Ende meines Biologie-Studiums und nun vor der Frage, wie es weitergehen sollte. Eigentlich wollte ich die Universität verlassen und endlich etwas »Handfestes« tun, wobei mich die Toxikologie bereits da schon sehr interessierte. Dann hörte ich per Zufall, dass in der chemisch-toxikologischen Abteilung der Rechtsmedizin Düsseldorf eine Stelle frei werden sollte, und nach einem kurzen Anruf bekam ich gleich die Einladung, doch einmal persönlich vorbeizukommen. Über das, was dort wirklich gemacht wurde, wusste ich noch nicht viel.

Der Besuch verlief überraschend. Vom Leiter der Abteilung, Prof. Dr. rer. nat. Thomas Daldrup, wurde ich an der Tür empfangen, und dann ging es nicht etwa in sein Büro, sondern ich wurde sogleich durch die Labore und Gänge geführt. Am Ende des Labortraktes befanden wir uns in einem kleinen Flur, in dem es ziemlich stark roch. »Wir haben eben nicht immer mit den frischesten Leichen zu tun«, meinte Thomas Daldrup mit einem Grinsen, und ich erfuhr, dass einer der beiden Sektionssäle des Institutes sich nur durch eine Holztür getrennt auf dem ersten Stock direkt neben dem Laborbereich befand. Natürlich ließ ich mir nichts anmerken und machte auf cool. Ich habe nie erfahren, ob auch das dazu beigetragen hat, dass ich zwei Tage später die Zusage auf eine Stelle mit der Möglichkeit zu einer naturwissenschaftlichen Promotion erhielt. Bis heute habe ich an einigen Leichenöffnungen teilgenommen, und es sind gar nicht die Bilder, sondern vielmehr die Gerüche, die mir immer am meisten zu schaffen machen.

Jedenfalls begann ich im Sommer 1990 in der Düsseldorfer Rechtsmedizin, und von Anfang an war ich Feuer und Flamme für alles, was sich mir dort bot. Ich beschäftigte mich nicht nur mit meiner eigenen Doktorarbeit, sondern versuchte möglichst viel in der täglichen Routine mitzuarbeiten und mitzubekommen. Ich entwickelte erste Methoden zum quantitativen Nachweis von Drogen in Körperflüssigkeiten, las mir die Fallgeschichten durch und diskutierte nach Abschluss der Analysen die Fälle mit meinem Lehrer und heutigen Freund Thomas Daldrup. So bekam ich direkt einen Gesamteinblick in das Fach und konnte von Anfang an reichlich Berufserfahrung sammeln. Und bereits 1996 wurde mir die Leitung des chemisch-toxikologischen Labors der Rechtsmedizin in Bonn angetragen.

Aber zurück zu Suff, Sex, Gewalt und Drogen. Was macht ein forensischer Toxikologe überhaupt, und wie ist ein Institut für Rechtsmedizin in der Regel aufgebaut?

Die Leitung als Institutsdirektor liegt natürlich in der Hand eines Rechtsmediziners, ist das Fach doch auch in aller Regel den Medizinischen Fakultäten einer Universität zugeordnet. In einem Institut für Rechtsmedizin finden sich dann zumeist drei Hauptabteilungen.

Da ist zum einen das, was alle aus vielen Berichten und dem Fernsehen kennen, die Forensische Medizin. Zu den Aufgaben der Forensischen Medizin zählen Obduktionen inklusive Folgeuntersuchungen an Gewebeschnitten (Histologie), Leichenschauen, Leichenfundorteinsätze sowie körperliche Untersuchungen von Geschädigten oder Tätern und die Erstattung medizinischer Gutachten auf Aktenbasis. Als weitere Abteilung gibt es in der Regel die Forensische Genetik. Ihr wichtigstes Arbeitsgebiet ist die Untersuchung biologischer Spuren insbesondere von Fund- beziehungsweise Tatorten und deren Zuordnung zu Personen, um schwere Straftaten aufzuklären. Des Weiteren geht es um die Identifizierung unbekannter Toter sowohl in Einzelfällen als auch bei der Identifizierung von Opfern von Massenkatastrophen (z. B. Naturereignisse, Terroranschläge) und Kriegen. Letztendlich gehört auch der einfache Vaterschaftstest zu den Aufgabengebieten der Forensik.

Als dritte Einheit ist die Forensische Toxikologie zu nennen. Hier sind in der Regel ebenfalls Naturwissenschaftler tätig, also Chemiker, Pharmazeuten, Lebensmittelchemiker oder, so wie ich, Biologen. Der Begriff »Toxikologie« geht auf die griechischen Worte »Gift« (τοξικόν – toxicon) und »Lehre« (λόγος – logos) zurück; die Toxikologie beschäftigt sich allgemein mit der Erforschung der Wirkungsweise von Giften zur Diagnostik und Therapie von Vergifteten. »Forensisch« leitet sich vom lateinischen Wort »forum« (Marktplatz) ab, da Gerichtsverfahren, Urteilsverkündungen und Strafvollzug im antiken Rom öffentlich und zumeist auf dem Marktplatz durchgeführt wurden. Unter »Forensischer Toxikologie« versteht man dann ganz allgemein die Vergiftungslehre in ihrer Beziehung zur Rechtsordnung, das heißt in strittigen Rechtsfragen im Straf-, Zivil-, Verwaltungs- oder Versicherungsrecht bei Lebenden oder Verstorbenen.

Hier denken die meisten dann natürlich an die Leichentoxikologie nach Giftmorden sowie Tötungen und Selbsttötungen oder Unfällen mit Giften. Das war natürlich unser ursprüngliches Arbeitsgebiet, wenngleich die Leichen heute nur noch einen Teil der Untersuchungsfälle ausmachen.

Doch mittlerweile überwiegen Untersuchungen an Proben von Lebenden eindeutig. Da haben wir zum einen die Personen, die unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss am Straßenverkehr teilnehmen und damit eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begehen können. Deren Blutproben werden in forensisch-toxikologischen Laboren, zumeist in einer Rechtsmedizin, untersucht. Dann haben wir die Personen, die unter dem Einfluss von solchen zentral wirksamen Substanzen Straftaten begehen, aber vielleicht so stark beeinträchtigt sind, dass zu prüfen ist, ob ihre strafrechtliche Verantwortung noch (vollständig) gegeben war oder sie als (vermindert) schuldfähig anzusehen sind. Ferner gibt es die Verabreichung von K.-o.-Mitteln, um Personen gefügig zu machen oder außer Gefecht zu setzen. Ein stetig wachsendes Feld sind die Eignungsuntersuchungen. So bedarf es zum Beispiel nach einer Drogenfahrt des Nachweises einer Drogenabstinenz über einen bestimmten Zeitraum, um den Führerschein zurückzubekommen. Manche Institutionen untersuchen auch sichergestellte Drogen auf ihre Wirkstoffe beziehungsweise Wirkstoffgehalte, obwohl dies vornehmlich Aufgabe der Kriminalämter ist. Aufgrund der vorhandenen instrumentellen Ausstattung und der Fachkenntnis werden in forensischen Laboratorien gerade der rechtsmedizinischen Universitätsinstitute häufig auch die chemisch-toxikologische Analytik und die fachspezifische Beratung für die Klinische Toxikologie durchgeführt. Per Kurier erhalten wir aus Kliniken Proben von Personen mit Verdacht auf eine Vergiftung und analysieren sie im Rahmen eines Notfallprogramms, um behandelnde Ärzte schnell bei ihrer Diagnose und Behandlung zu unterstützen.

Unsere Arbeit ist ungeheuer vielfältig, und das macht das Spannende daran aus. Früher hielten sich Rechtsmediziner nicht selten Naturwissenschaftler quasi als Messknechte, um die im Labor erhaltenen Befunde dann als Arzt nach außen zu vertreten. Zum Glück bin ich auf keiner meiner Stationen in so eine Situation geraten. Ich kenne rechtsmedizinische Institute so, dass Ärzte und Naturwissenschaftler auf Augenhöhe in der täglichen Fallarbeit miteinander umgehen und gerade dieses Interdisziplinäre ein rechtsmedizinisches Institut ausmacht. Medizinische und naturwissenschaftliche Aspekte werden so gleichermaßen berücksichtigt, man arbeitet Hand in Hand an einem Fall zusammen, und man lernt dabei täglich voneinander.

Bei der forensischen Toxikologie steht natürlich zunächst die Analytik von biologischen Proben im Vordergrund. Dazu bedarf es eines gewissen chemischen wie technischen Verständnisses. Zu bedienen sind modernste Analysesysteme, und man hat sich ständig auf dem aktuellen Stand zu halten, was neue Möglichkeiten und Methoden betrifft. Aber unsere Arbeit ist bei weitem nicht mit dem Abschluss der Analysen beendet. Denn dann gilt es, die erhaltenen Befunde in ihren ganz individuellen Zusammenhang einzuordnen, zu interpretieren und schließlich ein Sachverständigengutachten zu verfassen. Wir erhalten daher nicht nur irgendwelches Probenmaterial, sondern zusätzlich umfangreiche Informationen zum gesamten Fall. Das können polizeiliche Berichte sein oder auch die gesamte Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft. Wir haben sämtliche Anknüpfungspunkte und Hintergründe zu berücksichtigen und in unser Gutachten einfließen zu lassen. Zunächst wird in der Regel ein schriftliches Gutachten verfasst, nicht selten müssen wir die Befunde aber auch bei einer späteren Gerichtsverhandlung als Sachverständige vertreten. Dann sitzen wir neben der Staatsanwaltschaft, haben wie das Gericht, die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft ein Fragerecht bei der Anhörung Beschuldigter wie auch der Zeugen und erstatten dann nach Abschluss der Beweisaufnahme unser mündliches Sachverständigengutachten. Im Anschluss daran stehen wir noch dem Gericht, der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft für Fragen zur Verfügung, bevor es zu den Plädoyers und schließlich zum Urteil kommt.

Und das ist das, was mich so begeistert. Man hat nicht nur die Laborarbeit, sondern lernt die Hintergründe und Menschen zu den Fällen kennen. Dabei bleibt einem nichts Ungewöhnliches fremd. Neben unseren analytischen Kenntnissen ist natürlich ein umfangreiches Wissen um die Wirkungen giftiger Substanzen von Bedeutung, aber auch juristische Kenntnisse sind notwendig, um dem Gericht hilfreich sein zu können. Schließlich geht es doch darum, die Voraussetzungen zur Einordnung eines Falles zu diesem oder jenem Paragraphen zu kennen. Nicht selten stellen die verschiedenen Beteiligten Dinge unterschiedlich dar, und man muss Aussagen und weitere Beweise, zum Beispiel auch Analyseergebnisse, zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wir als Sachverständige können uns dann zu den Wahrscheinlichkeiten äußern, ob eher die eine oder die andere Version unter Berücksichtigung aller Anknüpfungspunkte stimmen könnte. Eine abschließende Bewertung, man spricht dann auch von einer Würdigung, nehmen wir Sachverständige natürlich nicht vor, denn dann würden wir als befangen gelten. Die Würdigung und damit verbunden die Urteilsfindung sind einzig und alleine die Sache des Gerichts.

An universitären Einrichtungen kommt zu diesen Aufgaben zusätzlich noch die Lehre, das heißt Studentenunterricht, und die Forschung. Ich selbst unterrichte in Bonn immer noch in vier Fakultäten, in der Medizinischen, der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, der Landwirtschaftlichen und Juristischen Fakultät, wobei die Toxikologie natürlich auch für die Studenten ein spannendes und interessantes Fach ist. Forschungsarbeiten betreffen nicht nur die Erarbeitung neuer Analysemethoden, sondern auch die Wirkungsweisen neuer Gifte oder pathophysiologische Grundlagen der Suchtentstehung, um nur einige Beispiele zu nennen. Mich hat dabei immer die direkte Anwendbarkeit unserer Forschung auf aktuelle Problemstellungen begeistert, für reine Grundlagenforschung wäre ich zu ungeduldig.

Kommen wir noch einmal zurück zu dem originären Gebiet der Leichentoxikologie, trägt dieses Buch doch den Titel »Mordsgifte«. Stirbt ein Mensch, so hat eine ärztliche Leichenschau zu erfolgen. Dabei soll unter anderem der Tod sicher festgestellt werden, ferner die Identität des Verstorbenen, der Todeszeitpunkt und schließlich, ob Anhaltspunkte für einen nicht-natürlichen Tod bestehen oder sich nicht sicher ausschließen lassen (Todesart) und wodurch der Tod eingetreten ist (Todesursache). Bei nichtnatürlicher oder ungeklärter Todesart sind die Ermittlungsbehörden einzuschalten, und gegebenenfalls kommt es dann zu einer gerichtlichen Obduktion und eventuellen Folgeuntersuchungen, auch chemisch-toxikologischen. Über die Qualität der ärztlichen Leichenschau in Deutschland wurde schon viel geklagt, nicht zuletzt, da jeder Arzt ohne spezifische Ausbildung als Leichenbeschauer tätig sein kann. Und hier muss ich als Toxikologe natürlich auf ein ganz spezielles Problem hinweisen. Denn für eine Vergiftung charakteristische Leichenschaubefunde, also äußerlich wahrnehmbare typische Veränderungen, sind selten beziehungsweise nur in Ausnahmefällen zu erkennen. Auch zuvor schwerkranke Personen könnten selbstverständlich vergiftet worden sein, ohne dass bei einer Leichenschau Hinweise darauf zu erlangen sind. Insofern ist das vielleicht eine Erklärung dafür, dass Giftmorde heutzutage relativ selten zu verzeichnen sind. Wahrscheinlich wird in einer Vielzahl solcher Fälle gar kein Verdacht geschöpft und keine Ermittlungsbehörde eingeschaltet, sodass eine hohe Dunkelziffer zu vermuten ist. Generell ist zu bemängeln, dass in Deutschland per se die Sektionsquote mit unter fünf Prozent aller Verstorbenen im Vergleich zu anderen Ländern sehr niedrig liegt. Während klinische Sektionen bei Todesfällen aus natürlicher Ursache stetig zurückgehen, bleiben die gerichtlichen Obduktionen mit circa zwei Prozent der Sterbefälle relativ konstant. Bei diesen zwei Prozent an Sterbefällen mit gerichtlicher Leichenöffnung werden circa zu einem Drittel dann chemisch-toxikologische Untersuchungen angeordnet. In England und Wales wird bei zweifelhafter oder unnatürlicher Todesursache ein speziell ausgebildeter Untersuchungsbeamter, ein Coroner, eingeschaltet. Immerhin 46 Prozent der Todesfälle landen bei ihm, und in circa 20 Prozent der Fälle erfolgt dann eine Obduktion.

Neben diesen strukturellen Problemen bei der Leichenschau treten immer mehr Probleme bei der Finanzierung rechtsmedizinischer Institute in Deutschland auf. Es wird Personal eingespart, es wird nicht mehr in moderne Analysegeräte investiert, und überall regiert der Rotstift. So sind immer mehr Standorte bedroht und werden regelrecht ausgeblutet, indem Stellen nicht wiederbesetzt und notwendige Neugeräte mit dem Hinweis auf angebliche Defizite einfach nicht beschafft werden. Ob das zur Rechtssicherheit beiträgt?

Ich wollte so nicht weiterarbeiten und habe mich daher 2013 dem Forensisch Toxikologischen Centrum in München angeschlossen, das alle Tätigkeiten eines forensisch-toxikologischen Labors von der Leichentoxikologie bis zu den Eignungsuntersuchungen privatwirtschaftlich anbietet, und das mit den jeweils modernsten Analysegeräten und neuesten Methoden. Nicht zuletzt durch enge Kooperation mit Hochschulen sind wir zudem weiterhin auch wissenschaftlich tätig, bilden Nachwuchs aus und bieten sogar Promotionsmöglichkeiten.

In »Mordsgifte« verfolge ich zwei Ziele: Zum einen möchte ich natürlich eine Reihe eigener Fälle vorstellen, die mir in meiner bisherigen Zeit als forensischer Toxikologe begegnet sind. Zum anderen ist es mir ein Anliegen, die Vielfalt von Giften und Vergiftungsfällen und den Wandel relevanter Gifte im Laufe der Zeit darzustellen. Ein Prinzip ist klar. Zurückgegriffen wird immer auf das, was gerade verfügbar oder zu bekommen ist. Gerade bei Kriminalfällen soll es sich dann auch um ein Gift handeln, das möglichst unbemerkt beigebracht werden kann und kaum nachzuweisen ist. Gerade der letzte Punkt ist natürlich immer eine Herausforderung für den tätigen forensischen Toxikologen.

Zu Beginn des Buches berichte ich von einigen schon eher als historisch zu bezeichnenden Fällen mit anorganischen Giften, die von den im 19. Jahrhundert damals sagenumwobenen pflanzlichen Giften abgelöst wurden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schritten chemische wie pharmazeutische Industrie erheblich voran. Und das bedeutete natürlich, dass auch immer mehr neue synthetische Gifte immer mehr Personen zugänglich waren. Aber auch aktuell werden wir von einer neuen Flut synthetischer Drogen überschwemmt, die dem heutigen Party-Lifestyle angepasst sind. Nicht zu vernachlässigen sind die unschönen Auswirkungen des Alkohols sowie giftige, flüchtige Substanzen. Immer wieder haben wir es mit Serien von Tötungen durch medizinisches Personal zu tun, immer mehr mit der Verabreichung von K.-o.-Mitteln. Als Letztes soll dann noch ein ganz besonderes Thema zur Sprache kommen, der politisch motivierte Giftanschlag, der uns teilweise deutlich die Grenzen bezüglich eines sicheren Nachweises aufzeigt.

Dieses Buch habe ich nicht alleine geschrieben. Es hat mich sehr gefreut, dass ich meinen ehemaligen Doktoranden und Nachfolger in meinem Amt an der Rechtsmedizin Bonn, Cornelius Heß, zunächst einmal mit der Begeisterung für unser Fach anstecken konnte. Neben der täglichen Routine wurde er auch für die Wissenschaft und das Schreiben angesteckt, und ohne seine Arbeit als Mitautor wäre »Mordsgifte« nicht zustande gekommen.

Mein Dank gilt auch weiteren Kollegen und Freunden für die Unterstützung und Bereitstellung von Informationen. Zu benennen ist natürlich der Direktor des Institutes für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Bonn, Herr Prof. Dr. med. Burkhard Madea, mit dem ich mehr als 16 Jahre sehr erfolgreich zusammengearbeitet habe. Dann mein erster Lehrer Prof. Dr. rer. nat. Thomas Daldrup aus dem Institut für Rechtsmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie mein neuer Kompagnon, der Gründer des Forensisch Toxikologischen Centrums (FTC) in München, Dr. rer. nat. Hans Sachs. Nicht zuletzt danken möchte ich auch Prof. Dr. rer. nat. Detlef Thieme, heute Direktor am Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie in Kreischa bei Dresden, zuvor wie Hans Sachs tätig am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München und auch am FTC München.

Tödliche Chemie – Einige frühe Klassiker

Einige Mordsgifte haben vielleicht sogar Epochen geprägt. Geschichten sollen erzählt, persönliche Hintergründe von Mördern und Ermordeten beleuchtet werden. Beginnen möchte ich mit einigen Klassikern, die auch Sie bei Nachfrage sicherlich als tödliche Substanzen aufzählen würden, auch wenn sie heute vielleicht nicht mehr ganz so bedeutsam sind.

Bevor für Vergiftungen synthetisch hergestellte Substanzen genutzt wurden, griff man in der Regel meist auf leicht verfügbare anorganische Stoffe zurück. Man versteht unter anorganischer Chemie beziehungsweise Anorganik die Chemie aller Elemente oder Verbindungen, die keinen Kohlenstoff enthalten. Hinzu kommen einige wenige Ausnahmen von Kohlenstoffverbindungen, die denselben typischen Aufbau haben wie anorganische Stoffe, dazu zählen zum Beispiel Kohlenmonoxid, Kohlendioxid oder Cyanid. Neben den Schwermetallen sind auch sie von besonderer Bedeutung bei Vergiftungen.

Doch beginnen wir mit dem Klassiker schlechthin, Arsen.

Arsen

Arsen oder Arsenik ist wohl eines der ältesten Mordsgifte, und einen vorsichtigen Umgang damit ließen vor allem einige Damen vermissen. Der neue Pitaval, eine von Brockhaus zwischen den Jahren 1842 und 1890 herausgegebene Sammlung der interessantesten Kriminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit, kürte ein »Giftmischerinnenquartett«, die allesamt mit Arsenik ihr Unwesen getrieben hatten. In diesem erlauchten Kreise fanden sich neben der in den besten Berliner Kreisen verkehrenden Geheimrätin Charlotte Ursinius, die Deutschland 1803 den ersten großen Giftmordskandal beschert hatte, und Anna Margaretha Zwanziger, die 1811 enthauptet worden war, noch zwei weitere Giftmischerinnen. Marie-Madeleine Marguerite d’Aubray, die Marquise de Brinvilliers, sowie die »Königin des Quartetts«, Gesche Gottfried.

Die Giftküche der Marquise de Brinvilliers

Eine schockierende Giftmordserie spielte sich mitten im Pariser Hochadel während der Herrschaft von König Ludwig XIV. ab. Dreh- und Angelpunkt der Serie war Marie-Madeleine de Brinvilliers. Marie-Madeleine war wie ihre drei Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester, in die Welt des Pariser Adels geboren worden. Ihr Vater war ein ranghoher Offizier. Zudem wurde sie von anderen als intelligentes und überaus schönes Mädchen beschrieben.

Doch die Geschichte von Marie ist vor allem – wie so oft in Fällen von Vergiftung durch Frauen – eine Geschichte ihrer Männer. Da wäre zunächst einmal der Kavallerieoberst Marquis Antoine Gobelin de Brinvilliers, den die 21-jährige Marie-Madeleine 1651 heiratete und der sie zur Marquise machte. Mit ihm verband sie eine wilde Zeit, standen die beiden sich im Nichtwahrnehmen der ehelichen Treue doch in nichts nach. Der Ehemann verprasste sein durch Wollhandel erlangtes Geld und gestand seiner Ehefrau zu, ihr eigenes Vermögen zu verwalten.

Einen weiteren Mann in Maries Leben stellte der Rittmeister Jean Baptiste Godin de Sainte-Croix dar, den sie über ihren Ehemann kennenlernte und mit dem sie bis zu dessen Tod eine Affäre hatte. Maries einflussreicher Vater empfand jedoch den Stand des Liebhabers seiner Tochter als nicht angemessen und veranlasste, dass der Chevalier am 19. März 1663 verhaftet und ein Jahr in die Bastille gesperrt wurde. Schon vor seinem Gefängnisaufenthalt den giftigen Substanzen zugetan, lernte Sainte-Croix dort den Italiener Exili (auch Eggidi) kennen. Dieser – so behauptete er zumindest – hatte der schwedischen Königin Christine gedient und sich dabei auch mit der Herstellung von Giften befasst. So erfuhr der Chevalier von den Giften und gab sein neu erworbenes Wissen an Marie weiter.

Wie so häufig waren die Motive, die Marie zu ihren späteren Taten trieben, eher einseitig. Um an das enorme Erbe zu gelangen, musste sie ihren Vater töten. Ihr Antrieb war also Geld, für ihren Liebhaber, der Marie bei ihren Gräueltaten unterstützte, war in diesem Fall jedoch Rache das Motiv, hatte der Vater seiner Geliebten ihn doch ins Gefängnis stecken lassen. Die Marquise folgte dem Vater auf seinen Landsitz, betreute den kränkelnden Mann und achtete peinlich genau darauf, dass sie die Einzige war, die in seine Nähe gelangte.

Sainte-Croix stellte eine langsam wirkende, aber tödliche Mischung her. Diese soll aus Arsenik, Sulfaten und Krötenfett bestanden haben. Über die Speisen wollte Marie dem Vater dann das Gift verabreichen. Doch welche Dosis führt sicher zum Tod? Sie war unsicher in der Handhabung des Giftes. Ob sie – wie in manchen Quellen behauptet – tatsächlich ihre Mischung in Biskuits an Arme im Pariser Krankenhaus »Hotel de Dieu« verteilt hat, wird in anderen Quellen angezweifelt und auf den nach Maries Tod entstandenen Mythos der herzlosen Mörderin zurückgeführt. 1666 begann sie dann über einen Zeitraum von acht Monaten, ihrem Vater etwa 30 Mal kleinere Dosen des Giftes zu verabreichen. Am 10. September 1666 erlag der Vater der chronischen Vergiftung. Ein Verdacht kam nicht auf.

Auf die Frage nach dem »giftigsten Element des Periodensystems« würden wohl viele mit Arsen antworten. Dass es sich bei Arsen um ein tödliches Gift handelt, weiß man weitläufig spätestens seit dem Agatha-Christie-Roman Arsen und Spitzenhäubchen: »… nur einer der Herren hatte noch Zeit zu bemerken: ›oh, wie köstlich‹.« Doch abgesehen davon, dass eine Steigerung hinsichtlich der Giftigkeit von Substanzen schwer anwendbar ist, ist dies auch nur die halbe Wahrheit.

Arsen kommt praktisch überall in elementarer Form im Boden vor. Elementar bedeutet, dass es nicht an andere Elemente gebunden und ohne Ladung auftritt. Noch häufiger tritt das Element allerdings in verschiedenen Verbindungen mit anderen Metallen wie Antimon und Kupfer sowie in verschiedenen Mineralen auf. In der elementaren Form würde Arsen seinem Opfer wenig schaden. Elementares Arsen wird vom Körper nur im geringen Maße aufgenommen. Nur in ionischer, also in gelöster Form kann es den Körper schädigen. Gefährlich ist vor allem das Arsen(III)-oxid, das sogenannte »Arsenik«, welches bei der Verbrennung von elementarem Arsen an der Luft entsteht. Bei der Verbrennung entweicht Arsenik als Rauch und kann als weißes Pulver wiederaufgefangen werden. Die häufige Anwendung des Arseniks in Vergiftungsfällen trug der Substanz den Beinamen »Erbschaftspulver« ein. Der größte Vorteil bei der Verwendung von Arsenik ist sicherlich seine Färbung: Das weißliche Pulver wird bei Kontakt mit Wasser farblos, ist geruchsfrei und kann so in böser Absicht unbemerkt beigebracht werden. Lösliche Arsenverbindungen werden zudem leicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und innerhalb von 24 Stunden im Körper verteilt. Man findet den größten Teil des aufgenommenen Arsens in den Muskeln, Knochen, Nieren und Lungen. Der optimale pH-Wert für die Aufnahme von Arsen aus dem Magen-Darm-Trakt liegt bei 5. Dieser Wert kann bereits mit ein wenig Cola zum Arsenik erreicht und so die Aufnahme deutlich erhöht werden.

Dreiwertige lösliche Verbindungen des Arsens wie das Arsenik sind hoch toxisch, da sie biochemische Prozesse stören. Sie inaktivieren bis zu 200 wichtige Enzyme und die DNA-Reparatur. Dies geschieht, da ein Arsen-(III)-Ion das gleich große wichtige Zink aus seiner Bindung zu Proteinen verdrängen und somit zu Schädigungen führen kann. Kleine Dosen (< 5 mg) führen zu Erbrechen und Durchfall, eine Behandlung erscheint nicht notwendig, und nach 12 Stunden ist alles wieder gut. Eine Vergiftungssymptomatik geht dann mit Krämpfen, Fieber, Schwitzen und Atembeschwerden weiter. Die Bauchschmerzen nach Arsenikeinnahme sollen besonders schmerzhaft sein. Es kommt zu inneren Blutungen, Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, Verwirrtheitszuständen, einem gestörten Elektrolythaushalt durch Durchfall, Koliken bis hin zu Nieren- und Kreislaufversagen. Bei schweren Vergiftungen fühlt sich die Haut feucht und kalt an, und der Betroffene kann in ein Koma fallen. Die tödliche Dosis Arsenik liegt beim Menschen, je nach Gewicht des Vergifteten, zwischen 100 und 300 mg. Bei derartigen Dosen stirbt man gewöhnlich nach Einnahme durch Nieren- und Kreislaufversagen innerhalb von einem bis vier Tagen. Es wurde allerdings auch von einem Fall berichtet, bei dem ein 23-Jähriger nach einer Dosis von acht Gramm Arsenik acht Tage überlebte. Doch zurück zu unserem Fall.

Nach dem Tod des Vaters war klar, dass die Marquise – um an das volle Erbe zu gelangen – auch ihre Geschwister verschwinden lassen musste. Doch wie sollte sie in ihre unmittelbare Nähe kommen? Das Verhältnis war nicht das beste, und so musste Marie-Madeleine gewieft und durch große Geldversprechen Jean Stamelin, genannt La Chaussée, als Kammerdiener ins Haus der Brüder schleusen. Schon nach kurzer Zeit im Hause folgte der erste Mordversuch. Wieder wurde Arsenik benutzt. Der jüngere Bruder bemerkte jedoch einen bitteren Geschmack und schlug den weiteren Genuss des angebotenen Weines aus. In den Osterferien 1670 gelang das Vorhaben Maries schließlich mittels einer Ragoutpaste. Sieben Personen, darunter auch die beiden Brüder, erkrankten nach deren Genuss. Am 17. Juni verstarb der ältere Bruder der Marquise, drei Monate später auch der zweite. Die Symptome, die nach der Erkrankung so vieler Menschen jetzt deutlich auf eine Vergiftung hindeuteten, waren die einer chronischen Arsenikvergiftung: starke Abmagerung, Sodbrennen, Erbrechen. Die Ermittler, die nach diesen Symptomen natürlich von Mord ausgingen, konnten sich jedoch nur schwer auf einen Verdächtigen einigen. Marie-Madeleine und deren Schwester, die durch den Erhalt des väterlichen Erbes vom Tod der Brüder profitierten, kamen nicht in Betracht, da sie nicht am Ort des Tathergangs waren. Und auch Jean Stamelin, der Inbegriff eines treuen Dieners, geriet nicht unter Verdacht.

So gelang es den Ermittlern nicht, einen Tatverdächtigen festzustellen. Nun stand nur noch eine Person der Mörderin im Weg, ihre Schwester Thérèse. Diese ahnte schon, dass Marie die Ursache des Massensterbens in der Familie war, und bereitete ihre Speisen deshalb nur noch selbst zu.

Dann passierte allerdings etwas, das den Verdacht endgültig auf Marie-Madeleine lenkte und diese Frau überhaupt erst zu einer der bekanntesten Giftmischerinnen des 17. Jahrhunderts machte. Ihr Giftlieferant Sainte-Croix vergiftete sich aufgrund einer Unvorsichtigkeit bei der Bereitung eines Giftes selbst. Seine Gifte vermischte er in fein pulverisierter Form. Da Arsenik aber seine Toxizität auch über die Atemwege verbreiten kann, musste er bei der Herstellung immer eine Atemmaske tragen. Die Glasmaske fiel ihm vom Kopf und zerbrach, und so starb Sainte-Croix an seiner eigenen Todesmischung.

Der Mann hinterließ den Ermittlern in seinem Nachlass eine Schatulle mit einem Schreiben, dass dieses Kästchen der Marquise de Brinvilliers zuzustellen sei und der Inhalt nur sie etwas anginge. In ihr befand sich eine Auflistung aller Giftlieferungen an Marie-Madeleine. Weiterhin enthielt sie Schuldscheine, denn seine Geliebte hatte ihm Geld geschuldet, eine Giftsammlung und alle Briefe Marie-Madeleines an Sainte-Croix. Penibel hatte Saine-Croix aufgeführt, wie er seine Mischung an Tieren getestet hatte. Zudem wurde bei der Durchsuchung des Hauses des Dieners Jean Stamelin, der inzwischen untergetaucht war, Gift gefunden. Am 4. September 1672 konnte dieser schließlich verhaftet werden. Als Marie-Madeleine bemerkte, dass ihr die Ermittler auf die Schliche gekommen waren, flüchtete sie zunächst nach England, von da nach Deutschland und Belgien.

Der Polizeikommissar Nicolas de Reynie spürte die Marquise schnell dort auf, doch kam man trotzdem nicht an sie heran, da sie sich in ein Kloster geflüchtet hatte. Mit einer List konnte de Reynie sie dennoch locken. Er verkleidete sich als Geistlicher und machte ihr seine Aufwartung. Tatsächlich gelang es ihm, mit ihr anzubandeln und sie zu einem Treffen in einem Garten außerhalb der Stadt zu überreden, wo sie schließlich festgenommen wurde.

Während der Verhandlungen wurde offensichtlich, dass Marie-Madeleine durchaus noch mehr Missetaten begangen hatte. Unter anderem beschrieb die Kammerzofe einen Vorfall aus vergangenen Tagen, als sie nach dem Genuss eines »Gerichts aus Johannisbeeren und Schinken« Vergiftungssymptome zeigte, erkrankte, aber überlebte. Der Haushofmeister und zeitweilige Liebhaber der Marquise beschuldigte Marie ebenfalls des versuchten Mordes. Er hatte eines Tages bei einem Treffen mit den Brinvilliers Sainte-Croix »in Lumpen gehüllt« im Kamin versteckt bemerkt haben wollen. Schließlich soll die Marquise de Brinvilliers versucht haben, ihren Ehemann zu vergiften, um Sainte-Croix heiraten zu können. Dies sei nur dadurch verhindert worden, dass der Chevalier sie nicht hätte heiraten wollen und dem Gatten heimlich ein Gegengift gegeben habe.

Worum es sich bei diesem Gegengift gehandelt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Ich nehme an, dass es sich bei dem von Sainte-Croix benutzten »Gegenmittel« um Substanzen handelte, die an ihrer Oberfläche eine große Menge des Arsens adsorbieren beziehungsweise binden konnten. Heute steht dazu Aktivkohle, die bei fast jeder Vergiftung in großen Mengen genommen werden kann, zur Therapie bereit. Die direkten Gegengifte, Antidote genannt, die heute zum Einsatz kommen (z. B. Dimercaptopropansulfonsäure in Dimaval®), besitzen alle eine schwefelhaltige Endgruppe, die mit Arsen Komplexe, sogenannte Chelate, eingehen können. Diese Komplexbildung verhindert ein Anlagern der toxischen Metallionen an lebenswichtige Enzyme. Zudem werden die als Komplexe gebundenen Schwermetalle schneller ausgeschieden. Die Medikamente sind auch bei starken Arsendosen effektiv, wenn die Vergiftung rechtzeitig diagnostiziert wird. Da diese Endgruppe auch andere positiv geladene Ionen binden kann, können auch Blei- oder Thalliumvergiftungen dadurch gelindert werden.

Nachdem man der Marquise de Brinvilliers unter Wasserfolter ein Geständnis entlockt hatte, in dem sie auch die Vergiftung eines ihrer Kinder zugab, wurde sie im Juli 1676 enthauptet. Niemals wurde nur daran gedacht, das Gift im Körper der Vergifteten nachzuweisen. Diese Weiterentwicklung der forensischen Wissenschaften wurde erst im 19. Jahrhundert angegangen. In diesen Zeiten gab es also allenfalls Indizien für einen Giftmord.

Arsenik hatte allerdings auch eine therapeutische Verwendung. Schon im 19. Jahrhundert erfuhr man aus China die »lungenaufblähende« Wirkung des Rauchens von Arsenverbindungen mit Tabak und setzte seitdem Arsenverbindungen als Asthmamittel ein. In sehr geringen Dosen von circa 2 mg erzeugt die orale Einnahme von Arsenik ein Wärmegefühl im Magen. Ursache dafür ist die lokale Reizung der Magenschleimhaut, wie sie auch bei der Aufnahme von Alkohol zu beobachten ist. In dieser Dosierung steigert Arsenik den Appetit und das allgemeine Wohlbefinden. Die stimulierende Wirkung des Arsens ist vermutlich auch Ursache des »Arsenikessens«. Im 17. Jahrhundert verzehrten vor allem Alpenbewohner lebenslang zweimal wöchentlich bis zu 250 mg Arsenik. Es soll, wie das heutige Kokablätter-Kauen in Hochlagen der Anden, gegen die Höhenkrankheit schützen. Das in der Steiermark und in Tirol verbreitete sogenannte »Hüttenrauch« oder »Hittrach« wurde wie Kandiszucker gelutscht oder feingemahlen aufs Brot geträufelt. Eine langsame Gewöhnung an das Gift mit permanent steigenden Dosen ist durchaus möglich. Zum ersten Mal wissenschaftlich belegt wurde dies 1875 auf einer Fachtagung in Graz, als ein steirischer Bauer vorführte, wie er nach einer für andere Menschen tödlichen Dosis von 400 mg Arsenik keinerlei Vergiftungssymptome zeigte. Ähnliches wird von Bewohnern einer Siedlung in der hochgelegenen chilenischen Atacama-Wüste berichtet, deren Trinkwasser hochgradig mit Arsen belastet ist und die trotzdem keinerlei Vergiftungssymptome zeigen.

Auch betrügerische Pferdehändler konnten sich früher die appetitsteigernde Wirkung des Arsenik zunutze machen. Magere und ausgezehrte Pferde nahmen nach Arsenik-Gabe schnell an Gewicht zu und machten so einen gesunderen, feurigeren Anschein. Beim Verkauf konnte dann ein höherer Preis erzielt werden. Vor allem das Haar wurde dadurch schön glatt und glänzend. Auch bei Damen der gehobenen Gesellschaft scheint Arsenik aus »kosmetischen« Gründen mitunter eine Rolle gespielt zu haben. Die gesunde Gesichtsfarbe und die durch das Arsenikessen verbundene Gewichtszunahme entsprachen wohl dem Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts. Oft wird auch das »Arseniktörtchen«, mit Arsenik versetzter Kuchen, als gängiges Kosmetikum bis in den Zweiten Weltkrieg hinein genannt.

Und es gibt noch weitere positive Eigenschaften des Arsens: Es führt wie das bei Radsportlern so beliebte EPO zu mehr roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff im Blut transportieren, weshalb Arsen früher vor allem bei Rennpferden als Dopingmittel galt. Auch die heutige Pharmaindustrie macht sich die Eigenschaften des Arseniks zunutze. Seit Anfang 2002 wird es auch in Deutschland intravenös zur Behandlung einer bestimmten Leukämieform eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes »Orphan-Arzneimittel«, welches für die Behandlung seltener Erkrankungen genutzt wird. Die Behandlung mit Arsentrioxid ist erfahrenen Ärzten in der Klinik vorbehalten, und dementsprechend wird das Präparat nur an ein Krankenhaus versorgende Apotheken geliefert. Noch etwas nebenbei: Im Jahr 2008 konnte eine indische Arbeitsgruppe im Journal of Food and Chemical Toxicology zeigen, dass die Einnahme von wässrigen Knoblauchextrakten die Toxizität von Arsenik in kultivierten Zellen reduziert. Bei einem vermuteten Attentat auf Sie also bitte prophylaktisch viel Knoblauch essen!

Der Fall Gesche Gottfried in Bremen

Noch heute kann man bei einem Stadtspaziergang auf dem südlichen Domhof in der Stadt Bremen Menschen dabei beobachten, wie sie voller Abneigung auf einen Stein mit einem eingekerbten Kreuz spucken. Dieser sogenannte Spuckstein wurde im 19. Jahrhundert anlässlich einer unvergleichlichen Giftmordserie errichtet und erinnert seither die Menschen an die abscheulichen Ereignisse und die Hinrichtung der Mörderin.

Im Jahre 1831 waren Tausende Schaulustige auf den Bremer Domhof gekommen, um die nachweislich letzte Hinrichtung der Bremer Geschichte mitzuerleben. Jeder wollte noch einen Blick auf die Frau erhaschen, die so viele Menschen vergiftet haben sollte. Und so wurde eine Frau, deren eigene Taten so subtil geplant und durchgeführt wurden, martialisch geköpft.

Der »Engel von Bremen«, wie Gesche Gottfried aufgrund ihres sozialen Engagements auch genannt wurde, war vor diesen Vorfällen jahrelang Stadtgespräch in der Hansestadt gewesen, hatte sie doch eine Reihe von Schicksalsschlägen erleiden müssen. So musste sie mit mehreren Todesfällen im engsten Kreis der Familie sowie bei Freunden und Bewohnern ihres Hauses fertigwerden. Viele Bremer teilten das Leid der Frau, und sie wurde für ihre Kraft bewundert. Dennoch wurde natürlich auch gemunkelt, dass diese erstaunliche Anhäufung von Verstorbenen im Umkreis der Gesche Gottfried kein Zufall sein konnte.

Als Tochter einer Wollnäherin und eines Schneiders wurde Gesche Margarethe Timm am 6. März 1785 in Bremen geboren. Das Haus in der Pelzerstraße bewohnte sie zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Johann und den Eltern. Sie war ordnungsliebend und fleißig, nahm Tanz- und Französischunterricht und galt mitunter als etwas eitel.

Mit 21 Jahren heiratete sie 1806 den Nachbarn und Sattlermeister Johann Miltenberg. Für ihn war es die zweite Hochzeit nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, und es sollte auch seine letzte sein. Die Ehe war nicht glücklich, Miltenberg verwaltete das elterliche Vermögen und war dem Alkohol und Prostituierten nicht abgeneigt. So kam es Gesche zupass, dass ihr ihre Mutter um 1812 eine Dose mit »Mäusebutter« schenkte. Dabei handelte es sich um in Fett eingebettete Arsenikkügelchen, die der Insekten- und Mäuseplage Abhilfe schaffen sollten. Mit diesem Döschen sollte Gesche im Laufe der nächsten Jahre nicht nur ihren ersten Ehemann umbringen, sondern auch viele weitere Morde begehen. 1813, im verflixten siebten Jahr der Ehe, verstarb Miltenberg.

Die fünf Kinder aus dieser Verbindung verstarben allesamt unter mysteriösen Umständen. Zwei von ihnen unmittelbar nach ihrer Geburt, die anderen drei sehr jung im Alter von sechs bis drei Jahren. Im selben Zeitraum wie ihre Kinder verstarb auch Gesches eigene Mutter. Ironie des Schicksals, dass sie Gesche das tödliche Gift selbst zukommen ließ. Auch ihr Vater Johann Timm fiel ihr zum Opfer, ebenso wie ein Jahr später ihr Bruder.

1816 tauchte unvermutet der längst verschollen geglaubte Zwillingsbruder, ein abgerissener und schwerkranker Soldat, wieder in Bremen auf. Er forderte – völlig zu Recht – seinen Anteil an den elterlichen Hinterlassenschaften. Gesche, die zwar nach außen hin stets den Eindruck vermittelte, solvent und wohlversorgt zu sein, lebte in Wahrheit verschwenderisch und litt häufig unter drückenden Geldsorgen. Daher tötete sie am 1. Juni auch ihren Zwillingsbruder mit einer Portion gekochten Schellfischs, den sie zuvor großzügig mit Arsen versetzt hatte.

In zweiter Ehe heiratete Gesche den Weinhändler Christoph Gottfried, den sie über ihren verstorbenen ersten Ehemann kennengelernt hatte und der – so wurde getuschelt – schon vor dem Tod Miltenbergs Gesches Geliebter war. Der bereits von der Arsenikvergiftung gekennzeichnete Gottfried versprach 1817 die Heirat, die tatsächlich noch vor dem Ableben des Weinhändlers vollzogen wurde. Das mit Gottfried gezeugte Kind wurde allerdings tot geboren. Nach ihrer zweiten Hochzeit nahm Gesche den Namen Gottfried an, welchen sie seitdem zu zweifelhafter Berühmtheit brachte.

Nach dem Mord an Gottfried war es sechs Jahre still um Gesche. Für die Außenstehenden schien es, dass alles Pech, was sie in den vergangenen Jahren so verfolgt hatte, aufgebraucht war und niemand mehr in ihrer näheren Umgebung starb. Der wirkliche Grund war profan: Das kleine Döschen mit Arsenik, das sie von ihrer Mutter bekommen hatte, war leer. Um den Verdacht nicht auf sich zu lenken, wollte sie zunächst keinen Nachschub besorgen. Per Zeitungsinserat stieß sie dann 1823 auf eine Arsenik verkaufende Apotheke. Von ihrer Magd und Freundin Beta Schmidt ließ sie sich neue »Mäusebutter« von dort holen.

In der Zwischenzeit hatte Gesche ein verschwenderisches Leben geführt. Das Erbe der verstorbenen Ehemänner war schnell verprasst, und sie musste von dem Haus in der Pelzerstraße in die Obernstraße ziehen.

Als sie 1822 auf einer Reise nach Stade den Modewarenhändler Paul Thomas Zimmermann kennenlernte, verlobte sie sich mit ihm. Doch er verstarb noch vor der Heirat; allerdings nicht bevor er Gesche in seinem Testament bedacht hatte.

Im Jahr 1824 zog Gesche dann von der Obernstraße zurück in ihr altes Haus in der Pelzerstraße. Dort lebte mittlerweile das Radermachermeister-Ehepaar Wilhelmine und Johann Christoph Rumpf. An Warnungen seitens ihrer Freunde, den Kauf doch zu unterlassen, hatte es nicht gemangelt. Man sah das Haus als unheilvollen Ort, in dem bereits viele Menschen gestorben waren. Vor allem aber sollten sie sich vor der bisherigen Besitzerin in Acht nehmen. Trotz der Warnungen stellten die beiden Gesche als Haushaltshilfe gegen Kost und Logis ein und vermieteten ihr ein ganzes Geschoss des Hauses. Acht Wochen nach Gesches Einzug starb die Dame des Hauses. Sie hatte die Entbindung eines Kindes gerade gut überstanden, als heftiges Erbrechen und Durchfall sie dahinrafften. Bald darauf erkrankten, ebenfalls an Durchfall und Erbrechen, die neue Amme des Säuglings, die Hausmagd und Arbeiter des Radermachergeschäfts. Johann Rumpf selbst erkrankte ebenfalls wenige Monate nach dem Tod seiner Frau. Sein Leiden dauerte Jahre, ohne dass ihm der geringste Verdacht kam. Doch Johann Rumpf sollte Gesche zum Verhängnis werden: Er hatte sich für seine Haushaltung ein Schwein schlachten lassen. Von einem ausgesuchten Stück, das ihm der Schlachter brachte, genoss er einen Teil und verschloss das Übrige in einem Schrank. Das Fleisch war ihm, wider der Gewohnheit, sehr gut bekommen, weshalb er am folgenden Tage den Rest verzehren wollte. Als er den Schrank öffnete, bemerkte er, dass der Speck nicht mehr an derselben Stelle lag. Als er den Speck umdrehte, entdeckte er zu seinem Erstaunen weißliche Körner darauf, die er zuvor schon einige Male auf seinem Essen entdeckt hatte. Gesche, die er daraufhin befragte, erklärte, es handele sich um Fett. Da stieg ein Verdacht in ihm auf. Er ließ die weiße Substanz abstreifen und schickte sie zu seinem Arzt Luce, der auch schon viele der Mordopfer untersucht hatte. Glücklicherweise hatten Chemiker schon einige Jahre vorher eine Nachweismethode für Arsen entwickelt. Im Körper eines Verstorbenen war Arsen zu dieser Zeit zwar noch nicht auffindbar, doch der geschickte Chemiker fand in den weißlichen Körnern eine nicht unbedeutende Beimischung Arsenik.

Gesche wurde am Abend des 6. März 1828 – ihrem Geburtstag – verhaftet und am 13. Mai 1828 in das neue Detentionshaus am Ostertor überführt. Vorher hatte es jedoch noch weitere Opfer gegeben. 1825 mussten Anna Lucia Meyerholz, Gesches Freundin und Musiklehrerin, und Johann Mosees, ein Nachbar, Freund und Berater, dran glauben. Auch die Mäusebutter-Besorgerin Beta Schmidt und deren Tochter Elisa starben an Gesches Gift. Ihren letzten nachweislichen Mord beging Gesche 1827. Als sie nach Hannover fuhr, um ihren alten Freund Friedrich Kleine zu treffen, brachte sie ihm eine tödliche Dosis Arsenik mit, anstelle des geschuldeten Geldes.

Am Ostertor verbrachte sie gut drei Jahre, in denen sie regelmäßig durch Senator Franz Friedrich Droste, den Untersuchungsrichter, verhört wurde und mit dem sich anscheinend eine fast freundschaftliche Beziehung bildete. Am 21. April 1831 wurde Gesche Gottfried dann auf dem Domshof vor etwa 35 000 Zuschauern mit dem Schwert enthauptet. Senator Droste hatte ihr tags zuvor gesagt, dass er sie all die Monate lächelnd und glücklich angesehen habe, das Protokoll aber vorschreibe, auf dem Schafott ernst zu blicken. Das sei nicht gegen sie gerichtet, sondern notwendig. Sie solle ihn in freundlicher Erinnerung behalten, man würde sich im Himmel wiedersehen. Nach der Enthauptung wurden von Gesches abgeschlagenem Kopf Abdrücke genommen und Totenmasken gefertigt, um – wie in damaliger Zeit gängig – die typischen charakteristischen Gesichtszüge von Straftäter(inne)n zu studieren. Ihr Kopf wurde in Spiritus eingelegt, im Museum am Domshof ausgestellt und ihr Skelett zunächst in einem Schrank aufbewahrt. 1912 befanden sich Gesches Knochen im Pathologischen Institut der Städtischen Krankenanstalt, sie sollen aber während des Zweiten Weltkrieges verbrannt sein. Im Bremer Focke-Museum, dem Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, sind eine Kopie der Totenmaske aus dem Bestand des Gefängnisarztes aus Winchester in England sowie drei Porträts der Giftmörderin zu sehen.

Erst im Jahre 1836, fünf Jahre nach Gesche Gottfrieds Tod, entwickelte der englische Chemiker James Marsh eine Nachweismethode für Arsen auch in Körperflüssigkeiten oder Geweben von Verstorbenen. Die Marsh’sche Probe wird auch heute noch Chemie- und Pharmaziestudenten gelehrt. Bei diesem Verfahren erzeugt man in einem Gefäß, mittels einer Reaktion von Schwefelsäure mit Zink, Wasserstoff. Die betreffende unbekannte Probe wird, sofern es sich bei der Substanz um Arsenik handelt, durch den vorher erzeugten Wasserstoff zu Arsenwasserstoff. Unter einem Bunsenbrenner zerfällt diese Verbindung dann in der Hitze zu schwarzem, elementarem Arsen. Dies kann dann anhand des schwarzen Spiegels im Reagenzglas oder zum Beispiel auf einer kalten Porzellanschale nachgewiesen werden. Handelt es sich bei dem Stoff um Arsen, kann sich dieser elementare Arsenniederschlag anschließend in ammoniakalischer Wasserstoffperoxid-Lösung auch wieder auflösen.

Bei dem entstehenden Arsenwasserstoff handelt es sich übrigens um ein giftiges, nach Knoblauch riechendes Gas. Daher werden Arsennachweise in Studentenkursen unter strenger Aufsicht und immer unter einem Laborabzug vorgenommen, der das entstehende Gas sofort abführt. Trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen kam es im Januar 2012 an der Universität Dresden zu einem verdächtigen Geruch im gesamten Labor, was die verantwortlichen Assistenten sofort aufmerksam werden ließ. Einige Studenten klagten über Übelkeit. Die Feuerwehr wurde gerufen und das Gebäude evakuiert. Es wurde allerdings keine erhöhte Konzentration an Arsenwasserstoff in der Laborluft festgestellt. Die Lösung der ganzen Geschichte: Ein Student wollte sich einen sehr makabren Spaß erlauben und hatte Knoblauchspray im Labor versprüht.

Thallium

Das chemische Element Thallium gehört zu den Schwermetallen. Thallium und thalliumhaltige Verbindungen, speziell Thallium(I)-sulfat, sind hochgiftig und müssen deshalb mit größter Vorsicht gehandhabt werden. In meinen Anfangszeiten in der forensischen Toxikologie gab es durchaus noch häufiger Vergiftungen, wenngleich ich nur mit Suiziden und nicht mit einem Mordfall zu tun hatte. Heute ist Thallium(I)-sulfat als Rattengift (Zeliokörner) wegen seiner Giftigkeit in vielen Ländern verboten, so auch in Deutschland, dennoch sollte es als potentielle Vergiftungsquelle immer noch in Betracht gezogen werden.

Thallium wird oral, über die Haut und über die Atemwege aufgenommen. Die Resorption vor allem aus wasserlöslichen ionischen Thallium(I)-Salzen im Magen-Darm-Trakt ist hoch. Die tägliche Aufnahme über die Luft und Nahrung wird normalerweise auf weniger als 5 µg geschätzt (µg steht für Mikrogramm, also ein Millionstel Gramm). Dabei überwiegt die Aufnahme über die Nahrung. Die Aufnahme über die Atemwege beträgt nur etwa ein Prozent. Dadurch, dass Thallium schnell in Zellen akkumuliert, spiegelt die Thallium-Konzentration im Blut nicht die im Gewebe wider. Vielmehr wird die Konzentration im Urin als Indikator für eine Vergiftung herangezogen. Diese liegt bei unbelasteten Menschen bei circa 0,3 bis 0,4 µg/L und im Fall einer Vergiftung bei über 500 µg/L. Die maximale Blutkonzentration wird schon nach zwei Stunden erreicht, und schon ab da ist das Metall vermehrt im Urin nachweisbar. Die toxische Wirkung des Thalliums, welches aufgrund seiner ähnlichen Größe im Körper das für fast alle Stoffwechselprozesse wichtige Kalium ersetzt, richtet sich gegen das Nervensystem, den Herzmuskel, Leber, Niere, Magen und Darm.

Die akute Vergiftung verläuft in vier Phasen, deren erste relativ allgemeinsymptomatisch mit sich abwechselnden Durchfällen und Verstopfungen verläuft. Diese verhältnismäßig symptomlose Zeit ähnelt Vergiftungen mit anderen im Periodensystem benachbarten Elementen wie Blei, Quecksilber oder Arsen. In dieser Phase ist bereits eine Veränderung der Haarwurzeln zu erkennen, die dann meist mit dem dreizehnten Tag in den für eine Thalliumvergiftung typischen Haarausfall an bestimmten Körperstellen in unterschiedlicher Ausprägung übergeht. Neben dem charakteristischen Haarausfall stellt man bei häufigerer Thalliumaufnahme bei einer Obduktion oft Veränderungen der Fingernägel fest, denn das Nagelwachstum wird derart gehemmt, dass man sogenannte Mees’sche Bänder findet, weiße Querstreifen auf den Fingernägeln. In der zweiten Vergiftungsphase stellen sich neurologische und psychische Veränderungen ein, die sich als übermäßige Schmerzwahrnehmung an zunächst den unteren, dann an den oberen Extremitäten bemerkbar machen. Zudem kommt es zu schweren Sehstörungen, und Herzrhythmusstörungen führen dann zum Tod.

Mit der dritten Woche einer akuten Vergiftung sinkt die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Ausgangs, und die Spätphase stellt sich ein. Hier zeigen sich meist irreversible Schäden an Nervenfortleitungen der unteren Körperteile, gestörte Reflexe und Muskelschwund. Es kann eine dauerhaft herabgesetzte geistige Leistungsfähigkeit zurückbleiben. Die Körperbehaarung entwickelt sich nach wenigen Monaten wieder neu.

Es kann davon ausgegangen werden, dass bereits die Aufnahme von 1,5 mg pro Kilogramm Körpermasse zu Vergiftungssymptomen führt, die tödliche Dosis für Erwachsene wird mit circa 8 bis 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht beschrieben.

Wie schon gesagt, ist Thallium(I)-sulfat bei uns als Rattengift mittlerweile verboten, und man setzt auf andere Mittel. So werden heute zur Bekämpfung von Nagetieren als sogenannte Rodentizide gerinnungshemmende Substanzen, Cumarine, als Fraßköder eingesetzt, deren Wirkung erst nach Stunden einsetzt. Moderne Wirkstoffe wie zum Beispiel Brodifacoum sorgen dafür, dass keine Vitamin-K-Synthese mehr stattfinden kann, Vitamin K ist aber bedeutsam für die Blutgerinnung. Eine Einflussnahme auf die Synthese führt letztlich zu einer tödlichen Blutung. Die Wirkung tritt erst sehr verzögert, zum Teil erst nach 48 Stunden ein, und das ist so gewünscht, weil Ratten sehr vorsichtig sind. Sie schicken nämlich in der Regel immer erst einen »Vorkoster«. Überlebt dieser Vorkoster die Mahlzeit, heißt das für die Ratten, dass sie bedenkenlos zugreifen können. Würde das mutige erste Tier hingegen direkt oder innerhalb weniger Minuten zusammenbrechen oder gar versterben, bliebe der giftige Köder unangetastet. Vor allem Katzen sind auch nach Verzehr von Cumarin-vergifteten Ratten oder Mäusen durch diese Gifte bedroht. Auch beim Menschen können mit Cumarinen selbstverständlich Vergiftungen auftreten. In solchen Fällen muss dann unverzüglich Vitamin K als Antidot, also Gegengift, gegeben werden. Aber auch hier besteht eine Wirkungsverzögerung, da die fehlenden Gerinnungsfaktoren erst nach und nach durch die Leber ersetzt werden können. Daher kann eine Langzeittherapie mit Vitamin K erforderlich sein, oder fehlende Gerinnungsfaktoren werden im Notfall direkt ersetzt.

Graham Young – Ein 14-jähriger Toxikologe

Die Begeisterung für das Fach forensische Toxikologie teilen nicht nur einige wenige Wissenschaftler, sondern durchaus auch Laien und allgemein interessierte Menschen. Mich begeistert vor allem das Interdisziplinäre dieses Faches. Medizinisch-biologische Aspekte werden mit pharmazeutischem Wissen verbunden und führen zur Faszination für die Möglichkeiten, die Substanzen und Gifte dem menschlichen Körper anhaben können. Diese Faszination entwickelte sich beim Engländer Graham Young schon sehr früh.

Im Jahr 1961 durchzog eine mysteriöse Magenkrankheit die gesamte Familie Young im nördlichen London. Molly, die Großmutter des Hauses, war die Erste, die sich ständig übergeben musste und an Durchfall sowie Magenkrämpfen litt. Auch der Hausherr Fred Young und die beiden Kinder, unter ihnen der 14-jährige Graham Young, litten darunter. Kein Familienmitglied schöpfte auch nur den geringsten Verdacht, dass Graham dahinterstecken könnte, obwohl alle wussten, wie sehr er in die Giftkunde vernarrt war.

Graham Young hatte einige verwirrende Jahre hinter sich. Kurz nach seiner Geburt war seine Mutter gestorben. Da der Vater Fred nicht in der Lage war, ihn und seine ältere Schwester alleine zu versorgen, musste die Großmutter Graham und dessen Schwester bei der Tante großziehen. Erst als Graham zwei Jahre alt war, heiratete Fred Young erneut, und die Familie zog wieder zusammen.

Graham Young träumte davon, ein berühmter Toxikologe zu werden. Er verschlang schon mit zwölf Jahren Bücher über Giftmorde und zeigte sich auch in der Schule nur vom Chemie-Unterricht begeistert. Er kannte sich hervorragend mit Giften aus und konnte so einige in seiner Heimatstadt ansässige Chemiker überzeugen, ihm für »Schulexperimente« Arsen, Thallium, Antimon oder Digitalis zur Verfügung zu stellen. Jeder in der Familie wusste um die Interessen und Versuche des Jungen.

Die mysteriöse Magenkrankheit in der Familie Young hatte sich noch nicht verzogen, da brachte Graham seiner Schwester Winifred eines Morgens eine Tasse Tee. Der bittere Geschmack des Tees hielt sie nicht ab, einige Schlucke zu sich zu nehmen. Schon kurze Zeit später, auf dem Weg zur Arbeit, begann Winifred zu halluzinieren und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo man eine Vergiftung mit Atropin feststellte. Fred Young vermutete, dass Graham aus Versehen mit seinen Chemieexperimenten das Essen der Familie kontaminiert hatte, und wies Graham zur Vorsicht an. Doch dies half nichts.

Am 21. April 1962 kam Fred nach Hause, um seinen Sohn wie gebannt aus dem Fenster sehend aufzufinden. Im Garten krümmte sich seine zweite Frau Molly, die noch am selben Abend im Krankenhaus verstarb. Die Ärzte waren sich unklar über die Todesursache, ein hervorstehender Wirbelsäulenknochen sollte zum Tod geführt haben können.

Nach dem Tod seiner Ehefrau wurden auch die Symptome bei Fred Young schlimmer. Sein Arzt führte eine Metallbestimmung im Blut durch und diagnostizierte eine Antimonvergiftung bei Fred. Noch immer glaubte er allerdings, dass sein Sohn Graham nichts mit diesen Vorfällen zu tun hatte, oder zumindest unterstellte er ihm keine Absicht.

Als dann aber auch Grahams bester Freund Christopher Williams an denselben Symptomen wie die Familie litt, wurde nicht nur Fred aufmerksam. Der Junge, ebenfalls ein begeisterter Jungwissenschaftler, litt nach einem gemeinsamen Mittagessen mit Graham an Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfen und Kopfschmerzen. Doch auch in diesem Fall zeigten sich die behandelnden Ärzte nicht in der Lage, den wahren Grund für die Symptome zu ergründen, und diagnostizierten daher eine »schwere Migräne«.

Grahams Tante Winnie und sein Chemielehrer schöpften allerdings Verdacht. In Grahams Schulschreibtisch fand der Chemielehrer Aufzeichnungen über die gefährlichen Experimente, die Graham durchgeführt hatte. Giftflaschen, Bücher und haargenaue Aufzeichnungen belegten, dass Graham seiner gesamten Familie wechselnde Mengen Gift verabreicht hatte. Auch Rezepte für eigene Gifte wurden gefunden. Was lag näher, als die Wirkungsweise der tödlichen Gifte an seiner Familie und seinen Freunden auszuprobieren und sämtliche Dosen und Wirkungen akribisch zu notieren? Sein Chemielehrer verständigte die Polizei. Graham wurde am 23. Mai 1962 im Alter von 14 Jahren verhaftet und in eine Anstalt für geistesgestörte Verbrecher mit maximaler Sicherheit gebracht, nachdem er zugegeben hatte, seinen Vater, seine Schwester und seinen Schulfreund vergiftet zu haben. Den Mord an seiner Stiefmutter gab er jedoch nicht zu. Leider waren deren Überreste zum Zeitpunkt des Geständnisses schon verbrannt und somit eine toxikologische Analyse nicht mehr möglich. Daher wurde Graham lediglich wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft im Broadmoor Maximum Security Psychiatric Hospital verurteilt.

Doch die Faszination für Gifte verlor Graham auch im Gefängnis nicht. Er bildete sich in der Giftkunde fort, las Bücher und verfolgte seine Experimente an Insassen und Wärtern weiter. Schon wenige Wochen nach seiner Ankunft im Gefängnis starb ein Insasse des Krankenhauses, John Berridge, an einer Überdosis Cyanid. Graham Young gestand sofort die Tat. Doch ihm wurde nicht geglaubt, da Berridge vorher schon als selbstmordgefährdet galt.

Mit 23 Jahren wurde Graham als scheinbar resozialisierter junger Mann aus der Haftanstalt entlassen, neun Jahre hatte er dort verbracht. Er wurde vom Psychiater des Krankenhauses als »vollständig geheilt« und »nicht mehr den Giften verfallen« beschrieben. Doch schon am Abend seines Auszugs sagte er einer der Krankenschwestern: »Wenn ich hier draußen bin, werde ich für jedes Jahr, das ich hier absaß, einen Menschen töten.« Diese Aussage wurde in seine Akte aufgenommen, aber nie verfolgt.

Schon kurz nach seiner wiedererlangten Freiheit erlitten Bewohner eines Hostels in Hempstead Bauchkrämpfe. Ein Bewohner nahm sich aufgrund der starken Schmerzen selbst das Leben. Sie ahnen es schon – Graham Young war in dieses Hostel gezogen und hatte seine Experimente nahtlos fortgeführt.

Im Nachhinein mag es unglaublich klingen, dass eine Firma für fotografische Ausrüstung in Bovingdon diesen Mann einstellte. Die Mitarbeiter hatten zwar Informationen über die letzten Jahre Grahams in Broadmoor erhalten, waren aber in Unwissenheit darüber, dass Giftmorde die Ursache seines Aufenthalts dort waren. Durch die neue Arbeitsstelle hatte er Zugriff auf das ihm bekannte Metall Thallium. Die Firma stellte Thalliumbromid/-iodid-Linsen für militärische Ausrüstung her.

Graham begann, den Mitarbeitern der Firma täglich freundlich den Tee zu servieren. Und wieder kam es weder den Behörden noch den Mitarbeitern komisch vor, als ihr Chef, Bob Eagle, unter Krampfanfällen, Erbrechen und Durchfall zu leiden begann. Die Symptome wurden auf eine Viruserkrankung zurückgeführt. Als Bob Eagle jedoch Urlaub machte, verschwanden die Symptome. Seltsamerweise traten sie wieder auf, als er aus dem Urlaub zurückkehrte. Zehn Tage nach seiner Rückkehr starb Eagle, in seiner Krankenakte wurde eine Lungenentzündung als Todesursache angegeben.

Auch der Lagerleiter Fred Briggs musste aufgrund ähnlicher Symptome ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo er tagelang an Schmerzen litt und schließlich verstarb. Mindestens 70 weitere Mitarbeiter der Firma litten bis dahin ebenfalls unter Symptomen, was dann endlich dazu führte, dass die Polizei Ermittlungen einleitete. Forensische Analysen bestätigten bei allen Opfern eine Thalliumvergiftung.

Die Polizei verdächtigte sofort Graham. Bei der Durchsuchung seines Zimmers wurden dann erneut mehrere Gifte und ein exaktes Tagebuch gefunden, was zu Grahams Verhaftung am 21. November 1971 führte. Bei seiner Befragung gab er an, das Tagebuch nur für eine Buchveröffentlichung geschrieben zu haben und dass alles seiner Fantasie entsprungen sei. Nur zwei Morde, zwei versuchte Morde und zwei Körperverletzungen im Zusammenhang mit Gift konnten dem »Teacup Poisoner« nachgewiesen werden.

Graham Young starb am 1. August 1990 42-jährig im Gefängnis auf der Isle of Wight. Viele Menschen haben angesichts seiner Geschichte Zweifel, ob die offizielle Todesursache Herzinfarkt wirklich der Wahrheit entspricht. Doch dies wurde nie weiter geklärt.

Nachdem ein Film aus dem Jahr 1995, der an Grahams Geschichte angelehnt war, den Fall endgültig in die Weltöffentlichkeit brachte, wurde 2005 in Japan ein 16-jähriges Mädchen verhaftet, das sich von Graham hatte inspirieren lassen und ihre Mutter vergiftet hatte. Ähnlich wie Young hatte sie ihr das Gift mittels Tee verabreicht und in einem Internet-Blog Tagebuch über die benötigten Dosen und die Symptome geführt. Bei ihrer Vernehmung sagte sie aus: »Ich wollte meiner Mutter nicht wehtun, sondern einfach nur experimentieren.«

Dr. Mord und die Massenvergiftung mit Thallium an der Uni Würzburg

Im Jahr 1983 gab es einen perfiden Anschlag auf Studenten an der Würzburger Universität. Vor ihrem Hörsaal fanden Mediziner ein paar Flaschen Orangensaft mit einer auf einem Zettel verfassten Nachricht: »Liebe Kommilitonen! Das sind die Reste unserer Faschingsfeier. Großherzig, wie wir sind, spenden wir sie unseren Erstsemestern.« Zudem fanden sich weitere Flaschen, auch Bier, in Wohnheimen. Insgesamt tranken davon zwölf Studenten mit zum Teil schlimmen Folgen. Robert A. starb im Alter von 24 Jahren. Der Jurastudent Peter S. erholte sich nie mehr von den Folgen der Vergiftung, und auch die anderen Vergifteten litten noch lange Zeit. Bei allen behandelten Patienten zeigte sich starker Haarausfall, der nach drei Wochen am stärksten ausgeprägt war, nach drei Monaten zeigten sich Mees’sche Nagelbänder. Im Urin der Vergifteten wurden zwischen 5 und 43 mg/l und im Plasma zwischen 0,1 und 6 mg/l an Thallium nachgewiesen. Jedoch ergaben sich erst 2009 Hinweise darauf, dass der Arzt Dr. Wolfgang R., bekannt als Dr. Mord, verantwortlich dafür gewesen sein könnte.

Dr. Mord war 1986 vom Landgericht Darmstadt zu 17 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er nachweislich den Vermieter seiner sportmedizinischen Praxis in einem kleinen Ort im Odenwald umgebracht hatte. Der Tatort war besagte Praxis. Die Anklage hatte recherchiert, dass Wolfgang R. einen möglichen Zeugen für einen Versicherungsbetrug habe beseitigen wollen. Nach der Tat soll er seine Praxis angezündet haben, nicht zuletzt um die Spuren des Verbrechens zu beseitigen. Dann wollte er 3,5 Millionen Mark von der Versicherung kassieren. Mehrere Monate gingen die Ermittler von Brandstiftung durch einen Unbekannten aus, der Tod wurde zunächst auf die Rauchentwicklung zurückgeführt.

Doch bei der chemisch-toxikologischen Untersuchung der Brandleiche ergab sich ein wichtiges Indiz für ein mögliches Fremdverschulden. Im Blut des Toten konnte das Narkosemittel Methohexital nachgewiesen werden. Methohexital ist schnell wirksam und konnte den Vermieter bewusstlos machen, sodass R. ihm dann einen Schnitt in die Nase zufügte, wodurch der Mann an seinem eigenen Blut erstickte. Wolfgang R. stritt alles ab. Warum sollte er die Praxis abfackeln? Sie sei doch sehr gut gegangen. Er habe mit seiner Familie in der Nähe von München eine neue Praxis aufmachen wollen, deren Finanzierung schon geregelt gewesen sei. Die Mafia sei in die ganze Sache verstrickt, so Dr. Mord.

Doch der Prozess lief schlecht für ihn. Er kam in Untersuchungshaft. Verzweifelt nahm er während des Prozesses vier Tage lang einen Wärter als Geisel und flüchtete, bis er in Freiburg gefasst wurde. In Haft spielte sich R. dann immer wieder derart auf, dass er Mitgefangenen anbot, ihnen medizinisch zu helfen. Als ein Rauschgiftsüchtiger einen Kollaps erlitt, leistete R. Erste Hilfe. Mit seiner klugen Art und seinem gewandten Auftreten gelang es ihm, mehrere Fürsprecher von seiner Unschuld zu überzeugen. Nach seiner Haftentlassung 2003 bekam R. sogar seine Approbation als Arzt zurück und fand eine Anstellung in einer Arztpraxis in Augsburg-Göggingen.

2009 nun stand der Orthopäde im Rahmen eines Mordprozesses an dem Finanzbeamten Anton F. vor dem Landgericht Landshut. Er stand im Verdacht, Anton F. in Kirchasch im Kreis Erding mit einem gezielten Kopfschuss umgebracht zu haben.

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