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Mission Tod

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Eric M. Smith

Kapitel 2: 44 Tage in der Hölle

Kapitel 3: Ed Gein

Kapitel 4: Michael Schmeide – Ein Verbrechen, das nie gesühnt wurde

Kapitel 5: Easter Sunday Massacre – Die Grausame Hinrichtung einer ganzen Familie

Kapitel 6: Anatoly Onoprienko – Der Terminator

Kapitel 7: Dennis „BTK“ Rader

Kapitel 8: Edmund Kemper

Kapitel 9: Aileen Wuornos

Kapitel 10: Paul Ogorzow

Kapitel 11: Das Horrorhaus von Höxter-Bosseborn

Kapitel 12: Gefangen in Perris

Kapitel 13: 100 Patienten zu Tode gespritzt: Der Patientenmörder Niels Högel

Kapitel 14: Nachwirkungen

Kapitel 15: Der „Totmacher“ Rudolf Pleil

Kapitel 16: Der Fall Dieter Zurwehme

Kapitel 17: Wo ist Felix Heger?

Kapitel 18: Wenn Kinder morden – Lorraine Thorpe (15 Jahre alt)

Kapitel 20: Ted Bundy

Kapitel 21: Ungeklärte Verbrechen

Kapitel 22: Der Pfleger von Stepping Hill

Kapitel 23: Staufen bei Freiburg: Mehrfacher Sexueller Missbrauch an einem Jungen

Kapitel 24: Der Massenmörder Peter Tobin

Kapitel 25: Die Tosa Klause in Saarbrücken-Burbach

Kapitel 26: Dirk Schiller: Von der Stasi entführt?

Kapitel 27: Mordfall Li Yangjie oder: Die Rolle der Polizei

Kapitel 28: Peggy Knobloch, oder: der Fall Ulvi Kulac

Kapitel 1: Eric M. Smith

Große Männer kamen immer näher. Eine Hand holte aus und schlug auf ihn ein. Er wollte sich bücken, verzweifelt versuchte er einen Schlag zu parieren, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen. Er sah alles wie in einem Film. Immer wieder flimmerten Bilder in seinem Kopf. Er schaute auf die Uhr und die Zeiger schienen sich sehr langsam zu bewegen.

Er wurde wach. Sein Schlafanzug war feucht. Eric wünschte sich so sehr, dass seine Alpträume endlich aufhörten. Er stieg aus dem Bett und kramte alle Klamotten aus dem alten Schrank, der schon lange nicht mehr stabil war. Schnell zog er den Schlafanzug aus und streifte seine alte, verwaschene Jeans, die schon überall gerissen war, und das raue Hemd mit den Rautenmustern über. Kurz schaute er in den Spiegel und rümpfte die Nase. Er hatte alles versucht, um die weit abstehenden Ohren ein wenig zu verändern. Doch er musste einsehen, dass die Aktionen nichts gebracht hatten. Und dann noch diese verdammten Sommersprossen. Es war einfach zum Verrücktwerden! Er wollte nicht mehr zur Schule gehen.

Missmutig holte er sein Fahrrad aus dem Schuppen und fuhr, so langsam er konnte, in Richtung der Lehranstalt. Das Gebäude brauchte schon lange einen neuen Anstrich, aber niemand kümmerte sich darum. Eine Handvoll Jungs glotzten in seine Richtung. Sein Herz schlug bis zum Hals und seine Handflächen wurden feucht. „Oh nein, jetzt bilden sich auch noch Schweißperlen auf meiner Stirn“, murmelte er so leise es ihm möglich war.

Der älteste Junge kam auf ihn zu und rempelte ihn an. Die Gruppe stand im Kreis, und so wurde er von einem zum anderen weitergereicht. Doch er konnte der Schar nicht entkommen. Schallendes Gelächter dröhnte in seinen Ohren. Nun prasselten Schläge auf ihn nieder. Er versuchte den Schlägen auszuweichen, doch die Folge war, dass sie nur noch stärker auf ihn einschlugen.

„Brillenschlange, Brillenschlange“, skandierten sie.

Tom war der Schlimmste von allen. Er riss ihm die Brille von der Nase. So lange Eric denken konnte, trug er diese Brille mit den besonders dicken Gläsern, ohne die er nichts sehen konnte. Tränen rannen über seine Wangen. Die Brille landete auf dem harten Steinboden, und Tom trat so lange auf die Gläser ein, bis sie platzten. Oh nein, was sollte er jetzt nur machen?

Endlich läutete die Schulglocke und die Bande ließ von Eric ab. Er dachte an seine Mum, die manchmal mit ihrem ganzen Körper zuckte. Warum wusste er nicht zu sagen. Dieser Zustand dauerte oft mehrere Minuten lang an. Eric hatte das Gefühl, dass er der Urheber dieser Krankheit war. Wenn sie irgendwie wütend oder enttäuscht war, rechnete er jeden Moment mit diesem schlimmen Zucken. Dann fühlte er sich schuldig und wurde sehr wütend.

In den Hosenaschen ballte er die Fäuste. Halb blind schob er sein Fahrrad den Weg entlang zum Haus seiner Großeltern. Es war ein altes Holzhaus, weit draußen am Waldrand. Hier konnte er unentdeckt spielen und die Gegend erkunden. Das Haus seiner Großeltern war mit einem sehr hellen, blauen Anstrich versehen. Zögernd klopfte Eric an die schwere Tür.

Red öffnete und betrachtete seinen Enkel von oben bis unten. „Mensch, Junge, wo hast du denn deine Brille gelassen?“

Eric trat von einem Fuß auf den anderen und fand einfach keine Worte.

Edie kam an die Tür und umarmte ihn. „Was haben die dir denn schon wieder angetan?“

Eric schluchzte heftig. Er umarmte beide und gab ihnen mehrere Küsse. „Ach, es war nichts. Ich bin mit meinem Fahrrad zu schnell in die Kurve gefahren. Dabei ist meine Brille auf den Boden gefallen.“ Er hatte ein schlechtes Gewissen, seine Großeltern so anzulügen. Auf der anderen Seite war das gerade die einzige Möglichkeit, wieder einigermaßen aus dieser Situation herauszukommen.

Als Eric Reds Gesichtsausdruck sah, war er sich allerdings nicht so sicher, dass der ihm die Geschichte abnahm. Aber was sollte er tun?

Den Rest des Tages verbrachte Eric bei seinen Großeltern.

Die letzte Woche vor den großen Ferien war besonders schlimm für Eric verlaufen. An jedem einzelnen Tag hatten die Jugendlichen ihn beleidigt und bis aufs Äußerste gereizt. Dann kam der letzte Schultag. Er freute sich auf die Ferien.

Die Sonne brannte ohne Erbarmen auf den harten Boden. Es hatte schon wochenlang nicht mehr geregnet. Alles gierte nach Wasser.

Sein Fahrrad hatte sich in dem engen Schuppen verhakt. Er nahm all seine Kräfte zusammen, riss und zerrte, bis er es befreit hatte. Die Klingel fiel scheppernd auf den Boden. Eric war einfach alles egal. So fest er konnte, trat er in die Pedale. Zuerst fuhr er noch ziellos herum. Je schneller er fuhr, umso mehr powerte er sich aus. Er bog in den Weg ein, der in einen Park hineinführte, denn er hatte erfahren, dass dort ein Sommer-Camp stattfand. Kurz hatte er überlegt, sich anzumelden, hatte diesen Gedanken aber schnell wieder verworfen. Sicherlich würde er auch dort wieder nur gemobbt werden. Aber die Neugier hatte gesiegt, und so wollte er sich das Camp einmal aus der Nähe anschauen.

Eric näherte sich langsam und vorsichtig dem Lager. Er wollte auf keinen Fall gesehen werden. Als er dort ankam, konnte er niemanden entdecken. Er ging von Zelt zu Zelt, aber es schien keiner da zu sein. Wahrscheinlich waren sie an diesem sonnigen Tag unterwegs. In der Nähe war ein kleiner See, sicherlich wollten die Kinder dort baden.

Plötzlich entdeckte er einen kleinen Jungen. So freundlich, wie er nur konnte, fragte er ihn: „Hey du! Was machst du denn hier so allein?“

Der Junge antwortete nicht. Er glotzte ihn einfach nur unverhohlen an. Die Wut stieg in Eric nach oben, wie bittere Galle.

„Ich kenne im Wald eine ganz schöne Stelle, dort habe ich einen Schatz vergraben. Willst du ihn sehen?“

„Einen Schatz?“, fragte der Junge.

„Ja, komm doch einfach mit, dann zeige ich ihn dir!“

Eric merkte, wie der Junge hin- und herüberlegte, ob er wirklich mitgehen sollte, doch offenbar siegte die Neugier. So machten sich die beiden auf den Weg. Eric kannte diesen Teil des Waldes sehr gut, er war hier schon oft unterwegs gewesen. Der Wald wurde immer dichter. Er warf sein Fahrrad in einen Strauch und fuhr blitzschnell zu dem Jungen herum. Eric erwischte ihn am T-Shirt, so dass er ihn von hinten fassen konnte. Seine Hände legten sich wie ein Schraubstock um den Hals des Kleinen. Er atmete schwer, sein Gesicht brannte und fühlte sich heiß an. Er hörte den Jungen röcheln, sein Griff verstärkte sich. Seine Wut überflutete Eric, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Er merkte noch nicht einmal, wie das Leben den Jungen verlies. Er beugte sich herunter und bemerkte, dass der Junge noch lebte. Er sah einen schweren Stein, den er gerade so hochheben konnte. Er hörte sein Blut in den Ohren rauschen. Immer wieder ließ er den Stein auf den Kopf des Jungen niederschmettern. Blut spritzte nach allen Seiten.

Eric ließ den Körper zu Boden sinken und zog ihm die Kleidung aus. Er hob einen Stock auf und zündete ihn mit seinem Feuerzeug an. Systematisch verbrannte er den Körper des Jungen. Erics Arme fühlten sich tonnenschwer an. Notdürftig bedeckte er den Körper mit Zweigen, schnappte sich sein Fahrrad und fuhr davon.

Doreen Robie hatte den Morgen mit Besorgungen verbracht. Sie hatte vor, ihren Sohn Derrick gegen 11 Uhr vom Sommercamp abzuholen. Eigentlich war sie der Meinung gewesen, dass Derrick mit seinen vier Jahren noch zu jung für das Camp war. Doch er hatte ihr so lange in den Ohren gelegen, bis sie nachgab. Sie seufzte und machte sich auf den Weg. 15 Minuten später erreichte sie das Camp. Sie suchte in den Zelten, aber sie konnte Derrick nirgendwo finden. Sie wusste nicht mehr weiter.

Doreen eilte zu Greg. Er war ein kräftiger Mann, der jedes Jahr während seines Urlaubs ein Sommercamp leitete. So auch diesmal.

„Hi Greg, wo ist denn Derrick? Ich habe ihn schon überall gesucht!“

Sofort machten sich Doreen, Greg und einige andere Helfer auf den Weg, um Derrick zu suchen. Doch sie fanden keine Spur von Derrick.

Einige Tage später gestand Eric Smith (14 Jahre alt) seiner Mutter, dass er Derrick (4 Jahre alt) ermordet hatte. Noch in der Nacht informierte die Familie Smith die Strafverfolgungsbehörden. In den Verhören gestand Eric das Verbrechen. Er erzählte, wie er in der Schule und auch durch seine ältere Schwester gemobbt worden war. Er gestand, dass er seine ganze Wut an Derrick ausgelassen hatte. Den Stock hätte er benutzt, weil er dachte, Derrick sei noch nicht tot.

Am 16. August 1994 wurde Eric Smith in einem aufsehenerregenden Prozess zu mindestens 9 Jahren Gefängnis verurteilt. Das war die Höchststrafe, die für jugendliche Mörder zur Verfügung stand. Während seiner Zeit im Gefängnis schrieb er einen Entschuldigungsbrief an Derricks Familie.

Diese Erklärung verlas er dann öffentlich im Fernsehen: „Ich weiß, dass meine Handlungen einen schrecklichen Verlust in der Robie-Familie verursacht haben, und dafür tut es mir wirklich leid. Ich habe versucht, so viel wie möglich darüber nachzudenken, was Derrick nie erfahren wird: Geburtstag, Weihnachten, jederzeit ein eigenes Haus zu besitzen, seinen Abschluss zu machen, zur Uni zu gehen, zu heiraten, sein erstes Kind. Wenn ich in der Zeit zurückgehen könnte, würde ich mit Derrick tauschen und all die Schmerzen ertragen. Ich wünschte, ich wäre überhaupt nicht zu diesem Camp gefahren. Aber ich kann es nicht mehr ändern. Ich kann die Wände, Stacheldraht und Stahl-Riegel nicht ertragen.“

Im Laufe der Jahre erfolgten verschiedene Anhörungen zur Freilassung von Eric M. Smith. Die Bewährungsbehörde hatte Bedenken in Bezug auf die Sicherheit der Bevölkerung, und auch Robies Eltern sprachen sich gegen eine Freilassung aus. So scheiterte die Anhörung zuletzt im April 2016.

Es wurde bekannt, dass Eric seit dem 3. Mai 2016 in der „Collins Correctional Facility“, einem Gefängnis im Erie County, New York, inhaftiert ist.

Kapitel 2: 44 Tage in der Hölle

Tag 22

Junko Furuta konnte nicht mehr laufen. Immer, wenn sie einen Versuch startete, knickten ihre Beine zur Seite. Sie hatte einfach nicht genug Kraft, um auf den Füßen zu bleiben. Langsam robbte sie vorwärts. In der anderen Ecke des Raums stand ein alter Blecheimer. Sie erkannte, dass die weiße Farbe an Wänden und der Decke nur noch schemenhaft vorhanden war. Hier konnte sie ihre Notdurft erledigen. Unter Aufbietung aller Kräfte erreichte sie wieder ihren Platz.

Sie erwachte aus einem Alptraum. Gekrümmt lag sie in einer Ecke. Ihr Körper schmerzte, ein bestialischer Gestank nach Urin, Kot, Blut und verbranntem Fleisch stachen in ihrer Nase.

Sie wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte. Sie sah, dass Ihre Arme und Beine übersät mit Brandwunden waren. Eine Zeitlang konnte sie nicht realisieren, wo sie war. Dann kam ihre Erinnerung zurück und überschwemmte sie Sintflutartig.

Schritte vor ihrer Tür. Sie hörte, wie sich der Schlüssel in dem schweren Eisenschloss drehte und sich der Ausgang unter lautem Knirschen öffnete. Sie schluchzte laut auf. Nein, das konnte nicht sein! Wie viele mochten sich dieses Mal wieder an ihr vergehen?

Zwei Jugendliche betraten den Raum. Sie versuchte, sich noch weiter in die Ecke zurückzuziehen. Sie krümmte sich so eng zusammen, wie sie nur konnte. Die Jungen näherten sich, ein breites Grinsen im Gesicht. Sie hatte Hunger. Sie erinnerte sich nicht mehr daran, wann sie das letzte Mal gegessen hatte. Die beiden Jungen reichten ihr eine Schüssel mit Kakerlaken. Tränen rollten ihre Wangen herunter. Sie würgte, schmeckte bittere Galle. Einer der Jungen hielt ihren ausgemergelten Körper fest, der andere öffnete ihren Mund und zwang sie, die Kakerlake zu sich zu nehmen. Ihre Kehle war staubtrocken. Sie spürte, wie Schleim aus ihrer Nase quoll und roch gleichzeitig Blut. Der größere der beiden Jungen öffnete seine Hose, während der andere sie weiter festhielt. Seine Stöße waren hart und erbarmungslos. Sie schrie, bis sie nicht mehr schreien konnte. Beide lachten und quälten sie über mehrere Stunden hinweg. Als sie endlich von ihr abließen, brach sie halb ohnmächtig zusammen. Schallendes Gelächter gellte durch den kahlen Raum. Sie wünschte sich, tot zu sein.

15. Mai

Junko Furuta stand in dem kleinen Bad und frisierte sich für diesen wunderbaren Tag. Heute war ihr 17. Geburtstag. Sie wusste, dass ihre Eltern keine großen Geschenke machen konnten. Ihr Vater hatte mit 57 Jahren gerade seinen Arbeitsplatz verloren und ihre Mutter trug mit Nähen und Ausbessern zum Unterhalt bei. Sie hatten wenig Zeit, waren ständig in Sorge, ob sie die Miete bezahlen könnten.

Mutter hatte einen Kranz mit 17 kleinen Kerzen auf dem wackeligen Küchentisch aufgestellt.

„Happy Birthday, Liebes“, sagten beide Eltern im Chor.

Junko freute sich riesig, dass sich ihre Eltern Zeit für sie nahmen.

„Schau mal, Junko, wir haben dir etwas gekauft.“ Ihre Mutter zeigte auf ein kleines Päckchen, das auf dem Beistelltisch lag.

Überrascht blickte Junko abwechselnd in das Gesicht ihrer Mutter und dann in das ihres Vaters. Das war mehr, als sie erwartet hatte. Ihre Mutter hatte eine lila Schleife auf das Päckchen geklebt. Sie nahm es und öffnete es fein säuberlich. Wow, eine CD ihrer Lieblingsband! Lange hatte sie danach Ausschau gehalten, ohne eine wirkliche Chance, sie ihr Eigen nennen zu dürfen.

„Oh, vielen Dank, ihr seid ja so lieb! Ich bin so froh, dass ich euch habe!“

Sie rannte in ihr Zimmer, nahm ihren Walkman und machte sich auf den Weg zur Schule. Während sie zur Schule ging, hörte sie die ersten Lieder auf der CD. Sie freute sich auf die Pausen und den Heimweg, weil sie dann weiterhören konnte.

Jo Kamisaku war gerade zwanzig Jahre alt geworden. Mit dreien seiner Freunde hatte er eine Gang gegründet und sie machten die Gegend unsicher. Jo lag seinen Verbündeten schon lange damit in den Ohren, dass er das ganz große Ding drehen wollte. Seinen Kumpanen erschien er als „crazy“, wie sie sagten. Aber auch sie hatten Lust, etwas ganz Besonderes zu machen.

Nach der Schule lungerten sie noch auf dem Schulhof herum und wussten nichts mit sich anzufangen. Ausgerechnet heute, an ihrem Geburtstag, musste sie nach der letzten Stunde die Tafel und die Klasse reinigen. Endlich hatte sie es geschafft. Sie summte die Melodie vor sich hin und wollte sich gerade auf den Weg nach Hause machen. Als sie den Schulhof gerade zur Hälfte überquert hatte, stellte sich die Bande ihr in den Weg. Jo nickte seinen Freunden zu und sie bildeten einen Kreis um Junko herum. Junko hatte sie schon öfter gesehen, die 4 jedoch nicht groß beachtet. Sie hatte noch nie einen Freund gehabt und litt sehr darunter. Alle Mädchen aus ihrer Klasse prahlten mit ihren Eroberungen, nur Junko konnte zu diesen Gesprächen nichts beitragen.

„Hey Junko, wie geht es dir?“ Die vier hatten Junko schon des Öfteren beobachtet und wussten, dass sie noch „Jungfrau“ war.

„Lasst mich in Ruhe, ich will schnell nach Hause.“

„Sei doch nicht so langweilig. Wenn du so weitermachst, bleibst du ewig Jungfrau.“

Seine Freunde johlten und grölten.

Junko schluckte. Jetzt bloß nicht wieder weinen! „Ich will nach Hause. Schließlich ist heute ja mein Geburtstag.“

Sie überlegte fieberhaft, ob sie das Angebot annehmen sollte. Sie hatte gehört, dass Jos Eltern wohl ganz in Ordnung seien. Und so entschloss sie sich, mit den Jugendlichen mitzugehen. Sie konnte ja von dort ihre Eltern anrufen, damit sie sich keine Sorgen machten.

18. Mai

Junkos Mutter war krank vor Sorge. Sie suchte die Telefonnummern aller Freunde ihrer Tochter und rief einen nach dem anderen an. Danach fuhr sie in die Schule und befragte Lehrer und Schüler, die ihr über den Weg liefen. Natürlich hatten ihre Klassenkameraden sie gesehen. Sie erinnerten sich auch daran, dass Junko an diesem Tag Ordnungsdienst gehabt hatte und deshalb länger in der Schule geblieben war. Doch dann verlor sich ihre Spur. Junkos Mutter ging nach Hause und hatte keine Ahnung, was sie nun tun sollte. Die Zeiger der Uhr tickten scheinbar immer langsamer, Stunde um Stunde fand den Weg in ihr Herz.

Junko Furuta war immer mehr bewusst geworden, dass sie einen sehr schweren Fehler begangen hatte. Was würden ihre Eltern jetzt denken? An ihren Geburtstag verschwendete sie keinen Gedanken mehr. Immer wieder kamen die vier Jungs zu ihr und einer oder mehrere hielten sie fest, während die anderen sich an ihr vergingen.

Die Tür ging auf. Dieses Mal war es nur Jo, der in den Raum trat. Er hatte sein Mobiltelefon in der einen sowie ein Jagdmesser in der anderen Hand. Er drückte ihr das Telefon in die Hand, während er ihr ein Messer an ihren Hals presste. „So, Junko, jetzt rufst du zuhause an und sagst deiner Mutter, dass du bei Freunden bist.“

Mit zitternden Fingern wählte sie die Telefonnummer. Nach kurzem Klingeln kam ihre Mutter ans Telefon.

„Hallo Mama, ich bin’s, Junko.“

Sie hörte ihre Mutter schluchzen und fast unverständlich stammeln: „Hallo, Junko. Ich habe dich schon überall gesucht. Ich bin sehr verzweifelt. Wo um alles in der Welt bist du?“

„Keine Sorge, Mutter, ich bin bei Freunden. Es geht mir gut. Wir haben hier meinen Geburtstag gefeiert.“

„Aber warum kommst du dann nicht nach Hause?“, fragte die Mutter.

Jo drückte das Messer noch fester an Junkos Hals. Feine Blutstropfen bildeten sich und fanden den Weg auf den Boden. Ihr T-Shirt färbte sich am oberen Rand rot ein.

„Ach Mama, es ist so schön hier. Ich bleibe noch einige Zeit.“

Jo nahm das Handy und schaltete es aus. Er grinste. „Das hast du sehr gut gemacht, Junko. Vielleicht missbrauche ich dich heute mal nicht.“

Junko wollte weinen, aber sie schluckte die heißen Tränen hinunter.

5. Juni

Es war einer dieser Tage, an denen sie besonders schlimme Erniedrigungen ertragen musste. Inzwischen war es Winter geworden und Schnee und Kälte hatten die ganze Region in ihrer Hand.

In den vergangenen Tagen hatte Junko immer wieder mal die Hoffnung gehegt, dass Jos Eltern doch merken mussten, was da in ihrem Haus passierte. Dann waren auch Besucher ins Haus gekommen, und wieder hatte sie gehofft, dass irgendjemand sie hören würde. Immer wieder versuchte sie, sich bemerkbar zu machen. Die Folgen waren umso härtere Misshandlungen.

Einmal hatte sie das Handy von Jo in die Finger bekommen. Doch kaum hatte sie gewählt, riss er es ihr aus der Hand.

„Habe ich dich erwischt!“, rief er lauthals.

Voller Angst schaute sie ihn an. Was würde jetzt folgen?

Der Raum, in dem sie eingesperrt war, hatte eine Lampe mit einer einzigen Glühbirne. Da es keine Fenster gab, war das Licht den ganzen Tag an. Jo kramte ein Taschentuch aus seiner Hose, schraubte die Glühbirne aus der Fassung und holte eine Taschenlampe aus seiner Jacke. Er zerrte Junko an ihren Haaren, riss ihr die Hose vom Leib und hielt die glühend heiße Birne an ihre Scheide.

Junko schrie und schrie, wie sie in ihrem Leben noch nicht geschrien hatte. Das Fleisch verbrannte und bald lag ein beißender Gestank in der Luft. Junko fiel in eine tiefe Ohnmacht, aus der sie am liebsten nie wieder aufwachen wollte.

Ein langgestrecktes Lagerhaus hatte die Bande für ihre Treffen ausgesucht. Die Halle war mit verschieden Räumen versehen. Sie hatten ihre Gefangene in einem Zimmer untergebracht.

Junko war inzwischen in einen Dämmerschlaf gefallen. Am Rand ihres Bewusstseins war ihr, als ob sie Schritte hörte. Sie erreichten das Lager und zwei hielten sie fest. Einer der Jugendlichen nahm sein Feuerzeug und zündete Junko an. Langsam kokelte sie vor sich hin, und dann stand ihre Kleidung plötzlich in Flammen.

„Scheiße, Mann, was habt ihr mit ihr gemacht?“ Jos Augen leuchteten wie Sterne in der Nacht. Wieder griff er zu seinem Feuerzeug und steckte auch noch die letzten Stoffreste an. Die Flammen loderten an Junkos Körper entlang.

Letzter Tag

Junko nahm ihre Umgebung nicht mehr wahr. Sie hatte keine Kraft mehr, etwas zu essen oder zu trinken. Sie war nur noch Haut und Knochen. Da war kein Gramm Fett mehr, sie konnte auch nicht mehr kriechen. Leise stöhnte sie. Sie hatte nur noch einen Gedanken: Sie wollte sterben, und zwar jetzt, gerade in diesem Moment.

Jo und seine Kumpane zündeten Junko ein drittes Mal an. Und dieses Mal starb Junko an den Folgen der Folter und ihren Verbrennungen. Am nächsten Tag „entsorgten“ die vier Jungs Junko in einem Fass.

Kommentar:

Junko Furuta wurden in den 44 Tagen ihrer Gefangenschaft mehr als 400 Mal vergewaltigt.1 Sie wurde mehrmals gezwungen, ihre Eltern anzurufen und zu sagen, sie sei mit einem Freund unterwegs. Jeden Tag wurde sie von ihren Peinigern geschlagen, und die Bande zündete Böller in ihren Ohren, Geschlechtsteilen und ihrem Mund. Man warf schwere Gegenstände auf sie und drückte brennende Zigaretten auf ihrem Körper aus.

Als Junkos Mutter mehrere Wochen später über die Nachrichten erfuhr, was passiert war, fiel sie in Ohnmacht. Sie wurde zur Alkoholikerin und war gezwungen, an verschiedenen Therapien teilzunehmen.

Alle vier Täter wurden nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Jo wurde 1999 verurteilt und im Jahre 2004 wieder entlassen. Nach seiner Entlassung geriet er erneut auf die schiefe Bahn. Er verbrachte weitere sieben Jahre in Gefangenschaft, für ein Verbrechen, das vergleichsweise geringfügig war.

Das Schlimmste zum Schluss: Sehr viele Leute hatten von der Anwesenheit Junkos in diesem Haus gewusst. Wenn sie zu Besuch waren, schlugen auch sie die junge Frau und missbrauchten sie. Auch Jos Eltern wussten von ihrer Anwesenheit, wagten es aber aus Angst vor ihrem Sohn nicht, aktiv zu werden.

1 www.horrorfakten.com

Kapitel 3: Ed Gein

Plainsfield in Wisconsin war ein kleines Nest mit 642 Einwohnern. Hier kannte jeder jeden. Doch hinter der Fassade frommer Scheinwelt existierte das Grauen. Edward Theodore Gein, genannt Ed Gein, war einer von zwei Brüdern. Sein Vater, George Philip Gein, und dessen Frau, Augusta Wilhelmine, hatten noch einen älteren Sohn mit dem Namen Henry Goerge Gein.

George war ständig arbeitslos. Immer dann, wenn er gerade eine Arbeitsstelle gefunden hatte, wurde er wegen seines exzessiven Alkoholkonsums wieder gefeuert. Wenn er getrunken hatte, wurde er sehr brutal und schlug die beiden Kinder. Seine Frau hatte den einzigen Lebensmittelladen im Dorf und hielt die Familie mehr schlecht als recht finanziell über Wasser.

Ed litt schon als ganz kleines Kind unter der Alkoholsucht seines Vaters auf der einen und dem fromm verbrämten Erziehungsstil seiner Mutter auf der anderen Seite. Zwischen Augusta Wilhelmine und ihm entstand so im Laufe der Jahre eine symbiotische Bindung. Jeden Tag musste er eine Andacht seiner Mutter über sich ergehen lassen. Diese suchte sich bestimmte Stellen aus dem Alten Testament aus, in denen Gott als rächender, mordender Gott dargestellt wurde. Sie verfolgte eine Erziehung durch Separation. Ed durfte zwar zur Schule gehen, daneben waren ihm aber Kontakte zu anderen Kindern strengstens untersagt. Immer wieder predigte Augusta Wilhelmine ihren Söhnen die Sündhaftigkeit menschlicher Sexualität. Sie behauptete, Sexualität dürfe nur zur Fortpflanzung ausgeübt werden. Nachdem sie etwas Geld gespart hatte, kaufte sie eine Farm in einer verlassenen Gegend.2 So sollten beide Jungs vor „schlechten äußeren Einflüssen“ geschützt werden.

1944: Der Brand

Es war ein schöner Herbsttag. Nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, schien die Sonne wunderschön und erwärmte Wald und Feld.

Ed war schon länger wach. Er fixierte einen imaginären Punkt an der Wand. Heute war der große Tag. Er hatte alles im Schuppen parat gelegt, was er brauchte: Benzin als Brandbeschleuniger, eine Kordel und ein Sturmfeuerzeug.

Eine nie gekannte Erregung erfasste seinen ganzen Körper. Ein Kribbeln lief ihm den Rücken herunter, bis in seine Beine und Füße.

Die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang hatte er als Zeitpunkt gewählt. Er wusste, dass dann nur sein Bruder im Haus war. Henry war ihm schon immer vorgezogen worden. Er war fünf Jahre älter als Ed. Er hing mit seinen Freunden ab, trank und schlug die Zeit tot. So war im Laufe der Jahre eine Wut in Henry entstanden, die er nicht mehr unter Kontrolle hatte.

Er ging in den Schuppen und holte die Utensilien, die er für die Tat benötigte. Henry war wohl gerade in seinem Zimmer. So leise er konnte, ging Ed in die Küche. Er nahm die Kordel, den Benzinkanister und sein Sturmfeuerzeug. Dann tauchte er die Kordel in den Benzinkanister und verteilte das Benzin überall auf die Möbel. Die Küche hatte einen Hinterausgang, der in den Garten führte. Er ging bis an die Tür und entzündete das Benzin mit Hilfe der Kordel. So schnell er konnte warf er die Tür auf und stürmte nach draußen.

Eine gewaltige Explosion erschütterte das Haus bis in seine Grundfesten. Blitzschnell verbreitete sich der Brand. Ed fand eine Stelle, an der er geschützt war. Er wusste, dass in der Nähe eine Telefonzelle stand. Er wartete noch ein wenig und lief dann zur Telefonzelle, um den Sheriff und die örtliche Feuerwehr zu benachrichtigen.

Solch eine Brandkatstrophe hatte es in Plainsfield noch nie gegeben. Trotzdem gelang es der Feuerwehr, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Für Henry kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er konnte nur noch tot geborgen werden.

Während der Befragung durch die Polizei gab Ed an, dass er seinen Bruder in dem starken Qualm nicht mehr gefunden hätte. „Ich habe ihn echt aus den Augen verloren“, teilte er den Beamten mit. Dabei machte er pflichtbewusst eine traurige Miene.

Als das Feuer endlich gelöscht war und keine Gefahr mehr bestand, betrat Ed mit den Polizisten das Haus. Zielstrebig ging er in das Zimmer seines Bruders. Dort lag der Leichnam von Henry Gein. In der Obduktion wurde bei Henry ein Schädeltrauma gefunden. Trotzdem wurde als Todesursache „Erstickungstod“ in die Sterbeurkunde eingetragen. Seine Mutter verstarb im darauffolgenden Jahr und Ed lebte von diesem Zeitpunkt an allein auf dem elterlichen Grundstück.

8. Dezember 1954: Ed Gein und seine VerbrechenH1@

An diesem Tag, es war ein Freitag, fuhr Ed Gein mal wieder mit seinem Pickup durch die Umgebung. In letzter Zeit kam das öfter vor, ohne dass er wusste, warum er es tat. Seine Waffen – ein scharfes Jagdmesser, seine Pistole und sein Gewehr – hatte er auf der Rückbank deponiert.

Im angrenzenden Wald ging er auf die Jagd, um Wild zu erlegen, das er in den Dörfern zum Verkauf anbieten wollte. Es war schon spät am Abend, als er schließlich Pine Grove erreichte. Er hatte kein Wild erlegen können so sehr er sich auch anstrengte. „Wieder nichts geschossen“, murmelte er vor sich hin.

Er wusste, dass sich in der Nähe ein Pub befand und steuerte seinen Wagen auf den Parkplatz. Kein anderes Auto stand dort. Er öffnete die Tür und ging zum Tresen. „Niemand da?“, schrie er.

Nichts rührte sich. Ed erklomm die Treppe und inspizierte die Räume. Rechts war ein kleines Badezimmer und links kam er ins Schlafzimmer. Von einem kleinen Bügelzimmer führte eine Treppe auf den Dachboden. Ed rannte mehr als dass er ging die Treppe hinunter. Er spuckte in eine Ecke, und ging in die angrenzende Küche. Die 51-jährige Gastwirtin Mary Hogen stand am Herd, Eier brutzelten in der Pfanne. Sie hatte Ed schlicht nicht gehört. Dies sollte sie mit ihrem Leben bezahlen.

Ed trat unbemerkt hinter sie, holte sein Jagdmesser aus der Hose und schnitt ihr in den Hals. Das Blut spritzte und Mary sank zusammen. Ihr Blick wurde glasig.

Nachdem Ed sich versichert hatte, dass sie tot war, verließ er den Tatort.

16. November 1957

Am 16. November 1957 wurde die 58-jährige Ladenbesitzerin Bernice Worden aus ihrem Geschäft in Plainfield entführt und ermordet.3

Sheriff Tod Baker und seine Mitarbeiter nahmen die Ermittlungen noch am Tag des Verschwindens von Bernice Worden auf. Baker wurmte immer noch, dass der Tod von Mary Hogan nie aufgeklärt werden konnte. Ja, es gab einige Verdächtige. Aber niemandem konnte wirklich nachgewiesen werden, dass er die Tat begangen hatte.

Als Baker sich den Modus Operandi der neuerlichen Tat anschaute, war er wie elektrisiert. Er ging in einer Nachtschicht noch einmal alle Verdächtigen im Fall Mary Hogan durch. Nach der fünften Tasse Kaffee fiel ihm eine Akte in die Hände, die ihn ganz besonders interessierte. Er blätterte die Unterlagen konzentriert von vorne bis hinten durch, verglich die Umstände und Tatwaffe. Er wollte die Schilderungen bereits zur Seite legen, als sein Blick an einer Stelle hängen blieb.

„Na, sieh mal einer an. Ed Gein, das gibt’s doch überhaupt nicht!“ Es war inzwischen sechs Uhr früh.

Er riss das Telefon an sich und alarmierte alle seine Mitarbeiter, um ihnen die Neuigkeiten mitzuteilen. Keiner von ihnen hatte in dieser Nacht gut geschlafen. Sie verständigten sich und machten so wenig Aufhebens um die Sache, wie es nur möglich war. Eine gute Stunde später drangen sie in das Farmhaus von Ed Gein ein. Ein bestialischer Gestank schlug ihnen entgegen. Was sie dort sahen, sollten sie ihr Leben lang nicht vergessen.

Die Leiche von Bernice Worden war ausgeweidet worden. Sie hing mit den Füßen nach oben an einem Fleischerhaken. Auf dem Boden unter der Leiche hatte sich eine große Blutlache gebildet, die zum Teil schon getrocknet war. Tod war so einiges gewohnt, doch auch sein Gesicht hatte eine grünliche Färbung angenommen. Je weiter sie in das Haus vordrangen, desto mehr unterschiedliche Teile von anderen Leichen fanden sie. Es war eine Sammlung aus Nasen, weiblichen Geschlechtsorganen und Masken aus menschlicher Gesichtshaut. Die Köpfe seiner Opfer hatte Ed Gein abgetrennt und benutzte sie als Schüsseln, um seine Hunde und Katzen zu füttern.

Die beiden Morde konnten ihm nachgewiesen werden. Alle übrigen Leichen hatte Gein auf Friedhöfen ausgegraben und verstümmelt. Außerdem fanden die Ermittler in der Küche ein menschliches Herz. Ob Gein tatsächlich auch ein Kannibale war, blieb unklar.

Am 26. Juli 1984 verstarb Gein im Central State Hospital an einer Krebserkrankung.

2 www.de.wikipedia.org/wiki/Ed Gein

3 www.wikipedia.org/wiki/Ed Gein zuletzt aufgerufen am 08.11.17

Kapitel 4: Michael Schmeide – Ein Verbrechen, das nie gesühnt wurde

10. Oktober 1969

Es war ein typischer Tag im Oktober. Schon morgens waberte der Nebel über die Felder. Aber entgegen der vergangenen Tage wollte er sich einfach nicht auflösen. Ab und zu nieselte es, und das Thermometer zeigte 6 Grad Celsius an.

Michael trug einen Trenchcoat, der eigentlich zu groß für ihn war. Er war eher schmächtig und damit wesentlich kleiner als seine Freunde. Außerdem trug er einen weißen Pulli mit Stehkragen, eine helle Cordhose und braun-rote Schuhe. Sein Mofa war sein ganzer Stolz. Nachdem er die Schularbeiten erledigt hatte, fuhr er los, um seine Freunde zu treffen.

Seine Klassenkameraden vom Konrad-Heresbach- Gymnasium in Mettmann erinnern sich später, ihn an diesem frühen Abend noch dort angetroffen zu haben.

Klaus: „Ja, wir haben ihn gegen Abend noch gesehen. Er sagte, er wollte zur Disco fahren, aber nicht lange dortbleiben.“

An diesem Abend verschwand Michael Schmeide spurlos. Seine Mutter war sehr besorgt. Sie konnte sich einfach nicht erklären, wo Michael gelandet sein sollte. Noch am gleichen Abend informierte sie die Polizei.

Am nächsten Morgen wurde das Mofa von Michael an der Straße zwischen Mettmann und Erkrath am Straßenrand gefunden.4 Der Rückspiegel war abgebrochen, vom Fahrer fehlte jede Spur. Es gab Schleifspuren in der Nähe des Mofas weswegen die Beamten mutmaßten, Michael könnte gestürzt sein.

In den folgenden Tagen meldete sich ein Zeuge bei der Polizei. „Hallo, ich möchte eine Aussage im Fall Michael Schmeide machen.“

Gottfried Berns stand kurz vor seiner Pensionierung. Verzweifelt hatte er mit seinem Team alle möglichen Spuren verfolgt, ohne einen Durchbruch zu erzielen.

Gottfried geriet sofort in Aufruhr. „Wer sind Sie und was ist Ihnen aufgefallen?“, fragte er.

„Mir ist ein LKW aufgefallen, dessen Fahrer in halsbrecherischer Fahrt aus der Straße ‚Am Wiesengrund‘ am Goldberg auf die Hauptstraße einbog. Mehrfach produzierte er Beinahe- Verkehrsunfälle, und dann hat er seine Fahrt in Richtung Neandertal fortgesetzt.“

Die Analyse der Lackspuren am Mofa von Michael hatte ergeben, dass es sich um einen capriblauen Hanomag-Laster mit „Plattschnauze“ des Typs F45, F65 oder „Matador“ mit Plane gehandelt haben könnte.

Drei Wochen blieb die Suche nach Michael ohne Erfolg. Dann kam der 1. November 1969. Um vier Uhr nachmittags klingelte das Telefon im Büro der Kalkwerke Oertelshofen. Ein Mitarbeiter aus dem Steinbruch erzählte: „Ich habe gerade im Steinbruch eine Leiche entdeckt.“

Seniorchef Hermann Iseke erinnerte sich genau an diesen 1. November. An diesem Tag sollte die Suche nach dem vermissten Schüler aus Erkrath eine äußerst spektakuläre Wendung nehmen. Tatsächlich stand schnell fest, dass es sich bei dem Toten um Michael Schmeide handelte.

Gottfried Berns war in seiner Stimmung innerlich zerrissen. Auf der einen Seite war er dankbar, dass Michael gefunden worden war. Auf der anderen Seite wurmte es ihn, dass der Fall trotzdem noch nicht geklärt war.

Der damalige Betriebsleiter der Kalkwerke Oetelshofen, Rüdiger Peil, sagte zu Gottfried: „In der Nähe des Fundortes gab es an diesem Tag eine Sprengung.“

Die Düsseldorfer Mordkommission wird die Geschehnisse später so rekonstruieren:6

Vermutlich wurde der 16-Jährige auf dem Heimweg von Mettmann nach Erkrath im Neandertal von einem Lastwagen angefahren und schwer verletzt. Der unbekannte Fahrer zog den Jungen aus und legte ihn im Gebüsch des Steinbruchs ab, wo er später starb.

Durch die Erschütterungen der Explosion war das Opfer über den Abhang auf die Straße gerutscht. Die Suche nach der Kleidung des Jungen blieb jedoch erfolglos.

Alle Anstrengungen, den Täter zu finden, blieben ohne Erfolg. Immer wieder wurden Zeugen befragt und mehr als 250 Fahrzeuge überprüft. Es gab sogar einen Film über den Fall Michael Schmeide. Aus 450 Metern Filmmaterial mit Zeugenaussagen und Kommentaren der Kriminalpolizei wurde ein 50-minütiger WDR-Beitrag. Außerdem hatten die verzweifelten Eltern einen Privatdetektiv eingeschaltet.

Der Täter konnte dennoch nie ermittelt werden.

4 www.rp-online.de/staedte/ratingen/mord-an-michael-sch…

5 www.pixabay.com

6www.rp-online.de/nrw/staedte/ratingen/mord-an-michael-sch… Wörtliche Zitate sind kursiv gedruckt.

Kapitel 5: Easter Sunday Massacre – Die Grausame Hinrichtung einer ganzen Familie7

Es war Ostersonntag, der 30. März 1971. James Urban Ruppert erschoss elf Familienmitglieder im Haus seiner Mutter. Unter den Opfern waren acht Kinder. Diese Tat wurde als das „Easter Sunday Massacre“ bekannt. Es handelt sich um die größte Schießerei in einem Privathaushalt, die je in den USA stattgefunden hat.

James Ruppert wurde am 29. März 1934 geboren. Er lebte bis zu dieser Tat bei seiner Mutter. James hatte bereits in seiner Kindheit große Probleme. Seine Mutter hätte lieber ein Mädchen gehabt, das ihr im Haushalt zur Hand ging. Sein Vater war äußerst jähzornig; er starb, als James zwölf Jahre alt war. Sein Bruder Leonhard Jr. war zu diesem Zeitpunkt erst vierzehn Jahre alt. Daraufhin übernahm Leonhard Jr. die vakante Vaterrolle. Doch er hänselte James, wo er nur konnte.

Als James sechzehn Jahre alt war, konnte er mit dem Leben nichts mehr anfangen.

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