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Mörfi – Das Fehlerteufelchen, Band 2

Über den Autor

Andreas Schlüter, geb. 1958, leitete mehrere Jahre Kinder- und Jugendgruppen in Hamburg, ehe er zum Schreiben kam. Seit 1994 arbeitet er erfolgreich als freier Buch- und Drehbuchautor. Er lebt in Hamburg.

www.aschlueter.de

https://www.facebook.com/schlueterbuecher

Über die Illustratorin

Karoline Kehr, geb.1964, studierte Illustration an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und arbeitet seitdem als freie Illustratorin. Sie wurde für ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, u.a. zweimal mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis.

Andreas Schlüter

Mörfi
Das Fehlerteufelchen

Die Fehler-Räuber

mit Bildern von Karoline Kehr

BASTEI ENTERTAINMENT

MÖRFI, ein Ur-Ur-Urenkel des Fehlerteufels, liebt fantastische Fehler über alles. Mit seinem Fehlerwerfer produziert es bunt schimmernde Blasen. Dort, wo sie zerplatzen, entstehen Fehler. Die Folge: Chaos, Spaß und Turbulenzen.

Aber aus Mörfis Fehlern kann man auch lernen. Und manchmal ist es gar nicht schlecht, etwas falsch zu machen. Denn beim zweiten oder dritten Versuch wird häufig alles besser. Deshalb lautet Mörfis Motto: Liebe deine Fehler! Leider kann niemand Mörfi sehen oder hören – außer Johanna!

JOHANNA ist zehn Jahre alt und eine richtige Falschmacherin. Sie lebt mit ihrer Mutter in der glatten, sauberen, scheinbar perfekten Welt der Werbung und macht doch so vieles falsch. Ein richtiger Tollpatsch, wie Mutters neuer Freund Alexander findet. Ein menschlicher Tollpatsch aber ist genau die richtige Freundin für ein Fehlerteufelchen, besonders wenn er dabei auch noch so viel Fantasie besitzt wie Johanna.

So ist Mörfi kurzerhand in Johannas Puppenhaus gezogen, um gemeinsam mit ihr die Welt mit fantastischen Fehlern zu beglücken, welche nicht nur für viel Durcheinander, sondern auch immer wieder für neue Erkenntnisse sorgen.

Z-ENGEL – kurz: Zengel – mögen überhaupt keine Fehler. So halten sich die giftgrünen Zerstörungs-Engel auch am liebsten bei solchen Menschen auf, die Fehler hassen, alles besser wissen und niemals einen Fehler zugeben. Wer aber keinen Sinn für kleine Fehler hat, macht irgendwann große. Mithilfe ihres glibberigen Fehler-Gift-Gelees bestrafen Zengel die Menschen für ihre Unachtsamkeit mit großen, katastrophalen Zerstörungs-Fehlern.Nur gut, dass Mörfi mit seinem Seh-Schnee die Zengel orten und mit vielen kleinen, lustigen, fantastischen Fehlern bekämpfen kann.

Verloren

Johanna hockte auf ihrem Platz, stützte den Kopf in die Hände und seufzte. Sie konnte sich einfach nicht auf den Unterricht konzentrieren.

„Was hast du?“, fragte ihre Sitznachbarin und beste Freundin Söngul.

Johanna blickte auf und seufzte erneut. „Nichts!“, antwortete sie, aber das stimmte nicht. Kummer hatte sie. Sehnsucht. Aber davon konnte sie Söngul nichts erzählen, denn Söngul hielt Johannas Problem für ein Hirngespinst.

Die Unterrichtsstunde endete, ohne dass sich Johannas Laune besserte. Der Lehrerin Frau Richterkamp war während einer vollen Unterrichtsstunde nicht ein einziger Fehler unterlaufen. Das hatte es seit vier Wochen nicht mehr gegeben.

Über sich selbst verblüfft schwebte die Lehrerin am Ende der Stunde wie auf Wolken aus dem Klassenzimmer. Der Grund für ihre Fröhlichkeit war der gleiche, der Johanna so betrübt dasitzen ließ: Mörfi fehlte! Johanna hatte keine Ahnung, wohin und weshalb Mörfi verschwunden war. Sie hatte sich innerhalb der vergangenen vier Wochen so sehr an Mörfi gewöhnt, dass sie nicht geahnt hatte, wie öde das Leben ohne das Fehlerteufelchen sein konnte. Auch in der folgenden Stunde wurde es nicht besser. So lange bis ihr Lehrer, Herr Kranich, die Schüler aufforderte, Hefte und Stifte hervorzuholen.

Johanna hatte wie alle anderen ihr Heft aufgeschlagen und ihren Füllfederhalter bereitgelegt. Plötzlich entdeckte sie einen hässlichen blauen Fleck auf ihrem Heft. Ohne ersichtlichen Grund war die Patrone des Füllers ausgelaufen! Jedes andere Kind hätte schnellstens nach Taschentüchern gegriffen, um die Schmiererei einzudämmen. Nicht so Johanna. Mit einem Freudenschrei sprang sie auf, sodass Herr Kranich sich verwundert umdrehte.

Johanna beachtete ihn nicht. Ein Füller tropfte nicht grundlos einen dicken Tintenfleck aufs Heft, außer er war fehlerhaft. Sie krabbelte auf allen vieren unter dem Tisch herum und suchte nach der Ursache für diesen Fehler. Es konnte nur eine geben: Mörfi befand sich in der Nähe!

„Sag mal, bist du von allen guten Geistern verlassen?“, fragte der Lehrer.

„Nein!“, antwortete Johanna und schaute mit der Nasenspitze über die Tischkante. „Ganz im Gegenteil!“

Schon war ihr Kopf wieder unter dem Tisch verschwunden, weil sie nun in ihrer Schultasche nach Mörfi suchte.

Illustration

Verärgert schnauzte Herr Kranich sie an: „Setz dich gefälligst ordentlich auf deinen Stuhl. Aber ein bisschen dalli!“

Johanna war wie von Sinnen. Zu sehr hatte sie sich um Mörfi gesorgt, als dass sie die Suche jetzt hätte abbrechen können. Selbstverständlich hätte sie ihrem Lehrer das gern erklärt, aber leider konnte Herr Kranich Mörfi nicht sehen. Niemand konnte das, außer Johanna. So kroch sie weiter auf dem Boden herum und flüsterte: „Wo steckst du? Nun zeig dich doch!“

Keine zwei Minuten später fand sie sich vor der Klassentür wieder. Rausgeflogen!

Ehe sie so richtig bemerkte, was mit ihr geschehen war, meldete sich endlich eine leise, helle Stimme: „Na endlich, Tradeltönte. Wo stackst du denn so lenge?“

Johanna horchte auf. Die Stimme kannte sie!

Typisch Mörfi. Erst spurlos verschwunden, sodass Johanna sich sorgen musste, und dann tauchte das Fehlerteufelchen aus dem Nichts wieder auf: frech und keck, als ob nichts gewesen wäre.

„Wer wartet hier auf wen?“, antwortete Johanna. „Du warst es doch, der verschwunden war!“

Was hieß hier überhaupt war? Noch immer konnte Johanna Mörfi nicht sehen.

„Verschwunden, nicht gefunden!“, klagte Mörfi von irgendwoher. „Kotostraphe!“

„Katastrophe?“, fragte Johanna nach. Sie wusste, Mörfi vertauschte besonders heftig die Buchstaben, wenn es aufgeregt war.

Endlich wurde es fündig. Mörfi hockte auf einem Garderobenhaken, ließ traurig den Kopf hängen, schüttelte ihn hin und wieder und jammerte: „Verlegt, verloren, gestohlen, muss ihn wiederholen.“

Johanna pflückte das kleine Wesen vom Haken, hielt es behutsam in ihrer Hand und fragte: „Was ist passiert?“

„Kotostraphe!“, wiederholte Mörfi. „Unglück! Mist geschickt!“ Es streckte Johanna die leeren Händchen entgegen.

Katastrophe? Unglück? Missgeschick?

Johanna betrachtete das kleine Teufelchen und erkannte schnell, was Mörfi meinte. „Dein Fehlerwerfer fehlt!“

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Mörfi nickte traurig. Ein Fehlerteufelchen ohne Fehlerwerfer, das war wie ein Schwimmbecken ohne Wasser, eine Schule ohne Schüler, ein Zimmer ohne Fenster: trostlos, sinnlos, einfach undenkbar. Ohne Fehlerwerfer war ein Fehlerteufelchen eben kein Fehlerteufelchen.

Aber trotzdem war Johannas Füllerpatrone ausgelaufen. Wie hatte Mörfi das hinbekommen – ohne Fehlerwerfer?

Ein Blick auf Mörfis kleine Händchen verriet die Antwort: Mörfis Finger waren blau.

Das hieß, Mörfi hatte selbst Hand angelegt. Ein Wunder, dass Johanna Mörfi dabei nicht gesehen hatte. Aber schon öfter war Mörfi verschwunden und aufgetaucht, ohne dass Johanna es mitbekommen hatte. Mörfis Art, sich fortzubewegen, war ein Geheimnis, hinter das Johanna noch nicht gekommen war.

Johanna verstand auch nicht, wie man seinen Fehlerwerfer verlieren konnte. Am Abend zuvor beim Einschlafen hatte Mörfi den Fehlerwerfer noch gehabt. Wie immer hatte es ihn neben das Bett gelegt und war irgendwann eingeschlafen. Als Mörfi nachts einmal kurz aufgewacht war, war der Fehlerwerfer fort gewesen. Mörfi war aufgebrochen, um dem eigenartigen Vorfall auf den Grund zu gehen. Schnell war es zu einem Ergebnis gekommen: „Zengel-Attacke!“

Nicht schon wieder!, dachte Johanna. Sie hatte schon einmal mit diesen widerlichen Wesen zu tun gehabt. Was aber wollten die Zengel von Mörfi?

Die Suche beginnt

Johanna hätte es nicht tun sollen. Aber gegen Mörfi war sie irgendwie machtlos. Jedenfalls stand sie jetzt hier auf der Straße statt in der Schule zu sein und wusste noch nicht einmal, wo Mörfi mit ihr hinwollte.

„Ich zeig dir etwas!“, flüsterte Mörfi verheißungsvoll. „Dort entlang!“

Es hockte auf Johannas Schulter, zog sie leicht am Ohr und wies ihr den Weg in eine kleine abgelegene Sackgasse, finster und verlassen. An einem leer stehenden Bürohaus führte eine kleine Treppe in einen Keller, dessen Tür mit Holzbalken zugenagelt war. Von dem Unrat davor stieg ein fauliger Gestank auf.

Johanna weigerte sich, dort hinunterzugehen.

„Nicht durch die Tür! Durch das Fenster!“, sagte Mörfi.

Fenster? Das daneben war kein Fenster, sondern ein Loch in der Wand, als hätte es ein Riese mit der Faust frisch in die Mauer geschlagen.

„Hommel Herrgitt!“, fluchte Mörfi. „Klettere hindurch!“

Schon wieder vertauschte Buchstaben! Johanna erkannte daran, wie aufgeregt Mörfi war. Sie schaute sich ängstlich um, sah und hörte niemanden und war sich nicht sicher, ob ein Teil des üblen Geruchs nicht auch aus dem Inneren durch das Fensterloch nach außen drang.

„Hummel!“, schimpfte Mörfi. „Äh Hammel, äh, Himmel! Wenn ich mich immer so anstellen würde!“ Das Fehlerteufelchen rutschte von Johannas Schulter und hüpfte ins Fensterloch.

„Warte!“, rief Johanna ihm hinterher. Doch im nächsten Moment war Mörfi schon in das Gebäude hineingeschlüpft.

„Verflixt!“, fluchte Johanna. Jetzt stand sie allein vor dem Haus.

Plötzlich sah sie Mörfi durch das Loch herausschauen. „Was ist, kommst Du?“, rief Mörfi. „Oder sind dir vielleicht die Füße eingeschlafen?“

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Johanna überlegte nicht mehr. Bevor Mörfi wieder verschwinden konnte, zwängte sie sich durch das schmutzige, enge Fensterloch. Auf der anderen Seite plumpste sie in einen dunklen Raum. Es roch feucht und modrig.

Johanna rappelte sich auf, putzte mit den Händen notdürftig ihre Hose sauber, schaute auf und blickte in einen schäbigen Keller mit verschimmelten Wänden, der nur wenig durch das fade Licht beleuchtet war, das durch das Loch in der Wand schimmerte.

„Siehst du?“, fragte Mörfi.

Johanna sah nichts.

„Vergiss nie die Fantasie!“, mahnte Mörfi. „Einmal geschaut, auf Sand gebaut. Zweimal sehen und du wirst verstehen!“

Johanna gab sich Mühe, ganz genau hinzugucken … und mit einem Mal … erkannte sie … schwache Konturen. Sie rieb sich die Augen, guckte noch mal hin. Die Konturen wurden schärfer. Als ob man durch ein beschlagenes Fenster blickte, das langsam klar wurde.

Aus den nebelhaften Erscheinungen entstanden Figuren, die sich zu bewegen schienen. Lebende Wesen!

„Abgesandte von Fehlerteufel-Familien aus ganz Europa“, erklärte Mörfi.

Johanna stutzte. Hatte Mörfi nicht zu Beginn ihres Kennenlernens behauptet, es wäre das letzte Fehlerteufelchen derWelt?

„Nein!“, widersprach Mörfi.

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