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Mit Herz, Charme und Mut

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Robyn Carr

Mit Herz, Charme und Mut

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Barbara Minden

1. KAPITEL

Als Dory Finn mit ihrem zwölf Jahre alten Wagen die Auffahrt zu ihrem kleinen Haus hochfuhr, versuchte sie zu ignorieren, dass der Motor stotterte und ein sehr hässliches Geräusch ausstieß. Eigentlich hatte sie gedacht, es läge an der Batterie, weil der Motor beim Warten an der Ampel gerne ausging, aber das hier war neu und klang wesentlich schlimmer.

Mit dem Batterieproblem kam sie klar. Die letzten Tage hatte sie an Ampeln und Stoppschildern immer in die Parkposition geschaltet und das Gaspedal bearbeitet, um das Auto am Laufen zu halten, bis sie die Batterie gegen eine neue austauschen konnte. Das Problem schien jedoch offensichtlich nicht nur die Batterie zu betreffen. „Na los, altes Mädchen …“, ermunterte sie ihren Wagen. „Komm schon …“ Sie hatte einfach kein Geld für eine größere Reparatur. Und auch ein neuer Gebrauchtwagen war nicht drin.

Das kleine Haus, dass ihr Onkel Joe ihr hinterlassen hatte, lag nicht in einem normalen Wohngebiet, sondern am Stadtrand von Fortuna, Kalifornien. Es gehörte zu einer kleinen Gruppe von ziemlich weit auseinanderstehenden Häusern. Sie hatte nur wenige Nachbarn, nebenan zog allerdings gerade ein neuer ein, Clay Kennedy. Er balancierte einen großen Umzugskarton auf den Schultern und wandte sich stirnrunzelnd um, zweifelsohne wegen des nach einer teuren Reparatur klingenden Geräuschs, das das Auto gerade von sich gab.

Sie kniff die Augenbrauen zusammen, allerdings galt ihre Aufmerksamkeit nicht mehr dem beunruhigenden Geräusch, sondern den breiten Schultern des Mannes. Vor ein paar Wochen hatte der Immobilienmakler sie einander vorgestellt. Kurz bevor Clay den Kaufvertrag für das Haus unterschreiben sollte, das fast identisch mit ihrem kleinen Eigenheim war. Eigentlich sahen alle Häuser an dieser breiten Flussbiegung beinahe gleich aus, weil sie einmal Teil einer Ferienhaussiedlung gewesen waren.

Anscheinend hatte Clay sein ganzes Leben in dieser Gegend gewohnt. Er arbeitete als Feuerwehrmann – daher die breiten starken Schultern, der flache Bauch und die schmalen Hüften. Er schien ein ganz netter Typ zu sein, doch einen zum Flirten aufgelegten männlichen Single brauchte Dory gerade gar nicht.

Kaum hatte sie die Automatik auf Parken gestellt, soff der Motor ab. Sie verkniff sich einen Fluch.

„Er ist schon wieder ausgegangen, Mama“, sagte die achtjährige Sophie.

„Tot wie eine Ratte“, warf der sechsjährige Austin ein.

Dory hatte ihn schon einmal korrigiert. Es hieß mausetot. Aber nachdem sie ihm dann nicht erklären konnte, weshalb Maus und nicht Ratte, hatte sie es aufgegeben.

Clay setzte die Umzugskiste auf seiner Veranda ab und drehte sich in ihre Richtung. Er rieb sich Stirn und Hals mit einem Tuch ab und steckte es wieder in die hintere Hosentasche. Unter den Achseln und am Halsausschnitt seines Shirts waren große Schwitzflecken, und Dory fragte sich, wie es möglich war, dass Schweiß bei einem Mann so gut aussah. Und dann schritt er mit langen Schritten durch den großen Vorgarten auf sie zu. Sie stieg aus ihrem Auto.

„Hallo“, begrüßte er sie. „Dory, stimmt’s?“

„Stimmt“, erwiderte sie. „Und Sie sind …?“

„Clay Kennedy“, antwortete er lächelnd.

Ganz bestimmt wäre er nie darauf gekommen, dass sie seinen Namen schon kannte und nicht vergessen hatte. Niemals.

„Ähm, haben Sie Probleme mit dem Wagen?“

„Halb so schlimm, wie es sich anhört. Ich kümmere mich darum“, sagte sie.

„Gibt es einen … Nun, gibt es einen Ehemann oder Freund, der Ihnen dabei helfen kann?“, fragte er.

„Ich habe das im Griff“, entgegnete sie.

Er steckte die Hände in die Hosentaschen und lächelte träge. „Alleinstehend?“

„Wie es aussieht“, sagte sie.

„Nun, welch ein Zufall“, meinte er und schob die Hände noch tiefer in seine Taschen, während er auf den Fersen wippte. „Genau wie ich.“

„Ja“, erwiderte sie. „Das hatten Sie mir schon bei unserer ersten Begegnung gesagt. Erinnern Sie sich?“

„Ach. Daran erinnern Sie sich noch, hm? Gut.“ Er linste in ihren Wagen hinein. „Die beiden hier sind schrecklich ruhig.“ Er zwinkerte den Kindern zu, bevor er sich wieder aufrichtete. „Benehmen die sich immer so mustergültig?“

„Ja. Sie sind sehr brav“, erklärte sie, dachte aber, dass sie sich manchmal wünschte, es wäre anders. Kinder, die aus gewalttätigen oder dysfunktionalen Familien stammten, waren häufig ein wenig zu brav, wandelten wie auf rohen Eiern durchs Leben, ohne dass ihnen bewusst gewesen wäre, dass sie übervorsichtig waren, um nur keine Aufmerksamkeit zu erregen oder jemanden gegen sich aufzubringen. Obwohl Dory seit Austins zweitem und Sophies viertem Lebensjahr alleinerziehende Mutter war, machte sie sich manchmal Sorgen, dass die Kinder immer noch unter den schrecklichen Erlebnissen ihrer frühen Kindheit litten. „Los, kommt raus, ihre beiden. Kommt.“

Aber dann stiegen sie wie normale Kinder aus dem Wagen, schnappten sich ihre Rucksäcke und rannten um die Wette zum Haus. Austin stolperte und flog hin. Sophie lachte ihn aus und zog ihn auf. Sie schlug ihn beim Rennen zur Haustür. Das tröstete Dory.

Sie ging ihren Kindern hinterher, als Clay plötzlich sagte: „Dory?“

Sie drehte sich um. „Hm?“

„Ich nehme nicht an, dass Sie mal ausgehen möchten?“

„Das nehme ich auch nicht an“, antwortete sie, lächelte aber wenigstens ein wenig dabei. Dann wandte sie sich erneut von ihm ab und marschierte weiter.

„Warum nicht?“ Sie drehte sich noch einmal um und sah, wie er am Kragen seines T-Shirts schnüffelte. „Ich dusche mich auch und alles.“

Da hätte sie beinahe gelacht, fand dann am Ende aber doch, dass es besser war, wenn sie hart blieb. „Nichts Persönliches. Nur zu viele andere Baustellen, Clay. Danke, dass Sie gefragt haben.“ Sie wandte sich wieder von ihm ab. „Doch das mit der Dusche – gute Idee vor einer Verabredung.“

Sie hörte ihn hinter ihrem Rücken lachen, während sie das Haus betrat.

Es stimmte – sie hatte zu viel zu tun, um sich zu verabreden. Mit ihrem Vollzeitjob in einem Supermarkt in Fortuna nebst so vielen Überstunden, wie sie schaffen konnte, zwei Kindern und der ehrenamtlichen Arbeit für eine Organisation, die alleinstehende Mütter unterstützte, blieb nicht viel Zeit übrig. Schon gar nicht für Dates. Außerdem, weshalb sollte sie sich überhaupt verabreden? Nicht nur, dass sie ihren eigenen Instinkten in puncto Männern nicht mehr vertraute, sondern sie hatte auch keine Lust mehr, die weibliche Hälfte eines Paares zu sein. Ihre einzige Erfahrung damit war mehr als schlecht ausgegangen.

Heute Abend, nach dem Essen, musste sie zu der Selbsthilfegruppe für alleinstehende Mütter, die sich im Untergeschoss einer Kirche traf. Alle Frauen brachten ihre Kinder mit – sie waren Alleinerziehende, die häufig überhaupt niemanden hatten, der ihnen den Rücken freihielt. Sie alle legten zusammen, damit sie eine ihrer Teenagertöchter bezahlen konnten, die in einem Klassenzimmer der Sonntagsschule gleich am Ende des Korridors auf die Kleinen aufpasste.

Vor drei Jahren war Dory zu einem dieser Gruppentreffen gegangen, weil sie selbst Hilfe benötigt hatte. Es hatte nicht lange gedauert, da hatten ein paar Frauen sie gefragt, ob sie ihnen nicht dabei helfen wolle, aus dem Verein eine gemeinnützige Agentur zu machen, die zum Ziel hatte, alleinstehenden Müttern und ihren Kindern unter die Arme zu greifen. Inzwischen hatten sie schon viel erreicht – Kirchen, Unternehmen und Einzelpersonen unterstützten ihre Bemühungen, und sie hatten eine Menge damit zu tun, Zuschüsse zu bewilligen. Obwohl die Frauen ständig danach strebten, noch mehr auf die Beine zu stellen, hatten sie immerhin bereits ein paar zweitägige Tagungen für alleinerziehende Mütter organisiert, die ab jetzt jeden Sommer stattfinden sollten. Außerdem stand mittlerweile auch ein Haus zur Verfügung, das Opfern von Gewalt und Missbrauch Zuflucht gewähren sollte. Es gab sogar schon eine Warteliste. Vor Kurzem hatte der Verein ein Bankkonto eröffnet, von dem sie für Dinge wie Benzin, Strom und allgemeine Notfälle Geld abheben konnten. Einige der Frauen, die sich ihrer Gruppe angeschlossen hatten, benötigten alles dringend. Ehrenamtliche Mitarbeiter hatten ihre Autos mit Spenden – Milchpulver und Säuglingsnahrung, Windeln, ein paar Konserven, Seife und Shampoo und Kindernahrung – vollgeladen. Eines Tages, so der Plan, wollten sie in der Lage sein, in ihrem Zentrum eine Notversorgungsstelle für Lebensmittel und andere notwendige Dinge des täglichen Bedarfs einzurichten.

Als Dory und die Kinder nach dem Abendessen in den Wagen stiegen, saß Clay auf seiner Vorderveranda. Er stützte die Beine aufs Geländer und trank Cola. Sie winkte ihm; er erwiderte den Gruß. Und Austin winkte ebenfalls begeistert. Manchmal tat ihr Austin leid – er hätte gut ein positives männliches Vorbild in seinem Leben gebrauchen können. Aber Dory bezweifelte, dass sie je wieder bereit sein würde, sich darauf freiwillig noch mal einzulassen.

Sie ließ den Motor an und voilà! Kein schreckliches Geräusch! Einfach angesprungen! Jesus, dieser alte Wagen konnte mit seinen Millionen von Kilometern auf dem Tacho recht launisch sein. Dory war so glücklich, dass sie sich dabei ertappte, wie sie Clay ein siegessicheres Grinsen von ihrem Platz hinter dem Steuer aus zuwarf. Sanft lächelnd hob er seine Coladose, als ob er auf den Wagen anstoßen wollte.

Ein paar Stunden später – sie kehrte gerade von dem Gruppentreffen zurück und war schon fast zu Hause – hörte sie wieder das schreckliche Geräusch. Allerdings nur leise und nicht lange. Sie probierte die Bremsen – doch wenigstens damit schien alles in Ordnung. Was auch immer dieses Geräusch verursachte, sie würde beim nächsten Treffen der alleinerziehenden Mütter einmal herumfragen, ob jemand einen Freund oder Bruder hatte, der bereit war, sich ihren Wagen einmal anzusehen. Danach würde sie sich wohler fühlen.

Nachdem Dory am nächsten Tag von der Arbeit kam, war ihr Rasen gemäht. Ihr Rasen war gemäht worden? Nun, sie hatte ihn vielleicht ein bisschen hoch werden lassen, allerdings war es erst April! Sie hatte sich immer irgendwann darum gekümmert, und es war ja nicht so, dass es hier draußen am Fluss eine Eigentümergemeinschaft gegeben hätte, die auf so etwas achtete.

Ihr neuer Nachbar stand neben seinem Haus und spritzte einen glänzenden neuen Aufsitzrasenmäher ab. Etwas in ihr zog sich zusammen und weckte in ihr eine unerfreuliche Erinnerung. Ihr Exmann Todd, Spitzname Trip, hatte auch immer viel für solche nachbarschaftlichen Gefälligkeiten übrig gehabt. Tatsächlich war er in ihrer kleinen Oklahoma-Wohnanlage so verdammt hilfsbereit gewesen, dass alle ihn für den nettesten Kerl der Welt gehalten hatten …

Die Kinder stiegen aus dem Wagen und schleppten ihre Rucksäcke hinter sich her. „Ich komme gleich“, sagte Dory zu ihnen, bevor sie zum Nachbarn hinüberlief.

Er stellte das Wasser ab, lächelte sie an. „Hallo, Dory. Wie geht es?“

„Sie müssen meinen Rasen nicht mähen“, meinte sie. „Ich habe einen Rasenmäher und kann das auch selbst erledigen.“

„Es bereitet mir keine Mühe“, erklärte er. „Ich helfe gerne.“

„Ich wünschte dennoch, Sie würden das unterlassen.“

Stirnrunzelnd musterte er sie. „Es macht mir wirklich nichts aus. Weshalb wollen Sie meine Hilfe nicht?“

Dory dachte einen Augenblick darüber nach. Sie wollte sich nicht von ihm einwickeln lassen. Deshalb. Doch ihre Antwort lautete: „Hören Sie, ich bin zu beschäftigt, um solche Gefälligkeiten zu erwidern.“

„Ja, das habe ich kapiert – beschäftigt. Schauen Sie, dann passt es doch perfekt. Ich hatte dabei keine Gegengefälligkeit im Hinterkopf.“

„Aber das ist ein ziemlich großer Garten.“

„Dory, dies hier ist ein Aufsitzrasenmäher“, erwiderte er und machte eine ausladende Geste. „Um ehrlich zu sein, bereitet es mir Spaß, mit diesem Ding herumzufahren.“ Dann ging er plötzlich und aus ihr nicht gleich ersichtlichem Grund in die Hocke. „Hallo, und wie heißt du?“

Austin war Dory gefolgt und stand nun genau hinter ihr. Er starrte Clay einen Moment lang an, bis Dory sagte: „Es ist in Ordnung.“

„Austin“, antwortete der Junge schüchtern.

„Nun, Austin, möchtest du mal eine Runde auf einem Rasentraktor drehen?“

„Wir müssen essen …“, wandte Dory ein.

„Eine ganz kleine Tour?“, fragte Clay. Dann richtet er sich auf und schaute ihr in die Augen.

„Bitte, Mami? Nur ganz kurz? Bitte?“, bat Austin sie aufgeregt.

Sie seufzte. „Bitte seien Sie vorsichtig“, meinte sie zu Clay.

„Ich fahre sehr vorsichtig“, versprach er. „Komm, Austin. Ich bringe dich zur Haustür.“

Austin kletterte begeistert auf Clays Schoß, und Clay ließ den Rasenmäher an und erlaubte Austin, die Hände aufs Lenkrad zu legen. Dann kurvten sie in großen S-Linien in Richtung Dorys Haus, damit die Tour ein bisschen länger dauerte. Als er Austin auf der Veranda ablieferte, entdeckte er dort die kleine Sophie. In ihrem Blick glomm Eifersucht auf. „Nun, ich wette, du würdest auch gerne so eine Spritztour unternehmen. Frag deine Mama“, sagte Clay.

Großartig, schoss es Dory durch den Sinn. Sie hatte seine Anmache so ziemlich im Keim erstickt. Hatte er nun etwa vor, sie über die Herzen ihrer Kinder zu gewinnen? Sophie schaute sie mit ihren großen, flehenden Augen an. „Mr Kennedy, das ist Sophie. Eine kleine, sehr schnelle Tour, bitte. Wir müssen nämlich rein“, entgegnete Dory widerstrebend.

„Sehr schnell“, versprach er. Austin kletterte herunter und Sophie herauf und Dory stand vor ihrem kleinen Haus, beobachtete und wartete. Er fuhr noch mehr von diesen großen S-Kurven, weitete die kleine Tour noch ein wenig mehr aus, und sie konnte Sophies Gelächter hören und ihr fröhliches Gequietsche, gleich nachdem sie zum Haus zurückkamen und er sie vom Rasenmäher hob.

„Danke, Mr Kennedy“, sagte sie.

„Wenn eure Mutter nichts dagegen hat, möchte ich gerne Clay genannt werden. Wir sind Nachbarn“, erklärte er. Dann machte er einen großen Bogen auf seinem Rasenmäher, winkte und rief: „Adìos!“

Und Dory dachte: Oh Mann, ich hab Probleme. Ein vollkommen netter, hilfsbereiter Mann flirtet mit mir, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

Corsica Ricos war Sozialarbeiterin und alleinerziehende Mutter eines Sohnes, den sie zu einem guten Mann erzogen hatte. Es musste nicht extra betont werden, dass sie besonders viel Verständnis für die Nöte alleinerziehender Mütter hatte. Corsica moderierte die Gruppentreffen, und sie war auch diejenige, die Dory damals angeheuert hatte, damit sie Corsica und ihre Freundinnen dabei unterstützte, aus der kleinen Gemeinschaft eine Nonprofit-Organisation mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern zu machen.

Dory hatte in nur wenigen Jahren sehr viel von Corsica gelernt. Sie wusste, wie man Spenden auftrieb, Zuschüsse bewilligte und Networking betrieb, um allen alleinstehenden Müttern, die den Weg zu ihnen ...

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