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Mein geheimes Verlangen

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Autorenvita
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Mit Leder und Peitsche – Mein geheimes Verlangen

Über dieses Buch

Simone ist seit 15 Jahren mit ihrem Mann Tobias verheiratet. Sie liebt und vertraut ihm. Dennoch bringt sie es nicht übers Herz, Tobias von ihren erotischen Träumen zu erzählen: Sie möchte ihn als Domina verführen. Simone vertraut sich ihrer besten Freundin Tessa an. Denn Tessa lebt mit ihrem Partner die wildesten SM-Fantasien aus. Die beiden nehmen Simone mit in einen sehr speziellen Club. Werden sich hier ihre heimlichen Träume erfüllen?

Mein geheimes Verlangen erzählt die Geschichten von Frauen im besten Alter und der Erfüllung ihrer heimlichen erotischen Wünsche.

Autorenvita

Zoe Held wohnt im Westen von München mit Blick auf die Berge. Die Ideen zu ihren Geschichten fallen ihr beim Bergwandern, Skifahren oder auch auf dem täglichen Weg zur Arbeit ein. In ihrer Freizeit reist sie gerne, vor allem nach Skandinavien, Schottland und Nordfrankreich, wo sie die kulinarischen Leckerbissen ihrer Reiseziele genießt.

Tessas Dachterrasse ist das, was ich ohne jedes Zögern als Paradies bezeichnen würde. Der Boden ist aus edlem, glattem Holz, entlang der Brüstung stehen perfekt gepflegte Pflanzen und sogar zwei Palmen in schweren Kübeln. Ein Whirlpool schmiegt sich in die Ecke. Die schweren Rattanmöbel sind groß und einladend, und der Sonnenschirm ist eines dieser riesigen Modelle, die an einem Arm hängen.

Ich muss mich jedes Mal wieder zwingen, nicht den Atem anzuhalten, wenn ich aus ihrer umwerfenden Wohnung auf diese noch umwerfendere Dachterrasse hinaustrete. Tessa und Jan haben lange nach der perfekten Wohnung gesucht, aber das Warten hat sich ohne Frage gelohnt.

Ich trage zwei Cocktails, alkoholfreie Ipanemas, nach draußen. Tessa trinkt seit Jahren kaum noch Alkohol, und ich muss heute noch fahren. Tessa folgt mir mit Mineralwasser sowie Salzgebäck und Gummibärchen auf einem weißen Porzellanteller. Sie schiebt den Teller neben die Cocktailgläser auf den grob behauenen Granitblock, der als Tisch dient.

»Sag nichts. Ich weiß, es ist unpraktisch.« Tessa nimmt mir die Worte aus dem Mund und grinst mich breit an. »Und außerdem unbequem. Aber Jan fand es schick, und es hat was, oder?«

Ich verdrehe die Augen und seufze theatralisch. »Super unbequem«, urteile ich, fläze mich auf das Sofa und versuche, meine Füße auszustrecken, was an dem Granitblock scheitert. »Aber was willst du machen, wenn Jan es haben will?«

Noch einmal versuche ich, mit gespielter Mühe meine Beine neben dem Granitblock unterzubringen. Ich weiß genau, dass Tessa hinter diesem Kauf steckt. Jan ist viel zu praktisch veranlagt für solche Spielereien.

Tessa hat wenigstens den Anstand, rote Wangen zu bekommen. Sie hebt ihr Cocktailglas hoch. »Durchschaut. Ich bin schuld. Ich habe mich im Urlaub in diesen Felsblock verliebt. Aber sobald ich ein bisschen Zeit habe, kaufe ich wieder einen normalen Tisch. Den Block kann man ja auch zur Seite schieben. Dorthin, vielleicht.« Sie deutet neben das dreisitzige Sofa und winkt dann ab. »Ein paar Blumen drauf, und es sieht aus, als hätten wir es schon immer so geplant. Was meinst du?«

Ich lache auf. So ist Tessa. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, muss sie es haben und denkt nicht lange darüber nach, ob es auch sinnvoll ist. Das war schon nach dem Abitur so, als sie ohne jedes Zögern nach Hamburg gezogen ist, um Statistik zu studieren. Und dort hat sie auch ihren Jan getroffen, mit dem sie nach dem Studium nach München zurückgekehrt ist.

»Jan hat mir schon einen Vortrag darüber gehalten, dass ich endlich erwachsen werden muss. Aber, weißt du was? Ich hab’s von meinem Geld bezahlt. Da kann er sagen, was er will.« Ihr freches Grinsen ist immer noch so frisch wie damals, als sie es dem ganzen Jahrgang gezeigt hat. Niemand hätte einem Mädchen mit ihrem Aussehen ein Abitur in Mathe zugetraut, und erst recht kein gutes. »Aber sonst ist bei uns wenig Spannendes passiert. Ich habe ein neues Au-pair aus Ungarn. Sie hat heute frei, darum ist Jan mit der Erbse im Zoo. Hanna muss aufhören, also suche ich eine neue Putzfrau, was einfacher klingt, als es ist. Und die Erbse steht neuerdings auf Rosa und Prinzessinnenglitzer. Ich frage mich ernsthaft, was ich bei ihrer Erziehung falsch gemacht habe.«

Heute trägt Tessa für ihre Verhältnisse legere Kleidung, eine kurze Hose und ein hautenges Top, das ihre schlanke Taille betont. Sie streicht sich die kurzen Haare hinter die Ohren und setzt sich in den Schneidersitz. Wenigstens gibt Tessa zu, das ihr Zuhause nur dank fremder Hilfe so makellos aussieht. Wenn ich nicht wüsste, wie viele Selbstzweifel meine Freundin trotz ihrer Karriere und dieses perfekten Zuhauses hat, ich könnte wirklich neidisch werden.

»Das wächst sich aus. Laura hatte diese Phase auch. Dafür ist Flo neuerdings der Überzeugung, dass Mädchen eklig sind.« Ich verdrehe die Augen und bin froh darüber, dass meine beste Freundin offenbar nur plaudern will. Zu Hause hatte ich noch den festen Vorsatz, mit ihr über diese anderen Dinge zu reden, die mich beschäftigen. Aber wie soll ich damit anfangen?

Tessa schneidet eine Grimasse in meine Richtung. »Du bist aber nicht gekommen, nur um mit mir über meine Gartenmöbel und die Kinder zu reden, oder? Tobi und du? Sag schon, irgendetwas liegt dir doch auf dem Herzen.«

Das ist der Nachteil an einer Freundin, die man seit mehr als zwanzig Jahren kennt: Sie merkt alles, und das sofort. Mein Mund wird trocken. Verlegen trinke ich noch einen Schluck von meinem Cocktail und betrachte Tessa über den Rand des Glases hinweg. »Tobi und ich … wir haben uns auseinandergelebt. Da ist kein Feuer mehr«, fange ich vorsichtig an.

»Kein Sex«, bringt Tessa es auf den Punkt und wird nicht einmal rot dabei. »Oder zumindest kein ordentlicher Sex mehr. Nur noch im Ehebett, wenn die Kinder schlafen und alles dunkel ist?«

Ich beiße mir auf die Unterlippe und zuckte mit den Schultern. Die Einzelheiten braucht Tessa nicht zu wissen, aber das trifft es schon ganz gut. »Mir kommt es so vor, als würden wir nebeneinander leben. Nicht mehr miteinander. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass Tobias mich betrügt.«

»Das ist Quatsch, Simi. Tobias dich betrügen? Tobias vergöttert dich, seit ihr euch in der siebten Klasse über den Weg gelaufen seid! Er liegt dir zu Füßen, Süße, und geht dir im Leben nicht fremd!« Tessa zieht ihre perfekt geschwungenen Augenbrauen nach oben. »Vielleicht hat er nur eine stressige Phase auf der Arbeit?«

»Die dauert dann aber schon ganz schön lange.« Ich starre angestrengt in mein Glas und lasse die letzten Reste der Eiswürfel kreisen. Eigentlich kann ich mit Tessa über alles reden. Zwei Jahre Mathematik-Leistungskurs als einzige Mädchen schweißen zusammen. Aber wie soll mir Tessa helfen? »Ich weiß schon, was du jetzt gleich sagst, Tessa.«

»Dass ich es dir schon immer gesagt habe?« Sie betrachtet mich über ihr Glas hinweg eingehend. Eine Falte taucht auf ihrer Stirn auf. »Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um einzusehen, dass du glücklich bist. Ich dachte immer, du verschwendest dein Talent dort auf dem Dorf mit einem Halbtagsjob und zwei Kindern. Kuchen backen und Marmelade kochen und all das.« Sie winkt ab, als ich etwas dazu sagen will. »Aber du bist nun mal so. Es macht dich glücklich, also ist es okay. Und darum werde ich mich hüten, irgendetwas darüber zu sagen. Für dich und Tobi passt das einfach.«

»Zu Tobi offenbar nicht mehr.« Die Eiswürfel schmelzen vor sich hin. Ich beobachte die Wasserschlieren im Glas, als würden sie mich wirklich interessieren. »Meinst du, ich gefalle ihm nicht mehr? Ich meine, wenn er sich eine Jüngere …«

»Du solltest dich hören, Simi. So ein Unsinn!« Tessa widerspricht mir vehement und schüttelt den Kopf dabei so heftig, dass ihre Haare fliegen. »Wer hat dir das denn in den Kopf gesetzt? Das klingt gar nicht nach dir.«

»Ich mir selbst«, gebe ich leise zu und blicke angestrengt auf meine Hände. Mein Nagellack glitzert pinkfarben. Ich liebe Nagellack, am besten in knalligen Farben. »Wenn du es genau wissen willst, Tess, bei uns läuft einfach nichts mehr. Schon länger nicht. Und entweder ändere ich etwas, oder das war’s. Ob er nun schon eine andere hat oder nicht.«

Es so deutlich auszusprechen, lässt meine Ängste noch ein kleines Stück wachsen. Was in den letzten Wochen nicht mehr als Gedanken waren, ist nun greifbar. Tessa blickt mich immer noch neugierig an, ohne jede Verlegenheit.

»Und? Was willst du jetzt tun? Sprich doch einfach mal mit Tobi, was hältst du denn davon?«

»Hab ich versucht. Er sagt, es passt alles. Angeblich ist er glücklich so, wie es ist. Aber mal im Ernst, Tess, welcher Mann ist mit einmal die Woche Blümchensex zufrieden? Früher … ich meine, als wir jünger waren …« Ich breche ab und greife hastig nach der Wasserflasche.

»Meine Güte, wir werden alle älter. Jan ist auch keine achtzehn mehr. Mein heißblütiger Student ist mit den Jahren ein sehr gesetzter Ehemann geworden.« Tessa lacht schallend auf und zwinkert mir zu. »Wenn Tobi das sagt, dann wird es schon stimmen. Ich glaube ja eher, dass du unzufrieden bist, Süße.«

Unsicher zucke ich mit den Schultern. Unzufrieden bin ich nicht. Nicht wirklich. Eigentlich ist bei uns alles wunderbar. Unser Haus, unsere Kinder, unsere Ehe, alles. Nur eben ein wenig langweilig. »Trotzdem muss sich etwas ändern.«

»Sag bloß, du hast schon einen Plan? Und ich soll ihn jetzt abnicken?« Tessa stemmt die Hände in die Hüften. »Also, schieß los.«

Tessa ist der einzige Mensch, mit dem ich offen über mein Sexleben sprechen kann, über meine Ehe und meine Zweifel und auch sonst über einfach alles. »Ja, ich habe einen Plan«, bestätige ich leise. »Ich meine … es ist einfach ein wenig langweilig geworden bei uns. Und ich brauche … ich habe da so Fantasien. Schon länger. Aber ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt, um Nägel mit Köpfen zu machen.«

»Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!« Tessa seufzt in gespielter Verzweiflung und greift zu den Salzstangen. Sie spricht weiter, während sie isst. »Also, du hast Fantasien. Schön. Du willst sie umsetzen. Auch schön. Weiß Tobi davon?«

»Nein.« Mein Herz schlägt wie wild. Zum Glück kann ich es auf die Hitze schieben, dass mir gerade der Schweiß über die Stirn läuft. Das Gleiche gilt für meine geröteten Wangen. »Ich weiß auch nicht, wie ich es ihm sagen soll.«

»Worum geht es denn?« Tessa beugt sich interessiert vor und nimmt noch eine Salzstange vom Teller. »Jetzt bin ich neugierig.«

Ein Kloß in meinem Hals macht das Sprechen beinahe unmöglich. »Unterwerfung«, bringe ich nur hervor.

Tessas Lachen tut diesmal wirklich weh. Sie wirft den Kopf in den Nacken, dann sieht sie mich mit einem amüsierten Glitzern in den Augen an. »Du? Unterwerfung? Du hast zu viel gelesen, Süße. Lass den Quatsch und sag Tobi, dass du ihn vermisst. Und gut ist.«

»Ich dachte eher … ich oben, Tobi unten.« Ich habe keine Ahnung, wie ich es besser ausdrücken soll. Ich will meinen Mann dominieren klingt viel zu kühl. Ich wäre gern die superharte Domina nimmt Tessa mir nicht ab. Ich will einfordern, was ich brauche? Das trifft es schon ganz gut. Aber es ist eben nicht alles.

Tessa winkt ab und setzt sich hastig auf. »Du? Tobi unterwerfen? Meine Güte, Simone, wie kommst du denn auf die Idee?«

Ich atme tief durch. »Tess, bitte, ich habe wirklich eine ganze Weile gebraucht, um mir diesen Wunsch einzugestehen. Und jetzt habe ich keine Ahnung, wie ich die Sache umsetzen soll. Ja, ich bin unzufrieden. Ja, mir reicht der Sex nicht, den wir zwei haben. Mach dich nicht darüber lächerlich, bitte.«

»Und wie soll ich jetzt helfen? Zu Tobi gehen und ihm sagen, dass seine Ehefrau ihn gerne dominieren würde, aber zu feige ist, es ihm zu sagen?« Tessa klingt ein wenig schnippisch und blickt sich unbehaglich um. »Simi, bitte!«

»Ich weiß auch nicht«, gebe ich zu und wünsche mir, in meinem Glas verschwinden zu können. Wenn Tessa es schon nicht versteht, wer dann? Es klingt ja auch zu dumm. Tobias und ich haben alles, was man sich nur wünschen kann. Er liebt seinen Job, wir haben zwei wunderbare Kinder, und ich kann mich im Garten austoben. So wie wir es uns immer ausgemalt haben. Doch irgendetwas fehlt. »Tessa, das ist keine Schnapsidee. Tobi und ich haben alles, was wir immer wollten. Und trotzdem leben wir nur noch nebeneinander her. Das will ich ändern, ehe wir an Langeweile ersticken.«

Tessa beißt sich auf die Unterlippe und schließt halb die Augen. Ich kenne diese Geste von früher – Tessa denkt nach und heckt etwas aus. »Und wie willst du das anstellen?«

»Ich sage doch, dass ich keine Ahnung habe!« Fantasien sind ja schön und gut, aber wie sagt man seinem Ehemann, dass man im Bett nicht mehr zufrieden ist? »Ich weiß nicht, ich dachte, ich kaufe irgendwo Handschellen oder so. Verdammt, Tessa, darum will ich doch mit dir reden!«

»Wie kommst du nur auf die Idee, dass ich die Expertin sein könnte?« Tessa seufzt leise auf und blickt zu mir. In ihren Augen liegt das freche Funkeln, das schon in der Schule den nächsten Streich angekündigt hat. »Wenn du nicht mit Tobi sprechen willst – warum versuchst du es nicht einfach mal mit einem anderen? Und wenn es gut ist, dann kannst du deinem Ehemann ja immer noch beichten, auf was du neuerdings stehst?«

Mein Herz beginnt, wie wild zu rasen. »Bist du bescheuert? Ich gehe doch nicht fremd!«

»Das meine ich ja auch nicht. Aber wenn du es ausprobieren willst – für so etwas gibt es Klubs. Ganz unverbindlich.« Tessas Stimme wird zu einem Flüstern. Sie beugt sich ein wenig vor und weicht meinem Blick aus. »Wenn du meinst, diese Erfahrung zu deinem Glück zu brauchen, Simi, dann kann ich dich gerne mal mitnehmen. Nur zum Gucken, falls du nicht mehr willst.«

Ich brauche einen Moment, bis ich verstehe, was Tessa da gerade gesagt hat. Meine Kehle ist plötzlich so trocken, dass auch ein Schluck Wasser nicht hilft. »Du kennst also so einen Klub?«, frage ich dann mit belegter Stimme. Ich will eigentlich gar nicht wissen, was Tessa mir damit noch andeuten will. Meine Hände zittern.

Tessa atmet tief durch und blickt mich von unten her an. Das freche Funkeln ist immer noch da, wenn auch versteckt unter einem ganzen Berg von Zweifeln. Ich bin beinahe ein wenig eingeschnappt, weil meine beste Freundin mir offenbar doch nicht in allem vertraut. Aber auch nur beinahe. Ich habe ihr ja bisher auch nicht erzählt, von was ich so träume, wenn ich mit Tobi schlafe.

»Jan und ich gehen ab und zu mal hin, ja. Nur zum Appetitholen.« Sie lächelt schüchtern und streicht sich verlegen durch die Haare. »Jan und ich führen auch so eine Beziehung, wenn du es genau wissen willst. Er ist weit mehr als nur der Mann meiner Träume, Simone. Er ist auch mein Dom.«

Es aus ihrem Mund zu hören, verstärkt das komische Grummeln in meiner Magengegend nur noch. Ich betrachte meine beste Freundin eingehend, die Person, die ich nach meinen Eltern und meinen beiden Schwestern wohl am besten auf der Welt kenne. Und die mir in diesem Augenblick dennoch so fremd erscheint. Ich versuche, ihre Worte mit dem Bild in Einklang zu bringen, das ich von ihr habe. Tessa war schon immer die Freche von uns beiden, die Vorlaute, diejenige, die in der Schule die irrsinnigsten Streiche ausheckte. Die zum Studium weggegangen ist, nur um Spaß zu haben. Deren Klamotten immer einen Hauch knapper und gewagter waren als angebracht.

»Wir sind da so reingerutscht«, erzählt sie weiter und knabbert immer noch auf ihrer Lippe herum. »Ich fand an Jan schon immer toll, dass er sich von mir nichts hat bieten lassen. Er hatte einfach Eier in der Hose, ganz im Gegenteil zu anderen Männern, die mich doof und zickig fanden. Und der Rest hat sich dann einfach so ergeben. Mehr steckt nicht dahinter.«

»O Gott, Tess!« Ich habe plötzlich das dringende Bedürfnis, aufzustehen und mich zu bewegen. Unruhig greife ich nach einem Gummibärchen und strecke meine Beine aus. Ich stoße gegen den Granitblock, und das arme Gummibärchen fällt mir prompt aus der Hand. »Das ist nicht dein Ernst, oder?«

»Mein voller. Also, was willst du wissen? Vielleicht kann ich es dir ja doch noch ausreden. Ich glaube nämlich nicht so ganz, dass das wirklich etwas für dich und Tobi ist.«

Ich ja auch nicht. Unsicher schneide ich ihr eine Grimasse und suche nach Worten. Wie breitet man sein ganzes Sexleben vor einer Frau aus, die ich anscheinend doch nicht so gut kenne, wie ich glaubte? Und die anscheinend sehr viel mehr Untiefen hat, als ich dachte?

Fröhliches Kinderlachen reißt uns aus unserem Gespräch. Noch immer habe ich ein wenig Scheu davor, so klar und deutlich über Dinge zu sprechen, die eigentlich nur mich und Tobi etwas angehen, aber meine Neugier hat dann doch gesiegt. Und inzwischen können Tessa und ich beinahe wieder lachen und kichern wie früher. Ihr Mann taucht im Türrahmen auf und schenkt uns ein breites Willkommenslächeln. Jan ist ein ganz anderer Typ als Tobi, aber er passt zu Tessa. Die beiden waren schon immer ein Bild von einem Paar. Tessa mit ihrer Modelfigur, Jan mit seinen breiten Schultern und dem Waschbrettbauch – der inzwischen zu einem niedlichen Bäuchlein geworden ist, das sich unter seinem Poloshirt abzeichnet.

»Was machst denn du schon hier?«, fragt Tessa ganz unverblümt und wirft ihrem Mann eine Kusshand zu.

Jan trägt seine Tochter quer über den Schultern, als wäre sie keine Siebenjährige, sondern ein Federgewicht. Amelie quietscht vergnügt. Ihre hellblonden Strähnen fallen ihr wirr ins Gesicht. »Na, ihr beiden? Stören wir?«

»Definitiv.« Tessa nickt zustimmend. »Ich dachte, ihr wolltet den Tag im Zoo verbringen.«

»Der hat schon vor einer halben Stunde zugemacht. Wir waren noch Fritten essen und haben für die beiden Damen Sushi besorgt. Aber langsam wollte ich jetzt doch nach Hause.« Jan lässt Amelie zu Boden gleiten. Die Kleine klammert sich an ihn, als ginge es um ihr Leben. Sein klarer Blick wandert über uns und scheint mich zu durchleuchten. Ich laufe knallrot an. Das Wissen, dass er Tessas Dom ist, lässt die komischsten Bilder in meinem Kopf entstehen. Ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen, auch wenn das wirklich kindisch ist.

»Theresa?«, fragt er schließlich kühl. Es ist Jahre her, dass ich gehört habe, wie jemand Tessas Taufnamen benutzt. Zuletzt war das ihre Mutter, denke ich, wenn Tessa früher wieder mal etwas ausgeheckt hatte.

Sie zuckt nur mit den Schultern und senkt kurz den Blick, nur um dann kämpferisch das Kinn anzuheben. Seine blauen Augen blitzen kühl. Dann streicht er Amelie über den Kopf.

»He, Erbse, was hältst du davon, wenn ich dir eben eine DVD einlege? Mama hat heute bestimmt nichts dagegen, wenn du länger aufbleibst und sie zu Ende guckst.« Er wartet keinen Widerspruch ab, sondern nimmt Amelie an der Hand und zwinkert ihr verschwörerisch zu. »Mama und ihre Freundin sind immer noch nicht mit Reden fertig. Hab ich dir doch gesagt.«

Amelie jubelt. Jan verschwindet mit ihr in der Wohnung. Ein paar Minuten später quakt eine Disneymelodie zu uns nach draußen. Sie stammt aus dem Film Mulan, wenn mich nicht alles täuscht. Das sollte uns ausreichend Zeit geben.

Tessa sitzt erstaunlich still an meiner Seite und pult das Etikett von der Wasserflasche. Sie hört auch nicht damit auf, als Jan zurückkommt. Er trägt Sushi, eine Colaflasche und für sich ein Bier auf einem Tablett, stellt alles ab und wirft sich neben Tessa auf das Sofa. Wie beiläufig legt er seine Hand auf ihren Oberschenkel.

»Ich bin am Ende«, verkündet er und atmet tief durch. »Die Erbse lässt sich nicht ausreden, dass sie unbedingt einen Affen als Haustier braucht.«

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