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Mord für ein Ausnahmetalent Berlin 1968 Kriminalroman Band 45

Mord für ein Ausnahmetalent Berlin 1968 Kriminalroman Band 45

A. F. Morland and Tomos Forrest

Published by BEKKERpublishing, 2021.

Inhaltsverzeichnis

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Mord für ein Ausnahmetalent

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Mord für ein Ausnahmetalent

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Berlin 1968 Kriminalroman Band 45

von Tomos Forrest & A. F. Morland 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten.   

In der großen Anzahl von Künstlern ausgerechnet den Einzigen herauszufinden, der mehr als nur Talent besitzt, dessen Werke geradezu danach schreien, bekannt zu werden – das gelingt nur wenigen Menschen. Aber deshalb ein Mordanschlag während der ersten Vernissage? Nicht nur die anwesenden Prominenten verlangen da schnellste Aufklärung, und Bernd Schuster ist wieder im Geschäft...

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Etwas blinkte grell in der Sonne, und der Lastwagen bremste plötzlich stark ab. Der Fahrer kannte die Ursache für die kurze Blendung nicht, hatte jetzt aber arge Probleme, sein Fahrzeug in der Spur zu halten. Es musste ein Gegenstand auf dem alten Gasometer sein, der da in der Sonne kurz aufgeblitzt hatte.

Auf der anderen Fahrbahnseite in Richtung Tempelhof beobachtete der Fahrer in seiner Mercedes-Limousine das riskante Manöver und war erleichtert, als er im Rückspiegel sah, dass der LKW wieder normal fuhr.

Bernd Schuster war eben noch bester Laune. Er hatte einen Blumenstrauß auf dem Beifahrersitz und war auf dem Sachsendamm unterwegs zu der alten Dame in der Geneststraße, um ihr einen Blumenstrauß mit den besten Wünschen zur Genesung zu überbringen. Sie hatte den Überfall der Jugendlichen inzwischen recht gut überwunden.

Bernd Schuster hatte es auch geschafft, das Honorar für den letzten, erfolgreich abgeschlossenen Fall wieder geschickt zu tarnen. Franziska würde annehmen, dass der verbuchte Betrag die vereinbarte Zahlung war.

Sie musste nicht erfahren, dass ihr Bernd wieder einmal einem Menschen geholfen hatte, der niemals in der Lage gewesen wäre, seine Kosten auch nur annähernd zu decken. Und sie musste erst recht nichts von seinen wahren Vermögensverhältnissen wissen, die ihm ein sorgenfreies Leben ermöglichten.

‚Nicht, bevor wir verheiratet sind!‘, dachte Bernd grinsend. Jetzt lenkte er auf die Abfahrt und bog gleich darauf wieder ab. Die Schnellstraße verschwand aus seinem Blickfeld, und so konnte es geschehen, dass der beste Privatdetektiv Berlins nichts von dem mitbekam, was sich jetzt dort hinter ihm abspielen sollte.

Der Mörder wartete bereits ungduldig auf sein Opfer. Der unauffällig gekleidete Mann hockte auf der Kuppel des Gasometers von Berlin-Schöneberg. Bereits im Jahre 1871 in Betrieb genommen, war der Gasometer zum jetzigen Zeitpunkt nur noch Aufbewahrungsbehälter, denn inzwischen war die Technik weiter und forderte andere Anlagen.

Es war früher Nachmittag und es herrschte wenig Verkehr auf der Torgauer Straße vor dem Gasometer.

Doch der Mörder blickte durch das Zielfernrohr hinüber zum nahen Sachsendamm, der hier einen Teil der B 1 bildete.

Die Sonne stand so, dass sie den Killer bei seiner Arbeit nicht störte. Sie schien ihm aufs breite Kreuz. Er hatte eine schwarze Diplomatentasche neben sich liegen. Das Gewehr, das sich in mehreren Einzelteilen darin befunden hatte, war längst zusammengebaut.

Nun setzte der Mann die weittragende Waffe probeweise an. Er spähte erneut durch das Zielfernrohr, verfolgte einen Wagen, zielte auf den Vorderreifen und machte „Peng!“. Grinsend ließ der Verbrecher die Waffe sinken. Genauso würde es passieren. Er schaute auf seine Uhr. In längstens fünf Minuten - wenn seine Information richtig war.

Er schob sich ein Kaugummiplättchen zwischen die gelben Pferdezähne. Sein Gesicht wirkte abstoßend. Es war von Pickeln und Pusteln mit gelben Eitertüpfelchen übersät. Sogar den Huren lief es kalt über den Rücken, wenn er sich bei ihnen eine Umarmung kaufte.

Die fünf Minuten gingen um.

Der Schütze setzte das Gewehr an, nachdem er das Kaugummi ausgespuckt hatte. Ganz Konzentration war er nun. Und da tauchte auch schon der hellgelbe Porsche 911 von Benedikt Friedemann auf.

Der Killer hielt den Atem an.

Benedikt Friedemann - das war sein Mann! Das auffällige Sportauto gab es noch nicht so häufig, und schon gar nicht in Berlin. Er konnte also sicher sein, dass seine Angaben zuverlässig waren.

Der Porsche fuhr nicht zu schnell, sondern hielt sich an das Tempolimit.

Friedemann lehnte entspannt im bequemen Fahrersitz. Die Straße war trocken, von der Sonne gut beleuchtet und so gut wie leer. Da war das Fahren ein reines Vergnügen. Aus dem Autoradio tönte Nostalgie-Musik, und Friedemann dachte an die Zeit, als er jung gewesen war. Wirtschaftswissenschaftler hatte er um jeden Preis werden wollen, und er hatte sogar einige Semester hinter sich gebracht, doch dann waren seine Eltern bei einem Hotelbrand ums Leben gekommen. Auf sich allein gestellt, verlor er alsbald die Lust am Studium. Andere Interessen ergriffen von ihm Besitz: Frauen zum Beispiel. Keine konnte ihm schlecht genug sein. Er merkte kaum, dass er mehr und mehr abglitt. Plötzlich waren da Freunde, die sich dünnmachten, wenn ein Polizist aufkreuzte, und seltsamerweise fühlte sich Friedemann zu ihnen mehr hingezogen als zu den anständigen Burschen, die er nach und nach mied. Die ersten Verbrechen blieben nicht aus.

Es folgten schwerere, doch da Friedemann klug war, gelang es ihm stets, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Er fand Gefallen daran, auf diese leichte Art viel Geld zu verdienen, und er begann sich schon sehr bald Gedanken darüber zu machen, wie er mehr aus seinem Geld machen konnte. Als er fünfunddreißig war, hatte er den Dreh heraus. Er wurde zu einer ganz großen Nummer im Rauschgiftgeschäft. Direktimporteur - ohne Zwischenhändler kam das Heroin von Marseille zu ihm nach Berlin. Deshalb floss auch ein ungemein großer Teil des Gewinns in seine aufnahmefähigen Taschen. Doch eines Tages begann er, an die Mafia Boden zu verlieren. Die Cosa Nostra machte ihm Schwierigkeiten, wo immer sie konnte, und sie hatte verdammt viele Möglichkeiten, ihm das Geschäft zu verderben. Friedemann begriff sehr bald, dass es keinen Sinn hatte, sich mit der Cosa Nostra anzulegen. Er verärgerte noch schnell ein paar Leute und zog sich dann aus dem Rauschgiftgeschäft zurück. Heute war Benedikt Friedemann fünfzig und saß ziemlich fest im seriösen Bankgeschäft. Zwar gab es immer noch ein paar offene Rechnungen von „damals“, aber Friedemann hoffte, dass sie mit der Zeit verjähren würden.

Links neben dem Sachsendamm tauchte das Monstrum eines alten Gasometers auf. Friedemann registrierte ihn kaum. Es fiel ihm nur ein, dass er, wenn er erst mal an dem Gasometer vorbei war, nicht mehr weit zu fahren hatte.

In diesem Moment krümmte der Killer auf dem Gasometer den Finger. Niemand hörte den Schuss. Friedemann spürte einen gewaltigen Ruck in der Lenkung. Da er den Volant nur mit einer Hand und mit lockerem Griff gehalten hatte, fegte er ungehindert herum. Der Porsche spielte mit einem Mal verrückt. Er wollte von der Straße herunterspringen. Friedemann packte fest zu und versuchte das Lenkrad in die entgegengesetzte Richtung zu reißen, doch der Wagen gehorchte ihm nicht.

Blitzschnell löste sich der zerschossene Pneu von der Felge. Er flog davon. Das Fahrzeug sackte vorne ein, ratschte über den dunkelgrauen Straßenbelag, pflügte ihn mit einem singenden Laut auf. Der Porsche begann zu schlittern, drehte sich zweimal um die eigene Achse und flog dann wie katapultiert in den Straßengraben.

Friedemann wurde im Wagen herumgeschleudert. Er presste die Kiefer zusammen und krallte die Finger in größtem Schrecken um das Lenkrad, ehe der furchtbare Aufprall erfolgte, der ihn nach vorn warf, ihn zwang, die Windschutzscheibe mit dem Kopf zu durchstoßen und ihm dann augenblicklich die Besinnung raubte.

Irgendwo gluckerte Benzin aus dem verformten Wagen. Und dann sprang ein mörderisches Feuer an, das sofort Friedemann und das Wrack umhüllte.

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Der Mörder auf dem Gasometer beobachtete den Brand durch das Zielfernrohr. Ein zweiter Schuss war hier nicht mehr nötig, deshalb zerlegte er sein Gewehr mit wenigen, oft geübten Handgriffen, verstaute es und erhob sich, um zur Treppe zu laufen, die sich um den Gasometer herum nach unten wand. Unter zahlreichen Rohrsystemen hindurch fand der Mann unbemerkt seinen Weg, der zu einem hinter zwei wildwachsenden Rosenhecken abgestellten schwarzen BMW führte.

Die Diplomatentasche flog in den Fond des Wagens. Der Killer schwang sich auf den Fahrersitz, zündete sich eine Zigarette an, griff sich dann den Hörer des Autotelefons und setzte sich mit seinem Auftraggeber in Verbindung.

„Wie geht es unserem gemeinsamen Freund?“, wollte der Mann am anderen Ende wissen.

„Er hat soeben seinen großen Urlaub angetreten.“

„Kommt er irgendwann mal wieder?“

„Nein. Danach sieht es eigentlich nicht aus.“

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Capriosio war einer von diesen Mit-Leib-und-Seele-Menschen. Es gibt sie überall und in allen Gesellschaftsschichten  Mit-Leib-und-Seele-Polizisten, Mit-Leib-und-Seele-Rennfahrer - Capriosio war ein Mit-Leib-und-Seele-Maler. Er war sechsundzwanzig Jahre alt - und fast genauso lang wartete er nun schon darauf, dass ihm jemand eines von seinen zahlreichen, gewiss nicht schlechten Gemälden abkaufte. Er fand, dass sein Künstlername allein schon für Qualität bürgen musste.

Er saß in dem Wagen, der seiner Schwester gehörte. Die beiden hatten eine Ausstellung besucht, die einer von seinen Kollegen auf die Beine gestellt hatte. Der Junge hatte gute Kritiken bekommen, und um ein paar von seinen fantastischen Bildern hatten sich die Kunden sogar gestritten. Capriosio lenkte den Klapperwagen seiner Schwester verträumt über die Straße. Nach dem Besuch einer Ausstellung dachte er immer daran, wie es wohl sein würde, wenn er mit seinen Arbeiten endlich einmal vor die Öffentlichkeit hintreten durfte.

Sarah verschränkte die Arme nervös vor der flachen Brust Sie war dreißig und begann allmählich zu verblühen, ohne jemals richtig geblüht zu haben.

„Nun sag mir mal, wie du dir deine Zukunft vorstellst!“, verlangte sie, ohne den Bruder anzusehen.

Capriosio, ein in alte Sachen gekleideter, schlaksig wirkender Bursche mit sympathischen Augen und hohlwangigem Gesicht, hob die schmalen Schultern.

„Wie oft hast du mir diese Frage schon gestellt, Sarah.“

„Ja. Und wie oft hast du mir darauf schon keine Antwort gegeben?“

„Ebenso oft“, schmunzelte er. Sarah schüttelte energisch den Kopf. „So wie es jetzt ist, kann es nicht mehr weitergehen, Bruderherz!“

Der junge Maler schaute seine rothaarige Schwester kurz an. Ein ehrliches Erschrecken schimmerte in seinen Augen.

„Was willst du damit sagen?“

„Ich kann dich einfach nicht mehr länger durchfüttern.“ Sarah war Verkäuferin in einem Kürschnerladen. Mit der Umsatzprovision, die sie erhielt, verdiente sie überdurchschnittlich gut. Deshalb konnte ihr Bruder ihre Worte nicht verstehen. Sie fuhr fort: „Warum hast du den Auftrag dieser Waschmittelfirma nicht angenommen? Der hätte dir wenigstens ein paar Mark eingebracht.“

Der Künstler zog die blonden Brauen zusammen.

„Ich bin kein billiger Werbegrafiker, Sarah!“

„So, so. Das bist du nicht.“

„Nein. Ich bin Maler! Ich habe Talent. Das hat man mir schon mehrfach bestätigt.“

„Vom Talent allein kann man nicht leben. Davon wird man nicht satt. Ein Talent hat noch keinen Bauch gefüllt.“

„Irgendwann gelingt mir der Durchbruch. Ein echtes Talent setzt sich in jedem Fall durch. Das eine früher, das andere später. Ich kenne bloß nicht die richtigen Leute. Das ist mein Problem, Sarah.“

„Du wirst niemals die richtigen Leute kennenlernen.“

„Nicht von heute auf morgen ...“

„Du hockst doch bloß in deinem Atelier herum und malst Bilder, die keiner haben will.“

„Das darfst du nicht sagen, Sarah. Meine Bilder sind gut. Ich weiß, dass sie gut sind.“

„Dann versuch doch endlich mal eines davon zu verkaufen. Du musst realistisch denken. Um dich herum gibt es eine Wirtschaftskrise, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest. Den Leuten geht es nicht mehr so gut wie vor ein paar Jahren. Sie drehen ihre Mark dreimal um, ehe sie sie ausgeben. Auch der Verkauf von Pelzmänteln ist zurückgegangen. Ich kann dich beim besten Willen nicht mehr unterstützen.“

„Ich brauch doch nicht viel, Sarah.“

„Nicht viel, sagst du? Ich muss für Farbe, Pinsel und Leinwand aufkommen, und wenn du ein Modell brauchst, muss ich ebenfalls in die Tasche greifen. So kann das einfach nicht mehr weitergehen. Du musst dir einen Job suchen.“

Der Künstler schluckte trocken. Einen Job suchen. Er war gewiss nicht arbeitsscheu. Aber seine Arbeit war das Malen. Sollte er Kohlen ausliefern? Heizöl zustellen? Eis verkaufen? Er war Maler! Nur Maler, sonst nichts.

„Du hast mir versprochen ...“, setzte er kleinlaut an, doch Sarah winkte ihn ab und fuhr sich nervös durch das rot gefärbte Kraushaar.

„Tut mir leid!“, sagte sie scharf. Mit einem Mal kam sie ihm hässlich vor, obwohl sie seine Schwester war. Die Augen waren zu kräftig geschminkt. Ihre Zähne sprangen wie das Gebiss eines Raubtiers aus dem Mund hervor, die Lippen waren schmal, und ihre Nase war viel zu sehr gebogen, um dem Idealbild zu gleichen.

„Ich führe genau Buch über das, was ich von dir bekommen habe, Sarah“, sagte er und schaute an seiner Schwester vorbei, zu dem hohen Gasometer hinüber, der links neben dem Sachsendamm auftauchte. „Ich habe mir alles ganz genau aufgeschrieben. Du kriegst dein Geld wieder, Sarah. Lass mich nur erst im Geschäft sein, dann zahle ich alle meine Schulden mit Zins und Zinseszinsen zurück.“

Das Mädchen steckte sich erregt eine Zigarette an.

„Herrgott, ich wollte es dir nicht sagen. Aber nun muss es raus, sonst ersticke ich daran: Ich habe heute Morgen meinen Job verloren. Kapierst du jetzt, was läuft?“

„Du findest sehr schnell einen neuen. Du bist tüchtig, Sarah.“

„Himmel noch mal, willst du mich denn nicht verstehen? Ich habe keine Lust mehr, deine Hirngespinste zu finanzieren. Du musst arbeiten wie jeder andere auch.“

„Ich arbeite ja.“

„Du malst Bilder, die keinen interessieren!“

„Eines Tages werden sich die Leute um meine Bilder reißen. Denk an Picasso, Dali und all die anderen! Sie haben alle nicht von Anfang an das große Geld gemacht.“

„Du machst doch nicht einmal das kleine Geld.“

„Was ich jetzt durchstehe, ist ein typisches Malerschicksal, Sarah. Es dauert eben seine Zeit, bis die Leute auf jemanden aufmerksam werden.“

Sarah zog an ihrer Zigarette, als wollte sie sie zerbeißen. Sie blies den Rauch gegen die Frontscheibe und sagte gepresst: „Warum bleibst du nicht auf dem Teppich? Ist das denn so schwer für dich? Sollen denn meine finanziellen Zuwendungen niemals enden?“

Capriosio presste die Kiefer grimmig aufeinander und kniff die Augen wütend zusammen.

„Ich weiß genau, von wem diese Sparaktion ausgeht. Die Idee ist nicht auf deinem Mist gewachsen, Sarah. Wenn es nach dir ginge, würdest du mir dein letztes Hemd schenken.“

Das Mädchen warf die Zigarette zum Fenster hinaus und drehte die Scheibe wieder hoch.

„Dahinter steckt Martin Nolte“, zischte Capriosio aggressiv. „Dieser elende Widerling! Ich gehe jede Wette ein, dass er dir aufgetragen hat, mir die paar Kröten wegzunehmen, die du mir im Monat gibst.“

Sarah schaute zum Gasometer, um ihren Bruder nicht ansehen zu müssen. Natürlich steckte Martin Nolte dahinter. Aber was sollte sie machen? Sie wusste selbst, dass sie keine Schönheit war, und sie war froh, dass Martin sie das nicht fühlen ließ. Er war zwar nicht gerade das Ideal von einem Mann, aber er war immer noch besser als gar keiner. Er trank zu viel, schlief mit Strichmädchen und verprügelte Sarah, wenn sie sich ihm nicht hündisch unterwarf. Wahrlich, es war kein schönes Leben an seiner Seite. Aber war das Leben allein schöner? Das schon gar nicht. Deshalb nahm Sarah vieles in Kauf, um Martin Nolte zu behalten.

„Er braucht die Moneten selbst, der gottverdammte Fixer!“, fauchte Capriosio erzürnt. Von Anfang an hatte er Nolte nicht gemocht. Heute zeigte sich, dass seine Abneigung zu Recht bestand.

„Er ist kein Fixer!“, verteidigte Sarah ihren Lebensgefährten.

„Aber Haschisch raucht er.“

„Das ist nicht wahr!“

„Ich hab’s doch selbst gesehen!“

„Du darfst nicht so über Martin reden, Cap! Das dulde ich nicht! Martin ist gut zu mir.“

„Blödsinn. Er nützt dich aus, und du merkst es nicht einmal!“

„Er mag dich, Cap. Wirklich. Er hat dich gern.“

Capriosio nickte wütend.

„Ja! Ja! Am liebsten hat er mich, wenn ich die Tür von außen zumache.“

„Du bist nicht fair, Cap ...“

Seit einer Weile schon fuhr ein Porsche vor ihnen. Plötzlich führte der Wagen einen wilden Tanz auf. Capriosio trat sofort auf die Bremse.

Sarah stieß einen erschreckten Schrei aus. Sie warf die Arme nach vorn und stützte sich am Armaturenbrett ab. Der Porsche schlug Kapriolen und donnerte dann mit voller Wucht in den Straßengraben. Während Capriosio den Wagen seiner Schwester noch zwang, dicke schwarze Striche auf den Asphalt zu schmieren, sprangen um den Porsche bereits die mörderischen Flammen hoch. Sobald Sarahs Wagen stand, sprang Capriosio heraus.

„Cap!“, schrie seine Schwester mit schriller Stimme. „Cap, bleib von dem Wagen weg! Dem Mann kannst du ja doch nicht mehr helfen! Cap, komm zurück! Die Karre kann explodieren! Verdammt noch mal, Cap, warum tust du nie, was ich sage?“

Capriosio erreichte den vom Feuer eingehüllten Wagen. Überall knisterte, knackte und prasselte es. Undeutlich nahm er die Umrisse des Fahrers wahr. Der Mann schien nicht mehr zu leben. Trotzdem wollte der junge Maler nichts unversucht lassen, um den Fahrer aus dieser sengenden Flammenhölle zu befreien. Er fasste nach dem Türgriff, verbrannte sich die Hand, ließ jedoch nicht mehr los, zerrte so lange an der Tür, bis sie mit einem Knall aufsprang. Er verlor das Gleichgewicht und landete auf dem Gesäß. Blitzschnell war er wieder auf den Beinen. Mit angehaltenem Atem packte er den Mann. Die Hitze wollte ihn umbringen. Ringsherum waberte das Feuer. Capriosio wuchtete Friedemann hoch und schleppte ihn ächzend mit sich. Als seine Lungen bersten wollten, tat er einen Atemzug. Die Hitze stürzte sich in seinen Schlund und dörrte ihn inwendig aus. Wankend schaffte Capriosio den Mann vom Feuer weg. Seiner Meinung nach war der Fremde verunglückt.

Reifenplatzer.

Capriosio schauderte. Davor hatte er Schiss, seit er Auto fahren konnte.

Friedemanns Kleider brannten.

„Die Decke!“, schrie Capriosio heiser. „Sarah! Bring schnell die Decke aus dem Fond!“

Das rothaarige Mädchen reagierte endlich. Sie brachte die Decke. Capriosio warf sie über den Mann und erstickte so die Flammen. Wagen bremsten. Leute liefen aufgeregt heran. Und Benedikt Friedemann schlug langsam die flatternden Augen auf.

Capriosio lachte seine Erleichterung heraus.

„Verdammt, das ist gerade noch mal gutgegangen ...“

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Elmar Schütz wurde ab und zu scherzhaft „Mr. Goldfinger“ genannt, ein Name, der nun nach dem Start des gleichnamigen James-Bond-Films im Jahr 1964 wohl jedem vertraut war. Das hatte seinen ganz bestimmten Grund, denn wenn Elmar Schütz etwas anfasste, dann passierte es häufig, dass es sich in Gold verwandelte. Trotzdem war Schütz kein Magier, sondern ein Mann mit einer guten Nase, der das Gefühl für gute Geschäfte im kleinen Finger hatte. Seiner Cleverness und seinem Einfallsreichtum verdankten viele Leute eine steil nach oben führende Karriere. „Mr. Goldfinger“ hatte eine beachtliche Anzahl von Leuten großgemacht: Sänger, Komponisten, Tänzer und Maler. Für den Erfolg dieser Leute hatte er hart geschuftet. Er hatte eine Unmenge Geld in sie investiert, und da er kein holzköpfiger Idealist war, war er mit seinen Schützlingen reich geworden.

Eines Tages warf ihn dann der Herzinfarkt scharf an den Rand des Grabes. Zu allem Überfluss reichte zu diesem Zeitpunkt auch noch seine Frau die Scheidung ein. Sie hatte sich Hals über Kopf in einen Bettelmönch verliebt, worauf der kahlhäuptige Junge seine Kutte ins Rinnsal warf und mit Betty Schütz auswanderte, um irgendwo ein neues Leben anzufangen. Schütz hatte seine Frau zwar schon lange nicht mehr geliebt, aber von ihr gerade in dem Augenblick im Stich gelassen zu werden, als ihn das Schicksal zum ersten Mal auf den Bauch warf, das ging ihm doch ziemlich unter die Haut, obwohl er stets damit protzte, Nerven wie Drahtseile zu haben.

Waren seine Methoden auch nicht immer die saubersten gewesen, so glaubte er doch, stets hundertprozentig richtig zu handeln, und der Erfolg gab ihm recht.

Nach dem Infarkt musste er erst mal zwanzig Kilogramm herunterhungern, dann musste er leisetreten, durfte nicht mal ...

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