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Mord in Vesterbro

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Zitat
  7. Erster Teil
  8. 1
  9. 2
  10. 3
  11. 4
  12. 5
  13. 6
  14. 7
  15. 8
  16. 9
  17. 10
  1. Zweiter Teil
  2. 11
  3. 12
  4. 13
  5. 14
  6. 15
  7. 16
  8. 17
  9. 18
  10. 19
  11. 20
  1. Dritter Teil
  2. 21
  3. 22
  4. 23
  5. 24
  6. 25
  7. 26
  8. 27
  9. 28
  10. 29
  11. 30
  1. Coda
  2. 31
  3. 32
  4. 33

Über das Buch

Der 8. Fall von Kommissar Ehlers und dem unbekannten Journalisten.

Während sich im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro Hausbesetzer und Polizisten Straßenschlachten liefern, wird auf einem nahe gelegenen Grundstück eine Rentnerin tot aufgefunden. Und kurze Zeit später das nächste Mordopfer: eine bekannte Fernsehjournalistin wird im Schneideraum ihrer Fernsehanstalt erwürgt. Kriminalinspektor Ehlers tappt im Dunkeln: Stehen die beiden Morde in Verbindung? Und wieso ist die Presse ihm immer einen Schritt voraus? Dan Turèlls namenloser Kriminaljournalist muss tief in der Vergangenheit wühlen, um herauszufinden, was die Medien mit den Morden verbindet …

Weitere Krimis aus der Reihe um den unbekannten Journalisten:

Mord im Dunkeln.

Mord in Rodby.

Mord auf Malta.

Mord am Rondell.

Mord im März.

Mord im Herbst.

Mord in der Dämmerung.

Mord im Straßengraben.

Mord in San Francisco.

Mord im Waschsalon.

Mord auf Bornholm.

Über den Autor

Dan Turèll, geboren 1946, war Schriftsteller und Journalist. Er hat sich in Dänemark zur Kultfigur entwickelt. »Onkel Danny« hat ein riesiges Œuvre aufzuweisen. Die Krimi-Serie über den namenlosen Journalisten brachte ihm den Durchbruch. Mit viel Ironie, schwarzem Humor und Gespür für die dänische Seele hat er dem Land seinen ersten klassischen »Privatschnüffler« geschenkt und die amerikanische Tradition des Genres kongenial ins Dänische verpflanzt.

1

Es war ein langer, harter, nervtötender Tag gewesen.

Also nichts Neues. In meiner Branche, in meinem Alter und bei meinem Hintergrund kommen nur wenige seltene und vereinzelte Tage anders daher.

Aber gerade dieser Tag war von einer besonders ausgesuchten und widerwärtigen Bösartigkeit.

Es war ein Montag. Es war im Juli, und der ganze Tag war so heiß gewesen, dass einem der Asphalt buchstäblich unter den Sohlen kochte. Überall in der Stadt hatten die meisten Kopenhagener – zuzüglich weniger Zugereister aus der Provinz und dem Ausland – schon längst aufgegeben, etwas anderes zu tun, als sich entweder in den Straßencafés oder auf leeren Bänken mit verfügbaren Flüssigkeiten in Reichweite niederzulassen.

Die Stadt schien stillzustehen. Nur vereinzelte Randgruppen – Taxifahrer, Polizisten, Straßenmusiker, Kellner, Journalisten und ähnliches Kroppzeug – schienen zu arbeiten.

Oder es jedenfalls zu versuchen.

Die Kellner hatten zweifellos einen guten Tag. Nicht weniger die Gitarristen, die mittlerweile bald an jeder Straßenecke stehen und immer dieselben sieben antiquierten Folksongs darbieten: Gutes Wetter und ein paar Drinks unter der Weste haben schon immer die positive Einstellung des gemeinen Dänen zur Kunst gefördert und für ein paar Münzen in der Mütze gesorgt.

Und die Taxifahrer – ja, irgendwer musste die Leute schließlich nach Hause befördern, wenn sie selbst dazu nicht mehr in der Lage waren. Und die Polizei – ja, irgendwer musste den Leuten schließlich die Notwendigkeit nahebringen, sich vernünftig zu verhalten, wenn sie zu viele leere Flaschen auf der Straße zertrümmert, sich johlend auf vorbeikommende Frauen gestürzt hatten oder der Öffentlichkeit auf irgendeine andere Weise zur Last, zum Schaden oder zur Plage geworden waren.

Aber wir Journalisten …

Es war einer der Tage, an denen selbst der jüngste Redaktionsbote schon am frühen Vormittag wusste, dass absolut nichts passieren würde.

Die tägliche Redaktionssitzung war von dieser allgemeinen Erkenntnis und Gewissheit geprägt: Es gab schlichtweg nichts, mit dem man das Bladet hätte füllen können, und niemand gab sich irgendwelchen Illusionen hin.

Kein Raubmord. Keine Vergewaltigungen. Keine Überfälle. Die Leute waren zu sonnenbeschienen, zu schlaff und zu betrunken für diese Art der aktiven Freizeitgestaltung.

Keine Fußball-Länderspiele. Kein Wimbledon. Nicht einmal eine Schauspieler-Scheidung oder eine gebärende Popsängerin. Nichts.

Natürlich gab es die Füllsel, so wie es schon immer die Füllsel gegeben hatte. Ein weiteres Mal würde man den Lesern erzählen können, was ihre »individuellen« Horoskope ihnen für den kommenden Tag offenbarten, ein weiteres Mal könnten wir einen renommierten Koch dazu überreden, eine Lanze für die frischen dänischen Landwirtschaftsprodukte des Sommers zu brechen, ein weiteres Mal gab es die Möglichkeit, ein paar Seiten mit Strandschönheiten in der »neuesten Bademode des Sommers« zu füllen, die – wieder einmal – dieselbe war wie im vergangenen Jahr: So wenig wie möglich – jedenfalls auf den Bildern.

Chefredakteur Otzen hatte einen seiner cholerischsten Tage. Und da Otzen, was seine Wutanfälle anging, ohnehin jeden Tag seinen Stammplatz im Guinness-Buch der Rekorde erfolgreich verteidigte, sollte das schon einiges heißen. Ältere Mitarbeiter behaupteten, dass niemand ihn dermaßen erregt gesehen habe, seit sich die dänische Thronfolgerin verloben wollte und nur unser ärgster Konkurrent davon gewusst hatte.

Der Sportredakteur hatte vorgeschlagen, dass wir ein Feature darüber bringen sollten, wie sich die Fußballvereine im Lande auf die Herbstspielzeit vorbereiteten. Die Klatschkolumnistin hatte vorgeschlagen, bekannte Dänen nach ihren Zielen für den Sommerurlaub zu befragen, warum sie dorthin fuhren und ob sie gerade mit diesem Ort etwas Besonderes verband. Der Kulturredakteur hatte vorgeschlagen, die Gelegenheit zu nutzen und ein paar Extraseiten mit Buchrezensionen zu bringen, die sich schon seit Monaten zu den üblichen Stapeln angesammelt hatten.

Sämtliche Vorschläge wurden mit eisigem Schweigen quittiert. Schließlich dann beschleunigte Otzen bis zur höchsten Drehzahl und begann vor den Mitarbeitern eine Ansprache zu halten – jene Ansprache, die jeder Mitarbeiter bereits auswendig kannte, eine Ansprache, aus der die Mitarbeiter oft rezitierten, wenn sie in einer ruhigen Stunde in der Kantine zusammensaßen.

»Es gibt etwas«, hatte Otzen gesagt, »das nennt man aktiven Journalismus. Ein Journalist ist nicht nur ein Mann, der auf seinem Stuhl sitzt und darauf wartet, dass etwas passiert. Ein Journalist ist ein Mann, der …«

»Warum ist ein Journalist immer ein Mann?«, fragte unsere Kummerkastenredakteurin, die bezaubernde, rassige Barbara, scheinbar völlig unschuldig. Jeder an dem runden Konferenztisch wusste, dass sie ihn einfach nur unterbrechen wollte. Unter normalen Umständen hätte dies zu einem Vulkanausbruch geführt, aber Barbara hatte ein perfektes Alibi: Wir hatten gerade eine massive Kampagne gefahren, dass das Bladet, einzig und allein das Bladet, die Zeitung für Die Moderne Frau war.

Otzen roch den Braten rechtzeitig und leitete mit bewundernswertem Takt und sportlicher Schnelligkeit den Beginn eines unwillkürlichen Wutausbruchs in einen überzeugenden Hustenanfall um. Überzeugend jedenfalls für Uneingeweihte.

»Ein Journalist ist«, fuhr er energisch fort und schlug auf den Tisch, »ein Mensch, der – ganz gleich welchen Geschlechts – sich zu den Ereignissen begibt. Der gute Journalist ist wie ein Jagdhund, der zuverlässig jede Spur findet. Der gute Journalist …«

»… ist ein Traum, ein Phantom, das nur im Jahrbuch der Journalistenschule existiert«, unterbrach ich ihn. »Und damals, auf der Journalistenschule, hast du diesen Vortrag auch zum ersten Mal gehalten, oder?«

»Was zum Teufel willst du damit sagen?«

»Du hast mir selber eine Fotokopie gegeben. Du hast gesagt, dass ich daraus sehr viel lernen könnte.«

»Du hättest sehr viel daraus lernen können – und ihr anderen übrigens auch. Also hört jetzt mal zu …«

Und wir hatten zugehört – circa zwanzig Minuten lang. Barbara und ich warfen uns unterdessen verstohlene Blicke und Signale zu wie zwei Schüler, deren Klasse von einem Oberlehrer kollektiv abgekanzelt wurde, ohne dass er alle auf einmal im Auge behalten konnte.

Andere sandten anderen Signale zu.

Die Redaktionssitzung endete – wie alle anderen Redaktionssitzungen, an denen ich (gegen meinen Willen) teilgenommen hatte – damit, dass Otzen darauf beharrte, dass wir uns endlich zusammenreißen und etwas herausfinden sollten. Wir nickten schön synchron alle miteinander, fügsam und nachdenklich. Das war die sicherste Methode, es schnell hinter sich zu bringen.

Barbara und ich verließen gemeinsam den Raum.

»Sieh mal zu, dass du in die Gänge kommst!«, frotzelte sie. »Mach dich auf die Socken, und finde einen Mord!«

»Dann müsste ich ja aktiv werden.«

»Was nicht gerade deine starke Seite ist.«

»Ich meine, dann müsste ich den Mord ja selber begehen.«

»Warum nicht?«

»Sag mir einfach, wann du aufbrichst. Wenn du dich auch noch zur Verfügung stellst, betreiben wir doppelt aktiven Journalismus, und wir können die Story als exklusiven Aufmacher im Bladet bringen.«

»Ein anderes Mal vielleicht«, sagte sie. »Ich bin heute Abend schon verabredet …«

Und dabei blieb es.

In flimmernder Hitze schlenderte ich über den Rådhuspladsen und wanderte die Vesterbrogade hinunter. Überall saßen die Leute in ähnlichen Trauben herum wie in der Innenstadt, auf Bänken, niedrigen Mauern, Treppenabsätzen, überall, wo sich Leute überhaupt versammeln konnten, mit jeweils großzügig bemessenen nackten Bäuchen und bierflaschenprallen Plastiktüten.

Kneipengedränge, Rucksäcke, Trickbetrüger und Unbekannte Flugobjekte, die sich bei näherer Betrachtung allerdings als Flaschen und Gläser identifizieren ließen, machten ein Durchkommen am Hauptbahnhof fast unmöglich.

Auch die Istedgade hatte sich – auf ihre Weise – der Hitze ergeben. Es gab nicht eine einzige Schlägerei zwischen besoffenen Grönländern, und sogar die Nutten hatten sich in die Wirtshäuser zurückgezogen, wohl wissend, dass die Kunden sich ohnehin nicht einfinden würden, weil es – wie es schon in einem alten Cole-Porter-Song hieß, den ich seinerzeit gespielt hatte – Too Darn Hot war.

Im Stjernecafé war es etwas kühler, und Bob, der Barkeeper, erschien mir der erste halbwegs entspannte Mensch zu sein, dem ich im Laufe des Tages begegnete. Ich bekam ein Glas des dänischen Nationalgetränks, zündete mir eine Zigarette an, während er mir schon das nächste Glas füllte, und stieß einen Seufzer aus – mit diesem speziellen, dudelsackähnlichen Klang, den Seufzer bekommen, wenn man gerade irgendetwas überstanden hat.

»Wie läuft es mit deiner Frau?«, fragte Bob.

Bestimmt wegen des Seufzers.

»Sie ist in Århus«, antwortete ich. »Besucht dort ihre Eltern.«

»Soso. Und jetzt willst du dich mal richtig amüsieren?«

»Sehe ich vielleicht so aus?«

»Du siehst jedenfalls aus wie jemand, der es dringend nötig hat.«

»Und was ist mit dir?«

»Wer solche Stammkunden hat wie ich, der braucht so etwas nicht.«

Wir hätten noch ewig so weitermachen können – im Grunde taten wir es ja auch schon seit Jahren – wenn der Hübsche nicht hereingekommen wäre.

Der Hübsche Jørgen, der verkrachte Folksänger des Viertels, seinerzeit – vor zwanzig Jahren – auch als »Protest-Jørgen« bekannt, war ein feiner Kerl, absolut in Ordnung und immer gut für einen Plausch über sein baldiges Comeback und ein spontanes Absingen seines allerneuesten Songs, der dasselbe garantieren würde, jedes Mal ein anderer Song, und jedes Mal mit denselben Reimen. Dir und mir, Herz und Schmerz, berühren und verführen, sowie Klang und Gesang gehören zu den ausgesprochenen Lieblingsreimen des Hübschen. In der Wolle gefärbte Stammgäste des Stjernecafés haben sie sich in zu vielen Kombinationen anhören müssen, um sie noch unvoreingenommen betrachten zu können.

Als der Hübsche nun zielstrebig auf die Theke zukam und erzählte, dass er soeben den besten Song seines Lebens geschrieben habe, beschloss ich ausnahmsweise, den besten Song, den der Hübsche jemals geschrieben hatte, schamlos zu ignorieren, hektisch auf meine Uhr zu schauen und zu sagen, dass es mir eine unheimliche Freude wäre, ihn zu hören, aber – so war nun einmal das Leben – gerade jetzt ganz dringend zu einer wichtigen Verabredung eilen müsste.

»Ja … du bist schon ziemlich spät dran«, sagte Bob solidarisch und schaute auf seine Uhr.

Es war etwa zehn Uhr abends und definitiv an der Zeit, einen langen, harten und nervtötenden Tag zu Ende zu bringen. Das wäre eine kluge Entscheidung gewesen, und meine Mutter hätte mir voll und ganz beigepflichtet.

Aber in dieser Hitze?

Unmöglich.

Meine persönlichen Beine trugen mich – ganz für umsonst und ohne jegliche Lohnnebenkosten – durch die Istedgade, über den Enghave Plads, wo die Sonne mittlerweile an Terrain zu verlieren begann, weiter durch die Lyrskovsgade und den Vester Fælledvej hinauf.

Ich weiß nicht warum, aber vielleicht hatte Otzen ja trotz allem recht: Ein Journalist ist ein Jagdhund. Meine Beine hatten offenbar Witterung aufgenommen.

Als ich zur Vesterbrogade hinaufschaute, sah ich zuerst nur einen Bullen in Uniform. Dann noch einen. Je weiter ich den Vester Fælledvej hinaufging, desto mehr waren da. Auf halber Strecke konnte ich bereits mindestens fünfzig zählen.

Und, so dachte ich im Stillen – oder war es Otzen, der in mir dachte? –, wo es mindestens fünfzig Bullen gab, da gab es auch eine Story.

Mindestens.

2

Es war jedoch keine »Story« im eigentlichen Sinne. Wenn man ganz korrekt sein wollte – wie mein alter Dänischlehrer es immer war –, musste man es eher ein neues Kapitel in einem lang gestreckten Fortsetzungsroman nennen.

Ich sah es, sobald ich die Vesterbrogade erreicht hatte. Die Polizisten hatten eine Kette gebildet und hielten ihre Schutzschilde hoch. Auf die Schilde regnete es Ziegel- und Pflastersteine aus einigen Fenstern eines alten Gebäudes auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinab. Die Straße war zu beiden Seiten hin abgeriegelt worden, und alle nahe gelegenen Fenster waren geöffnet, damit die Bewohner des Viertels aus sicherer Entfernung zuschauen konnten, und jede Menge Schaulustige hatten ihre Plätze hinter und neben dem Polizeikordon eingenommen.

Rufe schallten durch die Straße und vervielfachten sich durch den Widerhall der dicht stehenden Häuser.

»Hipos!«

»Schnorrer!«

»Nazis!«

»Kommunisten!«

»Mörder!«

Mit anderen Worten: Es handelte sich um eine weitere »Konfrontation« – wie es die Politiker nennen, wir anderen bezeichnen es etwas angemessener als »Schlägerei« – zwischen der Polizei und den Hausbesetzern.

Ein weiteres Kapitel des jahrelangen Streits um die vielen Kopenhagener Wohnungen, die aus Spekulationsabsichten leer standen – Kopenhagen dürfte jedenfalls in Sachen Wohnraum den nordischen Rekord in Spekulationsabsichten halten –, und die jungen Leute, die sie besetzten, ihre Wände neu strichen, sie einrichteten – und sich anschließend mal mit den Spekulanten und mal mit der Polizei schlagen mussten, um sie behalten zu können.

Zumindest bis auf weiteres behalten zu können.

Immer nur bis auf weiteres.

Ich näherte mich dem Schlachtfeld mit einer gewissen Aufmerksamkeit. Ich besitze nur einen Kopf, und selbst wenn im Laufe der Jahre einige Leute ihre durchaus berechtigten Zweifel an seiner Qualität und Kapazität geäußert hatten, so gab es doch keine realistische Alternative zu dem Kopf, den man nun einmal besaß.

In den Fenstern des zweiten und dritten Stocks des zu räumenden Hauses hingen die Besetzer – anscheinend recht junge Leute um die zwanzig, allesamt mit kapuzenbezogenen Köpfen – und verteilten aus einem offenbar unerschöpflichen Lager ihre Ziegelsteine, unter die sich hin und wieder ein Schraubenzieher, ein Hammer, eine Tüte Reißzwecken oder anderes mischte, was sie als geeignete Wurfgeschosse betrachteten.

Auf der Straße stand stoisch die Polizei und ließ alles auf ihre Schilde herabregnen. Sie schienen nur darauf zu warten, ruhig und geduldig, dass denen da oben die Munition ausging.

Um sie herum wurde weiter eifrig und freimütig diskutiert. Die Zuschauer waren geteilter Meinung. Es war wie bei einem Fußballspiel im Idrætsparken: Jeder feuerte seine Mannschaft an.

Ich fühlte mich nicht versucht, irgendjemanden anzufeuern.

Meine Beine nötigten mich näher heran – bis der Polizist, der mir am nächsten stand, einen Ziegelstein auf den Kopf bekam, nach hinten umfiel und mich dabei halb erwischte, sodass er mich – gewissermaßen als Gratiszugabe – gegen eine Hauswand stieß und schließlich liegen blieb.

Der Krankenwagen stand bereit. Mehrere sogar. Endlich einmal jemand, der an diesem warmen, schläfrigen Sommerabend etwas zu tun hatte.

Ich zog mich ein wenig zurück, bis zur Ecke Amerikavej.

Diese Idee hatte ich nicht allein. Ich landete in einer Gruppe von Anwohnern, die den Verlauf der Schlacht eingehend und kenntnisreich kommentierten.

»Es wird immer schlimmer«, sagte eine ältere Dame. »Man wagt kaum noch auf die Straße zu gehen.«

Gleichzeitig warf sie erneut einen gespannten Blick auf das Geschehen.

»Verdammt«, brummte ein großer, grobschlächtiger Mann neben ihr. »Man kann schon irgendwie verstehen, wenn sie Amok laufen. Sie haben keine Arbeit, und sie werden garantiert auch keine bekommen. Sie leben allesamt nur von der Stütze. Und dann können sie noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf bekommen!«

»Und was ist mit uns anderen?«, piepste ein kleiner, dünner Mann in einem riesigen Mantel. »Wir mussten die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Ein ganzes Leben haben wir uns für unsere Zweizimmerwohnung krummgelegt, und plötzlich werden wir arbeitslos. Das ganze Leben haben wir Steuern und Miete gezahlt – und dann kommen sie her und nehmen sich einfach, was sie wollen. Das kann doch, verdammt noch mal, nicht richtig sein! Sie müssen es aus eigener Kraft schaffen – wie wir anderen auch! Auf die normale Art und Weise!«

»Genau!«, sagte die Frau. »Recht hast du, Niels.«

»Und dann kommen sie einfach hierher und nisten sich bei uns ein«, sagte Niels mit neuem Selbstbewusstsein, durch die Zustimmung bestärkt. »Bei uns, die wir schon immer hier gewohnt – und dafür bezahlt – haben. Sollen sie doch zu ihren reichen Eltern in Gentofte und Hellerup verschwinden und deren Villen besetzen!«

Mehrere Zuhörer nickten.

»Och«, warf ein neuer Diskussionsteilnehmer ein, ein junger Mann in Jeanshosen. »Die gehen jedenfalls mit Schwung an die Sache!«

»Schwung?«, antwortete eine neue Stimme. »Was soll daran denn schwungvoll sein? Sie machen doch einfach nur die Häuser kaputt. Sie zerdeppern alle Fenster im Viertel, und wer soll das am Ende alles bezahlen? Ist irgendjemand hier, der das noch nicht weiß?«

Offensichtlich nicht. Keiner fragte nach.

Die neue Stimme fuhr fort:

»Und in den nächsten drei Tagen werden die Straßen in Glasscherben schwimmen und die Läden geplündert werden. Und auf wessen Kosten? Unsere!«

Ein gedämpftes, wortloses Grummeln erhob sich unter den Versammelten. Es klang wie ein entschlossenes Wolfsrudel, das knurrend einen Eindringling in ihr Lager warnt.

»Letztes Mal hat Cäsar sich eine Pfote verletzt«, sagte die Frau von eben. »Du weißt schon, mein Schäferhund. So ein gutes Tier. Wir mussten ihn zum Tierarzt bringen. Was das gekostet hat! Daran verschwenden sie überhaupt keinen Gedanken.«

»Genau da liegt das Problem mit den jungen Leuten von heute«, antwortete Niels. »Sie denken nur an sich selbst. Sie machen sich überhaupt keine Gedanken darüber, was sie uns zu verdanken haben.«

Einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken, Niels – ganz sachlich – zu fragen, wofür sie seiner Meinung nach ausgerechnet ihm zu danken hätten, aber ich tat, was mir im Laufe der Zeit schon viele Bekannte geraten hatten: Ich hielt meinen Mund.

An der gegenüberliegenden Straßenecke stand eine Figur, die ich kannte und die den Straßenverkehr mit ausladenden Armbewegungen umleitete. Es war Nielsen, der schmächtige, nervös wirkende Nielsen, dessen Augen – ganz gleich, wo man ihn antraf, und sei es nach Feierabend in seinem Ohrensessel – ununterbrochen den Horizont nach möglichen kriminellen Handlungen abtasteten.

»Wie läuft’s?«, fragte ich höflich.

»Gut«, antwortete er lakonisch. »Bis jetzt zwei Schädelbrüche, ein gebrochener Arm, zwei zerschlagene Schaufenster und drei mehr oder weniger zerstörte Autos. Sie strengen sich wirklich an.«

Einen Augenblick lang standen wir wortlos da und betrachteten den Flug der Ziegelsteine über die Vesterbrogade. Es sah aus wie ein surrealistische Gemälde.

Den einzigen Unterschied machten die Schädelbrüche. Die waren sehr real.

»Und was denkst du?«, fragte ich.

»Ich denke, es ist eine unglaubliche Schweinerei.«

»Ja, aber kannst du sie nicht auch ein bisschen verstehen?«

»Natürlich, deswegen ist es ja so eine Schweinerei. Und zwar von vorne bis hinten! Weißt du, ich habe mich für diesen Job entschieden, um Kriminelle zu jagen, und nicht, um Kinder auf die Straße zu setzen – und auch nicht, um mich auf Anweisung eines Immobilienspekulanten mit Kindern zu prügeln und ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Und so geht es uns im Großen und Ganzen allen.«

»Könnt ihr euch nicht wehren?«

»Wir haben es ja versucht. Und was ist passiert? Da sagen der Justizminister und der Polizeipräsident, dass es sich, wenn wir auch nur ein einziges Mal nachgeben würden, überall ausbreiten würde. Dann hätten wir überall in der Stadt Hausbesetzer, und wer könnte sich dann noch sicher fühlen? Ich habe nur eine Dreizimmerwohnung in Rødovre, aber die bezahle ich von meinem Lohn, und wenn ich zu Hause bin, möchte ich wenigstens dort meine verdammte Ruhe haben.«

Gerade in dem Augenblick, als Nielsen »Ruhe«, sagte, gerieten wir in Bewegung. Der enorme Druck einer Menschenmenge hinter uns hob uns geradezu hoch und trug uns vorwärts. Ich verlor den Kontakt zu Nielsen, während ich mich darauf konzentrierte, halbwegs auf den Beinen zu bleiben.

Was bis auf weiteres gelang – mir jedenfalls.

Andere waren weniger glücklich.

»Von hinten kommen noch mehr!«, rief irgendjemand. »Sie haben Verstärkung bekommen!«

Wessen Verstärkung dort kam, war noch nicht so recht klar. Das einzig Einleuchtende war, dass alle zusammen unweigerlich – wie von einer unterirdischen Strömung – vorwärts getrieben wurden, zur Vesterbrogade, dem Polizeikordon entgegen.

Es herrschte vollkommene Verwirrung. Einige schüttelten den Kopf, andere den ganzen Körper. Erneut erhob sich eine wilde Kakofonie ausgesuchter Flüche, Verwünschungen und Kraftausdrücke – die meisten davon so primitiv, wie derlei Dinge nun einmal zu sein pflegen.

Ich stolperte in einen Hauseingang, wo ich mich plötzlich einem alten Freund – oder eher einem »Bekannten« – namens Per gegenübersah. Per hatte sein ganzes Leben in diesem Viertel gewohnt, er war hier geboren, und wir sind uns unzählige Male an der einen oder anderen Ecke über den Weg gelaufen, und zwar in mehr oder weniger lichtscheuen Angelegenheiten.

»We can’t keep meeting like this«, sagte Per.

Ein wahrer Vesterbroer wird jederzeit einem alten, wohl erprobten Kalauer den Vorzug gegenüber allen anderen Formen der Kommunikation geben.

»Was zum Teufel ist denn jetzt auf einmal los?«, fragte ich.

»Eine andere Gruppe von Hausbesetzern ist vom Enghave Plads her im Anmarsch«, antwortete Per so sachkundig wie ein Dozent an der Offiziersschule des Heeres, der eine historische Schlacht durchexaminiert. »Sie haben schon eine Stunde lang da unten gestanden und gewartet, bis die Zeit für einen kleinen Hinterhalt reif war.«

»Du hältst dich auf dem Laufenden, was?«

»Und was treibst du hier?«

Es blieb mir erspart, eine zweifellos dümmliche Antwort zu erfinden, als wir erneut von einer Welle erfasst wurden. Sie trennte uns endgültig. Per trieb nach links, und ich wurde nach rechts gespült.

Bevor ich ihn endgültig aus den Augen verlor, sah ich, wie er von hinten in einen Bullen fiel und diesen mit zu Boden riss – wo er auf seinem Schutzschild landete.

Ich versuchte mich aus der Menschenmenge herauszuarbeiten, aber jeder Versuch war schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Panik breitete sich aus, wie überall, wo zu viele menschliche Wesen auf einmal versammelt sind. Wie in einem Theater, in dem ein Feuer ausbricht. Wie auf einer Autobahn zu Beginn des Wochenendes.

»Verdammt! Hast du mich etwa getreten?«

»Meine Brille – du Idiot!«

»Wer hat hier Idiot gesagt?«

»Du Pfeife!«

»Zuhälter!«

»Lasst mich doch raus!«

»Warum gerade dich?«

»Jetzt will ich dir mal was sagen …«

Bevor ich hören konnte, was hier gesagt werden wollte, wurde ich an den Rand der Menschentraube gedrängt. Über vier, fünf Schulterpaare hinweg sah ich eine leere Fläche ohne ein einziges menschliches Gesicht – oder zumindest Gesichter, die es unter anderen Umständen waren oder gewesen sein könnten.

Es gelang mir, hinauszukommen – mit vereinzelten Ellenbogen im Gesicht, Kratzern an den Schienbeinen und dem bereits lange vorhergesehenen und einkalkulierten Verlust eines – gründlich gebrauchten – Hutes.

Das leere Fleckchen zwischen zwei der verfallenen und verrottenden Blöcke an der Vesterbrogade war ein Baugrundstück, auf dem große Kieshaufen aufgeschüttet worden waren.

Offensichtlich hatte es sich noch kein anderer als Zufluchtsort auserkoren.

Ich ließ mich auf einen der Kieshaufen sinken, lehnte mich zurück, atmete aus reiner Gewohnheit aus und zündete mir – ebenso instinktiv – eine Zigarette an.

Im Lichte meines Feuerzeugs sah ich, dass doch schon andere auf dieselbe Idee gekommen waren wie ich. Ich war nicht allein.

Neben mir lag etwas.

Jemand.

Ein Mensch.

Genauer betrachtet: eine Frau.

3

Das Bemerkenswerte daran war nicht, dass es eine Frau war. Dergleichen hatte ich vorher schon gesehen. Sie breiten sich aus wie eine ansteckende Krankheit. Inzwischen findet man sie überall. Man kann ja kaum noch auf die Straße gehen, ohne dass einem das eine oder andere Exemplar ins Auge fällt.

Es lag eher darin, dass es eine vollkommen unbewegliche Frau war – ein seltenes Phänomen. Sie musste noch nicht einmal nach Luft schnappen, als sie mich erblickte.

Im Grunde hatte sie mich auch nicht erblickt, und sie würde auch niemals etwas Sehenswerteres, geschweige denn Schöneres erblicken – oder meinetwegen auch etwas Hässlicheres.

Sie war nämlich tot.

Ein seltsamer Ort, um zu sterben – an einem Kieshaufen auf einem verlassenen Baugrundstück.

Und dennoch, wenn es nun einmal geschehen muss … Macht sich jemand, der ganz bescheiden zu Hause in seinem Bett stirbt, Gedanken darüber, ob sein Laken im Augenblick des Todes vielleicht ein wenig schmuddelig aussehen könnte?

Die Feuerzeugflamme gab ihr Äußerstes in der Dämmerung und verbrannte meine Finger, während ich die Umstände näher untersuchte.

Es war eine kleine, dünne, runzlige alte Dame. Ein absolut abgelebtes Geschöpf. Ich schätzte ihr Alter auf siebzig bis achtzig – im Lichte eines Feuerzeugs.

Ihr Gesichtsausdruck glich dem eines Tieres, das sich einfach in die Büsche geschlagen hatte, um im Bewusstsein der Tatsache, dass die Zeit gekommen war, in friedvoller Einsamkeit zu sterben.

Das Einzige, was diesem Eindruck widersprach, war das große, bunt geblümte Halstuch, das sie trug – an einem der heißesten Tage des Jahres. Ein Halstuch, das so stramm saß, dass sie es unmöglich selbst gebunden haben konnte.

Die Zigarette verbrannte mir die Finger. Eine nette Abwechslung zum Feuerzeug.

Ich löschte beides und fluchte mir äußerst zurückhaltend etwas vor – vollkommen gratis und ohne Eintritt bezahlen zu müssen.

Schon wieder!

Es sah langsam wie ein lebenslänglicher Fluch aus, ein unrevidierbares Urteil der Höchsten Instanz: Jedes Mal, wenn ich einfach nur spazieren ging, musste ich eine Leiche finden. Egal wo, egal wann.

Es musste von Anfang an sorgfältig geplant gewesen sein. Der Herrgott – oder wer auch immer es gewesen sein mochte – hatte sich die tägliche Ernte an Babys betrachtet und entschieden, dass der eine Komponist werden würde, der nächste Werftarbeiter, der Folgende wiederum Regierungsoberamtsrat – und dann hatte er nach einer Weile in diesem ganzen Haufen unter der Rubrik »Diverses« mich bemerkt und gedacht: »Hier haben wir den Mann, der über Leichen stolpern wird. Dafür ist er wie geschaffen.«

Ich beneidete unseren Herrgott um seinen Sinn für Humor. Ich fand nur, dass er – als guter Sportsmann – mir in aller Fairness eine Chance zur Revanche geben sollte.

Schlechte Witze, und wenn sie nur im eigenen Kopf stattfinden, nutzen gar nichts.

Und sind doch ein notwendiger Überlebensmechanismus.

Man braucht jedes Mal einen, wenn man vor einer Leiche steht.

Die Frau trug ein schwarzes Kleid, das so anonym war wie ihr Gesicht. Das Kleid war dermaßen abgewetzt, als wäre sie damit geboren worden. Es hatte keine Taschen. Sie hatte keine Handtasche. Es gab nichts, was man hätte »untersuchen« können – es sei denn, sie hatte wichtige Papiere unter ihrem Kleid versteckt.

Von einer derartigen Untersuchung nahm ich Abstand.

Ich zündete mir noch eine Zigarette an und verabschiedete mich von dem Gedanken, eine friedliche Freistatt gefunden zu haben. Wie andere Große Geister, die vergeblich versucht hatten, einsam in der Wüste zu meditieren, stürzte ich mich ins Kampfgetümmel zurück.

Ich packte einen Polizisten am Arm, wobei uns gleichzeitig jemand anders mit behänder Brutalität gegen eine Wand drückte.

Der Hüter des Gesetzes packte meinen Arm und drehte ihn mir auf den Rücken, sodass er mich in einem klassischen Schuljungen-Schraubstock hielt.

»Angriff auf einen Beamten in Ausübung seines Dienstes«, sagte er lakonisch. »Das war gar nicht klug. Haben Sie Ihre Kapuze verloren?«

Seine Art zu sprechen klang irgendwie halbwegs intelligent – so etwas kommt vor, sogar unter Polizisten. Ich ergriff meine Chance.

»Ich habe versucht, Ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Für diese Schlägerei trage ich keinerlei Verantwortung. Wenn Sie nur für einen Augenblick meinen Arm loslassen möchten, dann werde ich Ihnen meine Identitätsnachweise zeigen und Ihnen erklären, warum ich mit Ihnen sprechen wollte.«

Für einen Augenblick sah er skeptisch aus, bestimmt aufgrund der Tatsache, dass ich in der Lage war, ein so schwieriges Wort wie »Identitätsnachweise« aussprechen zu können, also bekam ich zunächst einmal die Gelegenheit, etwas anderes als nur seine Uniform zu betrachten. Er war ziemlich groß gewachsen, aber breit gebaut, sodass er auf den ersten Blick kleiner zu sein schien. Er sah aus wie ein ehemaliger Boxer aus einer der höheren Gewichtsklassen.

Er ließ meinen Arm zurückgleiten und hielt stattdessen meine Schultern in einem eisernen Griff. Erneut bereute ich es, seit mindestens zwanzig Jahren keine andere Art von Sport oder Leibesübungen aktiv betrieben zu haben als Knobeln oder Billard.

Ich zog meine Papiere hervor. Er hielt sie sich mit einer Hand vor die Augen und betrachtete sie, während er mich mit der anderen festhielt.

Er brummelte nachdenklich. Zweifel hatten ihn befallen.

Sofort nutzte ich meine Chance.

»Sind Sie vielleicht von der Polizeiwache am Halmtorvet?«, fragte ich höflich, als ob wir gerade ganz zivilisiert über einen Tisch in einem besseren Restaurant hinweg konversierten, wo es Messer und Gabeln und Stoffservietten und Bleikristallgläser und weiße Tischdecken gab.

»Ja«, antwortete er. »Warum?«

Ich setzte mein Verkäuferlächeln auf. Wie ein Immobilienmakler oder ein Gebrauchtwagenhändler.

»Ich kenne Polizeiinspektor Ehlers«, sagte ich. »Wir sind sogar fast befreundet. Und ich kenne auch seinen engsten Mitarbeiter – Kaspersen, falls Sie ihm schon einmal begegnet sein sollten. Ich kenne auch den alten Kellermann, den stärksten Polizisten der Stadt, der im Gewichtheben sicherlich immer noch eine Klasse besser ist als Sie. Sagt Ihnen das was? Und es ist gerade zehn Minuten her, dass ich Ihren Kollegen Nielsen getroffen habe.«

»Den Rothaarigen?«, sagte er.

Ein kleiner Test seinerseits.

»Nein, nicht der Nielsen. Ich meine den mit den kurzen blonden Haaren und der einzelnen Locke in der Stirn. Im Übrigen trägt er auf derselben Stirn zwischen fünf und sechs Runzeln, hat einen unruhigen Blick, ist untergewichtig und wirkt auf Fremde eher nervös. Seine überanstrengten Augen sind blau, und er ist etwa zehn Zentimeter kleiner als ich – und außerdem wohnt er in einer Dreizimmerwohnung in Rødovre. Das hat er mir selber erzählt.«

Der Bulle ließ meine Schulter los und ließ seine Hand bis zu meiner herabsinken. Er ging sogar so weit, sie zu drücken.

»O. K.«, sagte er. »Mein Name ist Lund Sørensen. Darf man jetzt endlich erfahren, worum es geht?«

»Ich bin nicht derjenige, der Sie daran gehindert hat, es zu erfahren.«

»Es ist ein verwirrender Abend, und ich war schon in drei, vier Prügeleien verwickelt. Sie müssen also entschuldigen, wenn es mir schwerfällt, mich durchgehend zuvorkommend zu verhalten.«

»O. K., das sind ja nur Kinkerlitzchen. Es verhält sich allerdings so, dass meine Arme – ganz allgemein im Alltag und beim Einkaufen, verstehen Sie – einen gewissen Nutzen für mich besitzen.«

Ich widmete ihnen eine tröstende Massage.

»Es geht einfach nur darum«, fuhr ich fort, »dass ich die Leiche einer älteren Frau auf einem Baugrundstück direkt hier nebenan gefunden zu haben glaube.

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