Logo weiterlesen.de
Mord in San Francisco

Über dieses Buch

Mit Mord in San Francisco liegt der zwölfte und letzte Band der Krimi-Serie des renommierten dänischen Autors Dan Turèll auf Deutsch vor. Seine Romane gelten zu Recht als »Klassiker der Kriminalliteratur«.

Weitere Krimis aus der Reihe um den unbekannten Journalisten:

Mord im Dunkeln.

Mord in Rodby.

Mord auf Malta.

Mord am Rondell.

Mord im März.

Mord in der Dämmerung.

Mord in Vesterbro.

Mord im Straßengraben.

Mord im Waschsalon

Mord auf Bornholm.

Über den Autor

Dan Turèll, geboren 1946, war Schriftsteller und Journalist. Er hat sich in Dänemark zur Kultfigur entwickelt. »Onkel Danny« hat ein riesiges Oeuvre aufzuweisen. Die Krimi-Serie über den namenlosen Journalisten brachte ihm den Durchbruch. Mit viel Ironie, schwarzem Humor und Gespür für die dänische Seele hat er dem Land seinen ersten klassischen »Privatschnüffler« geschenkt und die amerikanische Tradition des Genres kongenial ins Dänische verpflanzt.

Dan Turèll

Mord in
San Francisco

Kriminalroman

Aus dem Dänischen von
Bernd Kretschmer

BASTEI ENTERTAINMENT

1

Sie können doch nicht erwarten, dass ich das glaube«, sagte die monotone, schleppende Stimme.

Sie sagte das nicht zum ersten Mal. Seit fast zwei Stunden schon sagte sie es mal auf die eine, mal auf die andere Art, und sie machte immer noch munter weiter.

»Und Sie können nicht erwarten, dass ich Ihnen dauernd was vorlüge, nur um Ihnen eine Freude zu machen«, antwortete ich. »Was ich weiß, habe ich Ihnen schon erzählt, und das mindestens vier Mal, und ich habe bereits eingewilligt, ein Protokoll zu unterschreiben.«

»Und Ihre Frau sagt das Gleiche wie Sie aus.«

»Eine verdächtige Ehe also. Sie meinen, wir hätten es abgesprochen. Ist Ihnen nie, auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, in den Sinn gekommen, dass es ganz einfach so sein könnte, weil es stimmt?«

»Sie sind noch nicht sehr lange verheiratet«, sagte er. Die nüchterne Feststellung kam mit einem fragenden Unterton.

Mehr als eine knappe Bestätigung gab ich nicht von mir. Das waren wir sicherlich nicht. Zwei Tage, um genau zu sein.

Und hier saß ich nun, am ersten Tag meiner Hochzeitsreise, und wurde vom Polizeichef von San Francisco stundenlang verhört.

Unter anderen Umständen hätte er direkt sympathisch wirken können, dachte ich. Er war ein großer, schlanker Mann in anscheinend guter Form, als würde er ständig Sport treiben. Er hatte harte, graue Augen und eine musikalische Stimme mit dem letzten Rest eines irischen Akzents, den er wohl nie ganz verlieren würde.

Er hieß O’Neill, und außer ihm und mir bestand die Gesellschaft aus seinem Sergeant, der auf den Namen Archer hörte, eine fleischige, Kaugummi kauende, runde Tonne von Mann, der eher zum Koch geschaffen schien als zum Bullen, ferner aus einem Stenografen, der sich nicht vorgestellt hatte, und aus einem weiteren Bullen, der im Hintergrund an einem kleinen Tisch saß und abwechselnd mit einem Revolver und einer Filterzigarette spielte.

Es war 9.00 Uhr morgens, und ich hatte nur ein paar Stunden geschlafen. Trotz des morgendlichen Lichts draußen brannten die elektrischen Birnen über dem Schreibtisch des Polizeichefs immer noch, und das gelbe Licht und die Müdigkeit bewirkten, dass meine Augen immer wieder zufielen.

Draußen erwachte San Francisco zu einem neuen Tag. Die für diese Stadt typischen Kabelbahnen – die Cable Cars – fuhren quietschend die geradezu gebirgigen Straßen rauf und runter, und ab und zu läuteten sie an einer Haltestelle nicht weit von der Polizeiwache. Der Verkehr war eine einzige chaotische, brodelnde Morgenhölle, ein Konzert heulender Hupen und quietschender Bremsen.

Draußen, in der buntesten Großstadt dieser Welt, geschah alles Mögliche. In Chinatown entlang der Grand Avenue und der Stockton Street öffneten die Chinesen ihre Buden, Geschäfte und Tempel. In Japantown war eine Vielzahl von Firmen und Fabriken damit beschäftigt, die Amerikaner in Sachen Produktionseffiziens zu übertreffen. In North Beach begannen Italiener und Bohemiens den Tag mit ihrem ersten Espresso und einem Doughnut, die zusammen mit dem San Francisco Chronicle eingenommen wurden, der auf der Seite mit den Orakeln des lokalen Kolumnisten Herb Caen aufgeschlagen war.

Im Stadtteil Haight-Ashbury schliefen die letzten alten Hippies und eine ansehnliche Zahl der jüngeren noch ihren Rausch aus, was auch immer diesen »Rausch« heutzutage verursacht haben mochte – Marihuana, Kokain, Crack oder Ice. Im Stadtbezirk Mission war es wahrscheinlich genauso still. Tagsüber ähnelt Mission einem hübschen, pittoresken Viertel, nachts aber würde man es nicht wiedererkennen – falls man zu den Glücklichen gehörte, die nach einer Nacht in Mission in der Lage wären, überhaupt etwas zu erkennen.

Da draußen lag sie also, meine Lieblingsstadt, die vielfarbigste, bunteste und zusammengewürfelteste Stadt auf der ganzen Welt. Für mich ein Traum von einer Stadt. Ein Traum, der sich nach nur einem halben Tag in einen Albtraum verwandelt hatte.

Eine Fliege summte um mein Ohr. Ich schlug nach ihr und öffnete gleichzeitig die Augen.

Polizeichef O’Neill saß da und blätterte in meinem Pass, als wäre der ein Flugplan, in dem er nach einer bestimmten Route suchte. Schließlich räusperte er sich und sagte in nahezu höflichem Konversationston:

»Sie sind viel gereist?«

»Ja. Wenn Sie etliche Seiten zurückblättern, können Sie sehen, dass ich sogar in Irland gewesen bin.«

Er lächelte einen kurzen Moment lang, es war nur ein kurzes Aufflackern, sodass ich nicht sicher war, ob er es wirklich tat.

Sergeant Archer schien all seine Kräfte auf das Kauen zu konzentrieren. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Zähnen. Er hatte noch kein einziges Wort gesprochen, seit er mich vom Hotel abgeholt hatte.

»Sie sind viel in Osteuropa gewesen.«

»Ja. Auch in Westeuropa, und in Südeuropa, und in Afrika, und zweimal vorher in den USA.«

»All diese Reisen – ist das aus beruflichen Gründen oder zum Vergnügen?«

»Manchmal das eine, manchmal das andere – und ab und zu beides zugleich.«

»Sie sind doch Journalist …«

Ich antwortete nicht. Dazu gab es keinen Grund. Nicht allein, dass es in meinem Pass stand, ich hatte ihm auch meinen Presseausweis gezeigt.

»Was ist Ihr – wie nennt man es noch – Ressort?«

»Was hat das mit dieser Sache hier zu tun?«

»Ich weiß gerne, mit wem ich spreche.«

»Okay, es ist kein Geheimnis … Ich schreibe über Kriminalfälle.«

O’Neill zog die Augenbrauen hoch.

»Aber zurzeit mache ich Urlaub.«

»Ich kenne da so ein paar Journalisten. Die sagen immer, ihnen ginge es wie den Leuten von der Polizei: Die haben nie Urlaub.«

»Da ist was dran.«

»Also verfolgen Sie mit Ihrem Besuch hier einen bestimmten Zweck.«

»Nur wenn man eine Urlaubsreise als einen Zweck bezeichnet.«

»Sie sagten selbst, dass Sie ab und zu Urlaub und Beruf kombinieren.«

»Das ist schon vorgekommen.«

»Vielleicht könnte es wieder vorkommen?«

»Es scheint, als wären Sie geradezu davon besessen.«

»Sie müssen zugeben, dass es merkwürdig aussieht. Wir haben eine Leiche – eine dänische Leiche – hier mitten im Stadtzentrum, die nur eine Hotelquittung bei sich hat. Der Mann wurde ermordet. Und Sie sind der Einzige, der ihn kennt.«

»Ich kenne ihn nicht!«

»Sie sind gestern mit demselben Flugzeug angekommen. Sie saßen im Flugzeug nebeneinander – jedenfalls einen Teil der Strecke. Sie haben im selben Hotel eingecheckt, und Sie waren gestern Abend zusammen in der Stadt. Und Sie behaupten, Sie würden ihn nicht kennen?«

»Was heißt schon kennen … Wie man einen Menschen kennt, dem man zufällig begegnet, nicht? In fast allen Flugzeugen ergibt es sich, dass man neben irgendjemandem sitzt, ist Ihnen das noch nicht aufgefallen? Und dann wechselt man oft einige Worte miteinander – und sei es nur, dass man vorbeimuss, um zur Toilette zu kommen. Der Flug von Kopenhagen nach San Francisco ist ziemlich lang, wenn man über Boston und Minneapolis fliegt.«

»Sie sprechen ausgezeichnet Englisch.«

»Danke.«

»Wie war das Englisch ihres Landsmanns?«

»Wir haben Dänisch gesprochen. Ich habe nicht gehört, dass er sehr viel anderes gesagt hat als Thank you, Please und so weiter.«

»War er vorher schon mal in San Francisco gewesen?«

»Nein, er wollte gerne ein bisschen herumgeführt werden. Aber er war schon in Los Angeles.«

»Und er sagte, er wäre Chemieingenieur?«

»Ja.«

Es klopfte so heftig an der Tür, dass es wie ein Fußtritt klang. Ein alter, weißhaariger Mann sah O’Neill entschuldigend an, bevor er ihm einen Zettel reichte.

O’Neill las ihn, winkte dem Alten zu gehen und stand auf.

»Ich bin in einer Viertelstunde zurück«, sagte er.

Archer nickte.

Da er jetzt sowieso schon dabei war, etwas anderes als die Kiefer zu bewegen, erweiterte er sein Repertoire. Er wühlte in seiner Jackentasche und holte ein neues Päckchen Kaugummi hervor, nahm drei Stücke auf einmal und bot dann mir höflich davon an.

Ich sagte artig ›Nein, danke‹ und steckte mir meine vorletzte Zigarette an.

Er sah gekränkt aus.

Auf diese Art machten wir es uns gemütlich, ganz still und in aller Ruhe, bis der Polizeichef zurückkam.

»Okay, Sie können jetzt gehen – vorläufig«, sagte er zu mir. »Aber Sie dürfen die Stadt nicht verlassen, und falls Sie das Hotel wechseln, müssen Sie mich informieren. Sehr wahrscheinlich muss ich Sie und Ihre Frau zu einem weiteren Verhör herbitten – ja, eigentlich ganz sicher.«

Ich nickte, drückte ihm die Hand, verabschiedete mich von Archer, holte tief Luft und ging hinaus in die Sonne.

Ich ging die Showstraße Geary Street hinunter.

Aber ich ging nicht allein. Da war noch ein Mann, nur zehn Meter hinter mir.

2

Ich fühlte mich sehr bedeutend. Nicht jeder kann von sich behaupten, beschattet zu werden.

Um mich selbst davon zu überzeugen, dass ich nicht paranoid geworden war, machte ich die Probe aufs Exempel, direkt aus dem Lehrbuch für Anfänger. Ich tat so, als wäre ich wahnsinnig an den Angeboten von David’s Delikatessen interessiert, worauf mein Verfolger von den Schaukästen vor dem Geary Theater ebenso fasziniert zu sein schien.

Wir rissen uns gleichzeitig los.

Dann begann ich in die entgegengesetzte Richtung zu gehen, dahin, von wo ich gekommen war, auf die Jones Street zu.

Ich erwischte eine gute Nahaufnahme von ihm, als auch ich plötzlich mein Interesse für die Kunst des Theaters entdeckte.

Er war so ungefähr in meinem Alter, um die vierzig, in grauem Mantel und mit grauem Hut, trug eine Sonnenbrille und sah ansonsten völlig anonym aus. Der Typ des unsichtbaren Mannes, den niemand irgendwo bemerken würde, es sei denn, er vollführte auf einmal etwas Aufsehenerregendes, zum Beispiel ein Striptease mitten auf der Straße.

Nachdem ich ein Dutzend Schritte gemacht hatte, folgte er mir in die entgegengesetzte Richtung, als hätte er es sich anders überlegt.

An der Ecke zur Jones Street lag ein Lokal namens High Tide. Ich ging hinein, bestellte mir ein Anchor Steam, das lokale Bier, und trank es, während die Mills Brothers aus der Musicbox tönten You Always Hurt The One You Love. Es gelang ihnen, es ziemlich wahrscheinlich klingen zu lassen. Sie überredeten mich geradezu mit samtweichen Stimmen, Gitte im Hotel Sir Francis Drake anzurufen.

Sie war da.

»Wo bist du gerade?«, fragte sie, genau mit dem kleinen verängstigten Unterton, der jeden Mann zum Schmelzen bringen würde.

»Gerade entlassen«, antwortete ich. »Aber ich werde von jemandem verfolgt.«

»Das ist sicher ein Polizist. Hier sind sie auch gewesen – noch einmal. Vor einer halben Stunde sind sie gegangen.«

»Was wollten sie?«

»Sie haben unser ganzes Gepäck durchsucht. Auch das Bettzeug und das gesamte Zimmer.«

»Haben sie was mitgenommen?«

»Meinen Fotoapparat – sonst nichts. Da war noch ein Film drin. Sie haben versprochen, mir die Kamera zurückzugeben, sobald sie den Film entwickelt hätten.«

»Wie nett von ihnen.«

»Ja. Hast du mit Vater gesprochen?«

»Deinem Vater? Nein. Warum sollte ich?«

»Ich habe ihn angerufen, und er hat versprochen, alles in seiner Macht Stehende zu tun. Er sagte, er werde sich an das Außenministerium und die Botschaft wenden. Ich habe auch deinen Chefredakteur angerufen. Er sagte, du solltest dich schnellstmöglich mit ihm in Verbindung setzen.«

»›Dänischer Journalist unter Mordverdacht in den USA‹?«

»Das glaube ich nicht. Wohl eher ›Däne in San Francisco ermordet‹.«

»Hast du schon etwas gegessen?«

»Nein.«

»Sollen wir uns dann nicht im Lefty’s treffen?«

»Lefty’s?«

»Lefty O’Doul’s – in der Geary Street. Da, wo wir gestern waren.«

»Ich komme. Pass gut auf dich auf.«

»Gleichfalls. Bis dann, Schatz.«

Ich warf fünfzig Cents auf den Tresen und trat wieder in den Sonnenschein hinaus. Mein Schatten stand auf der gegenüberliegenden Seite der Straßenecke, der äußeren Welt anscheinend entrückt und völlig vertieft in die aktuelle Ausgabe des Chronicle.

Ich konnte seine Augen in meinem Rücken spüren, als ich hinunter zum Lefty’s ging, er ging aber nicht mit.

Lefty O’Doul’s ist eine meiner Lieblingsbars in dieser Stadt, auch wenn ich eigentlich nicht recht weiß, warum. Lefty war Baseballspieler gewesen, und folglich wird seine Bar bis auf den heutigen Tag, noch Jahre nach seinem Tod, besonders von Baseballspielern heimgesucht, auch von Tippern und begeisterten Anhängern dieses Spiels, das heißt von halb San Francisco. An den Wänden hängen alte, vergilbte Fotos von Lefty. Lefty, wie er General MacArthur die Hand schüttelt, Lefty, wie er den Arm um Joe di Maggio legt, Lefty lächelnd, umringt von Stammkunden, während er von den »alten Zeiten« erzählt.

Aber es ist ruhig und friedlich dort – wenn nicht gerade Baseball im Fernsehen ist. Es gibt dort bequeme Sessel, eine Klimaanlage, wenn die Sonne Kaliforniens so richtig brennt, genießbares Essen und gutes Bier vom Fass.

Fünf Minuten später kam Gitte. Als sie eintrat, bekam ich, wie immer, Herzklopfen.

Das kann nicht wahr sein, sagte ich zu mir selbst. Das ist unmöglich. Es ist gegen alle Regeln. Wir kannten uns jetzt seit fast fünf Jahren, und mein Herz – viele haben ansonsten bezweifelt, dass mir ein solches Organ überhaupt zur Verfügung steht – klopft immer noch jedes Mal, wenn ich sie sehe. Vielleicht sollte ich zum Arzt gehen – oder zu einem Psychiater.

Sie trug ein hellrotes Kostüm. Der Kellner sah sie bewundernd an und warf mir dann einen anerkennenden Von-Mann-zu-Mann-Blick zu.

»Was zum Henker ist es diesmal, in das wir uns hineingeritten haben?«, fragte sie.

»Das kannst du wohl laut sagen … Lass uns versuchen, noch einmal alles seit gestern zu rekapitulieren.«

»Gestern war ich so müde. Der lange Flug …«

»Ich weiß, aber lass es uns trotzdem probieren. Vielleicht finden wir irgendwas heraus. Also: Wir fuhren zum Flughafen …«

Ja, wir waren zum Flughafen gefahren. Aber eigentlich hatte die Story schon einen Tag früher begonnen.

An unserem Hochzeitstag. Dem Tag, an dem wir – trotz der fünf Jahre unserer mehr oder weniger eheähnlichen Gemeinschaft – im Rathaus von Kopenhagen getraut worden waren, nur in Anwesenheit von Personen, die die Zeitungen üblicherweise als »die nächsten Angehörigen« bezeichnen: Gittes Eltern – und mein Chefredakteur, der beharrlich darauf bestanden hatte zu kommen.

Abends hatten wir dann zusammen mit ihren Eltern gegessen, und ich hatte – endlich! wie Gitte sagte – entdeckt, dass ich meinen Schwiegervater weit besser leiden konnte, als es für einen Schwiegersohn normalerweise üblich ist.

Am nächsten Vormittag fuhren wir mit ihnen zusammen zum Flughafen nach Kastrup, wo wir sie im Bereich für Inlandsflüge absetzten, damit sie nach Hause nach Århus fliegen konnten, während wir uns zum Auslandsterminal begaben.

Nach den ganzen Gepäck- und Boarding-Ritualen – samt einer Stunde Verspätung, die uns reichlich Zeit gab, die für die nächsten Monate letzten dänischen Tageszeitungen gründlich durchzublättern – saßen wir dann endlich im Flugzeug. Wir hatten zwei Raucherplätze, aber es gab drei Sitze in unserer Reihe. Gerade als wir über die nicht unerwünschte Möglichkeit sprachen, einen freien Sitz zur Verfügung zu haben, kam ein Mann und setzte sich neben mich.

Und zwar der Mann, der jetzt tot war und von dem Polizeichef O’Neill anscheinend glaubte, ich hätte ihn ermordet.

Er war etwa zehn Jahre jünger als ich, das heißt so um die dreißig, trug einen hübschen hellen Anzug, ein weißes Hemd und eine blau gepunktete Krawatte. Er war blond und hatte keinen Bart. Seine Hand umschloss mit festem Griff einen dieser metallenen Aktenkoffer, die sofort signalisieren, dass es hier um cooles Business geht. Er sah aus wie ein Mann, der es in der Welt zu etwas bringen wollte – jedenfalls in dem Segment der Welt, das ich persönlich sehr schlecht oder überhaupt nicht kenne – die Welt der Aufstrebenden. Die Welt, in der es um Verträge und Beträge und Produzenten und Kurse und Kurven geht.

Er hatte nur höflich gegrüßt und sich hingesetzt. Wir hatten zurückgegrüßt, ebenso höflich, wenn auch ohne sonderlichen Enthusiasmus. Ohnehin waren wir vom Tag zuvor immer noch leicht erschöpft, hatten eine lange Reise vor uns und waren in unsere eigenen Gedanken versunken.

Woran Gitte dachte, wusste ich nicht, aber sie hatte in ihrer Handtasche die Heiratsurkunde mitgenommen, die sie bisweilen herausnahm und wieder las, als könnte sie sich nicht daran gewöhnen, dass es sie tatsächlich gab.

Ich selbst dachte an San Francisco.

Es war meine Idee gewesen, dass unsere Hochzeitsreise dorthin gehen sollte. Einerseits, weil man immer gern seine Lieblingsorte vorzeigen möchte, aber auch, um wirklich mal wegzukommen.

Ich saß da und philosophierte – sicherlich ein Senilitätssymptom –, wie mit den Jahren die Welt kleiner wird. London, Paris, Rom, Lissabon, sie sind nicht mehr weit weg, nicht weiter als Århus. Aber die USA – allein die sechzehn Stunden Flug …

Zwei Monate lang zusammen auf Reisen – das hatte es bisher noch nie für uns gegeben. Und war nicht etwas Wahres dran, dass man sich erst dann wirklich kennt, wenn man es ausprobiert hat, gemeinsam auf Reisen zu gehen.

Es könnte immer noch Überraschungen geben. Es könnte immer noch vieles geben, was ich bisher noch nicht entdeckt hatte an diesem Geschöpf, das ich nun mit Brief und Siegel als »meine Frau« bezeichnen konnte – wie wenig sie einer solchen auch gleichen mochte.

Mein Nebenmann reichte mir eine Packung Kings, aus der eine Zigarette halb herausgezogen war. Ich nahm sie, dankte und zündete uns beiden die Zigaretten an, während Gitte mit einem Lächeln dankend ablehnte und mit einem träumerischen Blick hinaus auf die Wolken schaute, als wäre sie weit weg.

So vergingen einige Stunden, ohne dass ein Wort gesprochen wurde. Gittes Stimmung wechselte, und sie las jetzt konzentriert – mit leicht gerümpfter Nase, was sie immer tut – aber nur dann, wenn sie völlig konzentriert ist – in einer juristischen Fachzeitschrift, in der sie bestimmte Abschnitte unterstrich. Mein Nebenmann war mit etwas beschäftigt, das einem Computer-Bericht ähnelte, mit so vielen Zahlen, Symbolen und Diagrammen, dass es mir vor den Augen flimmerte, wenn ich hinschaute.

Ich selbst – als einzige nicht-nützliche Stütze der Gesellschaft – saß da und las eine Geschichte von Dashiell Hammett. Ein Krimi, der in San Francisco spielte.

3

Erst nach drei, vier Stunden, gerade als alle Passagiere fast gleichzeitig auf ihre Uhren und auf eine in Plastik gehüllte Mahlzeit blickten, die gerade serviert wurde, begann mein Nebenmann eine Konversation.

»Das ist ein langer Flug«, bemerkte er scharfsinnig.

Ich musste ihm recht geben. Im Vergleich zu einem kürzeren Flug war dies ein langer Flug, andererseits wiederum war er relativ kurz im Vergleich zu einem zehnmal so langen Flug.

Während wir ein wenig auf den Plastiktabletts mit dem Essen herumwühlten, erzählte er, er sei Chemieingenieur und müsse ›rüber‹, um an einer Reihe offenbar epochaler Forschungsversuche teilzunehmen. Zweifellos handelte es sich um ein interessantes Projekt, an dem er mitarbeiten sollte, aber wie die meisten Wissenschaftler sprach er in einem so verschnörkelten und mit Fremdwörtern überladenen Fachjargon, dass es für jemanden, der kein Chemieingenieur war, schier unmöglich war, auch nur ein einziges Wort von dem, was er sagte, zu verstehen.

Nichtsdestoweniger hörte ich interessiert zu. Es ist sehr leicht, interessiert zuzuhören. Man braucht nur ein paar einfache gymnastische Übungen auszuführen, zum Beispiel die Augen öffnen und auf den Sprechenden richten, die Augenbrauen ab und zu hochziehen und zwischendurch nicken. Ich habe diese Methode unzählige Male ausprobiert. In der Regel funktioniert sie.

Auch dieses Mal.

Nach einer halben Stunde war er alles losgeworden, was er erzählen wollte, und meinte offenbar, dass ich jetzt an der Reihe wäre, diese zwischenmenschliche und offenherzige Konversation fortzusetzen.

So unter Druck gesetzt, vertraute ich ihm an, ich sei Journalist und meine Frau – ich sagte das so zum ersten Mal, und wie erwartet, klang es völlig falsch – Rechtsanwältin. Ich fügte hinzu, dass wir »bloß« ein wenig herumreisen und Urlaub machen wollten. Persönliche Hochzeiten gehen niemand anderen etwas an.

Sofort danach ging ich zur Toilette. Die Vertraulichkeit sollte nicht zu weit gehen.

Auf dem Weg durch den Mittelgang nutzte ich wie gewöhnlich die Gelegenheit – seit langem eine schlechte, aber nicht abzuschüttelnde Angewohnheit –, meine Mitpassagiere anzugaffen.

Warum man das im Grunde tut, ist mir seit langem ein Rätsel. Es kann nicht nur journalistischer Instinkt sein, denn ich habe es schon getan, lange bevor ich in dieser Branche anfing.

Jedenfalls sind objektiv gesehen nur die wenigsten es wert, dass man sie ansieht.

Vielleicht ist es etwas, was man einfach nur tut. Wie Andy Warhol einmal gesagt hat, er kenne niemanden, der nicht gern aus dem Fenster schaut. Vielleicht ist der Mensch nur ein Gaffendes Wesen, Homo Oculis.

Die meisten sahen aus, als wären sie nette, einfache, verantwortliche, respektable Geschäftsleute, mit oder ohne Frau oder Sekretärin. Nur drei oder vier von ihnen trugen keine Krawatte, und fast alle hatten wichtige Aktenkoffer mit Zahlenschloss oder Dokumentenmappen bei sich – wie mein Sitznachbar.

Die Augen nahezu aller waren auf eine Filmleinwand gerichtet, wo gerade ein Mann mit einer Pistole einen anderen niederschießen wollte. Nur an der Musik, am Pistolentyp und an der Kleidung der Männer war erkennbar, dass es sich nicht um einen Western, sondern um einen Kriminalfilm handelte.

Der lustigste der Passagiere war ein äußerst fetter Mann, der fetteste, den ich je zuvor gesehen hatte. Irgendwie hatte man eine der Armlehnen entfernt, sodass er auf zwei Plätzen sitzen konnte. Er füllte beide gänzlich aus. Ein kahlköpfiger Fleischberg mit einer großen Zigarre, die in seinem Mund wie ein Zigarettenstummel wirkte.

Wir landeten planmäßig auf dem International Airport Boston, wo wir eine Stunde Zeit hatten, Kaffee zu trinken, uns die Beine zu vertreten, amerikanische Zeitungen zu lesen, uns in die Augen zu schauen, zu grinsen und dabei das Gefühl zu haben, dass wir unterwegs waren.

Während des Inlandsfluges nach Minneapolis schliefen wir beide ein und wachten erst auf, als eine Stewardess uns zu verstehen gab, dass wir jetzt landen würden.

Noch mal Kaffee, noch mal Wartezeit, noch mal Flughafen.

Und dann der letzte Teil der Strecke.

Aber diesmal schliefen wir nicht. Wir waren jetzt in diese Grenzzone gekommen, die man gar nicht so selten erreicht, z.B. wenn man 24 Sunden durchgearbeitet oder ein paar Abende hintereinander einen Zug durch sämtliche Bars der Stadt gemacht hat: Wir saßen da, die Augen nur halb geöffnet, und beobachteten alles, als sähen wir einen fernen Film durch einen Vorhang von Müdigkeit.

Ich sah meinen Nebenmann aus dem Flugzeug von Kopenhagen wieder, riss mich zusammen und winkte ihm höflich zu. Später ging ich sogar so weit – im Gedenken an meine verstorbene Mutter und ihre uneigennützigen Bemühungen um meine Erziehung –, zu ihm hinzugehen und zu sagen, na, jetzt sei wohl das Schlimmste überstanden, und wir wären ja bald da.

Darauf konnte er nichts erwidern, und ich bin überzeugt, dass meine Mutter von oben zu mir herunterlächelte.

Als wir endlich in San Francisco landeten, griffen wir uns wie zwei Zombies unsere Koffer, und als wir endlich hinaus an die frische Luft kamen, jedenfalls so frisch, wie man sie direkt draußen vor einem Flughafen neben einer Autobahn antrifft, wurden wir beim Atemholen geradezu erschlagen.

Auf jeden Fall wachte ich auf, und wenn ich sage aufwachen, meine ich einiges mehr, als man üblicherweise unter diesem Wort versteht. Ich war ultra-maxi-mega-hyper wach.

Auf dem Weg in die City zeigte und erklärte ich Gitte alles, als hätte ich San Francisco persönlich entworfen oder gebaut, und zwischendurch fragte ich den Fahrer nach alten und neuen Örtlichkeiten aus. Damit hörte ich allerdings auf, als sich herausstellte, dass er selbst erst vor vierzehn Tagen aus Chicago hierher in diese Stadt gekommen war.

Wir kamen zum Union Square, die Powell Street entlang, wo wir gerade noch schnell einem Cable Car ausweichen konnten, und hielten vor dem Hotel Sir Francis Drake, wo sich die Hotelpagen schnell unsere Koffer griffen und sie hineinschleppten, während ich in meinen Taschen nach losen Dollarscheinen suchte.

Das Sir Francis Drake ist ein hübsches Hotel, leicht gehobene Mittelklasse, aseptisch, anonym. Ich hatte mit Absicht von zu Hause aus gebucht, mit einem Argument, das ich in einem seltenen Anfall von Vernunft Gitte geliefert hatte: dass wir den Ort, wo wir am liebsten wohnen würden, erst fänden, wenn wir in der Stadt seien und herumgehen und uns umsehen könnten. Was wir zwischenzeitlich bräuchten, sei ein sauberes Bett ohne Kakerlaken und einen Schrank, um die Koffer hineinzustellen.

Und, natürlich, ein Bad.

Gitte ging zuerst unter die Dusche, während ich – wie ein zweiter Andy Warhol – einfach aus dem Fenster starrte.

Wir hatten Zimmer 428, aber es hätte auch keinen Unterschied gemacht, hätten wir ein anderes gehabt. Abgesehen von der Fürstensuite waren sie bestimmt alle in etwa gleich.

Es war spätabends, aber mehr auch nicht. Ich versuchte, den Zeitunterschied zu berechnen. Wir hatten – acht Stunden gewonnen? Oder waren es mehr?

Ich gab auf. Wir waren irgendwo, wo es – wie überall – ganz einfach so spät war, wie es eben war.

Draußen auf der Powell Street saß ein Mann auf dem Bürgersteig und spielte Gitarre. Es dauerte ein paar Minuten, bis ich bemerkte, dass er keine Beine hatte, sondern auf einer Art Rollstuhl saß, der einem dreirädrigen Botenfahrrad ähnelte, mit einer über die Ladefläche gelegten Holzplatte. Er spielte jämmerlich, aber er hatte keine Beine, und so prasselten die Münzen um ihn herum auf den Boden.

Weiter die Straße entlang, auf der gegenüberliegenden Seite, stand ein schwitzender Farbiger mit nacktem Oberkörper und spielte Steel Drums. Er spielte verdammt gut – unglaublich, wie viele Rhythmen er mit zwei Händen, zwei Schlagzeugstöcken und zwei Stahltrommeln gleichzeitig beherrschte. Aber im Gegensatz zu dem im Rollstuhl hatte er Arme und Beine, sodass es für ihn wohl keine Zukunftsaussichten gab.

Es war immer noch warm. Die abendliche Kühle Kaliforniens betrat allmählich die Bühne, um sich auf die kommende Vorstellung vorzubereiten, noch aber hingen die Reste eines heißen, sonnigen Tages in der Atmosphäre, wie eine Zigarette, die im Aschenbecher des Universums weiter vor sich hin qualmt.

Gitte kam aus dem Badezimmer, nackt und nass. Ich küsste sie und absolvierte dann mein Reinigungsritual, rasieren inklusive.

Als ich wieder ins Zimmer kam, hatte sie sich umgezogen. Auch ich fand ein sauberes Hemd, und dann saßen wir da und sahen uns an, in dem Hotelzimmer mit den Koffern und den Betten, die so perfekt und akkurat gemacht waren, wie dies nur bei Hotelbetten zu beobachten ist.

»Nun«, sagte ich. »Da wären wir also. Sollen wir einen Abendspaziergang machen?«

»Nicht zu weit«, antwortete Gitte.

»Okay.«

Als wir den Schlüssel von Zimmer 428 an der Rezeption abgaben, begegneten wir erneut dem Chemieingenieur aus dem Flugzeug. Auch er lieferte seinen Schlüssel ab.

»Nein, so was …«, sagte er. »Wohnen Sie auch hier?«

»Bis auf Weiteres«, antwortete ich. »Irgendwo muss man ja ausschlafen.«

»Aber da ist nicht viel mit Schlafen, wenn man gerade angekommen ist, nicht wahr?«, fragte er. »Man kann einfach nicht.«

Plötzlich, einen Moment lang, sah er jünger aus, als er war. Er glich fast einem Kind, einem Kind, das in der großen, garstigen Welt mutterseelenallein dastand – und das zudem nicht mal einschlafen konnte.

Dieser Eindruck verstärkte sich, als er sagte: »Wollen Sie nicht mit auf einen Drink?«

Es klang nahezu flehend.

Als könnte er es nicht ertragen, allein zu sein. Als würden wir ihm einen Gefallen tun.

Ich sah Gitte fragend an.

Wir beide kennen die Gesten des anderen genau, wie dies so ist, wenn man sich gut kennt. Sie machte mit einer Hand eine für alle anderen unsichtbare Bewegung, die – für mich als Einzigen – bedeutete: Egal, lass uns nur – wir haben Zeit genug.

Neben allem anderen, was sie sonst verkörpert, ist Gitte auch ein ungewöhnlich freundlicher Mensch – auch wenn man das von einer Anwältin vielleicht schwerlich glauben kann.

»Ja doch, wir hatten den gleichen Gedanken«, antwortete ich. »Wollen wir ein wenig herumschlendern und irgendwo einkehren?«

Er nickte. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen war es genau das, was wir tun sollten.

4

Während Gitte und ich im Lefty’s saßen und noch einmal über den gestrigen Tag sprachen, gingen mir immer wieder kleine, bruchstückhafte Details des Verhörs durch Polizeichef O’Neill durch den Kopf. Vielleicht war es gar nicht so schwer, ihn zu verstehen.

»Der Mann an der Rezeption hat gesagt, dass es aussah, als würden Sie sich gut kennen«, hatte O’Neill gesagt. »Wer an der Rezeption arbeitet, sieht so etwas. Der Rezeptionist im Sir Francis macht diesen Job schon seit vielen Jahren.«

»Wir kannten uns nicht, abgesehen vom Flug. Wir waren ganz einfach drei Dänen. Dänen in den USA.«

»Dänemark ist ein sehr kleines Land, nicht?«

»Nicht so klein, dass jeder jeden kennt, falls Sie das meinen.«

»Sie haben den Mann noch nie in Dänemark gesehen?«

»Nicht, dass ich wüsste.«

»Warum sagen sie nicht einfach nur Nein?«

»Weil es ja sein könnte, dass er einmal im selben Zugabteil wie ich gesessen hat – oder vor mir in einer Schlange stand oder mich auf der Straße nach Feuer gefragt hat, ohne dass ich mich daran erinnern kann.«

»Hmm …«

Gitte unterbrach meine Gedanken.

»Er wirkte ziemlich nervös«, sagte sie. »In dem Moment, als wir gegangen sind. Glaubst du, er hat damit gerechnet, dass irgendetwas passieren würde?«

»Vielleicht«, antwortete ich und gab dem Kellner ein Zeichen. »Oder er fühlte sich nur wie der letzte Mensch auf Erden. Auf mich machte er den Eindruck, als wäre er einsam.«

»Er sagte doch selbst, er sei schon mal in Los Angeles gewesen. Also kann doch nicht alles ganz neu für ihn gewesen sein.«

»Vielleicht war er damals nicht allein unterwegs. Er könnte zum Beispiel auf einer Gruppenreise der Ingenieurschule gewesen sein – oder wie zum Teufel die heißt.«

Das könnte er. Ohne Weiteres.

»Wir wissen nichts«, sagte ich, »und wenn wir überhaupt etwas über ihn erfahren wollen, müssen wir in Dänemark anrufen.«

»Es geht uns nichts an, oder?«, sagte Gitte.

»Es sieht so aus, als ginge es mich ziemlich viel an«, antwortete ich. »Das geht so weit, dass wir der Polizei mitteilen müssen, wenn wir das Hotel wechseln. Und wir dürfen die Stadt nicht verlassen.«

»Ich bin mir sicher, mein Vater kann das regeln.«

»Er soll überhaupt nichts ›regeln‹. Ich bin ein erwachsener Mann.«

»Nicht, wenn du so sprichst. Dann bist du kindisch.«

»Wer war denn zum Verhör bei der Polizei?«

»Ich dachte, du bist an so etwas gewöhnt – bei deinem Beruf.«

»Ja … aber nicht hier.«

»Nein, selbstverständlich, Schatz. Und du bist müde. Wollen wir nicht einen Happen zu Mittag essen?«

Sie hatte natürlich recht. Wäre ich allein gewesen, hätte ich nur herumgesessen, getrunken und gegrübelt, und wäre dann eingeschlafen. Stattdessen wurde ich jetzt ein bisschen wacher.

Während wir aßen, sprachen wir weiter über den letzten Abend und die Nacht.

Wir hatten dann die Schlüssel deponiert, und als wir das Sir Francis Drake verließen, empfing uns eine wohltuend kühle, leicht kokette Luft mit einer Tendenz zum Nebel – eine lässig elegante Mischung zu der sich Wärme und Kälte vereinigt hatten. Ich schlug vor, eine Runde um die Market Street zu drehen, die inoffizielle Trennlinie zwischen der City, der wirklichen City, und den angrenzenden Randbezirken und Ausfallstraßen.

Selbst zu dieser Uhrzeit machte die Market Street ihrem Namen alle Ehre. Sie brodelte nur so vor Aktivität. Von allen Seiten drängten Menschen zu den Bussen, den Cable Cars und der U-Bahn, der BART; Cafeterias, Coffeeshops und Sandwichbuden bedienten herbeiströmende Kunden; Musiker spielten – wie draußen vor dem Hotelfenster an der Powell Street. Eine Bluessängerin, zusammen mit einem leidenschaftlich schmetternden Mundharmonikaspieler, ein Jongleur, der sechs Kegel gleichzeitig durch die Luft schwirren ließ, und ein Zeichner, der eine Karikatur in nur drei Minuten versprach, lieferten sich einen ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Mord in San Francisco" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen