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Mord im Showbiz

Robert B. Parker wurde 1932 geboren. Nach seinem M.A. in amerikanischer Literatur promovierte er 1971 über die »Schwarze Serie« in der amerikanischen Kriminalliteratur.

Seit seinem Debüt »Spenser und das gestohlene Manuskript« im Jahr 1973 hat er über 50 Bücher veröffentlicht. 1976 erhielt er für den Titel »Auf eigene Rechnung« den Edgar-Allan-Poe-Award für den besten Kriminalroman des Jahres.

Am 18. Januar 2010 verstarb Robert B. Parker in Massachusetts. www.robertbparker.de

Im Pendragon Verlag erscheinen von Robert B. Parker die beiden überaus erfolgreichen Reihen »Spenser« und »Jesse Stone«.

In der Jesse-Stone-Reihe sind bereits erschienen:

»Das dunkle Paradies« (2013)

»Terror auf Stiles Island« (2013)

»Die Tote in Paradise« (2014)

»Eiskalt« (2014)

»Tod im Hafen« (2014)

»Mord im Showbiz« (2015)

»Der Killer kehrt zurück« (2015

Robert B. Parker

Mord im Showbiz

Ein Fall für Jesse Stone

Übersetzt von Bernd Gockel

PENDRAGON

1

Der Frühling überraschte ihn immer wieder. In all den Jahren, die Jesse schon in Paradise lebte, war er jedes Mal beeindruckt von der Intensität, mit der sich die Natur hier im Nordosten zurückmeldete. Da stand er nun inmitten knospender Blüten und sprießender Blätter und studierte eine Leiche, die an einem Strick vom Ast eines Baumes hing.

Der Tatort befand sich im Park von Indian Hill – einem Hügel, der einen malerischen Blick auf den gesamten Hafen bot. Peter Perkins hatte bereits seine Kamera gezückt und mit der Spurensicherung begonnen, während Suitcase Simpson das Gelände absperrte und die Schaulustigen auf Distanz hielt. Molly Crane saß in einem Streifenwagen, sprach mit einer Joggerin und machte sich Notizen.

»Sieht nicht so aus, als sei das Genick gebrochen«, sagte Jesse.

Perkins nickte.

»Und die Hände sind auch nicht gefesselt«, sagte Jesse.

Perkins nickte.

»Und keine Erhebung, von der er runterspringen konnte«, sagte Jesse. »Es sei denn, er ist auf den Baum geklettert und von einem Ast gesprungen.«

Perkins nickte.

»Knüpfe doch mal seinen Mantel auf«, sagte er.

Jesse öffnete den Regenmantel. Auf dem karierten Pullover darunter sah man große Flecken von dunklem, getrocknetem Blut.

»Womit wir Selbstmord wohl ausschließen können«, sagte Jesse.

»Warten wir den Laborbericht ab«, sagte Perkins, »aber ich gehe auch davon aus, dass er bereits tot war, als er gehängt wurde.«

Jesse schritt langsam die nähere Umgebung ab und fixierte dabei den Boden. An einer Stelle ging er in die Hocke und betrachtete das Gras.

»Sie hatten ihn schon vorher erschossen«, sagte er. »Und zogen ihn dann zum …«

»Ich vergesse immer wieder, dass du dein Handwerk im Wilden Westen gelernt hast«, sagte Perkins.

Jesse grinste und ging zum Baum zurück, noch immer die Augen auf den Boden gerichtet.

»Sie legten ihm die Schlinge um den Hals …«

Jesse schaute zur Leiche hoch.

»… warfen den Strick über den Ast, zogen den Kerl hoch und befestigten den Strick am Baumstamm.«

»Ein stattlicher Kerl«, sagte Perkins.

»Um die 90 Kilo?«, sagte Jesse.

Perkins warf einen prüfenden Blick auf den Toten und nickte.

»Schwer wie ein Sandsack«, sagte er. »Nicht auszuschließen, dass mehr als eine Person dazu notwendig war.«

Jesse nickte.

»Ausweis?«, fragte er.

»Nein«, sagte Perkins. »Kein Portemonnaie, gar nichts.«

Ein weiterer Streifenwagen fuhr mit Blaulicht vor. Arthur Angstrom stieg aus.

»Wer hält die Stellung in der Zentrale?«, fragte Jesse.

Angstrom starrte die Leiche an.

»Maguire«, sagte er geistesabwesend. »Selbstmord?«

»Schön wär’s«, sagte Jesse.

Das Blaulicht auf Angstroms Wagen drehte sich immer noch.

»Peter Perkins kann dich auf den Stand der Dinge bringen«, sagte Jesse. »Aber erst, wenn du das Blaulicht abgestellt hast.«

Angstrom schaute zum Streifenwagen, dann wieder zu Jesse. Für einen Moment machte er den Eindruck, als wolle er protestieren, ging aber doch achselzuckend zum Wagen und schaltete das Blaulicht ab.

»Autoschlüssel?«, fragte Jesse.

»Auch nicht.«

»Wie kam er dann hierher?«, fragte Jesse.

»Zu Fuß?«, sagte Perkins.

Angstrom trat auf sie zu.

»Oder er kam im Auto der Mörder«, sagte Jesse.

»Oder traf sie hier«, sagte Perkins. »Nach dem Mord fuhr dann einer der Mörder seinen Wagen weg.«

»Oder er kam mit dem Taxi«, sagte Jesse.

»Kann ich überprüfen«, sagte Angstrom.

Jesse schaute auf seine Uhr.

»8 Uhr 30«, sagte er. »Der örtliche Taxidienst sollte bereits geöffnet sein.«

»Ich ruf sie an«, sagte Angstrom. »Ich kenn den Mann in der Zentrale.«

»Arthur, du bist ein Cop«, sagte Jesse. »Du kannst ermitteln, auch wenn du den Mann in der Taxizentrale nicht persönlich kennst.«

»Klar«, sagte Angstrom. »Versteht sich von selbst.«

Er ging zu seinem Wagen. Jesse beobachtete ihn.

»Arthur hat sich noch immer nicht daran gewöhnt, ein Cop zu sein«, sagte Perkins.

»Arthur hat sich noch immer nicht daran gewöhnt, Arthur zu sein«, sagte Jesse.

2

Jesse rutschte auf die hintere Sitzbank des Streifenwagens, in dem Molly gerade die junge Frau befragte.

»Das ist Kate Mahoney«, sagte Molly. »Sie fand den Toten.«

»Jesse Stone«, sagte er.

»Der Polizeichef der Stadt«, sagte die Frau.

»Genau«, sagte Jesse. »Wie fühlen Sie sich?«

Die Frau nickte. Auf ihrem Schoß hielt sie einen schon etwas betagteren Beagle.

»Ich bin okay«, sagte sie.

Jesse schaute zu Molly. Molly nickte: Ja, sie war okay. Jesse kraulte den Beagle am Ohr.

»Erzählen Sie mir, was Sie gesehen haben«, sagte Jesse.

»Ich hab ihr doch schon alles gesagt«, sagte die Frau.

Sie war um die 30 Jahre alt und hatte ihre braunen Haare unter eine Baseballkappe geschoben. Blaue Jogginghose, weißes T-Shirt und teure Laufschuhe. Jesse nickte.

»Ich weiß«, sagte er, »aber die Polizei ist nun mal ein bürokratischer Laden. Sie waren also gerade am Joggen?«

»Ja, ich laufe jeden Morgen vor dem Frühstück.«

»Gut für Sie«, sagte Jesse. »Und Sie kommen gewöhnlich an diese Stelle?«

»Ja, ich mag den Hügel.«

»Sie kamen also wie jeden Morgen hier hoch …«

»Und sah ihn …« Sie schloss für einen Moment ihre Augen. »Wie er da hing.«

Jesse sagte nichts. Sie schüttelte kurz ihren Kopf und öffnete wieder die Augen.

»Haben Sie sonst noch jemanden gesehen?«

»Nein, nur …«

Sie machte mit ihrer rechten Hand eine rollende Bewegung, als wolle sie signalisieren, dass sie ihre Aussage nicht noch einmal wiederholen wolle. Der Beagle spitzte die Ohren und verfolgte ihre Hand.

»Nur den Mann am Baum?«, sagte Jesse.

»Ja.«

»Wissen Sie, wer er ist?«, fragte Jesse.

»Nein, ich hab auch gar nicht richtig hingeschaut. Als ich ihn sah, rannte ich gleich los und rief auf dem Handy die Polizei an.«

»Und schon sind wir da«, sagte Jesse.

»Ich möchte ihn auch nicht anschauen«, sagte die Frau.

»Müssen Sie auch nicht«, sagte Jesse. »Können Sie uns sonst noch irgendwas sagen, das uns auf die Spur der Täter bringen könnte?«

»Täter? Ist es etwa kein Selbstmord?«

»Nein«, sagte Jesse.

»Das heißt, dass jemand ihn ermordet hat?«

»Ja«, sagte Jesse.

»Oh mein Gott«, sagte sie. »Ich will aber auf keinen Fall in solche Geschichten mit reingezogen werden.«

»Sie haben nur die Leiche entdeckt. Es gibt keinen Grund, dass Sie Ärger bekommen sollten.«

»Werde ich vor Gericht aussagen müssen?«

»Die Entscheidung treffe nicht ich«, sagte Jesse. »Aber Sie können offensichtlich keine Aussage machen, die Molly oder ich nicht auch machen könnten.«

»Ich will auf keinen Fall Ärger.«

»Machen Sie sich keine Sorgen«, sagte Jesse. »Sie bekommen keinen Ärger.«

Die Frau drückte ihren Hund an sich und beugte sich mit ihrem Gesicht über seinen Kopf.

»Sie beide müssen sich keine Sorgen machen«, sagte Jesse. »Inspektor Crane wird Sie nach Hause fahren.«

Die Frau nickte, den Kopf noch immer über ihren Beagle gebeugt. Der Hund schaute beunruhigt. Jesse gab ihr seine Visitenkarte.

»Falls Ihnen noch irgendwas einfällt, falls Ihnen irgendwo der Schuh drückt – rufen Sie mich an. Oder Inspektor Crane.«

Die Frau nickte. Jesse kraulte den Beagle unterm Kinn und stieg aus dem Wagen.

3

Jesse saß mit Molly Crane, Suitcase Simpson und Peter Perkins im Mannschaftsraum und trank Kaffee. »Die Leiche ist im Labor der Bundespolizei eingetroffen«, sagte Peter Perkins. »Sie jagen die Fingerabdrücke gerade durch den Computer. Die Autopsie steht noch aus, aber ich möchte wetten, dass der Tod durch die Schusswunden eintrat. Und da keine Austrittslöcher zu sehen waren, werden sie die Kugeln auch noch im Körper finden.«

»Muss letzte Nacht passiert sein«, sagte Suitcase. »Es halten sich ständig Leute im Park auf. Er konnte da nicht lange hängen, ohne entdeckt zu werden.«

Jesse nickte und schaute zu Peter Perkins hinüber.

»Ich hab ja noch nicht allzu viele Leichen gesehen«, sagte Perkins, »und noch weniger Tote, die an Bäumen baumeln. Aber dieser Typ sah mir so aus, als sei er schon länger tot.«

Jesse nickte.

»Und …«, Perkins schaute zu Molly.

»Und er roch bereits«, sagte Molly. »Das fiel mir auch auf.«

Jesse nickte.

»Und die einzigen Blutspuren befanden sich auf der Leiche«, sagte Suitcase. »Wenn er gleich nach dem Erschießen erhängt worden wäre, hätten wir auch auf dem Boden Blut sehen müssen.«

»Also«, sagte Jesse. »Der Mann wurde an einem anderen Ort erschossen, für eine Weile zwischengelagert und dann zum Park gebracht und aufgeknüpft.«

»Glaubst du, dass es mehr als einen Täter gibt?«, fragte Molly.

»Eine einzelne Person dürfte ihre liebe Mühe haben, eine 90 Kilo schwere Leiche mit sich rumzuschleppen und an einem Ast hochzuziehen.«

»Völlig unmöglich ist es aber auch nicht«, sagte Molly.

»Nein«, sagte Jesse.

Sie saßen schweigend am Tisch.

»Gibt es irgendeine Vermisstenanzeige?«, fragte Jesse.

»Nein«, sagte Molly.

»Hat jemand sonst irgendwas aufgeschnappt?«

»Zumindest niemand von den Leuten, mit denen ich gesprochen habe«, sagte Suitcase.

Molly Crane und Peter Perkins schüttelten den Kopf.

»Und selbst wenn jemand den Mann gekannt hätte«, sagte Suitcase. »In diesem Zustand hätte ihn wohl niemand mehr erkannt.«

»Möchte sich jemand an einer Theorie versuchen, warum man einen Mann erschießt, seinen Körper versteckt hält bis er zu verwesen anfängt, um ihn dann an einen Baum zu hängen?«

Jesse schaute in die Runde.

»Muss was Symbolisches sein«, sagte Molly. »Irgendwie muss das Hängen für die Täter eine symbolische Bedeutung gehabt haben.«

Jesse wartete.

»Offensichtlich wollten sie, dass er gefunden wurde«, sagte Suitcase.

»Aber warum gerade hängend?«, fragte Perkins.

Suitcase schüttelte den Kopf. Jesse schaute zu Molly, die aber ebenfalls den Kopf schüttelte.

»Hast du ’ne schlaue Idee, Peter?«, sagte Jesse.

Perkins schüttelte den Kopf.

»Okay«, sagte Jesse. »Sieht so aus, als sollten wir zunächst einmal den Obduktionsbericht abwarten.«

»Es sei denn, in der Zwischenzeit passiert noch was«, sagte Suitcase.

»Damit muss man immer rechnen«, sagte Jesse.

4

Dix war wie aus dem Ei gepellt – wie immer, wenn Jesse zu ihm in seine Sprechstunde kam. Das weiße Hemd war frisch gestärkt, die Hose gebügelt, die Schuhe poliert. Seine fleischigen Hände waren sauber und penibel manikürt, sein glänzender Schädel glatt rasiert. Bis auf zwei gerahmte Urkunden – seinem ärztlichen Zeugnis und der Zulassung als Psychiater – waren die weißen Wände nackt und leer. Jesse hatte vor seinem Schreibtisch Platz genommen. Dix drehte sich auf seinem Bürostuhl, faltete die Hände vor seinem Bauch und schaute Jesse bewegungslos an.

»Ich mache Fortschritte in punkto Alkohol«, sagte Jesse.

Dix wartete.

»Dass ich ’ne Weile auf dem Trockenen war, scheint mir geholfen zu haben. Ich hab mich jedenfalls so weit im Griff, dass ich inzwischen wieder kontrolliert trinken kann.«

»Und die Kontrolle ist narrensicher?«

Jesse dachte einen Moment nach.

»Nein«, sagte er, »noch nicht.«

»Aber zumindest in bestimmten Situationen«, sagte Dix.

»Ja.«

Dix schwieg.

»Solange ich’s kontrollieren kann, ist das Leben mit Alkohol eindeutig lebenswerter«, sagte Jesse. »Ein paar Drinks vorm Abendessen, dann ein Glas Wein – alles in Maßen halt.«

»Und ohne Alkohol?«, fragte Dix.

»Durchlebt man Tage, an denen man sich auf nichts freuen kann«, sagte Jesse.

»Man kann sein Verhalten eben durchaus modifizieren«, sagte Dix.

»Nun ja«, sagte Jesse, »ein beinharter Alkoholiker wird das kaum unterschreiben wollen.«

»Mag sein«, sagte Dix, »aber es ist auch meine ganz persönliche Erfahrung.«

»Dann mache ich mir also nichts vor?«

»Das kann ich noch nicht abschließend beurteilen«, sagte Dix. »Aber es sieht tatsächlich so aus, als würden Sie sich in dieser Hinsicht nicht täuschen.«

»Ein Schritt nach dem anderen«, sagte Jesse.

Dix lächelte.

»Dann kommen wir damit zu meinem anderen Problem«, sagte Jesse.

Dix wartete.

»Ich hab eine Frau kennengelernt.«

Dix schwieg noch immer.

»So was wie die Frau meines Lebens«, sagte Jesse.

Dix nickte unmerklich.

»Sie sieht gut aus, ist klug und sexuell aktiv. Sogar auf beruflicher Ebene passt alles zusammen: Sie war früher mal ein Cop und arbeitet heute als Privatdetektivin.«

Dix nickte. Jesse hatte fast den Eindruck, als sei es ein zustimmendes Nicken gewesen.

»Sie ist hart im Nehmen, kann mit Waffen umgehen und hat vor nichts Angst. Und eine Malerin ist sie obendrein – Öl- und Wasserfarben wohlgemerkt, kein Hausanstrich.«

»Gibt’s einen Mann in ihrem Leben?«, fragte Dix.

»Sie ist geschieden, genau wie ich, scheint aber von ihrem Ex nicht so recht loszukommen.«

»Puh«, sagte Dix.

Jesse grinste ihn an.

»Genau wie ich«, sagte er.

Dix schwieg. Durch das einzige Fenster in dem kleinen Büro sah Jesse auf einen knospenden Baum und den blauen Himmel. Es sah aus wie ein illusionistisches Gemälde, wirkte gleichzeitig aber auch wie ein surreales Idyll. Die Realität bekam immer eine unwirkliche Note, wenn Jesse sich in diesem Raum aufhielt.

»Was natürlich mein Problem ist.«

»Sie kann also von ihrem geschiedenen Mann nicht loskommen«, sagte Dix.

»So wie ich nicht von Jenn loskomme«, sagte Jesse.

»Weil?«

»Nun«, sagte Jesse, »dafür gibt’s zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder ich liebe sie noch – oder aber ich bin krank im Kopf.«

Dix lächelte wieder, äußerte sich aber nicht.

»Oder beides«, sagte Jesse.

»Die beiden schließen sich auch nicht gegenseitig aus«, sagte Dix.

»Aber ich hab das Gefühl, Sunny auch zu lieben. So heißt sie – Sunny Randall.«

»Man kann für mehrere Personen gleichzeitig Gefühle entwickeln«, sagte Dix.

»Und wie löst man dieses emotionale Dilemma?«

»Indem man darüber mit seinem Psychiater spricht«, sagte Dix. »Wenn sich das Dilemma nicht von alleine auflöst.«

»Nun, irgendeine Lösung muss her«, sagte Jesse. »Ich kann nicht mit beiden Frauen gleichzeitig leben.«

»Vielleicht gibt’s ja noch andere Alternativen«, sagte Dix.

»Und die wären?«

»Die Antwort auf diese Frage müssten wir wohl gemeinsam erarbeiten«, sagte Dix. »Ist Jenn zurzeit noch mit einem anderen Mann zusammen?«

»Jenn ist eigentlich zu jedem erdenklichen Zeitpunkt mit einem Anderen zusammen.«

»Streben Sie eine monogame Beziehung zu Sunny an?«

»Darüber haben wir noch nicht gesprochen.«

»Ist sie denn momentan noch mit einem anderen Mann zusammen?«, fragte Dix.

»Nicht dass ich wüsste.«

Dix schwieg. Jesse schwieg ebenfalls. Der surreal wirkende Baum vorm Fenster bewegte sich leicht im Wind.

»Wollen Sie etwa so etwas wie Logik in unser Gespräch einführen?«, sagte Jesse.

»Gott bewahre«, sagte Dix. »Das können Sie von einem lizenzierten Psychiater doch nun wirklich nicht erwarten.«

5

Jesse machte gerade frischen Kaffee, als Molly in sein Büro kam. Sie hatte einen gelben Aktenordner in der Hand.

»Der Laborbericht von der Gerichtsmedizin ist eingetroffen«, sagte sie. »Ich hab die Unterlagen schon mal vorsortiert und einen Ordner angelegt.«

»Könntest du dir nicht vorstellen, dein Leben mit mir zu teilen?«, sagte Jesse.

»Vielleicht«, sagte Molly. »Ich sprech mal mit meinem Mann drüber.«

Sie legte den Ordner auf den Schreibtisch. Jesse goss Wasser in die Kaffeemaschine und drückte auf den Knopf.

»Irgendwelche Überraschungen?«, fragte er.

»Eine kleine«, sagte Molly. »Sie haben die Identität des Toten.«

Jesse setzte sich an seinen Schreibtisch.

»Jemand, den wir kennen?«, fragte er.

Molly lächelte.

»Walton Weeks«, sagte sie.

»Der Talkshow-Typ?«

»Hm.«

»Herr im Himmel«, sagte Jesse.

»Weißt du, wie man M-E-D-I-E-N-R-U-M-M-E-L buchstabiert?«

Jesse nickte.

»Walton Weeks«, seufzte er nur.

Molly nickte.

»Nun, wenn’s einen treffen musste, dann gerne ihn«, sagte sie.

»Ich hab mir seine Talkshows nie angeschaut«, sagte Jesse.

»Ich schon«, sagte Molly, »aber es gab nie ein Thema, bei dem ich seiner Meinung gewesen wäre.«

»Was ihn ja nicht in Frage stellen muss«, sagte Jesse.

Molly lächelte.

»Stimmt«, sagte sie. »Wenn ich recht drüber nachdenke, bin ich auch mit meiner besseren Hälfte selten einer Meinung.«

»Nun, wir werden die Medien aber nicht auch noch mit unserem privaten Mist füttern wollen.«

Molly räusperte sich.

»Allzeit bereit und stets im Dienst des Gemeinwesens«, sagte sie mit bebender Stimme.

»Besser kann man uns nicht beschreiben«, sagte Jesse.

Er griff zum Ordner und schaute auf das Deckblatt. WALTON WEEKS hatte Molly darauf geschrieben. Jesse stöhnte.

»Der Rummel wird noch schlimmer sein als damals bei den Serienmorden«, sagte Molly.

»Der Medienrummel? Keine Frage. Der Mann ist bekannt wie ein bunter Hund. Überall in den USA.«

»Ich frage mich, was er in dieser Gegend verloren hatte«, sagte Molly.

»Molly, wie soll ich das wissen? Ich weiß erst seit einer Minute, um wen es sich handelt.«

»Die Frage ist auch rein rhetorisch«, sagte Molly.

»Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt«, sagte Jesse.

Er öffnete den Ordner und fing mit dem Lesen an. Molly schaute ihm für ein paar Sekunden zu, ging dann aber zur Kaffeemaschine, holte zwei Becher heraus und füllte sie. Sie stellte einen auf Jesses Schreibtisch und nahm den anderen mit nach vorne zu ihrem Platz an der Telefonzentrale.

Selbst eine Orgie würde tödlich langweilig klingen, wenn sie vom einem Gerichtsmediziner beschrieben würde, dachte Jesse.

Weiß, männlich, 1,77 Meter groß, 91 Kilo schwer. Geschätztes Alter: um die 50. Das Opfer war übergewichtig und körperlich nicht trainiert. Keine Anzeichen eines Kampfes. Die Schürfwunden auf dem Körper entstanden vermutlich erst nach seinem Tode.

Wahrscheinlich als sie ihn zum Baum schleiften und hochhievten.

Todesursache: drei Kugeln, .32er Kaliber. Jede Kugel für sich wäre tödlich gewesen. Das Opfer war vollständig ausgeblutet. Der Mann war vermutlich bereits seit zwei Tagen tot, als er an den Baum gehängt wurde.

Gut getippt, Perkins.

Die Untersuchung der Fingerabdrucke ergab, dass es sich bei dem Toten um Walton Wilson Weeks handelte, Alter: 51 Jahre. Jesse fragte sich, ob sie wirklich sein Alter richtig geschätzt hatten, bevor sie auf seine Identität stießen. Es gab Hinweise, dass sich das Opfer einer Fettabsaugung im Bereich des Bauchs und Gesäßes unterzogen hatte.

Eitelkeit, Walton, nichts als Eitelkeit.

Das Telefon klingelte – Healy war in der Leitung.

»Walton Weeks«, sagte er nur.

»Sie sind verdammt schnell«, sagte Jesse, »ich lese selber gerade erst den Obduktionsbefund.«

»Ich bin nun mal der Chef der Mordkommission in Massachusetts«, sagte Healy.

»Klar«, sagte Jesse, »Sie haben Ihre Augen überall.«

»Walton fucking Weeks.«

»Sein Mittelname ist Wilson«, sagte Jesse.

»Walton fucking Wilson fucking Weeks?«

»Genau.«

»Und er baumelt an einem Baum in Paradise/Massachusetts?«

»Man nennt so was wohl einen Promi«, sagte Jesse.

»Er hat eine Talkshow, die in ganz Amerika ausgestrahlt wird«, sagte Healy. »Und eine landesweite Radioshow. Und eine Kolumne, die von Zeitungen im ganzen Land abgedruckt wird.«

»Ist er womöglich so wichtig wie ein Captain der bundesstaatlichen Polizei?«, sagte Jesse.

»Nein, so wichtig auch wieder nicht – aber fast. Ich kann Ihnen versprechen, dass Sie von den Medien überrollt werden.«

»Warten wir’s ab«, sagte Jesse.

»Weeks hat sich immer für unseren hiesigen Gouverneur stark gemacht«, sagte Healy.

»Ist das der, der unbedingt Präsident werden will?«

»Genau der.«

»Dann wird er im Rahmen der Ermittlungen wohl viel Wirbel machen«, sagte Jesse.

»Und er wird mir auf die Finger schauen«, sagte Healy. »Und Ihnen auch.«

»Wird eine große Hilfe sein.«

»Und ich werde mein Bestes tun, um Ihnen den Rücken frei zu halten«, sagte Healy. »Ich helfe Ihnen, so weit ich’s kann.«

»Vielleicht sollten Sie ihm einfach erklären, dass Sie der Chef der Bundespolizei sind.«

»Ich weiß nicht, ob das sinnvoll ist«, sagte Healy. »Womöglich wird er vor lauter Ehrfurcht noch ohnmächtig.«

»Ja«, sagte Jesse, »mir wird auch schon leicht schwindelig.«

»Das geht allen so«, sagte Healy.

»Haben Sie vielleicht ’ne Idee, was Walton Weeks in unserem verwunschenen Städtchen verloren hatte?«

»Fehlanzeige.«

»Oder noch andere hilfreiche Informationen, die Sie an mich weiter geben möchten?«

»Hey«, sagte Healy. »Das ist schließlich Ihr Fall. Ich möchte mein Blatt ja nicht gleich überreizen.«

»Was bedeutet, dass Sie einen Scheiß wissen«, sagte Jesse.

»Selbst das ist noch sehr wohlwollend formuliert«, sagte Healy.

6

Der vertraute Geruch des Hafens wehte durch die offene Balkontür. Jesse nahm sich ein großes Glas Scotch-Soda und trat nach draußen. Langsam ließ er seinen Blick über den Hafen gleiten. Die Dämmerung war bereits fortgeschritten, doch die Konturen des Städtchens waren noch immer erkennbar. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens sah er den Damm von Paradise Neck und – gleich hinterm Ende des Dammes – Stiles Island. Er nippte an seinem Glas. Zur Linken hörte er Musik und die Geräuschkulisse des Gray Gull. Das Restaurant befand sich am Kai und war direkt ans Wasser gebaut. Einige der Boote, die im Hafen vor Anker lagen, waren erleuchtet. Cocktails wurden serviert. Er nippte noch einmal an seinem Scotch. Cocktail hour. Er spürte, wie seine Lebensgeister langsam aufwachten. Er dachte an Sunny Randall. Am Wochenende würde er sie endlich wieder sehen – soweit Walter Weeks ihm nicht in die Quere kam. Es gab Schlimmeres, als zwei Frauen gleichzeitig zu lieben. Zumindest besser, als keine zu haben. Und Sunny war die perfekte Frau für ihn. Jenn war’s jedenfalls nicht. Jenn war noch immer unreif und egozentrisch – und hatte zur Monogamie ein gestörtes Verhältnis. Sie hatte ihn in Los Angeles betrogen und hier ebenso. Vielleicht war die Zeit endgültig gekommen, sich nicht mehr von ihren Versprechungen einlullen zu lassen. Er kippte den letzten Schluck Scotch hinunter und ging hinein, um sich einen neuen zu mixen. Als er wieder hinauskam, beobachtete er eine flache Barke, die sich in der Dunkelheit des Hafens auf eine imposante, hell erleuchtete Chris Craft-Jacht zubewegte. Ein Mann ruderte, eine Frau saß im Heck. Vor seinem inneren Auge sah er Sunny. Sie war nackt. Es war eine angenehme Vorstellung, die nahtlos in die Assoziation einer nackten Jenn überging. Doch dann stellte er sich vor, wie Jenn nackt im Bett mit anderen Männern lag. Er hörte ein undefinierbares Geräusch, das ihn an ein knurrendes Tier erinnerte. Er wusste nur zu gut, dass er selbst den Laut von sich gegeben hatte. Den Drink in der Linken, streckte er seinen rechten Zeigefinger aus, zog den Daumen nach oben und sagte: »Bumm«. Im Hafen, direkt unter ihm, klatschten die steigenden Flutwellen höher ans Ufer. Die Barke kam nur langsam voran. Er trank noch einen Schluck. Wenn sich Sunny auf eine feste Beziehung mit ihm einlassen sollte, wäre sie mit Sicherheit monogam. Genau wie er – wenn er sich denn auf eine Beziehung einlassen könnte. Er wünschte sich, es zu können, konnte es aber nicht. Warum zum Teufel ist Jenn bloß so drauf? Was läuft in ihrem Leben nur falsch? Er schüttelte den Kopf und trank noch einen Schluck. Falsche Frage. Warum komm ich einfach nicht los von ihr? Sein Glas war leer. Als er reinging, um sich noch einen einzuschütten, schaute er auf das gerahmte Foto von Ozzie Smith. Bester Baseball-Pitcher, den ich je sah. Wie an jedem Tag musste er an den Abend in Pueblo denken, als er bei einem versuchten double play auf den Boden knallte und vom gegnerischen Läufer an der Schulter getroffen wurde. So gut wie Ozzie wär ich nie geworden, aber ich hätte ganz oben mitspielen können. Er ging zurück auf den Balkon. Das Ruderboot hatte die Jacht erreicht. Es war bereits vertäut und tanzte auf den Wellen. Als Cop bin ich verdammt gut – wenn wir mal kurz außer Acht lassen, dass sie mich in L.A. gefeuert haben … Hier in Paradise hab ich als Cop jedenfalls eine verdammt gute Figur gemacht. Wenn ich’s mir nur nicht mit der Sauferei versaue. Ich komm vom Schnaps einfach nicht los, ich werd noch als versoffener Penner enden … Dabei gibt’s sonst absolut nichts, zu dem ich befähigt bin. Walton Weeks würde eine gottverdammte Tortur werden. Er konnte es sich schon detailliert ausmalen: Kameras, Notizblöcke, Mikros. »CNN«, »Fox«, die anderen überregionalen Fernsehsender, örtliche Stationen, »Court TV«, der »Globe« und der »Herald« aus Boston, die »New York Times«, »People« und »US«-Magazin, der »National Enquirer« … Live aus Paradise/Massachusetts, hier spricht Ihre völlig austauschbare Reporterin. Der Medienzirkus würde sich geradezu überschlagen. Jenn war inzwischen ja auch eine Reporterin. Es gab nicht viele, die den Sprung von der Wetterfee zur Reporterin schafften. Jesse war sich ziemlich sicher, dass sie sich nach oben gevögelt hatte. Und Walton Weeks ist das gefundene Fressen für sie. Er kannte sie nur zu gut. Natürlich würde sie bei ihm anklopfen, um ein exklusives Interview zu bekommen, einen Blick hinter die Kulissen oder irgendetwas Besonderes. Wenn er ihr nützlich war, würde sie ihn auch ausnutzen – ohne mit der Wimper zu zucken. Er kannte sie nur zu gut. Aber das Einzige, was er noch hatte, war nun mal sein Job. »Ich werd mich nicht von ihr einwickeln lassen«, sagte er laut. Er nahm noch einen Schluck und starrte zum Hafen hinaus. In der mondlosen Nacht konnte man die Barke nicht mehr erkennen. Er hielt seinen Whiskey vor die Augen und sah durchs Glas auf die Lichter des großen Party-Boots. Blassbrauner Whiskey. Transparentes Eis. Dickes Glas. Ein letzter Drink noch, dann mach ich mir ein Sandwich. Vielleicht noch ein Bier dazu. Dann ab ins Bett. Er trank langsam sein Glas aus und stand bewegungslos auf dem dunklen Balkon. Er hörte den Wellen zu, die darunter leise gegen die Felsen schlugen.

»Ich werd sie so einfach nicht aufgeben«, sagte er.

Dann drehte er sich um, ging hinein und schloss die Tür.

7

Die Reporter hatten sich im Pressezelt eingefunden, das auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus aufgebaut worden war – gleich neben der Garage des Tiefbau-Amtes. Sogar an mobile Toiletten hatte man gedacht. Die Übertragungswagen mussten mit dem Parkplatz hinter dem Supermarkt vorliebnehmen, hatten aber immerhin ihre eigenen Toilettenhäuschen. Jeweils morgens um 9 Uhr sollte es im großen Saal des Rathauses eine knappe Presseerklärung geben.

Es war eine delikate Aufgabe, die Molly übernehmen sollte.

»Das ist blanker Sexismus«, sagte sie.

»Du bist die Einzige, der ich zutraue, mit der Pressemeute umzugehen.«

»Wie wär’s denn mit dir?«

»Ich bin nun mal der Chef hier«, sagte Jesse.

»Herr im Himmel«, sagte Molly. »Es gibt doch absolut nichts, was wir ihnen erzählen könnten.«

»Stimmt«, sagte Jesse.

»Was soll ich ihnen denn erzählen?«

»Sag ihnen, dass wir nichts zu erzählen haben«, sagte Jesse.

»Es könnte Wochen dauern, bis wir ihnen was zu erzählen haben«, sagte Molly. »Was soll ich denn bloß jeden Tag da vorne treiben?«

»Lass deinen Charme spielen«, sagte Jesse. »Und trag den Pistolengürtel – damit siehst du immer so süß aus.«

»Du bist und bleibst ein sexistisches Schwein«, sagte Molly.

»Vielleicht könntest du ja auch die Polizeikappe schräg ins Gesicht ziehen«, sagte Jesse.

»Ach, verdammt«, sagte Molly und rauschte aus seinem Büro.

Suitcase Simpson kam mit einem Notizblock herein.

»Was ist denn mit Molly los?«, fragte er. »Als sie mir im Flur entgegenkam, war sie auf 180.«

»Wirklich?«, sagte Jesse. »Ich hab keine Ahnung.«

Simpson zuckte mit den Schultern.

»Ich hab ein paar allgemeine Infos zu Weeks«, sagte er.

»Okay«, sagte Jesse und nickte zu einem der Stühle hinüber.

»Ich werd das noch alles sauber im Computer abtippen«, sagte Simpson, »aber ich wollte dich schon mal mit den, äh, primären Fakten vertraut machen.«

»Du nimmst wieder diese Abendkurse«, sagte Jesse.

»Nur einmal die Woche«, sagte Simpson. »In ein paar Jahren krieg ich mein Vordiplom.«

»Hals und Beinbruch«, sagte Jesse. »Was hast du denn an primären Fakten für mich?«

»Er wurde 1953 in Gaithersburg/Maryland geboren. Besuchte die dortige Highschool. Jobbte als Diskjockey, bekam dann verschiedene Jobs im Radio, arbeitete in Washington beim Fernsehen als Wetterfrosch. Bekam eine Talkshow, die bald im ganzen Land ausgestrahlt wurde. Den Rest der Geschichte kennst du ja. Bis zu seinem Tod war er zwei Mal pro Woche mit seiner Talkshow zu sehen.«

»›Walton’s Week‹«, sagte Jesse.

»Genau, und werktags hatte er noch seine Radioshow.«

»›Walton Weeks: How It Is.‹«

»Hörst du dir das etwa an?«, fragte Suit.

»Nein.«

»Er hat auch ein paar Bücher geschrieben«, sagte Suit. »Ich habe sie mal online bestellt.«

Jesse nickte.

»Er war drei Mal verheiratet.«

»War er zum Zeitpunkt seines Todes verheiratet?«, fragte Jesse.

»Soweit ich weiß: ja. Lorrie Weeks.«

»Und wo steckt sie?«

»Hab ihre Adresse bislang noch nicht auftreiben können.«

»Aber warum hat sie sich noch nicht gemeldet?«, sagte Jesse. »Es gibt doch keine Nachrichtensendung, die nicht von seinem Tod berichtet.«

Suit zuckte mit den Schultern.

»Was ist mit den anderen Frauen?«, fragte Jesse.

»Ich hab die Namen, aber noch keine Adressen.«

»Kinder?«

»Nicht dass ich wüsste«, sagte Suit.

»Ein Prominenter kratzt ab – und niemand meldet sich«, sagte Jesse.

»Stimmt nicht.«

»Wer hat sich denn gemeldet?«

»Der Bodyguard rief an«, sagte Suit.

»Bodyguard?«

»Ein Typ namens Conrad Lutz.«

»Als Personenschützer muss er eine Granate sein«, sagte Jesse. »Hast du eine Adresse?«

»›Langham Hotel‹«, sagte Suit. »In Boston. Er war dort mit Weeks eingecheckt.«

»Am Post Office Square«, sagte Jesse.

»Mag sein«, sagte Suit. »Molly hat ihm gesagt, er soll sich für ein Verhör zur Verfügung stellen und nach Paradise kommen.«

»Wann?«

»Umgehend«, sagte Suit.

»Die Presseleute werden sich auf ihn stürzen«, sagte Jesse.

Er hob achselzuckend die Schultern. »Aber das machen sie nun mal überall.«

»Glaubst du, dass Weeks vor irgendwas Angst hatte?«, fragte Suit. »Warum sonst sollte er einen Bodyguard haben?«

»Er war nun mal ein Promi, der ’ner Menge Leute ans Bein gepinkelt hat«, sagte Jesse.

»Wäre hilfreich, wenn wir sie kennen würden«, sagte Suit.

»Vielleicht kann uns Conrad ja weiterhelfen«, sagte Jesse.

8

»Jesse«, sagte die Stimme am Telefon, »Daisy Dyke hier. Ich brauch dich mal dringend.«

»Was Berufliches?«, fragte Jesse.

»Ja, aber du musst alleine kommen. Und unauffällig.«

»Klar. Ich komm zu Fuß.«

»Ich danke dir.«

Als Jesse das Revier verließ, musste er sich einen Weg durch die Presseleute bahnen.

»Bin nur mal kurz was essen«, sagte er.

Er ignorierte alle Fragen und sagte sonst nichts. Zu Daisys Restaurant waren es vielleicht zehn Minuten zu Fuß. Drei Reporter hefteten sich an seine Fersen.

Daisy begrüßte ihn an der Tür. Sie war eine große, muskulöse Frau mit blonden Haaren und einem rötlichen Gesicht.

»Wir haben noch nicht geöffnet«, sagte sie zu den drei Reportern. Sie ließ Jesse hinein und verschloss dann die Tür.

»Ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll«, sagte Daisy. »Also dachte ich mir, dass ich erst mal mit dir sprechen sollte.«

»Okay«, sagte Jesse.

»In meinem Müllcontainer liegt eine Frau«, sagte Daisy.

»Eine Frau«, sagte Jesse.

»Eine tote Frau«, sagte Daisy.

Jesse holte einmal tief Luft und legte seinen Kopf ins Genick.

»Weißt du, woran sie gestorben ist?«, fragte er.

»Keine Ahnung. Aber sie hat Blut auf der Kleidung.«

»Ich werd sie mir mal anschauen«, sagte Jesse. »Und dann müssen wir sie irgendwie da rausholen. Und dann …« – Jesse spreizte seine Finger – »müssen wir wohl mit Ermittlungen anfangen.«

»Ich weiß«, sagte Daisy.

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